Kommentar: Trumps Strategie gegen Iran – eine fatal falsche Einschätzung
Fatal falsche Einschätzung
Er sei überrascht, dass die Iraner weinten, sagte US-Präsident Donald Trump dem amerikanischen Newsportal Axios über die sechstägigen Trauerzeremonien für Ajatollah Ali Chamenei vergangene Woche. Er habe gedacht, alle hassten Chamenei. Was soll man über so viel Unwissenheit über den schiitischen Glauben, das Land und seine Kultur noch sagen? Und was sagen diese Äußerungen erst über Trumps Verständnis der iranischen Machtverhältnisse aus?
Ein Blick auf die Ergebnisse der letzten Präsidentschaftswahlen hätte gereicht, um zu wissen, dass das Regime in der Bevölkerung Rückhalt genießt.
Auch wenn es im Iran keine wirklich freien Wahlen gibt, aber das Endergebnis deutet auf die Stimmung im Land hin: Zwar gewann Massud Peseschkian die Stichwahl, doch gut 45 Prozent hatten den radikalen Hardliner Saeed Jalili gewählt, der jetzt aus der äußersten erzreaktionären religiösen und politischen Ecke gegen die Verhandlungen mit den USA wettert.
Die fatal falschen Einschätzungen Trumps haben Folgen: Das iranische Regime hat trotz unzähliger Luftangriffe nicht kapituliert, es ist trotz der Tötung seiner Führungsspitze nicht kollabiert, auch die US-Marineblockade der Straße von Hormus und die Verhängung weiterer Sanktionen haben es nicht in die Knie gezwungen.