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Montag, 13. Juli 2026
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CDU-Spitzenkandidat Stefan Evers: Bürgergeldempfänger sollen Berlin putzen

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13. Juli
taz (Öko & Co)

CDU-Spitzenkandidat Stefan Evers: Bürgergeldempfänger sollen Berlin putzen

CDU-Spitzenkandidat Stefan Evers: Bürgergeldempfänger sollen Berlin putzen Noch kaum nominiert, prescht Stefan Evers (CDU) mit eigenen Ideen vor: Leistungsempfänger:innen sollen als Gegenleistung die Stadt reinigen. Bislang steht der Name Stefan Evers eher fürs Kürzen als Gestalten. Als Finanzsenator setzte Evers in den vergangenen drei Jahren vor allem rigorose Sparvorgaben durch. Als frisch gebackener Spitzenkandidat der CDU lässt Evers aber in einem Interview mit der FAZ erstmals eigene politische Inhalte durchblicken. Auf die Frage, wie er denn in Berlin für mehr Sauberkeit sorgen wolle, schlug Evers vor, Sozialhilfeempfänger:innen zum Putzen zu verdonnern. „Ich finde, wer staatliche Leistungen erhält und arbeiten kann, sollte der Gemeinschaft auch etwas zurückgeben – zum Beispiel, indem er dabei hilft, Berlin sauber zu halten“, sagt Evers. Wie genau er Leistungsempfänger:innen dazu bewegen will, lässt Evers offen. Der Vorstoß sorgt beim Noch-Koalitionspartner für Entsetzen. Sven Meyer, arbeitspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion bezeichnet den Vorschlag gegenüber der taz als „populistische, gesellschaftsspaltende Idee“, die man bereits im Umgang mit Geflüchteten kenne. Bundesweit setzten immer mehr Kommunen sogenannte Arbeitspflichten für Geflüchtete um. Nach einer Regelung, die bereits im Asylbewerberleistungsgesetz steht, müssen Geflüchtete „Arbeitsgelegenheiten“ annehmen, die mit 80 Cent pro Stunde entlohnt werden. Ansonsten drohen Leistungskürzungen. Arbeitsgelegenheiten dürfen keine Jobs ersetzen Auch Erwerbslose können von Jobcenter in sogenannte Ein-Euro-Jobs vermittelt werden. Die Arbeitsgelegenheiten werden mit einer Mehraufwandsentschädigung von ein bis drei Euro pro Stunde vergütet. Auch hier drohen Kürzungen, wenn Leistungsempfänger:innen die Arbeit ablehnen. Mittlerweile wird die Maßnahme jedoch nur sehr selten genutzt. Doch die Idee der Maßnahme ist, Betroffene durch strukturierte Arbeit wieder fit für den regulären Arbeitsmarkt zu machen. Angeordnete Arbeitsgelegenheiten gelten als letztes Mittel, nachdem Vermittlung in Arbeit, Ausbildung und andere Fortbildungsmaßnahmen schon ausgeschöpft wurden. „Solche Tätigkeiten müssen immer mit einer Form des Coachings und der Weiterbildung verbunden sein“, erklärt Meyer. Damiano Valgolio, Linke Rein rechtlich sind Arbeitsgelegenheit nur zulässig, wenn sie keine regulären Jobs verdrängen. Doch genau das legt Evers nahe, wenn er fordert, Leistungsempfänger:innen sollen Aufgaben der Stadtreinigung übernehmen, sagt Meyer: „Wenn das die Idee Evers ist, Tarifjobs durch Billiglöhner zu ersetzen, macht er die Wirtschaft und den Arbeitsmarkt erst recht kaputt.“ Stattdessen könne der Finanzsenator auch einfach mehr tarifbezahlte Stellen bei der BSR schaffen, schlägt Meyer vor. Damiano Valgolio, arbeitspolitischer Sprecher der Linken, hält die Idee für einen „rechtspopulistischen Vorschlag“, der rechtlich „völliger Quatsch“ sei. Es sei in Deutschland nicht möglich, Menschen zur Arbeit zu zwingen. „Die CDU macht das, was sie am besten können. Runtertreten auf die Bürgergeldempfänger, die sie eigentlich wieder zurück in Arbeit bringen sollte.“ Auch an der Sauberkeit gekürzt Tatsächlich sind Evers Kürzungsorgien in den vergangenen Jahren etliche Projekte zum Opfer gefallen, die sowohl Wiedereingliederungsmöglichkeiten in den Arbeitsmarkt boten als auch Berlin sauberer machten. So wurde das Peer-Projekt des Vereins Fixpunkt, bei dem suchtkranke Menschen rund um den Görlitzer Park Konsumutensilien aufsammeln, nicht verlängert. Auch die Mittel, um die Situation des stark vermüllten Drogenhotspot am Leopoldplatz sauber zu halten, wurden im Februar halbiert. So werden die „Kiezhausmeister“, die sich unter anderem für mehr Sauberkeit im Kiez einsetzen, nicht weiter finanziert. Weitere inhaltliche Überraschungen bietet Evers im FAZ-Interview nicht. Wie schon sein Vorgänger warnt der Finanzsenator vor der „antisemitischen“ Linkspartei, die mit Enteignungen die „soziale Marktwirtschaft“ zerstören will. Stattdessen will Evers das Tempelhofer Feld bebauen und kostenloses Mittagessen an Schulen kürzen. Nach Kai Wegners Rückzug am Freitag ernennt der Landesvorstand Evers am Montagabend offiziell zum neuen Spitzenkandidaten der CDU. Wegner stand aufgrund seines Krisenmanagements am Tag des Stromausfalls im Januar stark in der Kritik. Bezüglich seines Tagesablaufes hatte der Regierende Bürgermeister wiederholt gelogen. Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Infratest von Ende Juni sah zum ersten Mal die Linke als stärkste Kraft. Die CDU hingegen lag weit abgeschlagen auf 17 Prozent. Nach Wegners Rückzug erholten sich die Werte wieder. Die jüngste Civey-Umfrage vom 13. Juli sieht die CDU wieder auf 22 Prozent. Auch SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach zeigte sich wieder offen gegenüber einer Koalition mit einer Evers-geführten CDU. Mit Stefan Evers gebe es eine neue Situation und „eine Möglichkeit für die Zukunft“, sagte Krach im „Berlin Playbook Podcast“ des Nachrichtenmagazins Politico. Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? Werden Sie jetzt Teil der Community! Jetzt unterstützen meistkommentiert

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13. Juli
Die Welt (Politik)

CDU-Kandidat will Sozialempfänger Stadt putzen lassen – und Gratisangebot für Gutverdiener streichen

CDU-Kandidat will Sozialempfänger Stadt putzen lassen – und Gratisangebot für Gutverdiener streichen CDU-Spitzenkandidat Stefan Evers hat klare Vorstellungen, wie es in Berlin weitergehen soll: Er will die Vermüllung der Stadt bekämpfen und Gratisangebote für Gutverdiener streichen. Der designierte Spitzenkandidat der Berliner CDU zur Abgeordnetenhauswahl, Stefan Evers, hält die „zunehmende Vermüllung“ in der Hauptstadt für inakzeptabel – und will das Problem auch mit Empfängern von Sozialleistungen lösen. „Wir steuern dagegen – mit drastischen Bußgeldern und Personal zur konsequenten Durchsetzung der Regeln“, sagte Evers, der momentan im Berliner Senat für Finanzen und Kultur zuständig ist, der „FAZ“. Das sei ein Anfang, reiche ihm aber nicht. „Ich finde, wer staatliche Leistungen erhält und arbeiten kann, sollte der Gemeinschaft auch etwas zurückgeben – zum Beispiel, indem er dabei hilft, Berlin sauber zu halten.“ Auch sei er gegen die „Kostenlos-Politik für gutverdienende Eltern“. Diesen möchte Evers das kostenlose Schulessen streichen. Im Interview betonte der 46-Jährige, dass er keine Politik aus dem Elfenbeinturm mache. Auch wenn seine Stärke das Management sei – er spreche viel mit Menschen in der Stadt. „Ich stehe für einen modernen Konservatismus“, sagte er im Interview. Und weiter: „Ich werde alles tun, eine linksgrüne Regierung in Berlin zu verhindern. Die Linkspartei will mit ihrer Enteignungspolitik unsere Soziale Marktwirtschaft zerstören, sie hat ein Antisemitismusproblem, sie will unsere Polizei schwächen.“ Wer das nicht wolle, müsse CDU wählen. Auch aus den Brandanschlägen auf das Stromnetz habe er gelernt. Neben einer „konsequenten Verfolgung der Täter“ fordert er eine bessere Vorbereitung: „Klare Führungsverantwortung, ein gemeinsames Lagezentrum, regelmäßige Übungen und eine Verwaltung, die auch im Ausnahmefall handlungsfähig bleibt.“ Kritische IT-Strukturen müssten auch bei Stromausfällen in Betrieb gehalten werden können. Der CDU-Landesvorstand soll am späten Montagnachmittag zusammenkommen, um Evers als neuen CDU‑Spitzenkandidaten für die Abgeordnetenhauswahl am 20. September zu nominieren.

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