Themen
lage

Donnerstag, 30. Juli 2026
Zurück zur Übersicht

US-Zinsentscheid: Die Fed vertagt den nächsten Schritt – und die Erklärung gleich mit

Medienspektrum

Links Mitte Rechts
30. Juli
Wirtschaftswoche

US-Zinsentscheid: Die Fed vertagt den nächsten Schritt – und die Erklärung gleich mit

US-Zinsentscheid: Die Fed vertagt den nächsten Schritt – und die Erklärung gleich mit Pressekonferenzen von Notenbanken haben einen simplen Zweck: Sie sollen erklären, was entschieden wurde, warum es entschieden wurde und unter welchen Bedingungen die nächste Entscheidung anders ausfallen könnte. Nach Kevin Warshs Auftritt bleiben wichtige Fragen offen. Die eigentliche Entscheidung, zu der sich der US-Notenbankchef am Mittwoch äußern sollte, war keine Überraschung – unter Rechtfertigungsdruck stand er gleichwohl: Die Federal Reserve (Fed) hielt bei ihrer Zinssitzung am Mittwoch ihren Leitzins bei 3,50 bis 3,75 Prozent. Dabei hätte es gute Gründe gegeben, die Zinsen zu erhöhen. Die Inflation in den USA liegt seit mehr als fünf Jahren über dem offiziellen Zwei-Prozent-Ziel der Fed; die Wirtschaft zeigt nach Warshs eigener Einschätzung eine „beeindruckende Widerstandskraft“; und gleich drei der zwölf stimmberechtigten Mitglieder des Offenmarktausschusses, der über den Leitzins entscheidet, stimmten für eine Erhöhung um 0,25 Prozentpunkte. Was Kevin Warsh nicht erklärt Es lag also am Fed-Chef, zu erklären, warum die Notenbank zum fünften Mal in Folge den Zins unangetastet ließ. Nur tat er das nicht. Statt die Entscheidung zu begründen, sprach Warsh vor allem über seine Art zu sprechen. Mehrfach betonte er in seiner zweiten Pressekonferenz als Notenbankchef, dass die Fed bewusst keine Prognosen kommuniziere und die sogenannte Forward Guidance, bei der eine Notenbank Hinweise über ihren künftigen geldpolitischen Kurs gibt, bewusst zurückfahre, um die Marktkräfte wieder wirken zu lassen. Wichtiger als die Signale von Zentralbanken seien die Preissignale – vor allem an den Anleihemärkten. Die Märkte sollten wieder lernen, „den Ball zu spielen und nicht den Schiedsrichter“. Und obwohl Warsh versicherte, dass die größere Unsicherheit, die daraus erwachse, keineswegs einen Mangel an Klarheit bedeute, demonstrierte die Pressekonferenz so ziemlich das Gegenteil. Auffällig war vor allem die Entschlossenheit, mit der Warsh der Inflation den Kampf ansagte – jedenfalls verbal: Die Fed werde „nicht zögern zu handeln“, es gebe kein weiches oder implizit höheres Inflationsziel als die offiziell angepeilten zwei Prozent. Schon seit einigen Monaten kursiert die Theorie, dass sich die Notenbank vielleicht schon länger von ihrem Ziel verabschiedet habe, diese Entscheidung bloß noch nicht offiziell verkündet sei. Warsh wiegelte ab. Das Ziel sei zwei Prozent, man nehme es ernst und werde entsprechend handeln; die Glaubwürdigkeit der Fed beruhe schließlich auf ihrer Leistung. Nur: Warum handelt die Fed nicht jetzt? Überzeugende Gründe für die Zinspause lieferte Warsh am Mittwoch nicht. In einer Antwort, die sich wohlwollend als Erklärungsversuch deuten ließe, argumentierte der Fed-Chef, dass die Marktzinsen in den USA seit der letzten Zinssitzung im Juni gestiegen seien – obwohl die Fed auch damals den Leitzins nicht angehoben hatte, hätten die Finanzmärkte seit der vergangenen Sitzung doch „so einiges“ getan. Mit anderen Worten: Die Marktmechanismen funktionieren. Man muss ihnen nur den Raum zur vollen Entfaltung lassen. In der Tat sind die Renditen für US-Staatsanleihen (Treasuries) zuletzt gestiegen, insbesondere für länger laufende Papiere. Die Renditen für Papiere mit 30-jähriger Laufzeit etwa kletterten zwischenzeitlich auf 5,24 Prozent – der höchste Stand seit 2007. Allerdings kann es für diesen Anstieg eine Vielzahl von Gründen geben: höhere Inflationserwartungen, eine ausufernde Staatsverschuldung, geopolitische Risiken oder wachsende Zweifel an der Unabhängigkeit der Institutionen in den Vereinigten Staaten. Gerade ein Anstieg am langen Ende kann auch bloß bedeuten, dass die langfristigen Risiken in den USA aus Sicht der Investoren wachsen. Dazu zählt auch die Frage, wie unabhängig die Fed unter ihrem neuen Chef noch entscheidet. Denn US-Präsident Donald Trump erklärt immer wieder, was er von seinem Notenbankchef erwartet: niedrigere Zinsen, unabhängig von der wirtschaftlichen Lage. Ein Grund mehr für Warsh, die Zinspause zu erklären. Marktreaktion: Was die Renditen verraten An den Märkten verbreitete der Fed-Chef dementsprechend alles andere als Zuversicht. Während er sprach, fielen die Renditen zweijähriger Treasuries und der Dollar gab nach. Der Markt reduzierte damit die Wahrscheinlichkeit einer baldigen Zinserhöhung, verlangte für langfristige US-Risiken aber einen höheren Preis. Der Aktienmarkt drehte zwar nach einem schwachen Start in den Tag unmittelbar nach Bekanntgabe des unveränderten Leitzinses kurzzeitig ins Plus. Doch kurze Zeit später kippte die Stimmung auch dort. Sowohl der S&P 500 Natürlich hat Warsh recht, wenn er argumentiert, dass eine Zentralbank nicht jeden künftigen Zinsschritt vorab versprechen sollte. Die jahrelange Konditionierung der Märkte auf kleinste sprachliche Nuancen in der Kommunikation der Notenbanken hat auch Nachteile. Um in Warshs Bild zu bleiben: Die Spieler verfolgen den Schiedsrichter schon sehr genau. Sich gegen eine Forward Guidance auszusprechen, bedeutet jedoch nicht, eine Entscheidung überhaupt nicht erklären zu müssen. Warsh sprach von der Bedeutung des Handelns, ohne handeln zu wollen; propagierte Klarheit, ohne welche zu schaffen; forderte Geduld, ohne zu erklären, wie ein sechstes Jahr über dem Inflationsziel mit der abermaligen Zinspause zusammenpasst. Die Fed hat die Entscheidung nicht nur vertagt. Sie hat auch die Erklärung der Vertagung vertagt. Lesen Sie auch: Die EZB kann von Kevin Warsh lernen

Artikel lesen
30. Juli
Wirtschaftswoche

US-Zinsentscheid: Die Fed hält still – und redet um die Gründe herum

US-Zinsentscheid: Die Fed hält still – und redet um die Gründe herum Pressekonferenzen von Notenbanken haben einen simplen Zweck: Sie sollen erklären, was entschieden wurde, warum es entschieden wurde und unter welchen Bedingungen die nächste Entscheidung anders ausfallen könnte. Nach Kevin Warshs Auftritt bleiben wichtige Fragen offen. Die eigentliche Entscheidung, zu der sich der US-Notenbankchef am Mittwoch äußern sollte, war keine Überraschung – unter Rechtfertigungsdruck stand er gleichwohl: Die Federal Reserve (Fed) hielt bei ihrer Zinssitzung am Mittwoch ihren Leitzins bei 3,50 bis 3,75 Prozent. Dabei hätte es gute Gründe gegeben, die Zinsen zu erhöhen. Die Inflation in den USA liegt seit mehr als fünf Jahren über dem offiziellen Zwei-Prozent-Ziel der Fed; die Wirtschaft zeigt nach Warshs eigener Einschätzung eine „beeindruckende Widerstandskraft“; und gleich drei der zwölf stimmberechtigten Mitglieder des Offenmarktausschusses, der über den Leitzins entscheidet, stimmten für eine Erhöhung um 0,25 Prozentpunkte. Es lag also am Fed-Chef, zu erklären, warum die Notenbank zum fünften Mal in Folge den Zins unangetastet ließ. Nur tat er das nicht. Statt die Entscheidung zu begründen, sprach Warsh vor allem über seine Art zu sprechen. Mehrfach betonte er in seiner zweiten Pressekonferenz als Notenbankchef, dass die Fed bewusst keine Prognosen kommuniziere und die sogenannte Forward Guidance, bei der eine Notenbank Hinweise über ihren künftigen geldpolitischen Kurs gibt, bewusst zurückfahre, um die Marktkräfte wieder wirken zu lassen. Wichtiger als die Signale von Zentralbanken seien die Preissignale – vor allem an den Anleihemärkten. Die Märkte sollten wieder lernen, „den Ball zu spielen und nicht den Schiedsrichter“. Und obwohl Warsh versicherte, dass die größere Unsicherheit, die daraus erwachse, keineswegs einen Mangel an Klarheit bedeute, demonstrierte die Pressekonferenz so ziemlich das Gegenteil. Auffällig war vor allem die Entschlossenheit, mit der Warsh der Inflation den Kampf ansagte – jedenfalls verbal: Die Fed werde „nicht zögern zu handeln“, es gebe kein weiches oder implizit höheres Inflationsziel als die offiziell angepeilten zwei Prozent. Schon seit einigen Monaten kursiert die Theorie, dass sich die Notenbank vielleicht schon länger von ihrem Ziel verabschiedet habe, diese Entscheidung bloß noch nicht offiziell verkündet sei. Warsh wiegelte ab. Das Ziel sei zwei Prozent, man nehme es ernst und werde entsprechend handeln; die Glaubwürdigkeit der Fed beruhe schließlich auf ihrer Leistung. Nur: Warum handelt die Fed nicht jetzt? Überzeugende Gründe für die Zinspause lieferte Warsh am Mittwoch nicht. In einer Antwort, die sich wohlwollend als Erklärungsversuch deuten ließe, argumentierte der Fed-Chef, dass die Marktzinsen in den USA seit der letzten Zinssitzung im Juni gestiegen seien – obwohl die Fed auch damals den Leitzins nicht angehoben hatte, hätten die Finanzmärkte seit der vergangenen Sitzung doch „so einiges“ getan. Mit anderen Worten: Die Marktmechanismen funktionieren. Man muss ihnen nur den Raum zur vollen Entfaltung lassen. In der Tat sind die Renditen für US-Staatsanleihen (Treasuries) zuletzt gestiegen, insbesondere für länger laufende Papiere. Die Renditen für Papiere mit 30-jähriger Laufzeit etwa kletterten zwischenzeitlich auf 5,24 Prozent – der höchste Stand seit 2007. Allerdings kann es für diesen Anstieg eine Vielzahl von Gründen geben: höhere Inflationserwartungen, eine ausufernde Staatsverschuldung, geopolitische Risiken oder wachsende Zweifel an der Unabhängigkeit der Institutionen in den Vereinigten Staaten. Gerade ein Anstieg am langen Ende kann auch bloß bedeuten, dass die langfristigen Risiken in den USA aus Sicht der Investoren wachsen. Dazu zählt auch die Frage, wie unabhängig die Fed unter ihrem neuen Chef noch entscheidet. Denn US-Präsident Donald Trump erklärt immer wieder, was er von seinem Notenbankchef erwartet: niedrigere Zinsen, unabhängig von der wirtschaftlichen Lage. Ein Grund mehr für Warsh, die Zinspause zu erklären. An den Märkten verbreitete der Fed-Chef dementsprechend alles andere als Zuversicht. Während er sprach, fielen die Renditen zweijähriger Treasuries und der Dollar gab nach. Der Markt reduzierte damit die Wahrscheinlichkeit einer baldigen Zinserhöhung, verlangte für langfristige US-Risiken aber einen höheren Preis. Der Aktienmarkt drehte zwar nach einem schwachen Start in den Tag unmittelbar nach Bekanntgabe des unveränderten Leitzinses kurzzeitig ins Plus. Doch kurze Zeit später kippte die Stimmung auch dort. Sowohl der S&P 500 Natürlich hat Warsh recht, wenn er argumentiert, dass eine Zentralbank nicht jeden künftigen Zinsschritt vorab versprechen sollte. Die jahrelange Konditionierung der Märkte auf kleinste sprachliche Nuancen in der Kommunikation der Notenbanken hat auch Nachteile. Um in Warshs Bild zu bleiben: Die Spieler verfolgen den Schiedsrichter schon sehr genau. Sich gegen eine Forward Guidance auszusprechen, bedeutet jedoch nicht, eine Entscheidung überhaupt nicht erklären zu müssen. Warsh sprach von der Bedeutung des Handelns, ohne handeln zu wollen; propagierte Klarheit, ohne welche zu schaffen; forderte Geduld, ohne zu erklären, wie ein sechstes Jahr über dem Inflationsziel mit der abermaligen Zinspause zusammenpasst. Die Fed hat die Entscheidung nicht nur vertagt. Sie hat auch die Erklärung der Vertagung vertagt. Lesen Sie auch: Die EZB kann von Kevin Warsh lernen

Artikel lesen
29. Juli
Süddeutsche Zeitung (Wirtschaft)

Fed-Zinsentscheidung: „Die Fed ist dran, sie wird sich kümmern“

Die US-Notenbank Federal Reserve lässt den Leitzins unverändert. Der Zentralbankrat stimmte mit neun zu drei Stimmen für eine erneute Zinspause. Die drei abweichenden Stimmen sprachen sich für eine Zinserhöhung um einen Schritt aus. Die abweichenden Meinungen kamen dabei alle aus dem Lager der Präsidenten der regionalen Zentralbanken. Die sieben Fed-Gouverneure, unter ihnen der ehemalige Fed-Chef Jerome Powell, stimmten dafür, das aktuelle Zinsniveau beizubehalten. Dabei hätte der neue Chef der Notenbank mit Gegenstimmen vermutlich kein Problem gehabt. Denn Kevin Warsh, der im Frühjahr den zu einer Art Lieblingsfeind von Präsident Donald Trump gewordenen Powell ablöste, will einen neuen Stil pflegen. Nach dem ersten Treffen des Zentralbankrats im Juni hatte Warsh gesagt, er wünsche sich weniger ritualisierten Austausch zwischen den Notenbankern. Dissens ist bei ihm ausdrücklich erwünscht. Neue Ideen sollen her, die bekomme man nicht mit Einigkeit. In der Pressekonferenz nach der Entscheidung betonte Warsh erneut, dass sich die Zentralbank nicht mit der dauerhaft erhöhten Inflation zufriedengeben werde. Er könne verstehen, wenn es Bürger gebe, die nach fünf Jahren mit durchgängigen Preissteigerungen daran zweifeln, ob das alte Ziel von zwei Prozent überhaupt noch gelte. „Es gibt kein weiches Ziel. Es gibt nur ein Ziel.“ Auf die Frage eines Journalisten, was denn nun die Nachricht für US-Haushalte sei, erwiderte Warsh: „Die Fed ist dran, sie wird sich kümmern.“ Wo sind die neuen Ideen, die Warsh haben möchte? Präsident Trump wollte eine brummende Wirtschaft und Rekordgewinne, die er sich dann auf die Fahne schreiben kann. In Trumps Augen war das Einzige, das diesem Ziel im Weg stand, der hohe Zinssatz, zu dem sich die US-Wirtschaft refinanzieren musste. Die Erwartung war, dass der neue Chef, Warsh, bald die Geldschleusen öffnen dürfte. Doch dann flammte der Krieg mit Iran wieder auf und sorgte für neue Inflationssorgen, auch beim ersten Meeting im Juni hatte der Fed-Rat die Zinsen stabil gehalten. Die Abstimmung in dem 12-Köpfe-Gremium damals: einstimmig. Zumindest das hat sich geändert. Mitte Juni kündigte Warsh fünf Expertengremien an, die über die Rolle der US-Notenbank beraten sollten. Die Gremien sind hochkarätig besetzt, mit ehemaligen Chefs großer Unternehmen wie Walmart und einem Nobelpreisträger. Fed-Gouverneur Christopher Waller soll einem Bericht des Wall Street Journal zufolge etwas genervt auf diesen Schritt reagiert haben. „Sagen Sie mir die Namen und ich werde Ihnen genau sagen, was die empfehlen“, entgegnete er seinem neuen Chef demnach. Den Wunsch nach neuen Ideen scheint Waller eher überflüssig zu finden: Welche Ideen sollen das denn sein? Wir wissen doch alle genau, wie das Spiel funktioniert, scheint er zu sagen. Das Spiel, auf das sich Waller bezieht, wurde von allen Fed-Präsidenten der letzten Jahrzehnte gespielt. Mal erfolgreicher, mal weniger. Es geht dabei um einen komplizierten Tanz am Abgrund, der einerseits die Inflation in Zaum, andererseits die Bürger in Beschäftigung halten soll. Ziemlich erfolgreich war dabei pikanterweise Warshs Vorgänger Powell. Er schaffte einen Spagat, ein sogenanntes „Soft Landing“, also die Zinsen genau im richtigen Tempo zu erhöhen, sodass zwar die Inflation sinkt, die Wirtschaft aber nicht in eine Rezession rutscht. Was – so Waller - soll da eine Expertenkommission an neuen Ideen finden? Die aktuelle Entscheidung scheint ihm recht zu geben. Die Inflation ist nicht besiegt, Zinsen können also steigen oder höchstens stabil bleiben. Drei Stimmberechtigte waren für eine Erhöhung, neun für Zinsstabilität. Wo also sind die neuen Einfälle? In einer solch angespannten Stimmung kann viel passieren Eine Priorität Warshs scheint zu sein, die Fed weniger berechenbar zu machen. Der Prozess der Fed war in den vergangenen Jahrzehnten fast zu einem Ritual verkommen. Die Gouverneure beraten, entscheiden, danach erklärt der Präsident, wie es aller Wahrscheinlichkeit nach weitergeht mit den Zinsen. Regionale Zentralbankchefs geben Interviews. Kommen noch weitere Erhöhungen in diesem Jahr, wo liegt das Niveau am Ende des Jahres. „Forward Guidance“ nennt sich diese konstante Kommunikationsstrategie der Fed der vergangenen Jahrzehnte. Zusätzlich dazu spielen die Fed-Gouverneure und Regionalbankenchefs alle paar Monate eine Art Tippspiel, bei dem sie die Zinsniveaus der kommenden ein bis drei Jahre vorhersagen, jeder für sich. Das Ergebnis wird im sogenannten Dot-Plot veröffentlicht, eine Art Publikumsjoker für die Zinsvorhersagen. Für die Wirtschaft war diese Berechenbarkeit gut, sie hatte Planungssicherheit. Kevin Warsh scheint das für überschätzt zu halten. Wahrscheinliche Szenarien gibt es von ihm nicht, weder im Privaten noch öffentlich. Er hielt sogar seine Vorhersagen im jüngsten Tippspiel zurück. Das Orakel von Washington, es schweigt. Das kann aber dazu führen, dass andere Orakel an Einfluss gewinnen. Auch die großen Investmentbanken und Hedgefonds und Market Maker beschäftigen Wahrsager. Die Plattform Fedwatch war sich zuletzt meist ziemlich sicher, wie die Fed entscheiden dürfte. Diesmal beziffert sie die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung kurz vor der Entscheidung auf 31 Prozent. In einer solch angespannten Stimmung kann viel passieren. Als dann das Orakel des großen US-Finanzdienstleisters Citadel Securities am Dienstag überraschend klar eine Zinserhöhung voraussagte, führte das zu einer Verstärkung des ohnehin schon begonnenen Abverkaufs von Tech-Aktien an der Börse. Nach der Fed-Entscheidung am Abend reagierten die Börsen zunächst verhalten. Der S&P 500 stieg zunächst leicht, der NASDAQ mit mehr Tech-Schwergewichten legte etwas mehr zu.

Artikel lesen
29. Juli
Handelsblatt

US-Wirtschaft: Erneute Zinspause bei US-Notenbank Federal Reserve

US-Wirtschaft: Erneute Zinspause bei US-Notenbank Federal Reserve Washington. Die US-Notenbank Federal Reserve lässt den Leitzins wie erwartet ein weiteres Mal unverändert. Der Zentralbankrat stimmte mit neun zu drei Stimmen für eine erneute Zinspause. Damit bleibt die Spanne zum fünften Mal in diesem Jahr bei 3,5 bis 3,75 Prozent. Die drei Abweichler sprachen sich dabei für eine Zinserhöhung um einen Schritt (25 Basispunkte) aus. Dass das Fed-Gremium nicht einstimmig votiert, ist zwar nicht außergewöhnlich – die hohe Anzahl zeigt allerdings, wie unterschiedlich stark die derzeitige hohe Teuerungsrate gewichtet wird. Offen für eine straffere Geldpolitik zeigten sich Beth M. Hammack, Neel Kashkari und Lorie K. Logan. „Unsere Gespräche verliefen erneut kollegial und konstruktiv“, sagte der neue Fed-Chef Kevin Warsh bei einer Pressekonferenz. Unter anderem hätten die Mitglieder über Ursachen und Wirkung der durch die Corona-Pandemie verursachten Lieferkettenprobleme, militärischer Konflikte und der „erheblichen Erhöhungen der Zollsätze“ gesprochen. „Ich habe mir einen ordentlichen Familienstreit gewünscht, und den habe ich auch bekommen“, führte Warsh später aus. Zugleich betonte er, dass diese Bemühungen noch mehr Zeit in Anspruch nehmen dürften. Seit mehr als fünf Jahren liegt die Teuerungsrate in den USA über dem von der Fed angestrebten Ziel von 2 Prozent. Dazu müsste sich das Gremium die Auswirkungen der vergangenen Schocks – darunter auch den Iran-Krieg und die daraus resultierende Energiekrise – anschauen. „Wir werden nicht zögern zu handeln“, sagte Warsh weiter. Fed sind die Hände gebunden Die Energiekrise und der Iran-Krieg ließen praktisch keine andere Entscheidung zu: Nach der jüngsten Eskalation im Nahen Osten war der Preis für ein Fass (159 Liter) Rohöl der weltweiten Referenzsorte Brent über die Marke von 100 Dollar je Barrel gestiegen. Erst die jüngste Pause der US-Angriffe am Wochenende ließ den Preis wieder fallen. Während Ökonomen vor diesem Hintergrund eine Zinssenkung praktisch ausgeschlossen hatten, wäre – wenn auch unwahrscheinlich – höchstens eine Zinsanhebung denkbar gewesen. Damit verbunden ist die Hoffnung, die Teuerungsrate in den Griff zu bekommen. Im Juni lag diese bei 3,5 Prozent. Zugleich war zuletzt die Beschäftigungsentwicklung deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Kritiker weisen allerdings darauf hin, dass eine Zinserhöhung nicht die Hauptursache der Inflation bekämpfen würde – denn ein Ende der Energiekrise ist erst bei einer dauerhaften Lösung der verzwickten Situation in der Straße von Hormus absehbar. Die Meerenge ist für den globalen Energiehandel von immenser Bedeutung. Durch das derzeit knappe Angebot müssen Firmen viel mehr Geld für Öl, Gas und Dünger ausgeben. Eine voreilige Zinserhöhung könnte überhastet wirken, während der gleichbleibende Leitzins der Notenbank mehr Zeit für weitere Indikatoren einräumt. Warsh priorisiert Kampf gegen Inflation Der neue Fed-Chef hatte sich zuvor angesichts der vergleichsweisen hohen Teuerungsrate kämpferisch gezeigt. „Die Mitglieder unseres Ausschusses tolerieren keine anhaltend hohe Inflation“, sagte er Mitte Juli. Warsh gilt als „Inflation Hawk“ und tendiert eher zu einer restriktiveren Geldpolitik, um die Inflation zu bekämpfen. Warsh hatte zudem eine Sondereinheit angekündigt, die den „Ursachen“ der Inflation nachgehen soll. Beim vergangenen Zinsentscheid im Juni hatte die Fed für das laufende Jahr zumindest kein schnelles Abflauen der Inflation erwartet. Für 2026 rechnet sie mit einer Teuerungsrate von 3,6 Prozent, was deutlich mehr ist als noch kurz nach Beginn des Iran-Kriegs angenommen. 2027 sehen die Fed-Prognosen dann 2,3 Prozent vor. Das würde zumindest mehr Raum für Diskussionen über einen gelockerten geldpolitischen Kurs eröffnen. Gibt es 2026 überhaupt noch Bewegung? Mittlerweile scheint die Notenbank mit Blick auf eine straffere Geldpolitik aufgeschlossener zu sein: Im Juni erwarteten 9 der 18 befragten Fed-Mitglieder im laufenden Jahr mindestens eine Erhöhung um einen Schritt (25 Basispunkte). Von diesen können sich sechs eine noch weitreichendere Straffung vorstellen. Acht weitere Mitglieder rechnen dagegen für das Gesamtjahr mit einer Zinspause. Nur ein einziges Mitglied erwartet einen Zinsschritt nach unten. Die Projektionen sind Einschätzungen des siebenköpfigen Fed-Vorstands und der zwölf Regionalbankpräsidenten in Bezug auf die Entwicklung von Wirtschaftswachstum, Inflation und Zinspolitik. Noch im März rechnete niemand mit einer strafferen Geldpolitik. Beobachter erwarten derzeit eine Zinserhöhung im September. Angst vor politischer Einflussnahme Die Fed soll unabhängig von der Politik über den Leitzins entscheiden und damit einen Kompromiss zwischen Inflation und Vollbeschäftigung finden. Das Problem: Lockert die Notenbank das Zinsniveau, dürfte das die Inflation zusätzlich anheizen – das will sie vermeiden. Ökonomen fürchten, dass Trump über Warsh erheblichen Einfluss auf derartige Entscheidungen nehmen und indirekt eine lockerere Geldpolitik forcieren könnte. Die eigentlich unabhängigen Zinsentscheidungen könnten damit politisch verfälscht werden, das Vertrauen der Anleger in die Fed könnte erodieren. Mit der heutigen Entscheidung dürfte die Fed erneut Trump verärgern. Verwandte Themen Anders als Trump es gerne verkürzt darstellt, entscheidet Warsh als Vorsitzender keineswegs im Alleingang. Stattdessen stimmt der Zentralbankrat in regelmäßigen Abständen über den weiteren geldpolitischen Kurs ab. EZB legte nach Erhöhung erstmal Pause ein Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte ihre Zinsen trotz anhaltender Inflationsgefahren zuletzt unverändert gelassen. Nach der ersten Anhebung seit fast drei Jahren im Juni entschied sie sich, den für Banken und Sparer im Euroraum wichtigen Einlagenzins bei 2,25 Prozent zu belassen. Eine weitere Anhebung könnte im September folgen, wenn der EZB neue Prognosen zu Inflation und Konjunktur vorliegen.

Artikel lesen
29. Juli
Tagesschau

US-Notenbank Fed lässt Zinssatz erneut unverändert

Federal Reserve US-Notenbank lässt Zinssatz erneut unverändert Die US-Notenbank Fed hält den Leitzins stabil. Beim neuen Chef Warsh hatte US-Präsident Trump auf niedrigere Zinsen gepocht - aber die hohe Inflationsrate durch den Iran-Krieg machte den Schritt praktisch unmöglich. Die US-Notenbank lässt den Leitzins unverändert. Die Zinsspanne bleibt damit bei 3,5 bis 3,75 Prozent, wie der Zentralbankrat der Federal Reserve (Fed) in Washington mitteilte. Im Zentralbankrat stimmten neun der zwölf Mitglieder für die erneute Zinspause - von Dreien gab es Widerspruch für die Entscheidung. Sie sprachen sich für eine Erhöhung um einen Viertelprozentpunkt aus. Dass das Fed-Gremium nicht einstimmig votiert, ist zwar nicht außergewöhnlich, zeigt allerdings, wie unterschiedlich stark die derzeitige Teuerungsrate auf hohem Niveau gewichtet wird. Zwar habe die US-Notenbank vorerst die Füße stillgehalten. "Die Differenzen innerhalb des Gremiums über den angemessenen geldpolitischen Kurs nehmen indes merklich zu", sagte Elmar Völker, Analyst der Landesbank Baden-Württemberg, der Nachrichtenagentur Reuters. Teuerungsrate noch immer stark erhöht Die jüngste Eskalation im Iran-Krieg hatte die Ölpreise erneut in die Höhe schießen lassen. Die Inflation - befeuert durch den Energiepreisschock - ließ zuletzt zwar nach, weil die US-Angriffe am Wochenende pausierten. Mit 3,5 Prozent war die Teuerungsrate im Juni jedoch noch immer stark erhöht - und deutlich über dem von der Fed angestrebten Ziel von zwei Prozent. Der neue Fed-Chef Kevin Warsh hatte klargestellt, dass die Notenbank keine dauerhaft erhöhte Inflation dulden könne. Er gilt als "Inflation Hawk" und tendiert eher zu einer restriktiveren Geldpolitik, um die Inflation zu bekämpfen. Warsh hatte zudem eine Sondereinheit angekündigt, die den "Ursachen" der Inflation nachgehen soll. Zugleich war zuletzt die Beschäftigungsentwicklung deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Die Notenbanker sind praktisch gefangen zwischen hoher Inflation und schwachem Arbeitsmarkt. Ökonomen hatten eine Zinssenkung vor diesem Hintergrund praktisch ausgeschlossen. Höchstens eine Zinserhöhung wäre - wenn auch unwahrscheinlich - möglich gewesen. Kritiker weisen allerdings darauf hin, dass eine Zinserhöhung nicht die Hauptursache der Inflation bekämpfen würde: Denn ein Ende der Energiekrise ist erst bei einer dauerhaften Lösung der verzwickten Situation in der Straße von Hormus absehbar. Ökonomen fürchten Einflussnahme Trumps Die Fed soll unabhängig von der Politik über den Leitzins entscheiden und damit einen Kompromiss zwischen Inflation und Vollbeschäftigung finden. Das Problem: Lockert die Notenbank das Zinsniveau, dürfte das die Inflation zusätzlich anheizen - das will sie vermeiden. Doch US-Präsident Donald Trump drängt weiter auf einen deutlichen Zinsschnitt. Ökonomen fürchten, dass Trump über Warsh erheblichen Einfluss auf derartige Entscheidungen nehmen und indirekt eine lockerere Geldpolitik forcieren könnte. Die eigentlich unabhängigen Zinsentscheidungen könnten damit politisch verfälscht werden, das Vertrauen der Anleger in die Fed könnte erodieren. Anders als Trump es gerne verkürzt darstellt, entscheidet Warsh als Vorsitzender keineswegs im Alleingang. Stattdessen stimmt der Zentralbankrat in regelmäßigen Abständen über den weiteren geldpolitischen Kurs ab. Zudem scheint die Notenbank mit Blick auf eine straffere Geldpolitik aufgeschlossener zu sein: Im Juni erwarteten neun der 18 befragten Fed-Mitglieder im laufenden Jahr mindestens eine Erhöhung um einen Viertelprozentpunkt. EZB ließ Leitzins ebenfalls unverändert Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte ihre Zinsen trotz anhaltender Inflationsgefahren zuletzt unverändert gelassen. Nach der ersten Anhebung seit fast drei Jahren im Juni entschied sie sich, den für Banken und Sparer im Euroraum wichtigen Einlagenzins bei 2,25 Prozent zu belassen.

Artikel lesen
29. Juli
Der Spiegel (Wirtschaft)

Fed: US-Notenbank lässt Leitzins trotz Irankrieg und hoher Inflation unverändert

Entscheidung der US-Notenbank Fed lässt Leitzins erneut unverändert Die US-Notenbank hält trotz anhaltender Inflationsgefahr den Leitzins stabil: Die Federal Reserve (Fed) beließ ihn in der Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent – zum fünften Mal in Folge in diesem Jahr. Dafür stimmte der Zentralbankrat mit neun zu drei Stimmen. Dabei sprachen sich die Abweichler für eine Zinserhöhung um einen Schritt (25 Basispunkte) aus. Dass das Fed-Gremium nicht einstimmig votiert, ist nicht außergewöhnlich – zeigt allerdings, wie unterschiedlich stark die derzeitige Teuerungsrate auf hohem Niveau gewichtet wird. Der Chef der US-Notenbank, Kevin Warsh, hatte sich vorab mit Signalen zum Zinskurs zurückgehalten. Dennoch prognostizierten viele Beobachterinnen und Beobachter keine Änderung. Zuletzt hatte die durch den Energiepreisschock befeuerte Inflation nachgelassen. Mit 3,5 Prozent war die Teuerung im Juni dennoch stark erhöht. Die Fed strebt 2 Prozent an. Mit dem Wiederaufflammen des Irankriegs sind vor allem die Ölpreise weiter gestiegen, was die Gefahr sogenannter Zweitrundeneffekte erhöht. Damit ist ein Hochschaukeln von Preisen und Löhnen gemeint, womit die Inflation weiter angetrieben wird. Dies will die Notenbank unbedingt vermeiden. Kritik am Vorgänger Fed-Chef Warsh nahm sich nach seinem Antritt eine Reform der US-Notenbank vor. Dafür untersuchen Expertinnen und Experten des Instituts nun das Rahmenwerk der Fed zur Inflation. Warsh ließ Kritik an der Arbeit seines Vorgängers Jerome Powell anklingen, da die Fed während dessen Amtszeit die erhöhte Inflation nicht in den Griff bekommen habe. Warsh selbst tendiert zu einer eher restriktiven Geldpolitik. Seit Jahren liegt die Inflationsrate in den USA über der offiziell angepeilten Marke von zwei Prozent. Allmählich verlieren Bürger und Finanzmärkte den Glauben an stabile Preise, schreibt SPIEGEL-Kolumnist Henrik Müller. Lesen Sie hier seinen Text .

Artikel lesen
29. Juli
Wirtschaftswoche

Fed-Entscheid: US-Notenbank lässt Zinssatz erneut unverändert

Fed-Entscheid: US-Notenbank lässt Zinssatz erneut unverändert Die US-Notenbank Federal Reserve lässt den Leitzins wie erwartet ein weiteres Mal unverändert. Der Zentralbankrat stimmte mit neun zu drei Stimmen für eine erneute Zinspause. Damit bleibt die Spanne zum fünften Mal in Folge in diesem Jahr bei 3,5 bis 3,75 Prozent. Die drei Abweichler sprachen sich dabei für eine Zinserhöhung um einen Schritt (25 Basispunkte) aus. Dass das Fed-Gremium nicht einstimmig votiert, ist zwar nicht außergewöhnlich – zeigt allerdings, wie unterschiedlich stark die derzeitige Teuerungsrate auf hohem Niveau gewichtet wird. Fed sind die Hände gebunden Die Energiekrise und der Iran-Krieg ließen praktisch keine andere Entscheidung zu: Nach der jüngsten Eskalation im Nahen Osten war der Preis für ein Fass (159 Liter) Rohöl der weltweiten Referenzsorte Brent über die Marke von 100 Dollar je Barrel gestiegen. Erst die jüngste Pause der US-Angriffe am Wochenende ließ den Preis wieder fallen. Während Ökonomen vor diesem Hintergrund eine Zinssenkung praktisch ausgeschlossen hatten, wäre – wenn auch unwahrscheinlich – höchstens eine Zinsanhebung denkbar gewesen. Damit verbunden ist die Hoffnung, die Teuerungsrate in den Griff zu bekommen. Im Juni lag diese bei 3,5 Prozent und damit immer noch deutlich über dem von der Fed angestrebten Ziel von 2 Prozent. Zugleich war zuletzt die Beschäftigungsentwicklung deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Kritiker weisen allerdings darauf hin, dass eine Zinserhöhung nicht die Hauptursache der Inflation bekämpfen würde – denn ein Ende der Energiekrise ist erst bei einer dauerhaften Lösung der verzwickten Situation in der Straße von Hormus absehbar. Die Meerenge ist für den globalen Energiehandel von immenser Bedeutung. Durch das derzeit knappe Angebot müssen Firmen viel mehr Geld für Öl, Gas und Dünger ausgeben. Eine voreilige Zinserhöhung könnte überhastet wirken, während der gleichbleibende Leitzins der Notenbank mehr Zeit für weitere Indikatoren einräumt. Warsh priorisiert Kampf gegen Inflation Der neue Fed-Chef hatte sich zuvor angesichts der vergleichsweise hohen Teuerungsrate kämpferisch gezeigt. „Die Mitglieder unseres Ausschusses tolerieren keine anhaltend hohe Inflation“, sagte er Mitte Juli. Warsh gilt als „Inflation Hawk“ und tendiert eher zu einer restriktiveren Geldpolitik, um die Inflation zu bekämpfen. Warsh hatte zudem eine Sondereinheit angekündigt, die den „Ursachen“ der Inflation nachgehen soll. Beim vergangenen Zinsentscheid im Juni hatte die Fed für das laufende Jahr zumindest kein schnelles Abflauen der Inflation erwartet. Für 2026 rechnet sie mit einer Teuerungsrate von 3,6 Prozent, was deutlich mehr ist als noch kurz nach Beginn des Iran-Kriegs angenommen. 2027 sehen die Fed-Prognosen dann 2,3 Prozent vor. Das würde zumindest mehr Raum für Diskussionen über einen gelockerten geldpolitischen Kurs eröffnen. Gibt es 2026 überhaupt noch Bewegung? Mittlerweile scheint die Notenbank mit Blick auf eine straffere Geldpolitik aufgeschlossener zu sein: Im Juni erwarteten 9 der 18 befragten Fed-Mitglieder im laufenden Jahr mindestens eine Erhöhung um einen Schritt (25 Basispunkte). Von diesen können sich sechs eine noch weitreichendere Straffung vorstellen. Acht weitere Mitglieder rechnen dagegen für das Gesamtjahr mit einer Zinspause. Nur ein einziges Mitglied erwartet einen Zinsschritt nach unten. Die Projektionen sind Einschätzungen des siebenköpfigen Fed-Vorstands und der zwölf Regionalbankpräsidenten in Bezug auf die Entwicklung von Wirtschaftswachstum, Inflation und Zinspolitik. Noch im März rechnete niemand mit einer strafferen Geldpolitik. Beobachter erwarten derzeit eine Zinserhöhung im September. Angst vor politischer Einflussnahme Die Fed soll unabhängig von der Politik über den Leitzins entscheiden und damit einen Kompromiss zwischen Inflation und Vollbeschäftigung finden. Das Problem: Lockert die Notenbank das Zinsniveau, dürfte das die Inflation zusätzlich anheizen – das will sie vermeiden. Ökonomen fürchten, dass Trump über Warsh erheblichen Einfluss auf derartige Entscheidungen nehmen und indirekt eine lockerere Geldpolitik forcieren könnte. Die eigentlich unabhängigen Zinsentscheidungen könnten damit politisch verfälscht werden, das Vertrauen der Anleger in die Fed könnte erodieren. Anders als Trump es gerne verkürzt darstellt, entscheidet Warsh als Vorsitzender keineswegs im Alleingang. Stattdessen stimmt der Zentralbankrat in regelmäßigen Abständen über den weiteren geldpolitischen Kurs ab. EZB legte nach Erhöhung erstmal Pause ein Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte ihre Zinsen trotz anhaltender Inflationsgefahren zuletzt unverändert gelassen. Nach der ersten Anhebung seit fast drei Jahren im Juni entschied sie sich, den für Banken und Sparer im Euroraum wichtigen Einlagenzins bei 2,25 Prozent zu belassen. Eine weitere Anhebung könnte im September folgen, wenn der EZB neue Prognosen zu Inflation und Konjunktur vorliegen. Lesen Sie auch: Kevin Warsh will eine neue Ära der Geldpolitik einläuten

Artikel lesen
28. Juli
Wirtschaftswoche

Fed-Chef: Kevin Warshs zweiter Zinsentscheid – Zinspause erwartet

Fed-Chef: Kevin Warshs zweiter Zinsentscheid – Zinspause erwartet An diesem Mittwoch entscheidet die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) zum zweiten Mal mit Kevin Warsh an der Spitze über die weitere Geldpolitik. Angesichts einer andauernden Inflation auf hohem Niveau in den Vereinigten Staaten erwarten Ökonomen nahezu durchgehend eine weitere Zinspause: Damit würde der Leitzins dann zum fünften Mal in diesem Jahr auf der Stelle treten und in der Spanne von 3,5 bis 3,75 Prozent bleiben. Die Entscheidung der Fed wird um 20.00 Uhr deutscher Zeit bekanntgegeben. Die wichtigste Zentralbank der Welt hatte bereits bei ihren vergangenen Sitzungen Zinspausen eingelegt. Zwar rechnen Volkswirte mit deutlicher Mehrheit, dass der Leitzins aufgrund der Energiekrise infolge des Iran-Kriegs stabil bleibt. In einem eher unwahrscheinlichen Fall könnte eine Zinserhöhung möglich sein, um die Teuerungsrate in den Griff zu bekommen. Kritiker warnen aber, dass dies nicht die Ursache der Inflation bekämpfen würde. Warsh wird eine Nähe zu US-Präsident Donald Trump nachgesagt, der sich vehement für eine lockerere Geldpolitik ausspricht. Mit Blick auf die aktuelle Wirtschaftslage zeigte sich der Fed-Chef zuletzt allerdings gegenüber der Teuerungsrate kämpferisch. „Die Mitglieder unseres Ausschusses tolerieren keine anhaltend hohe Inflation“, sagte er Mitte Juli. Im Juni war die Teuerungsrate stärker gesunken als erwartet, sie lag bei 3,5 Prozent. Mit ihren Zinsentscheidungen versucht die US-Notenbank, einen Kompromiss zwischen stabilen Preisen und möglichst vielen Vollbeschäftigten zu finden. Ist der Leitzins zu hoch, bremst er die Wirtschaft etwa wegen zu hoher Kreditkosten aus. Ein niedrigerer Zins stimuliert zwar Wachstum und den Arbeitsmarkt, kann aber die Inflation anheizen. Lesen Sie auch: Kevin Warsh will eine neue Ära der Geldpolitik einläuten

Artikel lesen
© 2026 Themenlage