Leistungen erreichen zu wenige Kinder
Teilhabegelder:Leistungen erreichen zu wenige Kinder
Bei den Teilhabegeldern - die für Kinder, deren Eltern Grundsicherung beziehen, vorgesehen sind - gehen viele junge Menschen leer aus.
Kinder und Jugendliche aus Familien mit bestimmten Sozialleistungen haben seit 15 Jahren Anspruch auf finanzielle Unterstützung für das Mitmachen bei Sport und Kultur oder für die Unterstützung in der Schule. Laut einer Analyse der Bertelsmann-Stiftung aber kommt ein Großteil der Gelder nicht an.
Großteil der Berechtigten geht leer aus
So erhalten mehr als acht von zehn Anspruchsberechtigten den monatlichen Betrag von 15 Euro zur sozialen und kulturellen Teilhabe nicht, heißt es in einer Mitteilung der Stiftung aus Gütersloh. Den Berechnungen zufolge nehmen von den 6- bis unter 15-Jährigen nur rund 18 Prozent die Leistung in Anspruch, bei den 15- bis unter 18-Jährigen sind es nur 12 Prozent.
Schulabbrecherquote, Armut oder soziale Kontakte von Kindern und Jugendlichen in Deutschland sind stark abhängig von ihrem Umfeld. Das zeigt sich im aktuellen Teilhabe-Atlas Kinder und Jugendliche.
12.05.2025 | 1:58 minBei jungen Menschen, die Sozialhilfe beziehen oder die unter das Asylbewerberleistungsgesetz fallen, sei der Abruf der Hilfen noch geringer.
Wohnort hat Einfluss auf Abruf der Gelder
Die Autoren beklagen, dass wegen mangelnder Daten bei Kindern aus Familien, die Wohngeld oder Kinderzuschlag beziehen, nicht bekannt sei, wie viele von ihnen die Leistungen beziehen. Den Zuschuss für Schulbedarf von 195 Euro pro Jahr erhalten laut der Analyse 78 Prozent der Sechs- bis unter 15-Jährigen, deren Eltern Grundsicherung erhalten. Damit, so die Stiftung, bleibt jedes fünfte Kind ohne Unterstützung für Hefte, Stifte oder andere Lernmittel. Das gemeinsame Mittagessen nutzen nur 37 Prozent.
Der Bundestag hat den Weg für eine neue Grundsicherung frei gemacht. Sie ersetzt das Bürgergeld und bringt strengere Pflichten sowie schärfere Sanktionen für Betroffene.
05.03.2026 | 2:03 minDie Autoren beklagen außerdem, dass der Abruf der Gelder zu stark vom Wohnort der Eltern abhängt. In Schleswig-Holstein nehmen 59 Prozent der Berechtigten die Leistungen in Anspruch, in Mecklenburg-Vorpommern 38 Prozent. In Berlin, Hamburg und Rheinland-Pfalz erreicht der Teilhabebetrag nur einen von zehn der anspruchsberechtigten jungen Menschen.
Die geringe Nutzung liegt nicht daran, dass die Kinder keinen Bedarf hätten. Vielmehr ist der Betrag klein und der Weg dorthin sehr aufwendig,
Antje Funcke, Bertelsmann Stiftung
betont Antje Funcke, Expertin der Bertelsmann Stiftung.
Dschungel aus Verfahren und Formularen
Unterschiedliche Bewilligungs- und Antragsverfahren, komplexe Formulare und umfangreiche Nachweispflichten erschwerten es Funcke zufolge den Eltern, die Leistungen zu beantragen.
Seit 2011 soll das Bildungs- und Teilhabepaket Kindern in Armut den Zugang zu Kultur und Sport sichern. Eine neue Studie zeigt: Es hapert enorm an der Umsetzung.
30.09.2025Die Stiftung fordert deshalb, den Zugang zu den Leistungen zu erleichtern. Gelder sollten ohne zusätzliche Anträge ausgezahlt und so auch Bürokratie abgebaut werden. Das würde auch die Kommunen in der Verwaltung entlasten.
Förderung wurde 2011 ins Leben gerufen
Die damalige Bundesregierung von CDU/CSU und FDP hatte 2011 das sogenannte Bildungs- und Teilhabepaket eingeführt, um bei Kindern und Jugendlichen den finanziellen Bildungs- und Teilhabebedarf zu decken. Dabei geht es unter anderem um die Teilnahme an Ausflügen in der Schule und in Kitas, Schülerbeförderung, gemeinsames Mittagessen, Lernförderung, Vereinssport, Musikunterricht oder Ferienfreizeiten.
Das Ergebnis einer Sozialstudie zeigt: Kinder und Jugendliche hierzulande sind selbstbewusst. Der Großteil sage von sich, gute Eigenschaften zu besitzen - gleichzeitig gebe es Leistungsdruck.
16.06.2026 | 0:22 minWichtiger Hinweis in eigener Sache
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