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Freitag, 17. Juli 2026
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Großbritannien - Andy Burnham wird neuer Labour-Chef

Medienspektrum

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16. Juli
Neues Deutschland

Großbritannien: Labour | Halbherziger Linksrutsch

- Politik - Großbritannien: Labour Halbherziger Linksrutsch Andy Burnham wird neuer britischer Premierminister. Ob es zum angekündigten Politikwechsel kommt, ist fraglich. Alles ist bereit für den Neustart nach der Ära Keir Starmer. Mit einem überwältigenden Mandat von seiner Fraktion ist als nächster Labour-Chef und damit Premierminister Andy Burnham bestätigt worden. Bereits am Montag hatten ihn 349 Labour-Abgeordnete fürs höchste Amt nominiert. Damit war sicher, dass er allein ins Rennen steigen und bereits Anfang kommende Woche als neuer Regierungschef in die Downing Street 10 einziehen wird. Bei der Labour-Partei ist man einigermaßen aufgeregt. Der neue Premierminister, so die Erwartung, soll Schwung in die Regierung bringen und die Partei aus ihrem Umfrageloch herausführen. Bei Umfragen zeigt sich bereits ein »Burnham-Sprung«: Seit klar ist, dass der bisherige Bürgermeister von Manchester als Regierungschef übernehmen wird, ist die Zustimmung für Labour von 18 auf etwa 21 Prozent gestiegen. Auch Burnham selbst ist überzeugt, dass er das Zeug hat, um das Land aus dem Morast zu führen. »Ich werde die Dinge anders machen«, sagte er in einer Rede Ende Juni in Manchester. »Ich werde aufhören mit dem immer gleichen Ansatz, der uns in die heutige Situation gebracht hat.« Was er damit meint, stimmt aus progressiver Perspektive durchaus optimistisch. Er fordert eine Abkehr von »40 Jahren des Neoliberalismus« und hat schon einige Ideen skizziert, was dies bedeuten könnte. So will er die Macht im Land umverteilen – weg von London, hin zu den Regionen und Kommunen. Diese sollen mehr wirtschaftliche und politische Verfügungsgewalt erhalten, um beispielsweise die Industrie wiederaufzubauen. Auch will er ihnen eine stärkere Kontrolle über die Wasser- und Stromversorgung sowie über Transport und Wohnungsbau geben. Daran schließt sein zweites Projekt an: Die Privatisierungen der Thatcher- und Major-Jahre sollen rückgängig gemacht und Dienstleistungen stärker unter staatliche Aufsicht gestellt werden. Damit will Burnham dazu beitragen, die Kosten für Verbraucher zu senken und damit die Krise der galoppierenden Lebenshaltungskosten einzudämmen. Auch die Wohnungspolitik – Burnham verspricht das »größte Programm des Gemeindewohnungsbaus seit der Nachkriegszeit« – werde das Leben für die Normalbürger erschwinglicher machen. Als ermutigendes Zeichen kann auch bewertet werden, dass die einflussreiche rechtskonservative Presse ob der Aussicht auf Burnham in der Downing Street in leise Panik verfallen ist. Großbritannien sei »dem Untergang geweiht«, wenn Burnham sich nach links bewegt, schrieb der »Telegraph«, und die »Daily Mail« beklagte seine »marxistische Haltung in der Bildungspolitik«. Die »Sun« sieht schon eine finanzielle Apokalypse über die Briten hereinbrechen, denn Burnham werde versuchen, sich »Besitz, Reichtum und Erbschaften« unbescholtener Bürger unter die Nägel zu reißen. Aber bei genauerer Betrachtung ist zweifelhaft, ob Burnham tatsächlich eine progressive Wende einleiten wird. In den vergangenen Wochen hat er vor allem versucht, Interessengruppen in Politik und Wirtschaft zu beruhigen und ihnen zu signalisieren, dass er sich mit ihnen arrangieren, sprich, seine Anti-Establishment-Instinkte zügeln wird. Um die Anleihemärkte nicht zu verschrecken, hat er beispielsweise versprochen, dass er sich der »Disziplin unserer geltenden Fiskalregeln« unterwerfen werde; das heißt, dass die täglichen Ausgaben durch Steuereinnahmen gedeckt werden müssen und keine weiteren Schulden aufgenommen werden dürfen. Auch schreckt Burnham offenbar vor einer vollumfänglichen Verstaatlichung der Wasser- und Energieversorgung zurück – obwohl diese laut Umfragen auf überwältigende Zustimmung in der Bevölkerung stoßen würde. Wie der Soziologe Phil Burton-Cartledge schreibt, plant Burnham keinen »substanziellen Umbau der Klassenverhältnisse«, sondern einen »typisch sozialdemokratischen Kompromiss mit dem Kapital«. Bei der Migrationspolitik hat Burnham bereits einen Rückzieher gemacht. Kritisierte er früher die harsche Asylpolitik der Regierung, gibt er sich nun weitgehend von ihr überzeugt – er unterstütze »die allgemeine Stoßrichtung« der Reformen, so Burnham. Damit hat er den ersten Streit mit dem linken Parteiflügel bereits angezettelt, bevor er überhaupt im Amt ist. Die Grünen als linke Opposition Ob die Kritik innerhalb von Labour ausreichen wird, um Burnham zu einer echten Abkehr von der Politik Starmers zu bewegen, ist fraglich. Wichtiger dürfte die linke Opposition sein: Die Grüne Partei hat sich in den vergangenen zehn Monaten zu einer einflussreichen politischen Kraft hochgearbeitet. Seit dem Antritt des sozialistischen Parteichefs Zack Polanski im vergangenen September hat sie ihre Mitgliederzahl auf mehr als 220 000 Parteigänger verdreifacht, und in den Lokalwahlen im vergangenen Mai gewann sie 400 Sitze in den Kommunalräten hinzu. Studien zeigen, dass dies weitgehend auf Kosten der Labour-Partei geht: Linke Wähler*innen, die angewidert sind vom Rechtsrutsch Labours unter Starmer, laufen vermehrt zu den Grünen über. Bei den Kommunalwahlen beispielsweise verlor Labour fast viermal so viele Wähler*innen an die Grünen wie an die rechte Reform UK Party. Burnhams Rhetorik und seine vorsichtigen Schritte hin zu einer effektiveren Umverteilungspolitik zeigen, dass er sich des Drucks von links bewusst ist. Aber die Versuchung, in die Mitte zu schwenken, dürfte größer werden, je länger Burnham in Westminster ist. Zwar hat er sich in den vergangenen neun Jahren als Bürgermeister von Manchester einen Ruf als Außenseiter aus dem Norden verschafft. Aber vergessen werden sollte nicht, dass er zuvor fast zwei Jahrzehnte lang ein ziemlich gewöhnlicher Londoner Karrierepolitiker war. Nicht auszuschließen, dass er schnell wieder in diese Rolle schlüpft. Am Montag stimmte Andy Burnham im Unterhaus für die jüngsten Verschärfungen der Einwanderungsregeln, die die Hardlinerin und Innenministerin Shabana Mahmood vorgeschlagen hatte – obwohl einige Dutzend linke Labour-Abgeordnete Burnham gedrängt hatten, die Vorschläge aufzuweichen, um nicht noch mehr progressive Wähler zu verlieren. Der Burnham-Crash komme ja viel schneller als erwartet, kommentierte der Grünen-Vorsitzende Zack Polanski. Andere Zeitungen gehören Millionären. Wir gehören Menschen wie Ihnen. Die »nd.Genossenschaft« gehört ihren Leser*innen und Autor*innen. Sie sind es, die durch ihren Beitrag unseren Journalismus für alle zugänglich machen: Hinter uns steht kein Medienkonzern, kein großer Anzeigenkunde und auch kein Milliardär. 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16. Juli
taz (Öko & Co)

Andy Burnham: Morning Glory in Großbritannien?

Der britische Premier Keir Starmer wirft angesichts monatelanger Regierungskrisen das Handtuch. Kann sein Nachfolger Andy Burnham es richten? In Großbritannien geht es seit einiger Zeit hoch her, und das hat auch viel mit dem Premierminister des Landes zu tun, Keir Starmer. 2024 gelang ihm mit seiner Labor-Partei ein Erdrutschsieg bei den Wahlen, womit er die Ära der konservativen Tories beendete. Doch schon kurz nach seinem Amtsantritt begann der Ärger. Unpopuläre Sparmaßnahmen, Diskussionen um fragwürdige Geschenke – und schließlich natürlich die Mandelson-Affäre. Da kam heraus, dass er Peter Mandelson zum Botschafter in den USA gemacht hatte, obwohl er von dessen Freundschaft mit Sexualstraftäter Jeffrey Epstein wusste. Und während Starmer mit all diesen Probleme gekämpft hat, sind die Rechten von Reform UK mit Nigel Farage auf dem Vormarsch. Auch innerhalb der Labour-Partei wurde der Ton zuletzt rauer: Kritiker warfen Starmer vor, zentrale Wahlversprechen aus den Augen zu verlieren und den Rückhalt an der Parteibasis zu verspielen. Die Umfragewerte sanken, während die politische Stimmung im Land zunehmend gereizter wurde. Jetzt hat Starmer seinen Rücktritt angekündigt, und ein anderer soll es nun richten: Andy Burnham, der Starmer am kommenden Montag wohl als Premierminister ablösen wird. Burnham gilt als einer der profiliertesten Labour-Politiker des Landes und war viele Jahre Bürgermeister der Metropolregion Greater Manchester. Dort machte er sich unter anderem mit seinem Einsatz für den Ausbau des Nahverkehrs und für mehr regionale Eigenständigkeit einen Namen. Viele hoffen, dass er frischen Schwung in die Regierung bringen und das Vertrauen vieler enttäuschter Wählerinnen und Wähler zurückgewinnen kann. Kann er Labor retten? Wird es ihm gelingen, das Land zu befrieden? Wird mit ihm alles besser? Darüber spricht in dieser Folge der fernverbindung Auslandsredakteurin Judith Poppe mit dem taz-Korrespondenten für Großbritannien, Daniel Zylberstajn-Lewandowski. Diese Folge wurde aufgenommen am 14.07.2026 um 14.15 Uhr MEZ. Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? Werden Sie jetzt Teil der Community! Jetzt unterstützen meistkommentiert

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14. Juli
taz (Öko & Co)

Regierung in Großbritannien: Keir Starmers persönliches Finale

Regierung in Großbritannien: Keir Starmers persönliches Finale Der scheidende britische Premier lässt sich in Paris feiern. Die Labour-Partei bestätigt derweil Andy Burnham als seinen Nachfolger. Das Parlament wird nicht beteiligt. Der Countdown läuft. Am kommenden Montag bekommt das Vereinigte Königreich einen neuen Premierminister. Andy Burnham löst Keir Starmer ab, der am 15. Juni seinen Rücktritt als Vorsitzender der regierenden Labour Party angekündigt hatte. Nachdem bis Montag 349 der 403 Labour-Abgeordneten im Unterhaus Burnham für Starmers Nachfolge nominiert haben, bestätigte die Parteiführung, dass er als einziger Kandidat am Freitag auf einem Sonderparteitag als neuer Parteichef eingesetzt wird. Das üblicherweise vorgesehene Mitgliedervotum fällt aus. Am darauffolgenden Arbeitstag, Montag, den 20. Juli, übernimmt er dann auch das Amt des Premierministers. Die Regeln sind klar: Der britische König ernennt zum Premierminister diejenige Person, die am ehesten eine Mehrheit im Parlament hinter sich scharen kann. Das ist logischerweise der Chef der Partei, die die Parlamentsmehrheit hält. Eine Gegenkandidatur zu Burnham als neuem Labour-Chef in letzter Minute ist ausgeschlossen: Wer zum Labour-Vorsitz antreten will, braucht die namentliche Unterstützung eines Fünftels der Fraktion, und Burnham hat bereits mehr als vier Fünftel hinter sich. Am Mittwoch und Donnerstag können zwar noch die Labour-Ortsverbände und die mit Labour verbundenen Gewerkschaften Kandidaten nominieren, aber nur solche, die schon aus der Fraktion nominiert worden sind. Andy Burnham ist damit konkurrenz- und alternativlos. Der nahende Staffettenwechsel in 10 Downing Street beherrscht bereits die politische Agenda. Am Montagabend ließ sich Keir Starmer ein letztes Mal auf der internationalen Bühne feiern. Beim Pariser Gipfel, der von Großbritannien und Frankreich ins Leben gerufenen „Koalition der Willigen“ zur Unterstützung der Ukraine, organisierte Gastgeber Emmanuel Macron eine Jubelapplausrunde für den Briten und lobte ihn für seine „historische Rolle“. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj nannte Starmer einen Freund. Am Dienstag wohnte Starmer der traditionellen Militärparade zum französischen Nationalfeiertag in Paris bei, an der auch britische und ukrainische Truppen teilnahmen – ein emotionaler Höhe- und Schlusspunkt seiner politischen Karriere. Was hat Burnham zu sagen? So viel Anerkennung wird Starmer nach seiner Rückkehr nach London nicht mehr erwarten können. Am Mittwoch leitet er seine letzte Kabinettssitzung und bestreitet seine allerletzte parlamentarische Fragestunde als Premierminister. Sein Nachfolger Andy Burnham sollte am Dienstagabend erstmals überhaupt im Parlament sprechen – er wurde am 18. Juni für den Wahlkreis Makerfield nahe Manchester, dessen Bürgermeister er zuvor gewesen war, ins Unterhaus gewählt, aber hat sich dort seit seiner Vereidigung als Abgeordneter am 22. Juni nicht mehr blicken lassen. Burnhams Geringschätzung des Parlaments hat bei der Opposition Kritik ausgelöst, und sie setzt sich fort. Das Unterhaus geht am kommenden Donnerstag in die Sommerferien und kommt erst im September zurück. Der neue Premierminister übernimmt also sein Amt, bildet seine neue Regierung und formuliert sein Regierungsprogramm, ganz ohne parlamentarische Rechenschaft ablegen zu müssen – anders als bei jeder vorherigen Auswechslung von Premierministern mitten in einer Legislaturperiode. Starmers persönliches Finale Starmer hingegen hat noch eine Gelegenheit, Geschichte zu schreiben. Sollte England in der laufenden Fußball-WM das Halbfinale am Mittwoch gegen Argentinien überstehen und ins Finale am Sonntag einziehen, wird der Nochpremierminister dafür in die USA reisen. Er müsste dann mitten in der Nacht im Regierungsflieger zurück nach Großbritannien eilen, damit er einigermaßen frisch am Montagmorgen ein letztes Mal vor seinem Amtssitz in 10 Downing Street vor die Kameras treten kann. Danach wird Starmer im Dienstwagen zum König im Buckingham Palace gefahren, wo er sein Amt niederlegt. Den Dienstwagen ist er dann los. Während er sehen kann, wie er nach Hause kommt, wird Andy Burnham herbeizitiert, zum Premierminister ernannt und darf umgehend im von Starmer hinterlassenen Dienstwagen in die Downing Street gefahren werden. Dort wird er voraussichtlich eine Antrittsrede halten. Als letzte Amtshandlung könnte Keir Starmer in seiner Abschiedsrede am Montagvormittag einen zusätzlichen Feiertag ausrufen – falls England Fußballweltmeister wird. Das wäre an dem Tag dann ohnehin das beherrschende Thema in den Köpfen der Briten und nicht, wer sie regiert. Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? Werden Sie jetzt Teil der Community! Jetzt unterstützen Starten Sie jetzt eine spannende Diskussion!

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14. Juli
taz (Öko & Co)

Regierung in Großbritannien: Burnham macht das Rennen

Regierung in Großbritannien: Burnham macht das Rennen Der Ex-Bürgermeister von Manchester liegt im Rennen um die Starmer-Nachfolge uneinholbar vorne und wird wohl das Amt des Premierministers übernehmen. afp | Im Verfahren um die Nachfolge des britischen Labour-Chefs und Premierministers Keir Starmer hat Andy Burnham sich die Unterstützung von weiteren Labour-Abgeordneten und damit einen uneinholbaren Vorsprung im Führungsrennen gesichert. Der weiterhin einzige Kandidat um die Nachfolge Starmers erhielt bis Montagnachmittag die Stimmen von 349 der 403 Labour-Abgeordneten, wie die öffentliche Zählung der Partei zeigte. Somit wäre es für jeden anderen Kandidaten unmöglich, die 81 Stimmen für einen Einstieg ins Führungsrennen zu bekommen. Die Frist für Nominierungen für die Nachfolge Starmers endet am Donnerstag. Burnham dürfte somit am Freitag zum neuen Labour-Vorsitzenden gekürt werden – und drei Tage später das Amt des Premierministers übernehmen. Starmer hatte angesichts des fehlenden Rückhalts auch in der eigenen Partei im Juni seinen Rücktritt angekündigt. Burnham war zuvor drei Mal hintereinander zum Bürgermeister des Großraums Manchester gewählt worden, was ihm den Spitznamen „König des Nordens“ eingebracht hatte. Ende Juni war er als Abgeordneter für den nordenglischen Wahlkreis Makerfield ins Unterhaus eingezogen, um für das Amt des Parteichefs kandidieren zu können. Starmer war 2024 mit einem Erdrutschsieg seiner Sozialdemokraten ins Amt gekommen, hatte aber schnell an Beliebtheit eingebüßt. Bei den Regional- und Kommunalwahlen im Mai hatte Labour eine schwere Schlappe hinnehmen müssen. Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? Werden Sie jetzt Teil der Community! Jetzt unterstützen meistkommentiert

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13. Juli
Handelsblatt

Regierungskrise: Burnham vor Ernennung zum britischen Premierminister

Regierungskrise: Burnham vor Ernennung zum britischen Premierminister London. Der scheidende britische Premierminister Keir Starmer bekam in Paris gerade warme Worte zum Abschied mit auf den Weg, als sein wahrscheinlicher Nachfolger in London den nächsten Meilenstein erreichte. Mit der Unterstützung von weiteren 27 Abgeordneten der Regierungspartei Labour steht der Kür von Andy Burnham zum Regierungschef praktisch nichts mehr im Wege. Insgesamt 349 Abgeordnete haben dem 56-Jährigen jetzt die Unterstützung zugesichert, wie die Nachrichtenagentur PA berichtete. Rechnerisch ist es damit ausgeschlossen, dass eine Gegenkandidatin oder ein Gegenkandidat die nötigen Stimmen erhält. Für die Kandidatur ist die Unterstützung von 20 Prozent der Labour-Abgeordneten nötig, derzeit sind das 81. Burnham braucht weiterhin noch die Unterstützung von drei der Partei angeschlossenen Organisationen und von Gewerkschaften – das gilt aber als Formsache. „Andy Burnham wird der nächste Premierminister“, schrieb die Nachrichtenagentur PA am Abend. Der Sender Sky News schrieb, Burnhams Kür sei mathematisch garantiert. Die britischen Medien nutzen den Begriff „coronation“, also Krönung. Zeitplan steht fest Ohne Gegenkandidatur wird der frühere Bürgermeister von Greater Manchester voraussichtlich am kommenden Freitag den Parteivorsitz übernehmen, der seit dem Rücktritt von Starmer vakant ist. König Charles III. dürfte Burnham dann am Montag mit der Regierungsbildung beauftragen. Bereits in der vergangenen Woche, als schon 322 der 403 Labour-Abgeordneten „Ja“ zu Burnham gesagt hatten, bedankte sich der 56-Jährige für die Unterstützung. Diese komme aus allen Teilen der Partei und zeige, „dass Großbritannien einen neuen politischen Ansatz braucht“, hatte Burnham geschrieben. Der als „König des Nordens“ bezeichnete Labour-Politiker gilt als große Hoffnung der Regierungspartei, aus der monatelangen Krise herauszukommen. Starmer hatte im Juni unter massiven Druck seinen Rücktritt angekündigt. Das Amt des Premierministers führt er nur noch so lange aus, bis ein Nachfolger feststeht. Abschiedsworte von Merz Beim Treffen der sogenannten „Koalition der Willigen“ am Montag in Paris war Starmer deshalb praktisch auf Abschiedstour. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), der französische Präsident Emmanuel Macron und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj dankten Starmer für dessen Führungsrolle bei den Unterstützern der Ukraine. „Wir haben eng und intensiv zusammengearbeitet, dabei aber stets in großer Freundschaft“, sagte Merz.

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