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Sonntag, 12. Juli 2026
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Lügenvorwürfe nach Stromausfall: Hat Merz Wegner gedeckt?

Medienspektrum

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12. Juli
taz (Öko & Co)

Lügenvorwürfe nach Stromausfall: Hat Merz Wegner gedeckt?

Lügenvorwürfe nach Stromausfall: Hat Merz Wegner gedeckt? Auch nach Rückzug der Spitzenkandidatur Kai Wegners ist die Diskussion über den „Tennisgate-Skandal“ in der Berliner CDU noch nicht beendet. Während Berlins Finanzsenator Stefan Evers (CDU) am Montag offiziell vom Landesvorstand als neuer Spitzenkandidat für die kommende Abgeordnetenhauswahl im September nominiert werden soll, ist die Aufarbeitung des Tennisgate-Skandals um Kai Wegner noch nicht abgeschlossen. Noch immer ist unklar, ob der Regierende Bürgermeister am 4. Januar, dem Tag nach dem längsten Stromausfall der Nachkriegszeit, wie behauptet mit Bundeskanzler Friedrich Merz telefonierte. Ein Sprecher der Bundesregierung wies am Samstagabend darauf hin, dass nicht sämtliche Gespräche und Telefonate des Kanzlers erfasst und auch üblicherweise nicht dokumentiert würden. „Im Übrigen ist dem Bundeskanzler ein solches Telefonat nicht erinnerlich.“ Zuvor hatten mehrere Medien darüber berichtet. Damit bestätigte der Sprecher einen Bericht des Tagesspiegels vom Freitag. Darin heißt es, in dem Verfahren „wird mitgeteilt, dass, soweit feststellbar, der Bundeskanzler während der Dauer des fragegegenständlichen Stromausfalls in Berlin im Januar 2026 kein persönliches Gespräch mit dem Regierenden Bürgermeister von Berlin, Wegner, geführt hat, weder in Anwesenheit persönlich noch telefonisch“. Zuvor hatte das Bundeskanzleramt monatelang zu der Frage geschwiegen, ob das Telefonat tatsächlich stattgefunden habe. Der Tagesspiegel erwirkte durch ein presserechtliches Eilverfahren die Herausgabe der Informationen. Die Veröffentlichung erhärtet den Verdacht, Bundeskanzler Merz habe Wegner monatelang gedeckt. Aussage gegen Aussage „Die Causa Wegner ist auch eine Causa Merz“, kommentiert die ehemalige grüne Bundestagsabgeordnete Renate Künast auf dem Kurznachrichtendienst Bluesky. „Der Bundeskanzler hat monatelang die Lüge gedeckt, dass Wegner mit ihm telefonierte zwecks Krisenmanagement.“ Die Berliner Senatskanzlei bleibt hingegen bei ihrer Aussage, der Regierende Bürgermeister Kai Wegner habe schon zu Beginn des mehrtägigen Stromausfalls mit Bundeskanzler Friederich Merz (beide CDU) telefoniert. Das Gespräch fand laut Senatskanzlei am 4. Januar um 19.57 Uhr statt – einen Tag nachdem im Bezirk Steglitz-Zehlendorf der Strom durch einen Brandanschlag einer mutmaßlich linksextremistischen Gruppe auf eine oberirdische Leitung ausgefallen war. Das Telefonat mit Merz habe vier Minuten gedauert, erklärte ein Sprecher. Der Bundeskanzler habe Wegner an diesem Abend zurückgerufen. Die widersprüchlichen Aussagen prägen die jüngste Entwicklung des Skandals, der mit einem Bericht des RBB im Januar begann. Entgegen seiner Behauptung, sich zu Hause eingeschlossen und „den ganzen Tag telefoniert“ zu haben, spielte Wegner mit seiner Lebensgefährtin, der Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (ebenfalls CDU), Tennis. In den darauf folgenden Monaten gab es immer neue Recherchen, bei denen Wegner der Lüge überführt wurde und mehrfach Details zu seinem Tagesablauf korrigieren musste. Zuletzt ging es darum, ob Wegner vor dem Tennismatch tatsächlich mit dem Krisenstab telefonierte und ob ein Gespräch mit dem Bundeskanzler überhaupt stattfand. Nach den jüngsten Enthüllungen des Tagesspiegels am Dienstag verkündete Kai Wegner auf einer Pressekonferenz am Freitag seinen Rückzug von der Spitzenkandidatur. „Ich kriege es nicht mehr hin, Botschaften zu übermitteln, weil alles andere das überlagert“, sagte der Regierende Bürgermeister. Daraus ziehe er mit dem Verzicht auf die Spitzenkandidatur zur Wahl im September Konsequenzen. Auch den Sitz des Landesvorsitzes gebe er auf. Das Amt des Regierenden Bürgermeisters werde Wegner aber bis zur Wahl behalten. Schwarzer Sumpf Auch abseits des Tennisgate-Skandals verlief Wegners dreijährige Amtszeit eher holprig. Maßgeblich zu seinem Rücktritt von der Spitzenkandidatur dürfte auch die Fördergeld-Affäre beigetragen haben. Unter dem Vorwand der Bekämpfung von Antisemitismus haben Parteikolleg:innen nach Gutdünken Fördermittel in Millionenhöhe verteilt. Derzeit ermittelt die Staatsanwaltschaft unter dem Verdacht der schweren Untreue gegen die ehemalige Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson, die infolge des Skandals zurücktreten musste. „Kai Wegner und die CDU haben mit ihrem Handeln der Stadt und der Demokratie in Berlin und weit darüber hinaus einen großen Schaden zugefügt“, kommentierte der grüne Spitzenkandidat Werner Graf Wegners Rückzug. (mit dpa) 50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen meistkommentiert

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11. Juli
Der Spiegel (Politik)

Kai Wegner: Neue Widersprüche zu Telefonat mit Friedrich Merz im Stromausfall

Weitere Widersprüche nach Rückzug Haben Wegner und Merz nun beim Stromausfall telefoniert oder nicht? Es ist ein Aussagen-Wirrwarr, durch das man kaum noch durchblickt: Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner hat nach Angaben der Senatskanzlei zu Beginn des mehrtägigen Stromausfalls in der Hauptstadt Anfang des Jahres ein Telefongespräch mit Bundeskanzler Friedrich Merz (beide CDU) geführt. »Erstens stand der Regierende Bürgermeister bereits am 3. Januar mit dem Bundeskanzleramt im Austausch. Zweitens hat der Regierende Bürgermeister am 4. Januar mit dem Bundeskanzler telefoniert«, teilte die Senatskanzlei auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa mit. Der »Tagesspiegel« hatte hingegen am Freitag Gegensätzliches berichtet. Die Zeitung zitiert ein Schreiben aus dem Kanzleramt, in dem es heißt, in dem Verfahren »wird mitgeteilt, dass, soweit feststellbar, der Bundeskanzler während der Dauer des fragegegenständlichen Stromausfalls in Berlin im Januar 2026 kein persönliches Gespräch mit dem Regierenden Bürgermeister von Berlin Wegner geführt hat, weder in Anwesenheit persönlich noch telefonisch«. Ein Regierungssprecher bestätigte auf dpa-Anfrage diese Informationen aus einem Schriftsatz des Bundeskanzleramts an das Verwaltungsgericht Berlin. Der »Tagesspiegel« hatte dort nach eigenen Angaben Ende Juni einen Eilantrag auf Grundlage des presserechtlichen Auskunftsanspruchs eingereicht, nachdem das Kanzleramt über Wochen keine näheren Informationen zu entsprechenden Telefonaten geliefert habe. Rücktritt von Wegner am Freitag Unter anderem wegen widersprüchlicher Angaben dazu, mit wem er zu Beginn des Blackouts telefoniert hatte, stand Wegner monatelang in der Kritik. Am Freitagnachmittag erklärte er bei einer überraschend angekündigten Pressekonferenz seinen Rückzug als Spitzenkandidat der CDU bei der Abgeordnetenhauswahl am 20. September. Als Regierender Bürgermeister will Wegner im Amt bleiben, bis ein Nachfolger im Landesparlament gewählt ist. Wegner hatte in der Sendung RBB-»Abendschau« am 5. Januar gesagt: »Gestern habe ich einmal mehr mit dem Bundeskanzler auch gesprochen.« Die Senatskanzlei bleibe dabei, dass es dieses Telefonat gegeben habe, sagte ein Sprecher, erklärte aber nicht, wie der Widerspruch zu den Angaben des Kanzleramts aufzulösen sei. Erst am Dienstag hatte der »Tagesspiegel« eine Antwort der Senatskanzlei auf eine Anfrage veröffentlicht, nach der Wegner anders als zunächst behauptet am Vormittag des 3. Januar noch keine dienstlichen Telefonate zum Stromausfall geführt hat. Im Interview mit Welt TV hatte Wegner am 7. Januar gesagt: »Ich habe in der Tat um 8.08 Uhr begonnen, die Telefonate zu führen. Ich habe mit den Krisenstäben telefoniert, mit Stromnetz.« Mitte Mai hatte eine Sprecherin der Bundesregierung frühere Angaben korrigiert und mitgeteilt, Wegner und Merz hätten am 3. Januar nicht miteinander telefoniert. Am 17. März hatte ein Sprecher der Bundesregierung dazu zunächst geantwortet, es habe an dem Tag mehrere Gespräche Wegners mit Merz und Kanzleramtsminister Thorsten Frei (CDU) gegeben.

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