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Bedrohen die Luxusresort-Pläne der Trump-Familie die Natur?

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12. Juli
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Bedrohen die Luxusresort-Pläne der Trump-Familie die Natur?

"Flamingo-Revolution" in Albanien:Bedrohen die Luxusresort-Pläne der Trump-Familie die Natur? von Arta Ramadani Seit Wochen gibt es Proteste in Albanien gegen den geplanten Bau eines Luxusresorts der Trump-Familie. Die Demonstranten kämpfen für den Schutz der Flamingos, aber nicht nur. "Flamingo-Revolution" heißt die Protestbewegung in Albanien, die durch den geplanten Bau eines Luxusresorts in dem geschützten Landschaftsgebiet Vjosa-Narta entstanden ist. Denn dort hinein, mitten in die unberührte Natur, soll ein milliardenschweres Tourismusprojekt gebaut werden: mit Luxushotels, Yachthäfen und Ferienvillen. Als Hauptinvestor wird Jared Kushner genannt, der Schwiegersohn von US-Präsident Trump. Die albanische Regierung bewertet das Vorhaben als strategische Investition und verweist auf neue Arbeitsplätze und wirtschaftlichen Wohlstand. Doch Tausende Albanerinnen und Albaner sind gegen das Projekt. Sie demonstrieren gegen den Bau des Luxusresorts und werfen der albanischen Regierung vor, ihr Land zu verkaufen und die Natur und ihre seltenen Arten zu bedrohen. Der Konflikt reicht inzwischen weit über den Schutz der Lagune hinaus: Er hat eine breitere Debatte über Naturschutz, Landrechte und das Verhältnis zwischen Bürgern und Staat ausgelöst. Ökologisch wertvolle Region in Gefahr? Das Landschaftsschutzgebiet Vjosa-Narta ist Teil des Küsten- und Mündungssystems der Vjosa und gehört zu den letzten weitgehend intakten Flussdeltasystemen im Mittelmeerraum, wie eine von der Umweltorganisation EuroNatur und Riverwatch beauftragte Studie zum Zustand der Flussdeltas im Mittelmeerraum zeigt. Die Vjosa-Narta Lagune, die in den Blick der Trump-Familie geraten ist, zählt zu den ökologisch wertvollsten Regionen Europas und bietet Lebensraum für mehr als 200 Vogelarten sowie über 70 bedrohte Arten. "Darunter sind auch die streng geschützten Meeresschildkröten", erklärt Annette Spangenberg von EuroNatur. Konflikt um Albaniens Küste: Ein geplantes Luxusresort auf Sazan sorgt für Proteste. Umweltschützer warnen vor Schäden an der Lagune von Vlora. Premier Rama verteidigt das Milliardenprojekt. 09.07.2026 | 2:14 minHeimat für seltene Arten Darüber hinaus ist die Vjosa-Narta-Lagune ein wichtiger Knotenpunkt für Vögel entlang der Adriatischen Zugroute. Sie bietet Rastplätze für Zugvögel, Flamingos und seltene, bedrohte Arten wie zum Beispiel die Krauskopfpelikane. Das Gebiet umfasst Lagunen, Salzwiesen, Dünen, Flussmündungen - damit ist es bedeutsam über die Grenzen Albaniens hinaus. Denn es betrifft den Schutz der biologischen Vielfalt in Europa im weiteren Sinne. Insbesondere angesichts der Tatsache, dass Albanien die EU-Mitgliedschaft anstrebe, so Annette Spangenberg von EuroNatur. Die EU sucht Wege für einen schnelleren Beitritt der Westbalkan-Länder. Albanien, Bosnien-Herzegowina, Kosovo, Nordmazedonien, Serbien und Montenegro bemühen sich um einen Beitritt zur Union. 04.06.2026 | 1:51 minEs geht nicht nur um Flamingos Inzwischen geht es den Protestierenden in Albanien allerdings um weit mehr als um die Flamingos. Sie prangern die Korruption im Land an, fordern Reformen, faire Wahlen und den Rücktritt der derzeitigen Regierung. Ein Bestandteil der Proteste ist die veränderte Naturschutzgesetzeslage von 2024, die nach Ansicht von Naturschutzorganisationen Investitionen in Schutzgebieten erleichtert und bestehende Schutzmechanismen schwächt. "Diese Änderungen wurden von Naturschutzorganisationen, Wissenschaftlern und europäischen Institutionen kritisiert", sagt Annette Spangenberg. Das Europäische Parlament und die Europäische Kommission hätten wiederholt Bedenken geäußert, dass die Änderungen mit den EU-Naturschutzstandards unvereinbar seien, und im Rahmen der Verpflichtungen Albaniens gemäß Kapitel 27 der Beitrittsverhandlungen deren Aufhebung gefordert. Albanien: Land der Naturschutzgebiete In Albanien gibt es 25 Naturschutzgebiete, insgesamt 23 Prozent der Landesfläche stehen unter Schutz. Damit gehört Albanien laut der Europäischen Umweltagentur zu den Staaten mit einem höheren Anteil geschützter Naturflächen in Europa. Tausende protestieren seit Tagen, weil Trump-Schwiegersohn Jared Kuschner ein Luxus-Ferienresort an der Adriaküste bauen will. Die Lagune ist ein wichtiges Rastgebiet für Zugvögel und Flamingos. 10.06.2026 | 2:26 min"Eine nachhaltige wirtschaftliche Investition und Entwicklung setzt voraus, dass die Menschen und die betroffenen Gemeinden berücksichtigt werden. Tragfähige Alternativen gehören geprüft. Der Schutz der Natur und der Region sollte als Teil einer strategischen und langfristigen Vision in Betracht gezogen werden", betont Annette Spangenberg. "Im Fall der geplanten Entwicklungen im Vjosa-Narta Gebiet haben wir das so nicht erlebt." Die diskutierten Pläne und das, was wir derzeit beobachten, sind ein erster Vorgeschmack auf das, was noch kommen kann, und können nicht als wirtschaftliche nachhaltige Entwicklung bezeichnet werden. Annette Spangenberg, Leiterin Programmbereich Fließgewässer, EuroNatur Warum ein Naturschutzgebiet solche Emotionen bei den Albanern auslöst, lässt sich nur verstehen, wenn man die Geschichte des Landes betrachtet. Albaniens Insel Sazan war lange millitärisches Sperrgebiet. Die Tochter und der Schwiegersohn von Donald Trump wollen dort ein Luxusresort errichten. Dagegen formiert sich in Albanien Widerstand. 05.07.2026 | 5:15 minViele Enteignungen während der Diktatur Die Albaner lebten 40 Jahre unter der Enver-Hoxha-Diktatur, in der viele Familien enteignet worden sind. "Bis heute suchen zahlreiche Menschen nach ihrem verlorenen Eigentum und fordern die Rückgabe ihres Landes", erklärt der Historiker Elidor Mëhilli von der City University of New York. "Für viele Albaner sind Besitz und Land eng miteinander verbunden. Seit 30 Jahren suchen Menschen nach Immobilien, kämpfen um Immobilien und werden sogar dafür getötet." Das ist das Drama dieses Landes. Es war ein fataler Fehler, dass dieses Problem nicht gelöst, sondern von allen Parteien in die Länge gezogen und politisch instrumentalisiert wurde. Die Politik erntet also, was sie in diesen drei Jahrzehnten gesät hat. Elidor Mëhilli, City University of New York Das Land hat für die Albaner nicht nur materiellen Wert, es steht auch für Familie, Herkunft und Identität. Schmerzen, Wunden und Traumata, die vererbt wurden, seien auch ein Gesicht der Flamingo-Revolution, so Elidor Mëhilli. Tausende demonstrieren gegen den Bau eines Luxusresorts, an dem Trumps Familie beteiligt sein soll. Warum der Protest eine größere politische Unzufriedenheit zeigt – ZDFheute live. 21.06.2026 | 19:21 minDie Proteste in Albanien, aber auch in der Diaspora, haben dazu beigetragen, dass die Bauarbeiten im Gebiet nun stärker überprüft werden. Und auch das Thema Naturschutz ist durch das geplante Bauprojekt in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Das Symbol der Demonstranten: die Flamingos. Sie sind damit mehr als ein Zeichen für eine bedrohte Vogelart geworden. Sie stehen für eine gesellschaftliche Frage: Wie lassen sich wirtschaftliche Interessen mit dem Schutz von Natur, Geschichte und dem Recht der Menschen auf ihre Heimat verbinden? 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11. Juli
FAZ (Politik)

Albanien: Die Flamingos gegen den Paradiesvogel

Albanien : Die Flamingos gegen den Paradiesvogel Eine albanische Jugendbewegung wirft Regierungschef Edi Rama Vetternwirtschaft und den Ausverkauf des Landes vor. Wer hat den längeren Atem? Während in Tirana Tausende meist junger Demonstranten Abend für Abend auf die Straße gehen, ist an der albanischen Riviera Hochsaison. Der hartnäckige Protest in der Hauptstadt und der davon gänzlich unberührte Ferienrummel an der Küste hängen zusammen. Auslöser der Demonstrationen sind zwei Projekte für Luxusresorts an einem Abschnitt der Riviera, wo sich heute in einem Landschaftsschutzgebiet Flamingos und zahlreiche andere Vogelarten tummeln. Die Wasservögel mit dem rosa Gefieder, den grazilen Beinen und den geschwungenen Hälsen haben der Protestbewegung, die vor gut einem Monat begann, Symbol und Namen gegeben. Manche wollen schon den Beginn einer „Flamingo-Revolution“ und den nahenden Sturz von Regierungschef Edi Rama ausgemacht haben. Der 62 Jahre alte Politiker und Künstler ist seit 2013 an der Macht, so lange wie kein anderer Ministerpräsident seit dem Fall des Kommunismus im Jahr 1990. Zwischen 2000 und 2011 war Rama, der aus einer regimetreuen Familie stammt, Bürgermeister von Tirana. Zum Chef der Sozialistischen Partei, Nachfolgerin der kommunistischen Partei der Arbeit Albaniens, wurde er 2005 gewählt. Erlebt der flamboyante und eloquente Politiker, der habituell weiße Turnschuhe trägt und viele Jahre der Liebling westlicher Medien und liberaler Intellektueller war, die Dämmerung seiner Herrschaft? Rama versichert, er genieße weiter das Vertrauen der meisten Albaner. Die hätten ihm, zuletzt bei den Parlamentswahlen von 2025 mit 868.000 Stimmen, die Erfüllung einer nationalen Mission aufgetragen: den EU-Beitritt bis 2030. Die Riviera Albaniens im Süden des Landes erstreckt sich auf gut 150 Kilometern vom Tourismus- und Geschäftszentrum Vlora über die Städte Himara, Saranda und Ksamil bis zur griechischen Grenze. Längst ist der kleine Balkanstaat kein Geheimtipp mehr. Albaniens Fremdenverkehr boomt. In diesem Jahr könnte die Schwelle von 13 Millionen Besuchern überschritten werden. Für ein Land mit gerade einmal 2,4 Millionen Einwohnern ist das eine ganze Menge. Und es sollen in den kommenden Jahren noch mehr werden. Fiel jemand in Ungnade, wurde er mit der Familie deportiert Gut vier Jahrzehnte lang hatte der Diktator Enver Hoxha (1908 bis 1985) Albanien fast vollständig von der Außenwelt abgeschottet. In Hoxhas Steinzeitkommunismus waren Privatautos und Wohneigentum verboten. Es herrschte bittere Armut. Fast 10.000 Menschen ließ Hoxha während seiner Regierungszeit von 1944 bis 1985 hinrichten. Bis zu 300.000 Menschen, rund ein Drittel der damaligen Bevölkerung, fristeten in den albanischen Gulags ein Leben hinter Stacheldraht. Wenn jemand in Ungnade fiel, wurde er mit der gesamten Familie deportiert. Viele kehrten aus den Straf- und Arbeitslagern nie wieder zurück. Im Überfluss gab es im Schreckensreich des Psychopathen Hoxha nur Betonbunker zur Abwehr einer phantasierten Invasion durch fiktive Gegner: Welche feindliche Macht hätte Interesse an diesem Jammertal haben sollen? Rund 200.000 Bunker sollen zwischen 1972 und 1984 gebaut worden sein. Manche Schätzungen reichen bis zu 750.000 Bunkern. Die Pockennarben der Jahrhundertkrankheit Totalitarismus sind bis heute zu sehen, über das ganze Land verstreut. Hoxha hatte Albanien so gründlich heruntergewirtschaftet, dass es eine Generation brauchte, um das Land einigermaßen an den Lebensstandard der Region heranzuführen. Noch heute verlassen junge Albaner das Land, weil sie in ihrer Heimat keine Zukunft für sich sehen. Doch heute gehört Albanien auch zu den Urlaubsdestinationen mit dem höchsten Besucherzuwachs am Mittelmeer. In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Zahl ausländischer Touristen verdreifacht. Inzwischen generiert der Fremdenverkehr rund ein Viertel der albanischen Wirtschaftskraft, Tendenz steigend. Unter Ramas Führung hat sich die Wirtschaftsleistung Albaniens von etwa zehn Milliarden Euro im Jahr 2013 auf 27 Milliarden Euro im vergangenen Jahr fast verdreifacht. Wichtigster Wachstumstreiber ist der Fremdenverkehr. Durch gestaltlose Strandbäder dauerhaft verhunzt Albanien braucht den Tourismus, darüber gibt es keinen Grundsatzstreit. Aber welche Art von Fremdenverkehr und welche Art von Wachstum? Mancherorts stechen die Folgen des „Overtourism“ ins Auge. In den Sommermonaten platzt der Flughafen der Hauptstadt aus allen Nähten. Jede Ausbau- und Modernisierungsstufe des Tirana International Airport, benannt nach der heiligen Mutter Teresa (1910 bis 1997), ist zum Zeitpunkt ihrer Fertigstellung angesichts des stetig wachsenden Passagieraufkommens schon wieder unzulänglich. Städte wie Saranda und Ksamil im Süden, aber auch Shëngjin im Norden – das Urlaubsparadies der ethnischen Albaner aus den Nachbarländern Kosovo und Nordmazedonien – sind durch hingeknallte Bettenburgen und gestaltlose Strandbäder dauerhaft verhunzt. Im Sommer ist der Straßenverkehr dort chaotisch. Im Ballungszentrum Tirana und nahe der Hafenstadt Durrës sieht es nicht besser aus. Um die knappe Ressource Süßwasser gibt es einen scharfen Verteilungskampf zwischen den Interessen des Fremdenverkehrs und des Naturschutzes, zwischen Küste und bergigem Hinterland. Namentlich im Südwesten des Landes, wo die Vjosa fließt. Der letzte Wildfluss Europas entspringt im griechischen Epirus-Gebirge, schlängelt sich erst durch enge Täler, mäandert dann in Hochebenen, ehe er nahe Vlora schließlich die Lagune von Narta bildet und in einem breiten Delta in die Adria mündet. 2023 hat die Regierung in Tirana den gesamten Verlauf der Vjosa auf albanischem Territorium, vom Oberlauf bis zum Delta, zum Nationalpark erklärt und damit einen Meilenstein im Umwelt- und Naturschutz gesetzt. Willkommen also im Vjosadelta und in der Lagune von Narta. Dort kann man nebst Krauskopfpelikanen und Blässhühnern, Spießenten und Korallenmöwen nicht nur bis zu 3000 Flamingos beobachten, sondern auch beispielhaft den Streit um die Zukunft des albanischen Fremdenverkehrs. Der verschlafene Weiler Zvërnec liegt am südlichen Ende der Lagune von Narta auf einer langgestreckten Landzunge. Die enge Straße parallel zur Küste führt durch einen dichten Pinienwald. Zwischen den Bäumen parken Autos und Camper. Der Wildfluss Vjosa gleicht an manchen Stellen einer Müllhalde Fliegende Händler bieten Luftmatratzen, Schwimmringe und allerlei Gerätschaften für den Sport am Strand und im Wasser feil. Mit ihrem Abfall nehmen es die überwiegend einheimischen Sommerfrischler im Landschaftsschutzgebiet Vjosa-Narta nicht so genau – wie die Albaner insgesamt in ihrem schönen, aber vielerorts vermüllten Land. Auch der geschützte Wildfluss Vjosa, an dessen Ufern örtliche Tourenanbieter den sanften Fremdenverkehr mit Wandern, Angeln und Rafting voranzubringen versuchen, gleicht an manchen Stellen einer Müllhalde. Auf einer winzigen Insel am äußersten Ende der Landzunge von Zvërnec liegt ein orthodoxes Marienkloster aus dem 14. Jahrhundert. Es ist durch einen geschwungenen Holzsteg mit dem Festland verbunden. Wenn man Glück hat, kann man von hier aus, durch das Hitzeflimmern über der Lagune, den Flamingos dabei zusehen, wie sie durchs kniehohe Brackwasser staksen und auf der Suche nach Salinenkrebsen ihre Köpfe fortgesetzt ins Wasser tauchen. Hier auf der Halbinsel Zvërnec sowie auf der vorgelagerten Insel Sazan will das Unternehmen Affinity Partners, das unter Führung von Donald Trumps Schwiegersohn Jared Kushner über Investitionsmittel aus Qatar und Saudi-Arabien in Höhe von bis zu vier Milliarden Euro verfügen soll, zwei Luxusresorts entwickeln. Ende Mai wurden für den Bau von Zufahrtsstraßen und die Trockenlegung von Feuchtland Absperrgitter errichtet. Angestellte eines privaten Sicherheitsunternehmens drängten Demonstranten vom Bauzaun zurück. Handyaufnahmen des Einsatzes, bei dem ein Demonstrant von einem Wachmann über den Schotter gezerrt wurde, gingen viral und lösten die ersten Proteste in Tirana aus. Inzwischen wurde der Bauzaun wieder abgebaut. Die Trassierungs- und Drainagearbeiten scheinen zu ruhen. Vor albanischen Gerichten gibt es Streit um die Eigentumsrechte an dem Privatland. Auch für die vorgelagerte Insel Sazan, eine derzeit unbewohnte ehemalige Militärbasis im Staatsbesitz, gibt es ein Fremdenverkehrsprojekt im Luxussegment von Affinity Partners. Entstehen sollen Fünfsternehotels, Villen und Apartmentanlagen, ein Yachthafen und Poollandschaften. Um die Entwicklung des Gebiets um Zvërnec und auf Sazan für den Fremdenverkehr zu öffnen, hat das von Ramas Sozialisten dominierte Parlament Anfang 2024 das Gesetz zum Natur- und Landschaftsschutz angepasst – beziehungsweise aufgeweicht, wie Kritiker sagen. Investitionsvorhaben von „strategischer Bedeutung“ können auch in Schutzgebieten verwirklicht werden, wenn bestimmte Kriterien erfüllt sind. Wechsel der Regierung oder des Systems? So müssen mindestens tausend feste Arbeitsplätze geschaffen sowie einschlägige Naturschutzbestimmungen eingehalten werden. Diese Bedingungen sollen die Projekte Kushners erfüllen, endgültige Pläne liegen aber noch nicht vor. Das Europaparlament hat am 17. Juni in einer Abstimmung zum Fortschrittsbericht der Beitrittsverhandlungen mit Tirana mit breiter Mehrheit ein Moratorium für neue Genehmigungsverfahren sowie für Bauarbeiten und Entwicklungsmaßnahmen in Schutzgebieten gefordert. Die Bestimmungen des Anfang 2024 geänderten albanischen Gesetzes über Schutzgebiete sollen ebenfalls ausgesetzt werden, bis deren vollständige Übereinstimmung mit EU-Naturschutzstandards festgestellt ist. Derweil sind die Fronten zwischen der Protestbewegung und der Regierung verhärtet. Zu den Demonstranten gehören viele junge Leute der Generation Z, die in ihrem bewussten Leben nichts anderes kennengelernt haben als die Herrschaft Ramas und der Sozialisten. „Albanien steht nicht zum Verkauf“, lautet die maßgebliche Parole bei den Protesten. Der Regierung werfen die Demonstranten im konkreten Fall der Kushner-Projekte Intransparenz und Inkonsistenz vor, im Allgemeinen Korruption und Vetternwirtschaft. Tatsächlich sind einige der engsten Mitstreiter Ramas ins Visier der albanischen Sonderermittler gegen Korruption und organisierte Kriminalität (SPAK) geraten, unter ihnen zwei ehemalige Vizeregierungschefs sowie Erion Veliaj, Bürgermeister von Tirana und politischer Ziehsohn Ramas, der seit anderthalb Jahren in Untersuchungshaft sitzt. Aber auch in die parlamentarische Opposition, zumal die konservative Demokratische Partei unter dem inzwischen 81 Jahre alten ehemaligen Präsidenten und Regierungschef Sali Berisha, setzt die Flamingo-Bewegung keine Hoffnung. Die Flamingos wollen keinen Regierungswechsel, sie wollen eine Art Systemwechsel. Rama weist die Forderung nach einem Stopp der Projekte und nach seinem Rücktritt brüsk zurück. In Interviews mit albanischen und internationalen Medien lässt er den Demonstranten ausrichten, man könne nicht einfach „eines schönen Tages aufwachen und sagen, ich will, dass die Regierung zurücktritt. So läuft das nicht. Ihr müsst schon bis zu den nächsten Wahlen warten.“ Und was die Projekte auf Privatland bei Zvërnec und für die Insel Sazan im Staatsbesitz betreffe, so lägen weder für das eine noch das andere endgültige Pläne vor. Schon im Vorhinein eine mögliche Investition von vier Milliarden Euro auszuschlagen, hieße, die Chance zu verspielen, einen Abschnitt der Riviera zur „Perle der Adria“ zu entwickeln, sagt Rama. Die Annahme, er und sein Kabinett könnten bei internationalen Investitionen im albanischen Tourismus etwas fördern oder gutheißen, was die EU-Beitrittsverhandlungen Tiranas beeinträchtigen oder gegen EU-Vorgaben verstoßen könnte, bezeichnet Rama als abwegig. Viele Demonstranten ließen sich durch falsche Informationen, namentlich in den sozialen Medien, vor den Karren einer internationalen Kampagne gegen Donald Trump spannen, die mit den Projekten von Kushner und dessen Partnern an der albanischen Riviera gar nichts zu tun habe. Zuletzt versprach Rama, jenen zuzuhören, die sich aus aufrichtigen Beweggründen an dem Protest beteiligen – und pries die Proteste als Zeichen der demokratischen Reife Albaniens. Ob der nicht mehr ganz junge Regierungschef einen längeren Atem hat als die junge Flamingo-Bewegung, wird sich zeigen.

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