Für drei Millionen Euro: AfD in NRW will sich eigene Halle zulegen
Für drei Millionen Euro : AfD in NRW will sich eigene Halle zulegen
Nicht nur von Spendern erbittet der größte Landesverband der AfD Geld für eine eigene Immobilie. Auch die Bundespartei soll helfen.
Der nordrhein-westfälische AfD-Landesverband will für rund drei Millionen Euro eine Halle kaufen, um darin künftig seine Parteiveranstaltungen abhalten zu können. Das kündigten der AfD-Landesvorsitzende Martin Vincentz und Schatzmeister Christian Blex in einem gemeinsamen Schreiben an alle Parteimitglieder und Förderer der Partei an. Zugleich baten sie darin um Spenden. Für das Vorhaben ist allerdings auch ein Kredit der Bundes-AfD nötig – mit der Vincentz und Blex gerade heftig über Kreuz liegen.
Ein Sprecher der nordrhein-westfälischen AfD bestätigte der F.A.Z., dass der Landesverband ein konkretes Objekt im Blick habe. In welcher Stadt es sich befindet, wollte er nicht mitteilen. In dem Schreiben von Vincentz und Blex heißt es, da die öffentlichen Anfeindungen durch die anderen Parteien „und deren“ Nichtregierungsorganisationen zunähmen, werde es immer schwerer, geeignete Räumlichkeiten für Veranstaltungen zu finden, zu denen die AfD nach dem Parteiengesetz verpflichtet sei.
„Nach über einem Jahr geleisteter Vorarbeiten besteht nun die einzigartige Möglichkeit, eine Vielzahl von Problemen durch den Erwerb einer Veranstaltungshalle zu lösen“, schreiben Vincentz und Blex. Ziel sei es, 30 Prozent der Investitionssumme, also rund eine Million Euro, bis zum 31. Dezember 2026 „mit Ihrer Unterstützung“ aufzubringen. „Investieren Sie jetzt in die Zukunft und Unabhängigkeit unseres großartigen Landesverbandes!“
Bisher nutzt die AfD regelmäßig eine Hochzeitshalle für Parteitage
Zuletzt hielt der größte Landesverband der AfD seine Veranstaltungen stets in einem in die Jahre gekommenen Eventzentrum in Marl ab, wo sonst unter anderem Großhochzeiten stattfinden. Auch die Aufstellungsversammlung für die AfD-Liste zur Landtagswahl 2027, die zeitweilig im Chaos zu versinken drohte, fand dort statt.
In der nordrhein-westfälischen AfD stehen sich zwei Lager feindselig gegenüber: die Gruppe um den Landesvorsitzenden Martin Vincentz, die vergleichsweise gemäßigt auftritt, und die völkisch-nationale Gruppe um den Dortmunder AfD-Bundestagsabgeordneten Matthias Helferich. Über die Aufstellung der Liste gerieten die beiden Lager Anfang Juni in Marl auf offener Bühne so heftig in Streit, dass der Bundesvorstand die NRW-AfD aufforderte, den Parteitag abzubrechen. Dazu kam es nicht, weil eine klare Mehrheit der Delegierten für die Fortsetzung votierte, woraufhin die Helferich-Leute den Saal verließen und nicht mehr versuchten, Einfluss auf die Aufstellung der Liste zu nehmen.
Am Montag eröffnete der Bundesvorstand wegen der Vorgänge in Marl ein Parteiordnungsverfahren. Zuvor hatte er mögliche Maßnahmen gegen führende Mitglieder des NRW-Landesverbands und die Einsetzung einer Untersuchungskommission angekündigt. Unter die Lupe genommen werden sollen dabei auch die Finanzen des größten Landesverbands der AfD.