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Donnerstag, 30. Juli 2026
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Trauer nach dem CSD-Anschlag: Die mit uns durch die Apokalypse gehen

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30. Juli
taz (Öko & Co)

Trauer nach dem CSD-Anschlag: Die mit uns durch die Apokalypse gehen

Trauer nach dem CSD-Anschlag: Die mit uns durch die Apokalypse gehen Vom Anschlag auf den CSD in Berlin hat unsere Kolumnistin erst erfahren, als die ersten Fragen kamen, ob sie okay sei. Über die schwierige Zeit danach. A ls ich vergangenen Sonntag aufwache, dreht sich mir der Magen um. Ich habe mehrere verpasste Anrufe wegen des CSD. Am Samstag war ich so früh schlafen gegangen, dass ich noch nichts mitbekommen habe. „Bist du in Ordnung?“ „Sind du und deine Liebsten in Ordnung?“ Nachricht über Nachricht. Erst dann lese ich, was passiert ist. Der Anschlag auf den CSD, der passiert ist, lässt die Community um mich herum gefrieren. Am Vormittag quäle ich mich in den Tag. Schon eine Weile übernimmt jene Hoffnungslosigkeit meinen Körper, gegen die ich mich so lange gewehrt habe. Erschöpfend ist das, auch wenn mir meine queeren Geschwister stets Halt geben. Die Einsamkeit, die ein Leben voll Lohnarbeit und Schreiben und Ausbildung und so weiter mit sich bringt, sorgt dafür, dass ich viel Zeit mit mir selbst verbringe. Am Nachmittag erreicht mich dann eine Nachricht. „Kleines Treffen im Park, 18 Uhr, gemeinsam trauern.“ Dieser Text erschien zuerst in der wochentaz, unserer Wochenzeitung von links! In der wochentaz geht es jede Woche um die Welt, wie sie ist – und wie sie sein könnte. Eine linke Wochenzeitung mit Stimme, Haltung und dem besonderen taz-Blick auf die Welt. Jeden Samstag neu am Kiosk und natürlich im Abo. Ich zwinge mich wieder aus dem Bett. Wir sind alle so gelähmt von dem, was gerade in der Welt passiert. Es tut weh, dass unseren queeren Geschwistern überall Leid angetan wird, dass sie um ihr Leben bangen, dass sie fliehen müssen. Was Queers seit immer schon erschaffen, sind Räume gegenseitiger Hilfe. Sei es in der Aids-Krise, in der Lesben sich um ihre schwulen Genossen gekümmert haben, oder Trans*Personen Sexarbeit geleistet haben, um anderen Trans*Geschwistern Wohnraum und Essen bezahlen zu können. Leute, die mich nur vage kennen, schreiben mir. Trauer ist ein Gefühl, das vielleicht erst einmal überfordern kann, aber wir fühlen es ja alle. Trauer braucht keine Lösung. Wir sind ja nicht einmal an dem Punkt, an dem wir es schaffen, vor anderen zu weinen. Draußen ist es heiß, die Stimmung gedrückt. Es rauscht der Sommer, aber es ist einem gar nicht nach See, die glühende Hitze in Leipzig lässt buchstäblich die Gleisanlage der Straßenbahn wegschmelzen. An den Wänden prangen Plakate der Leipziger Verkehrsbetriebe: „Lasst uns den Anschluss zum Miteinander nicht verpassen.“ Queere Solidarität Angekommen beim Treffen – in einem Raum, der für uns ist, um gemeinsam durch die Gefühle zu gehen. Der Staat schützt uns nicht, unsere Geschwister tun es. Wir sitzen still beieinander: erst einmal Überforderung, abwarten. „Niemand organisiert hier das Gedenken. Also nehmt euch den Raum, so zu trauern, wie ihr es braucht.“ Aber was brauchen wir eigentlich? Wie trauern wir miteinander? Das ist kein Gefühl, für das man Lösungen sucht, sondern das wir gemeinsam aushalten. Dann, nach und nach, fangen Menschen an, Lieder zu singen, schreiben Zettel. Wir sitzen beieinander im Kreis. Wir weinen. Wir schauen uns an, schenken uns ein kleines Lächeln. Eine Person, die ich kaum kenne, bietet mir an, mich auf ihren Schoß zu legen. Unsere Herzen bleiben offen, um den Wahnsinn nicht zu verfestigen. Natürlich haben wir als Community viele Konflikte. Wir kennen viel Schmerz, den wir uns auch untereinander zugefügt haben, aber im Endeffekt: Das hier sind die Menschen, mit denen wir durch die Apokalypse gehen. Nach dem gemeinsamen Trauern gehe ich mit einer engen Freundin zurück zur heißen Straße. Die Trams rattern, Menschen sitzen unter Markisen und trinken Çay. Wenn man sich auf eins verlassen kann, dann auf Queers, die Räume für uns und all jene gestalten, die unter den Gegebenheiten dieser Zeit – der Apokalypse von oben – leiden. Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? Werden Sie jetzt Teil der Community! Jetzt unterstützen meistkommentiert

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29. Juli
taz (Öko & Co)

Community nach dem Anschlag auf den CSD: Hört den Betroffenen zu!

Community nach dem Anschlag auf den CSD : Hört den Betroffenen zu! Nach dem Anschlag auf den CSD in Berlin steht der Täter im Fokus. Dabei sollte stärker auf die Masse an queerfeindlicher Gewalt hingewiesen werden. E s ist nicht leicht nach einem Anschlag wie dem vom 25.07. die richtigen Worte zu finden. Normalerweise würde ich für eine Woche keine News mehr schauen, um nicht sehen zu müssen, wie die breite Front der queerfeindlichen Rechten und Konservativen die Amokfahrt eines IS-Anhängers und den Tod einer CSD-Teilnehmerin für ihre rassistische und spalterische Agitation missbrauchen, während sie über die Masse der Angriffe und Anschläge auf CSDs und auf Queers allgemein sowie die strukturellen Ursachen dieser Taten schweigt und die Betroffenen queerfeindlicher Gewalt nicht zu Wort kommen. Die Meldestelle Antifeminismus schätzt die Situation auf Anfrage so ein: „Die Sichtbarkeit, politische Teilhabe und körperliche Selbstbestimmung von Frauen und/oder queeren Personen wird seit Jahren zunehmend angegriffen. Der Angriff auf den Berliner CSD ist kein isolierter Einzelfall: In den letzten beiden Jahren hat die Meldestelle Antifeminismus über 150 Angriffe auf CSDs, ihre Teilnehmenden und Organisator*innen dokumentiert. Dies macht das organisierte, gewaltvolle Vorgehen gegen queeres Leben deutlich. Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten linken Meinungsspektrums. Gewalt trifft queere Menschen und Organisationen aber über das ganze Jahr hinweg – in Form von Brandstiftungen in queeren Begegnungsorten, Gewaltandrohungen gegenüber queeren Politiker*innen und auch physischer Gewalt im öffentlichen Raum. Die Angreifenden kommen aus dem islamistisch-fundamentalistischen, extrem rechten und christlich-fundamentalistischen Spektrum. Queerfeindlichkeit, Misogynie und Antifeminismus sind die gemeinsamen Nenner der unterschiedlichen Akteur*innen und erweisen sich als zentrale Mobilisierungselemente – mit großer Anschlussfähigkeit und Verbreitung in allen Teilen der Gesellschaft. Der Anschlag auf den Berliner CSD hat schmerzlich gezeigt, wie real, gewaltvoll und sogar tödlich queerfeindlich motivierter Antifeminismus heute in Deutschland ist“, sagt Palo Quirion, Referent*in der Meldestelle Antifeminismus bei Lola für Demokratie e. V. Getrieben wird die Gewalt von einem globalen queerfeindlichen Diskurs, der sich quer durch die Gesellschaft zieht. Sie wird auch von denjenigen Politiker*innen vorangetrieben, die jetzt demonstrativ um die offene und freie Gesellschaft trauern und die Deutschlandfahne vor dem Bundestag auf Halbmast setzen, nachdem sie das Aufhängen der Regenbogenfahne zum CSD unterbunden haben. Problematische Rhetorik Was wir jetzt brauchen, sind keine Tiraden, in denen die Betroffenen queerfeindlicher Gewalt für bereits geplante Angriffe auf die Rechte muslimischer oder arabischer Minderheiten eingespannt werden. Diese Rhetorik nimmt den Betroffenen den Raum zu sprechen und eignet sich ihre Trauer an. Der Täter hat sein ganzes Leben in Deutschland verbracht, konvertierte hier zum sunnitischen Fundamentalismus und radikalisierte sich hier. Als er in den Libanon ging, um sich dem Islamischen Staat anzuschließen, wurde er dort für die „Anstiftung zu religiösen und konfessionellen Konflikten“ verurteilt. In seiner Heimat Berlin konnte er in die Tat umsetzen, womit er im Libanon scheiterte. Zu einem Gerichtsprozess wird es nicht mehr kommen, weil die Polizei den Täter unter noch zwingend aufzuklärenden Umständen erschossen hat. Es ist Zeit, dass wir beginnen, Verantwortung für unsere Gesellschaft zu übernehmen. Das hieße in diesem Fall, zuallererst eine Diskussion über queerfeindliche Gewalt und die Bedürfnisse der Betroffenen dieser Gewalt zu führen, statt schadenfroh darüber zu höhnen, dass den „Queers for Palestine“ am Samstag eine Lektion erteilt wurde. Gerade haben viele Betroffenen queerfeindlicher Gewalt die größte Angst. Nicht bloß vor weiteren Angriffen, sondern auch vor den autoritären politischen Reaktionen, die ihren Aufenthaltsstatus gefährden oder sie zum Ziel von Polizeigewalt machen. Das Mindeste wäre, dass Projekte wie die Meldestelle Antifeminismus, die durch das Ende von Demokratie Leben akut in ihrer Existenz bedroht sind, weiterfinanziert werden. Das wäre das bare Minimum. Eigentlich bräuchte es aber viel mehr. Dass eine andere Welt möglich ist, zeigte am Wochenende die Internationalist Queer Pride. Hier demonstrierten Tausende migrantisierte wie deutsche Queers aller Religionen und Atheismen friedlich für die Sicherheit der vulnerabelsten Teile unserer Community. Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? Werden Sie jetzt Teil der Community! Jetzt unterstützen meistkommentiert

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29. Juli
taz (Öko & Co)

Beraterin über Terrorbetroffene: „Deswegen ist Community so wichtig“

Beraterin über Terrorbetroffene: „Deswegen ist Community so wichtig“ Was brauchen Betroffene und queere Menschen nach dem Anschlag auf den CSD? Ein Gespräch mit Christelle Gebhardt, Geschäftsleitung von LesMigraS und der Lesbenberatung. taz: Am Wochenende gab es einen Anschlag auf den CSD, bei dem eine Person getötet und 31 verletzt wurden. Haben euch seit dem viele Anfragen erreicht? Christelle Gebhardt: Wir sehen schon seit Längerem einen Anstieg in den Anfragen und dem Bedarf nach Beratung, da auch queerfeindliche Gewalt in den letzten Jahren zugenommen hat. Der Anschlag letztes Wochenende ist die Zuspitzung dieser Gewalt. Heute ist erst der dritte Werktag und wir sind noch dabei, die Anfragen zu beantworten. Aber wir merken auf jeden Fall, dass die Grundstimmung in der Community angespannt ist. Es gibt gerade viele Gefühle – von Trauer bis Wut. taz: Viele Leute beschäftigen sich mit der Frage, wie sie queere Menschen unterstützen können, die direkt oder indirekt von dem Anschlag betroffen sind. Christelle Gebhardt ist Geschäftsleitung von LesMigraS und der Lesbenberatung. Die Lesbenberatung bietet psychosoziale Begleitung zu den Themen Coming-out, Fragen zu der eigenen geschlechtlichen oder sexuellen Identität, Kinderwunsch und Transition an. LesMigraS organisiert Beratungen zu den Themen Antigewalt und -diskriminierung, Flucht und Asyl, sowie Empowermentworkshops. Gebhardt: Eine Möglichkeit ist, mit den Betroffenen einzuchecken. Fragt eure Freund*innen, (gewählte) Familie und queere Personen in eurem Umfeld, wie es ihnen geht und ob sie etwas brauchen. Viele Queers fühlen sich nach dem Anschlag betroffen und trotzdem geht der Alltag weiter. Viele haben das Gefühl, funktionieren zu müssen. Dabei ist es auch wichtig, queere Beratungsorganisationen zu unterstützen, besonders die, die von politischen Kürzungen betroffen sind – wie das Jugendnetzwerk Lambda. Ehrenamtliches Engagement und finanzieller Support durch Spenden sind auch eine gute Idee. taz: Was ist mit Personen, die durch den Anschlag retraumatisiert wurden oder jetzt antimuslimischen Rassismus erfahren? Gebhardt: Auch hier gilt: Nachfragen, was die Personen gerade brauchen. Besonders wenn man nicht Teil der queeren oder muslimischen Community ist, sollte man sich informieren, was dieser Anschlag mit Leuten macht. Die politischen Nachwehen, die wir gerade erleben, betreffen vor allem Queers of Colour. Durch die politische Instrumentalisierung sind Muslim*innen von antimuslimischem Rassismus betroffen und erfahren so eine zusätzliche Belastung. Gerade wird im medialen politischen Diskurs zu wenig auf die Betroffenen geschaut und nicht mit Organisationen wie uns gesprochen. taz: Was können Allys der queeren Community sonst noch tun? Gebhardt: Zeigt Solidarität mit queeren Personen, informiert euch über Beratungsangebote und leitet die entsprechenden Anlaufstellen weiter, zeigt ein zwischenmenschliches Miteinander, fragt einfach mal nach. Einige Queers verspüren gerade mehr Wut als Trauer, da kann es auch eine gute Idee sein, mit Freund*innen auf eine Demo zu gehen oder für ihre Rechte zu demonstrieren. Und unterstützt queere Rechte nicht nur im Pride Monat, sondern das ganze Jahr über. taz: Könnt ihr dem aktuellen Beratungsbedarf gerecht werden? Gebhardt: Ich denke nein. Wie gesagt, ist die queerfeindliche Gewalt in den letzten Jahren immer weiter angestiegen und gleichzeitig werden queere Beratungsangebote gekürzt. Die Ressourcen werden knapper, obwohl wir mehr brauchen. Das ist ein politisches Versäumnis. taz: Queere Aktivist*innen kritisieren die Doppelmoral von Politiker*innen, aber auch die mediale Berichterstattung, bei der oft das Thema Queerness vernachlässigt wird. Gebhardt: Die Berichterstattung um den Angriff war generell verzerrt. Ich weiß, dass es auch innerhalb der Community unterschiedliche Meinungen zum CSD gibt, aber für uns alle ist Pride noch immer ein Protest. In den Medien wurde oft nur von einer Party gesprochen. Ja, wir haben unsere Errungenschaften gefeiert, aber wir demonstrieren auch für queere Rechte. Der Anschlag auf den CSD war eine queerfeindliche Attacke und das müssen wir so benennen. Ich habe den Eindruck, dass der Vorfall eher als Trittbrett benutzt wird, um eine politische Agenda voranzutreiben. Ich wünsche mir von den politischen Entscheidungsträger*innen, dass sie sich klar gegen antimuslimischen Rassismus positionieren und sich mehr an die Seite der queeren Community und deren Organisationen stellen. Diese politischen Solidaritätsbekundungen – wenn man sie so nennen möchte – spiegeln nicht das wider, was wir politisch in den letzten Jahren gesehen haben. Auf ihre Worte müssen jetzt auch Taten folgen. taz: In der Community wird gerade viel davon gesprochen, Räume für Trauer und Schmerz zu schaffen und zu halten. Wie kann das aussehen? Das Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) hat für Betroffene des Anschlags auf den CSD die telefonische Beratungs-Hotline 030-902296300 eingerichtet. Das Unterstützungsangebot richtet sich an die Menschen, die mittelbar oder unmittelbar von dem Terroranschlag betroffen sind. Die Beratung ist kostenfrei und vertraulich. Die Hotline informiert laut Lageso über Leistungen, die das Soziale Entschädigungsrecht für Betroffene von Gewalttaten und terroristischen Straftaten vorsieht. Die Beratungen umfassten insbesondere die Hilfen der Traumaambulanzen. Diese ermöglichen Betroffenen eine frühzeitige psychotherapeutische Unterstützung nach einem belastenden Ereignis. Die Beratung richtet sich insbesondere an unmittelbar Verletzte, Personen, die den Anschlag miterlebt haben und hierdurch psychisch belastet sind, sowie Angehörige und Nahestehende von Betroffenen. Sie ist von Montag bis Freitag von 7:30 bis 16:00 zu erreichen. Wer sich aufgrund des Erlebten in einer akuten psychischen Krise befinden oder medizinische Hilfe benötigen sollte, wendet sich bitte unverzüglich an den Rettungsdienst unter 112 oder an den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117. Auch der Weisse Ring e.V. ist seit Samstag Nacht aktiv. Vor allem Zeug*innen wenden sich an die Hilfsorganisation: „Es melden sich im Moment eher Leute, die nicht unmittelbar körperlich verletzt sind, sondern die das gesehen haben und völlig schockiert und durcheinander sind“, sagte Rolf Schmachtenberg, Landesvorsitzender Weisser Ring Berlin, der taz. In den nächsten Wochen erwarte er aber, dass sich noch mehr Betroffene melden. Einige seien unmittelbar nach so einer Tat in einem Schockzustand und würden erst nach einiger Zeit merken, dass sie Hilfe annehmen möchten. Schmachtenberg war selbst vor Ort: „Wir waren auf dem CSD mit einem Infostand auf der Straße des 17. Juni. Wir haben gerade abgebaut, als plötzlich überall Blaulicht war.“ Der Weisse Ring bietet ehrenamtlich erste Gespräche an und leitet an andere Fachdienste weiter. „Wir sind keine Psychologen und keine Rechtsanwälte. Wir dürfen auch keine Rechtsberatung machen“, so Schmachtenberg. Auch finanzielle Hilfen sind möglich, zum Beispiel um einen Rechtsanwalt zu bezahlen, wenn man als Nebenkläger*in auftreten will. Der Weisse Ring ist für Betroffene unter der Rufnummer 116 006 zu erreichen. (taz) Gebhardt: Wir organisieren am 6. August eine Trauerveranstaltung für die Menschen, die Redebedarf haben oder einfach nur Gemeinschaft suchen. Das Treffen wird in unseren Räumlichkeiten stattfinden und von psychosozialen Fachkräften begleitet. Man muss nichts sagen oder etwas Bestimmtes fühlen, es ist einfach ein Ort, um zusammenzukommen. Es ist gut, wenn Menschen merken, dass sie nicht allein sind, Gemeinschaft haben und zusammen Kraft schöpfen können. taz: Psychische Belastung und traumatische Erlebnisse werden oft übersehen. Was können Betroffene und ihre Umgebung machen, damit das nicht passiert? Gebhardt: Wenn das gerade möglich ist, kann es hilfreich sein, sich selbst Zeit und Raum für die eigenen Gefühle zu nehmen – in welcher Form auch immer. Wenn ihr betroffen seid, fragt euch, was ihr gerade braucht und nehmt bei Bedarf auch (psychosoziale) Beratung in Anspruch. An dieser Stelle möchte ich auch auf weitere Organisationen verweisen, die tolle Arbeit in diesem Bereich leisten: GLADT e. V., Casa Kuà, TransInterQueer e. V., L-SUPPORT e. V., die Schwulenberatung und viele weitere. Es ist wichtig, miteinander im Gespräch zu bleiben. Man kann erst mal mit sich selbst einchecken und sich dann in ein Umfeld begeben, in dem man sich aufgefangen fühlt. Deswegen ist Community so wichtig. Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? Werden Sie jetzt Teil der Community! Jetzt unterstützen meistkommentiert

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29. Juli
taz (Öko & Co)

Nach dem CSD-Anschlag: Blumenmeer am Brandenburger Tor

Nach dem CSD-Anschlag: Blumenmeer am Brandenburger Tor Auch drei Tage nach dem Anschlag trauern Menschen am Tatort und am Brandenburger Tor. Viele sorgen sich zudem um die Auswirkungen auf die Gesellschaft. Blumen, Regenbogenfähnchen und Kerzen bedecken den Boden vor dem Brandenburger Tor. Sie formen ein riesiges Herz, am Dienstagabend ist es geschätzt acht mal acht Meter groß, und es wächst weiter, denn ständig kommen Menschen legen neue Blumen am Rand ab. Auf der anderen Seite des Tors hatten am Samstag Zehntausende beim CSD gefeiert, bis kurz nach 22 Uhr die Nachricht von der Attacke dem ein jähes Ende bereitete. Der Platz, an dem die queere Community am Tag nach dem Anschlag auf den Berliner CSD zu einem gemeinsamen Trauern zusammengekommen war, ist inzwischen der zentrale Gedenkort in der Stadt geworden. Wer näher tritt, riecht den Duft der unzähligen Blumen. Zwischen den Blumen liegen Pappschilder und Zettel mit Botschaften. „Lasst uns füreinander laut sein“, steht auf einem, auf einem anderen „Trost, Liebe, Zusammenhalt“ und „Liebe ist niemals falsch“. Eine trans Frau, ganz in Schwarz gekleidet, umkreist das Blumenmeer mit einer Freundin, sie hält immer wieder inne, um die Botschaften zu lesen. „Ich habe mich erst heute stark genug gefühlt, um herzukommen“, sagt sie, und dass sie bewusst in ihrem CSD-Outfit gekommen sei, „um zu zeigen, dass man sich trotzdem nicht versteckt“. Bis etwa 18 Uhr seien sie und ihre Freund*innen am Samstag beim CSD und auch im Tiergarten gewesen. „Dort gehe ich nicht noch mal hin, ich bin froh, dass ich es hierher geschafft habe“, sagt sie. Drei Schüler*innen bleiben am Blumenmeer stehen und vertiefen sich still in die Botschaften. Sie seien gerade auf Klassenfahrt in Berlin und zufällig auf den Gedenkort gestoßen, sagen die 16-Jährigen. „Es ist schrecklich, dass solche Dinge immer noch passieren“, sagt eine von ihnen, Tränen glitzern in ihren Augen. „Wenn Angriffe auf Randgruppen passieren, dann wieder gegen eine Randgruppe zu hetzen, das finde ich unmöglich“, fügt sie hinzu. Zwei Männer treten Arm in Arm in den Kreis der Menschen am Blumenmeer. Sie verharren stumm, der eine streichelt unentwegt über Schulter und Arm des anderen. Sie sind bewusst hergekommen, doch auch viele Tourist*innen, die eher zufällig auf den Ort gestoßen sind, halten hier inne. „Wir waren am Samstag bei einem Sommerfest. Und als wir nachts nach Hause kamen, haben wir von dem Anschlag gehört“, erzählen zwei Mädchen. Sie sind Cousinen, die eine wohnt in Berlin, die andere ist zu Besuch. Es sei wichtig, dass es diesen Ort gebe und so viele Menschen da seien, finden die 12-Jährigen. Ein anderes Mädchen hat den Ort zusammen mit ihrem Vater gezielt aufgesucht. Die kommen aus der Schweiz und waren zur Pride Week schon in Hamburg, die Tat hat sie erschüttert. „Es ist falsch, dass Leute sterben müssen, weil sie für das Richtige eingestanden sind“, sagt das Mädchen. Eine lesbische Frau am Gedenkort für den Anschlag auf den CSD am Brandenburger Tor „Schade, dass das hier thematisch so eng gefasst ist“, kommentiert eine Frau die unzähligen Regenbogensymbole. Sie ist mit ihrer Frau zum Brandenburger Tor gekommen. „Mir fehlt hier der Anschlag in Magdeburg, der in Solingen oder der auf das Bataclan und Charlie Hebdo in Paris. Hier wirkt es so, als ob nur eine Gruppe betroffen ist, dabei ist das für alle ein Riesenproblem“, sagt sie. Die Blumen, die sie dabei haben, wollen sie später am Tatort im Tiergarten ablegen. „Die sind für die polnische Frau, die sterben musste, und für ihre Familie, die das alles mitbekommen hat“, sagen sie. Sechs Personen stehen eng beieinander, sie sind aus demselben Hockey-Team. „Wir waren zusammen beim CSD, es war ein so schöner Tag“, sagt eine von ihnen. Gegen 18 Uhr seien die meisten von ihnen zu Hause gewesen. „Aber die halbe Nacht haben wir miteinander geschrieben und geguckt, ob es allen physisch und emotional gut geht“, sagt sie. Ob sie auch noch zum Tatort im Tiergarten gehen, das würden sie noch überlegen. Schrecken der Tat noch zu spüren Auch dort im Tiergarten liegen Blumen, Kerzen und Regenbogensymbole an mehreren Bäumen entlang des Wegs, über den der Attentäter mit dem weißen Transporter durch die feiernden Menschen gerast war. Viele Menschen sind unterwegs, bleiben stehen und legen Blumen ab, einige weinen. Drei Polizeiwagen und ein paar Polizist*innen stehen am einen Ende des Wegs und ein Kleinbus von der DRLG, an den Fenstern hängen Zettel mit Telefonnummern, an die Betroffene sich wenden können. Menschen in lila Westen von der Notfallseelsorge und dem Berliner Krisendienst sind vor Ort. Ehrenamtlicher Notfallseelsorger von der DLRG am Tatort im Tiergarten Während am Brandenburger Tor Trauer und Solidarität im Vordergrund stehen, ist im Tiergarten der Schrecken der Tat noch deutlich zu spüren. Auf dem Boden sind weiterhin die pinken und orangen Markierungen zu sehen, mit der die Polizei den Tathergang dokumentiert hat. An einem Baum, an dem der Täter mit dem Auto ein großes Stück Rinde weggerissen hatte, klebt nun eine dunkelgraue Folie und der Hinweis an Parkbesucher*innen, dass diese möglichst intakt bleiben sollte, damit der Baum darunter heilen kann. „Wir hatten viele längere Gespräche heute, der Bedarf ist groß“, sagt ein ehrenamtlicher Seelsorger von der DRLG. „Die Menschen kommen her, um ihre Anteilnahme zu zeigen. Viele fragen, was genau passiert ist und wo“, fasst er die Anliegen zusammen. „Einige erzählen uns, das sie Samstagnacht da waren und sprechen über das Gefühl, dass es auch sie hätte treffen können“, sagt er. „Und die meisten machen sich Sorgen, was die politischen Reaktionen auf die Tat sind, was der Anschlag mit der Gesellschaft macht.“ Das Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) hat für Betroffene des Anschlags auf den CSD die telefonische Beratungs-Hotline 030-902296300 eingerichtet. Das Unterstützungsangebot richtet sich an die Menschen, die mittelbar oder unmittelbar von dem Terroranschlag betroffen sind. Die Beratung ist kostenfrei und vertraulich. Die Hotline informiert laut Lageso über Leistungen, die das Soziale Entschädigungsrecht für Betroffene von Gewalttaten und terroristischen Straftaten vorsieht. Die Beratungen umfassten insbesondere die Hilfen der Traumaambulanzen. Diese ermöglichen Betroffenen eine frühzeitige psychotherapeutische Unterstützung nach einem belastenden Ereignis. Die Beratung richtet sich insbesondere an unmittelbar Verletzte, Personen, die den Anschlag miterlebt haben und hierdurch psychisch belastet sind, sowie Angehörige und Nahestehende von Betroffenen. Sie ist von Montag bis Freitag von 7:30 bis 16:00 zu erreichen. Wer sich aufgrund des Erlebten in einer akuten psychischen Krise befinden oder medizinische Hilfe benötigen sollte, wendet sich bitte unverzüglich an den Rettungsdienst unter 112 oder an den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117. Falls Menschen aus der ukrainischen LGBTQ+ Community von den Ereignissen betroffen sind, Unterstützung brauchen oder mit jemandem sprechen möchten, können sie sich über Social-Media-Kanäle @kwitnequeer oder per E-Mail an die Organisation Kwitne Queer wenden: info@kwitnequeer.de Aus Betroffenheit sei er gekommen, sagt ein Mann. „Für mich war immer klar, dass Liebe bunt ist“, auch wenn er selbst Hetero sei. Auch er habe am Samstag beim CSD gefeiert und getanzt. „Man will darüber reden, aber man weiß nicht, was man sagen soll. Denn es ist eigentlich alles gesagt“, meint er. Solidarität in anderen Städten Eine junge Frau steht mit Sonnenbrille vor dem Blumenstreifen am Bellevue-Weg. „Mich nimmt es nach wie vor sehr mit“, sagt sie, am Montag habe sie sich daher bei der Arbeit auch krankgemeldet. „Die Trauerfeier am Brandenburger Tor hängt mir noch nach, es dauert, das alles zu verarbeiten“, sagt sie. Es sei wichtig, gerade in so einem Moment queere Strukturen zu stärken. „Ich hoffe auch, dass die Community noch stärker zusammenfindet in dieser Zeit“, sagt sie. Seit Sonntagabend kommen Menschen auch in vielen anderen Städten zusammen, um der Opfer des Anschlags zu gedenken und Solidarität zu zeigen. Für Mittwoch sind Zusammenkünfte etwa in Herne, Rosenheim, Göttingen und Detmold angekündigt. Hamburg steckt mitten in der Pride Week, die Stadt bereitet sich auf zwei CSD-Demonstrationen am Wochenende vor. Am Brandenburger Tor in Berlin sind die Blumen, die außen liegen, deutlich frischer als die im Inneren des großen Herzes. Doch auch die, die in der Mitte liegen, sind bisher nur angewelkt, das Gelb der Sonnenblumen und das Pink der Rosen ist noch nicht verblichen. Noch lässt sich die Zeit seit dem Anschlag in Stunden messen, gerade mal drei Tage ist er her, obwohl die Zeit seit Samstagnacht sich für viele viel länger anfühlt. Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? Werden Sie jetzt Teil der Community! Jetzt unterstützen meistkommentiert

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28. Juli
taz (Öko & Co)

Queere Community nach dem CSD-Attentat: Von Trauer zu Wut zu Widerstand

Queere Community nach dem CSD-Attentat: Von Trauer zu Wut zu Widerstand Nach dem Attentat auf den CSD sitzt der Schock tief. Doch die queere Community hält dagegen: Drei Menschen erzählen von Solidarität und dem Mut, weiterzumachen. Unsere erste Frage ist immer: Ist alles in Ordnung bei dir? Es war ein großer Schock, das hat uns alle emotional sehr getroffen. Für viele Ukrainer*innen ist es etwas, das wir nur zu gut kennen. Denn seit dem russischen Angriffskrieg ist immer unsere erste Frage, wenn wir schlimme Nachrichten hören: Ist alles in Ordnung bei dir? Das schreiben wir, noch bevor wir fragen: Was ist passiert? Und diese Frage haben wir uns am Samstag auch wieder gegenseitig gestellt. Viele Ukrainer*innen sind vor dem Krieg nach Deutschland und speziell auch Berlin geflüchtet, weil sie hier Sicherheit und Schutz gesucht haben. Viele aus unserer Community erleben jetzt alte Ängste wieder. Es war auch nicht der einzige queerfeindliche Angriff am CSD, wir haben auch einen von Rechten erlebt. Am Nollendorfplatz haben sie unseren Truck aus der Parade heraus mit Flaschen beworfen. Ich war selbst auf dem Truck, als die Flasche kam. Die Angreifer habe ich nicht gesehen, aber sie scheinen organisiert gewesen zu sein. Meine Kollegin meinte, dass sie alle einheitlich rot-schwarz angezogen waren. Die Polizei hat dann aber sehr schnell reagiert. An der Courbièrestraße hat außerdem jemand von einem Balkon aus mit einer Softair-Pistole auf die CSD-Parade geschossen. Das Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) hat für Betroffene des Anschlags auf den CSD die telefonische Beratungs-Hotline 030-902296300 eingerichtet. Das Unterstützungsangebot richtet sich an die Menschen, die mittelbar oder unmittelbar von dem Terroranschlag betroffen sind. Die Beratung ist kostenfrei und vertraulich. 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Falls Menschen aus der ukrainischen LGBTQ+ Community von den Ereignissen betroffen sind, Unterstützung brauchen oder mit jemandem sprechen möchten, können sie sich über Social-Media-Kanäle @kwitnequeer oder per E-Mail an die Organisation Kwitne Queer wenden: info@kwitnequeer.de Wir kennen das schon aus der Ukraine: Dort war ich sehr oft bei queeren Paraden, und eigentlich haben immer Menschen Tomaten, Eier oder Flaschen auf uns geworfen. Abgesehen von diesen schrecklichen Momenten war die CSD-Parade sehr cool, viele Menschen haben uns unterstützt und ich habe so viel Schönes gehört. Doch der Terroranschlag am Abend hat auch die Angriffe davor in ein anderes Licht gerückt. Wir sehen eine wachsende Radikalisierung und Feindseligkeit gegenüber Menschen, die einfach nur ihre Grundrechte ausüben. Wir sind mit unserem Truck schon gegen 16 Uhr am Brandenburger Tor angekommen, und niemand von denen, die ich kenne, war vom Anschlag direkt betroffen. Wir haben uns noch am Abend gegenseitig viel geschrieben, nachgeforscht, ob alle in Sicherheit sind. Und immer noch bekomme ich ständig Nachrichten. Die letzten Tage war alles sehr schmerzhaft und belastend. Ich denke, wir werden uns treffen und in einer Runde unsere Gefühle besprechen und das, was uns durch den Kopf geht, teilen. Aber wahrscheinlich schaffen wir das erst in der nächsten Woche, weil wir aktuell wegen der Organisation vom CSD selbst noch alle sehr müde und geschafft sind. Ich hoffe, dass wir unseren Kampf nicht abbrechen und dass die Tragödie uns nicht die Kraft nimmt. Denn unsere Arbeit geht weiter. Wir werden weiter für Menschenrechte, Freiheit und Sichtbarkeit eintreten. Hass darf nicht stärker sein als Solidarität. Noel Ravytski (er/ihn) ist im Vorstand Kwitne Queer, einer ukrainischen LGBTQ+-Menschenrechtsorganisation in Deutschland. Kopf in den Sand stecken ist nicht Meinen ersten CSD hab ich Anfang der 1990er in Berlin erlebt, ich war zum Studium in die Stadt gekommen. Ich kann mich noch erinnern, wie erhaben sich diese erste bunte Demo unter meinesgleichen anfühlte: Wir sind ja so viele! Das beflügelt und stärkt das Selbstvertrauen, macht stolz und einfach Spaß. Und wir wurden von Jahr zu Jahr mehr. Der CSD wurde größer und größer und, okay, auch kommerzieller. Es gab Abspaltungen, immer mehr Pride Paraden verschiedener Ausrichtungen. Und uns Queers wurden mit den Jahren immer mehr Rechte eingeräumt, die gesellschaftliche Akzeptanz stieg. Und irgendwann war die Luft raus bei mir. Wozu noch auf die Straße gehen?, dachte ich und auch mein Ehemann, ist doch immer die gleiche Leier: zu viele Leute, zu viel Party statt politischer Demo. Ein paar Jahre hab ich auf den CSD gepfiffen. Was für ein kolossaler Irrtum. Seitdem auch hierzulande die Versuche zunehmen, die Uhren zurückzudrehen, die Grundrechte von uns queeren Menschen wieder zur Debatte stehen, die Angriffe zahlreicher werden, bin ich wieder dabei. Wie erhaben sich die riesige Pride Parade am Samstag anfühlte: Wir sind ja so viele! Dieses Mal haben wir uns entschlossen, mein Mann und ich, hinter dem taz-Truck die Parade zu begleiten, den ganzen Nachmittag lang. Wie schön und inspirierend das war! Kolleg:innen waren dabei, es gab Musik und auch etwas Sekt und richtig gute, weil empowernde Reden vom taz-Wagen. Schön queerpolitisch, schön links. Am schönsten war, wie ausgelassen die Hunderttausenden diese Party-Demo feierten. Und überall waren Regenbogenfahnen zu sehen. Der Bundesrat hat sie gehisst (scheiß auf den „Zirkuszelt“-Bundestag ohne Regenbogenfahne), vor der Neuen Nationalgalerie flatterten sie im Wind, am Wintergarten-Varieté war sie zu sehen – das wärmt mein Herz. Andreas Hergeth, taz Berlin Nach sechs Stunden tanzenden Schrittes schlich sich der Muskelkater den Oberschenkel hinauf. Die Hitze. Der Hunger. Der Durst. Das Sausen in den Ohren wegen der dröhnenden Bässe vom Truck. Also ab nach Hause, in der U-Bahn viele erschöpfte Queers auf dem Weg sonst wohin, alle mit einem Lächeln auf den Lippen. Wir fahren zum Lieblingsitaliener, den Abend schön ausklingen lassen. Dann aber fragt gegen 23.30 Uhr eine taz-Kollegin, ob wir gut zu Hause angekommen sind? Sind wir, aber wieso fragt sie?Dann bricht via Instagram die Hölle über mich herein. Ich bin sprachlos. Erschüttert und schockiert. Und besorgt um alle, die ich auf dem CSD gesehen habe. Ich bin aber vor allem – Nachrichten schreibend, ob alles okay ist; Nachrichten empfangend – traurig. Auch in diesem Moment, wo ich diese Zeilen schreibe. Und wütend auch. Später als sonst gehe ich zu Bett. Erst am Morgen danach kommen mir die Tränen, als ich mir ganz bewusst ein Lied anhöre, bei dem ich weiß, dass ich weinen werde. Tränen sind gut, weil sich da etwas in mir löst. Es geht mir dann besser. Und nach den Tränen sehe ich manche Dinge klarer. Wie ich diesen Betroffenheitsautomatismus der politischen Verantwortungsträger und die üblichen Forderungen hasse. Die Wut ist immer noch da. Auch die Trauer, die kommt und geht. Das wird dauern. Klar ist aber schon jetzt: Kopf in den Sand stecken ist nicht. Keine Angst, trotz aller Verunsicherung, ist meine Devise. In den nächsten Wochen finden überall in Deutschland weitere CSDs statt, allein am nächsten Wochenende in Hamburg und Bonn, im Burgenlandkreis (Naumburg), in Kempten, Ahaus, Amberg und Schlüchtern und Wolfratshausen. Mal sehen, wo wir hinfahren. Wir sind so viele! Andreas Hergeth (er/ihn) ist für Redakteur für Kulturpolitik & Queeres im Berliner Lokalteil der taz Ich wünsche mir echte Solidarität – nicht nur Posts und Storys Das, was uns alle gehalten und getragen hat, war die Community. Von dem Moment an, in dem uns die Nachricht vom Anschlag erreicht hat. Ich glaube, diese Tage hätten ganz anders ausgesehen und sich emotional ganz anders ausgewirkt, ohne die Menschen, die diesen Schmerz ähnlich empfinden. Zum Zeitpunkt des Angriffs waren wir bei einer Veranstaltung auf dem Tempelhofer Feld. Wir waren gerade auf der Tanzfläche, dann wurde die Musik leiser gedreht und eine Person hat sehr durchgreifend nach Ruhe gerufen und die Nachricht von dem Attentat überbracht. Wir standen wie angewurzelt da. In der Stille hat erst mal jeder mit sich selbst versucht, das zu verarbeiten. Und irgendwann haben wir angefangen zu reden, uns auszutauschen und immer wieder ausgesprochen, wie froh wir sind, dass wir gerade zusammen sind. Wir alle wollten in dem Moment einfach ganz laut schreien – zusammen. So entstand der Wunsch, eine Veranstaltung zu organisieren, bei der die Community zusammenkommt, um gemeinsam alle Emotionen fühlen zu können. Und zwar in der Nähe von dem Ort wo das Attentat passiert ist, um uns diesen Ort wieder zurückzuholen. An dem Abend haben wir die Anmeldung bei der Polizei gemacht, haben den FLINTA*-Chor D-Dur Dykes* kontaktiert und ab da war es eigentlich ein Selbstläufer, weil so viel Resonanz und Hilfe kam, dass plötzlich ganz viele Hände mit angepackt haben. Der Moment, den ich am emotionalsten in Erinnerung habe, war das Ankommen am Sonntag am Brandenburger Tor. Als alle Helfer*innen ankamen und wir uns erst mal in den Armen lagen und diese Traurigkeit miteinander geteilt und sie über diesen Ort gegossen haben. Wir wollten diesen Ort nicht so schreckensbehaftet lassen. Es war, als hätte ich einmal geblinzelt und dann waren da 5.000 Personen, die Blumen niedergelegt haben, Plakate hochgehalten haben. Eine Person hatte auf die Schnelle eine Redner*innenliste zusammengestellt. Alle haben einfach das gegeben, was sie geben konnten. Es war total schön zu sehen, was Community-Arbeit alles erreichen kann. Ich glaube, das Verarbeiten hat erst so richtig nach der Demo angefangen, als es wieder zurück in den Alltag ging: raus aus diesem Safe Space, raus aus der Community. Rein in den Alltag, wo der Angriff doch sehr viel weniger präsent war. Natürlich war nicht für alle Leute in Berlin dieses Wochenende so bewegend. Für andere war es ein ganz normales Wochenende, wo sie sich erholt haben von der Woche. Es war emotional schwierig zu sehen, wie unterschiedlich relevant dieser Angriff für verschiedene Leute ist – einfach weiterzumachen. Nach dem Wochenende gab es immer wieder Realisationsmomente, was da eigentlich passiert ist. Es ist ganz viel Unterschiedliches dabei: Trauer. Aber auch Wut auf die Statements von Politiker*innen. Ich wünsche mir echte Solidarität. Ich glaube, es braucht immer Nichtbetroffene, die sich mit Betroffenen solidarisieren: und zwar auf eine konkretere Art und Weise als Posts und Storys. Ich wünsche mir, dass sie Leute aus der Community fragen, wie es ihnen geht, sie auf Demos begleiten oder queerfeindliche Kommentare benennen und kritisieren. Dieser Angriff darf nicht rassistisch instrumentalisiert werden. Ich wünsche mir, dass Leute sehen, dass es Symptom einer Entwicklung war, die sich politisch und gesamtgesellschaftlich angebahnt hat. Franziska E. (sie/ihr) hat zusammen mit Theresa Zanon (they/them) von den D-Dur Dykes*, Esther D. (sie/ihr), Julia Prinz (sie/ihr) und Victoria Lotze (sie/ihr) die Trauerveranstaltung für den Anschlag auf den CSD organisiert. Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? Werden Sie jetzt Teil der Community! Jetzt unterstützen meistkommentiert

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27. Juli
taz (Öko & Co)

Queer-Community nach dem Anschlag: Heute trauern wir, morgen kämpfen wir

Queer-Community nach dem Anschlag : Heute trauern wir, morgen kämpfen wir Wenn der Schock vom Wochenende vorüber ist, muss die queere Community ihre Wut in Aktivismus verwandeln -und dafür auch ihre innere Spaltung überwinden. A m CSD-Freitag durfte ich zusammen mit Fabian Grischkat den „Demokratieabend“ am Brandenburger Tor moderieren. Wir schauten von der Bühne herunter in ausnahmslos offene, fröhliche Gesichter. Ein bisschen mehr als 48 Stunden später stand ich wieder am Brandenburger Tor auf einer Bühne mit einem Mikro vorm Gesicht. Die Sorglosigkeit war aus den Gesichtern im Publikum jedoch verschwunden und hatte Trauer Platz gemacht. Wut. Verzweiflung. Wir alle standen da und waren überwältigt von der Schwere des Verlusts. Der Angriff galt uns allen. Und das, obwohl wir als Community ja wirklich nichts anderes wollen, als in Ruhe und Frieden leben und lieben zu dürfen. Nie wieder wird ein CSD in Berlin einfach nur ein CSD sein. Ab sofort ist er immer auch ein Memorial. ist eine in Berlin lebende Moderatorin, Podcasterin und Aktivistin. Bekannt ist sie als Host von „Drag Race Germany“ und dem Podcast „Doppelmaushälfte“ und gilt als wichtige queere Stimme, auch im Bereich HIV/AIDS. Ihr Text entstand aus einer Rede, die sie am Sonntag zur CSD-Trauerfeier am Brandenburger Tor gehalten hat. Nach dem jetzigen Stand der Ermittlungen der Polizei deutet alles darauf hin, dass es ein islamistisch motivierter Terroranschlag war. Und Islamismus ist per se queerfeindlich. Freiheitsverachtend. Islamismus tötet. Das sind Fakten. Kein Homonationalismus Daraus darf aber jetzt keine Islamophobie entstehen, kein Argwohn gegenüber unseren muslimischen Mitmenschen, kein Homonationalismus. Wir dürfen uns nicht von den Taten einer Extremideologie in die Arme einer anderen treiben lassen. Wir müssen unseren Zorn dahin richten, wo er hingehört. Gegen die tatsächlichen Täter, wenn sie feststehen. Gegen die Strukturen, die diese Tat ermöglicht haben. Und auch gegen eine Regierung, die ganz aktiv daran beteiligt war, ein immer queerfeindlicheres Klima in diesem Land zu erzeugen. Man kann uns nicht im Kontext von Zirkuszelten erwähnen, das Hissen von Regenbogenflaggen verbieten, dem queeren Jugendnetzwerk Lambda alle Fördergelder streichen, Drag-Lesungen „aus Kinderschutz“ verbieten, ein Sonderregister für Trans* Menschen fordern und sich dann nach einem solchen Attentat heuchlerisch neben uns stellen und so tun, als hätte man da schon die ganze Zeit gestanden. Der Schutz queerer Menschen gehört ins Grundgesetz. Denkt daran bei den bevorstehenden Wahlen. Mit Worten schwer zu beschreiben Bei der Trauerfeier am Sonntag ist mir wieder extrem stark aufgefallen, dass wir Queerlinge ein großes Talent haben für Magie, wenn wir zusammenkommen. Dann entsteht etwas, das mit Worten schwer zu beschreiben ist. Eine Gemeinschaft, die alles schaffen kann, die Berge versetzen kann – und es schon getan hat. Man denke nur an die Aidskrise. Und vielleicht gerät diese Kraft manchmal ein bisschen in Vergessenheit. Doch diese Magie passiert nur, wenn wir alle an einem Strang ziehen. Wenn wir unsere Unterschiede mal hintanstellen und uns stattdessen auf unsere Gemeinsamkeiten konzentrieren. Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten linken Meinungsspektrums. Wenn wir uns nicht wegen der alten Respektabilitätsdiskussion gegenseitig auseinandernehmen – also der Frage, wie sehr wir einer heteronormativ geprägten Vorstellung von „Normalität“ entsprechen müssen, um uns an die Gesellschaft assimilieren zu dürfen. Vielleicht sind wir ja so besonders, wie wir sind, genau richtig und müssen uns gar nicht so sehr anpassen, um bloß niemanden zu brüskieren. Also lasst uns bitte wieder mehr aufeinander achten. Aufeinander zugehen und uns daran erinnern, dass unsere Gemeinsamkeiten das Einzige sind, was zählt. Und dass unsere Feinde nicht innerhalb der Community zu finden sind, sondern außerhalb. Das, was beim CSD passiert ist, sollte uns alle mit einem Schlag aufgeweckt und uns daran erinnert haben, wo die tatsächliche Bedrohung herkommt. Und das sind nicht die eigenen Reihen. Today we mourn, tomorrow we fight. Heute trauern wir, morgen kämpfen wir. Analoger Aktivismus Also lasst uns gemeinsam trauern. Doch dann müssen wir uns aufraffen und den Kampf aufnehmen. Wir sind nicht sicher. Nicht vor Islamismus, nicht vor Nazis, nicht mal vor der eigenen heuchlerischen Regierung. Und uns wird niemand retten, wir müssen selbst aktiv werden. Wir brauchen jetzt auch wieder handgemachten, analogen Aktivismus. Wir müssen unseren Schmerz, unsere Wut in etwas kanalisieren, das Wurzeln schlägt und wachsen kann, das andere abholt. Das uns aus der Isolation und dem Gefühl der Hilflosigkeit in irgendeine Form von Aktionismus bringt. Unsere Community wird auch das überleben, wenn wir zusammenhalten. Lasst uns bitte zueinanderfinden. Lasst uns an denselben Tischen Platz nehmen und miteinander reden, statt zu schreien. Lasst uns die Gemeinsamkeiten finden, die uns verbinden. Und dann lasst uns organisieren und planen und die Dinge angehen, die getan werden müssen. Denn die Feinde sind da draußen, nicht unter uns. Ich sage es seit Jahren, aber ich werde nicht müde, es zu wiederholen: We are NOT the enemy. Auf taz.de finden Sie eine unabhängige, progressive Stimme. Frei zugänglich, ermöglicht von unserer Community. Alle Informationen auf unserer Webseite sind kostenlos verfügbar. Wer es sich aber leisten kann, darf einen kleinen Beitrag leisten. 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26. Juli
Deutschlandfunk

Gewalttat beim CSD - Trauer in queerer Community: "Regenbogen hat einen Riss bekommen"

"Hinter solcher Gewalt steckt der Versuch, unsere Gesellschaft zu spalten und Menschen gegeneinander aufzuhetzen. Das werden wir als Berliner CSD nicht zulassen." Nötig seien jetzt Besonnenheit und Anteilnahme mit den Opfern und ihren Angehörigen, so der Sprecher. "Ideologische, also religiöse Ideologien oder rechte Ideologien verfolgen beide das Ziel, queere Menschen zu unterdrücken." Der Verband Queere Vielfalt LSVD+ schrieb auf Instagram: "Der Regenbogen hat heute einen Riss bekommen. Das ist ein dunkler Tag für unsere Community und unser Land." Auch der Queer-Beauftragte des Berliner Senats, Pantisano, sprach von einem großen Trauertag für die Community. "Viele werden lange brauchen, um das Erlebte zu verarbeiten." Die Beauftragte der Bundesregierung für sexuelle und geschlechtliche Vielfalt, die SPD-Politikerin Koch, schrieb: "Wenn die Feinde unserer Freiheit Hass und Gewalt säen, werden sie keine Angst ernten, sondern mehr Zusammenhalt, mehr Vielfalt und mehr Sichtbarkeit. Das ist unsere Antwort." CSD-Veranstalter befürchten Teilnehmerrückgang Auch die Organisatoren der CSD-Veranstaltungen in Sachsen-Anhalt äußerten sich geschockt: "Wir waren gestern selbst bis zum Ende vor Ort", sagte CSD-Sachsen-Anhalt-Sprecher Falko Jentsch der Nachrichtenagentur dpa. Taten wie diese lähmten nicht nur die Leichtigkeit und Lockerheit auf den Veranstaltungen, sie führten in Sachsen-Anhalt zu einem Teilnehmerrückgang und veränderten den Grundgedanken des CSD, sagte er. Solidaritätsbekundung aus Köln Eine Solidaritätsbekundung kam von der Stadt Köln, in der jährlich die größte CSD-Veranstaltung Deutschlands stattfindet. Kölns Oberbürgermeister Burmester (SPD) sprach von einem Angriff gegen die Werte, für die der CSD stehe - wie Freiheit, Vielfalt, Respekt und ein friedliches Miteinander. "Köln steht fest an der Seite der queeren Community", betonte der SPD-Politiker. Auch Veranstalter von CSD-Umzügen in anderen Städten äußerten sich solidarisch. Für das derzeit in Amsterdam stattfindenden "World Pride"-Festival wurden zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen angeordnet. Dies teilte Amsterdams Bürgermeisterin Halsema mit. "World Pride" gilt als eines der größten internationalen Events der LGBTQ+-Gemeinschaft. Das Festival findet in diesem Jahr zum ersten Mal in der niederländischen Metropole statt. Diese Nachricht wurde am 27.07.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.

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26. Juli
Deutschlandfunk

Gewaltat beim CSD - Trauer in queerer Community: "Regenbogen hat einen Riss bekommen"

Auch der Queer-Beauftragte des Berliner Senats, Pantisano, sprach von einem großen Trauertag für die Community. "Viele werden lange brauchen, um das Erlebte zu verarbeiten." Die Beauftragte der Bundesregierung für sexuelle und geschlechtliche Vielfalt, die SPD-Politikerin Koch, schrieb: "Wenn die Feinde unserer Freiheit Hass und Gewalt säen, werden sie keine Angst ernten, sondern mehr Zusammenhalt, mehr Vielfalt und mehr Sichtbarkeit. Das ist unsere Antwort." CSD-Veranstalter befürchten Teilnehmerrückgang Auch die Organisatoren der CSD-Veranstaltungen in Sachsen-Anhalt äußerten sich geschockt: "Wir waren gestern selbst bis zum Ende vor Ort", sagte CSD-Sachsen-Anhalt-Sprecher Falko Jentsch der Nachrichtenagentur dpa. Taten wie diese lähmten nicht nur die Leichtigkeit und Lockerheit auf den Veranstaltungen, sie führten in Sachsen-Anhalt zu einem Teilnehmerrückgang und veränderten den Grundgedanken des CSD, sagte er. Solidaritätsbekundung aus Köln Eine Solidaritätsbekundung kam von der Stadt Köln, in der jährlich die größte CSD-Veranstaltung Deutschlands stattfindet. Kölns Oberbürgermeister Burmester (SPD) sprach von einem Angriff gegen die Werte, für die der CSD stehe - wie Freiheit, Vielfalt, Respekt und ein friedliches Miteinander. "Köln steht fest an der Seite der queeren Community", betonte der SPD-Politiker. Auch Veranstalter von CSD-Umzügen in anderen Städten äußerten sich solidarisch. Für das derzeit in Amsterdam stattfindenden "World Pride"-Festival wurden zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen angeordnet. Dies teilte Amsterdams Bürgermeisterin Halsema mit. "World Pride" gilt als eines der größten internationalen Events der LGBTQ+-Gemeinschaft. Das Festival findet in diesem Jahr zum ersten Mal in der niederländischen Metropole statt. Andacht am Nachmittag Entsetzen über die Tat gab es auch in den Kirchen: Der evangelische Berliner Bischof Stäblein erklärte: "Aus einem Tag voller Vielfalt und Liebe wurde eine Nacht voller Entsetzen. Ein Mensch hat sein Leben verloren. Viele andere wurden verletzt." Die evangelische Kirche in der Hauptstadt lud für den Nachmittag zu einer Andacht ein. Um 16.30 Uhr werde dabei in der Marienkirche am Alexanderplatz die Möglichkeit gegeben, der Opfer zu gedenken und der Trauer Ausdruck zu geben, teilte die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz mit. Bischof Stäblein werde dort eine kurze Ansprache halten. Auch ökumenische und interreligiöse Gäste würden erwartet. Nach Polizeiangaben wurde bei dem mutmaßlichen Anschlag mindestens eine Person getötet, als ein Fahrzeug am Rande des CSD im Berliner Tiergarten mehrere Menschen anfuhr. Diese Nachricht wurde am 26.07.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.

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