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Mittwoch, 22. Juli 2026
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Norwegen - Gedenken an die Opfer der Terroranschläge in Oslo und auf Utøya

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22. Juli
Tagesschau

Anschläge in Norwegen vor 15 Jahren: "Das Trauma sitzt in deinem Körper"

Erinnern an die Anschläge in Norwegen "Das Trauma sitzt in deinem Körper" 15 Jahre nach dem rechtsextremistischen Anschlag in Norwegen gedenkt das Land mit einem neuen Denkmal der Opfer. Die damals 17-jährige Hanne überlebte den Anschlag auf der Insel Utøya. Das Trauma begleitet sie bis heute. Hanne ist 17, als sie nach Utøya aufbricht. Doch vor der Abreise geht sie noch shoppen in Oslo. Sie kauft sich Gummistiefel für das Sommerferienlager, so richtig hohe, die fast bis zu den Knien reichen. "Ich war ja jung und habe Shopping geliebt. Und ich hab' die dann auch die ganze Zeit angehabt, obwohl es, so wie heute, vielleicht 30 Grad waren. Ich war so stolz." Es gibt ein Foto von ihr vor der Abreise nach Utøya. Hanne Aukrust-Waagan sitzt da auf dem Dach des Osloer Opernhauses, neben ihrer Freundin Astrid Hoem. Die beiden lächeln in die Kamera, die Sonne scheint, sie trägt ein ärmelloses blaues Sommerkleid mit weißen Punkten - und dazu die hohen Gummistiefel. Ein unbeschwerter Moment, kurz vor der Reise nach Utoya, die so dramatisch enden wird: Hanne Aukrust-Waagan und Astrid Hoem auf dem Dach des Opernhauses in Oslo. Wenn Hanne von Utøya spricht, sagt sie nur: "die Insel". Und dort, auf der Insel, sind die Gummistiefel geblieben. "Meine Stiefel sind dann auf der Insel geblieben, weil ich es nicht mehr geschafft hab, mir die Stiefel anzuziehen an dem Tag. Es hat krass geregnet und als ich mich versteckt habe, habe ich es nicht mehr geschafft." Am 22. Juli vor 15 Jahren tötet Anders Behring Breivik 77 Menschen. Erst zündet er eine Autobombe im Regierungsviertel von Oslo, dann fährt er auf die Insel Utøya. Da campen mehr als 500 Jugendliche. Es ist das Sommerferienlager der Jugendorganisation der Arbeiterpartei. Erinnern an ein nationales Trauma Ein neues Denkmal erinnert in Oslo an die Terrorangriffe, an dieses nationale Trauma Norwegens. Es sieht aus wie ein riesengroßes Gemälde. Ein Vogel von Utøya spiegelt sich im Wasser. Das Denkmal besteht aus 300.000 kleinen Steinen. Hanne und andere Überlebende haben einige der Steine selbst gelegt. "Es ist groß, es ist monumental. Aber das ist ja auch Sinn der Sache", sagt sie. "Man muss dazu Stellung nehmen, sozusagen. Aber auch mit dem Vogel, der sich spiegelt - für mich ist das so dieses Lebensreich, Todesreich." Die nationale Gedenkstätte für die Terroranschläge im Regierungsviertel von Oslo. Hanne ist nach dem Abitur nach Berlin gezogen, hat fünf Jahre in Deutschland gelebt und spricht gut Deutsch. Sie brauchte Abstand, sagt sie. Und die neue Sprache habe ihr geholfen, andere, neue Worte zu finden für das, was sie erlebt hat. Sie habe lange gekämpft mit der sogenannten Überlebendenscham, mit dem Gefühl, die anderen, die Toten, im Stich zu lassen. Zum Beispiel, als sie aufhörte, sich in der Jugendorganisation der Arbeiterpartei zu engagieren. Das Mädchen in Gummistiefeln Hanne ist jetzt 32 und studiert Jura. In diesem Frühjahr hatte ihr erstes Theaterstück Premiere. Es handelt davon, erwachsen zu werden, sich selbst zu finden mit einem solchen Trauma. Der Name des Stücks: "Das Mädchen in Gummistiefeln". Das Theater passt als Kunstform für ihre Erzählung, sagt sie. Weil es so körperlich ist und weil man die Körper sieht. "Weil das Trauma im Körper sitzt - deswegen haben wir eigentlich das Theater als Format gewählt." Hanne erklärt: "Der Körper erinnert sich an sein Leben, sozusagen, und trägt alles mit sich, was ich je erlebt habe. Und auch so starke Gefühle wie Lebensgefahr sitzen im Körper. Es geht nicht weg." Auf die Steine, die Hanne für das Denkmal gelegt hat, hat sie auch etwas geschrieben: auf einen ihren Namen, auf einen "Wir geben nie auf". Und auf dem dritten Stein steht "Das Mädchen in Gummistiefeln". Erst 13 Jahre nach dem Terrorangriff, zu ihrem 30. Geburtstag, kaufte sie sich wieder neue Gummistiefel.

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22. Juli
taz (Öko & Co)

15 Jahre Attentat auf Utøya: Wie Norwegen an das Trauma erinnert

15 Jahre Attentat auf Utøya: Wie Norwegen an das Trauma erinnert Am 22. Juli 2011 ermordete ein Rechtsextremist 69 Teilnehmende eines sozialdemokratischen Zeltlagers. 8 weitere Menschen starben durch eine Autobombe. Es war der letzte 22. Juli, der in Norwegen einfach nur wie ein weiterer Sommertag begann – der des Jahres 2011. Dann setzte Anders Behring Breivik seinen rechtsextremistischen Terrorplan um und zwang dem Land die ungeheure Aufgabe auf, damit fertigzuwerden. Auch 15 Jahre danach müssen nicht nur Überlebende und Hinterbliebene weiterhin mit den Folgen umgehen. Das Land behält den traumatischen Wendepunkt bei sich, muss sich darauf beziehen, über ihn reflektieren, in immer neuem Licht betrachten. Nicht allen gefällt das, manche wollen nicht mehr erinnert werden. Acht Menschen tötete er, dessen Name in Norwegen bis heute nur selten öffentlich genannt wird, mit einer Bombe im Regierungsviertel von Oslo. 69 Menschen, vor allem Jugendliche, erschoss er danach bei seinem grausamen Massaker auf der kleinen Insel Utøya, wo die Jugendorganisation der Arbeiterpartei ihr beliebtes Sommercamp abhielt. Die Vereinigung der Betroffenen und Hinterbliebenen engagiert sich weiter dafür, dass die Lehren aus dem Terror nicht vergessen werden. „Die Demokratie lebt nur so lange, wie wir sie aufrechterhalten“, mahnte die Vorsitzende Merete Stamneshagen vor wenigen Tagen bei der Einweihung eines neuen Gedenkortes zum 15. Jahrestag. Erinnerung als Verpflichtung Eine Installation des Künstlers Matias Faldbakken erinnert ab jetzt mitten in Oslo an den Terror, direkt gegenüber des neuen 22.-Juli-Zentrums. „Aufrechterhaltung“ heißt das Mosaik mit Naturmotiven in dem riesigen Rahmen, in dem nach dem Bombenanschlag ein Picasso aus dem betroffenen Regierungsgebäude gerettet wurde. „Aufrechterhaltung“, das sei nicht nur der Name des Kunstwerks, sagte Stamneshagen, sondern eine Verpflichtung. Sie erinnerte an die Ziele der Vereinigung: Niemals schweigen angesichts von Menschenrechtsverletzungen, einstehen für Menschen, die von Hass und Rassismus betroffen sind. Niemals die Geschichten und Gesichter der Opfer vergessen. Anerkennen, dass die Demokratie angegriffen werden kann und dass die Antwort dennoch weiterhin mehr Demokratie sein muss. Das Motiv des Täters war Hass gegen die Vielfalt – in der ersten Reaktion darauf schien das Land geeint. Die Menschen versammelten sich zu Trauermärschen, bei denen hochgehaltene Rosen für die Antwort standen: mehr Offenheit, mehr Demokratie, Liebe und Zusammenhalt statt Vergeltung – man tröstete sich im Stolz auf diesen Umgang damit. Aber man musste schnell auch einsehen, dass Fehler gemacht worden waren. Eine 22.-Juli-Kommission wurde eingerichtet, ihr Abschlussbericht zeigte die ungeheuren Mängel bei der Bereitschaft der Polizei und bei der Absicherung des Regierungsviertels – in seinem Ausmaß hätte der Anschlag gebremst werden können, wäre man auf so etwas bis dahin Undenkbares eingestellt gewesen. Konsequenzen wurden gezogen. Überlebender wird bedroht Was aber immer klarer wurde und gerade dieses Jahr von vielen Seiten hervorgehoben wird: Wie wenig Norwegen bewusst war, dass der Terrorist von damals nicht allein dastand mit seinen rassistischen Ideen. Und wie sichtbar das Problem Hass und Hetze auch durch die sozialen Medien inzwischen geworden ist. Einer, der Utøya überlebte, ist Gaute Skjervø. Heute ist er der Vorsitzende der Arbeiterpartei-Jugendorganisation AUF. Skjervø erzählt dem Magazin der Zeitung Dagbladet nun von Hass und Drohungen gegen ihn – immer wieder bekäme er zu hören, es sei schade, dass der Terrorist seinen Job auf Utøya nicht besser ausgeführt habe. Skjervø gehört zu denen, die sich gerade vor dem Hintergrund des Erlebten politisch gegen Rassismus und Hass engagieren. Auch in Norwegen wurde diese Aufgabe mit den Jahren größer. Und nicht für alle Betroffenen ist der 22. Juli ein Tag für gesellschaftliches Engagement für andere. Auch um ihre Erinnerungen, ihr Trauma und den Umgang damit geht es immer wieder. In diesem Jahr ist es vor allem ein Detail im gerade neu umgezogenen 22.-Juli-Zentrum, das für starke Reaktionen sorgte: Erstmals wird die selbst gemachte Pseudo-Uniform ausgestellt, mit der der Terrorist sich vor 15 Jahren Autorität und damit Zugang zu Fähre nach Utøya verschafft hatte. Völlig unnötig, nannte das die Mutter eines der Kinder, die auf der Insel getötet wurden. Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? Werden Sie jetzt Teil der Community! Jetzt unterstützen meistkommentiert

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20. Juli
taz (Öko & Co)

Osloer Mahnmal für Attentat-Opfer: Das Grauen unter der Oberfläche

Osloer Mahnmal für Attentat-Opfer: Das Grauen unter der Oberfläche In Oslo ist eine Mosaikwand enthüllt worden, die der Opfer des rechtsextremen Attentats von 2011 gedenkt. Es ist der Versuch einer Wiederaneignung. Es ist eine große, auch physisch monströse Geste, mit der Norwegen jetzt der Opfer der Attentate von 2011 gedenkt. Einige finden das zwölf Meter hohe Mahnmal in Oslos Innenstadt zu pathetisch. Doch seine Dimension entspricht der Monstrosität des Verbrechens, das der Rechtsextreme Anders Breivik vor 15 Jahren, am 22.6.2011, beging: Auf einen Autobomben-Anschlag in Oslos Regierungsviertel folgte ein Massaker in einem Jugendcamp der sozialdemokratischen Arbeiterpartei auf der nahen Insel Utøya. 77 Menschen starben. Das Motiv des inzwischen zu Höchststrafe und Sicherungsverwahrung verurteilten Täters, der keine Reue zeigt: Islamophobie, befeuert durch die Einwanderungspolitik der damaligen rot-grünen Regierung sowie eine rechtsextreme Ideologie. Monströs war auch die Selbstinszenierung Breiviks, der sich stellte und den Prozess nutzte, um seine Ideologie – inklusive rechtsextremer Gesten – in die Öffentlichkeit zu bringen. Und auch seriöse Medien, befangen in einem zu diskutierenden Verständnis von „Berichtpflicht“, erwähnten und zeigten all dies – ein Effekt, den Breivik einkalkuliert hatte. Aus dem Blick geriet darüber, dass Breivik offenbarte, dass auch in der demokratischen norwegischen Wohlstandsgesellschaft radikaler Rechtsextremismus wachsen konnte. Und mit genau diesem Phänomen – dem archaischen Grauen unter der Oberfläche einer moralisch integren Gesellschaft – spielt das Mahnmal des Künstlers Matias Faldbakken. Eine zwölf Meter hohe Wand aus Mosaiksteinen ist es geworden. Gehalten wird sie von einem Stahlgerüst, das ein Wandgemälde aus einem Gebäude barg, das nach dem Bombenanschlag abgerissen werden musste. „Wiederaufrichtung“ hat Faldbakken, bekannter als Autor von kulturkritischen und Horror-Romanen, es genannt. Die Vorderseite zeigt, fein gezeichnet, zwei auf Utøya heimische Wasservögel. Sie wirken so ikonisch wie dokumentarisch – eine Art Heimholung kann es sein, die Wieder-Aneignung einer Region, die Zeuge eines Verbrechens wurde, das die Landschaft atmosphärisch schwer schädigte. Auf der Rückseite steht das nicht zu Verdrängende: die Namen der 77 Todesopfer. Ein Gedenk- und Mahnort solle es werden, hat der Künstler gesagt. Ein Ort, der nicht nur für noch mehr Offenheit stehen könne, als Gegenpol zur Gewalt. Sondern auch für die zu stark unterdrückte Wut der Angehörigen: Darüber, dass die Polizei das Massaker nicht früher stoppen konnte. Weil man für so etwas – auch qua Selbstverständnis – nicht gewappnet war. Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? Werden Sie jetzt Teil der Community! Jetzt unterstützen meistkommentiert

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