5. April Süddeutsche Zeitung
Kardinal Marx kritisiert Pentagonchef Hegseth: „Schamlose Gotteslästerung“
Der Münchner Erzbischof Reinhard Marx hat in seiner Predigt am Ostersonntag den Missbrauch von Religion zur Rechtfertigung von Gewalt und Krieg mit deutlichen Worten kritisiert. Äußerungen von US-Pentagonchef Pete Hegseth, der dafür gebetet hatte, jede Kugel möge ihr Ziel treffen, seien eine schamlose „Gotteslästerung“. Gleiches gelte für die Aussage von Kyrill I., dem orthodoxen Patriarchen von Moskau, der den von Russland begonnenen Angriffskrieg gegen die Ukraine als einen „Heiligen Krieg“ bezeichne.
In der Osternacht hatte Marx im Liebfrauendom dazu aufgerufen, an der Hoffnung auf eine bessere Welt festzuhalten. Man dürfe sich im Engagement für Frieden, Solidarität und eine gerechte Gemeinschaft aller Menschen nicht entmutigen lassen. „Ostern unterstreicht sehr deutlich, dass die Hoffnung auf eine bessere Welt keine naive Träumerei ist, denn es geht um eine realistische Hoffnung.“ Dass Jesus von einer Welt gesprochen habe, „in der Friede, Versöhnung, Vergebung der Sünden, Gewaltlosigkeit, Gerechtigkeit Wirklichkeit werden“, sei für die Mächtigen in Religion und Politik weltfremd und gefährlich gewesen.
Gerade heute brauche es „österliche Menschen, Menschen mit Hoffnung und mit Begeisterungsfähigkeit“, sagte Marx. „Wenn die Welt und unsere Gesellschaften sich weiter verrennen in Eigeninteressen, in den Egoismus bestimmter Gruppen, in die Blasen von Hass und Verschwörungstheorien, dann wird die Welt bedrohlicher und gefährlicher.“ Demgegenüber stehe die österliche Botschaft, die nicht zulasse, „dass wir allein den Stimmen Raum geben, die letztlich Resignation und Verzweiflung verstärken, die Gewalt und Macht vor Recht und Frieden sehen“, mahnte der Kardinal.
Ostern feiere das „pralle, volle, glückliche Leben“, sagte der evangelische Landesbischof Christian Kopp am Ostersonntag in seiner Predigt in der Münchner St. Matthäuskirche. Genau das brauche die Welt gerade dringend. „Denn der Tod hat unsere Welt fest im Griff. Gewalttaten, Ängste, Zerstörung, Kriege.“ Der Krieg Russlands gegen die Ukraine sprenge alle Vorstellungen von Gerechtigkeit. Die Eskalationen im Nahen Osten entsetzten ihn, sagte Kopp.
„Aber gerade weil jetzt Ostern ist und ich an Gottes Machtwechsel glaube, gilt: Krieg darf nach Gottes Willen nicht sein. Never ever“, sagte Kopp weiter. Und doch fühle er sich hilflos. „Die Mächtigen machen, was sie wollen: nehmen sich Land, verdienen Millionen mit ihrem Insiderwissen und Spekulationen. Pfeifen auf Völkerrecht und Menschenleben und Würde.“
Mit dem Osterfest werde zwar nicht alles auf Knopfdruck hell. Aber das Leben rücke mit Ostern in ein anderes Licht, die Finsternis ende. „Die Macht wechselt die Seite, das Leben gewinnt. Und das verändert was“, sagte Kopp.
Der Regionalbischof für Schwaben-Altbayern, Thomas Prieto Peral, sagte in seiner Predigt in der Münchner Jakobskirche, dass Ostern den derzeitigen Untergangsgedanken widersprächen. „Es wird besser, weil Gott deinem Leben eine Chance gibt. Weil Gott deinem Mitmenschen die gleiche Würde gibt wie dir.“ Mit Blick auf die Kriege im Nahen Osten und in anderen Weltregionen sagte er: „Die evangelische Haltung dazu ist klar: Kriege und Gewalt sind nur verantwortbar, wenn dadurch das Recht wieder hergestellt wird. Völkerrechte, Menschenrechte, Grundrechte. Für alle.“ Politische Entwicklungen seien nie alternativlos.