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Donnerstag, 10. September 2026
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Drei Sitze fehlen – Mit diesen Tricks könnte die AfD doch noch die absolute Mehrheit erreichen

Medienspektrum

Progressiv Mitte Konservativ
9. September
Die Zeit (Politik)

AfD bei der Landtagswahl: Livechat: Welche Konsequenzen hat der AfD-Wahlsieg in Sachsen-Anhalt?

AfD bei der Landtagswahl: Livechat: Welche Konsequenzen hat der AfD-Wahlsieg in Sachsen-Anhalt? Die AfD ist erstmals stärkste Kraft, eine Regierung ohne sie kaum möglich. Wie geht es weiter? Die Diskussion mit ZEIT-Politikchefin Anne Hähnig zum Nachlesen. Die AfD hat in Sachsen-Anhalt einen historischen Wahlsieg erzielt. Sie gewann die Landtagswahl mit knapp 44 Prozent, während die bisher regierende CDU ihr Ergebnis im Vergleich zur letzten Wahl mehr als halbierte. Für eine absolute Mehrheit reicht das zwar nicht, doch eine Regierung ohne die AfD erscheint politisch kaum vorstellbar, weil dafür ein Bündnis aus CDU, SPD, Grünen, Linken und BSW nötig wäre. Damit ist die politische Mitte in Sachsen-Anhalt stark geschwächt, und es stellen sich Fragen nach dem weiteren Kurs des Landes, nach den Folgen einer möglichen AfD-Regierung und nach den Konsequenzen für die CDU. Über diese Punkte konnten Leserinnen und Leser am 9. September mit der ZEIT-Politikchefin Anne Hähnig diskutieren, die sich seit Langem mit Ostdeutschland und dem Aufstieg der AfD befasst. Diese Zusammenfassung wurde mithilfe von Künstlicher Intelligenz erstellt. Vereinzelt kann es dabei zu Fehlern kommen. Fanden Sie die Zusammenfassung hilfreich? Es ist ein historisches Ereignis: Die AfD hat die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt mit knapp 44 Prozent der Stimmen gewonnen. Die bislang regierende CDU hat ihr Ergebnis im Vergleich zur letzten Wahl mehr als halbiert. Für die absolute Mehrheit hat es für die AfD zwar nicht gereicht, doch ist eine Koalition ohne sie politisch kaum vorstellbar – dafür bräuchte es ein Bündnis aus CDU, SPD, Grünen, Linken und BSW. Die politische Mitte ist in Sachsen-Anhalt marginal geworden. Wie geht es jetzt weiter in Sachsen-Anhalt? Wie könnte eine mögliche AfD-Regierung das Land verändern? Was bedeutet das Wahlergebnis für die CDU? Und wie sollte die demokratische Mitte auf diesen historischen Einbruch reagieren? Über diese und weitere Fragen konnten Leserinnen und Leser am Mittwoch, 9. September, im Kommentarbereich dieses Artikels mit Anne Hähnig diskutieren. Anne Hähnig ist Ressortleiterin Politik bei der ZEIT und war zuvor Leiterin des Ressorts ZEIT im Osten sowie des Leipziger Korrespondentenbüros. Sie beschäftigt sich seit Langem mit Ostdeutschland und dem Aufstieg der AfD.

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8. September
ZDF heute

frontal spezial: Sachsen-Anhalt nach der Wahl

Neues Video ZDF Neues Video ZDF frontal - das Magazin frontal spezial: Sachsen-Anhalt nach der Wahl Der AfD-Wahlerfolg in Sachsen-Anhalt verändert die politische Lage. Die AfD ist Wahlsieger, verfehlt aber die absolute Mehrheit. Die CDU wird in ihrem Ergebnis halbiert und gerät weiter unter Druck. Der Wahlerfolg der AfD in Sachsen-Anhalt verändert die politische Lage. Die AfD ist der große Wahlsieger, verfehlt jedoch die absolute Mehrheit. Die CDU wird in ihrem Ergebnis halbiert und gerät weiter unter Druck. Doch die Regierungsbildung wird kompliziert: Wer kann und will mit wem regieren? "frontal" schaut in einer Spezialausgabe auf die neue politische Wirklichkeit: auf AfD und BSW, auf Wählerstimmungen und mögliche Machtoptionen. Wie weit reicht die neue Stärke der Partei – und wächst daraus bereits ein Anspruch auf Regierungsverantwortung? Welche Rolle spielen die Verschiebungen im Parteiensystem? Und was bedeutet der Aufstieg der AfD für Deutschlands Sicherheit? Doch die Regierungsbildung wird kompliziert: Wer kann und will mit wem regieren? "frontal" schaut in einer Spezialausgabe auf die neue politische Wirklichkeit: auf AfD und BSW, auf Wählerstimmungen und mögliche Machtoptionen. Wie weit reicht die neue Stärke der Partei – und wächst daraus bereits ein Anspruch auf Regierungsverantwortung? Welche Rolle spielen die Verschiebungen im Parteiensystem? Und was bedeutet der Aufstieg der AfD für Deutschlands Sicherheit? - Moderation - Ilka Brecht Ähnliche Inhalte entdecken

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8. September
Wirtschaftswoche

Landtagswahl Sachsen-Anhalt: Die AfD gewinnt in der Mitte der Gesellschaft

Landtagswahl Sachsen-Anhalt: Die AfD gewinnt in der Mitte der Gesellschaft Die rechtsextreme Alternative für Deutschland (AfD) mit ihrem Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund hat die Wahl in Sachsen-Anhalt in der Mitte der Gesellschaft gewonnen. Viele Menschen erwarten bei der Partei bei Wirtschaft, Schule und sozialen Themen mehr Kompetenz als bei den früheren Volksparteien CDU und SPD. Das zeigen Daten der Wahlforschungsinstitute. Mit 43,8 Prozent erreichte die AfD das höchste Ergebnis einer Partei bei einer Landtagswahl in dem Bundesland. Es ist auch ein etwas höherer Stimmenanteil als etwa die SPD im Saarland mit Anke Rehlinger erreichte, die dort allerdings mit 43,5 Prozent seit 2022 allein regieren kann. Die AfD wird am stärksten von Männern mittleren Alters gewählt, die oft einen einfachen oder mittleren Schulabschluss haben. Vor allem Arbeiter wählen sie, aber auch Selbstständige wie Handwerker. Männer mittleren Alters wählen am häufigsten AfD Nach Zahlen der Forschungsgruppe Wahlen, die Wählerinnen und Wähler repräsentativ befragte, ist die AfD von 49 Prozent der Männer und 39 Prozent der Frauen gewählt worden. Bei allen unter 60-Jährigen schaffte sie 49 Prozent, in der Generation 60plus dagegen mit 36 Prozent weniger. Am stärksten schnitt die Partei bei den 44- bis 59-jährigen Männern mit 56 Prozent ab sowie bei den unter 35-Jährigen mit geringeren Bildungsabschlüssen, von denen sie zu knapp zwei Dritteln gewählt wurde. Menschen in Sachsen-Anhalt mit Abitur oder Hochschulabschluss wählten die Partei nur zu 37 bzw. 23 Prozent. Die AfD erreichte bei Beamten mit 29 Prozent ein unterdurchschnittliches Ergebnis. Die wirtschaftliche Lage sahen die Mehrzahl der Wählenden als zentrales Thema der Wahl an. In Wirtschaftsfragen trauen viele Menschen in Sachsen-Anhalt der CDU inzwischen weniger zu als der Wahlgewinnerin. 37 Prozent aller Befragten der Forschungsgruppe Wahlen schreiben der AfD Wirtschaftskompetenz zu, aber nur 27 Prozent der bisher regierenden CDU unter Ministerpräsident Sven Schulze. Wähler trauen der AfD am meisten zu Überraschend viel Kompetenz trauen sie der AfD außerdem bei einem zentralen landespolitischen Thema zu – bei Schule und Bildung. Hier liegt die AfD mit 29 Prozent ebenfalls deutlich vor der CDU mit 17 Prozent. Wurden sie nach der Partei gefragt, die soziale Gerechtigkeit am ehesten verfolgen kann, kann auch die SPD nicht punkten. Hier liegt die AfD mit 24 Prozent vorn, dahinter mit 18 Prozent nur die Sozialdemokraten bei ihrem traditionellen Thema. Mit 13 Prozent folgt die CDU. Dass Wählerinnen und Wähler gewisse Widersprüche in sich tragen, zeigt sich an einem anderen Ergebnis der Befragungen. So wird die tiefe Unzufriedenheit mit der Bundespolitik für das starke Abschneiden der AfD genannt, die das Ergebnis womöglich stärker beeinflusst hat als tatsächliche Leistungsnachweise der AfD in wichtigen Politikbereichen. Die Befragten antworteten auf die Frage, ob die Alternative für Deutschland so stark abschneiden würde, wenn die Bundeskoalition in Berlin besser regieren würde. Schätzungsweise 90 Prozent aller Wählerinnen und Wähler, auch die der AfD, sagen: Wenn im Bund besser regiert würde, wäre die Partei in Magdeburg nicht so stark.

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8. September
Die Zeit (Politik)

AfD in Sachsen-Anhalt: Was der Wahlsieg der AfD für die liberale Demokratie bedeutet

Zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg könnte in Deutschland eine rechtsextreme Partei ein Bundesland regieren. Nach dem historischen Wahlsieg in Sachsen-Anhalt rückt die Macht für die AfD in greifbare Nähe. Ein Bündnis aller anderen fünf Parteien gegen die AfD ist zwar rechnerisch denkbar, politisch aber fast ausgeschlossen: Eine Koalition aus fünf Parteien wäre nicht nur ungewöhnlich, sondern auch kompliziert und instabil. Außerdem haben CDU und Linke jeweils eine Koalition miteinander ausgeschlossen. Das BSW wiederum ist mit dem Ziel angetreten, die CDU-Regierung zu stürzen. Nach ihrem deutlichen Sieg sehen viele einen Regierungsauftrag bei der AfD. Was bedeutet der historische Erfolg der Rechtsextremen für das ganze Land? Und was für unsere Demokratie? Diese und weitere Fragen beantwortet ZEIT-Chefredakteur Jochen Wegner im Podcast. Nach einem Jahr endet am heutigen Dienstag die Amtszeit von Annalena Baerbock als Präsidentin der UN-Generalversammlung – sie war erst die fünfte Frau in dieser Position. Während ihrer Amtszeit hat sie sich für eine UN-Reform, Frauenrechte und Klimaschutz eingesetzt. Weitere Schwerpunkte ihrer Arbeit waren der internationale Umgang mit KI und die Suche nach einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin für UN-Generalsekretär António Guterres. Nun übergibt sie das Amt an Khalilur Rahman, den bisherigen Außenminister von Bangladesch. Mit 45 Jahren endet Baerbocks politische Karriere zumindest vorerst: Ab Herbst 2026 wechselt sie an die Columbia University und wird dort als Professorin ein Führungskräfteentwicklungsprogramm leiten. Zum Abschied hat sie der ZEIT in New York ein Interview gegeben. Geführt hat das Interview unter anderem Samiha Shafy aus dem Politikressort der ZEIT. Im Podcast blickt sie auf Baerbocks Zeit bei den Vereinten Nationen zurück und zieht Bilanz, welche Akzente die frühere Außenministerin in ihrem Amt setzen konnte. Und sonst so? Calw baut Riesenrutsche ins Stadtzentrum. Moderation und Produktion: Moses Fendel Redaktion: Imre Balzer, Constanze Kainz und Rita Lauter Mitarbeit: Sophia Boddenbergund Maximilian Renzikowski Alle Folgen unseres Podcasts finden Sie hier. Fragen, Kritik, Anregungen? Sie erreichen uns unter wasjetzt@zeit.de.

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7. September
Die Zeit (Politik)

ARD-»Deutschlandtrend extra«: Zwei Drittel der Deutschen besorgt über Wahlausgang in Sachsen-Anhalt

Zwei Drittel der Deutschen sind am Tag nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt einer Umfrage zufolge besorgt über das Ergebnis der Wahl. Knapp jeder vierte Befragte ist hingegen erfreut, das geht aus dem Deutschlandtrend extra der ARD vom Montagabend hervor. In der repräsentativen Umfrage des Instituts Infratest dimap sind 45 Prozent der Deutschen nach dem Wahlsieg der AfD der Ansicht, dass der Spitzenkandidat der vom Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuften Partei, Ulrich Siegmund, zum Ministerpräsidenten gewählt werden sollte. 48 Prozent der Befragten, also knapp jeder Zweite, sind hingegen der Meinung, Siegmund sollte nicht zum Ministerpräsidenten gewählt werden. 51 Prozent der Befragten sind der Umfrage zufolge der Ansicht, die anderen Parteien sollten die AfD bei der politischen Arbeit künftig stärker einbinden. 45 Prozent meinen hingegen, die AfD sollte von den anderen Parteien nicht stärker beteiligt werden. Jeder Zehnte ist mit der Arbeit der Koalition zufrieden Mit Blick auf die Bundesregierung sind der Umfrage nach fast neun von zehn Deutschen mit der Arbeit der schwarz-roten Koalition weniger beziehungsweise gar nicht zufrieden. Jeder Zehnte ist mit ihr zufrieden. Eine Minderheit von 14 Prozent traut Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) zu, Deutschland gut durch die anstehenden Aufgaben zu führen. 82 Prozent trauen ihm das nicht zu. Infratest dimap befragte für den Deutschlandtrend extra am Montag online und per Telefon 1.051 Wahlberechtigte. Die statistische Fehlerquote wurde mit zwei bis drei Prozentpunkten angegeben. Die AfD in Sachsen-Anhalt hatte am Sonntag die Landtagswahl mit fast 44 Prozent der Stimmen gewonnen und damit ihren Anteil gegenüber der Wahl von 2021 mehr als verdoppelt. Sie hat aber selbst keine absolute Mehrheit. Die bislang regierende CDU erlitt heftige Stimmeneinbußen und kam nur noch auf 17,2 Prozent. Im Landtag sind zudem SPD, Grüne und Linke sowie erstmals das BSW vertreten.

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7. September
Die Welt (Politik)

Jeder Zweite fordert stärkere AfD-Einbindung – zwei Drittel zeigen sich besorgt über Wahlergebnis

Jeder Zweite fordert stärkere AfD-Einbindung – zwei Drittel zeigen sich besorgt über Wahlergebnis Nach dem AfD-Sieg in Sachsen-Anhalt fordert jeder zweite Deutsche eine stärkere Einbindung der Partei. Zwei Drittel blicken besorgt auf das Wahlergebnis. Klicken Sie hier, um sich Artikel von WELT in der Google-Suche bevorzugt anzeigen zu lassen. Jeder zweite Deutsche (51 Prozent) ist der Meinung, die anderen Parteien sollten die AfD bei der politischen Arbeit künftig stärker einbinden. 45 Prozent sehen das anders und meinen, die AfD sollte von den anderen Parteien nicht stärker eingebunden werden. Das hat eine repräsentative Blitzumfrage von infratest dimap unter 1051 Wahlberechtigten in Deutschland für einen ARD-Deutschlandtrend extra an diesem Montag ergeben. Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt wurde die AfD am Sonntag mit 43,8 Prozent mit deutlichem Vorsprung stärkste Kraft, verpasste aber eine absolute Mehrheit. Zwei Drittel (64 Prozent) schauen besorgt auf das Ergebnis der Wahl, jeder Vierte (24 Prozent) ist erfreut, die anderen zeigen sich gleichgültig. 45 Prozent der Deutschen sind überzeugt, nach diesem Ergebnis sollte der AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund zum Ministerpräsidenten gewählt werden – neben den AfD-Anhängern sieht das ein gutes Drittel der Unions-Anhänger so (36 Prozent) sowie 18 Prozent der Grünen-Anhänger, 12 Prozent der SPD-Anhänger und 10 Prozent der Linken-Anhänger. Insgesamt meint knapp jeder Zweite (48 Prozent), Ulrich Siegmund sollte nicht zum Ministerpräsidenten gewählt werden. Drei Viertel der Wahlberechtigten in Deutschland (76 Prozent) halten einen Denkzettel für die Bundesregierung durch das Wahlergebnis für verdient. 18 Prozent sehen das anders. Fast neun von zehn Deutschen (88 Prozent) sind mit der Arbeit der Bundesregierung aktuell weniger bzw. gar nicht zufrieden; jeder Zehnte (10 Prozent) ist mit ihr zufrieden. Dabei trifft die Unzufriedenheit insbesondere die Kanzlerpartei CDU. 63 Prozent der Unzufriedenen ärgern sich am meisten über die Christdemokraten, 22 Prozent über die SPD und 7 Prozent über die CSU. Eine Minderheit von 14 Prozent traut Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) zu, Deutschland gut durch die anstehenden Aufgaben zu führen. 82 Prozent trauen ihm das nicht zu – neben Mehrheiten anderer Partei-Anhänger auch jeder zweite Unions-Anhänger. Mit Blick auf geplante Sozialreformen wünschen sich 13 Prozent der Deutschen, dass die Reformen etwa in den Bereichen Rente und Gesundheit wie geplant umgesetzt werden. Sechs von zehn Wahlberechtigten (59 Prozent) sprechen sich für Korrekturen an den Reformen aus. Gut jeder Fünfte (22 Prozent) ist der Meinung, die Bundesregierung sollte ganz auf die Reformen verzichten. Diskussionen gibt es aktuell unter anderem um die so genannte Rente mit 63. Gegenwärtig können Beschäftigte nach 45 Beitragsjahren vorzeitig in Rente gehen, ohne dass sie Abzüge erhalten. Drei Viertel (74 Prozent) finden, das sollte beibehalten werden, auch wenn dafür Rentenbeiträge erhöht werden müssen. 18 Prozent sehen das anders. Uneins sind die Deutschen, wessen Positionen sich in der Arbeit der Bundesregierung in den nächsten Monaten stärker durchsetzen sollen: 39 Prozent wünschen sich das von den Positionen der SPD, 33 Prozent von den Positionen der Union. Für die Umfrage von von infratest dimap wurden 1051 Personen zufallsbasiert online und per Telefon am 7. September befragt. Die Schwankungsbreite liegt zwischen 2 und 3 Prozent.

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7. September
Tagesschau

ARD-DeutschlandTrend: Zwei Drittel schauen besorgt nach Sachsen-Anhalt

ARD-DeutschlandTrend extra Zwei Drittel schauen besorgt nach Sachsen-Anhalt Eine Mehrheit der Deutschen blickt mit Sorge auf den Ausgang der Wahl in Sachsen-Anhalt. Im DeutschlandTrend extra ist zugleich jeder Zweite der Meinung, die anderen Parteien sollten die AfD stärker einbinden. Am Tag nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt ist die große Mehrheit der Deutschen besorgt über das Ergebnis. Der Blick auf die Politik der Bundesregierung ist noch kritischer geworden. Und zum künftigen Umgang mit der AfD gibt es sehr unterschiedliche Meinungen. Das sind die Ergebnisse einer repräsentativen Blitzbefragung, die infratest dimap an diesem Montag für die ARD unter 1.051 Wahlberechtigten in Deutschland durchgeführt hat. Das überraschende Ergebnis der bundesweiten Umfrage: Knapp die Hälfte der Wahlberechtigten ist der Ansicht, dass der AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund nach dem mit 43,8 Prozent deutlichen Wahlsieg der AfD vom Landtag auch zum Ministerpräsidenten gewählt werden sollte. 45 Prozent sehen das so. 48 Prozent sind nicht dieser Ansicht. Natürlich befürworten die Anhänger der AfD diesen Schritt, aber auch unter den Anhängern der Union gibt es ein gutes Drittel, unter denen der Grünen knapp ein Fünftel, die den Schritt für folgerichtig halten. Dabei sieht eine deutliche Mehrheit der Befragten (64 Prozent) das Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt mit Sorge. Jeder Vierte (24 Prozent) zeigt sich erfreut, der Rest schaut mit Gleichgültigkeit darauf. Deutliche Kritik an Sozialreformen der Bundesregierung Wesentlicher Grund für den Erfolg der AfD und die schwere Niederlage der CDU in Sachsen-Anhalt war die Politik der Bundesregierung, insbesondere die Diskussion über Sozialreformen. Bundesweit ist die Kritik heute noch deutlicher, als sie in der vergangenen Woche bei den Wählerinnen und Wählern in Sachsen-Anhalt gemessen wurde. Drei Viertel (76 Prozent) halten einen Denkzettel für die Bundesregierung durch das Wahlergebnis für verdient. Die Verärgerung über die Koalitionspartner trifft zuallererst die CDU: 63 Prozent derer, die mit der Arbeit der Regierung unzufrieden sind, ärgern sich nach eigener Aussage am meisten über die CDU, gut jeder Fünfte (22 Prozent) über die SPD, 7 Prozent nennen die CSU. Ganz offensichtlich waren die Erwartungen an die CDU zum Start der Regierung im vergangenen Mai am höchsten, deshalb nun auch die Enttäuschung am größten. Nur 14 Prozent trauen Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) zu, Deutschland gut durch die anstehenden Aufgaben zu führen. Großes Streitthema Rente In der Bundesregierung ist die Diskussion über geplante Sozialreformen zurück. Lediglich eine kleine Minderheit von 13 Prozent möchte, dass die Reformen etwa bei Rente und Gesundheit tatsächlich wie geplant umgesetzt werden. Sechs von zehn (59 Prozent) unterstützen die Reformen, wenn die Pläne vorher korrigiert werden. 22 Prozent plädieren dafür, ganz auf die Reformen zu verzichten. Dabei gibt es kein klares Meinungsbild, in welche Richtung Korrekturen vorgenommen werden sollten. Jeder Dritte (33 Prozent) ist der Ansicht, die Positionen der Union sollten sich stärker durchsetzen, 39 Prozent wünschen sich das für die Positionen der SPD. Auffällig dabei: Ein Teil der AfD-Wähler möchte die Unions-Handschrift deutlicher erkennen. Die Anhänger von Grünen und Linken hoffen auf mehr SPD in den Reformpaketen. Im Fokus der Diskussionen aktuell: die mögliche Abschaffung der vorzeitigen Altersrente für langjährig Versicherte nach 45 Beitragsjahren. Hier zeigt sich ein klares Bild: Drei Viertel (74 Prozent) wollen, dass diese Regelung beibehalten wird, auch wenn das zu höheren Rentenbeiträgen führt. Knapp jeder Fünfte (18 Prozent) ist für die Abschaffung dieser Regelung. Umgang mit der AfD bleibt umstritten Die neue politische Lage in Sachsen-Anhalt zwingt die Parteien dort, ihre Positionen im Umgang mit der AfD erneut zu klären. Deshalb wird auch bundesweit diese Diskussion nun geführt. 42 Prozent der Befragten haben das Empfinden, dass der Umgang der anderen Parteien mit der AfD unfair ist - auch fast ein Drittel der Unions-Anhänger hat diese Einschätzung. Eine knappe Mehrheit von 53 Prozent insgesamt ist dagegen nicht der Ansicht, dass die anderen Parteien unfair mit der AfD umgehen. Ungefähr die Hälfte der Befragten (51 Prozent) findet, dass die anderen Parteien die AfD künftig stärker in die politische Arbeit einbinden sollten. Vier von zehn Unions-Anhängern und jeder vierte SPD-Anhänger sind dieser Ansicht. Insgesamt lehnen 45 Prozent der Deutschen eine solche stärkere Einbindung der AfD indes ab.

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7. September
Handelsblatt

Today: AfD holt Rekordsieg – Isar Aerospace schreibt Geschichte

Today: AfD holt Rekordsieg – Isar Aerospace schreibt Geschichte Sachsen-Anhalt hat gewählt: Die AfD verdoppelt sich auf 43,8 Prozent, die CDU stürzt auf 17,2 Prozent ab, das BSW zieht neu in den Landtag ein. Politikwissenschaftler Benjamin Höhne von der TU Chemnitz, Unternehmer Martin Menz aus Halle an der Saale und Handelsblatt-Politik-Ressortleiterin Leila Al-Serori ordnen das historische Ergebnis in einer Diskussion ein. Das ganze Gespräch hört ihr in dieser Folge. Sie beantworten unter anderem folgende Fragen: Wie stabil wäre eine AfD-Minderheitsregierung mithilfe des BSW? Was bedeutet das für Friedrich Merz und die Reformpläne in Berlin? Und wie blickt die Wirtschaft auf Forderungen, wie Sanktionen gegen Russland aufzuheben oder einen Euro-Austritt, während Fachkräfte fehlen und die Industrie schrumpft? Das Besondere: Während der Aufzeichnung konnten Zuschauer live Fragen stellen. Das wollt ihr beim nächsten Mal auch? Der Schwerpunkt heute wurde im Rahmen einer H+ Live Veranstaltung aufgenommen. Kommende und Aufzeichnungen vergangener Events findet ihr hier. Im Marktbericht schaut Andreas Neuhaus, Teamleiter für Geldanlage und Märkte beim Handelsblatt, wie sich der erfolgreiche Raketenstart von Isar Aerospace auf Raumfahrtaktien ausgewirkt hat. Mehr zu dem Thema: Der Erfolg von Isar Aerospace gibt Hoffnung für Deutschland Moderiert von Aileen Bunte und Nele Dohmen Produziert von Max Rex und Christian Heinemann Das exklusive Abo-Angebot für alle Hörerinnen und Hörer von Handelsblatt Today: https://www.handelsblatt.com/mehrfinanzen

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7. September
Tagesschau

Wahl in Sachsen-Anhalt: Historisches, Hochburgen, Ausreißer

Zahlen zur Wahl in Sachsen-Anhalt Historisches, Hochburgen, Ausreißer Lange dürfte es keine Wahl mit so vielen Rekordwerten gegeben haben wie jetzt in Sachsen-Anhalt. Allein das AfD-Ergebnis und die Wahlbeteiligung sind außergewöhnlich. Historische Vergleiche und Hochburgen im Überblick. Es ist das beste Ergebnis einer Partei in der 36-jährigen Nach-Wende-Geschichte des Landes: Die AfD hat in Sachsen-Anhalt laut vorläufigem Ergebnis 43,8 Prozent der Stimmen bekommen. Jahrzehntelang dominierte meist die CDU die Landespolitik - aber selbst sie kam höchstens auf 39 Prozent (1990), 37,3 Prozent (2002) oder 37,1 Prozent (2021). Bislang war die AfD nur in Thüringen stärkste Partei gewesen. Der sachsen-anhaltische Landesverband hat das dortige Ergebnis von 32,8 Prozent (2024) um massive elf Prozent übertroffen. Und noch zwei bundesweite Vergleiche: Zum letzten Mal bekam eine Partei vor immerhin elfeinhalb Jahren mehr als die gestrigen 43,8 Prozent der AfD. Im Februar 2015 erreichte die Hamburger SPD 45,6 Prozent - aber das war schon damals ein bundesweit außergewöhnliches Ergebnis. Demgegenüber stehen die massiven Verluste der CDU von 19,9 Punkten. Erst einmal hat eine Partei bei einer Bundes- oder Landtagswahl so massiv verloren - ebenfalls die CDU und ebenfalls in Hamburg: 2011 gab es nach dem Aus von Schwarz-Grün ein Minus von 20,7 Punkten. Nur in Brandenburg (12,1 Prozent / 2024) und Mecklenburg-Vorpommern (13,3 Prozent / 2021) steht die CDU momentan schlechter da als in Sachsen-Anhalt - wobei im Nordosten bei der Landtagswahl am übernächsten Wochenende laut Umfrage weitere Verluste drohen. Jenseits der Parteienergebnisse ist noch ein Wert außergewöhnlich: die Wahlbeteiligung von 77,8 Prozent. Das ist bei Landtagswahlen der höchste Wert seit 1998 in Mecklenburg-Vorpommern (79,4 Prozent). Und selbst davor gab es nach der Wiedervereinigung nur zwei Beispiele: Berlin (80,8 Prozent / 1990) das Saarland im Jahr 1994 mit 83,5 Prozent. Tops und Flops der AfD Die AfD ist in Sachsen-Anhalt 38 von 41 Wahlkreisen bei den Erststimmen stärkste Kraft geworden. Ihre Landtagsfraktion wird sich deswegen bis auf einen Abgeordneten aus siegreichen Direktkandidaten zusammensetzen. Das beste AfD-Erststimmenergebnis - und damit das beste überhaupt - erreichte Reiner Kretschmann im Wahlkreis Eisleben mit 55,6 Prozent, gefolgt von Hans-Thomas Tillschneider mit 54,9 Prozent im Wahlkreis Querfurt sowie Jonas Dirk (Weißenfels) und Matthias Büttner (Staßfurt) mit jeweils 53,4 Prozent. Der Wahlkreissieger mit dem schwächsten Erststimmenergebnis für die AfD ist Christian Mertens in Magdeburg III mit 35,2 Prozent - er setzte sich gegen Ministerpräsident Sven Schulze von der CDU durch. AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund gewann seinen Wahlkreis Genthin mit 49 Prozent. Die besten Zweitstimmenergebnisse für die AfD gab es im Wahlkreis Staßfurt (54,1 Prozent). Am schwächsten waren sie in Halle III (18,3 Prozent) - dieser Wahlkreis wird in diesem Text häufiger auftauchen. Überhaupt sind alle insgesamt acht Wahlkreise der sachsen-anhaltischen Großstädte Magdeburg und Halle in dieser Liste unter den ersten zehn Plätzen. In den Städten und Landkreisen erreichte sie in Mansfeld-Südharz (51,9 Prozent), im Burgenlandkreis (51,1 Prozent) und im Salzlandkreis (49,7 Prozent) ihre besten Ergebnisse und damit auch die besten landesweit - ihre schlechtesten in Halle/Saale (29,9 Prozent), Magdeburg (32,6 Prozent) und Dessau-Roßlau (38,9 Prozent). Aber in allen Städten und Landkreisen wurde sie stärkste Kraft. Und das gilt auch für die Gemeinden: Hier lag sie in allen 218 vorn. Ihr Topergebnis war das in Schnaudertal mit 64,7 Prozent. Tops und Flops der CDU Vor fünf Jahren gewann die CDU mit einer Ausnahme alle Wahlkreise - dieses Mal keinen. Spitzenkandidat Sven Schulze verlor in seinem Wahlkreis Magdeburg III vergleichsweise knapp mit 31,7 Prozent Erststimmen gegen den AfD-Kandidaten Christian Mertens (35,2 Prozent). Andere vergleichsweise starke Erststimmenergebnisse gab es in den Wahlkreisen Dessau-Roßlau (29,6 Prozent) und Haldensleben (29,6 Prozent). Im Wahlkreis Wittenberg holte die CDU das beste Zweitstimmenergebnis. Hier erreichte sie 21,4 Prozent, vor 19,9 Prozent in den Wahlkreisen Jessen und 19 Prozent im Merseburg. In - wiederum - Halle III landete sie hingegen nur bei 11,3 Prozent. Auf Landkreisebene landete sie überall auf Platz zwei hinter der AfD - außer in Magdeburg und Halle, wo sie hinter den Grünen sogar nur drittstärkste Kraft wurde. Ihre besten Ergebnisse gab es in Wittenberg (20,3 Prozent), im Saalekreis (18,7 Prozent) und erneut Dessau-Roßlau (18,3 Prozent), ihr schlechtestes mit 13,9 Prozent in Halle. Auf Gemeindeebene wiederum waren die Werte in Steigra (23,3 Prozent), Gleina (23,2 Prozent) und Selke-Aue (22,7 Prozent) ihre besten - gegenüber Hohenberg-Krusemark (11,6 Prozent) und Plötzkau (11,7 Prozent). In den Gemeinden wurde sie 216-mal zweitstärkste Partei - bei 218 Gemeinden. Tops und Flops der anderen Parteien Die Linkspartei ist zwar nur fünftstärkste Partei geworden - dafür gewann sie jene drei Wahlkreise, die nicht an die AfD gingen: In Halle III holte Jannik-Loris Balint 39,9 Prozent der Stimmen - und damit das 4,6-Fache des Landesergebnisses auf Zweitstimmenebene. Gitta Susann Hartenstein-Wiermann gewann nebenan in Halle II mit 29,6 Prozent und Mustafa Groener in Magdeburg II mit 29,4 Prozent. Die beiden letzteren sind landesweit die schwächsten Wahlkreissiegerergebnisse. Eine weitere Hochburg waren der Wahlkreis Altmarkkreis Salzwedel (10,7 Prozent) und zum Beispiel die Gemeinde Goldbeck mit 13,8 Prozent. Schwach schnitt die Partei hingegen in den Wahlkreisen Bad Dürrenberg-Saalekreis und Saalekreis (jeweils 6,5 Prozent) und vor allem der Gemeinde Schnaudertal (4,2 Prozent) ab. Die Grünen wiederum wurden im schon mehrfach erwähnten Wahlkreis Halle III stärkste Kraft bei den Zweitstimmen. In allen anderen Wahlkreisen wurde das die AfD. Die Grünen kamen in Halle III auf 33,7 Prozent - fast das Vierfache ihres Landesergebnisses. Ihre Hochburgen auf Stadt-/Landkreis- und damit auch Gemeindeebene waren dementsprechend Halle mit 20,7 Prozent und Magdeburg mit 16,1 Prozent. Beispielsweise im Wahlkreis Eisleben (3,8 Prozent), dem Landkreis Mansfeld-Südharz oder der Gemeinde Schnaudertal (1,8 Prozent) gab es für sie aber nichts zu holen. Die SPD wurde zwar landesweit erstmals seit 2011 drittstärkste Kraft, gewann aber keinen Wahlkreis, wurde in keinem Landkreis und in keiner Gemeinde stärkste Kraft. Ihr bester Wahlkreis war mit 14 Prozent Wernigerode, ihr schwächster Staßfurt mit 6,5 Prozent. Auf Gemeindeebene holte sie in den Städten Wernigerode und Ilsenburg (Harz) jeweils 16,5 Prozent - in Hederlsleben aber nur 2,9 Prozent. Und auf Landkreisebene schnitt sie im Burgenlandkreis mit sieben Prozent am schwächsten ab, in Halle und Magdeburg am besten. Das BSW schaffte es erstmals knapp in den sachsen-anhaltischen Landtag - auch dank Ergebnissen wie im Wahlkreis Aschersleben mit 7,4 Prozent, in Dessau-Roßlau (6,4 Prozent) oder der Gemeinde Loitsche-Heinrichsberg (8,5 Prozent). Schwach blieb die Wagenknecht-Partei aber in den bereits erwähnten Gemeinde Schnaudertal (2,4 Prozent), in Hedersleben (2,3 Prozent), dem Landkreis Wittenberg (4,5 Prozent) und beispielsweise dem Wahlkreis Halle III (3,8 Prozent). In diesem Wahlkreis mit dem wohl außergewöhnlichsten Ergebnis gab es auch bei der Wahlbeteiligung einen Rekordwert: 85,1 Prozent - deutlich mehr als der ohnehin sehr hohe Wert auf Landesebene. Übertroffen wurde das aber beispielsweise auf Gemeindeebene von Eichstedt (Altmark) mit 88,1 Prozent, Schönburg (86.9 Prozent) und Barleben (86,2 Prozent).

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7. September
Die Zeit (Politik)

AfD-Sieg in Sachsen-Anhalt: Die Stille nach dem Schock

Sachsen-Anhalt hat gewählt, und es kam wie befürchtet: Die AfD hat zwar die absolute Mehrheit verfehlt – aber nur knapp und ist mit 43,8 Prozent der Stimmen mit großem Abstand stärkste Kraft geworden. Die CDU hingegen, die 24 Jahre die Regierung gestellt hat, hat hoffnungslos verloren und sich im Vergleich zu vor vier Jahren halbiert. In einer Sonderfolge von Das Politikteil sprechen die beiden Hosts Ileana Grabitz und Heinrich Wefing mit Martin Machowecz über den Ausgang der Wahl und was er für das Land und für die Demokratie bedeutet. Machowecz ist stellvertretender Chefredakteur der ZEIT, war jahrelang Leiter des Leipziger Büros – und am Wahlwochenende selbst unterwegs in Magdeburg. Er habe »selten eine so große Stadt so still erlebt«, berichtet er über den Wahlabend. Im Podcast spricht er über die Szenarien für eine Regierungsbildung, die Folgen für das Land und den Kanzler sowie über die Lehren, die Politik und Gesellschaft aus dem historischen Wahlsieg der Populisten ziehen müssten. »Wenn man jetzt sagt, es ist ja nur Sachsen-Anhalt, dann vermeidet man, wieder nachzudenken, was man ändern könnte.« Im Podcast Das Politikteil sprechen wir jede Woche über das, was die Politik beschäftigt, erklären die Hintergründe, diskutieren die Zusammenhänge. In der Regel immer freitags mit zwei Moderatoren, einem Gast – und einem Geräusch. Im Wechsel sind als Gastgeber Tina Hildebrandt und Heinrich Wefing oder Ileana Grabitz und Peter Dausend zu hören.

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7. September
ZDF heute

Was der AfD-Erfolg für die nächsten Wahlen bedeutet

Experte zur Wahl in Sachsen-Anhalt:Was der AfD-Erfolg für die nächsten Wahlen bedeutet Wie geht es weiter in Sachsen-Anhalt? Politologe Marcel Lewandowsky beantwortet bei ZDFheute live die drängendsten Fragen nach dem haushohen Sieg der AfD bei der Landtagswahl. Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt ist vorbei. Während die einen sich noch im Siegestaumel befinden, lecken die anderen ihre Wunden. Doch wie geht es jetzt weiter? Die AfD hat die absolute Mehrheit verpasst. Das BSW hat die Fünf-Prozent-Hürde genommen; eine Regierung mit CDU, SPD, Linke und Grünen erscheint aber unwahrscheinlich. Mögliche Szenarien, ob CDU-Mann Sven Schulze der falsche Kandidat war, und welche Signalwirkung dieses Ergebnis für die nächsten Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin haben könnte, erklärt Politikwissenschaftler Marcel Lewandowsky von der Universität Halle-Wittenberg bei ZDFheute live. Sehen Sie das ganze Interview oben im Video oder lesen Sie es hier in Auszügen: Das sagt Marcel Lewandowsky ... ... zu Ulrich Siegmunds Aussage, er schließe Neuwahlen aus Neuwahlen könne es geben, wenn die Wahl zum Ministerpräsidenten nach dem zweiten Wahlgang gescheitert sei, meint Lewandowsky. Dann könne sich der Landtag auflösen. AfD-Spitzenkandidat Siegmund sagte am Wahlabend gesagt, er gehe im Fall von Neuwahlen in Sachsen-Anhalt von mehr als 50 Prozent der Stimmen aus. Ob die AfD dann 50 Prozent plus X bekäme, sei aber nicht unbedingt gesagt, schätzt Experte Lewandwosky die Aussage ein. Es ist aber auch wichtig jetzt für ihn, das so in den Raum zu stellen, um den Druck auf die anderen zu erhöhen, damit es zu diesen Neuwahlen eben nicht kommt. Marcel Lewandowsky, Politikwissenschaftler Es ist schlimmer gekommen, als die Union es wohl befürchtet hatte, sagt ZDF-Hauptstadtkorrespondentin Andrea Maurer. Viele gäben Kanzler Merz die Schuld am AfD-Erfolg. 07.09.2026 | 6:31 min... zur Frage, ob Sven Schulze der falsche CDU-Spitzenkandidat war "Das ist eine gemeine Frage, aber sie ist berechtigt und steht im Raum", sagt Politologe Lewandowsky. "Sven Schulze ist auf jeden Fall mit einem Hinkefuß angetreten." Er sei sehr spät Ministerpräsident geworden, erst Anfang des Jahres. Er habe diesen Amtsbonus, dieses Landesvater-Image, nicht gehabt. Man kann ihm nicht vorwerfen, dass er nicht versucht hätte, das aufzubauen. Er sei in allen Medien präsent gewesen und habe es zuletzt auch geschafft, sich in TV-Duellen stark gegen AfD-Kandidat Ulrich Sigmund zu positionieren. Aber es habe nicht gereicht, so Lewandowsky. Der Spitzenkandidat spielte bei dieser Wahl eine viel geringere Rolle. Das sieht man auch daran, dass in Umfragen bei der Direktwahl des Ministerpräsidenten Sven Schulze vor Ulrich Sigmund lag. Aber seiner Partei hat das bei der Wahl nicht genützt. Marcel Lewandowsky, Politikwissenschaftler ZDF-Reporterin Luisa Houben geht davon aus, dass das BSW seine Machtposition für sich nutzen wird, um mit der AfD, aber auch mit der CDU zu sprechen. 07.09.2026 | 6:48 min... zur Wahrscheinlichkeit, dass CDU-Politiker zur AfD überlaufen Dies sei ganz schwer in Wahrscheinlichkeiten zu berechnen, meint der Experte. Es habe schon vorher Konflikte innerhalb der Union in Sachsen-Anhalt gegeben. Es ist gerade sehr viel Dynamik in der Union. Und die wird, ich denke, dadurch befeuert, dass Sven Schulze eben auch ungefähr 20 Prozentpunkte verloren hat. Marcel Lewandowsky, Politikwissenschaftler Das könne man ihm als Person gar nicht unbedingt anlasten, sagt Lewandowsky. Aber das bedeute, er habe momentan in der Partei wahrscheinlich kein besonders gutes Standing, um diese Konflikte einzuebnen. ... zur Wirkung des Wahlsiegs einer gesichert rechtsextremistischen Partei in einem deutschen Bundesland Die anderen Parteien hätten seit vielen, vielen Jahren keine effektive Strategie im Umgang mit der AfD gefunden, meint der Experte. Alle Strategien, die sie ausprobiert hätten, hätten nicht zu einer Schwächung der Partei geführt. Der Reflex, jetzt auf die Themen der AfD zu setzen, also mehr in Richtung Migrationspolitik zu gehen, würden nicht funktionieren. Die AfD erreicht in Sachsen-Anhalt 43,8 Prozent, verpasst aber die absolute Mehrheit. Die CDU stürzt auf 17,2 Prozent ab. Die Bildung einer neuen Regierung dürfte schwierig werden. 07.09.2026 | 0:37 minVergleichende Studien aus anderen europäischen Ländern hätten gezeigt, dass das nicht der Weg sei, erläutert Lewandowsky. "Aber ich sehe momentan auch nicht, dass diese Strategie-Debatten in der Tiefe an den Spitzen der politischen Parteien geführt werden. Eher scheint es mir so, als würde man sich bis 2029 retten wollen. Aber das, so sieht es zumindest aus, wird das Momentum, das die AfD gerade hat, nicht stoppen." ... zur Signalwirkung für die nächsten Landtagswahlen und den Bund Die anderen Landtagswahlen fänden unter unterschiedlichen Bedingungen statt, sagt Lewandowsky. "Wir haben in Berlin viel stärkere Parteien links der Mitte, insbesondere die Linke selbst." Hier werde die AfD stark, aber sicherlich nicht so stark wie etwa in Sachsen-Anhalt sein. "Und dann haben wir in Mecklenburg-Vorpommern eine sehr populäre Ministerpräsidentin von der SPD, Manuela Schwesig." Die SPD sei zumindest in den letzten Umfragen wieder nah an die AfD herangerückt, sagt der Politologe. Insofern würde ich sagen, die AfD hat schon Momentum, aber wir werden das Ergebnis jetzt nicht eins zu eins auch in anderen Bundesländern sehen. Marcel Lewandowsky, Politikwissenschaftler Sachsen-Anhalt hat gewählt – doch trotz des Wahlsieges der AfD steht noch nicht fest, wer das Land regieren wird. Denn nun beginnt das Ringen um Mehrheiten und eine neue Regierung. 07.09.2026 | 1:58 minAuf der Bundesebene stünden die Parteien "unter wahnsinnigem Druck", vor allem die Regierungsparteien und Friedrich Merz. Der Kanzler und die Regierung seien ohnehin sehr unbeliebt, so der Politikwissenschaftler. Es kann hier aus meiner Sicht nicht zu vorgezogenen Neuwahlen kommen, etwa dadurch, dass Friedrich Merz die Vertrauensfrage stellt und verliert, weil das womöglich bedeuten würde, dass die AfD noch stärker daraus hervorgehen würde. Marcel Lewandowsky, Politikwissenschaftler "Dann müsste die CDU entweder mit der SPD und den Grünen eine Bundesregierung bilden - das wollen die Konservativen in der CDU nicht - oder aber die CDU müsste eine Minderheitsregierung mit der AfD bilden, mit der AfD als stärkerer Partei. Das will die CDU auch nicht." Alle Entwicklungen nach der Wahl in Sachsen-Anhalt, finden Sie in unserem Liveblog: Lassen Sie sich Beiträge von ZDFheute bevorzugt bei Google anzeigen. → Hier ZDFheute als bevorzugte Quelle einstellen. mehr zur Wahl in Sachsen-Anhalt - Herbe Niederlage für die CDU:Trotz historischem Wahlsieg: AfD offen für Neuwahlenvon Hassan Rascho und Andreas Postelmit Video4:55 - GrafikenLandtagswahl in Karten:Sachsen-Anhalt: Alle Ergebnisse aus den Wahlkreisenvon L. Billmayer, R. Meyer, M. Ries, M. Zajonzmit Video2:18 - GrafikenWählerwanderung in Sachsen-Anhalt:Woher kommen die Wähler der AfD? - GrafikenWahlverhalten in Sachsen-Anhalt:So haben Jung und Alt, Männer und Frauen gewählt

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7. September
Die Welt (Politik)

Nur in einem Wahlkreis ist die AfD chancenlos – Eine Zahl zeigt das CDU-Debakel am deutlichsten

Nur in einem Wahlkreis ist die AfD chancenlos – Eine Zahl zeigt das CDU-Debakel am deutlichsten Die AfD holt in allen Gemeinden die Mehrheit der Erst- und Zweitstimmen. Dennoch gelingt es der Linkspartei, drei Wahlkreise direkt zu erobern. Sie profitiert von Stimmen-Splitting und migrantischen Wählern. Klicken Sie hier, um sich Artikel von WELT in der Google-Suche bevorzugt anzeigen zu lassen. Die CDU hat ihr Ergebnis bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt nicht nur halbiert. Sie hat erstmals in der Geschichte des Bundeslandes auch alle Direktmandate verloren. Vor fünf Jahren gewann die CDU noch in 40 von 41 Wahlkreisen, dieses Mal sicherte sich die AfD 38 Direktmandate. Die Hochburgen der AfD liegen im Süden, wo die Partei sich bei der Landtagswahl 2016 bereits einige Wahlkreise sichern konnte. Dieses Mal knackten elf AfD-Kandidaten sogar die absolute Mehrheit und erhielten mehr als 50 Prozent der Erststimmen, darunter auch AfD-Stratege Hans-Thomas Tillschneider (54,6 Prozent) in Querfurt. Spitzenkandidat Ulrich Siegmund sicherte sich mit rund 49,0 Prozent sein Direktmandat in Genthin. Am größten ist die Zustimmung für AfD-Kandidat Reiner Kretschmann in Eisleben mit 55,6 Prozent. Er lässt den CDU‑Kandidaten René Barthel mit 21,4 Prozent deutlich hinter sich. Der Abstand beträgt mehr als 34 Prozentpunkte – so viel wie in keinem anderen Wahlkreis. Knapp wurde es für die AfD nur in den Großstädten Magdeburg und Halle (Saale). Im Wahlkreis Magdeburg III fehlten CDU-Ministerpräsident Sven Schulze (31,7 Prozent) nur 1165 Stimmen zum Wahlsieg. Der ging an AfD-Mann Christian Mertens (35,2 Prozent), Schulze zieht über die Landesliste in das Parlament ein. Es ist der knappste AfD-Sieg im Land. Linke gewinnt drei Wahlkreise in Magdeburg und Halle Dass die AfD drei Direktmandate verpasste, liegt daran, dass die beiden Großstädte Magdeburg und Halle jeweils in vier Wahlkreise eingeteilt waren. Drei davon gingen an die Linke, doch wirklich chancenlos war die AfD nur in einem Wahlkreis: In Halle III schlug Linken-Kandidat Jannik-Loris Balint den AfD-Kandidaten deutlich (39,9 zu 17,8 Prozent). Mit leichtem Vorsprung gewannen auch in Halle II Gitta Susann Hartenstein-Wiermann (29,6 gegen 24,9) und in Magdeburg II Mustafa Groener (29,4 zu 23,4) gegen die AfD. Balints Wahlkreis in Halle umfasst unter anderem die Altstadt und das Paulusviertel – einen bei Studenten und Akademikern beliebten Gründerzeitbezirk. Die Wähler im linken Lager setzten auf ein Stimmen-Splitting: Während Balint fast 40 Prozent holte, kam die Linke bei den Zweitstimmen nur auf 13,8 Prozent. Stärkste Partei in Halle III wurden bei den Zweitstimmen die Grünen mit 33,7 Prozent. Das Stimmen-Splitting zeigt sich auch in Halle II und Magdeburg II, wo die Linke zwar die Direktmandate, aber nur 12,2 und 12,6 Prozent der Zweitstimmen holte und sich der AfD geschlagen geben musste. Wie schon bei der Bundestagswahl setzte die Linke einerseits stark auf das Thema Mieten und bot im Haustürwahlkampf in den beiden Großstädten des Bundeslandes Beratungen an. Zudem mobilisierten die drei Gewinner der Direktmandate ihre Anhänger auch durch die Teilnahme an Anti-AfD-Demonstrationen. Und insbesondere der 27-jährige Groener, Sohn eines Ostdeutschen und einer Marokkanerin, machte Wahlkampf in migrantischen Milieus. Groener, Schichtarbeiter bei Bosch, bezeichnet sich als demokratischer Sozialist und kokettierte auf Instagram damit, eine Art Zoran Mamdani, der New Yorker Bürgermeister, nur mit ostdeutschem Dialekt zu sein. Er warb auch auf Arabisch um Stimmen, vertrat propalästinensische und antiisraelische Positionen und setzte im Wahlkampf wie auch Balint auf Unterstützung durch den Neuköllner Linken-Bundestagsabgeordneten Ferat Kocak. AfD holt in allen Gemeinden die Mehrheit Trotz der vereinzelten Linken-Erfolge ist die AfD die klare Gewinnerin der Landtagswahl. Das zeigt auch der Blick auf die Ergebnisse auf Gemeindeebene. Vor fünf Jahren holte die CDU noch in den meisten Gemeinden die Mehrheit der Erst- und der Zweitstimmen, mit einigen Ausnahmen zugunsten der AfD, der SPD (im Harz) und der Freien Wähler (in der Altmark). Am Sonntag sicherte sich die AfD sowohl bei den Erst- als auch bei den Zweitstimmen in allen Gemeinden des Landes die relative Mehrheit – oft aber auch die absolute Mehrheit aller Stimmen. Den höchsten Sieg holte die AfD in Schnaudertal im Burgenlandkreis mit 70,6 Prozent der Erst- und 64,7 Prozent der Zweitstimmen, das schlechteste Ergebnis in Halle (Saale) mit 30,1 Prozent der Erst- und 29,9 Prozent der Zweitstimmen. Damit liegt das schlechteste Zweitstimmenergebnis der AfD noch immer über dem besten Zweitstimmenergebnis der CDU mit 23,3 Prozent in Steigra im Saalekreis. Doch wohl kaum eine Zahl illustriert den Machtverlust der CDU deutlicher als das Erststimmenergebnis auf Gemeindeebene: In nur noch 17 von 218 Gemeinden kommt die Partei auf mehr als 30 Prozent. Für eine Regierungspartei ist das zu wenig.

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7. September
Wirtschaftswoche

Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt: Die AfD gewinnt in der Mitte der Gesellschaft

Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt: Die AfD gewinnt in der Mitte der Gesellschaft Die rechtsextreme Alternative für Deutschland (AfD) mit ihrem Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund hat die Wahl in Sachsen-Anhalt in der Mitte der Gesellschaft gewonnen. Viele Menschen erwarten bei der Partei bei Wirtschaft, Schule und sozialen Themen mehr Kompetenz als bei den früheren Volksparteien CDU und SPD. Das zeigen Daten der Wahlforschungsinstitute. Mit 43,8 Prozent erreichte die AfD das höchste Ergebnis einer Partei bei einer Landtagswahl in dem Bundesland. Es ist auch ein etwas höherer Stimmenanteil als etwa die SPD im Saarland mit Anke Rehlinger erreichte, die dort allerdings mit 43,5 Prozent seit 2022 allein regieren kann. Die AfD wird am stärksten von Männern mittleren Alters gewählt, die oft einen einfachen oder mittleren Schulabschluss haben. Vor allem Arbeiter wählen sie, aber auch Selbstständige wie Handwerker. Männer mittleren Alters wählen am häufigsten AfD Nach Zahlen der Forschungsgruppe Wahlen, die Wählerinnen und Wähler repräsentativ befragte, ist die AfD von 49 Prozent der Männer und 39 Prozent der Frauen gewählt worden. Bei allen unter 60-Jährigen schaffte sie 49 Prozent, in der Generation 60plus dagegen mit 36 Prozent weniger. Am stärksten schnitt die Partei bei den 44- bis 59-jährigen Männern mit 56 Prozent ab sowie bei den unter 35-Jährigen mit geringeren Bildungsabschlüssen, von denen sie zu knapp zwei Dritteln gewählt wurde. Menschen in Sachsen-Anhalt mit Abitur oder Hochschulabschluss wählten die Partei nur zu 37 bzw. 23 Prozent. Die AfD erreichte bei Beamten mit 29 Prozent ein unterdurchschnittliches Ergebnis. Die wirtschaftliche Lage sahen die Mehrzahl der Wählenden als zentrales Thema der Wahl an. In Wirtschaftsfragen trauen viele Menschen in Sachsen-Anhalt der CDU inzwischen weniger zu als der Wahlgewinnerin. 37 Prozent aller Befragten der Forschungsgruppe Wahlen schreiben der AfD Wirtschaftskompetenz zu, aber nur 27 Prozent der bisher regierenden CDU unter Ministerpräsident Sven Schulze. Wähler trauen der AfD am meisten zu Überraschend viel Kompetenz trauen sie der AfD außerdem bei einem zentralen landespolitischen Thema zu – bei Schule und Bildung. Hier liegt die AfD mit 29 Prozent ebenfalls deutlich vor der CDU mit 17 Prozent. Wurden sie nach der Partei gefragt, die soziale Gerechtigkeit am ehesten verfolgen kann, kann auch die SPD nicht punkten. Hier liegt die AfD mit 24 Prozent vorn, dahinter mit 18 Prozent nur die Sozialdemokraten bei ihrem traditionellen Thema. Mit 13 Prozent folgt die CDU. Dass Wählerinnen und Wähler gewisse Widersprüche in sich tragen, zeigt sich an einem anderen Ergebnis der Befragungen. So wird die tiefe Unzufriedenheit mit der Bundespolitik für das starke Abschneiden der AfD genannt, die das Ergebnis womöglich stärker beeinflusst hat als tatsächliche Leistungsnachweise der AfD in wichtigen Politikbereichen. Die Befragten antworteten auf die Frage, ob die Alternative für Deutschland so stark abschneiden würde, wenn die Bundeskoalition in Berlin besser regieren würde. Schätzungsweise 90 Prozent aller Wählerinnen und Wähler, auch die der AfD, sagen: Wenn im Bund besser regiert würde, wäre die Partei in Magdeburg nicht so stark. Lesen Sie auch: Warum die AfD gewonnen hat

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7. September
Die Zeit (Politik)

Sachsen-Anhalt: BSW will sich im dritten Wahlgang enthalten

- Die AfD hat die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt gewonnen. Die Partei gilt in dem Bundesland als gesichert rechtsextrem. - Lesen Sie hier alle Wahlergebnisse im Detail. - AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund zeigt sich offen für eine Koalitionsregierung. - Für diesen Liveblog nutzen wir unter anderem Material der Nachrichtenagenturen dpa, Reuters, AP, AFP, KNA und epd. Alara Yilmaz Kirchen zeigen sich besorgt um »sozialen Frieden« Das Ergebnis der Landtagswahl erfüllt die Kirchen nach eigenen Angaben mit »großer Sorge«. »Diese Landtagswahl hat die politischen Verhältnisse in Sachsen-Anhalt tiefgreifend verändert. Das Land ist gespalten. Unsere Sorge gilt dem sozialen Frieden und dem Miteinander der Menschen in unserem Bundesland«, teilten die Bischöfe der evangelischen und der katholischen Kirche, Friedrich Kramer und Gerhard Feige, sowie der Kirchenpräsident der Evangelischen Landeskirche, Karsten Georg Wolkenhauer, mit. Den Geistlichen zufolge zeigt das Wahlergebnis eine große Unzufriedenheit in weiten Teilen der Bevölkerung. Die Sorge gelte auch den von der AfD angekündigten Folgen, die das Wahlergebnis für Kultur und Bildung, Gemeinwesen und Ehrenamt, sowie Diakonie und Kirchen haben werde. »Wir Kirchen stehen auch nach der Wahl fest an der Seite jener, die mit wachsamem Blick auf die Politik der AfD schauen«, sagte Bischof Kramer. Sein katholischer Amtskollege Feige appellierte an die AfD, die Verfassung von Sachsen-Anhalt und das Grundgesetz uneingeschränkt zu achten und die Würde aller Menschen zu wahren. »Wer Regierungsverantwortung übernehmen möchte, übernimmt die Verantwortung für alle Menschen in unserem Land.« Den Geistlichen zufolge zeigt das Wahlergebnis eine große Unzufriedenheit in weiten Teilen der Bevölkerung. Die Sorge gelte auch den von der AfD angekündigten Folgen, die das Wahlergebnis für Kultur und Bildung, Gemeinwesen und Ehrenamt, sowie Diakonie und Kirchen haben werde. »Wir Kirchen stehen auch nach der Wahl fest an der Seite jener, die mit wachsamem Blick auf die Politik der AfD schauen«, sagte Bischof Kramer. Sein katholischer Amtskollege Feige appellierte an die AfD, die Verfassung von Sachsen-Anhalt und das Grundgesetz uneingeschränkt zu achten und die Würde aller Menschen zu wahren. »Wer Regierungsverantwortung übernehmen möchte, übernimmt die Verantwortung für alle Menschen in unserem Land.« Katharina Benninghoff Aktionsbündnis will den Landtag am Tag der Ministerpräsidentenwahl umstellen Noch steht der Tag der Ministerpräsidentenwahl nicht fest. Das Aktivisten des Bündnisses Widersetzen rufen jedoch bereits jetzt zu Protest auf. Tausende Menschen sollen mobilisiert werden, hieß es. »Das ist unsere Warnung: Eine demokratische Partei, die Faschisten an die Macht hilft, ist keine demokratische Partei mehr. Dann werden auch ihre Büros und Parteitage zu einem legitimen Ziel«, erklärte Elvan Akdeniz vom Aktionsbündnis. „Dann werden auch ihre Büros und Parteitage zu einem legitimen Ziel.“Elvan Akdeniz vom Aktionsbündnis Widersetzen »Wir können CDU und BSW nicht vertrauen, dass sie nicht doch einen AfD-Ministerpräsidenten ins Amt wählen und damit historische Schuld auf sich laden«, so Akdeniz. Geplant sei, den Landtag am Tag der Ministerpräsidentenwahl zu umstellen.  Eigenen Angaben nach ist Widersetzen ein bundesweites Bündnis mit lokalen Gruppen in über 80 Städten. Mathis Gann SPD-Parlamentsgeschäftsführer sieht Verantwortung für Wahlergebnis auch bei Kanzler Merz Dirk Wiese, Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD, hat nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt deutliche Kritik an Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) geäußert. Mit seiner Rhetorik habe der Kanzler den Eindruck erweckt, er halte Menschen, die arbeiten, für »faul«, sagte Wiese im ARD-Morgenmagazin. Das trage »zu einer großen Verunsicherung bei«. Das Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt bezeichnete Wiese als »bedrückend«. Handlungsbedarf sieht der SPD-Politiker insbesondere bei den von der Bundesregierung angestoßenen Sozialreformen. Fragen wie die Rente oder Pflege beschäftigten die Menschen sehr, sagte Wiese. »Das müssen wir aufgreifen und als Bundesregierung Antworten finden, die den Alltag der Menschen adressieren.« Bei der Rente müssten Menschen, die Schwerstarbeit geleistet haben, besonders unterstützt werden; bei der Pflege die Menschen, die Angehörige zu Hause versorgen. Handlungsbedarf sieht der SPD-Politiker insbesondere bei den von der Bundesregierung angestoßenen Sozialreformen. Fragen wie die Rente oder Pflege beschäftigten die Menschen sehr, sagte Wiese. »Das müssen wir aufgreifen und als Bundesregierung Antworten finden, die den Alltag der Menschen adressieren.« Bei der Rente müssten Menschen, die Schwerstarbeit geleistet haben, besonders unterstützt werden; bei der Pflege die Menschen, die Angehörige zu Hause versorgen. Alara Yilmaz Bildungswerke sorgen sich um Menschen mit Behinderung Die Bildungswerke zur beruflichen Unterstützung von Menschen mit Beeinträchtigungen bangen nach dem AfD-Sieg in Sachsen-Anhalt um deren Zukunft. Das Wahlergebnis sei »ein Warnsignal für Menschen mit Behinderungen und für alle, die sich für eine inklusive Gesellschaft stark machen«, sagte der Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft der Berufsbildungswerke, Tobias Schmidt. Die AfD habe »klar den Abbau von Teilhabe von Menschen mit Behinderungen« angekündigt. Die Berufsbildungswerke bilden an bundesweit 51 Standorten junge Menschen mit Behinderungen aus. In Sachsen-Anhalt gibt es zwei Berufsbildungswerke, in denen nach Angaben der Bundesarbeitsgemeinschaft derzeit knapp 400 junge Menschen ausgebildet werden. »Wir warnen klar davor, unsere Teilnehmenden aufgrund ihrer Herkunft oder Beeinträchtigung zu diskriminieren«, sagte Schmidt weiter. »Sie sind die Arbeitskräfte der Zukunft, ob in Sachsen-Anhalt oder anderswo.« Jahrzehntelang aufgebaute Strukturen dürften nicht zerstört werden. Inklusion sei ein Menschenrecht, sagte Schmidt. Die Berufsbildungswerke bilden an bundesweit 51 Standorten junge Menschen mit Behinderungen aus. In Sachsen-Anhalt gibt es zwei Berufsbildungswerke, in denen nach Angaben der Bundesarbeitsgemeinschaft derzeit knapp 400 junge Menschen ausgebildet werden. »Wir warnen klar davor, unsere Teilnehmenden aufgrund ihrer Herkunft oder Beeinträchtigung zu diskriminieren«, sagte Schmidt weiter. »Sie sind die Arbeitskräfte der Zukunft, ob in Sachsen-Anhalt oder anderswo.« Jahrzehntelang aufgebaute Strukturen dürften nicht zerstört werden. Inklusion sei ein Menschenrecht, sagte Schmidt. Alara Yilmaz Spanische und portugiesische Rechtspopulisten gratulieren AfD Die Vorsitzenden der rechtspopulistischen Parteien in Spanien und Portugal haben die AfD zum Wahlerfolg beglückwünscht. »Herzlichen Glückwunsch, Alice Weidel und Ulrich Siegmund, für dieses spektakuläre Ergebnis, das eine große Hoffnung für Deutschland und Europa darstellt«, schrieb der Vorsitzende der spanischen Partei Vox, Santiago Abascal, auf X.  Sein portugiesischer Kollege von der Partei Chega, André Ventura, schrieb von einem »historischen Sieg« der AfD. »Auch die Deutschen öffnen zunehmend die Augen gegenüber illegaler und unkontrollierter Einwanderung, Korruption und der Vereinnahmung unserer Freiheit und Identität.« Beide Politiker stellten ihrem Post jeweils ein Foto von sich mit AfD-Chefin Weidel zur Seite.  Alara Yilmaz SPD-Vize Schweitzer will über den Reformkurs der Bundesregierung sprechen Der stellvertretende SPD-Vorsitzende Alexander Schweitzer hat sich dafür ausgesprochen, den Reformkurs der Bundesregierung zu überdenken. »Es ist doch völlig klar, dass über diese Reform diskutiert werden muss«, sagte Schweitzer mit Blick auf die geplanten Rentenreformen. Die Vorschläge der Rentenkommission müssten noch einmal auf den Tisch.  Das habe nicht nur etwas mit der Wahl in Sachsen-Anhalt zu tun, sagte Schweitzer. Die Bundesregierung habe »keinen geringen Anteil« am Ausgang der Wahl. Auf die Frage, ob Lars Klingbeil und Bärbel Bas noch die richtigen SPD-Vorsitzenden seien, antwortete Schweitzer: »Das sind sie.« Alara Yilmaz Markus Söder sieht Wahlauftrag bei der AfD Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hat den Wahlsieg der AfD als historischen Einschnitt bezeichnet. »Das ist eine echte Zäsur und ein Stück weit auch ein Epochenbruch«, sagte der CSU-Chef. Er warnte seine Schwesterpartei CDU davor, jetzt selbst mit »Kleinstmehrheiten« regieren und den Ministerpräsidenten stellen zu wollen. »Ich glaube nicht, dass es ein erfolgversprechender Ansatz wäre«, sagte er dem Radiosender Bayern 2. Das Wahlergebnis umzuinterpretieren, sei eine »schwierige Sache«. »Der Auftrag liegt eindeutig bei der AfD«, sagte Söder. »Das ist jetzt Demokratie, deshalb gilt es, das zunächst einmal anzuerkennen.« Alara Yilmaz Warken stellt sich gegen Personaldebatte über Merz Kanzleramtsministerin Nina Warken hat unmittelbar vor den Beratungen der CDU-Spitze eine Absetzung von Bundeskanzler Friedrich Merz ausgeschlossen. »Es wäre jetzt, glaube ich, das Falscheste, wenn wir Personalfragen stellen würden« sagte Warken im ARD-Morgenmagazin. Merz führe eine Bundesregierung, die notwendige Reformen anstoße und umsetze. Eine Koalition der CDU in Sachsen-Anhalt mit der AfD schloss Warken aus. Merz führe eine Bundesregierung, die notwendige Reformen anstoße und umsetze. Eine Koalition der CDU in Sachsen-Anhalt mit der AfD schloss Warken aus. Lino Wimmer Die CDU steht vor einer Grundsatzentscheidung, nicht nur über die Brandmauer Das Wahlergebnis der Christdemokraten wurde gegenüber der letzten Wahl halbiert, und das in ihrem ehemaligen Stammland Sachsen-Anhalt. Nun steht alles zur Debatte: Friedrich Merz als Bundeskanzler. Die Brandmauer zur AfD. Wie geht es nach dem Wahl-Debakel weiter für die Union? ZEIT-Autor Georg Löwisch schreibt in seinem Essay, die Christdemokraten müssten zu ihren Wurzeln als "volksskeptische Volkspartei" zurückkehren. ZEIT-Autor Georg Löwisch schreibt in seinem Essay, die Christdemokraten müssten zu ihren Wurzeln als "volksskeptische Volkspartei" zurückkehren. Lesen Sie hier, wo die CDU für unseren Autor falsch abgebogen ist: Alara Yilmaz Chrupalla will Gesprächsangebote an alle Parteien machen AfD-Bundeschef Tino Chrupalla hat den Anspruch seiner Partei bekräftigt, eine Regierung in Sachsen-Anhalt bilden zu wollen. »Das Wählervotum ist klar. Wir haben einen ganz klaren Regierungsauftrag«, sagte Chrupalla im ARD-Morgenmagazin. »Wir werden Gesprächsangebote an alle Parteien senden. Da wird man sehen, wer uns die Hand wegschlägt.« Auf die Frage, ob die AfD angesichts der schwierigen Mehrheitsverhältnisse auch Neuwahlen in Erwägung ziehe, sagte Chrupalla, seine Partei sei »auf alle Szenarien vorbereitet«. »Wir werden Gesprächsangebote an alle Parteien senden. Da wird man sehen, wer uns die Hand wegschlägt.« Auf die Frage, ob die AfD angesichts der schwierigen Mehrheitsverhältnisse auch Neuwahlen in Erwägung ziehe, sagte Chrupalla, seine Partei sei »auf alle Szenarien vorbereitet«. Tino Chrupalla, AfD-Bundes- und Fraktionsvorsitzender, spricht im Sat.1:newstime-Sommerinterview. Kay Nietfeld/dpa Alara Yilmaz BSW will sich laut Thomas Schulze im dritten Wahlgang enthalten Der BSW-Spitzenkandidat in Sachsen-Anhalt, Thomas Schulze, hat angekündigt, dass sich die neue Landtagsfraktion seiner Partei bei einem dritten Wahlgang bei der Wahl eines Ministerpräsidenten enthalten würde. »Wir werden uns an einer Brandmauer-Koalition nicht beteiligen«, sagte Schulze im Deutschlandfunk. Im dritten Wahlgang reicht im Magdeburger Landtag eine einfache Mehrheit für die Wahl eines neuen Ministerpräsidenten. So könnte etwa die AfD ihren Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund durchbringen. Man müsse aber warten, ob Siegmund sich überhaupt der Wahl zum Ministerpräsidenten stellen werde, sagte Schulze. Er erwarte, dass die AfD als Wahlsiegerin auf die anderen Parteien zugehe. Zugleich sagte Schulze, das BSW wolle einen überparteilichen Kandidaten für das Amt des Ministerpräsidenten vorschlagen. Man werde dafür »zeitnah« eine Person aus Sachsen-Anhalt nennen, sagt er. Im dritten Wahlgang reicht im Magdeburger Landtag eine einfache Mehrheit für die Wahl eines neuen Ministerpräsidenten. So könnte etwa die AfD ihren Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund durchbringen. Man müsse aber warten, ob Siegmund sich überhaupt der Wahl zum Ministerpräsidenten stellen werde, sagte Schulze. Er erwarte, dass die AfD als Wahlsiegerin auf die anderen Parteien zugehe. Zugleich sagte Schulze, das BSW wolle einen überparteilichen Kandidaten für das Amt des Ministerpräsidenten vorschlagen. Man werde dafür »zeitnah« eine Person aus Sachsen-Anhalt nennen, sagt er. Der Spitzenkandidat des BSW, Thomas Schulze, freut sich über das Abschneiden seiner Partei in der Nachwahlumfrage. Jens Schlueter/Getty Images Mathis Gann Wie geht es nun weiter? Eine historische Wahlnacht in Sachsen-Anhalt ist zu Ende. Die AfD hat ihr Wahlergebnis mehr als verdoppelt, die CDU ihres mehr als halbiert. Da es für eine AfD-Alleinregierung jedoch nicht reicht und alle Koalitionen unrealistisch scheinen, sind viele Fragen offen. Welche Mehrheiten benötigt der neue Ministerpräsident in welchen Wahlgängen? Wo könnten AfD und BSW kooperieren? Und wann muss der neue Landtag spätestens zusammentreten? Hier finden Sie die wichtigsten Fragen und Antworten nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: Welche Mehrheiten benötigt der neue Ministerpräsident in welchen Wahlgängen? Wo könnten AfD und BSW kooperieren? Und wann muss der neue Landtag spätestens zusammentreten? Hier finden Sie die wichtigsten Fragen und Antworten nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: Alara Yilmaz Amthor spricht von »Stunde der Wahrheit« für die AfD Der Staatsminister im Kanzleramt, Philipp Amthor, sieht die AfD in der Verantwortung, eine Regierung im neuen Landtag in Magdeburg zu bilden. »Das ist die Stunde der Wahrheit für die AfD«, sagt der CDU-Politiker im Deutschlandfunk. »Jetzt wird man sehen müssen, ob diese Partei in der Lage ist, eine Regierung zu bilden.« Er betonte, dass die CDU nicht mit der AfD zusammenarbeiten werde. Ziel sei es, dass die AfD nicht in Verantwortung komme. Doch jetzt müsse eine Partei, die mehr als 40 Prozent erhalten hat, sagen, was sie mit Sachsen-Anhalt vorhabe. Mit Blick auf die Bundesregierung und SPD-Forderungen nach einer Korrektur am Reformkurs sagt Amthor: »Jetzt die Reformen infrage zu stellen, wäre die völlig falsche Antwort auf das Wahlergebnis.« Er betonte, dass die CDU nicht mit der AfD zusammenarbeiten werde. Ziel sei es, dass die AfD nicht in Verantwortung komme. Doch jetzt müsse eine Partei, die mehr als 40 Prozent erhalten hat, sagen, was sie mit Sachsen-Anhalt vorhabe. Mit Blick auf die Bundesregierung und SPD-Forderungen nach einer Korrektur am Reformkurs sagt Amthor: »Jetzt die Reformen infrage zu stellen, wäre die völlig falsche Antwort auf das Wahlergebnis.« Philipp Amthor, seit Juli Staatsminister für Bund-Länder-Beziehungen, heute in Sachsen-Anhalt. . Axel Schmidt/Reuters Alara Yilmaz Ex-Bundestagspräsident Wolfgang Thierse »fassungslos« über Wahlausgang Der frühere Bundestagspräsident Wolfgang Thierse hat sich betroffen über den Sieg der AfD bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt gezeigt. Es sei irrsinnig, »dass Wähler voller Wut eine Partei wählen, die ihrer eigenen Zukunft schadet«, sagte der ehemalige SPD-Politiker dem kirchlichen Kölner Internetportal domradio.de. »Die AfD will den Euro abschaffen, sie will möglichst viele Ausländer aus dem Land hinauswerfen, sie will eine Putin-freundliche Politik betreiben«, sagte Thierse. All das sei schädlich für die Zukunft von Sachsen-Anhalt. Außerdem schade die Politik der AfD dem Ansehen der gesamten Bundesrepublik. »Die AfD will den Euro abschaffen, sie will möglichst viele Ausländer aus dem Land hinauswerfen, sie will eine Putin-freundliche Politik betreiben«, sagte Thierse. All das sei schädlich für die Zukunft von Sachsen-Anhalt. Außerdem schade die Politik der AfD dem Ansehen der gesamten Bundesrepublik. Der frühere Bundestagspräsident Wolfgang Thierse bei einer Zeremonie im Bundestag . John MacDougall/AFP/Getty Images Sybille Klormann Wie kann ein Land so blau werden? Einen solchen Erdrutschsieg einer Partei, deren Landesverband als rechtsextrem eingestuft wird, hat es seit dem Zweiten Weltkrieg nicht gegeben, analysieren Paul Blickle, Dana Hajek und Annick Ehmann für die ZEIT. Wer auf die erstplatzierten Parteien bei der Wahl in Sachsen-Anhalt schaut, sieht vor allem: Blau. Lesen Sie hier, in welchen Städten und bei welchen Bevölkerungsgruppen die AfD besonders gut abgeschnitten hat: Lesen Sie hier, in welchen Städten und bei welchen Bevölkerungsgruppen die AfD besonders gut abgeschnitten hat:

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7. September
Die Zeit (Politik)

Wahl in Sachsen-Anhalt: Wie geht es jetzt nach der Wahl weiter?

Eine historische Wahlnacht in Sachsen-Anhalt ist zu Ende. Die AfD hat ihr Wahlergebnis mehr als verdoppelt, die CDU ihres mehr als halbiert. Da es für eine AfD-Alleinregierung nicht reicht und alle Koalitionen unrealistisch scheinen, sind viele Fragen offen. Wie wird der Ministerpräsident in Sachsen-Anhalt gewählt? Der Ministerpräsident wird ohne Aussprache in geheimer Abstimmung gewählt. Es gibt keine Frist, bis wann dies passieren muss. Abgeordnete sowie Fraktionen können selbst entscheiden, wann sie Wahlanträge einreichen. Sobald mindestens ein Wahlantrag vorliegt, wird die Wahl für die nächste erreichbare Landtagssitzung auf die Tagesordnung gesetzt. Im ersten Wahlgang benötigt ein Kandidat oder eine Kandidatin die absolute Mehrheit, also die Mehrheit der Stimmen aller Mitglieder des Landtags. Klappt die Wahl beim ersten Versuch nicht, muss innerhalb von sieben Tagen ein weiterer Wahlgang stattfinden, auch hier ist die absolute Mehrheit vonnöten. Kommt auch dann die Wahl nicht zustande, beschließt der Landtag innerhalb von weiteren 14 Tagen, ob die Wahlperiode vorzeitig beendet wird. Wird dies nicht mit der Mehrheit der Mitglieder des Landtags beschlossen, findet unverzüglich der dritte Wahlgang statt: In diesem reicht eine einfache Mehrheit, also die Mehrheit der abgegebenen Stimmen. Könnte es eine CDU-geführte Landesregierung geben? Eine Koalition aus CDU, SPD und Grünen käme wohl nur auf 31 Sitze – und damit auf deutlich weniger als die nötige Mehrheit von 42 der 83 Sitze. Selbst unter Mitarbeit oder Duldung der Linken, die voraussichtlich acht Sitze bekommt, reicht es nicht für eine Mehrheit. Eine Regierungsbildung gegen die AfD ist demnach nur möglich, wenn alle anderen im Landtag vertretenen Parteien zusammenarbeiten: CDU, SPD, Grüne, Linke und BSW. Eine Kooperation zwischen diesen fünf Parteien ist jedoch kaum vorstellbar. Generell ist eine derartige Zusammenarbeit von fünf Parteien ungewöhnlich, kompliziert und instabil. Hinzu kommt, dass die CDU eine Koalition oder koalitionsähnliche Zusammenarbeit mit der Linken per Parteitagsbeschluss ausgeschlossen hat. Zu einer informellen Zusammenarbeit wäre die Linke zwar bereit, aber nur bei inhaltlichen Zugeständnissen. Das BSW wiederum ist mit dem Anspruch in den Wahlkampf gezogen, die CDU zu stürzen. Könnte es eine AfD-geführte Landesregierung geben? Nach ihrem deutlichen Sieg sehen viele den Regierungsauftrag bei der AfD. Deren Spitzenkandidat Ulrich Siegmund war jedoch mit dem Ziel angetreten, die AfD in Sachsen-Anhalt zu einer absoluten Mehrheit zu führen. Die hat die Partei verfehlt – und alle anderen schließen eine Koalition mit der AfD aus. Für eine Mehrheit fehlen der AfD aktuell drei Sitze. Um zu regieren, ist sie also entweder auf eine Koalition, eine Duldung oder auf Überläufer aus anderen Parteien angewiesen. Könnte es Überläufer aus der CDU zur AfD geben? Spekulationen über mögliche Übertritte aus der CDU zur AfD halten sich seit Monaten. Angefeuert werden sie jedoch primär von der AfD selbst. Namen oder Belege wurden bislang nicht genannt. Klar ist, dass auf Überläufern ein riesiger öffentlicher Druck lasten würde. Könnten AfD und BSW kooperieren? Aus Sicht der AfD und ihres Spitzenkandidaten ist das BSW nicht Teil der Lösung, sondern Teil des Problems. Das hat Siegmund wiederholt gesagt. Hintergrund sind Äußerungen der BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht. Sie hatte angedeutet, dass ihre Partei einem AfD-Ministerpräsidenten zur Macht verhelfen könnte – durch Enthaltung im entscheidenden dritten Wahlgang. Auch AfD-Bundeschef Tino Chrupalla brachte am Sonntagabend eine Minderheitsregierung ins Spiel, die sich etwa vom BSW dulden lässt und wechselnde Mehrheiten sucht. Doch Siegmund scheint eine solche Option bislang auszuschließen. »Im Notfall würde es Neuwahlen geben, dann haben wir halt 50 oder 55 Prozent«, sagte er am Abend. Eine feste Koalition mit der AfD hatte das BSW vor der Wahl ausgeschlossen. Zugleich kritisiert die Partei die sogenannte Brandmauer zur AfD. Eine Zusammenarbeit hält sie sich also offen, in welcher Form, ist unklar. Inhaltlich gibt es einige Berührungspunkte, etwa bei den Themen Migration oder bei Gasimporten aus Russland. In anderen zentralen Aspekten gehen die Ziele der Parteien jedoch auseinander. Die BSW-Co-Vorsitzende Amira Mohamed Ali wiederholte noch am Wahlabend, ihre Partei werde weder Sven Schulze noch Ulrich Siegmund zum Ministerpräsidenten wählen. Stattdessen fordert das BSW einen »überparteilichen Ministerpräsidenten«, der mit wechselnden Mehrheiten einschließlich der AfD regieren soll. Bisher unterstützt keine andere Partei diese Idee. Am Morgen nach der Wahl bekräftigte der BSW-Spitzenkandidat in Sachsen-Anhalt, Thomas Schulze, den Plan der Partei, sich in einem etwaigen dritten Wahlgang bei der Wahl des neuen Ministerpräsidenten zu enthalten. »Wir werden uns nicht an einer Brandmauer-Koalition beteiligen«, sagte Schulze im Deutschlandfunk. Allerdings müsse man abwarten, ob Siegmund sich überhaupt der Wahl zum Ministerpräsidenten stelle. Er erwarte, dass die AfD als Wahlsiegerin auf die anderen Parteien zugehe, sagte Schulze. Wie geht es nun weiter? Am heutigen Montag werten in Berlin die Vorstände der Parteien das Wahlergebnis aus. Die meisten Parteispitzen stellen sich auf Pressekonferenzen den Fragen der Medien. Am Abend tagt in Sachsen-Anhalt der CDU‑Landesvorstand. Dort könnte es auch um die Zukunft von Sven Schulze gehen. Aus den Reihen der Christdemokraten gibt es bereits erste Rücktrittsforderungen. Welche Regeln und Fristen gelten im Parlament in Magdeburg? Laut Landesverfassung muss der neue Landtag spätestens am 30. Tag nach der Wahl erstmals zusammentreten, also am 6. Oktober. Dann enden auch die Amtszeiten der Minister und des Regierungschefs. Allerdings sind sie verpflichtet, im Amt zu bleiben, bis die Nachfolger übernehmen. Die erste Sitzung wird vom Alterspräsidenten eröffnet, dem am längsten im Landtag vertretenen Abgeordneten. Er oder sie leitet die Sitzung, bis ein neuer Landtagspräsident gewählt ist. Dieser nimmt bei der Gestaltung der Abläufe eine entscheidende Rolle ein – etwa bei der Einberufung von Sitzungen. Laut Geschäftsordnung schlägt die stärkste Fraktion einen Abgeordneten für die Wahl zum Präsidenten vor. Die drei stärksten Fraktionen schlagen zudem jeweils einen Vizepräsidenten vor. Gewählt ist, wer die Mehrheit der abgegebenen gültigen Stimmen bekommt. Nach der in diesem Jahr verabschiedeten Parlamentsreform gilt das monopolisierte Vorschlagsrecht der stärksten Fraktion nur im ersten Wahlgang. Ab dem zweiten Wahlgang können alle Fraktionen Kandidaten aufstellen. Ergibt sich auch dann keine Mehrheit, folgen weitere Wahlgänge. - Stimmenverteilung: Vorläufiges Ergebnis77,8 % Wahlbeteiligung • Stand: 3.27 Uhr •Quelle: Statistisches Landesamt - Mögliche KoalitionenMehrheit mit 42 Sitzen- (Duldung)44 Sitze 39 Sitze - (Duldung)39 Sitze 31 Sitze - Wahlkreise41 / 41 ausgezählt

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7. September
Tagesschau

Landtagswahl: "Erst mal ist es ein Ergebnis für Sachsen-Anhalt"

Nach der Landtagswahl "Erst mal ist es ein Ergebnis für Sachsen-Anhalt" In Sachsen-Anhalt könnte erstmals ein AfD-Politiker Ministerpräsident werden. Politikwissenschaftlerin Petra Dobner bezeichnet die Wahl als historisch, warnt aber vor voreiligen Rückschlüssen auf die Bundespolitik. ARD-Hauptstadtstudio: Erstmals könnte die AfD in einem Bundesland den Ministerpräsidenten stellen - warum ausgerechnet in Sachsen-Anhalt? Petra Dobner: Ich glaube, dass die AfD mit wenig Fakten und viel Emotionen agiert. Und Sachsen-Anhalt ist ein Land mit einer hohen Volatilität bei den Wählenden und offensichtlich auch mit einer großen Bereitschaft, dieses Experiment jetzt mal anzugehen. Was dabei rauskommt, werden wir in den nächsten Wochen, Monaten und Jahren sehen. Wenn es überhaupt Jahre dauert. Es wird ja immer gesagt, es ist die wirtschaftliche Lage, und natürlich gibt es viele Probleme. Aber dass es viele Probleme gibt, ist noch keine Begründung dafür, warum man Rechtsextremen glaubt, die versprechen, aus dem Stand heraus alles anders zu machen. Und das hängt, glaube ich, mit einer großen Frustration zusammen, nicht nur über die Wirtschaft. Fast die Hälfte ist bereit, etwas zu glauben, was sich nicht realisieren wird. Ostdeutsche Interessen von AfD bedient worden ARD-Hauptstadtstudio: In den vergangenen Wochen wurde über die besondere Rolle diskutiert, die Ostdeutschland spielt. Geht es hier auch darum, sich von den Westdeutschen unverstanden zu fühlen? Dobner: Also zumindest sind die ostdeutschen Interessen ziemlich gut bedient und bewirtschaftet worden von der AfD - oder das, was man als ostdeutsche Interessen bezeichnet hat. Ob das jetzt die Simson ist, mit der man durch die Lande fährt, oder Chrupalla, der gerade im Fernsehen Merz vorwarf, die Ostdeutschen eben immer noch nicht verstanden zu haben. Offensichtlich hat es gezogen. ARD-Hauptstadtstudio: Aber sehen Sie da einen realen Hintergrund? Dobner: Meines Erachtens gab es in der gesamten Vorwendezeit, also in den Jahren seit dem Zweiten Weltkrieg bis zur Wiedervereinigung, genau diese Diskrepanz. Die Unterschiedlichkeit von Ost und West nicht nur seitens der Staaten, sondern auch der internationalen Gemeinschaft: als eiserner Vorhang, als ein Block. Es gab auch unterschiedliche Lebensrealitäten: Die einen konnten reisen, und die anderen konnten es nicht und so weiter. Es gab eine Über- und Unterordnung im politischen und auch im gesellschaftlichen Diskurs. Ich glaube, es war ein Fehler anzunehmen, dass das 1990 einfach so verschwinden würde und mit dem Tag der Wiedervereinigung passé sei. Dadurch haben sich Mentalitäten gebildet, die nach meiner Wahrnehmung im Osten neu erstarkten, auch gerade bei den Jungen - sozusagen ein neues ostdeutsches Gefühl. Soweit die Beobachtung, sinnvoll finde ich das nicht. Weil damit Traditionen wiederbelebt werden, die mit den Realitäten an vielen Stellen gar nichts mehr zu tun haben. BSW setzt sich von Bundespartei ab ARD-Hauptstadtstudio: Ein weiteres interessantes Ergebnis hat eine zweite Partei, das BSW erzielt - obwohl sich die Partei ja am Freitag in Thüringen noch zerlegt hat, als die Landtagsfraktion fast geschlossen ausgetreten ist, weil sie mit Sahra Wagenknecht nicht mehr zusammenarbeiten will. Überrascht Sie vor diesem Hintergrund das BSW-Ergebnis? Dobner: Nicht wirklich. Das BSW ist ja sehr heterogen. Sie haben Thüringen erwähnt, und man setzt sich da offensichtlich von der Bundespartei ab. Und auch die Bundespartei schwankt ja in ihren Positionen, aber bedient natürlich schon auch bestimmte Interessen, also die Suche nach Frieden, die Hoffnung auf Gas von Putin oder wem auch immer. Auch das fällt hier auf fruchtbaren Boden. Wahlergebnis gilt erstmal für Sachsen-Anhalt ARD-Hauptstadtstudio: Sie sind in Sachsen-Anhalt. War das eine Wahl für Sachsen-Anhalt von den Wählern in Sachsen-Anhalt? Sechs von zehn Wählern haben bei Infratest dimap gesagt, sie sei auch eine Denkzettelwahl für Berlin. Dobner: Das ist ja bei Landtagswahlen oft der Fall, dass man nicht nur für das Bundesland wählt, sondern gleichzeitig meint, man müsse auch dem Bund irgendwas auf den Weg mitgeben. Das wird nichts daran ändern, dass dieses Wahlergebnis jetzt erst mal für Sachsen-Anhalt zählt und dann auch in Sachsen-Anhalt bewältigt werden muss. Mit welchen Konsequenzen auch immer. Die Wählerinnen und Wähler mögen das so gemeint haben, und die AfD hat ja auch an vielen Stellen so getan, als könnte sie jetzt bundespolitisch irgendwas ändern. Wenn Sie sich das Wahlprogramm angucken, gibt es zahlreiche Stellen, wo die behaupteten Kompetenzen weit über das Land hinausgehen. Erst mal ist es ein Ergebnis für Sachsen-Anhalt. "Es wird einen hohen Druck geben" ARD-Hauptstadtstudio: Würden Sie an diese Wahl das Etikett historisch kleben? Dobner: Ja, historisch würde ich sagen, es ist ein dramatischer historischer Moment. Ein Bundesland hat sich mit fast der Hälfte seiner Wählerinnen und Wähler eine gesichert rechtsextreme Partei als Regierungspartei vorstellen können. Inwieweit es der AfD gelingen wird, das Land zu verändern, wird man sehen. Auf einer symbolischen Ebene - und so liest sich auch das 100-Tage-Programm - werden wir sicherlich einiges in den nächsten Wochen und Monaten sehen. Es wird einen hohen Druck geben auf die Schulen, auf die Kultur und so weiter. Aber es sind ja auch Versprechen gemacht worden, von denen man sagen könnte: Wenn ihr das schafft, dann wäre das gut. Also wenn es darum geht, die Infrastruktur zu verbessern oder ähnliches. Nur dazu fehlt das Geld. Bundesparteien sollten AfD-Kurs nicht folgen ARD-Hauptstadtstudio: Noch ein ganz kurzer Blick in Richtung Bundespolitik. Die AfD führt ja auch in bundesweiten Umfragen inzwischen vor der CDU bei der Sonntagsfrage an - was sollte jetzt passieren auf Bundesebene? Dobner: Das werden sich jetzt die Bundesparteien überlegen müssen. Wir werden es in den nächsten Tagen und Wochen sehen, auch, ob dann tatsächlich Köpfe rollen, wie schon gefordert wurde. Ich glaube, das ganz große Problem besteht darin, dass wir wirklich in vielen Krisen leben. Und dass diejenigen, die versprechen, uns ohne Kosten ganz fix aus diesen Krisen rauszuholen, schlichtweg die Tatsachen ignorieren, dass es eben sehr komplex ist. Und ich glaube, dass die Bundesparteien gut beraten wären, diesem Kurs nicht zu folgen und nicht diese Versprechungen zu machen. Wir können nicht einfach den Krieg in der Ukraine beenden, wir können nicht einfach Gas beziehen, wir können all diese Dinge nicht tun und wir können auch den Klimawandel nicht einfach stoppen, und deswegen glaube ich, mein grundsätzlicher Rat: Behaltet mal einen kühlen Kopf! ARD-Hauptstadtstudio: Köpfe rollen, da haben Sie auf Kanzler Merz abgehoben. Erwarten Sie, dass der zurücktreten muss? Dobner: Das wird vielleicht auch davon abhängen, wie die nächsten Wahlen ausgehen. Also vielleicht kann er Sachsen-Anhalt überstehen, aber wenn Mecklenburg-Vorpommern und Berlin ähnliche Ergebnisse zeigen, dann sehe ich wirklich schwarz für Merz. Das Gespräch führte Frank Aischmann, ARD-Hauptstadtstudio. Für die schriftliche Version wurde es gekürzt.

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7. September
Süddeutsche Zeitung (Politik)

Wahl in Sachsen-Anhalt: Vorläufige Ergebnisse: CDU gewinnt kein einziges Direktmandat – BSW zieht in Landtag ein

Für unseren Liveblog verwenden wir neben eigenen Recherchen Material der Nachrichtenagenturen dpa, Reuters, epd, KNA und Bloomberg. Alle Nachrichten, Analysen und Hintergründe zur Wahl in Sachsen-Anhalt finden Sie zudem auf unserer Themenseite. Wichtige Updates Vorläufige Ergebnisse: AfD verpasst absolute Mehrheit – BSW zieht in den Landtag ein Siegmund auch in seinem Wahlkreis erfolgreich Schulze auch im Kampf um Direktmandat geschlagen Wahlabend in Kürze: AfD verdoppelt ihr Ergebnis, die CDU bricht ein – bislang keine klare Regierungsmehrheit So nah war die AfD der Macht noch nie: die Wahlanalyse im Video CDU gewinnt kein einziges Direktmandat Die CDU hat bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt kein einziges Direktmandat gewonnen. In allen 41 Wahlkreisen mussten sich die Kandidaten der bisherigen Regierungspartei nach vorläufigen Zahlen der Landeswahlleitung geschlagen geben. In 38 Wahlkreisen setzten sich Kandidatinnen und Kandidaten der AfD durch, darunter auch Spitzenkandidat Ulrich Siegmund im Wahlkreis Genthin. Nur in den großen Städten Magdeburg und Halle gelang der AfD demnach kein Durchmarsch. In einem Magdeburger Wahlkreis und zwei Wahlkreisen in Halle gewannen zwei Bewerber und eine Bewerberin der Linken das Direktmandat. Bei der Landtagswahl 2021 hatte die CDU sich noch in 40 der 41 Wahlkreise das Direktmandat gesichert, ein Direktmandat ging damals an die AfD. Entscheidend für die Wahl des Direktkandidaten ist die Erststimme, aus dem Zweitstimmenergebnis ergibt sich die Sitzverteilung im Landtag. In einem Magdeburger Wahlkreis und zwei Wahlkreisen in Halle gewannen zwei Bewerber und eine Bewerberin der Linken das Direktmandat. Bei der Landtagswahl 2021 hatte die CDU sich noch in 40 der 41 Wahlkreise das Direktmandat gesichert, ein Direktmandat ging damals an die AfD. Entscheidend für die Wahl des Direktkandidaten ist die Erststimme, aus dem Zweitstimmenergebnis ergibt sich die Sitzverteilung im Landtag. So hat Sachsen-Anhalt gewählt – vorläufiges Ergebnis Nach Auszählung aller 2661 Wahlbezirke gab die Landeswahlleitung um 2.56 Uhr folgende vorläufige Ergebnisse der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt bekannt: AfD: 43,8 % CDU: 17,2 % Linke: 8,6 % SPD: 9,3 % Grüne: 8,9 % BSW: 5,3 % FDP: 2,6 % Andere: 4,4 % Die Wahlbeteiligung lag den Angaben zufolge bei 77,8 Prozent. Bei der vergangenen Wahl 2021 lag sie bei 60,3 Prozent. Kirchen besorgt über Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt Das Ergebnis der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt erfüllt die Kirchen mit „großer Sorge“. „Diese Landtagswahl hat die politischen Verhältnisse in Sachsen-Anhalt tiefgreifend verändert. Das Land ist gespalten. Unsere Sorge gilt dem sozialen Frieden und dem Miteinander der Menschen in unserem Bundesland“, teilten die Bischöfe der evangelischen und der katholischen Kirche, Friedrich Kramer und Gerhard Feige, sowie der Kirchenpräsident der Evangelischen Landeskirche, Karsten Georg Wolkenhauer, mit. Die Sorge gelte auch den von der AfD angekündigten Folgen, die das Wahlergebnis für Kultur und Bildung, Gemeinwesen und Ehrenamt, Diakonie, Caritas und Kirchen haben werde. „Wir Kirchen stehen auch nach der Wahl fest an der Seite jener, die mit wachsamem Blick auf die Politik der AfD schauen.“Friedrich Kramer, Landesbischof der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland Sein katholischer Amtskollege Feige appellierte an die AfD, die Verfassung von Sachsen-Anhalt und das Grundgesetz uneingeschränkt zu achten und die Würde aller Menschen zu wahren. „Wer Regierungsverantwortung übernehmen möchte, übernimmt die Verantwortung für alle Menschen in unserem Land.“ Kanzleramtschefin Warken gegen Personalfragen Kanzleramtschefin Nina Warken pocht auf eine stabile Bundesregierung nach den Wahlen in Sachsen-Anhalt. „Es wäre jetzt das Falscheste, wenn wir Personalfragen stellen würden“, sagt die CDU-Politikerin in der ARD auf die Frage nach Bundeskanzler Friedrich Merz. „Die Regierung ist für vier Jahre gewählt, der Bundestag ist für vier Jahre gewählt. Wir brauchen jetzt hier auch eine gewisse Stabilität.“ Merz sei auch derjenige, der Dinge anstoße und voranbringe, die verändert werden müssten.  Warken fordert, dass die schwarz-rote Koalition die angegangenen Reformen umsetze. „Wir müssen schneller werden“, damit die Menschen spürten, dass sich etwas verändere. Die Wirtschaft müsse „endlich wieder auf Trab“ gebracht und die sozialen Sicherungssysteme stabilisiert werden. Warken fordert, dass die schwarz-rote Koalition die angegangenen Reformen umsetze. „Wir müssen schneller werden“, damit die Menschen spürten, dass sich etwas verändere. Die Wirtschaft müsse „endlich wieder auf Trab“ gebracht und die sozialen Sicherungssysteme stabilisiert werden. Internationale Pressestimmen zur Wahl in Sachsen-Anhalt Das starke Abschneiden der in dem Bundesland als rechtsextremistisch eingestuften Partei sorgt über Deutschland hinaus für ein großes Echo. Viele große internationale Medien machen den Wahlausgang zu ihrer Top-Story.   Italien, La Stampa: „81 Jahre nach Hitlers Untergang, der das Land in Trümmern und mit der unauslöschlichen Schuld des Holocaust zurückließ, gewinnt eine Partei, die sich mehr oder weniger ausdrücklich auf jenes Deutschland beruft, die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt.“   Schweiz, Neue Zürcher Zeitung: „Der schlimmste Albtraum der CDU ist wahr geworden: Die Wähler haben die Partei halbiert. Sie holte das schlechteste Ergebnis ihrer Geschichte in dem Bundesland und verlor die Wahl noch dazu mit der AfD an eine Partei rechts von ihr. Würde der frühere CSU-Chef Franz Josef Strauß noch leben, der einst sagte, an dieser Stelle dürfe es keine demokratisch legitimierte Partei neben der Union geben, er wäre entsetzt.“ Großbritannien, The Independent: „(…) Dieser Sieg ist der größte Erfolg in der 13-jährigen Geschichte der AfD und erfolgt in einer Zeit weit verbreiteter Unzufriedenheit mit einer unpopulären Bundesregierung, die die Wähler bislang nicht davon überzeugen konnte, dass sie die schwächelnde Wirtschaft des Landes wieder in Schwung bringen kann. Zudem ist der Sieg ein symbolischer Rückschlag für (Bundeskanzler Friedrich) Merz, dessen Mitte-Rechts-Partei Sachsen-Anhalt seit 24 Jahren regierte.“ USA, Wall Street Journal: „Alles, was einst feststand, zerfällt, und viele der Instrumente, die einst dazu dienten, die extreme Rechte einzudämmen, haben sich als nutzlos oder gar kontraproduktiv erwiesen. Der überwältigende Sieg der AfD im kleinen ostdeutschen Bundesland Sachsen-Anhalt wird das demokratische Lager zwingen, seine Strategien der vergangenen Jahre zu überdenken und einige Wahrheiten neu zu bewerten, die bisher als unumstößlich galten.“ Auch internationale Politik-Prominenz meldete sich zu Wort. Mehr dazu lesen Sie im Artikel der SZ-Korrespondenten: Italien, La Stampa: „81 Jahre nach Hitlers Untergang, der das Land in Trümmern und mit der unauslöschlichen Schuld des Holocaust zurückließ, gewinnt eine Partei, die sich mehr oder weniger ausdrücklich auf jenes Deutschland beruft, die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt.“ Schweiz, Neue Zürcher Zeitung: „Der schlimmste Albtraum der CDU ist wahr geworden: Die Wähler haben die Partei halbiert. Sie holte das schlechteste Ergebnis ihrer Geschichte in dem Bundesland und verlor die Wahl noch dazu mit der AfD an eine Partei rechts von ihr. Würde der frühere CSU-Chef Franz Josef Strauß noch leben, der einst sagte, an dieser Stelle dürfe es keine demokratisch legitimierte Partei neben der Union geben, er wäre entsetzt.“ Großbritannien, The Independent: „(…) Dieser Sieg ist der größte Erfolg in der 13-jährigen Geschichte der AfD und erfolgt in einer Zeit weit verbreiteter Unzufriedenheit mit einer unpopulären Bundesregierung, die die Wähler bislang nicht davon überzeugen konnte, dass sie die schwächelnde Wirtschaft des Landes wieder in Schwung bringen kann. Zudem ist der Sieg ein symbolischer Rückschlag für (Bundeskanzler Friedrich) Merz, dessen Mitte-Rechts-Partei Sachsen-Anhalt seit 24 Jahren regierte.“ USA, Wall Street Journal: „Alles, was einst feststand, zerfällt, und viele der Instrumente, die einst dazu dienten, die extreme Rechte einzudämmen, haben sich als nutzlos oder gar kontraproduktiv erwiesen. Der überwältigende Sieg der AfD im kleinen ostdeutschen Bundesland Sachsen-Anhalt wird das demokratische Lager zwingen, seine Strategien der vergangenen Jahre zu überdenken und einige Wahrheiten neu zu bewerten, die bisher als unumstößlich galten.“ Auch internationale Politik-Prominenz meldete sich zu Wort. Mehr dazu lesen Sie im Artikel der SZ-Korrespondenten: Anna Schimpp Auschwitz-Überlebende Eva Umlauf: Dieses Wahlergebnis macht uns Angst Die Auschwitz-Überlebende Eva Umlauf zeigt sich entsetzt über den AfD-Sieg bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. „Dieses Wahlergebnis macht uns Angst“, sagte die Präsidentin des Internationalen Auschwitz Komitees nach Mitteilung der Organisation in München. Weiter fragte sie: „Auf welchem Weg ist Deutschland? Dem Weg, den es schon einmal gegangen ist? “Eva Umlauf (Präsidentin des Internationalen Auschwitz Komitees) „Die Tatsache, dass noch einmal in einem deutschen Landesparlament eine rechtsextreme Partei als stärkste Fraktion Platz nehmen wird, hätten wir als Überlebende des Holocaust nie für möglich gehalten“, so Umlauf. Die Auschwitz-Überlebende kündigte an, weiter für Demokratie und Erinnerung zu kämpfen. „Das sind wir unseren ermordeten Angehörigen schuldig, und das ist unsere Verpflichtung den jungen Menschen in Deutschland gegenüber.“  In Berlin fügte der Exekutiv-Vizepräsident des Komitees, Christoph Heubner, hinzu: „Nicht nur der Blick von Holocaust-Überlebenden auf unser Land verdüstert sich. Nach diesem Wahlergebnis werden sich Menschen in vielen Ländern Europas fragen, welche Antworten die demokratischen Parteien jetzt in Deutschland finden und wie stabil die Demokratie der Deutschen ist.“ In Berlin fügte der Exekutiv-Vizepräsident des Komitees, Christoph Heubner, hinzu: „Nicht nur der Blick von Holocaust-Überlebenden auf unser Land verdüstert sich. Nach diesem Wahlergebnis werden sich Menschen in vielen Ländern Europas fragen, welche Antworten die demokratischen Parteien jetzt in Deutschland finden und wie stabil die Demokratie der Deutschen ist.“ BSW-Spitzenkandidat: BSW würde sich im dritten Wahlgang enthalten Der BSW-Spitzenkandidat in Sachsen-Anhalt, Thomas Schulze, hat angekündigt, dass sich die neue Landtagsfraktion seiner Partei bei einem dritten Wahlgang bei der Wahl eines Ministerpräsidenten enthalten würde. „Wir werden uns an einer Brandmauer-Koalition nicht beteiligen“, kündigt Schulze im Deutschlandfunk an. Im dritten Wahlgang reicht im Magdeburger Landtag eine einfache Mehrheit für die Wahl eines neuen Ministerpräsidenten – dann könnte etwa die AfD ihren Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund durchbringen. Man müsse aber warten, ob Siegmund sich überhaupt der Wahl zum Ministerpräsidenten stellen werde, sagte Schulze. Er erwarte, dass die AfD als Wahlsiegerin auf die anderen Parteien zugehe. Zugleich bekräftigte Schulze, dass das BSW einen überparteilichen Kandidaten für das Amt des Ministerpräsidenten vorschlagen wolle. Man werde dafür „zeitnah“ eine Person aus Sachsen-Anhalt nennen, sagte er. Im dritten Wahlgang reicht im Magdeburger Landtag eine einfache Mehrheit für die Wahl eines neuen Ministerpräsidenten – dann könnte etwa die AfD ihren Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund durchbringen. Man müsse aber warten, ob Siegmund sich überhaupt der Wahl zum Ministerpräsidenten stellen werde, sagte Schulze. Er erwarte, dass die AfD als Wahlsiegerin auf die anderen Parteien zugehe. Zugleich bekräftigte Schulze, dass das BSW einen überparteilichen Kandidaten für das Amt des Ministerpräsidenten vorschlagen wolle. Man werde dafür „zeitnah“ eine Person aus Sachsen-Anhalt nennen, sagte er. SPD-Vize Schweitzer sieht Gesprächsbedarf beim Reformkurs Der stellvertretende SPD-Vorsitzende Alexander Schweitzer hält es nach dem Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt für notwendig, den Reformkurs der Bundesregierung zu überdenken. „Es ist doch völlig klar, dass über diese Reform diskutiert werden muss“, sagte Schweitzer mit Blick auf die geplante Überarbeitung des Rentensystems. Die Vorschläge der Rentenkommission müssten noch einmal auf den Tisch. Aus Sicht des SPD-Vizevorsitzenden hat die Bundesregierung „keinen geringen Anteil“ am Ausgang der Wahl in Sachsen-Anhalt. Auf die Frage, ob Lars Klingbeil und Bärbel Bas noch die richtigen SPD-Vorsitzenden seien, antwortete er: „Das sind sie.“ Aus Sicht des SPD-Vizevorsitzenden hat die Bundesregierung „keinen geringen Anteil“ am Ausgang der Wahl in Sachsen-Anhalt. Auf die Frage, ob Lars Klingbeil und Bärbel Bas noch die richtigen SPD-Vorsitzenden seien, antwortete er: „Das sind sie.“ Söder spricht nach AfD-Wahlsieg von „Epochenbruch“ Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) betrachtet den deutlichen Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt als historischen Einschnitt. „Zunächst mal muss man da schon durchschnaufen“, sagte er dem Radiosender Bayern 2. „Das ist eine echte Zäsur und ein Stück weit auch ein Epochenbruch.“ Er warnte die Schwesterpartei CDU allerdings davor, jetzt „auf Biegen und Brechen“ selbst mit „Kleinstmehrheiten“ regieren und den Ministerpräsidenten stellen zu wollen. „Ich glaube nicht, dass es ein erfolgversprechender Ansatz wäre“, sagte er dem Radiosender. „Das Wahlergebnis umzuinterpretieren, wäre eine schwierige Sache.“ Für die Bürger wäre es „schwierig, das zu verstehen“, meint er. „Der Auftrag liegt eindeutig bei der AfD“, sagte Söder. „Das ist jetzt Demokratie, deshalb gilt es, das zunächst einmal anzuerkennen.“ Die Landtagswahl sei „eine Denkzettelwahl“ gewesen, „die weniger mit Sachsen-Anhalt als mehr mit Berlin zu tun hat“. Spätestens jetzt müsse klar sein: „So kann es nicht weitergehen.“ Die Bundesregierung müsse „einen deutlichen Zacken zulegen“ bei Reformen – aber „sozial ausbalanciert“. Man müsse sich fragen, „wie man die Politik nicht nur besser verkauft, sondern an einigen Stellen auch ändert“. Wichtig sei „eine Renaissance von Wirtschaft und Industrie“, diese gelte es „sozial gerecht zu organisieren“. Er warnte die Schwesterpartei CDU allerdings davor, jetzt „auf Biegen und Brechen“ selbst mit „Kleinstmehrheiten“ regieren und den Ministerpräsidenten stellen zu wollen. „Ich glaube nicht, dass es ein erfolgversprechender Ansatz wäre“, sagte er dem Radiosender. „Das Wahlergebnis umzuinterpretieren, wäre eine schwierige Sache.“ Für die Bürger wäre es „schwierig, das zu verstehen“, meint er. „Der Auftrag liegt eindeutig bei der AfD“, sagte Söder. „Das ist jetzt Demokratie, deshalb gilt es, das zunächst einmal anzuerkennen.“ Die Landtagswahl sei „eine Denkzettelwahl“ gewesen, „die weniger mit Sachsen-Anhalt als mehr mit Berlin zu tun hat“. Spätestens jetzt müsse klar sein: „So kann es nicht weitergehen.“ Die Bundesregierung müsse „einen deutlichen Zacken zulegen“ bei Reformen – aber „sozial ausbalanciert“. Man müsse sich fragen, „wie man die Politik nicht nur besser verkauft, sondern an einigen Stellen auch ändert“. Wichtig sei „eine Renaissance von Wirtschaft und Industrie“, diese gelte es „sozial gerecht zu organisieren“. Kretschmer: Dürfen nicht zur Tagesordnung übergehen Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer hält nach der Wahl in Sachsen-Anhalt ein selbstkritisches Innehalten in der Politik für dringend erforderlich. Er habe die Hoffnung, „dass wir nicht in einer oder zwei Wochen wieder zur Tagesordnung übergehen, sondern dass wir jetzt wirklich endlich anfangen zu schauen, was bewegt die Menschen, warum wählen sie so“, sagte der CDU-Politiker in Dresden. „Und es ärgert mich total über die vergangenen Jahre, dass das eben nicht passiert ist.“ Wagenknecht für „politischen Neubeginn“ in Magdeburg Nach dem knappen Wahlerfolg des BSW fordert Parteigründerin Sahra Wagenknecht einen „politischen Neubeginn“ in Sachsen-Anhalt. „Jetzt gibt es hoffentlich Mehrheiten im Magdeburger Landtag für einen Kurswechsel in der Energiepolitik, ein Ende der Russland-Sanktionen, bessere Bildung und eine grundlegende Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks“, sagte Wagenknecht der Deutschen Presse-Agentur. „Diese Mehrheiten will das BSW nutzen, um das Leben der Menschen zu verbessern.“ Das Bündnis Sahra Wagenknecht hat nach dem vorläufigen Endergebnis bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt knapp den Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde geschafft. Somit hat die AfD als Wahlsiegerin allein keine absolute Mehrheit der Mandate. Wie genau ein Regierungsmodell in Magdeburg aussehen könnte, ist offen. Wagenknecht hatte eine Koalition mit der AfD ausgeschlossen, nicht aber eine Zusammenarbeit. „Der Wahlverlierer von der CDU muss abgelöst werden“, sagte die Parteigründerin. Das Bündnis Sahra Wagenknecht hat nach dem vorläufigen Endergebnis bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt knapp den Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde geschafft. Somit hat die AfD als Wahlsiegerin allein keine absolute Mehrheit der Mandate. Wie genau ein Regierungsmodell in Magdeburg aussehen könnte, ist offen. Wagenknecht hatte eine Koalition mit der AfD ausgeschlossen, nicht aber eine Zusammenarbeit. „Der Wahlverlierer von der CDU muss abgelöst werden“, sagte die Parteigründerin. „Die Brandmauer-Politik ist gescheitert. Allein der Versuch, noch einmal eine Brandmauer-Koalition zu schmieden, wäre ein Affront gegenüber den Wählerinnen und Wählern.“Sahra Wagenknecht, BSW-Gründerin Wagenknecht zeigte sich hochzufrieden mit dem Wahlergebnis, das die jüngsten Umfragen übertraf. „Das Comeback des BSW hat begonnen“, sagte Wagenknecht. „In Zeiten wachsender Kriegsgefahr ist es ein wichtiges Signal, dass die einzige konsequente Friedenspartei in den Landtag von Sachsen-Anhalt einziehen wird.“ Das sei eine große Ermutigung für die BSW-Wahlkämpfer in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin. Vorläufige Ergebnisse: AfD verpasst absolute Mehrheit – BSW zieht in den Landtag ein Die AfD mit ihrem Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund hat die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt mit großem Vorsprung gewonnen (43,8 Prozent), die absolute Mehrheit aber verpasst. Die CDU mit Ministerpräsident Sven Schulze kommt mit herben Verlusten auf Platz zwei (17,2 Prozent), wie aus den auf der Webseite der Landeswahlleiterin veröffentlichten vorläufigen Ergebnissen hervorgeht. Angaben zu den Mandaten im Landtag gab es dort zunächst keine. Dem vorläufigen Wahlergebnis zufolge könnte mit der AfD das erste Mal seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs eine als gesichert rechtsextremistisch eingestufte Partei in einem Bundesland an die Macht gelangen – bräuchte dafür aber Unterstützer. Ob es ihr gelingen kann, etwa einzelne Abgeordnete anderer Fraktionen für die Wahl Siegmunds zum Ministerpräsidenten zu gewinnen, ist unklar. Eine Koalition mit der AfD hatten die übrigen Parteien im Landtag vor der Wahl ausgeschlossen. Den vorläufigen Ergebnissen zufolge büßt die Linke Stimmen ein und kommt auf 8,6 Prozent, die SPD bleibt mit 9,3 Prozent einstellig. Die Grünen fahren mit 8,9 Prozent ihr bestes Ergebnis bei Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt ein. Die FDP scheitert an der Fünf-Prozent-Hürde und schafft es nur auf 2,6 Prozent – Landeschefin Sylvia Hüskens kündigte ihren Rücktritt an. Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) musste nach der ersten Prognose zittern, zieht aber nun mit 5,3 Prozent der Stimmen erstmals in den Landtag in Magdeburg ein. Angaben zu den Mandaten im Landtag gab es dort zunächst keine. Dem vorläufigen Wahlergebnis zufolge könnte mit der AfD das erste Mal seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs eine als gesichert rechtsextremistisch eingestufte Partei in einem Bundesland an die Macht gelangen – bräuchte dafür aber Unterstützer. Ob es ihr gelingen kann, etwa einzelne Abgeordnete anderer Fraktionen für die Wahl Siegmunds zum Ministerpräsidenten zu gewinnen, ist unklar. Eine Koalition mit der AfD hatten die übrigen Parteien im Landtag vor der Wahl ausgeschlossen. Den vorläufigen Ergebnissen zufolge büßt die Linke Stimmen ein und kommt auf 8,6 Prozent, die SPD bleibt mit 9,3 Prozent einstellig. Die Grünen fahren mit 8,9 Prozent ihr bestes Ergebnis bei Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt ein. Die FDP scheitert an der Fünf-Prozent-Hürde und schafft es nur auf 2,6 Prozent – Landeschefin Sylvia Hüskens kündigte ihren Rücktritt an. Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) musste nach der ersten Prognose zittern, zieht aber nun mit 5,3 Prozent der Stimmen erstmals in den Landtag in Magdeburg ein. „Gut gemacht!“: Musk gratuliert AfD zu Wahltriumph Der seit Längerem mit der AfD sympathisierende Tech-Unternehmer Elon Musk hat der rechten Partei zu ihrem Wahlsieg in Sachsen-Anhalt gratuliert – und im Gegenzug direkt ein Kooperationsangebot bekommen. „Gut gemacht!“, schrieb Musk auf seiner Online-Plattform X als Kommentar zu einem Beitrag der AfD-Vorsitzenden Alice Weidel, in dem sie Spitzenkandidat Ulrich Siegmund zum Triumph in Sachsen-Anhalt beglückwünscht hatte. Siegmund antwortete dem reichsten Mann der Welt sogleich und dankte ihm für seine „Unterstützung“. Auf Englisch schrieb der AfD-Frontmann: „Wenn wir hier Verantwortung übernehmen, würde ich die Gelegenheit zu einer starken und konstruktiven Zusammenarbeit sehr begrüßen. Deutschland wäre dann wieder ein Standort, in den es sich zu investieren lohnt. Beste Grüße aus Sachsen-Anhalt!“ Auch der früher in Berlin stationierte US-Botschafter Richard Grenell, der wie Musk enge Verbindungen zu US-Präsident Donald Trump pflegt, gratulierte der AfD auf X. „Ein großer Sieg und ein neuer Tag in Deutschland“, schrieb Grenell, der als Diplomat hierzulande mehrfach mit polarisierenden Äußerungen aneckte. Siegmund antwortete dem reichsten Mann der Welt sogleich und dankte ihm für seine „Unterstützung“. Auf Englisch schrieb der AfD-Frontmann: „Wenn wir hier Verantwortung übernehmen, würde ich die Gelegenheit zu einer starken und konstruktiven Zusammenarbeit sehr begrüßen. Deutschland wäre dann wieder ein Standort, in den es sich zu investieren lohnt. Beste Grüße aus Sachsen-Anhalt!“ Auch der früher in Berlin stationierte US-Botschafter Richard Grenell, der wie Musk enge Verbindungen zu US-Präsident Donald Trump pflegt, gratulierte der AfD auf X. „Ein großer Sieg und ein neuer Tag in Deutschland“, schrieb Grenell, der als Diplomat hierzulande mehrfach mit polarisierenden Äußerungen aneckte. Siegmund auch in seinem Wahlkreis erfolgreich AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund hat bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt auch in seinem Wahlkreis einen klaren Sieg errungen. Der 35-Jährige gewann das Direktmandat im Wahlkreis Genthin mit großem Vorsprung vor CDU-Bewerber Thomas Staudt. Siegmund erreichte 49,0 Prozent der Erststimmen, Staudt kam laut Landeswahlleitung auf 24,0 Prozent. Siegmund legte damit im Vergleich zu 2021 um 22,4 Prozentpunkte zu. Bei der Landtagswahl vor fünf Jahren hatte Staudt das Direktmandat im Wahlkreis Genthin gewonnen. Siegmund erreichte 49,0 Prozent der Erststimmen, Staudt kam laut Landeswahlleitung auf 24,0 Prozent. Siegmund legte damit im Vergleich zu 2021 um 22,4 Prozentpunkte zu. Bei der Landtagswahl vor fünf Jahren hatte Staudt das Direktmandat im Wahlkreis Genthin gewonnen. Schulze auch im Kampf um Direktmandat geschlagen Sachsen-Anhalts CDU-Vorsitzender Sven Schulze ist bei der Landtagswahl mit seiner Partei nicht nur auf Landesebene gescheitert, sondern auch im eigenen Wahlkreis. Schulze, der erstmals bei einer Landtagswahl als Direktkandidat antrat, verlor im Wahlkreis Magdeburg III gegen den AfD-Kandidaten Christian Mertens. Der Ministerpräsident erreichte nach Angaben der Landeswahlleitung 31,7 Prozent der Erststimmen, Mertens kam auf 35,2 Prozent. Der Ministerpräsident erreichte nach Angaben der Landeswahlleitung 31,7 Prozent der Erststimmen, Mertens kam auf 35,2 Prozent.

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7. September
Die Zeit (Politik)

Wahlergebnisse in Sachsen-Anhalt: So wird ein Land so blau

Blau dominiert Sachsen-Anhalt fast vollständig. Bei der Landtagswahl 2026 liegt die AfD in 217 von 218 Gemeinden vorn, während nur Halle III mit einem Grünen-Sieg und dem schwächsten AfD-Ergebnis im Land herausragt. Dahinter folgt fast überall die CDU auf Platz zwei, obwohl sie historisch stark verliert, während sich auf den dritten Plätzen vor allem SPD und Linke verteilen. Der Artikel zeichnet dann nach, wie sich die politische Landkarte seit den langen CDU-Jahren über erste AfD-Erfolge ab 2016 bis zum flächendeckenden Sieg 2026 verschoben hat. Besonders stark ist die AfD dort, wo kleinere Gemeinden schrumpfen, die Bevölkerung älter ist, Industriekrisen, niedrigere Löhne und Männerüberschüsse prägen und wo trotz sehr niedriger Ausländeranteile Ängste vor Zuwanderung eine große Rolle spielen. Diese Zusammenfassung wurde mithilfe von Künstlicher Intelligenz erstellt. Vereinzelt kann es dabei zu Fehlern kommen. Fanden Sie die Zusammenfassung hilfreich? Wer auf die <b>erstplatzierten Parteien </b> bei der Wahl in Sachsen-Anhalts schaut, sieht vor allem eine Farbe: Blau. In 217 von 218 Gemeinden liegt die AfD vorn, oft mit 50, teils über 60 Prozent der Stimmen. Einen solchen Erdrutschsieg einer Partei, deren Landesverband als rechtsextrem eingestuft wird, hat es seit dem Zweiten Weltkrieg nicht gegeben. Ganz einfarbig ist die Karte aber nicht. Im Wahlkreis Halle III holen die Grünen mit 33,7 Prozent ihr bestes Ergebnis im Land. Die AfD fährt hier mit 18,1 Prozent ihren landesweit schwächsten Wert ein. Der Wahlkreis, in dem die Universität Halle liegt, ist damit wie das gallische Dorf gegen die AfD. Ihr stärkstes Ergebnis erzielt die AfD im 860-Einwohner-Dorf Schnaudertal mit 64,7 Prozent.

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7. September
Wirtschaftswoche

Landtagswahl Sachsen-Anhalt: AfD gewinnt in Sachsen-Anhalt – wie geht es nun weiter?

Landtagswahl Sachsen-Anhalt: AfD gewinnt in Sachsen-Anhalt – wie geht es nun weiter? Die Wähler in Sachsen-Anhalt haben entschieden – doch klar ist nach der Landtagswahl wenig. Das Wahlergebnis lässt offen, wer das Bundesland mit 2,1 Millionen Einwohnern künftig regieren kann. Fragen und Antworten, wie es weitergehen könnte. Wie sieht das Wahlergebnis aus? Die AfD hat die Wahl klar gewonnen und strebt an die Regierung. Doch für eine Alleinregierung reichen nach dem vorläufigen Ergebnis ihre knapp 44 Prozent nicht. Die CDU von Ministerpräsident Sven Schulze kommt auf gut 17 Prozent. Die Partei hat in Sachsen-Anhalt kein einziges Direktmandat gewonnen. In allen 41 Wahlkreisen mussten sich die Kandidaten der bisherigen Regierungspartei nach vorläufigen Zahlen der Landeswahlleitung geschlagen geben. Die Linke, die Grünen und die SPD rangieren jeweils bei Werten um 9 Prozent. Das Bündnis Sahra Wagenknecht schafft es mit gut 5 Prozent knapp in den Landtag – die FDP hingegen nicht. Könnte es eine CDU-geführte Landesregierung geben? Eine Regierungsbildung gegen die AfD wäre nur möglich, wenn alle anderen zusammenarbeiten – also von CDU über SPD, Grüne, Linke bis BSW. Eine Kooperation zwischen fünf Partnern wäre aber äußerst ungewöhnlich, sehr kompliziert und kaum vorstellbar. Eine Koalition oder koalitionsähnliche Zusammenarbeit mit der Linken hat die CDU ohnehin per Parteitagsbeschluss ausgeschlossen, ebenso wie mit der AfD. Zu einer informellen Zusammenarbeit wäre die Linke zwar bereit, aber nur bei inhaltlichen Zugeständnissen. Das BSW wiederum ist mit dem Anspruch in den Wahlkampf gezogen, die CDU zu stürzen. Die AfD sieht den Regierungsauftrag bei sich – wie will sie an die Macht kommen? Auch wenn die AfD knapp eine eigene Mehrheit im Landtag verfehlt hat: Ihr Spitzenkandidat Ulrich Siegmund verfolgt weiter seinen Plan, erster Regierungschef der Rechtsaußen-Partei in einem Bundesland zu werden. Einen natürlichen Koalitionspartner, mit denen man grundsätzliche Probleme wie etwa die Migrationspolitik angehen könne, sehe er Stand jetzt zwar nicht, sagte er in Interviews am Wahlabend. Doch könne es den einen oder anderen Mitbewerber geben, der in den kommenden Tagen ins Grübeln komme. „Gibt es einzelne Abgeordnete, die das doch möglich machen sollten?“, fragte er. „Gibt es irgendwo eine Partei, die den eigenen Kurswechsel herbeiführt?“ Könnte es Überläufer aus der CDU zur AfD geben? Solche Spekulationen halten sich seit Monaten. Ein paar AfD-Politiker erzählen, es gebe Gespräche mit CDU-Landtagsabgeordneten, ob die sich einen Wechsel zur AfD vorstellen könnten. Doch Namen nennen sie nicht – und Belege gibt es nicht. Klar ist, dass auf Überläufern ein riesiger öffentlicher Druck lasten würde. Könnte die AfD aufs BSW setzen? Diese aus seiner Sicht instabile Partei sei nicht Teil der Lösung, sondern Teil des Problems, sagt Siegmund. Hintergrund waren Avancen der BSW-Gründerin Sarah Wagenknecht. Sie hatte angedeutet, dass ihre Partei durchaus einem AfD-Ministerpräsidenten zur Macht verhelfen könnte – durch Enthaltung im entscheidenden Wahlgang. AfD-Bundeschef Tino Chrupalla brachte am Abend eine Minderheitsregierung ins Spiel, die sich etwa vom BSW dulden lässt und wechselnde Mehrheiten sucht. Doch ein endloses Gezerre will sich der selbstbewusste Wahlsieger nicht antun. Fast trotzig sagt Siegmund am späten Abend: „Im Notfall würde es halt Neuwahlen geben, dann haben wir halt 50 oder 55 Prozent.“ Gut vorbereitet sieht Siegmund seine Partei so oder so: Seine Regierungsmannschaft stehe schon seit Monaten. Wo sind AfD und BSW sich nahe und welche Probleme gäbe es? Das BSW hatte vor der Wahl eine Koalition mit der AfD ausgeschlossen. Gleichzeitig will die Partei aber die sogenannte Brandmauer einreißen. Eine Zusammenarbeit hält sie sich also offen, die Form ist unklar. Inhaltlich gibt es Berührungspunkte. Das BSW vertritt eine strikte Linie zur Migration, auch der Ruf nach Rückkehr zu billigem Gas aus Russland hört sich bei BSW und AfD ähnlich an. Vorbehalte gibt es beim BSW gegen Aspekte der Bildungs- und Wirtschaftspolitik der AfD. Parteigründerin Sahra Wagenknecht zeigt sich grundsätzlich offen für einen „politischen Neuanfang“. Allerdings gibt es auch die Ankündigung von Co-Parteichefin Amira Mohamed Ali vom Wahlabend: „Wir werden weder Herrn Schulze noch Herrn Siegmund wählen.“ Das BSW vertritt offiziell ein eigenes Modell: Ein „überparteilicher Ministerpräsident“ soll mit wechselnden Mehrheiten einschließlich der AfD regieren. Bisher unterstützt keine andere Partei diese Idee. Wie geht es weiter? Am Montag werten in Berlin die Vorstände der Parteien das Wahlergebnis aus, und die meisten Parteispitzen stellen sich auf Pressekonferenzen den Fragen der Medien. Am Abend tagt in Sachsen-Anhalt der CDU-Landesvorstand. Dort könnte es unter anderem um die Zukunft von Sven Schulze gehen. Es gibt erste Rücktrittsforderungen aus den Reihen der Christdemokraten. Welche Regeln und Fristen gelten im Parlament in Magdeburg? Der neue Landtag muss laut Landesverfassung spätestens am 30. Tag nach der Wahl erstmals zusammentreten, also am 6. Oktober. Dann enden auch die Amtszeiten der Minister und des Regierungschefs. Sie alle sind aber verpflichtet, im Amt zu bleiben, bis die Nachfolger übernehmen. Die erste Sitzung wird vom Alterspräsidenten eröffnet, dem am längsten im Landtag vertretenen Abgeordneten. Er oder sie leitet die Sitzung, bis ein neuer Landtagspräsident gewählt ist. Dieser nimmt bei der Gestaltung der Abläufe eine entscheidende Rolle ein - etwa bei der Einberufung von Sitzungen. Laut Geschäftsordnung schlägt die stärkste Fraktion einen Abgeordneten für die Wahl zum Präsidenten vor. Die drei stärksten Fraktionen schlagen zudem jeweils einen Vizepräsidenten vor. Gewählt ist, wer die Mehrheit der abgegebenen gültigen Stimmen bekommt. Nach der in diesem Jahr verabschiedeten Parlamentsreform gilt das monopolisierte Vorschlagsrecht der stärksten Fraktion nur im ersten Wahlgang. Ab dem zweiten Wahlgang können alle Fraktionen Kandidaten aufstellen. Ergibt sich auch dann keine Mehrheit, folgen weitere Wahlgänge. Wie wird der Ministerpräsident gewählt? Der Ministerpräsident wird ohne Aussprache in geheimer Abstimmung gewählt. Es gibt keine Frist, bis wann dies passieren muss. Abgeordnete sowie Fraktionen können selbst entscheiden, wann sie Wahlanträge einreichen. Sobald mindestens ein Wahlantrag vorliegt, wird die Wahl für die nächste erreichbare Landtagssitzung auf die Tagesordnung gesetzt - dies kann auch gleich die erste sein. Gewählt ist, wer im ersten Wahlgang die Stimmen der Mehrheit der Mitglieder erhält. Klappt die Wahl beim ersten Versuch nicht, greifen Fristen: So muss innerhalb von sieben Tagen ein weiterer Wahlgang stattfinden. Kommt auch dann die Wahl nicht zustande, beschließt der Landtag innerhalb von weiteren vierzehn Tagen, ob die Wahlperiode vorzeitig beendet wird. Wird dies nicht mit der Mehrheit der Mitglieder des Landtags beschlossen, findet unverzüglich ein weiterer Wahlgang statt: Dann reicht die Mehrheit der abgegebenen Stimmen. Lesen Sie auch: Arbeitgeber warnen nach Wahl vor „Klima der Abschottung“

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7. September
taz (Öko & Co)

Lehren aus der Wahl in Sachsen-Anhalt: Der gut gelaunte Rechtsextremismus

Lehren aus der Wahl in Sachsen-Anhalt : Der gut gelaunte Rechtsextremismus Die AfD kann in Sachsen-Anhalt wohl regieren – und die Parteien der Mitte halten sich erstmal die Ohren zu. Sechs Lehren aus der Landtagswahl. A lles spricht dafür, dass zum ersten Mal seit 1945 wieder eine rechtsextreme Partei in Deutschland regieren wird. Ulrich Siegmund könnte am 6. Oktober zum Ministerpräsidenten gewählt werden. Im neuen Magdeburger Landtag reicht ihm im dritten Wahlgang eine einfache Mehrheit, um Ministerpräsident zu werden. Er braucht nur eine Enthaltung bei der Union, oder eine Stimme vom BSW. Nichts spricht dafür, dass sich die AfD an der Macht mäßigen wird. Im Gegenteil: Je näher der Erfolg rückte, desto radikaler und vulgärer trat sie auf. Sie pfeift auf Menschenrechte. Man muss befürchten, dass es nicht bei Rhetorik bleibt. Eine AfD-geführte Regierung könnte auch ohne Mehrheit im Landtag vielen das Leben zur Hölle machen. Sie kann Schulbücher zensieren und Polizisten befehlen, sie kann den Geheimdienst und Staatsanwälte anweisen. Mit dem 6. September ist der Ernstfall für die deutsche Demokratie eingetreten. Umso verblüffender klangen die routinierten Reaktionen. Kanzleramtschefin Nina Warken will den „Reformkurs, den wir da angefangen haben, jetzt fortsetzen“. SPD-Chefin Bärbel Bas findet: „Zuerst mal muss man sagen: Wir haben unser Ergebnis gehalten“. Felix Banaszak freut sich über das tolle Grünen-Ergebnis. Man möchte sie schütteln. Hallo, ist noch jemand zuhause? Die Katastrophe ist da, und den Vertretern der Mitte fallen nur die üblichen Worthülsen ein. Dabei hätte man vorbereitet sein können. Was folgt aus diesem historischen Wahlabend? Dazu sechs Thesen. 1. Das Parteiensystem der Bundesrepublik zerfällt Es bildet sich, in Ostdeutschland zuerst, ein neues Parteiensystem. Es besteht aus zwei Blöcken. Hier die AfD, die eine illiberale Demokratie à la Orbán anstrebt, auf der anderen Seite die demokratischen Parteien, von Linkspartei bis CDU, in der nur eine Minderheit eine Kooperation mit den Rechtsextremen will. Ein Konservativer wie Sven Schulze hat mit der Linken Eva von Angern politisch viel mehr gemeinsam als mit sinistren Kulturrevolutionären wie dem AfD-Vordenker Hans-Thomas Tillschneider. Diese neue Frontlinie ist keine reine Notgemeinschaft, sondern inhaltlich begründet. Das ist der Unterschied zur Brandmauer. Westdeutsche, die nur eine von CDU oder SPD geführte Regierung mit ordentlichen Mehrheiten normal finden, halten den sächsischen Konsultationsmechanismus für eine Krücke. Aber diese bundesdeutsche Normalität endet gerade. Der Osten ist, was das Parteiensystem angeht, die Zukunft des Westens. Wenn am nächsten Sonntag ein Bundestag gewählt werden würde, müssten sich schon drei Parteien gegen die AfD verbünden. In Magdeburg zeichnet sich nun eine verwirrende Lage ab: ein Patt zwischen AfD und dem Demokratieblock (mit unsicheren Kantonisten aus der CDU). Das BSW irrlichtert dazwischen. Es ist die größte Überraschung des Wahlabends. Sahra Wagenknecht hat mal wieder Instinkt bewiesen. Sie weiß, dass es über die AfD hinaus ausreichend Wähler gibt, die ihr Ziel teilen: Alles soll anders werden. Es ist noch nichts entschieden, aber wahrscheinlich wird das BSW zum Steigbügelhalter für die Rechtsextremen. Eigentlich war es mal gegründet worden, um der AfD Stimmen abzunehmen. Solche Moves sind typisch für das neue Parteiensystem. Italiener können da nur müde lächeln. 2. Rechte haben bessere Laune Lange dachte man, eine hohe Wahlbeteiligung sei gut für die Demokratie. Heute kann man sich da nicht mehr so sicher sein. Die AfD hat so viele Nichtwähler mobilisiert wie nie. Nicht die AfD ist ausmobilisiert, wie man lange hoffte. Die Demokraten sind es. Warum? Eine Antwort ist: AfD wählen macht gute Laune. Bis vor Kurzem konnte man viele ihrer Wähler noch als Jammerlappen bezeichnen, die sich abgehängt und benachteiligt fühlten. Nun aber hat die schlechte Laune die Seiten gewechselt. Es sind die Parteien der Mitte, die sagen, was alles nicht geht. Die Rechtsextremen dagegen laden zum Selfie ein, strahlen und schreiben auf ihre Plakate: Alles wird gut. 3. Ulrich Siegmund hat mit einem Gefühl gewonnen Der Erfolg von Ulrich Siegmund erinnert an den Sieg von Zohran Mamdani in New York. Beide haben als lächelnde Außenseiter gewonnen. Beide sind jung, Mitte 30, und zukunftsfroh. Die Person überstrahlt – im wörtlichen Sinne – alles. Beide haben sich offensiv, aber fröhlich, mit dem politischen Establishment angelegt. Mamdani mit umsetzbaren Gleichheitsideen, um das Leben erschwinglich zu machen, Siegmund mit süß-giftigen Versprechen: Deutsche Pflegekräfte kehren aus der Schweiz zurück ins liebliche AfD-Land, weil es in Bitterfeld so schön ist. Inhaltlich unterscheidet den weltoffenen demokratischen Sozialisten von dem rechtsextremen Posterboy alles. Aber beide haben mit Social Media, Optimismus und einem Gefühl mobilisiert: Auf dich kommt es an. Beide haben vermittelt, dass Stolz zählt. Mamdani mit der Weigerung, sich dafür zu entschuldigen, Muslim und Sozialist zu sein. Siegmunds Performance in Sachsen-Anhalt zielte auf den Stolz der Ostwähler. Das ist etwas mehr als die Binse, dass man Wahlen mit Personalisierung gewinnt. Es ist ein politisches Modell, das in den Parteizentralen der Ex-Volksparteien ratlos bestaunt wird. 4. Jetzt bitte keinen westdeutschen Kulturkampf Ein Finanzminister in Schwaben will einer möglichen AfD-Regierung in Magdeburg am liebsten das Geld streichen. Und mancher Wessi schimpft jetzt auf den Osten. Dem westdeutschen Bürgertum scheint, jedenfalls wenn man dem Spiegel und der FAZ folgt, wirklich der Geduldsfaden zu reißen. Wir zahlen den Soli – und dann wählen die Faschisten? Die Debatte wirkt wie eine Zeitreise in die 90er Jahre. Der erziehungsberechtigte Westen droht dem verstockten Ost-Kind mit Entzug des Taschengelds. Kein Geld für Rechtsextreme, das klingt erst mal verständlich, ist aber toxisch. Es ist nur das Echo der AfD-Strategie, die von Spaltungen lebt: Deutsche gegen Migranten, Ost gegen West. Falls ein AfD-Ministerpräsident gegen die Verfassung verstößt, kann Berlin per Bundeszwang nach Artikel 37 des Grundgesetzes dem Land den Geldhahn zudrehen. Darüber wird man reden, wenn es der Fall ist. Nicht jetzt. Und nüchtern, ohne westliche Bestrafungsphantasien. 5. Dieses Ergebnis ist ein Schock, aber keine Überraschung Dieses Wahlergebnis ist ein Schock, es ist niederschmetternd, nicht nur für DemokratInnen in Sachsen-Anhalt. Aber überraschend ist es nicht. Seit Jahren haben die Parteien der Mitte keinen Weg gefunden, die AfD aufzuhalten. Sie wächst und wächst. Friedrich Merz wollte die AfD halbieren, jetzt hat er geholfen, die CDU in Sachsen-Anhalt zu halbieren. Die Niederlage der Union ist auch Ausdruck der dampfenden Enttäuschung über die Bundesregierung. Wenn Schwarz-Rot bei seinem Kurs – Sozialkürzungen und Aufrüstung – bleibt, wird Sachsen-Anhalt nicht der letzte Wahlsieg der AfD bleiben. Höchste Zeit, dass sich die demokratischen Parteien etwas anderes überlegen. 6. Es braucht eine demokratische Alternative Seit Jahren dreht sich die Debatte um die AfD. Spricht man mit Engagierten aus der ostdeutschen Zivilgesellschaft, heißt es oft genervt: Ich will mal über meine Themen reden, und nicht immer nur darüber – nützt oder schadet das den Rechtsextremen? Alle gegen die AfD – das war nicht erfolgreich. Auf diesem Feld kann man nur verlieren, weil die AfD immer Aufmerksamkeit gewinnt. Es muss darum gehen, die Konfliktlinie zu verschieben. Vor nicht allzu langer Zeit gab es einen SPD-Politiker, der mit einer Umverteilungsforderung (Mindestlohn) und einem Gefühl (Respekt) ins Kanzleramt kam. Erinnert sich jemand? Auch der aktuelle Wahlkampf in Berlin ist auf den Konflikt um Mieten und Vergesellschaftung zugespitzt, auf eine Macht- und Verteilungsfrage. Bei dieser Debatte macht die AfD keinen Stich. Im richtigen Moment Verteilungsthemen nach vorn zu rücken, ist viel effektiver als jede Brandmauer. Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen meistkommentiert

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7. September
taz (Öko & Co)

Wahlergebnis Sachsen-Anhalt: Absolute Mehrheit verfehlt

Wahlergebnis Sachsen-Anhalt: Absolute Mehrheit verfehlt Die AfD holt laut vorläufigem amtlichen Wahlergebnis nicht die absolute Mehrheit in Sachsen-Anhalt. Das BSW wird Königsmacherin. Der Morgen nach der Wahl. rtr | Die AfD hat die Wahl in Sachsen-Anhalt mit großem Vorsprung gewonnen, die absolute Mehrheit nach dem vorläufigen amtlichen Wahlergebnis am frühen Montagmorgen aber verfehlt. Da das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) den Einzug in den Magdeburger Landtag schaffte, kommt die in Teilen rechtsextreme Partei auf 39 der insgesamt 83 Sitze und verpasst damit die Alleinregierung knapp. Beide Parteien stehen sich weniger ablehnend gegenüber, während sich CDU, SPD, Grüne und Linke bisher eindeutig gegen die in Teilen rechtsextreme AfD positioniert haben. AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund sprach von einem klaren Regierungsauftrag, den er aber nur annehmen wolle, wenn er in einer Koalition auch seine Inhalte durchsetzen könne. Nach der vollständigen Auszählung aller Stimmzettel kam die AfD auf 43,8 Prozent. Die Partei konnte ihr Ergebnis von 2021 damit mehr als verdoppeln. Siegmund selbst gewann sein Direktmandat mit 49,0 Prozent deutlich gegen den CDU-Kandidaten Thomas Staudt. Die CDU stürzte landesweit ab und lag nur noch bei 17,2 Prozent, fast halb so viel wie 2021. SPD (9,3 Prozent), Grüne (8,9 Prozent) und Linke (8,6 Prozent) landeten im einstelligen Bereich. Das BSW schaffte mit 5,3 Prozent den Einzug, während die FDP mit 2,6 Prozent klar an der Fünf-Prozent-Hürde scheiterte. Die Wahlbeteiligung lag bei 77,8 Prozent. Empfohlener externer Inhalt Siegmund droht mit Neuwahlen AfD-Spitzenkandidat Siegmund schloss noch in der Wahlnacht Koalitionen mit weitgehenden Kompromissen aus. Das Angebot des BSW für einen überparteilichen Ministerpräsidenten nannte er am Sonntagabend im ZDF „Gewurschtel“. Die AfD wolle ihre Werte nicht „für irgendwelche Machtspielchen“ aufgeben. Eine Zusammenarbeit könne es nur mit denen geben, die den AfD-Anspruch eines klaren Politikwandels mittragen würden. Auf die Frage, was geschehe, wenn dies nicht möglich sei, drohte er: „Im Notfall wird es halt Neuwahlen geben.“ Dann werde die AfD „50 oder 55 Prozent“ erzielen. Er wisse allerdings noch nicht, was das Wahlergebnis in den nächsten Tagen auslösen werde. Eine Minderheitsregierung will Siegmund nicht anstreben. AfD-Bundeschef Tino Chrupalla zeigte sich in der ARD dagegen kompromissbereit. „Politik heißt immer Kompromiss“, sagte er und appellierte an die CDU-Abgeordneten, eine „bürgerlich-konservative Mehrheit“ zu ermöglichen. Auch die stellvertretende Vorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion, Beatrix von Storch, rief die CDU zur Gesprächsbereitschaft auf. Unions-Fraktionschef Thorsten Frei wies Spekulationen über mögliche Überläufer aus seiner Partei zur AfD jedoch zurück. „Wir sprechen nicht mit Rechtsextremisten“, sagte der CDU-Politiker im ZDF. Im neuen Landtag entfallen auf die AfD 39 Sitze und 15 auf die CDU. Linke, SPD und Grüne erhalten jeweils acht Mandate, das BSW fünf. Für eine Regierung gegen die AfD müssten sehr unterschiedliche Parteien in irgendeiner Form zusammenarbeiten – CDU, Linke, Grüne und SPD und auch das BSW. BSW-Chefin Amira Mohamed Ali sagte, ihre Partei wolle sich für eine überparteiliche Regierung einsetzen. Man werbe für einen dritten Weg, nämlich einen Ministerpräsidenten, der mit wechselnden Mehrheiten regiere. Empfohlener externer Inhalt Schulze unter Druck Die bisherige Landesregierung aus CDU, SPD und FDP hat keine Mehrheit mehr und ist damit abgewählt. Trotzdem könnte Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) versuchen, eine Regierung zu bilden, womöglich auch eine Minderheitsregierung. Der 47-Jährige wich am Wahlabend Fragen dazu aus, was er nun vorhabe. Es sei noch zu früh, um Schlüsse zu ziehen. Ab Montag würden die Gremien seiner Partei das Ergebnis analysieren. Teilweise wurden bereits Rücktrittsforderungen gegen Schulze laut. Die CDU hat einen Unvereinbarkeitsbeschluss sowohl für eine Zusammenarbeit mit der AfD als auch mit der Linkspartei. Auch dies wird wahrscheinlich in den nächsten Tagen hinterfragt werden. In der Gruppe der 18- bis 24-Jährigen erhielt die CDU nur noch fünf Prozent der Stimmen. Die AfD war auch hier stärkste Partei. Das Wahlergebnis dürfte auch Auswirkungen auf die Bundespolitik und damit die schwarz-rote Koalition unter Kanzler und CDU-Chef Friedrich Merz haben. Kanzleramtsministerin Nina Warken sprach von einer „Zäsur“ für die CDU. In Umfragen für die ARD zeigten sich 87 Prozent der Befragten unzufrieden mit der Bundesregierung. Empfohlener externer Inhalt Ökonom Marcel Fratzscher forderte einen wirtschaftlichen Kurswechsel der Bundesregierung. „Dieses Wahlergebnis ist vor allem ein Misstrauensvotum gegenüber der Bundesregierung“, sagte der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung der Nachrichtenagentur Reuters. „Die einzig richtige Konsequenz für unsere Demokratie aus diesem Wahlergebnis kann nur bedeuten, dass die Bundesregierung einen Kurswechsel vollzieht und tiefgreifende, strukturelle Reformen bei Subventionen, Bürokratie, Steuern, Sozialsystem und Europa umsetzt.“ Die SPD-Führung kündigte Korrekturen am Reformkurs der Bundesregierung an. Das Ergebnis sei auch ein „Signal an Berlin“ und ein „Grund, auch nachzudenken über Politik hier in Berlin“, sagte Parteichef Lars Klingbeil, der auch Bundesfinanzminister ist. SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf nannte die Reformen bei der Rente und der Pflege sowie die Aufstellung des Bundeshaushalts als Themen, bei denen Gesprächsbedarf bestehe. Vor allem die geplante Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren trifft die SPD-Anhänger und war auch ein Thema im Wahlkampf in Sachsen-Anhalt. Empfohlener externer Inhalt Reaktionen aus In- und Ausland Auch international sorgte die Wahl für Aufsehen. US-Präsident Donald Trump teilte einen Screenshot des Ergebnisses kommentarlos auf seiner Plattform Truth Social. Der Chef der rechten italienischen Partei Lega, Matteo Salvini, gratulierte der AfD auf der Plattform X zu einem „überwältigenden Erfolg“. Dies sei eine Ohrfeige für die Linke. Der Chef der linkspopulistischen französischen Partei LFI, Jean-Luc Mélenchon, nannte den Wahlsieg dagegen eine Katastrophe. „Die extreme Rechte ist nach Deutschland zurückgekehrt“, schrieb er auf X. Unter diesen Umständen sei der Plan Deutschlands, Europas stärkste konventionelle Armee aufzubauen, für Frankreich nicht akzeptabel. Im Inland äußerte sich der Zentralrat der Juden entsetzt. Eine als gesichert rechtsextremistisch eingestufte Partei sei nur knapp von der Alleinregierung entfernt, sagte Zentralratspräsident Josef Schuster der Zeitung Welt. Wer die AfD gewählt habe, trage die Verantwortung für dieses Ergebnis. Linke würde CDU-Ministerpräsidenten wählen Linken-Spitzenkandidatin Eva von Angern betonte, sie sei je nach Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt bereit, einen CDU-Ministerpräsidenten in Magdeburg zu wählen. Auch SPD und Grüne signalisierten Bereitschaft, eine Koalition gegen die AfD zu bilden. In Sachsen-Anhalt waren knapp 1,7 Millionen der gut 2,1 Millionen Einwohner wahlberechtigt. Schulze ist erst seit Ende Januar Ministerpräsident des strukturschwachen Landes, in dem die Chemiebranche mit dem Schwerpunkt in Leuna eine wichtige Rolle spielt und unter den hohen Energiepreisen in Deutschland leidet. Laut Landesverfassung bleibt der Ministerpräsident so lange im Amt, bis ein Nachfolger gewählt ist. Die Wahlbeteiligung lag laut ZDF bei 77 Prozent und damit deutlich höher als 2021, als gut 60 Prozent der Wahlberechtigten abstimmten. FDP-Landeschefin Lydia Hüskens kündigte ihren Rücktritt an. Sie holte nur gut zwei Prozent für die Liberalen. Die Infrastrukturministerin sagte dem MDR, sie trage die Verantwortung und werde ihr Amt zur Verfügung stellen. Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? 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7. September
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Sachsen-Anhalt - Reicht diese AfD-Mehrheit nicht zum Regieren?

Wahlleitung teilt mit: Keine absolute Mehrheit für die AfD Sachsen-Anhalt: Reicht diese AfD-Mehrheit nicht zum Regieren? Bestes Landtagswahlergebnis in Sachsen-Anhalt aller Zeiten, aber … Die AfD mit Spitzenkandidat Ulrich Siegmund hat die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt mit riesigem Vorsprung gewonnen, die absolute Mehrheit aber verpasst! Die CDU mit Ministerpräsident Sven Schulze erlebt ein Debakel und kommt mit horrenden Verlusten nur noch auf Platz zwei. Das geht aus den vorläufigen Ergebnissen hervor, die die Wahlleitung in der Nacht veröffentlicht hat. Die vorläufigen Ergebnisse im Einzelnen: - AfD: 43,8 % (20,8 bei der Landtagswahl 2021) - CDU: 17,2 % (37,1) - SPD: 9,3 % (8,4) - Grüne: 8,9 % (5,9) - Linke: 8,6 % (11) - BSW: 5,3 % - FDP: 2,6 % (6,4) Reicht diese AfD-Mehrheit zum Regieren oder nicht? Angaben zu den Mandaten im Landtag gab es zunächst keine. Den letzten Hochrechnungen zufolge könnte mit der AfD das erste Mal seit Ende des Zweiten Weltkriegs eine als gesichert rechtsextremistisch eingestufte Partei in einem Bundesland an die Macht gelangen – bräuchte dafür aber Unterstützer. Ob es der AfD gelingen kann, etwa einzelne Abgeordnete anderer Fraktionen für die Wahl Siegmunds zum Ministerpräsidenten zu gewinnen, ist zum jetzigen Zeitpunkt völlig unklar. Eine Koalition mit der AfD hatten die übrigen Parteien vor der Wahl ausgeschlossen. Den vorläufigen Ergebnissen zufolge büßt die Linke Stimmen ein, die SPD bleibt einstellig. Die Grünen fahren ihr bestes Ergebnis bei Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt ein. Die FDP scheitert an der Fünf-Prozent-Hürde, Landes-Chefin Sylvia Hüskens kündigte bereits ihren Rücktritt an. Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) musste lange zittern, zieht aber nun erstmals in den Landtag in Magdeburg ein. AfD verdoppelt ihr Ergebnis – CDU stürzt ab Die AfD kann laut vorläufigen Ergebnissen ihren Stimmenanteil auf 43,8 Prozent (2021: 20,8) mehr als verdoppeln. Es ist der beste Wert, den eine Partei in den vergangenen zehn Jahren bei Landtagswahlen erreicht hat. Die CDU stürzt ab auf 17,2 Prozent (37,1) – ihr schlechtestes Ergebnis bei einer Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Die Linke verliert leicht und kommt auf 8,6 Prozent (11). Die SPD kann sich mit 9,3 Prozent (8,4) auf niedrigem Niveau verbessern. Die Grünen klettern auf 8,9 Prozent (5,9). Die FDP fliegt mit 2,6 Prozent (6,4) aus dem Parlament. Das BSW bekommt 5,3 Prozent. Die Wahlbeteiligung liegt bei 77,8 Prozent (2021: 60,3) – der höchste Wert in Sachsen-Anhalt seit der Wiedervereinigung. Knapp 1,7 Millionen Menschen waren wahlberechtigt. Komplizierte Regierungs-Optionen Die bisher regierende Koalition aus CDU, SPD und FDP ist damit am Ende. Regierungs-Chef Schulze und sein Kabinett bleiben jedoch bis zur Wahl eines neuen Ministerpräsidenten geschäftsführend im Amt. Die AfD hatte vor der Wahl das Ziel einer Alleinregierung ausgegeben – das verpasst sie aber laut Zwischenergebnissen. Die sonstigen Regierungs-Optionen sind kompliziert. Die CDU lehnt eine Koalition oder vergleichbare Formen der Zusammenarbeit laut einem Bundesparteitagsbeschluss nicht nur mit der AfD, sondern auch mit der Linken für sich ab – die sogenannte „Brandmauer“. Für eine CDU-geführte Minderheitsregierung wäre das ein Knackpunkt. Zudem hat das BSW die Wahl von CDU-Spitzenkandidat Schulze zum Ministerpräsidenten ausgeschlossen. AfD will regieren und schließt Neuwahl nicht aus AfD-Spitzenkandidat Siegmund sagte zum Abschneiden seiner Partei: „Natürlich ist es ein Regierungsauftrag.“ Mit nur einer Stimme mehr werde er „selbstverständlich“ auch regieren, betonte er entgegen seiner Ankündigung im Wahlkampf, nur mit stabiler Mehrheit regieren zu wollen. Zugleich sagte der 35-Jährige, er sehe aktuell keine Partner für eine Koalition. Er wisse aber nicht, was in den nächsten Tagen passiert. „Ich weiß ja nicht, ob es einzelne Abgeordnete gibt, die sagen: Jetzt ist Schluss, jetzt spiel’ ich das hier nicht mehr mit.“ Da könne noch viel passieren. Auch AfD-Co-Bundes-Chefin Alice Weidel sprach von einem „ganz klaren Regierungsauftrag“. Co-Chef Tino Chrupalla sagte: „Ulrich Siegmund wird definitiv als Ministerpräsidentenkandidat im Landtag antreten, das ist schon mal sicher.“ Sollte es mit einer Regierungsbildung nicht klappen, kommt aus Sicht von Siegmund auch eine Neuwahl infrage. „Im Notfall würde es halt Neuwahlen geben, dann haben wir halt 50 oder 55 Prozent“, sagte er am Abend. Schulze gesteht Niederlage ein CDU-Spitzenkandidat Schulze – erst seit Januar als Ministerpräsident im Amt – gestand das Scheitern seiner Partei ein. „Es ist für uns eine Niederlage“, sagte der 47-Jährige. Mögliche Konsequenzen ließ er am Abend offen. „Ich fahre morgen nach Berlin, da ist Bundesvorstand. Und morgen Abend ist dann Landesvorstand. Und da werde ich der CDU Sachsen-Anhalt einen Verfahrensvorschlag machen. Aber das werden wir dann morgen im Landesvorstand auch besprechen“, sagte er. Schulze sah sich am Abend mit Forderungen aus den eigenen Reihen konfrontiert, als Landespartei-Chef zurückzutreten. Die CDU-Landtagsabgeordnete Eva Feußner verlangte dies ebenso wie die Junge Union Sachsen-Anhalt. Der Chef der Unionsfraktion im Bundestag, Thorsten Frei (CDU), sieht seine Partei vor schwierigen Gesprächen über eine Regierungsbildung unter Ausschluss der AfD. „Wir werden schauen müssen, was wir tun können, um für das Land eine einigermaßen stabile Regierung zu gewährleisten“, sagte er. „Das ist jetzt nicht die Stunde, wo man sich wegducken kann.“ Eine Zusammenarbeit mit der AfD schloss Frei erneut klar aus. BSW-Spitzenkandidat will mit AfD sprechen BSW-Spitzenkandidat Thomas Schulze zeigte sich hingegen offen für Gespräche mit der AfD. „Wir haben gesagt, wir sprechen mit allen Parteien. Dazu gehört die AfD“, sagte er. „Die Brandmauer interessiert uns nicht, wir werden mit allen Parteien sprechen.“ Die Co-Chefin der Partei im Bund, Amira Mohamed Ali, sagte: „Wir werden genau das tun nach der Wahl, was wir vor der Wahl angekündigt haben. Wir werden weder Herrn Schulze noch Herrn Siegmund wählen.“ FDP-Landes-Chefin Hüskens kündigte nach dem verpassten Wiedereinzug ihrer Partei in den Landtag ihren Rücktritt an. „Ich bin die Landesvorsitzende. Ich habe den Landtag als Spitzenkandidatin angeführt, sodass ich auch dafür die Konsequenz zahle“, sagte sie. Nur zwei Wochen bis zu den nächsten Wahlen Welche Konsequenzen die Landtagswahl mit dem Absturz der CDU für die schwarz-rote Koalition im Bund haben wird, ist noch nicht abzusehen. Bundeskanzler und CDU-Chef Friedrich Merz äußerte sich am Abend zunächst nicht zum Debakel für seine Partei. In zwei Wochen – am 20. September – folgen schon zwei weitere Landtagswahlen: in Mecklenburg-Vorpommern und im Land Berlin. Haben Sie eine Meinung zu diesem Artikel? Hier können Sie uns schreiben. Haben Sie Fehler entdeckt? Dann weisen Sie uns gern darauf hin.

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7. September
FAZ (Politik)

Wahl in Sachsen-Anhalt: AfD siegt haushoch, verfehlt aber die absolute Mehrheit

Die vom Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestufte AfD hat ihr Ergebnis in Sachsen-Anhalt im Vergleich zur Landtagswahl vor fünf Jahren mehr als verdoppelt. Damals war sie auf 20,8 Prozent gekommen. Nun hat die Partei laut dem vorläufigen amtlichen Endergebnis 43,8 Prozent der Stimmen geholt – es ist ihr bislang bestes Ergebnis bei einer Landtagswahl. Die absolute Mehrheit der Mandate hat die AfD jedoch knapp verfehlt. „Das ist ein historisches Ergebnis, und es ist ein ganz klarer Regierungsauftrag“, sagte Parteichefin Alice Weidel im ZDF. Spitzenkandidat Ulrich Siegmund schloss eine Minderheitsregierung unter seiner Führung aus. „Wir möchten uns nicht verbiegen für irgendwelche Machtoptionen“, sagte er am Sonntagabend im ZDF. CDU stürzt ab – BSW knapp über der Fünfprozenthürde Die bislang regierende CDU kommt zwar auf Platz zwei, fährt aber ihr historisch schlechtestes Ergebnis in Sachsen-Anhalt ein. Im Vergleich zur Wahl 2021 haben die Wähler ihr Ergebnis halbiert. Sie kommt nur noch auf 17,2 Prozent der Stimmen. Ministerpräsident und Spitzenkandidat Sven Schulze gratulierte der AfD am Sonntagabend. „Der Wahlsieger, die AfD, ist jetzt stärkste Kraft im Landtag von Sachsen-Anhalt, und wir werden auch als CDU mit diesem Ergebnis umgehen müssen“, sagte er auf der Wahlparty seiner Partei in Magdeburg. Die bisherige Landesregierung aus CDU, SPD und FDP kommt nicht mehr in die Nähe einer Mehrheit. Während die SPD ihr Ergebnis von vor fünf Jahren leicht verbessern konnte, verpasste die FDP hat den Einzug in den Landtag deutlich. Ihre Landesvorsitzende Lydia Hüskens kündigte noch am Abend ihren Rücktritt an. Im Landtag vertreten sein werden dagegen Linke und Grüne – wobei die Grünen mit 8,9 Prozent der Stimmen deutlich besser abgeschnitten haben, als etliche Umfragen hatten erwarten lassen. „Viele hatten Bündnis 90/Die Grünen als gesamtdeutsche Partei abgeschrieben. Und aller Voraussicht nach wird das heute das beste Wahlergebnis in der Geschichte von Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt sein“, sagte der Grünen-Parteichef Felix Banaszak im ZDF. Für eine absolute Mehrheit braucht es im Landtag 42 Abgeordnete. Die Parteien, die eine Zusammenarbeit mit der AfD ausschließen (CDU, SPD, Grüne, Linke), haben im neuen Landtag zusammengenommen ebenso 39 Mandate wie die AfD. Dazu kommen fünf BSW-Abgeordnete. Wie schon vor der Wahl warb das BSW auch am Sonntagabend für einen „überparteilichen Ministerpräsidenten“, der mit wechselnden Mehrheiten unter Einbindung der AfD regiert. „Ich glaube, dass die Wahrscheinlichkeit für unser Modell an diesem Wahlabend deutlich gestiegen ist“, sagte BSW-Chefin Amira Mohamed Ali am Sonntagabend in der ARD. Klingbeil stellt Reformkurs infrage Das Wahlergebnis dürfte auch Auswirkungen auf die schwarz-rote Koalition haben. CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann betonte jedoch in der ARD, es werde keine Diskussionen über den Parteichef und Kanzler Friedrich Merz geben. Das habe überhaupt nicht zur Debatte gestanden. Ähnlich äußerte sich der Fraktionsvorsitzende der Union, Thorsten Frei (CDU). „Es ist, glaube ich, in dieser Situation ganz wichtig, dass wir insgesamt stabil sind und stabil bleiben“, sagte er in der ARD. Man werde sich nun mit der Frage auseinandersetzen müssen, warum die CDU nicht die Zustimmung bekomme, die sie sich wünsche. Das gelte „im Grunde genommen für die ganze Bundesregierung“. Auch der SPD-Vorsitzende und Vizekanzler Lars Klingbeil sieht in dem Ergebnis ein „Signal an Berlin“. „Das ist ein Grund, nachzudenken über den Reformkurs der Bundesregierung“, sagte er im ZDF. In Sachsen-Anhalt waren knapp 1,7 Millionen Wahlberechtigte zur Stimmabgabe aufgerufen. Die Wahlbeteiligung lag bei 77,8 Prozent – und damit deutlich höher als 2021. Damals lag sie bei 60,3 Prozent. Die erste Sitzung des neuen Landtags muss spätestens am 30. Tag nach der Wahl stattfinden. Das ist der 6. Oktober. Dann enden auch die Amtszeiten der Minister und des Regierungschefs. Sie sind aber laut Verfassung verpflichtet, die Geschäfte weiterzuführen, bis die Nachfolger übernehmen. Es gibt keine Frist, bis wann ein neuer Regierungschef gewählt sein muss, aber Fristen für mögliche weitere Wahlgänge, sollten der erste und weitere scheitern.

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7. September
ZDF heute

Historischer Sieg für die AfD, herbe Niederlage für die CDU

Landtagswahl Sachsen-Anhalt:Historischer Sieg für die AfD, herbe Niederlage für die CDU von Hassan Rascho und Andreas Postel Rekordergebnis für die AfD, Debakel für die CDU: Wer künftig in Sachsen-Anhalt regiert, ist unklar. Siegmund will die "Hand ausstrecken" - schließt aber auch Neuwahlen nicht aus. Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt hat die politische Landschaft des Landes grundlegend verändert. Klarer Gewinner ist die AfD um Spitzenkandidat Ulrich Siegmund. Der vom Verfassungsschutz als rechtsextremistisch eingestufte Landesverband erzielte das beste Ergebnis der Partei bei einer Landtagswahl überhaupt. - Kommentar: Drei Erkenntnisse aus dem Wahlsieg der AfD - Sachsen-Anhalt: AfD-Rekordergebnis bei maximaler Polarisierung im Land Noch am Wahlabend signalisierte Siegmund Gesprächsbereitschaft gegenüber anderen Parteien. Er fügte hinzu, die AfD werde "die Hand ausstrecken", sollte es im neuen Landtag Fraktionen oder einzelne Abgeordnete geben, die zu Gesprächen bereit seien. AfD schließt Neuwahlen nicht aus Siegmund machte im "heute journal"-Interview deutlich, dass er notfalls auch Neuwahlen für denkbar hält. Sollte keine Regierung zustande kommen, könne das Volk erneut entscheiden. Im Notfall würde es halt Neuwahlen geben, dann haben wir halt 50 oder 55 Prozent. Ulrich Siegmund, AfD-Spitzenkandidat Die Zukunft, so Siegmund, sei "die Alternative für Deutschland". Die AfD mit Rekordergebnis, verfehlt aber eine absolute Mehrheit. Die CDU bricht zweistellig ein. Linke, SPD und Grüne schaffen den Einzug in den Landtag sicher, das BSW gerade so. 06.09.2026 | 2:03 minCDU erreicht historisch schlechtestes Ergebnis in Sachsen-Anhalt Für die CDU endete der Wahlabend mit einer schweren Niederlage. Die Partei von Ministerpräsident Sven Schulze verlor massiv an Zustimmung und erreichte ihr historisch schlechtestes Ergebnis in Sachsen-Anhalt. Ministerpräsident und CDU-Landeschef Schulze räumte die Niederlage seiner Partei ein. Es sei "ein extrem harter und intensiver Wahlkampf" gewesen, den es so vorher nicht gegeben habe. Mit dem Ergebnis müsse jetzt im neuen Landtag umgegangen werden. Wie es in der CDU weitergeht, das soll in den Gremien besprochen werden - erste Stimmen fordern schon den Rücktritt des gesamten Landesvorstands, unter anderem die Junge Union in Sachsen-Anhalt. Die Brandmauer stehe weiterhin - aus inhaltlicher Überzeugung. "Mit denen können wir nicht sprechen", so die CDU-Generalsekretärin in Bezug auf die AfD in Sachsen-Anhalt. 06.09.2026 | 4:55 minVerluste für Linke, Jubel bei den Grünen Auch die Linke musste Verluste hinnehmen. Die Partei, die sich im Wahlkampf als Bollwerk gegen die AfD präsentiert hatte, landete knapp vor der SPD. Spitzenkandidatin Eva von Angern zeigte sich vor allem über das starke Abschneiden der AfD besorgt. "Ich bin vor allem über den blauen Balken sehr enttäuscht", sagte sie. Viele Menschen, die vor einem solchen Wahlausgang Angst gehabt hätten, sähen sich nun in ihren Befürchtungen bestätigt. Die SPD konnte dagegen leicht zulegen. Spitzenkandidat Armin Willingmann bemühte sich um eine positive Bewertung des Ergebnisses. Wir sollten uns dieses respektable Ergebnis nicht klein reden lassen. Armin Willingmann, SPD-Spitzenkandidat Besonders groß war der Jubel bei den Grünen. Die Partei legte deutlich zu und erzielte ihr bislang bestes Ergebnis in Sachsen-Anhalt. Auf der Wahlfeier sprachen Vertreter der Partei von einem historischen Erfolg. Nach der Niederlage der CDU in Sachsen-Anhalt will die Bundespartei den Reformkurs fortsetzen. Über den will die SPD laut Vizekanzler Klingbeil indes "nachdenken". 06.09.2026 | 2:35 minWird BSW mit AfD zusammenarbeiten? Eine Schlüsselrolle bei möglichen Mehrheitsbildungen könnte dem Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) zukommen. Co-Spitzenkandidatin Claudia Wittig schloss eine Zusammenarbeit mit der AfD in einzelnen Sachfragen nicht grundsätzlich aus. Politik müsse "immer inhaltlich" entschieden werden, sagte sie. Eine Partei mit mehr als 40 Prozent der Stimmen pauschal auszuschließen, halte sie für problematisch. Zugleich betonte Wittig, auch die AfD müsse in konkreten politischen Fragen Position beziehen und sich an ihren Inhalten messen lassen. "Für die CDU ist der Abend eine Katastrophe", kommentiert ZDF-Chefredakteurin Schausten das Ergebnis der Wahl in Sachsen-Anhalt. Es sei "auch die Niederlage von Friedrich Merz". 06.09.2026 | 2:13 minFDP fliegt aus dem Landtag Ein Debakel erlebte hingegen die FDP. Die Liberalen verpassten den Wiedereinzug in den Landtag deutlich und fuhren ihr bislang schlechtestes Ergebnis im Land ein. Spitzenkandidatin Lydia Hüskens kündigte noch am Wahlabend ihren Rücktritt an. Bis spätestens 6. Oktober 2026 muss der neu gewählte Landtag zu seiner konstituierenden Sitzung zusammentreten. Wann ein neuer Ministerpräsident gewählt wird, ist noch unklar. Solange bleibt die jetzige Regierung geschäftsführend im Amt. Lassen Sie sich Beiträge von ZDFheute bevorzugt bei Google anzeigen. → Hier ZDFheute als bevorzugte Quelle einstellen. Mehr zur Wahl in Sachsen-Anhalt - Unions-Fraktionschef bei Illner:Frei: "Sprechen nicht mit Rechtsextremisten"von Torben Schrödermit Video62:57 - Internationale Pressestimmen:So reagiert die Welt auf die Wahl in Sachsen-Anhaltmit Video2:37 - GrafikenParteikompetenzen in Sachsen-Anhalt:Wichtige Wahlthemen - und wo die AfD punkten konnte - GrafikenWählerwanderung in Sachsen-Anhalt:Woher kommen die Wähler der AfD?

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7. September
Deutschlandfunk

Newsblog zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt - CDU gewinnt kein einziges Direktmandat

Jetzt gebe es "hoffentlich Mehrheiten im Magdeburger Landtag für einen Kurswechsel in der Energiepolitik, ein Ende der Russland-Sanktionen, bessere Bildung und eine grundlegende Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks", sagte Wagenknecht der Deutschen Presse-Agentur. "Diese Mehrheiten will das BSW nutzen, um das Leben der Menschen zu verbessern." +++ Inzwischen liegt das vorläufige amtliche Endergebnis der Wahl in Sachsen-Anhalt vor. Die AfD kommt auf 43,8 Prozent und hat damit ihren Stimmenanteil im Vergleich zur vorangegangenen Wahl mehr als verdoppelt. Die CDU dagegen verliert über die Hälfte und erhält 17,2 Prozent. Die Linke gibt 2,4 Punkte nach und liegt bei 8,6 Prozent. Die SPD legt mit 0,9 Punkten leicht zu und erreicht 9,3 Prozent. Die Grünen kommen mit einem Plus von 3 Punkten auf 8,9 Prozent. Das BSW zieht mit 5,1 Prozent erstmals in den Landtag ein. Nicht mehr vertreten hingegen ist die an der bisherigen Regierung beteiligte FDP, die nur noch auf 2,6 Prozent kommt. +++ Die CDU hat bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt kein einziges Direktmandat gewonnen. In allen 41 Wahlkreisen mussten sich die Kandidaten der bisherigen Regierungspartei nach vorläufigen Zahlen der Landeswahlleitung geschlagen geben. In 38 Wahlkreisen setzten sich Kandidatinnen und Kandidaten der AfD durch, darunter auch Spitzenkandidat Ulrich Siegmund im Wahlkreis Genthin. Nur in den großen Städten Magdeburg und Halle gelang der AfD demnach kein Durchmarsch. In einem Magdeburger Wahlkreis und zwei Wahlkreisen in Halle gewannen zwei Bewerber und eine Bewerberin der Linken das Direktmandat. Bei der Landtagswahl 2021 hatte die CDU sich noch in 40 der 41 Wahlkreise das Direktmandat gesichert, ein Direktmandat ging damals an die AfD. Entscheidend für die Wahl des Direktkandidaten ist die Erststimme, aus dem Zweitstimmenergebnis ergibt sich die Sitzverteilung im Landtag. +++ AfD-Spitzenkandidat Siegmund hat auch in seinem Wahlkreis einen klaren Sieg errungen. Der 35-Jährige gewann das Direktmandat im Wahlkreis Genthin mit großem Vorsprung vor CDU-Bewerber Staudt. Siegmund erreichte 49,0 Prozent der Erststimmen, Staudt kam laut Landeswahlleitung auf 24,0 Prozent. +++ Unions-Fraktionschef Frei rechnet nach der Wahl in Sachsen-Anhalt nicht mit Überläufern aus seiner Partei zur AfD. Damit weist der CDU-Politiker in der ZDF-Sendung "Maybrit Illner Spezial" entsprechende Spekulationen zurück. Die Union sei bei der Wahl "mehr als halbiert worden", erklärt er. Man stehe nun am Beginn vieler Überlegungen und müsse innerhalb der Union Gespräche führen, um für das Land eine einigermaßen stabile Regierung zu gewährleisten. +++ Die Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora hat vor einer AfD-geführten Landesregierung gewarnt. Für Gedenkstätten und Einrichtungen der historisch-politischen Bildung entstünde sonst eine grundlegend veränderte Lage. In solch einem Falle könnten diejenigen, die ihre Arbeit politisch bekämpften, künftig über deren Finanzierung und personelle Voraussetzungen mitentscheiden. Aus dem Deutschlandfunk-Programm Diese Nachricht wurde am 07.09.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.

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7. September
Tagesschau

Nach der Wahl: Wie geht es weiter?

Landtagswahl Sachsen-Anhalt Wie geht es nach der Wahl weiter? Die Wahl in Sachsen-Anhalt ist gelaufen, doch die Regierungsbildung dürfte kompliziert werden. Was sind die nächsten Schritte? Bis wann muss ein Ministerpräsident gewählt werden? Ein Überblick. Das vorläufige Ergebnis der Wahl steht fest. Die AfD hat mit 43,8 % mit Abstand die meisten Stimmen in Sachsen-Anhalt bekommen. Für die absolute Mehrheit der Sitze im Landtag reicht es allerdings nicht. 39 der 83 Sitze gehen an die AfD. CDU (17,2 %), SPD (9,3 %) und Grüne (8,9 %), die sich eine Koalition miteinander gut vorstellen könnten, kommen nur auf 31 Sitze. Die Linke (8,6 %) hat acht Sitze im neuen Landtag. Das BSW (5,3 %) kommt auf fünf Sitze. Die Frage der kommenden Tage und Wochen ist nun, wie eine neue Regierung gebildet werden kann. Wer regiert Sachsen-Anhalt in der Übergangszeit? Eine Übergangszeit ohne Regierung gibt es nicht. Bis zur Wahl eines neuen Regierungschefs bleiben CDU-Ministerpräsident Sven Schulze und seine Ministerinnen und Minister geschäftsführend im Amt. Bis wann muss der neue Landtag zum ersten Mal zusammenkommen? Der neu gewählte Landtag muss spätestens am 30. Tag nach der Wahl zusammentreten, also am 6. Oktober 2026. So steht es in der Landesverfassung von Sachsen-Anhalt. Der Präsident des alten Landtags, Gunnar Schellenberger (CDU), beruft den neu gewählten Landtag ein. Die erste Sitzung wird vom dienstältesten Abgeordneten geleitet; also von der Person, die am längsten Mitglied des Landtags ist. In der ersten Sitzung wird zum Beispiel über die Geschäftsordnung abgestimmt und ein neuer Landtagspräsident gewählt. Wann findet die Wahl des Ministerpräsidenten statt? Es gibt in Sachsen-Anhalt keine gesetzliche Frist, bis wann der neue Landtag einen neuen Ministerpräsidenten gewählt haben muss. Der Gedanke dahinter ist, dass Regierungsbildungen schwierig sein können. Folgender Ablauf ist üblich: Nach Abschluss von Gesprächen über eine Koalition oder eine Zusammenarbeit mehrerer Parteien - in welcher Form auch immer - wird die Wahl auf die Tagesordnung gesetzt. Möglich wäre aber auch: Eine Gruppe von Abgeordneten beantragt vor Abschluss von Gesprächen über eine Regierungsbildung, die Wahl auf die Tagesordnung zu setzen. Wie wird der neue Ministerpräsident gewählt? Die Wahl des Ministerpräsidenten ist eine geheime Abstimmung. Überraschungen sind also möglich und können gerade bei diesem knappen Ergebnis die Wahl maßgeblich prägen. Bei der Wahl können mehrere Kandidaten gegeneinander antreten. Es kann insgesamt drei Wahlgänge geben. Im ersten Wahlgang ist gewählt, wer die Mehrheit der Stimmen aller Abgeordneten bekommt. Man braucht also eine "absolute Mehrheit". Dies bedeutet: Mindestens 42 der 83 Abgeordneten müssen für einen Kandidaten stimmen. Erhält kein Kandidat diese Mehrheit, muss innerhalb von sieben Tagen ein zweiter Wahlgang stattfinden. Auch hier ist gewählt, wer die Mehrheit der Stimmen aller Abgeordneten bekommt. Klappt das nicht, folgt ein Zwischenschritt. Der Landtag muss innerhalb von 14 Tagen darüber abstimmen, ob er sich auflöst. Auch dafür braucht es die Mehrheit aller Mitglieder des Landtages. Die Folge wären Neuwahlen. Löst der Landtag sich nicht auf, findet sofort ein dritter Wahlgang statt. Hier genügt eine "einfache Mehrheit". Das bedeutet: Gewählt ist, wer die Mehrheit der abgegebenen Stimmen erhält. Enthaltungen werden dabei nicht gezählt. Deshalb kann am Ende auch ein Kandidat gewählt werden, für den nicht die Mehrheit aller Abgeordneten gestimmt hat. Was ist eine Minderheitsregierung? Die klassische Situation ist: Ein Ministerpräsident kann sich nach seiner Wahl auf eine Mehrheit im Landtag stützen. Mit dieser Mehrheit setzt er in aller Regel die Gesetzesvorhaben durch, die seine Regierung anstößt. Wenn der Ministerpräsident sich nach seiner Wahl nicht auf eine Mehrheit im Landtag stützen kann, spricht man von einer Minderheitsregierung. Dabei haben die Regierungsfraktionen zusammen keine absolute Mehrheit im Landtag. Bei einzelnen Vorhaben ist eine Regierung dann auf die Stimmen aus anderen Fraktionen angewiesen. Von 1994 bis 2002 wurde Sachsen-Anhalt von einer Minderheitsregierung aus SPD und Grünen regiert. Welche Szenarien sind jetzt möglich? Szenario 1: AfD-geführte Regierung: Die AfD hat die meisten Stimmen bekommen, aber sie hat keine absolute Mehrheit der Sitze im Landtag. Eine klassische Koalition mit der AfD schließen alle anderen Parteien aus. Die AfD hat das vor der Wahl auch getan. Am Wahlabend revidierte Spitzenkandidat Ulrich Siegmund dies jedoch und kündigte an, allen Parteien die Hand auszustrecken, die bereit seien, die Politik der AfD umzusetzen. Die AfD könnte auch versuchen, eine Minderheitsregierung zu führen. Für Gesetzesvorhaben bräuchte sie dann Stimmen aus anderen Fraktionen. Auch für die Wahl Siegmunds zum Ministerpräsidenten bräuchte es Stimmen aus anderen Fraktionen. Nach den Beschlüssen der CDU kommt eine Zusammenarbeit mit der AfD nicht in Betracht, auch SPD, Grüne und Linke haben das ausgeschlossen. Im dritten Wahlgang könnte jedoch schon ein einziger Abweichler aus einer anderen Fraktion ausreichen, damit Ulrich Siegmund mehr Stimmen bekommt als Sven Schulze und Ministerpräsident wird. Szenario 2: CDU-geführte Regierung: CDU, SPD und Grüne haben zusammen nur 31 der 83 Sitze im Landtag. Sie sind von einer Mehrheit also weit entfernt. Mit der Linken schließt die CDU eine Koalition aus. Wenn CDU, SPD und Grüne eine Minderheitskoalition bilden wollen und die Linke von der Duldung und Wahl von Sven Schulze oder einem anderen CDU-Kandidaten überzeugen können, hätten sie 39 Stimmen. Die Linke hat vor und nach der Wahl angekündigt, sich das unter bestimmten Voraussetzungen vorstellen zu können. Allerdings würde so immer noch keine einfache Mehrheit zustande kommen, die für die Wahl im dritten Wahlgang reichen würde. Denn auch die AfD hat ja 39 Stimmen. Es würde dann, wenn kein Abgeordneter abweicht, zu einer Pattsituation kommen. BSW: Zünglein an der Waage Das BSW ist mit seinen fünf Abgeordneten also das Zünglein an der Waage. Wenn sich diese bei der Wahl des Ministerpräsidenten enthalten, könnte es zu der Pattsituation im dritten Wahlgang kommen. Claudia Wittig, die Spitzenkandidatin des BSW, hat am Wahlabend wiederholt, weder Ulrich Siegmund noch Sven Schulze wählen zu wollen. Man sei aber bei bestimmten Themen bereit, auch mit der AfD zusammenzuarbeiten. Entscheidend könnte dann sein, ob sich das BSW von der AfD oder von CDU, SPD und Grünen doch zur Wahl überzeugen lässt. Schon ein einzelner Abgeordneter des BSW könnte im dritten Wahlgang reichen, den einen oder den anderen zum Ministerpräsidenten zu wählen. Was meint der Begriff "Regierungsauftrag"? Nach einer Wahl heißt es oft: Wer die meisten Stimmen hat, der hat den Auftrag, die Regierung zu bilden. Dabei handelt es sich um einen rein politischen Begriff. Es liegt zwar auf der Hand, dass die Partei mit den meisten Stimmen versucht, die Regierung zu bilden. Rechtlich ist das aber nicht zwingend. Niemand erteilt dieser Partei einen formalen Auftrag, eine Regierung zu bilden. Entscheidend ist, dass eine Regierung in einem der Wahlgänge die Mehrheit bekommt. Auch Parteien, die nicht die meisten Stimmen haben, können sich um eine Regierungsmehrheit bemühen. Ob sie das machen, ist wieder eine politische Frage. Wie läuft das in anderen Bundesländern? In zwei Bundesländern gibt es eine Minderheitsregierung. In Thüringen regiert Ministerpräsident Mario Voigt von der CDU in einer Koalition mit BSW und SPD, die im Landtag keine Mehrheit hat. Dort hat es allerdings aktuell Austritte aus der BSW-Fraktion gegeben. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer von der CDU regiert gemeinsam mit der SPD ohne eigene Mehrheit. Um Gesetze zu verabschieden, muss die Regierung in diesen beiden Bundesländern immer wieder Mehrheiten für konkrete Gesetzesvorhaben organisieren - zum Beispiel mit dem BSW oder der Linken. Wie könnte es zu Neuwahlen kommen? Sollte die Ministerpräsidentenwahl zu einer langen Hängepartie werden, würde sich auch die Frage nach Neuwahlen stellen. Die Landesverfassung von Sachsen-Anhalt sieht drei Möglichkeiten für Neuwahlen vor: - Wenn der Landtag in einem zweiten Wahlgang keinen Ministerpräsidenten gewählt hat. Dann kann der Landtag mit der Mehrheit seiner Mitglieder entscheiden, sich aufzulösen. - Wenn der Landtag mit einer Mehrheit von zwei Dritteln beschließt, sich aufzulösen. Ohne Stimmen der AfD wäre das nicht möglich. Dieser Antrag kann aber laut Landesverfassung frühestens nach einem halben Jahr gestellt werden. - Wenn ein neu gewählter Ministerpräsident die Vertrauensfrage stellen würde und sie verliert. Ein geschäftsführender Ministerpräsident kann keine Vertrauensfrage stellen, weil sein Amt nicht vom Vertrauen des Landtags abhängt. Ulrich Siegmund hat am Wahlabend bereits von Neuwahlen gesprochen. Möglicherweise setzt die AfD auch genau darauf.

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7. September
Die Zeit (Politik)

Vorläufiges Wahlergebnis: AfD gewinnt Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, verfehlt absolute Mehrheit

Die AfD hat die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt klar vor der regierenden CDU gewonnen, eine absolute Mehrheit aber verfehlt. Wie die Landeswahlleitung in der Nacht in Halle an der Saale mitteilte, erreichte die vom Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestufte Partei von Spitzenkandidat Ulrich Siegmund 43,8 Prozent der Stimmen und landete damit weit vor den Christdemokraten von Ministerpräsident Sven Schulze mit 17,2 Prozent. Eine Regierungsbildung dürfte angesichts der Sitzverteilung schwierig werden. Auch die SPD (9,3 Prozent), die Grünen (8,9), die Linke (8,6 Prozent) und das BSW mit 5,3 Prozent ziehen in den neuen Magdeburger Landtag ein. Die FDP schied mit 2,6 Prozent aus – sie war zuletzt bundesweit noch in sechs der 16 Landesparlamente vertreten. Landeschefin Sylvia Hüskens kündigte ihren Rücktritt an. Die Wahlbeteiligung erreichte mit 77,8 Prozent ein Allzeithoch. Der bisherige Rekord waren 71,7 Prozent im Jahr 1998 gewesen. Das erste Mal seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs könnte mit der AfD eine als gesichert rechtsextremistisch eingestufte Partei in einem Bundesland an die Macht gelangen – sie bräuchte dafür aber Unterstützer. Ob es ihr gelingen kann, etwa einzelne Abgeordnete anderer Fraktionen für die Wahl Siegmunds zum Ministerpräsidenten zu gewinnen, ist unklar. Eine Koalition mit der AfD hatten die übrigen Parteien vor der Wahl ausgeschlossen. Ergebnis verdoppelt Von den insgesamt 83 Sitzen im Landtag von Sachsen-Anhalt gehen 39 an die AfD und 15 an die CDU. Die SPD, die Grünen und die Linke erhalten demnach jeweils acht Mandate. An das BSW gehen fünf Sitze. Die absolute Mehrheit, für die 42 Mandate notwendig wären, verpasste die AfD. Die anderen Parteien erreichten zusammen 44 Sitze. Fast alle der 41 Direktmandate gingen an die AfD, lediglich einen Wahlkreis in Magdeburg und zwei weitere in Halle gewann die Linke. Im Vergleich zur Landtagswahl vom 6. Juni 2021 konnte die AfD ihr Zweitstimmenergebnis um 23,0 Prozentpunkte mehr als verdoppeln. Die CDU brach hingegen deutlich um 19,9 Punkte ein. Die SPD legte um 0,9 Punkte leicht zu, während die Grünen sich um 3,0 Punkte verbesserten und die Linke 2,4 Punkte verlor. Das BSW war vor fünf Jahren nicht angetreten. Die FDP rutschte um 3,8 Punkte ab. Schwierige Regierungsbildung Die AfD hatte vor der Wahl das Ziel einer Alleinregierung ausgegeben – das verpasst sie aber. Die sonstigen Regierungsoptionen sind kompliziert. Das einzige Bündnis, das rein rechnerisch ohne die AfD eine Mehrheit hätte, wäre ein Zusammenschluss aller übrigen Parteien. Die CDU lehnt aber eine Koalition oder vergleichbare Formen der Zusammenarbeit laut einem Bundesparteitagsbeschluss nicht nur mit der AfD, sondern auch mit der Linken ab. Zudem hat die BSW-Bundesspitze die Wahl von CDU-Spitzenkandidat Schulze zum Ministerpräsidenten ausgeschlossen. AfD schließt Neuwahl nicht aus AfD-Spitzenkandidat Siegmund sagte zum Abschneiden seiner Partei: »Natürlich ist es ein Regierungsauftrag.« »Selbstverständlich« werde er auch mit nur einer Stimme mehr regieren, sagte er entgegen seiner Ankündigung im Wahlkampf, nur mit stabiler Mehrheit regieren zu wollen. Zugleich sagte der 35-Jährige, er sehe aktuell keine Partner für eine Koalition. Er wisse aber nicht, was in den nächsten Tagen passiere. »Ich weiß ja nicht, ob es einzelne Abgeordnete gibt, die sagen: »Jetzt ist Schluss, jetzt spiel' ich das hier nicht mehr mit«. Sollte es die Regierungsbildung nicht zustande kommen, kommt aus Sicht von Siegmund auch eine Neuwahl infrage. »Im Notfall würde es halt Neuwahlen geben, dann haben wir halt 50 oder 55 Prozent«, sagte er am Abend.

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7. September
Handelsblatt

Landtagswahl: Viele Fragen offen - wie geht es in Sachsen-Anhalt weiter?

Landtagswahl: Viele Fragen offen - wie geht es in Sachsen-Anhalt weiter? Magdeburg. Die Wähler in Sachsen-Anhalt haben entschieden - doch klar ist nach der Landtagswahl wenig. Das Wahlergebnis lässt offen, wer das Bundesland mit 2,1 Millionen Einwohnern künftig regieren kann. Fragen und Antworten, wie es weitergehen könnte. Wie sieht das Wahlergebnis aus? Die AfD hat die Wahl klar gewonnen und strebt an die Regierung. Doch für eine Alleinregierung reichen nach dem vorläufigen Ergebnis ihre knapp 44 Prozent nicht. Könnte es eine CDU-geführte Landesregierung geben? Eine Regierungsbildung gegen die AfD wäre nur möglich, wenn alle anderen zusammenarbeiten - also von CDU über SPD, Grüne, Linke bis BSW. Eine Kooperation zwischen fünf Partnern wäre aber äußerst ungewöhnlich, sehr kompliziert und kaum vorstellbar. Eine Koalition oder koalitionsähnliche Zusammenarbeit mit der Linken hat die CDU ohnehin per Parteitagsbeschluss ausgeschlossen, ebenso wie mit der AfD - zu einer informellen Zusammenarbeit wäre die Linke zwar bereit, aber nur bei inhaltlichen Zugeständnissen. Das BSW wiederum ist mit dem Anspruch in den Wahlkampf gezogen, die CDU zu stürzen. Die AfD sieht den Regierungsauftrag bei sich - wie will sie an die Macht kommen? Auch wenn die AfD knapp eine eigene Mehrheit im Landtag verfehlt hat: Ihr Spitzenkandidat Ulrich Siegmund verfolgt weiter seinen Plan, erster Regierungschef der Rechtsaußen-Partei in einem Bundesland zu werden. Einen natürlichen Koalitionspartner, mit denen man grundsätzliche Probleme wie etwa die Migrationspolitik angehen könne, sehe er Stand jetzt zwar nicht, sagte er in Interviews am Wahlabend. Doch könne es den einen oder anderen Mitbewerber geben, der in den kommenden Tagen ins Grübeln komme. „Gibt es einzelne Abgeordnete, die das doch möglich machen sollten?“, fragte er. „Gibt es irgendwo eine Partei, die den eigenen Kurswechsel herbeiführt?“ Könnte es Überläufer aus der CDU zur AfD geben? Solche Spekulationen halten sich seit Monaten. Ein paar AfD-Politiker erzählen, es gebe Gespräche mit CDU-Landtagsabgeordneten, ob die sich einen Wechsel zur AfD vorstellen könnten. Doch Namen nennen sie nicht - und Belege gibt es nicht. Klar ist, dass auf Überläufern ein riesiger öffentlicher Druck lasten würde. Könnte die AfD aufs BSW setzen? Diese aus seiner Sicht instabile Partei sei nicht Teil der Lösung, sondern Teil des Problems, sagt Siegmund. Hintergrund waren Avancen der BSW-Gründerin Sarah Wagenknecht. Sie hatte angedeutet, dass ihre Partei durchaus einem AfD-Ministerpräsidenten zur Macht verhelfen könnte – durch Enthaltung im entscheidenden Wahlgang. AfD-Bundeschef Tino Chrupalla brachte am Abend eine Minderheitsregierung ins Spiel, die sich etwa vom BSW dulden lässt und wechselnde Mehrheiten sucht. Doch ein endloses Gezerre will sich der selbstbewusste Wahlsieger nicht antun. Fast trotzig sagt Siegmund am späten Abend: „Im Notfall würde es halt Neuwahlen geben, dann haben wir halt 50 oder 55 Prozent.“ Gut vorbereitet sieht Siegmund seine Partei so oder so: Seine Regierungsmannschaft stehe schon seit Monaten. Wo sind AfD und BSW sich nahe und welche Probleme gäbe es? Das BSW hatte vor der Wahl eine Koalition mit der AfD ausgeschlossen. Gleichzeitig will die Partei aber die sogenannte Brandmauer einreißen. Eine Zusammenarbeit hält sie sich also offen, die Form ist unklar. Inhaltlich gibt es Berührungspunkte. Das BSW vertritt eine strikte Linie zur Migration, auch der Ruf nach Rückkehr zu billigem Gas aus Russland hört sich bei BSW und AfD ähnlich an. Vorbehalte gibt es beim BSW gegen Aspekte der Bildungs- und Wirtschaftspolitik der AfD. Parteigründerin Sahra Wagenknecht zeigt sich grundsätzlich offen für einen „politischen Neuanfang“. Allerdings gibt es auch die Ankündigung von Co-Parteichefin Amira Mohamed Ali vom Wahlabend: „Wir werden weder Herrn Schulze noch Herrn Siegmund wählen.“ Das BSW vertritt offiziell ein eigenes Modell: Ein „überparteilicher Ministerpräsident“ soll mit wechselnden Mehrheiten einschließlich der AfD regieren. Bisher unterstützt keine andere Partei diese Idee. Wie geht es weiter? Am Montag werten in Berlin die Vorstände der Parteien das Wahlergebnis aus, und die meisten Parteispitzen stellen sich auf Pressekonferenzen den Fragen der Medien. Am Abend tagt in Sachsen-Anhalt der CDU-Landesvorstand. Dort könnte es unter anderem um die Zukunft von Sven Schulze gehen. Es gibt erste Rücktrittsforderungen aus den Reihen der Christdemokraten. Welche Regeln und Fristen gelten im Parlament in Magdeburg? Der neue Landtag muss laut Landesverfassung spätestens am 30. Tag nach der Wahl erstmals zusammentreten, also am 6. Oktober. Dann enden auch die Amtszeiten der Minister und des Regierungschefs. Sie alle sind aber verpflichtet, im Amt zu bleiben, bis die Nachfolger übernehmen. Die erste Sitzung wird vom Alterspräsidenten eröffnet, dem am längsten im Landtag vertretenen Abgeordneten. Er oder sie leitet die Sitzung, bis ein neuer Landtagspräsident gewählt ist. Dieser nimmt bei der Gestaltung der Abläufe eine entscheidende Rolle ein - etwa bei der Einberufung von Sitzungen. Laut Geschäftsordnung schlägt die stärkste Fraktion einen Abgeordneten für die Wahl zum Präsidenten vor. Die drei stärksten Fraktionen schlagen zudem jeweils einen Vizepräsidenten vor. Gewählt ist, wer die Mehrheit der abgegebenen gültigen Stimmen bekommt. Verwandte Themen Nach der in diesem Jahr verabschiedeten Parlamentsreform gilt das monopolisierte Vorschlagsrecht der stärksten Fraktion nur im ersten Wahlgang. Ab dem zweiten Wahlgang können alle Fraktionen Kandidaten aufstellen. Ergibt sich auch dann keine Mehrheit, folgen weitere Wahlgänge. Wie wird der Ministerpräsident gewählt? Der Ministerpräsident wird ohne Aussprache in geheimer Abstimmung gewählt. Es gibt keine Frist, bis wann dies passieren muss. Abgeordnete sowie Fraktionen können selbst entscheiden, wann sie Wahlanträge einreichen. Sobald mindestens ein Wahlantrag vorliegt, wird die Wahl für die nächste erreichbare Landtagssitzung auf die Tagesordnung gesetzt - dies kann auch gleich die erste sein. Gewählt ist, wer im ersten Wahlgang die Stimmen der Mehrheit der Mitglieder erhält. Klappt die Wahl beim ersten Versuch nicht, greifen Fristen: So muss innerhalb von sieben Tagen ein weiterer Wahlgang stattfinden. Kommt auch dann die Wahl nicht zustande, beschließt der Landtag innerhalb von weiteren vierzehn Tagen, ob die Wahlperiode vorzeitig beendet wird. Wird dies nicht mit der Mehrheit der Mitglieder des Landtags beschlossen, findet unverzüglich ein weiterer Wahlgang statt: Dann reicht die Mehrheit der abgegebenen Stimmen.

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7. September
Der Spiegel (Politik)

Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: AfD gewinnt vor CDU, verpasst aber absolute Mehrheit

Vorläufiges Endergebnis AfD gewinnt Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, CDU erlebt Debakel Die AfD hat die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt mit großem Vorsprung gewonnen. Laut dem vorläufigen Endergebnis kommt die Partei mit Spitzenkandidat Ulrich Siegmund auf 43,8 Prozent. Die anvisierte absolute Mehrheit verfehlte sie damit. - Die CDU landete mit 17,2 Prozent weit abgeschlagen auf dem zweiten Rang. - SPD und Bündnis 90/Die Grünen konnten ihr Ergebnis mit 9,3 Prozent beziehungsweise 8,9 Prozent gegenüber der vorherigen Landtagswahl leicht verbessern. - Die Linke fährt ein für das Bundesland historisch schlechtes Ergebnis ein, schafft es mit 8,6 Prozent aber dennoch sicher in den Landtag. - Auch das BSW wird mit 5,3 Prozent dort vertreten sein. - Die FDP (2,6 Prozent) scheidet hingegen aus dem Parlament aus. Mit 77,8 Prozent war die Wahlbeteiligung so hoch wie noch nie bei einer Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. 2021 hatten 60,3 Prozent der Wähler und Wählerinnen ihre Stimme abgegeben. Knapp 1,7 Millionen Menschen waren wahlberechtigt. Die bisher regierende Koalition aus CDU, SPD und FDP ist damit am Ende, Regierungschef Sven Schulze und sein Kabinett bleiben jedoch bis zur Wahl eines neuen Ministerpräsidenten geschäftsführend im Amt. Die AfD hatte vor der Wahl das Ziel einer Alleinregierung ausgegeben – das verpasst sie aber laut dem vorläufigen Endergebnis. Die sonstigen Regierungsoptionen sind kompliziert (mehr dazu, warum Sahra Wagenknecht plötzlich wieder ein Machtfaktor ist, erfahren Sie hier ). Siegmund bringt schon Neuwahlen ins Spiel Die AfD sieht den Regierungsauftrag klar bei sich. Spitzenkandidat Siegmund sagte, »selbstverständlich« werde er auch mit nur einer Stimme mehr regieren – entgegen seiner Ankündigung im Wahlkampf, nur mit stabiler Mehrheit regieren zu wollen. Zugleich sagte der 35-Jährige, er sehe aktuell keine Partner für eine Koalition. Er wisse aber nicht, was in den nächsten Tagen passiere. »Ich weiß ja nicht, ob es einzelne Abgeordnete gibt, die sagen: ›Jetzt ist Schluss, jetzt spiel’ ich das hier nicht mehr mit‹.« Da könne noch viel passieren. Auch AfD-Co-Bundeschefin Alice Weidel sprach von einem »ganz klaren Regierungsauftrag«. Co-Chef Tino Chrupalla sagte: »Ulrich Siegmund wird definitiv als Ministerpräsidentenkandidat im Landtag antreten, das ist schonmal sicher.« Sollte es mit einer Regierungsbildung nicht klappen, kommt aus Sicht von Siegmund auch eine Neuwahl infrage. »Im Notfall würde es halt Neuwahlen geben, dann haben wir halt 50 oder 55 Prozent«, sagte er am Abend. Schulze gesteht Niederlage ein CDU-Spitzenkandidat Schulze – erst seit Januar als Ministerpräsident im Amt – gestand das Scheitern seiner Partei ein. »Es ist für uns eine Niederlage«, sagte der 47-Jährige. Mögliche Konsequenzen ließ er am Abend offen. »Ich fahre morgen nach Berlin, da ist Bundesvorstand, und morgen Abend ist dann Landesvorstand, und da werde ich der CDU Sachsen-Anhalt einen Verfahrensvorschlag machen. Aber das werden wir dann morgen im Landesvorstand auch besprechen«, sagte er. Schulze sah sich am Abend mit Forderungen aus den eigenen Reihen konfrontiert, als Landesparteichef zurückzutreten. Die CDU-Landtagsabgeordnete Eva Feußner verlangte dies ebenso wie die Junge Union Sachsen-Anhalt (mehr zum Druck auf Schulze hier ). Welche Konsequenzen die Landtagswahl mit dem Absturz der CDU für die schwarz-rote Koalition im Bund haben wird, ist noch nicht abzusehen. Bundeskanzler und CDU-Chef Friedrich Merz äußerte sich am Abend zunächst nicht zum Debakel für seine Partei (mehr dazu, ob Merz nun ein Aufstand droht, erfahren Sie hier ). In zwei Wochen – am 20. September – folgen schon zwei weitere Landtagswahlen: in Mecklenburg-Vorpommern und im Land Berlin.

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7. September
Handelsblatt

Landtagswahl: AfD siegt in Sachsen-Anhalt – Debakel für die CDU

Landtagswahl: AfD siegt in Sachsen-Anhalt – Debakel für die CDU Magdeburg. Die AfD mit ihrem Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund hat die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt mit großem Vorsprung gewonnen, die absolute Mehrheit aber verpasst. Die CDU mit Ministerpräsident Sven Schulze kommt mit herben Verlusten auf Platz zwei, wie aus den auf der Webseite der Landeswahlleiterin veröffentlichten vorläufigen Ergebnissen hervorgeht. Das erste Mal seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs könnte mit der AfD eine als gesichert rechtsextremistisch eingestufte Partei in einem Bundesland an die Macht gelangen – sie bräuchte dafür aber Unterstützer. Ob es ihr gelingen kann, etwa einzelne Abgeordnete anderer Fraktionen für die Wahl Siegmunds zum Ministerpräsidenten zu gewinnen, ist unklar. Eine Koalition mit der AfD hatten die übrigen Parteien im Landtag vor der Wahl ausgeschlossen. Den vorläufigen Ergebnissen zufolge büßt die Linke Stimmen ein, die SPD bleibt einstellig. Die Grünen fahren ihr bestes Ergebnis bei Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt ein. Die FDP scheitert an der Fünf-Prozent-Hürde – Landeschefin Sylvia Hüskens kündigte ihren Rücktritt an. Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) musste lange zittern, zieht aber nun erstmals in den Landtag in Magdeburg ein. AfD verdoppelt ihr Ergebnis – CDU stürzt ab Die AfD kann laut vorläufigen Ergebnissen ihren Stimmenanteil auf 43,8 Prozent (2021: 20,8) mehr als verdoppeln. Es ist der beste Wert, den eine Partei in den vergangenen zehn Jahren bei Landtagswahlen erreicht hat, und ein Rekord für die AfD. Die CDU stürzt ab auf 17,2 Prozent (37,1) – ihr schlechtestes Ergebnis bei einer Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Die Linke verliert leicht und kommt auf 8,6 Prozent (11). Die SPD kann sich mit 9,3 Prozent (8,4) auf niedrigem Niveau verbessern. Die Grünen klettern auf 8,9 Prozent (5,9). Die FDP fliegt mit 2,6 Prozent (6,4) aus dem Parlament. Das BSW bekommt 5,3 Prozent. Im Landtag in Magdeburg erhält die AfD demnach 39 Sitze (2021: 23), die CDU 15 (40). Die Linke kommt auf 8 Mandate (12), die SPD ebenfalls auf 8 (9) und auch die Grünen erhalten 8 Sitze (6). Das BSW stellt 5 Abgeordnete. Die Wahlbeteiligung liegt laut vorläufigen Ergebnissen bei 77,8 Prozent (2021: 60,3) – der höchste Wert in Sachsen-Anhalt seit der Wiedervereinigung. Knapp 1,7 Millionen Menschen waren wahlberechtigt. Komplizierte Regierungsoptionen Die bisher regierende Koalition aus CDU, SPD und FDP ist damit am Ende, Regierungschef Schulze und sein Kabinett bleiben jedoch bis zur Wahl eines neuen Ministerpräsidenten geschäftsführend im Amt. Die AfD hatte vor der Wahl das Ziel einer Alleinregierung ausgegeben – das verpasst sie aber. Die sonstigen Regierungsoptionen sind kompliziert. Das einzige Bündnis, das rein rechnerisch ohne die AfD eine Mehrheit hätte, wäre ein Zusammenschluss aller übrigen Parteien. Die CDU lehnt aber eine Koalition oder vergleichbare Formen der Zusammenarbeit laut einem Bundesparteitagsbeschluss nicht nur mit der AfD, sondern auch mit der Linken für sich ab. Diese Linie wird als „Brandmauer“ bezeichnet. Auch für eine CDU-geführte Minderheitsregierung wäre das ein Knackpunkt. Zudem hat die BSW-Bundesspitze die Wahl von CDU-Spitzenkandidat Schulze zum Ministerpräsidenten ausgeschlossen. AfD will regieren und schließt Neuwahl nicht aus AfD-Spitzenkandidat Siegmund sagte zum Abschneiden seiner Partei: „Natürlich ist es ein Regierungsauftrag.“ „Selbstverständlich“ werde er auch mit nur einer Stimme mehr regieren, betonte er entgegen seiner Ankündigung im Wahlkampf, nur mit stabiler Mehrheit regieren zu wollen. Zugleich sagte der 35-Jährige, er sehe aktuell keine Partner für eine Koalition. Er wisse aber nicht, was in den nächsten Tagen passiert. „Ich weiß ja nicht, ob es einzelne Abgeordnete gibt, die sagen: "Jetzt ist Schluss, jetzt spiel' ich das hier nicht mehr mit".“ Da könne noch viel passieren. Auch AfD-Co-Bundeschefin Alice Weidel sprach von einem „ganz klaren Regierungsauftrag“. Co-Chef Tino Chrupalla sagte: „Ulrich Siegmund wird definitiv als Ministerpräsidentenkandidat im Landtag antreten, das ist schonmal sicher.“ Sollte es mit einer Regierungsbildung nicht klappen, kommt aus Sicht von Siegmund auch eine Neuwahl infrage. „Im Notfall würde es halt Neuwahlen geben, dann haben wir halt 50 oder 55 Prozent“, sagte er am Abend. Schulze gesteht Niederlage ein CDU-Spitzenkandidat Schulze – erst seit Januar als Ministerpräsident im Amt – gestand das Scheitern seiner Partei ein. „Es ist für uns eine Niederlage“, sagte der 47-Jährige. Mögliche Konsequenzen ließ er am Abend offen. „Ich fahre morgen nach Berlin, da ist Bundesvorstand, und morgen Abend ist dann Landesvorstand, und da werde ich der CDU Sachsen-Anhalt einen Verfahrensvorschlag machen. Aber das werden wir dann morgen im Landesvorstand auch besprechen“, sagte er. Schulze sah sich am Abend mit Forderungen aus den eigenen Reihen konfrontiert, als Landesparteichef zurückzutreten. Die CDU-Landtagsabgeordnete Eva Feußner verlangte dies ebenso wie die Junge Union Sachsen-Anhalt. Der Chef der Unionsfraktion im Bundestag, Thorsten Frei (CDU), sieht seine Partei vor schwierigen Gesprächen über eine Regierungsbildung unter Ausschluss der AfD. „Wir werden schauen müssen, was wir tun können, um für das Land eine einigermaßen stabile Regierung zu gewährleisten“, sagte er. „Das ist jetzt nicht die Stunde, wo man sich wegducken kann.“ Eine Zusammenarbeit mit der AfD schloss Frei erneut klar aus. BSW-Spitzenkandidat will mit AfD sprechen BSW-Spitzenkandidat Thomas Schulze zeigte sich hingegen offen für Gespräche mit der AfD. „Wir haben gesagt, wir sprechen mit allen Parteien. Dazu gehört die AfD“, sagte er der dpa. „Die Brandmauer interessiert uns nicht, und wir werden mit allen Parteien sprechen.“ Verwandte Themen Die Co-Chefin der Partei im Bund, Amira Mohamed Ali, sagte: „Wir werden genau das tun nach der Wahl, was wir vor der Wahl angekündigt haben. Wir werden weder Herrn Schulze noch Herrn Siegmund wählen.“ FDP-Landeschefin Hüskens kündigte nach dem verpassten Wiedereinzug ihrer Partei in den Landtag ihren Rücktritt an. „Ich bin die Landesvorsitzende, ich habe den Landtag als Spitzenkandidatin angeführt, sodass ich auch dafür die Konsequenz zahle“, sagte sie der dpa. Nur zwei Wochen bis zu den nächsten Wahlen Welche Konsequenzen die Landtagswahl mit dem Absturz der CDU für die schwarz-rote Koalition im Bund haben wird, ist noch nicht abzusehen. Bundeskanzler und CDU-Chef Friedrich Merz äußerte sich am Abend zunächst nicht zum Debakel für seine Partei. In zwei Wochen – am 20. September – folgen schon zwei weitere Landtagswahlen: in Mecklenburg-Vorpommern und im Land Berlin.

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7. September
FAZ (Politik)

Liveblog zur Wahl in Sachsen-Anhalt: Vorläufiges amtliches Endergebnis: AfD 43,8%

Liveblog zur Wahl in Sachsen-Anhalt : Vorläufiges amtliches Endergebnis: AfD 43,8% Lesezeit: Ein AfD-Anhänger mit einem Ulrich-Siegmund-Plakat auf der AfD-Wahlparty in Magdeburg.Daniel Pilar AfD-Spitzenkandidat spricht schon über mögliche Neuwahlen: „Dann haben wir halt 50 oder 55 Prozent“ +++ Elon Musk gratuliert AfD +++ Kein Direktmandat für die CDU +++ Entwicklungen im Liveblog Klaus Bardenhagen Vorläufiges amtliches Endergebnis Die AfD hat die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt deutlich vor der regierenden CDU gewonnen, eine absolute Mehrheit aber verpasst. Wie die Landeswahlleitung in der Nacht zum Montag in Halle an der Saale mitteilte, erhielten: - AfD 43,8 Prozent - CDU 17,2 - SPD 9,3 - Grüne 8,9 - Linke 8,6 - BSW 5,3 - FDP 2,6 (scheidet aus dem Landtag aus) Die Sitzverteilung im Landtag mit insgesamt 83 Sitzen fällt demnach so aus: - AfD 39 Mandate - CDU 15 - SPD 8 - Grüne 8 - Linke 8 - BSW 5 Für eine absolute Mehrheit braucht es 42 Abgeordnete. Die Parteien, die eine Zusammenarbeit mit der AfD ausschließen (CDU, SPD, Grüne, Linke) haben zusammengenommen ebenso 39 Mandate wie die AfD. Dazu kommen 5 BSW-Abgeordnete. In Sachsen-Anhalt könnte mit der AfD das erste Mal seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs eine als gesichert rechtsextremistisch eingestufte Partei in einem Bundesland an die Macht gelangen – bräuchte dafür aber Unterstützer. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Klaus Bardenhagen Musk gratuliert AfD Der seit längerem mit der AfD sympathisierende Tech-Unternehmer Elon Musk hat der rechten Partei zu ihrem Wahlsieg in Sachsen-Anhalt gratuliert - und im Gegenzug direkt ein Kooperationsangebot bekommen. „Gut gemacht!“, schrieb Musk auf seiner Online-Plattform X auf Deutsch als Kommentar zu einem Beitrag der AfD-Vorsitzenden Alice Weidel, in dem sie Spitzenkandidat Ulrich Siegmund zum Triumph in Sachsen-Anhalt beglückwünscht hatte. Siegmund antwortete dem reichsten Mann der Welt sogleich und dankte ihm für seine „Unterstützung“. Auf Englisch schrieb der AfD-Frontmann: „Wenn wir hier Verantwortung übernehmen, würde ich die Gelegenheit zu einer starken und konstruktiven Zusammenarbeit sehr begrüßen. Deutschland wäre dann wieder ein Standort, in den es sich zu investieren lohnt. Beste Grüße aus Sachsen-Anhalt!“ Auch der früher in Berlin stationierte US-Botschafter Richard Grenell, der wie Musk enge Verbindungen zu US-Präsident Donald Trump pflegt, gratulierte der AfD auf X. „Ein großer Sieg und ein neuer Tag in Deutschland“, schrieb Grenell, der als Diplomat hierzulande mehrfach mit polarisierenden Äußerungen aneckte. Trump selbst hat bislang keine politische Stellungnahme zum Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt abgegeben. Seit seinem Amtsantritt wird der AfD aber ein besserer Draht denn je in die US-Hauptstadt Washington nachgesagt. Co-Parteichefin Weidel nannte Trump angesichts seines Wiedereinzugs ins Weiße Haus ein Vorbild, AfD-Vertreter reisten zu seiner Amtseinführung nach Washington. Musk wiederum machte als damals noch enger Berater des Republikaners intensiv Werbung für die AfD und setzt sich nach wie vor für politische Meinungsmacher aus dem rechten Spektrum ein. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Klaus Bardenhagen CDU und AfD treffen nach Wahl in Hotel-Foyer aufeinander Es ist ein ungewöhnliches politisches Nebeneinander, das sich nach Mitternacht im Foyer des Maritim-Hotels zeigt, wo die CDU Sachsen-Anhalt ihre Wahlkampfparty feiert. Nur wenige Meter von den übriggebliebenen CDU-Mitgliedern entfernt lässt sich eine Gruppe von AfD-Politikern um Sachsen-Anhalts Fraktionschef Oliver Kirchner nieder. Es ist eine zufällige Begegnung: Viele Politiker und Mitarbeiter anderer Parteien übernachten in dem zentral gelegenen Hotel in der Magdeburger Innenstadt. Während die AfD-Politiker unter sich bleiben, mischen sich Abgeordnete von CDU, SPD, Grünen und FDP im Foyer des Hotels und diskutieren den Wahlausgang. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Klaus Bardenhagen Frei: Union darf sich nicht wegducken Der Chef der Unionsfraktion im Bundestag, Thorsten Frei, sieht seine Partei nach ihren dramatischen Verlusten in Sachsen-Anhalt vor schwierigen Gesprächen über eine Regierungsbildung unter Ausschluss der AfD. „Wir werden schauen müssen, was wir tun können, um für das Land eine einigermaßen stabile Regierung zu gewährleisten“, sagte der CDU-Politiker in der ZDF-Sendung „Maybrit Illner“.  Demokratie sei die Herrschaft der Mehrheit, sagte Frei. „Das heißt, diejenigen, die es schaffen, eine Mehrheit zusammenzubringen, die haben den Regierungsauftrag.“ Grundsätzlich könne auch Schulze nochmals eine Koalition in Sachsen-Anhalt anführen. „Das ist jetzt nicht die Stunde, wo man sich wegducken kann“, sagte Frei, der von einem bitteren Abend sprach. Nun müsse sich die CDU „sehr genau anschauen, wie wir damit umgehen“. Man stehe am Beginn von vielen Überlegungen und Gesprächen. Eine Zusammenarbeit mit der AfD schloss Frei erneut klar aus. „Unser Ziel ist es, eine AfD-Regierung zu verhindern.“ Thorsten Frei und Ines Schwerdtner, Parteichefin der Linken. ZDF/Jule Roehr Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Klaus Bardenhagen CDU gewinnt kein einziges Direktmandat Die CDU hat bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt kein einziges Direktmandat gewonnen. In allen 41 Wahlkreisen mussten sich die Kandidaten der bisherigen Regierungspartei nach vorläufigen Zahlen der Landeswahlleitung geschlagen geben. Auch Ministerpräsident Sven Schulze kat kein Direktmandat gewonnen. In seinem Wahlkreis Magdeburg III kam er laut vorläufigem Ergebnis auf 31,7 Prozent und lag damit hinter dem erstplatzierten AfD-Kandidaten Christian Mertens mit 35,2 Prozent.    In 38 Wahlkreisen setzten sich Kandidatinnen und Kandidaten der AfD durch, darunter auch Spitzenkandidat Ulrich Siegmund im Wahlkreis Genthin. Nur in den großen Städten Magdeburg und Halle gelang der AfD demnach kein Durchmarsch. In einem Magdeburger Wahlkreis und zwei Wahlkreisen in Halle gewannen zwei Bewerber und eine Bewerberin der Linken das Direktmandat. Bei der Landtagswahl 2021 hatte die CDU sich noch in 40 der 41 Wahlkreise das Direktmandat gesichert, eines ging damals an die AfD. Entscheidend für die Wahl des Direktkandidaten ist die Erststimme; die Sitzverteilung im Landtag ergibt sich aus dem Zweitstimmenergebnis. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Sebastian Gubernator So reagiert das Ausland auf die Wahl in Sachsen-Anhalt Der Erdrutschsieg der AfD hat in den europäischen Nachbarländern unterschiedliche Reaktionen ausgelöst. Der polnische Ministerpräsident Donald Tusk schrieb am Sonntag im Onlinedienst X, in Polen könnten sich „nur Idioten oder Verräter über den Triumph der AfD in Deutschland freuen“. Der französische Europaminister Benjamin Haddad erklärte auf X, es handele sich um einen „schwerwiegenden Moment in Europa“. „Wir müssen mit Demut den Zorn, die Sorgen und Ängste anhören und darauf antworten. Doch Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit werden niemals eine Lösung sein“, betonte Haddad. Der tschechische Parlamentspräsident Tomio Okamura, Vorsitzender der rechtsextremen SPD, sagte hingegen im tschechischen Fernsehen, er wolle der AfD für ihren Sieg gratulieren. „Dies ist das Ergebnis der schlechten Politik der aktuellen liberalen, EU-freundlichen Parteien“, sagte Okamura, dessen Partei Juniorpartner in der rechten Koalition von Ministerpräsident Andrej Babis ist. In den USA veröffentlichte Präsident Donald Trump in seinem Onlinedienst Truth Social das Schaubild einer Hochrechnung von 19.57 Uhr, das ein Wahlergebnis von 44,4 Prozent für die AfD und damit deren Wahlsieg zeigt. Trump ließ den Post jedoch unkommentiert. Der tschechische Parlamentspräsident Tomio Okamura, Vorsitzender der rechtsextremen SPD, sagte hingegen im tschechischen Fernsehen, er wolle der AfD für ihren Sieg gratulieren. „Dies ist das Ergebnis der schlechten Politik der aktuellen liberalen, EU-freundlichen Parteien“, sagte Okamura, dessen Partei Juniorpartner in der rechten Koalition von Ministerpräsident Andrej Babis ist. In den USA veröffentlichte Präsident Donald Trump in seinem Onlinedienst Truth Social das Schaubild einer Hochrechnung von 19.57 Uhr, das ein Wahlergebnis von 44,4 Prozent für die AfD und damit deren Wahlsieg zeigt. Trump ließ den Post jedoch unkommentiert. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Schulze will CDU-Landesvorstand am Montag „Verfahrensvorschlag“ machen Sachsen-Anhalts CDU-Vorsitzender Sven Schulze hat die Frage nach möglichen Konsequenzen aus der Wahlniederlage am Wahlabend offen gelassen. „Ich fahre morgen nach Berlin, da ist Bundesvorstand und morgen Abend ist dann Landesvorstand und da werde ich der CDU Sachsen-Anhalt einen Verfahrensvorschlag machen. Aber das werden wir dann morgen im Landesvorstand auch besprechen“, sagte Schulze in Magdeburg. Wozu er einen Verfahrensvorschlag machen wolle, womöglich zu personellen Konsequenzen nach der deutlichen Niederlage bei der Landtagswahl, ließ der Ministerpräsident offen. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Sebastian Gubernator Polizei in Magdeburg verzeichnet störungsfreien Verlauf von Wahlwochenende Die Polizei in Sachsen-Anhalts Landeshauptstadt Magdeburg hat einen störungsfreien Verlauf des Wahlwochenendes verzeichnet. Wie die Beamten mitteilen, verliefen die Demonstrationen in der Stadt „über das gesamte Wochenende weitgehend störungsfrei und ohne nennenswerte Vorkommnisse“. „Lediglich vereinzelt“ seien Straftaten registriert worden. Heute, am Wahltag, gab es keine „relevanten Ereignisse“. Insgesamt fanden demnach am Wochenende 16 Versammlungen mit 15.000 Teilnehmern statt – an der größten Versammlung auf dem Domplatz nahmen 8000 Menschen teil. Am Wochenende waren pro Tag etwa tausend Beamte aus Sachsen-Anhalt und anderen Bundesländern im Einsatz. Die Polizei zog „eine positive Bilanz des Einsatzgeschehens“. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Das BSW zeichnet der AfD schon Verhandlungslinien vor BSW-Spitzenkandidat Thomas Schulze macht deutlich, dass er nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt offen ist für Gespräche mit der AfD. „Wir haben gesagt, wir sprechen mit allen Parteien. Dazu gehört die AfD“, sagt Schulze der Deutschen Presse-Agentur. „Die Brandmauer interessiert uns nicht, und wir werden mit allen Parteien sprechen.“ Auf die Frage nach möglichen Gemeinsamkeiten von BSW und AfD sagte Schulze: „Wir haben schon einige Schnittmengen, vor allen Dingen auch in der Russlandfrage, wo wir sagen, wir sind gegen diese Sanktionen, die unsere Wirtschaft wirklich förmlich ruinieren.“ Wie die AfD wolle das BSW auch „preiswerte Energie“. Es gebe aber auch AfD-Vorhaben, die mit dem BSW nicht gingen. „Gerade die Bildungspolitik der AfD, die geht mit uns gar nicht. Da liegen wir sehr, sehr weit auseinander“, sagte Schulze. „Auch, was das Thema Wirtschaft betrifft, sind wir doch ziemlich sozialer eingestellt.“ Noch ist das BSW zwar nicht sicher in den Magdeburger Landtag eingezogen, der Trend der vergangenen Stunden lässt allerdings vermuten, dass die Partei am Ende bei mehr als fünf Prozent der Stimmen liegen dürfte. In den aktuellen Hochrechnungen überspringt die Partei die Hürde. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Sebastian Gubernator Früherer CDU-Landeschef Stahlknecht legt Schulze einen Rücktritt nah Der Rückhalt für Ministerpräsident Sven Schulze in der eigenen Partei bröckelt weiter. „Wer Spitzenkandidat ist, wird am Wahlabend zum Spitzengewinner oder zum Spitzenverlierer“, sagt Sachsen-Anhalts früherer CDU-Chef Holger Stahlknecht der „Zeit“. „Wer eine solche Wahlniederlage eingefahren hat wie jetzt die CDU, die meines Erachtens historisch ist, muss über seine persönlichen Konsequenzen sehr genau selber nachdenken.“ Die Junge Union Sachsen-Anhalt hatte Schulze und die gesamte Spitze des Landesverbands zuvor bereits zum Rücktritt aufgefordert. Die ehemalige Bildungsministerin von Sachsen-Anhalt, Eva Feußner, schloss sich den Forderungen an. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Frei hat Regierungsbildung mit CDU-Beteiligung noch nicht abgeschrieben Der Unionsfraktionschef im Bundestag, Thorsten Frei, spricht von einem dramatischen Ergebnis für seine Partei, deren Ergebnis in Sachsen-Anhalt mehr als halbiert wurde. Die CDU müsse jetzt sehr genau schauen, wie sie damit umgehe. Sie müsse aber auch prüfen, was sie für eine Regierungsbildung tun könne. Man stehe nun am Beginn von Überlegungen und vielen Gesprächen. Sollte es das BSW nicht in den Landtag schaffen und die AfD im Endergebnis nicht stärker abschneiden als in den Hochrechnungen, hätte die CDU wohl die Möglichkeit, mit Linken, SPD und Grünen eine Mehrheit zu bilden – sofern sie sich dafür entscheidet. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Sebastian Gubernator Siegmund spricht in Interview über mögliche Neuwahlen Sollte es mit einer Regierungsbildung in Sachsen-Anhalt nicht klappen, kommt aus Sicht von AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund auch eine Neuwahl infrage. Der Wähler solle nach der Wahl das bekommen, was er gewählt habe, sagt Siegmund im ZDF. Es gehe darum, die Probleme im Land in den Griff bekommen. Mit Blick auf die Hochrechnungen, denen zufolge die AfD nicht allein regieren kann, fügt er hinzu: „Wenn es jemanden gibt, mit dem wir das umsetzen können, dann werden wir machen.“ Das könne „durch eine Fraktion oder durch einzelne Abgeordnete“ passieren. Das Angebot des BSW für einen überparteilichen Ministerpräsidenten bezeichnet Siegmund hingegen als „Gewurschtel“. Die AfD wolle ihre Werte und Ziele nicht „für irgendwelche Machtspielchen“ aufgeben. Auf die Frage, was geschehe, wenn eine Regierungsbildung nicht möglich sei, sagt er im „heute journal“: „Im Notfall würde es halt Neuwahlen geben, dann haben wir halt 50 oder 55 Prozent. Weil die Zukunft ist die Alternative für Deutschland.“ Er spricht davon, den angekündigten Politikwechsel wie versprochen umsetzen zu wollen. „Wir haben einen klaren Regierungsauftrag“, sagt Siegmund. Die AfD werde sich aber „nicht verbiegen und wir werden uns nicht hier selbst verraten“. Das Angebot des BSW für einen überparteilichen Ministerpräsidenten bezeichnet Siegmund hingegen als „Gewurschtel“. Die AfD wolle ihre Werte und Ziele nicht „für irgendwelche Machtspielchen“ aufgeben. Auf die Frage, was geschehe, wenn eine Regierungsbildung nicht möglich sei, sagt er im „heute journal“: „Im Notfall würde es halt Neuwahlen geben, dann haben wir halt 50 oder 55 Prozent. Weil die Zukunft ist die Alternative für Deutschland.“ Er spricht davon, den angekündigten Politikwechsel wie versprochen umsetzen zu wollen. „Wir haben einen klaren Regierungsauftrag“, sagt Siegmund. Die AfD werde sich aber „nicht verbiegen und wir werden uns nicht hier selbst verraten“. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Chrupalla sagt, die AfD sei zu Kompromissen bereit Die AfD ist nach den Worten von Parteichef Tino Chrupalla bei einer möglichen Regierungsbildung in Sachsen-Anhalt zu Kompromissen mit anderen Parteien bereit. „Absolut würden wir Kompromisse machen“, sagte Chrupalla in der ARD. Er schränkte zunächst ein mit dem Nachsatz „wenn es um kleinteilige Gesetzmäßigkeiten geht“, die die AfD nicht im Programm habe. Doch nannte er auch große Politikfelder wie die Wirtschafts- und die Migrationspolitik und den Abbau von Bürokratie. Man müsse sehen, wie Kompromisse aussehen könnten, sagte er auf Nachfrage. „Wir werden allen Gespräche anbieten“, bekräftigte Chrupalla. Einige hätten die Hand bereits weggeschlagen. Der AfD-Politiker appellierte vor allem an die CDU, aber auch an die anderen Parteien wie SPD oder BSW. Er forderte die CDU zum Kurswechsel auf. Eine Tolerierung durch BSW in Sachsen-Anhalt – sollte die Partei ins Parlament einziehen – schloss Chrupalla nicht aus. Er stellte aber klar: „Ulrich Siegmund wird definitiv als Ministerpräsidentenkandidat im Landtag antreten, das ist schonmal sicher.“  Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Sebastian Gubernator Hochrechnungen sehen BSW im Landtag Das BSW wird aktuellen Hochrechnungen von ARD und ZDF zufolge in den Landtag von Sachsen-Anhalt einziehen. Bei beiden Sendern kommt die Partei derzeit auf 5,1 Prozent der Stimmen. Mit dem Einzug des BSW hätte die AfD die absolute Mehrheit zwar verfehlt. Das BSW könnte der AfD aber zur Macht verhelfen. BSW-Spitzenkandidatin Claudia Wittig hat heute Abend gesagt, sie wolle den AfD-Politiker Ulrich Siegmund nicht zum Ministerpräsidenten wählen – „vielleicht noch weniger“ wolle sie den CDU-Kandidaten Sven Schulze zum Regierungschef machen. Die AfD ist bei der Wahl mit Abstand stärkste Kraft geworden, sie liegt in den Hochrechnungen bei 44 bis 44,4 Prozent. Die CDU ist auf 17,2 bis 17,4 Prozent abgestürzt, bei der vergangenen Landtagswahl hatte sie noch 37,1 Prozent der Stimmen bekommen. Die SPD schafft es auf 9,1 bis 9,2 Prozent und verbessert sich damit leicht (8,4 Prozent). Die Grünen stehen in den jüngsten Hochrechnungen bei 8,9 Prozent (5,9 Prozent). Die Linke landet bei 8,6 Prozent (elf Prozent). Die AfD ist bei der Wahl mit Abstand stärkste Kraft geworden, sie liegt in den Hochrechnungen bei 44 bis 44,4 Prozent. Die CDU ist auf 17,2 bis 17,4 Prozent abgestürzt, bei der vergangenen Landtagswahl hatte sie noch 37,1 Prozent der Stimmen bekommen. Die SPD schafft es auf 9,1 bis 9,2 Prozent und verbessert sich damit leicht (8,4 Prozent). Die Grünen stehen in den jüngsten Hochrechnungen bei 8,9 Prozent (5,9 Prozent). Die Linke landet bei 8,6 Prozent (elf Prozent). Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Die SPD will keine wechselnden Mehrheiten Der SPD-Spitzenkandidat in Sachsen-Anhalt, Armin Willingmann, spricht sich gegen ein Modell wechselnder Mehrheiten für Sachsen-Anhalt aus. „Ich halte wechselnde Mehrheiten im Interesse der Wirtschaft für völlig verrückt“, sagt Willingmann der Deutschen Presse-Agentur in Magdeburg. Die Idee eines Koalitionsvertrages und einer stabilen Landesregierung bestehe darin, dass man berechenbar verabrede, was man vorhabe und das dann umsetze.  Wechselnde Mehrheiten seien dagegen „ausgesprochen kompliziert“. Es höre sich vielleicht nett an. „Aber das repräsentative demokratische System und vor allen Dingen unsere Wirtschaft und viele Institutionen brauchen Verlässlichkeit, nicht den Zufall einer Mehrheit“, sagt Willingmann. Hintergrund ist, dass sich mit Blick auf das Wahlergebnis bislang keine mögliche Koalition im Landtag abzeichnet. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen

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7. September
Tagesschau

Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt: AfD siegt - aber verpasst absolute Mehrheit

Rekordergebnis in Sachsen-Anhalt AfD holt Wahlsieg - aber keine absolute Mehrheit Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt ist die AfD stärkste Kraft geworden - mit einem Rekordergebnis. Das erklärte Ziel, allein regieren zu können, verfehlt sie aber. Nun könnte es auf das BSW ankommen, das den Einzug knapp schafft. Die AfD hat die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt deutlich gewonnen. Laut dem vorläufigen Endergebnis kommt sie auf 43,8 Prozent der Stimmen. Damit hat sie ihr Ergebnis im Vergleich zur vergangenen Wahl im Jahr 2021 mehr als verdoppelt und erreicht den besten Wert bei einer Landtagswahl überhaupt. Weit dahinter liegt die CDU von Ministerpräsident Sven Schulze mit 17,2 Prozent auf Platz zwei. Es ist das schlechteste Ergebnis, das die Partei in Sachsen-Anhalt je eingefahren hat. FDP ist raus, BSW ist drin Daneben sind vier weitere Parteien im Magdeburger Landtag vertreten: Die SPD liegt bei 9,3 Prozent. Die Grünen kommen auf 8,9 Prozent - es ist das beste Ergebnis der Partei bei einer Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Die Linke erhält 8,6 Prozent - und schneidet damit schlechter ab als bei der vergangenen Wahl. Die FDP scheitert mit 2,6 Prozent klar an der Fünf-Prozent-Hürde. Das erstmals angetretene BSW hingegen schafft mit 5,3 Prozent knapp den Einzug ins Landesparlament. Damit erhält die AfD 39 Sitze im Landtag, die CDU 15. SPD, Grüne und Linke kommen jeweils auf 8 Mandate. Das BSW erhält 5 Sitze. Die Wahlbeteiligung lag bei 77,8 Prozent (2021: 60,3 Prozent) - ein Rekordwert. Knapp 1,7 Millionen Wahlberechtigte durften abstimmen. AfD braucht Stimmen anderer Partei Nun dürfte die Regierungsbildung spannend werden. AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund hatte stets erklärt, am liebsten alleine regieren zu wollen. Noch am Wahlabend betonten verschiedene AfD-Spitzenvertreter, das Wahlergebnis sei ein klarer Regierungsauftrag für die Partei. Doch aus eigener Kraft kann sie dieses Ziel nicht erreichen. Sie ist also auf fremde Stimmen angewiesen. CDU, SPD, Grüne und Linke hatten allerdings einer Zusammenarbeit bereits eine Absage erteilt. BSW will mit AfD sprechen Ob die AfD an die Macht kommt, dürfte somit entscheidend vom BSW abhängen. Es ist die einzige Partei, die sich offen für eine Unterstützung der AfD gezeigt hat. BSW-Spitzenkandidat Thomas Schulze betonte, er stehe bereit für Gespräche mit der AfD. "Wir haben gesagt, wir sprechen mit allen Parteien. Dazu gehört die AfD." Es gebe viele Gemeinsamkeiten. "Wir haben schon einige Schnittmengen, vor allen Dingen auch in der Russlandfrage, wo wir sagen, wir sind gegen diese Sanktionen, die unsere Wirtschaft förmlich ruinieren." Wie die AfD wolle das BSW auch "preiswerte Energie" - auch wenn der Einfluss einer Landesregierung darauf eher begrenzt ist. Differenzen gebe es dagegen bei den Themen Bildung und Wirtschaft. Ob das BSW AfD-Mann Siegmund auch zum Ministerpräsidenten wählen würde, ist unklar. Siegmund gegen Kompromisse Eine enge Zusammenarbeit dürfte indes schwierig werden, wenn man Siegmund glaubt. Dieser beharrt nämlich darauf, keine Kompromisse für eine Koalition eingehen zu wollen. Das Angebot des BSW für einen überparteilichen Ministerpräsidenten nannte Siegmund im ZDF am Sonntagabend "Gewurschtel". Die AfD wolle ihre Werte und Ziele nicht "für irgendwelche Machtspielchen" aufgeben. Koalitionen mit weitgehenden Kompromissen schloss er aus. Sollte sich kein geeignetere Koalitionspartner finden, sagte er: "Im Notfall wird es halt Neuwahlen geben." Bei der Parteispitze klingt das dagegen etwas versöhnlicher. Eine Tolerierung durch das BSW schloss Bundessprecher Tino Chrupalla nicht aus. Mit der Partei habe er aber noch keine Gespräche geführt. Beim BSW sei vieles diffus, behauptete Chrupalla. BSW gegen Schulze als Ministerpräsident Das BSW könnte aber theoretisch auch eine Koalition aller anderen Parteien, also CDU, SPD, Linken und Grünen, stützen - müsste dann aber vermutlich den amtierenden CDU-Ministerpräsidenten Schulze wiederwählen. Das ist jedoch äußerst fraglich, denn offenbar würde die von Sahra Wagenknecht gegründete Partei im Zweifel lieber der AfD zur Macht verhelfen. "Wir möchten einen überparteilichen Ministerpräsidenten", sagte die zweite BSW-Spitzenkandidatin, Claudia Wittig. "Ich möchte Herrn Siegmund nicht wählen und ich möchte genauso wenig oder vielleicht noch weniger Herrn Schulze wählen", fügte sie hinzu. Wittig sagte zudem, es wäre angesichts des Wahlerfolgs der AfD aus ihrer Sicht "völlig undemokratisch, sie nicht in irgendeiner Weise an der Regierung zu beteiligen". Rechtsextremistisch eingestufte Partei gewinnt Wahl Die Wahl stand - auch international - unter besonderer Beobachtung. Die AfD, die im Wahlkampf stark auf ihren Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund und positive Botschaften ("Alles ist möglich") gesetzt hatte, wird seit 2023 vom Landesamt für Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft. Die Agitation der Partei richte sich gegen "essentielle Prinzipien der freiheitlichen demokratischen Grundordnung", insbesondere gegen "die im Grundgesetz festgeschriebene Garantie der Menschenwürde". Die AfD geht gegen die Einstufung vor, das Verfahren ist derzeit ausgesetzt. Sollte die AfD an die Macht kommen, wäre es das erste Mal in der Geschichte der Bundesrepublik, dass eine als rechtsextremistisch eingestufte Partei ein Bundesland regiert. Dass eine als rechtsextremistisch eingestufte Partei eine Wahl gewinnt, ist indes kein Novum mehr. Das war der AfD bereits bei der Landtagswahl in Thüringen 2024 gelungen. Wie geht es jetzt weiter? Der neue Landtag muss laut Landesverfassung spätestens am 30. Tag nach der Wahl, also am 6. Oktober, zusammentreten. Dann enden offiziell die Amtszeiten der Minister und des Ministerpräsidenten. Sie sind aber dazu verpflichtet, die Amtsgeschäfte weiterzuführen, bis eine neue Regierung gewählt ist. Eine Frist, bis wann ein neuer Ministerpräsident gewählt werden muss, gibt es nicht. Er wird ohne Aussprache in geheimer Abstimmung gewählt. Gewählt ist, wer im ersten Wahlgang die Mehrheit der Mitglieder des Landtags bekommt. Für den Fall des Scheiterns der ersten Wahl greifen Fristen: Innerhalb von sieben Tagen muss ein weiterer Wahlgang stattfinden. Kommt auch dann eine Wahl nicht zustande, beschließt der Landtag innerhalb von weiteren 14 Tagen, ob die Wahlperiode beendet wird. Wird das nicht von einer Mehrheit der Mitglieder beschlossen, findet unverzüglich ein neuer Wahlgang statt - dann ist gewählt, wer die Mehrheit der abgegebenen Stimmen erhält.

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6. September
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Landtagswahl Sachsen-Anhalt - Ist die Brandmauer jetzt abgebrannt?

97 Prozent ausgezählt! Absolute AfD-Mehrheit wird immer unwahrscheinlicher Landtagswahl Sachsen-Anhalt: Ist die Brandmauer jetzt abgebrannt? Berlin – Fulminanter Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt! 44 Prozent. Die absolute Mehrheit in Reichweite. Die CDU steht jetzt vor einer schwierigen Frage: Wie umgehen mit der AfD? Ausgrenzen, Stichwort Brandmauer? Oder: Umarmen? Doch ein Wandel deutet sich an: Erstmals klingen CDU-Politiker nicht mehr so, als glaubten sie, die Brandmauer könne den Siegeszug der AfD stoppen. Die Kanzlerpartei versucht vielmehr, Zeit zu gewinnen. Die AfD sieht die Brandmauer dagegen bereits einstürzen. Besonders bemerkenswert ist eine Antwort von Sachsen-Anhalts CDU-Ministerpräsident Sven Schulze (47). Der Wahlverlierer sagte im MDR am Wahlabend auf die Frage, ob die Brandmauer weiter gelte, nicht etwa „Ja“ oder „Selbstverständlich“. Stattdessen erklärte er: „Wir werden uns morgen, wenn wir das endgültige Ergebnis haben, mit diesem Wahlergebnis auseinandersetzen. Wir haben Beschlüsse auf Bundesebene, aber wir haben eine Hochrechnung, die uns hart trifft. Deswegen müssen wir damit erst einmal umgehen.“ Ein klares Bekenntnis klingt anders. Schulze verweist zwar auf die CDU-Beschlusslage, bekräftigt sie aber nicht ausdrücklich. Ist das der Startschuss der von vielen erwarteten Debatte über ein Ende der Brandmauer? Für die AfD ist das bereits ein Signal. Parteichefin Alice Weidel (47) erklärte im ZDF mit Blick auf einen möglichen Partner: „Ich denke da natürlich zuvorderst an die CDU oder Teile der CDU.“ Und weiter: „Die Politik der Brandmauer ist gescheitert.“ Neue CDU‑Generalsekretärin hält an Brandmauer fest Aber: Aus Berlin, von der Bundes-CDU, kamen andere Signale. Die neue CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann (44) spulte am Wahlabend die altbekannte Argumentation ab: „Wir arbeiten nicht mit Extremen und vor allem nicht mit Rechtsextremen zusammen und das aus nachvollziehbaren inhaltlichen Gründen. Wir können nicht mit einer Partei zusammenarbeiten, die raus aus dem Euro will und damit den wirtschaftlichen Niedergang und die Isolation unseres Landes, die Russlandfreunde sind, und die die Institutionen, unser Land und seine Bevölkerung diffamieren. Das kommt für uns nicht infrage.“ Anders sieht das die BSW-Spitze um Sahra Wagenknecht (57). Sie hält die Brandmauer bereits für gescheitert und könnte der AfD in Sachsen-Anhalt zur Macht verhelfen. BSW-Spitzenkandidat Thomas Schulze zeigte sich am Sonntagabend offen für Gespräche mit der AfD. „Wir haben gesagt, wir sprechen mit allen Parteien. Dazu gehört die AfD“, sagte Schulze der Deutschen Presse-Agentur. „Die Brandmauer interessiert uns nicht, und wir werden mit allen Parteien sprechen.“ Fakt ist: Nach einer Umfrage von Infratest dimap finden 59 Prozent aller Wahlberechtigten den Umgang der anderen Parteien mit der AfD „unfair“. Haben Sie eine Meinung zu diesem Artikel? Hier können Sie uns schreiben. Haben Sie Fehler entdeckt? Dann weisen Sie uns gern darauf hin.

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6. September
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Es ging um Preise und soziale Sicherheit - Diese Themen entschieden die Wahl

97 Prozent ausgezählt! Absolute AfD-Mehrheit wird immer unwahrscheinlicher Es ging um Preise und soziale Sicherheit: Geldfragen entschieden die Wahl in Sachsen-Anhalt Berlin – Vor allem der Blick ins eigene Portemonnaie hat die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt entschieden. Die größte Rolle bei der Wahlentscheidung spielte die Frage der sozialen Sicherheit – für jeden Vierten DAS Thema. Ganz konkret bereiteten steigende Preise sieben von zehn Wählern die größten Sorgen. Das zeigt die Infratest-Analyse der ARD am Wahltag. Die größte Rolle bei der Wahlentscheidung Neben den 25 Prozent für soziale Sicherheit landete auf dem zweiten Platz das Thema Frieden in Europa, das 17 Prozent am stärksten bewegte, also fast jeden Fünften. Erst dann folgt die Wirtschaft (15 Prozent) – Jobs und Arbeitsplätze waren dagegen für CDU-Spitzenkandidat Sven Schulze (47) das vorrangige Wahlkampf-Thema gewesen. Überraschend angesichts des starken AfD-Ergebnisses: Das Thema Zuwanderung rangierte nur bei 9 Prozent der Befragten vorn. Die größten Sorgen Inflation, steigende Preise von der Tankstelle über den Supermarkt bis zu Strom und Gas: 70 Prozent sorgen sich, dass sie ihre Rechnungen nicht mehr zahlen können. Jede Zweite fürchtet, dass der Lebensstandard nicht gehalten werden kann. Fast so stark ist allerdings die Sorge, dass mittlerweile „so viele fremde Menschen“ in Deutschland leben – das gaben 55 Prozent der Befragten an. Die AfD ist überall am kompetentesten Demnächst kann die AfD wohl den Beweis antreten, ob sie die in sie gesetzten Hoffnungen in einer Regierung erfüllen kann. Grundsätzlich glauben 35 Prozent der Befragten (+26 im Vergleich zu 2021), dass sie die wichtigsten Aufgaben in Sachsen-Anhalt löst. In ALLEN Politikfeldern überflügelt die AfD die CDU Haben Sie eine Meinung zu diesem Artikel? Hier können Sie uns schreiben. Haben Sie Fehler entdeckt? Dann weisen Sie uns gern darauf hin.

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6. September
Handelsblatt

Sachsen-Anhalt: AfD strebt nach Wahl-Triumph an die Macht in Sachsen-Anhalt

Sachsen-Anhalt: AfD strebt nach Wahl-Triumph an die Macht in Sachsen-Anhalt Magdeburg. Die AfD mit Spitzenkandidat Ulrich Siegmund strebt nach ihrem starken Abschneiden bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt an die Regierung. Erstmals seit Ende des Zweiten Weltkriegs könnte eine als gesichert rechtsextremistisch eingestufte Partei in einem Bundesland an die Macht gelangen – wenn sie Unterstützer findet. Für eine Alleinregierung reicht es laut Hochrechnungen von ARD und ZDF nicht. Die CDU von Ministerpräsident Sven Schulze erlebt ein Debakel. Den Hochrechnungen zufolge kann die AfD ihren Stimmenanteil auf 44 bis 44,4 Prozent (2021: 20,8 Prozent) mehr als verdoppeln. Es wäre das beste Ergebnis, das eine Partei in den vergangenen zehn Jahren bei Landtagswahlen erreicht hat. Die CDU halbiert etwa ihren Stimmenanteil und steuert mit 17,2 bis 17,4 Prozent (37,1) auf ihr schlechtestes Ergebnis bei einer Landtagswahl in Sachsen-Anhalt zu. Die Linke erhält 8,6 Prozent (11). Die Grünen liegen bei 8,9 Prozent (5,9), es wäre das beste Ergebnis bei einer Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Die SPD kommt auf 9,1 bis 9,2 Prozent (8,4). Die FDP fliegt mit 2,5 Prozent (6,4) aus dem Parlament. Das Bündnis Sahra Wagenknecht steht bei 5,1 bis 5,2 Prozent. Den Hochrechnungen zufolge erhält die AfD 39 Sitze im Landtag, die CDU 15. Linke, SPD und Grüne kommen jeweils auf 8 Mandate. Das BSW erhält 5 Sitze. Die Wahlbeteiligung liegt demnach bei 76,9 bis 78,1 Prozent (2021: 60,3 Prozent) – ein Rekordwert. Knapp 1,7 Millionen Wahlberechtigte durften abstimmen. Schwarz-rot-gelbe Regierungskoalition am Ende Eine Neuauflage der bisher in Sachsen-Anhalt regierenden Koalition aus CDU, SPD und FDP ist damit ausgeschlossen. Es war das einzige derartige Bündnis auf Landesebene. Die AfD hatte eine Alleinregierung angestrebt – dafür reichen die Stimmen laut Hochrechnungen aber knapp nicht. Gleichwohl wäre es das beste Ergebnis der Partei bei einer Landtagswahl. Stärkste Kraft war sie bei einer Landtagswahl schon einmal: 2024 in Thüringen. Von den übrigen Parteien will in Sachsen-Anhalt keine mit der AfD koalieren. Um weiterregieren zu können, wäre Spitzenkandidat Schulze von der CDU unter anderem auf Stimmen der Linken angewiesen – ähnlich wie in Sachsen und Thüringen. In seiner Partei gibt es auch Mitglieder, die sich für wechselnde Mehrheiten aussprechen – also auch unter Einbeziehung der AfD. Das dürfte die Linke aber nicht akzeptieren. Unionsfraktionsvize Sepp Müller (CDU) sagte: „Wir haben keinen Regierungsbildungsauftrag. Der liegt jetzt bei der AfD.“ Eine Koalition oder vergleichbare Formen der Zusammenarbeit lehnt die CDU laut Bundesparteitagsbeschluss sowohl mit der Linken als auch der AfD für sich ab. Die Linie wird auch als „Brandmauer“ bezeichnet. AfD will regieren und schließt Neuwahl nicht aus AfD-Spitzenkandidat Siegmund sagte zum Abschneiden seiner Partei: „Natürlich ist es ein Regierungsauftrag.“ „Selbstverständlich“ werde er auch mit nur einer Stimme mehr regieren, betonte er entgegen seiner Ankündigung im Wahlkampf, nur mit stabiler Mehrheit regieren zu wollen. Zugleich sagte der 35-Jährige, er sehe aktuell keine Partner für eine Koalition. Er wisse aber nicht, was in den nächsten Tagen passiert. „Ich weiß ja nicht, ob es einzelne Abgeordnete gibt, die sagen: "Jetzt ist Schluss, jetzt spiel' ich das hier nicht mehr mit".“ Da könne noch viel passieren. Auch AfD-Co-Bundeschefin Alice Weidel sprach von einem „ganz klaren Regierungsauftrag“. Co-Chef Tino Chrupalla sagte: „Ulrich Siegmund wird definitiv als Ministerpräsidentenkandidat im Landtag antreten, das ist schonmal sicher.“ Sollte es mit einer Regierungsbildung nicht klappen, kommt aus Sicht von Siegmund auch eine Neuwahl infrage. „Im Notfall würde es halt Neuwahlen geben, dann haben wir halt 50 oder 55 Prozent“, sagte er am Abend im ZDF. Schulze: Niederlage für CDU CDU-Spitzenkandidat Schulze – erst seit Januar als Ministerpräsident im Amt – gestand das Scheitern seiner Partei ein. „Es ist für uns eine Niederlage“, sagte der 47-Jährige. Die Frage nach möglichen Konsequenzen aus der Wahlniederlage ließ er zunächst offen. „Ich fahre morgen nach Berlin, da ist Bundesvorstand und morgen Abend ist dann Landesvorstand und da werde ich der CDU Sachsen-Anhalt einen Verfahrensvorschlag machen. Aber das werden wir dann morgen im Landesvorstand auch besprechen.“ Schulze sah sich am Abend mit Forderungen aus den eigenen Reihen konfrontiert, als Landesparteichef zurückzutreten. Die CDU-Landtagsabgeordnete Eva Feußner verlangte dies ebenso wie die Junge Union Sachsen-Anhalt. Schulze betonte im MDR: „Ich habe nicht vor, mit der AfD zusammenzuarbeiten.“ Zuvor hatte er in der ARD eine klare Antwort auf den Fortbestand der „Brandmauer“ vermieden. „Wir haben Beschlüsse auf Bundesebene, aber wir haben eine Hochrechnung, die uns hart trifft. Deswegen müssen wir damit erst einmal umgehen.“ Der Chef der Unionsfraktion im Bundestag, Thorsten Frei (CDU), wertete die Wahl als „eine Zäsur für unser Land“. „Wir haben diese Situation noch nie gehabt, dass eine Partei, die vom Landesverfassungsschutz als rechtsextremistisch eingestuft ist, eine Mehrheit erreicht hat“, sagte er. Grüne freuen sich, SPD erleichtert SPD-Chef Lars Klingbeil bezeichnete die Zahlen seiner Partei als „stabiles Ergebnis“. Er betonte, die SPD setze sich mit der AfD „nicht an einen Tisch“. Die SPD habe immer für demokratische Mehrheiten in dem Land gekämpft. „Wir werden hier der AfD nicht die Hand ausstrecken.“ Der Grünen-Bundesvorsitzende Felix Banaszak sagte zu den Zuwächsen seiner Partei, viele hätten die Grünen schon abgeschrieben, nun holten sie aller Voraussicht nach das beste Ergebnis in der Geschichte von Sachsen-Anhalt bei einer Landtagswahl. „Das erfüllt mich mit Freude und mit Stolz.“ FDP-Landeschefin kündigt Rücktritt an Linken-Bundeschefin Ines Schwerdtner nannte als Ziel, die AfD von der Regierungsmacht fernzuhalten. „Es liegt bei der CDU, zu sagen: Wer übernimmt jetzt die Verantwortung“, sagte Schwerdtner mit Blick auf eine mögliche künftige Regierung mit Unterstützung der Linken. FDP-Landeschefin Lydia Hüskens kündigte nach dem voraussichtlich verpassten Wiedereinzug ihrer Partei in den Landtag ihren Rücktritt an. „Ich bin die Landesvorsitzende, ich habe den Landtag als Spitzenkandidatin angeführt, sodass ich auch dafür die Konsequenz zahle“, sagte sie der dpa. Verwandte Themen Was die AfD in Regierungsverantwortung durchsetzen will Die AfD hatte zehn Punkte benannt, die sie sofort angehen will, sollte sie in die Regierung kommen. Dazu gehört die Kündigung der Rundfunkstaatsverträge, mehr Abschiebungen, eine flächendeckende Arbeitspflicht für Asylbewerber, Sonderklassen für Kinder von Asylbewerbern sowie weniger Geld für parteinahe Stiftungen und Demokratieförderprogramme. An Schulen sollen Schwarz-Rot-Gold wehen, Regenbogenflaggen sollen verboten werden. Auch plant die AfD freiwillige Bürgerwehren für mehr Sicherheit vor Ort sowie eine „Wahlfreiheit zwischen Schul- und Hausunterricht“. Grundsätzlich begrenzt allerdings das Bundesrecht die Spielräume in einigen Bereichen, etwa in der Migrationspolitik. Wie geht es weiter? Die erste Sitzung des neuen Landtages muss spätestens am 30. Tag nach der Wahl stattfinden, das ist der 6. Oktober. Dann enden auch die Amtszeiten der Minister und des Regierungschefs. Sie alle sind aber laut Verfassung verpflichtet, die Geschäfte weiterzuführen, bis die Nachfolger übernehmen. Es gibt keine Frist, bis wann ein neuer Regierungschef gewählt sein muss - aber wenn der erste Wahlgang angesetzt ist und scheitert, greifen Fristen für mögliche weitere Wahlgänge.

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6. September
Tagesschau

Analyse zur Wahl in Sachsen-Anhalt: Ein Land - zwei Lager

Wahl in Sachsen-Anhalt Ein Land - zwei Lager Die AfD profitiert von der Unzufriedenheit der Menschen, aber sie überzeugt viele auch inhaltlich mehr als die anderen Parteien, wie Umfragen zeigen. Für die meisten Wähler in Sachsen-Anhalt war die Kernfrage: für oder gegen die AfD? Es gibt eine klare Zweiteilung in Sachsen-Anhalt: Entweder will man die AfD. Oder man ist für eine der anderen Parteien - und damit ausdrücklich gegen die AfD. Das zeigt sich in einer ganzen Reihe von Fragen, die infratest dimap im Auftrag der ARD am Wahltag oder den Tagen davor den Wahlberechtigten gestellt hat. Etwa bei der Frage, wer die künftige Landesregierung führen soll. 41 Prozent wünschen sich die AfD - und das sind fast ausschließlich Menschen, die die AfD auch gewählt haben. 46 Prozent sind für eine CDU-geführte Regierung. Und die kommen nicht nur aus dem CDU-Lager, sondern auch von SPD, Grünen oder Linken. Bei einer möglichen Direktwahl des Ministerpräsidenten wäre das Land genauso gespalten. AfD liegt in allen Altersgruppen vorne Auch wenn am Wahlabend noch nicht klar ist, wer die Regierung anführen wird: Überragender Wahlsieger ist die AfD, die ihr Ergebnis von 2021 mehr als verdoppeln konnte - auf 44 Prozent. Ihr ist es gelungen, im großen Ausmaß Stimmen von Menschen zu bekommen, die 2021 nicht zur Wahl gingen. Aber auch von der CDU hat sie laut ersten Zahlen zur Wählerwanderung viele Stimmen abgezogen. Die AfD ist in allen Altersgruppen stärkste Kraft - nur bei den über 70-Jährigen liegt die CDU gleichauf. Der Erfolg hat viel damit zu tun, dass der AfD in Sachsen-Anhalt inzwischen in nahezu allen Politikbereichen mehr Kompetenzen zugeschrieben werden als anderen Parteien. Das gilt auch für wichtige Bereiche, die bislang nicht als Schwerpunkt der AfD galten - wie etwa die Wirtschaftspolitik. Von Experten gab es reichlich Warnungen, dass eine AfD-Regierung negative Folgen für die Wirtschaft haben würde - schon allein wegen ihrer zuwanderungsfeindlichen Politik. Viele Wahlberechtigte in Sachsen-Anhalt sehen das allerdings anders. Bei der Wahl 2021 hatten nur 8 Prozent der AfD die besten Lösungen für die Wirtschaft zugetraut, inzwischen sind es 30 Prozent - zwei Prozentpunkte mehr als bei der CDU. "Modernisierung" aber auch "Verbrennermotor" Aber welche Wirtschaftspolitik will die AfD eigentlich? Da sie bislang nirgendwo in Regierungsverantwortung war, bleibt zur Beurteilung vor allem ein Blick ins Wahlprogramm, das die AfD in Sachsen-Anhalt selbstbewusst "Regierungsprogramm" nennt. Dort finden sich an verschiedenen Stellen Vorschläge, die mit der Wirtschaft zu tun haben, die insgesamt aber keine klare Linie erkennen lassen. So fordert die AfD einerseits eine "Modernisierung und zukunftssichere Aufstellung des Wirtschaftsstandorts", setzt gleichzeitig aber ausdrücklich auf Dinge wie den Verbrennermotor - und damit auf eine Technologie von gestern, die als ein Hauptgrund für die aktuellen Probleme deutscher Autokonzerne gilt. Bei anderen Vorschlägen bleibt das Programm eher vage - etwa bei der Frage, wie genau "die Insolvenz und Abwanderung kleiner und mittelständischer Unternehmen" gestoppt werden soll oder was ein Ende des "Akademisierungswahns" zum Wirtschaftswachstum beitragen soll. Wo die AfD in ihrem Programm konkret wird, dürften die Effekte überschaubar sein, etwa bei einem Gütesiegel "Hergestellt in Sachsen-Anhalt". Das Problem des Fachkräftemangels will die AfD unter anderem durch "eine Geburtenwende" lösen, die sich naturgemäß aber frühestens in zwei Jahrzehnten am Arbeitsmarkt bemerkbar machen könnte. "Kulturfremde Fachkräfte" möchte die AfD hingegen loswerden - was in Sachsen-Anhalt vor allem Ärzte an Krankenhäusern treffen dürfte. An vielen Stellen in ihrem Programm für Sachsen-Anhalt fordert die AfD auch politische Entscheidungen, die nicht auf Landesebene getroffen werden - wie etwa ein Ende der Russland-Sanktionen. Ob Menschen eher "aus dem Bauch heraus" zu ihrer Einschätzung kommen oder sich intensiv mit den Wahlprogrammen der Parteien beschäftigt haben, lässt sich durch klassische Umfragen nicht ermitteln. Aus Sicht der Wählerinnen und Wähler hat die CDU beim Thema Wirtschaft allerdings klar an Kompetenz verloren, die AfD massiv hinzugewonnen. Unterstützung im eigenen Lager für russlandfreundlichen Kurs Allerdings war die Wirtschaft nicht das wichtigste Thema bei dieser Wahl. Als entscheidender stufen die Menschen die Soziale Sicherheit ein - und den Frieden in Europa. Darüber wird zwar definitiv nicht in Magdeburg, sondern in erster Linie in Moskau entschieden. Dennoch hat die AfD im Landtagswahlkampf stark auf dieses Thema gesetzt und sich russlandfreundlich positioniert. Auch bei der Frage, wer den Frieden am besten sichern kann, liegt die AfD in der Wahrnehmung der Wahlberechtigten vor allen anderen Parteien. Und 57 Prozent finden es gut, dass die AfD der von Russland angegriffenen Ukraine keine Waffen mehr liefern möchte - von den AfD-Anhängern sind es sogar 92 Prozent. Dass auch die Sicherheit Deutschlands durch Russland bedroht ist, glaubt immerhin auch ein Drittel der AfD-Anhänger. Zwei Drittel - und damit die Mehrheit der AfD-Anhänger - tun das aber nicht. Bei anderen Parteien ist die Tendenz genau andersrum. Für AfD-Anhänger in der Mitte - für viele andere gefährlich Dass der Landesverband in Sachsen-Anhalt auch für AfD-Verhältnisse sehr weit rechts steht und vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft wird, hat die Wählerinnen und Wähler nur zum Teil abgeschreckt - hier zeigt sich wieder die eingangs erwähnte Zweiteilung: Etwa die Hälfte der Wahlberechtigten sagt, eine AfD-Landesregierung wäre eine Gefahr für Demokratie und Rechtsstaat. Doch das sind fast ausschließlich Menschen, die die AfD eben nicht gewählt haben. Die AfD-Anhänger hingegen verorten ihre Partei überwiegend in der Mitte des Parteienspektrums - und nicht rechtsaußen. Dazu beigetragen haben dürfte das Auftreten des Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund, der sich nicht als Hardliner präsentiert, sondern bürgernah und meist gut gelaunt. Die AfD Sachsen-Anhalt klagt gegen die Einstufung als "gesichert rechtsextremistische Bestrebung". Das Verfahren ist derzeit ausgesetzt. Gefühl des "Kümmerers" vermittelt Diese gute Laune teilen viele Menschen im Land offenbar nicht. Denn auffallend ist, dass sich die Menschen in Sachsen-Anhalt in hohem Maße benachteiligt fühlen - deutlich stärker als im Bundesschnitt. 51 Prozent von ihnen glauben, dass sie im Vergleich zu anderen Menschen in Deutschland zu wenig bekommen. Bei Anhängern der AfD sind es sogar 66 Prozent. Dass die AfD stark von Unzufriedenheit profitiert, zeigt sich schon seit Jahren immer wieder in Wahlanalysen. In Sachsen-Anhalt ist die Zahl der Unzufriedenen aktuell besonders hoch - und die AfD hat im Wahlkampf massiv darauf gesetzt und versucht, den Wahlberechtigten das Gefühl des "Kümmerers" zu geben - mit Erfolg auch außerhalb des eigenen Lagers: 54 Prozent sagen, die AfD sei näher an den Sorgen der Bürger als andere Parteien - bei den AfD-Anhängern sind es sogar 94 Prozent. Gut kommt sie vor allem in den kleineren Städten und Gemeinden des Landes an, von denen viele mit Abwanderung und Leerstand zu kämpfen haben. In den beiden Großstädten des Bundeslandes - Magdeburg und Halle - schneidet sie hingegen unterdurchschnittlich ab. CDU muss "Denkzettel" für Bundesregierung einstecken Der große Wahlverlierer ist die CDU, die ihr Ergebnis in etwa halbiert - auf gut 17 Prozent. Von ihr sind auch viele der eigenen Anhänger ausgesprochen enttäuscht - weniger von der Landes-CDU als von der Bundes-CDU. Zwei Drittel der CDU-Wählenden sagen, "ihre" Partei habe vor der Bundestagswahl viel versprochen, aber wenig gehalten. Fragt man alle Wahlberechtigten, fällt dieses Urteil noch vernichtender aus - hier sind es mehr als 80 Prozent. Ein Hauptproblem der CDU in Sachsen-Anhalt war also, dass die aktuelle schwarz-rote Bundesregierung denkbar unbeliebt ist - und dass dafür hauptsächlich die CDU verantwortlich gemacht wird. 59 Prozent sagen, die Bundesregierung habe bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt einen Denkzettel verdient. Man würde vermuten, dass dieser Wunsch bei Anhängern der Regierungspartei am geringsten ausgeprägt ist. Dem ist aber nicht so: Auch viele aus dem CDU-Lager halten es für angebracht, die Bundesregierung bei der Landtagswahl abzustrafen. Nur von den Grünen-Anhängern hält kaum jemand etwas von solchen Denkzetteln. Auch CDU-geführte Landesregierung schlecht bewertet Verglichen mit der Bundesregierung kommt die Landesregierung noch halbwegs gut weg. In Sachsen-Anhalt regiert die CDU derzeit in einer Koalition mit SPD und FDP - und 31 Prozent sind mit ihrer Arbeit zufrieden. Im Vergleich mit anderen Landesregierungen zeigt sich aber, dass auch das ein schlechter Wert ist: Mit Grün-Schwarz in Baden-Württemberg etwa waren bei der Wahl im März 52 Prozent zufrieden. Schulzes Position zur Rente kommt an Von einem "Amtsbonus", den ein regierender Ministerpräsident bzw. eine Ministerpräsidentin bei Wahlen oft alleine durch die Bekanntheit hat, kann die CDU hingegen nicht profitieren. Sven Schulze ist erst seit Januar im Amt und vergleichsweise viele Wählerinnen und Wähler haben gar keine klare Meinung zu ihm. Dass er sich teilweise auch gegen die Politik der Bundesregierung stellt - etwa beim Thema Rentenreform - finden 71 Prozent der Wahlberechtigten gut. Profitieren kann die CDU von der Demografie in Sachsen-Anhalt. In keinem anderen Bundesland ist der Altersdurchschnitt so hoch - und die CDU kommt vor allem bei höheren Altersgruppen gut an. Taktische Wähler helfen SPD und Grünen SPD und Grüne müssen sich mit der bitteren Erkenntnis auseinandersetzen, dass sie ihr Ergebnis zu einem erheblichen Teil taktischem Wählen verdanken. 68 Prozent der Wählerinnen und Wähler der Grünen sagen, dass es ihnen bei ihrer Wahlentscheidung vor allem darum ging, einen AfD-Ministerpräsidenten zu verhindern. Bei den SPD-Wählenden waren es sogar 78 Prozent. Viele dieser Wähler kamen laut vorläufiger Wählerwanderung von der CDU. Grüne haben noch ein Kernthema, SPD nicht Die Grünen, die ihr Wahlergebnis im Vergleich zu 2021 klar verbessern konnten, können immerhin darauf bauen, dass sie bei ihrem Kernthema Klima/Umwelt unangefochten die Nummer 1 sind. Allerdings spielte dieses Thema für die Masse der Wahlberechtigten keine große Rolle. Anders das traditionelle SPD-Kernthema "Soziale Sicherheit". Das war das mit Abstand wichtigste Thema bei der Wahl - bei dem der SPD allerdings nicht mehr viel zugetraut wird. Sie kann ihr Ergebnis der vorangegangenen Wahl leicht verbessern - fährt damit aber erneut eines der schlechtesten ein, das sie jemals bei Landtagswahlen hatte. Als "Kümmerer" gilt eher die AfD als die Linke Die Linke verliert leicht und bleibt wie Grüne und SPD deutlich unter der 10-Prozent Marke. Von den Werten, die sie bei früheren Wahlen in Sachsen-Anhalt erzielt hat, ist sie damit weit entfernt. 2006 oder 2011 hatte sie noch 24,1 bzw. 23,7 Prozent bekommen. Damals hatte sie aber auch noch das Image der "ostdeutschen Kümmererpartei". Das hat sie inzwischen weitgehend an die AfD abgetreten. 36 Prozent sagen, die AfD vertrete am besten die Interessen Ostdeutschlands, bei der Linken sagen das nur noch 16 Prozent. Linke vernachlässigt "die einfachen Leute" Lange galt die Linke auch als die Partei, die sich besonders für Soziale Gerechtigkeit einsetzt. Doch auch hier wurde sie inzwischen klar von der AfD überholt. Besonders interessant ist hier eine Aussage in den Umfragen: 53 Prozent der Wahlberechtigten sagen, die Linke habe "die Sorgen der einfachen Leute aus dem Blick verloren" - sie hat damit also quasi ihren Markenkern verspielt. Das dürfte viel damit zu tun haben, dass Teile der Partei, die in (Sozialen) Medien sehr präsent sind, derzeit vor allem über Gaza oder die Enteignung von Wohnungsbaukonzernen diskutieren. Mit dem Alltag und den Problemen der Menschen im großteils ländlich geprägten Sachsen-Anhalt hat das wenig zu tun. Und so holt die Linke Stimmen auch vor allem in den beiden Großstädten des Landes. Bei jüngeren Wählergruppen hat die Linke im Vergleich hinzugewonnen, bei älteren deutlich verloren. Und nun? Klar ist am Wahlabend: Für eine AfD-Alleinregierung reicht es nicht. Sonst ist aber noch völlig unklar, wie eine künftige Landesregierung aussehen könnte. Zünglein an der Waage könnte das BSW sein, das den Einzug in den Landtag laut Hochrechnungen knapp schafft. Und was sollen die Parteien mit dem Wahlergebnis machen? Auch hier zeigt sich wieder die Spaltung des Landes in zwei Lager - und zwar an einer Frage, die infratest dimap den Menschen in Sachsen-Anhalt kurz vor der Wahl gestellt hat: Sollte die Linke einen Ministerpräsidenten der CDU mitwählen, wenn sonst keine Regierung gebildet werden kann? Eine klare Mehrheit der Anhänger von CDU, Linken, SPD und Grünen sagt: ja. Die AfD-Anhänger sagen mehrheitlich: nein.

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6. September
Tagesschau

Kommentar zur Wahl in Sachsen-Anhalt: Ratlos mit Ansage

Landtagswahl in Sachsen-Anhalt Ratlos mit Ansage Die AfD hat die Wahl in Sachsen-Anhalt gewonnen. Das ist keine Überraschung. Doch weder Wahlsieger noch die anderen Parteien haben einen Plan, was sie mit dem Ergebnis machen. Dass die Wahl so ausgehen wird, war abzusehen. Seit Monaten. Aber niemand hat sich wirklich darauf vorbereitet. Da ist der Wahlsieger AfD. Die Partei hat jetzt den Auftrag, eine Regierung zu bilden - so ist es in einer Demokratie üblich. Sie müsste die anderen einladen und Kompromisse ausloten, also versuchen, das Beste für das Land zu erreichen. Der Spitzenkandidat hat das aber vor der Wahl mehr oder weniger ausgeschlossen. Jetzt kündigt Ulrich Siegmund an, er wolle die Hand ausstrecken. Aber er lässt schon durchblicken, dass er nicht wirklich gewillt ist, Kompromisse zu schließen. Die Augen verschlossen Das Wahlergebnis war abzusehen. Die anderen Parteien haben aber die Augen verschlossen. Mit der Strategie: Es wird schon wieder einmal gut gehen. Das ist zu wenig. Die Union zum Beispiel wusste doch, dass es wahrscheinlich keine Mehrheit gegen die AfD ohne die Linken gibt. Aber sie mogelt sich um klare Aussagen in Sachsen-Anhalt herum, während sie in Thüringen und Sachsen längst mit der Linken zusammenarbeitet. Wähler stören sich nicht an Extremismus Was auch nicht mehr überrascht: Sehr viele Sachsen-Anhalter haben eine Partei gewählt, deren Landesverband als gesichert rechtsextremistisch eingestuft ist. Im Umfeld des Spitzenkandidaten sind Leute, die bei der Heimattreuen Deutschen Jugend (HDJ) waren. Das ist eine Jugendorganisation, die verboten wurde, weil sie wesensverwandt mit dem Nationalsozialismus ist. Jugendsünden - sagt die AfD. Oder die Vetternwirtschaft: Parteifreunde haben Familienmitglieder gegenseitig angestellt, was Spitzenkandidat Ulrich Siegmund als kalten Kaffee abtut. Das alles stört die Wählerinnen und Wähler ganz offensichtlich nicht. Sie haben für einen Kandidaten gestimmt, der keine Antworten auf kritische Fragen hat. Außer ein Lächeln, das manchmal ins Auslachen kippt. Brandmauern scheitern an der Realität Wer ein Land regieren will, der muss aber auch auf andere zugehen - sich wirklich interessieren. Auch für die da sein, die nicht AfD gewählt haben. Also die Mehrheit im Land. Menschen machen sich Sorgen oder haben Angst, weil sie aus Ländern kommen, die die AfD als "kulturfremd" bezeichnet. Weil sie behinderte Kinder haben, die die AfD nicht mehr an gemeinsamen Schulen unterrichten will. Was aber genauso wenig geht: Die Menschen ignorieren, die AfD gewählt haben. Sachsen-Anhalt hat nochmal gezeigt: Brandmauern scheitern an der Realität. Es wird nicht mehr gehen - ohne miteinander zu reden. Es wird nicht mehr gehen, der AfD demokratische Rechte zu verweigern. Auch im Bundestag, wenn es um Vizepräsidenten oder Sitzungssäle geht. Ratlosigkeit auch in Berlin Das Land ist tief gespalten. Nicht nur Sachsen-Anhalt, auch in Berlin herrscht Ratlosigkeit. Und die Politik reagiert mit Floskeln. Die Union sagt, sie erreiche die Menschen nicht emotional. Die SPD spricht von einem stabilen Ergebnis. Man will mal wieder besser regieren, besser erklären. Was denken nur Wählerinnen und Wähler, wenn sie das hören? Vielleicht sollten wir alle im Land mehr Optimismus wagen, nicht alles schlechtreden. Die Wahlbeteiligung war riesig, es haben sich viele Menschen für die Demokratie engagiert. Das Land steht nicht am Abgrund. Das sollten wir uns nicht von der AfD einreden lassen.

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6. September
ZDF heute

Drei Erkenntnisse aus dem Wahlsieg der AfD

Wahl in Sachsen-Anhalt: 3 Erkenntnisse aus dem Wahlsieg der AfD Kommentar Landtagswahl in Sachsen-Anhalt:Drei Erkenntnisse aus dem Wahlsieg der AfD von Bettina Schausten | Das Wahlergebnis aus Sachsen-Anhalt ist ein Paukenschlag. Eine Mehrheit der Wähler hat in einer demokratischen Wahl für den Wechsel gestimmt. Warum trotzdem nicht alles gut ist. An einem Wahlabend, der noch nicht zu Ende ist, drei vorläufige Erkenntnisse. Die AfD hat es geschafft, Kopf und Herz vieler Menschen zu erreichen, in dem sie ihre Unzufriedenheit, ihren Frust, ihre Enttäuschung bündelt. Konkrete Rezepte dagegen hat sie eher nicht. Radikalität im fröhlichen Gewand, gegen alle anderen, das hat gezogen. Ein Ausdruck von Mäßigung ist die gute Laune nicht. Absolut soll die Mehrheit sein, die AfD will keine Teilung der Macht, sie will keine Kompromisse. Wenn heute Abend zu hören ist, sie strecke die Hand aus, dann klingt das nicht nach Brückenbauen fürs Land, sondern nach Machtanspruch der Partei. Für die CDU ist der Abend eine Katastrophe. Ein Ministerpräsident, der Rekordverluste einfährt, muss sich vielfach die Rücktrittsfrage stellen lassen, die naheliegt. Und doch darf er nicht die Brocken hinschmeißen, denn vielleicht wird er noch gebraucht für schwierigste Experimente. Dass das seine Partei kaum aushalten wird, steht ihm ins Gesicht geschrieben. Und dann ist da Berlin. Nicht selten bekommen Regierungen bei Landtagswahlen eine Quittung ausgestellt, aber dass ein Kanzler und Parteivorsitzender im Wahlkampf geradezu versteckt werden muss, ließ Böses ahnen. Dies ist auch die Niederlage von Friedrich Merz, der nun gewaltig unter Druck steht, eine handlungsfähige Regierung zu wirksamen Reformen zu treiben und seine Politik schlüssig zu erklären. Es braucht ein Signal: Ich habe verstanden! Doch auch dies ist klar geworden in diesem Wahlkampf: Die destruktive Wut der AfD richtet sich klar gegen die CDU. Wer da als Christdemokrat noch an eine konstruktive Zusammenarbeit glaubt, muss selbst Lust am Untergang haben. Sachsen-Anhalt hat gewählt. Ein tief gespaltenes Land, in dem künftig die das Sagen haben könnten, die mit Spaltung groß geworden sind.

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6. September
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Wahl in Sachsen-Anhalt - AfD halbiert die CDU

Mitten im Wahlkrimi! Merkel speist beim Chinesen Wahl-Knall im Osten: Jubel und Schmerz AfD halbiert CDU in Sachsen-Anhalt ++ Ihr fehlen aber 3 Sitze zur absoluten Mehrheit Berlin – Jubelstimmung bei der AfD, großer Schmerz bei der CDU! Denn: Die AfD triumphiert bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, wird ganz deutlich zur stärksten politischen Kraft im neuen Landtag. Mit gewaltigem Abstand. Laut aktueller Hochrechnung (ARD, 21.08 Uhr) erreicht die Partei um Spitzenkandidat Ulrich Siegmund (35, AfD) 44 Prozent. Das ist ein Plus von rund 23 Punkten. Ein klarer Sieg. Schafft Siegmunds AfD (wird vom Verfassungsschutz als „gesichert rechtsextremistisch“ eingestuft) tatsächlich ihr selbst gestecktes Wahlziel von „45 Prozent plus X“? AfD-Chefin Alice Weidel sieht für ihre Partei einen klaren Regierungsauftrag in Sachsen-Anhalt. „Das ist ein historisches Ergebnis, und es ist ein ganz klarer Regierungsauftrag“, sagte Weidel im ZDF. Das sagt Siegmund zur möglichen Koalition Siegmund bezeichnete Kanzler Friedrich Merz (70, CDU) in einer ersten Reaktion als „wichtigsten Wahlkampfhelfer“. Mit Blick auf mögliche Koalitionen sagte er: „Die Hand zu anderen Parteien bleibt als Demokrat immer ausgestreckt.“ Voraussetzung: „Eine neue Politik für das Land.“ Und weiter sagte der AfD-Spitzenkandidat: „Wir beschäftigen uns nicht mit Brandmauern. Wir beschäftigen uns mit Deutschland.“ Abgeschlagen bei den Landtagswahlen Sachsen-Anhalt hingegen die CDU! Sie landet unter Ministerpräsident Sven Schulze (47) mit knapp 18 Prozent nur noch auf Platz 2 (minus 19 Punkte). Historische Klatsche! Die CDU wurde in Sachsen-Anhalt von der AfD halbiert! Auf der CDU‑Wahlparty herrscht Stimmung wie auf einer Beerdigung. Erste Reaktion von Kanzleramtsministerin Nina Warken (47, CDU). Sie spricht von einer „Zäsur“ für die CDU. Es sei ein „sehr, sehr schwieriges Ergebnis“. So reagiert Schulze auf die Hochrechnung Wahl-Verlierer Schulze gab sich zerknirscht, gratulierte Siegmund und gestand die Niederlage ein: „Manche sagen, das ist ein schwarzer Tag für Sachsen-Anhalt. Ich sage, das ist Demokratie. Die Menschen haben ein Zeichen gesetzt.“ Wie es um die anderen Parteien steht Auch die SPD gewinnt einen halben Punkt, erreicht nur rund 9 Prozent. Zulegen können allein die Grünen (knapp 9 Prozent, plus 3 Punkte). Die Linkspartei erreicht knapp 9 Prozent (minus 2 Prozentpunkte). Knapp ins Parlament schafft es offenbar das BSW (gut 5 Prozent). Nicht erneut in den Landtag schafft es hingegen die FDP (gut 2 Prozent). Sie fliegt damit nicht nur aus dem Parlament, sondern auch aus der Regierung. Die Liberalen reihen sich damit bei den sonstigen Parteien ein. Sie scheitern allesamt an der Fünfprozenthürde. Die sonstigen Parteien kommen zusammen auf gut 4 Prozent. So kam es zu diesem Ergebnis Damit ist der erwartete Rechts-Knall im Osten da! Ausschlaggebend: die Anti-Stimmung in Sachsen-Anhalt – gegen (fast) alles! Gegen Kanzler Merz: Er wurde noch am Donnerstag in Braunsbedra mit „Hau ab! Hau ab!“ bepöbelt. Gegen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Gegen Ausländer. Gegen transatlantische Werte. Und auch gegen Westdeutsche. Wahlentscheidend waren laut Infratest Dimap vor allem vier Themen: kein Vertrauen mehr in CDU, SPD, FDP & Co., soziale Sicherheit, Wirtschaft und Migration. Wahr ist aber auch: Der Wahlkampf von CDU-Ministerpräsident Schulze war enttäuschend. Blass, kleinlaut und ganz ohne Kanten – Schulze blieb komplett farblos! AfD-Spitzenkandidat Siegmund hingegen mobilisierte die Massen, sprach den Menschen offenbar aus der Seele. Die Frage der Regierungsbildung Offen bleibt, wer in Sachsen-Anhalt künftig regiert. Für die absolute Mehrheit wird es bei der AfD eventuell nicht reichen. Und die CDU? Sie müsste mit allen anderen Parteien, inklusive der Ex-SED und heutigen Linkspartei, gemeinsame Sache machen. Unklar, ob das überhaupt möglich ist. „Das wäre das Ende der Brandmauer nach links und der Beginn des Bedeutungsverlustes von Regierungen“, sagt Meinungsforscher Klaus-Peter Schöppner (77) zu BILD. Fakt ist: Der Wahl-Knall im Osten wird auch in Berlin erhebliche Wellen schlagen. Für die schwarz-rote Regierungskoalition brechen harte Zeiten an. Haben Sie eine Meinung zu diesem Artikel? Hier können Sie uns schreiben. Haben Sie Fehler entdeckt? Dann weisen Sie uns gern darauf hin.

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6. September
Der Spiegel (Politik)

Landtagswahl Sachsen-Anhalt: Linke erobert drei Direktmandate, der Rest geht an die AfD

Wahl in Sachsen-Anhalt AfD gewinnt fast alle Direktmandate, Linke in zwei Städten erfolgreich Das amtliche Endergebnis steht noch aus, aber schon jetzt zeichnet sich ab, dass die AfD einen Großteil der 41 Direktmandate in Sachsen-Anhalt gewonnen hat. Bei der vergangenen Landtagswahl im Jahr 2021 gingen noch 40 der 41 Direktmandate an die CDU – und nur eines an die AfD. Dieses Mal geht kein Direktmandat an die Christdemokraten, dafür aber offenbar 38 der 41 Wahlkreise an die rechtsextreme AfD. Das zeigt der bisherige Auszählungsstand. Der amtierende Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) unterliegt in seinem Wahlkreis Magdeburg III wohl dem AfD-Politiker Christian Mertens. AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund siegt dagegen in seinem Wahlkreis Genthin mit mehr als 50 Prozent. Allein der Linken gelingt es, in drei Wahlkreisen den Durchmarsch der AfD zu stoppen: Mustafa Groener siegt in Magdeburg II, Gitta Hartenstein-Wiermann in Halle II, und Jannik-Loris Balint holt ein Direktmandat in Halle III. Im Karl-Liebknecht-Haus freut man sich über den Minierfolg. Er sei das Ergebnis ehrlicher Handarbeit, sagte Linkenchefin Ines Schwerdtner dem SPIEGEL. »Die Linke kann als glaubhafte, soziale und antifaschistische Kraft direkt gegen die AfD gewinnen.« Es sei gelungen, »rote Leuchttürme zu bauen«. Dass die Linke ausgerechnet in den beiden größten Städten des Bundeslandes punkten konnte, ist stimmig. Die Partei hat sich am deutlichsten als antifaschistisch positioniert, baute auf eine junge, weibliche Zielgruppe, queere und migrantische Menschen. Kurz: Die Linke punktete im urbanen Milieu. Im Bund kann die Partei damit Erfolge einfahren, junge Frauen aus Großstädten waren es, die der Linken zum Erfolg bei der Bundestagswahl verhalfen. Doch in einem ländlich geprägten Flächenland wie Sachsen-Anhalt ist dieses Modell nur bedingt tauglich. Lesen Sie auch: Sachsen-Anhalt hat gewählt. Bei welchen Wählergruppen konnten die Parteien punkten? Und wer konnte wem Stimmen abjagen? Die Analyse in Grafiken .

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6. September
taz (Öko & Co)

Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: Der dicke braune Balken

Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: Der dicke braune Balken Die AfD ist laut Hochrechnungen klar stärkste Partei bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Alle Grafiken zur Wahl. Empfohlener externer Inhalt Bei der Wahl in Sachsen-Anhalt ging es um deutlich mehr als um einen neuen Landtag in Magdeburg. Denn am 6. September wurde die AfD mit Abstand stärkste Partei. Für eine absolute Mehrheit im neuen Landtag fehlen ihr Stimmen. Dennoch ist nicht ausgeschlossen, dass ihr Spitzenkandidat Ulrich Siegmund zum ersten Ministerpräsidenten einer rechtsextremen Partei gewählt wird. Um gegen Siegmund zu gewinnen, müsste ein anderer Kandidat die Stimmen von CDU, SPD, Linken, Grünen und BSW auf sich vereinen. Extrem hoch war die Wahlbeteiligung. Sie lag über 76 Prozent und damit deutlich über den 60,3 Prozent bei der letzten Landtagswahl 2021. Auch davon haben offenbar vor allem die Rechtsextremen profitiert. Die Prozente Die rechtsextreme AfD kommt laut Hochrechnungen von ZDF und ARD auf rund 44 Prozent. Sie übertraf damit alle Umfragen, die sie zuletzt zwischen 40 und 43 Prozent gesehen hatten und konnte ihren Stimmenanteil gegenüber der letzten Wahl noch einmal verdoppeln. 2021 war sie auf fast 21 Prozent gekommen. Alle anderen Parteien sehen dagegen alt aus. Empfohlener externer Inhalt Der bisher regierenden CDU stürzte 37 auf unter 18 Prozent – sie lag damit nochmal 5 Prozentpunkte schlechter als in den letzten Umfragen. Grüne und SPD, die phasenweise sogar um den Wiedereinzug ins Parlament zittern mussten, kamen auf rund 9 Prozent – genauso wie die Linkspartei. Währen die SPD ihr Ergebnis aus 2021 damit in etwa halten konnte, konnte sich die Grünen sogar um rund 3 Prozentpunkte verbessern. Das ist das beste Ergebnis der Grünen jemals in diesem Bundesland. Für die Linke ist das Ergebnis hingegen ein Desaster. Sie verliert 2 Prozentpunkte gegenüber 2021. Und noch mehr gegenüber den Umfragen, die sie noch im Sommer teils noch bei 13 bis 14 Prozent gesehen hatten. Die FDP, die bisher zusammen mit CDU und SPD in der Regierung sitzt, fliegt aus dem Landtag. Sie stürzt von 6,4 auf gerade mal rund 2,5 Prozent. Dem BSW, das erstmals in Sachsen-Anhalt antrat, gelang ein Überraschungserfolg. Es lag bei den Hochrechnungen beider Sender am Abend bei 5 Prozent oder sogar knapp darüber. Die Sitzverteilung Die AfD wird im kommenden Landtag fast die Hälfte der Sitze stellen. Die Hochrechnungen am Wahlabend prophezeiten ihr 39 der 83 Sitze. Damit fehlen ihr drei Sitze zur absoluten Mehrheit. Empfohlener externer Inhalt Die Fraktion der CDU fällt nicht mal halb so groß aus wie bisher, sie bekommt nur 16 statt bisher 40 Sitze. SPD, Grüne und Linke kommen auf je 8 Sitze. Das BSW ist, wenn es wirklich über der 5-Prozent-Hürde bleibt, mit 4 Abgeordneten vertreten. Der Koalitionsrechner Diese Grafik ist interaktiv. Sie können sich Ihre Wunschkoalition zusammenklicken und überprüfen, ob es für eine Mehrheit reichen könnte. Schnell wird klar, dass die AfD rechnerisch nur mit einer Partei zusammenarbeiten müsste. Da CDU, SPD, Grüne und Linke das aber ausgeschlossen haben, bliebe dafür nur das BSW. Das hatte sich der AfD offensiv angeboten. AfD-Spitzenkandidat Siegmund hat aber auch am Wahlabend betont, dass er nur allein regieren wolle. Offenbar setzt er auf Überläufer aus den anderen Parteien. Empfohlener externer Inhalt Eine wie auch immer definierte Zusammenarbeit von CDU, SPD, Grünen und Linken hat keine Mehrheit, wenn das BSW im Landtag vertreten ist. Falls das BSW doch nicht reinkäme, müssten die vier erstmal auf ein wie auch immer geartete Form der tolerierten Minderheitsregierung einigen können. Die CDU hat eine formale Zusammenarbeit mit der Linken ausgeschlossen. Wahlergebnis weicht teils stark von Umfragen ab Am Wahlabend hat die AfD alle Umfragen nochmals übertroffen. Noch dramatischer waren die Abweichungen aber bei den anderen Parteien. Vor allem CDU und Linkspartei schnitten deutlich schlechter ab, als ihnen in den Umfragen vorhergesagt wurde. SPD, Grüne und auch das BSW konnten umgekehrt deutlich mehr Wähler:innen für sich gewinnen. Empfohlener externer Inhalt Das dürfte auch Folge von Kampagne für eine taktische Stimmabgabe sein. Die hatten explizit dafür geworben, die Zweitstimme eher an SPD und Grüne zu geben, damit diese es über der 5-Prozent-Hürde – um so einen stärkeren Riegel gegen die AfD bilden zu können. Schon 2021 war das Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt extrem von den Umfragen abgewichen. Damals hatte die CDU in einem Schlusspunkt bis zu 10 Prozentpunkte mehr gewinnen können, als erwartet worden war. Auch das war Folge von taktischem Wählen. Viele Menschen in Sachsen-Anhalt stimmten für die Union, damit sie stärker als die AfD wurde. Das war damals gelungen. Diesmal war laut Umfragen klar, dass die CDU keine Chance hatte, nochmals vor der AfD zu landen. Wichtiger ist es diesmal daher vielen Wähler:innen gewesen, andere Parteien in den Landtag zu wählen. Die Wählerwanderung Diese Vermutung bestätigt auch die Analyse der Wählerwanderung, die vom Institut infratest dimap im Auftrag der ARD erstellt wurde. Empfohlener externer Inhalt Demnach sind tausende Wähler:innen von der Union zu SPD, Grünen und auch zum BSW gewandert, was durch taktisches Wählen erklärt werden kann. Den dramatischen Einbruch der CDU verursachte aber die weitaus größeren Verluste, die sie gegenüber der AfD erlitten, an die sie rund 82.000 Stimmen verloren hat. Dass taktisches Wählen funktioniert hat, zeigen die Wählerströme von Grünen und SPD. Beide haben deutlich von der Union gewonnen. Sie konnte auch viele bisherige Nichtwähler:innen für sich begeistern. In kleinerem Maße konnte sie auch ehemaligen Linkspartei-Wähler:innen für sich gewinnen. Tatsächlich dürfte hier die Bewegung in den letzten Wochen noch viel stärker gewesen sein, weil die Linke im August in Umfragen deutlich besser lag, als bei der Wahl 2021. Die mit Abstand stärkste Wählerwanderung war aber die von den Nichtwähler:innen zur AfD. Sie konnte laut infratest 170.000 Menschen dazu bewegen, zur Urne zu gehen und für sie zu stimmen. Das könnte allein bis zu 15 Prozentpunkte der AfD ausmachen – und war somit wahlentscheidend. Die alte Weisheit linker Wahlkämpfer:innen, dass man die Menschen nur zur Wahl bringen müsse, um ein starkes AfD-Ergebnis zu verhindern, ist damit wiederlegt. Die Wahlkreise Empfohlener externer Inhalt Wer hat wo das Direktmandat gewonnen? Welche Partei lag bei den Zweitstimmen in der Wahlkreisen vorn? Das zeigt die folgende Grafik – und auch sie ist fast flächendeckend braun. Den die AfD hat offenbar auch alle Dirketmandate gewonnen – bis auf drei. Das zeigen die Zahlen gegen 22 Uhr, als große Teile der abgegebenen Stimmen bereits ausgezählt waren. Empfohlener externer Inhalt Nuur in den Wahlkreisen Magdeburg II, sowie in Halle II und Halle III lagen am Abend die Kandidat:innen der Linken klar vorne. Die Rechtsextremen holen damit mutmaßlich 38 der 41 Direktmandate. Die Hochburgen Wo haben die einzelnen Parteien besonders gut oder besonders schlecht abgeschnitten? Das wird diese Grafik immer deutlicher im Laufe der Wahlnacht zeigen. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass Grüne und Linke wie bei anderen Wahlen auch, vor allem in den großen Städten punkten konnten. Die AfD hat ihre Hochburgen eher im ländlichen Raum. Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen meistkommentiert

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6. September
Süddeutsche Zeitung (Politik)

Podcast: „Auf den Punkt“: AfD gewinnt in Sachsen-Anhalt – die Wahlanalyse

Selten war eine Landtagswahl schon so lange vor dem Wahltermin immer wieder Thema hier bei „Auf den Punkt“– und jetzt wissen wir, wie die Wahl ausgegangen ist: In Sachsen-Anhalt hat die in diesem Bundesland rechtsextreme AfD die Wahl gewonnen. So deutlich, dass sie vielleicht sogar alleine regieren könnte. Und das hängt vor allem an einer anderen Partei: Nämlich davon, ob das BSW in den Magdeburger Landtag einzieht. Das Wahlergebnis analysieren in dieser Podcastfolge der stellvertretende Chefredakteur der SZ, Roman Deininger. Und der AfD-Experte der SZ, Tim Frehler. Beide haben den Wahlabend in Magdeburg verfolgt. Zum Weiterlesen und -hören: Die neue SZ-Podcast-Serie „Weidelland – Die AfD und ihr Weg zur Macht“ können Sie hier anhören. Was die AfD im Falle einer Alleinregierung in Sachsen-Anhalt vor hat, das hören Sie in dieser Folge. Sieben Erkenntnisse aus dem Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt lesen Sie hier. Den Text von der AfD-Wahlparty lesen Sie hier. Moderation, Redaktion: Johannes Korsche Redaktion: Antonia Franz, Lea Brüggemann Produktion: Julius Zimmer Zusätzliches und zitiertes Audiomaterial: ARD So können Sie unseren Nachrichtenpodcast abonnieren: „Auf den Punkt“ ist der tägliche Nachrichtenpodcast der Süddeutschen Zeitung zu den wichtigsten Themen des Tages. Sie finden alle Folgen auf sz.de/nachrichtenpodcast. Verpassen Sie keine Folge und abonnieren Sie unser Audio-Angebot in Ihrer Lieblings-Podcast-App oder bei iTunes und Spotify. Eine Übersicht über all unsere Podcasts finden Sie unter www.sz.de/podcast und hier erfahren Sie, wie Sie unsere Podcasts hören können. Sie haben Fragen oder Anregungen? Dann schreiben Sie uns: podcast@sz.de.

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6. September
FAZ (Politik)

Sachsen-Anhalt: Auf diesen Wegen könnte die AfD an die Macht kommen

Sachsen-Anhalt : Auf diesen Wegen könnte die AfD an die Macht kommen Die AfD ist der Wahlsieger von Sachsen-Anhalt. Aber wie könnte sie eine Regierung bilden? Drei Stunden nach den ersten Prognosen scheinen dafür vier Szenarien denkbar. Dass die AfD die Wahl in Sachsen-Anhalt mit einem erheblichen Vorsprung gewonnen hat, ist seit 18 Uhr klar. Inzwischen haben sowohl die beiden Parteivorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla als auch Spitzenkandidat Ulrich Siegmund erklärt, dass sie einen Regierungsauftrag für ihre Partei sehen. Doch bisher geben die Zahlen keine absolute Mehrheit der Sitze im Landtag für die AfD her – und alle anderen Parteien wollen bisher keine feste Koalition mit der Partei, die vom Landesverfassungsschutz als rechtsextremistisch eingestuft wird, eingehen. Auf welchen Wegen könnte die AfD dennoch an die Macht kommen? Szenario 1: Es reicht doch für die absolute Mehrheit Die Hochrechnungen sehen das BSW an der Schwelle zur Fünfprozenthürde. Sollte es die Partei nicht in den Landtag schaffen, würden zwei weitere Mandate an die AfD fallen. In diesem Fall würde ein weiteres AfD-Mandat ausreichen für eine absolute Mehrheit. Dass sich eine solche Verschiebung vom Hochrechnungsstand um 21 Uhr bis zum amtlichen Endergebnis noch ergibt, ist möglich. Damit könnte die AfD-Fraktion Ulrich Siegmund aus eigener Kraft zum Ministerpräsidenten wählen. Über dieses Szenario hatte Siegmund allerdings kurz vor der Wahl gesagt, dass er nicht sicher sei, ob er eine Regierung mit einer solch knappen Mehrheit bilden wolle. Szenario 2: Das BSW zieht in den Landtag ein – und koaliert mit der AfD Sollte das BSW den Einzug in den Landtag schaffen, könnte es der AfD zur Wahl von Ulrich Siegmund als Ministerpräsident verhelfen. Schaffen es beide Fraktionen in den Landtag, hätten sie zusammen eine Mehrheit, wenn sich im Endergebnis nicht noch erhebliche Verschiebungen ergeben. Alice Weidel hat sich am Abend bereits positiv über die Landesspitze des BSW geäußert und gesagt, die Partei sei „sehr interessant“, wenn es um die Regierungsbildung gehe. Der Haken für die AfD ist, dass das BSW es bislang ablehnt, Ulrich Siegmund zum Ministerpräsidenten zu wählen. BSW-Spitzenkandidatin Claudia Wittig sagte, ihre Position sei das „Vermitteln zwischen Fronten“. Das BSW spricht sich für die Wahl eines überparteilichen Ministerpräsidenten aus – was die AfD bislang ablehnt. Wittig betonte, dass sie Siegmund nicht zum Ministerpräsidenten wählen möchte, Amtsinhaber Sven Schulze allerdings „vielleicht noch weniger“. Szenario 3: Das BSW zieht in den Landtag ein – und ermöglicht Siegmund als Ministerpräsident Das BSW könnte Ulrich Siegmund als Ministerpräsident auch ermöglichen, ohne für ihn zu stimmen – sofern es in den Landtag einzieht und die AfD mehr Stimmen hat als CDU, Linke, SPD und Grüne zusammen. Möglich wäre dies, wenn zwei Wahlgänge im Landtag stattfinden, in denen kein Ministerpräsidentenkandidat eine absolute Mehrheit der Stimmen bekommt. Dann würde im dritten Wahlgang die einfache Mehrheit reichen. Die AfD-Fraktion könnte also Siegmund wählen, das BSW sich enthalten – und die restlichen Parteien hätten keine Chance, die Wahl zu verhindern. Allerdings gilt auch hier: Es ist unklar, ob der Ausgang der Wahl ein solches Szenario ermöglicht. Es ist ebenso möglich, dass die AfD weniger Stimmen hat als CDU, Linke, SPD und Grüne zusammen. Zudem gibt es politische Hürden: Siegmund selbst hat eine Minderheitsregierung – auf die es hier hinauslaufen würde – am Abend ausgeschlossen. Ko-Parteichef Tino Chrupalla sagte, er halte eine Minderheitsregierung für denkbar. Szenario 4: Einzelne Abgeordnete laufen zur AfD über Ulrich Siegmund selbst hat angedeutet, dass er auf dieses Szenario schielt. „Niemand weiß, welche Auswirkungen das jetzt auch haben wird. Auch vielleicht für einzelne Abgeordnete anderer Parteien“, sagte er am Sonntagabend. Tatsächlich könnten wenige Überläufer aus anderen Fraktionen ausreichen, um eine Regierung bestehend aus der AfD-Fraktion und einzelnen anderen Abgeordneten zu bilden. Weidel sagte, „Teile der CDU“ seien als möglicher Partner interessant – dies zielt in dieselbe Richtung. Besonders, wenn es das BSW nicht in den Landtag schaffen sollte, könnte dieses Szenario relevant werden: Dann könnten der AfD schon ein bis zwei Überläufer reichen.

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6. September
Die Zeit (Politik)

Wahlverhalten in Sachsen-Anhalt: Wie die AfD so stark werden konnte

Wahlverhalten in Sachsen-Anhalt: Wie die AfD so stark werden konnte Ob aus Zorn über die Regierung oder aus Angst um den Arbeitsplatz: Die AfD ist in Sachsen-Anhalt in allen Gruppen Volkspartei – nur bei einer tut sie sich schwer. Die AfD erzielt in Sachsen-Anhalt mit 44 Prozent ihr bestes Landtagswahlergebnis. Danach zeigt der Blick auf die Ursachen vor allem den Vertrauensverlust der bisherigen Koalition, die Schwäche der CDU im Land und im Bund sowie große Sorgen um soziale Sicherheit, Wirtschaft und Arbeitsplätze in einem strukturschwachen Bundesland. Zugleich war für AfD-Anhänger vor allem die innere Sicherheit wahlentscheidend, und viele sehen die Partei inzwischen nicht mehr nur als Protestpartei, sondern als Kraft mit der größten Problemlösungskompetenz. Das spiegelt sich in fast allen Bevölkerungsgruppen wider: Die AfD liegt bei Männern und Frauen vorn, ist in fast allen Altersgruppen stärkste Kraft, gewinnt stark bei Erstwählenden und erzielt besonders hohe Werte bei Menschen mit niedrigerem Bildungsabschluss. Bei einer Rekordwahlbeteiligung von etwa 78 Prozent steht Sachsen-Anhalt nun vor schwierigen Mehrheitsverhältnissen und womöglich vor einer Zäsur, die über das Bundesland hinaus Bedeutung für Deutschland haben könnte. Diese Zusammenfassung wurde mithilfe von Künstlicher Intelligenz erstellt. Vereinzelt kann es dabei zu Fehlern kommen. Fanden Sie die Zusammenfassung hilfreich? Was gerade im Landeswahlleiterbüro in Magdeburg offiziell wird, hatte sich in den Wochen zuvor bereits in Umfragen abgezeichnet: Die AfD erreicht laut ersten Hochrechnungen 44 Prozent bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Ihr bestes Ergebnis bei einer Landtagswahl überhaupt. Dennoch wird es voraussichtlich ganz knapp nicht für eine absolute Mehrheit reichen. Für den amtierenden Ministerpräsidenten Sven Schulze (CDU) und alle anderen Parteien ist es eine historische Niederlage. Die CDU landet bei nur noch knapp über 18 Prozent, ihrem schlechtesten Ergebnis seit der Wiedervereinigung. Die Wahlbeteiligung war landesweit mit etwa 78 Prozent die höchste in der Geschichte des Bundeslandes. Ein Blick auf Alter, Geschlecht und Wahlmotive der Wählerinnen und Wähler zeigt, wie die AfD ihre Mehrheit längst nicht mehr nur aus dem rechtsextremen Milieu, sondern aus der bürgerlichen Mitte der Gesellschaft holt.

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6. September
ZDF heute

Hochrechnung: AfD gewinnt mit großem Vorsprung vor CDU

Landtagswahl in Sachsen-Anhalt:Hochrechnung: AfD gewinnt mit großem Vorsprung vor CDU von Carsten Hauptmeier Die AfD liegt bei der Wahl deutlich vor der CDU. Laut Hochrechnung verpasst sie knapp die absolute Mehrheit. Die Mehrheitsverhältnisse im neuen Landtag sind aber noch unklar. Die AfD hat die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt klar gewonnen. Sie kommt mit ihrem Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund laut Hochrechnung auf 44,4 Prozent der Stimmen. Die AfD verdoppelt damit im Vergleich zur Wahl vor fünf Jahren ihr Ergebnis. Die CDU mit dem amtierenden Ministerpräsidenten Sven Schulze stürzt auf 18,3 Prozent ab. In der aktuellen Hochrechnung von 19:54 Uhr folgen die Linke mit 9,2 Prozent und die SPD mit 8,6 Prozent. Die Grünen kommen demnach auf 8,4 Prozent und würden damit auch klar in den Landtag einziehen. Die FDP scheitert mit 2,4 Prozent an der Fünf-Prozent-Hürde. Das BSW muss um den Einzug in den Landtag bangen. Die Hochrechnung sieht das Bündnis bei 4,8 Prozent. Mehrheitsverhältnisse im Landtag noch unklar Laut Hochrechnung sind fünf Parteien im künftigen Landtag vertreten. Bei insgesamt 83 Sitzen liegt die absolute Mehrheit bei 42 Sitzen. Die AfD stellt laut der Hochrechnung 41 Abgeordnete und hätte damit aktuell keine absolute Mehrheit. Knapp erreichen würden diese rechnerisch demnach CDU, SPD, Grüne und Linke zusammen mit genau 42 Sitzen. Die Parteien hatten vor der Wahl eine Zusammenarbeit mit der AfD abgelehnt. Einzug des BSW in den Landtag unklar Die künftigen Mehrheitsverhältnisse im Landtag werden stark davon abhängen, ob das BSW noch den Einzug in den Landtag schafft. Schafft das BSW es nicht über die Fünf-Prozent-Hürde, wäre eine Minderheitsregierung aus CDU, SPD und Grünen mit der Tolerierung der Linken denkbar. Die BSW- Parteivorsitzende Amira Mohamed Ali sprach sich im ZDF erneut für "einen überparteilichen Ministerpräsidenten" aus, der mit wechselnden Mehrheiten unter Einbindung des gesamten Parlamentes regiere. Die Wahlbeteiligung in Sachsen-Anhalt war mit rund 78 Prozent sehr hoch. Vor fünf Jahren lag sie bei lediglich 60,3 Prozent. Die Nachrichten kompakt zum Frühstück:ZDFheute Update am Morgen Die wichtigsten Hintergründe, Themen und Analysen aus der Nacht werktags früh in Ihrem Postfach. Morgen früh zusätzlich mit allen Informationen zur Wahlnacht, exklusiv von unserer ZDFheute-Redaktion.Weidel: AfD hat "klaren Regierungsauftrag" AfD-Chefin Alice Weidel sprach im ZDF von einem "historischen Ergebnis". Sie betonte: "Das ist ein ganz klarer Regierungsauftrag." Die stärkste Partei habe immer den Auftrag, eine Regierung zu bilden. Spitzenkandidat Siegmund betonte zugleich: "Wir möchten uns nicht verbiegen für irgendwelche Machtoptionen.“ Es werde auch keine Minderheitsregierung in Betracht gezogen. Die AfD liegt bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt klar vorne: Spitzenkandidat Ulrich Siegmund im Interview. 06.09.2026 | 3:58 minMinisterpräsident und Sachsen-Anhalts CDU-Chef Schulze räumte die Niederlage seiner Partei ein und gratulierte der AfD zum Wahlsieg. Das Ergebnis schmerze "uns sehr", sagte Schulze im ZDF. Mit dem Ergebnis müsse jetzt im neuen Landtag umgegangen werden. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident räumte die Niederlage für seine CDU ein. 06.09.2026 | 1:54 minWahl-Ausgang könnte auch Schwarz-Rot in Berlin belasten Das Wahlergebnis dürfte auch eine Belastungsprobe für die Arbeit der schwarz-roten Koalition in Berlin unter Bundeskanzler Friedrich Merz darstellen. Kanzleramtsministerin Nina Warken (CDU) sprach von einer "Zäsur" für die CDU. Es sei ein "sehr, sehr schwieriges Ergebnis", räumte sie im ZDF ein. CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann sagte, es sei ein "sehr schweres Ergebnis", das auch "wirklich emotional etwas mit uns macht“. Auch SPD-Chef Lars Klingbeil bezeichnete den Wahl-Ausgang als "Zäsur". Es sei ein Abend, "der mich betrübt". Es gebe wahnsinng viele Menschen, die Sorge hätten über das Wahlergebnis der AfD. Das Ergebnis sei sicher "auch ein Signal an Berlin". SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf sprach von einem "stabilen Ergebnis" für seine Partei in Sachsen-Anhalt. Dort werde es anscheinend eine "sehr, sehr schwierige Regierungsbildung" geben. Reaktionen aus Berlin im Video In Sachsen-Anhalt regieren derzeit CDU, SPD und FDP Bei der Wahl vor fünf Jahren kam die CDU auf 37,1 Prozent, die AfD auf 20,8 Prozent, die Linke auf 11,0 Prozent, die SPD auf 8,4 Prozent, die FDP auf 6,4 Prozent und die Grünen auf 5,9 Prozent. Alle anderen Parteien erzielten zusammen 10,4 Prozent. Anschließend bildeten CDU, SPD und FDP die sogenannte Deutschland-Koalition. An der Spitze stand als Ministerpräsident zunächst Reiner Haseloff von der CDU. Im Januar löste ihn Sven Schulze als Regierungschef ab. Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern folgen Bereits in zwei Wochen stehen zwei weitere Landtagswahlen an. Am 20. September wird sowohl in Berlin als auch in Mecklenburg-Vorpommern gewählt. Auch der Ausgang dieser beiden Wahlen wird mit Spannung erwartet und könnte erheblichen bundespolitischen Einfluss haben. In Berlin regiert derzeit eine Koalition aus CDU und SPD, in Mecklenburg-Vorpommern ein Bündnis aus SPD und Linken. Lassen Sie sich Beiträge von ZDFheute bevorzugt bei Google anzeigen. → Hier ZDFheute als bevorzugte Quelle einstellen. Mehr zur Wahl in Sachsen-Anhalt - LiveblogLandtagswahl in Sachsen-Anhalt:So fällt die Hochrechnung ausvon Katrin Meyer, Nora Liebmann und Laura Ozdoba - AnalyseLandtagswahl in Sachsen-Anhalt:AfD-Rekordergebnis bei maximaler Polarisierung im Landvon Forschungsgruppe Wahlen - GrafikenLandtagswahl in Sachsen-Anhalt:Alle Zahlen zur Wahl in Grafikenvon Kathrin Wolff - GrafikenWählerwanderung in Sachsen-Anhalt:Woher kommen die Wähler der AfD?

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6. September
taz (Öko & Co)

AfD Sachsen-Anhalt nach Wahlergebnis: Nah am totalen Sieg

AfD Sachsen-Anhalt nach Wahlergebnis: Nah am totalen Sieg Die AfD erzielt in Sachsen-Anhalt das stärkste Ergebnis einer rechtsextremen Partei seit 1945. Könnte sie nun auch an die Macht gelangen? Und dann steht der Rechtsextremist Björn Höcke auf der Bühne im „Alten Theater“ in Magdeburg und versucht zu singen: „So ein Tag, so wunderschön wie heute“, ruft er ins Mirko. Töne trifft er nicht, doch die Stimmung im Saal trifft er. Die AfD-Wahlparty befindet sich im Freudentaumel, berauscht sich an der ersten Prognose: 44,3 Prozent zeigt der AfD-Balken an, ein Zuwachs von über 23,5 Prozentpunkten. „Wir gehen heute noch in die absolute Mehrheit rein“, tönt Höcke, „der Souverän von Sachsen-Anhalt hat die Kartellparteien zu einem politischen Flohzirkus zusammen geschrumpft.“ Die „Schandmauer“ sei nun eingerissen. Höcke, der offen völkische Positionen vertritt und wegen SA-Parolen verurteilt wurde, spricht von einer „Zäsur“. Neben ihm wehen acht Deutschlandfahnen, hinter ihm prangt auf der Videoleinwand: „Es beginnt hier.“ Nach den ersten Hochrechnungen am Sonntagabend fehlt der AfD nur ein Sitz zur absoluten Mehrheit. Seit 1945 war keine extrem rechte Partei in Deutschland so nah an der Macht. Laut Nachwahlbefragungen der Forschungsgruppe Wahlen mobilisierte die AfD vor allem Nichtwähler: 42 Prozent ihrer Wähler blieben bei der letzten Landtagswahl zu Hause, 29 Prozent stimmten damals schon für die AfD. Empfohlener externer Inhalt Auch wenn die AfD die absolute Mehrheit knapp verfehlen sollte, ist Sachsen-Anhalt am Rande der Unregierbarkeit. Sollte das Bündnis Sahra Wagenknecht, das an der 5-Prozent-Hürde kratzt, in den Landtag einziehen, wäre eine Regierungsbildung gegen AfD und BSW unmöglich. Bis Redaktionsschluss lag das endgültige Ergebnis nicht vor. Siegmund spekuliert auf Überläufer Ulrich Siegmund spekulierte am Mikrofon kurz nach den ersten Hochrechnungen auf mögliche Überläufer aus anderen Parteien, die ihn zum Ministerpräsidenten mitwählen könnten. Auch durch eine Enthaltung des nationalpopulistischen BSW wäre ein AfD-Ministerpräsident möglich, sollten beide kremlfreundlichen Parteien einziehen. Siegmund betonte, er wolle allein regieren und behauptete zugleich, seine Hand sei ausgestreckt. Gleichzeitig zeigte er sich kompromisslos: „Wir bleiben unsere Linie treu“ – also Fundamentalopposition oder Alleinregierung. Die extrem rechte AfD hatte in diesem Landtagswahlkampf nahezu ideale Rahmenbedingungen. Siegmund, charismatisch und stets lächelnd, überdeckte mit seiner Art das rechtsextreme Umfeld und das ultraradikale Programm der Partei. Skandale prallten an ihm ab. Er vermarktete ein Wahlprogramm, das Sachsen-Anhalt in eine illiberale Enklave verwandeln will. Um Siegmund entstand ein regelrechter Kult. Fans brachten Fanartikel zu AfD-Veranstaltungen, standen Schlange für Selfies oder Autogramme auf Siegmund-Shirts. Seine Reden waren populistisch und inhaltsleer, doch sie weckten Hoffnung. Sein Wahlkampfmotto „Alles ist möglich“ versprach eine Rückkehr ins „alte sichere Deutschland“ – eine Zeit, die entweder die DDR meint, die Siegmund nicht erlebte, oder die 90er und 2000er Jahre mit höherer Kriminalität, Arbeitslosigkeit und schwächerer Wirtschaft. Für seine Anhänger zählten Fakten weniger als Siegmunds Nahbarkeit und Optimismus. Er sprach mit jedem potenziellen Wähler, schüttelte Hände, klopfte Schultern, hörte zu – stets gut gelaunt, wenn auch leicht überdreht. Sein Politikstil: positive Emotionen und ein Wir-Gefühl – das sich natürlich auch gegen die Anderen richtet, nach unten tritt und ideologisch gegen Minderheiten hetzt. Wie würde die Partei im Ernstfall regieren? Wie Höcke 2024 setzte auch Siegmund auf ostdeutsche Symbole. Er fuhr etwa Simson-Mopeds, um DDR-Nostalgie zu wecken. Selbst das halb scherzhafte Absingen der DDR-Hymne störte seine Fans nicht. Krisen wie hohe Energiepreise, die Wirtschaftsflaute und die Unzufriedenheit mit der Bundesregierung treiben viele AfD-Wähler dazu, einen Bruch mit dem Bestehenden zu fordern – es müsse sich etwas ändern. Hinzu kommt eine weit voran geschrittene Normalisierung der AfD durch Verankerung im ländlichen Raum und Etablierung in Kommunalpolitik, aber auch Übernahme der Themen wie Migration durch Parteien der Mitte bei Missachtung vieler Fakten zu Migration. Beides sorgt für Entstigmatisierung von Rechtsextremen. Die Frage ist nun: Wie sind die genauen Mehrheitsverhältnisse nach Abschluss der Auszählung und stellt sich Siegmund zur Wahl? Denkbar wäre auch ein Szenario, in dem Siegmund bei der geheimen Wahl die wenigen fehlenden Stimmen aus der CDU bekommt. Greift die extrem rechte Partei tatsächlich nach der Macht? Oder setzt die Partei weiter auf Fundamentalopposition? Und wie würde die AfD im Ernstfall regieren? Setzt sie auf maximale Disruption, wie es in ihrem ultraradikalen Wahlprogramm angelegt ist, und krempelt so viel wie möglich um und sorgt für Krawall, um Sachsen-Anhalt in eine illiberale Enklave zu verwandeln? Oder verfolgt sie eine Strategie der schrittweisen Normalisierung, um sich harmloser zu geben und punktuelle Erfolge zu erzielen? Selbst die AfD-Spitze hatte mit einem so guten Ergebnis nicht gerechnet. Siegmund hatte vorsorglich vor einer Woche bei der ultraradikalen Parteijugend angekündigt, die „Blutwurst-Koalition“ aus Linken bis CDU so lange unter Druck zu setzen, bis sie zerbricht – um dann bei Neuwahlen zu triumphieren. Wenn die CDU mit der Linken zusammen arbeiten müsse, sei man eben dem Ziel Zerstörung der Union ein Stück näher: „Das würde diese Partei über kurz oder lang zerreißen“, hatte Siegmund sich gefreut und „dann klappt es halt in Thüringen, Sachsen, Brandenburg, Rheinland-Pfalz und überall in Deutschland“, tönte er. Die AfD bleibt bei ihrer kompromisslosen Fundamentalopposition: radikale Maximalforderungen statt Mäßigung. Ebenfalls kann die extrem rechte Partei in Sachsen-Anhalt mit ihrer Sperrminorität sämtliche Entscheidungen blockieren, die eine Zweidrittelmehrheit benötigen. Mit ihrer kritischen Größe kann sie Verfassungsänderungen verhindern. Immerhin schützt eine Parlamentsreform aus dem Frühjahr das Landesverfassungsgericht vor einer Blockade durch die AfD. Dort hat man einen Ersatzwahlmechanismus eingebaut und Überkreuzbeschäftigung von Familienangehörigen ausgeschlossen – wie sie im Zuge der AfD-Vetternwirtschaftsaffäre bekannt wurden. Auch das Vorschlagsrecht für den Landtagspräsidenten liegt nicht mehr allein bei der stärksten Fraktion. Für die Kündigung von Staatsverträgen gilt der Parlamentsvorbehalt. Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen meistkommentiert

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6. September
Tagesschau

Reaktionen auf Wahl in Sachsen-Anhalt: AfD-Chefs sehen "klaren Regierungsauftrag"

Reaktionen auf Wahl in Sachsen-Anhalt AfD-Chefs sehen "klaren Regierungsauftrag" Die AfD feiert ihren Wahlsieg in Sachsen-Anhalt überschwänglich. Die Parteichefs Weidel und Chrupalla sehen in Spitzenkandidat Siegmund den nächsten Ministerpräsidenten. Die CDU lehnt eine Koalition mit der AfD weiter ab. Jubelschreie auf der AfD-Wahlparty um 18 Uhr: Die Partei hat bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt einen historischen Sieg errungen. Spitzenkandidat Ulrich Siegmund lag sich hinter den Kulissen der ARD-Wahlsendung mit den AfD-Parteichefs Alice Weidel und Tino Chrupalla in den Armen. Vor laufenden Kameras sagte er dann: "Wir haben genau das geschafft, was wir schaffen wollten: Wir haben in diesem Land Geschichte geschrieben". Es brauche eine grundsätzliche politische Wende - und das Ergebnis sei auch "ein Zeichen in Richtung Berlin". Ausgelassene Stimmung auf der Wahlparty der AfD: "Wir haben Geschichte geschrieben." Ob die AfD eine absolute Mehrheit der Mandate im Landtag erreicht, ist derzeit noch unklar. Siegmund hatte vor der Wahl deutlich gemacht, dass er nur regieren wolle, wenn es für eine Alleinregierung der AfD reiche. Nach der Prognose erklärte er nun, er werde "immer allen Kräften die Hand ausstrecken, die mit uns eine grundsätzliche politische Kehrtwende in diesem Land herbeiführen möchten". Grundpositionen würde seine Partei dafür aber nicht aufgeben. "Es gibt Themen, die sind nicht verhandelbar." AfD-Bundessprecherin Weidel wurde deutlicher: Sie sieht für ihre Partei einen klaren Regierungsauftrag in Sachsen-Anhalt. Die stärkste Partei habe immer den Auftrag, eine Regierung zu bilden, sagte Weidel. Und auch sie betonte: Die AfD sei gesprächsbereit, was Partner angehe. Co-Chef Chrupalla sagte: "Ulrich Siegmund wird neuer Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt." Er zeigte sich auch für eine Minderheitsregierung der AfD in Sachsen-Anhalt offen - eine solche Lösung lehnte Siegmund im ZDF aber ab. CDU steht für keine Koalition mit AfD bereit Im ZDF sagte Weidel, bei einer Zusammenarbeit denke sie "natürlich zuvorderst an die CDU oder Teile der CDU". Die Christdemokraten erteilten einer Koalition mit der AfD aber auch nach der Wahl eine klare Absage. CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann sagte: "Wir arbeiten nicht mit Extremen und vor allem nicht mit Rechtsextremen zusammen." Man arbeite mit niemandem zusammen, der "Institutionen, unser Land und unsere Bevölkerung" diffamiere. Die AfD in Sachsen-Anhalt ist vom dortigen Verfassungsschutz seit 2023 als gesichert rechtsextrem eingestuft. Dagegen klagt der Landesverband, das Verfahren ist derzeit ausgesetzt. Spekulationen darüber, ob möglicherweise CDU-Abgeordnete auf die Seite der AfD wechseln könnten, wies Hoppermann zurück. Könnte sich für die AfD eine Option der Zusammenarbeit mit dem BSW ergeben, wenn es die Fünf-Prozent-Hürde überwindet und in den Landtag einzieht? Spitzenkandidatin Claudia Wittig zeigte sich nach der Wahl offen für eine Zusammenarbeit in Sachfragen mit der AfD. Es wäre angesichts des Wahlerfolgs der AfD aus ihrer Sicht "völlig undemokratisch, sie nicht in irgendeiner Weise an der Regierung zu beteiligen", sagte sie in der ARD. BSW-Co-Parteichefin Amira Mohamed Ali erklärte - ähnlich wie Wittig -, das BSW werde weder Siegmund noch CDU-Spitzenkandidat Sven Schulze zu einer Mehrheit als Ministerpräsident verhelfen. Ministerpräsident Schulze: "Das ist Demokratie" Mohamed Ali nannte das Ergebnis in Sachsen-Anhalt einen "herben Schlag ins Gesicht von Friedrich Merz". CDU-Generalsekretärin Hoppermann bezeichnete es als "Niederlage insgesamt für die Christdemokraten". Die CDU litt in Sachsen-Anhalt besonders unter der schlechter Bewertung der Bundespolitik, der ARD-Hochrechnung zufolge hat sich ihr Ergebnis im Vergleich zu 2021 etwa halbiert. Als CDU-Spitzenkandidat Schulze die Niederlage am Abend einräumte, klagte er ebenfalls über die Folgen der Politik der Bundesregierung und des Kanzlers: "Wir hatten oft Gegenwind und das war nicht immer ganz einfach." Zudem verwies Schulze auf die deutlich gestiegene Wahlbeteiligung und den damit dennoch verbundenen klaren Sieg der AfD. "Ich sage, das ist Demokratie." Die Menschen hätten ein Zeichen gesetzt und damit müsse nun umgegangen werden - auch über Sachsen-Anhalt hinaus. Hoppermann will keine Diskussion über Merz als Kanzler Aber CDU-Generalsekretärin Hoppermann betonte, es beginne jetzt "keine Diskussion" über Friedrich Merz als Kanzler. Bundesregierung und Bundestag seien für vier Jahre gewählt. Der Staatsminister für Bund-Länder-Zusammenarbeit, CDU-Politiker Philipp Amthor, wies die Frage nach einer Verantwortung von Kanzler Merz zurück und warf Siegmund vor, nicht nur den Kanzler, sondern auch die Institutionen in Deutschland verächtlich gemacht zu haben. Mit einer solchen Partei könne die CDU nicht zusammenarbeiten. Wie bedeutend das Ergebnis aber für die Bundesregierung ist, war schon am Nachmittagsprogramm des Kanzlers zu erkennen: Statt die Landtagswahl - wie sonst üblich - am Montag nachzubesprechen, kam das CDU-Präsidium schon heute ab 16 Uhr im Konrad-Adenauer-Haus zusammen. Folgen für Reformkurs im Bund? Kanzleramtsministerin Nina Warken sprach am Abend von einer "Zäsur" für die CDU. Der für den Herbst angekündigte Reformkurs der schwarz-roten Koalition wird laut Warken dennoch entschlossen angegangen. "Unser Land steht vor großen Herausforderungen." Die Bundesregierung habe wichtige Reformen anzugehen. Die positiven Auswirkungen würden aber erst noch spürbar werden. SPD-Co-Chef Lars Klingbeil wertete die Zahlen aus Sachsen-Anhalt als "Signal an Berlin". Die Menschen seien unzufrieden mit dem Reformkurs. Das Ergebnis sei ein Grund, über die Politik der Bundesregierung nachzudenken. Von Angern zur Wahl eines CDU-Ministerpräsidenten bereit Der amtierende Ministerpräsident Schulze ließ nach der Wahl noch offen, wie es mit der CDU im Land weitergeht. Für die mögliche Wahl eines CDU-Ministerpräsidenten würden auch Stimmen der Linken gebraucht. Linken-Spitzenkandidatin Eva von Angern betonte, dass sie dazu bereit sei - wie "schon vor der Wahl". Sie wolle Demokratie verteidigen, weil sie Minderheiten schütze. Allen sei "bewusst, dass wir vor einer großen Aufgabe stehen". Von Angern bezeichnete den Wahltag in der ARD-Wahlsendung als "schwarzen Tag für Sachsen-Anhalt". Das beziehe sich nicht nur auf das Ergebnis der Linken, sondern auf die Folgen, die das Ergebnis für Sachsen-Anhalt haben könne. Gemischte Gefühle bei den Grünen Bei den Grünen herrschen nach den Hochrechnungen gemischte Gefühle - im Vergleich zur Wahl 2021 hat die Partei sogar Prozentpunkte gutgemacht. Es würden zwei Herzen in seiner Brust schlagen, sagte der Grünen-Bundesvorsitzende Felix Banaszak. Er reagierte bestürzt auf den Stimmenzuwachs der AfD - aber das aller Voraussicht nach beste Wahlergebnis der Grünen "in der Geschichte von Sachsen-Anhalt" wertete er als Auftrag zur Verhinderung einer AfD-Alleinregierung. Betrübte Gesichter waren nach den Hochrechnungen bei der FDP zu sehen: Nach dem verpassten Wiedereinzug in den Landtag kündigte Sachsen-Anhalts FDP-Landesvorsitzende Lydia Hüskens ihren Rücktritt an.

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6. September
Süddeutsche Zeitung (Politik)

Wahl in Sachsen-Anhalt: AfD verdoppelt ihr Ergebnis und kratzt an der absoluten Mehrheit

Für unseren Liveblog verwenden wir neben eigenen Recherchen Material der Nachrichtenagenturen dpa, Reuters, epd, KNA und Bloomberg. Alle Nachrichten, Analysen und Hintergründe zur Wahl in Sachsen-Anhalt finden Sie zudem auf unserer Themenseite. Wichtige Updates Zentralrat der Juden entsetzt über AfD-Wahlerfolg  Wahlbeteiligung steuert auf Rekord zu Ministerpräsident Schulze bleibt nüchtern: „Das ist Demokratie“ ZDF-Prognose: AfD nur einen Sitz entfernt von absoluter Mehrheit Weidel: „Ganz klarer Regierungsauftrag“ So hat Sachsen-Anhalt gewählt – Hochrechnungen Hochrechnung der Forschungsgruppe Wahlen für das ZDF (21.00 Uhr): AfD: 44,0 % CDU: 17,7 % Linke: 9,1 % SPD: 8,9 % Grüne: 8,7 % BSW: 5,0 % FDP: 2,4 % Andere: 4,2 % Die Wahlbeteiligung liegt nach Prognose der Forschungsgruppe Wahlen bei 80,0 Prozent. Bei der vergangenen Wahl 2021 lag sie bei 60,3 Prozent. Hochrechnung von Infratest dimap für die ARD (20:27 Uhr): AfD: 44,0 % CDU: 17,7 % Linke: 9,1 % SPD: 8,9 % Grüne: 8,7 % BSW: 5,0 % FDP: 2,4 % Andere: 4,2 % Die Wahlbeteiligung liegt nach Prognose der Forschungsgruppe Wahlen bei 80,0 Prozent. Bei der vergangenen Wahl 2021 lag sie bei 60,3 Prozent. Hochrechnung von Infratest dimap für die ARD (20:27 Uhr): AfD: 44,4 %  CDU: 18,0 % Linke: 9,0 % SPD: 9,0 % Grüne: 8,6 % FDP: 2,3 % BSW: 5,1 % Andere: 3,8 % Die Wahlbeteiligung liegt nach Prognose von Infratest dimap bei 76,5 Prozent. Bei der vergangenen Wahl 2021 lag sie bei 60,3 Prozent. CDU: 18,0 % Linke: 9,0 % SPD: 9,0 % Grüne: 8,6 % FDP: 2,3 % BSW: 5,1 % Andere: 3,8 % Die Wahlbeteiligung liegt nach Prognose von Infratest dimap bei 76,5 Prozent. Bei der vergangenen Wahl 2021 lag sie bei 60,3 Prozent. Wahlabend in Kürze: AfD verdoppelt ihr Ergebnis, die CDU halbiert ihres – bislang keine klare Regierungsmehrheit Die AfD hat die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt klar für sich entschieden. Die vom Verfassungsschutz in Sachsen-Anhalt als gesichert rechtsextrem eingestufte Partei hat ihr Ergebnis damit im Vergleich zur vergangenen Landtagswahl mehr als verdoppelt und liegt laut Hochrechnungen bei gut 44 Prozent. Für eine absolute Mehrheit der Sitze reicht es – Stand 20 Uhr – allerdings nicht. Ob AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund allein regieren kann oder nicht, steht erst fest, wenn alle Stimmen ausgezählt sind. Die bislang regierende CDU halbierte ihr Ergebnis von 2021. Sie kommt auf weniger als 20 Prozent aller abgegebenen Stimmen. Der amtierende Ministerpräsident Sven Schulze hat seine Niederlage eingestanden und der AfD gratuliert, „das ist Demokratie“, sagte er auf der Wahlparty seiner Partei. Die Linke kommt laut den aktuellen Hochrechnungen Prognosen auf etwa neun Prozent der Wählerstimmen, Grüne und SPD liegen bei etwa 8,5 Prozent. Das BSW kratzt an der Fünf-Prozent-Hürde und könnte den Einzug in den Landtag verpassen. Scheitert das BSW an der Fünf-Prozent-Hürde, wäre eine Mehrheit gegen die AfD aus CDU, Linke, SPD und Grüne möglich – für den Fall, dass die AfD wirklich die absolute Mehrheit verpasst. Die bislang regierende CDU halbierte ihr Ergebnis von 2021. Sie kommt auf weniger als 20 Prozent aller abgegebenen Stimmen. Der amtierende Ministerpräsident Sven Schulze hat seine Niederlage eingestanden und der AfD gratuliert, „das ist Demokratie“, sagte er auf der Wahlparty seiner Partei. Die Linke kommt laut den aktuellen Hochrechnungen Prognosen auf etwa neun Prozent der Wählerstimmen, Grüne und SPD liegen bei etwa 8,5 Prozent. Das BSW kratzt an der Fünf-Prozent-Hürde und könnte den Einzug in den Landtag verpassen. Scheitert das BSW an der Fünf-Prozent-Hürde, wäre eine Mehrheit gegen die AfD aus CDU, Linke, SPD und Grüne möglich – für den Fall, dass die AfD wirklich die absolute Mehrheit verpasst. Proteste in Berlin und Frankfurt gegen AfD-Triumph Nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt hat es in mehreren deutschen Städten Proteste gegen die AfD gegeben: In Frankfurt am Main demonstrierten nach Polizeiangaben etwa 2500 Menschen dafür, ein Verbotsverfahren gegen den klaren Wahlsieger AfD zu prüfen. Auch in Berlin gingen am Abend Hunderte Menschen mit ähnlichen Forderungen auf die Straße. In Mainz wurde ebenfalls demonstriert.  Durch das Berliner Regierungsviertel zog am Abend ein Protestzug unter dem Motto „Demokratie verteidigen! - AfD Verbot jetzt!“ bis zur Landesvertretung Sachsen-Anhalt. Von der Polizei hieß es, die Zahl der Demonstrantinnen und Demonstranten habe im unteren dreistelligen Bereich gelegen. Auch am Brandenburger Tor wurde demonstriert. Für Montagabend ist eine größere Kundgebung gegen die AfD am Brandenburger Tor angemeldet. Ab 18 Uhr werden der Polizei zufolge 5000 Menschen erwartet. Durch das Berliner Regierungsviertel zog am Abend ein Protestzug unter dem Motto „Demokratie verteidigen! - AfD Verbot jetzt!“ bis zur Landesvertretung Sachsen-Anhalt. Von der Polizei hieß es, die Zahl der Demonstrantinnen und Demonstranten habe im unteren dreistelligen Bereich gelegen. Auch am Brandenburger Tor wurde demonstriert. Für Montagabend ist eine größere Kundgebung gegen die AfD am Brandenburger Tor angemeldet. Ab 18 Uhr werden der Polizei zufolge 5000 Menschen erwartet. Ein Demonstrant hält bei einem Protest gegen die AfD in Berlin ein Transparent mit der Aufschrift „Make racists afraid again“. Die Kundgebung findet am Tag der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt statt. Maryam Majd/Reuters Vorfreude auf Siegmund bei AfD-Wahlparty Im Alten Theater warten alle auf das Eintreffen von Ulrich Siegmund, der in wenigen Minuten hier auftreten soll. Auch Alice Weidel und Tino Chrupalla sind schon da. Vom Band läuft eine Bestversion von Martin Luther Kings „I have a Dream“. Iris Mayer Internationale Reaktionen: FPÖ-Chef sieht Weidel bereits als künftige Kanzlerin Der Chef der rechten österreichischen Partei FPÖ, Herbert Kickl, hat den Wahlerfolg der AfD in Sachsen-Anhalt als Zeichen eines politischen Umbruchs in Deutschland bezeichnet. „Mit dem heutigen Tag weht wieder der starke Wind der Freiheit von 1989 durch Deutschland“, sagte Kickl und zog einen Vergleich zum Mauerfall. Die Wähler in Sachsen-Anhalt hätten die „undemokratische Brandmauer“ gegen die AfD eingerissen, so Kickl. Die „patriotische Wende“ in Deutschland nehme immer mehr an Fahrt auf und werde „letztlich mit einer Bundeskanzlerin Alice Weidel ihren endgültigen Durchbruch erzielen“, sagte der Oppositionspolitiker Kickl über die AfD-Chefin. Italiens Vize-Regierungschef Matteo Salvini hat der AfD zu ihrem Abschneiden bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt gratuliert. „Glückwunsch an meine Freundin Alice Weidel und die gesamte AfD zum Triumph in Sachsen-Anhalt!“, schrieb der Chef der rechtspopulistischen Regierungspartei Lega bei X. Unterdessen bezeichnet Italiens Außenminister und ebenfalls Vize-Regierungschef Antonio Tajani das Abschneiden der AfD bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt als „äußerst schlechte Nachricht“. Er hoffe, der Wahlerfolg der AfD in dem ostdeutschen Bundesland bleibe eine „lokale Ausnahme“, erklärte der Chef der konservativen Regierungspartei Forza Italia in einer Stellungnahme. Italiens Vize-Regierungschef Matteo Salvini hat der AfD zu ihrem Abschneiden bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt gratuliert. „Glückwunsch an meine Freundin Alice Weidel und die gesamte AfD zum Triumph in Sachsen-Anhalt!“, schrieb der Chef der rechtspopulistischen Regierungspartei Lega bei X. Unterdessen bezeichnet Italiens Außenminister und ebenfalls Vize-Regierungschef Antonio Tajani das Abschneiden der AfD bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt als „äußerst schlechte Nachricht“. Er hoffe, der Wahlerfolg der AfD in dem ostdeutschen Bundesland bleibe eine „lokale Ausnahme“, erklärte der Chef der konservativen Regierungspartei Forza Italia in einer Stellungnahme. Lydia Hüskens kündigt Rücktritt von FDP-Landesvorsitz an Nach dem verpassten Wiedereinzug der FDP in den Magdeburger Landtag hat Sachsen-Anhalts FDP-Landesvorsitzende Lydia Hüskens ihren Rücktritt angekündigt. „Wir müssen jetzt morgen einfach schlicht darüber reden, wie wir es machen, ob wir es mit sofortiger Wirkung machen oder den Landesparteitag im April nehmen dafür, um da den Wechsel zu machen“, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. Lydia Hüskens (FDP). Hendrik Schmidt/dpa Zentralrat der Juden entsetzt über AfD-Wahlerfolg Der Zentralrat der Juden äußert sich schockiert über den Erfolg der AfD bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. „Der Ausgang der Wahl ist noch offen, aber fest steht bereits: Eine als gesichert rechtsextremistisch eingestufte Partei ist in einem deutschen Bundesland nur knapp von der Alleinregierung entfernt“, sagte Zentralratspräsident Josef Schuster der Welt zu den ersten Trends am Wahlabend. Es sei in den vergangenen Monaten klar ersichtlich gewesen, welche Ziele die AfD verfolge, sagte Schuster. „Ich bin von diesem Wahlergebnis persönlich entsetzt. Wer sie heute gewählt hat – trotz oder wegen dieser Ziele – trägt die Verantwortung für dieses Ergebnis.Josef Schuster, Zentralratspräsident “ Schuster fürchtet den Einfluss der AfD auf die Bildungspolitik. „Der Schaden, den die sogenannte Alternative für Deutschland jetzt anrichten würde, wenn sie in Verantwortung gelangt, ist immens.“ Bildung sei der wichtigste Grundstein für den Erhalt einer offenen Gesellschaft und den Kampf gegen Antisemitismus, sagte Schuster. Auch Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, ist schockiert. „An Tagen wie diesen fällt es mir schwer, meine Heimat noch wiederzuerkennen“, erklärte Knobloch, die auch mal dem Zentralrat der Juden in München vorsaß. Das hohe Wahlergebnis aus Sachsen-Anhalt sei ein Zeichen, dass „die Statik der Demokratie in unserem Land nicht mehr funktioniert – und ich sage ganz offen: Das macht mir Angst.“ Auch Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, ist schockiert. „An Tagen wie diesen fällt es mir schwer, meine Heimat noch wiederzuerkennen“, erklärte Knobloch, die auch mal dem Zentralrat der Juden in München vorsaß. Das hohe Wahlergebnis aus Sachsen-Anhalt sei ein Zeichen, dass „die Statik der Demokratie in unserem Land nicht mehr funktioniert – und ich sage ganz offen: Das macht mir Angst.“ „Dass Rechtsextreme in Deutschland in dieser Art wieder Wahlen gewinnen, das hätte ich mir in meinen schlimmsten Albträumen nicht vorstellen können.“Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München Charlotte Knobloch (li.), Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München mit Josef Schuster, dem Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland (Archivbild). Peter Kneffel/AFP Schwesig warnt vor Gefahr durch AfD-Wahlsieg Manuela Schwesig (SPD), die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, zeigt sich nach dem Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt besorgt. „Zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik haben Rechtsextremisten sehr deutlich eine Landtagswahl gewonnen“, sagte sie. Das sei gefährlich für das Land und die Bundesrepublik. In Mecklenburg-Vorpommern wählen die Bürgerinnen und Bürger in zwei Wochen ebenfalls einen neuen Landtag. Auch dort könnte die AfD stärkste Kraft im Land werden, allerdings steht Schwesigs SPD in den Umfragen laut Infratest dimap mit 32 Prozent deutlich besser da als zuletzt Sven Schulzes CDU in Sachsen-Anhalt. Die AfD liegt in Mecklenburg-Vorpommern knapp davor: 35 Prozent. In Mecklenburg-Vorpommern wählen die Bürgerinnen und Bürger in zwei Wochen ebenfalls einen neuen Landtag. Auch dort könnte die AfD stärkste Kraft im Land werden, allerdings steht Schwesigs SPD in den Umfragen laut Infratest dimap mit 32 Prozent deutlich besser da als zuletzt Sven Schulzes CDU in Sachsen-Anhalt. Die AfD liegt in Mecklenburg-Vorpommern knapp davor: 35 Prozent. Manuela Schwesig (SPD) will in zwei Wochen Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern bleiben. (Archivbild). Danny Gohlke/dpa Wahlbeteiligung steuert auf Rekord zu Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt zeichnet sich eine außergewöhnlich hohe Wahlbeteiligung ab. Nach der Prognose von Infratest dimap für die ARD gaben 76,5 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme ab, das ZDF geht sogar von 80 Prozent aus. Bei der Landtagswahl 2021 waren es 60,3 Prozent.  Schon im Tagesverlauf hatte sich der starke Andrang abgezeichnet: Bis 12 Uhr hatten 34,7 Prozent der Wahlberechtigten in den Wahllokalen abgestimmt, bis 14 Uhr waren es 54,4 Prozent und bis 16 Uhr 65,3 Prozent. Die Stichprobe der Landeswahlleiterin berücksichtigt allerdings keine Briefwähler. Vor fünf Jahren lag die Beteiligung um 16 Uhr erst bei 41 Prozent. Sollten sich die Prognosen bestätigen, wäre das die höchste Wahlbeteiligung bei einer Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: Den bisherigen Höchstwert gab es 1998 mit 71,5 Prozent. Schon im Tagesverlauf hatte sich der starke Andrang abgezeichnet: Bis 12 Uhr hatten 34,7 Prozent der Wahlberechtigten in den Wahllokalen abgestimmt, bis 14 Uhr waren es 54,4 Prozent und bis 16 Uhr 65,3 Prozent. Die Stichprobe der Landeswahlleiterin berücksichtigt allerdings keine Briefwähler. Vor fünf Jahren lag die Beteiligung um 16 Uhr erst bei 41 Prozent. Sollten sich die Prognosen bestätigen, wäre das die höchste Wahlbeteiligung bei einer Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: Den bisherigen Höchstwert gab es 1998 mit 71,5 Prozent. Regierungspartei CDU bei jungen Wählern bei 5 Prozent Die in Sachsen-Anhalt regierende CDU hat vor allem bei den jungen Wählern und den Erstwählern schlecht abgeschnitten. Bei den 18- bis 24-Jährigen erhielt die Partei von Ministerpräsident Sven Schulze laut ARD-Wähleranalyse nur fünf Prozent der Stimmen. Die AfD war auch in dieser Altersgruppe mit 42 Prozent die stärkste Partei. Auf Platz zwei lag die Partei die Linke mit 17 Prozent, auf Platz drei lagen die Grünen mit 13 Prozent. Die Junge Union Sachsen-Anhalt fordert womöglich bald öffentlich Konsequenzen. Das Magazin Stern zitiert aus einem Beschlusspapier der Jugendorganisation, in dem der Rücktritt von Schulze gefordert wird. Die ganze Landesführung müsse neugewählt werden. Wer wen gewählt hat, haben meine Kollegen hier aufgeschlüsselt - nach Geschlecht, Alter und Bildungsgrad: Die Junge Union Sachsen-Anhalt fordert womöglich bald öffentlich Konsequenzen. Das Magazin Stern zitiert aus einem Beschlusspapier der Jugendorganisation, in dem der Rücktritt von Schulze gefordert wird. Die ganze Landesführung müsse neugewählt werden. Wer wen gewählt hat, haben meine Kollegen hier aufgeschlüsselt - nach Geschlecht, Alter und Bildungsgrad: BSW spricht sich für überparteilichen Regierungschef aus Das BSW pocht im Falle einer Regierungsbeteiligung in Sachsen-Anhalt weiter auf einen überparteilichen Ministerpräsidenten. „Ich möchte Herrn Siegmund nicht wählen.“Claudia Wittig, BSW-Spitzenkandidatin Das sagt die BSW-Spitzenkandidatin Claudia Wittig in der ARD mit Blick auf den AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund. Genauso wenig wolle sie den CDU-Spitzenkandidaten Sven Schulze wählen. Es gebe aktuell eine stark gespaltene Gesellschaft, betonte Wittig. Die Position der BSW sehe sie darin, zwischen diesen Fronten zu vermitteln. „Da ist es nicht günstig, sich einer dieser beiden Gruppen zuzuordnen, sondern wenn wir unsere sachbezogene Politik mit wechselnden Mehrheiten machen möchten, wäre das Beste dafür ein Überparteilicher.“ Es gebe aktuell eine stark gespaltene Gesellschaft, betonte Wittig. Die Position der BSW sehe sie darin, zwischen diesen Fronten zu vermitteln. „Da ist es nicht günstig, sich einer dieser beiden Gruppen zuzuordnen, sondern wenn wir unsere sachbezogene Politik mit wechselnden Mehrheiten machen möchten, wäre das Beste dafür ein Überparteilicher.“ Claudia Wittig (li.), Spitzenkandidatin des BSW und AfD-Chefin Alice Weidel im ARD-Interview. Annegret Hilse/Reuters Reichinnek: Mit AfD „darf es keine Regierung geben“ Die Co-Vorsitzende der Bundestagsfraktion der Linken, Heidi Reichinnek, hat im Interview mit der ARD vor einer Regierungskoalition mit der Wahlsiegerin AfD gewarnt. Sie als Linke würden alles dafür tun, dass die AfD nicht regiert. Sie wolle sich und ihre Werte nicht aufgeben.„Mit einer rechtsextremen Partei darf es nie eine Regierung geben.“ Schuld für das gute Wahlergebnis der AfD sei unter anderem die schlechte Politik der Bundesregierung. Sie wolle sich und ihre Werte nicht aufgeben.„Mit einer rechtsextremen Partei darf es nie eine Regierung geben.“ Schuld für das gute Wahlergebnis der AfD sei unter anderem die schlechte Politik der Bundesregierung. „Die AfD wird gewählt, weil die Menschen frustriert und wütend sind.“Heidi Reichinnek, Co-Chefin der Linken-Bundestagsfraktion Reichinnek im ARD-Interview. Jan Woitas/dpa Kubicki: Bitterer Tag für FDP und für mich Die FDP, die bisher auch der Landesregierung in Sachsen-Anhalt angehört, liegt in den Hochrechnungen von ARD und ZDF deutlich unter der Fünf-Prozent-Hürde. Für Wolfgang Kubicki ist es die erste Landtagswahl als FDP-Chef, er ist enttäuscht. „Das ist ein bitterer Tag für die gesamte Partei und es ist interessanterweise auch ein bitterer Tag für mich. Ich hätte mir ein anderes Ergebnis gewünscht, aber Wünsche erfüllen sich nicht regelmäßig.“Wolfgang Kubicki, FDP-Chef Wolfgang Kubicki, FDP-Bundesvorsitzender. Fabian Sommer/dpa Siegmund: „Beginn einer neuen Zeit“ AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund, der Sieger des Abends, erscheint in der Messe Magdeburg in der Masse. "Ein wahnsinnig toller Tag" sei das, "nicht nur für Sachsen-Anhalt, sondern für Deutschland", sagt er relativ gelassen. Er sei zuversichtlich, dass es am Ende schon für eine Mehrheit im Landtag reichen könnte, in welcher Konstellation auch immer. Da müsse man den weiteren Abend abwarten. Nur zu inhaltlichen „Verrenkungen“ sei seine Partei mit Blick auf mögliche Koalitionsverhandlungen nicht bereit. Noch ist unklar, ob die AfD die absolute Mehrheit geholt hat. Siegmund selbst spricht dennoch vom „Beginn einer neuen Zeit“. Er sei zuversichtlich, dass es am Ende schon für eine Mehrheit im Landtag reichen könnte, in welcher Konstellation auch immer. Da müsse man den weiteren Abend abwarten. Nur zu inhaltlichen „Verrenkungen“ sei seine Partei mit Blick auf mögliche Koalitionsverhandlungen nicht bereit. Noch ist unklar, ob die AfD die absolute Mehrheit geholt hat. Siegmund selbst spricht dennoch vom „Beginn einer neuen Zeit“. Foto: Dominik Fürst Klingbeil: Werden über Politik der Bundesregierung „nachdenken“ SPD-Co-Chef Lars Klingbeil sieht in der Politik der Bundesregierung einen Grund für das Wahlergebnis. Die Zahlen seien „auch ein Signal an Berlin“, sagte Klingbeil im ZDF. Viele Menschen seien unzufrieden mit dem Reformkurs. Das Ergebnis sei ein Grund, über die Politik der Bundesregierung nachzudenken. „Und seien Sie sich sicher, das werden wir auch tun.“ Klingbeils Co-Parteivorsitzende Bärbel Bas äußerte sich in der ARD. Sie verteidigte das Ergebnis und betonte, dass die Partei vor Ort gekämpft habe, nachdem man sie schon unterhalb der Fünf-Prozent-Hürde gesehen habe. „Wir haben uns stabilisiert.“ Ihr Dank gelte den Wahlkämpfern, der Ziviligesellschaft. Innerhalb der Koalition werde man weiter für SPD-Projekte kämpfen. Klingbeils Co-Parteivorsitzende Bärbel Bas äußerte sich in der ARD. Sie verteidigte das Ergebnis und betonte, dass die Partei vor Ort gekämpft habe, nachdem man sie schon unterhalb der Fünf-Prozent-Hürde gesehen habe. „Wir haben uns stabilisiert.“ Ihr Dank gelte den Wahlkämpfern, der Ziviligesellschaft. Innerhalb der Koalition werde man weiter für SPD-Projekte kämpfen. Bundesfinanzminister und SPD-Co-Vorsitzender Lars Klingbeil (Archivbild). IMAGO/Andreas Gora

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6. September
Die Zeit (Politik)

Hochrechnung zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: AfD kann auf absolute Mehrheit hoffen

Die AfD hat mit ihrem Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt mit großem Abstand gewonnen. Der vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestufte Landesverband kommt laut ARD-Hochrechnung auf 44,2 Prozent (+23,4 Prozentpunkte), gefolgt von der CDU unter Ministerpräsident Sven Schulze mit 18,0 Prozent (–19,1 Prozentpunkte). Ob es für eine absolute Mehrheit für die AfD reicht, ist unklar – liegt aber im Bereich des Möglichen. Die Linke wird den Angaben zufolge mit 9,0 Prozent drittstärkste Kraft (−2,0 Prozentpunkte). Die SPD mit 9,0 Prozent (+0,6 Prozentpunkte) und die Grünen mit 8,6 Prozent (+2,7 Prozentpunkte) sind wohl im nächsten Landtag vertreten. Das BSW mit 5,1 Prozent muss bangen, die FDP liegt der Prognose zufolge unter der Fünfprozenthürde. »Es ist ein ganz klarer Regierungsauftrag« Siegmund hatte im Wahlkampf angekündigt, nur im Fall einer absoluten Mehrheit für seine Partei Ministerpräsident werden zu wollen. Nach den ersten Prognosen sagte er dann, er wolle »allen möglichen Kräften die Hand ausstrecken, wenn sie mit uns eine grundsätzliche politische Kehrtwende herbeiführen wollen«. Auch AfD-Chefin Alice Weidel sieht einen Regierungsauftrag für ihre Partei. »Das ist ein historisches Ergebnis, und es ist ein ganz klarer Regierungsauftrag«, sagte Weidel im ZDF. Die stärkste Partei habe »immer den Auftrag, eine Regierung zu bilden. Und Herr Siegmund hat auch immer gesagt, dass wir Gespräche anbieten«, sagte Weidel. Die »Hand der AfD« sei »immer ausgestreckt«. ZDF-Hochrechnung kommt auf ähnliche Stimmverteilung Die letzte Hochrechnung des ZDF sieht die AfD bei 44,4 Prozent (+23,6 Prozentpunkte) und die CDU bei 18,3 Prozent (−18,8 Prozentpunkte). Die SPD kommt demnach auf 8,6 Prozent (+0,2 Prozentpunkte), die Linke auf 9,2 Prozent (−1,8 Prozentpunkte) der Wählerstimmen. Die Grünen liegen laut Hochrechnung bei 8,7 Prozent (+2,8 Prozentpunkte), das BSW mit 4,8 Prozent knapp unter der Fünfprozenthürde. Die FDP ist den Angaben zufolge nicht im Landtag vertreten. Verfolgen Sie alle Entwicklungen am Wahlabend in unserem Liveblog.

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6. September
Neues Deutschland

Landtagswahl | Rechter Dammbruch in Sachsen-Anhalt

- Kommentare - Landtagswahl Rechter Dammbruch in Sachsen-Anhalt Wer in einer offenen, demokratischen Gesellschaft leben möchte, darf sich nicht an die Stärke von Rechtsextremisten gewöhnen. Ein Kommentar Das Wahlergebnis von Sachsen-Anhalt verstärkt das Beben, das schon seit Längerem in der deutschen Politik grummelt. Ein haushoher Sieg der AfD war absehbar; nun könnte er als Katalysator für kommende Wahlen wirken. Die AfD triumphiert mit einem Dauerlächler an der Spitze, der oft eine erstaunliche politische Unbedarftheit zur Schau stellte und gern als Duftverkäufer verspottet wird. Aber Ulrich Siegmund hat etwas anderes verkauft: die Illusion einer netten, volksnahen Partei, die aber tatsächlich ein strammes völkisches Programm durchziehen will. Das Motto des Bundeslands Sachsen-Anhalt – »Modern denken« – möchte die AfD in »Deutsch denken« verändern. Darin steckt das ganze nationalistische, mit Ressentiments aufgeladene Programm, das auf perfide Weise Verlusterfahrungen ebenso aufgreift wie Verlustängste. Das hat bis weit in die Reihen der bisherigen Nichtwähler gewirkt. Falls es zur absoluten Mehrheit für die AfD nicht ganz gereicht hat, darf man vielleicht einen kurzen Moment darüber erleichtert sein. Aber 44 Prozent für diese Partei, fast die Hälfte der abgegebenen Stimmen, sind erschreckend und eine Verdoppelung seit 2021. Ganz ähnlich sieht es in Sachsen, Thüringen, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern aus. Selbst in einer weltoffenen Metropole wie Berlin steht die AfD inzwischen bei fast 20 Prozent. Die Rechtsaußenpartei schafft es derzeit, den gesamten Unmut einzusammeln, der sich seit den Verwerfungen der deutschen Einheit und wegen der langfristigen Vernachlässigung des Ostens angesammelt hat. Beides traf Sachsen-Anhalt noch stärker als andere ostdeutsche Bundesländer. Dass die AfD bei den Arbeitern mehr als 60 Prozent der Stimmen erreichte, spricht da eine deutliche Sprache. Aber das erklärt den Erfolg der AfD nicht allein. Auch im Westen treiben ihr politische und ökonomische Krisen massenhaft Wähler zu. Wer in einer offenen, demokratischen Gesellschaft leben möchte, darf sich an diese Stärke von Rechtsextremisten als Dauerzustand nicht gewöhnen. Nicht an deren politische Engstirnigkeit, nicht an die Fremdenfeindlichkeit, nicht an den nationalistischen Egoismus und die kulturelle Borniertheit. Die Frage ist, ob und wie es den anderen Parteien gelingt, dem gemeinsam etwas entgegenzusetzen, ohne den rechten Vorwurf einer Einheitspartei zur Verhinderung der AfD zu bedienen. Das betrifft die Demokratie ebenso wie die Wirtschafts- und Sozialpolitik. Bei der Suche nach Lösungen dürfte die CDU das Hauptproblem sein. Denn sie ist brutal auf ein Allzeittief abgestürzt. Jetzt werden dort Auseinandersetzungen aufbrechen zwischen denen, die es mit einem Regierungsbündnis diesseits der AfD versuchen möchten – falls das rechnerisch überhaupt zur Debatte steht – und jenen, die der AfD die Hand reichen wollen und mit Sicherheit Aufwind haben werden. Nicht ausgeschlossen, dass ein paar CDU-Abgeordnete sich auf die Seite der AfD schlagen und eine von ihr geführte Regierung unterstützen. Eine Empfehlung für eine neue Landesregierung unter Führung der CDU ist dieses Ergebnis auf gar keinen Fall; kaum vorstellbar auch, dass der Wahlverlierer Sven Schulze noch lange weiter als Ministerpräsident amtiert, obwohl die Landesverfassung das für den Fall einer schwierigen Regierungsbildung möglich macht. Wie allerdings eine demokratische Alternative aussehen soll, darüber könnte es komplizierte, kontroverse Debatten in und zwischen den Parteien geben. Gesprächsbedarf hat auch Die Linke. Womöglich erreichte sie ähnlich viele Wählerstimmen wie vor fünf Jahren, was aber dennoch wegen der stark gestiegenen Wahlbeteiligung einen prozentualen Rückgang bedeutet. Dass sie schwächer abschneidet als in vielen Umfragen, dürfte auch an der Kampagne liegen, SPD und die Grünen in den Landtag zu wählen, um eine absolute AfD-Mehrheit zu verhindern. Das haben sich offenbar etliche potenzielle Linkswähler zu Herzen genommen. Für das demokratische Spektrum im Landtag ist es gut, dass SPD und Grüne drin sind. Für Die Linke hingegen ist es ein schwacher Trost, dass sie aus dem tiefen Tal während der BSW-Gründung Anfang 2025 herausgekommen ist, als sie bei drei bis vier Prozent lag. Die Verdoppelung der Mitgliederzahlen seitdem ist das Eine. Etwas Anderes und viel Schwierigeres ist es augenscheinlich, daraus eine massenhafte politische Wirkung aufzubauen, eine radikale Kritik an den politischen Verhältnissen, die sich gleichwohl vom rechten Populismus deutlich abgrenzt. Sollte es das BSW in den neuen Landtag geschafft haben, dann hat es das vor allem seinem Rechtsblinken zu verdanken. Die Wagenknecht-Partei hat sich der AfD in einzigartiger Weise angedient; allein mit dem andauernden Gerede von den sogenannten Kartellparteien und zumindest interpretierbaren Äußerungen über die Unterstützung eines AfD-Ministerpräsidenten hat sie sich ins Beiboot der AfD gesetzt und sich von deren Sog mitziehen lassen. Auch die Bundesregierung wird von diesem Wahlsonntag nicht unbeeindruckt bleiben. Ein Weiter-so können sich die Bundesparteien CDU und SPD eigentlich nicht leisten, zumal im nächsten Jahr fünf Landtagswahlen im Westen Deutschlands stattfinden, darunter in den wirtschaftlich und für den Bundesrat wichtigen Bundesländern Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Gut möglich, dass man es nach den Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern in zwei Wochen mit Personalveränderungen auf Bundesebene versucht, zumal die Chefs von CDU und SPD alles andere als politische Sympathieträger sind. Am Kurs der massiven Aufrüstung und des rabiaten Sozialabbaus wird diese schwarz-rote Bundesregierung aber wohl festhalten – egal, welche Personen an der Spitze stehen. Wenn allerdings die Parteien, die dieses Wahlergebnis als Katastrophe empfinden, daraus etwas lernen wollen, dann vielleicht dies: Alles muss auf den Prüfstand, was bisher dazu beigetragen hat, die Wut und den Unmut in Richtung AfD zu kanalisieren. Niemand kann mehr die Augen verschließen vor den tektonischen Verschiebungen nach rechts. Wer es mit der Demokratie ernst meint, darf nicht nur über Brandmauern reden, sondern er muss Demokratie und Antifaschismus wirklich praktizieren – auf allen Politikfeldern, von der Kommune bis zur EU, von links bis bürgerlich. Wir stehen zum Verkauf. 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6. September
Handelsblatt

Sachsen-Anhalt: AfD sieht nach Wahl-Triumph Regierungsauftrag bei sich

Sachsen-Anhalt: AfD sieht nach Wahl-Triumph Regierungsauftrag bei sich Magdeburg. Die AfD mit Spitzenkandidat Ulrich Siegmund strebt nach ihrem starken Abschneiden bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt an die Regierung. Erstmals seit Ende des Zweiten Weltkriegs könnte eine als gesichert rechtsextremistisch eingestufte Partei in einem Bundesland an die Macht gelangen – wenn sie Unterstützer findet. Für eine Alleinregierung reicht es laut Hochrechnungen von ARD und ZDF nicht. Die CDU von Ministerpräsident Sven Schulze fuhr immense Verluste ein. Den Hochrechnungen zufolge kann die AfD ihren Stimmenanteil auf 44,2 bis 44,4 Prozent (2021: 20,8 Prozent) mehr als verdoppeln. Es wäre das beste Ergebnis, das eine Partei in den vergangenen zehn Jahren bei Landtagswahlen erreicht hat. Die CDU halbiert etwa ihren Stimmenanteil und steuert mit 18 bis 18,3 (37,1 Prozent) auf ihr schlechtestes Ergebnis bei einer Landtagswahl in Sachsen-Anhalt zu. Die Linke erhält 9 bis 9,2 Prozent (11 Prozent). Die Grünen liegen bei 8,4 bis 8,6 Prozent (5,9 Prozent), es wäre das beste Ergebnis bei einer Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Die SPD kommt auf 8,6 bis 9 Prozent (8,4 Prozent). Die FDP fliegt mit 2,3 bis 2,4 Prozent (6,4 Prozent) aus dem Parlament. Das Bündnis Sahra Wagenknecht steht bei 4,8 bis 5,1 Prozent. Den Hochrechnungen zufolge erhält die AfD 39 bis 41 Sitze im Landtag (2021: 23), die CDU 16 bis 17 (40). Die Linke kommt auf 8 bis 9 Mandate (12), die SPD auf 8 (9) und die Grünen auf 8 (6). Das BSW erhält laut ARD-Hochrechnung 4 Sitze. Die Wahlbeteiligung liegt den Zahlen zufolge bei 78 bis 78,1 Prozent (2021: 60,3 Prozent) – ein Rekordwert. Knapp 1,7 Millionen Wahlberechtigte durften abstimmen. Schwarz-rot-gelbe Regierungskoalition am Ende Eine Neuauflage der bisher in Sachsen-Anhalt regierenden Koalition aus CDU, SPD und FDP ist damit ausgeschlossen. Es war das einzige derartige Bündnis auf Landesebene. Die AfD hatte eine Alleinregierung angestrebt – dafür reichen die Stimmen laut Hochrechnungen aber knapp nicht. Gleichwohl wäre es das beste Ergebnis der Partei bei einer Landtagswahl. Stärkste Kraft war sie bei einer Landtagswahl schon einmal: 2024 in Thüringen. Von den übrigen Parteien will in Sachsen-Anhalt keine mit der AfD koalieren. Um weiterregieren zu können, wäre Spitzenkandidat Schulze von der CDU unter anderem auf Stimmen der Linken angewiesen – ähnlich wie in Sachsen und Thüringen. In seiner Partei gibt es auch Mitglieder, die sich für wechselnde Mehrheiten aussprechen – also auch unter Einbeziehung der AfD. Das dürfte die Linke aber nicht akzeptieren. Eine Koalition oder vergleichbare Formen der Zusammenarbeit lehnt die CDU laut Bundesparteitagsbeschluss sowohl mit der Linken als auch der AfD für sich ab. Die Linie wird auch als „Brandmauer“ bezeichnet. Jubel bei der AfD, CDU enttäuscht AfD-Spitzenkandidat Siegmund sagte zum Abschneiden seiner Partei: „Natürlich ist es ein Regierungsauftrag.“ „Selbstverständlich“ werde er auch mit nur einer Stimme mehr regieren. Seine Regierungsmannschaft stehe schon, und zwar seit Monaten. Zugleich sagte der 35-Jährige, er sehe aktuell keine Partner für eine Koalition. Er wisse aber nicht, was in den nächsten Tagen passiert. „Ich weiß ja nicht, ob es einzelne Abgeordnete gibt, die sagen: "Jetzt ist Schluss, jetzt spiel' ich das hier nicht mehr mit".“ Da könne noch viel passieren. Auch AfD-Co-Bundeschefin Alice Weidel sprach von einem „ganz klaren Regierungsauftrag“. Co-Chef Tino Chrupalla sagte: „Ulrich Siegmund wird neuer Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt.“ Chrupalla brachte im ZDF auch eine Minderheitsregierung ins Spiel. CDU-Spitzenkandidat Schulze – erst seit Januar als Ministerpräsident im Amt – gestand das Scheitern seiner Partei ein. „Es ist für uns eine Niederlage“, sagte der 47-Jährige. „Ich habe nicht vor, mit der AfD zusammenzuarbeiten“, sagte er im MDR. Zuvor hatte Schulze in der ARD eine klare Antwort auf den Fortbestand der „Brandmauer“ vermieden. „Wir haben Beschlüsse auf Bundesebene, aber wir haben eine Hochrechnung, die uns hart trifft. Deswegen müssen wir damit erst einmal umgehen.“ Die CDU-Landtagsabgeordnete Eva Feußner forderte Schulzes Rücktritt als Landesparteichef. „Wenn ihm dieses Land am Herzen liegt, muss Sven Schulze Konsequenzen ziehen und vom Parteivorsitz zurücktreten. Das geht gar nicht anders“, sagte sie dem „Stern“. Der Chef der Unionsfraktion im Bundestag, Thorsten Frei (CDU), wertete die Wahl als einschneidendes Ereignis. „Das ist eine Zäsur für unser Land“, sagte er. „Wir haben diese Situation noch nie gehabt, dass eine Partei, die vom Landesverfassungsschutz als rechtsextremistisch eingestuft ist, eine Mehrheit erreicht hat.“ Grüne freuen sich, SPD erleichtert SPD-Chef Lars Klingbeil bezeichnete die Zahlen seiner Partei als „stabiles Ergebnis“. Er betonte, die SPD setze sich mit der AfD „nicht an einen Tisch“. Die SPD habe immer für demokratische Mehrheiten in dem Land gekämpft. „Wir werden hier der AfD nicht die Hand ausstrecken.“ Der Grünen-Bundesvorsitzende Felix Banaszak sagte zu den Zuwächsen seiner Partei, viele hätten die Grünen schon abgeschrieben, nun holten sie aller Voraussicht nach das beste Ergebnis in der Geschichte von Sachsen-Anhalt bei einer Landtagswahl. „Das erfüllt mich mit Freude und mit Stolz.“ Linken-Bundeschefin Ines Schwerdtner nannte als Ziel, die AfD von der Regierungsmacht fernzuhalten. „Es liegt bei der CDU, zu sagen: Wer übernimmt jetzt die Verantwortung“, sagte Schwerdtner mit Blick auf eine mögliche künftige Regierung mit Unterstützung der Linken. Die AfD dürfe nicht an die Schalthebel kommen. BSW-Chefin Amira Mohamed Ali zeigt sich erfreut, der FDP-Bundesvorsitzende Wolfgang Kubicki hingegen enttäuscht. „Das ist nicht das Ergebnis, das wir uns gewünscht haben“, schrieb Kubicki auf X. Was die AfD in Regierungsverantwortung durchsetzen will Die AfD hatte zehn Punkte benannt, die sie sofort angehen will, sollte sie in die Regierung kommen. Dazu gehört die Kündigung der Rundfunkstaatsverträge, mehr Abschiebungen, eine flächendeckende Arbeitspflicht für Asylbewerber, Sonderklassen für Kinder von Asylbewerbern sowie weniger Geld für parteinahe Stiftungen und Demokratieförderprogramme. An Schulen sollen Schwarz-Rot-Gold wehen, Regenbogenflaggen sollen verboten werden. Auch plant die AfD freiwillige Bürgerwehren für mehr Sicherheit vor Ort sowie eine „Wahlfreiheit zwischen Schul- und Hausunterricht“. Grundsätzlich begrenzt allerdings das Bundesrecht die Spielräume in einigen Bereichen, etwa in der Migrationspolitik. Verwandte Themen Auswirkungen auf Bund noch unklar In zwei Wochen – am 20. September – folgen zwei weitere Landtagswahlen in Ostdeutschland: in Mecklenburg-Vorpommern und im Land Berlin. Die drei Abstimmungen könnten die schwarz-rote Koalition im Bund kräftig durchschütteln. Haben Kanzler und CDU-Chef Friedrich Merz sowie die SPD-Chefs Bärbel Bas und Lars Klingbeil noch genug Rückhalt in den eigenen Reihen? Reicht der Koalitions-Kitt, um im Herbst wie geplant schwierige Reformen zu Rente, Einkommensteuer und Krankschreibungen zu beschließen? Wie geht es weiter? Die erste Sitzung des neuen Landtages muss spätestens am 30. Tag nach der Wahl stattfinden, das ist der 6. Oktober. Dann enden auch die Amtszeiten der Minister und des Regierungschefs. Sie alle sind aber laut Verfassung verpflichtet, die Geschäfte weiterzuführen, bis die Nachfolger übernehmen. Es gibt keine Frist, bis wann ein neuer Regierungschef gewählt sein muss - aber wenn der erste Wahlgang angesetzt ist und scheitert, greifen Fristen für mögliche weitere Wahlgänge. Der Landtag hat regulär 83 Sitze, durch Ausgleichs- und Überhangmandate saßen in der abgelaufenen Legislaturperiode aber 97 Abgeordnete im Parlament.

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6. September
FAZ (Politik)

Wahlsieg in Sachsen-Anhalt: Plötzlich sucht die AfD einen Koalitionspartner

Wahlsieg in Sachsen-Anhalt : Plötzlich sucht die AfD einen Koalitionspartner Die AfD liegt in Sachsen-Anhalt deutlich vorn, die CDU erreicht nicht ansatzweise ihr Wahlziel. Für die Wahlsiegerin ist klar: Sie hat den Regierungsauftrag. Als der blaue Balken in die Höhe schießt, springen die AfD-Politiker auf der Bühne im Alten Theater in Magdeburg sich in die Arme. Sie hüpfen, schlagen sich auf die Schultern, recken beide Fäuste in die Luft, und der Saal vor ihnen tobt. Der Landtagsabgeordnete Tobias Rausch tritt als Erster ans Mikrofon und feiert die erste Prognose: „44 Prozent für die AfD in Sachsen-Anhalt, was für ein Ergebnis!“ Er sieht einen klaren Regierungsauftrag. Den hatte auch Parteichefin Alice Weidel zuvor im Fernsehen bekräftigt. „Diesen Erfolg haben wir unserem Ministerpräsidentenkandidaten zu verdanken“, sagt Rausch im Alten Theater. Ulrich Siegmund selbst ist noch nicht auf der Wahlparty, er wird erst später erwartet – er muss zuvor viele Interviews geben. Der ARD sagt er kurz nach 18 Uhr: „Wir haben genau das geschafft, was wir schaffen wollten: Wir haben in diesem Land Geschichte geschrieben.“ Auch, wenn es zu einer absoluten Mehrheit laut Hochrechnungen nicht reicht. Ein Sitz fehlt der AfD. „Wir werden immer allen möglichen Kräften die Hand ausstrecken“ Seit Wochen läuft für die Partei alles nur noch auf diesen Moment hin. Siegmund hatte nahezu täglich Wahlkampftermine absolviert, stundenlang Selfies mit Fans gemacht und Ausfahrten mit seinem Simson-Moped unternommen. Die Wahlkämpfer sprachen oft schon vom „nächsten Ministerpräsidenten Siegmund“, der wiederum wies öfter darauf hin, dass dies nur der erste Schritt sei, er praktisch nur der Vorbote einer „Kanzlerin Alice Weidel“ sei. Ob er mit seinem Ergebnis nun Ministerpräsident werde, ließ Siegmund am Wahlabend noch unbeantwortet. „Wir werden immer allen möglichen Kräften die Hand ausstrecken“, sagte er dazu. Das klingt anders als noch in den Tagen zuvor. Da hatte er immer wieder gesagt, dass er nur mit absoluter Mehrheit regieren werde. Ohne diese, so Siegmund, gebe es die „erste Blutwurstkoalition“ von CDU bis Linke in Deutschland, welche nicht lang halten werde. Und bei der nächsten Neuwahl werde die AfD dann reüssieren. Nun heißt es von der Wahlsiegerin, sie wäre offen für eine Koalition mit einer Partei, die einen neuen Kurs in der Migrations- und Energiepolitik umsetzen wolle. Eine Minderheitsregierung der AfD lehnt Siegmund jedoch ab. Auch auf der Wahlparty war es weitgehend Konsens, den Regierungsauftrag zu beanspruchen. So sagte Jean-Pascal Hohm, der Vorsitzende der Jugendorganisation der AfD, der F.A.Z., dass „Plan A“ zwar die absolute Mehrheit sei, doch es gebe noch andere Möglichkeiten, etwa, einzelne Abgeordnete der CDU in die eigene Fraktion zu holen. Betretenes, eisiges Schweigen Die CDU als Ganzes hat jedoch klar ausgeschlossen, mit der AfD zu koalieren. Sie nimmt das Wahlergebnis wie stets in einem Saal des Magdeburger Maritim-Hotels entgegen. Bei der vergangenen Wahl im Sommer 2021 bejubelten die Christlichen Demokraten auf demselben, psychedelisch gemusterten Teppich ein 37,1-Prozent-Ergebnis und sahen ihr Selbstbild als „Sachsen-Anhalt-Partei“ neuerlich bestätigt. Diese Zeit ist mit den ersten, um 18 Uhr angezeigten Prognosen vorbei. Keine Hand rührt sich, es herrscht ein betretenes, eisiges Schweigen. Die angezeigten Werte von unter 18,5 Prozent liegen nicht nur weit hinter dem noch vor wenigen Monaten parteiintern für realistisch betrachteten Ziel, die 30-Prozent-Marke zu übertreffen. Die kleinen schwarzen Balken auf den Bildschirmen sind ein Desaster, mit dem noch vor wenigen Stunden niemand in der CDU kalkuliert hat. Dennoch wurde innerparteilich bereits in den Tagen vor der Wahl hektisch und kontrovers debattiert, was ein Wahlergebnis von unter 25 Prozent für den Spitzenkandidaten Sven Schulze bedeuten könnte. Schulze konnte zu keinem Zeitpunkt an die Zugkraft von Reiner Haseloff anknüpfen, dessen Nachfolge er im Zuge eines rumpeligen Wechsels Anfang des Jahres angetreten hatte. Auch der Wahlkampf, für dessen strategische Planung deshalb die Zeit fehlt, wirkte an vielen Stellen fahrig und unausgegoren. Schon in den vergangenen Tagen sammelten sich deshalb die parteiinternen Gegner, als deren Anführer der Bundestagsabgeordnete Sepp Müller hervortrat. Dabei ging es vordergründig um die Frage, ob die CDU nach einem solchen Wahlergebnis die Regierungsbildung für sich beanspruchen kann oder diesen Ball in das Feld der AfD spielen sollte. Implizit ging es aber auch um personelle Fragen und die politische Zukunft von Sven Schulze. Die nächsten Sitzungen sind bereits geplant Die erste Runde in dem parteiinternen Ringen war um 18 Uhr bereits erfolgt. Um 14.30 Uhr gab es im „Raum Stuttgart“ des Maritim-Hotels ein Treffen des geschäftsführenden Landesvorstands um den Landesvorsitzenden Sven Schulze mit den Kreisvorsitzenden der sachsen-anhaltischen CDU, um das Wording für den Wahlabend festzulegen. Außerplanmäßig nahm an der Sitzung auch Sepp Müller teil. Auf der Sitzung sei der Wunsch nach Geschlossenheit dominierend gewesen, berichten die Teilnehmer übereinstimmend. Zu diesem Zeitpunkt hatte allerdings noch kein CDU-Politiker Tendenzen über den Wahlausgang vorliegen, das Ausmaß des Debakels war noch nicht absehbar. Die nächsten Sitzungen sind bereits geplant: Nach einer geplanten Schalte des geschäftsführenden Landesvorstands am Montagmorgen trifft sich am Montagabend die Führung der Landes-CDU im Süden von Magdeburg, bevor am Dienstag die neu gewählte Fraktion zum ersten Mal zusammentritt. Sven Schulze äußerte sich bei seinem ersten Auftritt am Sonntagabend noch nicht zu seiner Zukunft. Als er um 18.23 Uhr den psychedelischen Teppich in Begleitung seiner Ehefrau betritt, bekommt er trotzigen Applaus. Der CDU-Spitzenkandidat und Landesvorsitzende gratuliert knapp der AfD, spricht von einer „Niederlage“ und sagt, es gehe darum, das mit dem Wahlergebnis verbundene „Zeichen“ zu erkennen. Danach wieder trotziger Applaus und Abgang Schulzes. Bei der SPD geht es am Wahlabend nicht so turbulent zu. Der rote Balken der Hochrechnungen ist zwar lange nicht mehr so hoch wie in früheren Zeiten. Aber mit Spitzenkandidat Armin Willingmann hat die Partei einen weiteren Absturz verhindert und sich bei rund neun Prozent stabilisiert, so zumindest der Eindruck am frühen Wahlabend. Der 63 Jahre alte Wissenschaftsminister verzichtete im Wahlkampf auf Lautsprecherei, sondern wurde als lebenserfahrener Sachwalter von Vernunft und Anstand in Szene gesetzt. Womöglich hat er damit manche Wähler angesprochen, die früher Reiner Haseloff gewählt hatten und auf die dessen Nachfolger Sven Schulze zu wenig staatstragend wirkte. Doch auch die SPD könnte in den kommenden Tagen und Wochen vor schwierigen Entscheidungen stehen, je nachdem, wie sich die AfD verhält und welchen Verlauf der Macht- und Richtungsstreit innerhalb der CDU nimmt. Eine wie auch immer geartete Kooperation der Parteien der Mitte mit der Linkspartei würden die Sozialdemokraten mittragen. Die Frage ist, was sie tun würden, falls die CDU sich in Richtung der AfD öffnet. Bisher hat sich Willingmann klar gegen jegliche Offenheit für die AfD ausgesprochen und damit formuliert, was auch nahezu jeder in der sachsen-anhaltischen Sozialdemokratie denkt. Herbe Enttäuschung für die Linke Für die Grünen ist es ebenfalls ausgeschlossen, eine Zusammenarbeit mit der AfD in irgendeiner Form zu akzeptieren. Sie haben sich im Wahlkampf auch genau so inszeniert: als letztes Bollwerk gegen den Faschismus. Ihre Erzählung lautete, dass eine Grünen-Fraktion im Magdeburger Landtag eine Alleinregierung der AfD verhindern kann, weil bei mehr Parteien im Landtag mehr Prozente nötig sind, um eine absolute Mehrheit der Sitze zu erreichen. Nachdem es in den Umfragen vor einigen Monaten noch so ausgesehen hatte, als ob die Grünen es nicht mehr in den Landtag schaffen würden, hatten sie zuletzt eine Aufholjagd hingelegt. Laut der Hochrechnungen lagen sie dann bei um die neun Prozent. Für die Linkspartei sind die Hochrechnungen mit rund neun Prozent eine herbe Enttäuschung. Die Partei von Spitzenkandidatin Eva von Angern war davon ausgegangen, mit klarem Abstand zu SPD und Grünen drittstärkste Kraft zu werden und der CDU dann aus einer Position der Stärke heraus im Gegenzug für Stimmen im Landtag inhaltliche Forderungen stellen zu können. Die Umfragen hatten die Linke lange Zeit auf rund 13 Prozent taxiert. Doch der Aufwärtstrend seit der Bundestagswahl erlebt in Magdeburg am Sonntagabend einen schweren Dämpfer. Für das von der Linkspartei unter Führung von Sahra Wagenknecht abgespaltene BSW ging es am Sonntag nicht nur um eine Landtagswahl, sondern um die künftige Existenz der Partei. Nach der Niederlage bei der Bundestagswahl und der inneren Zerrüttung mehrerer Landesverbände gilt Sachsen-Anhalt als Wagenknechts letzter Schuss. Gelingt dem BSW dort nicht der Einzug in den Magdeburger Landtag, dürfte die Partei absehbar auch in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin scheitern, bevor 2027 dann wieder Landtagswahlen in westlichen Ländern anstehen, wo das BSW bisher keinen Fuß auf die Erde gebracht hat. Wagenknecht und ihr Ehemann Oskar Lafontaine wären mit ihrem Experiment BSW gescheitert. Beide rückten deshalb im Wahlkampf von der ursprünglich versprochenen Distanz zur AfD ab und boten an, einen AfD-Politiker in Magdeburg durch eine Enthaltung im dritten Wahlgang zum Ministerpräsidenten zu befördern. Dieses Manöver, das innerparteilich viele BSW-Mitglieder als Verrat an den Idealen empfanden, zielte auf taktische AfD-Wähler. Ob dieses Kalkül aufging, ließen die Hochrechnungen offen. Das BSW lag bei fünf Prozent oder knapp darunter. Für die FDP sah es laut erster Prognose nicht so aus, als schaffte sie es wieder in den Landtag. Sie sah die Liberalen bei um die zwei Prozent.

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6. September
Tagesschau

Hochrechnung zur Wahl in Sachsen-Anhalt: AfD mit Rekordergebnis - CDU stürzt ab

Hochrechnung zur Wahl in Sachsen-Anhalt AfD mit Rekordergebnis - CDU stürzt ab Die AfD gewinnt erstmals eine Landtagswahl in Sachsen-Anhalt und erreicht laut ARD-Hochrechnung ein Rekordergebnis. Die CDU verliert deutlich. Linke, SPD und Grüne ziehen sicher ins Parlament ein. Das BSW muss zittern. Die AfD hat die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt klar gewonnen. Laut ARD-Hochrechnung von infratest dimap kommt sie auf 44,2 Prozent - bei der Wahl 2021 hatte sie 20,8 Prozent geholt. Die AfD erreicht damit ihr bisher bestes Ergebnis bei einer Landtagswahl überhaupt und wird stärkste Kraft im Landtag. Mit großem Abstand dahinter folgt die CDU. Die Partei von Ministerpräsident Sven Schulze liegt bei historisch niedrigen 18,0 Prozent - ein erheblicher Verlust im Vergleich zur Landtagswahl 2021, die die Partei unter dem langjährigen Ministerpräsidenten Reiner Haseloff mit 37,1 Prozent deutlich gewonnen hatte. Den dritten Platz teilen sich laut Hochrechnung die Partei Die Linke mit 9,0 Prozent - das ist ihr bisher schlechtestes Ergebnis in Sachsen-Anhalt (2021: 11,0 Prozent) - und die SPD mit ebenfalls 9,0 Prozent. Die Sozialdemokraten liegen nur leicht über ihrem Wert von 2021, als sie ihr historisch schlechtestes Ergebnis einfuhren (8,4 Prozent). Die Grünen kommen auf 8,6 Prozent (2021: 5,9 Prozent), es wäre das beste Ergebnis bei einer Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Das BSW kommt auf 5,1 Prozent und muss um den Einzug in den Landtag bangen, die FDP scheitert laut Hochrechnung mit 2,3 Prozent an der Mandatsschwelle. Wer könnte regieren? Das Ziel der AfD ist eine Alleinregierung. Dafür braucht die Partei zwar nicht die absolute Mehrheit der Stimmen, aber die absolute Mehrheit der Sitze im Landtag. Ob sie diese erreicht, hängt auch von der Anzahl der im Parlament vertretenen Parteien ab. Nach derzeitigem Stand verfehlt die AfD ihr Ziel. Ein anderer Weg zu einer Regierungsbeteiligung steht der AfD nicht offen. Alle anderen sicher im Landtag vertretenen Parteien lehnen eine Koalition oder eine Zusammenarbeit mit der Partei ab - die AfD tut das umgekehrt auch. Eine entscheidende Rolle könnte das BSW spielen, sollte es den Einzug in den Landtag schaffen. BSW-Spitzenkandidatin Claudia Wittig zeigte sich nach der Wahl offen für eine Zusammenarbeit in Sachfragen mit der AfD. "Wir werden immer in der Sache entscheiden", sagte Wittig in der ARD. Mit Blick auf die Führung der neuen Landesregierung sagte sie: "Ich möchte Herrn Siegmund nicht wählen und ich möchte genauso wenig oder vielleicht noch weniger Herrn Schulze wählen." Wittig sagte, es wäre angesichts des Wahlerfolgs der AfD aus ihrer Sicht "völlig undemokratisch, sie nicht in irgendeiner Weise an der Regierung zu beteiligen". Momentan regiert in Magdeburg eine Koalition aus CDU, SPD und FDP. Eine Fortführung des Bündnisses ist laut Hochrechnung nicht möglich. Auch für Schwarz-Rot-Grün würde es nicht reichen. Sollte die AfD nicht alleine regieren können, wäre eine Option eine CDU-geführte Minderheitsregierung, die auf die Linke angewiesen wäre - ähnlich wie in Thüringen und Sachsen. In der CDU, die einen Unvereinbarkeitsbeschluss für eine Zusammenarbeit mit der AfD und der Linken hat, gibt es aber starke Vorbehalte gegen dieses Modell. Rechtsextremistisch eingestufte Partei gewinnt Wahl Die Wahl stand - auch international - unter besonderer Beobachtung. Die AfD, die im Wahlkampf stark auf ihren Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund und positive Botschaften ("Alles ist möglich") gesetzt hatte, wird seit 2023 vom Landesamt für Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft. Die Agitation der Partei richte sich gegen "essentielle Prinzipien der freiheitlichen demokratischen Grundordnung", insbesondere gegen "die im Grundgesetz festgeschriebene Garantie der Menschenwürde". Die AfD geht gegen die Einstufung vor, das Verfahren ist derzeit ausgesetzt. Es wäre das erste Mal in der Geschichte der Bundesrepublik, dass eine als rechtsextremistisch eingestufte Partei ein Bundesland regiert. Dass eine als rechtsextremistisch eingestufte Partei eine Wahl gewinnt, ist indes kein Novum mehr. Das war der AfD bereits bei der Landtagswahl in Thüringen 2024 gelungen. CDU verliert massiv an Zustimmung Während die AfD stark von Ängsten und Unzufriedenheit profitiert, leidet die CDU unter der eher negativ wahrgenommenen Arbeit der derzeitigen Landesregierung. Auch die schlechte Bewertung der Bundespolitik bremste den Wahlkampf von Spitzenkandidat Schulze, der im Januar die Regierungsgeschäfte von Haseloff übernommen hatte. Einen mit seinem Vorgänger vergleichbaren Amtsbonus konnte er nicht entwickeln. Könnte man den Ministerpräsidenten direkt wählen, würde sich in Umfragen eine Mehrheit aber für Schulze aussprechen. Wie geht es jetzt weiter? Der neue Landtag muss laut Landesverfassung spätestens am 30. Tag nach der Wahl, also am 6. Oktober, zusammentreten. Dann enden offiziell die Amtszeiten der Minister und des Ministerpräsidenten. Sie sind aber dazu verpflichtet, die Amtsgeschäfte weiterzuführen, bis eine neue Regierung gewählt ist. Eine Frist, bis wann ein neuer Ministerpräsident gewählt werden muss, gibt es nicht. Er wird ohne Aussprache in geheimer Abstimmung gewählt. Gewählt ist, wer im ersten Wahlgang die Mehrheit der Mitglieder des Landtags bekommt. Für den Fall des Scheiterns der ersten Wahl greifen Fristen: Innerhalb von sieben Tagen muss ein weiterer Wahlgang stattfinden. Kommt auch dann eine Wahl nicht zustande, beschließt der Landtag innerhalb von weiteren 14 Tagen, ob die Wahlperiode beendet wird. Wird das nicht von einer Mehrheit der Mitglieder beschlossen, findet unverzüglich ein neuer Wahlgang statt - dann ist gewählt, wer die Mehrheit der abgegebenen Stimmen erhält.

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6. September
Die Zeit (Politik)

Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt: Manuela Schwesig warnt vor Gefahren durch AfD

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) hat vor den Gefahren durch den Sieg der AfD bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt gewarnt. »Zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik haben Rechtsextremisten sehr deutlich eine Landtagswahl gewonnen«, sagte Schwesig. Das sei gefährlich für Sachsen-Anhalt und Deutschland insgesamt. »In MV kann und muss verhindert werden, dass die AfD stärkste Kraft wird«, sagte sie. Im nordöstlichsten Bundesland wird am 20. September ein neuer Landtag gewählt. Auch hier liegt die AfD in Umfragen vorn, allerdings bislang unter der Marke von 40 Prozent. Die SPD liegt auf Rang zwei, zuletzt nur noch etwa drei Prozentpunkte hinter der AfD. Der CDU droht ein historisch schlechtes Abschneiden mit Umfragewerten um und teilweise unter zehn Prozent. Der Spitzenkandidat der AfD in Mecklenburg-Vorpommern, Leif-Erik Holm, hat die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt als Zeitenwende bezeichnet. »Uns in Mecklenburg-Vorpommern gibt dieser grandiose Erfolg richtig Rückenwind für die letzten zwei Wahlkampfwochen«, sagte Holm. »Ergebnis muss wachrütteln« Der Spitzenkandidat der CDU in Mecklenburg-Vorpommern, Daniel Peters, hat den Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt als Konsequenz einer Polarisierung bezeichnet. Diese Polarisierung stärke die AfD und müsse daher ein Ende haben, forderte er. »Das Ergebnis muss wachrütteln«, sagte er. Die AfD hat ersten Hochrechnungen zufolge in Sachsen-Anhalt ein Ergebnis von 44,1 bis 44,5 Prozent der Stimmen erzielt und liegt damit weit vor der CDU (18,5 Prozent) als zweitstärkster Partei. Die Linke erhält 9,2 bis 9,4 Prozent (11 Prozent). Die Grünen liegen bei 8,7 bis 8,9 Prozent (5,9 Prozent). Die SPD kommt auf 8,2 bis 8,8 Prozent (8,4 Prozent). Zur Wahl aufgerufen waren in Sachsen-Anhalt knapp 1,7 Millionen Menschen. Die Wahlbeteiligung erreichte laut ZDF mit 80,0 Prozent einen historischen Höchststand in dem ostdeutschen Bundesland.

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6. September
Handelsblatt

Landtagswahl: „Wir gehen hier durch die Decke“ - AfD feiert Rekordergebnis

Landtagswahl: „Wir gehen hier durch die Decke“ - AfD feiert Rekordergebnis Berlin. Mit dem Gong in den Wahlsendungen nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt tritt am Sonntagabend um 18.00 Uhr ein, was sich vorher schon abzeichnete: Der blaue AfD-Balken in den Grafiken klettert so hoch wie noch nie zuvor bei einer Landtags- oder Bundestagswahl. Die AfD fährt Hochrechnungen zufolge mit mehr als 44 Prozent ein Rekordergebnis ein - zwar zunächst ohne Aussicht auf die im Wahlkampf als Ziel ausgegebene Alleinregierung. Die AfD spricht dennoch von einer Sensation. AfD-Chefs drängen auf Regierung „Das ist ein historisches Ergebnis“, sagt AfD-Chefin Alice Weidel in einer ersten Reaktion im ZDF. „Wir gehen hier durch die Decke, wir werden in ganz Ostdeutschland durch die Decke gehen, auch im Bund“. Sie spricht von einem ganz klaren Regierungsauftrag. Ihr Co-Chef Tino Chrupalla sieht das auch so und sagt: „Ulrich Siegmund wird neuer Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt.“ Das sei ein „sensationellen Ergebnis“. Der AfD-Spitzenkandidat selbst hatte vor der Wahl zwar deutlich gemacht, dass er nur allein regieren wolle und das Wahlziel „45 Prozent plus X“ dafür ausgegeben. Am Wahlabend - das Ziel ist nur knapp verfehlt - spricht er davon, dass er Kräften, die das Land wie die AfD verändern wollten, die Hand reiche. „Es muss ja nicht immer eine ganze Fraktion sein, vielleicht sind es ja auch einzelne Abgeordnete“, sagt er bei ntv. Wird auf Überläufer etwa aus der CDU spekuliert? Es sind je nach Hochrechnung nur ein bis drei Abgeordnete, die der AfD für eine Mehrheit fehlen würden. Im Wahlkampf hatte schon ein CDU-Kommunalpolitiker aus Sachsen-Anhalt Schlagzeilen gemacht, weil er insgesamt 10.000 Euro an die AfD spendete und eine Wahlempfehlung für die Partei aussprach. Oder AfD-Minderheitsregierung? Im Laufe des Abends kommt auch das Modell Minderheitsregierung ins Spiel. Chrupalla zeigt sich offen dafür. „Man kann auch mit einer Minderheitsregierung toleriert werden, auch das ist ja eine Möglichkeit, ohne dass dann eine Koalition zustande gekommen ist“, sagt der AfD-Chef auf Nachfrage im ZDF. Siegmund betont zugleich immer wieder, er wolle sich aber nicht verbiegen lassen.  Wie auch immer es ausgeht, die AfD hat in jedem Fall bereits gewonnen: bestes Ergebnis seit der Parteigründung vor 13 Jahren, mit Abstand stärkste Kraft vor der CDU. „Wir haben die CDU halbiert, also von daher toller Abend“, sagt er am Wahlabend in Magdeburg vor Journalisten mit Blick auf eine vor mehreren Jahren von CDU-Chef Friedrich Merz getätigte Aussage, man könne die AfD halbieren. Land könnte zum AfD-Labor werden Kommt es tatsächlich zu einer AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt, wäre das eine Zäsur für die Bundesrepublik, und für die Partei der Beginn einer neuen Zeitrechnung. 13 Jahre nach ihrer Gründung bekäme sie erstmals echte Gestaltungsmacht und könnte direkt Einfluss nehmen auf Polizei, Schule, Kultur, Personal, Förderpolitik und öffentliche Verwaltung. Das Land würde zum Labor und möglichen Vorbild für andere AfD-Landesverbände. Zudem entstünde langfristig ein Reservoir an Leuten mit Regierungserfahrung, das der Partei bisher fehlt. Sie säße zudem künftig bundesweit mit am Tisch: Im Bundesrat und in den Konferenzen der Ministerpräsidenten und Fachminister der Länder, in denen gemeinsame Linien im föderalen System der Bundesrepublik abgesteckt werden. AfD-Chefin Alice Weidel geht von einer Normalisierung ihrer Partei durch eine erstmalige Regierungsverantwortung aus. Die Gesellschaft gewöhnt sich daran und potenzielle Wähler auch in anderen Ländern und im Bund könnten Berührungsängste verlieren - so das Kalkül. Kehrseite der Macht Die Kehrseite der Macht: In Regierungsverantwortung stoßen alle Parteien an Grenzen des Gestaltungsspielraums im föderalen Rechtsstaat mit Gewaltenteilung. Grundgesetz, Landesverfassung und Gerichte setzen den Rahmen. Dazu kommt das Regierungshandwerk, mit dem die AfD bisher keine Erfahrung hat. Führende AfD-Vertreter hatten selbst Erfolgsdruck aufgebaut: „Wir haben genau einen Schuss frei“, sagte Parteimitgründer Alexander Gauland in der „Zeit“. Argumentativ hat die Partei für den Fall von Widerständen und Hürden vorgebaut. Weidel hatte bereits „erwartbare Regierungssabotage“ vorhergesagt und erklärt, die anderen Parteien würden der AfD „dann nur Knüppel zwischen die Beine werfen“. Verfängt das, könnte es den Rückhalt bei potenziellen Wählern stärken. Es könnte aber auch der AfD, so wie anderen Parteien, passieren, dass sich Wähler wieder abwenden, weil Erwartungen enttäuscht werden - mit Folgen für die Ambitionen der Bundes-AfD und Weidel, die aktuell bei 27 bis 29 Prozent in den Umfragen steht und bei der nächsten Bundestagswahl auf den Durchbruch hofft. Vor der Sachsen-Anhalt-Wahl war hinter vorgehaltener Hand in der AfD deshalb auch die Einschätzung zu hören, für die Bundespartei könne es strategisch günstiger sein, in Magdeburg noch nicht regieren zu müssen. Verwandte Themen Siegmund als AfD-Hoffnung über Sachsen-Anhalt hinaus? Siegmund ist in den vergangenen Monaten mit unzähligen öffentlichen Auftritten und Social-Media-Beiträgen ins Zentrum der medialen Aufmerksamkeit gerückt. Anhänger feierten ihn wie einen Popstar, Menschen standen Schlange für Selfies und Autogramme. Öffentlich gibt es bisher keine Hinweise, dass der 35-Jährige auch bundesweit in der AfD nach oben strebt. Aber allein durch das Amt als erster AfD-Ministerpräsident - sollte er es werden - dürfte er an Gewicht in der Partei gewinnen. Es könnte langfristig intern die Frage aufkommen, ob mit ihm und seinem Auftreten auch bundesweit mehr zu holen wäre. Das bisherige Führungsduo Weidel und Chrupalla wurde Anfang Juli für die nächsten zwei Jahre im Amt bestätigt. 2028, ein Jahr vor der nächsten regulären Bundestagswahl, wird die AfD-Spitze turnusgemäß neu bestimmt.

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6. September
FAZ (Politik)

Liveblog zur Wahl in Sachsen-Anhalt: Klingbeil stellt Reformkurs der Bundesregierung infrage

Liveblog zur Wahl in Sachsen-Anhalt : Klingbeil stellt Reformkurs der Bundesregierung infrage Lesezeit: Lars Klingbeil am Freitag in Berlin.dpa SPD-Vorsitzender: Zahlen sind „auch ein Signal an Berlin“ +++ Linke, SPD und Grüne im Landtag – BSW muss zittern +++ Ministerpräsident Schulze gratuliert der AfD +++ alle Entwicklungen im Liveblog Einzug des BSW in den Landtag auch nach jüngsten Hochrechnungen offen Auch nach den jüngsten Hochrechnungen von ARD und ZDF ist unklar, wie genau sich der neue Landtag in Sachsen-Anhalt zusammensetzen wird. Die AfD liegt deutlich vorn. Ob es für eine eigene Mehrheit im Landtag reicht, ist weiterhin nicht klar – die aktuellen Zahlen geben dies knapp nicht her. Die Partei von Spitzenkandidat Ulrich Siegmund liegt bei 44 bis 44,2 Prozent. Sie kann ihr Ergebnis mehr als verdoppeln (2021: 20,8 Prozent). Auf Platz zwei steht die CDU von Ministerpräsident Sven Schulze, die deutliche Verluste verbuchen muss und nach den jüngsten Hochrechnungen bei 17,7 bis 18 Prozent landet (37,1 Prozent). Die Linke kommt laut den Hochrechnungen auf neun bis 9,1 Prozent (elf Prozent). Die Grünen stehen bei 8,6 bis 8,7 Prozent (5,9 Prozent), die SPD landet bei 8,9 bis neun Prozent (8,4 Prozent). Das BSW muss mit 4,8 bis 5,1 Prozent um den Einzug in den Magdeburger Landtag bangen. Die FDP scheitert nach den Hochrechnungen mit 2,3 bis 2,4 Prozent an der Fünfprozenthürde (6,4 Prozent). Auf Platz zwei steht die CDU von Ministerpräsident Sven Schulze, die deutliche Verluste verbuchen muss und nach den jüngsten Hochrechnungen bei 17,7 bis 18 Prozent landet (37,1 Prozent). Die Linke kommt laut den Hochrechnungen auf neun bis 9,1 Prozent (elf Prozent). Die Grünen stehen bei 8,6 bis 8,7 Prozent (5,9 Prozent), die SPD landet bei 8,9 bis neun Prozent (8,4 Prozent). Das BSW muss mit 4,8 bis 5,1 Prozent um den Einzug in den Magdeburger Landtag bangen. Die FDP scheitert nach den Hochrechnungen mit 2,3 bis 2,4 Prozent an der Fünfprozenthürde (6,4 Prozent). BSW Co-Vorsitzende Amira Mohamed Ali nach den ersten Hochrechnungen der Landtagswahl. dpa Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Sebastian Gubernator Klingbeil stellt Reformkurs der Bundesregierung infrage Der SPD-Vorsitzende Lars Klingbeil sieht in der Politik der Bundesregierung einen Grund für das Wahlergebnis. Die Zahlen seien „auch ein Signal an Berlin“, sagt Klingbeil im ZDF. Viele Menschen seien unzufrieden mit dem Reformkurs. Das Ergebnis sei ein Grund, über die Politik der Bundesregierung nachzudenken. „Und seien Sie sich sicher, das werden wir auch tun.“ Details zu möglichen Kurskorrekturen nennt er nicht.  Klingbeil wertet das Wahlergebnis als „Zäsur“. Es gebe jetzt „wahnsinnig viele“ Menschen in Sachsen-Anhalt, aber auch in ganz Deutschland, die Angst hätten und sich Sorgen machten angesichts des Ergebnisses für die AfD, sagt der SPD-Bundesvorsitzende. Sowohl er persönlich als auch die SPD würden „alles dafür tun, dass sie in Deutschland weiter sicher leben können und unser Land ein weltoffenes Land bleibt“. Dies sei ganz wichtig. Mit Blick auf eine Regierungsbildung in Sachsen-Anhalt sagt Klingbeil: „Wir setzen uns mit der AfD nicht an einen Tisch. Wir wollen mit den demokratischen Kräften eine Mehrheit bilden. Dann ist auch die Union gefordert, zu sagen, wie es weitergehen kann mit der möglichen Bildung einer Regierung.“ Klingbeil wertet das Wahlergebnis als „Zäsur“. Es gebe jetzt „wahnsinnig viele“ Menschen in Sachsen-Anhalt, aber auch in ganz Deutschland, die Angst hätten und sich Sorgen machten angesichts des Ergebnisses für die AfD, sagt der SPD-Bundesvorsitzende. Sowohl er persönlich als auch die SPD würden „alles dafür tun, dass sie in Deutschland weiter sicher leben können und unser Land ein weltoffenes Land bleibt“. Dies sei ganz wichtig. Mit Blick auf eine Regierungsbildung in Sachsen-Anhalt sagt Klingbeil: „Wir setzen uns mit der AfD nicht an einen Tisch. Wir wollen mit den demokratischen Kräften eine Mehrheit bilden. Dann ist auch die Union gefordert, zu sagen, wie es weitergehen kann mit der möglichen Bildung einer Regierung.“ Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Sebastian Gubernator Menschen protestieren in mehreren Städten gegen die AfD Nach der Wahl haben sich Menschen in Berlin und anderen Städten zu Demonstrationen versammelt. In Berlin zog ein Protestzug unter dem Motto „Demokratie verteidigen! AfD Verbot jetzt!“ durch das Regierungsviertel bis zur Landesvertretung Sachsen-Anhalt. Die Polizei sprach von Hunderten Demonstranten im unteren dreistelligen Bereich. Den Angaben zufolge blieb es ruhig. Parallel waren einige Dutzend Menschen am Brandenburger Tor. Der SPD-Spitzenkandidat für die Berliner Abgeordnetenhauswahl, Steffen Krach, war unter dem Titel „Krach gegen Nazis“ mit seinem Wahlkampfbus gekommen und hielt eine Rede. In Frankfurt am Main demonstrierten nach Polizeiangaben rund 2500 Menschen dafür, ein Verbotsverfahren gegen die AfD zu prüfen. Mein Kollege Alexander Jürgs war vor Ort und hat mit Teilnehmern der Kundgebung auf dem Römerberg gesprochen. Auch in Mainz wurde nach dem klaren Wahlsieg in Sachsen-Anhalt gegen die Partei demonstriert. In Frankfurt am Main demonstrierten nach Polizeiangaben rund 2500 Menschen dafür, ein Verbotsverfahren gegen die AfD zu prüfen. Mein Kollege Alexander Jürgs war vor Ort und hat mit Teilnehmern der Kundgebung auf dem Römerberg gesprochen. Auch in Mainz wurde nach dem klaren Wahlsieg in Sachsen-Anhalt gegen die Partei demonstriert. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Sebastian Gubernator Industrieverband BDI mahnt Koalition zur Fortsetzung des Reformkurses Die Hauptgeschäftsführerin des Industrieverbands BDI, Tanja Gönner, hat die Bundesregierung nach der Wahl zu einer entschlossenen Reformpolitik aufgerufen. „Die Antwort auf dieses Landtagswahlergebnis darf kein politischer Stillstand im Bund sein“, sagt Gönner dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Gerade jetzt komme es darauf an, dass die Bundesregierung eine Reformagenda für mehr Investitionen, Innovationen und Wachstum entschlossen umsetze und ausbaue. „Die Rezepte radikaler Parteien sind dafür untauglich“, fügt sie hinzu. Deshalb müsse die „politische Mitte“ jetzt zeigen, dass sie handlungsfähig ist. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Sebastian Gubernator CDU-Politiker Müller sieht Regierungsauftrag bei AfD Der CDU-Wirtschaftspolitiker Sepp Müller bezeichnet das Wahlergebnis als erschütternd. „Wir haben als CDU Sachsen-Anhalt eine historische Niederlage erfahren. Das, was hier passiert ist, tut mir unendlich leid“, sagt Müller im ZDF. Es sei klar, dass es kein „Weiter so“ geben könne. Auf die Frage, ob dies auch personelle Konsequenzen für Sven Schulze bedeuten würde, antwortet Müller: „Sven Schulze als Ministerpräsident bleibt vorerst geschäftsführend im Amt.“ Dann sagt Müller einen entscheidenden Satz: „Wir haben keinen Regierungsbildungsauftrag, der liegt jetzt bei der AfD.“ Schon vor der Wahl hat Müller die Position vertreten, auch ohne absolute Mehrheit werde die AfD als stärkste Kraft den Regierungsauftrag haben. Hintergrund sind die komplizierten Mehrheitsverhältnisse, die sich in Sachsen-Anhalt abzeichnen: Verpasst die AfD die absolute Mehrheit, könnte die CDU versuchen, eine Minderheitsregierung zu bilden – und wäre auf Unterstützung der Linken angewiesen. Der Bundestagsabgeordnete Müller hält das für einen schweren Fehler. Er bezeichnet die Linke als SED-Nachfolgepartei und wirbt dafür, dass die CDU eine Regierungsbildung gar nicht erst anstrebt. Dann sagt Müller einen entscheidenden Satz: „Wir haben keinen Regierungsbildungsauftrag, der liegt jetzt bei der AfD.“ Schon vor der Wahl hat Müller die Position vertreten, auch ohne absolute Mehrheit werde die AfD als stärkste Kraft den Regierungsauftrag haben. Hintergrund sind die komplizierten Mehrheitsverhältnisse, die sich in Sachsen-Anhalt abzeichnen: Verpasst die AfD die absolute Mehrheit, könnte die CDU versuchen, eine Minderheitsregierung zu bilden – und wäre auf Unterstützung der Linken angewiesen. Der Bundestagsabgeordnete Müller hält das für einen schweren Fehler. Er bezeichnet die Linke als SED-Nachfolgepartei und wirbt dafür, dass die CDU eine Regierungsbildung gar nicht erst anstrebt. Der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Sepp Müller, beobachtet in Magdeburg die Bekanntgabe der Prognose für die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. dpa Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Integrationsbeauftragte warnt vor Verrohung des Diskurses Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung und SPD-Abgeordnete Natalie Pawlik zeigt sich besorgt über den Wahlsieg der AfD. „In Sachsen-Anhalt ist erstmals seit Gründung der Bundesrepublik eine rechtsextreme Partei stärkste politische Kraft in einem Bundesland geworden“, teilt sie mit. „Das wird sich auf die politische Kultur der gesamten Bundesrepublik auswirken.“ Schon der Wahlkampf sei von Respektlosigkeiten und einer Verrohung des Diskurses geprägt gewesen. „Das untergräbt immer weiter das Vertrauen der Menschen in den Staat“, sagt die Sozialdemokratin. Man müsse anerkennen, dass ein großer Teil der Bürgerinnen und Bürger in Sachsen-Anhalt der AfD mehr als anderen Parteien zutraue, die Probleme in ihrem Bundesland zu lösen. Sie sprach von einer Zäsur und einem „bitteren Tag für die SPD“, zu deren DNA es gehören, sich gegen Rechtsextremismus zu stellen. Der Erfolg der AfD fußt aus Pawliks Sicht auch darauf, dass Veränderungen und multiple Krisen in den vergangenen Jahren die „öffentlichen Strukturen und jede und jeden Einzelnen stark gefordert haben“. Sie spricht sich dafür aus, mit diesen Veränderungen offensiv umzugehen, „durch politische Entscheidungen, die die Menschen nachvollziehen können, und die auch das Gerechtigkeitsempfinden im Blick haben“. Schon der Wahlkampf sei von Respektlosigkeiten und einer Verrohung des Diskurses geprägt gewesen. „Das untergräbt immer weiter das Vertrauen der Menschen in den Staat“, sagt die Sozialdemokratin. Man müsse anerkennen, dass ein großer Teil der Bürgerinnen und Bürger in Sachsen-Anhalt der AfD mehr als anderen Parteien zutraue, die Probleme in ihrem Bundesland zu lösen. Sie sprach von einer Zäsur und einem „bitteren Tag für die SPD“, zu deren DNA es gehören, sich gegen Rechtsextremismus zu stellen. Der Erfolg der AfD fußt aus Pawliks Sicht auch darauf, dass Veränderungen und multiple Krisen in den vergangenen Jahren die „öffentlichen Strukturen und jede und jeden Einzelnen stark gefordert haben“. Sie spricht sich dafür aus, mit diesen Veränderungen offensiv umzugehen, „durch politische Entscheidungen, die die Menschen nachvollziehen können, und die auch das Gerechtigkeitsempfinden im Blick haben“. Der Staat müsse funktionieren, handlungsfähig sein, Sicherheit gewährleisten, Aufstieg und Bildung ermöglichen, so Pawlik: „Anstrengung muss sich lohnen.“ Das bedeute nicht immer mehr Geld, sondern es komme auf bessere Strukturen und einen moderneren Staat an. Nur durch mehr Transparenz, Authentizität und Klarheit könne Vertrauen zurückgewonnen werden. „Wir müssen jetzt vor Ort in den Städten und Gemeinden zeigen, dass wir das noch können", sagte Pawlik, deren Wahlkreis in Hessen liegt. Sie zeigte sich zuversichtlich, dass die SPD sich nicht geschlagen geben müsse, sondern Menschen überzeugen könne, wenn sie klar Position beziehe, gut regiere und sich auch inhaltlich hart mit der AfD auseinandersetze. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Sebastian Gubernator AfD profitiert besonders stark von Nichtwählern Laut einer vorläufigen Analyse des Instituts infratest dimap für die ARD hat die AfD besonders stark von den Stimmen bisheriger Nichtwähler profitiert. Demnach wählten aus dieser Gruppe diesmal 170.000 Menschen die AfD. Zudem wechselten 82.000 bisherige CDU-Wähler zu der Partei. Gemessen an der geringen Stärke der FDP war auch die Wählerwanderung von dort zur AfD auffallend groß. 19.000 Menschen, die zuvor noch bei den Liberalen ihr Kreuz gemacht hatten, entschieden sich diesmal für die AfD. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Siegmund deutet an, dass er auf Überläufer aus anderen Fraktionen hofft Während AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund zu Beginn des Abends noch zurückhaltend über eine mögliche Regierungsbildung gesprochen hat, lässt er nun erkennen, wie seine Strategie hierfür aussehen könnte, sollte die AfD keine absolute Mehrheit der Mandate erhalten. „Niemand weiß, welche Auswirkungen das jetzt auch haben wird. Auch vielleicht für einzelne Abgeordnete anderer Parteien“, sagt Siegmund in der ARD. Aktuellen Hochrechnungen zufolge bräuchte die AfD nur wenige solcher „Überläufer“ aus anderen Fraktionen für eine Regierungsbildung ohne andere Fraktionen. „Ich möchte nicht so werden wie die, die jedes Mal nach der Wahl genau das Gegenteil von dem umsetzen, was sie vorher versprochen haben“, sagte Siegmund. „Natürlich haben wir einen Regierungsauftrag, aber nicht unter der Maßgabe, dass wir uns selbst inhaltlich verbiegen und dass der Wähler nicht nach der Wahl nicht das bekommt, was er auch vorher gewählt hat, nämlich eine AfD Politik.“ Ulrich Siegmund, AfD-Spitzenkandidat in Sachsen-Anhalt, nach der Verkündung der Prognosen für die Landtagswahl am Messegelände in Magdeburg. AFP Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Sebastian Gubernator FDP-Spitzenkandidatin kündigt Rücktritt von Landesvorsitz an Nach dem verpassten Wiedereinzug der FDP ins Parlament kündigt Landesvorsitzende Lydia Hüskens ihren Rücktritt an. „Wir müssen jetzt morgen einfach schlicht darüber reden, wie wir es machen, ob wir es mit sofortiger Wirkung machen oder den Landesparteitag im April nehmen dafür, um da den Wechsel zu machen“, sagt sie der Deutschen Presse-Agentur. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Luca Neuschaefer-Rube Die Grünen geben sich kämpferisch Goldene Kanonen schießen Konfetti in die Luft, als sie die Bühne betritt: Spitzenkandidatin Susan Sziborra-Seidlitz ist auf der Wahlparty der Grünen angekommen. Als sie auf die Bühne im Innenhof der Festung Mark zuläuft, skandieren die Besucher ihren Spitznamen „Suse“. „Wir waren die Stimme, die den Menschen Mut gemacht hat“, sagt Sziborra-Seidlitz. Und die Spitzenkandidatin nutzt ihre Rede direkt für eine Kampfansage: „Wir werden dem nächsten Landtag von Sachsen-Anhalt angehören und wir werden denen das Leben zur Hölle machen.“ Das gelte unabhängig vom abschließenden Wahlergebnis der AfD. Sie bedankt sich für die Unterstützung im Wahlkampf. „Wir sind fröhlich, wir sind optimistisch, wir sind zuversichtlich“, das habe man im Wahlkampf gezeigt. „Und das sind wir auch heute noch.“ Dann holt sie auch die Spitzenkandidaten für die Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin, Claudia Müller und Werner Graf, auf die Bühne und gibt ihnen ein Versprechen: „Wir werden euch unterstützen, so wie wir von euch unterstützt worden sind.“ Susan Sziborra-Seidlitz spricht im Rahmen der Wahlparty der Grünen auf der Festung Mark in Magdeburg. Imago Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Sebastian Gubernator Frühere CDU-Landesministerin fordert Schulzes Rücktritt Nach der Jungen Union fordert jetzt auch eine frühere Landesministerin den Rücktritt von Sven Schulze. Die CDU-Landtagsabgeordnete Eva Feußner sagte dem „Stern“: „Wenn ihm dieses Land am Herzen liegt, muss Sven Schulze Konsequenzen ziehen und vom Parteivorsitz zurücktreten. Das geht gar nicht anders.“ Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur betonte Feußner: „Das wird auch die Parteibasis so wollen.“ Sie erwarte, dass Schulze das einsehe. „Wenn man so einen personalisierten Wahlkampf führt, muss man auch selbst die Konsequenzen tragen.“ Sollte Schulze nicht zurücktreten, „wird es wahrscheinlich von der Partei selbst kommen“. Es müsse einen Neuanfang geben. „Ansonsten kommen wir aus diesem Tal nicht wieder richtig raus.“ Eva Feußner, CDU-Landtagsabgeordnete in Sachsen-Anhalt, steht nach der Bekanntgabe der Prognose zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt bei der CDU-Wahlparty. dpa Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen BSW hofft darauf, zum Zünglein an der Waage zu werden Das BSW muss weiterhin um den Einzig in den Magdeburger Landtag zittern. Sollte die Partei es schaffen, deutet sich an, dass sie für die Bildung einer Landesregierung von entscheidender Bedeutung sein könnte: ohne sie käme dann wohl weder ein möglicher Block aus CDU, SPD, Grünen und Linken auf eine eigene Mehrheit noch die AfD alleine. Vor diesem Hintergrund pocht das BSW im Falle einer Regierungsbeteiligung auf einen überparteilichen Ministerpräsidenten. „Ich möchte Herrn Siegmund nicht wählen“, sagt die BSW-Politikerin Claudia Wittig in der ARD mit Blick auf den AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund. „Vielleicht noch weniger“ wolle sie den CDU-Spitzenkandidaten Sven Schulze wählen. Wittig steht auf Platz zwei der BSW-Liste für den Landtag, wird von der Partei aber neben Thomas Schulze (Platz eins) als weitere Spitzenkandidatin geführt. Es gebe aktuell eine stark gespaltene Gesellschaft, sagt Wittig. Die Position des BSW sehe sie darin, zwischen diesen Fronten zu vermitteln. „Da ist es nicht günstig, sich einer dieser beiden Gruppen zuzuordnen, sondern wenn wir unsere sachbezogene Politik mit wechselnden Mehrheiten machen möchten, wäre das Beste dafür ein Überparteilicher.“ Vor diesem Hintergrund pocht das BSW im Falle einer Regierungsbeteiligung auf einen überparteilichen Ministerpräsidenten. „Ich möchte Herrn Siegmund nicht wählen“, sagt die BSW-Politikerin Claudia Wittig in der ARD mit Blick auf den AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund. „Vielleicht noch weniger“ wolle sie den CDU-Spitzenkandidaten Sven Schulze wählen. Wittig steht auf Platz zwei der BSW-Liste für den Landtag, wird von der Partei aber neben Thomas Schulze (Platz eins) als weitere Spitzenkandidatin geführt. Es gebe aktuell eine stark gespaltene Gesellschaft, sagt Wittig. Die Position des BSW sehe sie darin, zwischen diesen Fronten zu vermitteln. „Da ist es nicht günstig, sich einer dieser beiden Gruppen zuzuordnen, sondern wenn wir unsere sachbezogene Politik mit wechselnden Mehrheiten machen möchten, wäre das Beste dafür ein Überparteilicher.“ Der Spitzenkandidat des BSW, Thomas Schulze, schaut nach Schließung der Wahllokale auf sein Smartphone. Reuters Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Sebastian Gubernator Zentralrat der Juden „entsetzt“ über AfD-Ergebnis Der Zentralrat der Juden zeigt sich schockiert über den Wahlerfolg der AfD. „Der Ausgang der Wahl ist noch offen, aber fest steht bereits: Eine als gesichert rechtsextremistisch eingestufte Partei ist in einem deutschen Bundesland nur knapp von der Alleinregierung entfernt“, sagt Präsident Josef Schuster der „Welt“. Er sei „von diesem Wahlergebnis persönlich entsetzt“, sagt Schuster. „Über die letzten Monate war klar ersichtlich, welche Ziele die AfD verfolgt. Wer sie heute gewählt hat – trotz oder wegen dieser Ziele – trägt die Verantwortung für dieses Ergebnis.“ Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Sebastian Gubernator Junge Union Sachsen-Anhalt fordert Schulzes Rücktritt Die Junge Union Sachsen-Anhalt fordert einem Medienbericht zufolge den Rücktritt von Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) und der gesamten Führungsspitze der CDU in dem Bundesland. Der „Stern“ zitiert aus einem Beschlusspapier der JU Sachsen-Anhalt: „Die CDU Sachsen-Anhalt braucht einen umfassenden Neuanfang. Deshalb fordern wir den Rücktritt und die zeitnahe Neuwahl der gesamten Landesführung – vom Landesvorsitzenden bis zum gesamten Vorstand.“ Nach einer Niederlage dieses Ausmaßes dürfe es kein „Weiter so“ geben. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Sebastian Gubernator Kubicki spricht von einem „bitteren Tag“ Der FDP-Vorsitzende Wolfgang Kubicki zeigt sich enttäuscht über das Ausscheiden seiner Partei aus dem Landtag. „Das ist ein bitterer Tag für die gesamte Partei und es ist interessanterweise auch ein bitterer Tag für mich“, sagt Kubicki in Berlin. „Ich hätte mir ein anderes Ergebnis gewünscht, aber Wünsche erfüllen sich nicht regelmäßig.“  Es handele sich um eine weitere Wahlniederlage in diesem Jahr. „Aber das wird uns als Freie Demokraten nicht auf unserem Weg abhalten, die Freien Demokraten wieder zu einem bedeutenden politischen Faktor zu machen.“ Die Bundesregierung müsse jetzt über ihre Politik in Berlin nachdenken. „Es ist jetzt an der Union, mit dem Wahlergebnis fertig zu werden, nicht an den Freien Demokraten“, sagt Kubicki. FDP-Spitzenkandidatin Lydia Hüskens führt in der ARD den Misserfolg ihrer Partei auch darauf zurück, dass kaum über Wirtschaftspolitik diskutiert worden und es viel um Bundespolitik gegangen sei im Wahlkampf. „Also für den Zustand der FDP insgesamt kann ich jetzt gar keinen Rückschluss daraus ziehen“, sagt Hüskens. Die FDP, die bisher auch der Landesregierung in Sachsen-Anhalt angehörte, liegt in den Hochrechnungen von ARD und ZDF bei 2,2 bis 2,4 Prozent. Es handele sich um eine weitere Wahlniederlage in diesem Jahr. „Aber das wird uns als Freie Demokraten nicht auf unserem Weg abhalten, die Freien Demokraten wieder zu einem bedeutenden politischen Faktor zu machen.“ Die Bundesregierung müsse jetzt über ihre Politik in Berlin nachdenken. „Es ist jetzt an der Union, mit dem Wahlergebnis fertig zu werden, nicht an den Freien Demokraten“, sagt Kubicki. FDP-Spitzenkandidatin Lydia Hüskens führt in der ARD den Misserfolg ihrer Partei auch darauf zurück, dass kaum über Wirtschaftspolitik diskutiert worden und es viel um Bundespolitik gegangen sei im Wahlkampf. „Also für den Zustand der FDP insgesamt kann ich jetzt gar keinen Rückschluss daraus ziehen“, sagt Hüskens. Die FDP, die bisher auch der Landesregierung in Sachsen-Anhalt angehörte, liegt in den Hochrechnungen von ARD und ZDF bei 2,2 bis 2,4 Prozent. FDP-Bundesvorsitzender Wolfgang Kubicki auf einer Pressekonferenz in Berlin nach Bekanntgabe der ersten Hochrechnungen. dpa Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen

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6. September
Neues Deutschland

Landtagswahl | »Ein schwarzer Tag für Sachsen-Anhalt«

- Politik - Landtagswahl »Ein schwarzer Tag für Sachsen-Anhalt« AfD-Regierung wäre mit BSW-Hilfe möglich. Bündnis von CDU, Linke, SPD und Grünen voraussichtlich ohne Mehrheit. Nach einem Rekordergebnis für die AfD bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt rückte drei Stunden nach Schließung der Wahllokale eine AfD-Regierung in den Bereich des Möglichen, wobei das BSW zum Königsmacher werden könnte. Laut Hochrechnungen kam die AfD auf knapp über 44 Prozent. Die CDU erlebte mit 18,0 Prozent ein Debakel; der Wert entspräche mehr als einer Halbierung des Wahlergebnisses von 2021. Die Linke wurde bei 9 Prozent geführt und läge damit unter ihren Erwartungen. Die SPD käme mit 9 Prozent auf ein etwas besseres Ergebnis als 2021. Die Grünen könnten mit 8,6 Prozent ihr bestes Ergebnis bei einer Landtagswahl in Sachsen-Anhalt einfahren. Die zuletzt mitregierende FDP verfehlt den Einzug ins Magdeburger Parlament. Das BSW schien den Sprung ins Parlament zu schaffen; sowohl bei ARD als auch beim ZDF, das sie lange unter dieser Marke geführt hatte, wurde es bei oder knapp über fünf Prozent geführt. Die Wahlbeteiligung von knapp 70 Prozent lag fast zehn Punkte höher als vor fünf Jahren. Vom Ergebnis der Wagenknecht-Partei hängt entscheidend ab, welche Optionen für eine Regierungsbildung es gibt. Käme die Partei in den Landtag, würden der AfD zwar drei Sitze zur Mehrheit fehlen, die bei 42 Sitzen liegt. Allerdings käme auch ein Viererbündnis aus CDU, Linken, SPD und Grünen nur auf die gleiche Zahl von 39 Mandaten. Das BSW würde damit zum Königsmacher. Scheitert die Partei indes an der Fünfprozent-Hürde, entfielen auf die AfD 41 Sitze, auf die übrigen vier Parteien 42. Eine sichere Mehrheit für die komplizierte politische Konstellation sähe anders aus. In der AfD herrschte Freudentaumel über das Rekordergebnis. Spitzenkandidat Ulrich Siegmund sagte, man habe »in diesem Land Geschichte geschrieben«. Die Bundesvorsitzende Alice Weidel betonte, ihre Partei habe »einen ganz klaren Regierungsauftrag«. Dem stimmte am Wahlabend nur Claudia Wittig, die Spitzenkandidatin des BSW in Sachsen-Anhalt, zu. Sie erklärte, es wäre angesichts eines Ergebnisses von 44 Prozent »völlig undemokratisch, die AfD nicht an der Regierung zu beteiligen«. Die Bundesvorsitzende Amira Mohamed Ali hielt dagegen an dem Modell eines parteiunabhängigen Ministerpräsidenten fest, der »mit wechselnden Mehrheiten unter Einbeziehung des gesamten Landtags« agieren solle. Bei anderen Parteien und in der Zivilgesellschaft löste das AfD-Resultat dagegen Entsetzen aus. Eva von Angern, die Spitzenkandidatin der Linken, sprach von einem »schwarzen Tag für Sachsen-Anhalt«. Robert Fietzke, Geschäftsführer des soziokulturellen Zentrums Zora in Halberstadt, kommentierte im sozialen Netzwerk Bluesky zunächst mit einem einzigen Wort: »Horror«. Später forderte er auf, »solidarisch« mit den Menschen in Sachsen-Anhalt zu sein, »für die es nun noch härter wird«. Pascal Begrich, der Geschäftsführer des Vereins Miteinander, erklärte, dass mehr als 40 Prozent der Wähler für eine rechtsextreme Partei gestimmt hätten, sei »nicht nur eine historische Zäsur, sondern eine Belastungsprobe für die Demokratie«. Eine mögliche AfD-Regierung sei eine »ernsthafte Bedrohung« für Menschen mit Migrationsgeschichte, Engagierte vor Ort und die Zivilgesellschaft. Pia Lamberty, Ex-Chefin des Center für Monitoring, Analyse und Strategie (CeMAS), erklärte, das Wahlergebnis sei »furchtbar«. Die direkten Folgen würden »zuallererst die Menschen in Sachsen-Anhalt spüren«. CDU-Ministerpräsident Sven Schulze wirkte schockiert von dem Wahldebakel. Er sprach von einem »Ergebnis, das uns hart trifft«. Zugleich gratulierte er der AfD zum Wahlsieg und betonte: »Das ist Demokratie.« Ob er sich bemühen werde, ein Viererbündnis gegen die AfD zu schmieden, falls die Zahlen das zulassen, ließ er im MDR offen: »Für solche Spekulationen ist es echt die falsche Zeit.« Das Wahlergebnis müsse zunächst in den Parteigremien ausgewertet werden. Die Linke hält sich den Einstieg in ein solches Bündnis weiter offen, wenn damit die AfD von der Regierung ferngehalten werden kann. »Wir sind bereit«, sagte von Angern. Allerdings stehe man »für ein ›Weiter so!‹ nicht zur Verfügung«. Es sei auch »die Politik der CDU gewesen, die die AfD stark gemacht hat«. Sie habe noch Hoffnung, dass eine »klare demokratische Mehrheit« zustande komme. Die Ergebnisse der SPD und vor allem der Grünen dürften auch darin begründet sein, dass Wähler, auch unter dem Eindruck entsprechender Kampagnen, taktisch wählten und ihre Zweitstimme gezielt beiden Parteien gaben, um ihnen über die Fünf-Prozent-Hürde zu verhelfen. Grünen-Bundeschef Felix Banaszak sprach von einem »riesigen Auftrag und Vertrauensbeweis«. Susann Sziborra-Seidlitz, die Spitzenkandidatin im Land, erklärte die deutliche Steigerung gegenüber den lange Zeit schlechten Umfragewerten damit, dass sich »die Zivilgesellschaft aufgebäumt und untergehakt« habe. Den dramatischen Wahlerfolg der AfD konnte das indes nicht verhindern. Bleibt es bei dem sich abzeichnenden, extrem knappen Wahlausgang, wird die Wahl eines Ministerpräsidenten zur Zitterpartie mit ungewissem Ausgang. Bei einem BSW-Einzug gäbe es ein Patt zwischen der AfD auf der einen sowie CDU, Linken, SPD und Grünen auf der anderen Seite. Beide verfügten nicht über die absolute Mehrheit, die in den ersten beiden Wahlgängen laut Landesverfassung für die Wahl eines Ministerpräsidenten notwendig ist. Scheitert diese zweimal, muss der Landtag binnen 14 Tagen über seine Auflösung abstimmen. Gibt es auch dafür keine absolute Mehrheit, folgt sofort ein dritter Wahlgang. In diesem ist gewählt, wer die meisten Stimmen hat. Enthielte sich das BSW und gäbe es auch sonst keine Abweichler, gäbe es auch dann keinen Sieger. Käme das BSW nicht ins Parlament, würden alle vier Parteien jenseits der AfD zusammen hauchdünn die erforderliche absolute Mehrheit von 42 Sitzen erreichen. Ein einziger Abweichler würde aber reichen, um die Mehrheitsverhältnisse zu drehen. In Magdeburg war immer wieder über Szenarien spekuliert worden, wonach einzelne CDU-Abgeordnete der AfD zur Macht verhelfen könnten. Landeschef Schulze zeigte sich am Wahlabend indes »sicher«, dass keiner seiner Parteifreunde die Seiten wechseln würde. Die Landesverfassung sieht zwar eine Frist für die Konstituierung des Landtags vor. Diese muss binnen 30 Tagen, also bis 6. Oktober, erfolgen. Es gibt aber, anders als etwa in Sachsen, keine Frist für die Wahl eines Ministerpräsidenten. Solange diese nicht erfolgt ist, ist der bisherige Regierungschef Schulze laut Verfassung »verpflichtet«, die Amtsgeschäfte weiterzuführen – und mit ihm »auf dessen Ersuchen« auch die bisherigen Minister, darunter eine von der sicher aus dem Landtag gewählten FDP. Andere Zeitungen gehören Millionären. Wir gehören Menschen wie Ihnen. Die »nd.Genossenschaft« gehört ihren Leser*innen und Autor*innen. Sie sind es, die durch ihren Beitrag unseren Journalismus für alle zugänglich machen: Hinter uns steht kein Medienkonzern, kein großer Anzeigenkunde und auch kein Milliardär. Dank der Unterstützung unserer Community können wir: → unabhängig und kritisch berichten → Themen ins Licht rücken, die sonst im Schatten bleiben → Stimmen Raum geben, die oft zum Schweigen gebracht werden → Desinformation mit Fakten begegnen → linke Perspektiven stärken und vertiefen Mit »Freiwillig zahlen« tragen Sie solidarisch zur Finanzierung unserer Zeitung bei. Damit nd.bleibt.

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6. September
Wirtschaftswoche

Landtagswahl: Drei Gründe für den AfD-Wahlsieg

Landtagswahl: Drei Gründe für den AfD-Wahlsieg Ulrich Siegmund wollte Geschichte schreiben. Und er hat an diesem Abend Geschichte geschrieben. Auch wenn noch niemand weiß, wie sie ausgehen wird. Fast 45 Prozent hat die AfD mit ihrem Spitzenkandidaten in Sachsen-Anhalt erreicht. Getragen wurde die Partei von einer hohen Wahlbeteiligung und vielen ehemaligen Nichtwählern, die ihr ihre Stimme geschenkt haben – das Ergebnis ist das höchste in der knapp 13‑jährigen AfD‑Geschichte. Vielleicht genügt das für eine Alleinregierung in Magdeburg, den ersten blauen Ministerpräsidenten. Es ist in jedem Fall ein Triumph, wie ihn sich die Partei kaum strahlender hätte ausmalen können. Dieser Abend wird noch weit über Sachsen-Anhalt hinauswirken. Er dokumentiert den eklatanten Glaubwürdigkeitsverlust der Regierungsmaschine CDU im Allgemeinen und des Bundeskanzlers im Besonderen – auch und gerade wirtschafts- und sicherheitspolitisch. Er beweist den Absturz der ehemaligen Volkspartei SPD ins politische Prekariat. Letztlich die Stimm-, Ideen- und Kraftlosigkeit aller, die sich demokratische Mitte nennen. Manche Einschläge und Folgen werden sich schnell zeigen, andere Spannungen werden sich noch weiter aufbauen, bevor sie sich entladen. Sicher ist: Die große Koalition in Berlin steht an einem Kipppunkt. Die Gründe für den Sieg der AfD im ostdeutschen Bundesland liegen jedenfalls tiefer als nur in der konkreten Lage in Sachsen-Anhalt mit seinen knapp 1,7 Millionen Wahlberechtigten. Die Kräfte wirken im ganzen Land. Drei Erklärungsversuche. 1. Die Ratlosigkeit der Mitte Vor einigen Monaten hat Friedrich Merz sich über das Stadtbild beklagt. Der Kanzler hätte auch einfach sagen können, dass er keinen Sozialstaatsmissbrauch durch eingewanderte Bulgaren oder Rumänen mehr dulden möchte. Da hätten wohl die meisten genickt. Hat er aber nicht. Stattdessen degradierte er mal eben alle irgendwie anders als er aussehenden Menschen, die er stammtischlernd unter Flüchtlingen zusammenfasste, zum Problem. Der Stadtbildsatz war vielleicht typisch Merz. Vor allem war er natürlich ein Ausdruck von tiefer Hilf- und Ratlosigkeit. Merz hatte geglaubt, er könne die AfD kleinkriegen, wenn seine Regierung die ungesteuerte Zuwanderung in den Griff bekäme. Tatsächlich agiert Schwarz-Rot in der Migrationspolitik ziemlich konsequent, hat das Thema weitgehend von der Agenda genommen – aber die AfD ist trotzdem stark wie nie. Im Bund, und nun in Sachsen-Anhalt. Warum? Warum verdammt? Diese Frage stellen sich nicht nur der Kanzler und seine Strategen. Sie wird in allen Parteien der Mitte gewälzt – aber nirgendwo ist eine tragfähige Antwort in Sicht. Bisher ist weder programmatisch noch kommunikativ ein Kraut gegen die AfD gewachsen. Migrationssorgen allein liefern jedenfalls schon lange nicht mehr den einzigen Nährboden ihres Erfolges, so wie es bereits in den Anfangszeiten nie allein die Kritik am Euro war, die für Zulauf sorgte. Es finden sich zwar zig Reden von aufrichtig empörten Politikerinnen und Politikern der Mitte, man müsse die AfD inhaltlich stellen. Leider glauben viele noch immer, die Forderung selbst sei schon Stellen genug. Nein, ist es nicht – ebenso wenig wie die gut gemeinte, nachvollziehbare und ehrlich empfundene Empörung über braune Sümpfe und rechtsradikale Abgründe, die sich oft nur wenige Schritte hinter dem schneidigen Spitzenpersonal auftun. Diese Ratlosigkeit und Wirkungslosigkeit schonungslos anzuerkennen, wäre der erste Schritt hin zu erfolgreicheren Gegenstrategien. 2. Der Fatalismus der Wirtschaft Vor ein paar Tagen machte ein ostdeutscher Spitzenvertreter der Wirtschaft seiner Entgeisterung Luft. Grundlage seines unternehmerischen Erfolges seien Vielfalt und Weltoffenheit, begann er. Wie die AfD es schaffe, die Leute glauben zu machen, dass ihr angeblich so geliebtes Deutschland mit Einfalt und Abschottung erfolgreicher und wohlhabender werden könne – das ginge nicht in seinen Kopf. Das ist die eine Seite. Es gibt aber auch eine andere. Je weniger international und kleiner die Unternehmen, je abhängiger von der Stimmung zu Hause, desto überwältigender der Groll. Wobei Groll noch zu harmlos ausgedrückt ist: Der etablierten Politik schlägt in Teilen des Mittelstandes, insbesondere im Handwerk und im Gewerbe, mittlerweile eine Melange aus blankem Zorn, Häme und Verachtung entgegen. Einige – nicht die Mehrheit! – in der Wirtschaft erwarten von SPD, CDU, Grünen und Co. exakt nichts mehr. Sie unterstellen das Schlechteste. Für die einen ist es die jahrelange Tatenlosigkeit bei Steuerlast oder Sozialabgaben, die zu der Abkehr geführt hat, für andere aberwitzige Bürokratie. Man muss den Befund zur Kenntnis nehmen, wenn man ihn ändern will: Was da wächst, ist eine Sehnsucht nach klarer Kante, nach autoritärer Führung, hartem Durchgriff und einfachen Lösungen. Der Kompromiss gerät in Verruf. Die Demokratie erscheint schwächlich, gebrechlich – und in letzter Konsequenz überflüssig. Und diese Einstellung strahlt aus, frisst sich aus den Betrieben hinein in Familien, Vereine, Institutionen. 3. Das Ende der Zukunft Das verlockendste Gefühl, das die AfD in der Auslage anbietet, ist die Nostalgie nach einem Deutschland, das nie existierte. Was für eine politische Handwerksleistung der Umdeutung das bedeutet, muss man zunächst sacken lassen. Denn in vielerlei Hinsicht – und trotz drückender Jahre der konjunkturellen Tristesse und struktureller Probleme in Hülle und Fülle – ist die Bundesrepublik von heute das wohlhabendste, sicherste, offenste und chancenreichste Deutschland, das es je gab. Ja, viele Bürgerinnen und Bürger spüren das nicht (mehr). Richtig, viele würden wohl sogar ungläubig schnauben. Trotzdem ist es korrekt. Und die klaffende Grube zwischen Gefühl und Fakten ist ein fundamentaler Teil des Problems. Die AfD schafft es verlässlich, Tatsachen zum Verschwinden zu bringen und diese seltsam wohlig-ätzende Stimmung zu nähren, dass früher alles besser war. „Holen wir uns unser Land zurück“, hat Ulrich Siegmund im Wahlkampf oft in die Menge gerufen. Welches Land? Wer ist wir? Welche Zeit? Das hätte man gern zurückgefragt. Seine Masche funktionierte deshalb so gut, weil die Parteien der Mitte, die Bundesregierung zuallererst, bei der Aufgabe versagen, Lust auf Veränderung und Zukunft zu machen. Im Hier und Jetzt müssen die Dinge besser werden. Damit das Morgen wieder ein Versprechen wird. Lesen Sie auch: Wie konnte das passieren?

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6. September
Die Welt (Politik)

AfD holt in zwei Altersgruppen mehr als jede zweite Stimme – nur 5 Prozent der Jungen wählen CDU

AfD holt in zwei Altersgruppen mehr als jede zweite Stimme – nur 5 Prozent der Jungen wählen CDU Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt marschiert die AfD in fast allen Altersgruppen durch. Nur bei den Über-70-Jährigen liegt die CDU fast gleichauf. Die SPD wird von den Arbeitern massiv abgestraft. Der Überblick. Klicken Sie hier, um sich Artikel von WELT in der Google-Suche bevorzugt anzeigen zu lassen. Sachsen-Anhalt hat gewählt – und die Auszählung der Stimmen ist in vielerlei Hinsicht eine Zitterpartie. Die AfD kommt klar über 40 Prozent und steht möglicherweise vor einer Alleinregierung. Die CDU ist im Vergleich zur vergangenen Landtagswahl halbiert, Grüne und SPD bleiben stabil, die bislang mitregierende FDP fliegt raus. Und das BSW? Muss zittern. Doch wer wählte wen? Laut der Analyse von Infratest dimap lag die AfD in fast allen Altersgruppen auf Platz 1. Knapp ist es nur bei den Über-70-Jährigen, wo es ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen CDU (31 Prozent) und AfD (32 Prozent) gibt. Besonders deutlich setzte sich die AfD im Alterssegment der 35-44-Jährigen sowie der 45‑59-Jährigen ab – in beiden Gruppen bekam sie 53 Prozent aller Stimmen. Die CDU kommt bei den 35‑ bis 44-Jährigen gerade einmal auf 9 Prozent, die Grünen sind in dieser Gruppe mit 12 Prozent sogar zweitstärkste Partei. Auffällig ist: Je älter die Wählergruppe, desto höher ist die Zustimmung zur CDU. Bei den besonders jungen Wählern (18-24 Jahre) rangiert die Partei gerade einmal an der 5-Prozent-Marke. Stark ist in diesem Segment abermals die AfD (42 Prozent), aber auch die Linkspartei (18 Prozent). Das passt zum Trend der vergangenen Bundestagswahl, wo Erstwähler besonders häufig an den politischen Rändern gewählt haben. Auch die Grünen punkten vor allem in den jüngeren Altersgruppen, bei den Über-70-Jährigen sind es nur 5 Prozent. Wie die verschiedenen Berufsgruppen wählten Legt man den Blick auf die Wahlentscheidungen unter verschiedenen Berufsgruppen, ist der Wahlsieger AfD besonders bei den Arbeitern stark. Dort kommt die Partei auf 61 Prozent der Stimmen und liegt mit weitem Abstand vor allen anderen Parteien. Ausgerechnet die einst stolze Arbeiterpartei SPD ist hier meilenweit abgehängt und landet hinter CDU (10 Prozent), Linkspartei (7 Prozent) und BSW (6 Prozent) und gleichauf mit den Grünen (5 Prozent). Bei den Selbstständigen wählte jeder Zweite die AfD, die CDU kommt in dieser Gruppe auf 19 Prozent und die Grünen auf 14 Prozent. Hier hatte die in den Wahlergebnissen abgehängte FDP noch den ehesten Kontakt zur 5-Prozent-Hürde. Auch bei den Angestellten liegt die AfD mit 46 Prozent weit vor allen anderen Parteien. Unter den anderen Parteien kristallisierte sich dort keine weitere klare Präferenz der Wähler heraus – die CDU kommt auf 13 Prozent, die Grünen auf 12 Prozent, die Linkspartei auf 10 Prozent. AfD bei Frauen unbeliebter Ein Blick noch auf das Wahlverhalten nach Geschlechtern: Wie schon bei vorherigen Wahlen ist die AfD bei Männern (50 Prozent) beliebter als bei Frauen (39 Prozent). Bei Frauen schneiden alle Parteien außer AfD und FDP besser ab als bei den Männern. SPD, Grüne und Linke sind maximal zwei Prozentpunkte stärker als bei den Männern, die CDU dagegen vier.

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6. September
FAZ (Politik)

Landtagswahl Sachsen-Anhalt 2026: So hat Sachsen-Anhalt gewählt

So hat Sachsen-Anhalt gewählt In den Tagen vor der Wahl hat die AfD immer wieder betont, dass sie allein regieren will. Die Partei wolle keine Koalition eingehen, weil sie sonst ihr versprochenes Programm nicht umsetzen könne, ließ AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund mehrfach wissen. Auch nach der Wahl bekräftigte er, dass eine AfD-Minderheitsregierung nicht in Frage komme. Eine Zusammenarbeit mit der AfD haben aber alle anderen Parteien vor der Wahl ausgeschlossen. Nur das BSW bot an, mit der AfD eine „überparteiliche Expertenregierung“ einzusetzen. Will die CDU trotz ihres Absturzes in der Wählergunst weiter regieren, brauchte sie viele Partner. Jeder Wähler in Sachsen-Anhalt hatte zwei Stimmen. Mit der Erststimme wurde in 41 Wahlkreisen ein Kandidat direkt in das Landesparlament gewählt. Mit der Zweitstimme wählten die Wahlberechtigten eine Partei und bestimmten so über die Verteilung der Mandate. Nach jeder Wahl blicken die Parteien auf die Wählerwanderung. An wen haben sie Wähler verloren, von woher haben sie Wähler gewonnen? Daraus versuchen sie Schlüsse zu ziehen und überlegen, wie sie möglicherweise ihren Kurs ändern müssen. Etwa 1,69 Millionen Bürger durften in Sachsen-Anhalt ihre Stimme abgeben. Ende vergangenen Jahres lebten rund 2,12 Millionen Menschen in dem Land. Bei der Landtagswahl 2021 lag die Wahlbeteiligung bei 60,3 Prozent. Bei der Bundestagswahl 2025 wählten 77,7 Prozent der Sachsen-Anhalter – ein Rekord. Bei Landtagswahlen ist die Wahlbeteiligung traditionell niedriger als bei Bundestagswahlen, aber diesmal nahmen ungefähr genauso viele Bürger an der Landtagswahl teil. Bisher hatte die CDU Sachsen-Anhalt fest im Griff – 37,1 Prozent der Stimmen holte die Partei bei der Wahl 2021, seit 2002 stellt sie durchgehend den Ministerpräsidenten. Sven Schulze regierte zuletzt in Magdeburg in einer Deutschland-Koalition mit den Juniorpartnern SPD und FDP. Die Sozialdemokraten hatten in der vergangenen Landtagswahl 8,4 Prozent geholt, die Liberalen 6,4 Prozent. Schulze hat das Amt erst im Januar von Reiner Haseloff übernommen. Dieser hatte 2021 ein überraschend gutes Ergebnis für die CDU geholt. Damals war ein Kopf-an-Kopf-Rennen der Christdemokraten mit der AfD vorausgesagt worden – was offenbar viele Wähler in der Wahlkabine dazu brachte, ihr Kreuz bei der CDU zu machen, um die AfD als stärkste Kraft zu verhindern. Das Regieren wird in jedem Falle schwierig werden: Sachsen-Anhalts Kassen sind leer. Das Land hat einen Schuldenstand von knapp 25 Milliarden Euro. Die Pro-Kopf-Verschuldung der Landesebene liegt bei rund 11.500 Euro. Kein anderes ostdeutsches Land weist eine höhere Pro-Kopf-Verschuldung auf.

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6. September
FAZ (Politik)

Wahl in Sachsen-Anhalt: AfD siegt haushoch – Siegmund schließt Minderheitsregierung aus

Wahl in Sachsen-Anhalt : AfD siegt haushoch – Siegmund schließt Minderheitsregierung aus Die AfD hat in Sachsen-Anhalt das beste Ergebnis ihrer Geschichte eingefahren, könnte eine absolute Mehrheit aber knapp verfehlen. Die CDU von Ministerpräsident Sven Schulze verliert dramatisch. Die vom Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestufte AfD hat ihr Ergebnis in Sachsen-Anhalt im Vergleich zur Wahl vor fünf Jahren Hochrechnungen zufolge mehr als verdoppelt. Damals war sie auf 20,8 Prozent gekommen. Nun sehen ARD und ZDF die Partei bei mindestens 44 Prozent der Stimmen. Die absolute Mehrheit der Mandate könnte die AfD dennoch knapp verfehlen. „Das ist ein historisches Ergebnis, und es ist ein ganz klarer Regierungsauftrag“, sagte Parteichefin Alice Weidel im ZDF. Spitzenkandidat Ulrich Siegmund schloss eine Minderheitsregierung unter seiner Führung aus. „Wir möchten uns nicht verbiegen für irgendwelche Machtoptionen“, sagte er im ZDF. CDU stürzt ab – BSW könnte an Fünfprozenthürde scheitern Die bislang regierende CDU kommt zwar auf Platz zwei, fährt aber ihr historisch schlechtestes Ergebnis in Sachsen-Anhalt ein. Im Vergleich zur Wahl 2021 haben die Wähler ihr Ergebnis laut den Hochrechnungen halbiert. Ministerpräsident und Spitzenkandidat Sven Schulze gratulierte der AfD. „Der Wahlsieger, die AfD, ist jetzt stärkste Kraft im Landtag von Sachsen-Anhalt, und wir werden auch als CDU mit diesem Ergebnis umgehen müssen“, sagte er auf der Wahlparty seiner Partei in Magdeburg. Die bisherige Landesregierung aus CDU, SPD und FDP kommt nicht mehr in die Nähe einer Mehrheit. Während die SPD ihr Ergebnis von vor fünf Jahren halten konnte, verpasste die FDP hat den Einzug in den Landtag deutlich. Auch das BSW muss den Hochrechnungen zufolge um den Einzug ins Parlament bangen – unter anderem davon dürfte abhängen, ob es für eine absolute Mehrheit der Mandate für die AfD reicht. Sollte die AfD diese verfehlen, wäre sie auf Bündnispartner angewiesen, um an die Regierung zu kommen. Das BSW warb auch am Wahlabend für einen „überparteilichen Ministerpräsidenten“, der mit wechselnden Mehrheiten unter Einbindung der AfD regiert. „Ich glaube, dass die Wahrscheinlichkeit für unser Modell an diesem Wahlabend deutlich gestiegen ist“, sagte BSW-Chefin Amira Mohamed Ali in der ARD. Sollten die anderen Parteien das nicht mittragen, könnte sich das BSW – sofern CDU, SPD, Grüne und Linke gemeinsam weniger Stimmen haben als die AfD – bei der Wahl eines Ministerpräsidenten im dritten Wahlgang enthalten, was Siegmund den Weg ebnen könnte. Im Landtag vertreten sein werden Linke und Grüne – wobei die Grünen deutlich besser abgeschnitten haben, als etliche Umfragen hatten erwarten lassen. „Viele hatten Bündnis 90/Die Grünen als gesamtdeutsche Partei abgeschrieben. Und aller Voraussicht nach wird das heute das beste Wahlergebnis in der Geschichte von Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt sein“, sagte der Grünen-Parteichef Felix Banaszak im ZDF. Sollte die AfD keine absolute Mehrheit der Stimmen im Landtag erringen, könnte die CDU versuchen, eine Mehrheit gegen sie zu organisieren – müsste dafür allerdings auch die Linkspartei einbinden. Das hatte schon vor der Wahl innerhalb der CDU für Streit gesorgt. Am Abend zeigte sich die Linke gesprächsbereit. „Wir standen schon vor dem Wahltag dazu bereit“, sagte Spitzenkandidatin Eva von Angern in der ARD. „Wir wollen diese Demokratie verteidigen.“ Zugleich kritisierte sie die CDU stark. Der Landtagswahlkampf sei enorm von bundespolitischen Themen geprägt gewesen. „Die CDU hat die AfD auch so stark gemacht.“ Klingbeil stellt Reformkurs infrage Auf Bundesebene wird es nach Angaben von CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann keine Diskussionen über CDU-Chef und Kanzler Friedrich Merz geben. Das habe überhaupt nicht zur Debatte gestanden, sagte Hoppermann in der ARD. Ähnlich äußerte sich der Fraktionsvorsitzende der Union, Thorsten Frei (CDU). „Es ist, glaube ich, in dieser Situation ganz wichtig, dass wir insgesamt stabil sind und stabil bleiben“, sagte er in der ARD. Man werde sich nun mit der Frage auseinandersetzen müssen, warum die CDU nicht die Zustimmung bekomme, die sie sich wünsche. Das gelte „im Grunde genommen für die ganze Bundesregierung“. Auch der SPD-Vorsitzende und Vizekanzler Lars Klingbeil sieht in dem Ergebnis ein „Signal an Berlin“. „Das ist ein Grund, nachzudenken über den Reformkurs der Bundesregierung“, sagte er im ZDF. In Sachsen-Anhalt waren knapp 1,7 Millionen Wahlberechtigte zur Stimmabgabe aufgerufen. Die Wahlbeteiligung lag ersten Hochrechnungen zufolge bei knapp 80 Prozent – und damit deutlich höher als 2021. Damals lag sie bei 60,3 Prozent. Die erste Sitzung des neuen Landtags muss spätestens am 30. Tag nach der Wahl stattfinden. Das ist der 6. Oktober. Dann enden auch die Amtszeiten der Minister und des Regierungschefs. Sie sind aber laut Verfassung verpflichtet, die Geschäfte weiterzuführen, bis die Nachfolger übernehmen. Es gibt keine Frist, bis wann ein neuer Regierungschef gewählt sein muss, aber Fristen für mögliche weitere Wahlgänge, sollten der erste und weitere scheitern.

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6. September
Der Spiegel (Politik)

Landtagswahl Sachsen-Anhalt: »Das ist Demokratie« – CDU-Spitzenkandidat Schulze kommentiert AfD-Sieg

Reaktionen auf die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt »Das ist Demokratie« – CDU-Ministerpräsident Schulze kommentiert AfD-Sieg Sachsen-Anhalts amtierender Ministerpräsident Sven Schulze hat der AfD zum Wahlsieg gratuliert. Man habe sich »in jeder Hinsicht ein besseres Ergebnis gewünscht«, sagte er in der ARD. Es sei ein extrem harter Wahlkampf gewesen, den es in dieser Art noch nie gegeben habe. »Manche sagen, das wäre ein schwarzer Tag für Sachsen-Anhalt. Ich sage: Das ist Demokratie. Und die Menschen sind heute zur Wahl gegangen.« Laut ersten Hochrechnungen der ARD verdoppelt die AfD ihr Ergebnis und kommt auf 44,4 Prozent (ZDF: 44,4 Prozent). Die CDU liegt mit 18,4 Prozent (ZDF: 18,2 Prozent) weit dahinter. Außerdem schaffen es Linke, Grüne und SPD in den Landtag. Das BSW kratzt an der Fünfprozenthürde. Lesen Sie hier alle Entwicklungen zur Wahl im SPIEGEL-Newsblog . Höcke rechnet mit absoluter Mehrheit – trotz gegenteiliger Hochrechnungen AfD-Co-Chef Tino Chrupalla äußerte sich im ZDF zuversichtlich. Spitzenkandidat Ulrich Siegmund sei »ganz klar gewählt«: »Er wird Ministerpräsident, und ich denke, das haben ja heute alle anderen Parteien auch begriffen.« Sollte es nicht für eine absolute Mehrheit reichen, sei man »gesprächsbereit« und werde »allen die Hand ausstrecken, die es gut mit Sachsen-Anhalt meinen und auch mit Deutschland«. Parteikollege Björn Höcke sprach von einem »historischen Sieg« und lobte Siegmund als charismatisch. Das Ergebnis werde sich ihm zufolge noch ändern: »Ich bin mir sicher, wir gehen heute noch in die absolute Mehrheit.« Die Mehrheitsverhältnisse sind kompliziert und hängen unter anderem davon ab, ob das BSW in den Landtag einzieht. Es könnte die Koalitionsbildung erleichtern, wenn CDU und Linke zusammenarbeiten würden – das schließen die Christdemokraten aber weiterhin aus. »Unsere Linien sind da klar. Es wird da keine Zusammenarbeit mit Linksextremen und Rechtsextremen geben«, sagte Generalsekretärin Franziska Hoppermann nach den ersten Hochrechnungen. Die Linke wiederum würde laut eigener Aussage CDU-Mann Sven Schulze zum Ministerpräsidenten wählen, sofern es die Mehrheitsverhältnisse zulassen. Man habe vor der Wahl dazu bereitgestanden, sagte Linken-Spitzenkandidatin Eva von Angern in der ARD. »Wir wollen diese Demokratie verteidigen, sie schützt Minderheiten, deswegen ist sie so wertvoll.« Klingbeil kündigt »Nachdenken« auf Bundesebene an Bei Vertretern von SPD und Bündnis 90/Grünen mischt sich unter Enttäuschung auch Erleichterung, nachdem ihre Parteien trotz zwischenzeitlich knapper Umfragewerte in den Landtag einziehen. Die Spitzenkandidatin der Grünen, Susan Sziborra-Seidlitz, führt den absehbar hohen Stimmenanteil für die eigene Partei unter anderem auf den Hitzesommer zurück. »In jeder einzelnen Hitzephase dieses Sommers lag der heißeste Ort in Sachsen-Anhalt«, sagte sie. SPD-Chef Lars Klingbeil hält das Ergebnis seiner Partei für »stabil« – sieht im Ausgang der Landtagswahl aber »auch ein Signal an Berlin«. Man werde über die Politik und den Reformkurs der Bundesregierung nachdenken, sagte er im ZDF. Der Abend sei eine Zäsur.

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6. September
Der Spiegel (Politik)

Sachsen-Anhalt Wahl: Sven Schulze kommentiert AfD-Sieg – »Das ist Demokratie«

Reaktionen auf die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt »Das ist Demokratie« – CDU-Ministerpräsident Schulze kommentiert AfD-Sieg Sachsen-Anhalts amtierender Ministerpräsident Sven Schulze hat der AfD zum Wahlsieg gratuliert. Man habe sich »in jeder Hinsicht ein besseres Ergebnis gewünscht«, sagte er in der ARD. Es sei ein extrem harter Wahlkampf gewesen, den es in dieser Art noch nie gegeben habe. »Manche sagen, das wäre ein schwarzer Tag für Sachsen-Anhalt. Ich sage: Das ist Demokratie. Und die Menschen sind heute zur Wahl gegangen.« Laut ersten Hochrechnungen der ARD verdoppelt die AfD ihr Ergebnis und kommt auf 44,4 Prozent (ZDF: 44,4 Prozent). Die CDU liegt mit 18,4 Prozent (ZDF: 18,2 Prozent) weit dahinter. Außerdem schaffen es Linke, Grüne und SPD in den Landtag. Das BSW kratzt an der Fünfprozenthürde. Lesen Sie hier alle Entwicklungen zur Wahl im SPIEGEL-Newsblog . Höcke rechnet mit absoluter Mehrheit – trotz gegenteiliger Hochrechnungen AfD-Co-Chef Tino Chrupalla äußerte sich im ZDF zuversichtlich. Spitzenkandidat Ulrich Siegmund sei »ganz klar gewählt«: »Er wird Ministerpräsident, und ich denke, das haben ja heute alle anderen Parteien auch begriffen.« Sollte es nicht für eine absolute Mehrheit reichen, sei man »gesprächsbereit« und werde »allen die Hand ausstrecken, die es gut mit Sachsen-Anhalt meinen und auch mit Deutschland«. Parteikollege Björn Höcke sprach von einem »historischen Sieg« und lobte Siegmund als charismatisch. Das Ergebnis werde sich ihm zufolge noch ändern: »Ich bin mir sicher, wir gehen heute noch in die absolute Mehrheit.« Die Mehrheitsverhältnisse sind kompliziert und hängen unter anderem davon ab, ob das BSW in den Landtag einzieht. Es könnte die Koalitionsbildung erleichtern, wenn CDU und Linke zusammenarbeiten würden – das schließen die Christdemokraten aber weiterhin aus. »Unsere Linien sind da klar. Es wird da keine Zusammenarbeit mit Linksextremen und Rechtsextremen geben«, sagte Generalsekretärin Franziska Hoppermann nach den ersten Hochrechnungen. Die Linke wiederum würde laut eigener Aussage CDU-Mann Sven Schulze zum Ministerpräsidenten wählen, sofern es die Mehrheitsverhältnisse zulassen. Man habe vor der Wahl dazu bereitgestanden, sagte Linken-Spitzenkandidatin Eva von Angern in der ARD. »Wir wollen diese Demokratie verteidigen, sie schützt Minderheiten, deswegen ist sie so wertvoll.« Klingbeil kündigt »Nachdenken« auf Bundesebene an Bei Vertretern von SPD und Bündnis 90/Grünen mischt sich unter Enttäuschung auch Erleichterung, nachdem ihre Parteien trotz zwischenzeitlich knapper Umfragewerte in den Landtag einziehen. Die Spitzenkandidatin der Grünen, Susan Sziborra-Seidlitz, führt den absehbar hohen Stimmenanteil für die eigene Partei unter anderem auf den Hitzesommer zurück. »In jeder einzelnen Hitzephase dieses Sommers lag der heißeste Ort in Sachsen-Anhalt«, sagte sie. SPD-Chef Lars Klingbeil hält das Ergebnis seiner Partei für »stabil« – sieht im Ausgang der Landtagswahl aber »auch ein Signal an Berlin«. Man werde über die Politik und den Reformkurs der Bundesregierung nachdenken, sagte er im ZDF. Der Abend sei eine Zäsur.

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6. September
Wirtschaftswoche

Landtagswahl 2026: AfD-Triumph in Sachsen-Anhalt – schwierige Regierungsbildung

Landtagswahl 2026: AfD-Triumph in Sachsen-Anhalt – schwierige Regierungsbildung Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt liegt die AfD mit Spitzenkandidat Ulrich Siegmund mit weitem Abstand vorn. Nach den Hochrechnungen von ARD und ZDF landet die CDU von Ministerpräsident Sven Schulze mit immensen Verlusten auf Platz zwei. Die AfD-Bundesspitze sieht für ihre Partei den Auftrag zur Regierungsbildung, für eine Alleinregierung reicht es laut Hochrechnungen aber nicht. Die Linke büßt demnach Stimmen ein. Die Grünen gewinnen deutlich hinzu, die SPD hält etwa ihren Stimmenanteil. Damit deutet sich eine komplizierte Regierungsbildung an. Der Einzug des BSW in den Landtag steht auf der Kippe. Den Hochrechnungen zufolge kann die vom Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestufte AfD ihren Stimmenanteil auf 44,3 bis 44,4 Prozent (2021: 20,8 Prozent) mehr als verdoppeln. Die CDU halbiert etwa ihren Stimmenanteil und steuert mit 18,3 bis 18,4 Prozent (37,1 Prozent) auf ihr schlechtestes Ergebnis bei einer Landtagswahl in Sachsen-Anhalt zu. Die Linke erhält 9,2 bis 9,3 Prozent (11 Prozent). Die Grünen liegen bei 8,7 Prozent (5,9 Prozent), es wäre das beste Ergebnis bei einer Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Die SPD kommt auf 8,4 bis 8,7 Prozent (8,4 Prozent). Die FDP fliegt mit 2,2 bis 2,4 Prozent (6,4 Prozent) aus dem Parlament. Das Bündnis Sahra Wagenknecht steht bei 4,8 bis 5 Prozent. Den Hochrechnungen zufolge erhält die AfD 39 bis 41 Sitze im Landtag (2021: 23), die CDU 16 bis 17 (40). Die Linke kommt auf 8 bis 9 Mandate (12), die SPD auf 7 bis 8 (9) und die Grünen auf 8 (6). Das BSW erhält laut ARD-Hochrechnung 5 Mandate. Die Wahlbeteiligung liegt laut ZDF-Zahlen bei 78 Prozent (2021: 60,3 Prozent) – ein Rekordwert. Knapp 1,7 Millionen Wahlberechtigte durften abstimmen. Schwarz-rot-gelbe Regierungskoalition am Ende Eine Neuauflage der bisher in Sachsen-Anhalt regierenden Koalition aus CDU, SPD und FDP ist damit ausgeschlossen. Es war das einzige derartige Bündnis auf Landesebene. Wahrscheinlich ist allerdings, dass die Regierung ihre Amtsgeschäfte noch eine Weile weiterführen wird, denn die Gespräche zur Bildung einer neuen Koalition dürften schwierig werden. Die AfD strebt eine Alleinregierung an – dafür reichen die Stimmen laut Prognosen aber nicht. Gleichwohl wäre es das beste Ergebnis der Partei bei einer Landtagswahl. Stärkste Kraft war sie bei einer Landtagswahl schon einmal: 2024 in Thüringen. Von den übrigen Parteien will in Sachsen-Anhalt keine mit der AfD koalieren. Spitzenkandidat Siegmund hatte vor der Wahl eine Minderheitsregierung unter seiner Führung ausgeschlossen. Eine Minderheitsregierung könnte auch von der CDU geführt werden. Spitzenkandidat Schulze wäre dafür allerdings unter anderem auf Stimmen der Linken angewiesen – ähnlich wie in Sachsen und Thüringen. In seiner Partei gibt es auch Mitglieder, die sich für wechselnde Mehrheiten aussprechen – also auch unter Einbeziehung der AfD. Das dürfte die Linke aber nicht akzeptieren. Eine Koalition oder vergleichbare Formen der Zusammenarbeit lehnt die CDU laut Bundesparteitagsbeschluss sowohl mit der Linken als auch der AfD für sich ab. Die Linie wird auch als „Brandmauer“ bezeichnet. Jubel bei der AfD, CDU enttäuscht Bei der AfD gab es am Wahlabend Jubel. „Wir haben genau das geschafft, was wir schaffen wollten“, sagte Spitzenkandidat Siegmund nach Bekanntgabe der Prognosen in Magdeburg. „Wir haben in diesem Land Geschichte geschrieben.“ AfD-Co-Bundeschefin Alice Weidel sprach von einem „ganz klaren Regierungsauftrag“. CDU-Spitzenkandidat Schulze gestand das Scheitern seiner Partei ein. „Es ist für uns eine Niederlage“, sagte er. „Zuallererst möchte ich dem Wahlsieger gratulieren“, sagte der Ministerpräsident an die Adresse der AfD. CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann bezeichnete die massiven Wahlverluste ihrer Partei als „sehr schweres Ergebnis“. „Uns gelingt es im Moment offensichtlich nicht ausreichend, die Menschen emotional so zu erreichen, dass sie uns auf unserem politischen Reformkurs folgen.“ Grüne freuen sich, SPD erleichtert SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf zeigte sich erfreut über das Abschneiden seiner Partei. Die SPD habe den Einzug in den Landtag „sehr, sehr stabil geschafft“, sagte er in der ARD. Das sei ein Zeichen, dass mit der SPD zu rechnen sei. Der Grünen-Bundesvorsitzende Felix Banaszak sagte zu den Zuwächsen seiner Partei, viele hätten die Grünen schon abgeschrieben, nun holten sie aller Voraussicht nach das beste Ergebnis in der Geschichte von Sachsen-Anhalt bei einer Landtagswahl. „Das erfüllt mich mit Freude und mit Stolz.“ Linken-Bundeschefin Ines Schwerdtner nannte das Ziel, die AfD von der Regierungsmacht fernzuhalten. „Es liegt bei der CDU, zu sagen: Wer übernimmt jetzt die Verantwortung“, sagte Schwerdtner mit Blick auf eine mögliche künftige Regierung mit Unterstützung der Linken. Die AfD dürfe nicht an die Schalthebel kommen. BSW-Chefin Amira Mohamed Ali zeigt sich erfreut, der FDP-Bundesvorsitzende Wolfgang Kubicki hingegen enttäuscht. „Das ist nicht das Ergebnis, das wir uns gewünscht haben“, schrieb Kubicki auf X. Amtsinhaber Schulze und Herausforderer Siegmund Schulze ist erst seit Januar dieses Jahres Regierungschef. Sein Vorgänger Reiner Haseloff (CDU) war nach rund 15 Jahren zurückgetreten, um ihm als Nachfolger den Weg zu ebnen. Der 47-jährige Wirtschaftsingenieur und dreifacher Vater Schulze konnte damit nicht im gleichen Maße vom Amtsinhaberbonus profitieren wie ein langjähriger Regierungschef. Im Wahlkampf hatte er es nicht leicht gegen seinen härtesten Konkurrenten, AfD-Spitzenkandidat Siegmund. Der 35-Jährige wurde bei vielen seiner Auftritte gefeiert wie ein Popstar. Extreme Positionen aus dem AfD-Wahlprogramm stellte er teils als harmlos dar. Aufmerksamkeit für die Wahl im Bund und im Ausland Zwar leben in Sachsen-Anhalt nur gut drei Prozent der Wahlberechtigten ganz Deutschlands. Trotzdem war das bundesweite und internationale Interesse an einer Landtagswahl selten so groß wie diesmal. Grund ist die Frage, ob erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik eine als rechtsextremistisch eingestufte Partei auf Landesebene an die Macht kommt. In zwei Wochen – am 20. September – folgen zwei weitere Landtagswahlen in Ostdeutschland: in Mecklenburg-Vorpommern und im Land Berlin. Die drei Abstimmungen könnten die schwarz-rote Koalition im Bund kräftig durchschütteln. Haben Kanzler und CDU-Chef Friedrich Merz sowie die SPD-Chefs Bärbel Bas und Lars Klingbeil noch genug Rückhalt in den eigenen Reihen? Reicht der Koalitions-Kitt, um im Herbst wie geplant schwierige Reformen zu Rente, Einkommensteuer und Krankschreibungen zu beschließen? Wie geht es weiter? Die erste Sitzung des neuen Landtages muss spätestens am 30. Tag nach der Wahl stattfinden, das ist der 6. Oktober. Dann enden auch die Amtszeiten der Minister und des Regierungschefs. Sie alle sind aber laut Verfassung verpflichtet, die Geschäfte weiterzuführen, bis die Nachfolger übernehmen. Es gibt keine Frist, bis wann ein neuer Regierungschef gewählt sein muss – aber wenn der erste Wahlgang angesetzt ist und scheitert, greifen Fristen für mögliche weitere Wahlgänge. Der Landtag hat regulär 83 Sitze, durch Ausgleichs- und Überhangmandate saßen in der abgelaufenen Legislaturperiode aber 97 Abgeordnete im Parlament. Lesen Sie auch: Was passiert, wenn die AfD gewinnt

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6. September
Wirtschaftswoche

Landtagswahl: „Dieses Ergebnis könnte eine Welle in Europa lostreten“

Landtagswahl: „Dieses Ergebnis könnte eine Welle in Europa lostreten“ WirtschaftsWoche: Herr Wildegger, die Wahllokale sind dicht, erste Prognosen bestätigen das Bild der Umfragen aus den vergangenen Wochen: Die AfD liegt derzeit bei über 40 Prozent. Ob es für eine absolute Mehrheit reicht, ist noch nicht klar. Was war Ihre erste Reaktion auf diese Zahl? Georg Wildegger: Ich war alles andere als erfreut. Ich habe gehofft, dass die zahlreichen Appelle von verschiedenen Seiten an die Wähler doch etwas fruchten, doch das Gegenteil ist eingetreten. Die Wahlbeteiligung war extrem hoch, auch zugunsten der AfD. Vor der Wahl haben Sie von einem „Kipppunkt“ bei einem Wahlerfolg der AfD gesprochen. Ist der jetzt erreicht? Aus meiner Sicht liegt der Auftrag, eine Regierung zu bilden, zahlenmäßig jetzt bei der Partei. Das ist Demokratie. Ich kann mir bei diesem Ergebnis nicht vorstellen, dass die anderen Parteien eine stabile Regierung gegen die AfD bilden können. Aber der Kipppunkt hängt auch davon ab, was die AfD künftig konkret durchsetzt. Sie wäre nicht die erste Partei, die im Nachhinein anders handelt als im Wahlkampf angekündigt. Sie haben auch gesagt, dass das Wahlprogramm der AfD Gift für die Wirtschaft wäre, sollte es zur Realität werden. Der Injektion dieses Gifts sind wir heute zumindest einen Schritt näher gekommen. Wo sehen Sie als Unternehmer jetzt die größten Gefahren für den gesamten Wirtschaftsstandort? Wir haben eigentlich einen stabilen Währungsraum, der viele Vorteile für viele Unternehmen bietet. Doch dieses Ergebnis könnte eine Welle in Europa lostreten. Vielleicht noch nicht morgen, aber es gibt in mehreren europäischen Ländern Parteien, die die EU und den Euro ablehnen – und die bekommen durch Tage wie heute zusätzlichen Auftrieb, mit möglicherweise nachhaltig negativen Auswirkungen für Unternehmen. Aber als geborener Optimist sage ich auch: Orban ist in Ungarn wieder abgewählt worden und in Polen gab es auch einen Wechsel zu Donald Tusk. Wie könnte dieser politische Paradigmenwechsel Ihr eigenes Unternehmen konkret treffen? Ich kann mir vorstellen, dass sich die ersten Auswirkungen bei uns im Personalbereich zeigen. Gute, hochqualifizierte Talente aus anderen Regionen Deutschlands oder dem Ausland, die es mit dem Thema Weltoffenheit anders halten als die AfD, schauen nun womöglich noch skeptischer auf Sachsen-Anhalt – und bewerben sich seltener. Viele Experten zeichneten im Vorfeld der Wahl dunkle Szenarien: Fachkräfte könnten fernbleiben, dadurch Wertschöpfung und Wohlstand verloren gehen. Dabei hat Sachsen-Anhalt das größte Demografie-Problem Deutschlands und ist dringend auf Menschen aus dem Ausland angewiesen… …zum Beispiel im Pflegebereich. Ich bin natürlich nicht genau in den Rekrutierungsprozess von Altersheimen oder Krankenhäusern involviert. Aber auch ich weiß: In solchen Einrichtungen ist der Anteil ausländischer Fachkräfte in Sachsen-Anhalt schon heute sehr hoch. Und wir werden in Zukunft eher mehr als weniger davon brauchen. Ob die unter diesen Umständen noch zahlreich kommen, weiß ich nicht. Erfahrungsgemäß ist die AfD in ländlichen Regionen durchschnittlich noch stärker. Und wenn künftig in einem Pflegeheim oder Krankenhaus in so einer Region mal eine Abteilung schließen muss, weil schlicht nicht mehr genug Beschäftigte da sind, weil sie nicht mehr willkommen sind, bin ich sehr gespannt, was die jeweiligen AfD-Vertreter dann tun möchten. Schon nach der vergangenen Bundestagswahl haben zwei größere Auslandskunden bei Ihnen angerufen und gefragt, ob sie überhaupt noch Waren von Addinol beziehen können, wenn es so weitergeht in Deutschland. Was sagen Sie, wenn das Telefon schon bald wieder klingelt? Mir würde nicht viel mehr übrig bleiben, als trotzdem zu versichern, dass wir uns weiterhin auf die Weiterentwicklung unserer Produkte und unseres Service konzentrieren und alles dafür tun werden, damit unsere Kunden mit unserer Arbeit zufrieden sind. Sie haben sich vor der Wahl vor die Belegschaft gestellt und daran appelliert, sich die Wahl gut zu überlegen und Parteien der demokratischen Mitte zu wählen. Werden Sie das bald wiederholen? Ich stehe und rede oft vor der Belegschaft. Neulich habe ich aber zum ersten Mal zu einem politischen Thema Stellung bezogen und eine klare Aufforderung formuliert. Das will ich nicht bei jeder Betriebsversammlung machen, zumal meine Stellungnahme, wenn man sich das Ergebnis anschaut, offenbar wenig bewirkt hat. Aber dennoch: Wenn mich jemand aus der Belegschaft danach fragt, werde ich auch wieder politisch Stellung beziehen. Lesen Sie auch: Wie konnte das passieren?

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6. September
taz (Öko & Co)

Wahlen in Sachsen-Anhalt: Eine Zäsur auch ohne absolute Mehrheit

Wahlen in Sachsen-Anhalt : Eine Zäsur auch ohne absolute Mehrheit Nach dem deutlichen Votum für die AfD in Sachsen-Anhalt braucht es andere, neue Antworten. Demokratische Kräfte müssen jetzt zusammenhalten. S ie haben alles versucht. Sie haben sich vernetzt wie nie zuvor. Sie haben unzählige Veranstaltungen organisiert. Sie waren laut, bunt und hoffnungsvoll. Dass die AfD aus dieser Wahl zwar eindeutig mit den meisten Prozentpunkten, aber dennoch wohl nicht mit der absoluten Mehrheit hervorgeht, ist dem Engagement der Zivilgesellschaft in Sachsen-Anhalt zu verdanken. Allein am Samstag kamen in Magdeburg über 10.000 Menschen zusammen, der ganze Sommer war geprägt von unzähligen Aktionen der vielen Engagierten im Land. Zu diesen zählen auch die Wahlkämpfer*innen der demokratischen Parteien. Rückenwind bekamen sie dabei von Initiativen wie „Taktisch wählen“, die an über 30.000 Wohnungstüren den Blick auf SPD und Grünen stärkten. Diese Initiativen waren wichtig, denn entschieden wird im Parlament. Ein offenes Gespräch auf dem Dorfplatz ist für das Leben miteinander wichtig, niemand in Ostdeutschland kann es sich leisten, AfD-Wähler*innen verloren zu geben. Aber wenn diejenigen, die dort nett gesprochen haben, danach weiterhin die AfD wählen, ist die parlamentarische Demokratie weiterhin in Gefahr. Und machen wir uns nichts vor: Die Gefahr ist mit dieser Wahl noch größer geworden. Diese Wahl ist eine Zäsur. Und 80 Prozent der Wahlberechtigten haben sich daran beteiligt. So viele wie noch nie. Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten linken Meinungsspektrums. Seit Gründung der AfD kennt ihre Kurve mit wenigen Unterbrechungen nur eine Richtung – nach oben. Deshalb geht diese Wahl alle etwas an. Niemand sollte noch glauben, die AfD mit den bekannten Antworten aufhalten zu können. Wenn alle so weitermachen wie bisher, wird sich dieser Trend einfach fortsetzen. Wir wissen offenkundig nicht, was gegen die AfD hilft. Weder ist es das Kopieren der Politik der AfD noch der x-te Erklärungsversuch, dass das Programm der AfD im Widerspruch zu den Interessen ihrer Wähler*innen stehe. Nach den Wahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern droht erstmals eine AfD-Regierung. Die taz berichtet, was auf dem Spiel steht – und wer jetzt die Demokratie verteidigt. Alle Texte zur Serie finden Sie hier. Dünne Luft braucht neue Antworten Was wären andere, neue Antworten auf die AfD? Vielleicht sind Spuren bereits sichtbar. In Sachsen trifft sich Ministerpräsident Michael Kretschmer, CDU, mittlerweile regelmäßig mit Vertreter*innen der Zivilgesellschaft. Denn wenn die Luft dünn wird, müssen die demokratischen Kräfte zusammenhalten. Gleichzeitig wissen wir aus den USA, dass sich allein mit der Losung „für die Demokratie“ keine Wahlen gewinnen lassen. Wir brauchen neue Antworten, neue Bündnisse und ein ehrliches Hinterfragen der eigenen Gewissheiten. Und vor allem brauchen die demokratischen Kräfte in Sachsen-Anhalt jetzt Unterstützung statt trotziger Mauer-wieder-hoch-Fantasien. Eine rechtsextreme Partei hat fast die absolute Mehrheit bekommen, mitten in Deutschland. Hoffen wir, dass sie nicht regieren werden. Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen meistkommentiert

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6. September
Junge Freiheit

AfD-Wahltriumph in Sachsen-Anhalt Politische Zeitenwende

Das ist ein Triumph der Demokratie. Fast 80 Prozent Wahlbeteiligung, ein historischer Rekord in Sachsen-Anhalt. Und: Mit 44,5 Prozent hat sich die AfD unter Ulrich Siegmund verdoppelt, die CDU halbiert und hat jetzt den Anspruch auf Führung dieses Bundeslandes (JF Liveticker). Auch wenn es nicht knapp für eine absolute Mehrheit der Sitze reichen sollte: Die Wähler haben ein unmissverständliches Signal gesendet, dass sie die undemokratische Ausgrenzung der größten Partei bundesweit endgültig leid sind. Und sie sind es leid, dass sie seit Jahren Mehrheiten Mitte-Rechts wählen und eine linke Politik serviert bekommen. Die Menschen sind es leid, beschimpft zu werden Sie sind es auch leid, dass die arbeitende Mitte der Bevölkerung – dort holt die AfD die meisten Stimmen – als abgehängte, minderbemittelte „Jammerossis“ abgetan werden. Nein, es sind die steuerzahlenden Leistungsträger, die hier mit dem Kreuz bei der AfD ein klares Zeichen gesetzt haben gegen eine verantwortungslose Migrationspolitik, eine ideologisierte Energie- und Klimapolitik, einen Ausverkauf deutscher Interessen. Alle Bemühungen, die „blaue Welle zu stoppen“, der Aufmarsch der mit Steuermillionen finanzierten NGOs, die hysterischen Appelle von Herbert Grönemeyer über Dieter Hallervorden bis zu Hape Kerkeling, die parteiische Berichterstattung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und etablierter Medien – alles hat nicht gezündet. Es weht ein anderer, demokratischer Wind Die CDU, deren Bundesvorsitzender und Bundeskanzler Friedrich Merz noch nach der Bundestagswahl „Links ist vorbei“ verkündet hatte, um sich dann für eine linke Politik von SPD, Grünen und Linken an die Leine legen zu lassen: Sie steht jetzt endgültig vor der Zerreißprobe. Im Adenauerhaus werden einige still beten, dass die AfD noch knapp die absolute Mehrheit der Sitze bekommt. Denn dann geht der Kelch noch einmal an ihr vorbei, sich zwischen Linken und AfD entscheiden zu müssen. Die heutige Wahl ist ein Paukenschlag über Sachsen-Anhalt hinaus. Der von den bundesdeutschen Eliten, den Medien, gesellschaftlich relevanten Gruppen, Kirchen, Gewerkschaften, Arbeitgeberverbänden mitgetragene linke Kulturkampf gegen konservative, rechte Positionen, gegen einen fairen Wettbewerb der Meinungen, ist an sein Ende gekommen. Es weht ein anderer, demokratischer Wind in Deutschland.

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6. September
Süddeutsche Zeitung (Politik)

SZ am Abend: Nachrichten vom 6. September 2026

Wahl in Sachsen-Anhalt Prognosen: AfD mit Rekordergebnis, CDU stürzt ab. Die in Sachsen-Anhalt als gesichert rechtsextrem eingestufte Partei erreicht deutlich über 40 Prozent, die CDU halbiert sich. Linke, SPD und Grüne liegen etwa gleich auf und schaffen es in den Landtag. Das BSW muss zittern. Zum Liveblog zur Wahl in Sachsen-Anhalt - Bilder von der Wahl: An die Urnen Sieben Erkenntnisse aus der Wahl in Sachsen-Anhalt. So nah an der Macht war die AfD noch nie: Die Partei ist laut Hochrechnungen nur knapp von der absoluten Mehrheit entfernt. Kanzler Merz steht vor einem großen Problem. Zum Artikel Was heute wichtig war CDU-Politiker: „Datenabfluss gefährdet nationale Sicherheit“. Hacker haben bei einem Angriff auf das Berliner Landesnetz eine große Menge geheimer Daten erbeutet und veröffentlicht, auch zu Verteidigungsplänen. Das Ausmaß alarmiert die Bundesregierung. Zum Artikel - Sicherheit: Jedes fünfte Unternehmen spürt hybride Bedrohung Polizei sucht Sabotage-Verdächtigen im Hambacher Forst. Seit Tagen wird nach dem 48-Jährigen gesucht, der etliche Sprengvorrichtungen an Hochspannungsleitungen angebracht haben soll. Nun konzentriert sich die Polizei auf den Forst westlich von Köln. Zum Artikel Witkoff und Kushner erstmals in Kiew. Donald Trump schickt seine Gesandten zu Wladimir Putin und Wolodimir Selenskij. Ein Ende des Krieges ist trotz netter Worte und einer kurzen Feuerpause nicht in Sicht. Zum Artikel USA und Iran beschießen gegenseitig Schiffe. Es seien mehrere Schiffe in der Straße von Hormus attackiert worden, heißt es von der Marine der iranischen Revolutionsgarde. Zuvor hatten die USA Vergeltungsangriffe auf iranische Tanker gemeldet. Zum Newsblog zum Krieg im Nahen Osten Weitere wichtige Themen - Fifa-Präsident: Infantino will weiter zur Wiederwahl antreten - Raumfahrt: Münchner Rakete erreicht den Erdorbit - Aschewolke: Vulkanausbruch in Indonesien legt Flugverkehr in Jakarta lahm

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6. September
Bild

Alle Fakten zur Wahl in Sachsen-Anhalt - Wahl-Zittern in der Hauptstadt

Alle Fakten zur Wahl in Sachsen-Anhalt: Wahl-Zittern in der Hauptstadt Jetzt kommt Merz! Magdeburg – Noch wenige Minuten, dann schließen in Sachsen-Anhalt die Wahllokale. Schon jetzt trifft sich im Berliner Konrad-Adenauer-Haus die CDU-Spitze rund um Kanzleramtschefin Nina Warken (47) und Fraktionschef Thorsten Frei (53). Auch Kanzler Friedrich Merz (70) ist mittlerweile in der Parteizentrale. Und auch am Willy-Brandt-Haus fahren bereits Politiker-Limousinen vor. Die Wahl kann historisch werden: Erstmals könnte am Ende ein AfD-Kandidat Ministerpräsident werden. Schon jetzt zeichnet sich eine hohe Wahlbeteiligung ab. Ein Sieg der in Sachsen-Anhalt vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuften AfD gilt als sicher – doch reicht es am Ende auch für die Macht? Wird Ulrich Siegmund (35) tatsächlich neuer Ministerpräsident oder verhindern CDU, SPD, Linke und Grüne den AfD-Durchmarsch? Alle Fakten, alle Szenarien im Überblick. Laut letzter Umfrage von „Insa“ liegt die Siegmund-AfD mit 43 Prozent deutlich vor der CDU (22 %). Trotzdem könnte Ministerpräsident Sven Schulze (47) eventuell weiter regieren – wenn die AfD die absolute Mehrheit verpasst. CDU, SPD, Grüne und Linke haben eine Zusammenarbeit mit der AfD bislang ausgeschlossen. Da auch SPD (7 %) und Linke (12 %) wohl sicher in den Landtag einziehen werden, hängt voraussichtlich alles am Ergebnis der Grünen und des BSW – über oder unter der 5-Prozent-Marke? Ausgerechnet die beiden Wackelkandidaten könnten am Ende zum Königsmacher werden. Das BSW taumelt inmitten eines Machtkampfs zwischen Parteigründerin Sahra Wagenknecht (57) und Thüringens Ex-Landeschefin Katja Wolf (50) durch den Wahlkampf. Bei den Grünen machte zuletzt die Neonazi-Vergangenheit des Ehemanns ihrer Spitzenkandidatin Susan Sziborra-Seidlitz (48) Schlagzeilen. CDU muss auf gutes Grünen-Ergebnis hoffen Scheitern sowohl Grüne als auch BSW an der 5-Prozent-Hürde, bekommen die anderen Parteien automatisch mehr Sitze. In diesem Fall könnte die AfD in die Nähe einer absoluten Mehrheit kommen oder sie sogar tatsächlich erreichen. Zieht nur eine der beiden Parteien in den Landtag ein, wird die Mehrheitsbildung deutlich komplizierter. Ein BSW-Einzug könnte der AfD den Weg zur Macht erleichtern. Das BSW ist die einzige Partei, die eine Zusammenarbeit mit der AfD nicht grundsätzlich ausgeschlossen hat. Ziehen dagegen nur die Grünen ein, sichern sie dem Anti-AfD-Lager wertvolle Mandate. Eine Art breites Bündnis aus CDU, SPD und Grünen mit Unterstützung der Linken wäre dann wahrscheinlich. Als chancenlos gilt die bisherige Regierungspartei FDP, sie liegt laut aktuellen Umfragen bei gerade einmal drei Prozent. Schon jetzt zeichnet sich eine hohe Wahlbeteiligung ab: Um 14.00 Uhr lag sie bei gut 54 Prozent. Bei der Landtagswahl vor fünf Jahren waren es zum gleichen Zeitpunkt 27 Prozent. Haben Sie eine Meinung zu diesem Artikel? Hier können Sie uns schreiben. Haben Sie Fehler entdeckt? Dann weisen Sie uns gern darauf hin.

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6. September
Der Spiegel (Politik)

Landtagswahl Sachsen-Anhalt: Hochrechnungen sehen AfD knapp unter absoluter Mehrheit

Wahl in Sachsen-Anhalt Erste Hochrechnungen sehen AfD knapp unter absoluter Mehrheit In Sachsen-Anhalt zeigen erste Hochrechnungen einen deutlichen Wahlsieg der Alternative für Deutschland (AfD). Laut den Zahlen von Infratest dimap für die ARD kommt die Partei mit Spitzenkandidat Ulrich Siegmund auf 44,5 Prozent. Die Forschungsgruppe Wahlen für das ZDF sieht sie bei 44,1 Prozent. Damit liegt die AfD deutlich vor der CDU mit 18,5 Prozent (ZDF: 18,5 Prozent). Nach aktuellem Stand hätte sie aber weniger als die Hälfte der 83 Sitze im Landtag inne und würde damit die absolute Mehrheit verfehlen. Lesen Sie hier alle Entwicklungen zur Wahl im SPIEGEL-Newsblog . BSW kratzt an Fünfprozenthürde Die Linke fährt mit voraussichtlich 9,4 Prozent (ZDF: 9,2 Prozent) ein in Sachsen-Anhalt historisch schlechtes Ergebnis ein. Die SPD erreicht laut ARD-Zahlen 8,2 Prozent (ZDF: 8,8 Prozent), die Grünen legen im Vergleich zur vergangenen Landtagswahl zu und kommen auf 8,9 Prozent (ZDF: 8,7 Prozent). Knapp bleibt es mit Blick auf die Fünfprozenthürde: Die FDP verpasst diese deutlich, die ZDF-Zahlen sehen auch das BSW unter der Schwelle. Damit hätte die AfD 41 der 83 Sitze. Laut der ARD-Hochrechnung kommt die von Sahra Wagenknecht gegründete Partei allerdings auf 5,0 Prozent und würde in den Landtag einziehen. Das könnte die Mehrheitsverhältnisse massiv beeinflussen – die AfD käme so nur noch auf 39 Sitze. Schon jetzt scheint klar, dass es das mit Abstand beste Ergebnis für die AfD bei einer Landtagswahl ist. In Thüringen kam die Partei 2024 auf 32,8 Prozent. Bislang regiert in Sachsen-Anhalt eine Koalition aus CDU, SPD und FDP unter Ministerpräsident Sven Schulze (CDU).

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6. September
Süddeutsche Zeitung (Politik)

Landtagswahl: Sieben Erkenntnisse aus der Wahl in Sachsen-Anhalt

Die AfD erreicht bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt laut den Hochrechnungen von ARD und ZDF 44 bis 44,5 Prozent. So stark hat die Partei bisher bei keiner Landtagswahl abgeschnitten. Das genaue Ergebnis ist noch offen – und es ist so knapp, dass es sich am Wahlabend noch drehen kann. Jetzt wird in Sachsen-Anhalt ausgezählt. Sieben Erkenntnisse, die sich schon jetzt ableiten lassen. Eine tiefe Zäsur für Deutschland Die AfD in Sachsen-Anhalt verpasst laut den Nachwahlbefragungen zwar die absolute Mehrheit. Doch noch nie war in der Geschichte der Bundesrepublik eine Partei, die rechtsextreme Politik umsetzen möchte, so nah an der Macht. Bestätigen sich die Nachwahlbefragungen später am Abend in der Auszählung, reicht es nicht für Spitzenkandidat Ulrich Siegmund, um sich aus eigener Kraft zum Ministerpräsidenten wählen zu lassen. Allerdings fehlen wohl nur wenige Mandate. Die AfD hatte vor der Wahl gestreut, dass es in diesem Fall Übertritte von Abgeordneten aus der CDU geben könnte. Auch das BSW könnte sich anbieten, um Siegmund an die Macht zu verhelfen. Wenn es dabei bleibt, dass die AfD die Mehrheit knapp verpasst, und sich eine Mehrheit gegen die Partei im Landtag bildet, wird deren Arbeit sehr schwer. Bei Abstimmungen fehlen normalerweise immer mal wieder Abgeordnete, weil sie beispielsweise krank sind. Solche Situationen könnte die AfD nutzen, um in die Überzahl zu kommen. Das Wahlergebnis der AfD gilt manchen als Meilenstein der Normalisierung der Partei. Lange gaben sich viele ihrer Wähler nicht zu erkennen. Das war im Wahlkampf in Sachsen-Anhalt nicht mehr der Fall. Das Ergebnis wird auch die Diskussionen über die sogenannte Brandmauer und ein AfD-Verbotsverfahren beeinflussen. Brandmauer meint, keine Mehrheiten mit der AfD zu bilden. Eine Minderheitenregierung der AfD zu tolerieren, ist demnach ausgeschlossen. Auch eine Minderheitenregierung der CDU dürfte nicht mit der AfD Gesetze beschließen, wenn die Brandmauer stehen soll. Die AfD siegt so stark wie noch nie bei einer Landtagswahl Der Erfolg der AfD hat mit einer weitverbreiteten Unzufriedenheit in der Bevölkerung mit den etablierten Parteien sowie mit Verunsicherung und Abstiegsängsten zu tun. Es dürfte aber zu einem guten Teil auch am Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund gelegen haben, dass die vom Verfassungsschutz in Sachsen-Anhalt als gesichert rechtsextrem eingestufte Partei so stark abgeschnitten hat. Der 35-jährige gelernte Großhandelskaufmann und ehemalige Vertreiber von Raumdüften war angetreten, jüngster Ministerpräsident in einem deutschen Bundesland zu werden. Im Wahlkampf füllten Siegmund-Fans die Marktplätze Sachsen-Anhalts, der Kandidat posierte ausdauernd für Selfies. Sämtliche Vorwürfe gegen ihn, etwa in Bezug auf seine Kontakte in die rechtsextreme Szene, lächelte Siegmund einfach weg. Bei vielen Wählerinnen und Wählern hat das offenkundig verfangen. Sachsen-Anhalt steht vor einer extrem schwierigen Regierungsbildung Solange nicht alle Stimmen ausgezählt sind, ist die Frage, wer Sachsen-Anhalt künftig regiert, offen. Die AfD kratzt an der absoluten Mehrheit, denkbar wäre auch eine vom BSW tolerierte Minderheitsregierung. Dazu müsste das Bündnis Sahra Wagenknecht aber tatsächlich den Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde schaffen, was derzeit unklar ist. Sollte die AfD die absolute Mehrheit – und das BSW den Einzug ins Parlament – verpassen, läge die Initiative wiederum bei der CDU. Dann wäre eine Minderheitsregierung um den bisherigen Ministerpräsidenten Sven Schulze denkbar. Doch auch da wird es kompliziert. Die CDU hat es den gesamten Wahlkampf über vermieden, sich eindeutig in der Frage nach einer Zusammenarbeit mit der Linken zu positionieren. Die wäre aber zwingend erforderlich, möchte Schulze Ministerpräsident bleiben. Er könnte mit SPD und Grünen koalieren und sich von der Linken tolerieren lassen. Die hat sich für ein solches Modell bereits offen gezeigt. Das Problem an der Sache: Der Unvereinbarkeitsbeschluss von 2018 verbietet der CDU eigentlich eine Zusammenarbeit mit der Linken. Und auch wenn es die Partei bereits in Thüringen und Sachsen-Anhalt so praktiziert und sich von der Linken tolerieren lässt: In der sachsen-anhaltischen CDU gibt es vehemente Gegner dieser Variante. Zudem ist Schulze nach dem extrem schwachen Abschneiden der CDU als Parteichef und Ministerpräsident schwer angeschlagen. Selten ist ein CDU-Wahlkampf so gefloppt Man kann Schulze nicht vorwerfen, im Wahlkampf untätig gewesen zu sein. Permanent war der Ministerpräsident im Land unterwegs, meistens auf dem Fahrrad, er schüttelte unzählige Hände, war sich für keinen Plausch zu schade. Es half ihm nicht. Der Regierungschef, der das Amt im Januar von Reiner Haseloff übernommen hatte, erreichte in der Nachwahlbefragung der ARD zwar gute Werte in der Popularität*. Das Beste an den Christdemokraten war aus Sicht der CDU-Wähler der Kandidat Schulze. Doch es reichte nicht. Die Partei verlor viele Wähler an die AfD. Seine Entscheidung, auf Distanz zur Bundesregierung zu gehen, erwies sich im Nachhinein als vergeblich. Der unbeliebte Bundeskanzler Friedrich Merz absolvierte zwar Termine in Sachsen-Anhalt, wurde dabei aber vor den Wählerinnen und Wählern quasi versteckt. Dass Schulze zusammen mit den beiden anderen CDU-Ost-Ministerpräsidenten gegen den Plan der Bundesregierung aufbegehrte, die Rente mit 63 abzuschaffen, hatte offenkundig keinen Effekt bei der Wahl. Im Gegenteil: Die CDU fährt ihr schlechtestes Ergebnis in Sachsen-Anhalt seit der Wiedervereinigung ein. Die Kleinen holen überraschend auf Vom schlechten Abschneiden der CDU profitiert nicht nur die AfD, auch SPD und Grüne holen im Vergleich zu den Umfragen überraschend auf. Gemeinsam mit der Linken liegen sie gleichauf zwischen acht und zehn Prozent, so werden die kleineren Parteien zu einem wichtigen Faktor in den kommenden Sondierungsgesprächen. Die größte Überraschung könnte noch dem BSW gelingen, das an der Fünf-Prozent-Hürde kratzt – obwohl keine einzige Umfrage die zerstrittene Partei, die in Thüringen noch vor wenigen Tagen einen Eklat erlebt hat, dort sah. Sollte sie den Sprung noch schaffen, könnte sie am Ende sogar der AfD zur Macht verhelfen. Kanzler Merz hat jetzt ein Problem Das Wahlergebnis dürfte Kanzler und CDU-Chef Merz vorgeworfen werden. Seine Umfrageergebnisse wurden in der ARD als „katastrophal“ beschrieben. Merz gilt in der CDU bereits als geschwächt. Außerdem ist Merz jetzt mit einer schwierigen Lage in Sachsen-Anhalt konfrontiert. Wie sich die Landes-CDU verhält, kann der CDU-Bundeschef nicht direkt anordnen. Die Macht liegt bei den Funktionären des Landesverbands. Merz steht somit vor einem Dilemma. Mischt er sich zu sehr in die schwierigen Nachwahlgespräche in Magdeburg ein, könnte das den Widerstand der sachsen-anhaltischen Christdemokraten provozieren, die sich nichts aus Berlin diktieren lassen wollen. Mischt er sich zu wenig ein, könnten ihm andere Landesverbände vorwerfen, er zeige zu wenig Führungsstärke in einer brisanten Lage. Besonders heikel würde es, wenn CDU-Funktionäre aus Sachsen-Anhalt eine Minderheitsregierung fordern würden, die auch mit der AfD im Landtag abstimmen könnte. Eine Zusammenarbeit mit der AfD, wie formell oder informell auch immer, gilt vielen Wählern, Mitgliedern und Funktionären der CDU als rote Linie. Die SPD steht vor einem Richtungsstreit Die SPD, die mit der CDU im Bund regiert, versteht sich als Partei, die Rechtsextremismus bekämpft. Die Parteiführung wird daher jetzt genau hinschauen, ob die sachsen-anhaltische CDU zur Brandmauer steht – oder ob sie angesichts der Wahlergebnisse über eine Zusammenarbeit mit der AfD diskutieren wird. Die SPD würde in dem Fall von CDU-Chef Merz erwarten, hart gegen diese Parteimitglieder vorzugehen. Das SPD-Ergebnis liegt auf dem schwachen Niveau der vorigen Landtagswahl. In der SPD wächst die Nervosität, ob der Kurs noch stimmt. Manche fordern einen deutlichen Linkskurs: Die geplanten Reformen des Sozialstaats, die auch Kürzungen bedeuten, würden Wähler zu den Rechtsextremen treiben. Diese Gruppe dürfte fordern, diese Pläne zu stoppen. Andere Sozialdemokraten werfen ihrer Partei stattdessen Versäumnisse in der Migrationspolitik vor: Die SPD habe Wähler verloren, weil sie Probleme mit Migration nicht angegangen sei. Entladen könnte sich der Streit beim Führungspersonal. Die Parteichefs Lars Klingbeil und Bärbel Bas gelten als angezählt. In zwei Wochen wählt Mecklenburg-Vorpommern. SPD-Spitzenkandidatin Manuela Schwesig liegt in Umfragen weit über dem Bundestrend der Partei, was sie für viele Sozialdemokraten zu einer Hoffnungsträgerin macht. Um den Wahlkampf in Mecklenburg-Vorpommern nicht mit internen Debatten zu belasten, könnte ein Führungsstreit in der Partei bis dahin ausbleiben. *Anmerkung der Redaktion: Die Persönlichkeitswerte für Schulze aus der Nachwahlbefragung wurden nach der ersten Veröffentlichung ergänzt.

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6. September
Neues Deutschland

Landtagswahl Sachsen-Anhalt | Hochrechnungen: AfD mit 44 Prozent stärker als in Umfragen

- Politik - Landtagswahl Sachsen-Anhalt Hochrechnungen: AfD mit 44 Prozent stärker als in Umfragen Absolute Mehrheit für AfD möglich, CDU halbiert, Linke schwach, SPD und Grüne drin, BSW auf der Kippe. Nach den Hochrechnungen von ARD und ZDF hat die AfD die Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt eindeutig gewonnen. Die extrem rechte Partei kommt auf 44 Prozent der abgegebenen Stimmen. Das reicht für 39 (ARD) bis 41 (ZDF) Landtagsmandate. Für eine absolute Mehrheit werden 42 Sitze gebraucht. Der große Wahlverlierer ist die CDU. Mit 18,4 Prozent hat sie sich im Vergleich zur Landtagswahl 2021 halbiert. Franziska Hoppermann, Generalsekretärin der CDU, sagte in der ARD, das Ergebnis mache etwas mit der Partei. Einer Zusammenarbeit mit der AfD erteilte Hoppermann eine Absage. Linke, SPD und Grüne kommen in den ersten Prognosen auf Werte zwischen acht und neun Prozent und sind somit sicher im Landtag. Auf der Kippe steht der Landtagseinzug des Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW). Die Partei steht in den Hochrechnungen zwischen 4,8 und 5 Prozent. Die Frage, ob das BSW in den Landtag einzieht, ist von besonderem Interesse, weil Parteigründerin Sahra Wagenknecht angekündigt hat, einen Ministerpräsidenten Ulrich Siegmund im dritten Wahlgang durch Enthaltung zu ermöglichen. AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund hat den Wahlausgang in Sachsen-Anhalt für seine Partei als großen Erfolg gewertet und den Anspruch auf eine grundlegende Wende in dem Bundesland angemeldet. »Wir haben in diesem Land Geschichte geschrieben«, sagte Siegmund kurz nach Schließung der Wahllokale am Sonntagabend der ARD. Das Ergebnis sei »ein Zeichen, das könnte kaum deutlicher sein«. Siegmund kündigte an, er wolle nun »allen Kräften die Hand ausstrecken, die mit uns eine grundlegende Politikwende herbeiführen wollen«. Er werde sich aber nicht »verbiegen«. Konkret nannte er dabei die Themen Migration und Innere Sicherheit sowie »die verrückte Energiepolitik«. Dies sei »auch ein Zeichen in Richtung Berlin«. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sei »ein sehr guter Wahlkämpfer« für die AfD gewesen, spottete der Spitzenkandidat. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) erklärte, dass seine Partei die Wahl verloren hat und gratulierte Ulrich Siegmund zum Sieg. Schulze warnte, von einem »schwarzen Tag« für die Demokratie zu sprechen und verwies auf die Rekordwahlbeteiligung. Die Menschen im Land hätten »ein Zeichen gesetzt«. Die Spitzenkandidatin der Linken Eva von Angern erklärte, dass sie bereit sei, eine CDU-geführte Landesregierung zu stützen, wenn diese zu einem Kurswechsel bereit sei. »Wir sind bereit, wir stehen zur Demokratie in Sachsen-Anhalt, aber wir stehen nicht für ein weiteres Weiter-so zur Verfügung«, sagte von Angern in der ARD. Für die Menschen im Land müsse sich »spürbar« etwas ändern. Gleichzeitig warf die Linke der CDU vor, eine Mitschuld am Wahlsieg der CDU zu haben. Die Christdemokraten hätten Positionen der AfD übernommen, die Wähler hätten sich dann entschieden, das Original zu wählen. SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf zeigte sich erschrocken über das starke Abschneiden der AfD. Im ZDF sprach der SPD-Politiker von einem »wirklich dramatischen Ergebnis für die AfD«. Erleichtert zeigte er sich darüber, dass die SPD ihr Ergebnis im Vergleich zur letzten Landtagswahl halten konnte, auch wenn dies »jetzt kein riesiger Erfolg« sei. Im Magdeburger Landtag werde die SPD ihren Beitrag dazu leisten, »eine demokratische Mehrheit zu bilden gegenüber der AfD«, sagte Klüssendorf weiter. Er erwarte eine »sehr schwierige Regierungsbildung«, fügte der SPD-Politiker hinzu. »Es sind komplizierte Verhältnisse.« Die Grünen-Spitzenkandidatin Susan Sziborra-Seidlitz äußerte sich nach der Wahl in Sachsen-Anhalt zufrieden mit dem Abschneiden ihrer Partei. »Die Zahlen heute, die wir gerade gesehen haben, die sind natürlich für uns toll«, sagte sie am Sonntagabend im ZDF. Zugleich sei das starke Abschneiden der AfD »besorgniserregend«. Das Ergebnis ihrer Partei wertete sie als Auftrag der Zivilgesellschaft, eine Alleinregierung der AfD zu verhindern. Claudia Wittig, Spitzenkandidatin des BSW, hat sich nach der Wahl offen für eine Zusammenarbeit in Sachfragen mit der AfD gezeigt. »Wir werden immer in der Sache entscheiden«, sagte Wittig am Sonntagabend in der ARD. Da gebe es Themen wie die Energiepreispolitik, »das kann man mit der AfD zusammen machen«, bei anderen Themen gebe es »vielleicht nicht so große Schnittmengen«. Mit Blick auf die Führung der neuen Landesregierung sprach sich Wittig weder für AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund noch für CDU-Amtsinhaber Sven Schulze aus. »Wir möchten einen überparteilichen Ministerpräsidenten«, sagte sie stattdessen. Wittig sagte allerdings auch, es wäre angesichts des Wahlerfolgs der AfD aus ihrer Sicht »völlig undemokratisch, sie nicht in irgendeiner Weise an der Regierung zu beteiligen«. In vielen Wahllokalen mussten die Wähler*innen Schlange stehen. Das lag an einer Rekordwahlbeteiligung, die schon am Nachmittag über 65 Prozent lag. Ähnlich hoch war die Wahlbeteiligung zuletzt 1998. Bei den vergangenen Landtagswahlen 2021 lag die Wahlbeteiligung bei 60 Prozent. Mit Erschrecken reagierten mehrere hundert Demonstrant*innen auf dem Magdeburger Domplatz auf die ersten Prognosen. Am Nachmittag hatten sie einen großen Schriftzug »Wir bleiben bunt« aus farbigen Zetteln auf dem Platz geformt. Den Abend will man dort gemeinsam verbringen. »Damit hier niemand am Wahlabend alleine sein muss, der oder die das nicht will«, sagt eine Sprecherin des Bündnisses Solidarisches Magdeburg, das die Demo veranstaltet. Auch in weiteren Städten in Sachsen-Anhalt und bundesweit sind ähnliche Versammlungen und Demonstrationen von AfD-Gegner*innen geplant. In Magdeburg zeigt die Polizei Präsenz mit Kräften aus dem ganzen Bundesgebiet. Boulevardmedien berichteten schon in den vergangenen Tagen, dass die Polizei mit Auseinandersetzungen zwischen Linken und Rechten am Wahlabend rechnet. (mit Agenturen) Wir stehen zum Verkauf. Aber nur an unsere Leser*innen. Die »nd.Genossenschaft« gehört denen, die sie lesen und schreiben. Sie sichern mit ihrem Beitrag, dass unser Journalismus für alle zugänglich bleibt – ganz ohne Medienkonzern, Milliardär oder Paywall. 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6. September
Tagesschau

Wahl in Sachsen Anhalt: Der größte Wahlerfolg der AfD

Wahl in Sachsen-Anhalt Der größte Wahlerfolg der AfD Die CDU erlebt in Sachsen-Anhalt laut ARD-Prognose ein Desaster. Die AfD liegt bei Männern und Frauen, jungen wie älteren Wählern vorn. Abzuwarten bleibt, ob es das BSW in den Landtag schafft - und welche Mehrheiten dann möglich sind. Das Ergebnis ist eine Sensation. Es wird der bisher mit Abstand größte Wahlerfolg der AfD - unabhängig davon, ob es in Sachsen-Anhalt am Ende für eine absolute Mehrheit reicht, ob irgendeine Absprache mit dem BSW zustande kommt - oder beides nicht. Die ARD-Prognose beruht auf rund 20.000 Interviews in 180 Wahllokalen heute in Sachsen-Anhalt. Sie ist allerdings voller statistischer Unsicherheiten, denn je größer die Veränderungen zu einer vorangegangenen Wahl sind, je stärker Wahlbeteiligung oder Briefwahl sich verändern, desto stärker kann auch die Prognose gegenüber dem Endergebnis noch Veränderungen aufweisen. Zittern beim BSW Beim BSW stehen die Chancen 50:50, in den Landtag einzuziehen. Gegenwärtig sind ansonsten die AfD auf der einen Seite und die vier Parteien, die eine AfD-Regierung auf jeden Fall verhindern wollen, auf der anderen Seite etwa gleich auf. Je nachdem, ob in dieser Konstellation am Ende die AfD die Nase vorn hat oder aber die Summe aus CDU, Linke, Grünen und SPD, entscheidet sich auch, ob und welche Regierung zustande kommt. Klar ist: Die AfD erzielt ihr bisher höchstes Wahlergebnis, liegt bei jungen wie älteren Wählern vorn, bei Männern wie Frauen. Dazu beigetragen hat ein junger, bei den Unterstützern anerkannter Spitzenkandidat Ulrich Siegmund. Große Unzufriedenheit mit Berlin Entscheidend für das Ergebnis ist aber die massive Schwäche der Bundesregierung, deren Politik seit Wochen die politische Debatte und auch den Wahlkampf in Sachsen-Anhalt bestimmt hat. 59 Prozent der Wählerinnen und Wähler sind der Meinung, die Bundesregierung habe bei dieser Wahl einen Denkzettel verdient. Nur 30 Prozent sind der Ansicht, dass die geplanten Sozialreformen bei Rente und Gesundheit auch gegen Widerstände durchgesetzt werden sollten. Unter den Bundesvorsitzenden der Parteien sind Alice Weidel und Tino Chrupalla mit 36 und 29 Prozent Zustimmung bei den Befragten in Sachsen-Anhalt mit Abstand am anerkanntesten. Die beiden SPD-Vorsitzenden Lars Klingbeil und Bärbel Bas werden nur zu 16 Prozent positiv benotet. Und die Reizfigur in diesem Wahlkampf ist Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), der nur auf neun Prozent Zustimmung kommt. Desaster für die CDU Für die CDU ist das Ergebnis ein Desaster, es ist ihr schlechtestes bisher in Sachsen-Anhalt mit einem der größten Verluste bei Landtagswahlen in der jüngeren Geschichte. Auf Nachfrage, welcher der drei Koalitionspartner am stärksten für die Unzufriedenheit mit der Bundesregierung verantwortlich gemacht wird, nennen 58 Prozent die CDU. An ihre Politik knüpften sich nach der Bundestagswahl die größten Erwartungen, Anhänger setzten auf die Senkung von Steuern und Abgaben. Statt mehr haben viele Menschen nun weniger Geld in der Tasche, vor allem auch wegen der hohen Preissteigerungen. 70 Prozent der Befragten äußern die Sorge, bei dieser Entwicklung irgendwann ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen zu können. Das ist ein Höchstwert bei dieser Fragestellung. Viele Arme, viele Alte In Sachsen-Anhalt, wo soziale Sicherheit als häufigstes wahlentscheidendes Motiv angegeben wird, spielt das eine besonders große Rolle. Denn es ist das Bundesland mit dem durchschnittlich geringsten Nettoeinkommen und besonders vielen älteren Menschen, die von Rente leben oder dies demnächst tun werden.

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6. September
Süddeutsche Zeitung (Politik)

Landtagswahl: Historischer Sieg für die AfD in Sachsen-Anhalt

Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt ist die AfD erstmals stärkste Kraft geworden. Laut Hochrechnungen der Forschungsgruppe Wahlen kam der rechtsextreme Landesverband mit rund 44 Prozent der Stimmen sogar auf das höchste Ergebnis, das die Partei bislang bei einer deutschen Landtagswahl erreicht hat. Eine absolute Mehrheit, die AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund als Voraussetzung genannt hat, um in dem Bundesland regieren zu wollen, hat die AfD demnach jedoch knapp verfehlt. Wer die nächste Regierung anführt, blieb am Abend offen. Die AfD-Bundesvorsitzende Alice Weidel sagte in einer ersten Reaktion, das Ergebnis sei ein „ganz klarer Regierungsauftrag“. Ihr Kollege Tino Chrupalla sprach von einem Signal nach Berlin, dass es so mit der Bundesregierung nicht weitergehen könne. „Die Politik der Brandmauer ist gescheitert.“ Siegmund selbst sagte, er sehe aktuell keinen möglichen Regierungspartner und ziehe eine Minderheitsregierung nicht in Betracht. Das Ergebnis der CDU hat sich im Vergleich zu 2021 halbiert Die CDU mit Ministerpräsident Sven Schulze musste im Vergleich zur Wahl im Juni 2021 schwere Verluste hinnehmen, laut der Hochrechnung hat sie ihr Ergebnis von 2021 auf etwa 18,5 Prozent halbiert. SPD, Grüne und Linke erreichten demnach um die neun Prozent der Stimmen. Die FDP scheiterte an der Fünf-Prozent-Hürde. Beim BSW war dies zunächst unklar. Die Partei hat eine Zusammenarbeit mit der AfD nicht ausgeschlossen, ihre Spitzenkandidatin Claudia Wittig sprach am Wahlabend jedoch von einer möglichen Zusammenarbeit im Landtag bei einzelnen „spezifischen Projekten“. Sven Schulze gratulierte der AfD kurz nach den ersten Prognosen zum Wahlsieg. „Das schmerzt uns natürlich schon“, sagte Schulze im ZDF. Doch das Ergebnis sei demokratisch. Der CDU-Landesverband werde die Wahl nun genau analysieren müssen. Schulze verwies darauf, dass die Umfragewerte für ihn persönlich vor der Wahl sehr hoch waren. Eine Zweitstimmenkampagne, die kleinen Parteien über die Fünf-Prozent-Hürde helfen sollte, habe die CDU vermutlich Stimmen gekostet. Kanzleramtsministerin Nina Warken (CDU) sprach angesichts des Ergebnisses der CDU von einer „Zäsur für die Partei, für das Land“. 2024 hatte die AfD bei Landtagswahlen erstmals mehr als 30 Prozent erreicht Mit dem Erfolg der AfD setzt sich eine Entwicklung fort, die 2024 bereits die Wahlen in den ostdeutschen Bundesländern Thüringen, Sachsen und Brandenburg geprägt hatte. Dort erreichte die AfD jeweils Wahlergebnisse um die 30 Prozent. Im Magdeburger Landtag sind bislang sechs Parteien vertreten, die CDU stellt 40 der 97 Abgeordneten. Neben CDU und AfD gehören dem Parlament nach Fraktionsgröße an: Linke, SPD, FDP und Grüne. Das BSW trat 2026 zum ersten Mal in Sachsen-Anhalt an. Das Interesse an der Landtagswahl war hoch. Laut der Forschungsgruppe Wahlen lag die Wahlbeteiligung bei knapp 80 Prozent – und damit deutlich höher als bei den vorhergehenden Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt. 1,7 Millionen Menschen waren zur Wahl aufgerufen Sachsen-Anhalt zählt etwa 2,1 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner, etwas mehr als Thüringen oder Hamburg. 1,7 Millionen Menschen waren am Sonntag zur Wahl aufgerufen. Die Wahl in dem nach Einwohnern vergleichsweise kleinen Bundesland Sachsen-Anhalt mit seinem vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuften und sehr starken AfD-Landesverband lässt zwar nur bedingt Rückschlüsse auf die politische Lage im Bund zu. In Berlin gilt sie aber auch als Stimmungstest zum Reformkurs der von Friedrich Merz angeführten schwarz-roten Koalition. Der Kanzler und CDU-Vorsitzende hatte vor der Wahl hingegen betont, dass das Ergebnis einer Landtagswahl nicht die Stabilität der Bundesregierung gefährde. Umgekehrt hatte Sven Schulze in Sachsen-Anhalt den Eindruck vermittelt, dass er die Bundespolitik zumindest teilweise für die schlechten Umfragewerte seiner Partei verantwortlich macht. Schulze verzichtete auf öffentlichkeitswirksame Auftritte des Kanzlers im Wahlkampf. Stattdessen kritisierte er ausdrücklich Pläne der Bundesregierung, die sogenannte Rente mit 63 beizubehalten, deren Abschaffung zum Kern der geplanten Rentenreform zählt. Eine Zusammenarbeit mit der AfD hat Schulze ausgeschlossen. Seine Partei hat durch einen Beschluss auf dem Bundesparteitag 2018 Koalitionen und andere Formen der Kooperation sowohl mit der AfD als auch mit der Linken für nicht mit der Parteilinie vereinbar erklärt. Wie Regierungen trotz dieses Beschlusses mit der Linken zusammenarbeiten können, zeigt sich in Thüringen und Sachsen. Dort führt die CDU Koalitionen an, die nicht über eine eigene Mehrheit verfügen. In beiden Ländern ist die Landesregierung beim Beschluss von Gesetzen immer wieder auf Stimmen der Linken angewiesen. Die erste Sitzung des neuen Landtags von Sachsen-Anhalt muss spätestens am 30. Tag nach der Wahl stattfinden, das wäre der 6. Oktober. Bis die Abgeordneten die Wahl auf die Tagesordnung setzen und ein neuer Ministerpräsident gewählt ist, bleibt Schulze geschäftsführend im Amt. Eine Frist für die Wahl des neuen Ministerpräsidenten schreibt die Landesverfassung nicht vor.

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6. September
Die Welt (Politik)

Absolute Mehrheit für AfD wird unwahrscheinlicher – BSW bei ARD und ZDF drin – CDU unter 18 Prozent

Absolute Mehrheit für AfD wird unwahrscheinlicher – BSW bei ARD und ZDF drin – CDU unter 18 Prozent Die AfD gewinnt die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt laut Hochrechnung deutlich, die CDU fährt ihr schlechtestes Ergebnis in dem Bundesland ein. Eine absolute Mehrheit für die AfD rückt in weite Ferne. Klicken Sie hier, um sich Artikel von WELT in der Google-Suche bevorzugt anzeigen zu lassen. Die AfD hat die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt mit großem Abstand gewonnen. Die Partei um Spitzenkandidat Ulrich Siegmund kommt in der ARD-Hochrechnung von 20:27 Uhr auf 44,2 Prozent. Beim ZDF liegt die Partei in der Hochrechnung von 21:00 Uhr auf 44,0 Prozent. Die restlichen laut der Hochrechnung im Landtag vertretenen Parteien kommen zusammen auf 49,4 Prozent. Bei diesem Ergebnis verpasst die AfD das Rennen um die absolute Mehrheit. Alles zur Landtagswahl lesen Sie in unserem Liveticker. Dennoch: Die AfD kann ihr Ergebnis von der letzten Landtagswahl verdoppeln (2021: 20,8 Prozent). Es ist zudem das beste Ergebnis, das die Partei je bei einer Landtagswahl erzielt hat. Die bisherige Bestmarke hatte sie 2024 in Thüringen mit 32,8 Prozent aufgestellt. Die CDU von Ministerpräsident Sven Schulze halbiert ihr Ergebnis von der letzten Landtagswahl und kommt auf 18,0 Prozent (ARD, ZDF: 17,5 Prozent) – 2021 hatte sie noch 37,1 Prozent geholt. Mit dem nun eingefahrenen Ergebnis unterbietet die CDU noch einmal das historisch schlechteste Wahlergebnis der Partei bei einer Landtagswahl in diesem Bundesland. 1998 kam die CDU dort auf 22,0 Prozent. Die Linke verliert gegenüber der letzten Wahl leicht und kommt bei der ARD auf 8,9 Prozent, im ZDF auf 9,1 Prozent (2021: 11,0 Prozent). Die SPD kommt in der ARD auf 9,0 Prozent, im ZDF auf 9,0 Prozent (2021: 8,4 Prozent). Das BSW muss um den Einzug in den Landtag zittern, kommt auf 5,1 Prozent (ZDF: 5,0 Prozent). Die Grünen kommen auf 8,6 Prozent (ARD, ZDF: 9,0 Prozent). Grünen-Spitzenkandidatin Susan Sziborra-Seidlitz zeigte sich sehr zufrieden mit dem Ergebnis für ihre Partei. Die Zahlen seien für die Grünen „toll, aber auch besorgniserregend“. AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund sagte in der ARD: „Wir haben das geschafft, was wir schaffen wollten. Wir haben in diesem Land Geschichte geschrieben. Es kann so nicht weitergehen. Wir brauchen eine politische Wende. Das Ergebnis spricht eine tolle Sprache.“ Schulze sagte auf der Wahlparty der CDU in Magdeburg sichtlich betroffen: „Ich hätte mir in jeder Hinsicht ein besseres Ergebnis gewünscht.“ Er gratulierte dem Wahlsieger AfD und fügte hinzu: „Wir werden als CDU mit dem Ergebnis umgehen müssen.“ Des Weiteren zeigte er sich abgekämpft: „So einen Wahlkampf, wie wir ihn hier erlebt haben, gab es vorher noch nicht.“ Weil das BSW bei ARD und ZDF nach den Hochrechnungen im Landtag vertreten sein wird, würde die AfD die absolute Mehrheit verpassen. Sie wäre damit auf einen koalitionswilligen Partner angewiesen, den es aktuell nicht gibt: Keine andere Partei will mit ihr zusammenarbeiten. Siegmund selbst hatte zuletzt bekräftigt, er stelle sich nur dann zur Wahl als Regierungschef, wenn seine Partei allein regieren könne und eine klare Mehrheit besitze. Siegmund sagte in der ARD aber: „Was wir in der Politik brauchen, ist Vertrauen. Ich werde allen Kräften die Hand reichen, die einen Politikwechsel erreichen wollen.“ Es werde keine „Verbiegerei“ geben. Die Hand bleibe immer ausgestreckt bei den Themen, etwa Migration und innere Sicherheit. Parteichefin Alice Weidel sprach im ZDF von einem „klaren Regierungsauftrag“. In welcher Form die AfD in Sachsen-Anhalt regieren werde – „durch eine Tolerierung oder durch eine Koalition, das wird sich einfach noch zeigen“. Der Wunsch von CDU-Ministerpräsident Sven Schulze nach einer Mehrheit der Parteien der Mitte aus CDU, SPD und Grünen hat sich nach den Prognosen nicht erfüllt. Aber auch die bisherige Regierungskoalition aus CDU, SPD und FDP hätte keine Mehrheit mehr. Die FDP verpasst den Wiedereinzug. Rekordbeteiligung schon am Nachmittag Wie sehr diese Wahl das Land bewegt, zeigt sich an der Wahlbeteiligung: Laut ZDF lag sie bei 78 Prozent und damit deutlich über den 60,3 Prozent bei der letzten Landtagswahl 2021. Um 16 Uhr hatten bereits 65,3 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben – eine Rekordbeteiligung. Zum selben Zeitpunkt vor fünf Jahren waren es gerade einmal 41,0 Prozent gewesen. Die Wahl gilt weit über Sachsen-Anhalt hinaus als Test für die Bundesregierung. In zwei Wochen wählen die Bürger in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte sich am Vortag selbstkritisch gezeigt. „Ich gebe zu, angesichts der Umfrageergebnisse und der zu befürchtenden Wahlergebnisse hat das, was wir bisher getan haben, nicht ausgereicht“, sagte er bei einer Wahlkampfveranstaltung. Mit Blick auf die AfD sagte er: „Wir müssen die Auseinandersetzung mit dieser Partei besser führen.“ Der neue Landtag muss spätestens am 30. Tag nach der Wahl zusammentreten, also am 6. Oktober. Mit diesem Tag enden die Amtszeiten von Schulze und seinen Ministern; die Verfassung verpflichtet sie, die Geschäfte weiterzuführen, bis Nachfolger übernehmen. Eine Frist für die Wahl des Ministerpräsidenten gibt es nicht – wohl aber Fristen für weitere Wahlgänge, sollte der erste scheitern. Alles zur Landtagswahl lesen Sie hier: - Alle Ergebnisse und Grafiken der Landtagswahl im Überblick - So falsch lagen die Umfrageinstitute bei der letzten Sachsen-Anhalt-Wahl - „Sachsen-Anhalt ist überall“: Kommentar von WELT-Kolumnist Harald Martenstein - Am Sonntag wählt Sachsen-Anhalt auch ein paar Medien ab: Don Alphonso zur Landtagswahl

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6. September
Wirtschaftswoche

Landtagswahl Sachsen-Anhalt heute: Koalitionsrechner – diese Koalitionen wären rechnerisch möglich

Landtagswahl Sachsen-Anhalt heute: Koalitionsrechner – diese Koalitionen wären rechnerisch möglich Heute findet die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt statt. Nach aktuellen Umfrageergebnissen, liegt die Alternative für Deutschland (AfD) mit 38 Sitzen deutlich vorne – gefolgt von der Christlich Demokratischen Union (CDU) mit 21 Sitzen. Doch welche Koalitionen wären nach aktuellen Umfrageergebnissen rechnerisch möglich? Und wie viele Sitze werden benötigt? Der Koalitionsrechner der WirtschaftsWoche zeigt die Möglichkeiten. Wie funktioniert der Koalitionsrechner? Der Koalitionsrechner nutzt aktuelle Umfragewerte (Sonntagsfrage Infratest dimap), um eine Sitzverteilung zu simulieren. Die Simulation geht von einer Mindestgröße von 83 Sitzen aus. Die Sitzzahl kann sich aber durch Ausgleichs- und Überhangmandate nach der tatsächlichen Wahl erhöhen. Die Umfrage gibt nur einen aktuellen Trend wieder. Erst nach der Wahl und dem amtlichen Endergebnis ist eine konkrete Berechnung möglich. Dennoch können Sie sich aufgrund aktueller Umfragewerte ein Bild von den Koalitionsmöglichkeiten machen. Mit dem Koalitionsrechner können Sie selbst Koalitionen zusammenstellen und beobachten, welche Zusammenschlüsse aktuell möglich wären. Durch einen Klick auf den Button einer Partei können Sie diese hinzufügen. In der Grafik wird der Anteil der Sitze der jeweiligen Partei farblich markiert. Außerdem wird angezeigt, ob die Mehrheit erreicht wurde. Was ist eine Koalition? Eine Koalition ist ein Zusammenschluss mehrerer Parteien zur Bildung einer (Landes-)Regierung. Koalitionen sind immer dann notwendig, wenn keine Partei allein die nötigen Sitze für eine Mehrheit im Parlament erreicht. Wie viele Sitze braucht eine Koalition für die Mehrheit bei der Landtagswahl Sachsen-Anhalt 2026? Der Landtag besteht mindestens aus 83 Abgeordneten. So ist es im Wahlgesetz des Landtags Sachsen-Anhalt festgelegt. Dabei werden 41 Abgeordnete mit der Erststimme direkt gewählt. Die restlichen Sitze werden durch die Zweitstimme über die Landeswahlvorschläge verteilt. Die tatsächliche Größe des Landtags kann erst nach der Wahl bestimmt werden, da sich die Anzahl der Sitze durch Ausgleichs- und Überhangmandate noch erhöhen kann. Im Regelfall liegt sie bei 83 Sitzen. Lesen Sie auch: Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Landtagswahl 2026

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6. September
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Sachsen-Anhalt-Krimi - Wahlkampf-Endspurt! Die dramatischen letzten 48 Stunden

Sachsen-Anhalt-Krimi: Wahlkampf-Endspurt! Die dramatischen letzten 48 Stunden Berlin/Magdeburg – Heute schaut die Welt nach Sachsen-Anhalt. Rund 500 Journalisten sind angereist – manche sogar aus Japan –, um über eine erwartete Wahl-Sensation zu berichten. Denn die AfD liegt in den Umfragen meilenweit vorne – es geht nicht mehr darum, ob sie gewinnt, sondern nur, wie hoch. Um Punkt 18 Uhr ist der Wahlkampf vorbei. Dann schlägt die Stunde der Wahrheit: Schafft die AfD die absolute Mehrheit? Regieren Rechtsextreme bald ein deutsches Bundesland? BILD zeigt das Protokoll der letzten, entscheidenden Stunden. Donnerstag Leuna, 18.18 Uhr: Wir beginnen mit dem Kanzler. Friedrich Merz (70, CDU) macht Wahlkampf ohne Wähler. Zusammen mit CDU-Kandidat und Amtsinhaber Sven Schulze (47) tritt er im Chemiepark Leuna vor die Kameras. Die Fabriktore sind verschlossen, Merz verzichtet auf den direkten Kontakt mit dem Wahlvolk. Er gibt ein siebenminütiges Statement für die Presse. Gesichert wird der Auftritt von Scharfschützen in einem gepanzerten Spezialfahrzeug. Irritierten Medienvertretern wird erklärt, das sei inzwischen „das neue Normal“. Wernigerode, 18.28 Uhr: Zum Wahlkampfabschluss der SPD ist Ex-Außenminister Sigmar Gabriel (66) in den Harz gereist. Auch Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (64) ist gekommen. Unterstützung soll SPD-Spitzenkandidat Armin Willingmann (63) auch von ganz oben bekommen: Sanitäter Raymond Schulz schenkt Willingmann einen Schutzengel. Schon vor fünf Jahren hatte er einen Engel verschenkt – damals aber an CDU-Mann Reiner Haseloff. Der gewann. Magdeburg, 19 Uhr: Rentner Bernhard Weitzell (71) schwenkt in der Fußgängerzone ein Anti-AfD-Plakat. Seit 24 Tagen reist der Rentner aus Köln durch Sachsen-Anhalt. „Für Propaganda gegen die AfD“, erzählt er BILD. Vergangene Woche hat AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund (35) das Plakat von Weitzell entdeckt und sich 20 Minuten mit ihm unterhalten: „War ein nettes Gespräch.“ Braunsbedra, 19.19 Uhr: Merz’ zweiter Wahlkampfauftritt an diesemTag. Wieder nur ein Treffen im kleinen Kreis mit ausgewählten CDU‑Politikern. Eigentlich war dieser Termin nicht für die Öffentlichkeit gedacht. Doch: Als BILD eintrifft, sind rund 150 Frauen, Männer und Jugendliche vor Ort. Einige sind in Deutschlandfahnen gewickelt, andere halten Bierflaschen in der Hand. Als der Kanzler das Treffen gegen 20.10 Uhr verlässt, winkt er kurz und steigt direkt in seine Limousine. Aus der Menge sind „Hau ab“-Rufe zu hören. Mainz, 21.45 Uhr: Das ZDF veröffentlicht im „heute-journal“ die letzte Umfrage vor der Wahl: AfD 41%, CDU 23%, Linke 11,5%, SPD 8,5%, Grüne 6%, BSW 4%, FDP 3 %. Würde bedeuten: keine absolute Mehrheit für die AfD, aber auch keine für CDU, SPD und Grüne. Freitag Erfurt/Magdeburg, 10.27 Uhr: Knall aus dem Nachbarland Thüringen! Die BSW-Fraktion im Landtag verliert neun weitere Abgeordnete. Die Wagenknecht-Partei droht endgültig zu zerbrechen. Zeitgleich macht das BSW in Magdeburg Wahlkampf: Vor dem Landtag hat die Partei zwei Tankcontainer abgestellt. Es soll um die hohen Energiepreise gehen. Doch die wenigen Passanten, die unterwegs sind, gehen einfach vorbei. Magdeburg, 13.30 Uhr: Jetzt gibt’s Pommes und Currywurst für CDU-Spitzenkandidat Schulze! Unterstützung kommt aus Hessen: Ministerpräsident Boris Rhein (54, CDU) ist angereist. Nur Abnehmer für Fritten und Wurst wollen sich nicht so recht finden lassen: Vor dem Imbissstand warten vor allem Fotografen und Reporter. Magdeburg, 14 Uhr: Die AfD hat zum „Familienfest“ geladen. Knapp 3000 Besucher feiern Spitzenkandidat Ulrich Siegmund (35). Hunderte stehen Schlange für ein Selfie mit ihm. „Wir haben diese Wahl schon gewonnen“, verkündet Siegmund auf der Bühne. Seine Anhänger schreien „Wir sind das Volk“ und „Ost-, Ost-, Ostdeutschland“. Aktivisten haben einen Bus geparkt, der „Scheiß AfD“-Chöre aus Lautsprechern Richtung Festplatz schallen lässt. Magdeburg, 15 Uhr: Siegmund erzählt seit Wochen, dass er nur alleine und mit einer stabilen Mehrheit regieren wolle. BILD fragte ihn, was genau damit gemeint ist. Überraschende Antwort: Selbst drei Stimmen mehr als eine absolute Mehrheit könnten ihm nicht reichen. Möchte Siegmund in Wahrheit gar nicht regieren? Politologe Werner Patzelt (73) vermutet eine „Mobilisierungskampagne“ auf den letzten Metern (WELT TV). Halle, 16.30 Uhr: Die Saaleinsel gehört zu den beliebtesten Freizeittreffs der Stadt. Hier feiern die Grünen ihre Wahlkampf-Abschlussparty. Auf der Bühne stehen Spitzenkandidatin Susan Sziborra-Seidlitz (48), Parteichef Felix Banaszak (36), Ex-Parteichefin Ricarda Lang (32) und Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir (60). Rund 500 Gäste sind gekommen. Vor der Bühne Liegestühle daneben eine Hüpfburg. Imbissstände, Live-Musik und jede Menge Platz zum Reden. Ricarda Lang wiederholt das zentrale Wahlkampf-Argument der Grünen: Wählt uns, denn wir verhindern, dass Siegmund Ministerpräsident wird. Halle, 17.30 Uhr: Die Linke beendet ihren Wahlkampf auf dem Hallmarkt. Spitzenkandidatin Eva von Angern (49) hat prominente Unterstützung mitgebracht: Fraktionschefin Heidi Reichinnek (38) aus dem Bundestag und die Silberlocken Gregor Gysi (78), Dietmar Bartsch (68) und Bodo Ramelow (70). 900 Besucher sind laut Polizei gekommen. Berlin, 17.45 Uhr: Basketball statt Wahlkampf-Endspurt. Kanzler Merz schaut die Frauen-WM in der Uber-Arena. Einen eigenen CDU-Wahlkampfabschluss in Sachsen-Anhalt gibt es nicht. Die deutsche Basketball-Mannschaft geht mit 53:83 gegen Spanien unter. Magdeburg, 20 Uhr: Drei Mannschaftswagen der bayerischen Landespolizei flankieren das größte Hotel der Stadt. Ein Einsatz? „Ne ne, wir checken nur ein“, ruft ein Beamter BILD zu. Über 1000 Polizisten sollen am Sonntag die Landeshauptstadt sichern. Alle Hotels sind ausgebucht. Magdeburg im Ausnahmezustand. Leipzig, 20.15 Uhr: Gemeinsam mit Ehefrau Kati Schulze und Entertainer Dieter Hallervorden (90) erscheint Ministerpräsident Schulze bei der Verleihung der „Goldenen Henne“ in Leipzig (Sachsen). Eine kleine Wahlkampfhilfe für Schulze gegen Siegmund, der den MDR abwickeln will. Hallervorden feiert anschließend in seinen 91. Geburtstag hinein. Und auch Schulze schien sich zu amüsieren: Er blieb bis mindestens 1 Uhr nachts. Samstag Messe Magdeburg, 10.15 Uhr: Mitarbeiter von ARD und ZDF bauen die letzten technischen Einrichtungen der Wahlstudios auf, ansonsten herrscht gähnende Leere. Eine Frau fragt einen Security-Mitarbeiter, wo heute Abend das Nena-Konzert stattfindet. Halle, 10.33 Uhr: Anruf bei Maik Biedermann (57), geschäftsführender Inhaber der AVD CNC Blechverarbeitung GmbH (33 Mitarbeiter) aus Elster (Landkreis Wittenberg). Der Unternehmer hofft auf eine Abwahl der CDU: „Ich hoffe auf einen Regierungswechsel. Dass man endlich mal sieht, ob es funktioniert oder nicht. Von der jetzigen Regierung bin ich jedenfalls sehr enttäuscht.“ Halle, 11.05 Uhr: Ministerpräsident Schulze ist beim Tag der Johanniter zu Gast, schaut sich im Freizeitlook (Jeans und Blouson) verschiedene Stationen an. An den Feldküchen lässt er sich zeigen, wie eine echte sächsische Kartoffelsuppe zubereitet wird. Bei den Johannitern aus Zorbau (Burgenlandkreis) bekommt er von Louisa Keller ein glitzerndes Kurzzeit-Tattoo aufgemalt. Seine Wahl fällt auf ein schnell schlagendes Herz. Halle, 11.50 Uhr: Top-Wirtschaftsexperte Reint Gropp (59, Präsident des IWH) warnt vor den wirtschaftlichen Folgen einer AfD-Alleinregierung. Er sagt BILD: „Sachsen-Anhalts Wirtschaft würde laut unseren Prognosen in den nächsten Jahren schrumpfen.“ Folge: Bis zu 3,2 Milliarden Euro Wirtschaftsleistung wären weg. Berlin, 12.27 Uhr: Anruf bei Hermann Binkert (61), Chef des Meinungsforschungsinstituts INSA. Was ist seine letzte Tendenz vor der Wahl? Er sagt: „Es ist klar, dass die AfD mit Abstand stärkste Kraft wird. 45 Prozent plus X für die AfD sind eher unwahrscheinlich, aber möglich.“ Die AfD habe ein gesichertes Wählerpotenzial von 36 Prozent. Es ist also auch nicht ausgeschlossen, dass sie am Ende unter 40 Prozent landet. Hannover, 13.46 Uhr: Merz macht Wahlkampf – allerdings nicht in Sachsen-Anhalt, sondern für die Kommunalwahl in Niedersachsen (am 13. September). Er spricht über die AfD, ermahnt seine Parteikollegen: „Wir müssen die Auseinandersetzung mit dieser Partei besser führen.“ Und räumt selbstkritisch ein: „Wir finden heute auch nicht die Zustimmung, die wir brauchen, um auf Dauer das Land gut zu führen.“ Berlin, 16.36 Uhr: Auf der US-Wettplattform „polymarket“ können Nutzer auf den Wahlausgang der Sachsen-Anhalt-Wahl setzen. Dort wird gefragt: „Wird die AfD die absolute Mehrheit der Parlamentssitze in Sachsen-Anhalt gewinnen?“ Die meisten Wetteilnehmer sind skeptisch. Laut Wettanbieter hat die AfD eine Chance von 18 Prozent. Rund 522.000 Dollar (449.000 Euro) wurden inzwischen gesetzt. Magdeburg, 17 Uhr: Auf dem Domplatz versammeln sich mehrere Tausend Menschen zum „Demokratiefest“. Sie wollen gegen die AfD demonstrieren. Mit dabei: Linken-Co-Fraktionschefin Heidi Reichinnek (38, Linke) und Grünen-Chef Felix Banaszak (36). Schulze wollte auch kommen – obwohl Deutschlandflaggen und Parteifahnen verboten sind. Magdeburg, 17.15 Uhr: Vor 900 Gästen – darunter auch die Parteichefs Alice Weidel (47) und Tino Chrupalla (51) – feiert die AfD ihren Wahlkampfabschluss in einem Magdeburger Theater. Im Saal: Wechselstimmung. Etwas Nervosität. Wird die AfD wirklich bald in die Staatskanzlei einziehen? „Schauen wir mal, ob wirklich alles möglich ist. Ich will’s hoffen“, sagt ein Zuschauer in Anlehnung an Siegmunds Wahlspruch. Magdeburg, 18 Uhr: Noch 24 Stunden bis zur Schließung der Wahllokale – und der Stunde der Wahrheit. Haben Sie eine Meinung zu diesem Artikel? Hier können Sie uns schreiben. Haben Sie Fehler entdeckt? Dann weisen Sie uns gern darauf hin.

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6. September
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Absolute AfD-Mehrheit? - Alle aktuellen Umfragen zum Wahl-Krimi

Suche nach Strom-Terrorist Daniel V. – Polizei startet Einsatz am Hambacher Forst Tag der Entscheidung in Sachsen-Anhalt: Alle aktuellen Umfragen zum Wahl-Krimi Magdeburg - In Sachsen-Anhalt haben die Wahllokale geöffnet. Bis 18 Uhr können 1,7 Millionen Bürger über ihren neuen Landtag abstimmen. Die letzten Umfragen sehen dabei die AfD mit ihrem Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund (35) klar vorne. Doch ob es für die von ihm angestrebte absolute Mehrheit reicht, bleibt abzuwarten – das Ergebnis am Abend wird in ganz Deutschland mit Spannung erwartet. Das sagen die Wahlforscher: In der aktuellsten Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag des ZDF kommt die AfD auf 41 Prozent. Die CDU von Ministerpräsident Sven Schulze (47) liegt bei 23 Prozent. Auf dem dritten Platz folgt die Linke mit 11,5 Prozent. Die SPD wäre mit 8,5 Prozent klar im Landtag vertreten, auch die Grünen kämen mit 6 Prozent knapp rein. Für eine absolute AfD-Mehrheit würde das nicht reichen – eine Regierungsbildung an ihr vorbei wäre aber auch schwierig. Die CDU wäre auf Unterstützung der Linken angewiesen, um mit SPD und Grünen eine Minderheitsregierung gegen die AfD zu bilden. Vorsprung der AfD auch in anderen Umfragen Der deutliche Vorsprung der AfD vor der CDU deckt sich mit den Erhebungen anderer Institute. Infratest dimap sah die AfD in einer Umfrage für die ARD Ende August bei 42 Prozent und die CDU bei 22 Prozent. In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Insa im Auftrag von „Nius“ lag die AfD zuletzt bei 43 Prozent und die CDU bei 22 Prozent. Drittstärkste Kraft wäre die Linke mit 12 Prozent. Die SPD hätte 7 Prozent, die Grünen müssten mit 5 Prozent um ihren Einzug in den Landtag zittern. Ob es wirklich so kommt? Wahlumfragen sind immer mit Unsicherheiten verbunden. Viele Wähler entscheiden sich sehr kurzfristig, wo sie tatsächlich ihr Kreuz machen. Und: Gerade ostdeutsche Wähler fühlen sich weniger an einzelne Parteien gebunden als westdeutsche. Aber: Anders als bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt vor fünf Jahren, erwarten die Wahlforscher diesmal keine große Überraschung. Damals war die AfD deutlich schwächer als in den Umfragen erwartet, die CDU dagegen deutlich stärker und gewann mit 16 Prozentpunkten Vorsprung. „Wir rechnen nicht mit einem so großen Mobilisierungseffekt in den letzten Tagen wie 2021. Damals konnte (Ministerpräsident Reiner) Haseloffs CDU die AfD-Gegner hinter sich versammeln. Dieses Mal teilen sich die AfD-Gegner breiter auf verschiedene Parteien auf“, sagt der Chef der Forschungsgruppe Wahlen, Matthias Jung. Und auch Insa-Chef Hermann Binkert meint: „Reiner Haseloff war ein sehr populärer Ministerpräsident, er hat im Wahlendspurt viele Stimmen für die CDU gewonnen.“ Beim aktuellen CDU-Ministerpräsidenten Sven Schulze sei das jedoch nicht zu erwarten. Haben Sie eine Meinung zu diesem Artikel? Hier können Sie uns schreiben. Haben Sie Fehler entdeckt? Dann weisen Sie uns gern darauf hin.

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6. September
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Die BILD-Wahl-Widgets - Testen Sie hier aus, wie die Wahl ausgehen könnte

Suche nach Strom-Terrorist Daniel V. – Polizei startet Einsatz am Hambacher Forst Die BILD-Wahl-Widgets: Testen Sie hier aus, wie die Wahl ausgehen könnte Berlin/Magdeburg – Wer gewinnt die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt? Welche Koalitionen wären möglich? Und wie haben sich die Umfragewerte in den vergangenen Monaten entwickelt? Mit den BILD-Wahl-Widgets können Sie die aktuelle politische Lage im Land selbst analysieren und verschiedene Wahlausgänge durchspielen. Ob Sonntagsfrage, Koalitionsoptionen oder spannende Zukunftsszenarien: Mit nur wenigen Klicks sehen Sie, welche Folgen schon kleine Verschiebungen bei den Stimmenanteilen haben könnten. So stark sind die Parteien aktuell Die Sonntagsfrage zeigt auf einen Blick, wie die Parteien in den aktuellen Umfragen dastehen. Das Widget wird laufend aktualisiert und bildet die derzeitige Stimmung im Land ab. Wer legt zu? Wer verliert an Zustimmung? Und welche Partei liegt vorne? Hier finden Sie die neuesten Werte, übersichtlich dargestellt. Welche Koalitionen wären möglich? Nach der Wahl beginnt meist das politische Rechnen. Mit dem Koalitionsrechner können Sie selbst ausprobieren, welche Parteien gemeinsam eine Mehrheit im Landtag erreichen würden. Reichen zwei Parteien aus? Braucht es ein Dreierbündnis? Welche Kombinationen hätten überhaupt eine rechnerische Mehrheit? Das Widget zeigt es Ihnen sofort. Spielen Sie verschiedene Wahlausgänge durch Besonders spannend wird es mit dem Szenarienrechner. Hier können Sie die Stimmenanteile einzelner Parteien verändern und beobachten, wie sich die Sitzverteilung und mögliche Regierungsbündnisse verändern. Was passiert, wenn eine Partei noch zwei Prozentpunkte gewinnt? Welche Folgen hätte ein schlechteres Wahlergebnis für die Regierungsbildung? Mit wenigen Klicks testen Sie unterschiedliche Entwicklungen selbst. So haben sich die Umfragewerte entwickelt Politik ist ständig in Bewegung. Der Umfrageverlauf zeigt, wie sich die Parteien seit Monaten entwickelt haben. Welche Partei befindet sich im Aufwärtstrend? Wer verliert an Rückhalt? Und welche Ereignisse haben sich möglicherweise auf die Stimmung im Land ausgewirkt? Das Liniendiagramm macht die Entwicklung der Umfragewerte sichtbar. Alle Spitzenkandidaten Wer will Ministerpräsident werden? Wer fordert die Konkurrenz heraus? Und mit welchen Themen ziehen die Parteien in den Wahlkampf? In unserer Übersicht finden Sie die wichtigsten Spitzenkandidaten der Sachsen-Anhalt-Wahl auf einen Blick: mit Kurzprofilen, politischen Schwerpunkten und den wichtigsten Fakten zur Person. Wahlkreiskarte Wie hat Ihr Wahlkreis zuletzt gewählt? Welche Kandidaten treten vor Ort an? Und wo sind die politischen Hochburgen der Parteien? Mit der interaktiven Wahlkreiskarte können Sie Sachsen-Anhalt bis auf die regionale Ebene erkunden und nachschauen, welche Besonderheiten in Ihrem Wahlkreis gelten. Die Sachsen-Anhalt-Wahl zum Mitmachen Die BILD-Wahl-Widgets machen politische Zusammenhänge verständlich und machen die Zahlen greifbar. Probieren Sie die verschiedenen Funktionen aus und finden Sie heraus, welche Koalitionen möglich wären und wie sich schon kleine Veränderungen auf den Wahlausgang auswirken könnten. Jetzt alle BILD-Wahl-Widgets testen und die Sachsen-Anhalt-Wahl selbst durchspielen. Haben Sie eine Meinung zu diesem Artikel? Hier können Sie uns schreiben. Haben Sie Fehler entdeckt? Dann weisen Sie uns gern darauf hin.

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6. September
Tagesschau

Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: Sorgen um Wirtschaft und steigende Preise

Landtagswahl in Sachsen-Anhalt Sorgen um Wirtschaft und steigende Preise Die CDU kämpft bei der Wahl in Sachsen-Anhalt mit einer AfD im Höhenflug - und mit Gegenwind aus Berlin. Die Unzufriedenheit mit Kanzler Merz ist groß, die Beunruhigung bei Wählerinnen und Wählern auch. Einer der kontroversesten und bundesweit am stärksten beachteten Landtagswahlkämpfe der vergangenen Jahre ist zu Ende. 1,7 Millionen Wahlberechtigte in Sachsen-Anhalt entscheiden heute über ihr Parlament und indirekt über die nächste Landesregierung. In den Vorwahlumfragen der letzten Wochen spiegelt sich die Aufregung nicht wider. In den repräsentativen Umfragen im Auftrag von ARD und ZDF haben sich die Werte der Parteien nur im Rahmen der üblichen statistischen Schwankungen bewegt. Danach kann die AfD mit einem Rekordergebnis rechnen. Auch eine Regierungsmehrheit ist zwar im Bereich des Möglichen. Allerdings gab es bislang keine Umfrage, in der das der Fall war. In der ARD-Vorwahlumfrage Ende August stand die AfD bei 42 Prozent. Für die seit 2002 regierende CDU deutet sich eine schwere Niederlage an. Sie kam bei infratest dimap zuletzt auf 22 Prozent. Es ist sehr wahrscheinlich, dass sie - ähnlich wie schon in Thüringen - für eine Mehrheit auf Stimmen der Linken angewiesen sein wird. Sachsen-Anhalt ist für Überraschungen bekannt Sachsen-Anhalt ist allerdings bekannt für Überraschungen am Wahltag. Es ist das Bundesland mit der durchschnittlich geringsten Wahlbeteiligung und besonders schwacher Parteienbindung. 2021 erklärte bei der Wahltagsbefragung von infratest dimap für die ARD ein Drittel der Wählerinnen und Wähler, sich erst am Sonntag selbst oder wenige Tage zuvor entschieden zu haben. Vorwahlumfragen sind eben keine Vorhersagen - der Ausgang dieser Landtagswahl ist offen. Die Stimmung in Sachsen-Anhalt ist geprägt von einem kritischen Blick auf die Lage der Wirtschaft, großer Sorge über steigende Preise und Enttäuschung über die Bundesregierung. Nur für 13 Prozent der von infratest dimap in dieser Woche Befragten geben die Verhältnisse in Deutschland Anlass zu Zuversicht, 82 Prozent sind beunruhigt. Anhänger anderer Parteien versammeln sich hinter CDU-Regierung Entsprechend zurückhaltend wird die bisherige Landesregierung aus CDU, SPD und FDP bewertet. 31 Prozent sind zufrieden mit ihrer Arbeit, 66 Prozent unzufrieden. Bei der vergangenen Wahl vor fünf Jahren gab es noch ein mehrheitlich positives Bild. Trotzdem wünscht sich auch jetzt bei der Befragung in der ersten Wochenhälfte eine knappe relative Mehrheit von 46 Prozent weiterhin eine CDU-geführte Landesregierung, 41 Prozent wollen eine Regierung unter Führung der AfD. In der Vorwoche waren die Lager noch fast gleichauf (41 Prozent CDU-geführt, 42 Prozent AfD-geführt). Bei dieser Fragestellung ist die Polarisierung im Land deutlich erkennbar. Praktisch alle AfD-Anhänger wollen ihre Partei auch in der Regierung sehen. Die Parteianhänger auch von SPD, Grünen und Linken versammeln sich fast vollständig hinter einer CDU-Regierung. In dieses Bild passt, dass unter denjenigen, die beabsichtigen, SPD oder Grüne zu wählen, jeweils eine deutliche Mehrheit als wichtigsten Grund angibt, damit eine AfD-Regierung verhindern zu wollen. AfD mit ihrem bislang am besten bewerteten Spitzenkandidaten Die AfD könnte ihr bisher bestes Ergebnis in einem Land überhaupt erzielen. Neben der Enttäuschung über andere Parteien spielt dabei wachsendes inhaltliches Zutrauen eine große Rolle. Mit Ulrich Siegmund hat die Partei auch ihren bisher am besten bewerteten Spitzenkandidaten. 37 Prozent bewerten seine Arbeit positiv, jüngere Befragte stärker als ältere. Damit liegt er nur knapp hinter dem Amtsinhaber Sven Schulze von der CDU, er erreicht 38 Prozent. Könnte man den Ministerpräsidenten direkt wählen, entschieden sich 46 Prozent für Schulze, 40 Prozent für Siegmund. Schulze hatte erst im Januar das Amt von Reiner Haseloff übernommen, musste sich in kurzer Zeit bei vielen Wählerinnen und Wählern überhaupt erst bekannt machen und konnte noch nicht das Profil eines Landesvaters aufbauen. Rentendiskussion spielt große Rolle Jenseits von Personen und taktischen Überlegungen ist wie schon 2021 soziale Sicherheit das wichtigste inhaltliche Motiv für die Wahlentscheidung. 25 Prozent der Befragten geben das an. Sachsen-Anhalt ist das Land mit der bundesweit ältesten Bevölkerung. Mehr als die Hälfte der Wählerschaft ist bereits im Rentenalter oder steht wenige Jahre davor. Gerade für die eher ältere Anhängerschaft von CDU, SPD und Linken spielt die Diskussion über die auf Bundesebene geplanten Renten- und andere Sozialreformen eine große Rolle. Nur 30 Prozent der Befragten wollen, dass die Reformen wie geplant umgesetzt werden, selbst in der CDU-Wählerschaft gibt es nur eine knappe Mehrheit dafür. Die Mehrheit der Befragten findet, die Bundesregierung habe bei dieser Wahl einen Denkzettel verdient. Weidel und Chrupalla besser bewertet als Merz, Klingbeil und Bas Auffällig ist, dass die Umfrageentwicklung in Sachsen-Anhalt seit anderthalb Jahren weitgehend parallel zu den bundesweiten Werten des ARD-DeutschlandTrends verläuft. Die Enttäuschung darüber, dass vor allem die CDU aus Sicht der Befragten ihre Wahlversprechen nicht umgesetzt hat, und - im Gegenzug - der Aufstieg der AfD in den Umfragen seit dem Sommer 2025 spiegeln sich im Land entsprechend wider. Die beiden AfD-Bundesvorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla (36 und 29 Prozent Zustimmung zur politischen Arbeit) werden deutlich besser bewertet als die SPD-Co-Chefs Lars Klingbeil und Bärbel Bas (jeweils 16 Prozent) und erst recht als Bundeskanzler Merz (neun Prozent). Die Wählerinnen und Wähler entscheiden an diesem Sonntag also nicht nur über die politische Führung in Sachsen-Anhalt. Zusammen mit Berlin und Mecklenburg-Vorpommern, wo in 14 Tagen gewählt wird, setzen sie auch Signale für die bundespolitische Debatte im Herbst. 18-Uhr-Prognose beruht auf rund 20.000 Interviews Anders als die Vorwahlumfragen, bei denen Wahlberechtigte per Telefon und online befragt werden, beruht die 18-Uhr-Prognose heute in der ARD auf der Befragung tatsächlicher Wählerinnen und Wähler in 180 Wahllokalen direkt nach der Stimmabgabe. Infratest dimap rechnet mit ungefähr 20.000 Interviews, aus denen dann nicht nur die Prognose, sondern auch die Wählerwanderung errechnet wird. Auch die Prognose kann trotz der relativ großen statistischen Genauigkeit noch vom späteren Ergebnis abweichen. In den Hochrechnungen schlägt sich häufig nieder, dass städtische und ländliche Stimmbezirke und vor allem Urnen- und Briefwahlbezirke unterschiedlich schnell ausgezählt werden. Bei knappen Verhältnissen gibt es bei Landtagswahlen deshalb häufig erst am späteren Abend Sicherheit über den Wahlausgang.

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6. September
Wirtschaftswoche

Landtagswahl Sachsen-Anhalt heute: Koalitionsrechner – diese Koalitionen wären rechnerisch möglich

Landtagswahl Sachsen-Anhalt heute: Koalitionsrechner – diese Koalitionen wären rechnerisch möglich Heute findet die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt statt. Nach aktuellen Umfrageergebnissen, liegt die Alternative für Deutschland (AfD) mit 38 Sitzen deutlich vorne – gefolgt von der Christlich Demokratischen Union (CDU) mit 21 Sitzen. Doch welche Koalitionen wären nach aktuellen Umfrageergebnissen rechnerisch möglich? Und wie viele Sitze werden benötigt? Der Koalitionsrechner der WirtschaftsWoche zeigt die Möglichkeiten. Wie funktioniert der Koalitionsrechner? Der Koalitionsrechner nutzt aktuelle Umfragewerte (Sonntagsfrage Infratest dimap), um eine Sitzverteilung zu simulieren. Die Simulation geht von einer Mindestgröße von 83 Sitzen aus. Die Sitzzahl kann sich aber durch Ausgleichs- und Überhangmandate nach der tatsächlichen Wahl erhöhen. Die Umfrage gibt nur einen aktuellen Trend wieder. Erst nach der Wahl und dem amtlichen Endergebnis ist eine konkrete Berechnung möglich. Dennoch können Sie sich aufgrund aktueller Umfragewerte ein Bild von den Koalitionsmöglichkeiten machen. Mit dem Koalitionsrechner können Sie selbst Koalitionen zusammenstellen und beobachten, welche Zusammenschlüsse aktuell möglich wären. Durch einen Klick auf den Button einer Partei können Sie diese hinzufügen. In der Grafik wird der Anteil der Sitze der jeweiligen Partei farblich markiert. Außerdem wird angezeigt, ob die Mehrheit erreicht wurde. Was ist eine Koalition? Eine Koalition ist ein Zusammenschluss mehrerer Parteien zur Bildung einer (Landes-)Regierung. Koalitionen sind immer dann notwendig, wenn keine Partei allein die nötigen Sitze für eine Mehrheit im Parlament erreicht. Wie viele Sitze braucht eine Koalition für die Mehrheit bei der Landtagswahl Sachsen-Anhalt 2026? Der Landtag besteht mindestens aus 83 Abgeordneten. So ist es im Wahlgesetz des Landtags Sachsen-Anhalt festgelegt. Dabei werden 41 Abgeordnete mit der Erststimme direkt gewählt. Die restlichen Sitze werden durch die Zweitstimme über die Landeswahlvorschläge verteilt. Die tatsächliche Größe des Landtags kann erst nach der Wahl bestimmt werden, da sich die Anzahl der Sitze durch Ausgleichs- und Überhangmandate noch erhöhen kann. Im Regelfall liegt sie bei 83 Sitzen. Lesen Sie auch: Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Landtagswahl 2026

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6. September
FAZ (Politik)

Fristen, Quoren, Kabinett: Wie geht es nach der Wahl in Sachsen-Anhalt weiter?

Fristen, Quoren, Kabinett : Wie geht es nach der Wahl in Sachsen-Anhalt weiter? Nach der Wahl in Sachsen-Anhalt könnte es auf juristische Feinheiten ankommen – bis hin zur Gestaltung des Stimmzettels im Magdeburger Landtag. Die wichtigsten Fragen und Antworten. Die gegenwärtige Koalition aus CDU, SPD und FDP wird mit großer Wahrscheinlichkeit ihre Mehrheit mit der Landtagswahl an diesem Sonntag verlieren. Nach allen bisherigen Umfragen wird keine Regierungsbildung aus der politischen Mitte heraus möglich sein. Wie entwickeln sich die Mehrheitsverhältnisse? Es gibt, grob unterteilt, folgende drei Szenarien: Erstens könnte die AfD eine eigene Mehrheit im Landtag erreichen. Dies gibt aber keine der bisherigen Umfragen her. Zweitens könnte das BSW den Einzug in den Landtag schaffen, was den Parteien der Mitte die Regierungsbildung erschweren würde, der AfD hingegen erleichtern könnte. Das BSW hat noch kurz vor der Wahl die Bereitschaft signalisiert, mit der AfD zusammenzuarbeiten. In den jüngsten Umfragen liegt das BSW unter der Fünfprozenthürde. Bleibt das dritte und nach den jüngsten Umfragen wahrscheinlichste Szenario: Die CDU ist zur Fortführung ihrer Regierung entweder auf die Zustimmung der AfD oder der Linken-Fraktion angewiesen. Das hat schon vor der Wahl innerhalb der Partei zu Spannungen geführt. Da auch die AfD nach Aussage ihres Spitzenkandidaten Siegmund keine Koalitionen eingehen will, könnte die Regierungsbildung verzwickt werden. Bis wann muss sich der gewählte Landtag konstituieren? Dafür sieht die Landesverfassung eine Frist von 30 Tagen vor. Eröffnet wird die Sitzung durch den Alterspräsidenten. Im benachbarten Thüringen fiel diese Rolle nach der Landtagswahl einem AfD-Politiker zu, der seine Befugnisse aber in einer denkwürdigen Sitzung überschritt. „Ein Alterspräsident ist lediglich ein Amtswalter und hat eine dienende Funktion“, erklärt der Hallenser Verfassungsrechtler Robert Böttner. Dies habe das Thüringer Verfassungsgericht nach der Sitzung auch klargestellt. Nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt fällt die Funktion des Alterspräsidenten auch nicht dem ältesten, sondern dem dienstältesten Landtagsabgeordneten zu, und dieser wird aller Voraussicht nach nicht von der erst seit 2016 im Landtag vertretenen AfD gestellt. Wer legt die Geschäftsordnung fest? Bei seiner Konstituierung hat der Landtag noch keine Geschäftsordnung, diese muss das Parlament sich am Anfang selbst geben. „In der Regel wird die alte Geschäftsordnung weiterverwendet, diese kann aber auch verändert werden, auch bereits vor der Wahl des Landtagspräsidenten“, erklärt Böttner. Die Geschäftsordnung wird in einer offenen Abstimmung beschlossen, nötig ist die einfache Mehrheit der abgegebenen Stimmen. Sollte das BSW also in den Landtag gelangen, könnte es mit einer Enthaltung schon an diesem Punkt Spielräume für die AfD eröffnen. Welche Rolle spielen Landtagspräsidium und Ältestenrat? Das Vorschlagsrecht für den Landtagspräsidenten liegt laut der gültigen Geschäftsordnung bei der größten Fraktion, die nach allen bisherigen Umfragen voraussichtlich die AfD stellen wird. „Es gibt aber keinen Anspruch, auch zum Landtagspräsidenten gewählt zu werden“, äußert der Verfassungsjurist Böttner und verweist darauf, dass im Zuge der Parlamentsreform im April auch die Geschäftsordnung im Vorgriff auf den neuen Landtag geändert wurde, was er verfassungsrechtlich allerdings für fragwürdig hält. Die neue Regelung besagt, dass nach einer Nichtwahl das Vorschlagsrecht nicht wie bislang bei der größten Fraktion verbleibt, sondern alle Fraktionen Kandidaten benennen dürfen. In Thüringen ist mit Thadäus König bereits ein Politiker zum Landtagspräsidenten gewählt worden, der nicht Mitglied der stärksten Fraktion (AfD), sondern der zweitstärksten Fraktion (CDU) ist. Die neue Geschäftsordnung von April sieht zudem eine Änderung bei den Vizepräsidenten des Landtags vor: Die Fraktion, die den Präsidenten stellt, bekommt künftig nicht zusätzlich noch einen Vizepräsidenten. Auch ist nicht mehr vorgesehen, dass es drei Vizepräsidenten geben soll, sondern nur noch „bis zu drei“. Hintergrund der neuen Regel ist die Erfahrung, dass die Kandidaten der AfD für das Amt des Vizepräsidenten in der Vergangenheit nicht die erforderliche Mehrheit im Magdeburger Landtag erhielten. Die Abstimmungen über den Landtagspräsidenten und seine Stellvertreter, die gemeinsam das Landtagspräsidium bilden und die Plenarsitzungen leiten, erfolgen geheim. Das Landtagspräsidium bildet zusammen mit 13 weiteren Abgeordneten den Ältestenrat, der die Tagesordnung des Parlaments erstellt. In den Sitzungen des Ältestenrats ist das Präsidium aber nicht stimmberechtigt. Sollte kein Präsident oder kein Präsidium gewählt werden, muss der Landtag improvisieren. „Dieser Fall ist nicht verfassungsrechtlich geregelt“, sagt Jurist Böttner. Kann es passieren, dass der bisherige Ministerpräsident noch lange geschäftsführend im Amt bleibt? Ja. Der bisherige Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) und sein Kabinett bleiben bis zur Wahl des neuen Ministerpräsidenten geschäftsführend im Amt. Dieser Zustand kann Monate und Jahre andauern, da die Landesverfassung von Sachsen-Anhalt keine Frist enthält, bis zu der die Wahl erfolgt sein muss. Eine solche Frist wurde nach der Landtagswahl im Jahr 2016 aus der Verfassung gestrichen, da die Koalitionsverhandlungen damals überhastet geführt werden mussten. Theoretisch denkbar ist sogar, dass der Ministerpräsident über die nachfolgende Landtagswahl hinaus geschäftsführend im Amt bleibt. Es stellt sich aber die Frage, wie handlungsfähig eine solche geschäftsführende Landesregierung wäre, besonders mit Blick auf den kommenden Haushalt. Sollte sich für diesen Haushalt keine einfache Mehrheit der abgegebenen Stimmen im Landtag finden, kommt es zu einer vorläufigen Haushaltsführung. „Dann steht jeden Monat ein Teil des alten Budgets zur Verfügung, um zwingend notwendige Ausgaben zu tätigen“, erklärt Verfassungsjurist Böttner. Was bedeutet „Versteinerung“ des Kabinetts? Ein geschäftsführender Ministerpräsident könnte zwar Minister aus seinem Kabinett entlassen, aber keine neuen mehr ernennen. Das Kabinett „versteinert“. So lautet zumindest ein althergebrachter, wenn auch umstrittener Grundsatz im Verfassungsrecht, wie Robert Böttner erklärt. Mit Blick auf das fortgeschrittene Alter einiger Kabinettsmitglieder ist diese Frage in Sachsen-Anhalt durchaus virulent. Es gibt aber einen Umweg: Ministerpräsident Schulze könnte neue Minister noch vor der Konstituierung des neuen Landtags im bisherigen Landtag vereidigen lassen. Kann man die Wahl eines neuen Ministerpräsidenten erzwingen? Wenn eine Fraktion dies verlangt und das Plenum das beschließt, muss die Wahl eines Ministerpräsidenten auf die Tagesordnung gesetzt werden. „Das ist dann ein ganz normaler Tagesordnungspunkt“, sagt Robert Böttner. Der Punkt kann mit einfacher Mehrheit der abgegebenen Stimmen aber auch wieder von der Tagesordnung entfernt werden. Ist das Wahlverfahren jedoch einmal in Gang gesetzt, sieht die Verfassung einen starren Zeitplan vor: Erhält im ersten Wahlgang kein Bewerber in geheimer Abstimmung die Mehrheit der Mitglieder des Landtags, findet innerhalb von sieben Tagen ein zweiter Wahlgang mit demselben Quorum statt. Falls auch dann kein Ministerpräsident gewählt ist, kann der Landtag binnen weiterer 14 Tage mit Mehrheit der Mitglieder seine Auflösung beschließen, die sonst erst nach sechs Monaten möglich ist. Löst sich der Landtag nicht auf, findet unverzüglich ein dritter Wahlgang statt. Dann, und das ist wichtig, ist nur noch die Mehrheit der abgegebenen Stimmen nötig. Die Hürde liegt damit zwar immer noch höher als in anderen Ländern, wo ein Bewerber lediglich die relative Mehrheit benötigt, also mehr Stimmen als mögliche Mitbewerber. Aber durch Enthaltungen lässt sich die Zahl der nötigen Stimmen im Vergleich zu den ersten beiden Wahlgängen dennoch senken. Das BSW hat bereits in Aussicht gestellt, sich im Falle seines Einzugs in den Landtag zugunsten der AfD im dritten Wahlgang zu enthalten. Der AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund lehnt dies im Gespräch mit der F.A.Z. aber ab. „Ich würde doch gar nicht ohne Mehrheit in die Wahl gehen“, sagt Siegmund. „Was bringt es mir denn, formaler Ministerpräsident zu sein, wenn ich keine parlamentarische Mehrheit habe und keinen einzigen Gesetzesentwurf durchbekomme, ohne mich irgendwo wieder aufweichen zu müssen“, erklärt der AfD-Politiker. „Es geht nur alleine.“ Tatsächlich wäre ein AfD-Ministerpräsident, der im dritten Wahlgang in geheimer Abstimmung die erforderliche Mehrheit erhielt, bei der Verabschiedung des Haushalts dann wieder auf eine Mehrheit der anwesenden Abgeordneten in offener Abstimmung angewiesen. Der dritte Wahlgang ist aber auch deshalb vertrackt, weil es mehrere Möglichkeiten gibt, das nötige Quorum zu senken. Ein Abgeordneter könnte, etwa unter Verweis auf gesundheitliche Gründe, der Abstimmung fernbleiben oder die Sitzung kurzzeitig verlassen – dann wäre dieses Verhalten für Außenstehende sichtbar. Bei einer Enthaltung in der Abstimmung könnte hingegen nicht auf den einzelnen Abgeordneten zurückgeschlossen werden. Dies gilt auch für die Abgabe eines ungültigen Stimmzettels. Ob eine ungültige Stimme als nicht abgegeben oder als Neinstimme gewertet werden soll, ist in der Rechtswissenschaft umstritten. Auch die Gestaltung des Stimmzettels ist eine wichtige Frage. Der Verfassungsjurist Robert Böttner vertritt die Auffassung, dass auf den Stimmzetteln „Ja“ (oder im Falle mehrerer Bewerber deren Namen) verzeichnet sein müsse sowie die Optionen „Nein“ und „Enthaltung“. Beim dritten Wahlgang im Jahr 1994 fehlte in Sachsen-Anhalt das Feld „Nein“. Böttner hält die damalige Wahl von Ministerpräsident Reinhard Höppner (SPD) daher wie andere Juristen für verfassungswidrig. Offen ist auch, was nach einem gescheiterten dritten Wahlgang passiert. Böttner vertritt die Auffassung, dass dann weitere Wahlgänge möglich sind, für die ebenfalls das abgesenkte Quorum des dritten Wahlgangs gilt.

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5. September
Tagesschau

Wahl in Sachsen-Anhalt: Welche Koalitionsoptionen gibt es?

Wahl in Sachsen-Anhalt Welche Koalitionsoptionen gibt es? In den Umfragen zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt liegt die AfD vorne - zur Alleinregierung würde es demnach aber nicht reichen. Welche Szenarien denkbar sind und vor welchen Problemen die Parteien stehen. Die Ausgangslage Die Umfragen weisen seit Monaten in eine Richtung: Die AfD könnte in Sachsen-Anhalt stärkste Kraft werden. In der Vorwahlumfrage liegt die Partei bei 42 Prozent, womit sie ihr Ergebnis von 2021 verdoppeln und bundesweit ihr bestes Ergebnis bei Landtagswahlen erzielen würde. Die CDU von Ministerpräsident Sven Schulze liegt bei 22 Prozent - nach 37,1 Prozent bei der Wahl vor fünf Jahren wären das deutliche Verluste. Anders als sein langjähriger und beliebter Amtsvorgänger Reiner Haseloff (CDU) bringt Schulze keinen Amtsbonus mit. Erst Ende Januar übernahm der 47-Jährige frühere Wirtschaftsminister die Staatskanzlei - und befindet sich seitdem im Wahlkampfmodus. Doch nicht nur Unmut über die wirtschaftliche Lage, auch die tiefe Unzufriedenheit mit der Bundesregierung und den etablierten Parteien scheint der Landes-CDU auf die Füße zu fallen. Die AfD mit ihrem Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund gibt sich indes siegesgewiss und will "Geschichte schreiben". Ob sie tatsächlich nach der Macht greifen und allein regieren kann, hängt auch vom Abschneiden der anderen Parteien ab. Die Grünen liegen in der Vorwahlumfrage zuletzt bei sechs Prozent und müssen ebenso wie das BSW mit vier Prozent um den Parlamentseinzug bangen, die FDP kommt auf noch geringere Umfragewerte. Die SPD, die derzeit mit CDU und FDP eine recht harmonische Koalition bildet, lag zuletzt bei acht Prozent und läuft Gefahr, ihr historisch schlechtes Ergebnis von 8,4 Prozent im Jahr 2021 noch zu unterbieten. Die Linkspartei steht bei elf Prozent. Warum könnte die Regierungsbildung schwierig werden? Die AfD peilt ein Wahlergebnis von "45 plus X" an und will Siegmund zum ersten AfD-Ministerpräsidenten machen. Die bisherigen Umfragewerte deuten auf keine absolute Mehrheit der Stimmen für die AfD hin. Je mehr der anderen Parteien allerdings an der Fünfprozenthürde scheitern, desto höher sind die Chancen der AfD auf eine Mehrheit der Sitze im Parlament. Dafür wäre nicht unbedingt ein Zweitstimmenanteil von 50 Prozent nötig. Für den Fall einer Alleinregierung kündigte die AfD unter anderem eine "Abschiebe- und Remigrationsoffensive", die Kündigung des Rundfunkstaatsvertrags, ein Babybegrüßungsgeld für Kinder mit mindestens einem Elternteil mit deutschem Pass, ein Verbot von Regenbogenflaggen an öffentlichen Schulen und die Streichung von Fördergeldern, etwa für Vereine in der Demokratiearbeit, an. Sollte das Wahlergebnis in etwa so ausfallen wie die Umfragen, würde die AfD ihr Ziel aber verpassen. Wenn sowohl SPD als auch Grüne den Wiedereinzug in den Magdeburger Landtag schaffen, ist es unwahrscheinlich, dass die AfD eine Mehrheit der Sitze bekommt. Auch eine Koalition ist höchst unwahrscheinlich, da alle anderen Parteien eine Zusammenarbeit mit der AfD ausschließen. Wie wäre eine Regierung ohne AfD möglich? Derzeit regiert in Magdeburg eine Koalition aus CDU, SPD und FDP. Eine Fortführung des Bündnisses erscheint unwahrscheinlich. Die FDP liegt in den Umfragen unterhalb der Mandatsschwelle. CDU und SPD erreichen in der Vorwahlumfrage zusammen gerade mal 30 Prozent. Auch Schwarz-Rot-Grün wäre mit Blick auf die Umfragen von einer Mehrheit weit entfernt. Die Grünen liegen in der Vorwahlumfrage bei sechs Prozent. Eine Option wäre also eine Minderheitsregierung, die dann aber auf die Linke angewiesen wäre - wie in Sachsen und Thüringen. Was sagt die CDU zu einer Duldung durch die Linke? In der CDU, die einen Unvereinbarkeitsbeschluss für eine Zusammenarbeit mit der AfD und der Linken hat, gibt es Vorbehalte gegen dieses Modell. Zwei frühere CDU-Landeschefs hatten im Juli vor einer Tolerierung durch die Linke gewarnt. Karl-Heinz Daehre und Gerd Gies wendeten sich in einem offenen Brief an Schulze. Sie warnten, die CDU werde "in der Bedeutungslosigkeit versinken", wenn sie sich von der Linken tolerieren lasse. Schulze selbst betont, er werde sich "nicht abhängig machen von den Linken oder der AfD". Bisher äußert er sich aber vage, was eine Zusammenarbeit mit der Linken angeht. Persönlich kommt er mit dem Spitzenpersonal der Konkurrenz gut klar: SPD-Spitzenkandidat Armin Willingmann ist jetzt schon Teil seines Kabinetts, Grünen-Spitzenkandidatin Susan Sziborra-Seidlitz nennt er auf Podien auch mal "Suse", der Austausch mit Linken-Fraktionschefin Eva von Angern ist respektvoll. Manche Landtagsabgeordneten können sich vorstellen, mit wechselnden Mehrheiten zu agieren - also auch unter Einbezug der AfD. Zudem zeigte sich der Landeschef der Jungen Union, Nico Elsner, offen für Mehrheiten mit AfD-Stimmen. Eine Regierungskoalition mit der Partei lehnt er ab. Aber: "Eine richtige Sache wird nicht falsch, nur weil die Falschen zustimmen." Im parlamentarischen Verfahren müsse man mit der AfD zusammenarbeiten, weil deren Abgeordnete gewählt seien, so Elsner. Wäre die Linke überhaupt dazu bereit? Die Linken-Spitzenkandidatin von Angern signalisiert Gesprächsbereitschaft. Sie erwarte von Schulze "keinen Liebesbrief", aber dass er "im Zweifel auch mit uns redet", sagte sie dem MDR. "Als Linke sind wir bereit, alles dafür zu tun, um die AfD von den Hebeln der Macht fernzuhalten." Linken-Bundestagsfraktionschef Sören Pellmann formulierte Bedingungen. "Wir werden nicht um jeden Preis einem CDU-Ministerpräsidenten ins Amt verhelfen. Dann wollen wir inhaltlich mitreden - etwa in der Innenpolitik, in der Bildungspolitik oder bei der gesundheitlichen Versorgung im ländlichen Raum", sagte er der Rheinischen Post. Was, wenn es vorerst keine Einigung der Parteien gibt? In der Landesverfassung gibt es keine Frist, wann ein Ministerpräsident gewählt werden muss. Seit einer bereits 2020 beschlossenen Parlamentsreform haben die Fraktionen mehr Zeit für die Regierungsbildung. Es könnte also sein, dass Schulzes Regierung eine Weile geschäftsführend im Amt bleiben wird, bis ein neues Modell steht. Für die Wahl des Ministerpräsidenten gilt grundsätzlich: Gewählt ist, wer die Mehrheit aller Abgeordneten auf sich vereint. Im dritten Wahlgang jedoch reicht die Mehrheit der abgegebenen Stimmen. Welche Rolle könnte das BSW spielen? Die BSW-Spitze um Parteigründerin Sahra Wagenknecht hält die sogenannte Brandmauer für gescheitert. Das BSW, sollte es den Einzug ins Parlament schaffen, will Schulze abwählen und wirbt für einen "überparteilichen Ministerpräsidenten", der mit wechselnden Mehrheiten unter Einbindung der AfD regiert. Sollten die anderen Parteien das nicht mittragen, will sich das BSW bei der Wahl eines Ministerpräsidenten im dritten Wahlgang enthalten, was dem AfD-Kandidaten den Weg ebnen könnte. Zwar will sich Siegmund nicht mit einfacher Mehrheit wählen lassen, weil er eine "stabile Mannschaft über fünf Jahre hinweg" anstrebt. Als Szenario ist es aber möglich. Sind Minderheitsregierungen eine Neuheit? Nein, das wohl bekannteste Beispiel einer längeren Minderheitsregierung ist das "Magdeburger Modell" in Sachsen-Anhalt. 1994 bildete die SPD mit ihrem Ministerpräsidenten Reinhard Höppner eine rot-grüne Minderheitsregierung, die von der damaligen PDS toleriert wurde. Als die Grünen 1998 aus dem Landtag flogen, wurde das Modell mit einer reinen SPD-Minderheitsregierung fortgesetzt. Diese hielt bis zur Landtagswahl 2002. Auch in Niedersachsen, im Saarland, in Hessen und in Berlin gab es bereits zeitweise Minderheitsregierungen. Aktuell gibt es sie in Thüringen und Sachsen. Auch im Bund gibt es Beispiele. Zuletzt mit dem Ausscheiden der FDP aus der Ampelkoalition. Die Amtszeit bisheriger Minderheitsregierungen im Bund war jedoch oft begrenzt. Der Bochumer Politikwissenschaftler Oliver Lembcke sagte der Nachrichtenagentur Reuters: "Je fragmentierter die Parlamente werden, desto notwendiger werden Kompromisse." Gleichzeitig werte ein Teil der Wählerschaft gerade diese Kompromisse als Ausdruck eines nicht mehr funktionierenden politischen Systems. "Darin liegt ein grundlegendes Paradox der gegenwärtigen Landtagswahlen."

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5. September
ZDF heute

Sachsen-Anhalt wird den Bund erschüttern - so oder so

Welche Rolle nimmt die AfD künftig ein?:Sachsen-Anhalt wird den Bund erschüttern - so oder so von Wulf Schmiese Ob absolute AfD-Mehrheit oder nicht: Der Ausgang der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt wird für die Bundespolitik folgenreich sein. Nicht zuletzt für die CDU. Sollte die AfD bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt die absolute Mehrheit erhalten, hätte das spürbare bundespolitische Folgen: In Ministerpräsidentenkonferenzen säße dann immer einer, dem die anderen 15 misstrauten. Auch bei den häufigen Treffen der Innen-, Verkehrs- oder Kultusminister könnte die Stimmung von kollegialem Miteinander in einen "Pssst! Der Feind hört mit!"-Ton kippen. Sollte die AfD die absolute Mehrheit verfehlen, wären die Probleme der anderen in der Bundespolitik jedoch nicht leichter. Die CDU stünde vor einem Déjà-vu. Was in Sachsen-Anhalt eintreten könnte, hat sie schon vor zwei Jahren in Thüringen erlebt: von der AfD haushoch überholt zu werden. Damals, es war auch der erste Sonntag im September, wurde die AfD mit 32,8 Prozent erstmals stärkste Kraft in einem deutschen Parlament. Kurz vor den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt werden Passanten zur generellen Stimmung und einer möglichen absoluten Mehrheit der AfD befragt. 04.09.2026 | 2:01 minMerz' doppelte Strategie CDU-Chef Friedrich Merz reagierte mit einer doppelten Strategie: Er schloss Koalitionen oder Zusammenarbeit mit der AfD grundsätzlich aus. Gleichzeitig nutzte Oppositionsführer Merz das Landtagswahl-Ergebnis, um die damalige Ampel-Koalition mitverantwortlich zu machen. Deren Politik habe die Ränder gestärkt. Das taugt als Sprechzettel für den heutigen Kanzler nicht mehr. Seinerzeit angelte sich die Union dann sogar eine Randpartei, das BSW, um in Thüringen eine Koalition unter CDU-Führung zu installieren. Fischen am Rand scheint nach der Wahl in Sachsen-Anhalt wesentlich schwieriger zu werden für die CDU. Ministerpräsident Sven Schulze, der erst seit Januar nach dem Abgang des populären Reiner Haseloff im Amt ist, droht ein historischer Absturz von über 37 Prozent im Jahr 2021 auf Werte um die 23 Prozent. Vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt ist ein Viertel der Wähler laut ZDF-Politbarometer noch unentschlossen. Die AfD liegt in der Umfrage bei 41 Prozent, die CDU folgt mit 23 Prozent. 04.09.2026 | 0:40 minStreit in CDU: Wie umgehen mit der Linken? Würde die jüngste Politbarometer-Umfrage in etwa wahr werden, dann bräuchte die CDU zum Weiterregieren die Linke. Als Koalitionspartnerin hat Schulze sie längst ausgeschlossen, aber nicht als Mehrheitsbeschafferin. Der Streit ist schon entbrannt in der CDU darüber, wie es nach der Wahl weitergehen soll. Der stellvertretende Unionsfraktionschef im Bundestag, Sepp Müller, sagt: Keinesfalls mit der Linken. Sollten die Wahlergebnisse sein wie die der Umfragen, dann habe halt die AfD den Auftrag, eine Regierung zu bilden. Müller will die AfD zappeln und natürlich scheitern sehen in der Annahme, dass die keinen Partner finden wird. Kurz vor den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt werden Passanten zur generellen Stimmung und einer möglichen absoluten Mehrheit der AfD befragt. 04.09.2026 | 2:01 minDoch das halten andere in der CDU für eine zu große Gefahr. Denn es gebe ohnedies schon einer Zusammenarbeit mit der AfD zugeneigte Landtagsabgeordnete. Die könnten dann ganz die Seiten wechseln mit dem Argument, Sachsen-Anhalt brauche doch eine Regierung. Das bemüht - nur andersrum - auch der Landesvorsitzende Sven Schulze als Argument, wenn er nicht ausschließt, nach der Wahl mithilfe der Linken weiter zu regieren. Müller wiederum hat mit Kollegen des Arbeitnehmerflügels (CDA) ein Papier verfasst, das jedwede Zusammenarbeit verbietet mit der Linken, die "in der Nachfolge der SED steht und in der heute offen Antisemitismus propagiert wird". Schulze kontert, praktische Lösungen müssten in Magdeburg gefunden werden und nicht in Berlin. Er ahnt, dass Müllers Strategie im Grunde die Kampfansage ist, ihn nach der Wahl abzusägen. Am Sonntag entscheidet sich, wer künftig im Landtag von Sachsen-Anhalt sitzt. Im Mittelpunkt der Wahl stehen die wirtschaftliche Zukunft, der Lehrkräftemangel und die Sorge um fehlende Arbeitsplätze. 04.09.2026 | 2:36 minDiskussion über Brandmauer Jedenfalls wird die Brandmauer ab Montag diskutiert werden. In der Union gibt es auch die Haltung, dass die Unvereinbarkeitsbeschlüsse nach ganz links wie nach ganz rechts hinfällig werden könnten, wenn es in Sachsen-Anhalt zu einer klassischen Minderheitsregierung käme. Ideal wäre, so unbeteiligte Dritte in der Union, wenn ein Bündnis aus CDU, SPD und Grünen regierte und für seine Mehrheiten Stimmen von links wie rechts akzeptierte. Dann wäre die Brandmauer durchlöchert. Ihr ansteigender Druck auf die Mitte insgesamt, so die Hoffnung, könne abfließen. Doch das würden SPD und Grüne nicht mitmachen; und Merz könnte es gar nicht, sagen Vorstandsmitglieder der Union, weil er sich so festgelegt habe auf seinen Kurs der Mitte. Wulf Schmiese ist stellvertretender Leiter des ZDF-Hauptstadtstudios Berlin. Mehr zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt - Welche Rolle nimmt die AfD künftig ein?:Sachsen-Anhalt wird den Bund erschüttern - so oder sovon Wulf Schmiesemit Video2:32 - GrafikenLandtagswahl in Sachsen-Anhalt:Alle Zahlen zur Wahl in Grafikenvon Kathrin Wolff - LiveblogWahl in Sachsen-Anhalt am 6. September:Vor Wahl: Demos und Feste für Demokratiemit Video2:36 - FAQKandidaten, Umfragen, Parteien:Was Sie zur Wahl in Sachsen-Anhalt wissen müssenmit Video2:36 - LiveblogWahl in Sachsen-Anhalt am 6. September:Sachsen-Anhalt im Wahlkampf-Endspurt - enges Rennen erwartetmit Video2:36 - Staatsanwaltschaft räumt Vorwürfe aus:Seniorenheim in Dessau: Vorwurf von Wahlbetrug entkräftetvon Nils Metzgermit Video4:06 - "maybrit illner" vor Landtagswahl:Radtke: Wer mit der AfD liebäugelt, soll CDU verlassenvon Torben Schrödermit Video61:20 - CDU im Dilemma:Wie hältst du's mit AfD und Linkspartei?von Werner Doyé und Anne Herzliebmit Video16:07

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5. September
Der Spiegel (Politik)

Internationale Presse zur Wahl in Sachsen-Anhalt: »Dies ist eine Wahl, die die deutsche Geschichte verändern könnte«

Internationale Presse zur Wahl in Sachsen-Anhalt »Dies ist eine Wahl, die die deutsche Geschichte verändern könnte« Die Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt an diesem Sonntag beschäftigen nicht nur Deutschland, sondern interessieren auch weit über die Grenze hinaus. Umfragen zufolge dürfte die AfD aller Voraussicht nach die mit Abstand stärkste Kraft werden. Die Frage ist, ob ihr Sieg deutlich genug ausfällt, dass erstmals nach dem Zweiten Weltkrieg eine Rechts-außen-Partei in einem deutschen Bundesland an die Macht kommt. Und genau damit befasst sich auch die ausländische Presse. Ein Überblick. BBC, Großbritannien Die britische BBC schreibt : »Dies ist eine Wahl, die die deutsche Geschichte verändern könnte.« »Guardian«, Großbritannien Im ebenfalls britischen »Guardian« heißt es zu den Folgen dieser Wahl für Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU): »Für den Bundeskanzler und Vorsitzenden der konservativen Christlich-Demokratischen Union (CDU) könnte ein Machtwechsel zugunsten der Alternative für Deutschland (AfD) in diesem Bundesland die bislang größte Katastrophe seiner Amtszeit sein, die ohnehin schon von scheinbar unaufhörlichen Rückschlägen geprägt ist.« Den AfD-Spitzenkandidaten Siegmund beschreibt der »Guardian« wie folgt: »Ulrich Siegmund, das 36-jährige, fotogene Aushängeschild der Partei, hat eine beträchtliche Fangemeinde auf TikTok. Er wird von seinen Anhängern im ganzen Bundesland wie ein Popstar empfangen und ist oft mit einem Moped aus der Zeit vor der Wiedervereinigung in Ostdeutschland unterwegs. Der ehemalige Lufterfrischer-Verkäufer mit einem Abschluss in Wirtschaftspsychologie verkörpert Charme und Witz, die seinen Parteikollegen oft gefehlt haben.« CNN, USA Beim US-Sender CNN heißt es : »Alles in allem bedeutet dies, dass die prognostizierte Zustimmung von 42 Prozent für die AfD ein lautes Klopfen an den Toren der Macht darstellt.« »Le Monde«, Frankreich Die französische Tageszeitung »Le Monde« geht ebenfalls auf die Bedeutung der Wahl für die Gegenparteien der AfD ein: »Der erwartete Durchbruch der AfD bestätigt den Niedergang der Parteien, die achtzig Jahre deutsches politisches Leben geprägt haben. Er stellt auch ihren inneren Zusammenhalt auf die Probe. Der CDU (Christlich Demokratische Union, rechts) von Bundeskanzler Friedrich Merz droht sogar ein Zerfall, sollten Kommunalpolitiker die gegen die verpönte AfD verhängte Isolationspolitik durchbrechen.« »El País«, Spanien Die spanische Zeitung »El País« sucht nach Gründen für das absehbar gute Abschneiden der AfD in Sachsen-Anhalt: »Der wahrscheinlich durchschlagende Erfolg der rechtsextremen AfD bei den für diesen Sonntag angesetzten Wahlen im kleinen ostdeutschen Land Sachsen-Anhalt zeichnet sich laut Umfragen als Symptom der Unzufriedenheit über die Nöte des Landes in dieser Zeit und der Enttäuschung über die traditionellen Parteien ab. (…) Die Gründe für diesen Aufstieg sind vielfältig. Deutschland hat in den vergangenen Jahrzehnten viele Schlüsselentscheidungen falsch getroffen. Es setzte auf energiepolitische Abhängigkeit von Russland, auf militärische Abhängigkeit von den USA und gehörte zu den Haupttreibern einer Handelsöffnung gegenüber China, die nach einigen Jahrzehnten fetter Gewinne zum Todesstoß geworden ist. (…) Es gibt weitere Gründe. Die Komplikationen durch starke Migrationsströme (…) sind Teil der Erklärung. Die anhaltende wirtschaftliche Stagnation ist offensichtlich ein weiterer. (…)« »De Telegraaf«, Niederlande In der niederländischen Zeitung »De Telegraaf« geht es um mögliche Koalitionen nach der Wahl: »Den Umfragen zufolge wird die AfD zwar mit großem Abstand stärkste Kraft, verfehlt aber die absolute Mehrheit. In diesem Fall wäre eine Zusammenarbeit mit anderen Parteien erforderlich. Das kommt für Spitzenkandidat Ulrich Siegmund nicht infrage, wie er im Fernsehen erklärte. Er will nur regieren, wenn seine Partei die absolute Mehrheit erreicht und damit ihr Wahlprogramm uneingeschränkt umsetzen kann. (…) Eine andere Möglichkeit wäre, dass die AfD einige konservative CDU-Abgeordnete davon überzeugen könnte, sie zu unterstützen. Wenn es nach Bundeskanzler Friedrich Merz geht, wird das nicht passieren. Er verweist auf den Parteibeschluss der CDU, niemals mit der AfD zu kooperieren. (…) Für die naheliegende Alternative – eine Minderheitsregierung mit dem CDU-Spitzenkandidaten Sven Schulze als Ministerpräsident – müsste die Partei von Merz allerdings eine bittere Pille schlucken. Dafür bräuchte sie die Unterstützung der Linken, die aus der kommunistischen DDR-Partei SED hervorgegangen ist. Doch auch mit der Linken will die CDU erklärtermaßen nichts zu tun haben.«

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5. September
Der Spiegel (Politik)

Sachsen-Anhalt - News zur Landtagswahl: Wahlforscher erwarten keinen Mobilisierungseffekt auf den letzten Metern

Wahl am Sonntag Wahlforscher erwarten keinen Mobilisierungseffekt auf den letzten Metern Große Wahlforschungsinstitute gehen nicht von einem Überraschungsergebnis wie 2021 aus. AfD-Gegner verteilten sich dieses Mal breiter. Und: Bildungsministerin Prien kritisiert AfD-Plan zur Abschaffung der Schulpflicht. Das News-Update. Dieser Artikel gehört zum Angebot von SPIEGEL+. Sie können ihn auch ohne Abonnement lesen, weil er Ihnen geschenkt wurde. Wichtige Updates Sortierung 📌Wahlforscher: AfD-Gegner teilen sich breiter auf verschiedene Parteien auf – anders als 2021 Große Wahlforschungsinstitute erwarten bei der Wahl am Sonntag keine Überraschung wie vor fünf Jahren, als die AfD schwächer als in den Umfragen abschloss und die CDU deutlich stärker als erwartet. »Wir rechnen nicht mit einem so großen Mobilisierungseffekt in den letzten Tagen wie 2021. Damals konnte (Ministerpräsident Reiner) Haseloffs CDU die AfD-Gegner hinter sich versammeln. Dieses Mal teilen sich die AfD-Gegner breiter auf verschiedene Parteien auf«, sagte der Chef der Forschungsgruppe Wahlen, Matthias Jung, der Nachrichtenagentur dpa. Ähnlich äußerten sich seine Kollegen von Infratest dimap und Insa. Bei der letzten Sachsen-Anhalt-Wahl 2021 hatte die CDU in Umfragen nur wenig vor der AfD oder sogar hinter der AfD gelegen, doch sie gewann am Ende mit mehr als 16 Prozentpunkten Vorsprung. »Das Problem beim letzten Mal war nicht die Methodik der Umfrage«, erklärte Jung. Die Umfragen hätten das Meinungsbild ein paar Tage vor der Wahl 2021 abgebildet, dieses habe sich dann bis zum Wahltag noch deutlich geändert. Ostdeutsche Wähler fühlten sich weniger an einzelne Parteien gebunden als westdeutsche – das mache die Wahlen schwerer prognostizierbar. Insa-Chef Hermann Binkert erläuterte: »Reiner Haseloff war ein sehr populärer Ministerpräsident, er hat im Wahlendspurt viele Stimmen für die CDU gewonnen.« Doch einen so deutlichen Effekt erwarte er nicht beim aktuellen Ministerpräsidenten Sven Schulze (CDU). Wahlforscher gehen auch von »taktischem Wählen« aus. Foto: Nick Jaussi / Campact / dpa Der Chef von Infratest-dimap, Roland Abold, sagte, vor Wahlen mobilisierten die Parteien von Linken bis CDU besonders stark, wenn die AfD hohe Umfragewerte habe. Dies sei bisher in Sachsen-Anhalt allerdings kaum sichtbar. Dennoch: »In den letzten Wochen haben wir Bewegung bei den Grünen und in geringerem Ausmaß bei der SPD gesehen. Beide haben sich in den Umfragen über der Fünfprozenthürde stabilisiert – wahrscheinlich ein Effekt der Kampagnen zum taktischen Wählen. Hier könnte es noch Dynamik vor der Wahl geben.« Taktisches Wählen meint, dass AfD-Gegner nicht ihre favorisierte Partei wählen, sondern jene, von der sie hoffen, dass ihr Einzug in den Landtag eine Mehrheit für die AfD verhindern könnte. Auch Insa-Chef Binkert sieht zwar keine Dynamik für die CDU mehr, aber in gewissem Ausmaß hält er sie noch bei anderen Parteien jenseits der AfD für möglich: »Anti-AfD-Wähler wählen dieses Mal vielleicht taktisch Grüne und SPD. Das könnte eine neue Dynamik sein. Das hat allerdings nicht die Größenordnung von 2021.« Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Internationale Presse spricht von historischer Wahl und dem »Niedergang« der Gegenparteien zur AfD Die Wahl am Sonntag beschäftigt auch die internationale Presse. Hier eine Auswahl:  BBC, Großbritannien »Le Monde«, Frankreich Die französische Tageszeitung »Le Monde« geht auf die Bedeutung der Wahl für die Gegenparteien der AfD ein: »Der erwartete Durchbruch der AfD bestätigt den Niedergang der Parteien, die achtzig Jahre deutsches politisches Leben geprägt haben. Er stellt auch ihren inneren Zusammenhalt auf die Probe. Der CDU (Christlich-Demokratische Union, rechts) von Bundeskanzler Friedrich Merz droht sogar ein Zerfall, sollten Kommunalpolitiker die gegen die verpönte AfD verhängte Isolationspolitik durchbrechen.« Zeitungsstand in Paris. Foto: Riccardo Milani / Picture Alliance »Guardian«, Großbritannien Im ebenfalls britischen »Guardian« heißt es zu den Folgen dieser Wahl für Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU): »Für den Bundeskanzler und Vorsitzenden der konservativen Christlich-Demokratischen Union (CDU) könnte ein Machtwechsel zugunsten der Alternative für Deutschland (AfD) in diesem Bundesland die bislang größte Katastrophe seiner Amtszeit sein, die ohnehin schon von scheinbar unaufhörlichen Rückschlägen geprägt ist.«  Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Landesschülersprecherin nimmt ZDF nach »KiKa«-Interview mit Siegmund in die Verantwortung Die Landesschülersprecherin von Sachsen-Anhalt hat sich zu ihrem Interview mit AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund geäußert. Sie hatte für den öffentlich-rechtlichen Kindersender »KiKa« mit dem Politiker gesprochen. Indirekt empfahl er, im Geschichtsunterricht die Gräuel der Nationalsozialisten weniger genau zu behandeln. »Wir können uns nicht immer nur für unsere Geschichte schämen. Wir haben keine Schuld da dran«, so Siegmund.  Einordnungen der ZDF-Redaktion fehlten in dem »KiKa«-Format. Dafür gab es nach der Veröffentlichung erhebliche Kritik. Landesschülersprecherin hat darauf nun in einem Social Media Post reagiert, da sie viel Kritik erreiche. »Die fehlende Einordnung und Aufklärung wäre nicht meine Aufgabe gewesen, sondern die des ZDF«, heißt es darin. Und weiter: »Ich distanziere mich ganz klar gegen Rechtsextremismus.« Einordnungen der ZDF-Redaktion fehlten in dem »KiKa«-Format. Dafür gab es nach der Veröffentlichung erhebliche Kritik. Landesschülersprecherin hat darauf nun in einem Social Media Post reagiert, da sie viel Kritik erreiche. »Die fehlende Einordnung und Aufklärung wäre nicht meine Aufgabe gewesen, sondern die des ZDF«, heißt es darin. Und weiter: »Ich distanziere mich ganz klar gegen Rechtsextremismus.« Kinderkanal gewährt AfD-Spitzenkandidat halbstündiges Interview Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt wird medial umfangreich begleitet – auch vom öffentlich-rechtlichen Kindersender »KiKa«. Der steht nun allerdings für ein Sendeformat in der Kritik. Der AfD-Spitzenkandidat hat im »KiKa« umfangreich Sendezeit erhalten, im Rahmen eines Schülerinnen-Interviews.   Die Landesschülersprecherin von Sachsen-Anhalt durfte mit Siegmund reden. Eine halbe Stunde dauerte das Gespräch. Der AfD-Politiker nutzte die Plattform, um auch über seine Schulpläne zu reden. Indirekt empfahl er, im Geschichtsunterricht die Gräuel der Nationalsozialisten weniger genau zu behandeln. »Wir können uns nicht immer nur für unsere Geschichte schämen. Wir haben keine Schuld da dran«, so Siegmund.   In Sachen Bildungspolitik warb Siegmund dafür, Schülerinnen und Schüler auf ein »realistisches« statt ein »ideologisches Leben« vorzubereiten. Was er damit meinte, führte er nicht näher aus. Die Landesschülersprecherin von Sachsen-Anhalt durfte mit Siegmund reden. Eine halbe Stunde dauerte das Gespräch. Der AfD-Politiker nutzte die Plattform, um auch über seine Schulpläne zu reden. Indirekt empfahl er, im Geschichtsunterricht die Gräuel der Nationalsozialisten weniger genau zu behandeln. »Wir können uns nicht immer nur für unsere Geschichte schämen. Wir haben keine Schuld da dran«, so Siegmund. In Sachen Bildungspolitik warb Siegmund dafür, Schülerinnen und Schüler auf ein »realistisches« statt ein »ideologisches Leben« vorzubereiten. Was er damit meinte, führte er nicht näher aus. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Debatte: Wie blicken Sie auf die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt?  Wie ist Ihre Meinung zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt? Teilen Sie sie hier mit uns und anderen Leserinnen und Lesern bei SPIEGEL-Debatte. 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Bei der Wahl gehe es um die Frage, »ob es in der deutschen Demokratie einen Epochenbruch gibt und erstmals in der Nachkriegsgeschichte radikale Kräfte die Oberhand gewinnen«. Der bayerische Ministerpräsident zeigte sich zugleich optimistisch: Viele Menschen haderten zwar mit der Politik, spürten aber, »was eine alleinige Verantwortung der AfD bedeuten würde«. Trotz der aktuellen Umfragen rechnet Söder mit einem guten Ergebnis für Ministerpräsident Schulze: »Sven Schulze hat als Ministerpräsident bereits bewiesen, was in ihm steckt«, sagte der CSU-Chef. »Er ist ein starker Regierungschef.«  Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Klöckner weist AfD-Spekulationen über Wahlbetrug zurück  Bundestagspräsidentin Julia Klöckner weist Spekulationen der AfD über angebliche Wahlmanipulationen zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt zurück. Aus ihrer Sicht gebe es keinen Anlass, an der Integrität von Wahlen in Deutschland zu zweifeln, sagte die CDU-Politikerin dem SPIEGEL. »Ohne konkreten Beweis Wahlen infrage zu stellen, scheint daher ein Ziel zu haben: Misstrauen in unsere Regeln zu streuen und ihr Ergebnis nur unter Vorbehalt des eigenen Abschneidens akzeptieren zu wollen«, sagte Klöckner. »Die Wahlen für unsere Parlamente werden nach klaren Regeln und transparent durchgeführt. Und wenn Fehler passieren, wird geprüft und wenn nötig korrigiert«, betonte sie. Fälle von Wahlbetrug oder Manipulation würden geahndet. »Im Übrigen: Jede und jeder Wahlberechtigte kann Einspruch gegen ein Wahlergebnis einlegen. Das ist Ausdruck der Stärke und des Selbstverständnisses unserer Demokratie«, sagte Klöckner. Mehr dazu lesen Sie hier. »Die Wahlen für unsere Parlamente werden nach klaren Regeln und transparent durchgeführt. Und wenn Fehler passieren, wird geprüft und wenn nötig korrigiert«, betonte sie. Fälle von Wahlbetrug oder Manipulation würden geahndet. »Im Übrigen: Jede und jeder Wahlberechtigte kann Einspruch gegen ein Wahlergebnis einlegen. Das ist Ausdruck der Stärke und des Selbstverständnisses unserer Demokratie«, sagte Klöckner. Mehr dazu lesen Sie hier. Foto: Andreas Gora / IMAGO Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen IW-Chef Hüther: AfD-Regierung würde Sachsen-Anhalt »wirtschaftlich an die Wand fahren« Der Chef des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, warnt im Fall eines Wahlerfolgs der AfD in Sachsen-Anhalt vor einer »ruinösen« Zuwanderungspolitik und deren Folgen für das Bundesland. »Deutschland ist angesichts seiner Demografie auf qualifizierte Zuwanderung aus dem Ausland angewiesen«, sagte Hüther der »Rheinischen Post«. »Wer um ausländische Fachkräfte konkurrieren will, darf keine Partei stark machen, die offen ihre Ausweisung fordert«, fügte er hinzu. »Für Sachsen-Anhalt selbst wäre eine Zuwanderungspolitik nach Vorstellungen der AfD ruinös. Wegen der ungünstigen Demografie sinkt die Erwerbsbevölkerung in Sachsen-Anhalt nach unseren Prognosen ohne Zuwanderung bis 2045 um etwa ein Viertel. Auf jeden Erwerbsfähigen in Sachsen-Anhalt käme dann mehr als ein Mensch, der nicht arbeitet«, führte Hüther aus und betonte, dies würde das Land »wirtschaftlich an die Wand fahren«. »Eine AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt wäre eine Belastungsprobe für die liberale Demokratie und würde deren Widerstandsfähigkeit testen«, erklärte der IW-Chef. Umfragen des Instituts zufolge würden »sechs von zehn ostdeutschen Unternehmern« die Demokratie gefährdet sehen. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Videoempfehlung: Auf rechts gedreht Wut, Frust und eine AfD, die auf einen historischen Wahlsieg hofft. Vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt geht es um die Kitakrise oder den Ärztemangel, aber vor allem um einen großen Denkzettel. Sehen Sie hier den Beitrag von SPIEGEL-TV. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Magdeburger Bischof: »Nicht jeder, der demokratisch wählt oder gewählt wird, ist ein Demokrat« Der katholische Magdeburger Bischof Gerhard Feige wurde schon persönlich von der AfD attackiert, in einem Interview warnt er nun vor der Partei. Feige sagte der »Augsburger Allgemeinen«: »Menschen sind verführbar, zu allen Zeiten. Das macht mir Angst. Jetzt wieder.« Die AfD werde normalisiert und damit verharmlost, das erschüttere ihn. »In den vergangenen Jahren gab es so viele Dammbrüche und Grenzverletzungen.« Feige führte aus, inzwischen sei vieles, das die AfD propagiere, im Alltag angekommen. »Die Begriffe ›Altparteien‹ oder ›Remigration‹ sind nun das Normalste der Welt, alle sprechen davon. Dabei ist mit ›Remigration‹ die Zwangsausweisung von Menschen mit Migrationsgeschichte gemeint.« Nach dem »Potsdamer Treffen« von Rechtsextremen und AfD-Politikern dazu seien Anfang 2024 Hunderttausende Menschen dagegen auf die Straßen gegangen. »Heute steht das Wort im Wahlprogramm der AfD Sachsen-Anhalt – und das stört viele offensichtlich nicht.« Feige führte aus, inzwischen sei vieles, das die AfD propagiere, im Alltag angekommen. »Die Begriffe ›Altparteien‹ oder ›Remigration‹ sind nun das Normalste der Welt, alle sprechen davon. Dabei ist mit ›Remigration‹ die Zwangsausweisung von Menschen mit Migrationsgeschichte gemeint.« Nach dem »Potsdamer Treffen« von Rechtsextremen und AfD-Politikern dazu seien Anfang 2024 Hunderttausende Menschen dagegen auf die Straßen gegangen. »Heute steht das Wort im Wahlprogramm der AfD Sachsen-Anhalt – und das stört viele offensichtlich nicht.« Foto: Peter Gercke / dpa Der Bischof erinnerte: »Victor Klemperer hat 1947 über die Sprache des Nationalsozialismus geschrieben – und wie über die Sprache das Bewusstsein verändert wird.«Er verstehe immer besser, wie es einst zum Erstarken der NSDAP kam, so Feige. »Die Demokratie trägt ein Selbstzerstörungspotenzial in sich. Sie lässt sich mit ihren eigenen Methoden abschaffen.« Daher sei er überzeugt: »Nicht jeder, der demokratisch wählt oder gewählt wird, ist ein Demokrat.«  Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Ministerpräsident Schulze verteidigt Auftritt mit Didi Hallervorden Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) hat seinen Wahlkampfauftritt mit dem umstrittenen Kabarettisten Dieter Hallervorden im Interview mit dem »Kölner Stadt-Anzeiger« gerechtfertigt. »Die AfD schreibt auf ihre Plakate, nur mit ihr gebe es Meinungsfreiheit. Mir ging es darum zu zeigen, dass dieses Thema nicht allein der AfD gehört«, sagte er. »Ich habe mit Dieter Hallervorden auf der Bühne gestanden, ihm in einzelnen Punkten aber komplett widersprochen.« Hallervorden hatte bei dem Auftritt angebliche Kriegstreiberei Deutschlands beklagt.  Hallervorden sei »einer der bekanntesten Sachsen-Anhalter und ein deutschlandweit bekannter Künstler, der trotz seines hohen Alters hier ein Zeichen setzen möchte«, sagte Schulze. Hallervorden und Schulze Ende Juli in Halle. Foto: M.Gränzdörfer / IMAGO / Future Image Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Leseempfehlung: »Sicherheitsrelevante Bedenken« – Landtag verweigert Journalist die Akkreditierung Der freie Journalist Mohamed Amjahid darf bis auf Weiteres nicht an einer offiziellen Wahlveranstaltung in Sachsen-Anhalt teilnehmen. Der Landtag verweist in seiner Ablehnung auf Erkenntnisse der Polizei. Lesen Sie hier die Hintergründe. Foto: Ulrich Baumgarten / picture alliance Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Bildungsministerin Prien zu AfD-Wahlprogramm: »Die Schulpflicht aufzugeben, wäre gesellschaftspolitisch eine Katastrophe« Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) wendet sich strikt gegen die von der AfD in Sachsen-Anhalt geforderte Abschaffung der allgemeinen Schulpflicht. »Die Schulpflicht aufzugeben, wäre gesellschaftspolitisch eine Katastrophe«, sagte die CDU-Politikerin der Nachrichtenagentur dpa. Stattdessen sollte man aus Sicht der Ministerin »eher über verpflichtende Ansätze in der Kita nachdenken«. Die AfD plädiert in ihrem Programm zur Landtagswahl an diesem Sonntag unter der Überschrift »Bildungspflicht statt Schulzwang« für eine Wahlfreiheit zwischen Schul- und Hausunterricht. Kinder, die zu Hause unterrichtet werden, sollen halbjährlich zentrale Prüfungen ablegen. Foto: Andreas Gora / Lenny Karpe / IMAGO Aus Priens Sicht wäre das der falsche Weg. »Ich halte die Schulpflicht für eine der großen Errungenschaften des modernen Rechtsstaats«, sagte die Ministerin. »Kinder brauchen Schule als Lern- und als Lebensort. Kindern, die nicht in die Schule gehen, drohen erhebliche psychische Beeinträchtigungen.« In der Schule träfen sich Menschen unterschiedlicher Milieus, sie seien Orte der Integration und sozialen Interaktion. »Die Menschen bewegen sich ohnehin schon viel zu viel nur in ihren Blasen«, sagte Prien. Der Staat zwinge Kinder keineswegs in staatliche Schulen. Vielmehr könnten sich Eltern für private Alternativen mit unterschiedlichen Konzepten entscheiden, zum Beispiel für kirchliche oder Montessori-Schulen. Für diese Schulen gebe es jedoch eine staatliche Aufsicht und gemeinsame Regeln.  Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Thüringens Innenminister Maier warnt vor Gefährdung kritischer Infrastruktur Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD) warnt bei einem möglichen Erfolg der AfD in Sachsen-Anhalt vor einer zunehmenden Gefahr durch Russland. Er sieht die wichtige Infrastruktur gefährdet, sollte die Partei in Sachsen-Anhalt künftig den Innenminister stellen. »Angesichts der aktuellen Angriffe auf unsere kritische Infrastruktur wäre es fatal, wenn Ermittlungsergebnisse der Sicherheitsbehörden nach Russland durchsickern würden«, sagte Maier dem »Handelsblatt«. Maier verwies auf das Verhältnis der AfD zu Russland und betonte, der Kreml mache »ja kein Geheimnis daraus, dass die AfD für Putin das wichtigste Instrument der Destabilisierung Deutschlands ist.« Besonders betroffen wäre nach seinen Worten die Spionageabwehr. »Schon seit Monaten weise ich darauf hin, welche enormen Risiken aus der möglichen Amtsübernahme durch einen AfD-Innenminister resultieren. Das betrifft in erster Linie den Bereich Spionageabwehr.« Auch bei der Bekämpfung des Rechtsextremismus sieht der SPD-Politiker Risiken. »Sollten Geheimdienstinformationen über das teilweise gewaltbereite rechtsextreme Vorfeld der AfD öffentlich werden oder gar an die Extremisten selbst gelangen, besteht die Gefahr, dass Quellen aufgedeckt werden und Informanten gar in Lebensgefahr geraten könnten.« Das Abschalten der Quellen wäre nach Maiers Einschätzung keine Lösung. »Es sollte stattdessen sichergestellt werden, dass diese Informationen dem Verfassungsschutz in Sachsen-Anhalt nicht mehr zugänglich gemacht werden.« Dies sei »rechtlich möglich« und im Verfassungsschutzverbund bereits praktiziert worden.  Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Tausende zu Kundgebungen am Wahlwochenende erwartet Am Wahlwochenende werden in Sachsen-Anhalt Tausende Menschen zu Demonstrationen und Kundgebungen erwartet. Nach Polizeiangaben sind ein Dutzend Veranstaltungen in der Landeshauptstadt Magdeburg und mehrere Kundgebungen für Demokratie in Halle (Saale) angemeldet. Die größte findet ab Samstagnachmittag auf dem Magdeburger Domplatz statt: Hier erwartet ein Bündnis aus Gewerkschaften und Zivilgesellschaft rund 8000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Daneben begeht die AfD ihren offiziellen Wahlkampfabschluss. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Hape Kerkeling spricht Wahlempfehlung gegen AfD aus Entertainer Hape Kerkeling hat seine Auszeichnung mit der »Goldenen Henne« am Freitagabend genutzt, eine Wahlempfehlung für die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt auszusprechen. »Wenn Sie Ihre Stimme abgeben am Sonntag, dann stimmen Sie auch für den MDR, den Mitteldeutschen Rundfunk und seine Hörfunkwellen«, sagte er bei seiner Dankesrede, wobei er die Menschen in Sachsen-Anhalt direkt ansprach. »Und falls Sie es nicht tun sollten, komme ich persönlich vorbei mit 'ner Taschenlampe und 'nem Mikro und sende allein bei Ihnen«, sagte Kerkeling weiter.  Die AfD in Sachsen-Anhalt hatte angekündigt, im Fall einer Alleinregierung die Rundfunkstaatsverträge zu kündigen. Die Partei spricht sich für eine grundlegende Neuordnung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks aus. Der MDR-Staatsvertrag regelt Organisation und Auftrag des Mitteldeutschen Rundfunks. Jedes der drei Trägerländer – Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen – kann den Vertrag mit einer Frist von zwei Jahren zum Ende eines Kalenderjahres kündigen. Kerkeling mit Host Florian Silbereisen. Foto: Hendrik Schmidt / dpa Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Leseempfehlung: Wie die AfD noch vor der Wahl die Mär vom Stimmenklau verbreitet Spitzenkandidat Siegmund ruft zur Wahlbeobachtung auf, Parteichef Chrupalla raunt von angeblichem Briefwahl-Betrug in Pflegeheimen. Die AfD baut für den Fall vor, dass sie ihr Wahlziel verfehlt. Lesen Sie hier den ganzen Text. Foto: Annegret Hilse / REUTERS Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Özdemir: »Es geht darum, ob Sachsen-Anhalt souverän bleibt« Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) warnt vor einer Einflussnahme Russlands und anderer Staaten im Falle einer AfD-Alleinregierung in Sachsen-Anhalt. »Es geht darum, ob Sachsen-Anhalt weiterhin souverän ist, ob hier entschieden wird, was hier passiert oder ob man sich künftig die Genehmigung von Herrn Putin, von Herrn Trump, von Herrn XI oder von Herrn Erdoğan einholen muss«, sagte der Politiker der Nachrichtenagentur dpa am Rande der Abschlussveranstaltung der Grünen am Freitagabend im sachsen-anhaltischen Landtagswahlkampf in Halle. »Es geht auch um die Souveränität Deutschlands, Europas. Das steht hier zur Wahl.«  Er erneuerte auch seine Forderung nach einem Parteiverbotsverfahren für Teile der AfD. »Ich finde, das muss ernsthaft geprüft werden, ob der Flügel um Höcke, ob der nicht gegen die Prinzipien des deutschen Grundgesetzes, unserer Verfassung verstößt.« Das gelte auch für die übrigen Teile der Partei, die dieser Ideologie folgten, so Özdemir. Das NPD-Verbotsverfahren sei nicht gescheitert, weil die NPD nicht verfassungsfeindlich sei, sondern weil sie zu unbedeutend gewesen sei, um die Demokratie zu gefährden. »Das kann man jetzt bei der AfD nicht sagen.« Er erneuerte auch seine Forderung nach einem Parteiverbotsverfahren für Teile der AfD. »Ich finde, das muss ernsthaft geprüft werden, ob der Flügel um Höcke, ob der nicht gegen die Prinzipien des deutschen Grundgesetzes, unserer Verfassung verstößt.« Das gelte auch für die übrigen Teile der Partei, die dieser Ideologie folgten, so Özdemir. Das NPD-Verbotsverfahren sei nicht gescheitert, weil die NPD nicht verfassungsfeindlich sei, sondern weil sie zu unbedeutend gewesen sei, um die Demokratie zu gefährden. »Das kann man jetzt bei der AfD nicht sagen.« Jan Woitas / dpa Es brauche aber auch Selbstkritik. »Das entbindet uns nicht von der Aufgabe, uns mit der Frage zu beschäftigen, warum wir so viele Leute verloren haben«, sagte Özdemir mit Verweis auf die steigenden Wahlergebnisse der AfD. Die demokratischen Parteien müssten sich fragen, was sie falsch gemacht hätten.  Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Zweimal »Heimat«, zweimal »Zusammenhalt«, einmal Graben Der Wahlkampf in Sachsen-Anhalt ist geprägt von emotionalen Ansprachen, alle wollen die Heimat schützen und den Zusammenhalt stärken. Beide Sätze fallen so sowohl auf AfD- wie Linken-Veranstaltungen. Doch was sagt das über die Zeit nach dem Wahlsonntag aus? Ein kleines Videoresümee:  Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Siegmund sieht sich als Wahlsieger – selbst wenn Wahlziel nicht erreicht wird Mit einiger Verspätung hat Ulrich Siegmund seine Rede beim »Familienfest« gehalten, wie die rechtsextreme AfD ihre Veranstaltungen gerne nennt. Er baut schon mal vor für den Fall, dass die AfD ihr Wahlziel von »45 Prozent plus X« und Alleinregierung nicht erfüllt. »Egal, wie es ausgeht, wir haben es geschafft«, ruft Siegmund, und: »im Prinzip« habe man die »Wahl gewonnen«. Siegessicher klingt das nicht, doch die Menge, mit 2000 Personen deutlich kleiner als im Vorfeld von der AfD erhofft, jubelte. Während seiner Rede stimmten sie »Ost-Ost-Ostdeutschland« und »Wir sind das Volk«-Rufe an. Wie so oft waren bei der Veranstaltung Neonazi-Symbole sichtbar, auf Kleidung, Armen und Beinen, vom Platz verwiesen wurden sie nicht. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Die Linke fährt zum Abschluss ihre Spitzen auf – vor kleinem Publikum Die AfD feiert auf einer Elbinsel – die Linke hingegen mitten im Stadtzentrum. Parallel in Magdeburg und Halle lädt die Partei zum Wahlkampfabschluss, das Spitzenpersonal soll pendeln. Los geht es in Magdeburg, neben Spitzenkandidatin Eva von Angern sind die Parteivorsitzenden Ines Schwerdtner und Luigi Pantisano, Fraktionschefin Heidi Reichinnek und die »Silberlocken« Gregor Gysi, Dietmar Bartsch und Bodo Ramelow vor Ort. Allerdings: Das Staraufgebot der Partei zieht am Freitagnachmittag keine 200 Interessierte zur Veranstaltung. Los geht es in Magdeburg, neben Spitzenkandidatin Eva von Angern sind die Parteivorsitzenden Ines Schwerdtner und Luigi Pantisano, Fraktionschefin Heidi Reichinnek und die »Silberlocken« Gregor Gysi, Dietmar Bartsch und Bodo Ramelow vor Ort. Allerdings: Das Staraufgebot der Partei zieht am Freitagnachmittag keine 200 Interessierte zur Veranstaltung. Einmal alle für die Linke: Landesvorsitzende, Bundesvorsitzende, Fraktionsvorsitzende, aktuelle wie ehemalige - und in der Mitte Spitzenkandidatin Eva von Angern. Foto: Marc Röhlig/DER SPIEGEL Der Kampf gegen rechts und für mehr soziale Gerechtigkeit sind ihre Hauptthemen. Von Angern erzählt, dass sie stolz ist, dem »Lügmund«, gemeint ist AfD-Kandidat Ulrich Siegmund, nicht die Hand gegeben zu haben. Das Publikum johlt. Sie wirbt für mehr Kinderschutz, Bildungsinvestitionen – und Heimatschutz: »Wir lassen uns die Heimat nicht wegnehmen«, sagt von Angern. »Eine rechtsextreme Landesregierung wird es jetzt nicht geben und auch nicht später.« Reichinnek sagt, die Linke bleibe an der Seite der Menschen und stehe für Demokratie, Toleranz, Vielfalt und Gerechtigkeit ein. Und sie betonte, wie wichtig es sei, endlich mal Frauen in den Fokus der Politik zu rücken – anders als andere Parteien. Reichinnek sagt, die Linke bleibe an der Seite der Menschen und stehe für Demokratie, Toleranz, Vielfalt und Gerechtigkeit ein. Und sie betonte, wie wichtig es sei, endlich mal Frauen in den Fokus der Politik zu rücken – anders als andere Parteien. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Nur mäßiger Andrang beim AfD-Fest Mit knapp 45 Minuten Verspätung beginnt die AfD ihr »Familienfest« in Magdeburg. Die Veranstalter hatten offenbar noch auf mehr Besucherinnen und Besucher warten wollen. Das angemietete Festgelände ist riesig, mit etwa 15.000 Interessierten hat die Partei kalkuliert. Tatsächlich vor Ort war bis Freitagnachmittag nur ein Drittel. Die AfD verkauft das dennoch als Erfolg – und versucht historische Vergleiche. »Das ist ein Bild wie zur Wendezeit 1989«, ruft Co-Landeschef Oliver Kirchner zur Begrüßung. Es seien 5000 Leute hier und das sei für einen Freitagnachmittag beachtlich. Im Publikum sieht man viele Fans mit rechtsextremen und menschenfeindlichen Anspielungen auf ihrer Kleidung, etwa mit Bezügen zur »Remigration« oder mit dem Spruch »Deutschland für Alles« als Anspielung auf die ähnlich lautende verfassungsfeindliche SA-Parole. Das AfD-„Familienfest“ in Magdeburg. Foto: Marc Röhlig / DER SPIEGEL Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Videoempfehlung: AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund sonnt sich in der Zuneigung seiner Fans. Mit seiner Simson mischt er die AfD-»Familienfeste« auf. Doch eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. Meine Kollegin Jessy Schrödter und mein Kollege Adrian Altmayer von SPIEGEL TV haben Siegmund über längere Zeit begleitet. In ihrem Film blicken sie auch hinter die Fassade des Populisten-Sunnyboys und fächern das völkische Netzwerk auf, das Siegmund steuert. Dass der seiner Wählerschaft Dinge verspricht, die er als möglicher Ministerpräsident gar nicht umsetzen kann, scheint da fast das kleinste Problem zu sein. Sehen Sie hier den ganzen Film: Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen In Magdeburg beginnt die AfD ihr letztes »Familienfest« – aber zunächst ist der Gegenprotest lauter Die AfD beginnt ihren Wahlkampfabschluss in Magdeburg mit einem Doppelevent: Am Freitag und Samstag lädt der rechtsextreme Landesverband ein, zunächst mit Parteichef Tino Chrupalla, am Samstag mit Co-Chefin Alice Weidel. Vor Ort sind aber zunächst linke Aktivisten, unter anderem vom »Zentrum für politische Schönheit«, lauter. Gut drei Dutzend Demonstrierende sind da. Mit lauter Musik versuchen sie, das »Familienfest« genannte Event der AfD zu stören. Vor Ort sind aber zunächst linke Aktivisten, unter anderem vom »Zentrum für politische Schönheit«, lauter. Gut drei Dutzend Demonstrierende sind da. Mit lauter Musik versuchen sie, das »Familienfest« genannte Event der AfD zu stören. Aktivistin Hannah: „Für mich ist Wegziehen gerade eine ernste Überlegung“. Foto: Marc Röhlig/DER SPIEGEL Eine der Demonstrantinnen ist Hannah. Sie wird am Samstag 18 Jahre alt und darf dann erstmals wählen. Viele ihrer Freundinnen noch nicht. »Ich mache mir Sorgen um Sachsen-Anhalt und bin echt froh, dass ich mit abstimmen kann«, sagt sie dem SPIEGEL. In ihrem Umfeld gebe es viele AfD-Fans, die Gespräche seien schwierig, viele Fronten verhärtet. Manche habe sie vom taktischen Wählen überzeugen können.  Hannah sorgt sich um die Lebensqualität im Land, ganz unabhängig davon, ob die AfD eine eigene Mehrheit bekomme. »Für queere Menschen, für jeden, den die AfD nicht für zugehörig hält, wird es schwerer.« Es sei ihre zweite Demo, an der sie sich beteilige. Das Engagement fühle sich gut an, aber Angst habe sie auch. Rechte YouTuber und Rechte im »Siegmund«-Shirt hätten bereits versucht, den Protest zu stören und sie bepöbelt. »Für mich ist Wegziehen gerade eine ernste Überlegung, sollte die AfD noch mehr Macht bekommen«, so Hannah. Hannah sorgt sich um die Lebensqualität im Land, ganz unabhängig davon, ob die AfD eine eigene Mehrheit bekomme. »Für queere Menschen, für jeden, den die AfD nicht für zugehörig hält, wird es schwerer.« Es sei ihre zweite Demo, an der sie sich beteilige. Das Engagement fühle sich gut an, aber Angst habe sie auch. Rechte YouTuber und Rechte im »Siegmund«-Shirt hätten bereits versucht, den Protest zu stören und sie bepöbelt. »Für mich ist Wegziehen gerade eine ernste Überlegung, sollte die AfD noch mehr Macht bekommen«, so Hannah. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Matthias Deuring Hauptstadtbüro Großes Interesse aus dem Ausland an Wahl in Sachsen-Anhalt Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt trifft auch im Ausland auf großes Interesse. Neben Journalistinnen und Journalisten deutscher Medien sind so zum Wahltag auch zahlreiche ausländische Medienschaffende vor Ort in Magdeburg. Laut der Pressestelle des Landtags sind derzeit insgesamt rund 800 Personen für die Berichterstattung am Wahlabend akkreditiert, 500 davon werden vor Ort in der Messe Magdeburg erwartet. Unter ihnen befinden sich rund 70 ausländische Medienvertreterinnen und Medienvertreter. Nach Angaben der Landtagsverwaltung berichten diese für Medien aus 14 verschiedenen Ländern, darunter europäische Nachbarn wie Frankreich, Dänemark, Österreich und die Schweiz. Aber auch Journalistinnen und Journalisten aus dem Vereinigten Königreich, den USA, Kanada, aus Taiwan und der Volksrepublik China seien vor Ort. Laut der Pressestelle des Landtags sind derzeit insgesamt rund 800 Personen für die Berichterstattung am Wahlabend akkreditiert, 500 davon werden vor Ort in der Messe Magdeburg erwartet. Unter ihnen befinden sich rund 70 ausländische Medienvertreterinnen und Medienvertreter. Nach Angaben der Landtagsverwaltung berichten diese für Medien aus 14 verschiedenen Ländern, darunter europäische Nachbarn wie Frankreich, Dänemark, Österreich und die Schweiz. Aber auch Journalistinnen und Journalisten aus dem Vereinigten Königreich, den USA, Kanada, aus Taiwan und der Volksrepublik China seien vor Ort. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Kinderkanal gewährt AfD-Spitzenkandidat halbstündiges Interview Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt wird medial umfangreich begleitet – auch vom öffentlich-rechtlichen Kindersender »KiKa«. Der steht nun allerdings für ein Sendeformat in der Kritik. Der AfD-Spitzenkandidat hat im »KiKa« umfangreich Sendezeit erhalten, im Rahmen eines Schülerinnen-Interviews.   Die Landesschülersprecherin von Sachsen-Anhalt durfte mit Siegmund reden. Eine halbe Stunde dauerte das Gespräch. Der AfD-Politiker nutzte die Plattform, um auch über seine Schulpläne zu reden. Indirekt empfahl er, im Geschichtsunterricht die Gräuel der Nationalsozialisten weniger genau zu behandeln. »Wir können uns nicht immer nur für unsere Geschichte schämen. Wir haben keine Schuld da dran«, so Siegmund.   In Sachen Bildungspolitik warb Siegmund dafür, Schülerinnen und Schüler auf ein »realistisches« statt ein »ideologisches Leben« vorzubereiten. Was er damit meinte, führte er nicht näher aus. Die Landesschülersprecherin von Sachsen-Anhalt durfte mit Siegmund reden. Eine halbe Stunde dauerte das Gespräch. Der AfD-Politiker nutzte die Plattform, um auch über seine Schulpläne zu reden. Indirekt empfahl er, im Geschichtsunterricht die Gräuel der Nationalsozialisten weniger genau zu behandeln. »Wir können uns nicht immer nur für unsere Geschichte schämen. Wir haben keine Schuld da dran«, so Siegmund. In Sachen Bildungspolitik warb Siegmund dafür, Schülerinnen und Schüler auf ein »realistisches« statt ein »ideologisches Leben« vorzubereiten. Was er damit meinte, führte er nicht näher aus. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen »Dann hat Siegmund einen Regierungsbildungsauftrag« – heißt es aus der CDU In der sachsen-anhaltischen CDU treibt der Bundestagsabgeordnete Sepp Müller die Debatte über den Umgang mit der Linkspartei nach der Wahl weiter voran. »Sollten die Umfrageergebnisse Wahlergebnisse werden, dann hat Ulrich Siegmund mit der AfD einen Regierungsbildungsauftrag«, sagte Müller dem Portal »Politico«. Müller, einer der energischsten Gegner der Linken innerhalb der Union, fällt damit seinem eigenen Parteifreund Sven Schulze auf den letzten Wahlkampfmetern in den Rücken. Schulze, seit Januar Ministerpräsident in Sachsen-Anhalt, könnte den Umfragen zufolge wohl nur mithilfe der Linken wiedergewählt werden – und auch nur, wenn die Rechtsextremen die absolute Mehrheit der Sitze im Landtag verpassen. Genau diese Option hält sich der 47-Jährige bislang offen: Er lehnt lediglich Koalitionen mit den Linken ab und beteuert immer wieder, sich »von niemandem abhängig zu machen«. Müller, einer der energischsten Gegner der Linken innerhalb der Union, fällt damit seinem eigenen Parteifreund Sven Schulze auf den letzten Wahlkampfmetern in den Rücken. Schulze, seit Januar Ministerpräsident in Sachsen-Anhalt, könnte den Umfragen zufolge wohl nur mithilfe der Linken wiedergewählt werden – und auch nur, wenn die Rechtsextremen die absolute Mehrheit der Sitze im Landtag verpassen. Genau diese Option hält sich der 47-Jährige bislang offen: Er lehnt lediglich Koalitionen mit den Linken ab und beteuert immer wieder, sich »von niemandem abhängig zu machen«. Müller bei einem Bürgerdialog Ende August. Foto: Björn Reinhardt / IMAGO Müller versucht nun offenbar, den Druck zu erhöhen. »Für uns ist ganz klar, dass wir aus der Mitte heraus die Mehrheit organisieren wollen«, sagte er weiter. Koalitionen mit Linken oder AfD seien ausgeschlossen. »Wenn das nicht möglich ist, dann liegt der Regierungsbildungsauftrag bei der stärksten Fraktion.« Was genau das bedeuten soll, ist unklar. Die AfD lehnt Beteiligungen an Koalitionen strikt ab, es will auch keine andere Partei gemeinsam mit den Rechtsextremen regieren. Abgesehen von Müller hat sich bislang nur ein bekannterer Christdemokrat aus Sachsen-Anhalt ähnlich geäußert: der Abgeordnete Alexander Räuscher, der dem neuen Landtag aber vermutlich gar nicht mehr angehören wird. Er lässt sich im »Tagesspiegel« so zitieren: »Siegmund muss seine Partei regierungsfähig machen.« Mehr über diese Debatte erfahren Sie hier. Was genau das bedeuten soll, ist unklar. Die AfD lehnt Beteiligungen an Koalitionen strikt ab, es will auch keine andere Partei gemeinsam mit den Rechtsextremen regieren. Abgesehen von Müller hat sich bislang nur ein bekannterer Christdemokrat aus Sachsen-Anhalt ähnlich geäußert: der Abgeordnete Alexander Räuscher, der dem neuen Landtag aber vermutlich gar nicht mehr angehören wird. Er lässt sich im »Tagesspiegel« so zitieren: »Siegmund muss seine Partei regierungsfähig machen.« Mehr über diese Debatte erfahren Sie hier. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Ex-SPD-Chef Sigmar Gabriel lästert über AfD-Programm: »Bisschen Alkohol hilft« Zur Abschlusskundgebung auf dem Marktplatz von Wernigerode setzt die SPD Sachsen-Anhalt am Donnerstag auf einen Redner, der schon länger nicht mehr auf einer Wahlkampfbühne gestanden hat: Sigmar Gabriel. Der frühere SPD-Chef und Vizekanzler ist ein Harzer Lokalmatador, er stammt aus dem 30 Autominuten entfernten Goslar, wo er bis heute mit seiner Familie lebt.  Gabriel hat sich in der Vergangenheit immer wieder auch kritisch über die SPD-Führung geäußert, mit Parteichef Lars Klingbeil verbindet ihn ein wechselvolles Verhältnis. Man könnte seine Einladung als Absetzbewegung Genossen in Sachsen-Anhalt von der Bundespartei interpretieren, aber Gabriel gilt eben auch als begnadeter Redner. Und bei seinem knapp 20-minütigen Auftritt zeigt der 66-Jährige, warum. Gabriel hat sich in der Vergangenheit immer wieder auch kritisch über die SPD-Führung geäußert, mit Parteichef Lars Klingbeil verbindet ihn ein wechselvolles Verhältnis. Man könnte seine Einladung als Absetzbewegung Genossen in Sachsen-Anhalt von der Bundespartei interpretieren, aber Gabriel gilt eben auch als begnadeter Redner. Und bei seinem knapp 20-minütigen Auftritt zeigt der 66-Jährige, warum. Ex-SPD-Chef Gabriel: »Was machen die da eigentlich?«. Foto: Matthias Bein/dpa »Ja, wir leben in schwierigen Zeiten«, sagt er. »Ich kann verstehen, dass viele sauer sind auf die Politik.« Die Steuereinnahmen seien hoch wie nie, viele Schulen sähen trotzdem schlimm aus und die Infrastruktur sei vielerorts nicht in Ordnung. »Da fragt man sich natürlich, was machen die da eigentlich?«, räumt Gabriel ein. »Aber bei all der Kritik, die man hat, kann man doch nicht ernsthaft auf die Idee kommen, aus Wut darüber das demokratische Element und die Grundlagen dieses Landes erschüttern zu wollen«, sagt er. »Was soll denn dadurch besser werden?« Er habe das Wahlprogramm der AfD gelesen, berichtet Gabriel. Anstrengend sei das gewesen, »bisschen Alkohol hilft«. Er habe nicht einen Satz gefunden, was die AfD besser machen wolle. »Nicht einen Satz!« Stattdessen habe er im Programm der Bundes-AfD die Forderung nach einer Abschaffung der Schulpflicht gelesen, empört sich der frühere Berufsschullehrer. »Ich habe gedacht, das ist ein Satire-Programm.« Den rund 150 Zuhörern gibt Gabriel einen Rat mit auf den Weg. »Wenn Sie auf einen Politiker treffen, der auf alles eine Antwort hat, wählen Sie ihn besser nicht«, so seine Empfehlung. »Halten sie zusammen und hören sie auf die Nachdenklichen.« Er habe das Wahlprogramm der AfD gelesen, berichtet Gabriel. Anstrengend sei das gewesen, »bisschen Alkohol hilft«. Er habe nicht einen Satz gefunden, was die AfD besser machen wolle. »Nicht einen Satz!« Stattdessen habe er im Programm der Bundes-AfD die Forderung nach einer Abschaffung der Schulpflicht gelesen, empört sich der frühere Berufsschullehrer. »Ich habe gedacht, das ist ein Satire-Programm.« Den rund 150 Zuhörern gibt Gabriel einen Rat mit auf den Weg. »Wenn Sie auf einen Politiker treffen, der auf alles eine Antwort hat, wählen Sie ihn besser nicht«, so seine Empfehlung. »Halten sie zusammen und hören sie auf die Nachdenklichen.« Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Mehrheit der Ostdeutschen hält Waffenhilfe für Ukraine für übertrieben Auch das könnte die Wahl am Sonntag prägen: Die Mehrheit der Ostdeutschen (54 Prozent) ist laut ARD-Deutschlandtrend der Ansicht, dass die deutsche Militärhilfe für die Ukraine zu weit geht. In Westdeutschland sind dies 39 Prozent. Umgekehrt äußern in der Infratest dimap-Umfrage 59 Prozent der Westdeutschen, dass sie sich durch Russland bedroht oder sehr stark bedroht fühlen. In Ostdeutschland sind dies 42 Prozent. 21 Prozent der Befragten im Osten sehen überhaupt keine Bedrohung. Ulrich Siegmund forderte im Wahlkampf wiederholt ein Ende der Ukraine-Hilfen. Im Wahlprogramm der AfD, das Regierungsprogramm genannt wird, heißt es: »Deutschland und insbesondere Sachsen-Anhalt haben sowohl in ökonomischer als auch in kultureller Hinsicht ein großes Interesse an guten Beziehungen zu Russland. Die aktuelle russlandfeindliche Politik der Altparteien wiederum liegt nicht in deutschem Interesse. Sie spaltet Europa in fremdem Interesse.« Ulrich Siegmund forderte im Wahlkampf wiederholt ein Ende der Ukraine-Hilfen. Im Wahlprogramm der AfD, das Regierungsprogramm genannt wird, heißt es: »Deutschland und insbesondere Sachsen-Anhalt haben sowohl in ökonomischer als auch in kultureller Hinsicht ein großes Interesse an guten Beziehungen zu Russland. Die aktuelle russlandfeindliche Politik der Altparteien wiederum liegt nicht in deutschem Interesse. Sie spaltet Europa in fremdem Interesse.« Im Wahlkampf setzt die AfD besonders auf die Energiekrise und verbindet diese mit ihrer Haltung zu Russland. Kaum eine Veranstaltung, in der AfD-Politiker nicht an irgendeiner Stelle neues »Gas aus Russland« fordern. Dass Russland selbst die Gaslieferungen nach Deutschland abgebrochen hatte, wird nicht erwähnt. Der Preis sei wichtiger als die Frage, woher das Gas komme, argumentiert Spitzenkandidat Ulrich Siegmund in Veranstaltungen. So zeigte Siegmund in einer Diskussionsrunde der Spitzenkandidaten seinen Tankzettel und beschwerte sich über den Preis. Der Preis sei wichtiger als die Frage, woher das Gas komme, argumentiert Spitzenkandidat Ulrich Siegmund in Veranstaltungen. So zeigte Siegmund in einer Diskussionsrunde der Spitzenkandidaten seinen Tankzettel und beschwerte sich über den Preis. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Jakob Hallmann Newsdesk Ein Viertel der Wählenden noch unentschlossen Eine neue Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen sieht die AfD in Sachsen-Anhalt weiterhin klar vorn. Mit ihrem Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund könnte die AfD demnach 41 Prozent holen, einen Punkt mehr als noch vergangene Woche. Die Christdemokraten von Ministerpräsident Sven Schulze liegen unverändert bei 23 Prozent. Allerdings weisen die Meinungsforschenden darauf hin, dass 26 Prozent der Befragten noch unentschlossen seien. Auf Platz drei folgt in der Umfrage die Linke mit 11,5 Prozent – 1,5 Punkte weniger als in der Vorwoche. Die SPD verliert 0,5 Punkte und kommt auf 8,5 Prozent, die Grünen stehen unverändert bei 6 Prozent. Das BSW mit 4 Prozent (plus 1 Punkt) und die FDP mit 3 Prozent würden nicht über die Fünfprozenthürde kommen. Die übrigen Parteien erreichen zusammen 3 Prozent. Der deutliche Vorsprung der AfD deckt sich mit den Erhebungen anderer Institute. Auf Platz drei folgt in der Umfrage die Linke mit 11,5 Prozent – 1,5 Punkte weniger als in der Vorwoche. Die SPD verliert 0,5 Punkte und kommt auf 8,5 Prozent, die Grünen stehen unverändert bei 6 Prozent. Das BSW mit 4 Prozent (plus 1 Punkt) und die FDP mit 3 Prozent würden nicht über die Fünfprozenthürde kommen. Die übrigen Parteien erreichen zusammen 3 Prozent. Der deutliche Vorsprung der AfD deckt sich mit den Erhebungen anderer Institute. Bei einem Wahlergebnis wie in dieser Umfrage würde die AfD laut dem Meinungsforschungsinstitut ihr Ziel verfehlen, allein zu regieren. Je mehr Parteien den Sprung ins Parlament in Magdeburg schaffen, desto unwahrscheinlicher wird eine absolute Mehrheit für die AfD, die in Sachsen-Anhalt vom Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft wird.   Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Hallervorden wirbt für die CDU – doch nennt Merz »so hilfreich wie eine Schnecke beim Hürdenlauf« In Halle warb der Kabarettist Dieter Hallervorden auf großer Bühne für das Wählen demokratischer Parteien – um die AfD kleinzuhalten. Erneut teilte er dabei aber auch scharf gegen Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) aus. Merz sie beim Lösen der Probleme im Land »so hilfreich wie eine Schnecke beim Hürdenlauf«, sagte Hallervorden. Auftritte des Kanzlers beim CDU-Wahlkampf sah er kritisch. Ministerpräsident Sven Schulze habe seinen Parteichef sicher nicht eingeladen, »er war nur zu höflich zu sagen: Bleib weg.« Der Kabarettist Dieter Hallervorden bei »Halle steht auf«. Foto: Marc Röhlig/DER SPIEGEL Hallervorden trat im Rahmen der Veranstaltung »Halle steht auf« auf dem Marktplatz auf, ein Konzert für Demokratie, Begegnung und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Neben Hallervorden gab es auch Auftritte von Fury in the Slaughterhouse, später tritt auch Peter Maffay auf.  Als Wahlempfehlung warb Hallervorden trotz Merz für die CDU, Schulze sei der »richtige Mann« für Sachsen-Anhalt. Aber auch SPD, Grüne oder Linke solle man stärken. Der CDU empfahl er, den Unvereinbarkeitsbeschluss gegen die Linke aufzuheben. Der sei großer Quatsch, da müsse die CDU den Merz überwinden. Aber das komme schon noch: »Wir sind alle noch hier, wenn der Merz irgendwann weg ist.« Als Wahlempfehlung warb Hallervorden trotz Merz für die CDU, Schulze sei der »richtige Mann« für Sachsen-Anhalt. Aber auch SPD, Grüne oder Linke solle man stärken. Der CDU empfahl er, den Unvereinbarkeitsbeschluss gegen die Linke aufzuheben. Der sei großer Quatsch, da müsse die CDU den Merz überwinden. Aber das komme schon noch: »Wir sind alle noch hier, wenn der Merz irgendwann weg ist.« Gegen die AfD fand der gebürtige Dessauer deutliche Worte. Wie die Partei spalte, »das passt doch überhaupt nicht zu der Art, wie wir hier in Sachsen-Anhalt leben«, so Hallervorden. »Wir werden ihnen zeigen: Wir sind die Mehrheit!« Auch auf Social Media hatte sich Hallervorden gegen die AfD ausgesprochen. Auch auf Social Media hatte sich Hallervorden gegen die AfD ausgesprochen. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen SPD-Spitzenkandidat Willingmann: »Wir sind der Deich gegen die blaue Flut« Der sachsen-anhaltische SPD-Spitzenkandidat Armin Willingmann stellte zum Wahlkampfabschluss der SPD in Sachsen-Anhalt ebenfalls den entschlossenen Kampf gegen rechts heraus. In Bezug auf die AfD sagte Willingmann, als eine blaue Flut drohte, habe man ihr das Bild eines Deichs entgegensetzen wollen. »Wenn er hält, hilft er allen. Bricht er, sind alle hinter dem Deich geschädigt«, so Willingmann, der in Sachsen-Anhalt Umweltminister ist. »Wir sind der Deich gegen die blaue Flut.« Zugleich betonte Willingmann die Erfolge in der schwarz-rot-gelben Koalition in Sachsen-Anhalt. Man habe die Schulsozialarbeit gesichert, sich um die Einkünfte von Grundschullehrern gekümmert und das Kita-System gesichert. Die SPD stehe für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, so der SPD-Politiker. Zugleich betonte Willingmann die Erfolge in der schwarz-rot-gelben Koalition in Sachsen-Anhalt. Man habe die Schulsozialarbeit gesichert, sich um die Einkünfte von Grundschullehrern gekümmert und das Kita-System gesichert. Die SPD stehe für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, so der SPD-Politiker. Foto: Annegret Hilse / Reuters Der ehemalige SPD-Chef Sigmar Gabriel hat der AfD bei der Wahlkampfveranstaltung in Wernigerode (Landkreis Harz) vorgeworfen, Hass in Deutschland zu schüren. »Das, finde ich, ist das Schlimmste an dieser Partei, dass sie Hass predigt, dass sie uns gegeneinander aufbringen will«, sagte Gabriel. Auch Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) betonte mit Blick auf die AfD, es sei wichtig, Hetzern und Demagogen ein klares Stoppsignal entgegenzusetzen. »Diese Partei darf niemals etwas zu sagen haben. Es wird im Chaos enden und in einem wirtschaftlichen Desaster«, sagte Woidke. Auch Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) betonte mit Blick auf die AfD, es sei wichtig, Hetzern und Demagogen ein klares Stoppsignal entgegenzusetzen. »Diese Partei darf niemals etwas zu sagen haben. Es wird im Chaos enden und in einem wirtschaftlichen Desaster«, sagte Woidke. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen BSW wirft Merz vor, »ewigen Krieg« gegen Russland begonnen zu haben Die meisten Parteien feiern ihren Wahlkampfabschluss am Freitag oder Samstag – das BSW hat schon am Donnerstag an den Rand der Hallenser Altstadt eingeladen. Die Stimmung war hitzig; nur gut 100 Interessierte waren vor Ort, zugleich aber auch etwa ein lautes Dutzend Aktivistinnen und Aktivisten. Lauthals warfen sie BSW-Chef Fabio De Masi vor, Antisemit und »Putinknecht« zu sein. Als BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht auftrat, übten sich die Störer mit lauten Buhrufen. Demonstrierende am Rande der BSW-Abschlusskundgebung in Halle. Foto: Marc Röhlig/DER SPIEGEL Auf der Bühne gab es derweil vom BSW-Spitzenpersonal Gewohntes: Die »Altparteien« müssten abgestraft werden, Bundeskanzler Friedrich Merz sei »wandelnde Arroganz«, die Medien würden eine »Schmierkampagne« gegen das BSW fahren. Gas aus Russland müsse wieder erlaubt werden, von Sachsen-Anhalt aus können Frieden geschaffen werden. Neu war: Deutschland habe nun Russland »den ewigen Krieg erklärt«. Gemeint ist die Schließung des Generalkonsulats in Bonn und des Russischen Hauses in Berlin als Reaktion auf die gescheiterte Drohnenattacke am Flughafen Halle/Leipzig.  Wer Veränderung wolle, so Wagenknecht am Ende ihrer Rede, der müsse das BSW in den Landtag wählen. Man würde dort nicht vor gemeinsamen Anträgen mit der AfD scheuen. Ob die Strategie aufgeht, muss der Wahlsonntag zeigen. Zuletzt war das BSW in den Umfragen wieder geschrumpft, der Sprung über die Fünfprozenthürde wird knapp. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Nach acht Minuten ist der Kanzler schon wieder weg Das war es also: Gerade einmal acht Minuten sind Sven Schulze und Friedrich Merz vor die Kameras getreten. Drei Tage vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt erreicht das Schauspiel »Die CDU versteckt ihren Kanzler im Wahlkampf« im Chemiepark Leuna damit seinen Höhepunkt. Foto: Jens Schlueter / AFP Schulze und Merz reden über die Bedeutung der Chemieindustrie, wie diese durch die internationalen Krisen unter Druck gerät – und warnen vor der AfD. Die extrem rechte Partei stelle die EU, den Binnenmarkt und Schengen infrage, sagte der Kanzler. Wer dagegen sei, also auch Milliardeninvestitionen wie in Leuna erhalten wolle, dürfe am Sonntag nicht AfD wählen. Doch glaubt die CDU überhaupt noch daran, einen Wahlsieg erreichen zu können? Angesichts der aufgeregten Debatte in Schulzes Landesverband über den Umgang mit der Linkspartei kann man daran Zweifel haben. Man hätte gern von Kanzler oder Ministerpräsident gewusst, wie sie das so sehen. Doch Nachfragen sind an diesem Abend in Leuna nicht gestattet. Doch glaubt die CDU überhaupt noch daran, einen Wahlsieg erreichen zu können? Angesichts der aufgeregten Debatte in Schulzes Landesverband über den Umgang mit der Linkspartei kann man daran Zweifel haben. Man hätte gern von Kanzler oder Ministerpräsident gewusst, wie sie das so sehen. Doch Nachfragen sind an diesem Abend in Leuna nicht gestattet. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Welche Regierungen sind in Sachsen-Anhalt möglich? Eine Alleinregierung der AfD ist laut aktuellen Umfragedaten nicht möglich. Mit dem SPIEGEL-Rechner können sie ausprobieren, wann welche Regierungsoption möglich wird. Sie finden das Tool hier. Foto: DER SPIEGEL; Kay Nietfeld / dpa Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Leseempfehlung: Muss man die AfD wirklich um jeden Preis von der Macht fernhalten? Kurz vor der Wahl in Sachsen-Anhalt stehen die Rechtsextremen bei über 40 Prozent. Trägt da noch die Strategie der Ausgrenzung? »Der Schaden einer »Frankenstein-Koalition« wäre für mich kleiner als der Schaden einer AfD-Regierung«, sagt Maria Fiedler, stellvertretende Leiterin des SPIEGEL-Hauptstadtbüros. Mathieu von Rohr, Leiter des SPIEGEL-Auslandsressorts entgegnet: »Eine AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt wäre ein gravierender Einschnitt, aber nicht automatisch der Anfang vom Ende der deutschen Demokratie.« Das Streitgespräch der beiden SPIEGEL-Kollegen lesen Sie hier. Das Streitgespräch der beiden SPIEGEL-Kollegen lesen Sie hier. Foto: David Baglietto / DER SPIEGEL Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen »Das waren oft sehr anstrengende Gespräche« Die beiden Freunde Björn-Michael Lange und Henry Lindemeier sind aus Berlin – aber seit zwei Wochen in Sachsen-Anhalt unterwegs. Zunächst mit der Idee, AfD-Interessierte über die vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestufte Partei aufzuklären. Dann mit dem Ansinnen, Wechselwählende vom »taktisch wählen« zu überzeugen; also der Idee, je den aussichtsreichsten Gegnern der AfD in einem Wahlkreis Stimmen zu geben. Im Videointerview spricht Lindemeier darüber, wie gut das geklappt hat – und wie es eigentlich auf die Bürgerinnen und Bürger im Land wirkt, wenn zwei »Wessis« zum Belehren aus Berlin anreisen. Im Videointerview spricht Lindemeier darüber, wie gut das geklappt hat – und wie es eigentlich auf die Bürgerinnen und Bürger im Land wirkt, wenn zwei »Wessis« zum Belehren aus Berlin anreisen. Video: Anna-Lena Schou/DER SPIEGEL Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Udo Lindenberg wirbt gegen die AfD Auf Instagram hat sich Musiker Udo Lindenberg zur Wahl in Sachsen-Anhalt gemeldet. Er ruft die Menschen auf, zu prüfen, für wen sie ihr Kreuz setzen. »Nimm die Sonnenbrille ab und schau dir genau an, was dir versprochen wird.« Weiter schreibt er: »Du darfst diese Regierung verfluchen, auf alle Parteien wütend sein, radikale Veränderung fordern, und du hast absolut recht damit!! Aber Wut ist noch kein Wahlprogramm!!« Mit der AfD werde nicht alles besser – »schon gar nicht für unser schönes Land und unsere hart erkämpfte Demokratie, unsere Verfassung, die unsere Würde und Freiheit sichert, auch die Pressefreiheit, Meinungsfreiheit und Kunstfreiheit.« »Wer Deutschland WIRKLICH liebt, wählt schwarz rot gold, gelb oder grün oder lila, aber definitiv NICHT blau«, so beendet Lindenberg seinen Aufruf. Weiter schreibt er: »Du darfst diese Regierung verfluchen, auf alle Parteien wütend sein, radikale Veränderung fordern, und du hast absolut recht damit!! Aber Wut ist noch kein Wahlprogramm!!« Mit der AfD werde nicht alles besser – »schon gar nicht für unser schönes Land und unsere hart erkämpfte Demokratie, unsere Verfassung, die unsere Würde und Freiheit sichert, auch die Pressefreiheit, Meinungsfreiheit und Kunstfreiheit.« »Wer Deutschland WIRKLICH liebt, wählt schwarz rot gold, gelb oder grün oder lila, aber definitiv NICHT blau«, so beendet Lindenberg seinen Aufruf. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen »Ich hörte, die AfD mag Menschen aus der Ukraine nicht« Xenia, 27, kam vor vier Jahren aus der Ukraine nach Deutschland. Wählen darf sie hier nicht, Sorgen macht sie sich umso mehr: »Ich bekomme mit, dass gerade viele über die Wahl reden. Auch mit meinen Freundinnen spreche ich darüber. Wir sind unsicher, wie es nach Sonntag weitergeht. Irgendwann, wenn der Krieg vorbei ist, will ich wieder in der Ukraine arbeiten. Aber jetzt suche ich hier einen Job, mache Weiterbildungen, verbessere mein Deutsch. Ich habe aber Sorge, dass das nicht mehr geht, wenn die AfD regiert. Ich hörte, sie mag Menschen aus der Ukraine nicht. Wir müssen jetzt einfach abwarten, wie gewählt wird – und dann weitersehen!« »Ich bekomme mit, dass gerade viele über die Wahl reden. Auch mit meinen Freundinnen spreche ich darüber. Wir sind unsicher, wie es nach Sonntag weitergeht. Irgendwann, wenn der Krieg vorbei ist, will ich wieder in der Ukraine arbeiten. Aber jetzt suche ich hier einen Job, mache Weiterbildungen, verbessere mein Deutsch. Ich habe aber Sorge, dass das nicht mehr geht, wenn die AfD regiert. Ich hörte, sie mag Menschen aus der Ukraine nicht. Wir müssen jetzt einfach abwarten, wie gewählt wird – und dann weitersehen!« Xenia möchte im Bild nicht identifiziert werden. Foto: Marc Röhlig/DER SPIEGEL Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Widerstand gegen mögliche CDU-Linke-Kooperation wächst Die Umfragen deuten darauf hin, dass der CDU eine Zerreißprobe bevorstehen könnte: Sollte die AfD am Sonntag die absolute Mehrheit verpassen, könnte Ministerpräsident Sven Schulze versuchen, auch mithilfe der Linken wieder ins Amt gewählt zu werden – was höchstwahrscheinlich vorherige Gespräche nötig machen würde. Genau gegen solche Absprachen regt sich jedoch Widerstand. Im besonders konservativen CDU-Kreisverband Harz kursiert ein Papier, an dem offenkundig der Landtagsabgeordnete Alexander Räuscher maßgeblich mitgewirkt hat. In der Beschlussvorlage für den Kreisvorstand heißt es, man lehne sämtliche Modelle ab, die darauf hinausliefen, sich in parlamentarischen Fragen vom »Wohlwollen, der Duldung oder der expliziten Zustimmung« der Linken abhängig zu machen. Genau gegen solche Absprachen regt sich jedoch Widerstand. Im besonders konservativen CDU-Kreisverband Harz kursiert ein Papier, an dem offenkundig der Landtagsabgeordnete Alexander Räuscher maßgeblich mitgewirkt hat. In der Beschlussvorlage für den Kreisvorstand heißt es, man lehne sämtliche Modelle ab, die darauf hinausliefen, sich in parlamentarischen Fragen vom »Wohlwollen, der Duldung oder der expliziten Zustimmung« der Linken abhängig zu machen. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert / dpa Eva von Angern (Linke), Sven Schulze (CDU)  Überraschend ist das nicht: Räuscher macht sich seit Langem dafür stark, sämtliche Brandmauern einzureißen – und der einflussreiche Vorsitzende seines Kreisverbandes, der Abgeordnete Ulrich Thomas, sinnierte schon vor Jahren darüber, »das Soziale mit dem Nationalen zu versöhnen«.  Nur: Thomas hat sich bislang nicht explizit hinter das aktuelle Papier gestellt, darüber soll nun erst nach der Landtagswahl gesprochen und abgestimmt werden. Und anders als Thomas wird Räuscher angesichts der Umfragen und der politischen Stimmung vermutlich nicht im neuen Landtag sitzen. Ministerpräsident Schulze sieht es dann auch so: »Das ist die Meinung eines einzelnen Parteimitglieds«, sagte er dem »Stern«. »Das wurde nicht beschlossen und ist auch keine Diskussionsgrundlage für die nächsten Tage.« Trotzdem dürfte die Debatte gerade erst so richtig losgehen, denn inzwischen gibt es ein zweites Papier: Der sachsen-anhaltische Bundestagsabgeordnete Sepp Müller und drei ostdeutsche Landesverbände der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft warnen in einem Wahlaufruf vor den »Gefahren von links« und vor einer Zusammenarbeit mit der SED-Nachfolgepartei. Wie diese Debatte ausgeht, ist unklar. Klar ist aber: Für Schulze kommt sie im Endspurt seines Wahlkampfes zur Unzeit. Nur: Thomas hat sich bislang nicht explizit hinter das aktuelle Papier gestellt, darüber soll nun erst nach der Landtagswahl gesprochen und abgestimmt werden. Und anders als Thomas wird Räuscher angesichts der Umfragen und der politischen Stimmung vermutlich nicht im neuen Landtag sitzen. Ministerpräsident Schulze sieht es dann auch so: »Das ist die Meinung eines einzelnen Parteimitglieds«, sagte er dem »Stern«. »Das wurde nicht beschlossen und ist auch keine Diskussionsgrundlage für die nächsten Tage.« Trotzdem dürfte die Debatte gerade erst so richtig losgehen, denn inzwischen gibt es ein zweites Papier: Der sachsen-anhaltische Bundestagsabgeordnete Sepp Müller und drei ostdeutsche Landesverbände der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft warnen in einem Wahlaufruf vor den »Gefahren von links« und vor einer Zusammenarbeit mit der SED-Nachfolgepartei. Wie diese Debatte ausgeht, ist unklar. Klar ist aber: Für Schulze kommt sie im Endspurt seines Wahlkampfes zur Unzeit. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen »Ich bin ehrlich: Vor allem wähle ich aus Frust« Herr Glinka – »wie der Sowjet« – ist 65 Jahre, gebürtig aus Thüringen, aber schon seit Längerem in Halle wohnhaft. Dem SPIEGEL erzählt er, wie er die Stimmung in Sachsen-Anhalt wahrnimmt: »Die letzten Wochen waren anstrengend. Ob auf Arbeit, ich bin Tischler, oder in der Nachbarschaft – die Leute sind nur noch im Streit. Alle schimpfen aufeinander, keiner kommt mehr zusammen. Und die Politiker ja auch. Na ja, es heißt nicht umsonst Wahl-Kampf! Ich glaube nicht, dass das wieder besser wird.« »Die letzten Wochen waren anstrengend. Ob auf Arbeit, ich bin Tischler, oder in der Nachbarschaft – die Leute sind nur noch im Streit. Alle schimpfen aufeinander, keiner kommt mehr zusammen. Und die Politiker ja auch. Na ja, es heißt nicht umsonst Wahl-Kampf! Ich glaube nicht, dass das wieder besser wird.« Herr Glinka aus Halle: „Alle schimpfen aufeinander, keiner kommt mehr zusammen“. Foto: Marc Röhlig/DER SPIEGEL Und weiter: »In die Politik habe ich schon lange kein Vertrauen mehr, wie sie immer ihre Krawatten zurecht fummeln und sonst nichts machen. Wenn ich mich informiere, dann im Fernsehen oder bei Wahlveranstaltungen, ein Handy habe ich nicht. Ich bin für die AfD, deren Programm habe ich mir durchgelesen. Ich mag, dass sie bei der Ausländerpolitik durchgreifen wollen. Ich möchte hier keine Gewalt haben. Ob dann Arbeitskräfte fehlen, das kann ich nicht beurteilen. Aber ich bin auch ehrlich: Vor allem wähle ich aus Frust. Ob die AfD nur redet oder dann auch macht, weiß ich nicht. Einfach mal gucken, was passiert.« Aber ich bin auch ehrlich: Vor allem wähle ich aus Frust. Ob die AfD nur redet oder dann auch macht, weiß ich nicht. Einfach mal gucken, was passiert.« Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Zwei Bischöfe warnen vor der AfD: »Die Liebe Gottes ist mit völkischem Nationalismus nicht vereinbar« Christinnen und Christen stehen für Nächstenliebe und Menschenwürde. Dies gelte insbesondere für die Schwächsten der Gesellschaft, sagt der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Heiner Wilmer, der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung«: »Dazu gibt es keine Alternative, weder in Deutschland noch anderswo«, sagte der Münsteraner Bischof. Die im Parteinamen formulierte Alternative für Deutschland sei »eine Gesellschaft, in der Freiheit, Menschenwürde und Demokratie eingeschränkt werden«. Der Berliner Erzbischof Heiner Koch wiederum nannte es die Rolle der Kirche, vor Fehlentwicklungen zu warnen und aktiv für die Demokratie einzustehen. Es gehe um Themen, die für Christen nicht verhandelbar seien, etwa die unveräußerliche Menschenwürde jedes Einzelnen, sagte er der Katholischen Nachrichten-Agentur. Über konkrete politische Maßnahmen könne man unterschiedlicher Meinung sein. »Doch die Grundoption ist nicht verhandelbar.« Koch zeigte sich überzeugt, dass das persönliche Gespräch entscheidend sei. »Die Menschen müssen spüren, dass sie in der Kirche über solche Themen sprechen können, und dass wir diese Themen sehr ernst nehmen.« Gleichzeitig sei er sich der Schwierigkeit bewusst, sich öffentlich gegen die AfD zu positionieren. Aber: Die Kirche müsse Haltung zeigen, auch wenn sich AfD-Wähler von ihr abwendeten. »Denn es geht um viel mehr als um Wahlergebnisse, es geht um Werte und inhaltliche Grundfragen«, sagte der Erzbischof. »Die Liebe Gottes ist mit völkischem Nationalismus nicht vereinbar, dabei bleibe ich!« Der Berliner Erzbischof Heiner Koch wiederum nannte es die Rolle der Kirche, vor Fehlentwicklungen zu warnen und aktiv für die Demokratie einzustehen. Es gehe um Themen, die für Christen nicht verhandelbar seien, etwa die unveräußerliche Menschenwürde jedes Einzelnen, sagte er der Katholischen Nachrichten-Agentur. Über konkrete politische Maßnahmen könne man unterschiedlicher Meinung sein. »Doch die Grundoption ist nicht verhandelbar.« Koch zeigte sich überzeugt, dass das persönliche Gespräch entscheidend sei. »Die Menschen müssen spüren, dass sie in der Kirche über solche Themen sprechen können, und dass wir diese Themen sehr ernst nehmen.« Gleichzeitig sei er sich der Schwierigkeit bewusst, sich öffentlich gegen die AfD zu positionieren. Aber: Die Kirche müsse Haltung zeigen, auch wenn sich AfD-Wähler von ihr abwendeten. »Denn es geht um viel mehr als um Wahlergebnisse, es geht um Werte und inhaltliche Grundfragen«, sagte der Erzbischof. »Die Liebe Gottes ist mit völkischem Nationalismus nicht vereinbar, dabei bleibe ich!« Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Kein Wahlkampfabschluss mit Ministerpräsident Schulze Das ist ungewöhnlich: Sven Schulze, Regierungs- und CDU-Chef in Sachsen-Anhalt, wird seinen Wahlkampf nicht mit einer zentralen Veranstaltung beenden. Genau genommen: Er wird ihn mit gar keiner Veranstaltung beenden. Das erfuhr der SPIEGEL aus der Landesparteizentrale in Magdeburg. Entsprechende Überlegungen habe man ad acta gelegt und sich stattdessen für zwei Termine mit dem Kanzler entschieden: Der erste war bereits am Montag, heute reisen beide zu einem Chemieunternehmen nach Leuna. So wie schon in Quedlinburg sind auch heute keine Begegnungen mit einer größeren Öffentlichkeit geplant – was den Eindruck nährt, die CDU wolle in Sachsen-Anhalt ihren eigenen Parteichef und Kanzler verstecken. Entsprechende Überlegungen habe man ad acta gelegt und sich stattdessen für zwei Termine mit dem Kanzler entschieden: Der erste war bereits am Montag, heute reisen beide zu einem Chemieunternehmen nach Leuna. So wie schon in Quedlinburg sind auch heute keine Begegnungen mit einer größeren Öffentlichkeit geplant – was den Eindruck nährt, die CDU wolle in Sachsen-Anhalt ihren eigenen Parteichef und Kanzler verstecken. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert / dpa Bemerkenswert ist, was Schulze zudem noch so plant: Am Samstag will er am großen Demokratiefest auf dem Magdeburger Domplatz teilnehmen, organisiert von einem bunten Bündnis, das eine AfD-Regierung verhindern will. Schulze werde dort nicht auftreten, sondern als Gast »ohne eigenen politischen Programmpunkt« auftauchen. »Ihm geht es darum, vor Ort zu sein und mit den Menschen ins Gespräch zu kommen.« Wer Schulze vorher noch treffen will, hat morgen in Magdeburg die Chance. Dann steht er mit dem hessischen CDU-Regierungschef Boris Rhein im Süden von Magdeburg – und verteilt Currywürste. Wer Schulze vorher noch treffen will, hat morgen in Magdeburg die Chance. Dann steht er mit dem hessischen CDU-Regierungschef Boris Rhein im Süden von Magdeburg – und verteilt Currywürste. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Leseempfehlung: Die Feindseligkeiten gegenüber Journalistinnen und Journalisten erreicht einen neuen Höhepunkt Das zeigt eine Auswertung der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) innerhalb der Gewerkschaft Ver.di, die dem SPIEGEL vorab vorliegt. Demnach wurden seit Mai über 30 Übergriffe und Behinderungen auf Medienschaffende bei AfD-Veranstaltungen registriert. Betroffen gewesen seien mindestens 43 Journalistinnen und Journalisten, TV-Teams und politische Influencer, so die dju. 25 der Vorfälle hätten sich allein in den vergangenen drei Wochen, also in der heißen Phase des Wahlkampfs ereignet. Das Spektrum der Einschüchterungen reiche von verbaler Diffamierung und gezielter Arbeitsbehinderung über Nachstellungen bis zu körperlichen Angriffen, die in fünf Fällen registriert worden seien. Auch von Doxing, also dem Veröffentlichen personenbezogener Daten im Internet, ist die Rede. Auch der Rempler eines rechtsextremen Streamers gegen einen SPIEGEL-Reporter bei einer AfD-Veranstaltung in Merseburg wurde in der Statistik erfasst. Warum der Vorfall der Auswertung zufolge kein Einzelfall ist, lesen Sie hier. 25 der Vorfälle hätten sich allein in den vergangenen drei Wochen, also in der heißen Phase des Wahlkampfs ereignet. Das Spektrum der Einschüchterungen reiche von verbaler Diffamierung und gezielter Arbeitsbehinderung über Nachstellungen bis zu körperlichen Angriffen, die in fünf Fällen registriert worden seien. Auch von Doxing, also dem Veröffentlichen personenbezogener Daten im Internet, ist die Rede. Auch der Rempler eines rechtsextremen Streamers gegen einen SPIEGEL-Reporter bei einer AfD-Veranstaltung in Merseburg wurde in der Statistik erfasst. Warum der Vorfall der Auswertung zufolge kein Einzelfall ist, lesen Sie hier. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Wirtschaft bangt um Sachsen-Anhalts Image – und Ökonom um Arbeitsplätze Eine womöglich migrationsfeindliche Politik nach den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt beunruhigt Wirtschaftsvertreter. So sorgt sich die Industrie- und Handelskammer (IHK) Halle-Dessau etwa um das internationale Ansehen Sachsen-Anhalts. »Weltoffenheit ist für Sachsen-Anhalt ein wichtiger Wirtschaftsfaktor«, sagte Hauptgeschäftsführer Thomas Brockmeier dem »Handelsblatt«. Das Land müsse ein Standort sein, »an dem internationale Investoren, Fachkräfte und Wissenschaftler gern investieren, arbeiten und leben«. Ministerpräsident Schulze bei einem Industriebetrieb in Ilsenburg. Foto: Frank Drechsler/IMAGO Der Ökonom Reint Gropp vom Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Halle (IWH) wiederum warnte vor dem Verlust Tausender Arbeitsplätze durch rechte Politik. Die Rede ist von einer Lücke von bis zu 46.000 Beschäftigten bis 2031 – 14.000 mehr als bei einer Fortsetzung der bisherigen Politik. »Eine fremdenfeindliche Politik würde die Arbeitskräfteknappheit in Sachsen-Anhalt deutlich verschärfen«, sagte er. Die Folge wäre demnach ein spürbarer Wohlstandsverlust. Bereits jetzt habe das Land eine der ältesten Beschäftigtenstrukturen Deutschlands. Gleichzeitig sei der Ausländeranteil bei sozialversicherungspflichtig Beschäftigten unter den bundesweit niedrigsten. »Doch zu einem erheblichen Teil hat in den vergangenen Jahren die Integration von Geflüchteten den Arbeitsmarkt stabilisiert.« »Eine fremdenfeindliche Politik würde die Arbeitskräfteknappheit in Sachsen-Anhalt deutlich verschärfen«, sagte er. Die Folge wäre demnach ein spürbarer Wohlstandsverlust. Bereits jetzt habe das Land eine der ältesten Beschäftigtenstrukturen Deutschlands. Gleichzeitig sei der Ausländeranteil bei sozialversicherungspflichtig Beschäftigten unter den bundesweit niedrigsten. »Doch zu einem erheblichen Teil hat in den vergangenen Jahren die Integration von Geflüchteten den Arbeitsmarkt stabilisiert.« Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Bereits 26 Demonstrationen für das Wahl-Wochenende angemeldet Das meldet die Volksstimme unter Berufung auf das Innenministerium in Sachsen-Anhalt. Mehrere Tausend Teilnehmer werden erwartet, auch aus anderen Bundesländern. Die größten Veranstaltungen werden wohl ein »Familienfest« der AfD am Freitag sowie ein Demokratiefestival am Samstag, das sich gegen die AfD richtet. Beide Veranstaltungen finden in Magdeburg statt. Eine Auswahl der sonstigen Veranstaltungen: Eine Auswahl der sonstigen Veranstaltungen: - Am Freitag ist ein Protestcamp angekündigt: »Schlechte Grüße aus Bitterfeld«. - Am Samstag startet am Magdeburger Hauptbahnhof eine Demonstration, die anschließend zum Domplatz und dem Demokratiefestival führt. Dazu sind kleinere Demonstrationen, Fahrraddemos und Autokorsos angemeldet, von der Antifa aber auch rechten Gruppen. - Am Sonntag sind ebenfalls mehrere Kundgebungen angemeldet, unter anderem eine unter dem Titel: »Sachsen-Anhalt bleibt weltoffen« in der Magdeburger Innenstadt. Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version war der Name des Protestcamps falsch angegeben. Wir haben den korrekten Namen eingefügt. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Die Linke sucht die letzten Stimmen Gut zwei Stunden hat die Linke Interessierte in Merseburg in ein lokales Kino geladen. Und nach der richtigen Ansprache für die letzten Meter gesucht - denn in den Umfragen schafft die Partei seit Wochen kaum Wachstum. Schlimmer noch: Trotz Aufschwung der Linken im Bund, überträgt der sich nicht nach Sachsen-Anhalt. Hier liegt die Partei bei elf bis zwölf Prozent, also dem Wahlergebnis vor fünf Jahren. Linken-Spitzenkandidatin Eva von Angern mit Moderatorin Antonia Karloff (r) und den Silberlocken Dietmar Bartsch (l) und Gregor Gysi. Foto: Marc Röhlig/DER SPIEGEL Gut 75 Minuten mussten die »Silberlocken« Dietmar Bartsch und Gregor Gysi das Publikum allein unterhalten. Dann eilte Spitzenkandidatin Eva von Angern nach ihrem Auftritt beim TV-Duell im nahen Halle hinzu. Viel zu Wort kam sie aber nicht, um für ihre Inhalte zu werben; Gysi und Bartsch dominierten den Abend mit Bundestagsanekdoten. Wer der politische Feind ist, definierte dabei jede und jeder anders. Bartsch giftete gegen die Kampagne »Taktisch wählen«, die empfiehlt SPD und Grüne in den Landtag zu heben, um die Sitzmacht der AfD zu schrumpfen. Man solle stattdessen nach seiner Überzeugung wählen, so Bartsch. Gysi assistierte: »Die Grünen haben es nicht verdient, linke Stimmen zu bekommen.« Von Angern hingegen richtete sich direkt an AfD-Interessierte: »Nie wieder ist jetzt«, mahnte sie. Im Publikum verfängt das zwar, aber zugleich sitzen hier sowieso jene, die sich vor einem AfD-Gewinn sorgen. Eine Merseburgerin berichtet mir, ihr ganzes Umfeld wähle mittlerweile rechts. An Dialog, am Austausch sei da keiner mehr interessiert. »Ich finde gut, dass es die Linke gibt«, sagt sie, »aber wie will sie gewählt werden, wenn ihre Leute hier immer noch als ‚Mauermörder‘ beschimpft werden?« Im Publikum verfängt das zwar, aber zugleich sitzen hier sowieso jene, die sich vor einem AfD-Gewinn sorgen. Eine Merseburgerin berichtet mir, ihr ganzes Umfeld wähle mittlerweile rechts. An Dialog, am Austausch sei da keiner mehr interessiert. »Ich finde gut, dass es die Linke gibt«, sagt sie, »aber wie will sie gewählt werden, wenn ihre Leute hier immer noch als ‚Mauermörder‘ beschimpft werden?« Linken-Spitzenkandidatin Eva von Angern mit den Silberlocken Bartsch und Gysi und Fans beim Selfie-Machen. Foto: Marc Röhlig/DER SPIEGEL Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen So lief die letzte TV-Spitzenrunde vor der Wahl Die Spitzenkandidatinnen und -kandidaten haben sich zum letzten Mal vor der Wahl zum Streiten getroffen, es war eine meist lebhafte Debatte – allerdings nur dann, wenn es um die AfD und ihr Programm ging. Drei Erkenntnisse: 1. Ulrich Siegmund ist ein sehr talentierter Vermarkter – macht aber eine schlechte Figur, wenn er auf Widerspruch trifft. Vor allem Susan Sziborra-Seidlitz von den Grünen fiel dem AfD-Mann teils vehement in die Parade und legte sich mit ihm an, worauf Siegmund mitunter unsouverän reagierte. Er wirkte wie einer, der sich zu sehr daran gewöhnt hat, auf großen AfD-Fanfesten von seiner Anhängerschaft bejubelt und von rechten »Alternativmedien« unkritisch befragt zu werden. 2. Den anderen Parteien ist es dennoch gelungen, nicht als homogener Anti-AfD-Block zu erscheinen. Das ist auch der Moderation zu verdanken: Das Zweiergespann ließ die Debatte zwar zu oft aus dem Ruder laufen, sodass phasenweise kaum etwas zu verstehen war. Mit der Themenwahl aber ermöglichten sie es, dass zentrale Unterschiede deutlich wurden. 3. Es war die Runde der kleinen Parteien: CDU-Regierungschef Sven Schulze, der im Zweierduell mit Siegmund zuletzt zweimal gut aufgelegt war, blieb diesmal über weite Strecken eher blass. Vor allem die Grünen und das BSW nutzten die große Bühne hingegen effektiv für sich – was angesichts einer derart unübersichtlichen Runde mit neun Leuten durchaus eine Leistung ist. 1. Ulrich Siegmund ist ein sehr talentierter Vermarkter – macht aber eine schlechte Figur, wenn er auf Widerspruch trifft. Vor allem Susan Sziborra-Seidlitz von den Grünen fiel dem AfD-Mann teils vehement in die Parade und legte sich mit ihm an, worauf Siegmund mitunter unsouverän reagierte. Er wirkte wie einer, der sich zu sehr daran gewöhnt hat, auf großen AfD-Fanfesten von seiner Anhängerschaft bejubelt und von rechten »Alternativmedien« unkritisch befragt zu werden. 2. Den anderen Parteien ist es dennoch gelungen, nicht als homogener Anti-AfD-Block zu erscheinen. Das ist auch der Moderation zu verdanken: Das Zweiergespann ließ die Debatte zwar zu oft aus dem Ruder laufen, sodass phasenweise kaum etwas zu verstehen war. Mit der Themenwahl aber ermöglichten sie es, dass zentrale Unterschiede deutlich wurden. 3. Es war die Runde der kleinen Parteien: CDU-Regierungschef Sven Schulze, der im Zweierduell mit Siegmund zuletzt zweimal gut aufgelegt war, blieb diesmal über weite Strecken eher blass. Vor allem die Grünen und das BSW nutzten die große Bühne hingegen effektiv für sich – was angesichts einer derart unübersichtlichen Runde mit neun Leuten durchaus eine Leistung ist. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Dann werden die Spitzenkandidaten gebeten, per Handzeichen ihre Zustimmung zu verschiedenen Aussagen zu signalisieren. Die Vereinfachung der Fragestellungen scheint Siegmund (AfD) und Wittig (BSW) nicht zu stören. Bei Fragen zu einer kostenlosen Kita oder der Forderung, den Spritpreis auf 1,50 Euro zu begrenzen, weisen die anderen Spitzenkandidaten darauf hin, dass sich solche Vorhaben möglicherweise nicht ohne Weiteres umsetzen lassen. Alle reden durcheinander, und die Runde amüsiert sich über das Format. Ob sich die etwas überfordert wirkenden Moderatoren die Fragerunde so vorgestellt haben? Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Termindruck im Wahlkampf Hallo aus Merseburg! Hier lädt die Linke heute ins Domstadtkino zum Wahlkampfevent. Der Termin illustriert ganz gut, unter welchem Zeitdruck das Spitzenpersonal steht: Los gehen soll es 18 Uhr, Linken-Spitzenkandidatin Eva von Angern steht aber noch 15 Kilometer nördlich in Halle beim TV-Duell im Fernsehstudio. Bis sie hier ist, sollen die „Silberlocken“ Dietmar Bartsch und Gregor Gysi das Publikum unterhalten. Mehr als 200 Interessierte sind da, der Saal ist voll. Wie es zu den „Silberlocken“ passt, sind vor allem Ältere da. Und das Interesse war größer als es der Kinosaal hergibt. Jene, die die Linke wieder wegschicken muss, werden mit Goodie Bags getröstet. Mehr als 200 Interessierte sind da, der Saal ist voll. Wie es zu den „Silberlocken“ passt, sind vor allem Ältere da. Und das Interesse war größer als es der Kinosaal hergibt. Jene, die die Linke wieder wegschicken muss, werden mit Goodie Bags getröstet. Foto: Marc Röhlig / DER SPIEGEL Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Apropos »Ehre der Frau«: Im Anschluss holt Schulze gegen Siegmund aus. Das Frauenbild der AfD laufe mit Forderungen wie »mehr Kinder kriegen« und der Abschaffung der Schulpflicht im Kern darauf hinaus, Frauen »zurück an den Herd« zu schicken. Zudem zeigt sich Schulze fast schon mitleidig mit Siegmund: Denn alles, was Hans-Thomas Tillschneider ins Wahlprogramm schreibe, müsse Siegmund anschließend mühsam im Wahlkampf erklären. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Herr Siegmund und die »Kulturfremden« Wie schon im TV-Duell am frühen Nachmittag geht es um den Begriff der »kulturfremden Fachkräfte« aus dem Wahlprogramm der AfD. Siegmund versucht sich an einer Erklärung, die allerdings nichts erklärt, spricht über die »Ehre der Frau«, über Gewalt. »Wir haben überhaupt kein Problem mit ausländischen Ärzten, die hier einen guten Job machen«, behauptet der Spitzenkandidat einer gesichert rechtsextremen Partei. Und: »Was ist denn Kultur? Die Sprache zum Beispiel.« Am Ende fällt ihm erneut Grünenpolitikerin Sziborra-Seidlitz ins Wort, sichtlich entrüstet. Ihr Resümee: »Sie lügen es einfach weg«, was im Wahlprogramm stehe. Das mag man unterhaltsam finden, wirklich erkenntnisreich ist all das allerdings nicht. Am Ende fällt ihm erneut Grünenpolitikerin Sziborra-Seidlitz ins Wort, sichtlich entrüstet. Ihr Resümee: »Sie lügen es einfach weg«, was im Wahlprogramm stehe. Das mag man unterhaltsam finden, wirklich erkenntnisreich ist all das allerdings nicht. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Siegmund und Grünenpolitikerin Sziborra-Seidlitz rasseln aneinander Susan Sziborra-Seidlitz hat sich für diesen Nachmittag offenbar etwas vorgenommen, jedenfalls für den Umgang mit AfD-Mann Siegmund. Die Spitzenkandidatin der Grünen fällt ihm wiederholt ins Wort – zum Beispiel, als der Rechtsextremist über angeblich linksgrüne »Indoktrination« an Schulen redet. Schließlich blafft ein sichtlich genervter Siegmund die Grüne an:  »Sie sind nicht in der Lage, zuzuhören, das ist bedauerlich!«  »Ich will nur 'ne Nachfrage stellen.«  »Rufen Sie mich doch an, Frau Sziborra-Seidlitz.«  »Wir sehen uns regelmäßig im Landtag, das reicht mir.« Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Dann geht es um das Thema Bildung. Wie soll dem Lehrermangel entgegengewirkt werden? Die SPD möchte das duale Lehramtssystem ausbauen. Die Linke fordert, weniger Geld für die Bundeswehr und mehr Geld für Bildung auszugeben. Die FDP will Lehrerinnen und Lehrer von unterrichtsfernen Aufgaben entlasten. Moderator Nikolaus Blome konfrontiert Siegmund mit den bildungspolitischen Vorschlägen der AfD: »Frontalunterricht«, »Deutschlandflaggen« und eine »Beschwerdestelle beim Bildungsministerium«. Schließlich erklärt Siegmund, Schülerinnen und Schüler würden sich bei ihm über Indoktrination an den Schulen beschweren. »Wir möchten, dass Neutralität herrscht.« Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Jetzt geht es rund Plötzlich ist kaum noch ein Wort zu verstehen, alle reden durcheinander, einige brüllen sich regelrecht an, es ist ein wildes Durcheinander. Anlass ist der erste längere Redebeitrag von Rechtsextremist Siegmund, es geht um das Schuldenpaket des Bundes, das Siegmunds Parteifreund Hans-Thomas Tilllschneider mal als »Geld der Schande« bezeichnet hat.  Die anderen wollen Siegmund seine Halbwahrheiten und Relativierungen nicht durchgehen lassen, zwischendurch sagt Linkenpolitikerin Eva von Angern, man könne mit Siegmund gar nicht reden: »Das bringt nix.« Daraufhin reden mehrere Spitzenpolitikerinnen und -politiker gleichzeitig auf den AfD-Mann ein, der sich schließlich beleidigt zeigt und seinen Vortrag abbricht: »Sie sind nicht mal in der Lage, zuzuhören!« Die anderen wollen Siegmund seine Halbwahrheiten und Relativierungen nicht durchgehen lassen, zwischendurch sagt Linkenpolitikerin Eva von Angern, man könne mit Siegmund gar nicht reden: »Das bringt nix.« Daraufhin reden mehrere Spitzenpolitikerinnen und -politiker gleichzeitig auf den AfD-Mann ein, der sich schließlich beleidigt zeigt und seinen Vortrag abbricht: »Sie sind nicht mal in der Lage, zuzuhören!« Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Nun hat Siegmund das Wort. Wie möchte er dem Fachkräftemangel entgegenwirken und verhindern, dass das Bundesland immer männlicher wird? Siegmund erklärt, dies sei ein generelles Problem Deutschlands. Die Moderatoren versuchen daraufhin, ihn zurück nach Sachsen-Anhalt zu lenken, doch Siegmund bleibt allgemein. Die junge Generation sehe in Deutschland keine Zukunft. Er wolle ihr Zukunftsperspektiven bieten und eine Kultur der Freiheit und des Aufbruchs schaffen. Konkreter wird er nicht. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Unübersichtliche Debatte – ohne große Emotionen Die TV-Debatte in dieser großen Runde hat so gar nichts gemein mit dem hitzigen Schlagabtausch vorhin zwischen Ministerpräsident Schulze und Rechtsextremist Siegmund. Der AfD-Mann sitzt fast die ganze Zeit unbeteiligt am Rande und kommt kaum zu Wort, der Christdemokrat doziert minutenlang über die Entwicklung heimischer Unternehmen, die außerhalb Sachsen-Anhalts kaum jemand kennen dürfte. Die Liberalen werben für Steuererleichterungen, die Grünen für Klimaschutz, alles ziemlich erwartbar. Das ist ein gesitteter und informativer Meinungsaustausch – aber auch ziemlich zähe Kost, selbst für politisch Interessierte in Ostdeutschland.   Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Die erste Frage richtet sich an Sven Schulze. Es geht um die Maßnahmen der Bundesregierung nach dem versuchten Anschlag Russlands auf den Flughafen in Leipzig. »Es ist richtig, dass die Bundesregierung hier agiert«, sagt Schulze. Claudia Wittig vom BSW bezeichnet die Schließung des Russischen Hauses als falsche Reaktion. Es gehe darum, Gesprächskanäle offenzuhalten. Die AfD habe vor einer solchen Entwicklung gewarnt, wenn man sich an »fremden Konflikten« beteilige, so Ulrich Siegmund. Es gebe immer eine Vorgeschichte; auch der russische Angriffskrieg habe eine Vorgeschichte. Was er damit meint, führt Siegmund nicht weiter aus.  Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen TV-Runde mit sieben Spitzenkandidaten startet Auf das Duell von Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) und Ulrich Siegmund von der AfD folgt der nächste politische Schlagabtausch, allerdings in größerer Runde: Die Spitzenkandidaten der Parteien diskutieren ab jetzt in der Wahlkampfarena von RTL/ntv und Radio Brocken. Mit dabei sind neben Schulz und Siegmund Armin Willingmann (SPD), Lydia Hüskens (FDP), Eva von Angern (Die Linke), Susan Sziborra-Seidlitz (Bündnis 90/Die Grünen) und Claudia Wittig (BSW). Moderiert wird die Wahlkampfarena von Dorothée Oster (Radio Brocken) und Nikolaus Blome (RTL/ntv).  Foto: Hendrik Schmidt / dpa Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Das sind Spitzenkandidaten der Parteien in Sachsen-Anhalt Um 17 Uhr treffen die Spitzenkandidaten der Parteien für die Landtagswahl in einer TV-Debatte aufeinander. Bei der Wahl am Sonntag steuert die AfD in Sachsen-Anhalt auf einen Wahlerfolg zu. Die CDU folgt erst mit großem Abstand. Die Grünen, FDP, BSW und womöglich sogar SPD müssen bangen. Diese Spitzenkandidaten treten bei der Wahl an: Diese Spitzenkandidaten treten bei der Wahl an: Sven Schulze (CDU) Der 47-Jährige übernahm im Januar das Ministerpräsidentenamt von seinem Vorgänger Reiner Haseloff (CDU). In den Umfragen ist die AfD der CDU allerdings enteilt. Schulze konnte zwar seinen Bekanntheitsgrad steigern. Allerdings ist nicht einmal ein Drittel der Wahlberechtigten mit seiner Arbeit zufrieden. Zudem macht ihm die große Unbeliebtheit der Bundesregierung unter Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) zu schaffen. Der 47-Jährige übernahm im Januar das Ministerpräsidentenamt von seinem Vorgänger Reiner Haseloff (CDU). In den Umfragen ist die AfD der CDU allerdings enteilt. Schulze konnte zwar seinen Bekanntheitsgrad steigern. Allerdings ist nicht einmal ein Drittel der Wahlberechtigten mit seiner Arbeit zufrieden. Zudem macht ihm die große Unbeliebtheit der Bundesregierung unter Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) zu schaffen. Schulze will eine Machtübernahme der AfD in seinem Bundesland verhindern. Er will sich zwar »nicht abhängig machen von den Linken oder der AfD«, aber an der Linkspartei käme er dann wohl kaum vorbei. Ulrich Siegmund (AfD) Siegmunds Ziel ist die bundesweit erste AfD-Regierung. Damit die Partei allein regieren kann, gab der 35-Jährige als Wahlziel »45 Prozent plus X« aus. Aktuelle Umfragen sehen die AfD bei 40 Prozent und mehr. Mit dem dauerlächelnden Siegmund an der Spitze, der sich volksnah gibt und dem in den sozialen Medien Hunderttausende Menschen folgen, will die AfD Sachsen-Anhalt umkrempeln. Sie plant unter anderem eine härtere Migrationspolitik, die Abschaffung der Schulpflicht und die Kündigung der Rundfunkstaatsverträge. Siegmunds Ziel ist die bundesweit erste AfD-Regierung. Damit die Partei allein regieren kann, gab der 35-Jährige als Wahlziel »45 Prozent plus X« aus. Aktuelle Umfragen sehen die AfD bei 40 Prozent und mehr. Mit dem dauerlächelnden Siegmund an der Spitze, der sich volksnah gibt und dem in den sozialen Medien Hunderttausende Menschen folgen, will die AfD Sachsen-Anhalt umkrempeln. Sie plant unter anderem eine härtere Migrationspolitik, die Abschaffung der Schulpflicht und die Kündigung der Rundfunkstaatsverträge. Siegmund präsentiert sich als das freundliche Gesicht der vom Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuften Partei. Doch er hat einen radikalen Kern. Unter anderem nahm Siegmund an dem Potsdamer Treffen von AfD-Politikern, Neonazis und Unternehmern teil, bei dem der rechtsextreme Aktivist Martin Sellner sein »Remigrationskonzept« zur Vertreibung von Millionen Menschen mit Migrationshintergrund aus Deutschland vorstellte. Armin Willingmann (SPD) Der amtierende Landesumweltminister kämpft für die SPD gegen den Absturz in die weitere Bedeutungslosigkeit. Nach ihrem historisch schlechten Wahlergebnis von 8,4 Prozent vor fünf Jahren sieht es für die Sozialdemokraten weiter düster aus – in Umfragen lagen sie zuletzt bei ähnlichen Werten. Der 63-jährige Jurist und Hochschullehrer Willingmann gehört seit 2016 der Landesregierung an, zunächst als Wirtschaftsminister, seit 2021 als Wissenschafts- und Umweltminister. Fachlich versiert, gelingt es Willingmann im Wahlkampf nur schwer, sich zu profilieren und potenzielle Wähler mitzureißen.   Eva von Angern (Linke) Die 49-jährige Juristin zog 2002 in den Landtag ein. Seit 2020 führt die dreifache Mutter die Linksfraktion. Bereits vor fünf Jahren war von Angern Spitzenkandidatin ihrer Partei. Im aktuellen Wahlkampf holte sie unter anderem die Fraktionschefin im Bundestag, Heidi Reichinnek, und die sogenannten Silberlocken, also altgediente Linkspolitiker wie Gregor Gysi und Bodo Ramelow, an ihre Seite. Der amtierende Landesumweltminister kämpft für die SPD gegen den Absturz in die weitere Bedeutungslosigkeit. Nach ihrem historisch schlechten Wahlergebnis von 8,4 Prozent vor fünf Jahren sieht es für die Sozialdemokraten weiter düster aus – in Umfragen lagen sie zuletzt bei ähnlichen Werten. Der 63-jährige Jurist und Hochschullehrer Willingmann gehört seit 2016 der Landesregierung an, zunächst als Wirtschaftsminister, seit 2021 als Wissenschafts- und Umweltminister. Fachlich versiert, gelingt es Willingmann im Wahlkampf nur schwer, sich zu profilieren und potenzielle Wähler mitzureißen. Eva von Angern (Linke) Die 49-jährige Juristin zog 2002 in den Landtag ein. Seit 2020 führt die dreifache Mutter die Linksfraktion. Bereits vor fünf Jahren war von Angern Spitzenkandidatin ihrer Partei. Im aktuellen Wahlkampf holte sie unter anderem die Fraktionschefin im Bundestag, Heidi Reichinnek, und die sogenannten Silberlocken, also altgediente Linkspolitiker wie Gregor Gysi und Bodo Ramelow, an ihre Seite. Umfragen sehen die Linke bei elf bis 13 Prozent. Die Partei will von Angern zufolge »alles dafür tun, um die AfD von den Hebeln der Macht fernzuhalten.« Sie steht daher Gesprächen mit der CDU über eine Zusammenarbeit aufgeschlossen gegenüber. Lydia Hüskens (FDP) Hüskens kämpft darum, dass die FDP nach fünf Jahren nicht wieder aus dem Landtag fliegt. Das dürfte schwer werden, die Umfragen sehen die Liberalen unter der Fünfprozenthürde. Hüskens saß für die Liberalen schon von 2002 bis 2011 im Magdeburger Landtag, dessen Mitglied sie seit fünf Jahren wieder ist. Seit 2021 steht die 62-Jährige, die im rheinischen Geldern aufwuchs, zudem an der Spitze der Landespartei. Wenige Jahre nach dem Fall der Mauer zog es Hüskens beruflich nach Magdeburg, wo sie zunächst im Umweltministerium arbeitete. Von 2015 an war die Geschichtswissenschaftlerin Geschäftsführerin des Studentenwerks Halle. Im Kabinett von Sven Schulze ist sie Digital- und Infrastrukturministerin. »Ich bin noch lange nicht fertig«, sagte sie vor der Wahl. Susan Sziborra-Seidlitz (Grüne) Auch für die Grünen geht es ums parlamentarische Überleben. Sziborra-Seidlitz weiß, dass es mit Umfragewerten von zuletzt sechs Prozent »extrem eng« wird. »Wenn wir Grüne wieder in den Landtag einziehen, kann die AfD nicht regieren«, argumentiert die 48-Jährige mit Blick auf die Sitzverteilung. Die gebürtige Berlinerin, die 2008 der Liebe wegen nach Quedlinburg im Harz zog, sitzt seit fünf Jahren im Landtag. Die Themen Soziales und Pflege liegen der gelernten Krankenpflegerin besonders am Herzen. Nachdem sie von 2016 bis 2021 bereits Landesvorsitzende war, steht sie seit 2025 erneut an der Spitze der Grünen in Sachsen-Anhalt. Thomas Schulze und Claudia Wittig (BSW) Der 62-Jährige ist ein politischer Neueinsteiger und seit 2024 im BSW aktiv. In Merseburg geboren, startete Schulze seine berufliche Laufbahn als Koch und Restaurantleiter in der DDR. Nach einem abgebrochenen Studium der Betriebswirtschaftslehre arbeitete er im Hotel- und Gaststättengewerbe, bevor er in Rheinland-Pfalz eine Ausbildung zum Justizvollzugsbeamten absolvierte. Nach seinem Umzug nach Sachsen-Anhalt arbeitete er in verschiedenen Verwaltungsfunktionen. Seit 2024 ist Schulze, der auch Kovorsitzender des BWS-Landesverbands ist, in der Landesaufnahmeeinrichtung für Asylsuchende in Stendal tätig.  Er tritt wie seine Ko-Kandidatin Claudia Wittig für einen Politikwechsel an. Die Mittelalter-Forscherin Wittig von der Universität Halle ist 42 Jahre alt und steht auf Platz zwei der Landesliste. Das BSW steht bei drei bis vier Prozent. Mit einem Ministerpräsidenten Schulze »werden wir nicht zusammenarbeiten«, sagt er. Das BSW unter ihrer Gründerin Sahra Wagenknecht wirbt für einen »überparteilichen Ministerpräsidenten« unter Einbindung der AfD und stellt sich gegen die sogenannte Brandmauer. Er tritt wie seine Ko-Kandidatin Claudia Wittig für einen Politikwechsel an. Die Mittelalter-Forscherin Wittig von der Universität Halle ist 42 Jahre alt und steht auf Platz zwei der Landesliste. Das BSW steht bei drei bis vier Prozent. Mit einem Ministerpräsidenten Schulze »werden wir nicht zusammenarbeiten«, sagt er. Das BSW unter ihrer Gründerin Sahra Wagenknecht wirbt für einen »überparteilichen Ministerpräsidenten« unter Einbindung der AfD und stellt sich gegen die sogenannte Brandmauer. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Kubickis Bewährungsprobe Die ständige Sorge vor der Fünfprozenthürde prägt die Geschichte der FDP. Die Wahl am Sonntag in Sachsen-Anhalt ist hier nur das nächste Kapitel. Der kantige neue Parteichef Wolfgang Kubicki beschert der FDP immerhin wieder etwas Sichtbarkeit. Sachsen-Anhalt ist seine erste Bewährungsprobe – und sie könnte schiefgehen. »Die Chancen liegen bei null«, sagt Politikprofessor Wolfgang Schroeder von der Universität Kassel der Nachrichtenagentur AFP. »Den Kubicki kennt da kaum jemand.« Auch der Parteienforscher Marc Debus von der Universität Mannheim ist skeptisch: »In Sachsen-Anhalt wäre es schon ein Erfolg, wenn die FDP nah an die Fünfprozenthürde kommen würde.« »Die Chancen liegen bei null«, sagt Politikprofessor Wolfgang Schroeder von der Universität Kassel der Nachrichtenagentur AFP. »Den Kubicki kennt da kaum jemand.« Auch der Parteienforscher Marc Debus von der Universität Mannheim ist skeptisch: »In Sachsen-Anhalt wäre es schon ein Erfolg, wenn die FDP nah an die Fünfprozenthürde kommen würde.« Foto: Matthias Bein / dpa FDP-Generalsekretär Martin Hagen ist sich bewusst, dass es bei den Landtagswahlen im Osten schwierig wird für seine Partei. »Wir wissen, dass das Comeback der FDP ein Marathon ist und sich auf der Langstrecke entscheidet«, sagt Hagen AFP. Die Wahl in Sachsen-Anhalt sei hier nur »eine erste Etappe«. Was es für den selbst ernannten FDP-Wunderheiler Kubicki bedeutet, wenn diese schiefgeht, erörtert mein Kollege Florian Gathmann. Er hat ihn auf einen Wahlkampftermin nach Sachsen-Anhalt begleitet. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen 90 Minuten sind vorbei – was sind die wichtigsten Erkenntnisse? Die Debatte zwischen Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) und seinem Herausforderer Ulrich Siegmund von der rechtsextremen AfD ist vorbei. Sie verlief phasenweise hektisch, manchmal sogar ruppig. In Stil und Inhalt konnte auch diesmal fast ausschließlich CDU-Mann Schulze punkten. Er wirkte souverän und ruhig, bisweilen fast staatsmännisch – obwohl er weder ein großer Charismatiker noch ein begnadeter Redner ist. Aber Rechtsextremist Siegmund, eigentlich ein talentierter Vermarkter, hat es ihm auch leicht gemacht: Meist servierte er dem Publikum altbekannte Plattitüden und Wahlkampfparolen, auf die vielen Zwischenrufe und Nachfragen war er oft schlecht vorbereitet. Zudem ließ er sich von Schulze erstaunlich häufig den Schneid abkaufen: Er ließ ihm mal kleinlaut den Vortritt, fiel ihm an anderer Stelle aber ungelenk ins Wort. Ob all das Auswirkungen auf diejenigen hat, die noch nicht ihre Stimme abgegeben haben, ist dennoch offen. Die CDU leidet unter der Unbeliebtheit des Kanzlers und seiner Bundesregierung. Und die meisten AfD-Fans stehen ohnehin unverbrüchlich hinter Siegmund. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Jetzt kommt auch noch das BSW zu Wort – indirekt Auf den letzten Metern des TV-Duells geht es nun um ein Thema, das in Sachsen-Anhalt stark polarisiert: Ein israelischer Rüstungskonzern plant den Bau einer Rüstungsfabrik in Sangerhausen, im strukturschwachen Südwesten des Landes. Diese Debatte befeuert vor allem das BSW, die dieses Projekt strikt ablehnt, nun sollen sich Siegmund und Schulze positionieren. Der Christdemokrat sagt, es sei wichtig, die Bundeswehr auszustatten, viel mehr kommt da nicht. Noch schwächer ist die Antwort des Rechtsextremisten: »Wir müssen das im individuellen Fall prüfen«, sagt er. »Ich weiß jetzt nicht genau, was mit den Gütern passiert. Gehen die in die Ukraine?« Der Christdemokrat sagt, es sei wichtig, die Bundeswehr auszustatten, viel mehr kommt da nicht. Noch schwächer ist die Antwort des Rechtsextremisten: »Wir müssen das im individuellen Fall prüfen«, sagt er. »Ich weiß jetzt nicht genau, was mit den Gütern passiert. Gehen die in die Ukraine?« Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen »Ich brauche eine stabile Mehrheit«, sagt Siegmund – die knifflige Machtfrage Interessant wird es nun gegen Ende des TV-Duells, das sich Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) und sein Herausforderer Ulrich Siegmund von der rechtsextremen AfD liefern. Es geht um die konkreten Regierungs- und Koalitionsoptionen. Schulze, der laut Umfragen selbst gemeinsam mit SPD, FDP und Grünen keine Mehrheit im Landtag hätte, eiert herum. Die Regierung bilde man mit einer Mehrheit im Landtag, sagt der Regierungschef, und: »Wir werden es erst Sonntagnacht wissen.« Damit lassen sich die Moderatoren zum Glück nicht abspeisen und fragen nach: Würde die CDU mit der Linken kooperieren? Schulze sagt das, was er schon etliche Male gesagt hat – dass er sich von niemandem abhängig mache, dass weder Linke noch AfD bei ihm am Kabinettstisch säßen. Und: »Klare Aussage: Wir wissen nicht, wie das Ergebnis ist.« Das ist alles, nur keine klare Aussage. Siegmund hat es da leichter. Er bekräftigt erneut, dass er ohne Koalitionspartner regieren wolle – lässt dann aber durchblicken, dass er sich selbst bei einer absoluten Mehrheit womöglich nicht zur Wahl stellen würde: »Ich brauche eine stabile Mehrheit«, tönt er. »Eine Stimme wäre mir ein bisschen zu wacklig.« Es geht um die konkreten Regierungs- und Koalitionsoptionen. Schulze, der laut Umfragen selbst gemeinsam mit SPD, FDP und Grünen keine Mehrheit im Landtag hätte, eiert herum. Die Regierung bilde man mit einer Mehrheit im Landtag, sagt der Regierungschef, und: »Wir werden es erst Sonntagnacht wissen.« Damit lassen sich die Moderatoren zum Glück nicht abspeisen und fragen nach: Würde die CDU mit der Linken kooperieren? Schulze sagt das, was er schon etliche Male gesagt hat – dass er sich von niemandem abhängig mache, dass weder Linke noch AfD bei ihm am Kabinettstisch säßen. Und: »Klare Aussage: Wir wissen nicht, wie das Ergebnis ist.« Das ist alles, nur keine klare Aussage. Siegmund hat es da leichter. Er bekräftigt erneut, dass er ohne Koalitionspartner regieren wolle – lässt dann aber durchblicken, dass er sich selbst bei einer absoluten Mehrheit womöglich nicht zur Wahl stellen würde: »Ich brauche eine stabile Mehrheit«, tönt er. »Eine Stimme wäre mir ein bisschen zu wacklig.« Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Siegmund kommt ins Straucheln Der AfD-Kandidat macht in diesem TV-Duell einen phasenweise katastrophalen Eindruck, etwa in der Debatte über Bildungspolitik. Erst monologisiert Schulze minutenlang über schulpolitische Details, es scheint ruhiger zu werden – aber dann fragen die Moderatoren Siegmund: Wolle auch er das, was sein Parteifreund Hans-Thomas Tillschneider neulich gefordert hatte, nämlich schwarz gekleidete, martialisch aussehende Wachmänner mit Tränengas auf Schulhöfen? Siegmund tut das, was er besonders gut kann, er lächelt, dann sagt er: »Man muss auch mal manche Sachen mit Humor nehmen.« Er sei Tillschneider sehr dankbar, dass er komplexe Sachverhalte so zugespitzt darstelle. »Natürlich war das eine satirische Überspitzung!« An anderer Stelle geht es um das Schulsystem. Siegmund fordert, zum dreigliedrigen Schulsystem zurückkehren, woraufhin ihn die Moderatoren korrigieren: Sachsen-Anhalt hatte noch nie ein dreigliedriges Schulsystem, sondern ein zweigliedriges. Siegmund wirkt kurz blamiert, redet aber schnell weiter: Jetzt sei halt ein dreigliedriges nötig. An anderer Stelle geht es um das Schulsystem. Siegmund fordert, zum dreigliedrigen Schulsystem zurückkehren, woraufhin ihn die Moderatoren korrigieren: Sachsen-Anhalt hatte noch nie ein dreigliedriges Schulsystem, sondern ein zweigliedriges. Siegmund wirkt kurz blamiert, redet aber schnell weiter: Jetzt sei halt ein dreigliedriges nötig. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Siegmund windet sich, Schulze gibt den Quälgeist Jetzt geht es um die Behauptung des brandenburgischen AfD-Landtagsabgeordneten Dennis Hohloch, Deutschland könne auch mit 60 statt 80 Millionen Einwohnern leben. Die Moderatoren wollen wissen, ob Siegmund das auch so sieht. Er könnte »ja« oder »nein« sagen, aber Siegmund sagt: »Ich höre mir unterschiedliche Perspektiven in der AfD an.« Er teile nicht jede Meinung – dann fällt ihm Schulze ins Wort: »Aber antworten Sie doch mal auf die Frage!«  Siegmund windet sich erneut, wieder fällt ihm Schulze ins Wort: »Herr Siegmund, ich hätte jetzt gern die Antwort dazu.« Da verliert der AfD-Mann die Geduld: »Wurden Sie dazu befragt?« Nein, sagt Schulze, »aber ich bin auch Bürger dieses Landes.« Falls Sie sich fragen, ob die Moderatoren auch mal zu Wort kommen: Die beiden haben jedenfalls eine sehr herausfordernde Aufgabe. Siegmund windet sich erneut, wieder fällt ihm Schulze ins Wort: »Herr Siegmund, ich hätte jetzt gern die Antwort dazu.« Da verliert der AfD-Mann die Geduld: »Wurden Sie dazu befragt?« Nein, sagt Schulze, »aber ich bin auch Bürger dieses Landes.« Falls Sie sich fragen, ob die Moderatoren auch mal zu Wort kommen: Die beiden haben jedenfalls eine sehr herausfordernde Aufgabe. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Ein wildes Hin-und-Her Siegmund: »Sie spinnen sich was zurecht, weil sie inhaltlich blank sind, Herr Schulze!«  Schulze: »Ich höre ihnen nur zu.« So geht das gerade immerzu. Immer wieder fällt Schulze seinem AfD-Herausforderer ins Wort, der zusehend gereizt reagiert. »Och Herr Schulze! Wenn das hier jetzt so läuft… geht das so weiter?«, sagt Siegmund, und: »Bleiben Sie doch mal ganz entspannt und unterbrechen nicht die ganze Zeit, Herr Schulze.« Ein paar Augenblicke später fordert auch Schulze vom aufgebrachten Siegmund ein, ausreden zu dürfen. Siegmund, plötzlich kleinlaut: »Na schön, hammse recht.« Schulze: »Ich höre ihnen nur zu.« So geht das gerade immerzu. Immer wieder fällt Schulze seinem AfD-Herausforderer ins Wort, der zusehend gereizt reagiert. »Och Herr Schulze! Wenn das hier jetzt so läuft… geht das so weiter?«, sagt Siegmund, und: »Bleiben Sie doch mal ganz entspannt und unterbrechen nicht die ganze Zeit, Herr Schulze.« Ein paar Augenblicke später fordert auch Schulze vom aufgebrachten Siegmund ein, ausreden zu dürfen. Siegmund, plötzlich kleinlaut: »Na schön, hammse recht.« Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Siegmund wird laut, Schulze bleibt langsam AfD-Mann Siegmund beantwortet die Eingangsfrage, warum er Regierungschef werden wolle, so: weil »ich die Sprache des Volkes spreche«, weil er eine »Politik für unser eigenes Volk, unsere eigenen Leute« wolle. Schulze hingegen sagt: »weil ich nicht nur labere, sondern auch liefere.«  Was zu Beginn der TV-Debatte auffällt: Siegmund ist offenbar bemüht, diesmal einen besseren Eindruck zu machen. Der AfD-Mann wird auch mal laut, redet über die Nachfragen der Moderatoren hinweg, wirkt dabei schon nach wenigen Minuten aggressiv. Schulze hingegen redet langsam und ruhig, auch dann noch, wenn Siegmund ihm ins Wort fällt. Er scheint sich einen staatsmännischen Auftritt vorgenommen zu haben. Was zu Beginn der TV-Debatte auffällt: Siegmund ist offenbar bemüht, diesmal einen besseren Eindruck zu machen. Der AfD-Mann wird auch mal laut, redet über die Nachfragen der Moderatoren hinweg, wirkt dabei schon nach wenigen Minuten aggressiv. Schulze hingegen redet langsam und ruhig, auch dann noch, wenn Siegmund ihm ins Wort fällt. Er scheint sich einen staatsmännischen Auftritt vorgenommen zu haben. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Das letzte Duell In Halle läuft das letzte direkte Aufeinandertreffen jener Männer, die um das Amt des Ministerpräsidenten kämpfen: CDU-Amtsinhaber Sven Schulze trifft im Live-Duell auf seinen Herausforderer Ulrich Siegmund von der rechtsextremen AfD. Übertragen wird die Debatte im Stream der »Mitteldeutschen Zeitung« und der »Magdeburger Volksstimme«. Die Uhrzeit ist für ein Duell ungewöhnlich, wie so vieles rund um diese Landtagswahl. Aber es geht um viel: Christdemokrat Schulze liegt in den Umfragen mit seiner CDU nahezu 20 Prozentpunkte hinter der AfD. Für ihn geht es daher um alles: Er wird versuchen, möglichst viele Menschen auf seine Seite zu ziehen – und da er bei den beiden einzigen großen Regionalzeitungen des ganzen Bundeslandes zu Gast ist, handelt es sich um die perfekte Bühne. Bühnen allerdings weiß in der Regel auch Siegmund für sich zu nutzen, er ist ein begabter Redner und Selbstdarsteller. Er mobilisiert die Massen und ist gut darin, die radikalen An- und Absichten seiner Partei zu kaschieren und zu verharmlosen. Das vorherige Aufeinandertreffen der beiden war dennoch ein klarer Punktsieg für den oft eher nüchtern auftretenden Schulze: Siegmund wirkte über weite Strecken defensiv und fast überfordert. Die Uhrzeit ist für ein Duell ungewöhnlich, wie so vieles rund um diese Landtagswahl. Aber es geht um viel: Christdemokrat Schulze liegt in den Umfragen mit seiner CDU nahezu 20 Prozentpunkte hinter der AfD. Für ihn geht es daher um alles: Er wird versuchen, möglichst viele Menschen auf seine Seite zu ziehen – und da er bei den beiden einzigen großen Regionalzeitungen des ganzen Bundeslandes zu Gast ist, handelt es sich um die perfekte Bühne. Bühnen allerdings weiß in der Regel auch Siegmund für sich zu nutzen, er ist ein begabter Redner und Selbstdarsteller. Er mobilisiert die Massen und ist gut darin, die radikalen An- und Absichten seiner Partei zu kaschieren und zu verharmlosen. Das vorherige Aufeinandertreffen der beiden war dennoch ein klarer Punktsieg für den oft eher nüchtern auftretenden Schulze: Siegmund wirkte über weite Strecken defensiv und fast überfordert. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Wer mit wem? In der sachsen-anhaltischen CDU nimmt die Debatte über Optionen nach der Wahl an Fahrt auf. Drei Lager scheinen sich gebildet zu haben: Viele würden auch Gespräche mit den Linken in Kauf nehmen, um mit deren Hilfe eine Minderheitsregierung unter Ministerpräsident Sven Schulze zu bilden. Andere plädieren für ein Modell mit wechselnden Mehrheiten – was die AfD, die in Umfragen seit einem Jahr bei etwa 40 Prozent liegt, zwangsläufig einschlösse. Wieder andere hoffen auch deshalb heimlich, dass die Rechtsextremisten die absolute Mehrheit erlangen, um die Christdemokraten vor einer Zerreißprobe und heftigen Lagerkämpfen zu bewahren. Der Abgeordnete Tobias Krull, der höchstwahrscheinlich auf im neuen Landtag sitzen wird, sieht es so: »Wir kämpfen für eine eigene Mehrheit, müssen am Ende womöglich aber gesprächsbereit sein«, sagt er dem SPIEGEL. Eine Koalition mit den Linken sei »selbstverständlich ausgeschlossen, eine Minderheitsregierung aber nicht.« Der Abgeordnete Tobias Krull, der höchstwahrscheinlich auf im neuen Landtag sitzen wird, sieht es so: »Wir kämpfen für eine eigene Mehrheit, müssen am Ende womöglich aber gesprächsbereit sein«, sagt er dem SPIEGEL. Eine Koalition mit den Linken sei »selbstverständlich ausgeschlossen, eine Minderheitsregierung aber nicht.« Vor einem Pakt mit den Rechtsextremen warnt er seine eigenen Leute eindringlich: »Sollte meine Partei mit der AfD zusammenarbeiten, womit niemand rechnet, wäre das eine folgenschwere Zäsur. Ich müsste dann in Ruhe überlegen und mit meiner Familie beraten, ob die CDU dann noch meine Partei wäre.« Mehr über diese Debatte, die eine ernste Gefahr für die Union werden könnte, erfahren Sie hier. Mehr über diese Debatte, die eine ernste Gefahr für die Union werden könnte, erfahren Sie hier. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen DIW-Analyse: AfD-Positionen liegen im Vergleich deutlich abseits Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat die politischen Positionen der AfD in Sachsen-Anhalt zu denen ihrer Mitbewerber ins Verhältnis gesetzt. Dafür hat das Institut von Präsident Marcel Fratzscher die Angaben der Parteien aus dem Wahl-o-mat nach Themenkomplexen kategorisiert und mit Zahlenwerten versehen. Die Auswertung liegt dem SPIEGEL vorab vor. Sozialinvestive, offene, demokratische, ökologische und progressive Parteipositionen erhielten ein positives Vorzeichen (+1), dem entgegengesetzte Thesen ein negatives (-1). Mit der Methode sollen die unterschiedlichen Haltungen der Parteien möglichst objektiv statistisch vergleichbar gemacht werden. Das Ergebnis: In allen sechs analysierten Kategorien (Steuern/Wirtschaft, Klima, Soziales, Gesellschaft, Innenpolitik und Europa/International) weichen die Positionen der AfD stark von denen der anderen Parteien ab.   Besonders deutlich werden die Differenzen der AfD zum übrigen Parteienspektrum demnach im Bereich der Gesellschafts- und Klimapolitik. So lehne die AfD etwa eine gesonderte statistische Erfassung von Femiziden ebenso ab wie den Windkraftausbau. Stattdessen fordere die Partei, den Kohleausstieg rückgängig zu machen. Auch die Ablehnung der Masern-Impfpflicht durch die AfD stelle einen deutlichen Unterschied zu den anderen Parteien dar. DIW-Präsident Marcel Fratzscher. Foto: Annette Riedl/dpa Etwas schwächer ausgeprägt, aber immer noch deutlich seien die Differenzen im Bereich der Sozialpolitik. Hier unterstütze die AfD zwar »einzelne populäre und gut sichtbare Entlastungen« wie das kostenfreie Deutschlandticket für Schüler, Elternbeiträge für Kitas lehne sie ab. Andererseits stelle sich die AfD auch dagegen, ausländische Fachkräfte anzuwerben. Eine landeseigene Wohnungsbaugesellschaft und eine Vermögensteuer lehne sie ebenfalls ab.   »Als Ganzes« sei die AfD damit »nicht sozialstaatlich positioniert«, so die DIW-Analyse. Der Befund sei wichtig, »weil sich die AfD politisch als Partei der Arbeiterinnen und Arbeiter, der kleinen Leute darstellt«, heißt es. Studienautor Fratzscher sieht die AfD in einer programmatischen Sonderrolle und spricht von einem »AfD-Paradox«. Das liege darin, »dass die Partei reale soziale Unsicherheit thematisiert, ihre Politik aber viele Ursachen dieser Unsicherheit verschärfen würde.« Ein Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt wäre nach Ansicht vieler Deutscher eine Gefahr für die Demokratie. Laut dem neuen SPIEGEL-Ipsos-Politikmonitor befürchtet eine deutliche Mehrheit auch negative Folgen für Menschen mit Migrationsgeschichte. Ein Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt wäre nach Ansicht vieler Deutscher eine Gefahr für die Demokratie. Laut dem neuen SPIEGEL-Ipsos-Politikmonitor befürchtet eine deutliche Mehrheit auch negative Folgen für Menschen mit Migrationsgeschichte. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Leseempfehlung: Vorbild Trump und Orbán – wie die AfD den Staatsapparat in Sachsen-Anhalt übernehmen will Die AfD plant, nach einem Wahlsieg in Sachsen-Anhalt den Staatsapparat radikal umzubauen. Doch es gibt Möglichkeiten, das zu verhindern, schreiben die Professoren Tom Mannowitz und Tom Thieme in ihrem Gastbeitrag. Wieso man dafür nach Ungarn und in die USA schauen sollte, lesen Sie hier.  Kongress der AfD-Nachwuchsorganisation »Generation Deutschland«. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert / dpa Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Starker Mitgliederzuwachs bei AfD in Sachsen-Anhalt Die Mitgliederzahl der AfD in Sachsen-Anhalt ist seit 2023 jährlich um 30 bis 40 Prozent gewachsen, das berichtet die Nachrichtenagentur AFP und beruft sich auf Zahlen des Verfassungsschutzes. Ende 2025 hatte die Partei nach eigenen Angaben in Sachsen-Anhalt rund 3500 Mitglieder, und damit fast Tausend mehr als das Jahr zuvor. Mit der Landtagswahl 2016 zog die AfD erstmals in den Magdeburger Landtag ein. Seit den Kommunalwahlen 2019 ist sie in allen Kreistagen sowie in der überwiegenden Zahl der Stadt- und Gemeinderäte des Bundeslands in Fraktionsstärke vertreten. Bei der Landtagswahl 2021 kam die AfD auf 20,8 Prozent und blieb damit stärkste Oppositionsfraktion im Parlament.  Ideologisch ordnet der Verfassungsschutz den Landesverband der sogenannten Neuen Rechten zu. Wie extrem die Landtags-Kandidaten der AfD in Sachsen-Anhalt sind, lesen Sie hier.   Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Leseempfehlung: An der Uni Magdeburg bereiten sie den Widerstand gegen die AfD vor Eine AfD-geführte Landesregierung könnte in Sachsen-Anhalt in die Forschung, Lehre und Hochschulautonomie eingreifen. Wie Lehrende und Studierende das verhindern wollen – und welche Hilfe sie bekommen, lesen Sie hier. Historikerin Sonja Dolinsek: »Ich bleibe, solange ich kann«. Foto: Iona Dutz / DER SPIEGEL Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen SPIEGEL-Debatte: Wäre ein Wahlsieg der AfD eine Gefahr für die Demokratie in Deutschland?  Was denken Sie? Wäre ein Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt eine Gefahr für die Demokratie in Deutschland? Schreiben Sie ihre Meinung hier bei SPIEGEL-Debatte. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Deutsche-Bank-Chef warnt vor populistischen Parteien Der Chef der Deutschen Bank, Christian Sewing, warnt wenige Tage vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt vor dem Aufstieg populistischer Parteien. »Populistische Parteien geben vor, einfache Antworten zu haben«, sagte Sewing zum Auftakt des »Handelsblatt-Bankengipfels« in Frankfurt. »Tatsächlich propagieren sie Konzepte, die den Grundlagen unseres Erfolgs entgegenstehen: Offenheit, Vielfalt, ein starkes Europa, verlässliche Institutionen und internationale Zusammenarbeit.« »Abschottung, Nationalismus und das Schüren von Misstrauen lösen kein einziges unserer Probleme«, warnte Sewing. »Vielmehr schwächt all das den Standort, schreckt Investitionen und Fachkräfte ab und gefährdet das Wichtigste, was wir jetzt brauchen, nämlich Wachstum.« Wachstum sichere Wohlstand, ermögliche Aufstieg und stärke den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Ohne dieses würden Verteilungskonflikte härter, staatliche Spielräume enger und das Vertrauen in die Handlungsfähigkeit der Demokratie schwächer. »Abschottung, Nationalismus und das Schüren von Misstrauen lösen kein einziges unserer Probleme«, warnte Sewing. »Vielmehr schwächt all das den Standort, schreckt Investitionen und Fachkräfte ab und gefährdet das Wichtigste, was wir jetzt brauchen, nämlich Wachstum.« Wachstum sichere Wohlstand, ermögliche Aufstieg und stärke den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Ohne dieses würden Verteilungskonflikte härter, staatliche Spielräume enger und das Vertrauen in die Handlungsfähigkeit der Demokratie schwächer. Foto: HANNES P. ALBERT / AFP »Die Wahlen treffen auf eine polarisierte Gesellschaft und eine politische Mitte unter Druck«, sagte Sewing. »Das Ergebnis kann die politischen Verhältnisse in Ländern, Parteien und Bundesregierung weiter verkomplizieren.«  Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Leseempfehlung: Mehrheit der Deutschen macht sich Sorgen wegen möglicher AfD-Regierung Ein Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt wäre nach Ansicht vieler Deutscher eine Gefahr für die Demokratie. Laut dem neuen SPIEGEL-Ipsos-Politikmonitor befürchtet eine deutliche Mehrheit auch negative Folgen für Menschen mit Migrationsgeschichte. Lesen Sie hier die Analyse. Foto: Jens Schlueter / Getty Images Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Merz erneut in Sachsen-Anhalt – und erneut ohne Öffentlichkeit Das Versteckspiel geht weiter: Bundeskanzler Friedrich Merz reist morgen nach Sachsen-Anhalt, erst zum zweiten Mal in der heißen Wahlkampfphase. Und wie schon am Montag in Quedlinburg soll der CDU-Chef erneut nicht mit einer breiten Öffentlichkeit in Kontakt kommen. In Leuna, ganz im Süden des Landes, ist am späten Nachmittag ein Rundgang bei der Firma UPM Biochemicals vorgesehen, anschließend soll es zusammen mit Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) lediglich eine Stellungnahme vor der Presse geben. Spontane Kontakte mit Bürgerinnen und Bürgern: nicht vorgesehen. Anschließend treffen Kanzler und Ministerpräsident in Braunsbedra am Geiseltalsee Vertreterinnen und Vertretern der Kommunen, der Wirtschaft und der Landwirtschaft aus der Region. Was dort genau passiert, könnte ein Geheimnis bleiben – bei diesem Termin sind nicht einmal Medien eingeladen. Schulze betreibt seit Monaten einen Wahlkampf, der auf Tausende Einzelgespräche statt auf Großveranstaltungen setzt – und auf maximale Distanz zum unpopulären Parteichef und Kanzler (mehr dazu hier). In Leuna, ganz im Süden des Landes, ist am späten Nachmittag ein Rundgang bei der Firma UPM Biochemicals vorgesehen, anschließend soll es zusammen mit Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) lediglich eine Stellungnahme vor der Presse geben. Spontane Kontakte mit Bürgerinnen und Bürgern: nicht vorgesehen. Anschließend treffen Kanzler und Ministerpräsident in Braunsbedra am Geiseltalsee Vertreterinnen und Vertretern der Kommunen, der Wirtschaft und der Landwirtschaft aus der Region. Was dort genau passiert, könnte ein Geheimnis bleiben – bei diesem Termin sind nicht einmal Medien eingeladen. Schulze betreibt seit Monaten einen Wahlkampf, der auf Tausende Einzelgespräche statt auf Großveranstaltungen setzt – und auf maximale Distanz zum unpopulären Parteichef und Kanzler (mehr dazu hier). Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Rund 20 Prozent wollen per Brief wählen Etwa 1,69 Millionen Menschen sind in Sachsen-Anhalt wahlberechtigt, viele von ihnen wollen per Briefwahl abstimmen. Bis zum 25. August wurden schon an rund 335.000 Wahlberechtigte Unterlagen dazu ausgegeben – das entspricht einem Anteil von rund 20 Prozent. Das teilte das Statistische Landesamt in Halle (an der Saale) mit. Demnach steigt das Interesse: Vor fünf Jahren haben knapp 315.567 Menschen bei der Landtagswahl per Brief abgestimmt. Die Frist für die Briefwahl endet am Freitag: »Ein Wahlschein kann bis spätestens 4. September 2026, 15.00 Uhr, beantragt werden«, erklärt die Landeswahlleitung. In besonderen Ausnahmefällen wie einer plötzlichen Erkrankung sei das aber auch am Wahltag noch bis 15.00 Uhr möglich. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Merz schließt Koalition mit der Linken in Sachsen-Anhalt aus CDU-Chef und Bundeskanzler Friedrich Merz hat ein gemeinsames Regierungsprogramm mit der Linken nach der Wahl in Sachsen-Anhalt ausgeschlossen. »Sowohl bei AfD als auch bei der Linkspartei gibt es derart fundamentale Unterschiede zur Union, dass eine Zusammenarbeit ausgeschlossen ist«, sagte Merz der »Mitteldeutschen Zeitung« und der »Magdeburger Volksstimme« in einem Interview. Auf die Frage, ob eine CDU-geführte Minderheitsregierung auf wechselnde Mehrheiten setzen sollte, sagte Merz in dem Interview: »Wir sehen, wie in Thüringen und Sachsen regiert werden kann. Aber es muss auch klar sein, dass es Grenzen gibt.« Eine Zusammenarbeit mit AfD oder Linken sei ausgeschlossen. »Der Kern einer Zusammenarbeit ist eine Regierungsbeteiligung und die Erarbeitung eines Regierungsprogramms. Das sehe ich weder mit der AfD noch mit der Linkspartei.« Auf die Frage, ob eine CDU-geführte Minderheitsregierung auf wechselnde Mehrheiten setzen sollte, sagte Merz in dem Interview: »Wir sehen, wie in Thüringen und Sachsen regiert werden kann. Aber es muss auch klar sein, dass es Grenzen gibt.« Eine Zusammenarbeit mit AfD oder Linken sei ausgeschlossen. »Der Kern einer Zusammenarbeit ist eine Regierungsbeteiligung und die Erarbeitung eines Regierungsprogramms. Das sehe ich weder mit der AfD noch mit der Linkspartei.« Für die CDU gilt ein Bundesparteitagsbeschluss aus dem Jahr 2018, der »Koalitionen und ähnliche Formen der Zusammenarbeit« mit der AfD oder der Linkspartei ablehnt. In Thüringen und in Sachsen stützen sich die dortigen Landesregierungen von Ministerpräsident Mario Voigt und Michael Kretschmer (beide CDU) jedoch auf Modelle, in denen regelmäßig Mehrheiten im Parlament mithilfe der Linken gebildet werden. Linkenpolitiker sitzen aber nicht in den Kabinetten.  Die Linke hat sich mit Blick auf Sachsen-Anhalt offen gezeigt für ein ähnliches Modell – Bundestagsfraktionschef Sören Pellmann hatte aber etwa verlangt, dass die Partei im Gegenzug inhaltlich mitreden kann. Die Linke hat sich mit Blick auf Sachsen-Anhalt offen gezeigt für ein ähnliches Modell – Bundestagsfraktionschef Sören Pellmann hatte aber etwa verlangt, dass die Partei im Gegenzug inhaltlich mitreden kann. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Video-Analyse: Der Kanzler macht Wahlkampf in Sachsen-Anhalt – hinter verschlossenen Türen Video: Marina Kormbaki / DER SPIEGEL Quedlinburg, Sachsen-Anhalt: Merz mit Ministerpräsident Sven Schulze in der Stiftskirche. Foto: Kay Nietfeld; / dts Nachrichtenagentur / IMAGO Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Brief mit verdächtiger Substanz in AfD-Parteibüro in Magdeburg – Spezialkräfte geben Entwarnung In einem Parteibüro der AfD in Magdeburg ist ein Brief mit einer verdächtigen Substanz eingegangen. Zudem habe er ein Drohschreiben enthalten, teilte die Polizei laut Nachrichtenagentur dpa mit. Die Feuerwehr sei mit einer spezialisierten Einheit, einem sogenannten ABC-Trupp und einem speziellen Messfahrzeug angerückt. Die Spezialkräfte gaben letztlich Entwarnung und schlossen eine Gefährdung aus, hieß es. Die Polizei ermittelt nun zu den Hintergründen und dem Verfasser des Briefes.  Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Anna-Lena Schou Kühlungsborn Ein skurriler Kanzler-Auftritt in Kühlungsborn Bereits eine Stunde warten einige der Besucher vor dem CDU-Stand an der Strandpromenade in Kühlungsborn, als Bundeskanzler Friedrich Merz ankommt. Am Ende spaziert Merz einen Teil zu Fuß über die Promenade bis zum CDU-Stand. Bereits auf seinem Weg wagte Merz den Schritt raus aus der Traube und spricht kurz mit einer Frau. Die Leute vor Ort sind unterschiedlich gestimmt. Ein paar Menschen klatschen, die Buhrufe werden jedoch lauter, je näher er dem Stand kommt. Das kleine AfD-Lager war auch schon vor 15 Uhr bereit. Und nun?  Keine Rede. Merz geht ins Gespräch mit einzelnen Bürgern, die in den ersten Reihen stehen. Für die umstehenden Bürger wird nicht ersichtlich, mit wem Merz spricht und mit wem nicht.  Selbst aus der dritten Reihe ist kaum ein Wort von dem zu verstehen, was der Kanzler mit ihnen redet. Mitunter liegt das auch an den lauten Gegenrufen, von denen sich der Kanzler nicht beirren lässt. Immer wieder wird er als »Pinocchio« und »Kriegstreiber« bezeichnet. Doch anstelle des Kanzlers treten andere Besucher für ihn ein und leisten Gegenrede.  Foto: Anna-Lena Schou / DER SPIEGEL Dann folgt der Auftritt von einem Mann, der diesen schon angekündigt hat, bevor Merz vor Ort war. Er hat sich selbst als kritisches CDU-Mitglied bezeichnet und fordert nun das, was er schon angekündigt hatte: »Die Mauer muss weg.« Die Brandmauer, präzisiert er und setzt nach: »Wenn Sie die Mauer nicht wegräumen, werden Sie weggeräumt. Dann wird Sie das Volk wegräumen. Können Sie machen, was Sie wollen. Das ist das Ende der CDU.« Mit diesem Mann führt Merz kein ausführliches Gespräch. Am Ende steht seine Antwort: Nein. Er wendet sich dem nächsten Gespräch in der vordersten Reihe zu.  Merz wechselt noch mal die Position. Eine Kühlungsbornerin konfrontiert ihn. Sie arbeitet bei einer Krankenkasse und ist unzufrieden mit der Gesundheitsreform, erzählt sie im Nachgang. Darauf habe sie ihn angesprochen. Von dem direkten Gespräch mit Merz ist sie enttäuscht. Ihr fehle es an konkreten Handlungen. Für sie steht fest: »Merz ist in Kühlungsborn, um die Wähler zu gewinnen.« Dabei kommt er in eine Touristenstadt. Nach knapp 15 Minuten verlässt Merz den abgetrennten Bereich wieder. Als er geht, kommt Enttäuschung auf: »Er hat nicht ein Wort gesagt«, hört man aus den Reihen. Für Merz geht es noch weiter nach Rostock. Er spricht bei AIDA mit Unternehmern. Danach wird er noch in Quedlinburg erwartet. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Leseempfehlung: Die Möchtegern-Kaderschmiede der AfD Unter neuem Namen sollte sich die AfD-Jugend professionalisieren. Doch beim ersten Parteitag scheitert der Vorstand in der einzigen inhaltlichen Debatte – und Gastredner Ulrich Siegmund zeigt sich weniger siegesgewiss. Lesen Sie den ganzen Bericht von Ann-Katrin Müller hier. »GD«-Vorsitzender Jean-Pascal Hohm (l.) mit dem AfD-Spitzenkandidaten für Sachsen-Anhalt, Ulrich Siegmund. Foto: Jens Schluter / AFP Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Schulze nennt AfD-Kandidaten Siegmund »Marionette« Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) hat den AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund scharf attackiert und ihn als »Marionette« von AfD-Chefin Alice Weidel bezeichnet. Im SPIEGEL-Spitzengespräch sagte der CDU-Politiker: »Am Ende ist doch Herr Siegmund nichts anderes als eine Marionette für ganz andere Menschen, vor allen Dingen für Frau Weidel, die aus Sachsen-Anhalt heraus Einfluss in Berlin bekommen will. Ich will aber eins nicht, ich will nicht, dass meine Heimat, dass unsere Heimat aus der Schweiz regiert wird, sondern aus der Staatskanzlei Magdeburg.« Schulze erklärte, nicht allein Siegmund, sondern besonders die Menschen um ihn herum machten die Partei aus seiner Sicht so gefährlich: »Der Herr Siegmund, der macht das ganz geschickt, der schlängelt immer drumherum, aber es sind die Menschen um Herrn Siegmund herum.« Als Beispiel nannte Schulze den AfD-Politiker Hans-Thomas Tillschneider, der maßgeblich am Wahlprogramm der Partei gearbeitet habe. In dessen Wahlkreisbüro in Querfurt steht eine schwarze Tasse mit rotem Stern und der kyrillischen Aufschrift »Armee Russlands«. Dazu sagte Schulze: »Also ich sage ganz offen, ich möchte die russische Armee nicht wieder bei uns zu Hause auf unserem Boden stehen haben. Und ich war wie Millionen von Menschen in der ehemaligen DDR froh, als die russische Armee hier abgezogen ist. Und ich kann es einfach nicht verstehen, warum ein führender Vertreter einer Partei, die jetzt in Umfragen vorn liegt, die hier den Ministerpräsidenten stellen will, genau das quasi glorifiziert, finde ich überhaupt wirklich sehr, sehr fragwürdig. Natürlich wollen die ein ganz anderes Deutschland, und zwar in ihrem Sinne. Und das ist nicht das Deutschland, was die Mehrheit der Bevölkerung möchte«. Das ganze Spitzengespräch ist Montagabend bei SPIEGEL.de verfügbar. Schulze erklärte, nicht allein Siegmund, sondern besonders die Menschen um ihn herum machten die Partei aus seiner Sicht so gefährlich: »Der Herr Siegmund, der macht das ganz geschickt, der schlängelt immer drumherum, aber es sind die Menschen um Herrn Siegmund herum.« Als Beispiel nannte Schulze den AfD-Politiker Hans-Thomas Tillschneider, der maßgeblich am Wahlprogramm der Partei gearbeitet habe. In dessen Wahlkreisbüro in Querfurt steht eine schwarze Tasse mit rotem Stern und der kyrillischen Aufschrift »Armee Russlands«. Dazu sagte Schulze: »Also ich sage ganz offen, ich möchte die russische Armee nicht wieder bei uns zu Hause auf unserem Boden stehen haben. Und ich war wie Millionen von Menschen in der ehemaligen DDR froh, als die russische Armee hier abgezogen ist. Und ich kann es einfach nicht verstehen, warum ein führender Vertreter einer Partei, die jetzt in Umfragen vorn liegt, die hier den Ministerpräsidenten stellen will, genau das quasi glorifiziert, finde ich überhaupt wirklich sehr, sehr fragwürdig. Natürlich wollen die ein ganz anderes Deutschland, und zwar in ihrem Sinne. Und das ist nicht das Deutschland, was die Mehrheit der Bevölkerung möchte«. Das ganze Spitzengespräch ist Montagabend bei SPIEGEL.de verfügbar. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Leseempfehlung: »Ich werde diesen Typen nicht die Hand schütteln« Wie bereiten sich Sachsen-Anhalts Kulturinstitutionen auf einen möglichen rechtsextremen Ministerpräsidenten vor? Stimmen aus einem verunsicherten, ratlosen, kämpferischen Land. Den ganzen Artikel lesen Sie hier. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Schulze hält an Rente mit 63 fest Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) hat sich erneut gegen Bundeskanzler Friedrich Merz gestellt und am Erhalt der sogenannten Rente mit 63 festgehalten. Im SPIEGEL-Spitzengespräch mit Markus Feldenkirchen verteidigte Schulze die Möglichkeit, nach 45 Beitragsjahren abschlagsfrei in Rente zu gehen. Die Alterssicherungskommission hatte vorgeschlagen, diese Regelung abzuschaffen. Das ganze Spitzengespräch ist Montagabend bei SPIEGEL.de verfügbar. Ende Juni hatte Schulze die Vorschläge der Rentenkommission noch ausdrücklich gelobt und auf Instagram erklärt, mit ihnen werde die Rente »zukunftsfest«. Wenige Wochen später stellte er sich jedoch gegen einen zentralen Bestandteil des Pakets: die Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren. Im SPIEGEL-Spitzengespräch sagte Schulze: »Es geht um 45 eingezahlte Beitragsjahre, dass man da auch mal wirklich ein Verständnis dafür hat, dass die Situation bei uns in Ostdeutschland grundlegend anders ist als in Westdeutschland.« Viele Menschen hätten körperlich belastende Berufe ausgeübt und könnten nicht länger arbeiten. Schulze betonte zugleich: »Ich möchte nicht das ganze Thema torpedieren«, doch an seiner Position werde er festhalten: »Ich bin immer kompromissbereit, aber ich werde eines nicht machen, ich werde mich da nicht irgendwie verbiegen.« Ende Juni hatte Schulze die Vorschläge der Rentenkommission noch ausdrücklich gelobt und auf Instagram erklärt, mit ihnen werde die Rente »zukunftsfest«. Wenige Wochen später stellte er sich jedoch gegen einen zentralen Bestandteil des Pakets: die Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren. Im SPIEGEL-Spitzengespräch sagte Schulze: »Es geht um 45 eingezahlte Beitragsjahre, dass man da auch mal wirklich ein Verständnis dafür hat, dass die Situation bei uns in Ostdeutschland grundlegend anders ist als in Westdeutschland.« Viele Menschen hätten körperlich belastende Berufe ausgeübt und könnten nicht länger arbeiten. Schulze betonte zugleich: »Ich möchte nicht das ganze Thema torpedieren«, doch an seiner Position werde er festhalten: »Ich bin immer kompromissbereit, aber ich werde eines nicht machen, ich werde mich da nicht irgendwie verbiegen.« Schulze beim Spitzengespräch. Foto: DER SPIEGEL Zugleich kritisierte Schulze Personaldebatten in der Bundesregierung, die den CDU-Wahlkampf in Sachsen-Anhalt kurz vor der Landtagswahl überschattet hätten. »Die Herausforderung für uns, und die ist echt riesig in jedem Landtagswahlkampf und die war bei uns sehr, sehr groß, ist, dass diese bundespolitischen Themen unsere Themen überlagert haben«, sagte Schulze. Wenige Wochen vor dem Wahltermin seien an den Wahlkampfständen Personaldebatten geführt worden, »für die wir überhaupt nichts können, wo wir auch keinen Einfluss drauf haben«. Schulze bezeichnete abweichende Positionen gegenüber dem Bundeskanzler als Teil seiner Aufgabe als Ministerpräsident. »Es ist doch nicht meine Aufgabe, dass sich die Themen aus Berlin in Sachsen-Anhalt durchsetzen, sondern meine Aufgabe ist es, die Themen in Sachsen-Anhalt in Berlin anzusprechen und möglichst auch durchzusetzen.« Schulze bezeichnete abweichende Positionen gegenüber dem Bundeskanzler als Teil seiner Aufgabe als Ministerpräsident. »Es ist doch nicht meine Aufgabe, dass sich die Themen aus Berlin in Sachsen-Anhalt durchsetzen, sondern meine Aufgabe ist es, die Themen in Sachsen-Anhalt in Berlin anzusprechen und möglichst auch durchzusetzen.« Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Grüne über rechtsextreme Vergangenheit von Ehemann: Menschen ändern sich Der Ehemann der sachsen-anhaltischen Grünen-Spitzenkandidatin Susan Sziborra-Seidlitz hat eine rechtsextreme Vergangenheit. Darüber wird aktuell erneut diskutiert. Doch Sziborra-Seidlitz betonte bei einer Wahlkampfveranstaltung in Wernigerode, dass Menschen sich verändern können. »Wir müssen daran glauben, dass Menschen für die Demokratie zurückzugewinnen sind. Wir müssen daran glauben, dass nicht 40 Prozent der Menschen in unserem Land Rechtsextreme sind, nur weil 40 Prozent der Menschen in unserem Land Rechtsextreme wählen.« Mehrere Medien hatten zuvor darüber berichtet, dass der Ehemann von Sziborra-Seidlitz in den Neunzigerjahren Teil der rechtsextremen Szene im Harz gewesen sein soll. Das Thema ist allerdings nicht neu, es spielte bereits im Mai 2022 in einer Debatte im Landtag von Sachsen-Anhalt eine Rolle. Sziborra-Seidlitz bestätigte, dass ihr Ehemann in den Neunzigerjahren mit Rechtsextremen »rumgehangen« habe. »Ich will das nicht kleinreden, er war Teil der rechtsextremen Szene in Quedlinburg. Aber das ist 30 Jahre her.« Heute sei er Demokrat und Antifaschist. Der Ehemann von Sziborra-Seidlitz wollte sich auf Anfrage nicht dazu äußern. Die Grünenpolitikerin sprach von einer »stümperhaften Schmutzkampagne«. Foto: Matthias Bein / dpa »Dass diese seit Jahren bekannte Geschichte wenige Tage vor der Wahl neu aufgewärmt wird, ist ein durchsichtiges Wahlkampfmanöver aus dem rechtsextremen Umfeld der AfD«, sagte ein Sprecher der Grünen am Montag auf Anfrage. »Es zeigt vor allem die Nervosität angesichts der absehbaren Verfehlung der Wahlziele der AfD.« Sziborra-Seidlitz sagte bei dem Termin Wernigerode, dass es vielleicht ein gutes Timing sei, dass das jetzt noch einmal Thema sei. Es gebe ihr die Gelegenheit, darüber zu sprechen, was nach der Landtagswahl am 6. September los sei. »Es lassen sich auch Rechtsextreme für die Demokratie zurückgewinnen, weil die Demokratie das überzeugendere Argument ist«, so Sziborra-Seidlitz, die auch Co-Landeschefin der Grünen in Sachsen-Anhalt ist. Sziborra-Seidlitz sagte bei dem Termin Wernigerode, dass es vielleicht ein gutes Timing sei, dass das jetzt noch einmal Thema sei. Es gebe ihr die Gelegenheit, darüber zu sprechen, was nach der Landtagswahl am 6. September los sei. »Es lassen sich auch Rechtsextreme für die Demokratie zurückgewinnen, weil die Demokratie das überzeugendere Argument ist«, so Sziborra-Seidlitz, die auch Co-Landeschefin der Grünen in Sachsen-Anhalt ist. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Charlotte Lüder Nachrichtenressort Wahlexperte: »AfD findet Unterstützung in allen Bevölkerungsgruppen« »Eine Partei, die in Umfragen auf um die 40 Prozent kommt, die kann sich eben nicht mehr nur auf eine bestimmte Bevölkerungsgruppe stützen«, sagte Stefan Merz vom Meinungsforschungsinstitut Infratest dimap im Deutschlandfunk. Dem Wahlexperten zufolge findet die AfD inzwischen in allen Bevölkerungsgruppen Unterstützung. Die vom Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestufte Partei liegt in den Umfragen deutlich vor der CDU, die derzeit mit SPD und FDP regiert. »Mittlerweile, muss man sagen, findet die AfD Unterstützung in allen Bevölkerungsgruppen«, sagte Merz. Es gebe Unterschiede, die seien aber graduell. »Männer wählen deutlich häufiger AfD als Frauen. Junge und mittlere Altersgruppen machen es häufiger als ältere, Berufstätige wählen häufiger AfD als Rentner und unter den Berufstätigen wiederum sind es Arbeiter, die es häufiger tun als Angestellte und Beamte«, so der Wahlexperte. Menschen ohne Abitur stimmten öfter für die AfD als Menschen mit Abitur und auf dem Land und in Kleinstädten werde häufiger AfD gewählt als in Großstädten. Das bedeute aber im Umkehrschluss nicht, dass die Partei in den anderen Bevölkerungsgruppen nicht gewählt werde. Frauen stimmten für die AfD zwar seltener, aber auch unter ihnen sei die Partei in Sachsen-Anhalt nach den Umfragen derzeit die stärkste Partei.  Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen BSW lädt zum Festival gegen »Cancel Culture« – und organisiert bereits Zusammenarbeit mit AfD Das wird man ja wohl noch mitregieren dürfen: In Magdeburg hat das BSW zu seinem größten Wahlkampfevent geladen, einem Festival für Meinungsfreiheit. Gut neun Stunden lang wurde auf verschiedenen Panels beleuchtet, wie es um die freie Rede in Deutschland steht. Zugleich wurde der Weg bereitet, künftig mit den extremen Rechten der AfD näher zu kooperieren.  Ich habe mir das Event angeschaut, geladen waren unter anderem die ehemalige ARD-Moskau-Korrespondentin Gabriele Krone-Schmalz und die nach Plagiatsvorwürfen geschasste Professorin Ulrike Guérot. BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht war selbstverständlich ebenfalls in Magdeburg. Das Publikum: eher älter, in einer Mischung aus gut situiert, friedensbewegt und alternativ. Viele einte das Gefühl, in Deutschland nicht mehr frei reden zu können – und hier endlich unter sich zu sein. Gut 2000 waren nach BSW-Angaben gekommen. Ich habe mir das Event angeschaut, geladen waren unter anderem die ehemalige ARD-Moskau-Korrespondentin Gabriele Krone-Schmalz und die nach Plagiatsvorwürfen geschasste Professorin Ulrike Guérot. BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht war selbstverständlich ebenfalls in Magdeburg. Das Publikum: eher älter, in einer Mischung aus gut situiert, friedensbewegt und alternativ. Viele einte das Gefühl, in Deutschland nicht mehr frei reden zu können – und hier endlich unter sich zu sein. Gut 2000 waren nach BSW-Angaben gekommen. BSW-Event »Festival der Meinungsfreiheit« in der Festung Mark in Magdeburg. Foto: Marc Röhlig/DER SPIEGEL BSW-Akteure beklagen offen, dass es eine »Schmutzkampagne« gegen ihre Partei, sehen aber keinen Widerspruch, zugleich scharf gegen Politikerinnen und Politiker anderer Parteien auszuteilen. Deutschland sei kurz davor ein »Regime wie aus dem ehemaligen Ostblock« zu agieren, die Wahl in Sachsen-Anhalt werde daher zur »Wende«. Man merkt: Viele hier haben keine Berührungsängste mehr zur AfD, hoffen auf eine klare Zusammenarbeit, sollte das BSW in den Landtag einziehen. Tatsächlich bereitet die Partei genau das vor, wie ich am Rande der Veranstaltung erfuhr. Ein internes Strategiepapier hat erste Anträge vorbereitet, die man im neuen Landtag einbringen will – und auf Stimmen der AfD hofft, diese durchzubringen. Worum es in den Anträgen geht und warum das Credo »Wir reden mit allen« dem BSW noch Argumentationsprobleme bereiten könnte, lesen Sie hier: Tatsächlich bereitet die Partei genau das vor, wie ich am Rande der Veranstaltung erfuhr. Ein internes Strategiepapier hat erste Anträge vorbereitet, die man im neuen Landtag einbringen will – und auf Stimmen der AfD hofft, diese durchzubringen. Worum es in den Anträgen geht und warum das Credo »Wir reden mit allen« dem BSW noch Argumentationsprobleme bereiten könnte, lesen Sie hier: Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen AfD in Umfragen klar vorn Das Interesse an der Wahl ist auch deshalb so groß, weil die AfD danach erstmals womöglich einen Ministerpräsidenten stellen könnte. In einer Umfrage von Infratest dimap für die ARD lag die Partei 20 Prozentpunkte vor der CDU. Wegen der Werte für die anderen Parteien wäre eine Alleinregierung der AfD in diesem Szenario nicht möglich. Wahlumfragen sind generell mit Unsicherheiten behaftet. Unter anderem erschweren nachlassende Parteibindungen und immer kurzfristigere Wahlentscheidungen den Meinungsforschungsinstituten die Gewichtung der erhobenen Daten. Grundsätzlich spiegeln Umfragen nur das Meinungsbild zum Zeitpunkt der Befragung wider und sind keine Prognosen für den Wahlausgang. Hinzu kommt: Bei der Landtagswahl 2021 in Sachsen-Anhalt lagen Demoskopen deutlich daneben. Lesen Sie hier dazu die SPIEGEL-Datenanalyse. Wahlumfragen sind generell mit Unsicherheiten behaftet. Unter anderem erschweren nachlassende Parteibindungen und immer kurzfristigere Wahlentscheidungen den Meinungsforschungsinstituten die Gewichtung der erhobenen Daten. Grundsätzlich spiegeln Umfragen nur das Meinungsbild zum Zeitpunkt der Befragung wider und sind keine Prognosen für den Wahlausgang. Hinzu kommt: Bei der Landtagswahl 2021 in Sachsen-Anhalt lagen Demoskopen deutlich daneben. Lesen Sie hier dazu die SPIEGEL-Datenanalyse. Foto: DER SPIEGEL; Hendrik Schmidt / dpa Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Merz steigt in den Wahlkampf ein In Sachsen-Anhalt grenzt sich CDU-Spitzenkandidat Sven Schulze vom Kanzler ab. Zum Besuch kommt Friedrich Merz nun trotzdem. An diesem Montag absolviert der Kanzler seinen ersten Wahlkampftermin in dem ostdeutschen Bundesland. In Quedlinburg im Harz nimmt er am ab 18.15 Uhr an einer Gesprächsrunde mit Kandidaten für den Landtag teil, wird von Ministerpräsident Schulze durch den Schlossgarten geführt und äußert sich dann gemeinsam mit dem CDU-Spitzenkandidaten vor Kameras.  Zuvor warnte Merz vor einem Sieg der AfD. Im ARD-Sommerinterview am Sonntagabend sagte er, dass ausländische Investoren im Falle einer AfD-Regierung vermutlich um Sachsen-Anhalt künftig einen Bogen machen würden. »Wenn das so kommt, wie das in den Umfragen möglich erscheint, dann wird dieses Bundesland erhebliche Probleme bekommen«, sagte der Kanzler. Er könne sich nicht vorstellen, dass noch internationale Investoren mit einem AfD-Ministerpräsidenten zu einem Spatenstich kommen würden, um dort ein neues Unternehmen anzusiedeln.  »Das ist aber eine Entscheidung, die die Wählerinnen und Wähler in Sachsen-Anhalt zu treffen haben«, fügte er hinzu. Merz sagte: »Das Land wird erheblichen Schaden nehmen, wenn es so kommt, wie wir das jetzt befürchten müssen.« Auch deshalb werde die CDU in den nächsten Tagen noch aktiv Wahlkampf machen. Ein Teil der Wählerschaft sei noch unentschieden.  Ursprünglich waren in Sachsen-Anhalt mal größere Auftritte in Ilsenburg und am Geiseltalsee im Gespräch. Ein klassischer öffentlicher Wahlkampfauftritt vor größerem Publikum soll der Besuch in Quedlinburg nicht werden: Berichten zufolge soll der Kanzler nur auf einen kleinen Kreis von rund 30 ausgewählten CDU-Mitgliedern treffen – unter weitgehendem Ausschluss der breiten Öffentlichkeit.  Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Hintergründe zur Wahl Welche Themen bestimmen den Wahlkampf – und wie ist er bislang verlaufen? Hier finden Sie ausgewählte Artikel. - AfD oder Linke: Die Christdemokraten suchen nach dem kleineren Übel - Porträt des derzeitigen Regierungschefs: Sven Schulze will eine AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt verhindern. Hat er eine Chance? - Wie die AfD Hochschulen umbauen will – und was Studierenden dann droht - FDP in Sachsen-Anhalt: Ist der Kubicki-Hype nach der Wahl schon wieder vorbei? - TV-Duell mit CDU-Ministerpräsident Sven Schulze: Nach einer halben Stunde sagt AfD-Kandidat Siegmund den einen entlarvenden Satz - Schule als Wahlkampfthema: Kann die AfD in Sachsen-Anhalt die Schulpflicht abschaffen? - Schwieriger Wahlkampf für die SPD: »Wenn ihr bei mir klingelt, hau ich euch auf die Fresse« – ein Ortsbesuch in Sangerhausen - Wahlversprechen: Wie sich die AfD als neue Arbeiterpartei inszeniert – ihre Versprechen wird aber kaum einlösen können Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Liebe Leserinnen und Leser, am kommenden Sonntag wird in Sachsen-Anhalt ein neuer Landtag gewählt. Wir halten Sie hier über den Wahlkampfendspurt und die politischen Entwicklungen auf dem Laufenden – mit Nachrichten, Hintergründen, Eindrücken aus dem Bundesland.  Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Mit Material der Agenturen

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5. September
Tagesschau

So ist die Stimmung vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt

Landtagswahl am Sonntag So ist die Stimmung vor der Wahl in Sachsen-Anhalt Vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt dominieren Unzufriedenheit und Misstrauen. Die AfD führt in Umfragen. Integration, Bildung und Wirtschaft sind die wichtigsten Themen. Vor der Landtagswahl am 6. September hat sich die politische Stimmung in Sachsen-Anhalt deutlich verändert. Laut der Vorwahlumfrage liegt die AfD mit 42 Prozent klar vor der CDU, die nur auf 22 Prozent kommt. Die Linke erreicht elf Prozent und wäre damit drittstärkste Kraft, die SPD kommt auf acht Prozent. Die Grünen könnten mit derzeit sechs Prozent den Einzug ins Parlament knapp schaffen, BSW und FDP würden den Einzug in den Landtag mit vier und weniger Prozentpunkten derzeit verpassen. Aus Umfragen können nur bedingt Rückschlüsse auf den Wahlausgang gezogen werden. Die Sonntagsfrage ermittelt einen Zwischenstand im Meinungsbildungsprozess, der erst am Tag der Wahl komplett abgeschlossen ist. Gut jeder zehnte Wahlberechtigte in Sachsen-Anhalt (elf Prozent) gibt an, dass sich seine Parteipräferenz bis zum Wahltag noch ändern könnte. Die drei wichtigsten Themen sind den Umfragen zufolge Integration, Bildung und Wirtschaft. Geringes Vertrauen in Regierung und Parteien Die Unzufriedenheit mit der Landesregierung ist laut Sachsen-Anhalt Trend groß. Bei der Umfrage im Juli bewerteten nur drei von zehn der Wahlberechtigten die Arbeit der schwarz-rot-gelben Koalition positiv. Rund zwei Drittel der Befragten waren unzufrieden. Besonders kritisch äußerten sich Anhänger der AfD. Auch das Vertrauen in die Problemlösungskompetenz der Parteien hat sich verschoben. 16 Prozent der Befragten trauten der CDU zu, die wichtigsten Aufgaben im Land zu lösen. Die AfD lag in dieser Frage mit 36 Prozent deutlich vor der CDU. Jede fünfte befragte Person traute keiner Partei zu, die Probleme Sachsen-Anhalts zu lösen. Blick auf Kandidaten - Unterschied nach Altersgruppen In der Vorwahlumfrage von Ende August zeigt sich zudem: CDU-Spitzenkandidat und Ministerpräsident Sven Schulze bekommt von 30 Prozent der Wahlberechtigten ein positives Zeugnis ausgestellt, 46 Prozent sind mit ihm unzufrieden. Mit der Arbeit des AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund sind aktuell 37 Prozent zufrieden. In der Frage, wer der nächste Ministerpräsident werden sollte, ist das Meinungsbild gespalten. Wenn man den Ministerpräsidenten direkt wählen könnte, würden 41 Prozent auf den Amtsinhaber Sven Schulze setzen (+5 zu Mai), 39 Prozent (+7 zu Mai) auf den AfD-Herausforderer Ulrich Siegmund. Deutliche Unterschiede bestehen hier bei den Altersgruppen. Eine mehrheitliche Präferenz für den CDU-Ministerpräsidenten besteht allein bei den über 65-Jährigen. In den anderen Altersgruppen liegt Ulrich Siegmund vorne. Politikwissenschaftler sieht negative Grundstimmung Der Chemnitzer Politologe Benjamin Höhne führt die hohen Zustimmungswerte für die AfD vor allem auf die negative Grundstimmung in Sachsen-Anhalt zurück. Das sagte er im Mai gegenüber mdr AKTUELL. Die AfD habe sich eine loyale Stammwählerschaft aufgebaut und werde vielfach aus grundsätzlicher Überzeugung gewählt. Gleichzeitig werde die Partei zunehmend als Teil des politischen Normalbetriebs wahrgenommen. Nach Einschätzung Höhnes spielt auch die personelle Situation eine Rolle: Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) habe bislang noch nicht die Wirkung entfalten können, die sein Vorgänger Reiner Haseloff als langjähriger Regierungschef hatte. Wirtschaft unter Druck Auch die Stimmung in der Wirtschaft ist angespannt. In einer Konjunktur-Umfrage der IHK Magdeburg bewerte Ende Juli nur jedes fünfte Unternehmen in der Region seine Lage als gut, jedes vierte dagegen als schlecht. Hauptgeschäftsführer André Rummel sagte im Juli, es könne kein Wirtschaftswachstum generiert werden. "Insofern ist die Lage nach wie vor schlecht. Die Stimmung ist nicht viel besser", sagte Rummel. Dabei geht es nicht nur um einzelne Kostenfaktoren. Die IHK nennt hohe Energie- und Rohstoffpreise, Arbeitskosten und Bürokratie als Belastungen. Auch hohe Steuern und schwierige Finanzierungsbedingungen werden als Probleme genannt. Die wirtschaftliche Unsicherheit ist auch eine Frage der Zukunftsperspektiven in den Regionen. Was die Menschen von der Politik erwarten Wie konkret diese Stimmung im Alltag wird, zeigte sich auch in der mdr-Wahlarena. Die Fragen aus dem Publikum drehten sich unter anderem um die Finanzierung der Kommunen, Inklusion und Bildung, den Fachkräftemangel, die Gasversorgung und Migration. Beim Thema Fachkräftemangel wurde im Publikum Migration als mögliche Lösung gesehen. Bei der Frage nach dem Umgang mit Abwanderung ging es dagegen darum, welche Bedingungen Menschen zum Bleiben bewegen können. Als wichtige Faktoren wurden unter anderem Kultur, Kitas und Schulen genannt.

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4. September
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Vor der Sachsen-Anhalt-Wahl - Muss ich jetzt mein Geld schützen?

Vor der Sachsen-Anhalt-Wahl: Muss ich jetzt mein Geld schützen? Absolute AfD-Mehrheit im Szenario-Check +++ Das raten Experten Anlegern jetzt +++ Folgen für Jobs und Investitionen Magdeburg – Die Sachsen-Anhalt-Wahl ist weit mehr als eine normale Landtagswahl. Ein starkes AfD-Ergebnis oder sogar eine absolute Mehrheit würde bundesweit und international für Schlagzeilen sorgen. Doch was kommt davon beim eigenen Geld an? BILD hat Experten zwei Szenarien durchspielen lassen. AfD ohne absolute Mehrheit Investor Christian Röhl hält dieses Szenario für das wahrscheinlichere und an den Märkten weitgehend eingepreist – die Börsen rechnen also bereits damit. „Da sollte es keine besonderen Bewegungen geben“, sagt er zu BILD. Auch Kapitalmarktexperte Robert Halver erwartet kaum Auswirkungen. Sachsen-Anhalt sei wirtschaftlich zu klein, um den Dax spürbar zu bewegen. Zudem verdienen viele große Konzerne einen Großteil ihres Geldes im Ausland. Entscheidend wäre dann vor allem, welche Landesregierung sich bildet und welche Wirtschaftspolitik sie verfolgt. AfD mit absoluter Mehrheit Deutlich größer wäre die Überraschung, wenn die AfD allein regieren könnte. Röhl hält dann kurzfristigen Druck auf deutsche Aktien für möglich. ING-Chefvolkswirt Carsten Brzeski sagt zu BILD: „Es würde sicherlich eine kurze Schockwelle an den Finanzmärkten geben. Die symbolische Wirkung wäre enorm.“ Internationale Investoren könnten Deutschland zunächst vorsichtiger betrachten, auch der Euro könnte etwas nachgeben. Brzeski zu BILD: „Sachsen-Anhalt würde für ausländische Fachkräfte wohl erst mal an Attraktivität verlieren.“ Das könnte den Fachkräftemangel verschärfen und Investitionen, Wachstum und Beschäftigung bremsen. Muss ich mein Geld schützen? Die Experten raten von hektischen Reaktionen ab. Halver sagt zu BILD: „Wer 10.000 Euro in Aktien oder ETFs investiert hat, sollte vor der Wahl gar nichts machen.“ Auch Röhl warnt vor kurzfristigen Wahlwetten an der Börse: „Politische Börsen haben kurze Beine.“ Die Börse sei nicht der Ort, „um auf ein Wahlergebnis zu wetten“, sondern für langfristige Unternehmensbeteiligungen. Wer direkt auf den Wahlausgang setzen will, stößt in Deutschland auf rechtliche Grenzen. Auf Plattformen wie Polymarket werden Wahlausgänge gehandelt. LMU-Professor Martin Spann sagt zu BILD: „Prognosemärkte haben in der Vergangenheit bei Wahlen sehr gute Vorhersagen liefern können.“ Doch Vorsicht: In Deutschland sind politische Wetten laut Glücksspielbehörde verboten und können strafbar sein. Autoren, Herausgeber und die zitierten Quellen haften nicht für etwaige Verluste, die aufgrund der Umsetzung ihrer Gedanken und Ideen entstehen. Haben Sie eine Meinung zu diesem Artikel? Hier können Sie uns schreiben. Haben Sie Fehler entdeckt? Dann weisen Sie uns gern darauf hin.

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4. September
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Letzte Umfrage vor der Wahl - AfD klar vorn! Schulze beliebter als Siegmund

Trotz BSW-Beben in Thüringen: Regierung mit CDU-Landeschef soll bleiben Letzte Umfrage vor der Wahl: AfD klar vorn! Schulze trotzdem beliebter als Siegmund Magdeburg – Drei Tage vor der Landtagswahl zeichnet sich ein deutliches Kräfteverhältnis ab: Die AfD liegt klar vor der CDU. Doch wer am Ende regieren kann, ist längst nicht entschieden. Entscheidend könnte sein, welche kleinen Parteien die Fünf-Prozent-Hürde schaffen. Für Ministerpräsident Sven Schulze gibt es zumindest persönlich einen positiven Wert: Beim direkten Vergleich der Spitzenkandidaten für die Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt liegt Schulze (48 Prozent) laut ZDF deutlich vor AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund (34 Prozent). Das am Donnerstagabend veröffentlichte ZDF-Politbarometer sieht die AfD bei 41 Prozent, die CDU von Ministerpräsident Sven Schulze (47, CDU) bei 23 Prozent. Dahinter folgen die Linke mit 11,5 Prozent, die SPD mit 8,5 Prozent und die Grünen mit 6 Prozent. BSW (4 Prozent) und FDP (3 Prozent) würden den Einzug in den Landtag verpassen. Auch die jüngsten INSA-Zahlen bestätigen den Trend: In der am 2. September veröffentlichten Umfrage im Auftrag von NIUS liegt die AfD bei 43 Prozent, die CDU bei 22 Prozent. In der letzten INSA-Umfrage für BILD vom 10. August waren es 42 Prozent (AfD) beziehungsweise 22 Prozent (CDU). Der Abstand bleibt damit in allen aktuellen Umfragen deutlich. AfD bräuchte einen Koalitionspartner Trotz des Vorsprungs würde die AfD mit 41 Prozent keine absolute Mehrheit erreichen und wäre für eine Regierungsbildung auf einen Koalitionspartner angewiesen. Rechnerisch könnte ein Bündnis aus CDU, Linken, SPD und Grünen eine Mehrheit erreichen. Für die CDU wäre eine solche Konstellation politisch schwierig: Die Partei hat eine Zusammenarbeit mit der Linken per Unvereinbarkeitsbeschluss ausgeschlossen. Damit rücken die kleineren Parteien in den Fokus. In der jüngsten INSA-Umfrage (Nius, 2. September) liegen die Linken bei 11,5 Prozent. Die Grünen liegen mit 5 Prozent knapp über der Hürde für den Einzug ins Landesparlament, FDP (3 Prozent) und BSW (4 Prozent) darunter. Fast ein Viertel der Wähler noch unsicher Hinzu kommt ein weiterer Unsicherheitsfaktor: 26 Prozent der Befragten sind laut ZDF noch unentschlossen. Die Meinungsforscher betonen deshalb, dass die Zahlen lediglich ein Stimmungsbild und keine Prognose des Wahlergebnisses darstellen. Haben Sie eine Meinung zu diesem Artikel? Hier können Sie uns schreiben. Haben Sie Fehler entdeckt? Dann weisen Sie uns gern darauf hin.

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4. September
Tagesschau

Vor der Landtagswahl: Sachsen-Anhalt und die Tücken der Umfragen

Vor der Landtagswahl Sachsen-Anhalt und die Tücken der Umfragen In Sachsen-Anhalt lagen die Umfragen 2021 ungewöhnlich weit vom Wahlergebnis entfernt. Auch jetzt führt die AfD in Umfragen deutlich. Ein Blick auf die Faktoren, die am Sonntag noch alles verändern könnten. "Im Osten droht ein Wahlbeben, das ganz Deutschland erschüttern kann", titelte Bild Online. Die Schlagzeile klingt aktuell, ist aber fünf Jahre alt, veröffentlicht am 6. Juni 2021, dem Tag der vergangenen Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Die AfD könne stärkste Partei werden, hieß es. Das wäre damals eine Sensation gewesen. Es passte so gar nicht zur Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen, die die CDU kurz vor der Wahl bei sieben Punkten Vorsprung vor der AfD sah. Bild und Spiegel hatten etwa zur selben Zeit aber plötzlich ganz andere Zahlen: Das Online-Institut Civey (CDU 29, AfD 28 Prozent) und der Bild-Partner INSA (CDU 27, AfD 26 Prozent) sahen den Vorsprung der CDU jeweils nur bei einem einzigen Punkt und ließen damit ein Kopf-an-Kopf-Rennen erwarten. Die Republik war erschrocken. Das legte sich am Wahltag. Da verstanden viele die Welt nicht mehr: Die CDU gewann mit 37,1 Prozent, die AfD fiel auf 20,8 Prozent zurück. Nie hatten Vorwahlumfragen und das Ergebnis so weit auseinandergelegen. Kann das 2026 auch passieren? Auch heute bewegt Sachsen-Anhalt die ganze Republik. Die AfD dürfte bei der Landtagswahl am kommenden Sonntag stärkste Partei werden. Sie wird je nach Institut aktuell mit 40 bis 43 Prozent angegeben und liegt damit jeweils deutlich vor der CDU. Sollte die AfD noch etwas zulegen, könnte sie erstmals eine absolute Mehrheit der Mandate erringen. Wichtig ist aber der Konjunktiv, die Möglichkeitsform. In elf verschiedenen Umfragen seit Jahresbeginn weist keine einzige eine solche Mandatsmehrheit aus. Kann sich das noch ändern? Grundsätzlich schon. Auch wenn es nach den Umfragen nicht wahrscheinlich ist. Aber Umfragen sind eben keine Vorhersagen und auch gar nicht so gemeint. Sie messen die politische Stimmung zum Zeitpunkt der Befragung. Zudem haben die Zahlen eine statistische Schwankungsbreite, die einige Institute auch ausweisen. Infratest dimap gibt sie für die jüngste Sachsen-Anhalt-Umfrage mit zwei bis drei Prozentpunkten an. Das heißt: Wenn eine Partei mit 40 Prozent ausgewiesen wird, liegt sie zum Zeitpunkt der Befragung sehr wahrscheinlich zwischen 37 und 43 Prozent. Das ist ein breites Fenster. Hinzu kommt, dass erstaunlich viele Wählerinnen und Wähler erst am Wahltag entscheiden, ob oder wen sie wählen. Differenzen zwischen Umfragen und Wahlergebnis sind also ganz normal. Woher kamen 2021 die großen Unterschiede? 2021 in Sachsen-Anhalt war der Abstand dennoch größer als bei allen anderen Wahlen davor und danach. Die CDU hatte am Ende mehr als 16 Punkte Abstand zur AfD. Ein Trend für die CDU zeichnete sich in den Tagen vor der Wahl damals zwar ab, aber nicht in diesem Ausmaß. Bei der Forschungsgruppe Wahlen war der Vorsprung bis zum Donnerstag auf sieben Punkte gewachsen. Infratest dimap kam im Auftrag der ARD zehn Tage vor der Wahl auf vier Punkte Abstand. Die ARD verzichtet generell darauf, in der Woche der Wahl weitere Umfragen zu publizieren. Ein Grund dafür ist, dass sich Ergebnisse eben nicht vorhersagen lassen und die Messungen oft schwanken. Stefan Merz, Senior Director Wahlen bei infratest dimap, erinnert sich: "Unsere internen Zahlen in den letzten Tagen werden zwar nicht gewichtet, aber der Trend für die CDU und gegen die AfD kurz vor der Wahl war sichtbar. Aber keineswegs so stark, wie er sich dann im Ergebnis niederschlug." Wie die Erhebungsart mit reinspielen kann Die beiden Umfragen von Civey und INSA, die CDU und AfD kurz vor dem Wahlsonntag 2021 noch nah beieinander gesehen hatten, passen weder mit anderen Messungen noch mit dem Ergebnis zusammen. Es muss größere methodische Probleme gegeben haben. Civey hatte nur über ein Online-Panel erhoben, bei INSA ist der Online-Anteil nicht bekannt. Reine Online-Umfragen gelten nicht als repräsentativ, weil ein Teil der Wählerschaft überrepräsentiert und ein anderer Teil von der Teilnahme ausgeschlossen ist. Die öffentliche Wirkung war dennoch immens, die Aufmerksamkeit größer als für die anderen klassisch-repräsentativen Umfragen, aus denen sich keine Sensation ablesen ließ. Es spricht einiges dafür, dass sich diese Aufmerksamkeit auch auf manche Wahlentscheidung ausgewirkt hat. Und das Wahlergebnis ohne diese überraschenden Zahlen anders ausgesehen hätte. Welchen Einfluss das Szenario "Wahlsieg AfD" hatte Die Motivation, einen Wahlsieg der AfD zu verhindern, gab es nicht nur bei CDU-Anhängern. Viele, die ursprünglich eher zu SPD, FDP und Grünen tendierten, dürften der CDU die Stimme gegeben haben, auch wenn die Partei nicht ihre erste Wahl war. Begünstigt hat dies ein damals gut bewerteter Ministerpräsident Reiner Haseloff. Langjährige Amtsinhaber haben schon in einigen Bundesländern auf der Schlussgeraden mächtig Stimmen dazu gewonnen. In diesem Jahr dürfte der Amtsbonus des aktuellen CDU-Ministerpräsidenten Sven Schulze indes geringer ausfallen: Er übernahm erst im Januar von Haseloff. An dessen Zustimmungswerte vergangener Jahre kommt er nicht heran. Der Einfluss, den die Besonderheiten in Sachsen-Anhalt haben Was auch 2026 eine Rolle spielen könnte, sind die Besonderheiten des Bundeslandes Sachsen-Anhalt. Stefan Merz von infratest dimap bezeichnet das Land als "Sonderfall der Wahlforschung". Die Parteibindung sei im Osten generell geringer, die Wechselbereitschaft besonders hoch. Sachsen-Anhalt ist allerdings das Land mit der durchschnittlich geringsten Wahlbeteiligung bei Landtags- und Bundestagswahlen seit 1990. Und den größten Veränderungen zwischen den letzten Umfragen und dem Ergebnis. 2021 waren sie extrem, aber auch bei Wahlen davor deutlich. Unwägbarkeiten bei Protestparteien In Sachsen-Anhalt spielten rechtsgerichtete Protestparteien oft eine große Rolle. 1998 kam die DVU mit einem Last-Minute-Wahlkampf, den der Verleger Gerhard Frey finanzierte, überraschend auf 12,9 Prozent. Vier Jahre später scheiterte die Schill-Partei mit 4,5 Prozent nur knapp. 2016 kam die AfD aus dem Stand auf 24,3 Prozent, ihr bis dahin höchstes Länderergebnis. "Protestparteien sind für uns am schwersten zu bestimmen", sagt Merz. "Wenn sie neu und plötzlich auftreten, fehlen die Erfahrungswerte." Aber auch wenn sie schon länger am Markt sind wie die AfD, wird es nicht unbedingt einfacher. Denn die AfD ist gegenüber der letzten Wahl im Land in den Umfragen so stark gewachsen, dass die Anhänger nicht berechenbarer sind als in der Gründungsphase. Sollte das Ergebnis am Sonntag in Sachsen-Anhalt den Vorwahlumfragen sehr nahe kommen, wäre genau das also für Sachsen-Anhalt wirklich ungewöhnlich.

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4. September
Der Spiegel

Farin Urlaub über hohe AfD-Werte: »Da haben wir doch als Land komplett versagt«

Ärzte-Musiker über hohe AfD-Umfragewerte »Da haben wir doch als Land komplett versagt«, sagt Farin Urlaub Farin Urlaub, 62, blickt besorgt auf die Umfragewerte in Sachsen-Anhalt. Wie schaut er auf die anstehende Landtagswahl? »Wie alle Leute, die gerne in einem demokratischen, weltoffenen, freien Land leben würden – voller Bestürzung«, sagte er der Nachrichtenagentur dpa. »Jetzt wissen wir ja auch, was die AfD vorhat«, sagte der Musiker von den Ärzten. »Sie will in der Schule anfangen – das haben die Nazis damals auch gemacht. Die Kirchen sollen als nicht staatliche Freiräume mehr oder weniger aufhören zu existieren. Schon befremdlich.« Was ihn aber viel mehr bestürze, sei, »dass es Leute gibt, die dieses Wahlprogramm lesen und dann sagen: ›Das ist die Partei, die ich wählen will.‹ Da haben wir doch als Land komplett versagt«, so Urlaub. In Umfragen zur Landtagswahl am Sonntag liegt die AfD vorn, deutlich vor der CDU von Ministerpräsident Sven Schulze. Urlaub hat diesen Freitag sein neues Soloalbum »Ein Lächeln im Gesicht« mit 13 neuen Liedern veröffentlicht. Im kommenden Jahr geht es wieder mit den Ärzten auf Tour. Am Wahlsonntag wird man ihn nicht vor dem Fernseher finden. »Ich habe gar keinen Fernseher. Immer noch nicht.« Die Ärzte engagieren sich seit Jahren politisch und gesellschaftlich. Wir agieren als Band politisch, weil Neutralität gar keine Option ist heutzutage«, sagte Urlaub etwa vor der Europawahl 2024.

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4. September
Der Spiegel (Politik)

News: Wahl in Sachsen-Anhalt, AfD, Ceuta, Annalena Baerbock

Die Lage am Morgen Der Sonderweg der AfD Heute geht es um den Wahlkampfendspurt in Sachsen-Anhalt, um das Schicksal der Migrantinnen und Migranten in Ceuta und um Annalena Baerbocks Verständnis von Feminismus. Was bei einem Sieg der AfD droht Wenn rechte und rechtsextreme Parteien in Europa in den vergangenen Jahren an oder in die Nähe der Macht kamen, dann durchliefen sie meist eine ähnliche Entwicklung: Sie rückten ein kleines Stück in die Mitte, wenn auch oft nur symbolisch, sie schraubten ihre radikalsten Forderungen zurück oder trugen sie zumindest weniger demonstrativ vor sich her. So war es beispielsweise bei den Postfaschisten unter Giorgia Meloni in Italien oder der Le-Pen-Truppe Rassemblement National in Frankreich. AfD-Politiker Ulrich Siegmund (M.): Verrohung im politischen Diskurs Foto: Hannibal Hanschke / EPAAnders ist es hingegen in Deutschland. Je stärker die AfD in Umfragen zulegt, desto enthemmter, radikaler gibt sich ihr Spitzenpersonal. Man könnte es auch umgekehrt formulieren: Je extremer die Positionen sind, die die Partei einnimmt, desto mehr Zulauf erhält sie. Jedenfalls kann sich beispielsweise in Sachsen-Anhalt laut Umfragen fast die Hälfte der Wählerinnen und Wähler vorstellen, am kommenden Sonntag für eine rechtsextreme, verfassungsfeindliche Partei zu stimmen (mehr dazu hier ). Nun gibt es manche, die sagen: Sollen sie doch mal machen. Die AfD, so geht das Argument, werde sich schon entzaubern, wenn sie erst einmal Regierungsverantwortung trägt. Es ist eine Haltung, die man sich leisten können muss, weil man beispielsweise selbst keiner Minderheit angehört, nicht muslimisch ist oder homosexuell und nicht in Sachsen-Anhalt lebt – und somit nicht unmittelbar von einer AfD-Regierung betroffen wäre. Welche Gefahren von der AfD ausgehen, hat mein Kollege, Roland Nelles, Leiter des SPIEGEL-Hauptstadtbüros, gerade erst in einem Leitartikel auf den Punkt gebracht: Bewegungen wie die AfD würden ein Klima schaffen, in dem Verrohung im politischen Diskurs und sogar die Anwendung von Gewalt zur Normalität gehörten, schreibt Roland. »So wird legitimiert, was nicht zu legitimieren ist: ein autoritäres Weltbild, xenophobe Engstirnigkeit, die Verfolgung politischer Gegner.« (Lesen Sie den Leitartikel hier .) Wie sie selbst politisch ticken, was sie über die Merz-Koalition denken und was über die AfD, können Sie in diesem interaktiven Fragetool herausfinden. - Mehr Hintergründe hier: Wie die AfD auch ohne Mehrheit an die Macht kommen könnte Die Vergessenen von Ceuta Am gefährlichsten sei es nachts, berichten Helfer, dann würden Einheimische Migrantinnen und Migranten in Ceuta überfallen. Am nächsten Morgen würden die Verletzten an den Hilfsstellen landen, oft seien es Kinder. »Von Normalität kann keine Rede sein«, sagte Nolte Bauer von der Organisation Mission Lifeline, die die Gestrandeten in Ceuta unterstützt, unlängst in einem Interview. Migranten auf der Straße in Ceuta: Feindselige Stimmung Foto: REDUAN / EPAMindestens 72.000 Menschen hatten Ende Juli die Grenze von Marokko in die spanische Exklave Ceuta überquert (mehr dazu hier ). Die allermeisten von ihnen sind längst wieder nach Marokko zurückgekehrt, rund 5000 harren allerdings weiter in Ceuta aus. Sie können nicht einfach abgeschoben werden, etwa weil sie minderjährig sind. Nur ein kleiner Teil der Neuankömmlinge hat einen Platz in einem der wenigen Lager bekommen, viele leben auf der Straße, wo sie immer wieder Übergriffen ausgesetzt sind. Auch Helferinnen und Helfer werden attackiert, weil sie durch ihren Einsatz angeblich weitere Migrantinnen und Migranten anlocken würden. Bauer beschreibt die Stimmung als »überwiegend feindselig«. In Madrid und anderen spanischen Städten kam es unterdessen zu Protesten gegen die Migrationspolitik der Regierung. Premier Pedro Sánchez musste sich am Donnerstag im Parlament rechtfertigen. In Ceuta lässt sich beobachten, wie wenig Empathie in Europa noch für Migrantinnen und Migranten geblieben ist, analysiert meine Kollegin Dunja Ramadan (mehr dazu hier ). »Wo früher nach Krieg und Verfolgung, Armut und Perspektivlosigkeit, nach den Folgen europäischer Außenpolitik und fehlenden Chancen in den Herkunftsländern gefragt wurde, dominiert heute oft nur noch ein einziger Reflex: Grenzen dichtmachen. Und, ja, auch die Herzen.« - Mehr Hintergründe hier: Plötzlich brennen die Strandhütten Selektiver Feminismus Robert Habeck, der nach einer erfolgreichen Landtagswahl wie ein Popstar von der Bühne ins Publikum sprang. Annalena Baerbock, die damit prahlte, »vom Völkerrecht« zu kommen. Wenn es den beiden ehemaligen Grünenvorsitzenden an einem nicht fehlte, dann an Sendungsbewusstsein. Womöglich braucht man das auch, um in der Spitzenpolitik zu bestehen, gerade als Frau, die als Fläche für alle möglichen Projektionen diente. Grünenpolitikerin Baerbock: Fläche für Projektionen Foto: Emil Helms / AFPBaerbock selbst hat in einem Interview mit der »Zeit« gerade über den Hass, der ihr immer wieder entgegenschlägt, gesprochen. »Die Kombi prominent, meinungsstark und feminin triggert offensichtlich manche ganz besonders – egal in welchem Bereich«, sagte sie. Die Ex-Grünenchefin gab das Interview anlässlich ihres bevorstehenden Ausscheidens aus dem Amt als Präsidentin der Uno-Generalversammlung, das sie ein Jahr lang innehatte (mehr dazu hier ). Noch glaubwürdiger wäre Baerbocks Kampf für den Feminismus, wenn man nicht immer wieder das Gefühl hätte, dass sie ihn sehr selektiv führt. So konnte sie den Uno-Job in New York nur deshalb antreten, weil sie zuvor die Diplomatin Helga Schmid, die eigentlich für den Posten vorgesehen war, kurzerhand zur Seite schob (mehr dazu hier ). In dem Interview äußert sich Baerbock recht unsentimental zu dem Vorgang: »Warum sollte etwas bei Frauen ein Eklat sein, was bei Männern okay ist?« - Mehr Hintergründe hier: Was Russland und die USA noch verbindet? Ihre Abneigung gegen Annalena Baerbock Hier geht’s zum aktuellen Tagesquiz Noch mehr Rätsel wie Viererkette, Wordle und Paarsuche finden Sie bei SPIEGEL Games. Verlierer des Tages… BSW-Frontfrau Sahra Wagenknecht: Mit dem Kreml gemein gemacht Foto: Chris Emil Janßen / IMAGO…ist das BSW, das sich einmal mehr nicht zu schade ist, sich mit dem Kreml gemein zu machen. So ruft die Partei für diesen Freitag unter dem Motto »Brücken statt Mauern« zu einer Demonstration für das Russische Haus in Berlin auf. Außenminister Johann Wadephul hatte in einer Pressekonferenz am Dienstag angekündigt, den Vertrag für das umstrittene Haus nicht zu verlängern – als Reaktion auf den Drohnenvorfall am Flughafen in Leipzig, hinter dem die Bundesregierung den russischen Staat vermutet. - Mehr dazu hier: Platzt die Landesregierung in Thüringen? Die jüngsten Meldungen aus der Nacht - Polizei geht von Sabotagedelikt an Umspannwerk in Dormagen aus: Ein Spaziergänger hatte einen verdächtigen Gegenstand entdeckt. Jetzt erklären die Ermittler: Beim neuen Fall in Dormagen dürfte es sich um versuchte Sabotage handeln. Ein Bekennerschreiben liegt demnach vor. - Niederlage für Trump – Gericht in Missouri kippt Neuzuschnitt der Wahlkreise: Mit dem Verschieben von Wahlkreisgrenzen wollen Donald Trumps Republikaner ihre Chancen bei den Zwischenwahlen in diversen Bundesstaaten verbessern. In Missouri hat ein Gericht die umstrittene Praxis nun gestoppt. - Fifa wirft Uefa »Verleumdungskampagne« vor: Gianni Infantino hat sich mit seinen Investorenplänen verzockt. Europas Fußballverband Uefa will juristisch gegen den wankenden Fifa-Präsidenten vorgehen. Nun startet der Weltverband einen Gegenangriff auf die Europäer. Heute bei SPIEGEL Extra: Fett verlieren, Muskeln erhalten – so essen Sie richtig mit Wegovy und Co. JDawnInk / Getty Images Wer Abnehmmedikamente nimmt, möchte Fett abbauen – sollte Muskelmasse aber bewahren. Was also essen? Experten erklären, worauf man achten sollte . Ich wünsche Ihnen einen guten Start in den Tag. Ihr Maximilian Popp, stellvertretender Ressortleiter Ausland

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4. September
Die Welt (Politik)

„Dann hat Ulrich Siegmund mit der AfD einen Regierungsbildungsauftrag“, sagt CDU-Politiker Müller

„Dann hat Ulrich Siegmund mit der AfD einen Regierungsbildungsauftrag“, sagt CDU-Politiker Müller Laut aktuellen Umfragen wird die AfD bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt stärkste Kraft. CDU-Politiker Sepp Müller bescheinigt ihr deshalb einen Regierungsbildungsauftrag. Eine Koalition mit der AfD schließt er aus. Klicken Sie hier, um sich Artikel von WELT in der Google-Suche bevorzugt anzeigen zu lassen. Der Vorsitzende der CDU-Landesgruppe Sachsen-Anhalt im Bundestag, Sepp Müller, sieht die Verantwortung zur Regierungsbildung nach der Landtagswahl am kommenden Sonntag bei der AfD. „Sollten die Umfrageergebnisse Wahlergebnisse werden, dann hat Ulrich Siegmund mit der AfD einen Regierungsbildungsauftrag“, sagte Müller im 200-Sekunden-Interview des „Berlin Playbook“-Podcasts der WELT-Partnerpublikation „Politico“. „Für uns ist ganz klar, dass wir aus der Mitte heraus die Mehrheit organisieren wollen“, so Müller weiter. Zugleich stellte er klar, dass seine Partei keine Koalition mit der Linken oder der AfD eingehen werde. „Wenn das nicht möglich ist, dann liegt der Regierungsbildungsauftrag bei der stärksten Fraktion“, so Müller. Alle News zu den Landtagswahlen lesen Sie in unserem Liveticker. Wenige Tage vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt liegt die AfD einer Umfrage zufolge mit großem Abstand auf dem ersten Platz. Die Partei käme mit 41 Prozent der Stimmen auf einen neuen Rekordwert und würde damit ihr Ergebnis von vor fünf Jahren in etwa verdoppeln, wie aus dem aktuellen ZDF-Politbarometer hervorgeht. Bei der Landtagswahl 2021 kam die Partei auf 20,8 Prozent. Die CDU von Ministerpräsident Sven Schulze bleibt im Vergleich zur letzten Umfrage unverändert (23 Prozent), müsste aber dennoch im Vergleich zur letzten Landtagswahl mit starken Verlusten rechnen. Damals kam die Partei auf 37,1 Prozent. Die Ergebnisse des Politbarometers im Überblick: - AfD: 41 Prozent (+1 Punkt) - CDU: 23 Prozent (+/-0) - Linke: 11,5 Prozent (-1,5 Punkte) - SPD: 8,5 Prozent (-0,5 Punkte) - Grüne: 6 Prozent (+/-0) - BSW: 4 Prozent (+1) - FDP: 3 Prozent (+/-0) Die Erhebung ist lediglich ein Stimmungsbild. Die Meinungsforscher wiesen darauf hin, dass 26 Prozent der Befragten noch unentschlossen seien. Bei der Wahl vor fünf Jahren war die CDU mit 37,1 Prozent noch stärkste Kraft geworden. Die AfD landete damals mit 20,8 Prozent auf dem zweiten Platz, gefolgt von der Linken mit 11,0 Prozent, der SPD mit 8,4, der FDP mit 6,4 und den Grünen mit 5,9 Prozent. Berichten über eine angebliche Shortlist der AfD mit CDU-Abgeordneten, die für die Wahl von AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund zum Ministerpräsidenten gewonnen werden könnten, widersprach Müller. „Also ich glaube, das ist eher eine Ente, die medial gespielt wird“, sagte er. „Sven Schulze hat hier eine Landesliste aufgestellt, wo jeder Kandidat ihn auch unterstützen wird.“ Für den Fall, dass keine Mehrheit zustande kommt, kündigte Müller an: „Unsere Regierung bleibt geschäftsführend im Amt, sofern sie keine Mehrheit hat. Das Land wird also weiterhin regiert mit Sven Schulze an der Spitze.“

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4. September
Handelsblatt

Landtagswahl am Sonntag: Wahlkampffinale in Sachsen-Anhalt - AfD in Umfrage klar vorn

Landtagswahl am Sonntag: Wahlkampffinale in Sachsen-Anhalt - AfD in Umfrage klar vorn Magdeburg. In Sachsen-Anhalt beginnt heute der Wahlkampfendspurt vor der Landtagswahl am Sonntag - und in der jüngsten Umfrage liegt die AfD weiter deutlich vor der CDU. In der Erhebung der Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag des ZDF kommt die AfD mit ihrem Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund auf 41 Prozent, ein Punkt mehr als vor einer Woche. Die Christdemokraten hoffen auf eine weitere Amtszeit von Ministerpräsident Sven Schulze und liegen unverändert bei 23 Prozent. Bei einem Wahlergebnis wie in dieser Umfrage würde die AfD ihr Ziel verfehlen, alleine zu regieren, eine Regierungsbildung an ihr vorbei aber auch schwierig werden. Die CDU wäre demnach auf Unterstützung der Linken angewiesen, um mit SPD und Grünen eine Minderheitsregierung gegen die AfD zu bilden, die vom Verfassungsschutz in Sachsen-Anhalt als gesichert rechtsextremistisch eingestuft wird. In der CDU gilt ein Unvereinbarkeitsbeschluss gegen „Koalitionen und ähnliche Formen der Zusammenarbeit“ mit der Linken wie mit der AfD. Auf Platz drei steht der Umfrage zufolge die Linke mit 11,5 Prozent - das sind 1,5 Punkte weniger, als die Forschungsgruppe in der Vorwoche ermittelt hatte. Die SPD verliert 0,5 Punkte und kommt auf 8,5 Prozent, die Grünen stehen unverändert bei 6 Prozent. Das BSW mit 4 Prozent (plus 1 Punkt) und die FDP mit 3 Prozent würden nicht über die Fünf-Prozent-Hürde kommen, die übrigen Parteien zusammen 3 Prozent erreichen. Aktuell regiert in Magdeburg ein Bündnis aus CDU, SPD und FDP. Deutlicher Vorsprung der AfD auch in anderen Umfragen 26 Prozent der Befragten wissen laut den Meinungsforschern noch nicht sicher, wen oder ob sie wählen wollen. Die Forschungsgruppe Wahlen befragte vom 1. bis zum 3. September insgesamt 1.044 Wahlberechtigte. Die Umfrage ist nach Angaben des ZDF repräsentativ. Der deutliche Vorsprung der AfD vor der CDU deckt sich mit den Erhebungen anderer Institute. In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Insa im Auftrag von „Nius“ lag die AfD zuletzt bei 43 Prozent und die CDU bei 22 Prozent. Infratest dimap sah die AfD in einer Umfrage für die ARD Ende August bei 42 Prozent und die CDU bei 22 Prozent. Wahlumfragen sind generell immer mit Unsicherheiten behaftet. Unter anderem erschweren nachlassende Parteibindungen und immer kurzfristigere Wahlentscheidungen den Meinungsforschungsinstituten die Gewichtung der erhobenen Daten. Grundsätzlich spiegeln Umfragen nur das Meinungsbild zum Zeitpunkt der Befragung wider und sind keine Prognosen für den Wahlausgang. Merz bleibt im Wahlkampf abgeschottet Bundeskanzler Friedrich Merz war am Donnerstag ebenfalls als Wahlkämpfer unterwegs - und warnte erneut vor den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgen einer möglichen AfD-Landesregierung. „Wer möchte, dass Deutschland ein offenes und liberales Land bleibt, und wer möchte, dass Sachsen-Anhalt ein interessanter, auch europäisch interessanter Standort bleibt, der darf am Sonntag nicht die AfD wählen“, sagte er in Leuna bei einem gemeinsamen Besuch der UPM-Bioraffinerie mit Ministerpräsident Schulze. Einen direkten Kontakt zu Wählern gab es wie beim ersten Wahlkampfauftritt des CDU-Chefs in Quedlinburg nicht - von wenigen Mitarbeitern der Raffinerie einmal abgesehen. Merz traf sich nur mit der Geschäftsführung und dem Betriebsrat. Der Kanzler hatte sich am Montag knapp eine Woche vor der Wahl erstmals im Wahlkampf blicken lassen. Verwandte Themen Schlussspurt im Wahlkampf Heute veranstalten mehrere Parteien ihre Abschlusskundgebungen und wollen um Stimmen noch unentschlossener Wählerinnen und Wähler kämpfen. Ministerpräsident Schulze absolviert Termine in Magdeburg, auch die AfD ist mit Spitzenkandidat Siegmund und dem Bundesvorsitzenden Tino Chrupalla in der Landeshauptstadt präsent. Grüne und Linke bauen ebenso auf prominente Unterstützung: Linke-Spitzenkandidatin Eva von Angern ist zusammen mit Heidi Reichinnek, Gregor Gysi und Dietmar Bartsch in Magdeburg und Halle. Die Grünen wollen in Halle und Naumburg noch einmal um Wählerstimmen kämpfen, Spitzenkandidatin Susan Sziborra-Seidlitz erwartet dazu unter anderem Bundesparteichef Felix Banaszak. Am Samstag, einen Tag vor der Entscheidung, gibt es in Magdeburg und Halle noch weitere Wahlkampfveranstaltungen. Zur Wahl am Sonntag sind knapp 1,7 Millionen Menschen aufgerufen. Eine AfD-geführte Landesregierung wäre ein Novum - die Wahl wird daher national und international mit großem Interesse verfolgt.

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3. September
Die Zeit (Politik)

ZDF-»Politbarometer«: AfD bleibt laut Umfrage in Sachsen-Anhalt stärkste Kraft

Drei Tage vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt sieht das ZDF-»Politbarometer« die AfD weiter mit großem Abstand als stärkste Kraft. Laut der Erhebung der Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag des Senders kommt die AfD mit ihrem Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund auf 41 Prozent – ein Punkt mehr als vor einer Woche. Die regierende CDU von Ministerpräsident Sven Schulze liegt demnach unverändert bei 23 Prozent. Die Linke holt laut der Umfrage 11,5 Prozent – ein Minus von eineinhalb Punkten im Vergleich zur Vorwoche. Die SPD verliert demnach einen halben Punkt und kommt auf 8,5 Prozent, die Grünen stehen unverändert bei 6 Prozent. Das BSW käme mit dem aktuellen Umfrageergebnis von 4 Prozent (plus 1 Punkt) nicht über die Fünf-Prozent-Hürde; ebenso würde die FDP mit 3 Prozent scheitern. Die übrigen Parteien erreichen zusammen 3 Prozent. Bei einem Wahlergebnis wie in dieser Umfrage würde die AfD laut dem Meinungsforschungsinstitut ihr Ziel verfehlen, alleine zu regieren. Je mehr Parteien den Sprung ins Parlament in Magdeburg schaffen, desto unwahrscheinlicher wird eine absolute Mehrheit für die AfD, die in Sachsen-Anhalt vom Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft wird. Aktuell regiert in Magdeburg ein Bündnis aus CDU, SPD und FDP. Andere Umfragen kommen zu ähnlichem Ergebnis Die Forschungsgruppe Wahlen befragte vom 1. bis zum 3. September insgesamt 1.044 Wahlberechtigte. Die Umfrage ist nach Angaben des ZDF repräsentativ. Der Fehlerbereich liege bei einem Anteilswert von 40 Prozent bei gut drei Punkten und bei einem Anteilswert von 10 Prozent bei gut zwei Punkten in beide Richtungen, schreiben die Forscher. Der deutliche Vorsprung der AfD vor der CDU in der Umfrage deckt sich mit den Erhebungen anderer Wahlforscher. Infratest dimap etwa sah die AfD in einer Umfrage für die ARD Ende August bei 42 Prozent und die CDU bei 22 Prozent. Grundsätzlich spiegeln Umfragen nur das Meinungsbild zum Zeitpunkt der Befragung wider und sind keine Prognosen für den Wahlausgang. Der Landtag von Sachsen-Anhalt wird an diesem Sonntag neu gewählt.

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3. September
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Letzte Umfrage vor der Wahl - AfD klar vorn! Schulze beliebter als Siegmund

Letzte Umfrage vor der Wahl: AfD klar vorn! Schulze trotzdem beliebter als Siegmund Magdeburg – Drei Tage vor der Landtagswahl zeichnet sich ein deutliches Kräfteverhältnis ab: Die AfD liegt klar vor der CDU. Doch wer am Ende regieren kann, ist längst nicht entschieden. Entscheidend könnte sein, welche kleinen Parteien die Fünf-Prozent-Hürde schaffen. Für Ministerpräsident Sven Schulze gibt es zumindest persönlich einen positiven Wert: Beim direkten Vergleich der Spitzenkandidaten liegt Schulze (48 Prozent) laut ZDF deutlich vor AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund (34 Prozent). Das am Donnerstagabend veröffentlichte ZDF-Politbarometer sieht die AfD bei 41 Prozent, die CDU von Ministerpräsident Sven Schulze (47, CDU) bei 23 Prozent. Dahinter folgen die Linke mit 11,5 Prozent, die SPD mit 8,5 Prozent und die Grünen mit 6 Prozent. BSW (4 Prozent) und FDP (3 Prozent) würden den Einzug in den Landtag verpassen. Auch die jüngsten INSA-Zahlen bestätigen den Trend: In der am 2. September veröffentlichten Umfrage im Auftrag von NIUS liegt die AfD bei 43 Prozent, die CDU bei 22 Prozent. In der letzten INSA-Umfrage für BILD vom 10. August waren es 42 Prozent (AfD) beziehungsweise 22 Prozent (CDU). Der Abstand bleibt damit in allen aktuellen Umfragen deutlich. AfD bräuchte einen Koalitionspartner Trotz des Vorsprungs würde die AfD mit 41 Prozent keine absolute Mehrheit erreichen und wäre für eine Regierungsbildung auf einen Koalitionspartner angewiesen. Rechnerisch könnte ein Bündnis aus CDU, Linken, SPD und Grünen eine Mehrheit erreichen. Für die CDU wäre eine solche Konstellation politisch schwierig: Die Partei hat eine Zusammenarbeit mit der Linken per Unvereinbarkeitsbeschluss ausgeschlossen. Damit rücken die kleineren Parteien in den Fokus. In der jüngsten INSA-Umfrage (Nius, 2. September) liegen die Linken bei 11,5 Prozent. Die Grünen liegen mit 5 Prozent knapp über der Hürde für den Einzug ins Landesparlament, FDP (3 Prozent) und BSW (4 Prozent) darunter. Fast ein Viertel der Wähler noch unsicher Hinzu kommt ein weiterer Unsicherheitsfaktor: 26 Prozent der Befragten sind laut ZDF noch unentschlossen. Die Meinungsforscher betonen deshalb, dass die Zahlen lediglich ein Stimmungsbild und keine Prognose des Wahlergebnisses darstellen. Haben Sie eine Meinung zu diesem Artikel? Hier können Sie uns schreiben. Haben Sie Fehler entdeckt? Dann weisen Sie uns gern darauf hin.

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3. September
ZDF heute

Sachsen-Anhalt: AfD deutlich stärker als CDU

ZDF-Politbarometer Extra:Sachsen-Anhalt: AfD deutlich stärker als CDU Kurz vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt ist die AfD mit Abstand stärkste Partei. Das zeigt das aktuelle ZDF-Politbarometer Extra. Die CDU müsste mit Verlusten rechnen. Wenige Tage vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt ist die AfD mit Abstand stärkste Partei. Im Vergleich zu vor fünf Jahren dürfte sie ihr Ergebnis in etwa verdoppeln. Die CDU müsste mit starken Verlusten rechnen. Die FDP und das BSW könnten an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern. Eine absolute Mehrheit für die AfD erscheint eher unwahrscheinlich. An dieser Situation hat sich im Vergleich zum Politbarometer Extra letzte Woche kaum etwas geändert. Wenn es um die Frage geht, wen man lieber als Ministerpräsidenten hätte, liegt Amtsinhaber Sven Schulze von der CDU im direkten Vergleich deutlich vor seinem Herausforderer Ulrich Siegmund von der AfD. Die politische Stimmung ist angespannt. Die CDU liegt mit 23 Prozent in Umfragen weit hinter der AfD mit 41 Prozent. Linke, SPD und Grüne ziehen laut Prognose in den Landtag ein. 03.09.2026 | 4:11 minProjektion: AfD deutlich stärkste Kraft Wenn schon heute gewählt würde, dann ergäben sich folgende Projektionswerte für die Parteien: Die CDU läge zurzeit bei 23 Prozent, die AfD käme auf 41 Prozent, die Linke auf 11,5 Prozent, die SPD auf 8,5 Prozent, die FDP auf drei Prozent, die Grünen auf sechs Prozent und das BSW auf vier Prozent. Die anderen Parteien erhielten zusammen drei Prozent. Aufgrund dieser Zahlen bräuchte die AfD für eine parlamentarische Mehrheit einen Koalitionspartner. Eine Regierung aus allen nach dieser Projektion im Parlament vertretenen Parteien außer der AfD - also eine Koalition aus CDU, Linke, SPD und Grünen - hätte eine Mehrheit. Die Umfragen in Sachsen-Anhalt stehen im Zeichen eines Wahlsiegs der AfD. Im Falle der Regierungsbildung plant die Partei Reformen - besonders bei Bildung, Wirtschaft und Kultur. 03.09.2026 | 1:33 minWahlabsicht: 26 Prozent noch unsicher Diese Projektionswerte geben lediglich das Stimmungsbild für die Parteien zum jetzigen Zeitpunkt wieder und stellen keine Prognose für den Wahlausgang dar. Bei der Interpretation der Zahlen sind insbesondere die statistischen Fehlerbereiche von Umfragen zu berücksichtigen. Dies gilt vor allem auch für die Parteien, die an der Fünf-Prozent-Grenze zu scheitern drohen. Zudem kann es bis zum Wahlsonntag durch unterschiedliche Mobilisierungserfolge der verschiedenen Parteien noch zu Veränderungen kommen. Diese können in ostdeutschen Bundesländern, wo es weniger stark ausgeprägte Bindungen an die Parteien gibt, auch recht deutlich ausfallen. Darüber hinaus wissen zurzeit 26 Prozent der Befragten noch nicht sicher, wen oder ob sie wählen wollen. Bei der letzten Landtagswahl in Sachsen-Anhalt vor fünf Jahren kam die CDU auf 37,1 Prozent, die AfD auf 20,8 Prozent, die Linke auf 11,0 Prozent, die SPD auf 8,4 Prozent, die FDP auf 6,4 Prozent und die Grünen auf 5,9 Prozent. Alle anderen Parteien erzielten zusammen 10,4 Prozent. Dunja Hayali im Gespräch mit Politikwissenschaftler Benjamin Höhne über Ursachen und mögliche Folgen eines Wahlsiegs der AfD in Sachsen-Anhalt. 03.09.2026 | 9:18 minGewünschter Ministerpräsident: Schulze klar vorne Bei der Frage, wen man lieber als Ministerpräsidenten hätte, Sven Schulze von der CDU oder Ulrich Siegmund von der AfD, liegt Schulze mit 48 Prozent klar vor Siegmund mit 34 Prozent (Rest zu 100 Prozent: „weder noch“, „kenne nicht“ oder „weiß nicht“). Dieser Vorsprung resultiert vor allem daraus, dass Siegmund in den Anhängergruppen von CDU, Linke, SPD und Grünen so gut wie keine Unterstützung erfährt. Vor der Wahl in Sachsen-Anhalt sammelt Dunja Hayali Stimmen in der Stadt Weißenfels im Süden des Landes. Die Stimmung der Befragten liegt zwischen Sorge und Pragmatismus. 03.09.2026 | 3:31 minGewünschte Landesregierung Die Spaltung der Wählerschaft in AfD-Anhänger und AfD-Gegner wird auch bei der Frage nach einer präferierten Landesregierung deutlich. Während eine AfD-geführte Landesregierung fast nur von Anhängern der AfD befürwortet wird, wollen die Anhänger von CDU, Linke, SPD und Grünen mit jeweils sehr deutlicher Mehrheit eine CDU-geführte Landesregierung. In der Gesamtheit sprechen sich 37 Prozent für eine von der AfD und 50 Prozent für eine von der CDU geführte Regierung aus. Transparenzhinweis: In einer vorherigen Version der Grafik "Projektion Sachsen-Anhalt: Wenn schon heute Landtagswahl wäre …" war das Verhältnis der Stimmanteile grafisch nicht korrekt dargestellt. Die betreffende Stelle wurde von uns umgehend angepasst. Die Umfrage zu diesem Politbarometer Extra wurde wie immer von der Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen durchgeführt. Die Interviews wurden vom 1.9. bis 3.9.2026 unter 1.044 zufällig ausgewählten Wahlberechtigten in Sachsen-Anhalt telefonisch und online erhoben. Die Befragung ist repräsentativ für die dortige wahlberechtigte Bevölkerung. Der Fehlerbereich beträgt bei einem Anteilswert von 40% gut +/- drei Prozentpunkte und bei einem Anteilswert von 10% gut +/- zwei Prozentpunkte. Das nächste Politbarometer Extra zu Berlin und Mecklenburg-Vorpommern sendet das ZDF am Freitag den 11.9.2026. Weitere Informationen zur Methodik der Umfrage finden Sie auch auf www.forschungsgruppe.de. Mehr aktuelle Nachrichten aus Deutschland - LiveblogAm 6. September:Gewünschter Ministerpräsident: Schulze vor Siegmundmit Video31:54 - ExklusivZDF-Politbarometer Extra:Sachsen-Anhalt: AfD deutlich stärker als CDUmit Video4:11 - Rapper irritiert mit Video:Jens Spahn kündigt Strafanzeige gegen Ski Aggu an - Angriff auf Stromnetz:Brandenburg: Polizei prüft Bekennerschreibenmit Video0:25

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3. September
Die Welt (Politik)

AfD erreicht in ZDF-Umfrage neuen Rekordwert – mehr als ein Viertel noch unentschlossen

AfD erreicht in ZDF-Umfrage neuen Rekordwert – mehr als ein Viertel noch unentschlossen Es ist eine der letzten Umfragen vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: Im Politbarometer erreicht die AfD einen neuen Höchstwert, die Linke verliert spürbar. Klicken Sie hier, um sich Artikel von WELT in der Google-Suche bevorzugt anzeigen zu lassen. Wenige Tage vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt liegt die AfD einer Umfrage zufolge mit großem Abstand auf dem ersten Platz. Die Partei käme mit 41 Prozent der Stimmen auf einen neuen Rekordwert und würde damit ihr Ergebnis von vor fünf Jahren in etwa verdoppeln, wie aus dem aktuellen ZDF-Politbarometer hervorgeht. Bei der Landtagswahl 2021 kam die Partei auf 20,8 Prozent. Die CDU von Ministerpräsident Sven Schulze bleibt im Vergleich zur letzten Umfrage unverändert (23 Prozent), müsste aber dennoch im Vergleich zur letzten Landtagswahl mit starken Verlusten rechnen. Damals kam die Partei auf 37,1 Prozent. Alle News zu den Landtagswahlen lesen Sie in unserem Liveticker. Die Linke läge bei 11,5 Prozent, die SPD bei 8,5 Prozent und die Grünen bei sechs Prozent. Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) mit vier Prozent und die FDP mit drei Prozent würden den Einzug in den Landtag verpassen. Da eine absolute Mehrheit für die AfD unwahrscheinlich sei, bräuchte sie für eine Regierungsbildung einen Koalitionspartner. Eine Mehrheit hätte hingegen ein Bündnis aller anderen im Parlament vertretenen Parteien aus CDU, Linken, SPD und Grünen. Im direkten Vergleich der Spitzenkandidaten liegt Amtsinhaber Schulze bei der Frage nach dem bevorzugten Ministerpräsidenten deutlich vor seinem AfD-Herausforderer Ulrich Siegmund. Die Ergebnisse des Politbarometers im Überblick: - AfD: 41 Prozent (+1 Punkt) - CDU: 23 Prozent (+/-0) - Linke: 11,5 Prozent (-1,5 Punkte) - SPD: 8,5 Prozent (-0,5 Punkte) - Grüne: 6 Prozent (+/-0) - BSW: 4 Prozent (+1) - FDP: 3 Prozent (+/-0) Die Meinungsforscher wiesen darauf hin, dass die Erhebung lediglich ein Stimmungsbild sei und 26 Prozent der Befragten noch unentschlossen seien. Bei der Wahl vor fünf Jahren war die CDU mit 37,1 Prozent noch stärkste Kraft geworden. Die AfD landete damals mit 20,8 Prozent auf dem zweiten Platz, gefolgt von der Linken mit 11,0 Prozent, der SPD mit 8,4, der FDP mit 6,4 und den Grünen mit 5,9 Prozent. Für die Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen wurden 10144 Personen zwischen dem 1. und 3. September befragt. Die Fehlertoleranz liegt bei 3 Prozentpunkten.

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3. September
Handelsblatt

Landtagswahl: Umfrage: AfD in Sachsen-Anhalt weiter klar vorn

Landtagswahl: Umfrage: AfD in Sachsen-Anhalt weiter klar vorn Magdeburg. Kurz vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt liegt die AfD laut einer Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag des ZDF weiter klar vor der CDU. Demnach kommt die AfD mit ihrem Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund auf 41 Prozent, ein Punkt mehr als vor einer Woche. Die Christdemokraten von Ministerpräsident Sven Schulze liegen unverändert bei 23 Prozent. Der Landtag von Sachsen-Anhalt wird am Sonntag neu gewählt. Auf Platz drei folgt in der Umfrage die Linke mit 11,5 Prozent - das sind 1,5 Punkte weniger, als die Forschungsgruppe in der Vorwoche ermittelt hatte. Die SPD verliert 0,5 Punkte und kommt auf 8,5 Prozent, die Grünen stehen unverändert bei 6 Prozent. Das BSW mit 4 Prozent (plus 1 Punkt) und die FDP mit 3 Prozent würden nicht über die Fünf-Prozent-Hürde kommen. Die übrigen Parteien erreichen zusammen 3 Prozent. Bei einem Wahlergebnis wie in dieser Umfrage würde die AfD laut dem Meinungsforschungsinstitut ihr Ziel verfehlen, alleine zu regieren. Je mehr Parteien den Sprung ins Parlament in Magdeburg schaffen, desto unwahrscheinlicher wird eine absolute Mehrheit für die AfD, die in Sachsen-Anhalt vom Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft wird. Aktuell regiert in Magdeburg ein Bündnis aus CDU, SPD und FDP. Deutlicher Vorsprung der AfD auch in anderen Umfragen Die Forschungsgruppe Wahlen befragte vom 1. bis zum 3. September insgesamt 1.044 Wahlberechtigte. Die Umfrage ist nach Angaben des ZDF repräsentativ, der Fehlerbereich beträgt bei einem Anteilswert von 40 Prozent gut plus/minus drei Prozentpunkte und bei einem Anteilswert von 10 Prozent gut plus/minus zwei Prozentpunkte. Der deutliche Vorsprung der AfD vor der CDU in der Umfrage deckt sich mit den Erhebungen anderer Institute. In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Insa im Auftrag von „Nius“ lag die AfD zuletzt bei 43 Prozent und die CDU bei 22 Prozent. Infratest dimap sah die AfD in einer Umfrage für die ARD Ende August bei 42 Prozent gekommen und die CDU bei 22 Prozent. Wahlumfragen sind generell immer mit Unsicherheiten behaftet. Unter anderem erschweren nachlassende Parteibindungen und immer kurzfristigere Wahlentscheidungen den Meinungsforschungsinstituten die Gewichtung der erhobenen Daten. Grundsätzlich spiegeln Umfragen nur das Meinungsbild zum Zeitpunkt der Befragung wider und sind keine Prognosen für den Wahlausgang.

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3. September
Tagesschau

Warum in der Wahl auch ein Risiko für die AfD steckt

Sachsen-Anhalt Warum in der Wahl auch ein Risiko für die AfD steckt Die AfD liegt vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt in Umfragen vorn und hofft auf ein bundesweites Signal. Doch es gibt auch Risiken - und Zweifel an der Regierungsfähigkeit der Partei. Die AfD hat einen Lauf, das zeigen Umfragen. Doch wird aus dem derzeitigen "Trainings-Weltmeister" auch ein "politischer Champion"? Also eine Regierungspartei? "Wir werden regieren", gibt sich Parteichefin Alice Weidel im ZDF-Sommerinterview siegessicher. In Sachsen-Anhalt, in Mecklenburg-Vorpommern, im Land Berlin - "und wir werden auch im Bund regieren". Damit hat Weidel das Saisonziel definiert. Und ihr derzeitiger Star, der betont gut gelaunte Spitzenkandidat in Sachsen-Anhalt, Ulrich Siegmund, sekundiert im mdr Duell, dass Sachsen-Anhalt nur "der erste Schritt" sei. Das zeigt: Siegmund ist sich einerseits der Hoffnung, die die gesamte Partei in ihn setzt, bewusst. Und andererseits weiß er, dass er - sollte er wirklich eine Mehrheit für eine AfD-Regierung bekommen - auf andere angewiesen ist. Denn sein Wahlprogramm ist an vielen Stellen, das haben die Duelle und Befragungen der vergangenen Wochen noch einmal deutlich gemacht, ohne eine AfD-Regierung im Bund oder zumindest in anderen Bundesländern nicht umsetzbar. Experte: AfD muss zeigen, dass Stimme nicht verschenkt ist Wie groß ist die Chance, dass die AfD gleich bei beim ersten Schritt in Sachsen-Anhalt stolpert? Und wie schlimm wäre das für die Partei, gut 13 Jahre nach ihrer Gründung? Warum gibt es die vollmundigen Ankündigungen, die trotz der guten Umfragewerte unrealistisch erscheinen? "Für die AfD geht es vor allem darum, zu zeigen, dass die Stimme an sie nicht verschenkt ist", sagt der Politikwissenschaftler Marcel Lewandowsky von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Die AfD wolle zeigen: "'Wir sind in all diesen Bundesländern so stark, dass wir zumindest theoretisch die Möglichkeit haben, an einer Regierung beteiligt zu werden. Und wenn das nicht passiert, dann ist das - in Anführungszeichen - 'die Schuld der etablierten Parteien'." "Eine solche Regierung kann auch scheitern" Das Wesen eines solchen Laufs, wie ihn die AfD gerade hat: Er kann auch enden. Wenn nach den drei Landtagswahlen im (Nord-)Osten wieder keine Regierungsbeteiligung steht. Und wenn die in jedem Gespräch mit Parteispitzen wiederholte eigene Prognose einer baldigen Neuwahl im Bund nicht Realität wird. Oder - drittes Szenario - wenn es die AfD wirklich schaffen sollte, in Sachsen-Anhalt erstmals zu regieren. Deswegen nennt Marcel Lewandowsky die Wahl jetzt "Chance und Risiko" zugleich: "Auf der einen Seite hätte sie den Fuß in der Tür und wenn sie es schafft, ihre Forderungen teils auch umzusetzen - etwa in der Migrationspolitik oder in der Bildungspolitik, die symbolpolitisch aufgeladen sind in der Wählerschaft", sagt der Politikwissenschaftler. "Auf der anderen Seite kann eine solche Regierung auch scheitern." Was wie eine Binse klingt, ist eine durchaus reale Befürchtung in der AfD. Zu wenig qualifiziertes Personal, zu hoch die Erwartungen, die Ulrich Siegmund gerade weckt - so sagen das AfD-Politiker gerade aus den ostdeutschen Verbänden -, manchmal offen, oft hinter vorgehaltener Hand. Co-Parteichef Tino Chrupalla formuliert es positiv, vermittelt dabei aber durchaus Druck: Wenn Siegmund Ministerpräsident werde, komme auf ihn eine "Riesenverantwortung" zu - "er wird liefern müssen". Das Gesicht des Wahlkampfs und die Hardliner Der 35-jährige Siegmund ist im Wahlkampf bewusst anders inszeniert worden als der Politikertypus, den viele mit der AfD verbinden: Meist freundlich statt ständig polternd, zugewandt statt angsteinflößend. Und er betont immer wieder: "Niemand muss Angst vor einer AfD-geführten Regierung haben. Wir wollen eigentlich nur wieder klare Ordnung, klare Strukturen und eine Perspektive nach vorne." Was Siegmund so beschreibt, liest sich im Programm der AfD in Sachsen-Anhalt so radikal wie nirgendwo sonst in der radikalen Partei. Dahinter stehen Männer wie Martin Reichardt, Bundesvorstand der AfD und Landeschef in Sachsen-Anhalt. Und die wirken gar nicht so zugewandt und umarmend. Am vergangenen Wochenende sprach Reichardt in Magdeburg zum Beispiel über "Vater Staat" und "Mutter Sprache". Kostprobe: "Muttersprache ist heute ein aufgedunsenes, intersektional-feministisches Flittchen (…). Die grünen Haare sind stets zerzaust und der rote Lippenstift ist verschmiert, weil Vater Staat sie dreimal täglich durchgendert." Die AfD Sachsen-Anhalt klagt gegen die Einstufung als "gesichert rechtsextremistische Bestrebung". Das Verfahren ist derzeit ausgesetzt. Reichardt ist einer von vielen Hardlinern in Sachsen-Anhalt, die die AfD in Sachsen-Anhalt auf so ein hohes Umfrageniveau geführt haben - es ihr aber auch nicht leichter machen, die entscheidenden Prozentpunkte für eine Regierungsmehrheit zu erreichen. Und damit die von Alice Weidel erhoffte "Normalisierung" - also dass weitere potenzielle Wähler Berührungsängste mit der Partei abbauen. Bloß nicht Siegmunds Lauf stören Beide Parteichefs hielten sich im Wahlkampf auffällig zurück. In Erinnerung bleibt nur Chrupallas Auftritt mit dem Schauspieler Uwe Steimle, als der unter anderem die Nationalhymne der DDR anstimmte (statt der von Chrupalla geforderten Nationalhymne) und historische Vergleiche zog, die als Aufforderung zur Gewalt verstanden werden konnten. Die Staatsanwaltschaft hatte Ermittlungen gegen den Kabarettisten Steimle aufgenommen. Bloß den Lauf Siegmunds nicht stören, so schien das Motto zu lauten. Am Samstag wollen beide Parteichefs aber zum Wahlkampfabschluss nach Magdeburg kommen. Und Sonntag bei der AfD-Wahlparty mitfeiern. Egal, ob aus dem Ergebnis eher Chance oder Risiko für die Partei wird.

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3. September
ZDF heute

AfD auf Platz 1? Das Beben aus Sachsen-Anhalt

heute journal - der Podcast:AfD auf Platz 1? Das politische Beben aus Sachsen-Anhalt Am Sonntag wählt Sachsen-Anhalt einen neuen Landtag. In allen Umfragen liegt die AfD weit vorne, sie ist mittlerweile fast doppelt so stark wie die CDU. Zum ersten Mal könnte damit eine Partei in einem Bundesland die absolute Mehrheit erreichen, die der Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem einstuft. Für die aktuelle Folge sind Helene Reiner und Dunja Hayali an einen besonderen Ort gereist: ins Bauhaus Dessau, das durch die AfD besonders unter Druck gerät. Hier sprechen sie mit dem Aktivisten Max Schneller, der als „maximal.demokratisch” bekannt ist, und mit dem Politikwissenschaftler Christian Stecker von der TU Darmstadt. Darüber, was ein AfD-Sieg für das Land bedeuten würde, wie andere Parteien mit den neuen Mehrheiten umgehen sollten und ob in all dem vielleicht auch eine Chance steckt. In Umfragen liegt die AfD in Sachsen-Anhalt aktuell bei circa 40%. Dabei wird häufig kritisiert, dass immer über diese 40% und zu wenig über die anderen 60% - eine Mehrheit, die nicht möchte, dass die AfD regiert. Bei der sogenannten Brandmauer gehen die Meinungen in Sachsen-Anhalt stark auseinander: Laut der Forschungsgruppe Wahlen finden 51% ein kategorisches Ausschließen der AfD falsch. Politikwissenschaftler Christian Stecker hält die Brandmauer für gescheitert und undemokratisch. Sie würde der AfD mehr helfen als schaden. Folge verpasst? Hier gibt es jederzeit alle derzeit verfügbaren Folgen von "heute journal - der Podcast".

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3. September
FAZ (Politik)

Wahl Sachsen-Anhalt 2026: Warum Juden vor der AfD warnen

Wahl Sachsen-Anhalt 2026 : Warum Juden vor der AfD warnen In Sachsen-Anhalt machen nicht nur Parteien Wahlkampf. Auch die Jüdische Studierendenunion ist in dem Bundesland unterwegs. Vor allem in Hochburgen der AfD. Sie war nicht die erste Jüdin, die sich öffentlich gegen die AfD positioniert hat. Doch als Charlotte Knobloch, die Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde München, vor knapp zwei Wochen in einem Interview mit dem „Stern“ sagte, der Vergleich zwischen NSDAP und AfD sei zulässig, schlug das doch noch mal Wellen. „Auch die NSDAP hat einmal klein angefangen und ausprobiert, was alles möglich ist. Exakt das passiert bei der AfD“, sagte Knobloch über die Partei, die sich in Sachsen-Anhalt Hoffnung auf eine absolute Mehrheit der Sitze im Landtag macht. Die meisten anderen Parteien, die am 6. September in dem Bundesland zur Wahl stehen, wollen das verhindern. Doch es gibt auch andere Akteure, die dieses Ziel teilen. Zum Beispiel die Jüdische Studierendenunion Deutschland (JSUD). Sie ist in diesen Tagen in Sachsen-Anhalt unterwegs und will in kleinen Ortschaften Leute ansprechen – insbesondere dort, wo AfD-Politiker in Machtpositionen sind, die AfD besonders hohe Wahlergebnisse erzielt hat oder rassistische Vorfälle bekannt geworden sind. Ron Dekel, der Vorsitzende der JSUD, sagt: „Wir wollen mit Menschen ins Gespräch kommen, die vielleicht noch nie eine Jüdin oder einen Juden persönlich getroffen haben, und ihnen auf persönlicher Ebene vermitteln: Diese Partei gefährdet uns enorm.“ Will die AfD Juden schützen? Die AfD, deren Landesverband in Sachsen-Anhalt als gesichert rechtsextrem gilt, gibt sich selbst oft als Partei aus, die Juden schützen will. 2018 gründete sich ein Verein mit dem Namen „Juden in der AfD“, der gegen „unkontrollierte Masseneinwanderung“ junger Männer aus dem islamischen Kulturkreis mit „einer antisemitischen Sozialisation“ und die „Zerstörung der traditionellen, monogamen Familie“ durch Gender-Mainstreaming und Frühsexualisierung ist. So die Selbstdarstellung. Dekel von der JSUD sieht die AfD in einem anderen Licht: Funktionäre hätten sich seit Beginn antisemitisch geäußert, wenn sie vom „Schuldkult“ sprachen oder die NS-Herrschaft als „Vogelschiss“ abtaten. „Wer eine Erinnerungskulturwende um 180 Grad fordert, kann keine Partei sein, die Juden schützt.“ Und auch im „Regierungsprogramm“ für Sachsen-Anhalt findet Medizinstudent Dekel Punkte, die ihm Angst machen, etwa, dass Gedenkstätten nicht mehr gefördert werden sollen – obwohl sie ein wichtiger Teil des deutschen Selbstverständnisses sind. Auch Synagogen könnten es schwerer haben als zuvor, da die AfD Staatsleistungen an Religionsgemeinschaften einfrieren will. Für viele jüdische Gemeinden in Ostdeutschland wäre das der Todesstoß. Sie sind meist sehr klein, allein können die Gemeinden sich heute meist nicht tragen. Dass das Klima für Juden in Deutschland sich insgesamt verschlechtert hat, davon zeugt jeder neue Bericht, den Beobachtungsstellen herausgeben. Vor ein paar Tagen veröffentlichte die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS) Zahlen für Thüringen. Die Zahl antisemitischer Vorfälle ist dort so hoch wie nie. Sie lag im Jahr 2025 bei mehr als 400. 194 davon ereigneten sich im öffentlichen Raum, also auf der Straße. Die Zahlen sind jedoch keine Thüringer Spezialität. Im Jahresbericht aus dem Juni hatte RIAS 8725 Vorfälle für ganz Deutschland gezählt. Dazu gehören auch Schmierereien, Beleidigungen oder Hasskommentare im Internet. Es sind rechnerisch fast 24 pro Tag, einer jede Stunde. Zahl der gewalttätigen Angriffe auf hohem Niveau Viele der Vorfälle sind gravierend: In einem Supermarkt in Bad Homburg schubste ein Mann einen Rabbiner vor den Augen seiner Kinder. In Hamburg würgte ein Unbekannter eine Frau, während sie einen Stolperstein putzte. In Erfurt riss ein Angreifer einem Mann die Davidsternkette vom Hals – mitten in der Straßenbahn, am helllichten Tag. In Coburg stach ein Geflüchteter auf einen Mitbewohner ein, weil er glaubte, der andere sei Jude. In Berlin schlitze ein Mann einem Besucher des Holocaust-Mahnmals die Kehle auf, weil er ihn für einen Juden hielt, nur eine Notoperation konnte den Touristen retten. Zwar ist die absolute Zahl dieser gewalttätigen Angriffe auf Juden gesunken, von 187 im Jahr 2024 auf 178 im Jahr 2025. Doch das Niveau ist damit immer noch weit höher als vor dem 7. Oktober 2023. 2022 hatte RIAS 58 Angriffe dokumentiert, etwa ein Drittel der heutigen Zahl. Auch für Ron Dekel von der Studierendenunion hat sich die Welt verändert seit dem 7. Oktober. Nachdem es nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel auch in Deutschland zu immer mehr antisemitischen Vorfällen kam, hatten viele Juden Angst, ihre Identität zu zeigen. Dekel trägt seitdem öffentlich Kippa. Sie ist Ausdruck seines Glaubens; sie ist aber auch ein Kleidungsstück, mit dem Dekel misst, ob es noch geht, in Deutschland zu leben. Er findet: Wenn er die Kippa ablegen müsste, wäre es an der Zeit, diesem Land den Rücken zu kehren. „Wenn es so unsicher in einem Land geworden ist, dass man das nicht tragen kann, muss man gehen.“ Er ist lauter geworden: „Sachen, die ich vorher toleriert habe, die vorher sagbar waren, lasse ich nicht mehr unwidersprochen stehen.“ Wo er vorher weggelächelt hat, hält er jetzt dagegen. Was kann die Zivilgesellschaft tun? Sichtbar zu sein hat seinen Preis. Dekel wird bedroht. Als er vor einer Weile eine Straße in Berlin zu Fuß überqueren wollte, beschleunigte plötzlich ein Auto, das noch ein ganzes Stück weit weg gewesen war, raste plötzlich auf ihn zu. Kurz vor ihm bremste es abrupt ab, aus den heruntergelassenen Scheiben tönte palästinensische Musik. So ähnlich ist ihm das noch ein zweites Mal passiert, wie er der F.A.Z. berichtet. Angespuckt wurde er auch, vor der Synagoge wurde ihm aufgelauert von Leuten, die ihn am Vortag mit einem Auto verfolgt hatten. Und das sind nur die Vorfälle, die er selbst erlebt hat. „Aber das ist Alltag, das passiert allen. Meine Erfahrung ist nicht besonders einzigartig“, sagt Dekel im Gespräch mit der F.A.Z. Dekel vermisst Unterstützung. Die Vorfälle ereigneten sich oft abends, in belebten Umgebungen, „wo es Leute mitkriegen“, aber niemand interessiere sich dafür oder springe den Betroffenen bei. Er versteht, dass Beobachter Angst haben, selbst angegriffen zu werden, wenn sie dazwischengehen. Doch er wünscht sich von der Mehrheitsgesellschaft zumindest, dass sie sich zu jüdischem Leben in Deutschland bekennt. Dass Nichtjuden auf Demonstrationen für Juden gehen, und dass sie sich bewusst machen, wie Juden ihre Realität gerade wahrnehmen. Dass sie sich in den sozialen Medien informieren über antisemitischen Ressentiments, bei Schmierereien nicht wegschauen, vielleicht auch ihre eigene Biographie bearbeiten – sich also mit der NS-Vergangenheit der eigenen Familie auseinandersetzen. Viele Juden fühlen sich alleingelassen. Eine Befragung von mehr als hundert jüdischen Gemeinden durch den Zentralrat der Juden in Deutschland aus dem April belegt, dass zwei Drittel der Befragten sich unsicherer fühlen als früher. Unterstützung aus der Zivilgesellschaft vermissen viele: 2023 fühlten sich noch 62 Prozent der Juden von ihr unterstützt. In diesem Jahr gaben noch 35 Prozent an, diese Unterstützung wahrzunehmen. Viele ziehen sich daher eher in jüdische Strukturen zurück, nehmen stärker am Gemeindeleben teil als früher, wie die Befragung zeigt. Dort fühlen sie sich sicherer und verstanden. So erklären es Mitglieder der Community. Für Dekel hat dieser Befund zwei Ebenen der Enttäuschung: die persönliche, die der vielen Einzelfälle. Die Angriffe, die Hasskommentare. Die zweite Ebene der Enttäuschung ist die große gesellschaftliche Bühne: Dekel versteht nicht, wie die Gesellschaft verkennen kann, dass es bei Judenhass auch um Demokratie geht. „Wir haben gesehen, dass Hunderttausende aufstehen konnten, als das Remigrationstreffen der AfD bekannt wurde“, sagt er. Auf Demos gegen Antisemitismus sieht das anders aus. Da zählt eine Stadt wie Frankfurt am Main, die sich selbst gern „jüdischste Stadt Deutschlands“ nennt, 5000 Demonstranten bei einer Kundgebung gegen Judenhass. Und das ist eine, bei der großer Andrang herrschte. Judenhass aus vielen Richtungen Der Alltag ist nicht ohne antisemitische Vorfälle zu denken, sagt Dekel. Wenn man wie Dekel in einer bayerischen Kleinstadt aufgewachsen ist, kennt man Anfeindungen gegen Juden auch von früher. Hitlergrüße, die explizit ihm gezeigt werden, Trinksprüche wie „Ex oder Jude“ in seine Richtung. Neu sind judenfeindliche Taten nicht. Und sie kommen aus verschiedenen Richtungen. Der israelbezogene Antisemitismus herrscht jetzt vor, wie die Erlebnisse Dekels und die Erhebungen von RIAS zeigen. 807 der für 2025 verzeichneten antisemitischen Vorfälle hatten demnach einen rechtsextremen Hintergrund. Das sind neun Prozent aller Fälle. Dennoch markiert die Zahl den höchsten Wert seitdem die Informationsstelle diese erhebt. Auch in der AfD gibt es Antisemitismus. Vor allem im Zuge der Corona-Pandemie teilten viele Mitglieder und Funktionäre Verschwörungserzählungen über „globalistische Eliten“, etwa der Thüringer AfD-Chef Björn Höcke. Der Thüringer Landtagsabgeordnete Thomas Rudy teilte im Februar 2022 nach der Vollinvasion Russlands in die Ukraine auf Facebook einen Text, der mutmaßt, dass jüdische Verschwörer ganz Russland erobern wollten. Die Bundestagsabgeordnete Christina Baum teilte im gleichen Jahr einen Post, der einen Interviewschnipsel des früheren Bundespräsidenten Joachim Gauck neben ein Foto von ihm mit einer Kippa stellte. Es soll als Beleg für seinen angeblichen Hass auf Deutschland dienen. Gauck äußert sich in dem Interview negativ über NS-Deutschland. Im Zusammenschnitt wird dies jedoch nicht deutlich, ein Betrachter könnte denken, dass er den heutigen deutschen Staat ablehne. Die ganze Zeit ist daneben das Bild Gaucks eingeblendet, das ihn mit gesenktem Haupt und der Kippa beim Gedenken zeigt. Die AfD pocht stets darauf, dass dies Einzelfälle seien. Selbst im Gutachten des Verfassungsschutzes heißt es dazu: „Die festgestellten Äußerungen weisen in der Gesamtschau allerdings weder in der Anzahl noch in der Qualität der Beleg eine solche Intensität auf, dass für die Gesamtpartei AfD von einer vorherrschenden antisemitischen Prägung gesprochen werden kann.“ Die Häufung, mit der zumindest antisemitische Codes in den Reden von Funktionären verwendet werden, hinterlässt bei vielen Juden dennoch ein ungutes Gefühl. Auch für Ron Dekel ist klar: Die AfD sei eine „riesige Gefahr für Jüdinnen und Juden in Deutschland“. Wie sie abschneide am 6. September in Sachsen-Anhalt, spiele auch eine große Rolle für die Frage, ob man als Jude in Deutschland bleiben wolle.

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3. September
Die Welt (Politik)

So nah ist die AfD in Sachsen-Anhalt der absoluten Mehrheit

So nah ist die AfD in Sachsen-Anhalt der absoluten Mehrheit Der interaktive WELT-Rechner zeigt, wann AfD-Politiker Siegmund die absolute Mehrheit im Magdeburger Landtag hätte. Im Vergleich zu der aktuellsten Umfrage wäre dafür eine kleine Veränderung der Stimmanteile nötig. Klicken Sie hier, um sich Artikel von WELT in der Google-Suche bevorzugt anzeigen zu lassen. Wenige Tage sind es noch bis zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September. Laut einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Insa im Auftrag von „Nius“ kann die AfD am Sonntag auf 43 Prozent der Stimmen hoffen. Die CDU kommt demzufolge auf 22 Prozent. Drittstärkste Kraft wäre die Linke mit 12 Prozent. Im Landtag vertreten wären demnach auch die SPD (7 Prozent) und die Grünen (5). Das BSW (4) und die FDP (3) würden an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern. Doch wie würden sich die Mehrheitsverhältnisse verändern, wenn sich die Zustimmungswerte bis zum Wahltag noch verschieben? Und ab welchem Stimmenanteil könnte die AfD sogar allein über eine Mehrheit der Sitze im Landtag verfügen? Das können Sie mit unserem Wahl-Rechner selbst ausprobieren. Die Schieberegler sind zunächst mit den aktuellen Werten der Insa-Umfrage voreingestellt. Die Stimmenanteile aller Parteien lassen sich mit einem Klick nach Belieben verändern. Der Rechner zeigt die Sitzverteilung im Landtag – welche Koalitionen rechnerisch möglich wären. Besonders spannend ist dabei die Frage nach einer absoluten Mehrheit der AfD um Spitzenkandidat Ulrich Siegmund. Anders als oft angenommen, wären dafür nicht zwingend mehr als 50 Prozent der Stimmen nötig. Denn bei der Sitzverteilung werden Parteien, die an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern, nicht berücksichtigt. Je mehr Stimmen auf solche Parteien entfallen, desto stärker profitieren die Parteien, die in den Landtag einziehen. ++ Alle Entwicklungen zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt im Liveticker ++ In manchen Szenarien kann die AfD deshalb bereits mit deutlich weniger als 50 Prozent der Stimmen die Mehrheit der Sitze erringen. Sollten sich die Werte der Insa-Umfrage bewahrheiten, die Grünen allerdings – anders als in der Befragung – unter fünf Prozent bleiben, käme die AfD bereits rechnerisch auf eine absolute Mehrheit. Zusätzlich weist der Wahl-Rechner die rechnerischen Mehrheiten möglicher Koalitionen aus. So lässt sich auf einen Blick erkennen, welche Bündnisse eine parlamentarische Mehrheit erreichen würden und welche nicht. Das können sich auch mit unserem Koalitionsrechner sehen: Demnach wäre die CDU – sollte sie Stimmen der AfD weiterhin ausschließen – laut allen aktuellen Umfragen auf die Linkspartei angewiesen, um eine Mehrheit im Landtag zu haben. Bei einer anderen Umfrage hatte die AfD zuletzt niedriger und die CDU höher gelegen als die Insa. Laut der repräsentativen Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag des ZDF war die AfD auf 40 Prozent, die Christdemokraten von Ministerpräsident Sven Schulze auf 23 Prozent gekommen. Auch bei dieser Umfrage wären Linke, SPD und Grüne im Parlament sowie BSW und FDP draußen.

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3. September
Die Welt (Politik)

So nah ist die AfD in Sachsen-Anhalt der absoluten Mehrheit

So nah ist die AfD in Sachsen-Anhalt der absoluten Mehrheit Der interaktive WELT-Rechner zeigt, wann AfD-Politiker Siegmund die absolute Mehrheit im Magdeburger Landtag hätte. Im Vergleich zu der aktuellsten Umfrage wäre dafür eine kleine Veränderung der Stimmanteile nötig. Klicken Sie hier, um sich Artikel von WELT in der Google-Suche bevorzugt anzeigen zu lassen. Wenige Tage sind es noch bis zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September. Laut einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Insa im Auftrag von „Nius“ kann die AfD am Sonntag auf 43 Prozent der Stimmen hoffen. Die CDU kommt demzufolge auf 22 Prozent. Drittstärkste Kraft wäre die Linke mit 12 Prozent. Im Landtag vertreten wären demnach auch die SPD (7 Prozent) und die Grünen (5). Das BSW (4) und die FDP (3) würden an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern. Doch wie würden sich die Mehrheitsverhältnisse verändern, wenn sich die Zustimmungswerte bis zum Wahltag noch verschieben? Und ab welchem Stimmenanteil könnte die AfD sogar allein über eine Mehrheit der Sitze im Landtag verfügen? Das können Sie mit unserem Wahl-Rechner selbst ausprobieren. Die Schieberegler sind zunächst mit den aktuellen Werten der Insa-Umfrage voreingestellt. Die Stimmenanteile aller Parteien lassen sich mit einem Klick nach Belieben verändern. Der Rechner zeigt die Sitzverteilung im Landtag – welche Koalitionen rechnerisch möglich wären. Besonders spannend ist dabei die Frage nach einer absoluten Mehrheit der AfD um Spitzenkandidat Ulrich Siegmund. Anders als oft angenommen, wären dafür nicht zwingend mehr als 50 Prozent der Stimmen nötig. Denn bei der Sitzverteilung werden Parteien, die an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern, nicht berücksichtigt. Je mehr Stimmen auf solche Parteien entfallen, desto stärker profitieren die Parteien, die in den Landtag einziehen. ++ Alle Entwicklungen zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt im Liveticker ++ In manchen Szenarien kann die AfD deshalb bereits mit deutlich weniger als 50 Prozent der Stimmen die Mehrheit der Sitze erringen. Sollten sich die Werte der Insa-Umfrage bewahrheiten, die Grünen allerdings – anders als in der Befragung – unter fünf Prozent bleiben, käme die AfD bereits rechnerisch auf eine absolute Mehrheit. Zusätzlich weist der Wahl-Rechner die rechnerischen Mehrheiten möglicher Koalitionen aus. So lässt sich auf einen Blick erkennen, welche Bündnisse eine parlamentarische Mehrheit erreichen würden und welche nicht. Das können sich auch mit unserem Koalitionsrechner sehen: Demnach wäre die CDU – sollte sie Stimmen der AfD weiterhin ausschließen – laut allen aktuellen Umfragen auf die Linkspartei angewiesen, um eine Mehrheit im Landtag zu haben. Bei einer anderen Umfrage hatte die AfD zuletzt niedriger und die CDU höher gelegen als die Insa. Laut der repräsentativen Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag des ZDF war die AfD auf 40 Prozent, die Christdemokraten von Ministerpräsident Sven Schulze auf 23 Prozent gekommen. Auch bei dieser Umfrage wären Linke, SPD und Grüne im Parlament sowie BSW und FDP draußen.

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3. September
FAZ (Wirtschaft)

Wahl in Sachsen-Anhalt: Wo die AfD besonders leichtes Spiel hat

Wo die AfD besonders leichtes Spiel hat Vor etwas mehr als 20 Jahren ging der amerikanische Historiker Thomas Frank der Frage nach, warum sich in seiner Heimat, dem US-Bundesstaat Kansas, viele Wähler aus der Arbeiterklasse der konservativen Partei angeschlossen haben. „Was ist bloß mit Kansas los?“, fragte er mit Blick auf den Erfolg der Republikaner, die seit dem Jahr 1964 keine Präsidentschaftswahl mehr in Kansas verloren haben, obwohl ihre Politik nach Einschätzung von Frank den wirtschaftlichen Interessen vieler Wähler in dem Bundesstaat zuwiderläuft.. Vor der anstehenden Landtagswahl in Sachsen-Anhalt lässt sich eine ähnliche Frage stellen. Denn die AfD liegt in Umfragen stabil über der Marke von 40 Prozent. Auch eine absolute Mehrheit und eine Alleinregierung der Rechtspopulisten sind möglich. Dabei würden die Pläne der Partei nach Einschätzung von Ökonomen der Wirtschaft in dem Flächenland schaden und könnten bei den Wählern zu Einkommensverlusten führen. Die jüngste Studie dazu kommt vom Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), das die Folgen eines Politikwechsels in Sachsen-Anhalt für den Arbeitsmarkt berechnet hat. Die Wirtschaftsforscher gehen davon aus, dass die angekündigte Remigrationspolitik und die Ablehnung „kulturfremder Fachkräfte“ durch die AfD das Angebot an Arbeitskräften in Sachsen-Anhalt verringern würden. Die damit verbundenen Wertschöpfungsverluste für die nächsten fünf Jahre beziffert das IWH auf etwas mehr als drei Milliarden Euro oder insgesamt rund vier Prozent der jährlichen Bruttowertschöpfung von 74 Milliarden Euro. Um auf dem Arbeitsmarkt die Lücken zu schließen, die aufgrund der demographischen Entwicklung entstehen, müsse Sachsen-Anhalt in Zukunft noch attraktiver für Arbeitskräfte aus dem Ausland werden, sagt IWH-Präsident Reint Gropp. „Die AfD macht aber genau das Gegenteil“, sagt er. Die Bevölkerung Sachsen-Anhalts weist das höchste Durchschnittsalter unter allen Bundesländern aus. Fast ein Drittel der Erwerbsbevölkerung ist älter als 55 Jahre. Bis 2035 schrumpft sie laut Prognosen um zwölf Prozent. Die Politik der Rechtspopulisten schade dort am meisten, wo sie ihre besten Wahlergebnisse erzielen, stellt Gropp fest. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin ist diesem „AfD-Paradox“ schon länger auf der Spur: Gerade dort, wo die strukturellen Probleme und die Unterstützung für die AfD groß sind, würden die Rechtspopulisten die bestehenden Probleme mit ihrer Politik noch verschärfen, heißt es in der jüngsten Studie des DIW dazu. Den Nachweis erbringen die Wirtschaftsforscher mit der Simulation von wirtschaftlichen Schocks, die mit der von der AfD propagierten Politik auf Bundesebene verbunden wären. „Wir haben vier Schocks simuliert: Einen Austritt aus der EU, einen Austritt aus dem Euroraum, Remigration in Verbindung mit Abwanderung und einen verlangsamten Ausbau der erneuerbaren Energien“, sagt DIW-Präsident Marcel Fratzscher. Die wirtschaftlichen Folgen wären in den Regionen besonders groß, wo die AfD in Wahlen zuletzt besonders stark abgeschnitten hat oder in Umfragen vorn liegt. „Sachsen-Anhalt verdeutlicht dieses Muster anschaulich“, schreibt das DIW mit Blick auf die anstehende Landtagswahl. Hohe Verwundbarkeit für externe Schocks Das Bundesland sei älter, strukturschwächer und stärker von kleineren Unternehmen geprägt als der Bundesdurchschnitt und deshalb durch wirtschaftliche Krisen verwundbarer. „Anderen Regionen würde es leichter fallen, sich nach einem Schock neu zu orientieren“, erklärt Fratzscher. In der DIW-Simulation würden die realen Einkommen in Sachsen-Anhalt um mehr als sechs Prozent und damit 50 Prozent stärker als im Bundesdurchschnitt sinken. In den Landkreisen mit den höchsten AfD-Ergebnissen bei der Bundestagswahl – Mansfeld-Südharz, Burgenlandkreis und Salzlandkreis – fallen die Einkommensverluste in der Simulation noch größer aus. Um einen Austritt aus der EU oder aus dem Euroraum zu erwirken, reicht es nicht, eine Landtagswahl zu gewinnen. „Aber auch auf Landesebene kann viel passieren, der Wert ist deshalb eine gute Approximation“, sagt Fratzscher über die wirtschaftlichen Folgen für den Fall, dass die Rechtspopulisten ihr Programm in Sachsen-Anhalt umsetzen können. Die Remigration von Flüchtlingen ist Teil des 100-Tage-Programms, das die AfD gleich nach einem Regierungswechsel in Magdeburg realisieren möchte. Warum wenden sich trotz der erwartbaren negativen wirtschaftlichen Folgen so viele Wähler in Sachsen-Anhalt der AfD zu? Das DIW selbst liefert mit seiner Analyse der Bundestagswahlergebnisse 2025 einen Teil der Antwort. Wirtschaftliche Faktoren wie das verfügbare Einkommen oder die Arbeitslosigkeit sind für die Stärke der AfD demnach zwar relevant, spielen bei der Erklärung regionaler Unterschiede in den Wahlergebnissen aber nur eine untergeordnete Rolle. Demographie bestimmt die Stärke der AfD Auch das Thema Migration spielt – wenn überhaupt – eine untergeordnete Rolle, zumindest was die beobachtbaren Fakten betrifft. Wo es einen Zusammenhang gibt, fiel er zuletzt überraschend aus: Vor allem in Ostdeutschland hat die AfD bei der Bundestagswahl 2025 gerade dort stärker abgeschnitten, wo der Ausländeranteil besonders niedrig ist. Der wichtigste Faktor ist die Demographie. „Dort, wo junge, gut qualifizierte Menschen weggehen, ist der Zweitstimmenanteil der AfD substanziell höher“, sagt Fratzscher. Dieser Zusammenhang lasse sich zum Beispiel anhand der AfD-Ergebnisse in Landkreisen mit einem höheren Anteil von Menschen im Alter von mindestens 60 Jahren oder in Kreisen mit geringer Abiturquote nachweisen. Mit acht sozioökonomischen Strukturmerkmalen ließen sich bei der Bundestagswahl laut DIW insgesamt 85 Prozent der regionalen Unterschiede beim Zweitstimmenanteil der AfD erklären. Dabei hätten die strukturellen Unterschiede zwischen den verschiedenen Regionen bei der Wahl im Jahr 2025 einen deutlich größeren Einfluss auf das Wahlverhalten gehabt als vier Jahre zuvor. „Die Größe der Effekte hat für die meisten Variablen zugenommen“, sagt Fratzscher. Das sei ein Zeichen für eine wachsende Polarisierung. Auch Emotionen schaffen einen Nutzen Für die Politik folge aus diesen Befunden, dass sie den falschen Fokus setze, wenn sie sich auf Migration und ökonomische Fragen verenge, sagt Fratzscher. Wo junge Menschen abwandern, gebe es vor allem einen Mangel an Perspektive. „Kneipen und Geschäfte schließen, Schulklassen und Krankenhäuser werden zusammengelegt, die Infrastruktur wird ausgedünnt“, beschreibt der Ökonom die Symptome der Perspektivlosigkeit, die in strukturschwachen Landkreisen für Frustration sorgen. Auch für IWH-Präsident Gropp stehen ökonomische Beweggründe vor der Wahlentscheidung in Sachsen-Anhalt nicht im Vordergrund. „Offenbar werden andere Faktoren höher gewichtet, es geht in diesem Wahlkampf sehr stark um das Lebensgefühl und andere emotionale Dinge“, sagt der Ökonom. Der AfD gelinge es besser als anderen Parteien, die Menschen auf dieser Ebene anzusprechen. „Damit schafft die AfD für ihre Wähler zwar kein zusätzliches Einkommen, aber sehr wohl einen Nutzen“, sagt Gropp. Der Historiker Thomas Frank kam vor mehr als 20 Jahren im Falle von Kansas zu einem ähnlichen Schluss. Den Republikanern sei es gelungen, mit emotional aufgeladenen Themen wie Abtreibung und Migration Wähler an sich zu binden, deren wirtschaftliche Interessen bei anderen Parteien besser aufgehoben wären, lautete eine seiner Thesen. Donald Trump hat in Kansas bei seinen drei Anläufen auf die US-Präsidentschaft dreimal gewonnen. Über die politischen Kräfteverhältnisse in dem Bundesstaat im Mittleren Westen und die Emotionalisierung der Politik wundert sich schon lange niemand mehr.

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3. September
Die Welt (Politik)

„Wenn in Deutschland Radikale zulegen, muss das interessieren“ – darum fürchtet Polen den AfD-Sieg

„Wenn in Deutschland Radikale zulegen, muss das interessieren“ – darum fürchtet Polen den AfD-Sieg Die Aussicht auf einen AfD-Sieg in Sachsen-Anhalt sorgt in Polen für Nervosität. Experten und Diplomaten warnen vor neuen Belastungen für die deutsch-polnischen Beziehungen. Eine Sorge steht dabei im Mittelpunkt. Klicken Sie hier, um sich Artikel von WELT in der Google-Suche bevorzugt anzeigen zu lassen. Radoslaw Sikorski ist nie um klare Worte verlegen: Würde Deutschland aus dem Schengen-Raum austreten, dann hätte das „ernste Konsequenzen“ auch für Polen. Der polnische Außenminister bezog sich damit auf Aussagen der AfD-Vorsitzenden Alice Weidel. Sie hatte zuvor in einem Interview mit dem ZDF gesagt, sie würde einen Austritt Deutschlands aus der Gruppe von Staaten in Europa, die unter sich in der Regel keine Personenkontrollen an den Grenzen durchführen, unterstützen. Dass der polnische Außenminister Stellung zu den Aussagen einer deutschen Oppositionspolitikerin bezieht, hat einen Grund: die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September. Es ist zu erwarten, dass die AfD aus der Wahl als die mit Abstand stärkste politische Kraft in dem Bundesland hervorgeht. Möglich ist gar, dass sie mehr als die Hälfte der Sitze im Landtag holt und die Regierung in Magdeburg stellen kann. In Polen blicken Beobachter daher mit erhöhter Aufmerksamkeit auf die AfD im Allgemeinen, auf Sachsen-Anhalt im Speziellen. Mehrere polnische Medien haben Korrespondenten ins ostdeutsche Bundesland geschickt, obwohl polnische Verlage ihr Korrespondentennetz stark verkleinert haben – eigentlich werden Berichterstatter lediglich zu Großereignissen wie Wahlen in den USA entsandt. Viele polnische Politiker und Experten äußern sich zur AfD und mutmaßen darüber, was der Aufstieg der Partei für Polen bedeutet. Und der Ausblick ist durchweg negativ. Polen schwankt zwischen historischen Ängsten, der Sorge vor wirtschaftlichen Folgen im Fall einer AfD-Regierung und der Befürchtung, ein Opfer der Russlandnähe der Partei zu werden. Letzteres steht in der polnischen Wahrnehmung klar im Vordergrund. Viel eindeutiger als in Deutschland werden in Polen Verbindungen der AfD nach Moskau und Forderungen der Partei, die Ukraine-Hilfen zurückzufahren, eingeordnet. Das Bild, das die AfD in Polen abgibt, fügt sich in das in der polnischen Gesellschaft immer noch latent vorhandene Misstrauen gegenüber Deutschland ein. Der Grund dafür ist Deutschlands gescheiterte Russlandpolitik, insbesondere der Bau der Gaspipelines Nord Stream 1 und 2. Die AfD steht aus polnischer Sicht für all das, was Deutschland eigentlich hinter sich lassen sollte. „Wenn in Deutschland Radikale zulegen und diese Leute auch noch Russland nahe stehen, dann muss das Polen interessieren“, sagt Patrycja Tepper im Gespräch mit WELT. Die Expertin für Parteien in Deutschland koordiniert das Projekt „Populismus und radikale Gruppierungen in Deutschland“ bei der Denkfabrik Institut für Weststudien in Posen. „Wird nicht als Regionalwahl betrachtet“ Tepper ist Autorin eines Arbeitspapiers, in dem sie drei wesentliche Risiken für Polen nach einem AfD-Wahlsieg in Sachsen-Anhalt definiert: eine eingeschränkte Handlungsfähigkeit der Nato, eine Zunahme von russischem Einfluss in Deutschland und eine Destabilisierung der Bundesregierung. „Die Frage ist, wie es mit der ‚Brandmauer‘ weitergeht, wie andere Parteien und speziell die CDU sich nach einem Wahlerfolg der AfD in Sachsen-Anhalt verhalten werden“, erklärt Tepper. Es sei unklar, ob die AfD künftig, so wie jetzt, weiterhin isoliert werden könne. Unklar sei auch, wie sich das Ergebnis auf die Stellung von Kanzler Friedrich Merz auswirken werde und wie sehr es ihn schwäche. Wie entschlossen die Bundesregierung die Ukraine unterstütze und ob sie bereit sei, Russlands hybridem Krieg gegen Europa entgegenzutreten, hängt also auch vom Einfluss der AfD auf die Bundespolitik ab. „In Polen wird die Wahl in Sachsen-Anhalt nicht nur als Regionalwahl betrachtet, sondern als Signal dafür, in welche Richtung sich Deutschland entwickelt“, sagt Tepper. Hinzu komme, dass die AfD im Kontext der deutschen Geschichte betrachtet werden müsse. Ein polnischer Diplomat, der anonym bleiben möchte, erzählt, in Warschau herrsche große Sorge, dass das Geschichtsbild in Deutschland durch die AfD verzerrt werde. Begriffe wie „Schuldkult“, wie er von mehreren AfD-Politikern gebraucht wurde, und die Aussagen des Thüringer AfD-Vorsitzenden Björn Höcke über das Mahnmal für die ermordeten Juden Europas als „Denkmal der Schande“ deuten nach Ansicht des Diplomaten darauf hin, dass die Partei versucht, die Geschichte Nazi-Deutschlands zu relativieren. In Sachsen-Anhalt könnte sich das nach einem AfD-Sieg in der Bildungspolitik niederschlagen und sich zum Beispiel im Lehrmaterial an Schulen zeigen. „Wie sieht man in der AfD den Überfall auf Polen, Auschwitz und die Niederschlagung des Warschauer Aufstands?“, fragt der Diplomat. Auch schließt er nicht aus, dass die AfD eine Diskussion über die deutsch-polnische Grenze anstrebt. Von „Ostgebieten“, also Territorium, das nach dem Zweiten Weltkrieg Polen zugeschlagen wurde, ist zwar im politischen Mainstream in Deutschland schon lange nicht mehr die Rede. Aber die Rhetorik der AfD und der wachsende Erfolg der Partei haben in Polen offenbar alte Ängste geweckt. Es ist ein Thema, das das deutsch-polnische Verhältnis vergiften würde. Wahrgenommen wurden in Polen auch Aussagen des kulturpolitischen Sprechers der AfD-Landtagsfraktion in Magdeburg, Hans-Thomas Tillschneider. Er schrieb 2025 auf X: „Habe ich schon mal gesagt, dass mir Polen seit geraumer Zeit richtig auf die Nerven gehen? Kaum noch ein Unterschied zur Ukraine.“ Zudem setzte sich Tillschneider dafür ein, dass die Stadt Querfurt in seinem Wahlkreis die Städtepartnerschaft mit dem polnischen Gizycko aufhebt – wohl weil ihm polnische Wiedergutmachungsforderungen für deutsche Verbrechen während des Zweiten Weltkriegs ein Ärgernis sind. Stattdessen unterstützt der Abgeordnete eine Städtepartnerschaft mit dem russischen Rostow am Don. Angst vor Russlandnähe der AfD In Polen haben auch Bilder von einer Tasse mit einem Emblem der russischen Armee in Tillschneiders Wahlkreisbüro die Runde gemacht. Entdeckt wurde sie dort bei einem Besuch von Paul Ronzheimer, Journalist beim Axel Springer Global Reporters Network. Tillschneider wird für den Fall eines AfD-Siegs als Bildungs- oder Kultusminister in Sachsen-Anhalt gehandelt. Dennoch wird Polen einen Umgang mit der AfD finden müssen – und die AfD mit Polen. Denn das boomende Land ist der größte Abnehmer von Exporten aus Sachsen-Anhalt und damit der wichtigste Handelspartner. Allein deswegen gibt es einen regen Austausch. „Ich weiß, dass einige polnische Politiker jetzt schon Kontakte in die AfD suchen“, sagt Expertin Tepper. „Diese Leute denken, die AfD sei eine Partei wie noch vor einigen Jahren. Das ist sie nicht mehr, sie ist viel radikaler.“ Aber auch das Verhältnis der AfD zu Polen ist keineswegs eindeutig. Vielen in der Partei gilt Polen wegen einer als restriktiv empfundenen Migrationspolitik als Vorbild. Jemand, der für eine Öffnung in Richtung Warschau steht, ist der AfD-Europaabgeordnete Tomasz Froelich. Er spricht Polnisch und tritt regelmäßig in polnischen Medien auf. Dabei wählt er eine Sprache, die bei Nationalisten oder im rechten Lager ankommt. Expertin Tepper geht davon aus, dass Froelich die Nähe zur Konfederacja suche. Die rechtsextreme Partei gilt als antiukrainisch – ein Anknüpfungspunkt zur AfD. Tepper fasst es so zusammen: „Aus meiner Sicht stellt die AfD aufgrund ihrer Russlandnähe eine direkte Gefahr für Polens Sicherheit dar.“ Philipp Fritz berichtet im Auftrag von WELT seit 2018 als freier Korrespondent in Warschau über Ost- und Mitteleuropa.

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3. September
Neues Deutschland

Landtagswahl Sachsen-Anhalt | Widerstand im Apparat in Sachsen-Anhalt

- Politik - Landtagswahl Sachsen-Anhalt Widerstand im Apparat in Sachsen-Anhalt Beamte und Verwaltungsmitarbeiter bereiten sich auf rechte Regierungen vor. Ein Wahlerfolg der AfD hätte für Menschen, die für den Staat arbeiten, besondere Auswirkungen. Die AfD Sachsen-Anhalt kündigt in ihrem »Regierungsprogramm« etwa einen Umbau des Bildungssystems an. Auch die Aussagen von Ulrich Siegmund, dass er migrantisch Gewerbetreibenden das Leben mit Kontrollen möglichst unangenehm machen will, klingt nicht nach Rechtsstaat und geordneten Abläufen. Es macht also Sinn, dass sich diejenigen, die demnächst die Politik der extremen Rechten umsetzen sollen, Gedanken darüber machen, was zu tun ist, wenn der Staat zu weit geht. Einer, der das kürzlich getan hat, ist Sven Hüber, als stellvertretender Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei verfasste er in deren Mitgliedermagazin einen Beitrag mit dem Titel »Richtig Nein sagen«. In dem langen Text macht Hüber klar, dass er die AfD für verfassungsfeindlich hält. Von einem AfD-Innenminister erwartet Hüber folgerichtig verfassungsfeindliche Anweisungen. Darauf müsse man vorbereitet sein, erklärt Hüber und verweist auf die Remonstrationspflicht: Die Pflicht, bei Bedenken gegen die Rechtmäßigkeit einer Anordnung diese unverzüglich zu äußern. Sven Hübers Beitrag kam nicht gut an. Die Ablehnung der AfD war vielen GdP-Mitgliedern zu scharf. Rechte Medien warfen Hüber außerdem die Misshandlung eines Mauerflüchtlings in seiner Zeit als Offizier der DDR-Grenztruppen vor. Am 26. August trat Hüber vom Amt des stellvertretenden GdP-Vorsitzenden zurück. Auch unter Lehrerinnen und Pädagoginnen macht man sich Sorgen über zunehmende Einschüchterungen. Am 1. September hat das Bündnis »Schule zeigt Haltung«, an dem unter anderem die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) beteiligt ist, eine Petition mit über 250 000 Unterschriften an die Kultusministerkonferenz übergeben. Die Petition fordert klaren Rückhalt für Lehrkräfte, die sich an Schulen gegen Diskriminierung und Einschüchterungsversuche einsetzen. Das Bündnis kritisiert, dass autoritäre Kräfte das staatliche Neutralitätsgebot gezielt missbrauchen, um politisches Engagement und Demokratiebildung etwa durch Meldeportale oder Bedrohungen zu erschweren. Um Lehrkräfte bei ihrem demokratischen Bildungsauftrag zu stärken, fordert das Bündnis Leitlinien, die das Eintreten für das Grundgesetz und Menschenrechte ausdrücklich einfordern. Zudem brauche es transparente Beratungs- und Hilfsangebote, praxisnahe Unterstützung wie Fortbildungen und mehr Ressourcen für eine demokratische Schulentwicklung. Zusätzlich hat das Bündnis die Broschüre »Mythos Neutralität« veröffentlicht, die Lehrer*innen und pädagogischem Personal praktische Orientierung bei Konflikten im Schulalltag geben soll. Die Broschüre will Lehrkräfte ermutigen, »eine demokratische menschenrechtsorientierte Haltung einzunehmen – sachlich, fundiert und im Einklang mit dem staatlichen Bildungsauftrag«. Zu den Mitautoren der Broschüre gehört Paul Anton König vom Verein »Verwaltung für Demokratie«. Der erst 2025 gegründete Verein sieht die Verwaltung als Ziel von antidemokratischen Angriffen und vermisst eine Auseinandersetzung darüber, wie die Verwaltung ihre Pflicht zur Verfassungstreue wahrnehmen kann, ohne Zweifel an ihrer parteipolitischen Neutralität aufkommen zu lassen. Verwaltung sei eine »kritische Infrastruktur der Demokratie«, die gestärkt und geschützt werden müsse. Um Verwaltungsmitarbeiter*innen zu stärken, hat der Verein im vergangenen Jahr einen »Erste-Hilfe-Kit Demokratie« veröffentlicht. Darin enthalten sind Erläuterungen zum Hinweisgeberschutzgesetz und zur Remonstrationspflicht, außerdem Checklisten zu Begriffen wie Neutralitätspflicht und Verfassungstreue und was sie im Alltag für Verwaltungsmitarbeiter*innen bedeuten. Aktuell sammelt der Verein Angriffe auf die Verwaltung und will sie dokumentieren, analysieren und rechtlich bewerten. Das langfristige Ziel von »Verwaltung für Demokratie« ist es, ein Netzwerk von Demokratieschützer*innen aus allen Verwaltungseinheiten und -ebenen aufzubauen. Wir haben einen Preis. Aber keinen Gewinn. Die »nd.Genossenschaft« gehört den Menschen, die sie ermöglichen: unseren Leser*innen und Autor*innen. Sie sind es, die mit ihrem Beitrag linken Journalismus für alle sichern: ohne Gewinnmaximierung, Medienkonzern oder Tech-Milliardär. Dank Ihrer Unterstützung können wir: → unabhängig und kritisch berichten → Themen sichtbar machen, die sonst untergehen → Stimmen Gehör verschaffen, die oft überhört werden → Desinformation Fakten entgegensetzen → linke Debatten anstoßen und vertiefen Jetzt »Freiwillig zahlen« und die Finanzierung unserer solidarischen Zeitung unterstützen. Damit nd.bleibt.

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3. September
Wirtschaftswoche

Wahl in Sachsen-Anhalt: Kann die AfD allein regieren? So sehen die Umfragen vor der Wahl aus

Wahl in Sachsen-Anhalt: Kann die AfD allein regieren? So sehen die Umfragen vor der Wahl aus Seit Längerem erzielt die rechte Partei vor allem in Ostdeutschland hohe Wahlergebnisse, auch auf Landesebene. Bei der vergangenen Bundestagswahl wurde die AfD zweitstärkste Kraft. Dennoch kam sie bisher noch nicht in Regierungsverantwortung. In Sachsen-Anhalt könnte sich das erstmals ändern. So kam die AfD in der neuesten Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag des ZDF auf 40 Prozent. Die Christdemokraten von Ministerpräsident Sven Schulze liegen bei 23 Prozent. Der deutliche Vorsprung der AfD vor der CDU in der Umfrage deckt sich mit den Erhebungen anderer Institute. In einer Umfrage der INSA im Auftrag von „NIUS“ liegt die AfD sogar bei 43 Prozent. Die CDU konnte in dieser Umfrage nur noch 22 Prozent der Stimmen gewinnen. Die Linke liegt je nach Umfrage zwischen 11 und 13 Prozent. Knapp dürfte es für Grüne, FDP und sogar SPD werden. Die SPD bekommt in den neuesten Umfragen zwischen 7 und 9 Prozent der Stimmen. Die Grünen wären mit 5 bis 6 Prozent gerade so im Landtag. Je nach Umfrage könnten sie die Fünf-Prozent-Hürde sogar verpassen. Das BSW zieht wahrscheinlich nicht in den Landtag ein, in den Umfragen kommt es auf 3 bis 4 Prozent der Stimmen. Ebenso wie die FDP, die nur auf 3 Prozent kommt.  Blickt man auf die Daten, so könnte die AfD auch ohne Koalitionspartner in Regierungsverantwortung kommen. Wie viel Prozent sie dafür benötigt, hängt von der Sitzverteilung ab und davon, wie viele Parteien über die sogenannte Fünf-Prozent-Hürde kommen. Ausgeschlossen ist eine Alleinregierung der AfD nach jüngsten Umfragen nicht gänzlich. AfD-Alleinregierung als Hauptthema Eine mögliche Regierungsbeteiligung der AfD bewegt Deutschland – Bürger wie Unternehmen. Für die Wirtschaft könnte eine AfD-Regierung zum Problem werden, sagt der Magdeburger Unternehmer und IHK-Vize Carsten Transfeld. Im Interview mit der WirtschaftsWoche warnt er vor dem „Magdeburger Modell“. Nach der Wende regierte in Sachsen-Anhalt die SPD mit der SED‑Nachfolgepartei PDS. „Damals wurde Sachsen-Anhalt systematisch ausgegrenzt und von wirtschaftlichen Entwicklungen abgekoppelt“, erklärt Transfeld. Mit einer von der AfD geführten Landesregierung könne sich das über dreißig Jahre später wiederholen, warnt er. Allein die Möglichkeit der wirtschaftlichen Abkopplung schreckt Investoren ab. Der IHK-Vize ist sich sicher, „dass es Investoren gibt, die Sachsen-Anhalt als Standort für ihre Projekte eigentlich interessant finden, aber inzwischen abwarten, wie die Wahl ausgeht und welche politische Konstellation sich daraus ergibt.“ Forschungsfreiheit bedroht Auch hätte eine AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt großen Einfluss auf die Bildungs- und Hochschulpolitik. So möchte die AfD die Universitäten weniger abhängig von Drittmitteln für ihre Forschungen machen. Was zunächst positiv klingt, könnte aber zu einer größeren Abhängigkeit der Forschung von Ländermitteln führen. Dadurch könnte die AfD in Sachsen-Anhalt darüber entscheiden, woran geforscht werden soll und woran nicht. „In den USA sehen wir bereits, wie politische Einflussnahme konkret aussieht“, mahnt Bettina Rockenbach, die Präsidentin der Leopoldina, gegenüber der WirtschaftsWoche. Ein großer Teil der Wirtschaft in Sachsen-Anhalt hängt von der Chemieindustrie ab. Eine Einschränkung der Forschungsfreiheit könnte aber gerade für diese negative Konsequenzen haben. Wenn Forschung nicht gefördert wird, kann das Universitäten besonders für junge Talente unattraktiv machen. Innovationen und Investitionen könnten dann ausbleiben. Ostdeutschland fehlen Arbeitskräfte Sachsen-Anhalt ist das älteste Bundesland. Laut dem Demografie-Portal des Bundes und der Länder lag der Altersdurchschnitt 2024 bei 48 Jahren. Das sind drei Jahre über den vom Statistischen Bundesamt ermittelten deutschlandweiten Schnitt. Weniger junge Menschen bedeuten auch weniger Menschen im erwerbsfähigen Alter. Laut dem IW‑Institut ist auch dieser Anteil in Sachsen-Anhalt mit 62,3 Prozent besonders niedrig. Zum Vergleich: Bundesweit liegt der Anteil der Erwerbsfähigen bei rund 66 Prozent. Einwanderung aus dem Ausland wirkt diesem Trend bisher entgegen. Mittlerweile sind 10 Prozent der ostdeutschen Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter nicht in Deutschland geboren. Die AfD in Sachsen-Anhalt sieht Einwanderung als generelles Problem. Den demografischen Wandel bezeichnet sie im Wahlprogramm als „Aussterben des deutschen Volkes“. Die Partei beschreibt die Zuwanderung von Fachkräften sogar als ein „Risiko für die Innere Sicherheit“, das sich nicht „durch Integrationskurse“ lösen lasse. Ebenso wird ein Ende der „Willkommenspropaganda“ gefordert und wiederholt von „kulturfremden Fachkräften“ geschrieben. So denken 80 Prozent der Sachsen-Anhalter mit Migrationsgeschichte darüber nach, bei einem AfD-Wahlsieg wegzuziehen. Zu dem Ergebnis kam das Landesnetzwerk Migrationsorganisationen in Magdeburg bei einer Umfrage im Juni. Abwanderungen und keine weitere Einwanderung aus dem Ausland sorgen jedoch für unbesetzte Stellen. Diese wiederum führen besonders bei Dienstleistungsberufen, wie im Handwerk oder der Pflege, zu einer unzureichenden Versorgung. Sachsen-Anhalt wäre dann wahrscheinlich auch für Menschen ohne Migrationsgeschichte unattraktiver. Wie die Landesregierung in Sachsen-Anhalt künftig aussehen wird, zeigt sich am Wahlabend. Schaffen es Grüne und SPD in den Landtag, ist eine Alleinregierung der AfD unwahrscheinlich. Auch einen  Koalitionspartner für die AfD wird es wahrscheinlich nicht geben. So spricht sich der derzeitige Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) gegen eine Koalition mit der AfD aus. Auch eine Zusammenarbeit mit der Linken schließt er aus. Dieser Artikel wurde erstmals am 24. August 2026 veröffentlicht. Wir zeigen ihn aufgrund des Leserinteresses erneut. Lesen Sie auch: Was passiert, wenn die AfD gewinnt

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2. September
Die Welt (Politik)

AfD kommt in Sachsen-Anhalt auf 43 Prozent – Siegmund liegt bei Direktwahl-Frage vor Schulze

AfD kommt in Sachsen-Anhalt auf 43 Prozent – Siegmund liegt bei Direktwahl-Frage vor Schulze In wenigen Tagen wählt Sachsen-Anhalt und die AfD liegt stabil mehr als 20 Prozentpunkte vor der Union. Auch ihr Kandidat Siegmund ist laut einer Insa-Umfrage beliebter als der Amtsinhaber Schulze. Klicken Sie hier, um sich Artikel von WELT in der Google-Suche bevorzugt anzeigen zu lassen. Die AfD kann nach einer neuen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Insa im Auftrag von „Nius“ bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am Sonntag auf 43 Prozent der Stimmen hoffen. Das ist ein Prozentpunkt mehr als bei der vorherigen von „Nius“ in Auftrag gegebenen Insa-Umfrage von Anfang Juli. Die CDU verliert einen Punkt und kommt demzufolge auf 22 Prozent. Drittstärkste Kraft wäre die Linke mit 12 Prozent – ebenfalls ein Punkt weniger als vor zwei Monaten. Der Abstand zwischen AfD und CDU in Sachsen-Anhalt beträgt damit 21 Prozentpunkte. Alle News zur Landtagswahl lesen Sie in unserem Liveticker. Leicht zulegen konnten hingegen die SPD und die Grünen um jeweils einen Punkt. Sie wären demnach mit sieben Prozent (SPD) und fünf Prozent (Grüne) im Landtag vertreten. Das BSW und die FDP verlieren jeweils einen Punkt und würden an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern. Alle anderen Parteien kämen zusammen auf rund 4 Prozent. Die Umfragewerte im Überblick: - AfD: 43 Prozent: (+1) - CDU: 22 Prozent (-1) - Linke: 12 Prozent (-1) - SPD: 7 Prozent (+1) - Grüne: 5 Prozent (+1) - BSW: 4 Prozent (-1) - FDP: 3 Prozent (-1) Bei einer anderen Umfrage hatte die AfD zuletzt niedriger und die CDU höher gelegen. Laut der repräsentativen Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag des ZDF war die AfD auf 40 Prozent, die Christdemokraten von Ministerpräsident Sven Schulze auf 23 Prozent gekommen. Auch bei dieser Umfrage wären Linke, SPD und Grüne im Parlament sowie BSW und FDP draußen. Zuletzt hatte eine Werbeaktion des Vereins Campact für Aufsehen gesorgt, in der dazu aufgerufen wird, SPD und Grüne zu wählen, um eine absolute Mehrheit der AfD zu verhindern. Sollte beiden Parteien der Wiedereinzug in den Landtag gelingen, ist eine absolute Mehrheit an Sitzen für die AfD weniger wahrscheinlich. Insa fragte außerdem, wie sich die Wähler entscheiden würden, wenn sie den Ministerpräsidenten direkt wählen könnten. Dabei gaben 39 Prozent den AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund an, 28 Prozent Amtsinhaber Sven Schulze von der CDU. Wahlumfragen sind generell immer mit Unsicherheiten behaftet. Unter anderem erschweren nachlassende Parteibindungen und immer kurzfristigere Wahlentscheidungen den Meinungsforschungsinstituten die Gewichtung der erhobenen Daten. Grundsätzlich spiegeln Umfragen nur das Meinungsbild zum Zeitpunkt der Befragung wider und sind keine Prognosen für den Wahlausgang. Insa befragte 1000 Personen online vom 26. August bis zum 1. September. Die Fehlertoleranz liegt bei 3,1 Prozentpunkten.

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2. September
Handelsblatt

Vor Landtagswahl: Deutsche-Bank-Chef warnt vor populistischen Parteien

Vor Landtagswahl: Deutsche-Bank-Chef warnt vor populistischen Parteien Frankfurt/Main. Deutsche-Bank-Chef Der Landesverband der AfD in Sachsen-Anhalt wird vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft. In Umfragen zur Wahl an diesem Sonntag (6.9.) liegt die AfD mit großem Abstand vor allen anderen Parteien, auch eine absolute Mehrheit ist demnach nicht ausgeschlossen. Er hoffe „persönlich darauf, dass das nicht passiert“, sagte Sewing. Aus Gesprächen mit Investoren wisse er, dass viele große Sorge haben vor einem solchen Wahlausgang. „Ich sage nicht, dass am Montag alle Investitionsentscheidungen zurückgedreht werden. Aber es wird den Blick auf Deutschland sehr, sehr ändern.“ „Abschottung und Nationalismus lösen keine Probleme“ Sewing betonte, er halte den Weg einer Partei, die Abschottung und Nationalismus möchte, „für absolut falsch für Deutschland“. Ein Ausstieg aus dem Euro wäre „Gift für den deutschen Wohlstand“. Der Manager warnte: „Abschottung, Nationalismus und das Schüren von Misstrauen lösen kein einziges unserer Probleme. Vielmehr schwächt all das den Standort, schreckt Investitionen und Fachkräfte ab und gefährdet das Wichtigste, was wir jetzt brauchen, nämlich Wachstum.“ Gerade jetzt sei Wachstum entscheidend: „Es sichert Wohlstand, ermöglicht Aufstieg und stärkt den gesellschaftlichen Zusammenhalt.“ Ohne Wachstum würden Verteilungskonflikte härter, staatliche Spielräume enger und das Vertrauen in die Handlungsfähigkeit der Demokratie schwächer. „Die Wahlen treffen auf eine polarisierte Gesellschaft und eine politische Mitte unter Druck“, sagte Sewing. „Das Ergebnis kann die politischen Verhältnisse in Ländern, Parteien und Bundesregierung weiter verkomplizieren.“

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2. September
Die Zeit (Politik)

Wahl in Sachsen-Anhalt: Mehrheit der Deutschen hat Sorgen wegen möglicher AfD-Regierung

Mehr als die Hälfte der Deutschen sorgt sich mit Blick auf einen möglichen Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt um die Zukunft des Landes. Das geht aus dem Spiegel-Ipsos-Politikmonitor hervor. 41 Prozent der Befragten stimmten demnach der Aussage voll und ganz zu, dass es eine Gefahr für die Demokratie wäre, wenn die AfD in Sachsen-Anhalt an die Regierung käme. 12 Prozent stimmten der Aussage eher zu. Zwischen den Geschlechtern gibt es Unterschiede. Männer sind mit Blick auf die mögliche AfD-Mehrheit weniger in Sorge um die Demokratie als Frauen. Auch zwischen ost- und westdeutschen Befragten gibt es abweichende Ansichten. Während in Westdeutschland 57 Prozent entsprechende Sorgen äußern, sind es in Ostdeutschland nur gut 38 Prozent, die der Aussage voll und ganz oder eher zustimmen. Ebenfalls eine knappe Mehrheit der Deutschen sprach sich für die Brandmauer aus. 43 Prozent der Befragten der Aussage, die CDU solle sich für eine Kooperation mit der AfD öffnen, überhaupt nicht zu. 8 Prozent stimmten dem eher nicht zu. Bei einer Öffnung zur Linkspartei ist das Bild weniger deutlich. Vier von zehn Befragten stimmten der Aussage, die CDU solle sich für eine Zusammenarbeit mit der Linken öffnen, überhaupt nicht oder eher nicht zu. Knapp vier von zehn Befragten stimmten voll und ganz oder eher zu. Ein möglicher AfD-Wahlsieg in Sachsen-Anhalt wäre nach Ansicht der Befragten für Menschen mit Migrationsgeschichte besonders kritisch. 43 Prozent der Teilnehmenden stimmten der Aussage voll und ganz zu, dass sich die die Sicherheitslage für Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland durch einen Wahlerfolg der AfD verschlechtern würde. 15 Prozent stimmten dem eher zu. Das Institut Ipsos hat im Auftrag des Spiegel vom 26. bis 31. August bundesweit rund 2.100 Menschen befragt. Die Ergebnisse sind repräsentativ für die Wahlberechtigten in Deutschland. Die statistische Unsicherheit liegt bei bis zu 2,3 Prozentpunkten.

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1. September
FAZ (Politik)

Wahlkampf im Osten: Die Wut der Wutwähler hat Merz nicht besänftigt

Wahlkampf im Osten : Die Wut der Wutwähler hat Merz nicht besänftigt Es brauchte ein Wunder, damit die CDU die Wahl in Sachsen-Anhalt doch noch gewinnen könnte. Aber auch ein starker zweiter Platz würde helfen, um die AfD von der Macht fernzuhalten. In Sachsen-Anhalt hat den Umfragen nach nicht die CDU die AfD halbiert, sondern die AfD die CDU. Letztere setzt darauf, dass die Wahl am Sonntag wie vor fünf Jahren ganz anders ausgeht, als es die Demoskopen nahelegen. Damals war ein Kopf-an-Kopf-Rennen vorhergesagt worden. In den Urnen fanden sich dann jedoch fast doppelt so viele Stimmen für die CDU wie für ihre damals wie heute schärfste Konkurrentin. Die AfD liegt dieses Mal in den Umfragen aber stabil so weit vorne, dass es ein politisches Wunder wäre, wenn die CDU zu ihr aufschließen oder sie gar überholen könnte. Die CDU muss jedoch um einen möglichst starken zweiten Platz kämpfen. Je mehr Stimmen und Mandate sie erhält, desto unwahrscheinlicher wird es, dass die AfD eine absolute Mehrheit mindestens der Mandate erlangt und eine Alleinregierung bilden kann. Und je stärker die CDU im nächsten Landtag ist, desto leichter würde für den amtierenden Ministerpräsidenten Schulze die schwierige Aufgabe, mit wechselnden Mehrheiten zu regieren. Eine bessere Aussicht als diese hat er nicht. Damit sie nicht noch schlechter wird, müsste die CDU aber noch Wähler dafür gewinnen, ihr Kreuz doch nicht bei der AfD, sondern wieder bei der CDU zu machen. Auch Merz betont daher, dass die Brandmauer die AfD von der Macht fernhalten soll, deren Wähler aber nicht von der CDU. Verfangen die Appelle des Kanzlers, die Folgen zu bedenken? Ob aber die Appelle des Kanzlers verfangen, an die Folgen, auch die wirtschaftlichen, zu denken, die es hätte, wenn die AfD in Magdeburg an die Macht käme? Mit seiner Äußerung, Sachsen-Anhalt dürfe „kein Experimentierfeld für Wutbürger werden“, wollte der Kanzler wohl auch nichts anderes sagen. Die Wut der Wutwähler dürfte er damit aber nicht besänftigt haben. Ausgeschlossen ist es nicht, dass der aus mehreren Quellen gespeiste Zorn auf die „Altparteien“ erstmals in einem Bundesland die AfD an die Macht bringt. Das hielte die deutsche Demokratie noch aus. Doch auch schon vierzig Prozent für die AfD in den Umfragen sind ein Menetekel für das Abgleiten in eine dunkle politische Welt.

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1. September
Tagesschau

Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: Wie viel Macht hätte eine AfD-Regierung?

Landtagswahl in Sachsen-Anhalt Wie viel Macht hätte eine AfD-Regierung? Was könnte eine AfD-Landesregierung in Sachsen-Anhalt tatsächlich durchsetzen? Janos Richter vom Verfassungsblog erklärt, wo sie weitreichende Möglichkeiten hätte, welche Schutzmechanismen greifen - und wo ihre Macht endet. tagesschau24: In Sachsen-Anhalt könnte die AfD eine Alleinregierung stellen. Wahrscheinlich ist das laut aktuellen Umfragen nicht. Dennoch: Falls es dazu kommt, welche staatlichen Institutionen wären möglicherweise in Gefahr? Janos Richter: Die Landesebene ist durch die Bundesebene eingeschränkt, mit Blick etwa auf die Gesetzgebung. Es gibt aber eben auch Bereiche - und das sind die Bereiche Bildung, Kultur und innere Sicherheit -, die eben genuin Ländersache sind. Und da könnte eine AfD-Landesregierung schon relativ viel machen. Zum Beispiel wäre es möglich, den Verfassungsschutz im Land umzustrukturieren und umzubauen, sodass er eher in das Bild der AfD passt. AfD hätte Blockadepotenzial tagesschau24: Selbst wenn die AfD in Magdeburg nicht die Alleinregierung stellt, könnte sie laut Umfragen fast die Hälfte aller Sitze im Landtag bekommen. Was bedeutet das für die anderen Parteien im Hinblick auf Gesetzesvorhaben? Richter: Sollte die AfD die Hälfte der Sitze im Landtag haben, dann ist es natürlich für die anderen Parteien schwierig, eine Mehrheitsfindung stattfinden zu lassen für Gesetzesvorhaben. Wenn man sich jetzt vorstellt, dass die AfD knapp daran vorbeischrammt, die Hälfte der Sitze im Landtag zu bekommen, dann gibt es natürlich trotzdem für die AfD immer noch ein Blockadepotenzial. Und zwar immer, wenn es um Verfassungsänderungen geht oder um Entscheidungen, die einer Zweidrittelmehrheit bedürfen. Da zählt zum Beispiel die Bestellung von Richterinnen und Richtern für das Landesverfassungsamt dazu. Sorge, die AfD-Regierung könnte zum "Systemsprenger" werden tagesschau24: Die Bundesrepublik ist ein föderalistischer Staat mit einer Bundesebene und einer Landesebene. Zwischen diesen beiden Ebenen sind die Macht und die Gesetzgebungskompetenzen aufgeteilt. Wie viel Macht könnte die AfD auf die Bundesebene von Sachsen-Anhalt aus ausüben? Richter: Manche haben die Sorge, dass die AfD-Landesregierung vielleicht als eine Art "Systemsprenger" in Erscheinung treten könnte. Es gibt allerdings eigentlich nur so eine wirklich fixe Regelung, wo das tatsächlich so sein könnte. Und das ist eine Regelung im Grundgesetz, die die Finanzierung von Hochschulen und die Finanzierungsvereinbarung zwischen Bund und Ländern, was Hochschulen betrifft, angeht. Da ist nämlich vorgesehen, dass diesen Finanzierungsvereinbarungen alle 16 Bundesländer zustimmen müssen, ansonsten kommen sie nicht zustande. Und ansonsten gehen dann alle einzelnen Länder leer aus. Das heißt, da gibt es einen Mechanismus, den die AfD möglicherweise als Hebel nutzen könnte. Jetzt muss man sich da allerdings überlegen, wie groß das Interesse der AfD tatsächlich daran ist, weil Sachsen-Anhalt als kleines Bundesland mit einem schwachen Steueraufkommen tendenziell von solchen Finanzierungsvereinbarungen profitiert. Das heißt, dort landet am Ende mehr Geld durch solche Vereinbarungen, als Sachsen-Anhalt rein gibt. Natürlich ist das trotzdem ein Hebel, den die AfD nutzen könnte und der einigermaßen viel Sprengpotenzial auch hat. "Fokus verschieben: von 1933 zu Karl dem Großen" tagesschau24: Schule, Bildung, Kultur, das Kommunalrecht und das Gefahrenabwehrrecht - all das sind Aufgaben der Länder. Wie kann denn die AfD in diesen Bereichen ihre Ziele umsetzen? Richter: Man kann das am Bereich Bildung plastisch machen. Die Lehrpläne an den Schulen beruhen zum Beispiel auf internen Ministerialerlassen. Gesetzlich ist es teilweise vorgegeben, was an der Schule unterrichtet werden soll. In den Details gestalten das dann aber diese verwaltungsinternen Vorschriften aus. Und da können ein Bildungsminister und eine Landesregierung relativ viel Einfluss drauf nehmen. Es ist natürlich jetzt nicht so, dass man da drin dann festhalten könnte, dass zum Beispiel geschichtsrevisionistischer Unterricht abgehalten wird. Es muss ein Mindeststandard an Wissenschaftlichkeit eingehalten werden. Man kann aber einfach den Fokus verschieben - zum Beispiel von den Jahren 1933 bis 1945 hin zu vielleicht eher der Zeit von Karl dem Großen, also einer Epoche, die eher in das Geschichtsbild der AfD passt. Ähnliches gilt zum Beispiel auch für den Sexualkundeunterricht, dass man den einengen könnte, dass man den vielleicht vermindern könnte. Und das alles läuft nicht über Gesetze, die dann durch das Parlament müssen und wo man eine Art Öffentlichkeit herstellen könnte. Es kann versucht werden, das eben im Ministerium, im Haus relativ verdeckt zu regeln. Da muss man genau hinschauen, um so etwas mitzubekommen und um sich dann auch im Zweifel dagegen wehren zu können. Nur wenige Beamte könnten "ohne Weiteres" entlassen werden tagesschau24: Wie sieht es mit denjenigen aus, die für das Land Sachsen-Anhalt arbeiten: Lehrer, Richter, Polizisten und auch Beamte in der Verwaltung? Wie könnte die AfD dort Personalbesetzungen nach ihren Vorstellungen vornehmen? Richter: Der Spitzenkandidat der AfD, Ulrich Siegmund, hatte die Kennziffer von 150 bis 200 Beamtinnen und Beamten rausgegeben, die er in der Landesverwaltung gerne ersetzen wollen würde. Das ist nicht so einfach, denn das sind Landesbeamte, die auf Lebenszeit verbeamtet sind. Die bekommt man nicht ohne Weiteres raus. An diese Stellen kommt man als Landesregierung nur über den unschönen Weg der Disziplinarverfahren, um dann praktisch die Leute "rauszukicken". Da muss man sich natürlich Anlässe suchen, die kann man sich vielleicht in Teilen auch selber produzieren, aber da hängt dann auch ein ganzer Rattenschwanz dran. Das heißt, die Leute können dagegen klagen und das würde sich über Jahre erstrecken. Das heißt, diese 150 bis 200 Stellen, die werden nicht so ohne Weiteres frei, die könnte eine AfD-Landesregierung auch nicht ohne Weiteres besetzen. Es gibt politische Beamte, das sind Beamtinnen und Beamte, die eine besondere Nähe zur Politik haben, zur Regierungsspitze. Und die können ohne Weiteres entlassen werden. Das sind allerdings in Sachsen-Anhalt nur 16 Personen. Dazu zählt unter anderem der Abteilungsleiter für den Verfassungsschutz. Das ist in Sachsen-Anhalt eine Abteilung im Landesinnenministerium. Wovon eine AfD-Regierung natürlich profitieren könnte, wäre die Pensionierungswelle, die in den ostdeutschen Bundesländern bevorsteht beziehungsweise teilweise gerade schon stattfindet. Das heißt, da werden Posten frei, die man dann möglicherweise nach politischen Vorstellungen besetzen könnte. Ich glaube, man muss aber diese Aussage seitens der AfD, dass man da 150 bis 200 Stellen neu besetzen möchte, anders verstehen. Und zwar viel mehr als eine Drohung. Und zwar dahingehend, dass, wenn ihr in der Verwaltung nicht so handelt, wie wir uns das vorstellen, dann werden wir schon einen Weg finden, euch loszuwerden. Die AfD Sachsen-Anhalt klagt gegen die Einstufung als "gesichert rechtsextremistische Bestrebung". Das Verfahren ist derzeit ausgesetzt. Das Interview führte Carl-Georg Salzwedel für tagesschau24. Für die schriftliche Fassung wurde es sprachlich leicht geglättet und gekürzt.

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1. September
Tagesschau

Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: Wie viel Macht hätte eine AfD-Regierung?

Landtagswahl in Sachsen-Anhalt "Bildung, Kultur, Sicherheit - da könnte die AfD viel machen" Was könnte eine AfD-Landesregierung in Sachsen-Anhalt tatsächlich durchsetzen? Janos Richter vom Verfassungsblog erklärt, wo sie weitreichende Möglichkeiten hätte, welche Schutzmechanismen greifen - und wo ihre Macht endet. tagesschau24: In Sachsen-Anhalt könnte die AfD eine Alleinregierung stellen. Wahrscheinlich ist das laut aktuellen Umfragen nicht. Dennoch: Falls es dazu kommt, welche staatlichen Institutionen wären möglicherweise in Gefahr? Janos Richter: Die Landesebene ist durch die Bundesebene eingeschränkt, mit Blick etwa auf die Gesetzgebung. Es gibt aber eben auch Bereiche - und das sind die Bereiche Bildung, Kultur und innere Sicherheit -, die eben genuin Ländersache sind. Und da könnte eine AfD-Landesregierung schon relativ viel machen. Zum Beispiel wäre es möglich, den Verfassungsschutz im Land umzustrukturieren und umzubauen, sodass er eher in das Bild der AfD passt. AfD hätte Blockadepotenzial tagesschau24: Selbst wenn die AfD in Magdeburg nicht die Alleinregierung stellt, könnte sie laut Umfragen fast die Hälfte aller Sitze im Landtag bekommen. Was bedeutet das für die anderen Parteien im Hinblick auf Gesetzesvorhaben? Richter: Sollte die AfD die Hälfte der Sitze im Landtag haben, dann ist es natürlich für die anderen Parteien schwierig, eine Mehrheitsfindung stattfinden zu lassen für Gesetzesvorhaben. Wenn man sich jetzt vorstellt, dass die AfD knapp daran vorbeischrammt, die Hälfte der Sitze im Landtag zu bekommen, dann gibt es natürlich trotzdem für die AfD immer noch ein Blockadepotenzial. Und zwar immer, wenn es um Verfassungsänderungen geht oder um Entscheidungen, die einer Zweidrittelmehrheit bedürfen. Da zählt zum Beispiel die Bestellung von Richterinnen und Richtern für das Landesverfassungsamt dazu. Sorge, die AfD-Regierung könnte zum "Systemsprenger" werden tagesschau24: Die Bundesrepublik ist ein föderalistischer Staat mit einer Bundesebene und einer Landesebene. Zwischen diesen beiden Ebenen sind die Macht und die Gesetzgebungskompetenzen aufgeteilt. Wie viel Macht könnte die AfD auf die Bundesebene von Sachsen-Anhalt aus ausüben? Richter: Manche haben die Sorge, dass die AfD-Landesregierung vielleicht als eine Art "Systemsprenger" in Erscheinung treten könnte. Es gibt allerdings eigentlich nur so eine wirklich fixe Regelung, wo das tatsächlich so sein könnte. Und das ist eine Regelung im Grundgesetz, die die Finanzierung von Hochschulen und die Finanzierungsvereinbarung zwischen Bund und Ländern, was Hochschulen betrifft, angeht. Da ist nämlich vorgesehen, dass diesen Finanzierungsvereinbarungen alle 16 Bundesländer zustimmen müssen, ansonsten kommen sie nicht zustande. Und ansonsten gehen dann alle einzelnen Länder leer aus. Das heißt, da gibt es einen Mechanismus, den die AfD möglicherweise als Hebel nutzen könnte. Jetzt muss man sich da allerdings überlegen, wie groß das Interesse der AfD tatsächlich daran ist, weil Sachsen-Anhalt als kleines Bundesland mit einem schwachen Steueraufkommen tendenziell von solchen Finanzierungsvereinbarungen profitiert. Das heißt, dort landet am Ende mehr Geld durch solche Vereinbarungen, als Sachsen-Anhalt rein gibt. Natürlich ist das trotzdem ein Hebel, den die AfD nutzen könnte und der einigermaßen viel Sprengpotenzial auch hat. "Fokus verschieben: von 1933 zu Karl dem Großen" tagesschau24: Schule, Bildung, Kultur, das Kommunalrecht und das Gefahrenabwehrrecht - all das sind Aufgaben der Länder. Wie kann denn die AfD in diesen Bereichen ihre Ziele umsetzen? Richter: Man kann das am Bereich Bildung plastisch machen. Die Lehrpläne an den Schulen beruhen zum Beispiel auf internen Ministerialerlassen. Gesetzlich ist es teilweise vorgegeben, was an der Schule unterrichtet werden soll. In den Details gestalten, dass dann aber diese verwaltungsinternen Vorschriften aus. Und da können ein Bildungsminister und eine Landesregierung relativ viel Einfluss drauf nehmen. Es ist natürlich jetzt nicht so, dass man da drin dann festhalten könnte, dass zum Beispiel geschichtsrevisionistischer Unterricht abgehalten wird. Es muss ein Mindeststandard an Wissenschaftlichkeit eingehalten werden. Man kann aber einfach den Fokus verschieben - zum Beispiel von den Jahren 1933 bis 1945 hin zu vielleicht eher der Zeit von Karl dem Großen, also einer Epoche, die eher in das Geschichtsbild der AfD passt. Ähnliches gilt zum Beispiel auch für den Sexualkundeunterricht, dass man den einengen könnte, dass man den vielleicht vermindern könnte. Und das alles läuft nicht über Gesetze, die dann durch das Parlament müssen und wo man eine Art Öffentlichkeit herstellen könnte. Es kann versucht werden, dass eben im Ministerium, im Haus relativ verdeckt zu regeln. Da muss man genau hinschauen, um so etwas mitzubekommen und um sich dann auch im Zweifel dagegen wehren zu können. Nur wenige Beamte könnten "ohne Weiteres" entlassen werden tagesschau24: Wie sieht es mit denjenigen aus, die für das Land Sachsen-Anhalt arbeiten: Lehrer, Richter, Polizisten und auch Beamte in der Verwaltung? Wie könnte die AfD dort Personalbesetzungen nach ihren Vorstellungen vornehmen? Richter: Der Spitzenkandidat der AfD, Ulrich Siegmund, hatte die Kennziffer von 150 bis 200 Beamtinnen und Beamten rausgegeben, die er in der Landesverwaltung gerne ersetzen wollen würde. Das ist nicht so einfach, denn das sind Landesbeamte, die auf Lebenszeit verbeamtet sind. Die bekommt man nicht ohne Weiteres raus. An diese Stellen kommt man als Landesregierung nur über den unschönen Weg der Disziplinarverfahren, um dann praktisch die Leute "rauszukicken". Da muss man sich natürlich Anlässe suchen, die kann man sich vielleicht in Teilen auch selber produzieren, aber da hängt dann auch ein ganzer Rattenschwanz dran. Das heißt, die Leute können dagegen klagen und das würde sich über Jahre erstrecken. Das heißt, diese 150 bis 200 Stellen, die werden nicht so ohne Weiteres frei, die könnte eine AfD-Landesregierung auch nicht ohne Weiteres besetzen. Es gibt politische Beamte, das sind Beamtinnen und Beamte, die eine besondere Nähe zur Politik haben, zur Regierungsspitze. Und die können ohne Weiteres entlassen werden. Das sind allerdings in Sachsen-Anhalt nur 16 Personen. Dazu zählt unter anderem der Abteilungsleiter für den Verfassungsschutz. Das ist in Sachsen-Anhalt eine Abteilung im Landesinnenministerium. Wovon eine AfD-Regierung natürlich profitieren könnte, wäre die Pensionierungswelle, die in den ostdeutschen Bundesländern bevorsteht beziehungsweise teilweise gerade schon stattfindet. Das heißt, da werden Posten frei, die man dann möglicherweise nach politischen Vorstellungen besetzen könnte. Ich glaube, man muss aber diese Aussage seitens der AfD, dass man da 150 bis 200 Stellen neu besetzen möchte, anders verstehen. Und zwar viel mehr als eine Drohung. Und zwar dahingehend, dass, wenn ihr in der Verwaltung nicht so handelt, wie wir uns das vorstellen, dann werden wir schon einen Weg finden, euch loszuwerden. Die AfD Sachsen-Anhalt klagt gegen die Einstufung als "gesichert rechtsextremistische Bestrebung". Das Verfahren ist derzeit ausgesetzt. Das Interview führte Carl-Georg Salzwedel für tagesschau24. Für die schriftliche Fassung wurde es sprachlich leicht geglättet und gekürzt.

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1. September
FAZ (Wirtschaft)

Sachsen-Anhalt: Eine Zäsur auch für die Wirtschaft

Sachsen-Anhalt : Eine Zäsur auch für die Wirtschaft Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt könnte die AfD an die Macht bringen. Das größte Problem für den Wirtschaftsstandort würde dadurch noch verschärft. Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt könnte die politische Landschaft in Deutschland tiefgreifend verändern. Die AfD mit ihrem Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund liegt in Umfragen stabil über 40 Prozent. Sofern es Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) nicht gelingt, eine Mehrheit oder eine Minderheitsregierung zu organisieren, werden die Rechtspopulisten die Führung des Bundeslandes übernehmen. Eines steht schon vor der Wahl am Sonntag fest: Die Herausforderungen für die nächste Landesregierung haben es in sich. Denn die Wirtschaft stagniert, die Erwerbsbevölkerung schrumpft und die Verschuldung der öffentlichen Haushalte steigt. Das gilt für Deutschland insgesamt. Sachsen-Anhalt liegt in den amtlichen Statistiken aber in beinahe jeder Kategorie auf einem der hintersten Plätze. Seit der Corona-Pandemie schrumpft die Wirtschaft in Sachsen-Anhalt. Unter allen Flächenländern in Deutschland hat sich nur das Saarland seit 2019 schlechter entwickelt. Das Durchschnittsalter der Bevölkerung ist höher als in allen anderen Bundesländern. Die Verschuldung von Land und Kommunen relativ zur Wirtschaftskraft ist nur in Bremen und im Saarland höher. Die Liste ließe sich noch fortsetzen. Energieintensive Industrie dominiert Die schwache wirtschaftliche Entwicklung in den vergangenen Jahren hat vor allem mit den Problemen in der energieintensiven Industrie zu tun. Die Chemieindustrie dominiert in Sachsen-Anhalt und steht unter dem Druck hoher Energie- und Rohstoffkosten. Die schwache Binnenkonjunktur drückt auf die Nachfrage, während die Konkurrenz aus Asien wächst. In ähnlich großer Bedrängnis steckt die in Sachsen-Anhalt stark vertretene Automobilzulieferindustrie. Die Transformation vom Verbrenner zum Elektromotor stellt die Branche vor große Herausforderungen. Hinzu kommt im Zulieferland Sachsen-Anhalt die große Abhängigkeit von Volkswagen. Die Krise bei VW stürzt viele Betriebe in existenzielle Nöte. Die Wurzeln der strukturellen Probleme reichen weit zurück: Gleich nach der Wende fiel die Entscheidung für den Erhalt der Chemiestandorte. Sie war angesichts der Verwerfungen auf dem Arbeitsmarkt richtig, zementierte aber die Gewichte am Wirtschaftsstandort. Der Versuch, sie mit der Ansiedlung des amerikanischen Chipherstellers Intel in Magdeburg neu zu verteilen, ist gescheitert. Trotz zugesagter Milliarden-Subventionen entsteht die geplante Fabrik nicht. Corona-Notlage besteht fort Und dann ist da noch die demographische Klippe, auf die Sachsen-Anhalt zusteuert. Seit 1990 ist die Bevölkerung um mehr als ein Viertel geschrumpft. In keinem anderen ostdeutschen Bundesland war der Aderlass größer. Heute fehlen nicht nur die Auswanderer von damals, sondern auch ihre Kinder und Enkel. Die haushaltspolitischen Spielräume sind über viele Jahre geschrumpft. In den Jahren 1994 bis 2002 wurden zwei Minderheitsregierungen unter Führung der SPD im „Magdeburger Modell“ von der damaligen PDS geduldet. Das war besonders kostspielig. Auch unter Führung der CDU regierte in den vergangenen 24 Jahren nur selten haushaltspolitische Vernunft. Im Dezember hat die Landesregierung ein weiteres Mal die Corona-Notlage für Sachsen-Anhalt verlängert, um 2026 als einziges Bundesland nicht genutzte Kreditermächtigungen aus der Zeit der Pandemie nutzen zu können. Sollte die AfD die nächste Landesregierung anführen, will sie in den ersten hundert Tagen unter anderem den Medienstaatsvertrag kündigen und mit der Abschiebung ausreisepflichtiger Ausländer beginnen. Der Wirtschaft wird das nicht helfen. Die langfristig größte Herausforderung für den Wirtschaftsstandort ist der demographische Wandel. Stimmungsmache gegen „kulturfremde Fachkräfte“ verschärft den Arbeitskräftemangel. Wachstum braucht Zuwanderung Ministerpräsident Sven Schulze hat angekündigt, dass er sich als Erstes um die Aufstellung eines Haushalts bemühen wird, sollte er im Amt bestätigt werden. Das wird in jeder möglichen Regierungskonstellation eine Herausforderung. Das Wahlprogramm der AfD weist eine besonders hohe Finanzierungslücke auf: Ökonomen schätzen sie auf mehr als zwei Milliarden Euro. Über die relevanten Rahmenbedingungen für die Industrie wird nicht in Magdeburg entschieden. Eine Bundesratsinitiative für die Aufhebung von Sanktionen gegen Energieimporte aus Russland, wie sie die AfD angekündigt hat, wird ebenfalls ins Leere laufen. Sinnvoller wäre es, die von Schulze angekündigte Verwaltungsreform rasch umzusetzen und als Chance zu nutzen, Sachsen-Anhalt für Ansiedlungen und Neugründungen attraktiver zu machen. Denn das Land braucht für mehr Wachstum nicht nur Zuwanderung, sondern auch den Zuzug neuer Ideen.

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1. September
Süddeutsche Zeitung (Wirtschaft)

Wirtschaftsstandort: So viel kostet Fremdenfeindlichkeit

Am kommenden Sonntagabend, so viel lässt sich fast sicher sagen, dürften ein paar Zuschauerinnen und Zuschauer mehr als bei einer Landtagswahl in einem kleinen Bundesland üblich vor dem Fernseher sitzen, die Wahlsendungen von ARD und ZDF ansehen und auf die 18-Uhr-Prognose warten. In Sachsen-Anhalt könnte es der AfD zum ersten Mal gelingen, an die Regierung zu kommen. In Umfragen steht die Partei, die in dem Bundesland vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft ist, stabil bei deutlich über 40 Prozent. Scheitern die kleinen Parteien – zu denen in Sachsen-Anhalt auch die SPD gehört – an der Fünf-Prozent-Hürde, könnte es für die AfD schon in einer Größenordnung von 42 oder 43 Prozent zur absoluten Mehrheit reichen. Was wäre, wenn, darüber zerbricht sich gerade die halbe Republik den Kopf. Wie würde eine AfD-geführte Regierung Sachsen-Anhalt verändern? Was würde sie für Minderheiten bedeuten, für Schulen, für Kultureinrichtungen, für den öffentlich-rechtlichen MDR, für Bürgerinnen und Bürger, die keinen deutschen Pass haben, und für die Unternehmen im Land? Wissenschaftler vom Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Halle, kurz IWH, haben versucht, die ökonomischen Auswirkungen einer AfD-Regierung zu quantifizieren. Ihr Ergebnis: Bis zu 3,2 Milliarden Euro an Wertschöpfung würden Sachsen-Anhalt in den kommenden fünf Jahren entgehen, wenn die AfD ihre Politik wie angekündigt umsetzte. Und bis zu 14 000 sozialversicherungspflichtig beschäftigte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer würden dem Land bis 2031 zusätzlich fehlen. Zusätzlich deshalb, weil Sachsen-Anhalt eine Region ist, die ohnehin schon stark unter dem demografischen Wandel und der dadurch bedingten Knappheit von Arbeitskräften leidet. Die Autoren der Studie liefern dazu ein paar eindrückliche Zahlen: 29 Prozent der Beschäftigten mit deutscher Staatsangehörigkeit in dem Bundesland sind 55 Jahre oder älter. Bis 2031 werden mehr als 61 000 von ihnen aus dem Erwerbsleben ausscheiden. Arbeitskräfte, die aus dem Ausland nach Sachsen-Anhalt kommen, können diese Entwicklung bestenfalls zu einem Teil kompensieren. Läuft die Zuwanderung wie bisher weiter, dann rechnen die Studienautoren in den kommenden Jahren mit 29 000 zusätzlichen nicht-deutschen Beschäftigten. Im Falle einer AfD-Regierung seien bis 2031 jedoch allenfalls 15 000 zusätzliche Arbeitskräfte aus dem Ausland zu erwarten – mit erheblichen negativen Auswirkungen. „Wenn die Politik Stimmung gegen Zuwanderung macht, werden Tausende zusätzliche Stellen unbesetzt bleiben. Das Land würde spürbar an Wohlstand verlieren“, sagt Reint Gropp, der Präsident des IWH und Autor der Studie. Infolge einer migrationsfeindlichen Politik, so Gropp kürzlich in einem Interview mit der SZ, könnte das Wirtschaftswachstum des Bundeslandes „um etwa ein halbes bis ein Prozent pro Jahr sinken“. Die Autoren der Studie haben für die Abschätzung, wie sich eine AfD-Regierung auf die Zuwanderungszahlen auswirkt, Vergleiche gezogen. Sie haben sich dabei Gemeinden in Italien angesehen, in denen die rechtspopulistische Lega Nord die Macht erlangte, sie haben die Veränderungen in den Migrationsbewegungen infolge des Brexit analysiert und sich angesehen, wie viele Ausländer im thüringischen Kreis Sonneberg zu- und weggezogen sind, wo die AfD den Landrat stellt. Das Ergebnis: Wenn zuwanderungskritische Parteien an die Regierung kommen, nimmt der Zuzug von Ausländern erheblich ab, die Wissenschaftler ermittelten Werte zwischen 32 und 65 Prozent. Eine kompensierende Rückkehr Einheimischer sei in allen Fällen nicht zu beobachten gewesen. Die Pflege ist weniger betroffen, dafür Gastronomie und Medizin Es sind keineswegs nur Randbereiche der Wirtschaft in Sachsen-Anhalt, die nach den Berechnungen der IWH-Forscher unter einer gegen Zuwanderer gerichteten Politik leiden würden. Betroffen wären all jene Branchen, bei denen zwei Dinge zusammenkommen: erstens ein Engpass an Arbeitskräften, der ganz Deutschland erfasst hat und der es für Sachsen-Anhalts Wirtschaft schwer macht, Beschäftigte aus anderen Bundesländern abzuwerben. Und zweitens ein hoher Anteil ausländischer Beschäftigter. Das trifft zum Beispiel auf die Gastronomie, den Tiefbau, die Logistik, den Bereich der Lebensmittelzubereitung und die Medizin zu. So hat zum Beispiel jeder fünfte Arzt beziehungsweise jede fünfte Ärztin in Sachsen-Anhalt keinen deutschen Pass. Nicht so stark wie in der öffentlichen Debatte oft dargestellt sei die Abhängigkeit dagegen im Pflegewesen. Hier seien die Ausländeranteile unter den Beschäftigten deutlich geringer als im bundesweiten Durchschnitt. „Das gängige Narrativ, beim Wegfall ausländischer Zuwanderung breche die Pflege zusammen, trifft auf Sachsen-Anhalt nicht zu“, schreiben die Studienautoren. Überhaupt ist der Anteil ausländischer Beschäftigten in Sachsen-Anhalt im Vergleich mit 8,9 Prozent eher gering. Das Bundesland liegt damit auf Platz 15 von 16. Allerdings ist der Anteil der ausländischen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in den vergangenen fünf Jahren – von einem niedrigen Niveau aus – um fast 80 Prozent gestiegen. Hätte es die Zuwanderung nicht gegeben, hätte Sachsen-Anhalt seit 2016 etwa 40 000 Beschäftigte verloren. Da im selben Zeitraum knapp 52 000 nicht-deutsche Beschäftigte hinzukamen, war der Beschäftigungssaldo sogar leicht positiv. Es ist nach Ansicht der Forscher unwahrscheinlich, dass das bis 2031 erneut gelingt, wenn die AfD am 6. September an die Macht kommt.

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1. September
FAZ (Politik)

Wahl in Sachsen-Anhalt: Welche Bündnisse gegen die AfD mobil machen

Wahl in Sachsen-Anhalt : Welche Bündnisse gegen die AfD mobil machen Vom allgemeinen „Gesicht zeigen“ bis zu konkreten Wahlempfehlungen: In Sachsen-Anhalt mobilisieren kurz vor der Wahl gleich mehrere zivile Bündnisse gegen die AfD. Eine absolute Mehrheit der AfD verhindern – dieses Ziel eint diverse Kampagnen, die kurz vor der Wahl am 6. September in Sachsen-Anhalt gegen die AfD mobilisieren. Auch wenn das Ziel vieler Kampagnen gleich ist, unterscheiden sich ihre Herangehensweisen deutlich: Während manche primär ein Zeichen setzen wollen, geben andere ganz konkrete Wahlempfehlungen – das passt nicht jedem. Der Verein „Mehr als uns trennt“ beispielsweise will mit einer Multimediakampagne auf die potentiellen Auswirkungen der AfD-Pläne – etwa in der Kultur oder in der Pflege – aufmerksam machen. Bei einer Tour mit dem Bus durch Sachsen-Anhalt, sind Menschen dazu eingeladen, den Satz „Wahre Heimatliebe ist …“ zu vervollständigen. „Die AfD redet von Heimatliebe – aber ihre Politik bedeutet Isolation, Investorenflucht und den Verlust von Arbeitsplätzen in unserem Land“, sagt die Vorsitzende des Vereins, Annemarie Rosenstock, gegenüber der F.A.Z. Reichweite erhält die Kampagne auch durch die Unterstützung diverser Prominenter aus Sport, Kultur, Wissenschaft und Wirtschaft, etwa von Sandra Hüller und Christian Friedel. Bauhaus gegen „neue patriotische Kulturpolitik“ Auch das Bündnis „Sachsen-Anhalt. Weltoffen!“ mobilisiert deutsche Prominenz. Für den Samstag vor der Wahl organisiert das Bündnis eine Demonstration. Anschließend ist ein Demokratiefestival auf dem Domplatz in Magdeburg geplant. Auftreten sollen dort unter anderem die Band Juli, die Band Provinz sowie lokale Künstler. Darüber hinaus ruft das Bündnis mit einer Plakatkampagne dazu auf, „das Wahlrecht zu nutzen und sich für ein weltoffenes und demokratisches Sachsen-Anhalt einzusetzen“. Mehr als 300 Organisationen, darunter die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Sachsen-Anhalt und der Deutsche Gewerkschaftsbund, und mehr als 200 Einzelpersonen sind nach Angaben des Bündnisses an der Kampagne beteiligt. „Mit dieser Plakatkampagne zeigen wir Gesicht“, sagt Barbara Höckmann, Vorsitzende des Präsidiums des AWO-Landesverbandes Sachsen-Anhalt. „Gesicht zeigen“ für Vielfalt und gesellschaftlichen Zusammenhalt will auch ein Bündnis von Kulturinstitutionen, darunter die Stiftung Bauhaus Dessau, die Stiftung Gedenkstätten Sachsen-Anhalt und der Museumsverband des Bundeslandes. Für den Fall einer Regierungsübernahme hat die AfD eine „neue patriotische Kulturpolitik“ und eine Kampagne zur Förderung eines „neuen nationalen Selbstbewusstseins“ angekündigt. Unter dem Motto „#stolzaufVielfalt“ will das Bündnis daher auch in den sozialen Medien zeigen, dass Vielfalt eine Stärke sei und Sachsen-Anhalt bereichere. Kirchen erinnern an christliche Grundwerte Auch die Kirchen blicken besorgt auf eine potentielle AfD-Regierung, wirken bei einigen Kampagnen mit, veranstalten Diskussionsrunden oder appellieren mit Bannern und Videos an die christlichen Grundwerte. So legt das Bistum Magdeburg mit der Initiative „Bewusst wählen“ einen Fokus auf Menschenwürde, Nächstenliebe und Solidarität. Der Evangelische Kirchenkreis Halle-Saalkreis wirbt mit einem Großbanner an der Marktkirche in Halle für die Botschaft Jesu. Eine Plakatkampagne in Halle verknüpft Werte wie Vielfalt, Gemeinschaft, Respekt und Liebe mit entsprechenden Bibelstellen. In kurzen Videos, die über QR-Codes auf den Plakaten abrufbar sind, erläutern Christen, warum ihnen die jeweiligen Werte für das gesellschaftliche Zusammenleben wichtig sind. Den Initiatoren hinter den Kampagnen „Taktisch Wählen 2026“ und „Strategisch Wählen!“ reichen solche allgemeinen Statements nicht. Sie versuchen ganz konkret, Menschen dazu zu bewegen, bei der Zweitstimme das Kreuz bei SPD oder den Grünen zu setzen. Sollten beide Parteien in den Landtag einziehen, ist eine Alleinregierung der AfD aktuellen Umfragen nach nicht mehr möglich. An konkreten Wahlempfehlungen gibt es auch Kritik Ihre Vorgehensweise stößt auf Kritik – auch bei Parteien, die das Ziel, eine Alleinregierung der AfD zu verhindern, teilen. In einem offenen Brief an den Vorstand von Campact kritisiert die Partei Volt, die in Sachsen-Anhalt in Umfragen unter „Sonstige“ gelistet wird, das Vorgehen der NGO. Die Initiative schade „der langfristigen demokratischen Willensbildung erheblich“. Weiter heißt es: „Eine Wahl aus reiner Angst zementiert den Status quo der etablierten Parteien.“ Die Menschen sollten aus politischer Überzeugung anstatt aus taktischen Überlegungen wählen. Die Wahlkampfunterstützung von SPD und Grünen habe „faktisch den Charakter einer massiven externen Parteienfinanzierung“ – so die Kritik. SPD und Grüne meldeten Mitte August bei der Bundestagsverwaltung einen Betrag von jeweils 310.000 Euro als Großspende an, den sie von Campact erhalten haben. Von der Agentur „the Goodforces“, die hinter der Kampagne „Taktisch Wählen 2026“ steckt, meldeten Grüne und SPD im Juli je knapp 40.000 Euro an. Dabei handelt es sich jeweils um den geschätzten Gegenwert von Werbemaßnahmen, die nach dem deutschen Parteiengesetz genau wie Geldspenden angegeben und von den Parteien angenommen werden müssen. Das ist in beiden Fällen geschehen. Generell findet ein großer Teil der politischen Debatten und Kampagnen inzwischen in den sozialen Medien statt. Prominente Influencer wie „Marcant“ oder Hannes Kreschel drehen regelmäßig Videos auf AfD-Veranstaltungen und interviewen dort AfD-Wähler und -Sympathisanten. Ihr Ziel: Die AfD gerade für junge Menschen entzaubern, durch Nachfragen zeigen, dass AfD-Sympathisanten keine gut begründeten Argumente haben, Aussagen und Narrative einordnen. Ihre Videos werden teils hunderttausendfach aufgerufen. Viele Menschen teilen Videos und Beiträge – das digitale Äquivalent zum Flyerverteilen. Andere zeigen in Videos oder Kommentarspalten „Gesicht“. Wie organisiert diese Kampagnen auf allen politischen Seiten funktionieren, ist im Gegensatz zu Präsenzveranstaltungen und Plakatkampagnen im öffentlichen Raum jedoch schwer abzuschätzen.

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31. August
taz (Öko & Co)

Drohender AfD-Sieg in Sachsen-Anhalt: Die AfD wird Wahlversprechen brechen müssen

Drohender AfD-Sieg in Sachsen-Anhalt: Die AfD wird Wahlversprechen brechen müssen Zwischen Wunsch und Wirklichkeit der rechtsextremen Partei klafft eine große Lücke. Von jedem versprochenen Euro sind weniger als 10 Cent gegenfinanziert. Gewinnt die AfD kommenden Sonntag in Sachsen-Anhalt die Wahl und wird ihr Spitzenkandidat Ulrich Siegmund Ministerpräsident, dann werden die rechtsextremen Politiker*innen vor einer ziemlich unangenehmen Aufgabe stehen. Sie werden dasselbe machen müssen, wovor sich die meisten Regierungspolitiker*innen vor ihnen auch nicht drücken konnten, nur wird es bei der AfD vermutlich noch etwas krasser sein. Die rechtsextreme Partei wird in Falle eines Wahlsiegs in Sachsen-Anhalt massiv Wahlversprechen brechen müssen. Denn diese sind schlicht nicht finanzierbar. Zwischen Wunsch und Wirklichkeit klafft eine Lücke von mindestens 2,2 Milliarden Euro jährlich oder rund einem Viertel der Steuereinnahmen des Landes Sachsen-Anhalt. Dies berechneten die Forschenden des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) in einer Studie. Dabei, so gibt das Institut an, ist seine Schätzung konservativ. Das heißt, die Lücke könnte noch deutlich größer sein. Denn die meisten AfD-Versprechen lassen sich nicht beziffern. Zudem haben die Ökonom*innen nicht die Folgen der AfD-Politik auf die Wirtschaft und die damit verbundenen Rückwirkungen auf den Landeshaushalt berücksichtigt. „Selbst in Teilen ist das Wahlprogramm der AfD auch mittelfristig nicht finanzierbar“, sagt IWH-Präsident Reint Gropp. Für den Fall einer Alleinregierung hält Gropp es für wahrscheinlich, dass sich die AfD auf symbolische Maßnahmen konzentrieren würde, wie die Partei sie auch in ihrem 100-Tage-Programm beschreibt. „Allerdings hätte eine aggressive Politik gegen Zuwanderer wahrscheinlich starke negative Folgen für die Wirtschaft in Sachsen-Anhalt. Diese lassen sich jedoch im Vorfeld nur schwer beziffern.“ Von 136 kostenwirksamen Maßnahmen des Programms lassen sich laut dem IWH mit amtlichen Quellen 28 beziffern. Diese kosten rund 1,6 Milliarden Euro pro Jahr. Zum Vergleich: Vergangenes Jahr belief sich der Landeshaushalt auf rund 15,1 Milliarden Euro. Hinzu kommt, dass die AfD in Sachsen-Anhalt auf neue Schulden verzichten will. Dabei plant das Bundesland von 2027 bis 2029 derzeit mit jährlich rund 877 Millionen an neuen Schulden. Dem zusätzlichen Finanzierungsbedarf von 2,5 Milliarden Euro jährlich stehen dem IWH lediglich – großzügig geschätzt – 243 Millionen Euro an Einsparungen gegenüber. Von jedem Euro, den die AfD verspricht, sind damit also weniger als 10 Cent gegenfinanziert. Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen meistkommentiert

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31. August
ZDF heute

Wer steht wofür? 15 Parteien, eine Machtfrage

Sachsen-Anhalt wählt neuen Landtag:Wer steht wofür? 15 Parteien, eine Machtfrage von Michael Kniess Die AfD liegt vorn, die CDU steht unter Druck: Sachsen-Anhalt wählt am 6. September einen neuen Landtag. Wer steht wofür? Alle 15 Parteien und ihre Ziele im Überblick. Knapp eine Woche vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt steht vor allem die Machtfrage im Mittelpunkt: Die AfD liegt im ZDF-Politbarometer Extra vor der CDU, während die übrigen Parteien um Einfluss auf die künftige Regierungsbildung kämpfen. - Drei Szenarien: Wie es nach der Wahl in Sachsen-Anhalt weitergehen könnte - ZDF-Politbarometer Extra zur Wahl in Sachsen-Anhalt: AfD klar stärkste Partei vor CDU - Wahl-O-Mat zur Wahl in Sachsen-Anhalt: Welche Partei passt zu mir? Migration, Wirtschaft, Energie und innere Sicherheit prägen den Wahlkampf - ebenso die Frage, welche Mehrheiten ohne die AfD überhaupt möglich sind. Zur Wahl stehen 15 Parteien mit einer Landesliste. Die AfD liegt in Umfragen vorn – sie will "Geschichte schreiben". Sänger Herbert Grönemeyer will mit einer Initiative gleichzeitig Menschen aus dem ganzen Land zusammen bringen. 28.08.2026 | 2:59 minParteien für die Wahl in Sachsen-Anhalt Die CDU führte die Landesregierung von 1990 bis 1994 und erneut seit 2002 in unterschiedlichen Koalitionen an. Spitzenkandidat ist Sven Schulze, der seit 2021 CDU-Landesvorsitzender ist und am 28. Januar 2026 als Nachfolger von Reiner Haseloff zum Ministerpräsidenten gewählt wurde. Als langjährige Regierungspartei tritt die CDU mit einem konservativ-wirtschaftsorientierten Programm an. Im Zentrum stehen innere Sicherheit, Begrenzung irregulärer Migration, wirtschaftliches Wachstum und eine stärker berufsorientierte Bildungspolitik. Bei der inneren Sicherheit setzt die CDU sowohl auf mehr Personal als auch auf zusätzliche technische Möglichkeiten für die Sicherheitsbehörden - darunter ein Ausbau der Landespolizei auf mehr als 8.000 Beschäftigte, Erweiterung von deren Befugnissen sowie Ausbau von KI-gestütztem Videoschutz. Beim Thema Migration verbindet die CDU das Bekenntnis zum Schutz von Menschen mit Bleiberecht mit einem deutlich restriktiveren Kurs gegenüber irregulärer Migration. Ziel ist es, die irreguläre Migration auf Null zurückzuführen, konsequente Rückführung von Menschen ohne Bleiberecht und Beibehaltung der Bezahlkarte für Asylbewerber. Die CDU setzt auf Wachstum und industrielle Ansiedlungen und will zugleich bestehende Unternehmen durch geringere regulatorische und finanzielle Belastungen stärken. Sachsen-Anhalt soll unter anderem zu einem führenden europäischen Standort für Chemie- und Pharmaindustrie ausgebaut werden. Mit der "Oberschule" will die CDU die beiden bisherigen Schulformen Sekundar- und Gemeinschaftsschulen bündeln und stärker auf berufliche Orientierung ausrichten. Die AfD ist seit 2016 im Landtag von Sachsen-Anhalt vertreten und stellt derzeit die größte Oppositionsfraktion. Zur Landtagswahl 2026 tritt sie mit Ulrich Siegmund als Spitzenkandidaten an. Siegmund und die Partei streben ausdrücklich die Übernahme der Regierung und möglichst eine Alleinregierung an. Das Wahlprogramm bezeichnet die AfD entsprechend als "Regierungsprogramm". In dessen Zentrum steht eine grundlegende Verschärfung der Migrationspolitik. Die Partei fordert eine "Abschiebe- und Remigrationsoffensive", mehr Abschiebehaftplätze und eine deutliche Begrenzung der Zuwanderung. Allerdings fällt ein Teil dieser Vorhaben in die Zuständigkeit des Bundes oder der Europäischen Union und könnte von einer Landesregierung nicht allein umgesetzt werden. Weitere Schwerpunkte sind innere Sicherheit, Bildung, Familie und Energie. Die AfD will die Schulpflicht durch eine "Bildungspflicht" ersetzen und Schule stärker an Leistung, Disziplin, nationaler Identität und kulturellen Traditionen ausrichten. Familienpolitisch setzt sie auf ein traditionelles Familienleitbild und finanzielle Anreize wie ein "Kinderwillkommensgeld". Wirtschaftspolitisch fordert die AfD weniger Regulierung, niedrigere Abgaben und eine Halbierung der Grunderwerbsteuer. Energiepolitisch will die Partei den Kohleausstieg stoppen und neue Gaskraftwerke ermöglichen. Den öffentlich-rechtlichen Rundfunk möchte sie zu einem deutlich verkleinerten "Grundfunk" umbauen und den Rundfunkbeitrag abschaffen. Der Landesverband Sachsen-Anhalt wird vom Landesverfassungsschutz seit 2023 als gesichert rechtsextremistische Bestrebung eingestuft. Politikwissenschaftlich wird die AfD überwiegend dem rechtspopulistischen bis rechtsextremen Spektrum zugeordnet. Innerhalb der Partei werden nationalkonservative bis völkisch-nationalistische Strömungen unterschieden. Die Partei selbst bezeichnet ihre Ausrichtung als konservativ und patriotisch. Die Linke tritt in Sachsen-Anhalt mit einem stark sozialpolitisch ausgerichteten Programm an. Im Zentrum stehen höhere öffentliche Investitionen sowie der Ausbau von Bildung, Kinderbetreuung, Gesundheitsversorgung und Pflege. Kitas sollen beitragsfrei werden, Schulen eine verlässliche Ganztagsbetreuung gewährleisten und Schulsozialarbeit, politische Bildung sowie Maßnahmen gegen Rechtsextremismus ausgebaut werden. In der Gesundheits- und Pflegepolitik fordert die Partei eine wohnortnahe Versorgung, bessere Arbeitsbedingungen und eine stärkere Rolle öffentlicher Einrichtungen. Auch bei Wohnen und kommunaler Infrastruktur setzt die Linke auf mehr staatliche Verantwortung. Sie will den öffentlich geförderten Wohnungsbau ausbauen, Kommunen finanziell stärken und ihnen mehr Mitsprache bei der Landesgesetzgebung geben. Ein landeseigener Zukunftsfonds soll Investitionen in Wirtschaft und Infrastruktur unterstützen und dazu beitragen, Industriearbeitsplätze zu sichern. Über den Bundesrat will sich die Partei für die Wiedereinführung der Vermögensteuer einsetzen. Zugleich positioniert sie sich gegen steigende Militärausgaben und für einen starken öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Spitzenkandidatin ist erneut die Fraktionsvorsitzende Eva von Angern. Im Wahlkampf präsentiert sich die Partei ausdrücklich als Gegenpol zur AfD. Seit 2002 befindet sich die Partei auf Landesebene in der Opposition. Die SPD geht als langjährige Regierungspartei in die Landtagswahl 2026. Seit 2006 ist sie ununterbrochen an CDU-geführten Landesregierungen beteiligt. Mit Spitzenkandidat Armin Willingmann, derzeit Minister für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt sowie erster stellvertretender Ministerpräsident, stellt sie die soziale Gestaltung des wirtschaftlichen Wandels in den Mittelpunkt. Sachsen-Anhalt soll ein starker Industriestandort bleiben, Investitionen und Innovationen sollen gefördert und Arbeitsplätze gesichert werden. Gleichzeitig setzt die SPD auf Tarifbindung und faire Löhne und hält am Tariftreue- und Vergabegesetz fest. Einen weiteren Schwerpunkt bildet die öffentliche Daseinsvorsorge. Die SPD will die Gesundheitsversorgung insbesondere im ländlichen Raum sichern und Schulen personell stärken. Die Schulsozialarbeit soll dauerhaft aus Landesmitteln finanziert werden. Mittelfristig strebt die Partei bei den weiterführenden Schulen ein System aus Gymnasium und Gemeinschaftsschule an. Die Energiewende will sie fortführen, dabei aber bezahlbare Energie für Bevölkerung und Wirtschaft gewährleisten und Kommunen stärker an den Erträgen erneuerbarer Energien beteiligen. Bei Polizei und Justiz setzt die SPD auf bessere personelle Ausstattung, Aufstiegsmöglichkeiten und Digitalisierung. Die FDP tritt 2026 als wirtschaftsliberale Regierungspartei an und stellt Wachstum, Bildung, Digitalisierung und Bürokratieabbau in den Mittelpunkt ihres Programms. Sie regiert gemeinsam mit CDU und SPD in der sogenannten Deutschland-Koalition. Unter Spitzenkandidatin Lydia Hüskens, Landesvorsitzende und Ministerin für Infrastruktur und Digitales, will sie Unternehmen durch schnellere Genehmigungen, weniger Berichtspflichten und stärker digitalisierte Verwaltungsverfahren entlasten. Vorschriften sollen häufiger befristet und überprüft werden. Sonderwirtschaftszonen, etwa am Chemiestandort Leuna, sollen zusätzliche Investitionen ermöglichen. In der Bildung setzt die FDP auf digitale Kompetenzen, individuelle Förderung und Informatik-Profilklassen mit Schwerpunkt Künstliche Intelligenz. Pauschale Handy- oder Social-Media-Verbote an Schulen lehnt sie ab. Energiepolitisch fordert die Partei niedrigere Belastungen durch Netzentgelte und einen technologieoffenen Energiemix. Auch neue Kernenergietechnologien sollen geprüft werden. In der Migrationspolitik verbindet sie die gezielte Anwerbung von Fachkräften mit einer konsequenteren Durchsetzung von Abschiebungen. Im ländlichen Raum sollen Telemedizin und mobile Arztpraxen helfen, die medizinische Versorgung zu sichern. Die Grünen treten 2026 mit dem Anspruch an, Klimaschutz, wirtschaftliche Modernisierung und sozialen Zusammenhalt miteinander zu verbinden. Ihr Wahlprogramm unter dem Motto "Nur mit Grün wird Zukunft draus" sieht ein klimaneutrales Sachsen-Anhalt bis 2035 vor. Ein verbindliches Klimaschutzgesetz soll dafür konkrete Minderungsziele festlegen. Zudem wollen die Grünen den Klimaschutz als Staatsziel in der Landesverfassung verankern. Wind- und Solarenergie sowie die Infrastruktur für grünen Wasserstoff sollen weiter ausgebaut werden. Gerade für die Chemieindustrie betrachtet die Partei erneuerbaren Wasserstoff als wichtigen Baustein für die künftige Wettbewerbsfähigkeit. Weitere Schwerpunkte liegen auf Natur- und Wasserschutz, Bildung, Gesundheit und demokratischer Beteiligung. Kitas sollen personell besser ausgestattet, die Gesundheitsversorgung auch im ländlichen Raum gesichert und der öffentliche Nahverkehr ausgebaut werden. Gesellschaftspolitisch setzen die Grünen auf Gleichstellung, Antidiskriminierung und die Bekämpfung von Rechtsextremismus. Junge Menschen sollen mehr Mitsprache erhalten. Spitzenkandidatin ist die Co-Landesvorsitzende und Landtagsabgeordnete Susan "Suse" Sziborra-Seidlitz. Von 2016 bis 2021 waren die Grünen als kleinster Partner an der ersten sogenannten Kenia-Koalition Deutschlands aus CDU, SPD und Grünen beteiligt. Seit 2021 befinden sie sich in Sachsen-Anhalt in der Opposition. Die Freien Wähler treten in Sachsen-Anhalt seit 2011 bei Landtagswahlen an, haben den Einzug in den Landtag bislang aber verfehlt. 2026 treten sie mit einem kommunal geprägten und wertkonservativ-liberalen Programm an. Im Mittelpunkt stehen finanziell handlungsfähige Städte und Gemeinden sowie gleichwertige Lebensverhältnisse in Stadt und Land. Wirtschaftspolitisch setzt die Partei auf die Förderung von Mittelstand und Handwerk sowie den Erhalt industrieller Arbeitsplätze. Verwaltung und Genehmigungsverfahren sollen vereinfacht und stärker digitalisiert werden; dabei soll auch Künstliche Intelligenz zum Einsatz kommen. Sozialpolitisch wollen die Freien Wähler Familien durch kostenfreie Kitas und Horte entlasten. In der Gesundheitspolitik fordern sie eine flächendeckende Versorgung mit mehr Landärzten und den Erhalt gefährdeter Krankenhausstandorte, möglichst in kommunaler Trägerschaft. Sicherheitspolitisch setzt die Partei auf mehr Polizeipräsenz, einen gestärkten Verfassungsschutz und intelligente Videoüberwachung an besonders gefährdeten Orten. In der Migrationspolitik fordert sie unter anderem Sach- statt Geldleistungen für Asylsuchende. Zugleich will sie die direkte Demokratie durch Volks- und Bürgerentscheide ausbauen. Spitzenkandidat auf Listenplatz eins ist der kommissarische Landesvorsitzende André Weber. Die Basisdemokratische Partei Deutschland (dieBasis) trat 2021 erstmals zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt an und kandidiert 2026 erneut. Die Partei stellt direkte Demokratie, Grund- und Freiheitsrechte sowie die Begrenzung politischer Macht in den Mittelpunkt. Die Landesliste wird von Ines Härtling angeführt. Besonders weitreichend sind die institutionellen Reformvorschläge der Partei: Ministerpräsident und Landesverfassungsrichter sollen direkt gewählt werden, die Hürden für Volksentscheide sollen sinken und Bürger sollen beschlossene Gesetze durch ein Veto zur Volksabstimmung stellen können. Verfassungsänderungen sollen grundsätzlich der Zustimmung der Bevölkerung bedürfen. Einen zweiten Schwerpunkt bildet die Friedenspolitik. Die Partei lehnt militärische Großstrukturen, eine gesellschaftliche Militarisierung und den Umbau ziviler Unternehmen zu Rüstungsbetrieben ab. Wirtschaftspolitisch setzt sie auf Mittelstand, Handwerk und Eigenverantwortung. Einen weiteren Ausbau der Windkraft sowie die Förderung von Elektromobilität und Ladeinfrastruktur lehnt sie ab. In der Migrationspolitik fordert dieBasis schnelle Asylverfahren und feste Obergrenzen. Gesundheitspolitisch setzt sie auf wohnortnahe Versorgung sowie den Erhalt homöopathischer und komplementärmedizinischer Angebote. Medienpolitisch fordert sie eine Neugestaltung oder Kündigung des Medienstaatsvertrags. Die Tierschutzpartei wurde 1993 gegründet und hat ihre Wurzeln in der Tierrechtsbewegung. In Sachsen-Anhalt ist sie vor allem kommunalpolitisch verankert, unter anderem in Magdeburg und Naumburg. Bei der Landtagswahl 2021 kam sie auf 1,4 Prozent der Stimmen. Anfang 2026 benannte sie sich im Zuge eines geplanten Zusammenschlusses mit der Klimaliste Deutschland von "Partei Mensch Umwelt Tierschutz" in "Partei Mensch Klima Tierschutz" um. Zur Landtagswahl 2026 tritt die Tierschutzpartei mit einem Programm an, das Tier-, Klima- und Naturschutz mit sozialpolitischen Forderungen verbindet. Im Zentrum stehen weitreichende Tierrechte: Die Partei will Tierversuche und Massentierhaltung verbieten, Tierschutzvereine stärker unterstützen, eine Kastrationspflicht für freilaufende Katzen einführen und die sogenannte "Hobbyjagd" abschaffen. Grundsätzlich sollen Tierrechte nach ihrem Willen auch im Grundgesetz verankert werden. Klima- und verkehrspolitisch setzt die Partei auf energieeffiziente Gebäude, mehr Grünflächen, einen besser ausgebauten öffentlichen Nahverkehr und zusätzliche Radwege. Elektroautos sollen unter anderem durch kostenloses Parken gefördert werden. Sozialpolitisch fordert die Tierschutzpartei bessere Löhne und Arbeitsbedingungen in der Pflege und wendet sich gegen eine vorrangige Gewinnorientierung im Gesundheitswesen. Für Kitas sieht sie einkommensabhängige Gebühren vor. Bildung, Kultur und Freizeitangebote betrachtet sie als wichtige Faktoren für gesellschaftlichen Zusammenhalt und eine nachhaltige Entwicklung. Die Gartenpartei wurde 2013 in Magdeburg gegründet, ursprünglich als Reaktion auf geplante Bebauungen von Kleingartenanlagen. Politisch ist sie weiterhin vor allem in Magdeburg verankert. Bei den Landtagswahlen 2016 und 2021 blieb sie landesweit unter einem Prozent. Ihre Ausrichtung beschreibt die Partei selbst als "dunkelgrün" sowie "ökologisch, sozial und ökonomisch". Die Gartenpartei tritt 2026 mit einem Programm an, das ihre kommunalpolitischen Wurzeln mit sozial-, bildungs- und sicherheitspolitischen Forderungen verbindet. Ihr Kernthema bleibt der Schutz von Kleingärten, Grünflächen und Parkanlagen. Darüber hinaus fordert sie eine stärkere Aufforstung im Harz und will öffentliche Gelder teilweise zugunsten von Renaturierungsmaßnahmen umschichten. Im Tierschutz setzt sie sich unter anderem für die Abschaffung der Hundesteuer, artgerechtere Nutztierhaltung und eine stärkere Unterstützung von Tierheimen ein. Sozialpolitisch will die Gartenpartei alle Einkommensarten stärker in die Finanzierung der Sozialversicherungen einbeziehen. Im Bildungsbereich hält sie am gegliederten Schulsystem fest, fordert aber mehr Digitalisierung und eine bessere Qualifizierung von Seiteneinsteigern im Lehrerberuf. Im ländlichen Raum sollen Gemeinschaftspraxen und neue Versorgungskonzepte die medizinische Betreuung verbessern. Sicherheitspolitisch fordert die Partei mehr Polizeipersonal und sichtbare Streifendienste. Beim Asylrecht verbindet sie ein ausdrückliches Bekenntnis zum Grundrecht auf Asyl mit der Forderung nach effizienteren Verfahren, Integration und Rückkehrperspektiven. Die "Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative", kurz Die Partei, wurde 2004 von Redakteuren des Satiremagazins "Titanic" gegründet. Bundesvorsitzender ist seit der Gründung der frühere "Titanic"-Chefredakteur Martin Sonneborn. Der Landesverband Sachsen-Anhalt entstand Ende 2014. Die Partei versteht Politik vor allem als Gegenstand und Mittel der Satire. Sie persifliert sie Sprache, Rituale und Wahlversprechen anderer Parteien und verbindet dabei absurde Forderungen mit Anspielungen auf reale politische und gesellschaftliche Konflikte. Ihr Grundsatzprogramm stellt "Freiheit, Gleichheit und Schwesterlichkeit" heraus und greift unter anderem soziale Gerechtigkeit, Gesundheit, Umwelt- und Tierschutz sowie direkte politische Beteiligung auf. Kennzeichnend bleibt jedoch, dass programmatische Aussagen regelmäßig satirisch überzeichnet werden und sich ernst gemeinte Forderungen und Provokation nicht immer eindeutig voneinander trennen lassen. In Sachsen-Anhalt zeigte sich dieser Ansatz besonders deutlich im Wahlprogramm von 2016 mit dem Titel "95 Thesen - Für ein Sachsen-Anhalt in den Grenzen von 1953!". Darin forderte die Partei beispielsweise satirisch die Abschaffung der Schwerkraft und die Förderung von Störchen gegen den Bevölkerungsrückgang, griff mit der geforderten Umbenennung Dessau-Roßlaus in "Oury-Jalloh-Stadt Dessau" aber auch einen realen politischen Konflikt auf. Diese programmatischen Schwerpunkte gelten weiter, da noch nicht alle Forderungen von 2016 umgesetzt worden sind. Die "Allianz für Menschenrechte, Tier- und Naturschutz" (Tierschutzallianz) wurde 2013 in Magdeburg von ehemaligen Mitgliedern der Tierschutzpartei gegründet. Nach Angaben der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) waren strategische Differenzen und eine aus Sicht der Gründer unzureichende Abgrenzung der Tierschutzpartei vom rechten Spektrum ausschlaggebend. Der Landesverband Sachsen-Anhalt besteht seit 2015. Bei der Landtagswahl 2016 erreichte die Partei 1,0 Prozent, 2021 0,5 Prozent. 2026 tritt die Tierschutzallianz mit einem Programm an, das weitreichende Forderungen zum Tier- und Naturschutz mit sozial- und demokratiepolitischen Positionen verbindet. Im Mittelpunkt stehen ein strengeres Tierschutzrecht und ein Verbandsklagerecht für anerkannte Tierschutzorganisationen. Die Partei will die industrielle Massentierhaltung abschaffen, Tierversuche beenden und tierfreie Forschungsmethoden fördern. Auch Jagd und tiergestützte Unterhaltung lehnt sie ab. Tierheime sollen stärker unterstützt und Katzen sowie exotische Tiere besser geschützt werden. In der Landwirtschaft setzt die Partei auf ökologischen Landbau, regionale Wertschöpfung und eine Abkehr von agrarindustriellen Großanlagen. Darüber hinaus fordert die Tierschutzallianz mehr direkte Demokratie und niedrigere Hürden für Bürgerbegehren und Volksentscheide. Die Sperrklausel bei Wahlen will sie von fünf auf drei Prozent senken und das Wahlalter auf 16 Jahre herabsetzen. Gesellschaftspolitisch betont sie Menschen- und Frauenrechte sowie den Schutz von Kindern vor Gewalt. In der Gesundheitspolitik fordert sie eine bessere Bekämpfung von Krankenhauskeimen, in der Verkehrspolitik einen Modellversuch für kostenlosen öffentlichen Nahverkehr. Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) wurde Anfang 2024 gegründet. Im selben Jahr entstand der Landesverband Sachsen-Anhalt. Das BSW tritt 2026 erstmals zu einer Landtagswahl in Sachsen-Anhalt an und verbindet einen wirtschafts- und sozialpolitisch starken Staat mit restriktiver Migrationspolitik und einer ausgeprägten Friedens- und Abrüstungspolitik. Es lehnt höhere Rüstungsausgaben und eine Rückkehr zur Wehrpflicht ab und fordert, öffentliche Mittel stattdessen stärker in Bildung, Infrastruktur und Daseinsvorsorge zu investieren. Wirtschaftspolitisch setzt die Partei auf staatliche Investitionen, den Erhalt industrieller Arbeitsplätze und die Abschaffung der Schuldenbremse. Die Kommunen sollen vollständig entschuldet und zentrale Bereiche der Daseinsvorsorge wieder stärker in öffentliche Hand gebracht werden. Energiepolitisch fordert das BSW niedrigere Preise und einen technologieoffenen Energiemix. Erneuerbare Energien sollen weiter genutzt werden, nach Ansicht der Partei aber nicht allein die Versorgung tragen. Auch Braunkohle, Biogas und neue Reaktortechnologien spielen in ihrem Konzept eine Rolle. Energieimporte aus Russland schließt das BSW ausdrücklich nicht aus. In der Sozialpolitik setzt es auf mehr sozialen Wohnungsbau und eine wohnortnahe Gesundheitsversorgung. Migration will die Partei stärker begrenzen und steuern sowie Abschiebungen konsequenter durchsetzen. Zugleich fordert sie mehr direkte Demokratie und eine Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Einen besonderen Akzent setzt der Landesverband auf ostdeutsche Erfahrungen und eine kritische Aufarbeitung der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung seit der Wiedervereinigung. Die Partei des Fortschritts (PdF) wurde 2020 gegründet. Sie versteht sich als basisdemokratisch, proeuropäisch und wissenschaftsorientiert und lehnt für sich eine Einordnung in das klassische Links-Rechts-Schema ab. Politikwissenschaftlich wird sie als linksliberal charakterisiert. In Sachsen-Anhalt entstand die heutige Parteistruktur im September 2025 durch den Zusammenschluss mit den Freien Bürgern Mitteldeutschlands (FBM). Die PdF tritt zur Landtagswahl 2026 mit einem basisdemokratischen, proeuropäischen und sozialliberal geprägten Profil an. Ein Schwerpunkt ihres Zehn-Punkte-Programms ist die stärkere Beteiligung der Bürger: Die PdF fordert verbindliche Volksentscheide, verpflichtende Bürgerdialoge, eine Absenkung der Fünf-Prozent-Hürde und eine Begrenzung der Amtszeiten hauptamtlicher Mandatsträger auf zwei Perioden. Kommunen sollen eine gesetzlich garantierte, ausreichende Finanzausstattung erhalten und mehr eigene Handlungsmöglichkeiten bekommen. Im ländlichen Raum will die Partei medizinische Versorgung, einen verlässlichen öffentlichen Nahverkehr, schnelles Internet und Bildungsstandorte sichern. Sie fordert finanzielle Anreize für Landärzte, den Erhalt wohnortnaher Krankenhäuser sowie eine Unterrichtsgarantie. Familien sollen durch schrittweise gebührenfreie Kitas entlastet werden. Wirtschaftspolitisch setzt die PdF auf regionale Unternehmen, Mittelstand und Handwerk sowie eine Ansiedlungspolitik, bei der Fördermittel einen nachweisbaren Nutzen für die Region bringen sollen. In der Migrationspolitik fordert sie schnellere Asylverfahren, Integration durch Arbeit, Sprache und Bildung sowie die Rückführung von Menschen ohne Aufenthaltsrecht. Erneuerbare Energien will sie weiter ausbauen, ohne Bürger und Mittelstand einseitig finanziell zu belasten. Volt tritt 2026 erstmals zu einer Landtagswahl in Sachsen-Anhalt an. Die paneuropäische Partei verbindet eine progressive Gesellschaftspolitik mit Klimaschutz, Digitalisierung und einer stärkeren europäischen Zusammenarbeit. Bildungspolitisch fordert sie sechs Stunden kostenfreie Kita-Betreuung täglich ab dem ersten Lebensjahr und einen schrittweisen Übergang zu inklusiveren Schulen mit längerem gemeinsamem Lernen. Praxisnahe Kompetenzen und digitale Bildung sollen stärker im Unterricht verankert werden. Klima- und energiepolitisch setzt Volt auf ein verbindliches Klimaschutzgesetz, den Ausbau erneuerbarer Energien sowie den Schutz von Wäldern und Mooren. Bus und Bahn sollen insbesondere im ländlichen Raum ausgebaut und für Menschen mit niedrigem Einkommen günstiger werden. Schüler sollen den ÖPNV kostenlos nutzen können. In der Wirtschaftspolitik verbindet die Partei Innovationsförderung und Bürokratieabbau mit sozialen Standards: Öffentliche Aufträge sollen nur an Unternehmen vergeben werden, die Tarif- und Mindestlohnvorgaben einhalten. Verwaltung und Justiz will Volt stärker digitalisieren und dabei auch Künstliche Intelligenz einsetzen. Das Wahlalter bei Landtagswahlen soll auf 16 Jahre sinken. Sicherheitspolitisch fordert die Partei mehr Polizeipersonal, einen besseren Schutz kritischer Infrastruktur und einen stärkeren Katastrophenschutz. In der Migrationspolitik setzt Volt auf frühe Integration durch Sprache und Arbeit und lehnt die Bezahlkarte für Asylsuchende ab. Mit Material von der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) Mehr zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt - InterviewEx-SPD-Chef Gabriel über die AfD:Man kann eine "40-Prozent-Partei nicht mal eben verbieten"mit Video4:06 - Vor Landtagswahl in Sachsen-Anhalt:Bürgerwacht-Plan der AfD: Experte sieht rechtliche Bedenkenmit Video2:59 - TV-Debatte vor Landtagswahl:Schulze gegen Siegmund - so lief das DuellAndreas Postel, Magdeburgmit Video1:48 - Landtagswahl am 6. September:Wahl in Sachsen-Anhalt: Das sind die Spitzenkandidatenmit Video1:53

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31. August
Die Zeit (Politik)

Sachsen-Anhalt: AfD punktet vor Landtagswahl offenbar in allen sozialen Gruppen

Menschen aus allen sozialen Gruppen planen laut aktuellen Umfragen, bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt für die Alternative für Deutschland (AfD) zu stimmen. »Mittlerweile, muss man sagen, findet die AfD Unterstützung in allen Bevölkerungsgruppen«, sagte Stefan Merz vom Meinungsforschungsinstitut dimap im Deutschlandfunk. Stefan Merz schränkte ein, die AfD stütze sich auf einige soziale Gruppen weiterhin stärker. Die Daten zeigten nach wie vor einen idealtypischen AfD-Wähler: »ein männlicher Arbeiter mittleren Alters mit Haupt- oder Realschulabschluss, der eben nicht in Halle oder Magdeburg, sondern auf dem Land oder in einer Kleinstadt lebt«. AfD auch unter Frauen stärkste Partei Vor allem Männer gäben deutlich häufiger an, bei der Landtagswahl am Sonntag die AfD wählen zu wollen. Inzwischen schneide die Partei aber auch unter den Frauen am besten ab. Unter weiteren sozioökonomischen Merkmalen zeige sich ein ähnliches Bild. Demnach ist die AfD in dem Bundesland auch unter Älteren und Großstädtern zunehmend erfolgreich, ebenso wie unter Angestellten, Beamten und Abiturienten. Parteien, denen es gelingt, Wähler in allen sozialen Schichten und Gruppen zu gewinnen, werden oft als Volksparteien bezeichnet. Die Wahlmotive haben sich laut dem Wahlforscher dagegen kaum verändert. Zuwanderung und Asyl werden am häufigsten als Grund genannt, die Partei zu wählen, die der Verfassungsschutz in Sachsen-Anhalt als »gesichert rechtsextrem« einstuft. Insofern habe Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) Unrecht gehabt, als er im Sommerinterview am Sonntag sagte, Migration spiele bei den Landtagswahlen keine Rolle mehr. Jeder Dritte noch unentschieden Der Wahlexperte warnte zugleich davor, aktuelle Umfragen überzubewerten. Jeder Dritte in Sachsen-Anhalt habe sich noch nicht für eine Partei entschieden. Für Meinungsforscher sei es in dem Bundesland besonders schwer, das Wahlverhalten vorherzusagen. »Die Wahlen der früheren Jahre haben gezeigt, dass sehr viele Menschen erst auf den letzten Metern entscheiden«, sagte Stefan Merz.

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31. August
Die Zeit (Politik)

AfD-Wahlerfolge: Auf den Status kommt es an

Bettina Kohlrausch ist Direktorin des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung und Professorin für gesellschaftliche Transformation und Digitalisierung an der Universität Paderborn. Kann man dem Aufstieg der AfD Einhalt gebieten und wenn ja, wie? Die demokratischen Parteien wirken zunehmend ratlos. Wer darauf eine Antwort sucht, landet schnell bei der Frage, ob ökonomische oder kulturelle Faktoren die Wahl der AfD erklären. Diese Frage prägt die gesamte Debatte: So wird einerseits befürchtet, dass die geplanten Kürzungen im Sozialstaat der AfD helfen. Anderseits übernehmen CDU und BSW in moderater Form migrationsfeindliche Positionen der Partei, um deren Wählerschaft zurückzugewinnen. Aber was steht nun im Vordergrund: Ökonomie oder Kultur? Unsere umfangreiche empirische Forschung zeigt: Ökonomische Faktoren spielen durchaus eine entscheidende Rolle für den Erfolg der AfD und rechter autoritärer Parteien europaweit. Wer ökonomische Faktoren allerdings nur mit Haushaltseinkommen und damit individuellen finanziellen Ressourcen bemisst, springt zu kurz. Es geht nicht (nur) ums Konto. Es geht vor allem um Status und die gesellschaftlichen Teilhabeoptionen, die sich damit verbinden. Die aktuellen Umbrüche in der Industrie und drohenden Arbeitsplatzverluste gefährden nicht nur finanzielle Sicherheit, sondern entwerten hart erarbeitetes Können und Wissen. Aus unserer Forschung wissen wir, dass Statusbedrohungen dabei keinesfalls nur aus einem geringen Einkommen resultieren. Eine ebenso große Rolle spielen Transformationsängste und der Verlust von Anerkennung, Autonomie und Würde – alles Faktoren, die mit der Entscheidung, AfD zu wählen, zusammenhängen. Dabei zeigen qualitative Studien, dass auch die Beschäftigten, die von Transformationsprozessen, wie dem Verbrenner-Aus, unmittelbar betroffen sind, die Notwendigkeit dieser Veränderungen gar nicht infrage stellen. Aber sie erleben Transformationsprozesse oft als von oben angeordnete Vorgänge, bei denen ihre Expertise nicht mehr gefragt und ihr Gestaltungswille nicht gewünscht ist. Ganz egal, wie gut diese Beschäftigten durch Sozialtransfers aufgefangen werden, es bleibt eine entwürdigende Erfahrung, die mit Bedrohungsgefühlen durch Zuwanderung allerdings nichts zu tun hat. Diese Befunde stehen in Kontrast zu der These, die Martin Schröder zuletzt in der Zeitung aufgestellt hat: dass sich der Erfolg der AfD vor allem aus der Ablehnung von Zuwanderung speise, nicht aus ökonomischer Not oder der Angst davor. Die Wählerinnen und Wähler, so Schröder, begriffen Zuwanderung als Bedrohung ihrer Gruppe, ihrer sozialen Ordnung und einer Kultur, die ihnen heilig sei. Das ist eine starke These, aber ist es wirklich eindeutig? Wenn dem so wäre: Warum hat sich die Zustimmung zur AfD verdoppelt, seit Friedrich Merz der CDU eine migrationskritische Haltung verordnet hat, statt sich zu halbieren, wie er es versprochen hatte? Warum ist der Einzug des BSW in den Landtag von Sachsen-Anhalt alles andere als sicher? Und wenn Zuwanderung als Angriff auf die eigene Kultur erlebt wird, warum ist die AfD oft gerade dort am erfolgreichsten, wo es kaum Zuwanderung gibt? Der Blick in die Empirie zeigt: Es ist zielführender, das Zusammenspiel ökonomischer und kultureller Faktoren in den Blick zu nehmen, statt sie gegeneinander auszuspielen. Die Ablehnung von Zuwanderung ist dafür ein gutes Beispiel, die, da ist die Forschungslage eindeutig, eng mit der Wahl der AfD zusammenhängt. Die Ablehnung von Zuwanderung, hinter der ohne Zweifel oft manifeste rassistische und menschenfeindliche Einstellungen stehen, ist aber nicht gleichmäßig über die Gesellschaft verteilt, sondern besonders stark ausgeprägt bei Personen mit geringem Einkommen, geringer Bildung, sogenannten »blue-collar workers«, aber eben auch bei Menschen, die aus ganz anderen Gründen zu den Verunsicherten zählen: weil sie fürchten, durch Transformationsprozesse wie die Digitalisierung oder den ökologischen Wandel ihren Job zu verlieren. Eine Erklärung dafür liefern die Sozialwissenschaftler Amelinger und Nachtwey, die argumentieren, dass ökonomische Ungleichheiten und individuelle Abstiegserfahrungen – beides hat in Deutschland zugenommen – das Gefühl nähren, gesellschaftliche Teilhabeoptionen seien ein Nullsummenspiel. Teilhabezugeständnisse an bestimmte Gruppen, etwa Geflüchtete oder Empfängerinnen von Grundsicherung, gehen in dieser Logik immer auf Kosten anderer gesellschaftlicher Gruppen. Die Verteilungskämpfe, die aus diesem Nullsummendenken notwendigerweise resultieren, verlaufen dabei horizontal – zwischen ohnehin schon Verunsicherten – und nicht vertikal (also gegen die, die tatsächlich von Ungleichheit profitieren). Das ist für Menschen, die ihren eigenen sozialen Status als unsicher erleben, besonders bedrohlich. Statusängste und Statusbedrohungen resultieren also aus ökonomischen Faktoren, finden aber ihren Ausdruck auch in kulturellen Fragen. Das liegt auch daran, dass es der AfD in den letzten Jahren erfolgreich gelungen ist, ökonomische Konflikte, insbesondere Verteilungskonflikte, kulturell zu überformen – und damit genau jene Verunsicherten anzusprechen, die sich von der Politik nicht mehr gesehen fühlen. Sie war damit auch deshalb so erfolgreich, weil progressive Parteien hier eine Lücke hinterlassen haben. Obwohl es in der Bevölkerung ein großes Unrechtsempfinden über die wachsende soziale Ungleichheit gibt, wurden verteilungspolitische Debatten in den letzten Jahren kaum und, wenn überhaupt, sehr technisch und kleinteilig geführt. Wer den Sozialstaat primär als Unterstützungssystem für eine kleine, besonders bedürftige Gruppe darstellt, formuliert kein attraktives gesellschaftliches Angebot für die Mehrheit der Bevölkerung – schon gar nicht für die, die sich ohnehin fragen, ob für sie noch etwas übrig bleibt. Eine alternative Perspektive wäre, den Sozialstaat wieder stärker als Instrument vertikaler Verteilung und als kollektives »Sozialeigentum« zu begreifen. Soziale Sicherungssysteme, Bildungszugänge, öffentliche Infrastruktur, Wohnraum oder auch genossenschaftliche Eigentumsformen sind »Sozialeigentum«, also Ressourcen, die gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen und vielen gehören, nicht nur wenigen.

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30. August
FAZ (Wirtschaft)

Landtagswahl: Sie bewegen Sachsen-Anhalt

Landtagswahl : Sie bewegen Sachsen-Anhalt Eine Politikerin, ein Winzer, eine Kulturmanagerin: Vor fünf Jahren haben sie der F.A.S. erzählt, was sie für ihr Bundesland erhoffen. Jetzt wird wieder gewählt. Die Sorgen sind gewachsen, obwohl im Land vieles gut läuft. Die Zahlen sahen ganz schön dramatisch aus, dachte man damals. Als Sachsen-Anhalt vor fünf Jahren seinen Landtag wählte, sagten die Umfragen der Rechts-außen-Partei AfD zwischen 23 und 26 Prozent der Stimmen voraus. Am Ende wurden es 20,8 Prozent, ein Minus von 3,5 Punkten im Vergleich zur vorausgegangenen Wahl. Weit vorne lagen damals die Christdemokraten des amtierenden Ministerpräsidenten Reiner Haseloff, der sein Amt inzwischen abgegeben hat. Sie bildeten eine Regierung mit SPD und FDP. Fünf Jahre später klingt das aus der Sicht der demokratischen Mitte fast schon idyllisch. In den aktuellen Umfragen steht die AfD bei rund 40 Prozent. Ob das für eine absolute Mehrheit der Mandate im Landtag reicht, hängt vom Ergebnis der Kleinen ab. In der jüngsten Umfrage des Instituts Infratest dimap zeichnete sich ein taktisches Wahlverhalten ab: Für SPD und Grüne haben sich die Aussichten auf einen Wiedereinzug in den Landtag verbessert. Eine CDU-geführte Regierung wäre trotzdem auf die Tolerierung durch die Linke angewiesen, wenn sie nicht mit der AfD zusammenarbeiten will. Die AfD tritt ihrerseits in Sachsen-Anhalt besonders aggressiv auf. Sie verspricht in ihrem Wahlprogramm eine Willkommensprämie nur für Babys mit deutschem Elternteil, wettert gegen moderne Architektur und die beiden großen christlichen Kirchen. Auf einer Veranstaltung in Dessau-Roßlau grinsten Parteivertreter hämisch, als der Kabarettist Uwe Steimle nahelegte, statt auf Adolf Hitler hätte der Widerstandskämpfer Graf von Stauffenberg lieber ein Attentat auf den heutigen Bundeskanzler Friedrich Merz verüben sollen. In seiner Not setzt CDU-Ministerpräsident Sven Schulze seinerseits auf unkonventionelle Methoden. Den Rentenkompromiss der Bundesregierung, den er vor wenigen Wochen noch begrüßt hatte, lehnt er neuerdings ab. Und im Wahlkampf trat er unter dem Schlagwort der Meinungsfreiheit mit dem aus Dessau stammenden Komiker Dieter Hallervorden auf, der prompt gegen die neue Generalsekretärin der Bundespartei polemisierte und den Bundeskanzler einen Kriegstreiber nannte. Das trifft offenbar einen Nerv. Nach dem jüngsten „Sachsen-Anhalt-Monitor“ der Hochschule Magdeburg-Stendal im Auftrag der Landeszentrale für politische Bildung sorgen sich 83 Prozent der Einwohner um den Frieden. Ähnlich einig sind sich die Sachsen-Anhalter der Umfrage zufolge nur in der Annahme, Langzeitarbeitslose machten sich auf Kosten der Gesellschaft ein schönes Leben. Umgekehrt sprechen sich 87 Prozent der Befragten gegen ein rückwärtsgewandtes Frauen- und Mutterbild aus, und 80 Prozent bekunden Akzeptanz für gleichgeschlechtliche Lebensformen. Ihre persönliche Lage schätzen die meisten Einwohner positiv ein, die Lage des Landes hingegen bewerten sie skeptisch. Tatsächlich ist Sachsen-Anhalt mit einem Pro-Kopf-Sozialprodukt von 38.452 Euro im Jahr noch immer das ärmste unter den Bundesländern, inflationsbereinigt ist der Wert in den zurückliegenden fünf Jahren sogar leicht gesunken. Allerdings stehen die übrigen Ost-Länder nur minimal besser da. Auch in schwächeren West-Ländern liegen die Zahlen nicht viel höher. Schon vor fünf Jahren porträtierte die F.A.S. drei Persönlichkeiten, die in Sachsen-Anhalt etwas bewegen wollen: eine Politikerin, die damals aus einer Außenseiterposition den Sprung in die Regierung schaffte; einen aufstrebenden Winzer, der im Saale-Unstrut-Gebiet Große Gewächse erzeugt; eine Kulturmanagerin, die damals gerade die Leitung des heute so umstrittenen Bauhauses in Dessau übernahm. Wie ist es ihnen in der Zwischenzeit ergangen – und wie schauen sie heute auf die Zukunft des Landes? Die Politikerin Der Landtag in Magdeburg ist eine Baustelle, Touristen bewundern das Hundertwasser-Haus nebenan, die Straßencafés sind gut besucht. Lydia Hüskens empfängt in den Räumen der FDP-Landtagsfraktion, in einem Bürogebäude am Hochufer der Elbe. „Freiheit“, steht in pinkfarbenen Leuchtbuchstaben an der schwarz gestrichenen Wand. Vor fünf Jahren war Hüskens erfolgreich. Mit 6,4 Prozent kehrte die Partei in den Landtag zurück. Dass sie regieren würde, glaubte sie am Morgen nach der Wahl aber nicht, schließlich hatten CDU und SPD gemeinsam eine knappe Mehrheit von einem Mandat. Aber vor allem die CDU war sich ihrer Abgeordneten nicht sicher genug. „Ich bin dann im Laufe des Tages von beiden Parteien angerufen worden“, erinnert sich Hüskens. Am Abend beschloss sie mit den Parteigremien, in Sondierungsgespräche einzutreten. Man habe sie in der Regierung nie spüren lassen, dass die FDP-Stimmen eigentlich nicht nötig seien, sagt sie. Sie selbst wurde dann Ministerin für Digitales, ein zentrales Anliegen der FDP, und für Infrastruktur. Sie hält sich vor allem die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung zugute. Im Länderindex des Branchenverbandes Bitkom erreicht das früher abgeschlagene Sachsen-Anhalt im Bereich Governance und Verwaltung inzwischen einen soliden Mittelplatz. Geht es nach ihr, sollen die Kommunen alle Leistungen künftig nur noch digital anbieten; wer seine Daten nicht selbst eintippen will, kann aber weiterhin aufs Rathaus gehen. Schwieriger ist es mit den Verkehrswegen. Wichtigstes Projekt ist derzeit die Altmark-Autobahn. Sie soll die große Lücke im deutschen Autobahnnetz schließen, die bislang im Dreieck zwischen Berlin, Hamburg und Hannover klafft. Bei der bundeseigenen Autobahngesellschaft kann Hüskens aber nur drängeln, nichts beschließen. Und seit der Berliner Parteifreund Volker Wissing das Deutschlandticket einführte, muss sie sich angesichts der hohen Nachfrage um mehr Kapazitäten im Regionalverkehr kümmern. Der Versuch, der Landeshauptstadt eine bessere Anbindung an den Fernverkehr zu verschaffen, erübrigt sich aus demselben Grund: Seit die Fahrt mit dem Regionalzug quasi gratis ist, mag kaum noch jemand Geld bezahlen für den nur 15 Minuten schnelleren Intercity. Auf die Frage, warum die Leute bei all den Fortschritten so unzufrieden sind, gibt Hüskens eine klassische FDP-Antwort: Das liege vor allem an einem Staat, der immer mehr ins Leben der Menschen hineinregiere, zuletzt mit der Zuckersteuer: „Da passiert etwas, was sich für manche anfühlt wie die DDR.“ Vor der Hoffnung mancher Leute, die AfD werde sich nach einer möglichen Machtübernahme schon selbst entzaubern, warnt sie allerdings. „Als Historikerin habe ich das schon mal gehört“, sagt sie dazu in Anspielung auf eine Regierungsbildung im Januar 1933. „Das funktioniert nicht.“ Auch sie setzt nun in Werbeclips auf das taktische Argument: Wer eine absolute Mandatsmehrheit für die AfD verhindern will, muss die Kleinen wählen. „Sechs Prozent für die FDP helfen mehr als ein halbes Prozent, das bei der CDU landet.“ Bisher funktioniert das nicht ganz so gut wie für SPD und Grüne, die in den Umfragen besser dastehen und gegen die AfD stärker mobilisiert sind. Aber auf vier Prozent hat es die FDP in Umfragen schon gebracht – womöglich auch, weil der neue Parteichef Wolfgang Kubicki in Ostdeutschland besser ankommt als seine Konkurrentin Marie-Agnes Strack-Zimmermann mit ihrem strammen Anti-Putin-Kurs. Der Winzer Auf den ersten Blick sieht im Weingut noch immer alles so aus wie vor fünf Jahren. Da sind die blassgelb gestrichenen, historischen Gebäude mit ihren grünen Fensterläden, darüber der steile Hang, die Große Lage Naumburger Steinmeister, die zugleich die edelsten Gewächse hervorbringt. Und Matthias Hey sitzt wieder genauso in seiner Probierstube, mit derselben Begeisterung erzählt er von seinem Produkt, das in gewisser Weise ja auch ein Kulturgut ist – hier, im nördlichsten geschlossenen Weinbaugebiet Deutschlands an Saale und Unstrut. Von „Cool Climate“, wie es einst hieß, kann allerdings auch hier kaum noch die Rede sein. Aber es hat sich einiges getan, Hey hat expandiert. Ganz hinten duckt sich in den kleinen Taleinschnitt ein neues Gebäude, das jetzt die Stahltanks, die Holzfässer und das Flaschenlager beherbergt. Er hat Lagen an der oberen Unstrut hinzugekauft, auf insgesamt zehn Hektar baut er jetzt Wein an. Dazu hat er Personal eingestellt, einen Kellermeister und eine Absolventin aus Geisenheim, wo auch er selbst einst studierte. Zum ersten Mal gibt es einen Lehrling, er wollte ursprünglich Polizist werden, fand dann aber Gefallen am Weinbau. Sein Mann kümmert sich ums Marketing, vor drei Jahren haben sie geheiratet. Acht Leute sind es jetzt insgesamt. Ums Essen aber muss er sich jetzt selbst kümmern, der Koch ist weitergezogen, und die Gastronomie ist in der Zwischenzeit wichtiger geworden fürs Weingut. Weiter expandieren will er vorerst nicht, erst mal Ruhe hereinbekommen in den Betrieb, statt an der Quantität weiter an der Qualität arbeiten. Er arbeitet nur noch mit Spontangärung, verwendet keine Reinzuchthefen. Das macht die Weine vielschichtiger, aber vielleicht auch weniger tauglich für den Massengeschmack. Dass es ihm um ebendiese Masse nicht geht, das hat auch damit zu tun, dass die Leute heute weniger Wein trinken. Hey glaubt nicht, dass das vor allem an einem gewachsenen Gesundheitsbewusstsein liegt. „Die Leute sind nicht weniger genussfreudig als vor fünf Jahren“, sagt er. „Durch die Inflation haben sie einfach weniger Geld zur Verfügung.“ Tatsächlich sind die hiesigen Weine im Vergleich zum deutschen Südwesten nicht mehr so hochpreisig wie früher. Umso wichtiger bleibt der regionale Markt, vor allem die nahe Großstadt Leipzig, wo Hey-Weine stark vertreten sind. „Ich dachte, ihr seid ein riesengroßes Weingut“, hat mal ein Leipziger Händler zu ihm gesagt. Aber natürlich beschäftigt den Winzer auch die politische Lage im Land. Neulich sagten ihm Gäste, ein Freundeskreis aus Frankfurt, München, Berlin: „Wir wären fast nicht hierhergekommen. Wir hatten Angst, dass wir uns hier nicht wohlfühlen.“ Erlebt hätten sie aber das Gegenteil: freundliche Leute, Kulturreichtum, tolle Landschaft. „Das sind leider 40 Prozent der Leute, die wählen gehen, bei einer Wahlbeteiligung von zuletzt 60 Prozent“, sagt Hey über die hohen Umfragewerte der AfD. „Das ist immer noch eine Minderheit, wenn auch eine laute.“ Natürlich ist auch er nicht mit allem zufrieden. „Ich glaube, die Menschen in Ostdeutschland sind sensibler in Bezug auf Ungerechtigkeiten.“ Wenn zum Beispiel der Höchststeuersatz schon bei weniger als 3800 Euro netto im Monat greift. Das trifft dann eben auch ihn als Unternehmer. „Ich verstehe die Enttäuschung“, sagt er. „Aber ich verstehe nicht, dass man deshalb eine solche Partei wählt.“ Manchmal werde postuliert: Na ja, die werden sich dann selbst entzaubern. „Aber 1933 wurde auch nichts entzaubert“, fügt Hey ähnlich wie die FDP-Politikerin aus Magdeburg hinzu. Hey selbst hat sich so etwas wie ein „Alltags-Heldentum“ vorgenommen, „dass man einfach in kleinen Alltagssituationen Grenzen markiert“. Ans Weggehen denkt er noch nicht. „Ich sehe es eher so: Es kommt jetzt eine Zeit, in der man sich einbringen muss als Mensch.“ Die Kulturmanagerin Als die F.A.S. vor fünf Jahren per Videokonferenz mit ihr sprach, war Barbara Steiner noch gar nicht richtig da. Sie leitete damals das Kunsthaus in Graz, der zweitgrößten österreichischen Stadt, und trat erst wenige Wochen später ihre neue Stelle als Direktorin der Stiftung Bauhaus Dessau an. Jetzt ist sie angekommen, und wie. Sie wirbelt mit ihrer grellroten Bluse durch die Gänge jenes Bauhausgebäudes, das in diesem Jahr hundert Jahre alt wird. Damals waren die später weltweit gefeierten Verfechter des Schnörkellosen in Architektur und Design vor den politischen Verhältnissen im thüringischen Weimar nach Anhalt geflüchtet. Dass die Österreicherin Steiner derzeit so eine gefragte Person ist, das hat nicht bloß mit dem Jubiläum zu tun, sondern auch mit der Frage, ob sich Geschichte in diesem Punkt wiederholt. Im Oktober 2024 brachte die AfD-Fraktion im Landtag von Sachsen-Anhalt einen Antrag ein, in dem sie das historische Bauhaus einen „Irrweg der Moderne“ nannte. Als Urheber des Antrags wie des radikalen Wahlprogramms gilt der Abgeordnete Hans-Thomas Tillschneider, der auch kulturpolitischer Sprecher seiner Fraktion ist. Die Direktorin war ein wenig überrascht. Schließlich hatte der Kulturausschuss des Landtags erst zwei Monate zuvor in Dessau getagt. Der jetzige Spitzenkandidat Ulrich Siegmund und ein Abgeordnetenkollege hätten positiv-interessierte Fragen zum Bauhaus-Jubiläum gestellt, das sich durchaus auch kritisch mit der Moderne befasse. „Ich muss annehmen, dass sie über diese Sitzung gar nicht mit Herrn Tillschneider sprachen, der meines Erachtensein ganz persönlich ein Problem mit der Moderne hat.“ Auch die AfD in Dessau sehe das Bauhaus offenbar anders. Schließlich sei es auch ein Wirtschaftsfaktor für die Stadt: In gewöhnlichen Jahren kommen 150.000 Besucher, fürs Jubiläumsjahr 2026 rechnet Steiner sogar mit 200.000 Interessenten. Und das in einer Stadt mit rund 70.000 Einwohnern Über die politischen Verhältnisse im Land spricht Steiner bemerkenswert ruhig, mit Besorgnis zwar, aber ohne Panik. Das mag auch an ihren Erfahrungen aus Graz liegen. Damals saß die rechtspopulistische FPÖ in der Stadtregierung. „Der FPÖ-Vertreter im Aufsichtsrat trug alle Beschlüsse mit“, berichtet Steiner nun. „Er spendete sogar sein Sitzungsgeld für Inklusionsprojekte.“ Die Frage, wie sie sich auf eine mögliche Machtübernahme der AfD vorbereitet, wehrt Steiner erst mal ab: „Darauf können Sie sich nicht vorbereiten, denn Sie wissen nicht, was passiert. Eine Richtung in der Partei sagt, wir verhalten uns nicht wie erwartet, wir verhalten uns moderat. Die anderen sagen, wir machen Tabula rasa.“ Es gehe aber nicht darum, bloß abzuwarten. Das Bauhaus nutze die Zeit, um für ein vielfältiges Kulturverständnis zu werben. Über das Land, gibt sie zu, habe sich ein Grauschleier gelegt, was die Stimmung betrifft. „Ich sehe jedoch sehr viel Positives, das in den letzten Jahren auf den Weg gebracht wurde. Das lässt mich eine gewisse Zuversicht behalten. Hoffentlich wird dieser Weg nicht unterbrochen.“ Und dann legt sie los, redet über Innovation und Veränderung, darüber, was sich im Land alles tut: über ein Forschungszentrum in Köthen, das zu Nahrungsmitteln und Biokunststoffen aus Algen forscht, über innovative Windräder, über Spezialglas aus Sachsen-Anhalt, das in aller Welt verbaut wird. Nach Aufgeben klingt das nicht.

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29. August
ZDF heute

Drei Szenarien: Wie es nach der Wahl weitergehen könnte

Landtagswahl in Sachsen-Anhalt:Drei Szenarien: Wie es nach der Wahl weitergehen könnte von Luisa Houben Auch wenn sich in Sachsen-Anhalt ein AfD-Wahlsieg abzeichnet, ist offen, wer am Ende regiert - die AfD, ein breites Bündnis ohne die AfD oder eine Minderheitsregierung? Am 6. September wählen die Menschen in Sachsen-Anhalt einen neuen Landtag. In Umfragen liegt die AfD deutlich vor der CDU. Im aktuellen ZDF-Politbarometer folgen Die Linke, SPD und Grüne. FDP und BSW verfehlen die Fünf-Prozent-Hürde. Bis zur Wahl kann sich noch einiges bewegen. Wer am Ende regieren kann - offen. Drei mögliche Szenarien: 1. Die AfD regiert mit absoluter Mehrheit Zum ersten Mal überhaupt könnte die AfD bei einer Landtagswahl die absolute Mehrheit holen. Dafür wären nicht zwingend 50 Prozent der Wählerstimmen nötig. Eine absolute Mehrheit kann auch entstehen, wenn mehrere kleinere Parteien an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern. Ob die AfD Ulrich Siegmund zum Ministerpräsidenten wählen kann, hängt demnach auch davon ab, wie viele andere Parteien es in den Landtag schaffen. Aus heutiger Sicht nach dem aktuellen Politbarometer wäre eine absolute Mehrheit für die AfD eher unwahrscheinlich. Ausgeschlossen erscheint sie aber nicht, wie Rechenbeispiele zeigen: Der Politikwissenschaftler Benjamin Höhne sieht bei dieser Wahl "eine Chance für kleinere Parteien". Grund sei das fehlende Landesvaterimage des amtierenden CDU-Ministerpräsidenten Sven Schulze. Das könnte dazu führen, dass sich die Stimmen nicht ausschließlich auf die Amtsinhaber- und die Herausforderer-Partei konzentrieren, so Höhne. Am 6. September wählt Sachsen-Anhalt einen neuen Landtag. 20 Parteien stellen sich zur Wahl. Die AfD liegt in Umfragen vorn. Was bewegt die gut zwei Millionen Menschen im Land? 25.07.2026 | 13:54 min2. Ein breites Bündnis ohne die AfD Wird die AfD zwar stärkste Kraft, verfehlt aber die absolute Mehrheit, könnten andere Parteien gemeinsam eine Regierung bilden. Nach der aktuellen Politbarometer-Umfrage würden neben der AfD auch CDU, Linke, SPD und Grüne in den Landtag einziehen. FDP und BSW kämen auf drei Prozent. Ob es für ein Dreierbündnis reicht, ist unklar. Womöglich müsste ein CDU-geführtes Bündnis von der Linken unterstützt werden. In Sachsen-Anhalt steht die CDU vor der Landtagswahl unter Druck. Laut Prognosen fehlen ihr ohne Kooperation mit der AfD oder der Linken die nötigen Stimmen für eine Mehrheit. 03.08.2026 | 2:48 min"Der Unvereinbarkeitsbeschluss der CDU wurde zumindest im Osten von den politischen Realitäten eingeholt", erklärt der Politikwissenschaftler Benjamin Höhne. Er traut der CDU zu, dass sie "als eine pragmatische Partei nüchtern abwägen könne, in welche Richtung sie sich öffnet". Die Linken-Spitzenkandidatin Eva von Angern hat sich schon gesprächsbereit gezeigt. CDU-Ministerpräsident Sven Schulze hingegen sagt immer wieder, er wolle sich weder von den Linken noch der AfD abhängig machen. Seit Monaten polarisiert das sogenannte Regierungsprogramm der AfD für Sachsen-Anhalt. Kurz vor der Landtagswahl überprüft "frontal" besonders umstrittene Vorhaben: Pflege, Kultur und Bildung. 25.08.2026 | 13:22 min3. Eine Minderheitsregierung Sollte weder die AfD die absolute Mehrheit holen, noch die anderen Parteien sich einigen können, könnte es eine Minderheitsregierung geben. Denn bei der Ministerpräsidentenwahl in Sachsen-Anhalt gilt: In den ersten beiden Wahlgängen im Landtag braucht es eine absolute Mehrheit, im dritten Wahlgang genügt die Mehrheit der abgegebenen Stimmen. Es gewinnt der Kandidat, der die meisten Ja-Stimmen bekommt. So könnte die CDU Ministerpräsident Sven Schulze auch ohne Regierungskoalition wiederwählen. Oder aber die AfD Ulrich Siegmund zum Ministerpräsidenten machen. Die Chance auf eine AfD-Minderheitsregierung bestünde zum Beispiel, wenn es das BSW in den Landtag schafft. Denn das BSW hatte angedeutet, sich in einem dritten Wahlgang enthalten zu wollen. Welche Perspektiven ein solches Bündnis im Osten hätte, hat ZDF-Korrespondentin Andrea Maurer recherchiert. Aus ihrer Sicht sucht Wagenknecht nur Aufmerksamkeit im Wahlkampf. 02.06.2026 | 4:46 minJede Minderheitsregierung stünde vor einer enormen Herausforderung: Um Regierungsvorhaben umzusetzen, wäre sie auf Stimmen anderer Parteien angewiesen. Eine Zusammenarbeit mit der AfD lehnen aber alle Parteien außer dem BSW kategorisch ab. Und die CDU liefe Gefahr, dass sie den Unvereinbarkeitsbeschluss nach rechts oder links bricht. Eine CDU-Minderheitsregierung für Sachsen-Anhalt hält Höhne für "kein unwahrscheinliches Szenario". Traditionelle Vorbehalte seien zwar stark, gleichzeitig mache die CDU in Sachsen vor, dass es funktionieren kann. "Dort arbeitet die Landesregierung mitunter mit der Linkspartei zusammen, aber kaum mit der Anti-Mainstreampartei BSW und gar nicht mit der rechtsextremen AfD." Lassen Sie sich Beiträge von ZDFheute bevorzugt bei Google anzeigen. → Hier ZDFheute als bevorzugte Quelle einstellen. Mehr zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt - TV-Debatte vor Landtagswahl:Schulze gegen Siegmund - so lief das DuellAndreas Postel, Magdeburgmit Video1:48 - AfD will mehr Abschiebungen:Fachkräftemangel: Wer hält Sachsen-Anhalt am Laufen?von Andreas Weisemit Video1:58 - Landtagswahl am 6. September:Wahl in Sachsen-Anhalt: Das sind die Spitzenkandidatenmit Video1:53

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29. August
taz (Öko & Co)

Landtagswahlen im Osten: Aus der Schockstarre

Landtagswahlen im Osten : Aus der Schockstarre Der Siegeszug der AfD scheint insbesondere in Ostdeutschland kaum noch aufhaltbar zu sein. Aber es gibt auch die anderen – die nicht rechts wählen. T urbulente Zeiten können zur Folge haben, dass die Zeit plötzlich seltsam fließt. Mal scheint sie zu kriechen, mal zu eilen. Heute ist nur noch schwer nachzuempfinden, wie groß der Furor war, als 2017 mit der Alternative für Deutschland erstmals seit der Wiedervereinigung eine rechte Partei ein zweistelliges Ergebnis bei einer Bundestagswahl einfuhr. „Zweistellig“, „Zeitenwende“, solche Wörter wurden in Talkshows, Zeitungsartikeln und Sachbüchern wiederholt – angesichts der 12,6 Prozent. Zwar war die Partei im Osten schon längst stärker – in Sachsen-Anhalt kam sie 2016 auf 24 Prozent. Doch dass eine rechte Partei auf gesamtdeutscher Ebene politisch relevant wurde, galt vielen als bedeutendere Zäsur. Während sich die AfD in den Jahren danach weiter nach rechts entwickelte, verloren „zweistellige“ Ergebnisse an Schockeffekt. Bei der jüngsten Bundestagswahl 2025 wurde die Partei in sämtlichen ostdeutschen Bundesländern stärkste Kraft. Bei den bevorstehenden Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern wird sich dieser Trend laut aktuellen Umfragen fortsetzen. Mindestens in Sachsen-Anhalt ist nun eine einstellige Zahl relevant: der knappe Abstand zur absoluten Mehrheit. Dass eine rechtsextreme Partei in einem deutschen Bundesland vielleicht schon bald mit absoluter parlamentarischer Mehrheit regieren könnte, ist nicht mehr leicht aus der Vorstellung zu verbannen. Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten linken Meinungsspektrums. Zum Regieren könnten auch weniger als 50 Prozent ausreichen. Längst bauen CDU und BSW die „Brandmauer“ ab, blinken in Richtung Koalition oder setzen AfD-Politik gleich selbst um – in der immer vergeblicher wirkenden Hoffnung, ihr damit zuvorzukommen. Indes sind Empörung und Wut darüber einer Art Schockstarre gewichen. Großdemonstrationen gegen den erstarkenden Rechtsextremismus, wie es sie das letzte Mal im Mai 2024 gab, bleiben bislang weitgehend aus. Die niedrigsten Flüchtlingsquoten bundesweit Proteste gegen rechte Demos wiederum fallen klein aus. Rekordwerte rechtsextremer Gewalt erzeugen keine wochenlangen Debatten. In Teilen des ländlichen Ostdeutschlands spielen Parteien abseits der AfD im Wahlkampf so gut wie keine Rolle mehr. Sachbücher ändern ihre Tonlage: Die Autorin Jana Hensel, die seit Jahrzehnten stets einfühlsam über Ostdeutschland schreibt und redet, beginnt ihr neues Buch „Es war einmal ein Land“ mit einer Art vorgezogenem Nachruf auf die Demokratie: Nach den Wahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern droht erstmals eine AfD-Regierung. Die taz berichtet, was auf dem Spiel steht – und wer jetzt die Demokratie verteidigt. Alle Texte zur Serie finden Sie hier. „Gut 25 Jahre nachdem Hunderttausende Menschen auf die Straße gegangen sind, um, nein, nicht für Bananen und Westautos zu demonstrieren, sondern vor allem für Meinungsfreiheit, freie Wahlen und Reisefreiheit, geht die Ära der Demokratie hier fürs Erste zu Ende.“ Zwar weist Hensel auch darauf hin, dass es sich beim aufsteigenden Rechtsradikalismus keineswegs um ein rein ostdeutsches, nicht einmal um ein rein deutsches Phänomen handle. Im Osten, so Hensel, gehe die Demokratie allerdings anders unter, „radikaler, als wir uns das vorstellen mochten“. Wie kann man sich das vorstellen? Sollte die AfD in Sachsen-Anhalt (SAH) oder Mecklenburg-Vorpommern (MV) regieren, würde das demokratische System vermutlich noch immer nicht direkt zusammenbrechen. Einen erheblichen Bruch werden Teile der dortigen Bevölkerung aber recht schnell spüren, vor allem Migrant*innen, queere Menschen, die Medien und die politische Opposition. Ganze 43 Punkte des AfD-Wahlprogramms für Sachsen-Anhalt drehen sich um die konkrete Organisation von Abschiebungen, die Abschaffung des Grundrechts auf Asyl und etliche weitere Antimigrationsmechanismen. Im mecklenburg-vorpommerischen Programm geht es unter dem Punkt „Ordnungsland MV“ fast ausschließlich um beziehungsweise gegen Geflüchtete und andere Migrant*innen. Mit 3,7 (SAH) und 3,3 Prozent (MV) haben die beiden Bundesländer aktuell einige der niedrigsten Anteile an Geflüchteten in ihrer jeweiligen Landesbevölkerung. Weniger Mittel für Initiativen und Projekte Nach den Vorstellungen der AfD sollte dieser Anteil gegen null tendieren. Die Möglichkeiten für radikalere Abschiebepolitik haben SPD, CDU, Grüne und FDP in den vergangenen Jahren schon geschaffen. In vielen Fällen muss die AfD im Osten kaum bis gar nicht an der Gesetzgebung schrauben, um ihre Träume von der „Remigration“ als glaubhaftes politisches Versprechen zu verkaufen. Was sie braucht, ist Personal. Deswegen dreht sich ein beträchtlicher Teil beider Wahlprogramme um die Aufstockung und Erweiterung der Befugnisse der Polizei und anderer Behörden. Auch die Medienlandschaft dürfte in beiden Ländern nach einer AfD-Übernahme deutlich ärmer werden. Den öffentlich-rechtlichen Rundfunk radikal zu kürzen, ist erklärtes Ziel beider Landesparteien. In Mecklenburg-Vorpommern will die AfD den NDR-Staatsvertrag aufkündigen und plädiert stattdessen für einen nicht näher definierten „schlanken Grundfunk“. Dem alternativen Radio Corax will die sachsen-anhaltische AfD die Förderung entziehen. Demokratischen und linken Initiativen soll es nicht besser ergehen, allerdings bleibt die Partei hier schwammig: „Die Altparteien fördern seit Jahrzehnten unter Schlagworten wie Demokratie und Toleranz ein Milieu linker Vereine und Initiativen“, heißt es im Schweriner Programm. Wer gemeint sein könnte, zeigt indes die CDU: Auf Initiative des CDU-geführten Bundesfamilienministeriums sollen schon bis Ende 2026 mehr als 200 Projekte des Programms „Demokratie leben!“ auslaufen und nicht weiter finanziert werden. In Mecklenburg-Vorpommern stimmten CDU und AfD erst im Juni auf Kreisebene gemeinsam gegen eine weitere Kooperation mit „Demokratie leben!“. Für die verbleibenden ostdeutschen Beratungsstellen, für Aussteigerangebote, Jugendzentren und andere zivilgesellschaftliche Initiativen im Osten ist das ein klares Signal, wohin die Reise geht: Sie werden ihre Mittel in zunehmendem Maße aus Spenden akquirieren müssen. Schlechte Zeiten für "pervers-linke Fanatiker" Queeren Menschen droht die Partei unmissverständlich: Von „pervers-linken Fanatikern“ und „nicht-normalen Geschlechtsidentitäten“ spricht etwa die AfD Sachsen-Anhalt in Bezug auf alles abseits der Heterofamilie. „Gendersprache“ will die Partei, die sich sonst gern verbotsscheu gibt, in Mecklenburg-Vorpommern „unterbinden“, das Selbstbestimmungsgesetz „aufheben“. Die Partei folgt damit durchaus dem historischen Handbuch faschistischer Vorbilder. Während auf der einen Seite als Feind markierte Menschen direkt des Landes verwiesen werden, soll sich die verbleibende politische Opposition schwerer betätigen können – parallel zu einer geschwächten demokratischen Kontrolle durch Journalist*innen. Wer sich dann noch gegen rechts engagiert, braucht von offizieller Seite keine Rückendeckung zu erwarten. Verschwunden sind diese Menschen deswegen aber nicht – und das Letzte, was sie gebrauchen können, ist die bundesdeutsche Schockstarre. Noch wählt knapp die Hälfte der Menschen in den ostdeutschen Ländern nicht rechts. Politisch finstere Zeiten sind im Osten überdies nicht ohne Präzedenz. Auch in den 1990ern und 2000ern gab es in den neuen Bundesländern einen starken rechtsradikalen Drift, der für viele tödlich endete. Antifaschist*tinnen wussten sich allerdings zu suchen und zu finden. Orte wie das Zora in Halberstadt oder das Peter-Weiss-Haus in Rostock haben ungemütliche Zeiten überstanden – und existieren immer noch. Aber sie stehen jetzt schon unter Druck. Selbst ohne Regierungsbeteiligung sendet die AfD deutliche Signale an alle tatsächlichen und potenziellen Gegner – zum Beispiel mittels Portalen zur Denunziation politisch missliebiger Lehrer*innen. Zudem treiben neonazistische Gruppen im Umfeld der AfD und außerhalb verstärkt ihr Unwesen: Laut Opferberatungsstellen befindet sich die rechtsextreme Gewalt in Ostdeutschland seit Jahren auf hohem Niveau und ist in letzter Zeit deutlich gestiegen. Bis bei den AfD-Wählern der Groschen fällt Ein Trend, der sich nach rechten Wahlerfolgen erfahrungsgemäß fortsetzt. Es muss aber gar nicht zur Gewalt kommen: Wenn im Ort vom Erzieher bis zur Polizistin die entscheidenden Positionen rechts wählen, denken und sprechen, kann ein Widerwort dazu führen, dass Bleiben keine Option mehr ist. Solche Dynamiken halten die Opposition klein und stumm. In Bezug auf die bereits überzeugte AfD-Wählerschaft bleibt indes wenig mehr übrig als hoffen. Hoffen, dass die Ostversteher*innen vielleicht doch recht behalten mögen mit ihrer These, so viele in dieser Wählerschaft seien keine überzeugten Extremisten, sondern „nur“ unzufrieden. Hoffen, dass Soziolog*innen wie Steffen Mau recht behalten mögen mit ihrer vielfach wiederholten These, der Rechtsextremismus erwachse zu großen Teilen aus ökonomischen Unsicherheiten. Gegen die fortdauernde ostdeutsche Benachteiligung, gegen Inflation, Landflucht und Fachkräftemangel hat die AfD nämlich nach wie vor wenig anzubieten, und noch weniger davon scheint umsetzbar. Mit dem Finger auf „die Altparteien“ oder Migrant*innen zu zeigen, wird nicht mehr funktionieren, wenn die Partei in Regierungsverantwortung gerät. Wie arbeitgeberfreundlich und neoliberal ihr Programm abseits von Reiz- und Kulturkampfthemen ist, werden dann viele zu spüren bekommen. Ob bei ihnen dann ein Groschen fallen wird, bleibt ungewiss. Bis er fällt, könnte Zeit vergehen. Zeit, die sich für die einen kurz anfühlen könnte, für andere sehr lang. Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen Starten Sie jetzt eine spannende Diskussion!

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29. August
Die Zeit (Politik)

Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: Warum die Chancen der AfD auf eine absolute Mehrheit schwinden

Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: Warum die Chancen der AfD auf eine absolute Mehrheit schwinden Gut eine Woche vor der Wahl in Sachsen-Anhalt verändern neue Umfragen die Lage. Unsere Visualisierung zeigt die verschiedenen Szenarien – und wie wahrscheinlich sie sind. Die Wahl in Sachsen-Anhalt bleibt offen. Eine Woche vor der Landtagswahl führt die AfD in den Umfragen klar vor der CDU, doch weil Umfragen unsicher sind, hat DIE ZEIT 1.000 statistisch plausible Wahlausgänge simuliert und dabei gezeigt, wie stark die Fünf-Prozent-Hürde für SPD, Grüne und das schwache BSW die Sitzverteilung verändert. In 247 Simulationen erreicht die AfD die absolute Mehrheit, in 73 weiteren Fällen könnte sie mit Hilfe des BSW regieren, während in 298 Fällen CDU und SPD eine Minderheitsregierung mit Unterstützung der Linken bilden könnten. Der Artikel beschreibt danach vier zentrale Szenarien: eine AfD-Alleinregierung, eine Machtoption über das BSW, mögliche CDU-Überläufer zur AfD und eine Regierung ohne AfD, die vor allem an den Vorbehalten der CDU gegen die Linke hängt. Zum Schluss verweist er auf die Fehlprognosen von 2021, auf mögliche lange Unsicherheit wegen knapper Fünf-Prozent-Ergebnisse und auf unbelegte AfD-Vorwürfe gegen Briefwahl und Stimmabgabe in Pflegeheimen. Diese Zusammenfassung wurde mithilfe von Künstlicher Intelligenz erstellt. Vereinzelt kann es dabei zu Fehlern kommen. Fanden Sie die Zusammenfassung hilfreich? Gut eine Woche vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt ist die <span class="duv-pill parteien-de-text-afd text-bold">AfD</span> in den Umfragen weiterhin klar führend, die <span class="duv-pill parteien-de-text-cdu-csu-union text-bold">CDU</span> folgt weit dahinter. <span class="duv-pill parteien-de-text-spd text-bold">Die Werte von SPD</span> und <span class="duv-pill parteien-de-text-gruene text-bold"> Grünen</span> kletterten zuletzt leicht, die Parteien könnten es über die Fünf-Prozent-Hürde schaffen. Wahlumfragen sind allerdings nie exakt. Bei der vergangenen Wahl in Sachsen-Anhalt 2021 lagen sie teilweise deutlich daneben. DIE ZEIT hat daher 1.000 verschiedene Wahlausgänge durchgerechnet, die alle im Bereich des statistisch Denkbaren liegen.

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28. August
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Ist der Siegmund-Rausch vorbei? - Schlechtester AfD-Wert seit Anfang Mai

Schlechtester AfD-Wert seit Anfang Mai: Ist der Siegmund-Rausch schon vorbei? Spannende Umfrage kurz vor der Wahl in Sachsen-Anhalt Magdeburg – Vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt festigt sich das Stimmungsbild bei den Wählern. Den aktuellen Umfragen zufolge schaffen es fünf Parteien über die Fünf-Prozent-Hürde. Die AfD liegt weiterhin mit großem Abstand vorn. Aber: Für eine Alleinregierung reicht es nicht. Damit bleibt völlig offen, wer künftig regieren wird. Was kurz vor den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt auffällt: Für die AfD von Spitzenkandidat Ulrich Siegmund (35) geht es nicht weiter hoch, im Gegenteil. So entwickeln sich die Werte der AfD In der Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen für das ZDF kommt die AfD zwar auf 40 Prozent. Das ist aber weniger als bei den Befragungen im August (Infratest dimap und INSA) mit jeweils 42 Prozent. Und vor allem ist es der schlechteste Wert für die Rechtspartei seit Anfang Mai. Damals holte sie in einer Umfrage von Infratest dimap 41 Prozent. So steht es um die anderen Parteien Die CDU von Ministerpräsident Sven Schulze (47) liegt bei 23 Prozent. Drittstärkste Kraft wäre die Linke mit 13 Prozent, gefolgt von SPD (9 Prozent) und Grünen (6 Prozent). Damit stabilisiert sich vor allem die SPD, die zwischenzeitlich in Umfragen bei 5 Prozent lag und um den Einzug in den Landtag von Sachsen-Anhalt bangen musste. Die FDP und das BSW kämen jeweils auf 3 Prozent und wären nicht im Parlament vertreten. Für eine Alleinregierung der AfD reicht das nicht aus. Aber auch ein mögliches Bündnis aus CDU, SPD und Grünen käme nur auf 38 Prozent – zu wenig, um zu regieren. Dafür wäre eine Unterstützung durch die Linke notwendig, aber das schließt die CDU aus. Am Mittwoch hatten sich die Spitzenkandidaten der sieben Parteien einen verbalen Schlagabtausch in der Live-Sendung des MDR geliefert. Die aktuelle Umfrage dürfte das nur begrenzt beeinflusst haben: Die Befragung wurde von Dienstag bis Donnerstag durchgeführt. Und bis zur Wahl am 6. September bleibt eine große Unsicherheit: 31 Prozent der Befragten gaben an, noch unentschlossen zu sein, welcher Partei sie ihre Stimme geben. Haben Sie eine Meinung zu diesem Artikel? Hier können Sie uns schreiben. Haben Sie Fehler entdeckt? Dann weisen Sie uns gern darauf hin.

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28. August
ZDF heute

Wie wahrscheinlich ist eine absolute Mehrheit für die AfD?

Wahl in Sachsen-Anhalt:Wie wahrscheinlich ist eine absolute Mehrheit für die AfD? von Kathrin Wolff Die AfD liegt vor der Wahl in Sachsen-Anhalt klar vorn. Eine absolute Mehrheit ist nach jetziger Umfragelage aber eher unwahrscheinlich, wie unsere Rechenbeispiele zeigen. Im aktuellen ZDF-Politbarometer Extra für Sachsen-Anhalt kommt die AfD auf 40 Prozent. ZDFheute Infografik Für die Darstellung von ZDFheute Infografiken nutzen wir die Software von Datawrapper. Erst wenn Sie hier klicken, werden die Grafiken nachgeladen. Ihre IP-Adresse wird dabei an externe Server von Datawrapper übertragen. Über den Datenschutz von Datawrapper können Sie sich auf der Seite des Anbieters informieren. Um Ihre künftigen Besuche zu erleichtern, speichern wir Ihre Zustimmung in den Datenschutzeinstellungen. Ihre Zustimmung können Sie im Bereich „Meine News“ jederzeit widerrufen. Das scheint auf den ersten Blick noch weit von einer absoluten Mehrheit entfernt: ZDFheute Infografik Für die Darstellung von ZDFheute Infografiken nutzen wir die Software von Datawrapper. Erst wenn Sie hier klicken, werden die Grafiken nachgeladen. Ihre IP-Adresse wird dabei an externe Server von Datawrapper übertragen. Über den Datenschutz von Datawrapper können Sie sich auf der Seite des Anbieters informieren. Um Ihre künftigen Besuche zu erleichtern, speichern wir Ihre Zustimmung in den Datenschutzeinstellungen. Ihre Zustimmung können Sie im Bereich „Meine News“ jederzeit widerrufen. Doch nicht alle Parteien werden es bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September über die Fünf-Prozent-Hürde schaffen. Neben Kleinstparteien sieht das aktuelle Politbarometer auch FDP und BSW darunter. Was ist die Fünf-Prozent-Hürde? Für eine Regierungsmehrheit sind die im Landtag vertretenen Parteien und die Zahl ihrer Sitze relevant. Parteien unter fünf Prozent fallen da raus. Nach dem aktuellen Politbarometer gehen insgesamt neun Prozent der Stimmen an Parteien, die unter der Fünf-Prozent-Hürde liegen. Damit würde es für eine absolute Mehrheit reichen, mehr als 45,5 Prozent der Stimmen zu erhalten. ZDFheute Infografik Für die Darstellung von ZDFheute Infografiken nutzen wir die Software von Datawrapper. Erst wenn Sie hier klicken, werden die Grafiken nachgeladen. Ihre IP-Adresse wird dabei an externe Server von Datawrapper übertragen. Über den Datenschutz von Datawrapper können Sie sich auf der Seite des Anbieters informieren. Um Ihre künftigen Besuche zu erleichtern, speichern wir Ihre Zustimmung in den Datenschutzeinstellungen. Ihre Zustimmung können Sie im Bereich „Meine News“ jederzeit widerrufen. Schaffen es zudem die Grünen, die in der Umfrage bei sechs Prozent liegen, nicht in den Landtag, sinkt die Schwelle für eine absolute Mehrheit weiter. Würden insgesamt 15 Prozent der abgegebenen Stimmen verfallen, also an Parteien gehen, die an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern, läge die absolute Mehrheit bei mehr als 42,5 Prozent: ZDFheute Infografik Für die Darstellung von ZDFheute Infografiken nutzen wir die Software von Datawrapper. Erst wenn Sie hier klicken, werden die Grafiken nachgeladen. Ihre IP-Adresse wird dabei an externe Server von Datawrapper übertragen. Über den Datenschutz von Datawrapper können Sie sich auf der Seite des Anbieters informieren. Um Ihre künftigen Besuche zu erleichtern, speichern wir Ihre Zustimmung in den Datenschutzeinstellungen. Ihre Zustimmung können Sie im Bereich „Meine News“ jederzeit widerrufen. Weitere Faktoren: Fehlerbereich, Mobilisierung, Unentschlossene Zudem haben alle Umfragen einen Fehlerbereich. Für Parteien mit einem Wert um die 40 Prozent liegt der bei gut plus/minus drei Prozentpunkten. Nach den Politbarometer-Daten könnte die AfD also aktuell mit 37 bis 43 Prozent der Stimmen rechnen. ZDFheute Infografik Für die Darstellung von ZDFheute Infografiken nutzen wir die Software von Datawrapper. Erst wenn Sie hier klicken, werden die Grafiken nachgeladen. Ihre IP-Adresse wird dabei an externe Server von Datawrapper übertragen. Über den Datenschutz von Datawrapper können Sie sich auf der Seite des Anbieters informieren. Um Ihre künftigen Besuche zu erleichtern, speichern wir Ihre Zustimmung in den Datenschutzeinstellungen. Ihre Zustimmung können Sie im Bereich „Meine News“ jederzeit widerrufen. Zudem kann bis zum Wahlsonntag noch einiges passieren. Die Parteien können unterschiedlich erfolgreich dabei sein, Menschen an die Urne zu holen, und Wählende können sich noch umentscheiden. Laut ZDF-Politbarometer wissen 31 Prozent der Befragten noch nicht sicher, wen oder ob sie wählen wollen. Eine absolute Mehrheit der AfD in Sachsen-Anhalt erscheint nach dem aktuellen Politbarometer also nicht ausgeschlossen, aber eher unwahrscheinlich. Lassen Sie sich Beiträge von ZDFheute bevorzugt bei Google anzeigen. → Hier ZDFheute als bevorzugte Quelle einstellen. Mehr zur Wahl in Sachsen-Anhalt - FAQManipulationsgerüchte vor Landtagswahlen:Briefwahl: Wie die AfD Sorgen vor Wahlbetrug befeuertvon Katja Belousova und Nils Metzgermit Video13:22 - TV-Debatte vor Landtagswahl:Schulze gegen Siegmund - so lief das DuellAndreas Postel, Magdeburgmit Video1:48 - AnalyseWahlprogramm für Sachsen-Anhalt:Bildung und Migration: Sind die AfD-Pläne rechtlich machbar?von Samuel Kirsch und Daniel Heymannmit Video2:58 - AfD will mehr Abschiebungen:Fachkräftemangel: Wer hält Sachsen-Anhalt am Laufen?von Andreas Weisemit Video1:58

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28. August
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Schlechtester AfD-Wert seit Anfang Mai - Ist der Siegmund-Rausch schon vorbei?

Schlechtester AfD-Wert seit Anfang Mai: Ist der Siegmund-Rausch schon vorbei? Spannende Umfrage kurz vor der Wahl in Sachsen-Anhalt Magdeburg – Kurz vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt festigt sich das Stimmungsbild bei den Wählern. Den aktuellen Umfragen zufolge schaffen es fünf Parteien über die Fünf-Prozent-Hürde. Die AfD liegt weiterhin mit großem Abstand vorn. Aber: Für eine Alleinregierung reicht es nicht. Damit bleibt völlig offen, wer künftig regieren wird. Was auffällt: Für die AfD von Spitzenkandidat Ulrich Siegmund (35) geht es nicht weiter hoch, im Gegenteil. In der Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen für das ZDF kommt die AfD zwar auf 40 Prozent. Das ist aber weniger als bei den Befragungen im August (Infratest dimap und INSA) mit jeweils 42 Prozent. Und vor allem ist es der schlechteste Wert für die Rechtspartei seit Anfang Mai, damals holte sie in einer Umfrage von Infratest dimap 41 Prozent. SPD stabilisiert sich Die CDU von Ministerpräsident Sven Schulze (47) liegt bei 23 Prozent. Drittstärkste Kraft wäre die Linke mit 13 Prozent, gefolgt von SPD (9 Prozent) und Grünen (6 Prozent). Damit stabilisiert sich vor allem die SPD, die zwischenzeitlich in Umfragen bei 5 Prozent lag und um den Einzug in den Landtag von Sachsen-Anhalt bangen musste. Die FDP und das BSW kämen jeweils auf 3 Prozent und wären nicht im Parlament vertreten. Für eine Alleinregierung der AfD reicht das nicht aus. Aber auch ein mögliches Bündnis aus CDU, SPD und Grünen käme nur auf 38 Prozent – zu wenig, um zu regieren. Dafür wäre eine Unterstützung durch die Linke notwendig, aber das schließt die CDU aus. Am Mittwoch hatten sich die Spitzenkandidaten der sieben Parteien einen verbalen Schlagabtausch in der Live-Sendung des MDR geliefert. Die aktuelle Umfrage dürfte das nur begrenzt beeinflusst haben: Die Befragung wurde von Dienstag bis Donnerstag durchgeführt. Und bis zur Wahl am 6. September bleibt eine große Unsicherheit: 31 Prozent der Befragten gaben an, noch unentschlossen zu sein, welcher Partei sie ihre Stimme geben. Haben Sie eine Meinung zu diesem Artikel? Hier können Sie uns schreiben. Haben Sie Fehler entdeckt? Dann weisen Sie uns gern darauf hin.

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28. August
Handelsblatt

Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: Vorsprung für die AfD - aber nach der Wahl alle gegen einen?

Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: Vorsprung für die AfD - aber nach der Wahl alle gegen einen? Magdeburg. In den Umfragen ist der Vorsprung groß - gut eine Woche vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt sieht alles danach aus, dass die AfD stärkste Kraft wird. Mit Werten um die Marke von 40 Prozent liegt die Partei von Spitzenkandidat Ulrich Siegmund bis zu 20 Prozentpunkte vor der CDU. Doch in Sachsen-Anhalt geht es nicht nur darum, wer Wahlsieger wird - es geht auch um die Frage, welche Regierungsoptionen sich nach dem 6. September bieten. Und da könnte es kompliziert werden. Nach der neuesten Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag des ZDF kommt die AfD auf 40 Prozent, die Christdemokraten von Ministerpräsident Sven Schulze liegen bei 23 Prozent. Es folgen die Linke mit 13 Prozent, die SPD mit 9 Prozent und die Grünen mit 6 Prozent. Das BSW und die FDP würden mit jeweils 3 Prozent an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern. Die übrigen Parteien kämen zusammen auf 3 Prozent. In der CDU gibt es Vorbehalte Bei einem solchen Wahlausgang würde die AfD ihr Ziel einer Alleinregierung verpassen. Landen SPD und Grüne im Parlament, ist eine Mehrheit der Sitze für die AfD, die in Sachsen-Anhalt als gesichert rechtsextremistisch eingestuft worden ist, kaum drin. Da niemand mit Siegmunds Partei zusammenarbeiten will, richtet sich der Blick auf die übrigen Parteien. Nach einer Fortsetzung der schwarz-rot-gelben Koalition sieht es nicht aus, für ein schwarz-rot-grünes Bündnis müssten CDU, SPD und Grüne in der letzten Woche deutlich zulegen. Die wahrscheinlichste Option ist aktuell, dass Schulze wie in Sachsen und Thüringen eine Minderheitsregierung schmieden muss - und dabei punktuell die Linke braucht. Während die anderen drei potenziellen Partner offen für ein solches Modell sind, gibt es besonders in der CDU Vorbehalte. Zwei frühere CDU-Landeschefs warnten Schulze bereits vor einer Tolerierung durch die Linke. „Wir sind doch 1989 nicht auf die Straße gegangen, damit die Linken jetzt wieder an die Macht kommen“, sagte etwa Karl-Heinz Daehre. Linke formuliert Bedingungen Manche Landtagsabgeordneten können sich vorstellen, mit wechselnden Mehrheiten zu agieren - also unter auch Einbezug der AfD. Zudem zeigte sich der Landeschef der Jungen Union, Nico Elsner, offen für Mehrheiten mit AfD-Stimmen. Eine Regierungskoalition mit der Partei lehnt er ab. Aber: „Eine richtige Sache wird nicht falsch, nur weil die Falschen zustimmen.“ Im parlamentarischen Verfahren müsse man mit der AfD zusammenarbeiten, weil deren Abgeordnete gewählt seien, so Elsner. Die Linke möchte einen solchen Schlingerkurs nicht mitmachen. Linken-Bundestagsfraktionschef Sören Pellmann formuliert zudem Bedingungen. „Wir werden nicht um jeden Preis einem CDU-Ministerpräsidenten ins Amt verhelfen. Dann wollen wir inhaltlich mitreden - etwa in der Innenpolitik, in der Bildungspolitik oder bei der gesundheitlichen Versorgung im ländlichen Raum“, sagte er der „Rheinischen Post“. Nagelprobe Wahl des Landtagspräsidenten? Schulze wird nach der Wahl wohl vor allem als CDU-Landeschef gefordert sein, um die Mitglieder hinter sich zu bringen. Bisher äußert er sich selbst vage, was eine Zusammenarbeit mit der Linken angeht. Persönlich kommt er mit dem Spitzenpersonal der Konkurrenz gut klar: SPD-Spitzenkandidat Armin Willingmann ist jetzt schon Teil seines Kabinetts, Grünen-Spitzenkandidatin Susan Sziborra-Seidlitz nennt er auf Podien auch mal „Suse“, der Austausch mit Linken-Fraktionschefin Eva von Angern ist respektvoll. Die erste Nagelprobe für die vier Parteien könnte die Wahl eines Landtagspräsidenten in der konstituierenden Sitzung des Parlaments am 6. Oktober werden. Das Vorschlagsrecht liegt bei der stärksten Fraktion, also voraussichtlich bei der AfD. Sollte deren Kandidat jedoch keine Mehrheit erhalten, können die anderen Fraktionen Vorschläge unterbreiten. Hinter vorgehaltener Hand wird das bereits als Testlauf bezeichnet, ob es gelingt, dann einen gemeinsamen Kandidaten zu wählen. Danach könnten weitere Gespräche folgen, in welcher Form die vier Partner zusammenarbeiten. In der Landesverfassung gibt es keine Frist, wann ein Ministerpräsident gewählt werden muss. Es könnte also durchaus sein, dass Schulzes Regierung eine Weile geschäftsführend im Amt bleiben wird, bis ein neues Modell steht. So viele Wähler sind noch unentschlossen Bei der Frage, wen die Wähler lieber als Ministerpräsidenten hätten, tendieren sie mehrheitlich zu Schulze. In der Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen liegt Schulze demnach mit 48 Prozent deutlich vor Siegmund mit 32 Prozent. Die Forschungsgruppe Wahlen befragte für das ZDF-„Politbarometer“ vom 25. bis zum 27. August insgesamt 1.053 Wahlberechtigte. 31 Prozent der Befragten wissen noch nicht sicher, wen oder ob sie wählen wollen. Verwandte Themen Der deutliche Vorsprung der AfD vor der CDU deckt sich mit den Erhebungen anderer Institute. In einer Umfrage von Infratest dimap im Auftrag der ARD war die AfD zuletzt auf 42 Prozent gekommen. Die CDU lag dort bei 22 Prozent. Wahlumfragen sind generell immer mit Unsicherheiten behaftet. Unter anderem erschweren nachlassende Parteibindungen und immer kurzfristigere Wahlentscheidungen den Meinungsforschungsinstituten die Gewichtung der erhobenen Daten. Grundsätzlich spiegeln Umfragen nur das Meinungsbild zum Zeitpunkt der Befragung wider und sind keine Prognosen für den Wahlausgang.

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28. August
Die Welt (Politik)

AfD erreicht in Umfrage neuen Rekordwert – doch für eine Alleinregierung reicht es nicht

AfD erreicht in Umfrage neuen Rekordwert – doch für eine Alleinregierung reicht es nicht Eine Woche vor der Landtagswahl liegt die AfD in einer aktuellen Umfrage mit Abstand vorn. Das Ziel einer Alleinregierung würde die Partei aber verpassen. Klicken Sie hier, um sich Artikel von WELT in der Google-Suche bevorzugt anzeigen zu lassen. Kurz vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt liegt die AfD laut einer repräsentativen Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag des ZDF weiterhin deutlich vor der CDU. Demnach kommt die AfD auf 40 Prozent. Es ist der höchste je gemessene Wert in dieser Umfrage, allerdings ist es auch die erste Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen in dieser Legislaturperiode. Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt 2021 kam die AfD auf 20,8 Prozent. In der letzten Forschungsgruppe-Umfrage vor der Wahl damals erreichte die AfD 23 Prozent. Die CDU von Ministerpräsident Sven Schulze käme der aktuellen Erhebung zufolge auf 23 Prozent. Es folgen die Linke mit 13 Prozent, die SPD mit 9 Prozent und die Grünen mit 6 Prozent. Das BSW und die FDP würden mit jeweils 3 Prozent an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern. Die übrigen Parteien kämen zusammen auf 3 Prozent. Bei einem solchen Wahlausgang würde die AfD laut Forschungsgruppe Wahlen ihr Ziel einer Alleinregierung jedoch verpassen. Je mehr Parteien den Sprung ins Parlament in Magdeburg schaffen, desto unwahrscheinlicher wird eine absolute Mehrheit für die AfD. Der amtierende Ministerpräsident Schulze könnte seinerseits eine Mehrheit mit SPD, Grünen und Linken bilden. Allerdings hat die CDU einen Unvereinbarkeitsbeschluss für eine Zusammenarbeit mit der AfD und den Linken. 31 Prozent der Befragten gaben an, dass sie noch nicht sicher seien, wen oder ob sie wählen wollen. Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt findet am 6. September statt. Aktuell regiert ein Bündnis aus CDU, SPD und FDP. Auch andere Institute sehen die AfD vorne Der deutliche Vorsprung der AfD vor der CDU in der Umfrage deckt sich mit den Erhebungen anderer Institute. In einer Umfrage von Infratest dimap im Auftrag der ARD war die AfD mit ihrem Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund zuletzt auf 42 Prozent gekommen. Die CDU lag dort bei 22 Prozent. Wahlumfragen sind generell immer mit Unsicherheiten behaftet. Unter anderem erschweren nachlassende Parteibindungen und immer kurzfristigere Wahlentscheidungen den Meinungsforschungsinstituten die Gewichtung der erhobenen Daten. Grundsätzlich spiegeln Umfragen nur das Meinungsbild zum Zeitpunkt der Befragung wider und sind keine Prognosen für den Wahlausgang. Die Forschungsgruppe Wahlen befragte für das ZDF-„Politbarometer“ vom 25. bis zum 27. August insgesamt 1053 Wahlberechtigte. Demnach wissen 31 Prozent der Befragten bislang nicht sicher, wen oder ob sie wählen wollen.

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28. August
Die Zeit (Politik)

Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: AfD laut Umfrage ohne absolute Mehrheit in Sachsen-Anhalt

Kurz vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt liegt die AfD laut einer Umfrage weiterhin deutlich vor der CDU. Die Befragung sieht die AfD bei 40 Prozent, die Christdemokraten folgen mit 23 Prozent, wie aus den Zahlen der repräsentativen Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag des ZDF hervorgeht. Es folgen die Linke mit 13 Prozent, die SPD mit neun Prozent und die Grünen mit sechs Prozent. Das BSW und die FDP würden mit jeweils drei Prozent nicht im Magdeburger Landtag vertreten sein. Bei einem solchen Wahlausgang würde die AfD laut Forschungsgruppe Wahlen die absolute Parlamentsmehrheit verfehlen. Je mehr Parteien den Sprung in den Landtag schaffen, desto unwahrscheinlicher wird eine absolute Mehrheit für die AfD, die in Sachsen-Anhalt als gesichert rechtsextremistisch eingestuft worden ist. Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt findet am 6. September statt, aktuell regiert ein Bündnis aus CDU, SPD und FDP. CDU-Spitzenkandidat Schulze würde eine Direktwahl gewinnen Die Hälfte der Befragten spricht sich laut ZDF für eine CDU-geführte Landesregierung aus, während 35 Prozent der Befragten für eine Regierung unter Führung der AfD sind. Die bisherige Regierungsarbeit der CDU wird auf einer Skala von plus fünf bis minus fünf mit einem leicht negativen Durchschnittswert von minus 0,6 bewertet, die Oppositionsarbeit der AfD mit minus 0,9. Im Direktvergleich der Spitzenkandidaten käme Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) bei einer hypothetischen Direktwahl auf 48 Prozent, für AfD-Herausforderer Ulrich Siegmund würden sich 32 Prozent entscheiden. Eine Alleinregierung der AfD fänden 54 Prozent der Befragten schlecht und 30 Prozent gut. Knapp ein Drittel der Befragten noch unentschlossen Die in der ZDF-Umfrage dargestellte Tendenz deckt sich mit einer aktuellen Befragung von Infratest dimap im Auftrag der ARD. Die AfD kommt in dieser Umfrage auf 42 Prozent der Stimmen, die CDU folgt mit 22 Prozent. Auch in der ARD-Umfrage würde die AfD eine absolute Mehrheit verfehlen. Die Forschungsgruppe Wahlen befragte für das ZDF-Politbarometer vom 25. bis zum 27. August insgesamt 1.053 Wahlberechtigte. Demnach wissen 31 Prozent der Befragten noch nicht sicher, wen oder ob sie wählen wollen. Wahlumfragen sind generell immer mit Unsicherheiten behaftet. Unter anderem erschweren nachlassende Parteibindungen und immer kurzfristigere Wahlentscheidungen den Meinungsforschungsinstituten die Gewichtung der erhobenen Daten. Grundsätzlich spiegeln Umfragen nur das Meinungsbild zum Zeitpunkt der Befragung wider und sind keine Prognosen für den Wahlausgang.

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28. August
Die Zeit (Politik)

Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: AfD laut Umfrage ohne absolute Mehrheit in Sachsen-Anhalt

Kurz vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt liegt die AfD laut einer Umfrage weiterhin deutlich vor der CDU. Die Befragung sieht die AfD bei 40 Prozent, die Christdemokraten folgen mit 23 Prozent, wie aus den Zahlen der repräsentativen Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag des ZDF hervorgeht. Es folgen die Linke mit 13 Prozent, die SPD mit neun Prozent und die Grünen mit sechs Prozent. Das BSW und die FDP würden mit jeweils drei Prozent nicht im Magdeburger Landtag vertreten sein. Bei einem solchen Wahlausgang würde die AfD laut Forschungsgruppe Wahlen die absolute Parlamentsmehrheit verfehlen. Je mehr Parteien den Sprung in den Landtag schaffen, desto unwahrscheinlicher wird eine absolute Mehrheit für die AfD, die in Sachsen-Anhalt als gesichert rechtsextremistisch eingestuft worden ist. Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt findet am 6. September statt, aktuell regiert ein Bündnis aus CDU, SPD und FDP. CDU-Spitzenkandidat Schulze würde eine Direktwahl gewinnen Die Hälfte der Befragten spricht sich laut ZDF für eine CDU-geführte Landesregierung aus, während 35 Prozent der Befragten für eine Regierung unter Führung der AfD sind. Die bisherige Regierungsarbeit der CDU wird auf einer Skala von plus fünf bis minus fünf mit einem leicht negativen Durchschnittswert von minus 0,6 bewertet, die Oppositionsarbeit der AfD mit minus 0,9. Im Direktvergleich der Spitzenkandidaten käme Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) bei einer hypothetischen Direktwahl auf 48 Prozent, für AfD-Herausforderer Ulrich Siegmund würden sich 32 Prozent entscheiden. Eine Alleinregierung der AfD fänden 54 Prozent der Befragten schlecht und 30 Prozent gut. Knapp ein Drittel der Befragten noch unentschlossen Die in der ZDF-Umfrage dargestellte Tendenz deckt sich mit einer aktuellen Befragung von Infratest dimap im Auftrag der ARD. Die AfD kommt in dieser Umfrage auf 42 Prozent der Stimmen, die CDU folgt mit 22 Prozent. Auch in der ARD-Umfrage würde die AfD eine absolute Mehrheit verfehlen. Die Forschungsgruppe Wahlen befragte für das ZDF-Politbarometer vom 25. bis zum 27. August insgesamt 1.053 Wahlberechtigte. Demnach wissen 31 Prozent der Befragten noch nicht sicher, wen oder ob sie wählen wollen. Wahlumfragen sind generell immer mit Unsicherheiten behaftet. Unter anderem erschweren nachlassende Parteibindungen und immer kurzfristigere Wahlentscheidungen den Meinungsforschungsinstituten die Gewichtung der erhobenen Daten. Grundsätzlich spiegeln Umfragen nur das Meinungsbild zum Zeitpunkt der Befragung wider und sind keine Prognosen für den Wahlausgang.

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28. August
Handelsblatt

Landtagswahl am 6. September: Umfrage: AfD in Sachsen-Anhalt bei 40 Prozent

Landtagswahl am 6. September: Umfrage: AfD in Sachsen-Anhalt bei 40 Prozent Magdeburg. Kurz vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt liegt die AfD laut einer repräsentativen Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag des ZDF weiterhin deutlich vor der CDU. Demnach kommt die AfD auf 40 Prozent, die Christdemokraten von Ministerpräsident Sven Schulze liegen bei 23 Prozent. So viele Wähler sind noch unentschlossen Bei einem solchen Wahlausgang würde die AfD laut Forschungsgruppe Wahlen ihr Ziel einer Alleinregierung verpassen. Je mehr Parteien den Sprung ins Parlament in Magdeburg schaffen, desto unwahrscheinlicher wird eine absolute Mehrheit für die AfD, die in Sachsen-Anhalt als gesichert rechtsextremistisch eingestuft worden ist. Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt findet am 6. September statt, aktuell regiert ein Bündnis aus CDU, SPD und FDP. Die Forschungsgruppe Wahlen befragte für das ZDF-„Politbarometer“ vom 25. bis zum 27. August insgesamt 1.053 Wahlberechtigte. Demnach wissen 31 Prozent der Befragten noch nicht sicher, wen oder ob sie wählen wollen. Auch andere Institute sehen die AfD vorne Der deutliche Vorsprung der AfD vor der CDU in der Umfrage deckt sich mit den Erhebungen anderer Institute. In einer Umfrage von Infratest dimap im Auftrag der ARD war die AfD mit ihrem Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund zuletzt auf 42 Prozent gekommen. Die CDU lag dort bei 22 Prozent. Wahlumfragen sind generell immer mit Unsicherheiten behaftet. Unter anderem erschweren nachlassende Parteibindungen und immer kurzfristigere Wahlentscheidungen den Meinungsforschungsinstituten die Gewichtung der erhobenen Daten. Grundsätzlich spiegeln Umfragen nur das Meinungsbild zum Zeitpunkt der Befragung wider und sind keine Prognosen für den Wahlausgang.

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28. August
ZDF heute

Sachsen-Anhalt: AfD klar vor CDU, aber keine absolute Mehrheit

ZDF-Politbarometer Extra:Sachsen-Anhalt: AfD klar stärkste Partei vor CDU Eine Woche vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt liegt die AfD im Politbarometer Extra klar vor der CDU. Für eine Alleinregierung reicht es laut diesem Stimmungsbild aber nicht. Gut eine Woche vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt ist die AfD sehr klar stärkste Partei und dürfte sich im Vergleich zu vor fünf Jahren praktisch verdoppeln. Die CDU muss mit starken Verlusten rechnen. Die FDP und das BSW könnten an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern. Eine absolute Mehrheit für die AfD wäre aus heutiger Sicht eher unwahrscheinlich. Wenn es um die Frage geht, wen man lieber als Ministerpräsidenten hätte, liegt Amtsinhaber Sven Schulze von der CDU im direkten Vergleich deutlich vor seinem Herausforderer Ulrich Siegmund von der AfD. Projektion: AfD weit vor den anderen Parteien Wenn schon am nächsten Sonntag Landtagswahl wäre, dann ergäben sich folgende Projektionswerte für die Parteien: Die CDU läge zurzeit bei 23 Prozent, die AfD käme auf 40 Prozent, die Linke auf 13 Prozent, die SPD auf neun Prozent, die FDP auf drei Prozent, die Grünen auf sechs Prozent und das BSW auf drei Prozent. Die anderen Parteien erhielten zusammen drei Prozent, darunter keine Partei, die mindestens drei Prozent erzielen würde. Aufgrund dieser Zahlen bräuchte die AfD für eine parlamentarische Mehrheit einen Koalitionspartner. Eine Regierung aus allen, nach dieser Projektion im Parlament vertretenen Parteien außer der AfD - also eine Koalition aus CDU, Linke, SPD und Grünen - hätte eine Mehrheit. Diese Projektionswerte geben lediglich das Stimmungsbild für die Parteien zum jetzigen Zeitpunkt wieder und stellen keine Prognose für den Wahlausgang dar. Bei der Interpretation der Zahlen sind insbesondere die statistischen Fehlerbereiche von Umfragen zu berücksichtigen. Dies gilt vor allem auch für die Parteien, die an der Fünf-Prozent-Grenze zu scheitern drohen. Zudem kann es bis zum Wahlsonntag durch unterschiedliche Mobilisierungserfolge der verschiedenen Parteien noch zu Veränderungen kommen. Diese können in ostdeutschen Bundesländern, wo es weniger stark ausgeprägte Bindungen an die Parteien gibt, auch recht deutlich ausfallen. Darüber hinaus wissen zurzeit 31 Prozent der Befragten noch nicht sicher, wen oder ob sie wählen wollen. Bei der letzten Landtagswahl in Sachsen-Anhalt vor fünf Jahren kam die CDU auf 37,1 Prozent, die AfD auf 20,8 Prozent, die Linke auf 11,0 Prozent, die SPD auf 8,4 Prozent, die FDP auf 6,4 Prozent und die Grünen auf 5,9 Prozent. Alle anderen Parteien erzielten zusammen 10,4 Prozent. Seit Monaten polarisiert das sogenannte Regierungsprogramm der AfD für Sachsen-Anhalt. Kurz vor der Landtagswahl überprüft "frontal" besonders umstrittene Vorhaben: Pflege, Kultur und Bildung. 25.08.2026 | 13:22 minGeringe Zufriedenheit mit Parteien in Landesregierung und Opposition Die Beurteilung der Regierungsparteien fällt sehr kritisch aus: Die Arbeit der CDU in der Landesregierung wird dabei auf der Skala von plus fünf bis minus fünf ("Wie zufrieden sind Sie mit der Arbeit der …?") mit einem leicht negativen Durchschnittswert von minus 0,6 bewertet, die der Koalitionspartner SPD (minus 1,2) und FDP (minus 1,6) werden sogar ausgeprägt negativ wahrgenommen. Die im Landtag vertretenen Oppositionsparteien werden ebenfalls negativ beurteilt: Die AfD erhält für ihre Oppositionsarbeit eine Bewertung von minus 0,9, die Linke von minus 1,1 und die Grünen von minus 1,7. Gewünschter Ministerpräsident: Eher Schulze als Siegmund Bei der Frage, wen man lieber als Ministerpräsidenten hätte, Sven Schulze von der CDU oder Ulrich Siegmund von der AfD, liegt Schulze mit 48 Prozent klar vor Siegmund mit 32 Prozent (Rest zu 100 Prozent: "weder noch", "kenne nicht" oder "weiß nicht"). Dieser Vorsprung resultiert vor allem daraus, dass Siegmund von fast keinem Anhänger von CDU, Linke, SPD und Grünen präferiert wird. Auf der Skala von plus fünf bis minus fünf ("Was halten Sie von …?") erhalten sowohl Sven Schulze mit einem Durchschnittswert von 0,1 als auch Ulrich Siegmund mit minus 0,4 sehr bescheidene Bewertungen. Kurz vor der Landtagswahl stellten sich AfD-Kandidat Siegmund und Ministerpräsident Schulze dem TV-Duell. Gesprochen wurde vor allem über Migration, Bildung und die Wirtschaft. 27.08.2026 | 1:48 minMehrheit gegen AfD-geführte Regierung Eine Alleinregierung der AfD fänden 54 Prozent der Befragten in Sachsen-Anhalt schlecht und 30 Prozent gut, zehn Prozent wäre es egal. Dass es der AfD zur absoluten Mehrheit reichen wird, glauben 48 Prozent und 44 Prozent glauben das nicht. Vor die Wahl gestellt, ob man lieber eine CDU- oder eine AfD-geführte Landesregierung hätte, entscheiden sich 50 Prozent für eine CDU-geführte und 35 Prozent für eine AfD-geführte Regierung. Auch hier zeigt sich die große Distanz aller anderen Parteianhängergruppen zur AfD: Fast kaum ein Anhänger von CDU, Linke, SPD und Grünen bevorzugt eine AfD-geführte Landesregierung. Mit Blick auf Sachsen-Anhalt nennt Thorsten Frei den Unvereinbarkeitsbeschluss zur Linken einen „Ausdruck von Verantwortung“. Über Bündnisse könne man erst am Wahlabend sprechen. 27.08.2026 | 6:18 minWirtschaft und Arbeitslosigkeit als wichtigste Themen Die politische Agenda wird in Sachsen-Anhalt durch die ökonomischen Themen Wirtschaftslage (22 Prozent) und Arbeitslosigkeit (17 Prozent) bestimmt. Das klassische Landesthema "Bildung/Schule" kommt auf 17 Prozent. Alle anderen Bereiche werden jeweils von weniger als 14 Prozent der Befragten als wichtigstes Thema im Land genannt. Dramatisch niedrige Geburtenraten einerseits, massiver Fachkräftemangel andererseits. Wie sieht die wirtschaftliche Entwicklung in Sachsen-Anhalt aus? Wie könnte es nach den Wahlen weitergehen? 24.08.2026 | 8:38 minDie Umfrage zu diesem Politbarometer Extra wurde wie immer von der Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen durchgeführt. Die Interviews wurden vom 25.8. bis 27.8.2026 unter 1.053 zufällig ausgewählten Wahlberechtigten in Sachsen-Anhalt telefonisch und online erhoben. Die Befragung ist repräsentativ für die dortige wahlberechtigte Bevölkerung. Der Fehlerbereich beträgt bei einem Anteilswert von 40 Prozent gut +/- drei Prozentpunkte und bei einem Anteilswert von zehn Prozent gut +/- zwei Prozentpunkte. Das nächste Politbarometer-Extra zu Sachsen-Anhalt sendet das ZDF am Donnerstag, den 3.9.2026 im heute-journal. Weitere Informationen zur Methodik der Umfrage finden Sie auch auf www.forschungsgruppe.de. Mehr aktuelle Nachrichten aus Deutschland - ExklusivZDF-Politbarometer Extra:Sachsen-Anhalt: AfD klar stärkste Partei vor CDU - AfD-Fraktion gegen Voigt:Misstrauensvotum in Thüringen: Welchen Plan hat Höcke?von Melanie Haack und Beatrice Steinekemit Video1:36 - Katja Wolf (BSW) bei "Lanz":Das letzte Gespräch mit Wagenknecht? Anderthalb Jahre hervon Bernd Bachranmit Video76:53 - Manipulation vor Landtagswahlen:"Operation Overload": Wie beeinflusst Russland die Wahlen?von Meike Srowigmit Video45:58

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28. August
ZDF heute

Sachsen-Anhalt und das Dilemma der CDU

Update am Morgen:Sachsen-Anhalt und das Dilemma der CDU von Shakuntala Banerjee Guten Morgen, Wenn nächste Woche in Sachsen-Anhalt gewählt wird, blickt nicht nur ganz Deutschland auf das Land, sondern die halbe Welt. Denn in Umfragen liegt seit Wochen die AfD vorne. Deren Landesverband in Sachsen-Anhalt wird vom Landesverfassungsschutz seit November 2023 als "gesichert rechtsextremistische Bestrebung" eingestuft, doch den Umfrageerfolgen hat diese Einstufung keinen Abbruch getan. Kurz vor der Landtagswahl sieht auch das aktuelle ZDF-Politbarometer Extra die AfD in Sachsen-Anhalt als stärkste Partei in der Wahl-Projektion. Die Frage, die sich nun alle stellen: Kann die AfD nach der Wahl in Sachsen-Anhalt die Regierung stellen? Sollte die AfD keine absolute Mehrheit bekommen, könnte rein rechnerisch die CDU womöglich weiterregieren. Doch dafür käme sie politisch ganz schön ins Schwitzen. Aktuell stellt die CDU in Magdeburg den Ministerpräsidenten, Sven Schulze. Den hätten die meisten Befragten auch weiterhin lieber als Landesvater als seinen Herausforderer Ulrich Siegmund. Damit Schulze im Amt bleiben könnte, müsste die CDU nach jetzigem Stand ein Bündnis schmieden, an dem in der einen oder anderen Weise die Linke beteiligt wäre. Das aber schließt bundesweit ein immer noch gültiger Parteitagsbeschluss der Christdemokraten aus. Entsprechend ausweichend reagiert Sven Schulze bisher, wenn er danach gefragt wird, ob er im Ernstfall mit der Linken kooperieren würde. Fragt man die CDU-Anhängerinnen und Anhänger in Sachsen-Anhalt, ist die Sache relativ klar. Mit der AfD wollen die meisten auch in Zukunft keine Zusammenarbeit, während sich eine Mehrheit eine Zusammenarbeit mit der Linken in Sachsen-Anhalt inzwischen offenbar vorstellen kann. Nächste Woche Sonntag können rund 1,7 Millionen Wahlberechtigte entscheiden, wie es in Sachsen-Anhalt politisch weitergeht. Einen guten Tag wünscht Ihnen Shakuntala Banerjee, Leiterin der Hauptredaktion Politik und Zeitgeschehen ZDFheute Update am Morgen:Der schnelle Nachrichtenüberblick zum Start in den Tag Kein Nachrichtenstress, keine Informationslücken: Die wichtigsten Themen des Tages, sorgfältig ausgewählt und verständlich erklärt – als Newsletter.Was heute noch wichtig ist Union und SPD beenden Klausurtagung: Die Fraktionsführungen der Koalitionsparteien haben in Münster ihre Arbeit der nächsten Monate vorbereitet. Im Mittelpunkt steht das vor der Sommerpause im Koalitionsausschuss beschlossene Reformpaket zum Umbau der Sozialsysteme. Die Unionsfraktion im Bundestag präsentiert sich in Münster in neuer Aufstellung mit Thorsten Frei an der Spitze. Zusammen mit SPD-Fraktionschef Matthias Miersch und CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann informiert er um 13:30 Uhr über die Ergebnisse der Tagung. Bundesagentur für Arbeit gibt August-Zahlen bekannt: Fachleute rechnen damit, dass sich am Arbeitsmarkt wegen der Sommerpause im Vergleich zum Juli wenig Veränderung zeigt. Mit 3,007 Millionen Menschen ohne Job hatte die Zahl der Arbeitslosen zuletzt wieder die Drei-Millionen-Marke überschritten. Auch mit Blick auf die nächsten Monate erwarten Arbeitsmarktfachleute wenig Dynamik. Neuer Prozess um Schmerzensgeld nach Germanwings-Absturz beginnt: Mehr als zehn Jahre nach dem Absturz einer Germanwings-Maschine in den Alpen mit 150 Toten beginnt in Braunschweig ein neuer Prozess um zusätzliches Schmerzensgeld. 30 Hinterbliebene haben Ansprüche von jeweils bis zu 110.000 Euro gegen die Bundesrepublik Deutschland angemeldet, hieß es in einer Ankündigung vom Landgericht in der niedersächsischen Stadt. Ausführlich informiert Nach dem Besuch des CIA-Chefs Ratcliffe in Moskau bleiben viele offene Fragen. Was können die USA in Russland überhaupt noch erreichen? ZDFheute live analysiert mit einem ehemaligen US-General. ZDFheute live, 27.08.2026, ab 19:30 Uhr 27.08.2026 | 32:10 minSportlich in den Tag Fußball-Bundesliga: Am Abend geht's los - die Fußball-Bundesliga startet in ihre 64. Saison. Zum Auftakt empfängt der FC Bayern den VfB Stuttgart. Die Schwaben sehen sich nicht chancenlos im Duell mit dem Titelverteidiger. Unser Autor Maik Rosner hat sich in beiden Lagern umgehört. ZDF Sportstudio, 23.08.2026, 00:08 Uhr 23.08.2026 | 11:57 minBasketball: In einer Woche beginnt die Basketball-WM der Frauen. Intime Einblicke hinter die Kulissen gibt es schon jetzt: Die "sportstudio"-Dokumentation "Macherinnen - die neue Ära im Basketball" begleitet die deutschen Spielerinnen auf ihrem Weg durch ein außergewöhnliches Jahr zwischen Liga-Alltag und Nationalteam. Sie zeigt große Träume, harte Rückschläge und erzählt von einer Generation von Frauen, die Geschichte schreiben will. 28.08.2026 | 58:32 min Weitere Schlagzeilen - Nothelferin in Nepal: "Hilfe von außen sehr, sehr notwendig" - Grenzsee zwischen USA und Kanada: Trump benennt Lake Ontario in "Lake America" um - Talk zur Grundsicherung: Bürokratiemonster oder Armutsfalle? - Spiralen-Skandal: Dänemark zahlt Grönländerinnen Schmerzensgeld - Manipulierte Nachrichten: Wie beeinflusst Russland die Wahlen? - Zoff beim BSW: Katja Wolf kritisiert Sahra Wagenknecht Die Nachrichten im Video Kurznachrichten im ZDF - immer auf dem Laufenden 27.08.2026 | 1:59 minWenn Sie unser ZDFheute Update abonnieren möchten, können Sie das hier tun oder in Ihrer ZDFheute-App unter Meine News / Einstellungen / ZDFheute-Update-Abo. So wird das Wetter heute Heute breiten sich die kräftigen Gewitter bis in den Osten und Südosten aus. Gebietsweise sind Unwetter mit Orkanböen, Hagel und Starkregen zu erwarten. 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27. August
taz (Öko & Co)

Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: Was, wenn die AfD gewinnt?

Landtagswahl in Sachsen-Anhalt : Was, wenn die AfD gewinnt? Empfohlener externer Inhalt Mit rund 40 Prozent in den Umfragen setzen die Rechtsextremen auf einen Sieg in Magdeburg am 6. September. Doch die Gegenkräfte werden stärker. Der smarte Ulrich Siegmund könnte der AfD bei der Wahl am 6. September ihren größten Erfolg bescheren und vielleicht Ministerpräsident werden. Das wäre für viele in Sachsen-Anhalt eine Schreckensvorstellung. Migranten fühlen sich bedroht, Unternehmen wandern ab und Kulturschaffende fürchten Repressionen. Die Stärke der AfD ist die Schwäche der anderen. CDU-Ministerpräsident Sven Schulze geht auf Distanz zur Bundes-CDU und Kanzler Merz – und macht lieber mit Didi Hallervorden Wahlkampf. Aber der positive Schwung, den Siegmund verbreitet, fehlt ihm. Viel wird davon abhängen, ob es SPD und Grüne in den Landtag schaffen. Denn wenn das gelingt, schwindet die Chance der AfD, mit 40 Prozent allein die Regierung bilden zu können. Diese Wahl ist deshalb anders als jene in Brandenburg, Thüringen, Sachsen: Dort wählte, wer die AfD von der Macht fernhalten wollte, den Amtsinhaber. In Sachsen-Anhalt muss man dafür eher bei kleineren Parteien das Kreuz machen. Am 6. Oktober wird der neue Landtag zusammentreten. Vielleicht geht dann alles mehr oder weniger so weiter wie bisher – mit einem CDU-Ministerpräsidenten. Aber man muss mit allem rechnen – auch mit dem Schlimmsten. Empfohlener externer Inhalt Darüber reden David Muschenich, taz-Korrespondent für Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen, Sabine am Orde, politische Korrespondentin im Parlamentsbüro und zuständig für die CDU, Gareth Joswig, der für die taz über die AfD berichtet, mit dem Moderator Stefan Reinecke, der im taz-Parlamentsbüro über die SPD schreibt. Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen meistkommentiert

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27. August
taz (Öko & Co)

Vor der Wahl in Sachsen-Anhalt: Zuwachs für das antifaschistische Bollwerk

Vor der Wahl in Sachsen-Anhalt : Zuwachs für das antifaschistische Bollwerk Eine neue Umfrage zeigt leichte Zugewinne für SPD und Grüne. Die könnten wahlentscheidend sein. Ohne Umfragen wären Wähler:innen orientierungslos. B eeinflussen Umfragen den Wahlausgang? Aber ja. Das jüngste Beispiel dafür findet man gerade in Sachsen-Anhalt. Laut dem gerade von der ARD veröffentlichen Sachsen-Anhalt-Trend gab es zwar nur minimal Verschiebungen – aber die haben es sich in. Die AfD hat gegenüber der letzten Umfrage von infrast dimap im Juli nochmal einen Prozentpunkt zugelegt und liegt bei 42 Prozent. Dennoch steht sie so nackt da wie lange nicht. Weil sich Wähler:innen offenbar an Wahlumfragen orientieren. Denn neben der AfD haben auch SPD und Grüne je einen Punkt zugelegt. Das könnte wahlentscheidend sein. Wenn beide über die Fünfprozenthürde kommen, reichen die 42 Prozent der AfD nicht zur absoluten Mehrheit. Die Kampagnen von zivilgesellschaftlichen Organisation wie Campact für eine taktische Stimmabgabe zeigen offenbar Wirkung. Denn CDU und Linke sind laut Umfrage im Gegenzug etwas zurückgefallen. Man darf davon ausgehen, dass ein Teil ihrer Anhänger:innen so klug ist, das Kreuz bei SPD und Grünen zu setzen, damit diese in den Landtag als Teil eines antifaschistischen Bollwerks einziehen. Ohne die Umfrageergebnisse würden sie im politischen Nebel tapsen – davon würden in diesem Fall die Rechtsextremen profitieren. Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten linken Meinungsspektrums. Gerade weil Umfragen eine Orientierung bieten, muss man sie auch mit Vorsicht bewerten. Es ist keine Überraschung, dass in diesem Jahr besonders viele Umfragen vom Institut Insa kommen, ein Großteil davon im Auftrag der AfD-Fanbasis Nius. Deren Werte unterscheiden sich nur in Nuancen von den seriösen Umfragen. Aber gerade diese Nuancen können – siehe oben – entscheidend sein. Sicher ist bei dieser Wahl sowieso nichts. Denn auch diese Umfrage kann Wahlentscheidungen beeinflussen. Wenn nur ein paar taktisch grün Wählende nun denken, die Partei liege sicher bei 6 Prozent, und dann doch nicht für sie stimmen, könnte die Taktik der taktischen Wahlinitiativen nicht mehr aufgehen. Und wenn sich umgekehrt jetzt AfD-Fans besonders angespornt fühlen, weil die Chance zur Machtübernahme schwindet, könnten die Braunen am Wahlsonntag noch durch die Decke schießen. Nach den Wahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern droht erstmals eine AfD-Regierung. Die taz berichtet, was auf dem Spiel steht – und wer jetzt die Demokratie verteidigt. Alle Texte zur Serie finden Sie hier. Wie sehr sich das Ergebnis von Umfragen unterscheiden kann, hat ausgerechnet die vergangene Sachsen-Anhalt-Wahl gezeigt. Da landete die CDU nach einem Schlussspurt weit vor der AfD und holte fast 10 Prozentpunkte mehr, als teils laut Umfragen erwartet wurde. Nicht weil die falsch waren, sondern weil das Motor einer Wahlumentscheidung war. Das kann sich – in jede Richtung – am 6. September wiederholen. Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen meistkommentiert

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27. August
Junge Freiheit

Infratest-dimap ARD-Umfrage sieht SPD und Grüne im Landtag von Sachsen-Anhalt

MAGDEBURG. In der aktuellen Infratest-dimap-Umfrage für Sachsen-Anhalt ist die CDU von Ministerpräsident Sven Schulze mit 22 Prozent auf ein historisches Tief gefallen. In der für die ARD erhobenen Umfrage verliert die Partei weitere zwei Prozentpunkte im Vergleich zur Erhebung vom Juli. Die AfD dagegen legt auf 42 Prozent zu, ein Allzeithoch bei diesem Umfrageinstitut. Im Vergleich zum Juli gewinnt sie einen weiteren Punkt. In Bezug auf die Wahl von 2021 würde das eine Verdopplung des Ergebnisses bedeuten. Damals erreichte die AfD 20,8 Prozent. Im Vergleich zur vorigen Umfrage verliert die Linke zwei Punkte und kommt nur noch auf elf Prozent. Die Verluste gehen offenbar auf das Konto von SPD und Grünen. Beide Parteien gewinnen jeweils einen Punkt und kommen offenbar sicher in den Landtag. Die Sozialdemokraten stehen nun bei acht, die Grünen bei sechs Prozent. Wirkt die Campact-Kampagne für Sachsen-Anhalt? Offenbar wirken die Kampagnen „Strategisch wählen“ oder „Taktisch Wählen“ linker NGOs wie Campact, die mit einer Stimmenverschiebung im linken Lager erreichen wollen, dass SPD und Grüne nicht an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern. Sollte eine von beiden Parteien nicht in den Landtag einziehen, wäre eine absolute Mehrheit der Mandate für die AfD wahrscheinlich. Das BSW (4 Prozent) und die derzeit noch mitregierende FDP (3 Prozent) würden derzeit an der Sperrklausel scheitern. Die Sitzverteilung im Landtag Damit hätte der Anti-AfD-Block aus CDU, Linkspartei, SPD und Grünen eine parlamentarische Mehrheit, wie eine JF-Projektion der Sitzverteilung ergibt: Elf Prozent der Wähler in Sachsen-Anhalt gaben an, dass sich ihre Wahlentscheidung bis zum 6. September noch ändern könnte. Für 70 Prozent steht dagegen fest, welche Partei sie ankreuzen werden. Außerdem zeichnet sich laut Infratest dimap eine extrem hohe Wahlbeteiligung von mehr als 80 Prozent ab. Nur 19 Prozent sagten, sie tendierten zur Nichtwahl oder hätten bislang keine Neigung zu einer Partei. Vor fünf Jahren gingen lediglich 60,3 Prozent zur Landtagswahl. (fh)

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26. August
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Neue Umfrage für Sachsen-Anhalt - AfD vorn, aber neue Hoffnung für Wackel-Parteien

Neue Umfrage für Sachsen-Anhalt: AfD weit vorn, aber neue Hoffnung für Wackel-Parteien Magdeburg – In Umfragen zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt liegt die AfD seit einem Jahr quasi uneinholbar vorn. SPD, Grüne und BSW hingegen müssen seit Monaten zittern, ob sie überhaupt den Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde schaffen. Bei zwei der drei Wackel-Parteien ist die Hoffnung auf den Einzug in den Landtag jetzt wieder gewachsen. In einer Umfrage von Infratest dimap für den MDR kommt die AfD nun auf 42 Prozent. Ende Juli sah das Institut die Rechtsaußen-Partei noch bei 41 Prozent. Eine absolute Mehrheit für die AfD ist laut dieser Umfrage weiter nicht drin. Die CDU landet mit weitem Abstand bei 22 Prozent (- 2). Auch die Linke verliert und kommt auf 11 Prozent (- 2). SPD und Grüne legen zu Anders sieht es bei SPD und Grünen aus. Die Sozialdemokraten stabilisieren sich und kommen auf 8 Prozent. Das sind zwei Prozentpunkte mehr als im Juli und der beste Wert in einer Umfrage seit Januar. Das würde sicher ausreichen, um im nächsten Landtag vertreten zu sein. Auch die Grünen verbessern sich leicht auf 6 Prozent (+ 1). Sie waren zwischenzeitlich in Umfragen auf 3 Prozent abgerutscht. Nach den aktuellen Zahlen würden auch sie es in den Landtag schaffen. Im Gegensatz zum BSW, das unverändert bei 4 Prozent liegt und an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern würde. Das gilt auch für die FDP mit 3 Prozent. Demnach wären fünf Parteien im Parlament vertreten. Allerdings: Gut jeder zehnte Wahlberechtigte in Sachsen-Anhalt gab an, dass sich seine Entscheidung bis zum Wahltermin am 6. September noch ändern könnte. Schulze liegt bei Umfrage zu Direktwahl vorn Würde der Ministerpräsident direkt von den Bürgern gewählt, käme der amtierende Regierungschef Sven Schulze (47, CDU) auf 41 Prozent. Das sind fünf Prozentpunkte mehr als im Mai. AfD-Herausforderer Ulrich Siegmund (35) käme bei einer Direktwahl auf 39 Prozent (+ 7). Jeder fünfte Wahlberechtigte antwortete mit „weiß nicht“ oder machte keine Angabe. Haben Sie eine Meinung zu diesem Artikel? Hier können Sie uns schreiben. Haben Sie Fehler entdeckt? Dann weisen Sie uns gern darauf hin.

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26. August
Handelsblatt

Landtagswahl: CDU in Sachsen-Anhalt fällt in Umfrage weiter zurück

Landtagswahl: CDU in Sachsen-Anhalt fällt in Umfrage weiter zurück Berlin. Knapp zwei Wochen vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt liegt die AfD weiter mit großem Abstand vor der CDU. Im neuen Sachsen-Anhalt-Trend von Infratest Dimap erreicht die AfD 42 Prozent. Verglichen mit Ende Juli gewinnt sie einen Prozentpunkt dazu. Die CDU von Ministerpräsident Sven Schulze fällt dagegen weiter zurück. Sie kommt auf 22 Prozent – das sind zwei Prozentpunkte weniger als im Juli. Bei der Landtagswahl 2021 hatte die CDU unter dem damaligen Ministerpräsidenten Reiner Haseloff noch 37,1 Prozent erreicht. Die AfD kam damals auf 20,8 Prozent. Die Zahlen erhöhen den Druck auf die CDU und könnten erneut die Debatte über ihre Abgrenzung zur AfD befeuern. Vergangene Woche hatte der CDU-Kommunalpolitiker Bernd Prange, Bürgermeister der Gemeinde Altmärkische Höhe und Kreistagsabgeordneter in Stendal, 10.000 Euro an die AfD gespendet und angekündigt, sie bei der Landtagswahl zu wählen. Eine absolute Mehrheit der AfD könne die CDU aus seiner Sicht dazu bringen, ihre „Brandmauer“ aufzugeben. Ministerpräsident Schulze kritisierte die Spende. Zugleich schloss er eine Zusammenarbeit mit der vom Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuften AfD aus. Linke, SPD und Grüne wären laut der Umfrage im Landtag vertreten. Für Schulze würde die Regierungsbildung dadurch aber kaum leichter. Drittstärkste Kraft wäre der Erhebung zufolge die Linke mit elf Prozent. Sie verliert zwei Punkte. Die SPD verbessert sich um einen Punkt auf acht Prozent. Auch die Grünen legen einen Punkt zu und kämen mit sechs Prozent wieder in den Landtag. Das BSW mit vier Prozent und die FDP mit drei Prozent würden an der Fünfprozenthürde scheitern. CDU könnte Grundsatzdebatte über ihren Umgang mit der Linken drohen Trotz ihres hohen Stimmenanteils hätte die AfD im neuen Landtag keine eigene Mehrheit. Entscheidend dafür ist, dass SPD und Grüne nach der Umfrage den Einzug ins Parlament schaffen. Das Umfrageergebnis ist für AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund ein Dämpfer. Denn er würde sein Ziel verfehlen, allein zu regieren. Allerdings können schon geringe Veränderungen das Kräfteverhältnis verschieben. Sollten SPD oder Grüne an der Fünfprozenthürde scheitern, würde der Anteil der nicht im Landtag vertretenen Stimmen steigen. Dann könnte die AfD möglicherweise auch mit deutlich weniger als 50 Prozent der abgegebenen Stimmen eine Mehrheit der Mandate erreichen. Auch jenseits der AfD zeichnet sich eine schwierige Koalitionsbildung ab. Eine CDU-geführte Landesregierung wäre wohl auf eine zumindest indirekte Unterstützung der Linken angewiesen, mit der die CDU eine Zusammenarbeit bislang ausgeschlossen hat. Denkbar wäre zwar eine CDU-geführte Minderheitsregierung mit SPD und Grünen, die sich von der Linken tolerieren ließe. Verwandte Themen Doch dieser Kurs ist innerhalb der CDU-Wählerschaft umstritten, wie die Umfrage zeigt. Jeweils 47 Prozent der CDU-Anhänger sprechen sich für beziehungsweise gegen eine Zusammenarbeit mit der Linken aus. Damit könnte bei der CDU nach der Wahl eine Grundsatzdebatte über ihren Umgang mit der Linken anstehen. Bei einer hypothetischen Direktwahl des Ministerpräsidenten liegt Schulze trotz der Schwäche seiner Partei knapp vor Siegmund. 41 Prozent der Befragten würden sich für den CDU-Politiker entscheiden, 39 Prozent für den AfD-Spitzenkandidaten.

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26. August
Die Zeit (Politik)

Infratest dimap: AfD, SPD und Grüne legen laut Umfrage in Sachsen-Anhalt zu

Eineinhalb Wochen vor der Landtagswahl hat die in Sachsen-Anhalt als rechtsextremistisch eingestufte AfD ihren Vorsprung laut einer Umfrage von Infratest dimap ausgebaut. Nach der im Auftrag der ARD durchgeführten Erhebung käme die Partei auf 42 Prozent der Stimmen – ein Prozentpunkt mehr als in der vorherigen Umfrage von Ende Juli. Damit würde die AfD, die in Sachsen-Anhalt vom Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft wird, die absolute Mehrheit im Landtag knapp verfehlen. Auf dem zweiten Platz folgt der Umfrage zufolge die CDU mit 22 Prozent, dahinter liegen die Linken mit elf Prozent. Die SPD erreicht demnach acht Prozent, die Grünen kommen auf sechs Prozent. Im Vergleich zur Umfrage im Juli verlieren CDU und Linke jeweils zwei Prozentpunkte. SPD und Grüne legen dagegen jeweils um einen Prozentpunkt zu. FDP und BSW würden mit drei beziehungsweise vier Prozent den Einzug in den Landtag verpassen. AfD würde von 20,8 Prozent auf 42 Prozent springen Mit dem Ergebnis würde die AfD ihr Ergebnis von 2021 mehr als verdoppeln. Damals hatte sie 20,8 Prozent der Stimmen erreicht, während die CDU auf 37,1 Prozent kam. Der Umfrage zufolge steht die Wahlentscheidung für sieben von zehn Wahlberechtigten bereits fest. Gut jeder zehnte Befragte erklärte, seine Entscheidung könne sich bis zum Wahltag noch ändern. Knapp ein Fünftel ist noch unentschlossen oder gibt an, wahrscheinlich nicht wählen zu gehen. Bei der Frage, welche Partei die nächste Landesregierung anführen sollte, liegen AfD und CDU laut der Umfrage annähernd gleichauf. 42 Prozent der Befragten sprechen sich für eine Regierung unter Führung der AfD aus, 41 Prozent für eine unter der CDU. Eine von der CDU geführte Landesregierung, die aus Mehrheitsgründen von der Linken gestützt würde, fänden 32 Prozent sehr gut oder gut. 59 Prozent fänden eine solche Konstellation hingegen weniger gut oder schlecht. Im direkten Vergleich der Spitzenkandidaten käme Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) bei einer hypothetischen Direktwahl auf 41 Prozent, für den AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund würden sich 39 Prozent entscheiden. Mit der politischen Arbeit von Schulze sind der Umfrage nach 30 Prozent zufrieden oder sehr zufrieden. Über Siegmunds Arbeit äußern sich 37 Prozent zufrieden. Für die Umfrage wurden am Montag und Dienstag 1.511 Wahlberechtigte in Sachsen-Anhalt befragt. Die Landtagswahl findet am 6. September statt.

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26. August
Der Spiegel (Politik)

Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: AfD baut Vorsprung aus, auch SPD und Grüne legen laut Umfrage zu

Vor Landtagswahl AfD baut Vorsprung aus, auch SPD und Grüne legen laut Umfrage in Sachsen-Anhalt zu In knapp zwei Wochen wird in Sachsen-Anhalt ein neuer Landtag gewählt, laut einer neuen Umfrage hat die AfD ihren Vorsprung auf die CDU weiter ausgebaut. In der Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Infratest dimap im Auftrag der ARD kommt die im Land als gesichert rechtsextrem eingestufte Partei auf 42 Prozent – das ist ein Prozentpunkt mehr als im Juli. Die CDU von Ministerpräsident Sven Schulze liegt bei 22 Prozent, sie verliert im Vergleich zur letzten Befragung Ende Juli zwei Prozentpunkte. Die AfD würde damit ihr Ergebnis von 2021 mit 20,8 Prozent faktisch verdoppeln. Die CDU kam damals auf 37,1 Prozent. In der Umfrage folgen die Linke mit elf Prozent (minus zwei), die SPD mit acht Prozent (plus eins) und die Grünen mit sechs Prozent (plus eins). Das BSW würde mit vier Prozent ebenso wie die FDP mit drei Prozent an der Fünfprozenthürde scheitern. Alle übrigen Parteien kämen zusammen auf vier Prozent. Jeder Zehnte könnte Wahlpräferenz noch ändern In Sachsen-Anhalt regiert die CDU derzeit mit SPD und FDP, die Landtagswahl ist am 6. September. Infratest dimap befragte knapp mehr als 1500 wahlberechtigte Sachsen-Anhalterinnen und Sachsen-Anhalter am 24. und 25. August telefonisch und online. Etwa jeder zehnte Wahlberechtigte (elf Prozent) gibt demnach an, dass sich seine Parteipräferenz bis zum Wahltag noch ändern könnte. Bei einem solchen Wahlausgang würde die AfD ihr Ziel einer Alleinregierung nicht erreichen. Eine CDU-geführte Minderheitsregierung mit SPD und Grünen wäre gegebenenfalls auf Unterstützung der Linken angewiesen. Laut der Umfrage sind die Anhängerinnen und Anhänger der Union geteilter Meinung (jeweils 47 Prozent), ob eine CDU-geführte Landesregierung von der Linken unterstützt werden sollte. Knapp ein Fünftel tendiert der Befragung zufolge dazu, nicht zu wählen, oder ist noch unentschlossen. Bei Direktwahl wäre Schulze knapp vor Siegmund Wahlumfragen sind generell immer mit Unsicherheiten behaftet. Unter anderem erschweren nachlassende Parteibindungen und immer kurzfristigere Wahlentscheidungen den Meinungsforschungsinstituten die Gewichtung der erhobenen Daten. Grundsätzlich spiegeln Umfragen nur das Meinungsbild zum Zeitpunkt der Befragung wider und sind keine Prognosen für den Wahlausgang. Könnte man den Ministerpräsidenten in Sachsen-Anhalt direkt wählen, würden sich 41 Prozent für Schulze und 39 Prozent für AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund entscheiden. 20 Prozent antworteten mit »weiß nicht« oder machten keine Angabe. Selten haben Demoskopen sich so verschätzt wie bei der Landtagswahl 2021 in Sachsen-Anhalt. Wie zuverlässig die Umfragen sind und was das für die Wahlen im September bedeutet – lesen Sie hier die SPIEGEL-Datenanalyse.

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26. August
Tagesschau

Stärke der AfD in Sachsen-Anhalt: "Der Osten ist eher das Normal"

Stärke der AfD in Sachsen-Anhalt "Der Osten ist eher das Normal" Kurz vor der Wahl in Sachsen-Anhalt führt die AfD die Umfragen klar an. Parteienforscher Höhne sieht darin keinen ostdeutschen Sonderfall, benennt aber eine historische Spur und ein Szenario für den Fall der Regierungsübernahme. Am 6. September wählt Sachsen-Anhalt einen neuen Landtag. Umfragen sehen die AfD bei 42, die CDU bei 22 Prozent. Warum die Partei gerade hier so stark ist, hat mdr Sachsen-Anhalt den Parteienforscher Benjamin Höhne von der TU Chemnitz gefragt, der lange in Sachsen-Anhalt gearbeitet hat. Ein typisch ostdeutsches Problem sei es nicht, sagt Höhne, sondern eines aller westlichen Demokratien, im Westen nur schwächer ausgeprägt. "Insofern kann man sagen: Der Osten der Republik ist eher das Normal und der Westen eher die Abweichung, weil dort das etablierte Parteiensystem noch stabiler ist, die Zivilgesellschaft resilienter ist und sie rechten Umtrieben mehr entgegensetzen konnte und kann, als im Osten." Krise der repräsentativen Demokratie Als eine Ursache nennt Höhne die Krise der repräsentativen Demokratie: "Rechtspopulismus und Rechtsextremismus reagieren darauf, aber nicht, um Probleme zu lösen, sondern um sie zu verschärfen." Dazu kämen düstere Zukunftserwartungen: "Die Angst vor dem, was da kommt, die vielfältigen Krisen, mit denen die Menschen klarkommen müssen, zugleich Zweifel, ob der demokratische Staat noch ausreichend zur Problemlösung in der Lage ist. Da flüchten sich viele zu Rechtsaußenparteien und fallen autoritären Versprechen anheim." Der Sachsen-Anhalt-Monitor 2025 zeigt diesen Widerspruch: 90 Prozent sind mit ihrem Leben zufrieden, der Zukunft des Landes trauen nur 17 Prozent etwas zu. Hinzu komme die Strukturschwäche des Landes, sagt Höhne, abgebaute Arbeitsplätze, gescheiterte Ansiedlungen wie Solar Valley, dem Industriestandort in Bitterfeld-Wolfen. Der Vertrauensvorschuss für die Westparteien sei nach 1990 entsprechend gering ausgefallen. Eine Spur, die bis zur DVU von 1998 führt Die AfD knüpft an eine ältere Geschichte an. "Dort, wo rechtsextreme Parteien in der Vergangenheit stark waren, zeigt sich in der Regel auch eine überproportional hohe Zustimmung zur AfD", sagt Höhne. "In Sachsen-Anhalt kann man auf das Ergebnis der DVU von knapp 13 Prozent im Jahr 1998 zurückblicken, als diese Retortenpartei von Gerhard Frey aus München aus dem Stand in den Landtag einzog." Die Wahlanalysen von damals zeigen weitere Parallelen. Die DVU hatte keine Ortsverbände, dafür eine von Frey finanzierte Plakat- und Briefkampagne, mit der sie gezielt alle Jung- und Erstwähler anschrieb. Bei den 18- bis 24-Jährigen kam sie auf gut 25 Prozent. Heute läuft dieselbe Ansprache über TikTok: Spitzenkandidat Ulrich Siegmund ist dort der reichweitenstärkste deutsche Politiker. Bei den ostdeutschen Landtagswahlen 2024 war die AfD bei den Jungwählern jeweils stärkste Kraft. Wende-Narrativ und Ost-Identität In AfD-Chats ist von "Wende 2.0" die Rede, Siegmund spricht davon, Geschichte zu schreiben. Treibt dieses Narrativ die Partei an? Höhne sieht darin keine Erfindung der AfD: "Die identitätspolitischen Debatten um ostdeutsche Identität und um Identität in Sachsen-Anhalt gehen weiter zurück. Was die AfD versucht, ist, diese für sich zu nutzen." Damit stehe sie in einer Traditionslinie zur PDS, der SED-Nachfolgepartei, die sich in den 1990er-Jahren als ostdeutsche Interessenvertretung verstand. Dasselbe sei es aber nicht: "Die AfD ist ein gesamtdeutsches Phänomen. Wenn man zur AfD in die westlichen Bundesländer geht, wird man viel weniger oder gar nichts über ostidentitätspolitische Debatten hören." Auch die heutige Linke ist längst eine gesamtdeutsche Partei. Einen ostdeutschen Sonderweg innerhalb der AfD erkennt Höhne nicht: "Die Gemeinsamkeiten sind am Ende des Tages stärker als die Differenzen. Die AfD befindet sich auf Rechtsaußenkurs, und der wird von den ostdeutschen Landesverbänden vorangetrieben, unter anderem von Sachsen-Anhalt." Der Kern seien sind die Flügel-Leute um Björn Höcke in Thüringen. Was im Fall einer Regierungsübernahme ansteht Übernimmt die AfD in Magdeburg die Regierung, rechnet Höhne mit einem Professionalisierungsschub, auf den auch andere Landesverbände schauen würden. "Sie hat schon angekündigt, dass sie Spitzenbeamte auswechseln möchte. Da kursierten Zahlen von 150 bis 200 Personen." Darauf arbeitet die Partei seit Jahren hin: 2025 gründete sie in Berlin die "Schwarz-Rot-Gold Akademie GmbH", die Personal für Politik und Verwaltung schult. Ein weiterer Unterschied zur DVU, deren Fraktion sich nach 1998 in Skandalen selbst zerlegte. Das beherrschende Thema werde der Kulturkampf sein, weniger Migration oder Wirtschaft: "Öffentlich-rechtlicher Rundfunk, Zivilgesellschaft, Demokratieprojekte, Universitäten, also da, wo Landeskompetenz vorliegt, da wird die AfD versuchen, im Sinne ihrer Rechtsaußen-Ideologie tätig zu werden." Wirtschaftlich erwartet er eher Einbußen: "Internationale Unternehmen oder Unternehmer, die Interesse haben, nach Sachsen-Anhalt zu kommen, werden eher einen Bogen um das Land machen, weil sie befürchten müssen, persönlichen Angriffen ausgesetzt zu sein."

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26. August
Die Welt (Politik)

AfD vergrößert in Umfrage Abstand zur Union deutlich – Grüne und SPD rechnerisch im Landtag

AfD vergrößert in Umfrage Abstand zur Union deutlich – Grüne und SPD rechnerisch im Landtag Die AfD liegt in Sachsen-Anhalt laut einer neuen Umfrage deutlich vor der CDU – würde ihr Ziel einer Alleinregierung aber verfehlen. Auch SPD und Grüne legen zu. Klicken Sie hier, um sich Artikel von WELT in der Google-Suche bevorzugt anzeigen zu lassen. Knapp zwei Wochen vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt hat die AfD laut einer Umfrage ihren Vorsprung auf die CDU ausgebaut. In der Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Infratest dimap im Auftrag der ARD kommt die im Land als gesichert rechtsextrem eingestufte Partei auf 42 Prozent – das ist ein Prozentpunkt mehr als im Juli. Die CDU von Ministerpräsident Sven Schulze liegt bei 22 Prozent, sie verliert im Vergleich zur letzten Befragung Ende Juli zwei Prozentpunkte. Es folgen die Linke mit 11 Prozent (minus 2), die SPD mit 8 Prozent (plus 1) und die Grünen mit 6 Prozent (plus 1). Das BSW würde mit 4 Prozent ebenso wie die FDP mit 3 Prozent an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern. Alle übrigen Parteien kämen zusammen auf 4 Prozent. Etwa jeder zehnte Wahlberechtigte (11 Prozent) gibt an, dass sich seine Parteipräferenz bis zum Wahltag noch ändern könnte. Die Umfragewerte im Überblick: - AfD: 42 Prozent (+1 Prozentpunkt) - CDU: 22 Prozent (-2 Prozentpunkte) - Linke: 11 Prozent (-2 Prozentpunkte) - SPD: 8 Prozent (+ 1 Prozentpunkt) - Grüne: 6 Prozent (+1 Prozentpunkt) - BSW: 4 Prozent (unverändert) - Sonstige: 7 Prozent (+ 1 Prozentpunkt) AfD hätte allein keine Mehrheit Könnte man den Ministerpräsidenten in Sachsen-Anhalt direkt wählen, würden sich 41 Prozent für Schulze und 39 Prozent für AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund entscheiden. 20 Prozent antworteten mit „weiß nicht“ oder machten keine Angabe. Bei einem solchen Wahlausgang würde die AfD ihr Ziel einer Alleinregierung nicht erreichen. Eine CDU-geführte Minderheitsregierung mit SPD und Grünen wäre gegebenenfalls auf Unterstützung der Linken angewiesen. Laut der Umfrage sind die Anhänger der Union geteilter Meinung (jeweils 47 Prozent), ob eine CDU-geführte Landesregierung von der Linken unterstützt werden sollte. In Sachsen-Anhalt regiert die CDU derzeit mit SPD und FDP – laut Umfragen hat letztere nur geringe Chancen auf einen Wiedereinzug ins Landesparlament. Die Landtagswahl findet am 6. September statt. Infratest dimap befragte 1511 wahlberechtigte Bürger in Sachsen-Anhalt telefonisch und online am 24. und 25. August. Die Umfrage gilt als repräsentativ. Wahlumfragen sind generell immer mit Unsicherheiten behaftet. Grundsätzlich spiegeln Umfragen nur das Meinungsbild zum Zeitpunkt der Befragung wider und sind keine Prognosen für den Wahlausgang.

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26. August
FAZ (Politik)

Deutschland-Liveblog: Kleine Parteien gewinnen in Sachsen-Anhalt in neuer Umfrage hinzu

Deutschland-Liveblog : Kleine Parteien gewinnen in Sachsen-Anhalt in neuer Umfrage hinzu Lesezeit: Sie stehen zur Wahl: Sven Schulze (CDU), Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Ulrich Siegmund (AfD), Lydia Hüskens (FDP), Susan Sziborra-Seidlitz (Bündnis 90/Die Grünen), Armin Willingmann (SPD) und Hendrik Lange (Die Linke) im Juli beim RNDdpa AfD bei 42 Prozent +++ Merz: Raus aus diesem Klima der Verdrießlichkeit +++ Ermittlungen gegen Bundestagsabgeordneten wegen Urkundenfälschung +++ alle Entwicklungen im Liveblog Neue Umfrage für Sachsen-Anhalt: AfD bei 42 Prozent, kleinere Parteien gewinnen hinzu Elf Tage vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September sieht eine neue Umfrage von Infratest dimap im Auftrag der ARD die kleineren Parteien leicht im Aufwind. Die AfD legt gegenüber der letzten Erhebung Ende Juli um einen Prozentpunkt auf 42 Prozent zu, während die CDU von Ministerpräsident Sven Schulze um weitere zwei Prozentpunkte auf nur noch 22 Prozent fällt.  Die Chance der AfD, mit ihrem Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund den nächsten Ministerpräsidenten zu stellen, sind nach der Umfrage dennoch gesunken. Denn die SPD legt um einen Punkt auf acht Prozent zu und steuert damit auf einen sicheren Wiedereinzug zu. Daneben können auch die Grünen um einen Prozentpunkt zulegen, die nun auf sechs Prozent kommen, was ebenfalls für einen Wiedereinzug ausreichen würde. In den vergangenen Monaten hatten die Grünen in Sachsen-Anhalt lange unter der Fünfprozenthürde gelegen. Die Linkspartei verliert hingegen zwei Prozentpunkte auf elf Prozent. Das BSW liegt trotz des Wirbels der vergangenen Tage um dessen mögliche Steigbügelhilfe für einen AfD-Ministerpräsidenten weiter bei vier Prozent, was nicht für einen Einzug in den Landtag reicht. Die FDP, die bei den vergangenen Umfragen mangels Zustimmung gar nicht mehr ausgewiesen wurde, stieg auf drei Prozent. Eine Fortsetzung der bisherigen Deutschland-Koalition aus CDU, SPD und FDP wäre nach den neuen Zahlen von Infratest dimap nicht mehr möglich. Ebenso fehlt der AfD eine Machtperspektive. Eine CDU-geführte Regierung könnte sich aber ähnlich wie in Sachsen und Thüringen auf eine weitgehend informelle Zusammenarbeit mit der Linkspartei stützen. Innerhalb des CDU-Landesverbands könnte ein Ergebnis von nur 22 Prozent allerdings für Unruhe sorgen. In der Bundes-CDU gilt ein Unvereinbarkeitsbeschluss sowohl mit Blick auf die AfD wie auch auf die Partei Die Linke. Die Chance der AfD, mit ihrem Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund den nächsten Ministerpräsidenten zu stellen, sind nach der Umfrage dennoch gesunken. Denn die SPD legt um einen Punkt auf acht Prozent zu und steuert damit auf einen sicheren Wiedereinzug zu. Daneben können auch die Grünen um einen Prozentpunkt zulegen, die nun auf sechs Prozent kommen, was ebenfalls für einen Wiedereinzug ausreichen würde. In den vergangenen Monaten hatten die Grünen in Sachsen-Anhalt lange unter der Fünfprozenthürde gelegen. Die Linkspartei verliert hingegen zwei Prozentpunkte auf elf Prozent. Das BSW liegt trotz des Wirbels der vergangenen Tage um dessen mögliche Steigbügelhilfe für einen AfD-Ministerpräsidenten weiter bei vier Prozent, was nicht für einen Einzug in den Landtag reicht. Die FDP, die bei den vergangenen Umfragen mangels Zustimmung gar nicht mehr ausgewiesen wurde, stieg auf drei Prozent. Eine Fortsetzung der bisherigen Deutschland-Koalition aus CDU, SPD und FDP wäre nach den neuen Zahlen von Infratest dimap nicht mehr möglich. Ebenso fehlt der AfD eine Machtperspektive. Eine CDU-geführte Regierung könnte sich aber ähnlich wie in Sachsen und Thüringen auf eine weitgehend informelle Zusammenarbeit mit der Linkspartei stützen. Innerhalb des CDU-Landesverbands könnte ein Ergebnis von nur 22 Prozent allerdings für Unruhe sorgen. In der Bundes-CDU gilt ein Unvereinbarkeitsbeschluss sowohl mit Blick auf die AfD wie auch auf die Partei Die Linke. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Ian Liesch Siegmund: AfD vor Sachsen-Anhalt-Wahl auf richtigem Weg AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund sieht in der neuen Umfrage vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt Rückenwind für seine Partei. „Wir sind auf dem richtigen Weg“, sagte Siegmund im TV-Duell der MDR-Wahlarena gegen CDU-Spitzenkandidat Sven Schulze. „Die Leute haben genug davon, bevormundet zu werden“, sagte Siegmund. Ministerpräsident Schulze warf Siegmund vor, kein Konzept für die Zukunft des Landes zu haben.  Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Junge Union Sachsen-Anhalt will mit AfD zusammenarbeiten Die sachsen-anhaltische Junge Union positioniert sich in Sachen Brandmauer anders als die Mutterpartei: Im Gespräch mit meinem Kollegen Simon Strauß im F.A.Z.-Podcast für Deutschland hat der sachsen-anhaltische JU-Chef Nico Elsner eine Koalition mit der AfD zwar ausgeschlossen, sich aber dafür ausgesprochen, im Parlament mit ihr zusammenzuarbeiten: „Zusammenarbeiten im Sinne von: eine richtige Sache wird nicht falsch, nur weil die Falschen zustimmen. Das, finde ich, ist zumindest für die inhaltliche Zusammenarbeit im parlamentarischen Verfahren wichtig. Es wird so laufen, dass man Gesetze ins Parlament reingibt und dann wird man schauen, wie sich da die Mehrheiten finden.“ Die CDU-Parteispitze befürwortet eigentlich einen anderen Umgang. Unionsfraktionschef Thorsten Frei hatte gegenüber der F.A.Z. zuletzt gesagt: „Mit Blick auf die AfD und die Linkspartei gilt der Unvereinbarkeitsbeschluss der CDU.“ Das Land stehe vor enormen Herausforderungen. „Um diese Aufgaben zu lösen, brauchen wir in den Parlamenten stabile und verlässliche Partner“, äußerte Frei. Um deutlich zu machen, dass er damit nicht nur den Bundestag meint, sondern auch den sachsen-anhaltischen Landtag in der Zeit nach der Landtagswahl am 6. September, ergänzte er: „Das gilt in Berlin und Magdeburg gleichermaßen.“ Unionsfraktionschef Thorsten Frei hatte gegenüber der F.A.Z. zuletzt gesagt: „Mit Blick auf die AfD und die Linkspartei gilt der Unvereinbarkeitsbeschluss der CDU.“ Das Land stehe vor enormen Herausforderungen. „Um diese Aufgaben zu lösen, brauchen wir in den Parlamenten stabile und verlässliche Partner“, äußerte Frei. Um deutlich zu machen, dass er damit nicht nur den Bundestag meint, sondern auch den sachsen-anhaltischen Landtag in der Zeit nach der Landtagswahl am 6. September, ergänzte er: „Das gilt in Berlin und Magdeburg gleichermaßen.“ Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Verdacht der Urkundenfälschung: Ermittlungen gegen Linken-Abgeordneten Die Berliner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Bundestagsabgeordneten Ferat Koçak – offenbar wegen einer falschen Zugangskarte für den Bundestag. Das bestätigte das Büro des Politikers auf Anfrage der F.A.Z. Zunächst hatte die „Bild“ berichtet. Die Staatsanwaltschaft teilte mit, es werde wegen des Anfangsverdachts der Urkundenfälschung gegen einen 47 Jahre alten Bundestagsabgeordneten ermittelt, allerdings ohne den Namen zu nennen. Weitere Auskünfte machte die Behörde nicht.  Koçak habe unter dem Motto Rollentausch ein Social-Media-Video mit einem Kioskbesitzer gedreht, teilte sein Abgeordnetenbüro mit. „Um diesen Rollentausch auch bildlich festzuhalten, überreichte der Kioskbesitzer MdB Koçak ein Namensschild mit dem Logo seines Kiosks. Im Gegenzug erhielt der Kioskbesitzer symbolisch eine vom Büro Koçak gebastelte Requisite „Bundestagsausweis“ in grüner Farbe, der ausdrücklich nicht dem offiziellen Bundestagsausweis ähnelt.“ Dieser sei beim Einlass in den Bundestag gesehen worden. „Aus diesem Umstand entstand offenbar der nun erhobene Vorwurf“, teilte das Büro mit. Der Kioskbesitzer sei für den Besuch des Bundestags ordnungsgemäß angemeldet gewesen und habe den Bundestag regulär unter Vorlage seines amtlichen Ausweisdokuments betreten.  Auf Koçaks Youtube-Kanal ist das Video von April abrufbar, das den Rollentausch mit einem Neuköllner Kioskbesitzer zeigt.  Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Opposition kritisiert Ergebnisse der Kabinettsklausur Den positiven Worten der Regierung folgt Kritik aus der Opposition – und auch aus den eigenen Reihen. Linken-Fraktionschefin Heidi Reichinnek hat scharfe Kritik an der Kabinettsklausur der Bundesregierung geübt. „Nach zwei Tagen ‚intensivem‘ Austausch gibt es nichts Konkretes, außer einen blinden Optimismus, dass alles gut wird, da sich die Koalition gut versteht“, sagte Reichinnek am Mittwoch der Nachrichtenagentur AFP. „Merz sagt, er will raus aus  ‚Verdrießlichkeit und Verdruss‘, ohne auch nur einen einzigen konkreten Punkt zu benennen, wie er das erreichen will.“ Auch beim Klima sei nichts beschlossen worden – „obwohl auch dieser Sommer wieder gezeigt hat, wie dringend konkrete Maßnahmen erforderlich sind“.  Linken-Parteichefin Ines Schwerdtner sprach von einem „Kabinett der Unfähigkeit“, welches an den Problemen der Menschen vorbeiregiere. Die Ministerinnen und Minister hätten mit dem Kanzler zwei Tage lang „über Wettbewerbsfähigkeit, Unternehmensinteressen und neue sogenannte Reformen“ gesprochen, sagte Schwerdtner ntv.de. Es sei aber viel zu wenig darüber gesprochen worden, „wie das Leben für die Menschen endlich wieder bezahlbar wird“. Auch die AfD kritisiert die Ergebnisse der Klausur – allerdings aus anderer Richtung. „Auf dringend notwendige Strukturreformen zur Sanierung der öffentlichen Finanzen und zur Streichung überflüssiger Staatsausgaben warten Bürger und Unternehmen weiter vergebens“, teilten die Parteichefs Alice Weidel und Tino Chrupalla mit. Während der Kanzler der Linken beim Klimaschutz nicht weit genug ging, fordern sie eine Abkehr davon: „Statt für eine Rückkehr zur Vernunft in der Energiepolitik und für sinkende Energiepreise zu sorgen, biedert sich Friedrich Merz mit weltfremder ‚Klimaschutz‘-Rhetorik bei den grünen Ideologen der Deindustrialisierung an.“ Linken-Parteichefin Ines Schwerdtner sprach von einem „Kabinett der Unfähigkeit“, welches an den Problemen der Menschen vorbeiregiere. Die Ministerinnen und Minister hätten mit dem Kanzler zwei Tage lang „über Wettbewerbsfähigkeit, Unternehmensinteressen und neue sogenannte Reformen“ gesprochen, sagte Schwerdtner ntv.de. Es sei aber viel zu wenig darüber gesprochen worden, „wie das Leben für die Menschen endlich wieder bezahlbar wird“. Auch die AfD kritisiert die Ergebnisse der Klausur – allerdings aus anderer Richtung. „Auf dringend notwendige Strukturreformen zur Sanierung der öffentlichen Finanzen und zur Streichung überflüssiger Staatsausgaben warten Bürger und Unternehmen weiter vergebens“, teilten die Parteichefs Alice Weidel und Tino Chrupalla mit. Während der Kanzler der Linken beim Klimaschutz nicht weit genug ging, fordern sie eine Abkehr davon: „Statt für eine Rückkehr zur Vernunft in der Energiepolitik und für sinkende Energiepreise zu sorgen, biedert sich Friedrich Merz mit weltfremder ‚Klimaschutz‘-Rhetorik bei den grünen Ideologen der Deindustrialisierung an.“ Grünen-Chef Felix Banaszak sagte am Dienstag dem „Kölner Stadt-Anzeiger“, er frage sich, „wofür die Regierung da eigentlich in Neuhardenberg zusammengekommen ist.“ Banaszak kritisierte: „Keine Beschlüsse zum Klima und Klimaschutz, keine neuen Ideen, wie er die Wirtschaft wieder ankurbeln will.“ Immerhin bekenne sich der Kanzler zum Rentenpaket. „Ansonsten aber haben Merz und Klingbeil keinen erkennbaren Plan für Deutschland.“  Kritik kommt auch aus den Koalitionsparteien selbst. Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) äußerte sich in der „Rheinischen Post“ zu Merz’ Plan, die Abschaffung der abschlagsfreien Rente mit 63 durchzusetzen. „Der Kanzler wird über die Rentenreform nicht allein entscheiden. Und das ist auch gut so.“ Sie empfehle, mit den Ministerpräsidenten darüber ins Gespräch zu gehen. Die Reform würde ausgerechnet die Leistungsträger in der Gesellschaft treffen. „Der Kanzler wäre klug beraten, diesen Vorschlag endlich beiseitezulegen.“ Dem „Spiegel“ sagte sie: „Wir müssen den Menschen zeigen, dass wir sie und ihre Probleme ernst nehmen“. Die Bundesregierung streite, anstatt zu helfen. Das sei das vorherrschende Gefühl. Als Beispiel nannte die Schwesig den Tankrabatt, der vielen Menschen geholfen habe und dann ohne Nachfolgeregelung ausgelaufen sei. „So etwas meine ich, solche Sachen sind fatal.“ Kritik kommt auch aus den Koalitionsparteien selbst. Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) äußerte sich in der „Rheinischen Post“ zu Merz’ Plan, die Abschaffung der abschlagsfreien Rente mit 63 durchzusetzen. „Der Kanzler wird über die Rentenreform nicht allein entscheiden. Und das ist auch gut so.“ Sie empfehle, mit den Ministerpräsidenten darüber ins Gespräch zu gehen. Die Reform würde ausgerechnet die Leistungsträger in der Gesellschaft treffen. „Der Kanzler wäre klug beraten, diesen Vorschlag endlich beiseitezulegen.“ Dem „Spiegel“ sagte sie: „Wir müssen den Menschen zeigen, dass wir sie und ihre Probleme ernst nehmen“. Die Bundesregierung streite, anstatt zu helfen. Das sei das vorherrschende Gefühl. Als Beispiel nannte die Schwesig den Tankrabatt, der vielen Menschen geholfen habe und dann ohne Nachfolgeregelung ausgelaufen sei. „So etwas meine ich, solche Sachen sind fatal.“ Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Dobrindt rechnet mit weiteren hybriden Angriffen Bundesinnenminister Alexander Dobrindt rechnet mit verstärkten hybriden Angriffen auf Deutschland und will daher noch in diesem Jahr neue Sicherheitsgesetze auf den Weg bringen. Das sei auch Thema auf der Kabinettsklausur gewesen, sagt er. „Wir wollen diese Sicherheitsgesetze, die wir für notwendig achten, auch zügig in diesem Jahr umsetzen.“ Über diese Gesetze sei jahrzehntelang politisch gestritten worden. Die Einigkeit in der Koalition unterstreiche deren Handlungsfähigkeit angesichts der neuen Bedrohungslagen. Dazu gehöre unter anderem eine Stärkung der Nachrichtendienste, die in echte Geheimdienste umgeformt werden sollen.  Die hybride Bedrohungslage mit Sabotage, Spionage und verdeckten Aktionen fremder Mächte sei damit jedoch nicht erledigt. „Die beschäftigen mich fast täglich oder täglich und unsere Koalition mit Sicherheit jede Woche“, sagt Dobrindt. Man gehe davon aus, die notwendigen Entscheidungen treffen zu können, „um auch deutlich zu machen, dass wir ein wehrhafter Staat sind“. Man könne nicht alles verhindern, sich aber einer Vielzahl der Bedrohungen erwehren. Die entsprechenden Entscheidungen sollten im Herbst abgeschlossen werden. Die hybride Bedrohungslage mit Sabotage, Spionage und verdeckten Aktionen fremder Mächte sei damit jedoch nicht erledigt. „Die beschäftigen mich fast täglich oder täglich und unsere Koalition mit Sicherheit jede Woche“, sagt Dobrindt. Man gehe davon aus, die notwendigen Entscheidungen treffen zu können, „um auch deutlich zu machen, dass wir ein wehrhafter Staat sind“. Man könne nicht alles verhindern, sich aber einer Vielzahl der Bedrohungen erwehren. Die entsprechenden Entscheidungen sollten im Herbst abgeschlossen werden. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Merz „war etwas erstaunt" über Rentenvorstoß von CDU-Ministerpräsidenten Auch bei der in SPD und CDU durchaus umstrittenen Rentenreform verbreitet der Bundeskanzler Optimismus: Die entsprechenden Entwürfe würden in Kürze von Arbeitsministerin Bärbel Bas vorgelegt. Die Frage der Frühverrentung – also die geplante Abschaffung der Rente mit 63 – sei im Koalitionsausschuss besprochen worden. „Und dabei muss es auch bleiben", sagt Merz. „Das ist ein Kernstück der Reform." Zum Vorstoß der ostdeutschen CDU-Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (Sachsen), Sven Schulze (Sachsen-Anhalt) und Mario Voigt (Thüringen), die sich gegen die Abschaffung der Rente mit 63 ausgesprochen hatten, sagt der CDU-Parteivorsitzende: „Ich gebe zu, ich bin über diese Wortmeldung etwas erstaunt gewesen, weil sie nach meiner festen Überzeugung auch nicht mit ausreichenden Sachargumenten unterlegt war." Aber genau über diese Sachargumente werde nun gesprochen. „Und dann werden wir im Herbst diese Reform, so hoffe ich jedenfalls, in zwei Teilen verabschieden." Zum Vorstoß der ostdeutschen CDU-Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (Sachsen), Sven Schulze (Sachsen-Anhalt) und Mario Voigt (Thüringen), die sich gegen die Abschaffung der Rente mit 63 ausgesprochen hatten, sagt der CDU-Parteivorsitzende: „Ich gebe zu, ich bin über diese Wortmeldung etwas erstaunt gewesen, weil sie nach meiner festen Überzeugung auch nicht mit ausreichenden Sachargumenten unterlegt war." Aber genau über diese Sachargumente werde nun gesprochen. „Und dann werden wir im Herbst diese Reform, so hoffe ich jedenfalls, in zwei Teilen verabschieden." Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Klingbeil: Keine Zuckersteuer auf zuckerfreie Getränke Auf Nachfrage betont Klingbeil noch einmal, dass es keine Steuer auf Diätgetränke geben werde. Die Koalition habe eine Zuckersteuer verabredet, hinter der er aus voller Überzeugung steht, sagt der Finanzminister, um den Gesundheitsschutz, die Prävention, den Schutz von Kindern in unserem Land voranzutreiben. Eine Steuer auf Getränke mit Süßungsmitteln aber werde es nicht geben. „Ich werde als Finanzminister keine Steuer vorlegen, wo zuckerfreie Getränke besteuert werden. Ich halte das für Quatsch, wenn ich das so offen sagen darf." Am Dienstag war ein Papier aus Klingbeils Ministerium öffentlich geworden, in dem vorgeschlagen wurde, neben Limonaden unter anderem auch Zero- und Light-Getränke, Biermischgetränke, Haferdrinks und Fertigkaffees der Zuckersteuer zu unterwerfen. Die Rede ist von Getränken „mit Zucker und/oder Süßungsmitteln“ sowie „Zucker-/süßungsmittelhaltigen Granulaten“. Nicht betroffen wären 100-prozentige Fruchtsäfte und reine Milch. Dass der Entwurf an Journalisten durchgestochen wurde, will Klingbeil nicht als Zeichen der Uneinigkeit in der Regierung sehen. „Es ist offensichtlich mittlerweile ein beliebtes Spiel, fachliche Erwägungen, die für oder gegen eine bestimmte politische Entscheidung sprechen, sofort hochzustilisieren und hochzujazzen zum Streit in der Koalition. Das ist grober Unfug." Am Dienstag war ein Papier aus Klingbeils Ministerium öffentlich geworden, in dem vorgeschlagen wurde, neben Limonaden unter anderem auch Zero- und Light-Getränke, Biermischgetränke, Haferdrinks und Fertigkaffees der Zuckersteuer zu unterwerfen. Die Rede ist von Getränken „mit Zucker und/oder Süßungsmitteln“ sowie „Zucker-/süßungsmittelhaltigen Granulaten“. Nicht betroffen wären 100-prozentige Fruchtsäfte und reine Milch. Dass der Entwurf an Journalisten durchgestochen wurde, will Klingbeil nicht als Zeichen der Uneinigkeit in der Regierung sehen. „Es ist offensichtlich mittlerweile ein beliebtes Spiel, fachliche Erwägungen, die für oder gegen eine bestimmte politische Entscheidung sprechen, sofort hochzustilisieren und hochzujazzen zum Streit in der Koalition. Das ist grober Unfug." Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Klingbeil beschwört das „Gemeinsam“ Und auch Vizekanzler Lars Klingbeil beschwört in seinem Statement nach der Kabinettsklausur vor allem den Zusammenhalt. „Gemeinsam handeln ist eine Stärke. Gemeinsam in der Koalition, gemeinsam mit Politik, mit Unternehmen, mit Beschäftigten, mit Industrie, mit Handwerk, mit Startups, aber auch gemeinsam Bund, Länder und Kommunen", sagt der SPD-Chef, der sich zuletzt vor allem auch Sorgen um den Zusammenhalt in seiner eigenen Partei machen musste.  Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Merz: „Wir müssen raus aus diesem Klima der Verdrießlichkeit und des Verdrusses" Nach der zweitägigen Klausur des Kabinetts auf Schloss Neuhardenberg in Brandenburg beginnt Friedrich Merz die Pressekonferenz mit einem Statement - in dem es ihm offensichtlich vor allem um eines geht: gute Stimmung, Tatkraft und Einigkeit zu demonstrieren. Er lobt die offenen Diskussionen, die sehr konstruktiv gewesen seien, und einer „ausgesprochen guten kollegialen Stimmung"  – zu dem sicherlich auch „dieses Ambiente" beigetragen habe. In der Kabinettsklausur, sagt der Bundeskanzler, sei es darum gegangen, ein Zukunftsbild unseres Landes zu entwerfen. „Wir müssen raus aus diesem Klima der Verdrießlichkeit und des Verdrusses", sagt er. Die Regierungsmitglieder hätten in den vergangenen Tagen deshalb über die Landwirtschaft, das Handwerk und den Mittelstand gesprochen, über Künstliche Intelligenz, die etwa in der Rüstung, der Medizin und Medizintechnik ungeahnt große Chancen biete.  Merz verweist auf den Geschäftsklimaindex, der im August überraschend stark gestiegen ist, und der damit den Optimismus der Regierung untermauere. „Wir haben drei Jahre der Rezession hinter uns und nun wachsen wir wieder", sagt Merz – trotz des Irankriegs, trotz des Kriegs in der Ukraine, trotz aller Handelskonflikte. Am Ende des Jahres werde die Rezession überwunden sein, prophezeit Merz. Die Wirtschaft wachse bereits im dritten Quartal mit guten Werten. Die Voraussagen für das Jahr 2027 würden nach oben korrigiert. Von der Kabinettsklausur erwünscht sich Merz deshalb auch folgende Botschaft „an die Menschen in unserem Land: „Wir haben große Reformen angepackt, wir werden sie auch umsetzen. Und wir werden unser Land in eine gute Zukunft führen. Da sind wir fest entschlossen." Der Kanzler beschwört die Einigkeit der Regierung: „Wir sind auch geschlossen und ja, auch guter Stimmung." Merz verweist auf den Geschäftsklimaindex, der im August überraschend stark gestiegen ist, und der damit den Optimismus der Regierung untermauere. „Wir haben drei Jahre der Rezession hinter uns und nun wachsen wir wieder", sagt Merz – trotz des Irankriegs, trotz des Kriegs in der Ukraine, trotz aller Handelskonflikte. Am Ende des Jahres werde die Rezession überwunden sein, prophezeit Merz. Die Wirtschaft wachse bereits im dritten Quartal mit guten Werten. Die Voraussagen für das Jahr 2027 würden nach oben korrigiert. Von der Kabinettsklausur erwünscht sich Merz deshalb auch folgende Botschaft „an die Menschen in unserem Land: „Wir haben große Reformen angepackt, wir werden sie auch umsetzen. Und wir werden unser Land in eine gute Zukunft führen. Da sind wir fest entschlossen." Der Kanzler beschwört die Einigkeit der Regierung: „Wir sind auch geschlossen und ja, auch guter Stimmung." Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Sportlicher Morgen vor der Kabinettsklausur Bevor es heute in die zweite Runde der Kabinettsklausur geht, haben sich am Morgen mehrere Minister mit Sport warm gemacht. Vizekanzler Lars Klingbeil und Umweltminister Carsten Schneider setzten sich schon gegen 6.15 Uhr am Schloss Neuhardenberg in Brandenburg auf ihre Rennräder. Nach Angaben Schneiders standen nach einer Stunde und 45 Minuten durchs Gelände bei der Rückkehr zum Tagungsort des Kabinetts 26 Kilometer auf dem Tacho (was einem Schnitt von knapp 15 Kilometern pro Stunde entspricht). „Das ist ein altersgerechter Schnitt im Gelände“, sagte der 50-Jährige im Anschluss. Klingbeil ist zwei Jahre jünger als er. Schneider wertete die Tour quasi auch als Vorbereitung auf das heutige Thema der Kabinettsklausur: „Zwischendurch blieb auch noch Zeit, den herrlichen Mischwald und einen See mit leider zu geringem Wasserstand in Augenschein zu nehmen.“ Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und seine Minister beraten zum Abschluss der zweitägigen Klausur über die Folgen der Hitzewelle dieses Sommers. Außenminister Johann Wadephul und der neue Gesundheitsminister Carsten Linnemann (beide CDU) entschieden sich vor der Arbeit fürs Joggen. Sie drehten zwischen 6.30 und 7.10 Uhr eine Runde in der Umgebung des Schlosses. „Das ist ein altersgerechter Schnitt im Gelände“, sagte der 50-Jährige im Anschluss. Klingbeil ist zwei Jahre jünger als er. Schneider wertete die Tour quasi auch als Vorbereitung auf das heutige Thema der Kabinettsklausur: „Zwischendurch blieb auch noch Zeit, den herrlichen Mischwald und einen See mit leider zu geringem Wasserstand in Augenschein zu nehmen.“ Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und seine Minister beraten zum Abschluss der zweitägigen Klausur über die Folgen der Hitzewelle dieses Sommers. Außenminister Johann Wadephul und der neue Gesundheitsminister Carsten Linnemann (beide CDU) entschieden sich vor der Arbeit fürs Joggen. Sie drehten zwischen 6.30 und 7.10 Uhr eine Runde in der Umgebung des Schlosses. Im Sattel: Klingbeil und Schneider am Morgen. dpa In Begleitung: die Minister Linnemann (links) und Wadephul (vierter von links). dpa Die Klausur hatte am Dienstag begonnen. Neben den Folgen der Hitze geht es noch einmal um das Thema Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft. Mittags (12.30 Uhr) werden Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), Vizekanzler und Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) und Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) bei einer Pressekonferenz über die Ergebnisse der Klausur informieren. Nach dem Morgensport: das Kabinett tagt. EPA Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Rekordwert bei Erbschaft- und Schenkungsteuer Im vergangenen Jahr haben Finanzverwaltungen in Deutschland so viel Erbschaft- und Schenkungsteuer festgesetzt wie noch nie zuvor. Der festgesetzte Betrag lag bei 21,4 Milliarden Euro und damit 60,8 Prozent höher als im Vorjahr, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte. Demnach sei 2025 Vermögen in Höhe von 141,1 Milliarden Euro durch Erbschaften und Schenkungen übertragen worden – 23,1 Prozent mehr als im Vorjahr. „Die im Vorjahresvergleich höheren Veranlagungen beruhen unter anderem auf vermehrten Vermögensübertragungen von Betriebsvermögen in Höhe von 25,6 Milliarden Euro“, hieß es. Das entspreche einem Plus von 19 Prozent. Bei einer Steuerfestsetzung legen die Finanzämter die Höhe der Steuer verbindlich fest, als Steuereinnahmen gehen sie dann später ein. Die Statistik bildet nur Erbschaften und Schenkungen ab, bei denen eine Steuer fällig wurde. Die allermeisten Vermögensübergänge liegen laut Statistikamt innerhalb von Freibeträgen und sind deshalb nicht enthalten. Bei einer Steuerfestsetzung legen die Finanzämter die Höhe der Steuer verbindlich fest, als Steuereinnahmen gehen sie dann später ein. Die Statistik bildet nur Erbschaften und Schenkungen ab, bei denen eine Steuer fällig wurde. Die allermeisten Vermögensübergänge liegen laut Statistikamt innerhalb von Freibeträgen und sind deshalb nicht enthalten. Die festgesetzte Erbschaftsteuer lag im vergangenen Jahr bei 13,3 Millionen – ein Anstieg von 57,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. „Der bisherige Höchststand war 2021 mit 9,0 Milliarden Euro erreicht worden“, hieß es. Die Schenkungsteuer lag 2025 bei 8,1 Millionen und stieg im Jahresvergleich um 67,3 Prozent. „Damit nahm die Schenkungsteuer seit 2019 (1,2 Milliarden Euro) durchgängig zu“, schrieben die Statistikerinnen und Statistiker. „Allein im Vergleich zum Jahr 2023 (4,1 Milliarden Euro) hat sie sich fast verdoppelt.“ Die Schenkungsteuer lag 2025 bei 8,1 Millionen und stieg im Jahresvergleich um 67,3 Prozent. „Damit nahm die Schenkungsteuer seit 2019 (1,2 Milliarden Euro) durchgängig zu“, schrieben die Statistikerinnen und Statistiker. „Allein im Vergleich zum Jahr 2023 (4,1 Milliarden Euro) hat sie sich fast verdoppelt.“ Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Datum für BSW-Sonderparteitag steht Das Thüringer BSW hat im Streit mit der Bundesspitze der Partei nun einen Termin für einen außerordentlichen Parteitag festgelegt. Der Landesverband lade seine Mitglieder dafür am 6. September nach Erfurt ein, teilte Landesgeschäftsführerin Steffi Eschrich mit. „Angesichts der Entwicklungen der vergangenen Wochen ist es dem Landesvorstand sehr wichtig, sich mit den Mitgliedern zeitnah auf einem Parteitag in einer breiten demokratischen Debatte auszutauschen“, schrieb Eschrich.  Hintergrund des Parteitags ist ein Beschluss des Bundesvorstands der Partei: Dieser verlangt, dass die BSW-Fraktion im Landtag Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) die Unterstützung entzieht und die Regierungskoalition mit CDU und SPD verlässt. Anlass dafür war die Aberkennung von Voigts Doktortitel, wogegen dieser aber juristisch vorgehen will. Hintergrund des Parteitags ist ein Beschluss des Bundesvorstands der Partei: Dieser verlangt, dass die BSW-Fraktion im Landtag Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) die Unterstützung entzieht und die Regierungskoalition mit CDU und SPD verlässt. Anlass dafür war die Aberkennung von Voigts Doktortitel, wogegen dieser aber juristisch vorgehen will. Die Fraktion in Erfurt hatte dem Beschluss vergangene Woche in einer Abstimmung eine Absage erteilt und sich hinter die Koalition gestellt. Zwei der 15 Fraktionsmitglieder hatten allerdings nicht abgestimmt. Im Nachgang kündigten Vertreter des Landesverbands an, die Frage der Regierungsbeteiligung auf einem Sonderparteitag zu klären. Einen Sonderparteitag hatten zuvor auch verschiedene Kreisverbände gefordert. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Ministerpräsident Rhein fordert klare Absage an Zuckersteuer Hessens Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) hat sich gegen die Einführung der geplanten Zuckersteuer ausgesprochen. „In einer Zeit, in der viele Menschen mit hohen Preisen zu kämpfen haben, darf der Staat Lebensmittel und Getränke nicht noch teurer machen“, sagte Rhein der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Die Politik müsse die aktuelle Preiskrise abfedern und dürfe sie nicht weiter verschärfen.  „Ich erwarte eine klare Absage an eine weitere Teuer-Steuer auf Lebensmittel für unsere Bürgerinnen und Bürger und eine Zusage für echte Entlastungen der Menschen im Alltag“, sagte Rhein. Dazu gehörten niedrigere Energiepreise, geringere Sozialversicherungsbeiträge und spürbare Entlastungen bei den alltäglichen Lebenshaltungskosten. Auch Grünen-Chef Felix Banaszak äußerte sich skeptisch zu den Plänen des Bundesfinanzministeriums. „Mein Eindruck ist, dass ein Instrument, dem wir im Grundsatz positiv gegenüberstehen, jetzt genutzt wird, um einfach die Haushaltslöcher zu stopfen. Und das war nie der Sinn der Veranstaltung“, sagte Banaszak im Sender „Welt“. Der Sinn einer Zuckersteuer sei immer gewesen, „dass wir die Gesundheitsrisiken reduzieren, die mit diesem hohen Zuckerkonsum einhergehen, weil das natürlich auch riesige Kosten am Ende für das Gesundheitssystem bedeutet, weil es auch bedeutet, dass Menschen teilweise einfach nicht das lebenswerte Leben führen, das sie führen könnten“, sagte der Grünen-Vorsitzende. Wenn diese richtige Idee jetzt zweckentfremdet werde, verliere sie an Akzeptanz in der Bevölkerung. „Ich erwarte eine klare Absage an eine weitere Teuer-Steuer auf Lebensmittel für unsere Bürgerinnen und Bürger und eine Zusage für echte Entlastungen der Menschen im Alltag“, sagte Rhein. Dazu gehörten niedrigere Energiepreise, geringere Sozialversicherungsbeiträge und spürbare Entlastungen bei den alltäglichen Lebenshaltungskosten. Auch Grünen-Chef Felix Banaszak äußerte sich skeptisch zu den Plänen des Bundesfinanzministeriums. „Mein Eindruck ist, dass ein Instrument, dem wir im Grundsatz positiv gegenüberstehen, jetzt genutzt wird, um einfach die Haushaltslöcher zu stopfen. Und das war nie der Sinn der Veranstaltung“, sagte Banaszak im Sender „Welt“. Der Sinn einer Zuckersteuer sei immer gewesen, „dass wir die Gesundheitsrisiken reduzieren, die mit diesem hohen Zuckerkonsum einhergehen, weil das natürlich auch riesige Kosten am Ende für das Gesundheitssystem bedeutet, weil es auch bedeutet, dass Menschen teilweise einfach nicht das lebenswerte Leben führen, das sie führen könnten“, sagte der Grünen-Vorsitzende. Wenn diese richtige Idee jetzt zweckentfremdet werde, verliere sie an Akzeptanz in der Bevölkerung. Boris Rhein (CDU), Ministerpräsident von Hessen. dpa Die schwarz-rote Bundesregierung plant in Zusammenhang mit dem Sparpaket für stabile Krankenkassenbeiträge die Einführung einer Steuer auf gezuckerte Getränke. Die konkrete Ausgestaltung ist aber noch strittig. Zuletzt wurde bekannt, dass die geplante Abgabe mehr Produkte betreffen könnte als ursprünglich angenommen. So geht aus einem Papier des Bundesfinanzministeriums von Ressortchef Lars Klingbeil (SPD) hervor, dass neben Limonaden auch Säfte, Milchgetränke, Eistees, Biermischgetränke, Haferdrinks und Fertigkaffees der Zuckersteuer unterworfen werden könnten.  Die Ernährungsbranche hatte Anfang Juli ihren Widerstand gegen eine Zuckersteuer bekräftigt und vor einer Einführung der Abgabe schon 2027 gewarnt. Ob sie positive Effekte auf die Gesundheit hätte, sei umstritten, Verbraucher und Unternehmen würden aber definitiv zusätzlich belastet, hatten der Lebensmittelverband Deutschland und die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie erklärt. Auch die Zuckerwirtschaft, der Getränkefachgroßhandel und Verbände der Getränkewirtschaft sind vehement gegen eine Zuckersteuer. Die Verbraucherzentralen und die Verbraucherschützer von Foodwatch befürworten die Pläne hingegen. Die Ernährungsbranche hatte Anfang Juli ihren Widerstand gegen eine Zuckersteuer bekräftigt und vor einer Einführung der Abgabe schon 2027 gewarnt. Ob sie positive Effekte auf die Gesundheit hätte, sei umstritten, Verbraucher und Unternehmen würden aber definitiv zusätzlich belastet, hatten der Lebensmittelverband Deutschland und die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie erklärt. Auch die Zuckerwirtschaft, der Getränkefachgroßhandel und Verbände der Getränkewirtschaft sind vehement gegen eine Zuckersteuer. Die Verbraucherzentralen und die Verbraucherschützer von Foodwatch befürworten die Pläne hingegen. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Mathias Peer Grünen-Chefin Brantner beklagt spätes Handeln beim Klimaschutz Vor den Beratungen über die Klimakrise auf der Kabinettsklauser in Neuhardenberg hat Grünen-Chefin Franziska Brantner der Bundesregierung verspätetes Handeln vorgeworfen. „Dass die Klimakrise Handeln erfordert, wissen wir seit Jahren, nicht erst seit diesem Sommer“, sagte sie den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland. „Über 14.000 Menschen sind laut Robert-Koch-Institut bereits an der Hitze gestorben – in Pflegeheimen, in überhitzten Kitas.“ Brantner fügte hinzu: „Beim Küstenschutz würde niemand auf die Idee kommen, das den Kommunen allein zu überlassen. Beim Hitzeschutz machen wir das seit Jahren. Deshalb gehört Klimaanpassung als Gemeinschaftsaufgabe ins Grundgesetz, mit fünf Milliarden aus dem Sondervermögen und 400 Millionen dauerhaft für die Kommunen.“ Brantner fügte hinzu: „Beim Küstenschutz würde niemand auf die Idee kommen, das den Kommunen allein zu überlassen. Beim Hitzeschutz machen wir das seit Jahren. Deshalb gehört Klimaanpassung als Gemeinschaftsaufgabe ins Grundgesetz, mit fünf Milliarden aus dem Sondervermögen und 400 Millionen dauerhaft für die Kommunen.“ Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen

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26. August
Tagesschau

ARD-Vorwahlumfrage für Sachsen-Anhalt: AfD mit großem Vorsprung

ARD-Vorwahlumfrage Sachsen-Anhalt AfD mit großem Vorsprung In der letzten ARD-Umfrage vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt liegt die AfD deutlich vorn. Die CDU verliert dagegen weiter. Ein Patt gibt es bei der Frage nach der Regierungsführung. Wenn schon am kommenden Sonntag die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt stattfinden würde, käme die CDU aktuell auf 22 Prozent, was für die Partei ein historischer Tiefstand in dem Bundesland wäre. Im Vergleich zum letzten Sachsen-AnhaltTrend von Ende Juli verliert die CDU noch einmal (-2). Die AfD hätte derzeit Aussicht auf 42 Prozent (+1 zu Juli), womit sie ihr Ergebnis von 2021 verdoppeln und bundesweit ihr bestes Ergebnis bei Landtagswahlen erzielen würde. Die Linke läge aktuell bei elf Prozent (-2), die SPD bei acht Prozent (+1) und die Grünen bei sechs Prozent (+1). Alle drei Parteien bewegen sich damit etwa auf dem Niveau von 2021. Das BSW würde derzeit mit vier Prozent an der Mandatsschwelle scheitern, die FDP mit drei Prozent. Alle übrigen Parteien kämen zusammen auf vier Prozent. Das hat die repräsentative ARD-Vorwahlumfrage ergeben, für die das Meinungsforschungsinstitut infratest dimap von Montag bis Dienstag 1.511 Wahlberechtigte in Sachsen-Anhalt befragt hat. Umfragen sind keine Prognosen Bei dieser Umfrage handelt es sich ausdrücklich um keine Prognose. Vielmehr zeigt die Befragung die politische Stimmung in der laufenden Woche. Die Sonntagsfrage ermittelt einen Zwischenstand im Meinungsbildungsprozess der Wahlbevölkerung, der jedoch erst am Tag der Wahl komplett abgeschlossen ist. Deswegen können aus Umfragen nur bedingt Rückschlüsse auf den Wahlausgang gezogen werden. Ein Grund: Viele Wählerinnen und Wähler legen sich erst kurzfristig fest und die letzte Phase des Wahlkampfs kommt noch. Gut jeder zehnte Wahlberechtigte in Sachsen-Anhalt (elf Prozent) gibt an, dass sich seine Parteipräferenz bis zum Wahltag noch ändern könnte. Für sieben von zehn Wahlberechtigten steht die Wahlentscheidung fest. Etwa jeder Fünfte (19 Prozent) tendiert zur Nichtwahl bzw. lässt bislang keine Neigung zu einer Partei erkennen. Gerade die letzte Landtagswahl in Sachsen-Anhalt 2021 hat gezeigt, welche Dynamik sich bis zum Wahltag noch entfalten kann. Vor fünf Jahren hatte eine Mobilisierung im Schlussspurt des Wahlkampfes dafür gesorgt, dass die CDU den - in den Umfragen eng gemessenen - Abstand zur AfD deutlich ausbauen konnte und dann am Wahltag als deutliche Siegerin der Wahl hervorging. Schulze deutlich unbeliebter als Vorgänger Haseloff Damals trat der äußerst populäre CDU-Ministerpräsident Reiner Haseloff zur Wiederwahl an. Zudem gab es in weiten Teilen der Wählerschaft einen Wunsch, die AfD in dem Bundesland als stärkste Partei zu verhindern. Die personellen Vorzeichen haben sich seitdem verändert - und der seit Januar amtierende CDU-Ministerpräsident Sven Schulze ist weit entfernt von den Beliebtheitswerten seines Vorgängers. Zwar konnte Schulze seine Bekanntheit in den letzten Monaten ausbauen, aber in der Bewertung der politischen Arbeit überwiegt die Kritik: Sven Schulze bekommt von 30 Prozent der Wahlberechtigten ein positives Zeugnis ausgestellt, 46 Prozent sind mit ihm unzufrieden. Bei Reiner Haseloff waren 2021, im Juni vor der Landtagswahl, mehr als doppelt so viele mit seiner Amtsführung zufrieden (67 Prozent). Mit der Arbeit des AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund sind aktuell 37 Prozent zufrieden; 35 sind nicht zufrieden. Zum Vergleich: Der damalige AfD-Kandidat Oliver Kirchner kam im Juni 2021 auf einen Beliebtheitswert von 13 Prozent. Direktwahl: CDU und AfD gleichauf In der Frage, wer der nächste Ministerpräsident werden sollte, ist das Meinungsbild gespalten. Wenn man den Ministerpräsidenten direkt wählen könnte, würden aktuell 41 Prozent auf den Amtsinhaber Sven Schulze setzen (+5 zu Mai), 39 Prozent (+7 zu Mai) auf den AfD-Herausforderer Ulrich Siegmund. Deutliche Unterschiede bestehen hier bei den Altersgruppen. Eine mehrheitliche Präferenz für den CDU-Ministerpräsidenten besteht allein bei den Über-65-Jährigen. In den anderen Altersgruppen liegt Ulrich Siegmund vorne. Patt bei Frage nach Regierungsführung Seit 2002 hat die CDU in dem Bundesland alle Regierungen angeführt und den Ministerpräsidenten gestellt - aktuell regiert die CDU zusammen mit SPD und FDP. Mit den Zahlen der aktuellen Sonntagsfrage wäre keine Fortführung dieser Koalition möglich - die FDP wäre sogar raus aus dem Landtag. Auch die AfD hätte keine Mehrheit und bräuchte einen Partner, um regieren zu können, was jedoch alle übrigen Parteien ausgeschlossen haben. Einzig das BSW sendet Signale einer größeren Offenheit gegenüber der AfD. Die Partei wird aber unterhalb der Mandatsschwelle von 5 Prozent gemessen. Die CDU müsste ein Bündnis gemeinsam mit SPD, Grünen und den Linken schmieden - und damit aller im Landtag vertreten Parteien, außer der AfD. Bei der Wahl zwischen einer CDU-geführten und einer AfD-geführten Regierung gibt es eine Patt-Situation: 42 Prozent sprechen sich für eine von der AfD geführte Landesregierung aus und 41 Prozent wollen eine CDU-geführte Landesregierung. Die Unterstützung für die AfD-geführte Regierung speist sich in erster Linie aus der eigenen Anhängerschaft. Die Anhänger von CDU, Grünen, SPD und Linken sprechen sich mit deutlicher Mehrheit für die CDU an der Spitze der nächsten Regierung aus. Mehrheit gegen CDU-geführte Regierung, die durch Linke gestützt würde Eine Koalition der CDU mit SPD und Grünen allein würde mit diesen Zahlen nicht reichen. Deswegen wurde bereits viel darüber gesprochen und spekuliert, welche Rolle die Linken nach der Wahl in Magdeburg spielen könnten. Als Vorbild könnten Sachsen und Thüringen dienen, wo für Gesetze auch immer wieder die Linke mit eingebunden wird. Eine CDU-geführte Landesregierung, die von der Linken unterstützt wird, befürwortet ein Drittel (32 Prozent) der Befragten in Sachsen-Anhalt; eine Mehrheit (59 Prozent) aber lehnt eine solche Konstellation ab - vor allem getragen von den AfD-Anhängern. Erhebungsmethode: Zufallsbasierte Telefon- und Online-Befragung Erhebungszeitraum: 24. bis 25. August 2026 Fallzahl: 1.511 Befragte (884 Telefoninterviews und 627 Online-Interviews) Gewichtung: nach soziodemographischen Merkmalen und Rückerinnerung Wahlverhalten Sonntagsfrage mit separater Gewichtung Schwankungsbreite: 2 Prozentpunkte bei einem Anteilswert von 10 Prozent, 3 Prozentpunkte bei einem Anteilswert von 50 Prozent Durchführendes Institut: infratest dimap Die Ergebnisse sind auf ganze Prozentwerte gerundet, um falsche Erwartungen an die Präzision zu vermeiden. Denn für alle repräsentativen Befragungen müssen Schwankungsbreiten berücksichtigt werden. Diese betragen im Falle einer Erhebung mit 1.000 Befragten bei großen Parteien rund drei Prozentpunkte, bei kleineren Parteien etwa einen Punkt. Hinzu kommt, dass der Rundungsfehler für kleine Parteien erheblich ist. Aus diesen Gründen wird keine Partei unter drei Prozent in der Sonntagsfrage ausgewiesen.

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26. August
Handelsblatt

Landtagswahl am 6. September: AfD, SPD und Grüne legen in Umfrage in Sachsen-Anhalt zu

Landtagswahl am 6. September: AfD, SPD und Grüne legen in Umfrage in Sachsen-Anhalt zu Magdeburg. Knapp zwei Wochen vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt hat die AfD laut einer Umfrage ihren Vorsprung auf die CDU ausgebaut. In der Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Infratest dimap im Auftrag der ARD kommt die im Land als gesichert rechtsextrem eingestufte Partei auf 42 Prozent - das ist ein Prozentpunkt mehr als im Juli. Die CDU von Ministerpräsident Sven Schulze liegt bei 22 Prozent, sie verliert im Vergleich zur letzten Befragung Ende Juli 2 Prozentpunkte. AfD hätte allein keine Mehrheit In Sachsen-Anhalt regiert die CDU derzeit mit SPD und FDP, die Landtagswahl findet am 6. September statt. Infratest dimap befragte 1.511 wahlberechtigte Sachsen-Anhalterinnen und Sachsen-Anhalter am 24. und 25. August telefonisch und online. Etwa jeder zehnte Wahlberechtigte (11 Prozent) gibt an, dass sich seine Parteipräferenz bis zum Wahltag noch ändern könnte. Bei einem solchen Wahlausgang würde die AfD ihr Ziel einer Alleinregierung nicht erreichen. Eine CDU-geführte Minderheitsregierung mit SPD und Grünen wäre gegebenenfalls auf Unterstützung der Linken angewiesen. Laut der Umfrage sind die Anhänger der Union geteilter Meinung (jeweils 47 Prozent), ob eine CDU-geführte Landesregierung von der Linken unterstützt werden sollte. Bei Direktwahl wäre Schulze knapp vor Siegmund Wahlumfragen sind generell immer mit Unsicherheiten behaftet. Unter anderem erschweren nachlassende Parteibindungen und immer kurzfristigere Wahlentscheidungen den Meinungsforschungsinstituten die Gewichtung der erhobenen Daten. Grundsätzlich spiegeln Umfragen nur das Meinungsbild zum Zeitpunkt der Befragung wider und sind keine Prognosen für den Wahlausgang. Könnte man den Ministerpräsidenten in Sachsen-Anhalt direkt wählen, würden sich 41 Prozent für Schulze und 39 Prozent für AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund entscheiden. 20 Prozent antworteten mit „weiß nicht“ oder machten keine Angabe.

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25. August
Die Welt (Politik)

AfD und Linke bei den Ost-Wählern auf Platz eins und zwei

AfD und Linke bei den Ost-Wählern auf Platz eins und zwei Die AfD dominiert in allen neuen Bundesländern, auch bundesweit liegt die Partei in den Umfragen vorn. Zugleich meldet das „Trendbarometer“, dass mehr als die Hälfte der Befragten keiner Partei zutraut, die Probleme in Deutschland zu lösen. Die AfD und die Linkspartei belegen laut dem aktuellen „Trendbarometer“ von RTL und ntv im Osten Deutschlands in der Wählergunst die Plätze eins und zwei. Klar vorn liegt laut der am Dienstag veröffentlichten Umfrage des Instituts Forsa die AfD mit 43 Prozent. Es folgt mit deutlichem Abstand die Linke mit 16 Prozent. Für die CDU werden im Osten lediglich 13 Prozent vorhergesagt. Grüne und SPD liegen gleichauf mit jeweils neun Prozent. Alle weiteren Parteien bleiben unterhalb der Fünf-Prozent-Hürde, darunter die FDP mit drei Prozent. Direkte Vergleichswerte zu früheren Umfragen nannten die Sender nicht. Auch im bundesweiten Trend liegt die AfD vorne Unverändert blieben im Vergleich zur Vorwoche die Werte der Parteien für Deutschland insgesamt. Es führt weiter die AfD mit 28 Prozent vor CDU/CSU mit 21 Prozent und den Grünen mit 16 Prozent. Für SPD und Linke werden jeweils zwölf Prozent vorhergesagt. Weitere Parteien bleiben unterhalb der Fünf-Prozent-Hürde. 56 Prozent der Befragten trauen demnach keiner Partei zu, die Probleme in Deutschland am besten zu lösen. Das größte Zutrauen gebe es zur AfD mit 13 Prozent, vor der Union mit elf Prozent und den Grünen mit acht Prozent. Bei SPD und Linken sind es jeweils fünf Prozent. Weiterhin gering ist die Zufriedenheit mit der Arbeit von Bundeskanzler und CDU-Chef Friedrich Merz. Zufrieden äußerten sich wie in der Vorwoche 13 Prozent der Befragten, unzufrieden 85 Prozent. Ähnliche Werte wies ein Ranking von „Insa“ aus, über das „Bild“ und auch WELT am Dienstag berichteten. Forsa hat für das „Trendbarometer“ vom 18. bis 24. August 2501 Wahlberechtigte befragt. Die statistische Fehlerquote wird mit plus/minus 2,5 Prozent angegeben.

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25. August
Junge Freiheit

Sachsen-Anhalt Neue Umfrage sieht AfD 22 Prozentpunkte vor der CDU

BERLIN. Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes Civey für Welt-TV hat die AfD ihren Vorsprung auf die CDU weiter ausgebaut. Sie kommt jetzt auf 43 Prozent, während die Partei von Ministerpräsident Sven Schulze nur 21 Prozent erreicht. Damit ist sie erstmals mehr als doppelt so stark wie die Union. Auf den dritten Platz kommt die Linke mit zwölf Prozent. Der Erhebung zufolge wären auch Schulzes Koalitionspartner SPD (7 Prozent) und Grüne (5 Prozent) im Landtag vertreten. Scheitern würden dagegen die bisherige Regierungspartei FDP sowie das BSW mit jeweils vier Prozent. Heißt: Der Block aus CDU, Linken, SPD und Grünen erreicht 45 Prozent und wäre damit stärker als die AfD allein. Alle vier Parteien müssten zusammenarbeiten, um eine Regierung von Ulrich Siegmund zu verhindern. Dessen Partei verfehlt die absolute Mehrheit im sachsen-anhaltischen Landtag knapp. Absolute AfD-Mehrheit hängt an Grünen Würden die Grünen es dagegen nicht über die Sperrklausel schaffen, hätte die AfD mehr Mandate als die anderen drei Parteien CDU, SPD sowie Linke gemeinsam und könnte den Ministerpräsidenten stellen. Eine Überraschung zeigte sich bei der Frage, welchen Ministerpräsidenten sich die Sachsen-Anhalter wünschen. Hier liegt Amtsinhaber Schulze (33 Prozent) knapp vor Siegmund (31 Prozent), der bisher bei seinen Veranstaltungen zehntausende Anhänger anzieht. Keinen von beiden wollen ebenfalls 31 Prozent. Fünf Prozent sagen: weiß nicht. Janina Mütze, Gründerin und CEO von Civey erklärte das Umfrageergebnis auf Welt-TV so: „Es ist eher eine Frage der Partei als des Kandidaten.“ Sie ergänzte: „Die AfD zieht, die AfD hat ein Momentum, und dieses Momentum kann die CDU nicht aufbringen.“ AfD bei Problemlösungskompetenz vorn Denn der AfD wird auch die größte Kompetenz zugesprochen. Auf die Frage, welcher Partei die Befragten am ehesten zutrauen, die Probleme in Sachsen-Anhalt zu lösen, antworteten 33 Prozent mit der AfD. Es folgen die CDU mit 22 Prozent und die Linke mit 15 Prozent. Keine großen Kompetenz wird SPD (7 Prozent), BSW, (6 Prozent), Grünen (4 Prozent) und FDP (2 Prozent) zugeschrieben. Civey-Chefin Mütze sagte dazu: „Die AfD ist nicht nur eine Protestpartei, sondern ihr wird auch zugetraut, Probleme zu lösen.“ (fh)

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