Und Messi? Der verweigerte die Arbeit gegen den Ball
Argentinien nach WM-Niederlage:Zwei weinende Lionels
von Frank Hellmann, New Jersey
Weltstar Messi und Trainer Scaloni heulen nach Argentiniens Enttäuschung hemmungslos. Letztlich ist die Fixierung auf eine Figur dem Titelverteidiger auf die Füße gefallen.
Es könnten als Fußballer vielleicht die schwierigsten Schritte seines Lebens gewesen sein. Mit verheulten Augen spazierte Lionel Messi um 18:45 Uhr vom Rasen des New York New Jersey Stadions, noch bevor das große Feuerwerk über dem Meadowland Sports Complex nach dem verlorenen WM-Finale gegen Spanien (0:1 n.V.) zündete.
Zuvor hatte der argentinische Nationalheilige genug Tränen auf dem Rasen vor den Augen der Weltöffentlichkeit vergossen. Der 39-Jährige weinte wie ein kleines Kind, dem der Herzenswunsch abgeschlagen worden war. Statt der Krönungsmesse zum Mythos hatte Messi nichts dagegen ausrichten können, dass die Titelverteidigung der "Albiceleste" missriet.
Wie schon im WM-Finale 2014 gegen Deutschland war es ihm auch in diesem Endspiel gegen Spanien nicht vergönnt, nach dem Goldpokal zu greifen. Dasselbe Resultat, ein 0:1 nach Verlängerung. Natürlich, der WM-Titel 2022, gegen Frankreich errungen im Elfmeterschießen, wird für immer bleiben. Doch die Ikone hatte bei seiner letzten WM mehr gewollt.
Lange passiert nicht viel im WM-Finale 2026. In der Verlängerung bringt Ferran Torres die Iberer dann verdient in Führung.
20.07.2026 | 1:52 minLionel Scaloni räumt nach Heulkrampf das Podium
Dasselbe galt für seinen Trainer Lionel Scaloni. Zunächst analysierte der Coach noch einigermaßen gefasst die Leistung seines am Ende entkräfteten Ensembles, das über sieben Spiele so viele Widerstände überwinden musste, dass es im Finale schlicht nicht mehr reichte. "So weit zu kommen, erfordert eine enorme Anstrengung", erklärte Scaloni.
Wir zeigen Größe im Sieg und müssen sie auch in der Niederlage zeigen.
Lionel Scaloni, Trainer der argentinischen Nationalmannschaft
Doch im Laufe der Pressekonferenz erlitt der 48-Jährige einen Heulkrampf. "Es ist so schmerzhaft, es tut mir leid", sagte Scaloni, der unter anerkennendem Beifall vieler Journalisten das Podium räumte.
Ähnlich war es Messi auf dem Platz gegangen, der weder die riesige Nachbildung der WM-Trophäe noch den echten Goldpokal eines Blickes würdigte. FIFA-Boss Gianni Infantino und US-Präsident Donald Trump hatten zuvor zwar ein paar Worte des Trostes an den Weltstar gesprochen, doch es half nichts: Selbst die Aufmunterungen der himmelblauen Fankurve schienen beim Kapitän nicht mehr anzukommen.
Spanier dominieren einen langen Showdown
Ähnlich wie Diego Armando Maradona im WM-Finale 1990 von Rom an den besseren Deutschen scheiterte, dominierten nun die Spanier in New Jersey einen langen, zähen Showdown.
Natürlich besaß die Gelb-Rote Karte gegen Enzo Fernandez (90. +4) entscheidenden Charakter, aber selbst bis dahin hatte Argentinien keinen einzigen Schuss aufs Gehäuse von Unai Simon zustande gebracht.
Vielleicht kann der Referee die erste Gelbe Karte vermeiden, aber das ist keine Entschuldigung.
Lionel Scaloni, Trainer der argentinischen Nationalmannschaft
Dasselbe gelte für die verletzungsbedingten Auswechslungen seiner Verteidiger. Vor allem brachte sein Team im Angriff erschreckend wenig zustande.
Von den Kap Verden bis zu Julian Alvarez nach Argentinien. Die schönsten Tore der Fußball-WM 2026 im Highlight-Video.
20.07.2026 | 4:58 minLionel Messi verweigerte die Arbeit gegen den Ball
Auch Messi hatte sich im spanischen Spinnennetz ein ums andere Mal verfangen. Die Ikone hatte bis zum Finale acht der 18 Tore geschossen, war an 15 in der Entstehung beteiligt. Allein 99 der 113 argentinischen Torchancen liefen bis zum Finale über ihn.
Und doch im wichtigsten Spiel des Turniers hatte die Nummer zehn in 120 Minuten plus Nachspielzeit magere 54 Ballkontakte, die kaum Ertrag brachten. Und weil der Anführer sich in seinem 207. Länderspiel hartnäckig weigerte, in Unterzahl vielleicht angemessene Arbeit gegen den Ball zu verrichten, fiel Argentinien die Messi-Fixierung auf die Füße.
Lionel Messi hatte bereits mit einem emotionalen Post bei Instagram am Vorabend des Spiels die Spekulationen angeheizt. "Danke an jeden meiner Mitspieler, an das Trainerteam und an alle Menschen, die jeden Tag dafür arbeiten, dass diese Nationalmannschaft eine Familie bleibt", schrieb der Kapitän der Albiceleste. Dazu veröffentlichte Messi ein Bild des gesamten Teams, auf dem alle Spieler, Betreuer, der Trainerstab und alle, "die zum Erfolg beitragen", zu sehen sind. Er schrieb: "Ganz egal, was im Finale passiert - dieses Team hat bereits Geschichte geschrieben, die wir niemals vergessen werden und die niemand auslöschen kann."
Als der bis dahin überragende Torwart Emiliano Martinez von Ferran Torres überwunden wurde (106.), entstand bald danach ein Wimmelbild himmelblauer Enttäuschung. Mit Messi im Mittelpunkt der Trauergemeinde. "Der letzte Tango", wie ihm sein deutscher Ausrüster auf die Schuhe gepinselt hatte, sollte gar nicht erst zur Aufführung kommen - der neue Weltmeister nahm ihm über weite Strecken die Option, überhaupt einen Tanzpartner zu finden.
Abgesehen von zwei Ecken ganz am Ende, nach denen Giuliano Simeone verzog. Es sollten die einzigen Torschüsse Argentiniens nach einem enttäuschenden Auftritt sein. Zurück blieben zwei weinende Lionels.
ZDFsportstudio Update:Dein Newsletter zur Fußball-WM 2026
Alle Highlights der WM-Spiele aus der Nacht, Updates zum DFB-Team und die wichtigsten Nachrichten zur Fußball-WM 2026 – kompakt und aktuell. Jetzt abonnieren!Alle Spiele, alle Tore der Fußball-WM 2026
England legt früh los :Vollkommen verrücktes Spiel um Platz drei
Chancen erst ab Halbzeit zwei :Wahnsinns-Schlussphase bei Argentinien - England
Frankreich enttäuscht lange :Elfmeter und Traumkombinationen bei Frankreich - Spanien
Embolo sieht Gelb-Rot :Enge Kiste zwischen Argentinien und Schweiz
Bellingham trifft doppelt :Traumtor, Verlängerung bei England - Norwegen
Entscheidung kurz vor Schluss :Spanien - Belgien: Jokertor und Torwart-Drama
Mbappé unglücklich vom Punkt :Frankreich - Marokko: Geniestreich bricht Bann
Letztes WM-Achtelfinale :Schweiz und Kolumbien verlangen einander alles ab
Weltmeister verzweifelt :Argentinien und Ägypten mit denkwürdiger Schlussphase
Co-Gastgeber mit Stürmer Balogun :USA - Belgien: Fünf Tore und einmal Slapstick
Treffer in der Nachspielzeit :Ein Joker entscheidet Portugal gegen Spanien
Tore, Elfmeter, Platzverweis :Mexiko gegen England wird zum Thriller
Doppelpack entscheidet :Spektakel zwischen Brasilien und Norwegen
Viele Nickligkeiten, viel Hektik :Frankreich quält sich gegen Paraguay-Bollwerk
Marokko zieht ins Viertelfinale :Gelb-Rekord bei Kanada gegen Marokko
Trifft Bayern-Star Diaz? :Ghana bietet Favorit Kolumbien harten Kampf
Messi mit traumhaftem Tor :Kap Verde begeistert auch gegen Argentinien
Entscheidung im Elfmeterschießen :Historisches Eigentor bei Australien gegen Ägypten
Irrer Fehlschuss von Rieder :Intensives Duell zwischen Schweiz und Algerien
Ronaldo feiert eine WM-Premiere :Irres Spektakel zwischen Portugal und Kroatien
Oyarzabal trifft zweimal :Dominantes Spanien hat Österreich lange im Griff
Balogun trifft und fliegt :Bosnien gegen die USA lange in Überzahl
130-Minuten-Drama in Seattle :Verrücktes Comeback bei Belgien gegen Senegal
Starkes Spiel zweier guter Teams :DR Kongo macht England das Leben schwer
Hexenkessel im Aztekenstadion :Mexiko - Ecuador: Megastimmung und Spektakel
sportstudio Fußball-Dokus
Sport :Schland in Sicht!
Sport :Kapitän Kimmich
Sport :Fußballnation der Zukunft?
Doku | Terra X History :Rudi Völler: Eine deutsche Fußball-Legende
Sport :Echt – Christian Streich
Sport :ICONS - Deutsche WM-Legenden
Verbraucher | WISO :Die Deals mit Fußballtrikots
Politik | auslandsjournal :Foulspiel unter Freunden
Doku :Greenwashed?
Sport | Sport Dokus :Mesut Özil – zu Gast bei Freunden
Sport :7:1 - Das Jahrhundertspiel
Sport :FC Hollywood
Sport :Spiel ihres Lebens
Doku | Terra X History :Fußball-Legenden
Doku | Terra X History :Deutschlands Doppelsieg - WM 1974
Mehr zur WM
- Die Partien auf einen Blick:Spielplan, Ergebnisse und Tabellen
- Von Atlanta bis Vancouver:Die Stadien
- Newsletter abonnieren:ZDFsportstudio Update Fußball-WM 2026