Wassermangel in der Donau: Ungarn schaltet AKW Paks komplett ab
Wassermangel in der Donau: Ungarn schaltet AKW Paks komplett ab
Da die Kühlung des Kraftwerks nicht mehr gesichert ist, gibt es Probleme bei der Stromversorgung in Ungarn. Auch andere Donauanrainer kämpfen mit den Folgen.
Ungarn muss wegen Tiefstständen der Donau sein einziges Atomkraftwerk Paks herunterfahren. Denn die Kühlung kann so nicht mehr gewährleistet werden, wie Ministerpräsident Péter Magyar am Freitag erklärte. Die Produktion ist bereits in den Vortagen schrittweise gedrosselt worden, nun sei die völlige Abschaltung unausweichlich.
Schon während der Hitzewelle ab Ende Juni wurden in der Donau vor dem Kraftwerk 25 Grad gemessen, woraufhin die Stromproduktion gedrosselt wurde. Nun aber muss das 1982 eröffnete und 100 Kilometer südlich von Budapest gelegene AKW erstmals vollständig abgeschaltet werden. Ein Sicherheitsrisiko besteht dadurch laut Regierung und Experten nicht, allerdings könnte Ungarn Probleme mit seiner Stromversorgung bekommen.
Paks erzeugt knapp die Hälfte des ungarischen Stroms. Freitagvormittag produzierte das AKW laut Magyar nur 960 Megawatt statt 2.000. Bis Montag soll dieser Wert auf null fallen, dann stehen alle vier Kraftwerksblöcke still. Zusätzlich fiel wegen eines technischen Defekts auch das Gaskraftwerk Dunamenti teilweise aus. Die ungarische Regierung spricht von einer schwierigen Lage, sieht den Strombedarf aber durch Importstrom gedeckt. Das Gaskraftwerk soll planmäßig ab Sonntag wieder mit voller Kapazität laufen.
László Gajdos, ungarischer Umweltminister
Donauschifffahrt ruht, Kleinstadt ohne Trinkwasser
Schiffe und Lastkähne auf der Donau stehen vielerorts still. Zudem sind Tausende Menschen in Szentendre, einer Kleinstadt nördlich von Budapest, ohne Trinkwasser. Die Situation dürfte sich angesichts von fast 40 Grad und ausbleibenden Niederschlägen weiter verschärfen. „Wir müssen uns auf dauerhafte Wasserknappheit einstellen, da in den kommenden Tagen in den Einzugsgebieten der Donau und der Theiß kein Niederschlag zu erwarten ist“, sagte Umweltminister László Gajdos am Freitag.
Die ungarische Regierung will nun den Energieverbrauch von Großabnehmern überprüfen. Magyar forderte Industrie und Bevölkerung auf, ihren Wasser- und Stromverbrauch zu reduzieren. Gesetzliche Einschränkungen gibt es aber vorerst nicht. Außenministerin Anita Orbán werde zudem Kontakt zu den Nachbarländern aufnehmen, um Lösungen zu finden. Auch andernorts sind Teile der Donau nicht mehr schiffbar. Bereits am Dienstag musste ein auf Grund gelaufenes Kreuzfahrtschiff vor der bulgarischen Stadt Widin evakuiert werden.
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Stromknappheit auch in Österreich und Rumänien
Die elf österreichischen Donauwasserkraftwerke erzeugen aufgrund des Tiefwassers deutlich weniger Strom als üblich um diese Jahreszeit. Vom Kraftwerksbetreiber Verbund heißt es gegenüber dem ORF, die Stromversorgung sei aufgrund von Alternativen wie Photovoltaik, Pumpspeichern und Gaskraftwerken gesichert.
Auch Rumänien musste am AKW Cernavodă einen von zwei Reaktorblöcken herunterfahren. Ein zweiter könnte folgen, falls der Pegel der Donau weiter sinkt. Die österreichische Umweltschutzorganisation Global 2000 wertet die Vorfälle als Beleg dafür, dass die Klimakrise zunehmend zum Sicherheits- und Verfügbarkeitsrisiko für Atomkraft wird. Sie forderte die ungarische Regierung auf, den von Russland mitfinanzierten Ausbau des Kraftwerks um zwei weitere Blöcke zu überdenken.
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