Themen
lage

Dienstag, 24. März 2026
Zurück zur Übersicht

Nach dem OB-Beben in München: Verena Dietl reklamiert SPD-Führungsrolle für sich

Medienspektrum

Links Mitte Rechts
23. März
Süddeutsche Zeitung

Nach dem OB-Beben in München: Verena Dietl reklamiert SPD-Führungsrolle für sich

Nach dem Aus von Oberbürgermeister Dieter Reiter will Dritte Bürgermeisterin Verena Dietl die Verantwortung für die SPD in möglichen Koalitionsgesprächen übernehmen. Ihr persönliches Ergebnis von 170 089 Stimmen bei der Stadtratswahl wertet sie als „Vertrauensbeweis“ der Münchnerinnen und Münchner. Daraus leite sie „den Anspruch an sich selbst ab, sich an die Spitze der Verhandlungen zu stellen“, sagte sie am Montagmittag. Damit brachte sich die Bürgermeisterin noch vor der Sitzung des Vorstands der Münchner SPD am Montagabend in Stellung. Der immer noch amtierende Oberbürgermeister hatte am Sonntagabend bereits seinen sofortigen Abschied erklärt. „Das ist heute der letzte Tag meiner politischen Karriere“, sagte er. Am Montag teilte ein Sprecher mit, dass Reiter „die Amtsgeschäfte aus gesundheitlichen Gründen bis auf Weiteres nicht wieder aufnehmen“ werde. Die SPD muss entscheiden, ob sie trotz der erneuten Wahlniederlage (auch die Partei verlor 2,8 Prozentpunkte) weiter regieren will, falls sich die Chance ergibt. Bürgermeisterin Dietl lässt „eine Tendenz“ bei sich erkennen, die bisherige Koalition fortzusetzen. Dazu müssten sich aber in den Verhandlungsergebnissen beide Seiten wiederfinden. „Die SPD hat ein Profil, das muss nur wieder sichtbar gemacht werden“, gibt sie sich zuversichtlich. Gerade im Sozialbereich und in der Bildung sieht sie Stärken, die bei Verhandlungen wohl berücksichtigt werden müssten. Nicht umsonst sind das auch die Themen, in denen sie zu Hause ist. Offenbar kann sie sich vorstellen, das Gesicht der Münchner SPD in den Verhandlungen zu sein und auch darüber hinaus. Dass die jetzige Bürgermeisterin sich für geeignet hält, die SPD als Oberbürgermeister-Kandidatin nach der Ära Reiter in eine Kommunalwahl zu führen, daraus macht sie schon länger kein Geheimnis. Niemand hatte in der Partei bis vor wenigen Wochen damit gerechnet, dass sich die Frage der Nachfolge und der Neuverteilung der Macht in der SPD so schnell stellen könnte. Dietl macht klar, dass sie anpacken will. „Ich ducke mich nicht weg.“ Ob die Münchner SPD ihren Führungsanspruch akzeptiert oder ob ein Kampf um die Macht ausbricht? Stadtchef Christian Köning dürfte als bisheriger Fraktionsvorsitzender ein Wort mitsprechen wollen. Seine jetzige Co-Chefin Anne Hübner könnte mit ihrer Fähigkeit, klar und kühl zu analysieren, auch ein Machtfaktor sein. Dazu könnten sich einige männliche Referenten in Startposition bringen, die auch eine OB-Kandidatur anstreben. Wirtschaftsreferent Christian Scharpf holte Reiter aus der OB-Position in Ingolstadt, um ihn als Nachfolger aufbauen zu können. Sollte Dietl die Verhandlungen führen, dürfte die Partei sehr genau schauen, wie hart sie verhandelt. Wenn die Grünen die Ressorts für sich beanspruchen würden, mit denen man nach außen glänzen kann, und der SPD diejenigen bleiben, in denen unpopulär viel gespart werden muss wie im Sozialreferat, könnte schnell Kritik laut werden. Einladen zu Gespräch müssten aber erst einmal die Grünen. Sie haben mit dem Oberbürgermeister und mit der stärksten Fraktion den Wählerauftrag, eine neue Koalition zu bilden. Die Fraktion ist am Montag schon gewachsen, wie immer seit 1996 schloss sich ihr die Rosa Liste an. Rechnerisch würde die Fortführung der bisherigen grün-roten Koalition funktionieren. Zusammen kämen Grüne/Rosa Liste, SPD und Volt auf 41 von 80 Sitzen im Stadtrat, hinzu kommt als 42. Stimme die des Oberbürgermeisters. Volt könnte aber mit nun vier Stadträten als eigene Fraktion deutlich mehr Ansprüche stellen als bisher. Es wäre zudem eine knappe Mehrheit, die bei kritischen Abstimmungen, etwa zum Haushalt, hohe Fraktionsdisziplin erfordern würde. Ein anderes Modell, das der im ersten Wahlgang ausgeschiedene CSU-OB-Kandidat Clemens Baumgärtner direkt nach der Stichwahl ins Spiel gebracht hat, wäre eine grün-schwarze Koalition. Das wäre ein Novum für München. Diese Konstellation käme aber – inklusive OB – lediglich auf 41 Stimmen. Ebenfalls denkbar und für München neu wäre eine ganz große Koalition aus Grünen, CSU und SPD, die vor allem das Ziel hätte, einen gemeinsamen Haushalt aufzustellen – und sich auf die Verteilung der Posten des Zweiten und Dritten Bürgermeisters sowie der Referenten zu einigen. In Abstimmungen zu Sachthemen könnte es dann wechselnde Mehrheiten geben.

Artikel lesen
23. März
ZDF heute

Wie die Grünen die Fehler von SPD und Reiter nutzten

Stichwahl in München:Wie die Grünen die Fehler von SPD und Reiter nutzten von Eva Schiller 42 Jahre lang hat die SPD München regiert. Das ist vorbei. Dieter Reiter von der SPD zieht sich nach einem Fettnäpfchen-Wahlkampf zurück. Bayerns Hauptstadt wird nun grün regiert. Die Grünen feiern Dominik Krause wie einen Superstar, als sich der 35-Jährige am Abend durch die Menschenmenge in einer Münchner Konzerthalle schiebt. Zwischen "Bella Napoli"-Klängen und wildem "Dominik"-Gekreische erklimmt Krause die Bühne. Dann steht er da: Ein bisschen aufgeregt, ein bisschen schüchtern und sichtbar überwältigt. "Vielen Dank München für dieses großartige Ergebnis. Es ist ein gigantisches Vertrauen, das die Münchner und Münchnerinnen in uns gesetzt haben. Und jetzt geht die Arbeit los", sagt der 35-jährige Physiker, der bislang schon als zweiter Bürgermeister München mitregierte. Dieter Reiter verkündet Ende der politischen Karriere Und während die Grünen diese historische Sensation feiern, räumt Dieter Reiter mit brüchiger Stimme seine klare Niederlage mit klaren Worten ein. "Ich hab’s verbockt, es ist meine Schuld." Und: Das ist heute der letzte Tag meiner politischen Karriere. Dieter Reiter, SPD Nachdem München 42 Jahre ein roter Fleck im überwiegend schwarz, CSU-regierten, Bayern war, ist diese Ära jetzt vorbei und es stellt sich die Frage: Warum ist diese Bastion gefallen? Liegt es an der Person Reiter oder an einer SPD, die das Gespür fürs Volk verloren hat? Münchens SPD-Oberbürgermeister Dieter Reiter hat im Rennen um das Rathaus seine Niederlage eingestanden und dem Grünen-Bewerber Dominik Krause gratuliert. 23.03.2026 | 0:57 minWahlkampf in München: Fehler und Entschuldigungen des OB Seinen Wahlkampf hat Reiter komplett, ja fast ausschließlich auf sich zugeschnitten: "Reiter passt" war überall in München zu lesen. Themen - Fehlanzeige. Dazu reihte sich ein Fehler, eine Entschuldigung an die andere. Da ist die Nebentätigkeit beim FC Bayern, die Reiter sich nicht vom Stadtrat genehmigen ließ. Dann ein rassistisches Zitat, das ihm aus Versehen rausrutschte. Und für den Wahlkampfendspurt nahm er Sonderurlaub, während sein Kontrahent und Stellvertreter Krause die Amtsgeschäfte führte. "Der gesamte Wahlkampf von Dieter Reiter zeugte meines Erachtens von einer großen Selbstzufriedenheit. Hinzu kommt aber auch, dass die Münchner Wählerschaft eben nicht der Auffassung ist, dass 'es passt'", sagt Politikwissenschaftlerin Ursula Münch. In der Stadt machte sich ein Gefühl breit, dass da ein Bürgermeister agiert, der entkoppelt scheint, von seinen Bürgern. Dieter Reiter hat im Stadtrat einen rassistischen Begriff verwendet und sich später dafür entschuldigt. Er sprach von einem spontanen Zitat des Kabarettisten Fesl. 06.03.2026 | 0:26 minDominik Krause: Thema Wohnen hat Wahl entschieden Der Wahlsieger Krause verliert am Abend kein schlechtes Wort über Reiter. Im Gegenteil. Er dankt ihm für die zwölf Jahre als Oberbürgermeister. Aber auf die Frage im ZDF-Interview, was diese Wahl entschieden hat, kommt die Antwort wie aus der Pistole geschossen: "Wohnen, Wohnen, Wohnen, bezahlbare Mieten und ich habe wahrgenommen von den anderen, was alles nicht geht. Wir haben Vorschläge gemacht, was möglich sein kann." Der junge Grüne hat einen aktiven, strukturierten, themenorientierten Wahlkampf geführt, viele Unterstützer mobilisiert, die wochenlang überall in der Stadt für ihn warben. Er hat es geschafft, Aufbruchsstimmung zu verbreiten, während Reiter offenkundig unterschätzt hat, wie sehr sich viele Münchner Veränderung gewünscht haben. Und so zeigte dieses Überraschungsergebnis wohl beides: Es liegt an der Person Reiter, der sich seiner Sache zu sicher war und zu viele Fehler im Wahlkampf gemacht hat. Es liegt aber auch an einer SPD, der es in München und anderswo schwerfällt, ein klares Profil zu zeigen, zu spüren, was die Mitte der Bevölkerung umtreibt und das zu adressieren. Politikwissenschaftlerin: SPD wirkt überaltert und ideenlos "Es ist schon ein Menetekel für die SPD, dass ihr ein großer Teil ihrer früheren Wählerschaft längst an die AfD und damit in ein ganz anderes politisches Lager abhanden gekommen ist", analysiert Politikwissenschaftlerin Münch. Sie verliere zudem auch innerhalb des eigenen politischen Lagerst: "Und zwar deshalb, weil sie und ihre Kandidaten im Milieu der gut situierten Wählerschaft gerade in der Konkurrenz mit den Grünen überaltert und ideenlos wirkt", so Münch. Bezahlbarer Wohnraum wird in Deutschland immer knapper, vor allem in den Großstädten. In München verzweifeln selbst Besserverdiener und vor allem Familien. 13.03.2026 | 4:45 minGrüne jubeln über Sieg - und freuen sich auf Wiesn mit Markus Söder Bleibt die Frage, wie Ministerpräsident Markus Söder (CSU) das findet, dass einer seiner politischen Lieblingsfeinde, die Grünen, jetzt München regieren. Zerknirscht über das schlechte Abschneiden der CSU bei den Stichwahlen zeigt sich Bayerns Ministerpräsident kooperativ: "München war keine 'Wahl von', sondern eine Abwahl von Dieter Reiter in den letzten Wochen." Und weiter: "Mein Glückwunsch übrigens an alle Gewählten - egal welcher Partei - und das Angebot zu einer fairen Zusammenarbeit - das gilt auch ausdrücklich für die Landeshauptstadt München." Bei den Grünen jedenfalls facht die zukünftige Zusammenarbeit mit Söder jetzt schon die Freude über den Sieg weiter an: Allein, dass ein grüner Bürgermeister Markus Söder auf der Wiesn die erste Maß einschenkt. Ich liebe es. Katharina Schulze, Grüne Fraktionschefin im Landtag Derweil hat Krause auf der Bühne seine Dankesarie beendet, küsst seinen Lebensgefährten und verspricht, loszulegen. Der Erwartungsdruck, der auf dem 35-Jährigen lastet, ist groß. Münchens Kassen sind leer und trotzdem müssen jetzt auf seine Worte Taten folgen. Eva Schiller leitet das ZDF-Studio in München. Mehr zu den Kommunalwahlen in Bayern Grünen-Kandidat Krause gewinnt Stichwahl:Wahl-Sensation in München: SPD-OB Reiter verliert sein Amt mit Video0:25- Grafiken Große regionale Unterschiede:Wo Studenten die höchsten Mieten zahlen mit Video0:30 Grünen-Politiker löst SPD-OB Reiter ab:Dominik Krause: Sein Name steht für eine Zäsur in München mit Video1:20Kommunalwahl in München:OB Reiter gibt FC Bayern-Posten auf und hofft auf Vertrauen

Artikel lesen
23. März
FAZ (Politik)

Dominik Krause: Das ist der Mann, der Dieter Reiter aus dem Amt jagte

Dominik Krause : Das ist der Mann, der Dieter Reiter aus dem Amt jagte Als erster Grüner ist Dominik Krause zum Münchner Oberbürgermeister gewählt worden. Das in der bayerischen Hauptstadt vorherrschende Lebensgefühl trifft er gut. Die beiden größten Erfolge der Grünen bei den bayerischen Kommunalwahlen – Einzug ins Münchner Rathaus und ins Landratsamt von Landsberg – haben eine Gemeinsamkeit: Abgewählt worden sind jeweils Amtsinhaber, die den Verdacht, der Selbstherrlichkeit erlegen zu sein, bis zur Stichwahl nicht entkräften konnten. In Landsberg stieß der Plan des bisherigen CSU-Landrats Thomas Eichinger, sich für 120 Millionen Euro ein neues Landratsamt zu genehmigen, auf massive Ablehnung der Bürger. In München schienen die Wähler der ostentativen Tiefenentspanntheit Dieter Reiters überdrüssig zu sein, mit der er fast jedes Anliegen zur Aufgeregtheit erklärte und mit Verweis auf seine langjährige Erfahrung abmoderierte. Trotzdem glaubte in München kaum jemand, dass der Grüne Dominik Krause eine Chance haben würde. Schon wegen seines Alters: Er ist 35. Auch wegen seiner geringen Erfahrung außerhalb der Politik. Schon 2014 wurde Krause, der in den Stadtteilen Moosach und Untermenzing mit zwei Geschwistern aufgewachsen ist und an der TU München ein Physikstudium abgeschlossen hat, in den Stadtrat gewählt, seit 2023 ist er Zweiter Bürgermeister. Etwa zwei Wochen vor der ersten Wahlrunde am 8. März begann dann aber mit den ersten Krokussen eine Stimmung in der Stadt zu sprießen, dass das Rennen vielleicht doch noch nicht gelaufen sein könnte. Bei einer von der „Süddeutschen Zeitung“ organisierten Podiumsdiskussion im Residenztheater mit anschließendem Voting bekam Krause mit Abstand die meisten Stimmen. Da konnte man noch sagen: Ist nicht repräsentativ, das Publikum hat, wegen SZ und Theater, einen übermäßigen Hang zum Grünen. Reiter hatte Krause immer wieder Termine überlassen Dann kam vier Tage vor der Wahl das Singspiel auf dem Nockherberg, in München ein Weltereignis. Der Schauspieler, der Dieter Reiter darstellte, hatte dort einen Gesangspart, in dem er sich so richtig über die Stadt und sein Amt, pardon: auskotzte. Die Zuschauer fanden das ausweislich des Jubels offenbar stimmig, und Krause, der da noch kaum Beachtung fand, konnte das Schauspiel entspannt auf sich wirken lassen. In der ersten Runde kam er dann schon sehr nahe an Reiter heran. Mit 29,5 Prozent lag er nur knapp sechs Prozentpunkte hinter dem Platzhirsch – und klar vor dem CSU-Kandidaten Clemens Baumgärtner (21,3). Schon das war bemerkenswert, weil eigentlich der Grünen-Spitzenkandidatin Katrin Habenschaden vor sechs Jahren die größeren Chancen gegeben worden waren, Reiter gefährlich werden zu können. Was Krause geholfen haben dürfte: dass er sich in den vergangenen Jahren schon dadurch bekannter machen konnte, dass Dieter Reiter ihm immer wieder Termine in der Öffentlichkeit überließ, auf die er selbst keine Lust hatte. Wichtig für Krause, der bei den Grünen eher links einzusortieren ist, war auch, dass er die Partei hinter sich hatte. Ludwig Hartmann, grüner Vizepräsident des Bayerischen Landtags aus München, sagt, so eine Geschlossenheit im Wahlkampf habe er lange nicht mehr erlebt. Fokus auf Klimapolitik und bezahlbaren Wohnraum Krause setzte sich dabei nicht allzu sehr von Dieter Reiter ab. Im Ton schon gar nicht: Angriffe blieben weitgehend aus. Nicht einmal zu den viel kritisierten und gut bezahlten FC-Bayern-Posten Reiters wollte sich Krause äußern. Nur zwei Abweichungen fielen auf: In der Klima- und Energiepolitik, beides ein Steckenpferd des Physikers Krause, war dieser ambitionierter als Reiter. Zudem will er den öffentlichen Raum neu verteilen, zugunsten von Radfahrern und Fußgängern – ein Hauptkritikpunkt der CSU. Außerdem hielt Krause in der Debatte über bezahlbaren Wohnraum am Instrument der „Städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme“ (SEM) fest, mit dem sich, so die Idee, größere Gebiete von der Stadt überplanen ließen, zur Not auch mit Enteignungen. Reiter hatte die SEM kurz vor der Wahl kassiert. Ansonsten schlug Krause eine Agentur vor, die für die Umwandlung von leer stehendem Büro- in Wohnraum sorgen soll. Reiter hatte immer wieder darauf verwiesen, dass er nichts gegen solche Umwandlungen habe, die langjährige Erfahrung aber zeige, dass sie für Investoren uninteressant seien, weil diese die Büros ob der zu geringen Zahl an Nasszellen erst einmal aufwändig umbauen müssten. Krause gelang es demgegenüber, die Machbarkeit einer besseren Stadt zu bekräftigen. Sein Wahlkampfmotto: „Weil mehr geht“. Krause gilt in München sicher nicht als Wundermann. Am meisten Aufsehen erregt hatte er bisher 2023, als er das Oktoberfest die „weltweit größte offene Drogenszene“ nannte – womit er sich allerdings nicht gegen die Wiesn aussprechen, sondern die Teillegalisierung von Cannabis ins Verhältnis setzen wollte. München ist, anders als der Großteil Restbayerns, eine Stadt mit linksliberaler Schlagseite, zumindest in der Innenstadt. Das dort vorherrschende Lebensgefühl trifft Krause gut. Er ist mit einem Hausarzt verlobt, kennengelernt haben sich die beiden 2007 als Jugendliche in einem Tanzkurs. Am Sonntagabend, als der Sieg Krauses sicher war, küssten sie sich auf der Bühne der Wahlparty. Dass er in der Stichwahl 56,4 Prozent der Stimmen bekam, sein Konkurrent Reiter nur 43,6, dürfte mindestens so sehr eine Wahl gegen Reiter wie für Krause gewesen sein. Unter normalen Umständen hätte Krause mit seiner unkonfrontativen Art wohl keine Chance gehabt. Eben die dürfte nun, da Reiter über sich selbst gestolpert war, manchem SPD-Wähler geholfen haben, auf Krause umzuschwenken – oder manchen CSU-Wähler dazu bewogen haben, am sonnigen Sonntag lieber in die Berge zu gehen, statt Krause zu verhindern. Die Konservativen in der Stadt mögen mit ihm keine Hoffnung verbinden, als Schreckgespenst taugt er aber auch nicht.

Artikel lesen
24. März
Die Welt (Politik)

Ex-Oberbürgermeister Ude ist „entsetzt“ – und kritisiert SPD als „inhaltlich entleert“

Ex-Oberbürgermeister Ude ist „entsetzt“ – und kritisiert SPD als „inhaltlich entleert“ Alt-OB Christian Ude macht nach der SPD-Niederlage in München seiner Partei schwere Vorwürfe. Er fordert einen grundlegenden Neuanfang und Bemühungen um verlorene Wähler. Nach der Niederlage der SPD bei der Münchner Oberbürgermeisterwahl übt Alt-OB Christian Ude deutliche Kritik an seiner Partei. Der langjährige frühere Amtsinhaber zeigte sich im Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ „entsetzt über das Ausmaß der Niederlage“ und sprach vom schlechtesten Kommunalwahlergebnis der Münchner Nachkriegsgeschichte für die Sozialdemokraten. Der langjährige Amtsinhaber Dieter Reiter (SPD) wurde mit 43,6 Prozent abgewählt. Er unterlag Grünen-Politiker Dominik Krause, der mit 56,4 Prozent der Stimmen in einer Stichwahl siegte. Für die SPD ist dies das Ende einer Ära. Sie stellte seit 1945, bis auf zwei Ausnahmen, den Oberbürgermeister in der bayerischen Landeshauptstadt. Ude sieht die Ursachen vor allem in strukturellen Versäumnissen der SPD. Die Partei habe „jedweden Kontakt und jedes Verständnis für die eigene Wählerschaft verloren“. Statt aktiv verlorene Wähler zurückzugewinnen, habe es weder klare Strategien noch ein erkennbares Entscheidungszentrum gegeben. Besonders kritisch bewertet der ehemalige Oberbürgermeister den Wahlkampf. Es habe an politischer Argumentation, Mobilisierung und einer klaren Kommunikation eigener Erfolge gefehlt. Statt inhaltlicher Auseinandersetzung sei der Wahlkampf weitgehend auf Personen zugeschnitten gewesen. „Es wurde weder Wahlkampf für die SPD gemacht noch gegen politische Mitbewerber“, sagte Ude. Die SPD habe sich „fraglos zu ihrem Nachteil“ verändert. Als Beispiel nannte er „die einzige politische Initiative der vergangenen Monate“, und zwar das Mitgliederbegehren gegen den Koalitionsbeschluss zum Thema „Grundsicherung statt Bürgergeld“, also gegen die beiden SPD-Vorsitzenden Finanzminister Klingbeil und Sozialministerin Bas. „Die SPD, auch in München, ist eine politisch entleerte Partei geworden“, kritisierte Ude. Früher habe die SPD mit sozialen Kernthemen und einer selbstbewussten Darstellung ihrer Leistungen überzeugt. Heute würden diese Erfolge kaum noch vermittelt. Auch traditionelle Formen der Wähleransprache – etwa Veranstaltungen in Betrieben oder Initiativen aus der Zivilgesellschaft – seien weitgehend aufgegeben worden. Als weiteren Wendepunkt nennt Ude organisatorische Entscheidungen nach seiner Amtszeit, etwa die Abschaffung bewährter Netzwerke und Austauschformate. Dadurch sei die Mobilisierungsfähigkeit der Partei zusätzlich geschwächt worden. Für die Zukunft fordert Ude eine grundlegende Neuausrichtung. Die SPD müsse wieder sichtbar werden, verlorene Wähler aktiv ansprechen und einbeziehen: „Und ihnen Wertschätzung vermitteln, nämlich dass sie nicht nur Analphabeten sind, die nicht richtig gendern können.“

Artikel lesen
23. März
Süddeutsche Zeitung

OB-Wahl in München: Nur 8000 Stimmen mehr als im ersten Wahlgang – Reiter konnte kaum Wähler mobilisieren

Für unseren Liveticker verwenden wir neben eigenen Recherchen Material der Nachrichtenagentur dpa. Wichtige Updates Was ist das Besondere am Ergebnis der OB-Stichwahl? Söder bietet neuem Münchner OB Krause "faire Zusammenarbeit" an Reiters Instagram- und Facebook-Account nicht mehr abrufbar Dieter Reiter gratuliert Krause und kündigt Rückzug aus Politik an Krause wird Münchens neuer Oberbürgermeister Das vorläufige Ergebnis nach Auszählung aller Stimmbezirke steht fest. Krause gewinnt die OB-Stichwahl mit 56,4 Prozent. Sein Konkurrent Dieter Reiter hat ihm bereits zum Sieg gratuliert. Münchens neuer OB: Dominik Krause bei der Wahlparty in der Muffathalle. Foto: Catherina Hess 61,1 Prozent der Wählerinnen und Wähler haben per Briefwahl abgestimmt. Die Wahlbeteiligung lag bei 44,5 Prozent und fiel damit geringer aus als noch vor zwei Wochen. Da lag sie bei 52,3 Prozent. Lesen Sie hier das Porträt: Das ist Münchens erster grüner Oberbürgermeister: Lesen Sie hier das Porträt: Das ist Münchens erster grüner Oberbürgermeister: Die SZ berichtet über die Folgen der OB-Stichwahl Am Montag befinden sich die Grünen noch im Jubelrausch, die Roten von der SPD dagegen stehen vor einem Scherbenhaufen. In welchem Zustand befindet sich die Partei? Lesen Sie hier Analysen, Interviews und Kommentare dazu: - Über acht Jahrzehnte hinweg stellte die SPD fast immer den Münchner Oberbürgermeister. Warum die Dynastie nun endete, hat mein Kollege Heiner Effern für Sie hier analysiert. - Auch Alt-OB Christian Ude hat sich mit dem Zustand seiner Partei beschäftigt. Im Interview mit Ressortleiterin Ulrike Heidenreich stellt er weder der SPD noch Dieter Reiter ein gutes Zeugnis aus. - Meine Kollegin Anna Hoben kommentiert, welche schmerzlichen Lehren der Sieg von Krause für SPD und CSU bedeutet: Mit Grünen-Bashing ist in einer modernen Großstadt wie München nichts mehr zu holen. - Dieter Reiter ist weg und die Dritte Bürgermeisterin Verena Dietl bringt sich als neue Anführerin der Münchner SPD schon mal in Position. Noch-OB Reiter meldet sich krank Am Sonntagabend hat Münchens Oberbürgermeister das Ende seiner politischen Laufbahn verkündet. Doch was heißt das? Erfüllt er seine Amtszeit bis zum 30. April noch? Dass er am Montagvormittag seine Kanäle auf Instagram, Facebook und Whatsapp abschaltet, kommt überraschend und wirkt radikal. Doch ein offizieller Rücktritt bleibt aus. "OB Reiter ist bis auf Weiteres krankgeschrieben", teilt das Presseamt der Stadt am Nachmittag mit. Sein Stellvertreter und Nachfolger, Dominik Krause, habe "die Amtsgeschäfte übernommen". Warum die SPD-Dynastie in München endet Über acht Jahrzehnte hinweg stellten die Sozialdemokraten fast immer den Münchner Oberbürgermeister. Doch nun wurde Dieter Reiter abgewählt – und die Partei landete bei der Kommunalwahl nur mehr auf Platz drei in der Stadt. Worin die Ursachen für den Abstieg der SPD in der Stadt liegen und wie die Partei aus diesem Tief herauskommen könnte, analysiert Heiner Effern: Was ist das Besondere am Ergebnis der OB-Stichwahl? 56,4 zu 43,6: Es ist in Prozenten schon ein deutlicher Sieg von Dominik Krause (Grüne) gegen Dieter Reiter (SPD). Was für eine gravierende Verschiebung im Zuspruch der Wählerinnen und Wähler zwischen den zwei Wahlgängen aber wirklich passiert ist, das zeigt sich beim Blick auf die absoluten Stimmen. Zuerst Dieter Reiter: Er gewann nach dem ersten Wahlgang am 8. März trotz Amtsbonus und einer einstimmigen Wahlempfehlung des CSU-Parteiapparats in der zweiten Runde am 22. März nur knapp 8000 Stimmen hinzu, von 203 205 auf 211 075. Dominik Krause hingegen legte in den zwei Wochen um mehr als 100 000 Stimmen, von 168 166 (8. März) auf 272 533 (22. März). Das spricht für eine erstaunliche Mobilisierung, die weit über erwartbaren Zuspruch von kleineren Parteien wie Volt oder der Linken hinausgeht. Zugleich zeigen die Zahlen eine für Reiter fatale Demobilisierung, mutmaßlich von Menschen, die der Person Reiter nach zwölf Jahren müde waren, aber auch solchen, die ihm die Affäre um die verschwiegenen 90 000 Euro vom FC Bayern übelnahmen. Zuerst Dieter Reiter: Er gewann nach dem ersten Wahlgang am 8. März trotz Amtsbonus und einer einstimmigen Wahlempfehlung des CSU-Parteiapparats in der zweiten Runde am 22. März nur knapp 8000 Stimmen hinzu, von 203 205 auf 211 075. Dominik Krause hingegen legte in den zwei Wochen um mehr als 100 000 Stimmen, von 168 166 (8. März) auf 272 533 (22. März). Das spricht für eine erstaunliche Mobilisierung, die weit über erwartbaren Zuspruch von kleineren Parteien wie Volt oder der Linken hinausgeht. Zugleich zeigen die Zahlen eine für Reiter fatale Demobilisierung, mutmaßlich von Menschen, die der Person Reiter nach zwölf Jahren müde waren, aber auch solchen, die ihm die Affäre um die verschwiegenen 90 000 Euro vom FC Bayern übelnahmen. Söder bietet neuem Münchner OB Krause "faire Zusammenarbeit" an Durch eine Gesetzesänderung hatte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) Dieter Reiter (SPD) überhaupt erst ermöglicht, auch im Alter von 67 Jahren noch einmal für das Amt des Münchner Oberbürgermeisters zu kandidieren. Als die Stichwahl bevorstand, hatte seine Partei die Wahl Reiters empfohlen. Doch das alles nutzte nichts: Am Wahlabend setzte sich mit Dominik Krause ein Grüner in der bayerischen Landeshauptstadt als künftiger Oberbürgermeister durch, bekanntlich eine Partei, mit der sich der Söder eher schwertut. Nach dessen Wahlsieg bietet der CSU-Chef dem Gewinner Dominik Krause aber nun ein „faire Zusammenarbeit“ an. Eine vernünftige Zusammenarbeit zwischen Landespolitik und Landeshauptstadt sei zwingend, sagte Söder der Nachrichtenagentur dpa zufolge. Mit dem unterlegenen Reiter hatte die CSU-geführte Staatsregierung in der Vergangenheit zum Teil zusammengearbeitet, etwa bei großen Themen wie der Münchner Olympia-Bewerbung. Nun müsse auch abgewartet werden, wie in München künftig die Stadtratsmehrheit organisiert werde. „Ein Oberbürgermeister muss Mehrheiten finden. Das ist seine Hauptaufgabe“, sagte Söder. Nach dessen Wahlsieg bietet der CSU-Chef dem Gewinner Dominik Krause aber nun ein „faire Zusammenarbeit“ an. Eine vernünftige Zusammenarbeit zwischen Landespolitik und Landeshauptstadt sei zwingend, sagte Söder der Nachrichtenagentur dpa zufolge. Mit dem unterlegenen Reiter hatte die CSU-geführte Staatsregierung in der Vergangenheit zum Teil zusammengearbeitet, etwa bei großen Themen wie der Münchner Olympia-Bewerbung. Nun müsse auch abgewartet werden, wie in München künftig die Stadtratsmehrheit organisiert werde. „Ein Oberbürgermeister muss Mehrheiten finden. Das ist seine Hauptaufgabe“, sagte Söder. Wie wurde in den Stadtvierteln gewählt? Dominik Krause wurde am Sonntag mit 56,4 Prozent der Stimmen zum Münchner Oberbürgermeister gewählt. Wie aber hat der Grünen-Politiker in den verschiedenen Stadtvierteln abgeschnitten? Das zeigen unsere interaktiven Wahlgrafiken. In dem Artikel finden Sie außerdem einen Rechner für mögliche Koalition im Rathaus: Das zeigen unsere interaktiven Wahlgrafiken. In dem Artikel finden Sie außerdem einen Rechner für mögliche Koalition im Rathaus: Reiters Instagram- und Facebook-Account nicht mehr abrufbar Gestern hat Dieter Reiter noch auf der Wahlparty der SPD im Oberangertheater angekündigt, dass er sich aus der Politik zurückziehen werde. „Das war der letzte Tag meiner politischen Karriere", sagte er am Sonntagabend zu seinen Parteifreunden. Schon heute ist sein Account auf Instagram, den er intensiv zur Kommunikation mit den Bürgerinnen und Bürgern sowie für seinen Wahlkampf genutzt hatte, nicht mehr auffindbar. Auch sein Account auf Facebook ist nicht mehr vorhanden. Am Mittag wurde schließlich auch Reiters Whatsapp-Kanal gelöscht. Nach zwölf Jahren mit Reiter als OB wird der Grüne Dominik Krause das Amt übernehmen. Nun scheint Reiter seine Präsenz in den sozialen Medien zurückzufahren. Nach zwölf Jahren mit Reiter als OB wird der Grüne Dominik Krause das Amt übernehmen. Nun scheint Reiter seine Präsenz in den sozialen Medien zurückzufahren. Was Münchens neuer OB vorhat - erstes Interview nach der Wahl Im Gespräch am Wahlabend zeigt sich Münchens frisch gewählter Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) überwältigt von dem Ergebnis und sagt im SZ-Interview, wie es nun weitergehen wird: Mit wem er zuerst über eine mögliche Rathauskoalition sprechen will, welche Themen ganz oben auf der Agenda stehen und wie sich die Zusammenarbeit mit dem Stadtrat ändern soll. Der Wahlabend der Grünen geht über in die Partynacht Wir verabschieden uns nun von der Wahlparty der Grünen in der Muffathalle. Die Bierbänke sind inzwischen leer, aber vorn auf der Tanzfläche tanzen noch ein paar Dutzend Grüne ausgelassen zu "Mr. Brightside" von den Killers und genießen ihren historischen Erfolg bei dieser Oberbürgermeister-Wahl. Foto: Sebastian Krass Auch ein Grüner denkt über Schwarz-Grün nach Am Rande der Tanzfläche in der Muffathalle steht der Landtagsabgeordnete Ludwig Hartmann. Er sei doppelt glücklich, sagt er, wegen des Wahlsiegs in München, wo er seinen Stimmkreis hat. Aber auch im Landkreis Landsberg am Lech, wo Hartmann herkommt, hat eine Grüne das Landratsamt erobert. Und wie soll es nun politisch weitergehen in München? Hartmann hat einige Sympathie für ein grün-schwarzes Bündnis im Rathaus, das lässt er deutlich anklingen. Er denkt dabei auch landespolitisch. Grün-Schwarz in München könnte den Weg ebnen für Schwarz-Grün im Landtag, so Hartmanns Hoffnung, "so war es auch in Nordrhein-Westfalen: erst in Düsseldorf, dann auf Landesebene". Allerdings muss man dabei bedenken, dass Hartmann auch einer ist, der bei den Grünen öfter mal Außenseiter-Positionen vertritt, zuletzt beim Olympia-Bürgerentscheid, als er entgegen der Parteilinie für eine Ablehnung war. Und wie soll es nun politisch weitergehen in München? Hartmann hat einige Sympathie für ein grün-schwarzes Bündnis im Rathaus, das lässt er deutlich anklingen. Er denkt dabei auch landespolitisch. Grün-Schwarz in München könnte den Weg ebnen für Schwarz-Grün im Landtag, so Hartmanns Hoffnung, "so war es auch in Nordrhein-Westfalen: erst in Düsseldorf, dann auf Landesebene". Allerdings muss man dabei bedenken, dass Hartmann auch einer ist, der bei den Grünen öfter mal Außenseiter-Positionen vertritt, zuletzt beim Olympia-Bürgerentscheid, als er entgegen der Parteilinie für eine Ablehnung war. Krause kündigt Koalitionsverhandlungen bereits ab Montag an Nach seinem Wahlsieg will Münchens neuer Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) direkt in die Koalitionsverhandlungen starten. „Die Koalitionsverhandlungen haben natürlich jetzt gewartet, bis die Stichwahl war, und ab morgen laufen die Vorbereitungen für die Sondierungen“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur am Wahlabend. „Wir werden mit allen demokratischen Parteien sprechen. Als Erstes mit unserem Koalitionspartner von der SPD.“ Unterdessen hat sich auch der gescheiterte OB-Kandidat der CSU, Clemens Baumgärtner, zu Wort gemeldet und sich für ein grün-schwarzes Bündnis im Rathaus ausgesprochen. Er sagte der SZ bezogen auf die Stadtratswahl vor zwei Wochen: Der Wähler wolle, dass Grün und Schwarz die Stadt regierten. Und er wäre dabei, daran lässt Baumgärtner keinen Zweifel. „Ich stehe für die Veränderung.“ Wenn die Grünen es damit auch ernst meinten, ließen sich Kompromisse finden, sagt Baumgärtner. Mit den Grünen wären „Versuche“, politisch etwas neu anzugehen und auszuprobieren, eher möglich als mit der SPD, meint er. Wie sich die weiteren Parteien im Stadtrat zum Wahlsieg Krauses verhalten und wer für eine Koalition mit den Grünen zur Verfügung steht, lesen Sie hier: Unterdessen hat sich auch der gescheiterte OB-Kandidat der CSU, Clemens Baumgärtner, zu Wort gemeldet und sich für ein grün-schwarzes Bündnis im Rathaus ausgesprochen. Er sagte der SZ bezogen auf die Stadtratswahl vor zwei Wochen: Der Wähler wolle, dass Grün und Schwarz die Stadt regierten. Und er wäre dabei, daran lässt Baumgärtner keinen Zweifel. „Ich stehe für die Veränderung.“ Wenn die Grünen es damit auch ernst meinten, ließen sich Kompromisse finden, sagt Baumgärtner. Mit den Grünen wären „Versuche“, politisch etwas neu anzugehen und auszuprobieren, eher möglich als mit der SPD, meint er. Wie sich die weiteren Parteien im Stadtrat zum Wahlsieg Krauses verhalten und wer für eine Koalition mit den Grünen zur Verfügung steht, lesen Sie hier: Was die Grüne Jugend vom neuen OB erwartet Es ist kurz vor 21 Uhr, die Party läuft auf vollen Touren. Auf der Tanzfläche stehen Corinna Schloderer und Raphael Eisenring. Sie tragen die schwarzen T-Shirts mit den bunten Aufdrucken, die Dominik Krause wie einen Hollywood-Filmstar zeigen. Diese T-Shirts waren in den vergangenen Wochen oft im Stadtbild zu sehen. Sie sind quasi die Wahlkampfuniform der Grünen Jugend, der Partei-Nachwuchsorganisation, aus der auch Dominik Krause stammt und die er auch in seiner Dankesrede gewürdigt hat. Vor dem ersten Wahlgang vor zwei Wochen habe sie „nicht so ganz geglaubt, dass Dominik OB wird“, sagt Schloderer, 25 Jahre alt und Maschinenbaustudentin. „Aber in den letzten zwei Wochen habe ich immer mehr das Gefühl bekommen, dass die Leute auf den Wechsel setzen.“ Eisenring, 27 und beruflich in der medizinischen Wissenschaftskommunikation tätig, bestätigt das: „An den Infoständen hat man eine riesige Lust auf Veränderung gemerkt.“ Vor dem ersten Wahlgang vor zwei Wochen habe sie „nicht so ganz geglaubt, dass Dominik OB wird“, sagt Schloderer, 25 Jahre alt und Maschinenbaustudentin. „Aber in den letzten zwei Wochen habe ich immer mehr das Gefühl bekommen, dass die Leute auf den Wechsel setzen.“ Eisenring, 27 und beruflich in der medizinischen Wissenschaftskommunikation tätig, bestätigt das: „An den Infoständen hat man eine riesige Lust auf Veränderung gemerkt.“ Was erwartet die Grüne Jugend jetzt von ihrem OB? „Dass er die Themen umsetzt, mit denen er im Wahlkampf geworben hat“, sagt Schloderer. So sei es „eine Super-Idee, leerstehende Büroflächen in Wohnraum umzuwidmen“. Klar, das sei technisch schwierig, vor allem wegen des Einbaus von Badezimmern, „aber man kann ja Studierenden-Wohnheime mit geteilten Nasszellen schaffen“. Auch die Grüne Jugend weiß um die Schwierigkeiten, die Aufbruchstimmung in Zeiten leerer Kassen in politische Beschlüsse umzusetzen. „Da gilt es zu priorisieren“, sagt Schloderer. Und mit was für einer Koalition im Stadtrat soll das geschehen? „Gern mit einer linken Mehrheit.“ Die Suche nach einer tragfähigen Koalition, das wird eine von Krauses ersten großen politischen Aufgaben in den nächsten Tagen und Wochen. Corinna Schloderer und Raphael Eisenring von der Grünen Jugend. Sebastian Krass Die SPD-Wahlparty endet früh „Langsam findet der Tag sein End‘“, tönt es nun aus der Musikanlage im Oberangertheater, „Fürstenfeld“ von S.T.S. wird gespielt. Auf der Wiesn würde nun geschunkelt werden, doch bei der SPD ist an diesem Abend niemandem danach. Dieter Reiter hat die Stichwahl verloren, das vorläufige Endergebnis ist mittlerweile da. Das Oberangertheater hat sich geleert, die letzten Teller und Gläser werden abserviert, die Currywurst am Buffet ist nicht aufgegessen worden. Das Ende eines gebrauchten Tages für die Genossinnen und Genossen. Die Siegesparty der Grünen nimmt Fahrt auf Die Münchner Grünen haben, das zeigt sich nun am etwas fortgeschrittenen Abend, auch alte Partytraditionen auf Lager. Mit einer Polonaise ziehen sie durch die Muffathalle. Der Soundtrack dazu: "I Wanna Dance With Somebody" von Whitney Houston. Sebastian Krass

Artikel lesen
© 2026 Themenlage