23. Juli Süddeutsche Zeitung
Hitzewelle: 20 000 Menschen wegen Waldbränden an Atlantikküste in Sicherheit gebracht
In Spanien, Italien und Frankreich sind Einsatzkräfte gegen immer neue Waldbrände im Dauereinsatz. Die Flammen breiten sich auf riesigen Flächen aus. Wetterlagen mit anhaltender Trockenheit und Hitze begünstigen – oft in Kombination mit starkem Wind – den Ausbruch der Feuer.
An der französischen Atlantikküste bei Bordeaux wurden inzwischen 20 000 Menschen vorsorglich in Sicherheit gebracht. Betroffen seien Urlauber von zahlreichen Ferienzentren und drei Campingplätzen, teilte die Präfektur des Départements Gironde am Morgen mit. Außerdem wurden Bewohner verschiedener Orte in Sicherheit gebracht. Bislang sei niemand verletzt worden.
Der am Mittwochmittag in der Ortschaft Saumos ausgebrochene Brand hat sich bereits auf einer Fläche von 2400 Hektar ausgedehnt und sich erst auf den Ort Le Porge und dann auf Lège Cap-Ferret zubewegt. Bei dem sehr heftigen Brand seien weiterhin 500 Feuerwehrleute im Einsatz, die sich Schritt für Schritt darum bemühen, ihn einzudämmen. Die Lage sei weiterhin ungünstig, betonte die Präfektur. Am Morgen sollten zusätzliche Löschflugzeuge in die Region verlegt werden. Am Mittwochabend waren bereits vier Löschflugzeuge und 150 Einsatzfahrzeuge gegen die Flammen im Einsatz.
Aus Sicherheitsgründen ordnete die Präfektin des Départements Gironde am Nachmittag umfangreiche Evakuierungen an. Etwa 700 Bewohner mussten zwei Ortsteile der Gemeinde Le Porge verlassen, der dortige Campingplatz La Grigne mit etwa 3500 Urlaubern wurde geräumt. Die Betroffenen wurden zum nahegelegenen Urlaubsort Lacanau dirigiert. Auch ein Strand von Le Porge, wo sich etwa 600 Fahrzeuge befanden, wurde evakuiert.
Wie die Präfektin betonte, gilt für das Département Gironde die höchste Waldbrandwarnstufe Rot. Die Anweisungen der Behörden müssten strikt befolgt werden. Die Bevölkerung wurde zu größter Vorsicht gemahnt. Am Dienstag erst waren bei einem anderen Naturbrand am Flughafen von Bordeaux zwei Feuerwehrmänner ums Leben gekommen, die in ihrem Fahrzeug von den Flammen eingeschlossen wurden.
In Spanien hat der verheerende Waldbrand in der Provinz Guadalajara nach Behördenangaben inzwischen etwa 32 000 Hektar Land zerstört. Er zählt damit zu den größten Bränden der jüngeren Geschichte Spaniens. Bei einem Besuch des Brandgebiets rief Ministerpräsident Pedro Sánchez zu einem parteiübergreifenden „Staatspakt gegen den Klimanotstand“ auf. Zugleich äußerten sich die Einsatzkräfte vorsichtig optimistisch, den Brand nordöstlich von Madrid in den kommenden Tagen unter Kontrolle bringen zu können.
Sánchez und der Präsident der betroffenen Region Kastilien-La Mancha, Emiliano García-Page, sprachen mit den Einsatzleitern über die Entwicklung des Feuers. García-Page sagte anschließend vor Journalisten, es gebe Anlass zu „vorsichtigem Optimismus“. Die Erfolge bei den Löscharbeiten ließen hoffen, dass die Brandlage bald stabilisiert werden könne. Allerdings könnten die für Donnerstag angekündigten stärkeren Winde die Lage erneut verschärfen.
In Spanien wütet der zweitgrößten Waldbrand seit Beginn der Erfassung 1968
Inzwischen durften die Bewohner von fünf zuvor geräumten Ortschaften am Mittwoch in ihre Häuser zurückkehren. Insgesamt waren seit Ausbruch am vorigen Donnerstag in der Sierra Norte 34 Ortschaften evakuiert und etwa 1200 Menschen in Sicherheit gebracht worden.
Der Brand, der nach ersten Erkenntnissen vermutlich durch landwirtschaftliche Arbeiten ausgelöst wurde, hat sich mittlerweile mit geschätzten 32 000 zerstörten Hektar – einer Fläche, die in etwa 45 000 Fußballfeldern entspricht – zum zweitgrößten Waldbrand des Landes seit Beginn der Erfassungen durch die Zentralregierung im Jahr 1968 entwickelt. Nach Daten des europäischen Erdbeobachtungsprogramms Copernicus hat es seit Jahresbeginn in Spanien auf landesweit bereits etwa 123 000 Hektar gebrannt – knapp dreimal so viel wie im Vorjahreszeitraum.
Auch auf Sizilien breiten sich immer mehr Waldbrände aus. Die Feuer werden nach Angaben der Rettungsdienste durch den heißen Wüstenwind Scirocco angefacht, der aus dem nahegelegenen Afrika übers Mittelmeer auf Italiens größte Insel gelangt. In der Gemeinde Santo Stefano Quisquina im Hinterland der Inselhauptstadt Palermo wurden zuletzt mehr als 100 Menschen in Sicherheit gebracht, weil die Flammen zu nah an der Ortschaft waren.
Auf Sizilien herrscht derzeit eine Hitzewelle. Am Mittwoch wurden auf der Insel Temperaturen von mehr als 37 Grad Celsius erwartet. Am Tag zuvor wurden in Palermo 42,4 Grad gemessen. Die höchste gemessene Temperatur auf der Insel lag am Dienstag bei 46,2 Grad. Auf Sizilien sind derzeit viele Sommerurlauber zu Besuch, auch aus Deutschland. Von der Hitzewelle ist auch Italiens zweitgrößte Insel Sardinien betroffen. Dort wüten ebenfalls mehrere Waldbrände.