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Polens größte Oppositionspartei PiS zerbricht an Machtkampf

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24. Juli
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Polens größte Oppositionspartei PiS zerbricht an Machtkampf

Ex-Ministerpräsident sieht "Intrige":Polens größte Oppositionspartei PiS zerbricht an Machtkampf Polens größte Oppositionspartei spaltet sich auf. Nach einem Machtkampf verlässt Ex-Ministerpräsident Morawiecki die rechtskonservative PiS. Mit ihm gehen Dutzende Abgeordnete. In Polen ist die rechtskonservative Oppositionspartei PiS nach einem Richtungsstreit zerbrochen. Der ehemalige Ministerpräsident Mateusz Morawiecki muss die Partei nach einem Machtkampf gegen Parteichef Jaroslaw Kaczynski verlassen. Zusammen mit Morawiecki gehen Dutzende Abgeordnete. Ob er eine eigene Partei gründen will, ließ er offen. Die frühere Regierungspartei (2015 bis 2023) dürfte nach den Austritten ihren Status als größte Fraktion im Unterhaus, dem Sejm, verlieren. PiS an Richtungsstreit zerbrochen Kern des Konflikts war die Frage nach der künftigen Ausrichtung der Partei. Im März hatte Kaczynski den rechten Hardliner Przemyslaw Czarnek zum Kandidaten für das Amt des Ministerpräsidenten bei der im Herbst 2027 anstehenden Parlamentswahl gekürt. Damit wollte er die PiS für Wähler rechtsradikaler Parteien attraktiv machen. Der wirtschaftsliberale Ex-Banker Morawiecki, der von 2017 bis 2023 Regierungschef war, fühlte sich durch die Nominierung Czarneks düpiert. Mit anderen gemäßigten PiS-Politikern gründete er eine Gruppe mit dem Namen "Entwicklung Plus". Die PiS müsse wieder "zu einem großen Lager der polnischen Rechten und der Mitte-Rechts-Parteien" werden, forderte Morawiecki. Diplomatischer Streit: Polens Präsident Nawrocki entzog dem ukrainischen Staatschef Selenskyj im Juni die höchste Auszeichnung Polens. 19.06.2026 | 0:35 minDoch Kaczynski stellte ein Ultimatum: Die Gruppe müsse sich auflösen, alle Mitglieder sollten eine Loyalitätserklärung unterzeichnen. Morawiecki ließ das Ultimatum verstreichen und sagte nun: Wir konnten nicht zulassen, dass man uns zwingt, Loyalitätserklärungen zu unterschreiben. Mateusz Morawiecki, Politiker der PiS Kaczynski nennt es "Ende der Mitgliedschaft", Morawiecki "Intrige" Nun gibt es zwei Versionen davon, wie es genau zur Spaltung kam - und wie viele PiS-Abgeordnete abwandern. Nach Darstellung von Parteichef Kaczynski sollen "mehr als 30 Abgeordnete" um Morawiecki ihre Mitgliedschaft in der PiS niedergelegt haben. Diese Tatsache werde der Parteirat am Dienstag zur Kenntnis nehmen. Jeder Abgeordnete habe gewusst, was die Nicht-Unterzeichnung der Loyalitätserklärung für Folgen habe, sagte Kaczynski weiter. Die PiS stellte bislang mit 186 Abgeordneten die größte Fraktion im polnischen Parlament. Morawiecki dagegen warf seinen parteiinternen Gegnern und der Führung Intrigen und Erpressung vor. "Liebe Intriganten, vielleicht war es ja genau das, was ihr beabsichtigt habt: uns aus der PiS zu verdrängen", sagte er. Die Zahl seiner Anhänger gab er mit 40 Abgeordneten an. Er verlässt die PiS und nimmt Abgeordnete mit: Mateusz Morawiecki. Quelle: epaRegierungschef Tusk spottet: "Kein Stein bleibt auf dem anderen" Polens Regierungschef Donald Tusk reagierte mit Spott auf die Ereignisse in der PiS. "Die kämpfen so um die Einheit der Partei, dass kein Stein auf dem anderen bleibt", schrieb er auf X. Außenminister Radoslaw Sikorski kommentierte, die PiS werde nun hoffentlich zu dem Schluss kommen, "dass der Wettstreit mit Rechtsradikalen in Sachen Nationalismus und antieuropäischer Haltung sie auf Abwege geführt habe". Für Tusks liberalkonservative Bürgerkoalition (KO) könnte das Auseinanderfallen der PiS allerdings ein Problem werden. Die Partei galt seit 25 Jahren als der wichtigste politische Gegner der KO. In Polen zeichnet sich allerdings immer mehr eine Fragmentierung der politischen Landschaft mit wachsender Zustimmung für rechtsradikale Formationen ab. Dieser Trend könnte bei der nächsten Parlamentswahl Tusks Mitte-Links-Bündnis gefährlich werden. Mehr News zu Polen - Streit überschattet Wiederaufbau-Konferenz:Polnisch-ukrainische Beziehungen: Die Last der Geschichtevon Thomas Dudekmit Video2:49 - 35 Jahre Nachbarschaftsabkommen:Warum Deutschland und Polen näher zusammenrücken wollenmit Video2:12 - Nawrocki stoppt Gesetz:Polens Präsident legt Veto gegen EU-Rüstungskredite einmit Video0:35 - Polen plant neues Gesetz:Kulturkampf um queere PartnerschaftenMathias Kubitza, Warschaumit Video2:17

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24. Juli
FAZ (Politik)

Kaczyńskis Ultimatum: Diese Spaltung ist eine Chance für Polen

Kaczyńskis Ultimatum : Diese Spaltung ist eine Chance für Polen Es ist nicht sicher, ob Polens früherer Ministerpräsident Mateusz Morawiecki nach seinem Rauswurf aus der PiS Erfolg hat. Zu hoffen wäre es. Die PiS hat bei der Parlamentswahl in Polen vor drei Jahren ihre Mehrheit unter anderem deshalb verloren, weil viele von der maßlosen Rhetorik abgestoßen waren, mit der sie Kritiker und Gegner angriff und die Bürger in Patrioten und „Polen der schlechtesten Sorte“ (so Parteichef Jarosław Kaczyński) unterteilte. Das war auch der Grund, warum sie nach acht Jahren in der Regierung in die Opposition gehen musste, obwohl sie aus der Wahl immer noch als stärkste Kraft hervorgegangen war: Die nationalkatholische Partei war unfähig, ein Bündnis einzugehen. Die PiS leidet unter den Geistern, die sie rief Seither hat sich die PiS weiter radikalisiert und dabei gleichzeitig in Umfragen stetig an Zustimmung verloren – und zwar an Kräfte, die rechts von ihr stehen. Sie ist in Gefahr, von den Geistern, die sie rief, verschlungen zu werden. Ein Teil der Partei versucht, diese Anhänger durch noch größere Radikalität zurückzuholen – und sei es um den Preis der Aufgabe von Positionen, die in der PiS bis dahin als unverzichtbarer Teil der Staatsräson galten, wie die Unterstützung der Ukraine. Der Parteiflügel um den früheren Ministerpräsidenten Mateusz Morawiecki wollte dabei nicht mitmachen, sondern wieder um Wähler in der Mitte werben, die von der jetzigen Regierung unter Donald Tusk enttäuscht sind. Kaczyński hat sie nun aus der PiS geworfen, sie haben den innerparteilichen Machtkampf verloren. Ob sie als eigene Partei Erfolg hätten, ist alles andere als sicher. Zu hoffen wäre es: Darin bestünde die Chance, dass Polen eine seriöse nationalkonservative Kraft bekommt.

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24. Juli
Die Welt (Politik)

Ehemalige Regierungspartei PiS zerbricht im Machtkampf um Ausrichtung

Ehemalige Regierungspartei PiS zerbricht im Machtkampf um Ausrichtung Die einst Polen dominierende Partei PiS ist zerbrochen. Nach einem Streit zwischen Ex-Premier Morawiecki und Parteichef Kaczyński verlassen über 30 Abgeordnete die Partei. Hintergrund ist die Frage der künftigen Ausrichtung. In Polen ist die rechtskonservative Oppositionspartei PiS nach einem Richtungsstreit zerbrochen. Der ehemalige Ministerpräsident Mateusz Morawiecki muss die Partei nach einem Machtkampf mit Parteichef Jarosław Kaczyński verlassen. Zusammen mit Morawiecki gehen nach dessen Angaben 40 Abgeordnete. Ob er eine eigene Partei gründen will, ließ er offen. Was ist los in der einst mächtigen Partei, die Polen von 2015 bis 2023 regierte, das Land nach ihren Vorstellungen umbaute und in einen Dauerclinch mit der EU führte? Kern des Konflikts war die Frage nach der künftigen Ausrichtung der Partei. Im März hatte Kaczyński den rechten Hardliner Przemysław Czarnek zum Kandidaten für das Amt des Ministerpräsidenten bei der im Herbst 2027 anstehenden Parlamentswahl gekürt. Damit wollte er die PiS für Wähler rechtsradikaler Parteien attraktiv machen. Der wirtschaftsliberale Ex-Banker Morawiecki, der von 2017 bis 2023 Regierungschef war, fühlte sich durch die Nominierung Czarneks düpiert. Mit anderen gemäßigten PiS-Politikern gründete er eine Gruppe mit dem Namen „Entwicklung Plus“. Die PiS müsse wieder „zu einem großen Lager der polnischen Rechten und der Mitte-Rechts-Parteien“ werden, forderte Morawiecki. Doch Kaczyński stellte ein Ultimatum: Die Gruppe müsse sich auflösen, alle Mitglieder sollten eine Loyalitätserklärung unterzeichnen. Morawiecki ließ das Ultimatum verstreichen. „Wir konnten nicht zulassen, dass man uns zwingt, Loyalitätserklärungen zu unterschreiben“, sagte er jetzt. Damit war der Rauswurf besiegelt. Nun gibt es zwei Versionen davon, wie es genau zur Spaltung kam – und wie viele PiS-Abgeordnete abwandern. Nach Darstellung von Parteichef Kaczyński sollen „mehr als 30 Abgeordnete“ um Morawiecki ihre Mitgliedschaft in der PiS niedergelegt haben. Diese Tatsache werde der Parteirat am Dienstag zur Kenntnis nehmen. Jeder Abgeordnete habe gewusst, was die Nicht-Unterzeichnung der Loyalitätserklärung für Folgen habe, sagte Kaczyński weiter. Die PiS stellte bislang mit 186 Abgeordneten die größte Fraktion im polnischen Parlament. Morawiecki dagegen warf seinen parteiinternen Gegnern und der Führung Intrigen und Erpressung vor. „Liebe Intriganten, vielleicht war es ja genau das, was ihr beabsichtigt habt: uns aus der PiS zu verdrängen“, sagte er. Das klang mehr nach einem handfesten Rauswurf. Die Zahl seiner Anhänger gab er mit 40 Abgeordneten an. Bis zuletzt habe man um die Einheit der Partei gekämpft, betonte der 58-Jährige. PiS verliert in Umfragen an rechtsextreme Parteien Der Widerstand Morawieckis gegen Kaczyński hat vielen Polen deutlich gemacht: Der 77-Jährige „Prezes“, der die PiS 2001 mit seinem Zwillingsbruder Lech gegründet hatte, hat seine Partei nicht mehr im Griff. „Die PiS war ein Sonnensystem, in dem sich alle um Kaczyński drehten. Er verteilte Prestige, Listenplätze und materielle Vorteile“, analysiert der Journalist Rafał Kalukin vom Magazin „Polityka“. Doch dieses Modell habe ausgedient. „Einzelne Gruppen sind auf sich selbst fokussiert und warten auf den Moment, wo Kaczyński in die politische Geschichte Polens eingeht.“ In einer Zeit, in der Politiker morgens auf Trends in sozialen Medien reagieren, achte niemand mehr auf die Anweisungen des Parteichefs. Was der PiS außerdem zu schaffen macht: Sie wird gerade von rechts überholt. Ihre Umfragewerte liegen bei 23 Prozent – das sind 12 Prozentpunkte weniger als bei der Parlamentswahl 2023. Fast genauso viel holen zusammen die rechtsradikale Konfederacja des jungen Unternehmers Sławomir Mentzen (12,4 Prozent) und die Formation des Antisemiten Grzegorz Braun (9,6 Prozent). Beide sind vor allem bei jungen männlichen Wählern auf dem Land populär. Zwar gelang der PiS ein großer Erfolg, als bei der Präsidentenwahl 2025 der von ihr unterstützte parteilose Karol Nawrocki gewann. Doch der 47-jährige Ex-Boxer mit den modisch kurzen Haaren ist mittlerweile bei jungen Rechten so populär, dass viele von ihnen eher Nawrocki als Führungsfigur sehen als den alternden Kaczyński oder seine Günstlinge. Regierungschef Donald Tusk reagierte mit Spott auf die Probleme der PiS. „Die kämpfen so um die Einheit der Partei, dass kein Stein auf dem anderen bleibt“, schrieb er auf X. Außenminister Radosław Sikorski kommentierte, die PiS werde nun hoffentlich zu dem Schluss kommen, „dass der Wettstreit mit Rechtsradikalen in Sachen Nationalismus und antieuropäischer Haltung sie auf Abwege geführt habe.“ Doch Tusks liberalkonservative Bürgerkoalition (KO) kann es sich nicht leisten, jetzt das Popcorn herauszuholen und es sich auf dem Regierungssofa gemütlich zu machen. Denn das Auseinanderfallen der PiS, die seit 25 Jahren der wichtigste politische Gegner war, ist für die KO ein Problem. Zumal der 69 Jahre alte Parteichef Tusk wie sein politischer Erzfeind Kaczyński einer Politikergeneration angehört, deren Ära endet. Außerdem: Ähnlich wie in Deutschland zeichnet sich auch in Polen eine Fragmentierung der politischen Landschaft mit wachsender Zustimmung für rechtsradikale Formationen ab. Dieser Trend könnte bei der nächsten Parlamentswahl Tusks Mitte-Links-Bündnis gefährlich werden. Der PiS-Abtrünnige Morawiecki ist da kein Trost: Er hat bereits erklärt, dass seine Formation mit keiner der jetzigen Regierungsparteien eine Koalition eingehen wird.

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24. Juli
Tagesschau

Polens größte Oppositionspartei spaltet sich

Machtkampf in der PiS Polens größte Oppositionspartei spaltet sich In Polens größter Oppositionspartei ist es zum Bruch gekommen: 30 Abgeordnete verlassen die nationalkonservative PiS - und folgen Ex-Ministerpräsident Morawiecki in einen liberaleren Flügel. Eine gefährliche Konkurrenz? Es wurde seit Tagen darüber gemunkelt: Die rechtsnationale polnische PiS-Partei steuert auf eine Spaltung zu. Nun ist es offenbar dazu gekommen. Etwa 30 Abgeordnete der Fraktion haben ihre Mitgliedschaft gekündigt, teilte Parteichef Jaroslaw Kaczynski mit. "Wir wollen uns auf keinen Fall im Streit oder mit stärkeren negativen Gefühlen trennen - es hat sich einfach so ergeben.“ Was erstmal harmlos klingt, könnte einen ernsthaften Bruch bedeuten. Die PiS ist derzeit die stärkste Oppositionspartei. Zuvor regierte sie Polen acht Jahre lang. Jetzt ist offenbar ein interner Machtkampf eskaliert. Zwischen Kaczynski und einem weiteren sehr bekannten PiS-Politiker - Mateusz Morawiecki. Interner Streit um Kandidatur Unter PiS war Morawiecki Ministerpräsident - sechs Jahre lang die Nummer zwei im Staat. Doch wenn es nach dem Willen des mächtigen Parteivorsitzenden geht, soll er nicht erneut zum Zuge kommen. Denn die PiS will nächstes Jahr mit einem anderen Kandidaten in den Wahlkampf ziehen: mit Przemysław Czarnek, der bislang durch teils extrem rechte Äußerungen auffiel und nicht wirklich avancierte. Mit neuer Partei in den Wahlkampf? Analysten glauben, Polit-Profi Morawiecki habe Regierungsambitionen - und deswegen eine Vereinigung gegründet: "Entwicklung plus". 30 bis 40 Parteimitglieder, die für die PiS auch im polnischen Parlament sitzen, haben sich ihm angeschlossen. Mit dem Verein wolle er Wähler in der Mitte der Gesellschaft erreichen, so Morawiecki. "Durch unser intensives Engagement, unseren Einsatz, Schweiß und unsere Tränen", erklärte er, "genau so, wie viele PiS-Abgeordnete es auch handhaben, würden wir neue Wählergruppen erschließen." Verstrichenes Ultimatum Die PiS-Führung tolerierte die Vereinigung bisher. Doch vergangene Woche formulierte Kaczynski aus heiterem Himmel ein Ultimatum: Mitglieder der Partei sollen keinen politischen Vereinen angehören. Und sie sollen ihre Loyalität mit einer Erklärung bekräftigen. Ein Schlichtungsversuch zwischen Kaczynski und Morawiecki hat offenbar nichts gebracht. Morawieckis Gruppe hat das Ultimatum verstreichen lassen. Jetzt muss sie die PiS verlassen. PiS bereits geschwächt Wie sich das auf die Partei auswirken wird, ist nicht abzusehen. Dabei ist die PiS nach Einschätzung des Politikwissenschaftlers Slawomir Sowinski ohnehin schon geschwächt. Die PiS habe aktuell eine deutlich kleinere Wählerbasis. "Sie kann keine Volkspartei mehr sein, wie man sie früher nannte", so Sowinski. Die PiS hat ganz rechts viel Konkurrenz bekommen. Gleich zwei Parteien - rechtsnational bis rechtsextrem - könnten ihr erfolgreich Wähler abwerben. In Umfragen liegt die frühere Regierungspartei bei etwas mehr als 17 Prozent. Die Gruppierung um Morawiecki bei etwa sechs. Die Regierungskoalition bleibt mit knapp 31 Prozent die bisher stärkste Kraft. Von den Regierungspolitikern gab es schon im Vorfeld spitze Bemerkungen. Ministerpräsident Donald Tusk schrieb in den sozialen Medien, die PiS kämpfe so hart für die Einheit der Partei, dass kein Stein auf dem anderen bleibe. Außenminister Radoslaw Sikorski kommentierte eine mögliche Spaltung der Oppositionspartei mit viel Sarkasmus: "Ich liebe die PiS so sehr, dass ich mir gleich zwei davon wünsche." Entsteht nun eine neue Partei? Wie es aussieht, könnte der Parteiausschluss von mehr als 30 Abgeordneten dazu führen, dass in Polen eine neue Partei entsteht. Ob die PiS davon profitiert oder weiter geschwächt wird, bleibt abzuwarten. PiS-Vorsitzender Kaczynski gilt eigentlich als gewiefter Polit-Stratege. In den polnischen Medien sind allerdings Kommentare zu lesen, er könnte sich diesmal verkalkuliert haben.

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24. Juli
Handelsblatt

PiS: Polens größte Oppositionspartei zerbricht

PiS: Polens größte Oppositionspartei zerbricht Warschau. In Polen ist die rechtskonservative Oppositionspartei PiS nach einem Richtungsstreit zerbrochen. Der ehemalige Ministerpräsident Mateusz Morawiecki muss die Partei nach einem Machtkampf gegen Parteichef Jaroslaw Kaczynski verlassen. Zusammen mit Morawiecki gehen nach dessen Angaben 40 Abgeordnete. Ob er eine eigene Partei gründen will, ließ er offen. Was ist los in der einst mächtigen Partei, die Polen von 2015 bis 2023 regierte, das Land nach ihren Vorstellungen umbaute und in einen Dauerclinch mit der EU führte? Noch weiter nach rechts – oder mehr zur Mitte? Kern des Konflikts war die Frage nach der künftigen Ausrichtung der Partei. Im März hatte Kaczynski den rechten Hardliner Przemyslaw Czarnek zum Kandidaten für das Amt des Ministerpräsidenten bei der im Herbst 2027 anstehenden Parlamentswahl gekürt. Damit wollte er die PiS für Wähler rechtsradikaler Parteien attraktiv machen. Der wirtschaftsliberale Ex-Banker Morawiecki, der von 2017 bis 2023 Regierungschef war, fühlte sich durch die Nominierung Czarneks düpiert. Mit anderen gemäßigten PiS-Politikern gründete er eine Gruppe mit dem Namen „Entwicklung Plus“. Die PiS müsse wieder „zu einem großen Lager der polnischen Rechten und der Mitte-Rechts-Parteien“ werden, forderte Morawiecki. Doch Kaczynski stellte ein Ultimatum: Die Gruppe müsse sich auflösen, alle Mitglieder sollten eine Loyalitätserklärung unterzeichnen. Morawiecki ließ das Ultimatum verstreichen. „Wir konnten nicht zulassen, dass man uns zwingt, Loyalitätserklärungen zu unterschreiben“, sagte er jetzt. Damit war der Rauswurf besiegelt. Kaczynski nennt es „Ende der Mitgliedschaft“, Morawiecki „Intrige“ Nun gibt es zwei Versionen davon, wie es genau zur Spaltung kam – und wie viele PiS-Abgeordnete abwandern. Nach Darstellung von Parteichef Kaczynski sollen „mehr als 30 Abgeordnete“ um Morawiecki ihre Mitgliedschaft in der PiS niedergelegt haben. Diese Tatsache werde der Parteirat am Dienstag zur Kenntnis nehmen. Jeder Abgeordnete habe gewusst, was die Nicht-Unterzeichnung der Loyalitätserklärung für Folgen habe, sagte Kaczynski weiter. Die PiS stellte bislang mit 186 Abgeordneten die größte Fraktion im polnischen Parlament. Morawiecki dagegen warf seinen parteiinternen Gegnern und der Führung Intrigen und Erpressung vor. „Liebe Intriganten, vielleicht war es ja genau das, was ihr beabsichtigt habt: uns aus der PiS zu verdrängen“, sagte er. Das klang mehr nach einem handfesten Rauswurf. Die Zahl seiner Anhänger gab er mit 40 Abgeordneten an. Bis zuletzt habe man um die Einheit der Partei gekämpft, betonte der 58-Jährige. Das Ende des „Sonnensystems Kaczynski“ Der Widerstand Morawieckis gegen Kaczynski hat vielen Polen deutlich gemacht: Der 77-Jährige „Prezes“, der die PiS 2001 mit seinem Zwillingsbruder Lech gegründet hatte, hat seine Partei nicht mehr im Griff. „Die PiS war ein Sonnensystem, in dem sich alle um Kaczynski drehten. Er verteilte Prestige, Listenplätze und materielle Vorteile“, analysiert der Journalist Rafal Kalukin vom Magazin „Polityka“. Doch dieses Modell habe ausgedient. „Einzelne Gruppen sind auf sich selbst fokussiert und warten auf den Moment, wo Kaczynski in die politische Geschichte Polens eingeht.“ In einer Zeit, in der Politiker morgens auf Trends in sozialen Medien reagieren, achte niemand mehr auf die Anweisungen des Parteichefs. Rechtsradikale Parteien im Aufwind Was der PiS außerdem zu schaffen macht: Sie wird gerade von rechts überholt. Ihre Umfragewerte liegen bei 23 Prozent – das sind 12 Prozentpunkte weniger als bei der Parlamentswahl 2023. Fast genauso viel holen zusammen die rechtsradikale Konfederacja des jungen Unternehmers Slawomir Mentzen (12,4 Prozent) und die Formation des Antisemiten Grzegorz Braun (9,6 Prozent). Beide sind vor allem bei jungen männlichen Wählern auf dem Land populär. Zwar gelang der PiS ein großer Erfolg, als bei der Präsidentenwahl 2025 der von ihr unterstützte parteilose Karol Nawrocki gewann. Doch der 47-jährige Ex-Boxer mit den modisch kurzen Haaren ist mittlerweile bei jungen Rechten so populär, dass viele von ihnen eher Nawrocki als Führungsfigur sehen als den alternden Kaczynski oder seine Günstlinge. Ist die Regierung von Donald Tusk der lachende Dritte? Regierungschef Donald Tusk reagierte mit Spott auf die Probleme der PiS. „Die kämpfen so um die Einheit der Partei, dass kein Stein auf dem anderen bleibt“, schrieb er auf X Verwandte Themen Doch für Tusks liberalkonservative Bürgerkoalition (KO) kann es sich nicht leisten, jetzt das Popcorn herauszuholen und es sich auf dem Regierungssofa gemütlich zu machen. Denn das Auseinanderfallen der PiS, die seit 25 Jahren der wichtigste politische Gegner war, ist für die KO ein Problem. Zumal der 69 Jahre alte Parteichef Tusk wie sein politischer Erzfeind Kaczynski einer Politikergeneration angehört, deren Ära endet. Außerdem: Ähnlich wie in Deutschland zeichnet sich auch in Polen eine Fragmentierung der politischen Landschaft mit wachsender Zustimmung für rechtsradikale Formationen ab. Dieser Trend könnte bei der nächsten Parlamentswahl Tusks Mitte-Links-Bündnis gefährlich werden. Der PiS-Abtrünnige Morawiecki ist da kein Trost: Er hat bereits erklärt, dass seine Formation mit keiner der jetzigen Regierungsparteien eine Koalition eingehen wird.

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24. Juli
Handelsblatt

Zoff bei Polens Rechten: Polens größte Oppositionspartei zerbricht

Zoff bei Polens Rechten: Polens größte Oppositionspartei zerbricht Warschau. In Polen ist die rechtskonservative Oppositionspartei PiS nach einem Richtungsstreit zerbrochen. Der ehemalige Ministerpräsident Mateusz Morawiecki muss die Partei nach einem Machtkampf gegen Parteichef Jaroslaw Kaczynski verlassen. Zusammen mit Morawiecki gehen nach dessen Angaben 40 Abgeordnete. Ob er eine eigene Partei gründen will, ließ er offen. Was ist los in der einst mächtigen Partei, die Polen von 2015 bis 2023 regierte, das Land nach ihren Vorstellungen umbaute und in einen Dauerclinch mit der EU führte? Richtungsstreit: Noch weiter nach rechts - oder mehr zur Mitte? Kern des Konflikts war die Frage nach der künftigen Ausrichtung der Partei. Im März hatte Kaczynski den rechten Hardliner Przemyslaw Czarnek zum Kandidaten für das Amt des Ministerpräsidenten bei der im Herbst 2027 anstehenden Parlamentswahl gekürt. Damit wollte er die PiS für Wähler rechtsradikaler Parteien attraktiv machen. Der wirtschaftsliberale Ex-Banker Morawiecki, der von 2017 bis 2023 Regierungschef war, fühlte sich durch die Nominierung Czarneks düpiert. Mit anderen gemäßigten PiS-Politikern gründete er eine Gruppe mit dem Namen „Entwicklung Plus“. Die PiS müsse wieder „zu einem großen Lager der polnischen Rechten und der Mitte-Rechts-Parteien“ werden, forderte Morawiecki. Doch Kaczynski stellte ein Ultimatum: Die Gruppe müsse sich auflösen, alle Mitglieder sollten eine Loyalitätserklärung unterzeichnen. Morawiecki ließ das Ultimatum verstreichen. „Wir konnten nicht zulassen, dass man uns zwingt, Loyalitätserklärungen zu unterschreiben“, sagte er jetzt. Damit war der Rauswurf besiegelt. Kaczynski nennt es „Ende der Mitgliedschaft“, Morawiecki „Intrige“ Nun gibt es zwei Versionen davon, wie es genau zur Spaltung kam - und wie viele PiS-Abgeordnete abwandern. Nach Darstellung von Parteichef Kaczynski sollen „mehr als 30 Abgeordnete“ um Morawiecki ihre Mitgliedschaft in der PiS niedergelegt haben. Diese Tatsache werde der Parteirat am Dienstag zur Kenntnis nehmen. Jeder Abgeordnete habe gewusst, was die Nicht-Unterzeichnung der Loyalitätserklärung für Folgen habe, sagte Kaczynski weiter. Die PiS stellte bislang mit 186 Abgeordneten die größte Fraktion im polnischen Parlament. Morawiecki dagegen warf seinen parteiinternen Gegnern und der Führung Intrigen und Erpressung vor. „Liebe Intriganten, vielleicht war es ja genau das, was ihr beabsichtigt habt: uns aus der PiS zu verdrängen“, sagte er. Das klang mehr nach einem handfesten Rauswurf. Die Zahl seiner Anhänger gab er mit 40 Abgeordneten an. Bis zuletzt habe man um die Einheit der Partei gekämpft, betonte der 58-Jährige. Generationenkonflikt: Das Ende des „Sonnensystems Kaczynski“ Der Widerstand Morawieckis gegen Kaczynski hat vielen Polen deutlich gemacht: Der 77-Jährige „Prezes“, der die PiS 2001 mit seinem Zwillingsbruder Lech gegründet hatte, hat seine Partei nicht mehr im Griff. „Die PiS war ein Sonnensystem, in dem sich alle um Kaczynski drehten. Er verteilte Prestige, Listenplätze und materielle Vorteile“, analysiert der Journalist Rafal Kalukin vom Magazin „Polityka“. Doch dieses Modell habe ausgedient. „Einzelne Gruppen sind auf sich selbst fokussiert und warten auf den Moment, wo Kaczynski in die politische Geschichte Polens eingeht.“ In einer Zeit, in der Politiker morgens auf Trends in sozialen Medien reagieren, achte niemand mehr auf die Anweisungen des Parteichefs. Rechtsradikale Parteien im Aufwind Was der PiS außerdem zu schaffen macht: Sie wird gerade von rechts überholt. Ihre Umfragewerte liegen bei 23 Prozent - das sind 12 Prozentpunkte weniger als bei der Parlamentswahl 2023. Fast genauso viel holen zusammen die rechtsradikale Konfederacja des jungen Unternehmers Slawomir Mentzen (12,4 Prozent) und die Formation des Antisemiten Grzegorz Braun (9,6 Prozent). Beide sind vor allem bei jungen männlichen Wählern auf dem Land populär. Zwar gelang der PiS ein großer Erfolg, als bei der Präsidentenwahl 2025 der von ihr unterstützte parteilose Karol Nawrocki gewann. Doch der 47-jährige Ex-Boxer mit den modisch kurzen Haaren ist mittlerweile bei jungen Rechten so populär, dass viele von ihnen eher Nawrocki als Führungsfigur sehen als den alternden Kaczynski oder seine Günstlinge. Ist die Regierung von Donald Tusk der lachende Dritte? Regierungschef Donald Tusk reagierte mit Spott auf die Probleme der PiS. „Die kämpfen so um die Einheit der Partei, dass kein Stein auf dem anderen bleibt“, schrieb er auf X. Außenminister Radoslaw Sikorski kommentierte, die PiS werde nun hoffentlich zu dem Schluss kommen, „dass der Wettstreit mit Rechtsradikalen in Sachen Nationalismus und antieuropäischer Haltung sie auf Abwege geführt habe.“ Verwandte Themen Doch für Tusks liberalkonservative Bürgerkoalition (KO) kann es sich nicht leisten, jetzt das Popcorn herauszuholen und es sich auf dem Regierungssofa gemütlich zu machen. Denn das Auseinanderfallen der PiS, die seit 25 Jahren der wichtigste politische Gegner war, ist für die KO ein Problem. Zumal der 69 Jahre alte Parteichef Tusk wie sein politischer Erzfeind Kaczynski einer Politikergeneration angehört, deren Ära endet. Außerdem: Ähnlich wie in Deutschland zeichnet sich auch in Polen eine Fragmentierung der politischen Landschaft mit wachsender Zustimmung für rechtsradikale Formationen ab. Dieser Trend könnte bei der nächsten Parlamentswahl Tusks Mitte-Links-Bündnis gefährlich werden. Der PiS-Abtrünnige Morawiecki ist da kein Trost: Er hat bereits erklärt, dass seine Formation mit keiner der jetzigen Regierungsparteien eine Koalition eingehen wird.

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24. Juli
FAZ (Politik)

Machtkampf in Polen: Die PiS bricht auseinander

Machtkampf in Polen : Die PiS bricht auseinander Schon lange tobt in Polens größter Oppositionspartei ein Machtkampf. Nun gibt Kaczyński die Spaltung der Partei bekannt. Hilft das der Regierung? Noch Anfang der Woche versuchte Jarosław Kaczyński, Vorsitzender der Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS), in einem emotionalen Aufruf, die Ordnung in Polens größter Oppositionspartei wiederherzustellen. „Ich appelliere an meine Kolleginnen und Kollegen, einen Moment innezuhalten und einen Schluck kaltes Wasser zu trinken“, erklärte der 77 Jahre alte Parteipatriarch auf der Plattform X. Der Feind stehe woanders und reibe sich angesichts des Streits innerhalb der PiS die Hände. Leider gebe es in der Partei Mitglieder, die spalten wollten. „Man muss jedoch weiterhin daran glauben, dass eine Einigung möglich ist“, schrieb Kaczyński. „Nur vereint werden wir siegen.“ Alles andere würden die Polen nicht verzeihen. Doch am Ende half auch der Verweis aufs Vaterland nichts. Am Freitagmittag trat Kaczyński in der PiS-Parteizentrale in Warschau vor die Medien und gab die Spaltung der Partei bekannt. Mehr als 30 Abgeordnete würden die Partei verlassen müssen, erklärte er sichtlich mitgenommen. „Jeder wusste, welche Konsequenzen es hat, wenn man nicht unterschreibt“, so Kaczyński. „Und sie haben die Entscheidung getroffen, die sie getroffen haben.“ Das bezog sich auf eine von der Parteiführung geforderte „Loyalitätserklärung“, die alle PiS-Abgeordneten bis Donnerstag um Mitternacht unterzeichnen sollten. Sie resultierte aus einem Machtkampf innerhalb der Partei, der sich seit dem Frühjahr zugespitzt hatte. Nationalkonservative Hardliner gegen technokratische Gemäßigte Im März hatte Kaczyński angesichts drastisch sinkender Umfragewerte für die PiS den katholisch-nationalen Hardliner Przemysław Czarnek zum Spitzenkandidaten für die Parlamentswahl im kommenden Jahr erklärt. Mit dieser Personalie wollte er Wähler zurückgewinnen, die zunehmend zu Parteien wie der libertär-rechtsextremen Konfederacja sowie der reaktionär-antieuropäischen Konföderation der Polnischen Krone abwanderten. Abgesehen davon, dass der Plan bisher nicht aufgeht, trat nun Mateusz Morawiecki aus der Deckung. Er war in der PiS-Regierungszeit bis 2023 Ministerpräsident und hatte sich selbst Hoffnungen auf die Spitzenkandidatur gemacht. Öffentlich sorgte sich Morawiecki, der als technokratisch-konservativ gilt, darum, dass die PiS mit dem harten Rechtskurs gemäßigte Wähler in der Mitte verlieren könnte. Im April gründete er die parteiinterne Initiative „Entwicklung plus“, um seine Anhänger zu versammeln. Kaczyński, der keine Vereinigungen innerhalb der Partei duldet, drohte umgehend allen, die sich ihm anschlössen, mit „disziplinarischen Konsequenzen“. Dann aber rauften sich der Vorsitzende sowie Czarnek und Morawiecki bei einem gemeinsamen Abendessen noch mal zusammen. Die PiS habe nun wie die Lunge zwei Flügel, lautete der öffentlich verkündete Kompromiss. Wer soll Kaczyński beerben? Dieser hielt bis zum vergangenen Mittwoch, als die PiS-Führung – in Abwesenheit von Kaczyński und Morawiecki – ein Ultimatum beschloss. Bis 0 Uhr am Freitag müssten Mitglieder alle Vereinigungen verlassen, die innerhalb der Partei eigene Ziele verfolgten. Das zielte vor allem gegen Morawieckis „Entwicklung plus“. Solche würden die organisatorische und politische Einheit der Partei schwächen, hieß es offiziell. Tatsächlich geht es um die absehbare Nachfolge Kaczyńskis, um die der 49 Jahre alte Czarnek und der 58 Jahre alte Morawiecki ringen. Alle Abgeordneten der PiS wurden zudem verpflichtet, bis zu dieser Frist eine „Loyalitätserklärung“ abzugeben. Kaczyński unterzeichnete, Morawiecki nicht. Er habe schon in den Achtzigerjahren ähnliche Bitten verweigert, erklärte er mit Blick auf die damals kommunistische Staatsführung. Zugleich versicherte er, in der PiS bleiben und sich der Erschließung neuer Wählergruppen widmen zu wollen. Als sich zahlreiche PiS-Abgeordnete mit ihm solidarisierten, drohte der PiS-Sprecher am Donnerstag öffentlich allen mit Ausschluss, die die Frist verfehlten. Auch ein kurzfristiges Treffen zwischen Kaczyński und Morawiecki am Abend brachte keine Einigung. Damit war die Spaltung praktisch nicht mehr aufzuhalten. Am Freitagnachmittag erklärte Morawiecki auf einer Pressekonferenz, dass 40 Sejm-Abgeordnete, ein Senator und drei Europa-Abgeordnete die Erklärung nicht unterzeichnet hätten. Damit wären sie nach ihrem Parteiausschluss die drittgrößte Fraktion im Parlament. Zugleich stellte Morawiecki die Gründung einer eigenen Partei „für junge Menschen, Unternehmer, Angestellte“ in Aussicht. Damit dürfte zwar die Hoffnung der PiS, bei den Wahlen 2027 wieder stärkste Kraft zu werden, dahin sein. Doch sind sich die Partei und Morawiecki weiterhin einig in einem Ziel: Ministerpräsident Donald Tusk und seine Regierung abzulösen.

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24. Juli
Die Zeit (Politik)

Polen: PiS hat sich nach Richtungsstreit gespalten

Polens größte Oppositionspartei hat sich gespalten. Nach einem Richtungsstreit in der rechtskonservativen PiS werden mehr als 30 Abgeordnete um den Ex-Regierungschef Mateusz Morawiecki die Partei verlassen. Die genaue Zahl stehe noch nicht fest, sagte Parteichef Jarosław Kaczyński. Ob auch Morawiecki selbst darunter ist, ließ er offen. Hintergrund ist ein Konflikt um die künftige Ausrichtung der Partei. Im März hatte der 77 Jahre alte Kaczyński den rechten Hardliner Przemysław Czarnek zum Kandidaten für das Amt des Ministerpräsidenten bei der Parlamentswahl 2027 gekürt. Die Nominierung zeigte, dass Kaczyński darauf spekuliert, Wähler rechtsradikaler Parteien für sich zu gewinnen. Von dieser Entscheidung fühlte sich der wirtschaftsliberale Vize-Parteichef Morawiecki angegriffen. Gemeinsam mit anderen gemäßigten PiS-Vertretern gründete er im Frühjahr eine Gruppierung mit dem Namen Entwicklung Plus. Die PiS müsse wieder zu einer großen Mitte-rechts-Partei werden, forderte er: »In meiner Gruppierung engagieren sich Tausende Menschen, die Unternehmer und junge Leute erreichen wollen«, sagte Morawiecki. Krisengespräch brachte keine Lösung Kaczyński jedoch verlangte mit einem Ultimatum die Auflösung der Gruppe. Er wollte, dass alle Mitglieder eine Solidaritätserklärung unterschreiben. Morawiecki verweigerte beides. Ein Krisengespräch am Donnerstag verlief ergebnislos. Die rechtskonservative PiS regierte Polen von 2015 bis 2023. In dieser Zeit baute sie das Justizsystem maßgeblich um, was unter anderem zur Konfrontation mit der EU-Kommission führte. Im Oktober 2023 verlor die PiS die Parlamentswahl und ist seitdem in der Opposition.

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