10. Juli Der Spiegel (Wirtschaft)
Bundestag kippt Heizungsgesetz der Ampelregierung
Neue Regelung Bundestag kippt Heizungsgesetz der Ampelregierung
Das Heizungsgesetz der früheren Ampelregierung ist Geschichte: Der Bundestag hat ein neues Gebäudemodernisierungsgesetz beschlossen. Für die Novelle stimmten laut Nachrichtenagentur Reuters in namentlicher Abstimmung 322 Abgeordnete. 272 Parlamentarier votierten dagegen. Zuvor hatten die Regierungsfraktionen von Union und SPD Zustimmung signalisiert. Die Oppositionsparteien AfD, Grüne und Linke wollten dagegenstimmen.
Blick in den Plenarsaal: Brandbeschleuniger für die Klimakrise?
Foto: Elisa Schu / dpaDie schwarz-rote Koalition kippt mit der Neuregelung Kernpunkte der von ihrer Vorgängerregierung beschlossenen Regelung. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche hatte gesagt, die Bundesregierung wolle »Heizungszwänge« durch Technologieoffenheit ersetzen. Die CDU-Politikerin hatte mit Blick auf die bestehenden Regelungen von einem »Zwang zur Wärmepumpe« gesprochen.
Mit dem neuen Gebäudemodernisierungsgesetz bleiben Weiterbetrieb und Neueinbau von Öl- und Gasheizungen langfristig möglich. Von nun an neu eingebaute fossile Heizungen müssen aber ab 2029 zu 10 Prozent mit erneuerbaren Brennstoffen betrieben werden. Ab Januar 2030 steigt der Anteil auf mindestens 15 Prozent, ab Januar 2035 auf mindestens 30 Prozent und ab Januar 2040 auf mindestens 60 Prozent. Neben dieser sogenannten Biotreppe müssen Anbieter von Heizbrennstoffen bis 2045 vollständig auf alternative Materialien umstellen.
Gastherme in einem Mehrfamilienhaus: Darf auch künftig neu eingebaut werden
Foto: Hendrik Schmidt / dpaFür bestehende Heizungen soll von 2028 an eine Grüngasquote eingeführt werden. Diese soll in Höhe von bis zu einem Prozent starten, Details sind aber unklar. Eine Regelung, wonach bisher ab 2045 Heizkessel nicht mehr mit fossilen Brennstoffen betrieben werden dürfen, entfällt. Die Bundesregierung soll nun bis Anfang Dezember ein Gesetz vorlegen, damit Brennstoffe für Heizungen ab 2045 komplett klimaneutral sind.
Unionsfraktionsvize: Bevormundung beendet
Union und SPD hatten im Koalitionsvertrag vereinbart, das bisherige Heizungsgesetz abzuschaffen. Gemeint ist damit der Kern des bestehenden Gebäudeenergiegesetzes (GEG), nämlich die 65-Prozent-Regelung: Laut dem bisherigen Heizungsgesetz, das vor allem dem früheren Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) zugeschrieben wird, müssen neue Heizungen zu mindestens 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden. In vielen Fällen kam dies einem Verbot des Einbaus neuer Öl- und Gasheizungen gleich. Diese Regelung wird nun durch das Gebäudemodernisierungsgesetz ersetzt.
Unionsfraktionsvize Sepp Müller sagte, durch die Abschaffung hätten die Menschen wieder Freiheit im Heizungskeller: »Wir ersetzen Bevormundung durch Wahlfreiheit.« Scharfe Kritik kam aus der Opposition, die Bundestagsfraktion der Linken hatte gar noch versucht, die Verabschiedung des neuen Gesetzes mithilfe des Bundesverfassungsgerichts zunächst zu stoppen.
Kritiker beklagen in der Neuregelung Rückschritte beim Klimaschutz. Grünenfraktionschefin Katharina Dröge sagte: »Diese Reform ist ein Brandbeschleuniger für die Klimakrise. Es ist völlig zukunftsvergessen, dass CDU und SPD wieder auf klimaschädliche Öl- und Gasheizungen setzen.«
Umwelthilfe kündigt Verfassungsbeschwerde an
Tina Löffelsend vom Umweltverband BUND kritisierte: »Trotz Warnungen und Kritik von allen Seiten wird der Einbau von klimaschädlichen Öl- und Gasheizungen weiter erlaubt.« Schwarz-Rot verlängere so die Abhängigkeit von fossilen Importen und treibe die Heizkosten vieler Menschen in die Höhe. Der WWF kritisierte Wasserstoff und Biomethan als »Scheinlösungen«. Die Deutsche Umwelthilfe kündigte bereits Verfassungsbeschwerde gegen das neue Gesetz an. Es stehe im Widerspruch zu den gesetzlichen Klimazielen.
Die Bauindustrie dagegen begrüßte, dass es durch das neue Gesetz nun endlich Planungssicherheit geben könne, für Investitionen könnte wieder mehr Spielraum geschaffen werden. »Mit dem vorliegenden Gesetz wird die Chance verpasst, Klimaschutz im Gebäudebestand effizienter und bezahlbarer zu machen«, kritisierte aber auch der Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen. »Völlig kontraproduktiv ist in diesem Zusammenhang die kurzfristig bekannt gewordene massive Kürzung der Bundesförderung für effiziente Gebäude.«
Diese Woche war bekannt geworden, dass die staatliche Förderung für den Austausch alter Heizungen deutlich sinkt. Insbesondere Haushalte mit mittleren und höheren Einkommen erhalten deutlich geringere Zuschüsse, die bis 2030 weiter absinken. Haushalte mit sehr geringen Einkommen profitieren zunächst von etwas höheren Fördermöglichkeiten, auch hier sinken die Sätze aber rasch ab.