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Montag, 23. März 2026
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Ehemalige Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth gestorben

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1. Februar
taz (Öko & Co)

Frühere Bundestagspräsidentin: Rita Süssmuth ist tot

Frühere Bundestagspräsidentin: Rita Süssmuth ist tot Sie war eine starke Stimme für Frauen und eine liberalere CDU: Jetzt ist die frühere Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth mit 88 Jahren gestorben. kna | Rita Süssmuth, ehemalige Bundestagspräsidentin und Bundesministerin, ist tot. Die CDU-Politikerin starb im Alter von 88 Jahren, wie Bundestagspräsidentin Julia Klöckner am Sonntag mitteilte. Im Juni 2024 hatte Süssmuth ihre Brustkrebserkrankung öffentlich gemacht. Klöckner würdigte sie als „eine der bedeutendsten Politikerinnen der Bundesrepublik“. Süssmuth wurde 1937 in Wuppertal geboren. Mit 34 Jahren übernahm sie eine Professur für Erziehungswissenschaften. In den 1970er Jahren leitete sie einen Lehrstuhl an der Universität Dortmund und arbeitete parallel in Gremien des Familienministeriums. 1981 trat sie der CDU bei. Unter Kanzler Helmut Kohl wurde sie 1985 Bundesministerin für Jugend, Familie und Gesundheit. Ein Jahr später übernahm sie zusätzlich das Ressort Frauen und wurde damit Deutschlands erste Bundesfrauenministerin. Zweite Bundestagspräsidentin Von 1988 bis 1998 war sie als zweite Frau nach Annemarie Renger (SPD) Bundestagspräsidentin und damit auch erste Parlamentspräsidentin im wiedervereinigten Deutschland. In dieser Funktion setzte sie sich beherzt für die Verhüllung des Reichstagsgebäudes durch das Künstlerehepaar Christo und Jeanne-Claude im Sommer 1995 ein. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) würdigte Süssmuth als „große Politikerin“ und einen „Leitstern für unser demokratisches Gemeinwesen. Als Bundesministerin und Präsidentin des Deutschen Bundestags sei sie „Vorbild und auch Vorkämpferin, nicht zuletzt für die Gleichberechtigung und die politische Wirkkraft von Frauen“ gewesen, erklärte Merz. Auch Bundesfrauenministerin Karin Prien (CDU) bezeichnete ihre Amtsvorgängerin als ein großes Vorbild. „Sie hat sich über Jahrzehnte mit starker Stimme für Familien und Frauen eingesetzt, nicht nur als Familien- und Frauenministerin. Sie hat frauen- und gleichstellungspolitische Themen ganz oben auf die Agenda gesetzt, wo sie auch heute noch hingehören.“ Während ihrer politischen Laufbahn kämpfte Süssmuth unter anderem für die Reform des Abtreibungsparagrafen 218 und engagierte sich für Aids-Kranke. Mit dem Grundsatz „Prävention statt Ausgrenzung“ setzte sie sich trotz Widerständen durch. Auch in der in ihrer Partei sehr umstrittenen Migrationspolitik setzte die Politikerin Schwerpunkte: Bereits Mitte der 1990er Jahre forderte sie als erste prominente CDU-Politikerin ein klares Bekenntnis zu Deutschland als Einwanderungsland. Von 2000 bis 2001 leitete sie die Zuwanderungskommission der rot-grünen Bundesregierung. Von 2002 bis 2004 übernahm sie den Vorsitz des von Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) gebildeten Sachverständigenrates für Zuwanderung und Integration. Von 2003 bis 2005 arbeitete sie in der Global Commission on International Migration mit, die die UNO eingesetzt hatte. Zahlreiche Ämter nach der politischen Karriere Auch nach ihrer politischen Karriere übernahm Süssmuth weiterhin zahlreiche öffentliche Ämter. 2003 wurde sie in die neu gegründete Beratende Kommission im Zusammenhang mit der Rückgabe NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturguts, insbesondere aus jüdischem Besitz („Limbach-Kommission“) berufen. Seit 2005 war sie Präsidentin des Deutschen Polen-Instituts, dessen Ehrenpräsidentin sie zuletzt war. Über 27 Jahre stand sie zudem dem Deutschen Volkshochschulverband vor, seit 2015 als Ehrenpräsidentin. Auch als Katholikin engagierte sich Süssmuth. So leitete sie die Kommission „Ehe und Familie“ beim Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) und amtierte von 1980 bis 1985 als Vizepräsidentin des Familienbundes der Katholiken. Gemeinsam für freie Presse Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen meistkommentiert

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1. Februar
Tagesschau

Ehemalige Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth gestorben

Trauer um Rita Süssmuth "Sie war ein Leitstern" Die CDU-Politikerin und frühere Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth ist tot. Zahlreiche Politiker würdigten die Verstorbene als große Politikerin - unter ihnen auch Bundespräsident Steinmeier und Kanzler Merz. Die CDU-Politikerin Rita Süssmuth - von 1988 bis 1998 Bundestagspräsidentin und in den 1980er-Jahren Ministerin im Kabinett von Kanzler Helmut Kohl - ist tot. Eine CDU-Sprecherin bestätigte am Abend den Tod der 88-Jährigen eine entsprechende Meldung des Bundestages. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier würdigte die Verstorbene als "großartige Frau und eine leidenschaftliche Kämpferin für die Demokratie". Sie habe mit ihrem Mut, ihrer Beharrlichkeit, ihrem Humor und ihrer Überzeugungskraft maßgeblich dazu beigetragen, Gleichberechtigung umzusetzen. Das Amt der Bundestagspräsidentin habe sie durch ihren persönlichen Stil geprägt und dem Amt innen- wie außenpolitisch Gewicht verliehen. "Deutschland verdankt ihr viel" Bundeskanzler Friedrich Merz schrieb beim Nachrichtendienst X, Süssmuth seine eine große Politikerin, "ein Leitstern für unser demokratisches Gemeinwesen“ gewesen. Sie habe für eine moderne Gesellschaft gekämpft, Maßstäbe für Toleranz und Offenheit gesetzt. "Deutschland verdankt ihr viel", schloss Merz. Bundestagspräsidentin Julia Klöckner, die als erste die Todesnachricht verbreitet hatte, würdigte Süssmuth als eine der "bedeutendsten Politikerinnen der Bundesrepublik". Sie habe mit ihrem Elan und ihrer Beharrlichkeit zahlreiche Menschen in Deutschland inspiriert. Sie habe über viele Jahre an der "Spitze des Parlaments" den deutschen Einigungsprozess mitgestaltet. Schwere Krebserkrankung Süssmuth hatte im Juni 2024 eine schwere Brustkrebserkrankung öffentlich gemacht, aber trotz Chemotherapie ihre politische Arbeit fortgesetzt. Sie wolle weiter dazu beitragen, dass es der Gesellschaft besser gehe. "Dafür gebe ich alles", sagte sie damals der Bild-Zeitung. Zeit ihres Lebens setzte sich Süssmuth für die Gleichstellung von Mann und Frau und für ein besseres soziales Miteinander in der Gesellschaft ein. Steile Karriere Geboren wurde Süssmuth 1937 in Wuppertal in einem Akademikerhaushalt. Mit nur 34 Jahren wurde sie Professorin der Erziehungswissenschaften. Dass sie zunächst in der Wissenschaft Karriere machte, schrieb sie stets ihrem Vater zu. Der habe sie von ihren typisch weiblichen Plänen abgebracht, Krankenschwester zu werden, und großen Bildungshunger in ihr geweckt, sagte Süssmuth einmal. Süssmuth galt lange als das moderne Gesicht der CDU: Von 1987 bis 2002 war sie Abgeordnete im Bundestag, dabei von 1988 bis 1998 als Bundestagspräsidentin. 1985 berief Helmut Kohl sie als Familien- und Gesundheitsministerin ins Kabinett, 1986 wurde sie auch erste Frauenministerin. Aufgrund ihrer Vorarbeiten verabschiedete der Essener CDU-Parteitag 1985 Leitsätze für eine neue Partnerschaft zwischen Mann und Frau und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Auch das Erziehungsgeld geht mit auf sie zurück. Oft quer zur Parteilinie Als Politikerin erreichte Süssmuth schnell große Bekanntheit und Popularität, gerade weil sie oft nicht auf Unionslinie lag. Zum Unwillen von Kanzler Kohl, der seine Gesundheits- und Familienministerin bereits nach drei Jahren aus dem Kabinett schob - Kohl sorgte dafür, dass Süssmuth Bundestagspräsidentin wurde. Sie empfand das stets als Niederlage. Süssmuth geriet immer wieder mit dem konservativen Flügel der Union aneinander. Bei Themen wie Vergewaltigung in der Ehe wurde sie als Liberale beschimpft. 1992 votierte sie für die Reform des Paragrafen 218, die eine Fristenlösung mit Beratungspflicht vorsah - und erntete heftige Kritik der katholischen Bischöfe. Süssmuth engagierte sich für Aids-Kranke. Während konservative Unionspolitiker sich für eine Art Kasernierung der Erkrankten stark machten, setzte sie den Grundsatz "Prävention statt Ausgrenzung" durch. Rita Süssmuth mit Helmut Kohl: Dem Kanzler war seine Ministerin oft zu liberal. Auch im Alter unermüdlich Nach ihrer politischen Karriere übernahm sie zahlreiche öffentliche Ämter. 2003 wurde sie in die neu gegründete Beratende Kommission zur Rückgabe NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturguts, insbesondere aus jüdischem Besitz ("Limbach-Kommission"), berufen. 2005 wurde sie Präsidentin des Deutschen Polen-Instituts. Sie motivierte nachfolgende Generationen immer wieder, gegen den Strom zu schwimmen: "Ich muss Ihnen sagen, wenn die den Widerstand durchhalten und gute Freunde haben, die sie unterstützen, versetzen sie die ersten kleinen Berge", sagte sie einmal in einer Talkshow. 2023 wurde Süssmuth Ehrenbürgerin der Stadt Neuss. Dort lebte sie über ein halbes Jahrhundert, bis zu ihrem Lebensende. Mit Informationen von Gabor Halasz, ARD-Hauptstadtstudio

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1. Februar
Deutschlandfunk

Ehemalige Bundestagspräsidentin - Rita Süssmuth gestorben - Würdigungen durch Staatsspitze

Süssmuth war Professorin der Erziehungswissenschaften, bevor sie 1981 in die CDU eintrat. 1985 wurde sie unter dem damaligen Bundeskanzler Kohl zunächst Ministerin für Jugend, Familie und Gesundheit. Ein Jahr später wurde ihr zusätzlich das Ressort Frauen zugesprochen, wodurch sie Deutschlands erste Ministerin mit dieser Zuständigkeit wurde. Unter Süssmuth wurde der Anspruch aller Mütter und Väter auf Erziehungsgeld eingeführt, wurden erstmals Kindererziehungszeiten in der Rente anerkannt und der steuerliche Kinderfreibetrag spürbar angehoben. Süssmuth machte sich für die Wahlfreiheit der Frauen zwischen Familie und Beruf stark. Von 1988 bis 1998 war sie schließlich Bundestagspräsidentin. In ihrer politischen Karriere setzte sich Süssmuth unter anderem für die Reform des Abtreibungsparagrafen 218 ein und engagierte sich für Aids-Kranke. Ihre Prämisse lautete: "Wir bekämpfen die Krankheit, nicht die Infizierten." Auch war sie Ehrenvorsitzende der Deutschen Aids-Stiftung. Mitte der 1990er Jahre war Süssmuth zudem die erste prominente CDU-Politikerin, die ein Bekenntnis zu Deutschland als Einwanderungsland forderte. Lesen Sie zu dem Thema auch unseren Nachruf ”Zum Tode von Rita Süssmuth - Kämpferin für die Frauen”. "Vordenkerin, Leitstern und Vorbild" In der Würdigung Klöckners bezeichnete sie ihre Parteifreundin als leidenschaftliche Vordenkerin in der Frauen- und Familienpolitik, die die Gleichberechtigung von Frauen vorangetrieben habe: "Bis zuletzt setzte sie sich mit scheinbar unbegrenzter Energie für mehr Repräsentanz von Frauen in Parlamenten ein. Ihr Elan und ihre Beharrlichkeit haben zahllose Menschen in Deutschland beeindruckt - und auch inspiriert.“ Bundeskanzler Merz nannte Süssmuth eine "große Politikerin" und einen "Leitstern für unser demokratisches Gemeinwesen". Sie sei "Vorbild und auch Vorkämpferin, nicht zuletzt für die Gleichberechtigung und die politische Wirkkraft von Frauen" gewesen und habe "beispielhaft für eine moderne und offene Gesellschaft gekämpft und Maßstäbe für Toleranz und Weltoffenheit" gesetzt. "'Wer nicht kämpft, hat schon verloren' – das war die Maxime Ihrer Mutter, es war die Leitschnur ihres Handelns", schrieb Bundespräsident Steinmeier in einem Kondolenzschreiben an die Tochter der Verstorbenen. "Mit ihrem Mut, ihrer Beharrlichkeit, ihrem Humor und ihrer Überzeugungskraft hat sie maßgeblich dazu beigetragen, in unserem Land Schritt für Schritt mehr Gleichberechtigung in die Tat umzusetzen." Süssmuth selbst sagte einmal der "Süddeutschen Zeitung" vor einigen Jahren, sie habe sich das Motto von Samuel Beckett zu eigen gemacht: "Scheitern, weitermachen, nochmal scheitern, besser scheitern, weitermachen". Diese Nachricht wurde am 01.02.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.

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1. Februar
Neues Deutschland

Nachruf | Rita Süssmuth gestorben

- Politik - Nachruf Rita Süssmuth gestorben Die frühere Bundestagspräsidentin prägte als CDU-Politikerin die Frauen- und Familienpolitik Berlin. Die frühere Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth ist tot. Die CDU-Politikerin starb am Sonntag im Alter von 88 Jahren, wie der Deutsche Bundestag mitteilte. Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) zeigte sich »tief bewegt« und würdigte Süssmuth als »politische Ausnahmeerscheinung«. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) nannte sie eine »große Politikerin« und einen »Leitstern für unser demokratisches Gemeinwesen«. Süssmuth habe sich »lebenslang für Deutschland engagiert«, erklärte Merz. Sie sei Vorbild und Vorkämpferin für Gleichberechtigung und Toleranz gewesen. Rita Süssmuth, geborene Kickuth, kam am 17. Februar 1937 in Wuppertal zur Welt. Als Tochter eines Lehrers studierte sie Romanistik und Geschichte, später Erziehungswissenschaft, Soziologie und Psychologie, promovierte 1964 und machte Karriere als Professorin für Erziehungswissenschaft. Sie habe »mit Leidenschaft gelehrt und geforscht« und mit Expertise und Argumentationskraft auf sich aufmerksam gemacht, erklärte Klöckner. In die Politik kam Süssmuth erst vergleichsweise spät. Erst 1981 trat die damals 44-Jährige in die CDU ein – 1985 holte Bundeskanzler Helmut Kohl sie überraschend als Ministerin für Jugend, Familie und Gesundheit ins Kabinett. Ein Jahr später wurde das Ressort um den Bereich Frauen erweitert. Die engagierte Katholikin machte schnell durch eine liberale Linie in der Frauen- und Familienpolitik von sich reden. Sie setzte sich für die Wahlfreiheit zwischen Familie und Beruf ein, trat für Reformen im Abtreibungsrecht ein und kämpfte für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen in Politik und Gesellschaft. In Umfragen erzielte Süssmuth hohe Beliebtheitswerte. Die Feministin Alice Schwarzer nannte sie »Lovely Rita«, in ihrer eigenen Partei wurde sie wegen ihrer oft isolierten Positionen auch als »Lonely Rita« verspottet. Gesellschaftspolitisch war sie vielen in der Union voraus. Besonders prägend war ebenfalls ihre Rolle in der Aids-Politik. Während vielerorts Stigmatisierung und Ausgrenzung vorherrschten, formulierte Süssmuth eine klare Gegenposition: »Wir bekämpfen die Krankheit, nicht die Infizierten.« Sie setzte auf Aufklärung statt Repression und kämpfte gegen Diskriminierung von Erkrankten. Später blieb sie Ehrenvorsitzende der Deutschen Aids-Stiftung. Klöckner sprach von einer »bahnbrechenden« Politik, die die Grundlage für die erfolgreiche HIV-Prävention in Deutschland gelegt habe. 1988 wurde Süssmuth zur Präsidentin des Deutschen Bundestages gewählt – als erst zweite Frau in diesem Amt nach Annemarie Renger (SPD). Die Berufung galt auch als Wegloben der unbequemen Ministerin aus dem Kabinett. An der Spitze des Parlaments organisierte sie den Umzug des Bundestags von Bonn nach Berlin, obwohl sie selbst gegen den Standortwechsel gestimmt hatte. Sie setzte sich für eine stärkere Förderung von Frauen in der Bundestagsverwaltung ein und trieb den Umbau des Reichstags voran – inklusive der heute ikonischen gläsernen Kuppel. Ihre Amtszeit war nicht frei von Affären. 1991 sorgte eine Dienstwagenaffäre um ihren Ehemann für Schlagzeilen, 1996 der Vorwurf, sie habe Maschinen der Bundeswehr für private Reisen genutzt. Politisch überstand sie beide Krisen. Nach der Wahlniederlage der Union 1998 verlor Süssmuth das Präsidentinnenamt und schied aus den Führungsgremien der CDU aus. Politisch aktiv blieb sie dennoch. 2000 übernahm sie unter der rot-grünen Bundesregierung von Gerhard Schröder den Vorsitz der später nach ihr benannten Zuwanderungskommission. Deren Bericht stellte fest: »Deutschland braucht Zuwanderinnen und Zuwanderer.« Viele Vorschläge der Kommission wurden nie vollständig umgesetzt und stießen in der Union auf heftigen Widerstand. Auch nach ihrem Ausscheiden aus dem Bundestag 2002 setzte sich Süssmuth weiter für Frauenrechte ein. Mit der Initiative »Parität jetzt!« kämpfte sie für eine gleichberechtigte Vertretung von Frauen im Parlament. Der Frauenanteil im Bundestag lag nach der Wahl 2025 bei 32,4 Prozent – ein Wert, den sie als unzureichend kritisiert hatte. Verbittert über politische Rückschläge zeigte sich Süssmuth nie. Gegenüber der »Süddeutschen Zeitung« erwähnte sie, sie habe sich das Motto von Samuel Beckett zu eigen gemacht: »Scheitern, weitermachen, noch mal scheitern, besser scheitern.« Dieser Satz beschreibt auch ihr politisches Selbstverständnis – beharrlich, streitbar und auf Veränderung gerichtet. Agenturen/nd Wir haben einen Preis. Aber keinen Gewinn. Die »nd.Genossenschaft« gehört den Menschen, die sie ermöglichen: unseren Leser*innen und Autor*innen. Sie sind es, die mit ihrem Beitrag linken Journalismus für alle sichern: ohne Gewinnmaximierung, Medienkonzern oder Tech-Milliardär. 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1. Februar
ZDF heute

Ehemalige Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth gestorben

CDU-Politikerin:Ehemalige Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth gestorben Rita Süssmuth, ehemalige Bundestagspräsidentin und Bundesministerin, ist tot. Sie starb im Alter von 88 Jahren. Bundeskanzler Merz würdigt sie: "Dieses Land verdankt ihr viel." Rita Süssmuth, ehemalige Bundestagspräsidentin und Bundesministerin, ist tot. Sie starb im Alter von 88 Jahren, wie Bundestagspräsidentin Julia Klöckner am Sonntag mitteilte. Im Juni 2024 hatte sie eine Brustkrebserkrankung öffentlich gemacht. Klöckner würdigte sie als "eine der bedeutendsten Politikerinnen der Bundesrepublik". Rita Süssmuths markante Stimme wird unserem Land fehlen. Was sie erreicht hat, wird bleiben. Julia Klöckner, Bundestagspräsidentin Ex-Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth ist tot. Sie wurde 88 Jahre alt. Quelle: Peter FrischmuthKanzler Merz: Deutschland verdankt Süssmuth viel Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) würdigt Süssmuth in einer Pressemitteilung: "Für eine moderne und offene Gesellschaft hat sie beispielhaft gekämpft und Maßstäbe für Toleranz und Weltoffenheit gesetzt." Dieses Land verdankt ihr viel. Friedrich Merz, Bundeskanzler Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erinnerte an Rita Süssmuth als "großartige Frau und eine leidenschaftliche Kämpferin für die Demokratie". In einem Kondolenzschreiben an die Tochter von Süssmuth hieß es, "Rita Süssmuth ist stets vorweg gegangen, war Vordenkerin, Vorkämpferin und Vorbild, insbesondere auch für viele Frauen." Das teilte das Bundespräsidialamt mit. Weiter schrieb er: Mit ihrem Engagement und ihrer Strahlkraft hat sie viele Frauen inspiriert, sich einen Platz an der Spitze von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zu erobern. Frank-Walter Steinmeier, Bundespräsident Süssmuth: Deutschlands erste Bundesfrauenministerin Geboren wurde Süssmuth 1937 in Wuppertal. Mit 34 Jahren wurde sie Professorin der Erziehungswissenschaften. Sie war in den 1970er Jahren Lehrstuhlinhaberin an der Universität Dortmund; zugleich wirkte sie in verschiedenen Gremien des Familienministeriums mit. 1981 trat sie in die CDU ein und wurde unter dem damaligen Kanzler Helmut Kohl 1985 Bundesministerin für Jugend, Familie und Gesundheit. Ein Jahr später wurde ihr zusätzlich das Ressort Frauen zugesprochen. So wurde sie Deutschlands erste Bundesfrauenministerin. 2024 sprach Rita Süssmuth im ZDF-Morgenmagazin über ihr Buch "Über Mut". 23.07.2024 | 10:56 minZweite Bundestagspräsidentin Von 1988 bis 1998 war sie als zweite Frau nach Annemarie Renger (SPD) Bundestagspräsidentin. In dieser Funktion setzte sie sich beherzt für die Verhüllung des Reichstagsgebäudes durch das Künstlerehepaar Christo und Jeanne-Claude im Sommer 1995 ein. Während ihrer politischen Karriere setzte sich die CDU-Politikerin unter anderem für die Reform des Abtreibungsparagrafen 218 ein und engagierte sich für Aids-Kranke. Dabei gelang es ihr nach harten Kämpfen, den Grundsatz "Prävention statt Ausgrenzung" durchzusetzen. Instagram-Post von Julia Klöckner Erst wenn Sie hier klicken, werden Bilder und andere Daten von Instagram nachgeladen. Ihre IP-Adresse wird dabei an externe Server von Instagram übertragen. Über den Datenschutz dieses Social Media-Anbieters können Sie sich auf der Seite von Instagram informieren. Um Ihre künftigen Besuche zu erleichtern, speichern wir Ihre Zustimmung in den Datenschutzeinstellungen. Ihre Zustimmung können Sie im Bereich „Meine News“ jederzeit widerrufen. Engagement über politische Karriere hinaus Auch nach ihrer politischen Karriere übernahm Süssmuth weiterhin zahlreiche öffentliche Ämter. 2003 wurde sie in die neu gegründete Beratende Kommission im Zusammenhang mit der Rückgabe NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturguts, insbesondere aus jüdischem Besitz ("Limbach-Kommission") berufen. Seit 2005 war sie Präsidentin des Deutschen Polen-Instituts, dessen Ehrenpräsidentin sie zuletzt war. Ebenso war Rita Süssmuth über 27 Jahre die Präsidentin des Deutschen Volkshochschulverbandes, seit 2015 Ehrenpräsidentin des Verbandes.

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1. Februar
Deutschlandfunk

Ehemalige Bundestagspräsidentin - Rita Süssmuth gestorben - Würdigungen durch Staatsspitze

Süssmuth war Professorin der Erziehungswissenschaften, bevor sie 1981 in die CDU eintrat. 1985 wurde sie unter dem damaligen Bundeskanzler Kohl zunächst Ministerin für Jugend, Familie und Gesundheit. Ein Jahr später wurde ihr zusätzlich das Ressort Frauen zugesprochen, wodurch sie Deutschlands erste Ministerin mit dieser Zuständigkeit wurde. Unter Süssmuth wurde der Anspruch aller Mütter und Väter auf Erziehungsgeld eingeführt, wurden erstmals Kindererziehungszeiten in der Rente anerkannt und der steuerliche Kinderfreibetrag spürbar angehoben. Süssmuth machte sich für die Wahlfreiheit der Frauen zwischen Familie und Beruf stark. Von 1988 bis 1998 war sie schließlich Bundestagspräsidentin. In ihrer politischen Karriere setzte sich Süssmuth unter anderem für die Reform des Abtreibungsparagrafen 218 ein und engagierte sich für Aids-Kranke. Ihre Prämisse lautete: "Wir bekämpfen die Krankheit, nicht die Infizierten." Auch war sie Ehrenvorsitzende der Deutschen Aids-Stiftung. Mitte der 1990er Jahre war Süssmuth zudem die erste prominente CDU-Politikerin, die ein Bekenntnis zu Deutschland als Einwanderungsland forderte. Lesen Sie zu dem Thema auch unseren Nachruf ”Zum Tode von Rita Süssmuth - Kämpferin für die Frauen”. "Vordenkerin, Leitstern und Vorbild" In der Würdigung Klöckners bezeichnete sie ihre Parteifreundin als leidenschaftliche Vordenkerin in der Frauen- und Familienpolitik, die die Gleichberechtigung von Frauen vorangetrieben habe: "Bis zuletzt setzte sie sich mit scheinbar unbegrenzter Energie für mehr Repräsentanz von Frauen in Parlamenten ein. Ihr Elan und ihre Beharrlichkeit haben zahllose Menschen in Deutschland beeindruckt - und auch inspiriert.“ Bundeskanzler Merz nannte Süssmuth eine "große Politikerin" und einen "Leitstern für unser demokratisches Gemeinwesen". Sie sei "Vorbild und auch Vorkämpferin, nicht zuletzt für die Gleichberechtigung und die politische Wirkkraft von Frauen" gewesen und habe "beispielhaft für eine moderne und offene Gesellschaft gekämpft und Maßstäbe für Toleranz und Weltoffenheit" gesetzt. "'Wer nicht kämpft, hat schon verloren' – das war die Maxime Ihrer Mutter, es war die Leitschnur ihres Handelns", schrieb Bundespräsident Steinmeier in einem Kondolenzschreiben an die Tochter der Verstorbenen. "Mit ihrem Mut, ihrer Beharrlichkeit, ihrem Humor und ihrer Überzeugungskraft hat sie maßgeblich dazu beigetragen, in unserem Land Schritt für Schritt mehr Gleichberechtigung in die Tat umzusetzen." Süssmuth selbst sagte einmal der "Süddeutschen Zeitung" vor einigen Jahren, sie habe sich das Motto von Samuel Beckett zu eigen gemacht: "Scheitern, weitermachen, nochmal scheitern, besser scheitern, weitermachen". Diese Nachricht wurde am 02.02.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.

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1. Februar
Der Spiegel (Politik)

Rita Süssmuth: Ministerin, Bundestagspräsidentin – und ihrer Zeit voraus

Sie war eine Vorkämpferin für ein modernes Familienbild und die Gleichberechtigung von Frauen. Damit überforderte sie oft auch ihre Partei, die CDU. Nun ist Rita Süssmuth (hier 2025) gestorben. Foto: Kira Hofmann / AA / IMAGOBundespräsident Richard von Weizsäcker übergibt Ministerin Rita Süssmuth nach der Bundestagswahl 1987 in Bonn die Ernennungsurkunde. Manchmal kann ein einziges Wort schon ein politisches Programm sein. Als Süssmuth im September 1985 Heiner Geißler beerbte, lautete der Name ihres Ressorts noch »Bundesministerium für Jugend, Familie und Gesundheit«. Es dauerte ein Jahr, dann wurde daraus das »Bundesministerium für Jugend, Familie, Frauen und Gesundheit«. Foto: Heinrich Sanden / dpa / picture allianceAls Bundeskanzler Helmut Kohl 1985 Süssmuth auf Vorschlag Geißlers in sein Kabinett aufnahm, war das eine handfeste Überraschung. Die 48-Jährige gehörte der CDU erst seit vier Jahren an. Als Vorsitzende des Bundesfachausschusses Familienpolitik war sie Fachpolitikern bekannt, sonst aber kaum jemandem. Hier sind Kohl und Süssmuth 1988 zu sehen. Foto: Heinrich Sanden / dpaUnter Süssmuth wurde der Anspruch aller Mütter und Väter auf Erziehungsgeld eingeführt, wurden erstmals Kindererziehungszeiten in der Rente anerkannt und der steuerliche Kinderfreibetrag spürbar angehoben. Süssmuth machte sich für die Wahlfreiheit der Frauen zwischen Familie und Beruf stark, trat für ein liberaleres Abtreibungsrecht ein, kämpfte gegen die Ausgrenzung von Aids-Kranken und für die Legalisierung gleichgeschlechtlicher Beziehungen. Hier ist sie mit Kohl im Jahr 1990 zu sehen. Foto: Rainer Unkel / IMAGOIn der damals noch konservativeren Union vertrat sie damit oft Minderheitspositionen. Sie war der Partei gesellschaftspolitisch manchmal um Jahre voraus. Das galt auch für innerparteiliche Fragen wie die Einführung einer Frauenquote in der »Altherrenriege« CDU (O-Ton Süssmuth), für die sie schon 1995 beim Parteitag in Karlsruhe stritt. Erst 2022 beschloss die CDU die Quote. Foto: Sepp Spiegl / IMAGOMit ihrer selbstbewusst vertretenen Politik sorgte Süssmuth in den eigenen Reihen immer wieder für Unruhe. Auch mit Kohl (hier 1997), dessen Ära als Kanzler sie mitprägte, trug sie manche Kontroverse aus. Foto: Nicole Maskus / dpaBundestagspräsidentin Rita Süssmuth im Bundestag in Bonn (1997): Als dessen Präsidentin von 1988 bis 1998 organisierte sie den Umzug von Bonn nach Berlin, gegen den sie selbst gestimmt hatte, und leitete die mit der deutschen Einheit notwendig gewordene Parlamentsreform ein. Foto: IMAGOIhr Amt als Bundestagspräsidentin verlor sie 1998 mit dem Regierungswechsel, auch aus den Führungsgremien der CDU schied sie aus, behielt nur ihr Abgeordnetenmandat. Aber sie blieb gefragt. So bat im Jahr 2000 SPD-Kanzler Gerhard Schröder sie, den Vorsitz der Kommission Zuwanderung zu übernehmen. Das bald Süssmuth-Kommission genannte Gremium stellte ein Jahr später in seinem Bericht fest: »Deutschland braucht Zuwanderinnen und Zuwanderer.« Süssmuth (hier 2006) selbst sagte: »Deutschland ist seit Langem ein Einwanderungsland.« Auch das empfanden viele in der Union als Affront. Die Union erklärte den Bericht – und damit auch Süssmuths Position – umgehend für »nicht zustimmungsfähig«. Foto: Stefan Zeitz / IMAGOSüssmuth bei einer Rede 2019: Mit dem Ausscheiden aus dem Bundestag 2002 setzte sich Süssmuth nicht zur Ruhe. So kämpfte sie für die gleichberechtigte Vertretung von Frauen im Bundestag, rief dafür die Initiative »Parität jetzt!« ins Leben. Foto: Tobias Schwarz / AFP

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1. Februar
Süddeutsche Zeitung (Politik)

CDU: Rita Süssmuth ist tot

Rita Süssmuth, ehemalige Bundestagspräsidentin und Bundesministerin, ist tot. Sie starb im Alter von 88 Jahren, wie Bundestagspräsidentin Julia Klöckner am Sonntag mitteilte. Im Juni 2024 hatte sie eine Brustkrebserkrankung öffentlich gemacht. Klöckner würdigte sie als „eine der bedeutendsten Politikerinnen der Bundesrepublik“. Die SZ-Redaktion hat diesen Artikel mit einem Inhalt von X Corp. angereichert Um Ihre Daten zu schützen, wurde er nicht ohne Ihre Zustimmung geladen. Ich bin damit einverstanden, dass mir Inhalte von X Corp. angezeigt werden. Damit werden personenbezogene Daten an den Betreiber des Portals zur Nutzungsanalyse übermittelt. Mehr Informationen und eine Widerrufsmöglichkeit finden Sie unter sz.de/datenschutz. Geboren wurde Süssmuth 1937 in Wuppertal. Mit 34 Jahren wurde sie Professorin der Erziehungswissenschaften. Sie war in den 1970er-Jahren Lehrstuhlinhaberin an der Universität Dortmund; zugleich wirkte sie in verschiedenen Gremien des Familienministeriums mit. 1981 trat sie in die CDU ein und wurde unter dem damaligen Kanzler Helmut Kohl 1985 Bundesministerin für Jugend, Familie und Gesundheit. Ein Jahr später wurde ihr zusätzlich das Ressort Frauen zugesprochen. So wurde sie Deutschlands erste Bundesfrauenministerin. Von 1988 bis 1998 war sie als zweite Frau nach Annemarie Renger (SPD) Bundestagspräsidentin. In dieser Funktion setzte sie sich beherzt für die Verhüllung des Reichstagsgebäudes durch das Künstlerehepaar Christo und Jeanne-Claude im Sommer 1995 ein. Während ihrer politischen Karriere setzte sich die CDU-Politikerin unter anderem für die Reform des Abtreibungsparagrafen 218 ein und engagierte sich für Aids-Kranke. Dabei gelang es ihr nach harten Kämpfen, den Grundsatz „Prävention statt Ausgrenzung“ durchzusetzen. Süssmuth forderte Bekenntnis zu Deutschland als Einwanderungsland Auch in der in ihrer Partei sehr umstrittenen Migrationspolitik setzte die Politikerin Schwerpunkte: Bereits Mitte der 1990er-Jahre war sie die erste prominente CDU-Politikerin, die ein Bekenntnis zu Deutschland als Einwanderungsland forderte. Von 2000 leitete sie bis 2001 die von der rot-grünen Bundesregierung eingesetzte Zuwanderungskommission. Von 2002 bis 2004 übernahm sie den Vorsitz des von Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) gebildeten Sachverständigenrates für Zuwanderung und Integration. Von 2003 bis 2005 arbeitete sie in der Global Commission on International Migration mit, die die UNO eingesetzt hatte. Auch nach ihrer politischen Karriere übernahm Süssmuth weiterhin zahlreiche öffentliche Ämter. 2003 wurde sie in die neu gegründete Beratende Kommission im Zusammenhang mit der Rückgabe NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturguts, insbesondere aus jüdischem Besitz („Limbach-Kommission“) berufen. Seit 2005 war sie Präsidentin des Deutschen Polen-Instituts, dessen Ehrenpräsidentin sie zuletzt war. Ebenso war Rita Süssmuth mehr als 27 Jahre lang die Präsidentin des Deutschen Volkshochschulverbandes, seit 2015 Ehrenpräsidentin des Verbandes. Auch als Katholikin engagierte sich Süssmuth. So leitete sie die Kommission „Ehe und Familie“ beim Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) und amtierte von 1980 bis 1985 als Vizepräsidentin des Familienbundes der Katholiken.

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1. Februar
Der Spiegel (Politik)

Rita Süssmuth: Reaktionen auf den Tod der Politikerin - »hat Frauen den Weg geebnet«

Trauer um Rita Süssmuth »Sie hat für Frauen in der Politik den Weg geebnet« Mit ihrem modernen Familien- und Frauenbild war Politikerin Rita Süssmuth in der Ära Kohl vielen in der Union weit voraus. Der Tod der früheren Bundestagspräsidentin im Alter von 88 Jahren löst große Anteilnahme in der deutschen Politik und darüber hinaus aus. Christdemokratin Süssmuth gehörte dem Deutschen Bundestag von 1987 bis 2002 an und war von 1988 bis 1998 dessen Präsidentin. Bundeskanzler Friedrich Merz würdigte Süssmuth als »große Politikerin« und einen »Leitstern für unser demokratisches Gemeinwesen«. Die am Sonntag im Alter von 88 Jahren gestorbene CDU-Politikerin habe sich »lebenslang für Deutschland engagiert«, erklärte Merz. Das Land verdanke ihr viel. Sie sei »Vorbild und auch Vorkämpferin, nicht zuletzt für die Gleichberechtigung und die politische Wirkkraft von Frauen« gewesen, erklärte Merz. Bundestagspräsidentin Julia Klöckner zeigte sich »tief bewegt« von der Nachricht von Süssmuths Tod. »Im Namen des Deutschen Bundestages verneige ich mich vor einer politischen Ausnahmeerscheinung«, so Klöckner. Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) teilte mit, man habe eine »überzeugte, mutige und charismatische Vorkämpferin für Gleichberechtigung und sozialen Zusammenhalt« verloren. »Sie hat für Frauen in der Politik den Weg geebnet.« Persönlich sei Süssmuth für sie ein Vorbild gewesen. NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) bezeichnete Süssmuth als »eine wirkliche Pionierin der Chancengleichheit und eine große Architektin einer gerechten und weltoffenen Gesellschaft«. Ein »großes Vorbild« nannte auch Frauenministerin Karin Prien (CDU) Rita Süssmuth. »Ihre Stimme wird fehlen.« Auch Ex-Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet trauerte öffentlich um »eine der beeindruckendsten Frauen, die ich je erlebt habe«. Süssmuth habe »gegen Widerstände unendlich viel bewegt«. Das ist ein sehr trauriger Tag! Rita Süssmuth ist tot. Als junger Redenschreiber lernte ich sie vor fast 40 Jahren kenne. Sie ist eine der beeindruckendsten Frauen, die ich je erlebt habe. Sie hat gekämpft für eine menschliche Gesellschaft und Versöhnung. Sie war fröhlich, voller… pic.twitter.com/gyOcKxzue3 — Armin Laschet (@ArminLaschet) February 1, 2026 Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung. Niedersachsens CDU-Chef Sebastian Lechner würdigte Süssmuth als »prägende Stimme der Einheit« und »der Frauenpolitik«. Deutschland verliere eine große Demokratin. Bei der Bundestagswahl 1987 kandidierte Süssmuth erstmals im Wahlkreis Göttingen, den sie dann dreimal hintereinander direkt gewann. 1998 zog sie über die Landesliste Niedersachsen der CDU letztmals in den Bundestag ein. Auch außerhalb der Union zollten zahlreiche Politiker und Politikerinnen Süssmuth Respekt. SPD-Chefin Bärbel Bas sagte, Süssmuth habe Frauen ermutigt, politische Verantwortung zu übernehmen. Sie selbst habe gezeigt, dass Führungspositionen selbstverständlich auch von Frauen ausgefüllt werden. »Damit war sie Vorbild, Wegbereiterin und Ermutigung über Parteigrenzen hinweg und hinterlässt eine große Lücke.« SPD-Fraktionschef Matthias Miersch nannte Süssmuth »eine herausragende Demokratin«. Manuela Schwesig (SPD), Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, teilte mit : »Ich bin sehr betroffen vom Tod von Rita Süssmuth. Sie war eine unermüdliche Kämpferin für die Rechte von Frauen.« Grünenpolitikerin Britta Haßelmann schrieb : »Ich bin dankbar, Rita Süssmuth gekannt zu haben.« Haßelmanns Parteikollegin Katrin Göring-Eckardt erinnert sich an die Verstorbene als »mutige wunderbare Person, Frau, Politikerin. Ich hab viel von ihr gelernt, konnte mit ihr lachen und manchmal auch kämpfen.«

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1. Februar
Der Spiegel (Politik)

Rita Süssmuth: Ex-Bundestagspräsidentin gestorben

CDU-Politikerin Ex-Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth gestorben Die frühere Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth ist tot. Die CDU-Politikerin starb im Alter von 88 Jahren, wie der Bundestag mitteilte und eine CDU-Sprecherin bestätigte. Süssmuth gehörte dem Deutschen Bundestag von 1987 bis 2002 an und war von 1988 bis 1998 dessen Präsidentin. Süssmuth hatte sich vor allem für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen in Politik, Beruf und Gesellschaft eingesetzt. Bundestagspräsidentin Julia Klöckner zeigte sich »tief bewegt« von der Nachricht von Süssmuths Tod. »Im Namen des Deutschen Bundestages verneige ich mich vor einer politischen Ausnahmeerscheinung«, so Klöckner. Unbekannte Seiteneinsteigerin Süssmuth kam als Seiteneinsteigerin in die Politik. Als der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) sie 1985 als Nachfolgerin von Heiner Geißler (CDU) zur Bundesministerin für Jugend, Familie und Gesundheit berief, war sie in der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt. Sie war erst vier Jahre zuvor in die CDU eingetreten und bis dahin nach außen kaum in Erscheinung getreten. Im Ministeramt erwarb sie sich aber schnell großes Ansehen. In Umfragen erzielte sie hohe Beliebtheitswerte und wurde bald »lovely Rita« genannt. Süssmuth kam am 17. Februar 1937 in Wuppertal als Tochter eines Lehrers zur Welt. Sie studierte Romanistik und Geschichte. Anschließend hängte sie ein Postgraduiertenstudium der Erziehungswissenschaften, Soziologie und Psychologie an. Süssmuth schlug die wissenschaftliche Laufbahn ein, wurde Professorin für Erziehungswissenschaften zunächst in Bochum und später an der Universität Dortmund. Nach ihrer Berufung zur Bundesministerin kandidierte Süssmuth 1987 erstmals für den Bundestag. Sie errang auf Anhieb das Direktmandat im Wahlkreis Göttingen, das sie 1990 und 1994 verteidigte. 1998 reichte es für ein Mandat über die CDU-Landesliste Niedersachsen. Erst zweite Frau an der Spitze des Bundestages Mit ihrem modernen Familien- und Frauenbild war Süssmuth vielen in der Union weit voraus. Sie eckte an – auch bei Kohl. Dass sie Familienpolitik nicht allein auf Verheiratete konzentrieren wollte, war den Konservativen in der Union suspekt. Ihr Einsatz für die Reform des Abtreibungsparagrafen 218 brachte ihr vehemente Kritik aus den eigenen Reihen ein. Das galt auch für ihre Linie bei der sich ausbreitenden Immunschwächekrankheit Aids. »Die Krankheit bekämpfen und nicht die Kranken«, lautete ihre Maxime. 1988 folgte die CDU-Politikerin Philipp Jenninger an der Spitze des Bundestages nach, der wegen einer missglückten Rede zur Pogromnacht zurücktreten musste. Sie war erst die zweite Bundestagspräsidentin nach Annemarie Renger (SPD). Unter ihrer Führung wurde der Bundestag nach der Wiedervereinigung zum gesamtdeutschen Parlament und vollzog den Umzug von Bonn nach Berlin. - Rita Süssmuth über Frauen in der Politik: »Sonst müssen wir für alles Gesetze haben – aber hier brauchen wir keine?« - Kindheit im Krieg: Wie Rita Süssmuth mit ihren Traumata umgeht Aufgezeichnet von Annette Goos und Hauke Goos - CDU-Politikerin Süssmuth zieht Bilanz: "Bedenke, Rita, der andere könnte auch recht haben" Ein Interview von Cordula Meyer und Katja Thimm Engagiert blieb Süssmuth auch nach ihrem Ausscheiden aus dem Bundestag und der aktiven Politik 2002. Sie setzte sich in der von älteren Männern geprägten CDU resolut für eine Frauenquote ein. Auch den Frauenanteil im Bundestag – 32,4 Prozent in der 21. Wahlperiode – hielt Süssmuth für viel zu niedrig und kämpfte daher für Parität.

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1. Februar
Die Zeit (Politik)

Rita Süssmuth: Ihr Motor war Gerechtigkeit

Sie vermittelte das Gefühl, die Zeit laufe ihr davon. Nicht erst in diesen letzten Jahren, als die Krankheit sich meldete, der Krebs. Die Ungeduld trieb Rita Süssmuth an, seit sie denken konnte, so hat sie es Ende Mai 2024 erzählt im Esszimmer des Bungalows in Neuss-Süd, wo sie wohnte. Eine Selbstbeschreibung, die ja auch stimmte: Rita Süssmuth war keine, die sich mit Verhältnissen arrangierte, in Komfortzonen einrichtete, im Ruhestand auf der Couch dämmerte. Sie brachte lieber Dinge in Bewegung, preschte auch vor: als CDU-Mitglied; als Quereinsteigerin im Politikbetrieb; als erste Frauenministerin der Bundesrepublik; als Gründerin der Aids-Stiftung; als Bundestagspräsidentin; als Autorin von Büchern mit Titeln wie "Überlasst die Welt nicht den Wahnsinnigen." Auch als schon 87 Jahre alte Festrednerin zum Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober 2024 in der Frankfurter Paulskirche, einem ihrer letzten großen Auftritte, – auch da war Süssmuths Rastlosigkeit zu erleben: "Demokratie ist nicht gottgegeben", drängelte sie. Da hatte Donald Trump die Wahl in den USA noch nicht wieder gewonnen, da hatte er die demokratischen Institutionen der Vereinigten Staaten noch nicht attackiert, war Kanada und den Europäern noch nicht in den Rücken gefallen, hatte Grönland noch nicht mit Übernahme gedroht, hatte noch keine ICE-Agenten in die Stadt Minneapolis geschickt, der Welt mit der Angst vor Krieg und anderen Katastrophen noch nicht den Schlaf geraubt. Aber Rita Süssmuth stand schon Monate vorher am deutschen Nationalfeiertag 2024 in der Paulskirche und sagte laut ins Mikrofon, dass es in bestimmten Momenten Klarheit und Entschlossenheit brauche. Sie erinnerte, dass es der Mut der Menschen gewesen sei, der 1989 die Wende herbeigeführt habe. Süssmuth mahnte: "Wenn wir jetzt zwischen nationalistischem und europäischem Denken herumhampeln, dann haben wir nicht verstanden, was das wert war." Sätze, die unverblümt waren und die einen Auftrag mitbringen, die konnte sie gut. Vor allem von sich selbst verlangte Rita Süssmuth, diese Aufgaben erfüllen zu müssen. Wer in ihr Leben schaut, sieht eine Lokomotive, die hinaufschiebt, hinausmuss, vorwärts, ohne Pause. Leicht war es nicht. Den Mut dafür hat Rita Süssmuth sich selbst beigebracht. Als die Mutter krank ist, schultern Rita und ihre Schwestern Verantwortung Das geht schon in der Kindheit los: 1937 in Wuppertal geboren, das zweite von insgesamt fünf Kindern, Vater Rektor einer Volksschule, Mutter im elterlichen Uhren- und Schmuckgeschäft, alle katholisch. Der Vater wird 1939 zur Wehrmacht eingezogen. Als er im Herbst 1945 aus britischer Kriegsgefangenschaft nach Hause kommt, ist seine Frau seit Monaten schwer an Typhus erkrankt. Die Kinder werden von Nachbarn versorgt. Später, als die Mutter wieder schwer krank im Bett liegt, sind es die drei Töchter, die sich kümmern, den Haushalt übernehmen. Wahrscheinlich hat Rita Süssmuth irgendwann da begonnen, die aufgeladene Verantwortung als eine Art Aufforderung zu verstehen. Diese besondere Form von Ehrgeiz begleitete sie jedenfalls seither. Nach dem Abitur will sie zuerst Lehrerin werden, gibt nebenher Nachhilfe, jobbt in einer Fabrik, geht als Au-pair nach Paris, liest Jean-Paul Sartre. Sie startet eine Unikarriere, schreibt ihre Dissertation, heiratet den jungen Mann, den sie ein paar Jahre vorher bei einer Abifeier kennengelernt hat und der jetzt Referendar ist: Hans Süssmuth. Die Tochter kommt zur Welt. Und wie herausfordernd es sein kann, ein Kleinkind großzuziehen, wenn beide einer Hochschultätigkeit nachgehen, hat Rita Süssmuth da gelernt, so erzählte sie das später. Eine Erfahrung, die sie mitgenommen hat auf ihren Weg. Man kann sagen: Der Zug war aufs Gleis gesetzt. Süssmuth arbeitete schon als Professorin für Erziehungswissenschaft an der Uni Dortmund und Direktorin des Forschungsinstituts Frau und Gesellschaft und Vizepräsidentin des Familienbundes der Deutschen Katholiken, als plötzlich der Anruf aus dem Kanzleramt kam. Süssmuth hatte nicht damit gerechnet.

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1. Februar
Die Zeit (Politik)

Rita Süssmuth: Frühere Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth ist tot

Die ehemalige Bundestagspräsidentin und Ministerin Rita Süssmuth ist tot. Wie die amtierende Bundestagspräsidentin Julia Klöckner mitteilte, starb sie im Alter von 88 Jahren. Im Juni 2024 hatte Süssmuth eine Brustkrebserkrankung öffentlich gemacht. Klöckner schrieb in ihrer Mitteilung: "Die Nachricht vom Tod von Prof. Dr. Rita Süssmuth bewegt mich tief. Im Namen des Deutschen Bundestages verneige ich mich vor einer politischen Ausnahmeerscheinung." Sie würdigte Süssmuth zudem als "eine der bedeutendsten Politikerinnen der Bundesrepublik". Auch Bundeskanzler Friedrich Merz äußerte sich betroffen über den Tod von Rita Süssmuth. In einer Mitteilung würdigte er sie als "große Politikerin" und "Leitstern für unser demokratisches Gemeinwesen". Süssmuth habe sich ihr Leben lang für Deutschland eingesetzt, schrieb der Kanzler. Als Bundesministerin und Präsidentin des Deutschen Bundestages sei sie "Vorbild und Vorkämpferin" gewesen – "nicht zuletzt für die Gleichberechtigung und die politische Wirkkraft von Frauen". Sie habe beispielhaft für eine moderne, offene Gesellschaft gekämpft und Maßstäbe für Toleranz und Weltoffenheit gesetzt. Deutschland verdanke ihr viel, schrieb der CDU-Vorsitzende. Süssmuth ging erst spät in die Politik Süssmuth wurde 1937 in Wuppertal geboren. Mit 34 Jahren wurde sie Professorin der Erziehungswissenschaften und war in den 1970er-Jahren Lehrstuhlinhaberin an der Universität Dortmund. 1981 trat sie in die CDU ein und wurde unter dem damaligen Kanzler Helmut Kohl 1985 Bundesministerin für Jugend, Familie und Gesundheit. Ein Jahr später wurde ihr zusätzlich das Ressort Frauen zugesprochen. So wurde sie Deutschlands erste Bundesfrauenministerin. Nach ihrer Berufung zur Bundesministerin kandidierte Süssmuth 1987 erstmals für den Bundestag. Sie errang auf Anhieb das Direktmandat im Wahlkreis Göttingen, das sie 1990 und 1994 verteidigte. 1998 reichte es nur für ein Mandat über die CDU-Landesliste Niedersachsen. Als Ministerin machte Süssmuth sich für die Wahlfreiheit der Frauen zwischen Familie und Beruf stark, trat für ein liberaleres Abtreibungsrecht ein, kämpfte gegen die Ausgrenzung von Aidskranken und für die Legalisierung gleichgeschlechtlicher Beziehungen. Organisierte den Parlamentsumzug von Bonn nach Berlin Von 1988 bis 1998 war sie als zweite Frau nach Annemarie Renger (SPD) Bundestagspräsidentin. In dieser Funktion organisierte sie den Umzug von Bonn nach Berlin, gegen den sie selbst gestimmt hatte, und leitete die mit der deutschen Einheit notwendig gewordene Parlamentsreform ein. Außerdem setzte sie sich für die Verhüllung des Reichstagsgebäudes durch das Künstlerehepaar Christo und Jeanne-Claude im Sommer 1995 ein. Allerdings sind mit ihrem Namen auch zwei Affären verbunden, die sie beide überstand. 1991 die Dienstwagenaffäre, weil ihr Mann einen Parlamentswagen genutzt haben soll. 1996 der Vorwurf, dass sie die Flugbereitschaft der Bundeswehr für private Besuche ihrer Tochter nutzte. Das Ende der Ära Kohl läutete auch ihr Ende in der CDU ein. Ihr Amt als Bundestagspräsidentin verlor sie 1998 mit dem Regierungswechsel. Auch aus den Führungsgremien der CDU schied sie aus und behielt nur ihr Abgeordnetenmandat. Süssmuth-Kommission brachte ihr viel Kritik in der Union ein Aber als Oppositionspolitikerin blieb sie gefragt. So bat sie im Jahr 2000 Kanzler Gerhard Schröder, den Vorsitz der Kommission Zuwanderung zu übernehmen. Das bald Süssmuth-Kommission genannte Gremium stellte ein Jahr später in seinem Bericht fest: "Deutschland braucht Zuwanderinnen und Zuwanderer." Süssmuth selbst sagte: "Deutschland ist seit Langem ein Einwanderungsland." Auch das empfanden viele in der Union als Affront. Die Union erklärte den Bericht – und damit auch Süssmuths Position – umgehend für "nicht zustimmungsfähig". Süssmuth schied im Jahr 2002 nach 25 Jahren aus dem Bundestag aus. Im April 2025 gab sie der ZEIT zuletzt ein Interview.

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1. Februar
Die Welt (Politik)

Ehemalige Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth gestorben

Ehemalige Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth gestorben Die frühere Bundesministerin Rita Süssmuth ist im Alter von 88 Jahren gestorben. Bundestagspräsidentin Julia Klöckner würdigte sie als „eine der bedeutendsten Politikerinnen der Bundesrepublik“, die sich unter anderem für Frauenrechte einsetzte. Die frühere Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth ist tot. Die CDU-Politikerin starb im Alter von 88 Jahren, wie der Bundestag mitteilte und eine CDU-Sprecherin bestätigte. Süssmuth gehörte dem Deutschen Bundestag von 1987 bis 2002 an und war von 1988 bis 1998 dessen Präsidentin. Süssmuth hatte sich vor allem eingesetzt für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen in Politik, Beruf und Gesellschaft. Bundestagspräsidentin Julia Klöckner zeigte sich „tief bewegt“ von der Nachricht von Süssmuths Tod. „Im Namen des Deutschen Bundestages verneige ich mich vor einer politischen Ausnahmeerscheinung“, so Klöckner. Unbekannte Seiteneinsteigerin wurde rasch populär Süssmuth kam als Seiteneinsteigerin in die Politik. Als der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) sie 1985 als Nachfolgerin von Heiner Geißler (CDU) zur Bundesministerin für Jugend, Familie und Gesundheit berief, war sie in der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt. Sie war erst vier Jahre zuvor in die CDU eingetreten und bis dahin nach außen kaum in Erscheinung getreten. Im Ministeramt erwarb sie sich aber schnell großes Ansehen. In Umfragen erzielte sie hohe Beliebtheitswerte und wurde bald „lovely Rita“ genannt. Süssmuth kam am 17. Februar 1937 in Wuppertal als Tochter eines Lehrers zur Welt. Sie studierte Romanistik und Geschichte. Anschließend hängte sie ein Postgraduiertenstudium der Erziehungswissenschaften, Soziologie und Psychologie an. Süssmuth schlug die wissenschaftliche Laufbahn ein, wurde Professorin für Erziehungswissenschaften zunächst in Bochum und später an der Universität Dortmund. Nach ihrer Berufung zur Bundesministerin kandidierte Süssmuth 1987 erstmals für den Bundestag. Sie errang auf Anhieb das Direktmandat im Wahlkreis Göttingen, das sie 1990 und 1994 verteidigte. 1998 reichte es nur für ein Mandat über die CDU-Landesliste Niedersachsen. Mit ihrem modernen Familien- und Frauenbild war Süssmuth vielen in der Union weit voraus. Sie eckte an – auch bei Kohl. Dass sie Familienpolitik nicht allein auf Verheiratete konzentrieren wollte, war den Konservativen in der Union suspekt. Ihr Einsatz für die Reform des Abtreibungsparagrafen 218 brachte ihr vehemente Kritik aus den eigenen Reihen ein. Das galt auch für ihre Linie bei der sich ausbreitenden Immunschwächekrankheit Aids. „Die Krankheit bekämpfen und nicht die Kranken“, lautete ihre Maxime. 1988 folgte die CDU-Politikerin Philipp Jenninger an der Spitze des Bundestages nach, der wegen einer missglückten Rede zur Pogromnacht zurücktreten musste. Sie war erst die zweite Bundestagspräsidentin nach Annemarie Renger (SPD). Unter ihrer Führung wurde der Bundestag nach der Wiedervereinigung zum gesamtdeutschen Parlament und vollzog den Umzug von Bonn nach Berlin. Engagiert blieb Süssmuth auch nach ihrem Ausscheiden aus dem Bundestag und der aktiven Politik 2002. Sie setzte sich in der von älteren Männern geprägten CDU resolut für eine Frauenquote ein. Auch den Frauenanteil im Bundestag – 32,4 Prozent in der 21. Wahlperiode – hielt Süssmuth für viel zu niedrig und kämpfte daher für Parität. Politiker erinnern an „Vorbild“ und „Inspirationsquelle“ Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier würdigte Süssmuth als „großartige Frau und eine leidenschaftliche Kämpferin für die Demokratie“. In einem Kondolenzschreiben an die Tochter von Süssmuth hieß es, „Rita Süssmuth ist stets vorweg gegangen, war Vordenkerin, Vorkämpferin und Vorbild, insbesondere auch für viele Frauen.“ Das teilte das Bundespräsidialamt mit. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) nannte Süssmuth eine „große Politikerin“ und „Leitstern für unser demokratisches Gemeinwesen“. Sie habe sich „lebenslang für Deutschland engagiert“, das Land verdanke ihr viel. Süssmuth sei als Bundesministerin und Präsidentin des Deutschen Bundestages „Vorbild und auch Vorkämpferin, nicht zuletzt für die Gleichberechtigung und die politische Wirkkraft von Frauen“ gewesen, so Merz weiter. Sie habe „beispielhaft“ für eine moderne und offene Gesellschaft gekämpft und Maßstäbe für Toleranz und Weltoffenheit gesetzt. Bundesgesundheitsministerin und Parteifreundin Nina Warken sagte: „Der Tod von Rita Süssmuth erfüllt mich mit Trauer. Meine aufrichtige Anteilnahme gilt in diesen Stunden ihrer Familie. Wir verlieren mit Rita Süssmuth eine überzeugte, mutige und charismatische Vorkämpferin für Gleichberechtigung und sozialen Zusammenhalt.“ Süssmuth habe für Frauen in der Politik „den Weg geebnet“. Persönlich verliere sie „ein Vorbild und eine wichtige Inspirationsquelle“. Bundesbildungsministerin Karin Prien, ebenfalls CDU, sagte, Süssmuth sei „als Politikerin für Frauen und Männer ein großes Vorbild“ gewesen. „Sie hat sich über Jahrzehnte mit starker Stimme für Familien und Frauen eingesetzt, nicht nur als Familien- und Frauenministerin. Sie hat frauen- und gleichstellungspolitische Themen ganz oben auf die Agenda gesetzt, wo sie auch heute noch hingehören.“ Bis zuletzt habe sie sich in Debatten eingebracht, sei „in bester Weise streitbar und gleichzeitig Brückenbauerin“ gewesen, deren Stimme fehlen werde.

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1. Februar
Handelsblatt

CDU: Frühere Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth ist tot

CDU: Frühere Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth ist tot Berlin. Die frühere Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth ist tot. Die CDU-Politikerin starb im Alter von 88 Jahren, wie der Bundestag mitteilte und eine CDU-Sprecherin bestätigte. Süssmuth gehörte dem Deutschen Bundestag von 1987 bis 2002 an und war von 1988 bis 1998 dessen Präsidentin. Süssmuth hatte sich vor allem eingesetzt für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen in Politik, Beruf und Gesellschaft. Bundestagspräsidentin Julia Klöckner zeigte sich „tief bewegt“ von der Nachricht von Süssmuths Tod. „Im Namen des Deutschen Bundestages verneige ich mich vor einer politischen Ausnahmeerscheinung“, so Klöckner. Sie sei eine der „bedeutendsten Politikerinnen“ gewesen. Süssmuth kam als Seiteneinsteigerin in die Politik. Als der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) sie 1985 als Nachfolgerin von Heiner Geißler (CDU) zur Bundesministerin für Jugend, Familie und Gesundheit berief, war sie in der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt. Sie war erst vier Jahre zuvor in die CDU eingetreten und bis dahin nach außen kaum in Erscheinung getreten. Im Ministeramt erwarb sie sich aber schnell großes Ansehen. In Umfragen erzielte sie hohe Beliebtheitswerte und wurde bald „lovely Rita“ genannt. Süssmuth kam am 17. Februar 1937 in Wuppertal als Tochter eines Lehrers zur Welt. Sie studierte Romanistik und Geschichte. Anschließend hängte sie ein Postgraduiertenstudium der Erziehungswissenschaften, Soziologie und Psychologie an. Süssmuth schlug die wissenschaftliche Laufbahn ein, wurde Professorin für Erziehungswissenschaften, zunächst in Bochum und später an der Universität Dortmund. Nach ihrer Berufung zur Bundesministerin kandidierte Süssmuth 1987 erstmals für den Bundestag. Sie errang auf Anhieb das Direktmandat im Wahlkreis Göttingen, das sie 1990 und 1994 verteidigte. 1998 reichte es nur für ein Mandat über die CDU-Landesliste Niedersachsen. Mit Familienbild für viele in der CDU zu modern Mit ihrem modernen Familien- und Frauenbild war Süssmuth vielen in der Union weit voraus. Sie eckte an – auch bei Kohl. Dass sie Familienpolitik nicht allein auf Verheiratete konzentrieren wollte, war den Konservativen in der Union suspekt. Ihr Einsatz für die Reform des Abtreibungsparagrafen 218 brachte ihr vehemente Kritik aus den eigenen Reihen ein. Das galt auch für ihre Linie bei der sich ausbreitenden Immunschwächekrankheit Aids. „Die Krankheit bekämpfen und nicht die Kranken“, lautete ihre Maxime. 1988 folgte die CDU-Politikerin Philipp Jenninger an der Spitze des Bundestages nach, der wegen einer missglückten Rede zur Pogromnacht zurücktreten musste. Sie war erst die zweite Bundestagspräsidentin nach Annemarie Renger (SPD). Unter ihrer Führung wurde der Bundestag nach der Wiedervereinigung zum gesamtdeutschen Parlament und vollzog den Umzug von Bonn nach Berlin. Vorkämpferin für mehr Frauen in der Politik Engagiert blieb Süssmuth auch nach ihrem Ausscheiden aus dem Bundestag und der aktiven Politik 2002. Sie setzte sich in der von älteren Männern geprägten CDU resolut für eine Frauenquote ein. Auch den Frauenanteil im Bundestag – 32,4 Prozent in der 21. Wahlperiode – hielt Süssmuth für viel zu niedrig und kämpfte daher für Parität.

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1. Februar
Handelsblatt

Bundestag: Frühere Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth ist tot

Bundestag: Frühere Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth ist tot Berlin. Die frühere Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth ist tot. Die CDU-Politikerin starb im Alter von 88 Jahren, wie der Bundestag mitteilte und eine CDU-Sprecherin bestätigte. Süssmuth gehörte dem Deutschen Bundestag von 1987 bis 2002 an und war von 1988 bis 1998 dessen Präsidentin. Süssmuth hatte sich vor allem eingesetzt für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen in Politik, Beruf und Gesellschaft. Parteiübergreifend wurde Süssmuth als große Politikerin gewürdigt. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) nannte sie einen „Leitstern für unser demokratisches Gemeinwesen“, Bundestagspräsidentin Julia Klöckner eine „politische Ausnahmeerscheinung“. SPD-Chef Lars Klingbeil sagte: „Sie war ein Vorbild, über alle Parteigrenzen hinweg.“ Unbekannte Seiteneinsteigerin wurde rasch populär Süssmuth kam als Seiteneinsteigerin in die Politik. Als der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) sie 1985 als Nachfolgerin von Heiner Geißler (CDU) zur Bundesministerin für Jugend, Familie und Gesundheit berief, war sie in der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt. Sie war erst vier Jahre zuvor in die CDU eingetreten und bis dahin nach außen kaum in Erscheinung getreten. Im Ministeramt erwarb sie sich aber schnell großes Ansehen. In Umfragen erzielte sie hohe Beliebtheitswerte und wurde bald „lovely Rita“ genannt. Beginn der beruflichen Karriere im Hörsaal Süssmuth kam am 17. Februar 1937 in Wuppertal als Tochter eines Lehrers zur Welt. Sie studierte Romanistik und Geschichte. Anschließend hängte sie ein Postgraduiertenstudium der Erziehungswissenschaften, Soziologie und Psychologie an. Süssmuth schlug die wissenschaftliche Laufbahn ein, wurde Professorin für Erziehungswissenschaften zunächst in Bochum und später an der Universität Dortmund. Wahlkreis Göttingen dreimal direkt gewonnen Nach ihrer Berufung zur Bundesministerin kandidierte Süssmuth 1987 erstmals für den Bundestag. Sie errang auf Anhieb das Direktmandat im Wahlkreis Göttingen, das sie 1990 und 1994 verteidigte. 1998 reichte es nur für ein Mandat über die CDU-Landesliste Niedersachsen. Mit Familienbild für viele in der CDU zu modern Mit ihrem modernen Familien- und Frauenbild war Süssmuth vielen in der Union weit voraus. Sie eckte an - auch bei Kohl. Dass sie Familienpolitik nicht allein auf Verheiratete konzentrieren wollte, war den Konservativen in der Union suspekt. Ihr Einsatz für die Reform des Abtreibungsparagrafen 218 brachte ihr vehemente Kritik aus den eigenen Reihen ein. Das galt auch für ihre Linie bei der sich ausbreitenden Immunschwächekrankheit Aids. „Die Krankheit bekämpfen und nicht die Kranken“, lautete ihre Maxime. Erst zweite Frau an der Spitze des Bundestages 1988 folgte die CDU-Politikerin Philipp Jenninger an der Spitze des Bundestages nach, der wegen einer missglückten Rede zur Pogromnacht zurücktreten musste. Sie war erst die zweite Bundestagspräsidentin nach Annemarie Renger (SPD). Unter ihrer Führung wurde der Bundestag nach der Wiedervereinigung zum gesamtdeutschen Parlament und vollzog den Umzug von Bonn nach Berlin. Vorkämpferin für mehr Frauen in der Politik Engagiert blieb Süssmuth auch nach ihrem Ausscheiden aus dem Bundestag und der aktiven Politik 2002. Sie setzte sich in der von älteren Männern geprägten CDU resolut für eine Frauenquote ein. Auch den Frauenanteil im Bundestag - 32,4 Prozent in der 21. Wahlperiode - hielt Süssmuth für viel zu niedrig und kämpfte daher für Parität. Klöckner sagte: „Bis zuletzt setzte sie sich mit scheinbar unbegrenzter Energie für mehr Repräsentanz von Frauen in Parlamenten ein.“ Klöckner wies auf Süssmuths „Elan und ihre Beharrlichkeit“ hin, die zahllose Menschen inspiriert hätten. „Eine herausragende Demokratin“ Merz sagte laut einer Mitteilung: „Rita Süssmuth hat sich lebenslang für Deutschland engagiert.“ Sie sei Vorkämpferin gewesen für Gleichberechtigung und die politische Wirkkraft von Frauen. „Für eine moderne und offene Gesellschaft hat sie beispielhaft gekämpft und Maßstäbe für Toleranz und Weltoffenheit gesetzt.“ SPD-Chefin Bärbel Bas sagte, Süssmuth habe Frauen ermutigt, politische Verantwortung zu übernehmen. Sie selbst habe gezeigt, dass Führungspositionen selbstverständlich auch von Frauen ausgefüllt werden. „Damit war sie Vorbild, Wegbereiterin und Ermutigung über Parteigrenzen hinweg und hinterlässt eine große Lücke.“ SPD-Fraktionschef Matthias Miersch nannte Süssmuth „eine herausragende Demokratin“. Grünen-Fraktionschefin Britta Haßelmann zeigte sich dankbar, Süssmuth gekannt zu haben. „Sie war eine so aufrechte Demokratin und Parlamentarierin mit großer Leidenschaft. Zeit ihres Lebens hat sie sich stark gemacht für die Rechte von Frauen, für Gleichberechtigung und Parität.“. „Ihre Stimme wird fehlen“ NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) bezeichnete Süssmuth als „eine wirkliche Pionierin der Chancengleichheit und eine große Architektin einer gerechten und weltoffenen Gesellschaft“. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) sagte: „Persönlich verliere ich ein Vorbild und eine wichtige Inspirationsquelle.“ Ein „großes Vorbild“ nannte auch Frauenministerin Karin Prien (CDU) Rita Süssmuth. „Ihre Stimme wird fehlen.“

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1. Februar
Wirtschaftswoche

Bundestag: Frühere Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth ist gestorben

Bundestag: Frühere Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth ist gestorben Die frühere Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth ist tot. Die CDU-Politikerin starb im Alter von 88 Jahren, wie der Bundestag mitteilte und eine CDU-Sprecherin bestätigte. Süssmuth gehörte dem Deutschen Bundestag von 1987 bis 2002 an und war von 1988 bis 1998 dessen Präsidentin. Süssmuth hatte sich vor allem eingesetzt für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen in Politik, Beruf und Gesellschaft. Bundestagspräsidentin Julia Klöckner zeigte sich „tief bewegt“ von der Nachricht von Süssmuths Tod. „Im Namen des Deutschen Bundestages verneige ich mich vor einer politischen Ausnahmeerscheinung“, so Klöckner. Unbekannte Seiteneinsteigerin wurde rasch populär Süssmuth kam als Seiteneinsteigerin in die Politik. Als der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) sie 1985 als Nachfolgerin von Heiner Geißler (CDU) zur Bundesministerin für Jugend, Familie und Gesundheit berief, war sie in der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt. Sie war erst vier Jahre zuvor in die CDU eingetreten und bis dahin nach außen kaum in Erscheinung getreten. Im Ministeramt erwarb sie sich aber schnell großes Ansehen. In Umfragen erzielte sie hohe Beliebtheitswerte und wurde bald „lovely Rita“ genannt. Beginn der beruflichen Karriere im Hörsaal Süssmuth kam am 17. Februar 1937 in Wuppertal als Tochter eines Lehrers zur Welt. Sie studierte Romanistik und Geschichte. Anschließend hängte sie ein Postgraduiertenstudium der Erziehungswissenschaften, Soziologie und Psychologie an. Süssmuth schlug die wissenschaftliche Laufbahn ein, wurde Professorin für Erziehungswissenschaften, zunächst in Bochum und später an der Universität Dortmund. Wahlkreis Göttingen dreimal direkt gewonnen Nach ihrer Berufung zur Bundesministerin kandidierte Süssmuth 1987 erstmals für den Bundestag. Sie errang auf Anhieb das Direktmandat im Wahlkreis Göttingen, das sie 1990 und 1994 verteidigte. 1998 reichte es nur für ein Mandat über die CDU-Landesliste Niedersachsen. Mit Familienbild für viele in der CDU zu modern Mit ihrem modernen Familien- und Frauenbild war Süssmuth vielen in der Union weit voraus. Sie eckte an – auch bei Kohl. Dass sie Familienpolitik nicht allein auf Verheiratete konzentrieren wollte, war den Konservativen in der Union suspekt. Ihr Einsatz für die Reform des Abtreibungsparagrafen 218 brachte ihr vehemente Kritik aus den eigenen Reihen ein. Das galt auch für ihre Linie bei der sich ausbreitenden Immunschwächekrankheit Aids. „Die Krankheit bekämpfen und nicht die Kranken“, lautete ihre Maxime. Erst zweite Frau an der Spitze des Bundestages 1988 folgte die CDU-Politikerin Philipp Jenninger an der Spitze des Bundestages nach, der wegen einer missglückten Rede zur Pogromnacht zurücktreten musste. Sie war erst die zweite Bundestagspräsidentin nach Annemarie Renger (SPD). Unter ihrer Führung wurde der Bundestag nach der Wiedervereinigung zum gesamtdeutschen Parlament und vollzog den Umzug von Bonn nach Berlin. Engagiert blieb Süssmuth auch nach ihrem Ausscheiden aus dem Bundestag und der aktiven Politik 2002. Sie setzte sich in der von älteren Männern geprägten CDU resolut für eine Frauenquote ein. Auch den Frauenanteil im Bundestag – 32,4 Prozent in der 21. Wahlperiode – hielt Süssmuth für viel zu niedrig und kämpfte daher für Parität.

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1. Februar
Neues Deutschland

Nachruf | Rita Süssmuth ist tot

- Politik - Nachruf Rita Süssmuth ist tot Die frühere Bundestagspräsidentin prägte als CDU-Politikerin die Frauen- und Familienpolitik Berlin. Die frühere Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth ist tot. Die CDU-Politikerin starb am Sonntag im Alter von 88 Jahren, wie der Deutsche Bundestag mitteilte. Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) zeigte sich »tief bewegt« und würdigte Süssmuth als »politische Ausnahmeerscheinung«. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) nannte sie eine »große Politikerin« und einen »Leitstern für unser demokratisches Gemeinwesen«. Süssmuth habe sich »lebenslang für Deutschland engagiert«, erklärte Merz. Sie sei Vorbild und Vorkämpferin für Gleichberechtigung und Toleranz gewesen. Rita Süssmuth, geborene Kickuth, kam am 17. Februar 1937 in Wuppertal zur Welt. Als Tochter eines Lehrers studierte sie Romanistik und Geschichte, später Erziehungswissenschaft, Soziologie und Psychologie, promovierte 1964 und machte Karriere als Professorin für Erziehungswissenschaft. Sie habe »mit Leidenschaft gelehrt und geforscht« und mit Expertise und Argumentationskraft auf sich aufmerksam gemacht, erklärte Klöckner. In die Politik kam Süssmuth erst vergleichsweise spät. Erst 1981 trat die damals 44-Jährige in die CDU ein – 1985 holte Bundeskanzler Helmut Kohl sie überraschend als Ministerin für Jugend, Familie und Gesundheit ins Kabinett. Ein Jahr später wurde das Ressort um den Bereich Frauen erweitert. Die engagierte Katholikin machte schnell durch eine liberale Linie in der Frauen- und Familienpolitik von sich reden. Sie setzte sich für die Wahlfreiheit zwischen Familie und Beruf ein, trat für Reformen im Abtreibungsrecht ein und kämpfte für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen in Politik und Gesellschaft. In Umfragen erzielte Süssmuth hohe Beliebtheitswerte. Die Feministin Alice Schwarzer nannte sie »Lovely Rita«, in ihrer eigenen Partei wurde sie wegen ihrer oft isolierten Positionen auch als »Lonely Rita« verspottet. Gesellschaftspolitisch war sie vielen in der Union voraus. Besonders prägend war ebenfalls ihre Rolle in der Aids-Politik. Während vielerorts Stigmatisierung und Ausgrenzung vorherrschten, formulierte Süssmuth eine klare Gegenposition: »Wir bekämpfen die Krankheit, nicht die Infizierten.« Sie setzte auf Aufklärung statt Repression und kämpfte gegen Diskriminierung von Erkrankten. Später blieb sie Ehrenvorsitzende der Deutschen Aids-Stiftung. Klöckner sprach von einer »bahnbrechenden« Politik, die die Grundlage für die erfolgreiche HIV-Prävention in Deutschland gelegt habe. 1988 wurde Süssmuth zur Präsidentin des Deutschen Bundestages gewählt – als erst zweite Frau in diesem Amt nach Annemarie Renger (SPD). Die Berufung galt auch als Wegloben der unbequemen Ministerin aus dem Kabinett. An der Spitze des Parlaments organisierte sie den Umzug des Bundestags von Bonn nach Berlin, obwohl sie selbst gegen den Standortwechsel gestimmt hatte. Sie setzte sich für eine stärkere Förderung von Frauen in der Bundestagsverwaltung ein und trieb den Umbau des Reichstags voran – inklusive der heute ikonischen gläsernen Kuppel. Ihre Amtszeit war nicht frei von Affären. 1991 sorgte eine Dienstwagenaffäre um ihren Ehemann für Schlagzeilen, 1996 der Vorwurf, sie habe Maschinen der Bundeswehr für private Reisen genutzt. Politisch überstand sie beide Krisen. Nach der Wahlniederlage der Union 1998 verlor Süssmuth das Präsidentinnenamt und schied aus den Führungsgremien der CDU aus. Politisch aktiv blieb sie dennoch. 2000 übernahm sie unter der rot-grünen Bundesregierung von Gerhard Schröder den Vorsitz der später nach ihr benannten Zuwanderungskommission. Deren Bericht stellte fest: »Deutschland braucht Zuwanderinnen und Zuwanderer.« Viele Vorschläge der Kommission wurden nie vollständig umgesetzt und stießen in der Union auf heftigen Widerstand. Auch nach ihrem Ausscheiden aus dem Bundestag 2002 setzte sich Süssmuth weiter für Frauenrechte ein. Mit der Initiative »Parität jetzt!« kämpfte sie für eine gleichberechtigte Vertretung von Frauen im Parlament. Der Frauenanteil im Bundestag lag nach der Wahl 2025 bei 32,4 Prozent – ein Wert, den sie als unzureichend kritisiert hatte. Verbittert über politische Rückschläge zeigte sich Süssmuth nie. Gegenüber der »Süddeutschen Zeitung« erwähnte sie, sie habe sich das Motto von Samuel Beckett zu eigen gemacht: »Scheitern, weitermachen, noch mal scheitern, besser scheitern.« Dieser Satz beschreibt auch ihr politisches Selbstverständnis – beharrlich, streitbar und auf Veränderung gerichtet. Agenturen/nd Andere Zeitungen gehören Millionären. Wir gehören Menschen wie Ihnen. Die »nd.Genossenschaft« gehört ihren Leser*innen und Autor*innen. 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