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Dienstag, 24. März 2026
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Dänemark: "Viele Konfliktlinien", nicht nur Grönland-Krise

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24. März
ZDF heute

Dänemark: "Viele Konfliktlinien", nicht nur Grönland-Krise

Wahl in Dänemark:Sozialdemokratin Frederiksen hofft auf Rückenwind von Claas Thomsen Mette Frederiksen - eine Sozialdemokratin dänischer Prägung. Sie hofft durch Härte in der Migrationspolitik und Meistern der Grönland-Krise auf eine dritte Amtszeit. Vor einem Monat hat die 48-jährige dänische Regierungschefin Mette Frederiksen Neuwahlen angesetzt - was ihr als Ministerpräsidentin zusteht. In der Hoffnung, dass ihr die Bewältigung des Konflikts mit den USA um Grönland von Wählerinnen und Wählern positiv angerechnet wird. Doch mittlerweile ist Grönland nur ein Thema unter vielen. Ein großes, bestimmendes Thema gebe es nicht, sagt Frederik Hjorth, Politologe an der Universität Kopenhagen. "Ein Grund für die diffuse Kampagne ist das zersplitterte Parteien-System", erläutert er. Es gebe nicht wirklich zwei große Parteien, die gegeneinander antreten. Wir haben zwölf Parteien, die antreten - also viele, viele Konfliktlinien. Frederik Hjorth, Politologe an der Universität Kopenhagen Unzufrieden sind die Dänen tendenziell nicht Noch ein Grund ist aber: Unzufrieden sind die Dänen tendenziell nicht. Laut Umfragen zählen sie seit Jahren zu den glücklichsten Menschen der Erde. Der Lebensstandard ist hoch, die Wirtschaft wächst. Die Dänen wollen einfach, dass das so bleibt. Oder noch besser wird. Forschende der Universität Oxford haben ihren Weltglücksbericht vorgestellt. Finnland belegt zum neunten Mal in Folge Platz 1 im Ranking, gefolgt von Island und Dänemark. Deutschland ist auf Platz 17. 19.03.2026 | 0:27 minMigrationspolitik ist nur ein Thema unter vielen Und: Die Migrationspolitik ist in Dänemark nur ein Thema unter vielen. Denn auch und gerade die dänischen Sozialdemokraten stehen an sich für eine harte Linie. Aus sozialdemokratischer Perspektive, um den Sozialstaat nicht zu überfordern. Der sieht in Dänemark seine Aufgabe eher in der Förderung der Wirtschaft - durch gute Ausbildung etwa oder Kinderbetreuung. Dauerversorgung für Leistungsempfänger ist dagegen verpönt. Mit dieser Linie, die parteienübergreifend seit Jahren getragen wird, nahmen die dänischen Sozialdemokraten auch rechten Parteien den Wind aus den Segeln. Aber: Die jetzige Regierung unterscheidet sich von der vorherigen Regierung, meint Politologe Frederik Hjorth. Dadurch, dass zu ihrer Regierungskoalition auch die Partei Moderaterne gehört. Sie sei relativ nachsichtig in der Migrationspolitik. Das habe wieder Raum für rechte Parteien geschaffen, so Hjorth. Das Image der Sozialdemokraten, hart in der Migrationspolitik zu sein, hat gelitten. Frederik Hjorth, Politologe an der Universität Kopenhagen Grönland hat eine lange Kolonialgeschichte. Nach Jahrhunderten als dänische Kolonie und dann Autonomieregion ringen die Grönländer um Unabhängigkeit. 27.01.2026 | 2:03 minStreit um Massenhaltung von Schweinen So bestimmte eine Vielzahl von Themen den Wahlkampf. Umweltparteien fordern etwa strengere Regeln für die Massenhaltung von Schweinen. Und einen besseren Schutz des Grundwassers vor den Folgen der intensiven Landwirtschaft. Rechte Parteien wollen eine noch härtere Migrationspolitik. Linke Parteien höhere Steuern, um den Sozialstaat zu finanzieren - was ein sehr strittiges Thema ist. Egal ob die Regierung rechts oder links wird - im Großen und Ganzen wird sich das Bild nicht verändern. Kristian, Jungwähler Mette Frederiksen und den Sozialdemokraten wird, trotz Verlusten, ein Anteil von 20 Prozent der Wählerstimmen prognostiziert. Damit wäre ihre Partei die stärkste Kraft. Die volksnahe Frederiksen könnte so erneut die Regierung bilden. Und sich fast beliebig Koalitionspartner suchen. Denn in Dänemark, wo es Tradition ist, sich zu duzen und nach der Wahl auch mit politischen Gegnern anzustoßen, scheinen ideologische Grenzen nicht unüberwindbar. Claas Thomsen ist Korrespondent im ZDF-Skandinavienstudio Kiel. Aktuelles zu Dänemark Abstimmung über Regierungskurs:Dänemark wählt neues Parlament Video0:23Nachrichten | heute journal update:Was am Dienstag wichtig wird Video0:50

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24. März
Deutschlandfunk

Dänemark - Vorgezogene Parlamentswahl: Regierungschefin Frederiksen strebt dritte Amtszeit an

Insgesamt treten zwölf Parteien zur Wahl an. Laut den Umfragen erreichen voraussichtlich weder der links-grüne noch der bürgerlich-konservative Block eine Mehrheit von mindestens 90 der 179 Sitze im Parlament. Deshalb könnte die Mitte-Partei "Moderaterne" des Ex-Regierungschefs und aktuellen Außenministers Rasmussen erneut den Ausschlag geben. Wahlkampfthemen: Klima, Preise, Grönland Zu den wichtigsten Themen im Wahlkampf zählten die Klimapolitik, die Lebensmittel- und Benzinpreisen und eine von Frederiksen vorgeschlagenen Vermögenssteuer, aber auch die wiederholt geäußerten Drohungen von US-Präsident Donald Trump, das zu Dänemark gehörende Grönland unter die Kontrolle der Vereinigten Staaten zu bringen. Frederiksens unnachgiebige Haltung gegenüber Trump hat der Regierungschefin rund um den Jahreswechsel einen Beliebtheitsschub verpasst. Beobachtern zufolge hat Frederiksen auch deshalb die Parlamentswahl bereits für März ausgerufen. Die 48-jährige Sozialdemokratin steht seit 2019 an der Spitze der dänischen Regierung. In ihrer ersten Amtszeit stützte sich Frederiksen auf eine linke Mehrheit. Seit 2022 regiert sie in einer Koalition mit zwei liberalen Parteien. Frederiksen hat sich im Ukrainekrieg entschieden an die Seite Kiews gestellt. Innenpolitisch verfolgt sie eine restriktive Migrationspolitik. Sie gehört zu den europäischen Politikern, die sich für die Einrichtung so genannter Rückführungszentren für abgelehnte Asylbewerber außerhalb der EU einsetzen. Zwei Kandidaten fordern die Regierungschefin heraus Frederiksen hat zwei Herausforderer von Mitte-Rechts - einen innerhalb und einen außerhalb ihrer Regierung. Verteidigungsminister Troels Lund Poulsen tritt für die rechtsliberale Venstre-Partei an. Die Liberale Allianz des 34-jährigen Alex Vanopslagh gehört wie die Venstre zum so genannten blauen Block der rechten Parteien. Sie plädiert für niedrigere Steuern und weniger Bürokratie und fordert, dass Dänemark seine Weigerung aufgibt, Atomkraft zu nutzen. Politisch noch weiter rechts hofft die einwanderungskritische Dänische Volkspartei, wieder besser abzuschneiden als 2022, als sie gerade noch so Parlament kam. 175 Sitze im Folketing sind für Abgeordnete aus Dänemark selbst und je zwei für Vertreter aus dem dünn besiedelten Grönland und den Färöer Inseln, dem anderen halbautonomen Gebiet des Königreichs. Diese Nachricht wurde am 24.03.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.

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24. März
Tagesschau

Wahl in Dänemark: Frederiksen hofft auf gutes Ergebnis dank Grönland-Kurs

Dänemark Eine Wahl im Schatten der Grönland-Krise Dänemark wählt heute ein neues Parlament. Den Termin hat Ministerpräsidentin Frederiksen kurzfristig angesetzt - auch in der Hoffnung, von ihrem klaren Kurs gegenüber Trump in der Grönland-Krise zu profitieren. In der Kopenhagener U-Bahn ist Mette Frederiksen allgegenwärtig. Überlebensgroß blickt die dänische Ministerpräsidentin von einem Wahlplakat der Sozialdemokraten neben der Rolltreppe am Rathausplatz. "Wer standhaft bleiben will, muss zusammenhalten", steht darauf. Diese Botschaft sei ihr in einer unruhigen Welt wichtig, sagt Frederiksen auch in einer der letzten Fernsehdebatten im dänischen Rundfunk. "Mehr als an alles andere glaube ich an Zusammenarbeit und Einheit, wenn andere spalten wollen", betont die Regierungschefin. "Wir müssen nach außen und im Inneren aufrüsten. Wir müssen unseren Wohlfahrtsstaat stärken und eine strikte Einwanderungspolitik verfolgen. Und wenn Sie absolut sicher sein wollen, dass ich ihre Ministerpräsidentin bleibe, dann sollten sie am Dienstag die Sozialdemokraten wählen." Trinkwasser, Schweinezucht, Rente Erst vor rund drei Wochen hatte Frederiksen den Termin für die Parlamentswahl angesetzt - als Regierungschefin darf sie, wie in Dänemark üblich, das Datum bestimmen. Spätestens im Herbst hätte gewählt werden müssen. Die Sozialdemokratin wollte aber einen günstigen Moment nach der Grönland-Krise nutzen, glauben Beobachter wie Kasper Møller Hansen. "Fragt man die Dänen, dann sagen sie in den Umfragen, dass die Regierung großartig auf die Drohungen von Donald Trump in der Grönland-Frage reagiert hat", erläutert der Politikwissenschaftler. Auch bei der Unterstützung der Ukraine sind sich im alle einig. Aber die Konfliktlinien, die diese Wahl entscheiden, liegen woanders. Da geht es um sauberes Trinkwasser, die Schweinezucht oder die Rente." Dänemark ist stark landwirtschaftlich geprägt, in Deutschlands nördlichem Nachbarland leben mehr Schweine als Menschen. Über die wurde leidenschaftlich gestritten, nachdem linke Parteien ein Verbot neuer, konventioneller Mastbetriebe ins Spiel gebracht hat. Frederiksen hat sich außerdem für eine Vermögenssteuer ausgesprochen, um kleinere Klassen in den ersten Grundschuljahren zu finanzieren. Laut den jüngsten Umfragen könnte ihre Partei mit rund 20 Prozent zwar wieder stärkste Kraft werden. "Die Sozialdemokraten stehen aber immer noch vor dem schlechtesten Ergebnis ihrer Geschichte", unterstreicht der Politikwissenschaftler Møller Hansen. Kein Lager hat die Mehrheit sicher Insgesamt zwölf Parteien könnten ins dänische Parlament einziehen - dank niedriger Hürde von gerade einmal zwei Prozent. In der jüngsten Umfrage lag der sogenannte "rote Block" aus Sozialdemokraten und kleinen Linksparteien hauchdünn vor dem "blauen Block" der bürgerlichen und rechten Parteien. Doch keines der Lager erreicht demnach die notwendige Mehrheit von 90 Mandaten. Deshalb könnte es am Ende auf Lars Løkke Rasmussen und seine Moderaten ankommen. Wie alle anderen macht Dänemarks Außenminister Wahlkampf bis zur letzten Minute. In weißer Jacke mit lilafarbenem M darauf steht er vor dem Kopenhagener Hauptbahnhof in einer Menschenmenge und signiert T-Shirts. Rasmussen könnte zum Königsmacher werden, ohne den keiner der Blöcke eine Regierung bilden kann. Welchen seiner Koalitionspartner in der aktuellen Mitte-Regierung er unterstützt, darauf will er sich nicht festlegen - weder auf Frederiksen noch auf Verteidigungsminister Troels Lund Poulsen, der für die liberal-konservative Venstre als Regierungschef kandidiert, der auch Løkke früher angehörte. Es seien gerade einmal zwei Monate vergangen seit dem Krisentreffen in Washington, bei dem es um Trumps Ansprüche auf Grönland gegangen sei, erinnert der Außenminister in einer Fernsehdebatte im dänischen Rundfunk - und in Iran herrsche Krieg. "Wir haben eine Regierung gebildet, die kollektiv Verantwortung übernommen hat", so der Politiker. "Und seit der Wahlkampf begonnen hat, ist alles so polarisiert. Troels will irgendeine blaue Regierung. Frederiksen wahrscheinlich eine rote, aber nur, wenn sie selbst mit am Tisch sitzt. Da wo ich gerade stehe, habe ich keine Lust, auf einen von ihnen zu zeigen." Auch Frederiksen betont, eine Zeit der internationalen Krisen sei keine Zeit für alte Blockpolitik. Viele Unentschlossene Die Menschen in Dänemark sind gespannt, wie es ausgeht. Etwa ein Fünftel will erst am Wahltag eine Entscheidung treffen, auch Misbah. "Ich bin hin- und hergerissen zwischen verschiedenen Möglichkeiten", sagt die junge Frau. "Ich habe noch nicht hundertprozentig entschieden, wen ich wähle." Sie hoffe, dass Wahlversprechen auch umgesetzt würden, sagt sie - etwa Frederiksens Ankündigung, eine "Kinderzeit" einzuführen, damit Eltern kleiner Kinder leichter ihre Arbeitszeit reduzieren können. Er sei früher häufiger zwischen den Parteien gewechselt, sagt Mads. Bei den vergangenen vier oder fünf Wahlen habe er aber immer die gleiche gewählt - und werde das wohl auch dieses Mal tun. Für Frederiksen werde er nicht stimmen. "Ich denke, sie macht eine gute Arbeit für Dänemark, aber ich stimme weder für sie noch für ihre Partei." Sam ist eine breit aufgestellte Mittelregierung am wichtigsten. "Sie müssen die Krisen, in denen wir stecken, bewältigen", findet er. Heute entscheiden die Däninnen und Dänen, wem sie diese Aufgabe am ehesten zutrauen. Die Wahllokale sind bis 20 Uhr geöffnet. Auch auf den Faröer-Inseln und in Grönland werden je zwei Mandate bestimmt, wegen der Zeitverschiebung werden die Ergebnisse von dort erst am späten Abend erwartet. Es könnte in Dänemark also eine lange Nacht werden.

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24. März
Die Zeit (Politik)

Dänemark: Das müssen Sie über die Parlamentswahl in Dänemark wissen

Der Justizminister spricht in der Sauna über Klimaschutz, die Ministerpräsidentin inmitten einer Schweinerotte über Tierschutz: In Dänemark ist gerade Wahlkampfzeit. Am 24. März wird dort ein neues Parlament gewählt. Rund 4,3 Millionen Däninnen und Dänen sind zur Wahl des sogenannten Folketing aufgerufen. Warum wurde die Wahl vorgezogen? Welche Rolle spielt die Geopolitik rund um Grönland? Und wie genau geht es nach der Wahl weiter? Fragen und Antworten Warum wurde die Wahl vorgezogen? Grundsätzlich ist es nichts Ungewöhnliches, dass in Dänemark eine Wahl vorgezogen wird. Das Gesetz sieht vor, dass spätestens alle vier Jahre gewählt werden muss, die Ministerpräsidentin oder der Ministerpräsident darf aber jederzeit Neuwahlen ausrufen. Weil die letzte Wahl am 1. November 2022 stattfand, muss spätestens bis zum Ende des Jahres gewählt werden. Ministerpräsidentin Mette Frederiksen hat Ende Februar bekannt gegeben, dass Dänemark am 24. März sein neues Parlament wählen wird. Sie begründete diesen Schritt mit der angespannten Lage rund um Grönland, über das US-Präsident Donald Trump am liebsten volle Kontrolle erlangen würde. "Sicherlich werden auch die aktuell wieder besseren Umfragewerte der Sozialdemokraten in diese Entscheidung miteingeflossen sein", sagt Politikwissenschaftler Sven Jochem von der Universität Konstanz. Er forscht unter anderem zu den politischen Systemen Skandinaviens. Wie wird gewählt? In Dänemark dürfen alle wählen, die die dänische Staatsbürgerschaft besitzen, am Wahltag 18 Jahre alt sind und einen dauerhaften Wohnsitz in Dänemark haben. Das sind rund 4,3 der insgesamt sechs Millionen Däninnen und Dänen. Die Wahlberechtigten haben nur eine Stimme, die sie an eine der Parteien auf dem Wahlzettel vergeben können. Jede Partei, die die Zwei-Prozent-Hürde überwindet und rechnerisch auf einen Sitz kommt, zieht ins Parlament ein. 175 der 179 Sitze gehen an Abgeordnete aus den Wahlkreisen in Dänemark. Jeweils zwei Sitze gehen an die halbautonomen Territorien Grönland und Färöer. Auf Grönland und den Färöer-Inseln leben jeweils rund 55.000 Menschen. In Dänemark stehen in diesem Jahr zwölf Parteien auf dem Stimmzettel. In Grönland sind es fünf regionale und auf den Färöer-Inseln noch einmal sechs lokale Parteien. Wie sieht die Parteienlandschaft in Dänemark aus? "In Dänemark gibt es wie auch in anderen skandinavischen Ländern traditionell zwei Blöcke", sagt Sven Jochem. "Einen linken Block mit eher progressiven Parteien und einen rechten Block mit eher konservativen Parteien. In der Literatur nennt man das auch ein modifiziertes Zweiparteiensystem." Bislang wurden klassischerweise Minderheitsregierungen innerhalb der Blöcke gebildet. In den vergangenen Jahrzehnten führten entweder die Sozialdemokraten (S) aus dem linken Block die Minderheitsregierungen an oder die Liberalen (V) aus dem rechten Block. Als Løkke Rasmussen jedoch nach Jahrzehnten bei den Liberalen austrat und 2021 mit den Moderaten (M) seine eigene Partei zwischen den beiden Blöcken gründete, veränderte sich die Parteienlandschaft. "Das ist schon ein genialer Schachzug von ihm gewesen, weil er sich nun als Königsmacher anbieten kann", sagt Jochem. Bei der Wahl 2022 kamen die Moderaten auf 16 Sitze. Sie bilden aktuell zusammen mit Frederiksens Sozialdemokraten und den Liberalen (V) von Verteidigungsminister Troels Lund Poulsen die Regierung. Diese Mehrheitskoalition über die üblichen Blockgrenzen hinweg ist in Dänemark bislang eine absolute Ausnahme. Welche Themen spielen im Wahlkampf eine Rolle? Auch wenn der geopolitische Streit um Grönland vordergründig Anlass der Wahl war, dominierten vor allem innenpolitische Themen die Debatte. So ging es laut Jochem etwa um gestiegene Benzinpreise aufgrund des Irankrieges, die Wiedereinführung einer Vermögensteuer, Migrationspolitik und die Wehrpflicht. Zudem wurde über die sinkende Wasserqualität gesprochen und die Wiedereinführung des "Store bededag" (auf Deutsch: "Großer Gebetstag"). Dieser Feiertag ähnelt dem deutschen Buß- und Bettag und wurde 2023 vom dänischen Parlament gestrichen, um den gestiegenen Verteidigungsetat zu finanzieren. In dem Land, in dem etwa doppelt so viele Schweine wie Menschen leben, wird zudem stets über Schweinezucht und Tierwohl debattiert. Außerdem erhitzte ein Kokainskandal des Vorsitzenden der Liberal Alliance (LA), Alex Vanopslagh, die Gemüter. "Bislang wurde im Wahlkampf überraschend wenig über Grönland und die europäische Sicherheitspolitik gesprochen", sagt Jochem. "Vielleicht zieht Frederiksen, nun da in Grönland die Koalition zerbrochen ist, dieses Thema im Schlussspurt nach." Grönland hat seit 1979 eine eigene Regierung und ein eigenes Parlament, gehört jedoch als ehemalige Kolonie immer noch zum Territorium des Königreiches Dänemark. Annexionsdrohungen des US-Präsidenten Donald Trump werden daher sowohl von der grönländischen als auch der dänischen Regierung beantwortet. Wer hat Chancen auf den Wahlsieg? In aktuellen Umfragen liegen Frederiksens Sozialdemokraten zwar mit 20 Prozent vorne, haben jedoch im Gegensatz zur letzten Wahl an Zustimmung eingebüßt. Auf Platz zwei der Umfragen ist die links-grüne Sozialistische Volkspartei (SF) mit zwölf Prozent zu finden, auf Platz drei die konservative Liberale Allianz (LA) mit elf Prozent. Die beiden Regierungsparteien Liberale (V) und Moderate (M) finden sich mit acht Prozent auf Platz fünf und sechs Prozent auf Platz neun. Insgesamt scheinen die Wählerinnen und Wähler von der Mitte der Blöcke zu den Rändern zu wandern. Kurz vor der Wahl kann jedoch noch viel passieren. Bei zwölf Parteien, die zur Wahl stehen, und gleichzeitig nur wenigen Millionen Wählerinnen und Wählern können am Ende schon kleine Bewegungen über Sieg oder Niederlage entscheiden. In den vergangenen Jahren wurde zudem eine große Wählerwanderung beobachtet. Politikwissenschaftler Jochem sagt: "Bei der letzten Wahl haben mehr als 50 Prozent der Menschen eine andere Partei gewählt als bei der Wahl zuvor." Wie geht es nach der Wahl weiter? Nachdem klar ist, welche Parteien mit wie vielen Sitzen im Parlament vertreten sind, beginnen Verhandlungen mit dem Ziel, eine neue Regierungskoalition zu bilden. Die Gespräche finden traditionell auf Schloss Amalienborg statt, das dänische Königshaus hat aber kein Mitspracherecht. Wenn die regierende Partei abgewählt wurde, benennt der König in der "Kongerunde" eine Person, welche die Verhandlungen zur Bildung einer neuen Runde anführt. In der Regel ist das der oder die Vorsitzende der Partei mit den meisten Sitzen. In Dänemark gilt der negative Parlamentarismus. Das bedeutet, dass der Ministerpräsident oder die Ministerpräsidentin nach einer Wahl erst einmal weiterregieren kann, bis er oder sie abgewählt wird. Mindestens 90 Abgeordnete müssen gegen die Amtsinhaberin oder den Amtsinhaber stimmen, um sie oder ihn abzulösen. Das ist in aller Regel nur der Fall, wenn eine andere Partei als die bisherige Regierungspartei die Wahl gewonnen hat. Sobald sich die Parteien auf eine Regierung geeinigt haben, wird diese vom königlichen Staatsoberhaupt offiziell ernannt. In diesem Jahr wird dies erstmals König Frederik X. übernehmen, nachdem seine Mutter Margrethe II. 2024 als Königin abgedankt hatte. Auf dem Schlossplatz stellt der Premierminister oder die Premierministerin das neue Kabinett vor.

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24. März
taz (Öko & Co)

Parlamentswahl in Dänemark: Mette Frederiksen steuert auf dritte Amtszeit zu

Parlamentswahl in Dänemark: Mette Frederiksen steuert auf dritte Amtszeit zu Die Sozialdemokraten werden voraussichtlich deutliche Verluste erleiden, aber wohl die stärkste Kraft bleiben. Ein Grund ist der Grönland-Effekt. Die Fernsehkamera ist von oben auf einen runden Tisch mit drei Stühlen gerichtet. Von links kommt Dänemarks sozialdemokratische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen ins Bild, von rechts ihr Herausforderer Troels Lund Poulsen von der rechtsliberalen Partei Venstre. Die Perspektive wechselt und zeigt die beiden im Profil, dazwischen der Moderator. Die Inszenierung ist auf Duell getrimmt, nur wenige Tage vor der Parlamentswahl am 24. März. Das Pikante an der Situation: Die beiden sind Koalitionspartner. 30 Jahre lang waren ihre Parteien Konkurrenten um das Amt der/des Ministerpräsident:in. Nach der Wahl 2022 bildeten sie eine Regierung mit einer Zentrumspartei als Kitt in der Mitte. Die Koalition funktionierte nach innen im Gegensatz zur Ampel in Berlin erstaunlich harmonisch. Doch gleich von Beginn der TV-Debatte an ist klar: Mit der Harmonie ist es derzeit vorbei. Fast beiläufig setzt Frederiksen in ihrem ersten Redebeitrag einen ersten Nadelstich, indem sie auf unterschiedliche Positionen in der Frage des Trinkwasserschutzes eingeht. Sie weiß genau, dass sie damit bei ihrem landwirtschaftsfreundlichen Gegner einen wunden Punkt trifft. Feuer in den Augen Lund Poulsen kontert mit dem Vorwurf, die von der Sozialdemokratie vorgeschlagene Vermögenssteuer würde Dänemark ärmer machen. Im Laufe der einstündigen Debatte bekommen sie immer mehr Feuer in den Augen. Zwei Wochen zuvor: Die Stimmung im Plenarsaal des dänischen Parlaments ist am 26. Februar gegen Mittag elektrisch aufgeladen. Es ist der Tag der Ausrufung von Neuwahlen. Die sozialdemokratische Ministerpräsidentin geht zum Pult des Parlamentsvorsitzenden und schiebt ihm einen Zettel zu. Frederiksen verkündet, dass sie zum 24. März Wahlen ausschreibe. Drei Wochen Wahlkampf sind in Dänemark eine ungeschriebene Regel – genauso, dass die Wahl an einem Dienstag stattfindet. Günstiger Zeitpunkt Und einiges deutet darauf hin, dass Frederiksen einen günstigen Zeitpunkt erwischt hat. Keine zwei Monate zuvor sah es noch anders aus. Die Sozialdemokratie war bei den Kommunalwahlen im November kläglich eingegangen. Mit 23,2 Prozent erzielte sie das schlechteste Ergebnis in ihrer mehr als hundertjährigen Geschichte. Das bürgerlich-konservative Lager lag erstmals seit Jahren in den Umfragen vorn. Doch dann kamen US-Präsident Donald Trump und Grönland. Die Stimmung drehte sich. Die Koalitionsregierung startete schnell noch ein paar Initiativen, um ihre Popularität zu steigern. Etwa in der Schulpolitik: Die Sozialdemokratie schlägt kleinere Klassen in der Unterstufe vor. Gut zwei Stunden, nachdem Frederiksen die Wahl ausgerufen hat, ist sie bereits in einem Kopenhagener Vorort, um Rosen auszuteilen. „Es ist toll, auf der Straße zu sein“, lässt Frederiksen die Bevölkerung in den sozialen Medien wissen. Auf Hochtouren Die Wahlmaschine läuft auf Hochtouren. Die 48-Jährige soll den Genossinnen und Genossen erneut das liefern, was ihnen am wichtigsten ist: die Regierungsmacht. Vermögenssteuer, Rentenalter, bezahlbarer Wohnraum, geringere Ungleichheit – alles Programmpunkte, die für die Arbeiterpartei klassischer nicht sein könnten. Auch die Migrationspolitik, die mit Frederiksen zum ureigenen sozialdemokratischen Thema geworden ist, fehlt nicht. Wenige Tage nach dem 26. Februar treten Frederiksen und vier weitere sozialdemokratische Spitzenpolitiker mit ernster Miene vor die Presse. Auf den roten Aufstellern hinter ihnen prangt mehrfach der Satz: „Wir wollen diejenigen nicht, die nicht zu Dänemark stehen.“ Sofort ist klar: Die Sozialdemokratie wird nicht nur an der harten Linie in der Ausländerpolitik festhalten, sondern möchte sie sogar verschärfen. Die Asylzentren in Drittländern außerhalb Europas hat die dänische Regierungschefin bereits seit geraumer Zeit im Programm. Der Unterschied sei jetzt, dass die Mehrzahl der EU-Staaten mitzöge. „Dänemark ist bezüglich der Ausländerpolitik ein Vorreiterland in Europa“, sagt Frederiksen. Mehrfach erwähnt sie die rechte italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni, mit der sie hervorragend zusammenarbeite. Unnachgiebige Linie Bekannt ist auch, dass sie zum CDU-Bundeskanzler Friedrich Merz ein deutlich engeres Verhältnis hat, als sie es je zu seinem SPD-Vorgänger Olaf Scholz hatte. Dennoch argumentiert sie während der Pressekonferenz sozialdemokratisch. Die harte Migrationspolitik sei notwendig, um den dänischen Wohlfahrtsstaat zu schützen. Die unnachgiebige Linie macht Frederiksen zur Bedingung für mögliche Regierungsverhandlungen, kombiniert sie im Wahlkampf mit einer linken Sozial- und Wirtschaftspolitik. 2019 hatte sie mit dieser Kombination Erfolg. Damals brach sie fast 20 Jahre bürgerliche Dominanz und holte so viele Stimmen von der rechtspopulistischen Dänischen Volkspartei zurück, dass es für eine rote Mehrheit reichte. Doch zuletzt zündet das Migrationsthema im Wahlkampf nicht so recht. In Dänemark hat es seine Brisanz verloren. Radfahrer im Stau Am Tag nach dem Fernsehduell ist der Radverkehr auf einer der Einfallsstraßen zur Kopenhagener Innenstadt wie jeden Morgen dicht gedrängt. Bei einer Brücke stauen sich die Radelnden in vier Reihen. Parteikandidaten und Helfer springen dazwischen, um Flugblätter loszuwerden. Das Fernsehduell ist unentschieden ausgegangen. Auch in den Umfragen bewegt sich wenig. Das ist für die amtierende Ministerpräsidentin besser als für den Herausforderer Troels Lund Poulsen, denn der rote Block liegt vorn. Allerdings fehlen auch für eine linke Mehrheit bislang noch einige Prozentpunkte. Sollte am 24. März keiner der Flügel eine Mehrheit bekommen, könnten die Kontrahenten erneut Koalitionspartner werden. Gemeinsam für freie Presse Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. 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24. März
Die Zeit (Politik)

Parlamentswahl: Vorgezogene Parlamentswahl ist in Dänemark gestartet

In Dänemark hat die vorgezogene Parlamentswahl begonnen. Die Wahllokale öffneten um 8.00 Uhr, erste Hochrechnungen werden nach Schließung der Wahllokale um 20.00 Uhr erwartet. Die Sozialdemokraten der seit 2019 regierenden Ministerpräsidentin Mette Frederiksen liegen in aktuellen Umfragen mit etwa 20 Prozent vorn. Dennoch dürften sie im Vergleich zur Wahl 2022 Stimmen verloren haben. 4,3 der insgesamt sechs Millionen Däninnen und Dänen sind zur Wahl in dem EU- und Nato-Land aufgerufen. Frederiksen hatte vor wenigen Wochen eine frühe Wahl angekündigt und dies mit dem geopolitischen Streit mit den USA um Grönland begründet. Beobachterinnen und Beobachter gehen jedoch davon aus, dass auch die wieder besseren Umfragewerte für die Sozialdemokraten eine Rolle in dieser Entscheidung gespielt haben dürften. Grundsätzlich muss in Dänemark spätestens alle vier Jahre gewählt werden. Der Ministerpräsident oder die Ministerpräsidentin dürfen individuell den Zeitpunkt festlegen. Nach der Wahl im November 2022 hätte in Dänemark also spätestens Ende des Jahres gewählt werden müssen. Auch in Grönland und auf den Färöer wird gewählt Zwölf Parteien stehen in Dänemark zur Auswahl, wer mehr als zwei Prozent der Stimmen bekommt, darf in den sogenannten Folketing einziehen. Auch in Grönland und auf den Färöer wählen die Menschen. Insgesamt vier Sitze im Parlament sind für Abgeordnete aus den halbautonomen Territorien des Königreiches Dänemark vorgesehen. Sowohl Grönland als auch die Färöerinseln haben jedoch auch eigene Parlamente und Regierungen, die unabhängig vom dänischen Folketing gewählt werden. Im Wahlkampf ging es weniger um die sicherheitspolitische Situation rund um Grönland, sondern vielmehr um innenpolitische Themen. So wurde über die konventionelle Schweinezucht und sauberes Trinkwasser gestritten, über Benzinpreise und die Wiedereinführung einer Vermögensteuer zur Finanzierung des Sozialstaates. Migrationspolitik wird in Dänemark weniger kontrovers diskutiert als andernorts in Europa. Fast alle Parteien vertreten eine sehr ähnliche, restriktive Position – die Sozialdemokratin Frederiksen will die Anzahl von Flüchtlingen in ihrem Land auf null senken. Auch über Klimaschutz wird weniger debattiert, weil darüber ebenfalls Konsens herrscht. Rund 32 Prozent der Dänen betrachten Umfragen zufolge das Klima als wichtigstes Thema für diese Parlamentswahl.

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