4. April Süddeutsche Zeitung
28. Spieltag der Bundesliga: Neun-Tore-Spektakel in Leverkusen, Fairplay in Hamburg
Der Samstag des 28. Bundesliga-Spieltags war einer mit mehr Geschichten, als sich hier auf die Schnelle erzählen lassen. Von wegen Osterruhe und Besinnlichkeit. Tore gab es zuhauf. Allein neun Treffer erlebten die Zuschauer in Leverkusen, wo Bayer gegen Wolfsburg ein bemerkenswertes Comeback hinlegte. Und fünf waren in Freiburg zu bestaunen, wo die Bayern ein Comeback in letzter Minute schafften. An der Spitze ist in der Liga also weiter alles klar, aber dahinter? Da tun sich Probleme in Hoffenheim auf, wo man diesmal eine überraschende Pleite gegen Mainz erlebte. Und am Tabellenende? Da hatte Heidenheim hoffnungsvolle Momente gegen Gladbach – mit letztlich wenig zufriedenstellendem Ausgang. Aber der Reihe nach. Vielleicht steigt man nach diesen Turbulenzen vor dem Eiersuchen erst mal mit einem Blick auf die Resultate und die Tabelle ein.
Wie ergeht es Coach Werner bei der Rückkehr nach Bremen?
Woran es lag, dass der Trainer Ole Werner, geboren unweit von Kiel und damit immerhin ein echtes Nordlicht, im vergangenen Sommer seinen Arbeitsplatz von Bremen nach Leipzig verlegte? Klare Sache: an fehlenden Perspektiven bei Werder. Werner wollte mehr als Mittelmaß, der Klub konnte ihm das nicht bieten, also ging er zu RB. Bei seiner Rückkehr durfte er sich bestätigt fühlen, denn Werners Leipziger behielten nach Antonio Nusas frühem Flachschuss zum 1:0 (15. Minute) trotz einiger Bremer Annäherungen meist die Kontrolle. Das 2:0 erzielte für die verblüffend effizienten Gäste Romulo (52.) nach einer Daddelei von Bremens Abwehrmann Felix Agu. Und Werner? Konnte zufrieden zur Kenntnis nehmen, dass sein Team sogar wieder Platz drei ansteuert, während seinem Ex-Klub Werder auch das 1:2 durch Salim Musah (94.) nichts mehr brachte.
Was ist bei Hamburg vs. Augsburg los? Einiges!
Zu den Eigenschaften eines sogenannten „Zwischenhochs“ zählt seine Vergänglichkeit. So wie zum Winterausklang der Schnee schmilzt, verzog sich in Augsburg auch der vorübergehende Lauf unter Coach Manuel Baum. Übrig blieb zuletzt getrübte Stimmung dank drei Pleiten hintereinander, was den FCA in den grauen Bereich der Liga zurückwarf. Dort treibt sich bekanntlich auch der HSV samt Trainer Merlin Polzin herum, der im Dazn-Interview eine „maximal intensive“ Elf ankündigte. Klappte nur nicht, denn beim 0:1 durch Arthur Chaves (23.) war von intensiver Hamburger Gegenwehr keine Spur.
FC Bayern in Freiburg:Karl schickt Bayern mit Adrenalin ins Bernabéu
Alle denken an Madrid? Nicht der SC Freiburg. Der Sportclub liefert den Bayern einen harten Kampf, die Münchner wollen aber nicht verlieren. Das Spiel schaukelt sich hoch – bis Lennart Karl das 100. Saisontor seines Klubs erzielt.
Danach tat sich FCA-Stürmer Michael Gregoritsch als Ehrenmann hervor: Bei einem Duell an der Strafraumgrenze geriet er mit Fabio Vieira aneinander, was Schiedsrichter Deniz Aytekin mit einem Freistoß ahnden wollte. Doch der Österreicher Gregoritsch intervenierte, besprach sich mit dem Referee und räumte ein, gar nicht getroffen worden zu sein. Apropos treffen: Auch eine hübsche Ping-Pong-Staffette der Hamburger saß dann, an deren Ende Ransford Königsdörffer per Direktabnahme das 1:1 hervorzauberte (60.). Ganz schön aufregend war das alles für so ein Graumausduell der Liga, zumal FCA-Keeper Finn Dahmen noch zweimal spektakulär das Remis rettete. Und Aytekin alles richtig machte, als er Hamburgs Miro Muheim nach einem Foul als letzter Mann Rot zeigte (64.) und später dem HSV nach VAR-Eingriff einen Handelfmeter verweigerte (86.).
Schnappt Heidenheim sich endlich den fünften Auswärtspunkt?
Maximalforderungen stellt Heidenheims Trainer Frank Schmidt schon lange nicht mehr. Ein wenig „Dramatik“ hatte er sich beim Auswärtsspiel in Gladbach gewünscht von seinem auf dem letzten Tabellenplatz verharrenden Team – so wie vor der Länderspielpause, als noch ein spätes 3:3 gegen Leverkusen gelang. An Leidenschaft und Vitalität hat es den Männern von der Ostalb in dieser Saison ja, trotz allem, nie gefehlt. Abgeschrieben haben sie sich noch längst nicht, das wurde in der 26. Minute deutlich, als Heidenheim unbeeindruckt einen Rückstand ausglich. Zehn Minuten vorher hatte Wael Mohya zum 1:0 für Gladbach getroffen. Aber mit einem Freistoß brachte sich Heidenheim zurück ins Spiel: Eine Flanke von Dorsch landete vor dem Tor bei Kapitän Patrick Mainka, der den Ball ins Netz köpfelte. Es war wieder Spannung im Spiel, sogar Dramatik, und kurz vor der Pause wäre Mainka fast der Führungstreffer gelungen.
Der glückte dann Mamon Busch in der 64. Minute. Zwar kam Gladbach durch Frank Honorat zehn Minuten später zum Ausgleich. Aber Heidenheim sicherte das Remis und eroberte immerhin den fünften Auswärtspunkt der Saison als Tabellenletzter. Brenzliger war das Resultat die Gladbacher, die einen großen Schritt für das Ziel Klassenverbleib verpassten.
Gehen die Fischer-Festspiele in Mainz weiter?
Das Selbstbewusstsein einer Mannschaft lässt sich mitunter schon in der Aufstellung ablesen. Urs Fischer hatte seine Mainzer Startelf auf keiner Position verändert. Warum sollte er auch? Von 14 Partien unter seiner Ägide hat Mainz nur zwei verloren, und das änderte sich auch am Samstag in Hoffenheim nicht. Das Fischer-Team gewann 2:1 durch zwei Tore von Philip Tietz (13. und 79. Minute). Für Mainz war es das sechste ungeschlagene Spiel in Serie.
Hoffenheim dagegen muss sich strecken, wenn es noch die Ränge erreichen will, die zur Champions League befähigen.
Gibt es einen Hecking-Effekt in Wolfsburg?
Er sei kein Feuerwehrmann, das hat Dieter Hecking vor diesem Auswärtsspiel in Leverkusen noch einmal klargestellt. Er ist sieht sich eher als einen Einsatzleiter, der ein Fußballteam stabilisiert. In akuten Fällen wie jetzt beim Tabellenvorletzten VfL Wolfsburg, ordnet er dann einen Hilfsplan in drei Schritten an: „aufrappeln, aufstehen, ranrobben“. Das kann, muss aber nicht funktionieren, wie sich in Leverkusen zeigte in einem wilden Spiel mit drei Elfmetern, in dem sich Wolfsburg gleich mehrmals aufzurappeln hatte – letztlich vergeblich.
Der VfL ging schon in der 17. Minute durch Jonas Wind in Führung, der seinen ersten Treffer in dieser Saison erzielte. Doch das Anrobben an die rettende Tabellenzone wurde kurz darauf von einem umstrittenen Schiedsrichterpfiff unterbrochen: Leverkusens Ibrahim Maza und Wolfsburgs Joakim Maehle lieferte sich ein Strafraumduell: Maza blockte den Dänen mit dem Bein, Maehle hielt dagegen, doch es war Maza, der dann zu Boden ging. Schiedsrichter Petersen entschied auf Strafstoß, den Alejandro Grimaldo für Bayer verwandelte. Hecking war fassungslos.
Aufstehen, aufrappeln! Der VfL brauchte dafür 14 Sekunden. Direkt nach dem Strafstoß traf Maehle aus 22 Metern per Direktannahme. Das Spiel war kaum wieder angepfiffen, als dann Wolfsburg Mohammed Amoura, von Edmond Tapsoba im Strafraum bedrängt, zu Fall kam. Nach VAR-Überprüfung gab es Elfmeter Nummer zwei, und Christian Erikson erhöhte die VfL-Führung.
Noch vor der Halbzeitpause aber gelang Grimaldo der Anschlusstreffer. Und danach hatte sich Leverkusen wieder gefangen. Nach der Pause brachte Wolfsburgs Sael Kumbedi seinen Gegenspieler Tella von hinten zu Fall. Den dritten Strafstoß, diesmal unumstritten, verwandelte der eingewechselte Patrik Schick. Nach dem 4:3 von Tapsoba rappelte sich der VfL noch mal auf, aber der Widerstand war gebrochen. Leverkusen siegte 6:3 – und trotz des Hilfsplans von Einsatzleiter Hecking hat sich der VfL von Platz 17 keinen Millimeter nach oben bewegt.