Waren Frankreichs Stars untrainierbar?
Expertenrunde über WM-Aus gegen Spanien:Waren Frankreichs Stars untrainierbar?
von Jannik Schneider
Nach dem Halbfinal-Aus gegen Spanien analysiert das Experten-Trio im ZDF-Studio die sportlichen Verfehlungen Frankreichs. Ein Lob gibt es für Spaniens Defensive.
Der weitgehend chancenlose Auftritt der "Equipe Tricolore" beschäftigte die Experten-Runde am späten Dienstagabend im ZDF-Studio in Berlin. Frankreich könne man gar nichts absprechen. "Die wollten alle, die sind gelaufen und hatten gute individuelle Laufwerte", sagte Christoph Kramer. In seiner Analyse wurde er aber deutlich.
Der große Unterschied ist, dass sie es nicht zusammen machen, weil du diese - nicht böse gemeint - 'Rasselbande' irgendwie trainieren musst.
Christoph Kramer, ehemaliger DFB-Spieler
"Wenn du Dembélé, Mbappé und so viele weitere Weltklasse-Leute hast, dann ist deine größte Aufgabe als Trainer, die bei Laune zu halten", sagte Kramer.
Frankreich stehe im Verbund zehn Meter weiter auseinander als Spanien. "Die Spanier können spielen, spielen, spielen. Frankreich hat nicht den Hauch einer Chance, an den Ball zu gelangen", so Kramer. "Man sieht es auf dem Niveau, sie trainieren es nicht", resümierte der Weltmeister von 2014 und ging noch einen Schritt weiter.
Kramer: Frankreichs Spieler "keinen Bock" zu trainieren
"Man hat bei Frankreich im Anlaufverhalten gesehen, dass Spanien gegen sie ewig spielen kann. Nicht, weil Frankreich nicht will, sondern, weil die Spieler keinen Bock haben zu trainieren und du die benötigten Laufwege deswegen nicht einstudieren kannst", so Kramer. "Bei Spanien dagegen stimmt alles."
Einen Vorwurf an Frankreichs Trainer Didier Deschamps wollte der ehemalige Mittelfeldspieler aber nicht richten.
Auf diesem Niveau ist es ein bisschen untrainierbar.
Christoph Kramer, ehemaliger DFB-Spieler
Außerdem seien die französischen Spieler aus ihren Ligateams ein Spiel gegen ein Team mit viel Ballbesitz kaum gewohnt. "Das ist ein anderes Spiel und das haben wir heute gesehen."
Frankreich gegen Spanien: Im WM-Halbfinale treffen sich heute zwei Topfavoriten mit unterschiedlichen Spielphilosophien. Favorit ist Spanien - sagt jedenfalls Frankreichs Trainer Didier Deschamps.
14.07.2026 | 2:04 minDer entscheidende Vorteil von Spaniens Trainer
Christian Streich stimmte Kramer zu. Diese Superstars zu trainieren, sei schwierig. Er sprach dem spanischen Trainer Luis de la Fuente einen entscheidenden Vorteil zu.
Der 65-Jährige hatte ab 2013 zunächst die U19, dann die U21 Spaniens trainiert und zu insgesamt drei EM-Titeln geführt. Anschließend betreute de la Fuente Spaniens Olympiaauswahl und gewann mit dieser Silber bei den Spielen in Tokio, bevor er Chef der A-Nationalmannschaft wurde und die EM 2024 siegreich gestaltete.
"Er spielt mit Spielern, die ihn und sich bereits zehn Jahre kennen, die er in der Jugend trainiert hat", sagte Streich. Das seien keine Superstars gewesen.
Die waren als U19, U21-Spieler bei ihm und haben dadurch eine Demut und eine Dankbarkeit vor ihm als Trainer, weil er sie gefördert hat.
Christian Streich, ZDF-Fußballexperte
Das sei eine andere Geschichte. Dann lobte der langjährige Freiburgtrainer die Defensivarbeit.
Im WM-Halbfinale trifft zuerst Frankreich auf Spanien. Die ZDF-Korrespondentinnen Anne Arend und Isabel de la Vega berichten aus beiden Ländern.
14.07.2026 | 1:52 minZDF-Experten zu Spanien: "Das ist unglaublich"
Die Systematik, mit der Spanien im Halbfinale verteidigt habe, wie ein Lamine Yamal mit 19 Jahren und weitere Spieler verteidigt hätten, habe den Unterschied gemacht:
"Jedes Mal, wenn ein französischer Spieler den Rücken gezeigt hat, sind sie rausgesprintet ins Pressing. Das ist unglaublich, wie sie das gemacht haben", resümierte Streich. Per Mertesacker als ehemaliger Weltklasse-Verteidiger pflichtete ihm bei.
"Wie Spanien zusätzlich zum Spiel mit dem Ball gegen den Ball verteidigt hat, in der Rückwärtsbewegung nach Ballverlust, wie sie zurück sprinten und wie sie im eins-gegen-eins verteidigen, das war heute auf ganz hohem Niveau insbesondere von den Außenverteidigern", erklärte Mertesacker. Da habe Spanien den Maßstab gesetzt und es sei für Frankreich schwierig gewesen.
Deswegen hat Olise heute kaum stattgefunden, Dembélé und Mbappé haben alles probiert, aber es war für beide eine Szenerie, die nicht zu erreichen war.
Per Mertesacker, ZDF-Fußballexperte
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