17. Juli Wirtschaftswoche
Kenfo-Portfolio: So könnte ein Staatsfonds Ihnen Renten-Rendite bringen
So könnte ein Staatsfonds Ihnen Renten-Rendite bringen
Wer den Bieterwettbewerb um Kapitalrente und Altersvorsorgedepot gewinnt, wird Milliarden an Anlagevermögen verantworten. Ein Grund also, sich die Bewerber genau anzuschauen. Der „Fonds zur Finanzierung der kerntechnischen Entsorgung“ – kurz Kenfo – hat dabei aktuell die Nase vorn. Der Blick in sein Portfolio verrät dabei die bisherige Anlagestrategie.
Das Depot aus Aktien, Anleihen, Private Equity, Private Debt und einer ganzen Reihe an weiteren Beteiligungsformen hat vor allem ein Ziel: Rendite. Die Kenfo-Chefin Anja Mikus hat dies in dieser Woche betont, als sie die Jahresbilanz des Fonds vorgestellt hat. Das heißt konkret: Kaum eine Assetklasse ist tabu.
Bisher war diese Strategie durchaus erfolgreich. Da die Gewinne die jährlichen Kosten des Atomausstiegs decken müssen, muss das Portfolio zudem auch mit einem dauerhaften Aderlass umgehen, denn neue Einzahlungen gibt es nicht. Bis auf einen ordentlichen Rücksetzer im Jahr 2022 konnte das Gesamtvermögen jährlich gesteigert werden, auf zuletzt rund 25,6 Milliarden Euro – und gleichzeitig wurden Milliarden für die Atomentsorgung ausgeschüttet.
Anleihen, Aktien, dann der Rest
Der Kenfo hat sein Vermögen zum Start 2019 nicht auf einen Schlag am Markt investiert, sondern Stück für Stück eingekauft, verrät der Blick in die Portfoliodaten. Dabei wird auch eine Präferenz klar. Während die Investition sowohl in Staats- als auch in Unternehmensanleihen von Anfang an erfolgte, wurden die Aktienanlagen über die ersten drei Jahre gestreckt, erst dann folgten andere Assetklassen.
Hierbei ist anzumerken, dass der Kenfo seine Beteiligungen an privatem Beteiligungskapital (Private Equity), direktvergebenen Krediten (Private Debt) sowie Infrastruktur- und Immobilieninvestments unter dem Dach „illiquide Anlagen“ zusammenfasst. Diese Investitionen sind Mikus zufolge in der Strategie besonders auf Langfristigkeit angelegt. Aktuell liegt deren Anteil bei knapp über 14 Prozent des Portfolios, soll aber bis Ende 2028 auf 30 Prozent anwachsen.
Schaut man auf die Ergebnisse des abgelaufenen Jahres 2025, wird schnell klar: Das wird deutliche Auswirkungen auf den Wertzuwachs in den kommenden Jahren haben.
Entwicklung der Anlagen im Jahr 2025:
- Aktien Schwellenländer 20,9 Prozent
- Aktien Industrieländer 10,1 Prozent
- Anleihen Schwellenländer 9,3 Prozent
- Anleihen Unternehmen 4,5 Prozent
- Illiquide Anlagen 2,1 Prozent
- Anleihen Industrieländer –0,1 Prozent
- REITs –0,6 Prozent
Insgesamt erwirtschaftete der Kenfo im Jahr 2025 einen Wertzuwachs von 6,2 Prozent. Das waren zwar 2,2 Prozentpunkte mehr als mindestens angepeilt, aber doch mehr als 3 Prozentpunkte weniger als im Vorjahr. Diese Tendenz dürfte sich verstärken, wenn immer mehr der zunächst renditeschwachen illiquiden Anlagen beigemischt werden.
Der Blick auf die aktuelle Bilanz veranschaulicht aber auch die Strategie und damit das Risikoprofil hinter der Mischung. Aktien mit höherem Risiko und potenziell hohen Renditen, Anleihen für sichere Zuflüsse und illiquide Anlagen als langfristiges Fundament für überdurchschnittliche Rückläufe zum Ende der Laufzeit.
Das Kenfo-Risiko im Detail
Dieser sehr grobe Blick auf die Risikoverteilung zwischen den Assetklassen reicht natürlich nicht aus, um sich ein Bild vom Anlageportfolio zu machen. Sowohl die aktuelle KI-Blase in den USA als auch die vergangenen Immobilienkrisen in China und Japan sowie geopolitische Entwicklungen wie in Russland schlagen schnell auf ein Depot durch – Diversifikation wird dabei eine Frage der Perspektive.
Diversifiziert nach Asset, nach Branche, Region, in der Lieferkette, in Rohstoffabhängigkeiten oder aber anhand politischer Blöcke? Risikostreuung ist alles andere als trivial, das zeigt sich bei einem tieferen Blick in die Anlagen des Kenfo.
Am einfachsten lässt sich dies beim Aktienanteil aufzeigen. Laut dem letzten Geschäftsbericht beträgt der Aktienanteil aktuell 35,1 Prozent, inklusive der REITs (Real Estate Investment Trusts, also Immobilien-Investmentfonds) waren es knapp über 40 Prozent. Im Jahr 2021 lag der kombinierte Anteil bei fast 50 Prozent. Entsprechend deutlich machte sich der Markteinbruch 2022 bemerkbar. Während in diesem Fall jedoch der russische Angriff auf die Ukraine den gesamten Markt belastete und auf die Aktien am schnellsten durchschlug, liegen die Risiken heute tiefer.
Die Top-10-Aktienanlagen des Kenfo haben sich seit 2015 immer mal wieder verändert. Der Stand Ende 2025 wirkt jedoch auf Anleger, die den MSCI-World kennen, seltsam vertraut. Fast ausschließlich Tech-Konzerne bestimmen aktuell die Topanlagen des Kenfo.
Deren anteilige Bedeutung ist über die Jahre gewachsen, weil die Aktien hohe Kursgewinne hatten, auf aktuell mehr als zehn Prozent aller Aktienbeteiligungen. Platzt die KI-Blase und werden Chipaktien weiterhin stark verkauft, wird das auch das Kenfo-Depot belasten.
Die Technologiebranche in den USA bereitet vielen Marktkennern jedoch nicht nur wegen ihrer im Vergleich zu Umsatz und Gewinn luftigen Aktienbewertungen Sorgen, sondern auch wegen ihres künstlerischen Finanzierungsgebarens. Über private Finanzierungen mithilfe von Private-Equity-Gesellschaften und Private-Debt-Konstrukten versuchen sie, an Geld zu kommen, ohne ihre Kreditwürdigkeit zu gefährden.
Mitunter sind Halbleiter-Chips als Sicherheiten hinterlegt. Sobald deren Preise am Markt allerdings sinken, werden die Sicherheiten für die Gläubiger unbrauchbar.
Der Kenfo gibt an, nicht in den besonders risikoreichen Segmenten des US-Markts investiert zu sein. Einige Private-Equity-Fonds im Kenfo-Portfolio von Anbietern wie Thoma Bravo, Yukon oder Main Capital könnten in dem Fall, dass es einen Crash bei den Tech-Unternehmen gibt, die am Thema Künstliche Intelligenz hängen, aber leiden. Entweder weil sie mit Software-Unternehmen in Europa verbunden sind, die mit unter die Räder kommen könnten. Aber es könnte dann auch andere Branchen treffen, etwa US‑Versicherer, die den Bau und Betrieb von Rechenzentren versichern.
Diese Art von Kreuzeffekten ist nicht untypisch für ein diversifiziertes Portfolio, macht aber klar, dass Risiken nicht immer auf den ersten Blick erkennbar sind.
Transparenz will gelernt sein
Aktuell gibt der Fonds einmal jährlich Einblick in seine Bilanz, stellt unter anderem die Aufteilung seiner Anlagen als Excel-Dokument ins Netz und stellt sich den Fragen der Medien. Das ist mehr Transparenz, als andere öffentliche Anlagefonds gewähren, dürfte jedoch nicht genug sein, sollte der Kenfo das Mandat zur Verwaltung der Kapitalrente tatsächlich bekommen. „Wer langfristig für die Alterssicherung vorsorgen soll, muss nachvollziehen können, wie das Geld angelegt wird. Transparenz ist keine Nebensache, sondern eine Grundvoraussetzung für Vertrauen“, betont Ramona Pop, Vorständin des Verbraucherzentrale Bundesverbandes.
Schaut man in den Geschäftsbericht für 2025, so ist dort eine Aktienquote von 35,1 Prozent angegeben. Im Gesamtportfolio als Excel-Datenbank summieren sich die als „Aktie“ deklarierten Anlagen jedoch auf über 40 Prozent. Die Antwort des Kenfo: In der Excel-Liste zählt man REITs auch als Aktienanlage. Hinzu kommen Margen-Positionen, Forderungen, Verbindlichkeiten und Derivate, die wahlweise hinzugerechnet oder abgezogen werden.
Auf die Frage, inwieweit der Kenfo nach Regionen diversifiziert und Übergewichte – wie beispielsweise durch die Bedeutung des US-Finanzmarkts – ausgleicht, heißt es: Der Kenfo strebt eine Aufteilung der Anlagen zwischen den USA, Europa und dem Rest der Welt von 40:40:20 an.
Mitunter ist es aber schwer, Unternehmen einem Land zuzuordnen. Der chinesische Tech-Giganten Tencent ist auf den Kaiman-Inseln gelistet, obwohl der offizielle Börsensitz Hongkong ist. Das hat traditionelle Gründe, weil westliche Investoren früher schwer in China investieren konnten.
Wo die Verantwortlichen des Kenfo sich heute auf ihren Fokus auf Rendite zurückziehen, fordert Verbraucherschützerin Pop für eine Rentenanlage deutlich mehr ein. „Anlagerichtlinien müssen nach wissenschaftlichen Kriterien klar festgelegt und transparent kommuniziert werden“, macht sie klar. Bürger müssten nachvollziehen können, nach welchen Regeln investiert wird. Wer sich dafür interessiert, findet Informationen beim Kenfo.
Allerdings sind Wissenschaftler keine guten Anleger. Ein von namhaften US-Professoren geführter milliardenschwerer Hedgefonds ist vor rund 30 Jahren zusammengebrochen und hat fast eine Finanzkrise ausgelöst.
Der Kenfo und alle, die mit ihm zu tun haben, sollten nicht nur nach Schweden, sondern besser nach Norwegen schauen. Der dortige Staatsfonds ist sehr transparent, sehr professionell geführt und erfolgreich.
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