Spaniens Fußball-Könige: Man staune und applaudiere
Kommentar zum WM-Finale gegen Argentinien:Spaniens Fußball-Könige: Man staune und applaudiere
von Nils Kaben
Ausnahmsweise ist sich die Fußballwelt mal einig. Spanien ist das Maß aller Dinge im Weltfußball. Das hatte sich abgezeichnet, meint ZDF-Reporter Nils Kaben in seinem Kommentar.
Ausnahmsweise ist sich die Fußballwelt mal einig. Spanien ist das Maß aller Dinge im Weltfußball. Das hatte sich abgezeichnet, schon während dieses Turniers, aber sicher war es eben erst nach der Verlängerung gestern Abend in New Jersey. Die Iberer sind auf eine Weise Weltmeister geworden, die so überlegen, so souverän und so verdient daherkam, dass man nur staunen und applaudieren kann.
Die Mannschaft ist der Superstar
Da wären zum einen die Zahlen. 19:2 Torschüsse, 62 Prozent Spielanteile, seit nunmehr 38 Spielen ungeschlagen. Nur ein einziges Gegentor während des gesamten Turniers. Sie haben ihre Spielweise - hochkonzentriert, technisch tadellos, laufstark, diszipliniert über alle acht Spiele durchgehalten und sind zurecht die Könige der Fußball-Welt.
"Hier haben zehntausende Fans gefeiert", sagt Isabel de la Vega, ZDF-Reporterin in Madrid. Es herrschte viel Euphorie nach dem Sieg im WM-Finale gegen Argentinien.
20.07.2026 | 2:03 minEines fällt dabei besonders auf. Sie haben als Mannschaft gewonnen, nicht als Versammlung von Superstars. Ein eher stilles Team von großartigen Könnern hat gezeigt, wie man Großes erreicht. Nach dem Europameister-Titel 2024 jetzt also auch Weltmeister.
Genialer Fußball-Gott Messi bleibt unsichtbar
Argentinien blieb in diesem Finale chancenlos. Erst in der Verlängerung ein erster Torschuss. Immerhin haben sie ihr Glück nicht mit wilder Treterei wie in der ersten Halbfinal-Halbzeit gegen England versucht. Dass sie das Spiel trotzdem nicht vollzählig zu Ende gebracht haben, ist eher eine Marginalie.
Und ihr Fußball-Gott Lionel Messi blieb in diesem Endspiel eher unsichtbar. Der Plan, auf den einen genialen Moment des 39-Jährigen zu hoffen, ist krachend gescheitert. Kann eben nicht immer klappen.
Grandioses Können als Mosaikstein des Erfolges
Spanien dagegen hat all das gezeigt, wofür das Spiel an sich steht. Zusammenhalt, Teamgeist, zurückgestellte Eitelkeiten, Aufopferung - und man kann es nicht oft genug sagen - grandioses Können!
In Argentinien ist die Enttäuschung nach der Niederlage im WM-Finale gegen Spanien entsprechend groß. Bis zum Schluss hatten sie gehofft, den Pokal verteidigen zu können.
20.07.2026 | 1:35 minAls Beispiel sei der gerade 19 Jahre alt gewordene Jungstar Lamine Yamal erwähnt. Wie der sich auch in die defensiven Momente dieser Mannschaft integriert hat, ist erstaunlich und ein Sinnbild für den verdienten Triumph.
Und es passt genauso gut, dass der Siegtorschütze Ferran Torres von der Bank kam, um das 104. Spiel dieser WM zu entscheiden.
Altstars feiern die jungen Weltmeister
Wie schon zuvor im Halbfinale gegen das ebenfalls für den Titel hochgehandelte Frankreich ließen die Spanier ihrem Gegner keine Luft zum Atmen. Überlegenheit war selten so eindeutig zu besichtigen. Und es passt auch, dass alle drei Einzelauszeichnungen nach Spanien gingen: Rodri - bester Spieler, Simón - bester Torhüter, Cubarsí - bester Nachwuchsspieler. Lauter Entscheidungen, die kaum einer anzweifeln möchte.
Erstmals gab es in einem WM-Finale eine Halbzeitshow. Für Unterhaltung sorgten u.a. Auftritte von Shakira, Justin Bieber und BTS.
19.07.2026 | 11:26 minOben auf der Tribüne saßen die letzten spanischen Weltmeister von 2010. Casillas, Ramos, Iniesta, Xavi, Puyol. 2008 Europameister und zwei Jahre später in Johannesburg Weltmeister geworden.
Vater des Erfolges bricht den Altersrekord
Jetzt - 16 Jahre später - ist die Ablösung soweit. Ein Team, das alles gewonnen hat, was da ist. EM, Olympia-Gold, und jetzt den begehrtesten aller Pokale.
Der Vater dieses Erfolges ist ganz sicher auch der Mann an der Seitenlinie. Luiz de la Fuente, mit 65 Jahren der älteste Weltmeister-Trainer. Seine Bindung zur Spielergeneration ist ganz offenbar so eng, dass mehrere Spieler sich jetzt sein Konterfei auf die weltmeisterliche Haut tätowieren lassen wollen.
Man kann ihnen nur von Herzen gratulieren, es war eine Freude, ihnen bei dieser Meisterleistung zusehen zu dürfen.
Kurz vor der Verlängerung sieht Argentiniens Enzo Fernandez im WM-Finale Gelb-Rot. Das Foul lässt dem Unparteiischen keine Wahl.
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