1. August Wirtschaftswoche
Kurssturz: Was kann der Apple-Aktie wieder Schwung verleihen?
Kurssturz: Was kann der Apple-Aktie wieder Schwung verleihen?
Im September dürfte der künftige Apple-Chef John Ternus die nächste iPhone-Generation präsentieren. Zunächst das iPhone 18 Pro und das Pro Max, mit besserer Kamera, hellerem Bildschirm, längerer Akkulaufzeit und mehr Speicher für lokale Anwendungen mit Künstlicher Intelligenz. Doch Apple-Fans und Anleger beschäftigt vor allem eine Frage: Zeigt Ternus bei seinem ersten großen Auftritt Apples erstes faltbares Smartphone?
Sieben Jahre ist es her, dass Samsung
Das Falt-iPhone: Sieben Jahre Spekulation
Dass Apple
Doch Apple ließ sich Zeit. In Cupertino wollte man erst beobachten, wie die Geräte der Konkurrenz am Markt ankamen und welche technischen Probleme noch zu lösen waren. Ausgerechnet beim wichtigsten Bauteil ist Apple nun auf seinen Erzrivalen angewiesen. Samsung Display gilt als führender Anbieter faltbarer OLED-Panels und soll Apple als zentralen Zulieferer versorgen. Glaubt man den Gerüchten aus China, steht die Premiere tatsächlich bevor.
Anleger hoffen auf einen ähnlichen Schub wie beim iPhone 6. Apple hatte lange gezögert, dem von Samsung ausgelösten Trend zu Smartphones mit sehr großen Bildschirmen zu folgen. Als der damalige Chef Tim Cook 2014 das iPhone 6 und das größere iPhone 6 Plus vorstellte, löste das einen gewaltigen Umsatzschub aus.
Sie hielten Apple-Kunden davon ab, wegen der größeren Displays zur Android-Konkurrenz zu wechseln. Könnte sich mit dem Falt-iPhone, auf das manche Apple-Fans seit Jahren warten, etwas Ähnliches wiederholen?
Preisbarriere und Nischenpotenzial
Dagegen spricht der Preis. Mehr als 2000 Dollar soll das Gerät kosten, das in der Gerüchteküche mal iPhone Fold, mal iPhone Ultra heißt. Manche Schätzungen gehen sogar von rund 2500 Dollar aus. Es wäre das teuerste iPhone aller Zeiten, teurer als so manches MacBook Pro. Beim iPhone 6 reichten seinerzeit 649 Dollar, um die Massen zu bewegen.
Auch bei den Stückzahlen ist Vorsicht angebracht. Die Schätzungen schwanken erheblich. Der gewöhnlich gut informierte Analyst Ming-Chi Kuo rechnete zunächst mit drei bis fünf Millionen verkauften Geräten im ersten Jahr. Andere Analysten sprechen von deutlich höheren Bestellungen, teilweise von bis zu zehn Millionen Stück.
Selbst am oberen Ende bliebe das faltbare iPhone damit jedoch vorerst ein Nischenprodukt. Vom klassischen iPhone verkauft Apple mehr als 200 Millionen Geräte pro Jahr. Das faltbare Modell wäre zunächst ein Prestigeobjekt und kein entscheidender Umsatztreiber.
Hinzu kommen die üblichen Kompromisse einer ersten Generation. Aufgeklappt soll das Gehäuse aus Titan und Aluminium nur rund 4,5 Millimeter dünn sein. Deshalb fehlt offenbar der Platz für die Gesichtserkennung Face ID. Stattdessen dürfte Apple auf einen Fingerabdrucksensor in der Seitentaste setzen. Auch bei den Kameras könnten Abstriche nötig sein.
Die sichtbare Falte in der Displaymitte, die viele bisherige Foldables kennzeichnet, soll beim Apple-Gerät kaum noch zu erkennen sein. Zumindest ist dies das Ziel.
Aus der Lieferkette heißt es, Apple habe die Vorgabe ausgegeben, das Problem nahezu unabhängig von den Kosten zu lösen. Es wäre typisch Apple. Nicht der Erste sein, aber den Anspruch erheben, es besser zu machen.
Aufgeklappt – zumindest laut Spekulationen – soll das Display knapp 7,8 Zoll messen, im fast quadratischen Seitenverhältnis eines iPads. Zugeklappt bleibt ein Außenbildschirm von etwa 5,5 Zoll, ungefähr das Format eines kompakten iPhones. Dazu sollen der kommende A20-Chip und zwölf Gigabyte Arbeitsspeicher kommen. Ein iPad im Hosentaschenformat also. Genau für diese Verwandlung zahlen Samsung-Kunden seit Jahren einen hohen Aufpreis.
Ob das Gerät tatsächlich schon im September auf der Bühne steht, ist allerdings offen. Die Massenfertigung des Smartphones soll erst im August anlaufen, ungewöhnlich spät für einen regulären Verkaufsstart im Herbst.
Aus der Lieferkette kamen zuletzt widersprüchliche Signale. Mal war von Problemen mit den Leiterplatten die Rede, mal von Schwierigkeiten mit dem Scharnier, mal von einer Verschiebung bis ins Jahr 2027. Andere Quellen aus China widersprachen. Denkbar ist ein Mittelweg: Im September zeigen, aber erst einige Wochen oder Monate später ausliefern. Die knappe Ware würde dann pünktlich zum Weihnachtsgeschäft zum Prestigeprodukt.
Rekordzahlen und enttäuschter Ausblick
Warum die Börse einem teuren Nischenprodukt so viel Bedeutung beimisst, zeigte die Nacht zum Freitag. Apple legte das beste Juni-Quartal seiner Geschichte vor: 109,4 Milliarden Dollar Umsatz, was ein Plus von gut 16 Prozent bedeutet. Der Nettogewinn stieg um 27 Prozent auf 29,8 Milliarden Dollar und der Gewinn je Aktie sogar um 29 Prozent.
Das iPhone-Geschäft wuchs um 22 Prozent auf 54,3 Milliarden Dollar. Mit Macs setzte der Konzern 10,4 Milliarden Dollar um, ebenfalls 29 Prozent mehr als im Vorjahrsquartal. Es war Cooks letzter Quartalsbericht als Vorstandschef. Gemessen an den Zahlen ein furioser Abschied also. Die Börse sah es anders. Nachbörslich verlor die Aktie zunächst mehr als sechs Prozent, im Freitagshandel brach sie zeitweise um fast zehn Prozent ein, was 400 Milliarden Dollar Börsenwert weniger entsprach.
Wenige Tage zuvor hatte Apple an der Marke von fünf Billionen Dollar gekratzt. Beim Börsenschluss am Freitag waren es 7,4 Prozent Minus. Was war passiert? Anleger schauen nicht auf das Rekordquartal, sondern auf das nächste. Für die laufenden drei Monate stellte Apple nur noch neun bis elf Prozent Umsatzwachstum in Aussicht. Die Wall Street hatte mit rund zwölf Prozent gerechnet.
Das Dienstegeschäft enttäuschte ebenso. Mit 30,7 Milliarden Dollar erreichte es zwar einen Rekord und wuchs um zwölf Prozent, blieb aber hinter den Erwartungen der Analysten zurück. Ähnlich sah es in China aus. Dort legte der Umsatz zwar um mehr als 22 Prozent auf 18,8 Milliarden Dollar zu, verfehlte jedoch ebenfalls die durchschnittlichen Prognosen. „Der wichtigste Grund für den Rückgang ist das enttäuschende Wachstum im Dienstegeschäft, die niedrige Wachstumsquote seit Juni 2023“, meint Morgan-Stanley-Analyst Erik Woodring. Einer der Gründe könnte sein, dass Kunden mehr Geld für KI ausgeben würden, was zu Lasten von anderen digitalen Angeboten geht.
Selbst die außergewöhnlich hohe Bruttomarge von 50,1 Prozent hatte einen Haken. Rund zwei Prozentpunkte stammten aus einmaligen Zollerstattungen, nachdem der US-Supreme-Court einen Teil der auf Grundlage des Notstandsgesetzes verhängten Importabgaben der Regierung von Donald Trump gekippt hatte. Ohne diesen Effekt hätte die Marge bei etwa 48,1 Prozent gelegen. Für das laufende Quartal rechnet Apple mit 47 bis 48 Prozent.
Lieferengpässe und Chipknappheit
Vor allem aber warnte der Konzern vor sich verschärfenden Lieferengpässen. Der weltweite KI-Boom treibt die Nachfrage nach Speicherchips und modernsten Fertigungskapazitäten in die Höhe. Rechenzentren konkurrieren zunehmend mit Smartphone- und Computerherstellern um dieselben Komponenten.
Apple hatte deshalb bereits im Juni die Preise für einige Macs und iPads angehoben, ein für den Konzern ungewöhnlicher Schritt mitten im Produktzyklus. Das iPhone blieb bislang verschont. Doch an der Wall Street rechnen immer mehr Analysten damit, dass Apple auch dort im September die Preise erhöht und dies mit einem neuen Leasing-Programm zumindest im Heimatmarkt USA kompensiert.
Zugleich kann Apple womöglich nicht alle Geräte liefern, die Kunden bestellen wollen. Cook sprach von „sehr erheblichen“ Einschränkungen und begrenzten Möglichkeiten, kurzfristig gegenzusteuern. Der Konzern prüfe alternative Lieferanten. Unter anderem ChangXin Memory Technologies. CXMT ist ein chinesischer Hersteller von Speicherchips und strategisch wichtig, nicht nur für Chinas Industrie.
Seine Verpflichtung könnte Gegenwind aus dem Weißen Haus bekommen, selbst wenn die Komponenten in Geräten eingesetzt werden, die Apple außerhalb der USA verkauft. Aufgeschobene Käufe sind zwar nicht zwangsläufig verlorene Käufe. Doch wenn ein iPhone erst im Januar statt zum Weihnachtsgeschäft verfügbar ist, verschieben sich Umsatz und Gewinn ins nächste Quartal.
Der Kurssturz ist ein undankbarer Abschied für Tim Cook. In seinen 15 Jahren an der Spitze hat er Apples Börsenwert von rund 350 Milliarden auf zeitweise fast fünf Billionen Dollar gesteigert, das Dienstegeschäft zu einem Konzern im Konzern ausgebaut und Apple durch Handelskriege und Lieferkettenkrisen navigiert. Dass ausgerechnet sein Abschiedsquartal trotz Rekordzahlen mit einem historischen Minus quittiert wird, ist eben typisch Wall Street. Gestrige Erfolge sind Schall und Rauch.
John Ternus und die KI-Strategie
Am 1. September übernimmt nun John Ternus den Chefposten. Cook rückt auf den neu geschaffenen Stuhl des Executive Chairman und soll Apple unter anderem im Kontakt mit Regierungen und politischen Entscheidungsträgern vertreten.
Für Ternus wäre das Falt-iPhone ein ideales Antrittsgeschenk. In Auftrag gegeben wurde es unter Cook, präsentieren dürfte es der Mann, der das Gerät als langjähriger Hardware-Chef ohnehin verantwortet hat. Seit Ende 2025 betreut Ternus zudem Apples Designorganisation.
Er erbt allerdings auch erhebliche Herausforderungen. Wie knappe Chips, steigende Komponentenpreise, Margendruck und ein KI-Wettrennen, in dem Apple lange als Nachzügler galt.
Auf der Entwicklerkonferenz im Juni zeigte der Konzern die runderneuerte Sprachassistentin Siri AI. Sie soll zunächst als Betaversion in englischer Sprache kommen, allerdings eher später im Jahr.
Siri AI ist zugleich ein wichtiger Grund für die Speicheraufrüstung der Apple-Produkte. Apples leistungsfähigstes lokales KI-Modell und bestimmte anspruchsvolle Funktionen benötigen mindestens zwölf Gigabyte Arbeitsspeicher. Bislang erfüllen nur die teuersten neueren iPhones diese Voraussetzung. Die kommende iPhone-Generation dürfte deshalb mehr Speicher erhalten.
Bei den laufenden Kosten der Künstlichen Intelligenz will Apple ebenfalls einen anderen Weg gehen als viele Konkurrenten. Einige rechenintensive Funktionen haben tägliche Nutzungslimits. Cook kündigte an, dass Kunden zusätzliche Kapazität erwerben können sollen.
Wer die KI intensiv nutzt, wird mehr zahlen, was neues Umsatzpotential birgt. Doch kann all das die Aktie wieder beflügeln? Ein zweites iPhone-6-Wunder dürfte das faltbare iPhone kaum auslösen. Dafür ist es zu teuer und zu nischig. 2014 holte Apple mit den größeren iPhone-Displays etwas nach, das Millionen Kunden schmerzlich vermissten. Faltbare Smartphones hingegen sind sieben Jahre nach ihrem Marktstart ein Liebhaberprodukt geblieben. Ihr Anteil am weltweiten Smartphone-Absatz liegt weiterhin im niedrigen einstelligen Prozentbereich.
Samsung hat zwar mit acht Generationen bewiesen, dass sich damit ein Geschäft machen lässt. Einen Massenmarkt hat der Konzern bislang allerdings damit nicht geschaffen.
Trotzdem wäre die Premiere wichtig. Sie würde zeigen, dass Apple wieder Hardware wagt, die sich sichtbar von ihren Vorgängern unterscheidet. Sie könnte besonders kaufkräftige Stammkunden im Apple-Ökosystem halten, die bislang neidisch auf Samsungs Galaxy Fold schauen. Und sie würde Ternus einen Auftritt verschaffen, wie ihn Cook bei seinem Amtsantritt nicht hatte. Nämlich ein völlig neues iPhone-Format als Symbol für eine neue Ära.
Das eigentliche Kurspotenzial liegt allerdings woanders. Mehr als 2,5 Milliarden aktive Apple-Geräte sind weltweit im Einsatz, davon mehr als 1,5 Milliarden bezahlte Abonnements. Wenn Siri AI überzeugt und damit die Nutzer zum Kauf neuer Hardware bewegt, könnte daraus jener Superzyklus entstehen, auf den die Wall Street seit Jahren spekuliert. Das Falt-iPhone wäre dann nur eine Zugabe, allerdings eine mit Prestige.