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Donnerstag, 30. Juli 2026
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Nach Personalwechseln - Unionsfraktionsvorsitzender Frei (CDU): "Blick auf die politischen Herausforderungen richten"

Medienspektrum

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30. Juli
Die Zeit (Politik)

Umbau der Bundesregierung: Frei warnt CDU davor, ihre derzeitige Situation zu unterschätzen

Thorsten Frei (CDU), neu gewählter Vorsitzender der Unionsfraktion im Bundestag, hat die CDU angesichts des Personalumbaus in Regierung und Partei davor gewarnt, die aktuelle Situation zu unterschätzen. Mit Blick auf die Landtagswahlen im Herbst müsse man die gegenwärtige Lage sehr ernst nehmen, sagte er im Deutschlandfunk. Zugleich widersprach Frei dem Chef des CDU-Arbeitnehmerflügels, Dennis Radtke, der die Lage der Partei als ernster als zur Zeit der CDU-Spendenaffäre um die Jahrtausendwende bezeichnet hatte. In dieser Situation sei die Partei nicht, sagte der neue Fraktionsvorsitzende, damals sei die CDU in einer »gigantischen Vertrauenskrise« gewesen. Frei appellierte an die Union, sich nach dem Rücktritt von Jens Spahn (CDU) als Fraktionschef und der dadurch ausgelösten Personalrochade nicht zu sehr mit sich selbst zu beschäftigen: »Wir müssen, glaube ich, in dieser Situation auch aufpassen, dass wir nicht zu sehr um uns selbst kreisen.« Union müsse das Vertrauen der Bürger zurückgewinnen Er sei sehr dafür, selbstkritisch zu sein und permanent zu versuchen, besser zu werden, sagte Frei. So sei die gestrige Fraktionssitzung, in der er gewählt wurde, von einer kritischen, aber konstruktiven Diskussion geprägt gewesen. Nun müsse der Blick jedoch wieder auf die politischen Herausforderungen gerichtet werden. »Wir selbst sind ja kein Selbstzweck«, sagte Frei. Es gehe darum, etwas für das Land und die Menschen zu tun – dabei stehe man vor gewaltigen Aufgaben. Mit Blick auf die Umfragewerte räumte der frühere Kanzleramtschef Handlungsbedarf ein. Die Union müsse das Vertrauen der Bürger zurückgewinnen und die wirtschaftlichen Probleme lösen. Frei war am Mittwoch in einer Sondersitzung der Unionsfraktion mit fast 92 Prozent zum Nachfolger Spahns gewählt worden. Das Ergebnis mache die Union stärker für die Herausforderungen im Herbst, sagte er nach der Fraktionssitzung.

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29. Juli
ZDF heute

Frei sieht keinen "Autoritätsverlust" bei Merz

Unions-Fraktionschef im ZDF-Interview:Frei sieht keinen "Autoritätsverlust" bei Merz von Johannes Lieber Mit 91,9 Prozent wurde Thorsten Frei (CDU) zum neuen Fraktionsvorsitzenden der Union gewählt. Im ZDF-Interview zeigt er sich erleichtert und stellt sich hinter Bundeskanzler Merz. Nach den heftigen Personaldiskussionen in der Union sieht der neu gewählte Fraktionsvorsitzende der Union Thorsten Frei (CDU) keinen "Autoritätsverlust" bei Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). Vielmehr spreche es für seine Partei, "dass wir Probleme, die da sind, auch offen ansprechen können". Das erklärte Frei im ZDF-Interview bei "Was nun, Herr Frei?" mit ZDF-Chefredakteurin Bettina Schausten und ZDF-Nachrichtenchefin Anne Gellinek. Sehen Sie das gesamte Interview oben im Video - oder lesen Sie mehr im Folgenden. Der ehemalige Kanzleramtschef wurde heute mit einem überraschend guten Ergebnis zum Fraktionsvorsitzenden gewählt. 29.07.2026 | 2:14 minGutes Wahlergebnis für ihn: Frei hofft auf Stärkung des Kanzlers In einer Sondersitzung der Unions-Fraktion im Bundestag wurde Thorsten Frei mit 91,9 Prozent zum neuen Vorsitzenden gewählt. Er folgt damit auf Jens Spahn (CDU), der im Zuge der Leihmutter-Debatte zurückgetreten war. Das "starke Ergebnis" stärke ihm den Rücken für die "großen Herausforderungen, die in den kommenden Monaten auf uns warten", so Frei. Gleichzeitig hoffe er, dass auch Kanzler Friedrich Merz durch das Ergebnis gestärkt werde. In den vergangenen Tagen hatte es teils öffentliche Kritik aus der eigenen Partei am Kabinettsumbau von Merz gegeben. Es sei eine "sehr anspruchsvolle Zeit gewesen", so Frei. Er sei aber nicht der Meinung, dass dem Kanzler die Situation "entglitten" sei. Mit überraschenden 91,9 Prozent der Stimmen wurde Thorsten Frei zum Vorsitzenden der Union-Bundestagsfraktion gewählt. Diana Zimmermann über die Stimmung vor Ort. 29.07.2026 | 1:34 minFrei: Lage der Partei "objektiv keine gute" In der Fraktionssitzung habe es eine "sehr ehrliche, aber auch konstruktive Debatte" über die Situation der Partei gegeben. Die Lage sei "objektiv keine Gute", gab Frei zu. Das könne jeder sehen, der sich die Umfrageergebnisse anschaue. Frei halte nichts davon, "die Dinge schöner zu reden, als sie tatsächlich sind". Die Menschen im Land seien mit der Arbeit der Regierung "nicht so zufrieden, wie wir uns das wünschen", so Frei. Deswegen müssen wir uns in der Tat immer hinterfragen, was wir besser und anders machen können. Thorsten Frei Merz habe die Kritik anerkannt und selbstkritisch reagiert, so CDU-Vizefraktionschef Middelberg. 29.07.2026 | 2:11 minJens Spahn nochmal in führender Rolle? - "Gut möglich" Angesprochen auf seinen Vorgänger im Amt des Fraktionsvorsitzenden, Jens Spahn, sagte Frei, dass er aus der Zeitung von der Entscheidung Spahns erfahren habe, per Leihmutter Vater zu werden. Man habe trotzdem ein "enges Verhältnis" zu Spahn. Dass ein Kind geboren werde, "ist ja zunächst einmal etwas Wunderschönes", so Frei. Auf der anderen Seite haben wir eben die Situation, dass Reden und Handeln einfach nicht auseinanderfallen darf, wenn man nicht Glaubwürdigkeit einbüßen mag. Thorsten Frei Nach der Wahl des neuen Fraktionsvorsitzenden gab es eine längere Aussprache über die Personaländerungen, berichtet Diana Zimmermann. 29.07.2026 | 0:54 minAuf die Frage, ob Frei es sich vorstellen könne, dass Jens Spahn nochmal eine führende Rolle in der CDU spielen könnte, sagte der neue Fraktionschef dennoch: "Das halte ich für gut möglich". Ähnlich hatte sich auch CSU-Chef Markus Söder nach der Fraktionssitzung geäußert. Frei: Denke in vielen Fragen "ganz ähnlich" wie der Bundeskanzler Thorsten Frei wechselt aus seinem bisherigen Amt als Kanzleramtschef an die Fraktionsspitze. Im Gespräch sagte er, dass er "sehr genau" wisse, dass das jetzt ein "Rollenwechsel" für ihn sei. Als Chef des Bundeskanzleramts war meine Aufgabe, den Bundeskanzler zu unterstützen und die Arbeit der Bundesregierung zu steuern und zu koordinieren, Kompromisse zu schmieden. Jetzt ist es meine Aufgabe, die Interessen der Fraktion kraftvoll zu vertreten. Thorsten Frei Die Pressekonferenz der Unionsspitze nach der Sondersitzung hier bei ZDFheute live. 29.07.2026 | 25:39 minEs bleibt abzuwarten, wie sehr sich Frei für seine neue Rolle vom Bundeskanzler lösen kann. Im Interview sagte er, dass er in den "allermeisten politischen Fragen ganz ähnlich denke" wie Friedrich Merz. Er habe sich da nie verstellt und das werde auch so bleiben. Er deutete an, als Fraktionschef auch den eigenen Abgeordneten durchaus selbstbewusst gegenüberzutreten. Ich vertrete ja nicht nur als Sprachrohr die Interessen der Kolleginnen und Kollegen, sondern ich habe auch selber eine eigene, auch starke politische Meinung. Thorsten Frei Das sei die "Triebfeder" seines politischen Engagements. Mehr zum Thema Kabinettsumbau - InterviewKritik aus Bremen:CDU-Landeschef fordert Merz zum Umdenken aufmit Video2:03 - Die Personalpolitik des Kanzlers:Merz in Irland - und die Kritik an ihm reist mitvon Diana Zimmermannmit Video1:11 - AnalyseCarsten Linnemann wird Minister:Gefährdet der Kabinettsumbau die Gesundheitsreformen?von Johannes Liebermit Video2:02 - AnalyseKritik an Personalwechseln des Kanzlers:Ein Scherbengericht für Friedrich Merzvon Mathis Feldhoffmit Video3:10

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29. Juli
Tagesschau

Frei zum Vorsitzenden der Unionsfraktion gewählt

Nachfolge von Spahn Frei zum Fraktionschef der Union gewählt Klare Mehrheit für den neuen Chef: Der bisherige Kanzleramtsminister Frei ist mit 91,9 Prozent der Stimmen zum Vorsitzenden der Unionsfraktion im Bundestag gewählt worden. Er folgt auf den zurückgetretenen Spahn. Der bisherige Kanzleramtschef Thorsten Frei ist zum Vorsitzenden der CDU/CSU-Bundestagsfraktion gewählt worden. Der 52-Jährige erhielt in einer Sondersitzung der Fraktion nach Informationen des ARD-Hauptstadtstudios 91,9 Prozent der Stimmen. Von den 185 anwesenden Abgeordneten gaben demnach alle ihre Stimmen ab - 170 davon gingen an Frei. Bundeskanzler Friedrich Merz sprach auf der Pressekonferenz nach der Sondersitzung von einem "großartigen, beeindruckenden Ergebnis". Frei selbst wertete das Ergebnis "als Rückenstärkung und zusätzlich Motivation für alles, was noch vor uns liegt". Er wolle nun die "guten Gesetze der Bundesregierung noch besser machen", kündigte er an. Sein Ziel sei es, als Fraktion nicht abzuwarten, sondern "proaktiv" und mit "eigenen Vorschlägen in die Debatte zu gehen". Nachfolger von zurückgetretenen Spahn Frei dankte auch seinem Vorgänger, dem von dem Posten zurückgetretenen CDU-Politiker Jens Spahn, für die "enge Zusammenarbeit der letzten Jahre". Spahn habe der Fraktion eine "starke, vernehmbare Stimme in Berlin" verschafft. Spahn war zuvor massiv in die Kritik geraten, weil er und sein Ehepartner eine Leihmutterschaft in den USA in Anspruch genommen hatten. Die Union positioniert sich klar gegen Leihmutterschaften. Unmut über Merz spiegelt sich im Ergebnis nicht wider Mehr als 90 Prozent Zustimmung gelten als gutes, aber in der ersten Wahl nicht ungewöhnliches Ergebnis: Von den 13 Vorgängern Freis starteten fast alle mit einem solchen Ergebnis in ihre Amtszeit, soweit sie sich nicht in Kampfabstimmungen durchsetzen mussten. Es gab nur eine Ausnahme: Friedrich Merz kam 2022 auf 89,5 Prozent. Spahn bekam bei seiner ersten Wahl im vergangenen Jahr auf 91,3 Prozent. Die Unzufriedenheit in der Union mit der Personalrochade von Kanzler Merz spiegelt sich damit - anders als von einigen erwartet - nicht im Wahlergebnis wider. CSU-Chef Markus Söder nannte die Wahl einen guten Abschluss "einer turbulenten Woche" - das "nicht automatisch zu erwarten" gewesen sei. Er räumte ein, dass es Verärgerung in der Fraktion gegeben habe. Merz hatte den Rücktritt von Spahn für einen Kabinettsumbau genutzt - aber vor allem die Hängepartie um den Rauswurf von Ex-Verkehrsminister Patrick Schnieder sorgte für Kritik, auch in der eigenen Partei. Unzufriedenheit dazu gibt es vor allem aus dem Landesverband Rheinland-Pfalz. Frei selbst hatte das Chaos in der Regierungsumbildung als "Pech" bezeichnet. Aus seiner Sicht war die Hängepartie nicht vermeidbar. "So wie das jetzt gelaufen ist, das kann man ehrlicherweise nicht ausschließen. Das kann passieren", hatte er in der vergangenen Woche gesagt. Merz will an seiner Kommunikation arbeiten Klärungsbedarf gab es in der Sondersitzung aber offenbar dennoch: Nach der Wahl schloss sich eine Aussprache der aus der parlamentarischen Sommerpause zurückgekehrten Abgeordneten an. Eine angesetzte Pressekonferenz zur Wahl wurde zunächst verschoben. Merz wertete die Aussprache zu verschiedenen Aspekten im Anschluss als "gut, fair und respektvoll". Er habe daraus auch mitgenommen, dass die Kommunikation verbessert werden müsse. Ein Schwerpunkt "auch meiner Arbeit" werde künftig "darauf liegen, zu gucken, dass wir zwischen Bundesregierung, Bundestagsfraktion und der von mir geführten Partei eine gute Kommunikation machen", sagte Merz. Angesprochen auf die sinkenden Umfragewerte der Union räumte Frei ein, dass das "nicht die gewünschte Zufriedenheit" sei. Das Vertrauen der Menschen lasse sich nur zurückgewinnen, wenn sich die persönlichen Lebensverhältnisse verbessern - und dieses Ziel erreiche man nur über die "Summe der Maßnahmen". Frei schon nach Bundestagswahl als Fraktionschef im Gespräch Frei wurde 2021 Parlamentarischer Geschäftsführer unter Fraktionschef und Oppositionsführer Merz wurde. Er kennt die Fraktionsarbeit also gut und gilt gleichzeitig als Vertrauter von Merz. Schon nach der Bundestagswahl im vergangenen Jahr wer er als Chef der Fraktion im Gespräch, wurde dann aber von Merz ins Kanzleramt geholt. Dort stand er lange Zeit in der Kritik. Sowohl aus beiden Koalitionsparteien als auch aus den Ländern wurde ihm mangelnde Koordination der Zusammenarbeit vorgeworfen, auch wenn sich das in den vergangenen Monaten besserte. Frei erklärte nach seiner Wahl, dass ein "Rollenwechsel" für ihn anstehe. Bisher sei er damit beschäftigt gewesen, dass die Ministerien gut zusammenarbeiten. Nun sei es einerseits seine Aufgabe, die Bundesregierung bei der Umsetzung ihrer Koalitionsziele zu unterstützen - aber andererseits auch der Fraktion eine "eigene, selbstbewusste Stimme zu geben".

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29. Juli
Die Zeit (Politik)

Bundestag: Unionsfraktion wählt Thorsten Frei zum Vorsitzenden

Der bisherige Kanzleramtschef Thorsten Frei ist neuer Vorsitzender der Unionsfraktion im Bundestag. Die Abgeordneten von CDU und CSU wählten den 52-Jährigen mit 91,9 Prozent zum Nachfolger von Jens Spahn. Zuvor hatte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier Frei aus seinem Amt als Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes entlassen. Frei zeigte sich erfreut über das Ergebnis. »Ich werte das klare Votum der Fraktion als einen Vertrauensbeweis«, sagte er in einer Pressekonferenz nach der Fraktionssitzung. Das Ergebnis gebe ihm die »Motivation für alles, was jetzt vor uns liegt«, sagte Frei. Die Regierung habe »viel vor der Brust«, sagte er mit Blick auf geplante Reformen bei Pflege, Rente, Arbeitsmarkt, Steuern und Bürokratierückbau. Merz verteidigt Personalentscheidungen Bundeskanzler Merz sprach von einem beeindruckenden Wahlergebnis. Gleichzeitig verteidigte er seinen Umbau in der Regierung. Die Entscheidungen hätten schnell getroffen werden müssen, sagte Merz. In der Fraktionssitzung hätten 15 Abgeordnete ihre Bedenken geäußert, sagte Merz. Dennoch sprach er von einer guten und fairen Aussprache. Es seien keine weiteren Personalveränderungen geplant, sagte der Bundeskanzler. Die jetzige Aufstellung in der Regierung sei die richtige, um die Herausforderungen der nächsten zweieinhalb Jahre gemeinsam zu bewältigen. Merz sagte künftig eine Verbesserung in der Kommunikation zu. »Ich bin wirklich sehr zuversichtlich, dass aus dieser Fraktionssitzung heraus ein neuer Impuls kommt, eine neue Dynamik kommt«, sagte der Bundeskanzler. Auch CSU-Chef Söder zeigte sich angesichts des Wahlergebnisses erleichtert. Nach einer »turbulenten Woche« zeige das Ergebnis, dass die Regierung handlungsfähig sei. Aus einer Neuaufstellung könne neue Kraft erwachsen. Alle drei Politiker bedankten sich bei Jens Spahn für seine bisherige Arbeit. Spahn habe der Fraktion »eine starke, vernehmbare Stimme« gegeben, sagte Frei. Spahn war vor eineinhalb Wochen wegen Kritik an seiner Familiengründung mithilfe einer Leihmutter zurückgetreten. Merz und CSU-Chef Markus Söder hatten daraufhin Frei als Nachfolger vorgeschlagen und einen weiteren Umbau des Kabinetts angekündigt. Das Bundeskanzleramt wird künftig von der bisherigen Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) geführt. Gesundheitsminister wird der bisherige CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann. Der CDU-Politiker Steffen Bilger wird neuer Verkehrsminister. Kritik an Entlassung von Verkehrsminister Schnieder Vor der Wahl hatte es Spekulationen gegeben, der Unmut in der Union über den Kabinettumbau von Merz könnte sich im Wahlergebnis von Frei niederschlagen. Vor allem die Entlassung von Verkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) sorgte für Kritik. Mit 91,9 Prozent erzielte Frei aber ein gutes Ergebnis. Spahn hatte bei seiner ersten Wahl im vergangenen Jahr 91,3 Prozent bekommen. Frei gehört seit 2013 dem Bundestag an, wo er 2021 Parlamentarischer Geschäftsführer unter Fraktionschef und Oppositionsführer Merz wurde. Er war schon nach der Bundestagswahl im vergangenen Jahr als Chef der CDU/CSU-Bundestagsfraktion im Gespräch, wurde dann aber von Merz ins Kanzleramt geholt. Er ist einer der engsten Vertrauten des Kanzlers.

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29. Juli
taz (Öko & Co)

Wahl des Unionsfraktionsvorsitzenden: Union rafft sich erst mal zusammen

Wahl des Unionsfraktionsvorsitzenden: Union rafft sich erst mal zusammen Die Unionsfraktion stimmt mit 91,9 Prozent für Thorsten Frei als Nachfolger von Jens Spahn. Der Denkzettel für Merz fällt damit aus. Die Union hat den Plenarsaal weitläufig abgeschirmt. Dort, wo man sich im Reichstagsgebäude außerhalb der Sitzungswochen als Journalist relativ frei bewegen kann, ist am Mittwoch kein Durchkommen. So soll zumindest für eine Stunde nichts von dem Abgrund zu sehen sein, der sich bei der CDU aufgetan hat. Die Sitzung, die ursprünglich mal einberufen wurde, um den ehemaligen Kanzleramtschef Thorsten Frei zum neuen Vorsitzenden der Unionsfraktion zu wählen, ist längst zu einem Krisentreffen geworden – in dem die CDU das Verhältnis zu Parteichef und Bundeskanzler Friedrich Merz klären muss. Nur zu bereitwillig hatten CDU-Politiker*innen in den vergangenen Tagen die Autorität und Integrität von Merz infrage gestellt. Grund der teils vernichtenden Kritik gegen den Kanzler war, dass dieser es bei seiner Regierungsumbildung vollbracht hatte, quer durch die Partei Befindlichkeiten zu verletzten und dazu mit ruppiger Rhetorik sogar Freunde gegen sich aufzubringen. In einer denkwürdigen CDU-Vorstandssitzung warf ihm der Bremer CDU-Landesvorsitzende am Montag vor, die Partei wie ein Unternehmen zu führen. Nicht nur soll sich im Anschluss niemand wirklich vor Merz gestellt haben – aus der eigentlich vertraulichen Sitzung wurden die harten Vorwürfe gegen den Kanzler munter an die Presse durchgestochen. Besser als Spahn So geriet die Wahl zum Fraktionsvorsitzenden zu einer Art Prüfstein für den Merz’schen Personalumbau und seine Kanzlerschaft, schließlich hatte er Frei für den Posten vorgeschlagen. Zunächst wirkte es dann tatsächlich so, als würde die Union, nachdem sie einmal mächtig Dampf abgelassen hat, sich wieder zusammenraffen: Mit 91,9 Prozent wählten 185 anwesende Unionsabgeordnete den als Hardliner bei Migrationsthemen bekannt gewordenen Politiker zum neuen Fraktionschef. Damit schnitt Frei besser ab als sein Vorgänger Jens Spahn, der im Mai 86,5 Prozent der Ja-Stimmen erhielt. Spahns Rücktritt als Fraktionsvorsitzender wegen seiner Vaterschaft durch eine Leihmutter, mit der er gegen CDU-Leitlinien verstieß, die er eigentlich selbst vertrat, hatte das Domino erst ausgelöst. Bei der Personalrochade in Regierung, Fraktion und im CDU-Vorstand konnte man zwischenzeitlich das Gefühl bekommen, Merz drehe hier wirklich jeden Stein um. Inzwischen gibt es mit Nina Warken eine neue Kanzleramtsministerin, zum Kabinett stoßen auch Carsten Linnemann als neuer Gesundheitsminister und Steffen Bilger als Verkehrsminister (alle CDU). Sie alle erhielten kurz vor der Sonderfraktionssitzung der Union von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) ihre Ernennungsurkunden. Die neuen Minister*innen sollen jedoch ihren Amtseid im Bundestag erst nach der parlamentarischen Sommerpause ablegen – ein Vorgang, den es so noch nicht gab und der das derzeitige Chaos-Gefühl bei der Union bestärkt. Auch Verfassungsrechtler*innen melden Bedenken darüber an, ob dieses Prozedere überhaupt konform mit dem Grundgesetz ist. Das sind die Diskussionen, die in der Union am Mittwoch im Bundestag hinter verschlossenen Türen geführt werden. Thorsten Frei führte durch die Aussprache, die im Anschluss an seine Wahl als Fraktionsvorsitzender folgte. Laut Informationen aus Teilnehmer*innenkreisen eröffnete Merz die Debatte mit einer Ansprache, in der er erklärte, die entstandenen Wunden heilen zu wollen und dass der Wunsch nach einer größeren Beteiligung angekommen sei. Inwieweit die Abgeordneten dabei wieder mit Merz hart ins Gericht gingen, war zunächst nicht bekannt. Ein Politiker soll in der ganzen Debatte im Bundestag jedenfalls prominent gefehlt haben: Jens Spahn. Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? Werden Sie jetzt Teil der Community! Jetzt unterstützen meistkommentiert

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29. Juli
Handelsblatt

Merz' Personalumbau: Frei ist neuer Fraktionschef - Drei neue Minister

Merz' Personalumbau: Frei ist neuer Fraktionschef - Drei neue Minister Berlin. Elf Tage nach dem Rücktritt von Jens Spahn hat die Unionsfraktion im Bundestag einen neuen Vorsitzenden. In einer Sondersitzung mitten in der Sommerpause wählten die Abgeordneten den bisherigen Kanzleramtschef Thorsten Frei mit dem für viele überraschend guten Ergebnis von 91,9 Prozent. Zuvor hatte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier drei neue Minister ernannt, womit auch die erste Umbildung des Kabinetts von Kanzler Friedrich Merz abgeschlossen ist. An anderen Stellen sind aber noch weitere Personalien offen. Merz gratulierte Frei auf X mit den Worten: „Lieber Thorsten, mit Dir gewinnt unsere Fraktion einen erfahrenen und verantwortungsvollen Vorsitzenden.“ Es sei eine „überzeugenden Wahl“. SPD-Fraktionschef Matthias Miersch zeigte sich sicher, dass er vertrauensvoll mit Frei zusammenarbeiten werde. „Wir treffen uns zeitnah und besprechen die Themen, die wir in der Koalition im Herbst gemeinsam bearbeiten werden“, sagte Miersch der Funke Mediengruppe. Dazu gehöre, das Wirtschaftswachstum anzukurbeln und die Sozialsysteme zukunftsfit zu machen. Frei wird nicht für den Kanzler abgestraft Anders als von einigen in der Union erwartet, spiegelt sich die Unzufriedenheit in der Union mit der Personalrochade von Kanzler Friedrich Merz nicht im Wahlergebnis von Frei wider. Mehr als 90 Prozent - Enthaltungen werden bei der Union nicht mitgezählt - gilt als gutes Ergebnis, auch wenn eine so große Zustimmung bei der Union alles andere als ungewöhnlich ist. Bei den bisherigen Erstwahlen der Fraktionschefs seit 1949 war das Überschreiten der 90-Prozent-Marke die Regel. Von den 13 Vorgängern Freis starteten fast alle mit einem solchen Ergebnis in ihre Amtszeiten, soweit sie sich nicht in Kampfabstimmungen durchsetzen mussten. Es gab nur eine Ausnahme: Friedrich Merz kam 2022 auf 89,5 Prozent. Frei übertraf auch das Ergebnis von Spahn bei dessen erster Wahl im vergangenen Jahr. Spahn bekam damals 91,3 Prozent. Kritik wegen Schnieder: „Sie führen hier keine Firma“ Vor der Wahl hatte es Spekulationen gegeben, dass Frei für den Ärger abgestraft werden könnte, den Merz mit seinem Personalumbau ausgelöst hat. Unzufriedenheit gibt es vor allem im Landesverband Rheinland-Pfalz wegen der Entlassung von Verkehrsminister Patrick Schnieder, aber auch in Ostdeutschland, weil die sächsische Sport-Staatsministerin Christiane Schenderlein aus dem Kanzleramt ins Gesundheitsministerium versetzt wurde. In den CDU-Gremiensitzungen am Montag hatte es heftige Kritik an Merz gegeben, die in der Äußerung von Bremens CDU-Landeschef Heiko Strohmann gipfelte: „Sie leiten hier keine Firma, sondern eine Partei.“ In einem aktuellen Interview des „Tagesspiegels“ legte Strohmann noch einmal nach: „Ich will nicht sagen, dass wir eine katastrophale Stimmung haben. Aber es geht schon in diese Richtung.“ Rückkehr in die Fraktionsführung nach 15 Monaten Frei war schon nach der Bundestagswahl im vergangenen Jahr als Chef der CDU/CSU-Bundestagsfraktion im Gespräch, wurde dann aber von Merz ins Kanzleramt geholt. Dort stand er lange Zeit in der Kritik. Sowohl aus beiden Koalitionsparteien als auch aus den Ländern wurde ihm mangelnde Koordination der Zusammenarbeit vorgeworfen, auch wenn sich das in den vergangenen Monaten besserte. Nun kehrt Frei in gewohnte Gefilde zurück. Der Jurist gehört seit 2013 dem Bundestag an, wo er 2021 Parlamentarischer Geschäftsführer unter Fraktionschef und Oppositionsführer Merz wurde. Frei kennt die Fraktionsarbeit also gut und gilt gleichzeitig als Vertrauter von Merz. In seiner neuen Funktion muss er aber auch dem Anspruch der 208 Abgeordneten von CDU und CSU gerecht werden, dass die Fraktion ein selbstbewusstes Machtzentrum neben dem Kanzleramt ist. Sie erwarten von ihm, dass er dem Kanzler bei aller Loyalität auch klare Kante zeigen kann. Das gute Wahlergebnis dürfte in diesem Sinne als Vertrauensvorschuss zu verstehen sein. Spahn wählt seinen Nachfolger nicht mit Auslöser der Personalrochade war, dass Spahn Mitte Juli öffentlich machte, dass er und sein Ehemann Daniel Funke mit Hilfe einer Leihmutter in den USA ein Kind bekommen haben. Damit umgingen die beiden ein in Deutschland geltendes Verbot und einen Parteitagsbeschluss der CDU. Spahn trat nach scharfer Kritik aus der Union und einer Aufforderung des Kanzlers als Fraktionschef zurück. Bei der Wahl seines Nachfolgers war Spahn nicht dabei. Er ist seit seinem Rücktritt für die Öffentlichkeit abgetaucht. Anfragen, ob er sein Bundestagsmandat behalten werde, wurden auch von seinem Bundestagsbüro bisher nicht beantwortet. Merz hatte bereits am Tag nach Spahns Rücktritt angedeutet, dass er auch das Kabinett umbauen wird. So kam es dann auch. Merz tauschte drei Minister aus, die Kabinettsumbildung wurde am Mittag von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit der Überreichung der Ernennungsurkunden vollzogen. - Die bisherige Gesundheitsministerin Nina Warken löst Frei im Kanzleramt ab. - An die Spitze des Gesundheitsministeriums tritt Linnemann, der bisher CDU-Generalsekretär war. - Für den vom Kanzler entlassenen Schnieder kommt Steffen Bilger, der bisherige Erste Parlamentarische Geschäftsführer der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag war. Insgesamt hat Merz in den vergangenen eineinhalb Wochen seit Spahns Rücktritt acht Personalwechsel in Regierung, Partei und Fraktion verfügt. Auch drei Parlamentarische Staatssekretäre werden ausgetauscht und die bisherige CDU-Schatzmeisterin Franziska Hoppermann ist bereits am Montag zur neuen Generalsekretärin ihrer Partei gewählt worden. Verwandte Themen Personalrochade noch nicht beendet Der größte Teil des Personalpakets ist mit der Wahl Freis fertig geschnürt. Ganz beendet ist die Rochade aber auch jetzt noch nicht. - Merz sucht noch nach einer neuen Staatsministerin für Sport im Kanzleramt. Wer es wird, gilt als offen. Bisher war dafür nur die Ex-Fußballerin Nadine Keßler im Gespräch. - Die CDU muss nach der Beförderung von Franziska Hoppermann ihren bisherigen Schatzmeister-Posten neu besetzen. - Die Fraktion benötigt nach dem Wechsel Bilgers ins Kabinett einen neuen Parlamentarischen Geschäftsführer. Auch für den neuen Gesundheitsminister Linnemann (bisher Fraktionsvize) und Johannes Steiniger (bisher Sprecher Landwirtschaft/künftig Parlamentarischer Staatssekretär im Wirtschaftsministerium) müssen Nachfolger gefunden werden. Merz hofft auf Ende des Unmuts Das von Merz erhoffte Aufbruchssignal geht von der Personalrochade angesichts des Unmuts in der Union jedenfalls nicht aus. Merz hofft, dass der Unmut sich mit der Ernennung der Minister und der Wahl in der Fraktion legt: „Ich gehe fest davon aus, dass nach der Fraktionssitzung am morgigen Tag dann auch alle Entscheidungen nicht nur getroffen sind, sondern auch akzeptiert“, sagte er bereits am Dienstag.

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29. Juli
ZDF heute

Thorsten Frei neuer Fraktionsvorsitzender der Union

Merz-Vertrauter gewählt:Thorsten Frei neuer Fraktionsvorsitzender der Union Der bisherige Kanzleramtschef Thorsten Frei ist neuer Vorsitzender der Unionsfraktion im Bundestag. Der Merz-Vertraute erhielt 91,9 Prozent der Stimmen. Der Merz-Vertraute Thorsten Frei ist zum neuen Unionsfraktionschef gewählt worden. Nach Angaben von Teilnehmerkreisen erhielt Frei 91,9 Prozent der Stimmen. Enthaltungen werden von der Union nicht mitgezählt, sondern nur Ja und Nein-Stimmen. Frei wird nicht für Merz abgestraft Die Unzufriedenheit in der Union mit der Personalrochade von Kanzler Friedrich Merz spiegelt sich damit - anders als von einigen erwartet - nicht in dem Wahlergebnis wider. Mehr als 90 Prozent gilt als gutes Ergebnis, auch wenn eine so große Zustimmung bei der Union alles andere als ungewöhnlich ist. Bei den bisherigen Erstwahlen der Fraktionschefs der Union seit 1949 war das Überschreiten der 90-Prozent-Marke die Regel. Von den 13 Vorgängern Freis starteten fast alle mit einem solchen Ergebnis in ihre Amtszeiten, soweit sie sich nicht in Kampfabstimmungen durchsetzen mussten. Es gab nur eine Ausnahme: Friedrich Merz kam 2022 auf 89,5 Prozent. Jens Spahn bekam bei seiner ersten Wahl im vergangenen Jahr 91,3 Prozent. Bei seiner Wiederwahl im Mai waren es dann noch 86,5 Prozent. Schon nach der Bundestagswahl im vergangenen Jahr war Thorsten Frei als Chef der CDU/CSU-Bundestagsfraktion im Gespräch. Vertrauter von Kanzler Merz Der 52-jährige Vater von drei Kindern kommt aus der südwestlichen Ecke Deutschlands, aus Säckingen im Schwarzwald an der Grenze zur Schweiz. Er studierte Rechtswissenschaften, arbeitete dann als Rechtsanwalt und Regierungsrat, bevor er 2004 Oberbürgermeister der Kreisstadt Donaueschingen wurde. Seit 2013 gehört er dem Bundestag an, wo er 2021 Parlamentarischer Geschäftsführer unter Fraktionschef und Oppositionsführer Friedrich Merz wurde. Das Grummeln über die Personalentscheidungen in der Union ist laut. "Der Kanzler muss nun darauf hoffen, dass die Sommerpause, die Lage beruhigt", so ZDF-Hauptstadtkorrespondentin Andrea Maurer. 29.07.2026 | 2:21 minFrei kennt die Fraktionsarbeit also gut und gilt gleichzeitig als Vertrauter von Merz. Der entschied sich nach der gewonnenen Bundestagswahl, ihn lieber zum Chef des Kanzleramts zu machen, als ihn an der Spitze der Fraktion zu installieren. Den Posten bekam der deutlich unbequemere Jens Spahn - für viele eine Überraschung. In seiner neuen Funktion muss Frei jetzt aber auch der Erwartung der Abgeordneten von CDU und CSU gerecht werden, dass die Fraktion ein selbstbewusstes Machtzentrum neben dem Kanzleramt ist. Sie erwarten von ihm, dass er dem Kanzler bei aller Loyalität auch klare Kante zeigen kann. Spahn-Rücktritt als Auslöser des Personalkarussells Ausgelöst hatte die Kabinettsumbildung der Rücktritt von Unionsfraktionschef Jens Spahn (CDU) Er war wegen Vorwürfen zur Inanspruchnahme einer Leihmutter in den USA für die Geburt seines Sohnes zurückgetreten. Merz nutzte die Neubesetzung des wichtigen Fraktionspostens dann für umfangreichere Veränderungen im Kabinett. Der Personal-Wechsel im Bundeskabinett steht fest: Der neue Verkehrsminister heißt Steffen Bilger, Gesundheitsminister wird Carsten Linnemann und Nina Warken Kanzleramtsministerin. 29.07.2026 | 0:30 minWichtiger Hinweis in eigener Sache Wer bei Google etwas sucht, bekommt neben den Suchergebnissen auch eine Box mit Schlagzeilen angezeigt. Mit ZDFheute als hinterlegter Quelle bekommen Sie unsere Inhalte häufiger in die Schlagzeilen-Box gespielt - geprüfte Inhalte, direkt in Ihrem Überblick. → Hier ZDFheute als bevorzugte Quelle einstellen.  - InterviewKritik aus Bremen:CDU-Landeschef fordert Merz zum Umdenken aufmit Video2:03 - Kabinettsumbildung:Bundespräsident Steinmeier ernennt neue Ministermit Video0:30 - AnalyseUnion wählt neuen Fraktionschef:Muss Thorsten Frei für Friedrich Merz büßen?von Mathis Feldhoffmit Video2:03 - InterviewExperte Korte zu Unions-Fraktionsvorsitz:Frei hat "Machtfragen nie so offensiv gestellt wie Spahn"mit Video15:44

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29. Juli
taz (Öko & Co)

Mit fast 92 Prozent: Union wählt Frei zum neuen Fraktionschef

Mit fast 92 Prozent: Union wählt Frei zum neuen Fraktionschef Die Unionsfraktion hat Thorsten Frei zum Nachfolger von Jens Spahn gewählt. Ob dadurch Ruhe einkehren wird, ist fraglich. Die Kritik an Kanzler Merz hält an. afp | Nach dem Rücktritt von Jens Spahn hat die Unionsfraktion im Bundestag den bisherigen Kanzleramtsminister Thorsten Frei (CDU) zum neuen Vorsitzenden gewählt. Der langjährige Vertraute von Kanzler Friedrich Merz (CDU) erhielt bei einer Sondersitzung am Mittwoch 91,9 Prozent der Stimmen. Spahn war Mitte Juli wegen Vorwürfen zur Inanspruchnahme einer Leihmutter in den USA für die Geburt seines Sohnes zurückgetreten. Dies hatte eine von Pannen begleitete Kabinettsumbildung ausgelöst, die auch am Mittwoch in der Partei weiter für Kritik an Merz sorgte. Denn Merz nutzte die Neubesetzung des wichtigen Fraktionspostens für umfangreichere Veränderungen im Kabinett. Er besetzte drei CDU-Ministerposten neu: Am Mittwoch ernannte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier Nina Warken (CDU) als neue Kanzleramtschefin. Ihren Posten als Gesundheitsminister übernahm der bisherige CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann, das Verkehrsressort ging an den bisherigen Parlamentsgeschäftsführer Steffen Bilger (CDU). Bei der Kabinettsumbildung sorgte vor allem die Hängepartie um den Rauswurf von Verkehrsminister Patrick Schnieder für Kritik in der CDU. Merz hatte ihm bereits am Donnerstag mitgeteilt, dass er ihn entlassen wolle. Doch dazu kam es nicht, weil ein potenzieller Nachfolger wieder kurzfristig abgesagt hatte. Die CDU-Landtagsfraktion aus Schnieders Landesverband Rheinland-Pfalz sagte aus Protest gegen das Vorgehen ein geplantes Gespräch mit Merz im September ab. Kritik gab es auch aus ostdeutschen Landesverbänden, die sich zumindest bei Staatsekretärsposten im Zuge des Kabinettsumbaus nicht ausreichend berücksichtigt sahen. Kritik Worte an Merz hinter verschlossenen Türen Das Wahlergebnis des 52-jährigen Frei in der CDU/CSU-Fraktion fiel ungeachtet der Turbulenzen sehr gut aus und besser als bei Spahn. Dieser hatte bei seiner ersten Wahl zum Fraktionschef im vergangenen Jahr 91,3 Prozent erhalten. Bei seiner Wiederwahl im Mai waren es dann noch 86,5 Prozent. CSU-Chef Markus Söder gratulierte Frei im Online-Dienst X zur Wahl. „Als Baden-Württemberger kennt Thorsten Frei die Anliegen des Südens“, schrieb der bayerische Ministerpräsident. „Er hat den gleichen Kompass wie die CSU, ist tief in den Themen und ein guter Kommunikator.“ Er habe zudem „Fraktions- und Regierungserfahrung, Leidenschaft und Empathie“. Dies seien „beste Voraussetzungen“ für die neue Aufgabe. Am Mittwoch gab es aber weiter Kritik am Kommunikationsstil des Kanzlers. „Ich schätze Friedrich Merz als Bundeskanzler. Seine Kommunikation als CDU-Chef aber ist ausbaufähig. Und seine Personalpolitik auch“, sagte der CDU-Landesvorsitzende Heiko Strohmann dem „Tagesspiegel“ vom Mittwoch. „Eine Partei funktioniert nicht, indem da einer vorn sitzt, einen Monolog hält und wir anschließend applaudieren.“ Auch der CDU-Sozialpolitiker Dennis Radtke forderte im Deutschlandfunk einen besseren Kommunikationsstil des Partei- und Regierungschefs. Es sei das Recht eines Kanzlers, seine Führungsmannschaft neu aufzustellen. Zur Führungsaufgabe gehöre es aber auch, Kritik einzupreisen und damit umzugehen. Merz nahm am Mittwoch an der Fraktionssitzung zur Wahl Freis teil. Erwartet wurde, dass seine Kritiker das Treffen hinter verschlossenen Türen auch für klare Worte an den Partei- und Regierungschef nutzen würden. Das Treffen dauerte nach der Wahl Freis länger als geplant. Eine zunächst für 15.00 Uhr angesetzte Pressekonferenz verzögerte sich deutlich. Dass es Diskussionen in der Fraktion gebe, sei gut, sagte die bisherige parlamentarische Staatssekretärin im Wirtschaftsministerium, Gitta Connemann (CDU) vor der Sondersitzung im Sender Phoenix. „Denn wir sind ja kein Abnick-Verein.“ Auf die Frage, ob sich der Unmut gegen Merz nun schnell wieder legen werde, sagte sie: „Es wird sicherlich bei dem einen oder dem anderen etwas Zeit brauchen, aber das ist nur menschlich.“ Connemann wechselt im Zuge der Kabinettsumbildung nun als Staatssekretärin ins Digitalministerium. Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? Werden Sie jetzt Teil der Community! Jetzt unterstützen meistkommentiert

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29. Juli
Handelsblatt

Personalumbau in der Union: Thorsten Frei: Auf holprigen Umwegen an die Fraktionsspitze

Personalumbau in der Union: Thorsten Frei: Auf holprigen Umwegen an die Fraktionsspitze Berlin. Schon nach der Bundestagswahl im vergangenen Jahr war Thorsten Frei als Chef der CDU/CSU-Bundestagsfraktion im Gespräch. Jetzt ist er nach einem holprigen Umweg über das Kanzleramt auf diesem Posten ankommen. Mit 91,9 Prozent erhielt er in der Fraktionssitzung sogar ein besseres Ergebnis als sein Vorgänger Jens Spahn im vergangenen Jahr beim Start ins Amt. Die von einigen erwartete Quittung für den Ärger in der Union über die Personalrochade des Kanzlers blieb aus. Rechtsanwalt - Oberbürgermeister - Bundestag Der 52-jährige Vater von drei Kindern kommt aus der südwestlichen Ecke Deutschlands, aus Säckingen im Schwarzwald an der Grenze zur Schweiz. Er studierte Rechtswissenschaften, arbeitete dann als Rechtsanwalt und Regierungsrat, bevor er 2004 Oberbürgermeister der Kreisstadt Donaueschingen wurde. Seit 2013 gehört er dem Bundestag an, wo er 2021 Parlamentarischer Geschäftsführer unter Fraktionschef und Oppositionsführer Friedrich Merz wurde. Frei kennt die Fraktionsarbeit also gut und gilt gleichzeitig als Vertrauter von Merz. Der entschied sich nach der gewonnenen Bundestagswahl, ihn lieber zum Chef des Kanzleramts zu machen, als ihn an der Spitze der Fraktion zu installieren. Den Posten bekam der deutlich unbequemere Spahn – für viele eine Überraschung. Holprige Zeit im Kanzleramt Freis Zeit im Kanzleramt stand von Anfang an unter keinem guten Stern. Die erste Sitzung des Koalitionsausschusses, für dessen Vorbereitung ein Kanzleramtschef eigentlich zuständig ist, ließ er zugunsten einer Veranstaltung in seinem Wahlkreis Donaueschingen sausen. Später wurde ihm aus Union und SPD, aber auch aus den Ländern unter der Hand teils chaotische Amtsführung vorgeworfen. Bei der Erarbeitung des Reformpakets nahmen die Fraktionsspitzen das Heft des Handelns in die Hand. Dass die Einigung geräuschlos zustande kam, ist vor allem ihnen anzurechnen. Zuletzt verbesserte sich Freis Standing als Kanzleramtschef allerdings und Zweifel des Kanzlers an ihm gab es ohnehin nicht. Wäre Spahn nicht zurückgetreten, hätte Frei seinen Posten wohl weiter sicher gehabt. Rückkehr in gewohnte Gefilde Nun kehrt Frei in gewohnte Gefilde zurück. Sein Vorteil: Er muss sich nicht einarbeiten, kann durchstarten, steckt in allen Themen und kennt alle wichtigen Akteure bestens. Für die Koalitionsarbeit, die mit dem Reformpaket nach knapp 15 Monaten gerade in geregelte Bahnen gelenkt wurde, ist das von großem Vorteil. Sein guter Draht zum Kanzler wird hilfreich sein. In seiner neuen Rolle wird er Merz gegenüber aber anders auftreten müssen. Denn Unmut über den Führungsstil des Kanzlers gibt es in der Fraktion nicht erst seit dem Ärger über die Personalrochade. Spahn hat die Fraktion zu einem selbstbewussten Machtzentrum neben dem Kanzleramt gemacht. Das werden sich die Abgeordneten auch mit dem neuen Fraktionschef nicht mehr nehmen lassen wollen. Frei wird also bei aller notwendigen Loyalität zum Kanzler beweisen müssen, dass er auch diesem Anspruch gerecht werden kann. Die 91,9 Prozent dürften als Vertrauensvorschuss zu verstehen sein. Jetzt muss er liefern.

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29. Juli
Süddeutsche Zeitung (Politik)

Bundespolitik: Thorsten Frei mit 91,9 Prozent zum Vorsitzenden der Unionsfraktion gewählt

Für unseren Liveblog verwenden wir neben eigenen Recherchen Material der Nachrichtenagenturen dpa, Reuters, epd, KNA und Bloomberg. Wichtige Updates Amtsübergabe im Verkehrsministerium: Bilger hält erste Rede als Verkehrsminister Warken braucht eine halbe Minute bis zum nächsten Ministerinnenamt Steinmeier ernennt neue Kabinettsmitglieder Experten sehen Verfassungsverstoß in Kabinettswechsel ohne Eid Der letzte Auftritt von Verkehrsminister Schnieder Unionsfraktion wählt Thorsten Frei zum neuen Vorsitzenden Der bisherige Kanzleramtschef Thorsten Frei ist neuer Vorsitzender der Unionsfraktion im Bundestag. Die Abgeordneten von CDU und CSU wählten den 52-jährigen CDU-Politiker in einer Sondersitzung mit 91,9 Prozent zum Nachfolger des vor eineinhalb Wochen zurückgetretenen Jens Spahn, wie die Deutsche Presse-Agentur und Reuters aus Teilnehmerkreisen erfuhren.  Anders als von einigen in der Union erwartet, spiegelt sich die Unzufriedenheit in der Union mit der Personalrochade von Kanzler Friedrich Merz nicht im Wahlergebnis von Frei wider. Mehr als 90 Prozent – Enthaltungen werden bei der Union nicht mitgezählt – gilt als gutes Ergebnis, auch wenn eine so große Zustimmung bei der Union alles andere als ungewöhnlich ist. In der Regel haben die Fraktionschefs der Union bei ihrer ersten Wahl mehr als 90 Prozent erhalten, soweit es sich nicht um Kampfabstimmungen handelte. Der bisherige Kanzleramtschef ist Nachfolger des zurückgetretenen Jens Spahn. Frei hatte zuvor seine Entlassungsurkunde von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier überreicht bekommen. Insgesamt hat Merz in den vergangenen eineinhalb Wochen seit Spahns Rücktritt acht Personalwechsel in Regierung, Partei und Fraktion vorgenommen. Anders als von einigen in der Union erwartet, spiegelt sich die Unzufriedenheit in der Union mit der Personalrochade von Kanzler Friedrich Merz nicht im Wahlergebnis von Frei wider. Mehr als 90 Prozent – Enthaltungen werden bei der Union nicht mitgezählt – gilt als gutes Ergebnis, auch wenn eine so große Zustimmung bei der Union alles andere als ungewöhnlich ist. In der Regel haben die Fraktionschefs der Union bei ihrer ersten Wahl mehr als 90 Prozent erhalten, soweit es sich nicht um Kampfabstimmungen handelte. Der bisherige Kanzleramtschef ist Nachfolger des zurückgetretenen Jens Spahn. Frei hatte zuvor seine Entlassungsurkunde von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier überreicht bekommen. Insgesamt hat Merz in den vergangenen eineinhalb Wochen seit Spahns Rücktritt acht Personalwechsel in Regierung, Partei und Fraktion vorgenommen. Merz kündigt Ende der Personalveränderungen an Bundeskanzler Friedrich Merz plant über noch notwendige Nachbesetzungen in Bundesregierung und Partei hinaus keine weiteren Änderungen. Das sagte der CDU-Chef nach einer Sondersitzung der Unionsfraktion. Die jetzige Aufstellung in der Regierung sei die richtige, um die Herausforderungen der nächsten zweieinhalb Jahre gemeinsam zu bewältigen. Insofern gebe es aus seiner Sicht keinerlei Überlegungen, weitere Personalveränderungen vorzunehmen. Merz hatte den Rücktritt von Unionsfraktionschef Jens Spahn für eine Kabinettsumbildung genutzt. Vor allem die Art und Weise der Entlassung von Verkehrsminister Patrick Schnieder hat für viel Unmut in der CDU gesorgt. Merz sucht noch nach einer neuen Staatsministerin für Sport im Kanzleramt. Wer es wird, gilt als offen. Die CDU muss nach der Beförderung von Franziska Hoppermann zur Generalsekretärin ihren bisherigen Schatzmeister-Posten neu besetzen. Die Fraktion benötigt nach dem Wechsel von Steffen Bilger, der neuer Verkehrsminister geworden ist, einen neuen Parlamentarischen Geschäftsführer. Merz hatte den Rücktritt von Unionsfraktionschef Jens Spahn für eine Kabinettsumbildung genutzt. Vor allem die Art und Weise der Entlassung von Verkehrsminister Patrick Schnieder hat für viel Unmut in der CDU gesorgt. Merz sucht noch nach einer neuen Staatsministerin für Sport im Kanzleramt. Wer es wird, gilt als offen. Die CDU muss nach der Beförderung von Franziska Hoppermann zur Generalsekretärin ihren bisherigen Schatzmeister-Posten neu besetzen. Die Fraktion benötigt nach dem Wechsel von Steffen Bilger, der neuer Verkehrsminister geworden ist, einen neuen Parlamentarischen Geschäftsführer. Fraktionschef Frei: „Werte das klare Votum als Rückendeckung“ Der neugewählte Fraktionschef der CDU/CSU-Fraktion, Thorsten Frei, ist zufrieden mit der deutlichen Mehrheit seiner Kollegen. „Ich werte das klare Votum der Fraktion als Vertrauensbeweis und auch als Rückenstärkung“, sagte der 52-Jährige bei einer Pressekonferenz nach seiner Wahl in Berlin. Für ihn stehe ein Rollenwechsel an, er wolle der Fraktion eine „eigene selbstbewusste Stimme“ geben. Am Ende gehe es nicht um die Personalien, sondern um das Land und die Menschen: „Wir haben nicht die Zufriedenheit der Bevölkerung, die wir uns wünschen“. Nur dann werde das Vertrauen wiedergewonnen werden, wenn das Leben der einzelnen Menschen verbessert würde: Frei nannte unter anderem die Themen Pflege, Rente, Steuern, Arbeitsmarkt oder Bürokratieabbau. Thorsten Frei (CDU), neuer Vorsitzender der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag bei der Pressekonferenz nach der Wahl in Berlin. Sebastian Gollnow/dpa Sondersitzung der Unionsfraktion im Plenarsaal Eigentlich machen die Abgeordneten gerade Pause, es sind sitzungsfreie Wochen, und im Reichstagsgebäude wird einiges umgebaut. Auf einem oberen Stockwerk liegen Spanplatten auf dem Boden, Europaletten liegen da, unverbaute Rohre und Stäbe. An der Kuppel zum Plenarsaal sind Sichtschutzläden angebracht, durch kleine Spalten sieht man die Unionsfraktion einsam im großen Saal tagen. Dorthin musste die Fraktion ausweichen für ihre Sondersitzung. Kanzler Friedrich Merz baut gerade sein Kabinett und die Fraktionsspitze um, und hat die 208 Unionsabgeordneten deshalb zum Dienst einbestellt. Nach dem Rücktritt ihres Vorsitzenden Jens Spahn wegen der Leihmutteraffäre, soll die Fraktion nun ihren neuen Chef wählen: Thorsten Frei. Interimsweise leitet Alexander Hoffmann die Sitzung. Frei wurde erst am Mittag von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier aus seinem Amt als Kanzleramtschef entlassen, der extra dafür seinen Urlaub verschoben hatte. Nach der Wahl dürfen wohl auch die Fraktionsspitze, die Unionsabgeordneten und der Kanzler Urlaub machen. Kanzler Friedrich Merz baut gerade sein Kabinett und die Fraktionsspitze um, und hat die 208 Unionsabgeordneten deshalb zum Dienst einbestellt. Nach dem Rücktritt ihres Vorsitzenden Jens Spahn wegen der Leihmutteraffäre, soll die Fraktion nun ihren neuen Chef wählen: Thorsten Frei. Interimsweise leitet Alexander Hoffmann die Sitzung. Frei wurde erst am Mittag von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier aus seinem Amt als Kanzleramtschef entlassen, der extra dafür seinen Urlaub verschoben hatte. Nach der Wahl dürfen wohl auch die Fraktionsspitze, die Unionsabgeordneten und der Kanzler Urlaub machen. Thorsten Frei auf dem Weg zur Sondersitzung der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, wo er zum neuen Fraktionschef gewählt werden soll. Sebastian Gollnow/dpa Amtsübergabe im Verkehrsministerium: Bilger hält erste Rede als Verkehrsminister Steffen Bilger (CDU) hat in einer feierlichen Zeremonie die Amtsgeschäfte im Bundesverkehrsministerium von seinem Vorgänger Patrick Schnieder (CDU) übergeben bekommen. Bei seiner ersten Rede sagte er, es fühle sich „wie nach Hause kommen an“, von März 2018 bis Dezember 2021 war er Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium. Verkehrspolitik sei lange sein Schwerpunktthema gewesen, sagte Bilger. Zuletzt hatte er als Erster Parlamentarischer Geschäftsführer die Organisation der Unionsfraktion übernommen. Sein Anspruch an Verkehrspolitik sei, dass sie für die Menschen funktioniere. Für die, die morgens pünktlich zur Arbeit müssten, für die Wirtschaft, die eine verlässliche Infrastruktur brauche, für Familien, die in den Urlaub fliegen wollten. „Ich fühle mich verpflichtet, Mobilität und Infrastruktur mit Klima- und Umweltschutz sowie den Bedürfnissen der Menschen in Einklang zu bringen“, sagte er. Dafür müssten „weitreichende Entscheidungen“ getroffen werden, er sei dazu bereit. Menschen erwarteten keine ideologischen Debatten. „Ich sehe es nicht als meine Aufgabe, den Menschen vorzuschreiben, wie sie unterwegs zu sein haben“, sagte er. Bei seiner ersten Rede sagte er, es fühle sich „wie nach Hause kommen an“, von März 2018 bis Dezember 2021 war er Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium. Verkehrspolitik sei lange sein Schwerpunktthema gewesen, sagte Bilger. Zuletzt hatte er als Erster Parlamentarischer Geschäftsführer die Organisation der Unionsfraktion übernommen. Sein Anspruch an Verkehrspolitik sei, dass sie für die Menschen funktioniere. Für die, die morgens pünktlich zur Arbeit müssten, für die Wirtschaft, die eine verlässliche Infrastruktur brauche, für Familien, die in den Urlaub fliegen wollten. „Ich fühle mich verpflichtet, Mobilität und Infrastruktur mit Klima- und Umweltschutz sowie den Bedürfnissen der Menschen in Einklang zu bringen“, sagte er. Dafür müssten „weitreichende Entscheidungen“ getroffen werden, er sei dazu bereit. Menschen erwarteten keine ideologischen Debatten. „Ich sehe es nicht als meine Aufgabe, den Menschen vorzuschreiben, wie sie unterwegs zu sein haben“, sagte er. Patrick Schnieder (links), scheidender Verkehrsminister, und Steffen Bilger, sein Amtsnachfolger. Christoph Soeder/dpa Schnieder wurde während seiner Abschiedsrede emotional. Es sei eine „Ehre“ gewesen, das Ministerium zu führen, mehr noch: „Es war eine große Freude.“ Schnieder sagte, er habe die Vielfältigkeit der Themen im Haus geschätzt, „begeistert“ sei er aber von dem Team und den Menschen gewesen. Er wünsche seinem Nachfolger „viel Freude und Spaß“. Das meine er „ganz ernst“. Nach seiner Rede gab es minutenlangen Applaus und Standing Ovations seiner früheren Mitarbeiter.  Kanzler Friedrich Merz hatte Schnieder am vergangenen Donnerstag mitgeteilt, dass er plane, ihn zu entlassen. Schnieder war ihm dann zuvorgekommen und hatte am Sonntag um seine Entlassung gebeten. Der Landesverband Rheinland-Pfalz, aus dem Schnieder stammt, hat empört auf die Entlassung reagiert. Auch andere Parteifreunde hatten ihr Unverständnis im Umgang mit Schnieder ausgedrückt.  Warken braucht eine halbe Minute bis zum nächsten Ministerinnenamt Für Nina Warken dürfte die Zeit ohne Ministerinnenamt nicht besonders hart gewesen sein. Da trat die CDU-Politikerin im Interimsamtssitz des Bundespräsidenten am Spreebogen vor die dunkelblaue Wand, wo Frank-Walter Steinmeier auf sie wartete. Der Bundespräsident empfing Warken, um sie als Gesundheitsministerin zu entlassen und ihr mit einem Handschlag ihre Entlassungsurkunde zu überreichen. Nach nur 450 Tagen war ihre Zeit als Ministerin damit beendet – vorerst. Denn statt nach der Entlassung aus dem Bild zu treten, sagte Steinmeier, sie solle einfach bei ihm stehen bleiben. Für Warken stand schließlich gleich der nächste Programmpunkt auf dem Plan. Die Entlassungsurkunde gab sie schnell an eine helfende Hand ab, ihre eigenen Hände brauchte sie ja gleich wieder. Denn Steinmeier ernannte sie direkt darauf zur neuen Kanzleramtsministerin. Ein paar wenige offizielle Worte, dann war Warken schon wieder Ministerin. Von dem einen Handschlag bis zum nächsten vergingen handgestoppte 31 Sekunden. Als Nachfolgerin von Thorsten Frei ist Nina Warken die erste Frau an der Spitze des Bundeskanzleramts und Bundesministerin für besondere Aufgaben. Künftig koordiniert die 47-jährige Juristin aus Tauberbischofsheim die Regierungsgeschäfte und ist quasi die rechte Hand von Kanzler Merz. Denn statt nach der Entlassung aus dem Bild zu treten, sagte Steinmeier, sie solle einfach bei ihm stehen bleiben. Für Warken stand schließlich gleich der nächste Programmpunkt auf dem Plan. Die Entlassungsurkunde gab sie schnell an eine helfende Hand ab, ihre eigenen Hände brauchte sie ja gleich wieder. Denn Steinmeier ernannte sie direkt darauf zur neuen Kanzleramtsministerin. Ein paar wenige offizielle Worte, dann war Warken schon wieder Ministerin. Von dem einen Handschlag bis zum nächsten vergingen handgestoppte 31 Sekunden. Als Nachfolgerin von Thorsten Frei ist Nina Warken die erste Frau an der Spitze des Bundeskanzleramts und Bundesministerin für besondere Aufgaben. Künftig koordiniert die 47-jährige Juristin aus Tauberbischofsheim die Regierungsgeschäfte und ist quasi die rechte Hand von Kanzler Merz. Plagiatsvorwurf: Kein Fehlverhalten bei Brosius-Gersdorf Die gegen die frühere Verfassungsrichter-Kandidatin Frauke Brosius-Gersdorf erhobenen Plagiatsvorwürfe sind unberechtigt. Zu diesem Ergebnis kommt die Universität Hamburg nach einer Prüfung des Falls. „Die zuständigen Gremien sahen somit den Vorwurf eines wissenschaftlichen Fehlverhaltens als nicht gerechtfertigt an“, teilte die Universität auf ihrer Internetseite mit. Das Verfahren sei damit abgeschlossen. Vor etwa einem Jahr war bekannt geworden, dass die Universität die Doktorarbeit Brosius-Gersdorfs von der sogenannten Ombudsstelle prüfen lässt. Hintergrund waren Vorwürfe des Salzburger „Plagiatsjägers“ Stefan Weber, der Brosius-Gersdorf eine „mögliche unethische Autorenschaft“ vorgeworfen hatte. Weber kritisierte übereinstimmende Textpassagen in der Dissertation von Brosius-Gersdorf und in der Habilitationsschrift ihres Mannes Hubertus Gersdorf – und zwar offenbar gezielt am Tag vor der geplanten Wahl von Brosius-Gersdorf zur Verfassungsrichterin. Die Potsdamer Juraprofessorin Brosius-Gersdorf sollte vergangenes Jahr auf Vorschlag der SPD Richterin am Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe werden. Die Union hatte aber erhebliche Vorbehalte gegen die Personalie; Abgeordnete verwiesen unter anderem auf Plagiatsvorwürfe gegen sie. Dies führte zu Streit in der Koalition, die Wahl wurde abgesagt. Im August 2025 verzichtete Brosius-Gersdorf auf die Kandidatur. Die Universität Hamburg hatte die Erklärung zu dem Verfahren bereits am Montag veröffentlicht. Webers Untersuchungen führten zwar immer wieder zur Aberkennung von Doktorgraden, in den vergangenen Jahren allerdings verwarfen mehrere Hochschulen seine Vorwürfe. Weber war im Februar 2025 vom Oberlandesgericht Linz wegen übler Nachrede zu einer Entschädigung in Höhe von 4000 Euro verurteilt worden. Er hatte in seinem Blog den damaligen Rektor der Universität Klagenfurt mit falschen Vorwürfen überzogen. Vor etwa einem Jahr war bekannt geworden, dass die Universität die Doktorarbeit Brosius-Gersdorfs von der sogenannten Ombudsstelle prüfen lässt. Hintergrund waren Vorwürfe des Salzburger „Plagiatsjägers“ Stefan Weber, der Brosius-Gersdorf eine „mögliche unethische Autorenschaft“ vorgeworfen hatte. Weber kritisierte übereinstimmende Textpassagen in der Dissertation von Brosius-Gersdorf und in der Habilitationsschrift ihres Mannes Hubertus Gersdorf – und zwar offenbar gezielt am Tag vor der geplanten Wahl von Brosius-Gersdorf zur Verfassungsrichterin. Die Potsdamer Juraprofessorin Brosius-Gersdorf sollte vergangenes Jahr auf Vorschlag der SPD Richterin am Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe werden. Die Union hatte aber erhebliche Vorbehalte gegen die Personalie; Abgeordnete verwiesen unter anderem auf Plagiatsvorwürfe gegen sie. Dies führte zu Streit in der Koalition, die Wahl wurde abgesagt. Im August 2025 verzichtete Brosius-Gersdorf auf die Kandidatur. Die Universität Hamburg hatte die Erklärung zu dem Verfahren bereits am Montag veröffentlicht. Webers Untersuchungen führten zwar immer wieder zur Aberkennung von Doktorgraden, in den vergangenen Jahren allerdings verwarfen mehrere Hochschulen seine Vorwürfe. Weber war im Februar 2025 vom Oberlandesgericht Linz wegen übler Nachrede zu einer Entschädigung in Höhe von 4000 Euro verurteilt worden. Er hatte in seinem Blog den damaligen Rektor der Universität Klagenfurt mit falschen Vorwürfen überzogen. Vor einem Jahr im Fokus der Öffentlichkeit: Frauke Brosius-Gersdorf. Britta Pedersen/dpa Steinmeier ernennt neue Kabinettsmitglieder Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat die neuen Minister in den Ressorts Verkehr und Gesundheit sowie im Kanzleramt ernannt. Er überreichte in Berlin die entsprechenden Urkunden an die CDU-Politiker Steffen Bilger, Carsten Linnemann und Nina Warken. Ihr hatte er zuvor die Entlassungsurkunde als Gesundheitsministerin ausgehändigt. Außerdem entließ Steinmeier den bisherigen Verkehrsminister Patrick Schnieder und den bisherigen Kanzleramtschef Thorsten Frei, der noch heute zum Unionsfraktionschef gewählt werden soll. Bundeskanzler Friedrich Merz bildet damit nach dem Rücktritt von Unionsfraktionschef Jens Spahn erstmals sein Kabinett um. Spahns Nachfolger Thorsten Frei soll am Nachmittag in der Fraktion von CDU und CSU gewählt werden. In seiner Rede mahnte Steinmeier weitere Reformen an. „Deutschland hat mit weitreichenden inneren Reformen und mit außen-, mit europapolitischen Bündnisleistungen dafür zu sorgen, dass unser Land sich behauptet und gut gewappnet ist für die Zukunft.“ Kriege und schwere geopolitische Konflikte, neue Lasten und neue Verantwortung in der Europäischen Union, in der Nato sowie eine bereits länger anhaltende wirtschaftliche Stagnation forderten Deutschland heraus. „In dieser Lage sollten wir alle Mut fassen. Auch wenn die Belastungsprobe groß ist, unsere Entschlossenheit, sie zu bewältigen, ist größer“, betonte Steinmeier. Außerdem entließ Steinmeier den bisherigen Verkehrsminister Patrick Schnieder und den bisherigen Kanzleramtschef Thorsten Frei, der noch heute zum Unionsfraktionschef gewählt werden soll. Bundeskanzler Friedrich Merz bildet damit nach dem Rücktritt von Unionsfraktionschef Jens Spahn erstmals sein Kabinett um. Spahns Nachfolger Thorsten Frei soll am Nachmittag in der Fraktion von CDU und CSU gewählt werden. In seiner Rede mahnte Steinmeier weitere Reformen an. „Deutschland hat mit weitreichenden inneren Reformen und mit außen-, mit europapolitischen Bündnisleistungen dafür zu sorgen, dass unser Land sich behauptet und gut gewappnet ist für die Zukunft.“ Kriege und schwere geopolitische Konflikte, neue Lasten und neue Verantwortung in der Europäischen Union, in der Nato sowie eine bereits länger anhaltende wirtschaftliche Stagnation forderten Deutschland heraus. „In dieser Lage sollten wir alle Mut fassen. Auch wenn die Belastungsprobe groß ist, unsere Entschlossenheit, sie zu bewältigen, ist größer“, betonte Steinmeier. Lorenz Zeck Experten sehen Verfassungsverstoß in Kabinettswechsel ohne Eid Die eben von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier vereidigten neuen Kabinettsmitglieder Carsten Linnemann (Gesundheit), Steffen Bilger (Verkehr) und Nina Warken (Kanzleramt) sollen schon bald ihre Arbeit aufnehmen. Doch das ist nach Einschätzung von Experten verfassungsrechtlich problematisch, denn die Minister werden erst in sechs Wochen im Bundestag vereidigt.  „Das ist ganz klar mit dem Grundgesetz nicht vereinbar“, sagte Verfassungsrechtlerin Sophie Schönberger von der Freien Universität Berlin. Bis zu einer Vereidigung dürften die Minister das Amt nicht übernehmen. „Amtsübernahme ist jede tatsächliche Übernahme von Aufgaben des Ministers. Die Übergabe des Ministeriums gehört schon dazu“, sagt sie. Allerdings habe das keine praktischen Auswirkungen, so Schönberger. Die vorgenommenen Handlungen blieben rechtswirksam. Auch Bundespräsident Steinmeier ist mit dem Aufschub offenbar nicht ganz glücklich. „Das Grundgesetz sieht bei Amtsübernahme neuer Ministerinnen und Minister eine Eidesleistung vor dem Deutschen Bundestag vor, die vor allem deshalb Gewicht und Beachtung erfordert, weil sie der parlamentarischen Verantwortlichkeit der Regierung feierlichen Ausdruck gibt“, sagte er bei der Ernennung der neuen Kabinettsmitglieder. Steinmeier fügte hinzu: „Ich habe zur Kenntnis genommen, dass die Minister diesen Eid in der ersten Sitzung des Bundestages nach der Sommerpause leisten werden.“ Dass die neuen Kabinettsmitglieder erst am 9. September vereidigt werden, habe vor allem Kostengründe, hatte Bundeskanzler Friedrich Merz erklärt. Man müsse sonst „630 Abgeordnete aus den Ferien nach Berlin zurückbeordern“. Der Bundestag befindet sich gerade in der Sommerpause. Der Aufschub sei „eine gefährliche Missachtung des Grundgesetzes und des Parlaments“, schrieb Christoph Schönberger von der Universität Köln in einem Gastbeitrag für die FAZ. Die demokratische Legitimation der Regierung stamme vom Bundestag. Zwar verlange das Grundgesetz keine Bestätigung der Minister durch das Parlament. Gerade deshalb habe der Amtseid aber besondere Bedeutung: „Mit dieser Vereidigung wird symbolisch an die Verantwortlichkeit aller Mitglieder der Bundesregierung vor dem Bundestag erinnert.“ „Das ist ganz klar mit dem Grundgesetz nicht vereinbar“, sagte Verfassungsrechtlerin Sophie Schönberger von der Freien Universität Berlin. Bis zu einer Vereidigung dürften die Minister das Amt nicht übernehmen. „Amtsübernahme ist jede tatsächliche Übernahme von Aufgaben des Ministers. Die Übergabe des Ministeriums gehört schon dazu“, sagt sie. Allerdings habe das keine praktischen Auswirkungen, so Schönberger. Die vorgenommenen Handlungen blieben rechtswirksam. Auch Bundespräsident Steinmeier ist mit dem Aufschub offenbar nicht ganz glücklich. „Das Grundgesetz sieht bei Amtsübernahme neuer Ministerinnen und Minister eine Eidesleistung vor dem Deutschen Bundestag vor, die vor allem deshalb Gewicht und Beachtung erfordert, weil sie der parlamentarischen Verantwortlichkeit der Regierung feierlichen Ausdruck gibt“, sagte er bei der Ernennung der neuen Kabinettsmitglieder. Steinmeier fügte hinzu: „Ich habe zur Kenntnis genommen, dass die Minister diesen Eid in der ersten Sitzung des Bundestages nach der Sommerpause leisten werden.“ Dass die neuen Kabinettsmitglieder erst am 9. September vereidigt werden, habe vor allem Kostengründe, hatte Bundeskanzler Friedrich Merz erklärt. Man müsse sonst „630 Abgeordnete aus den Ferien nach Berlin zurückbeordern“. Der Bundestag befindet sich gerade in der Sommerpause. Der Aufschub sei „eine gefährliche Missachtung des Grundgesetzes und des Parlaments“, schrieb Christoph Schönberger von der Universität Köln in einem Gastbeitrag für die FAZ. Die demokratische Legitimation der Regierung stamme vom Bundestag. Zwar verlange das Grundgesetz keine Bestätigung der Minister durch das Parlament. Gerade deshalb habe der Amtseid aber besondere Bedeutung: „Mit dieser Vereidigung wird symbolisch an die Verantwortlichkeit aller Mitglieder der Bundesregierung vor dem Bundestag erinnert.“ Der letzte Auftritt von Verkehrsminister Schnieder Körperlich überragt Patrick Schnieder all die anderen, die da stehen, Thorsten Frei, Nina Warken, Carsten Linnemann und auch seinen Nachfolger als Verkehrsminister, Steffen Bilger. Auch inhaltlich überragt sein Abgang all die anderen Wechsel im Kabinett: Dass Kanzler Merz seinen Verkehrsminister entlässt, kam Ende vergangener Woche dann doch recht überraschend. Äußerlich lässt sich Schnieder nichts anmerken. Als Steinmeier spricht, hat er die Hände vorm Bauch gefaltet, bewegt kaum merklich die Finger, lächelt vielleicht etwas gequält. Kanzler Merz hat eine versteinerte Miene aufgesetzt. Als Steinmeier Schnieder dankt, nickt der leicht. Dann holt er sich seine Entlassungsurkunde ab, schüttelt Steinmeier und Merz die Hände und geht ab. Sagen darf er nichts mehr, das ist bei der Zeremonie nicht vorgesehen. Nun kann sich Steffen Bilger als neuer Verkehrsminister darum kümmern, dass die Züge in Deutschland wieder pünktlich fahren, Straßen und Brücken moderner werden. Äußerlich lässt sich Schnieder nichts anmerken. Als Steinmeier spricht, hat er die Hände vorm Bauch gefaltet, bewegt kaum merklich die Finger, lächelt vielleicht etwas gequält. Kanzler Merz hat eine versteinerte Miene aufgesetzt. Als Steinmeier Schnieder dankt, nickt der leicht. Dann holt er sich seine Entlassungsurkunde ab, schüttelt Steinmeier und Merz die Hände und geht ab. Sagen darf er nichts mehr, das ist bei der Zeremonie nicht vorgesehen. Nun kann sich Steffen Bilger als neuer Verkehrsminister darum kümmern, dass die Züge in Deutschland wieder pünktlich fahren, Straßen und Brücken moderner werden. Spontaner Termin in Steinmeiers neuem Amtssitz Nicht mal drei Wochen ist es her, dass Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier aus dem Schloss Bellevue ausziehen musste, weil es renoviert wird, da muss der Bundespräsident in der Sommerpause zu einem Termin laden, der recht überraschend kommt. Steinmeiers Interimsquartier am Spreebogen ist ein Gebäude mit bunten Fassadenelementen – offenbar ein bewusster Kontrast zum festlich weißen Prachtbau Bellevue. Drinnen sind die Holzwände gestrichen in kräftigem grün und blau. Für den Bundespräsidenten ist der erste Termin nach seinem Umzug kein alltäglicher. Weil Kanzler Friedrich Merz (CDU) sein Kabinett umbaut, muss Steinmeier nun Minister entlassen und neue ernennen. Verkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) muss gehen und wird durch Steffen Bilger (CDU) ersetzt. Nina Warken (CDU) gibt ihren Posten als Gesundheitsministerin an Carsten Linnemann (CDU) weiter und wird Kanzleramtschefin. Dort ersetzt sie Thorsten Frei, der nach dem Abgang Jens Spahns Fraktionsvorsitzender der CDU im Bundestag wird. Für den Bundespräsidenten ist der erste Termin nach seinem Umzug kein alltäglicher. Weil Kanzler Friedrich Merz (CDU) sein Kabinett umbaut, muss Steinmeier nun Minister entlassen und neue ernennen. Verkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) muss gehen und wird durch Steffen Bilger (CDU) ersetzt. Nina Warken (CDU) gibt ihren Posten als Gesundheitsministerin an Carsten Linnemann (CDU) weiter und wird Kanzleramtschefin. Dort ersetzt sie Thorsten Frei, der nach dem Abgang Jens Spahns Fraktionsvorsitzender der CDU im Bundestag wird. Merz geht mit seiner Personalrochade auf die Zielgerade Der durch den Rücktritt von Unionsfraktionschef Jens Spahn ausgelöste Personalumbau von Kanzler Friedrich Merz soll an diesem Mittwoch zu einem großen Teil abgeschlossen werden. Ein Überblick: Am Mittag wird das Kabinett bei den CDU-Ministern kräftig umgebaut: Zunächst erhalten Thorsten Frei, Gesundheitsministerin Nina Warken und Verkehrsminister Patrick Schnieder ihre Entlassungsurkunden von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Anschließend überreicht Steinmeier die Ernennungsurkunden an die künftige Kanzleramtsministerin Warken sowie die designierten Minister Carsten Linnemann (Gesundheit) und Steffen Bilger (Verkehr). Die Zeremonie können Sie hier im Livestream verfolgen. Die neuen Minister müssen dann noch ihren Eid vor dem Bundestag leisten. Weil die Abgeordneten gerade in der Sommerpause sind, soll dies aber anders als üblich erst in der ersten Sitzungswoche danach geschehen, voraussichtlich am 9. September. Später treffen sich die Bundestagsabgeordneten von CDU und CSU um 14 Uhr zu einer Sondersitzung, um den bisherigen Kanzleramtsminister Frei zu ihrem neuen Fraktionsvorsitzenden zu wählen. Es gilt als sicher, dass Frei eine große Mehrheit bekommt, aber das genaue Wahlergebnis spielt eine große Rolle. Es könnte sein, dass einige Abgeordnete – oder einige mehr – ihrem Ärger über den Kanzler Luft machen, indem sie gegen seinen Vertrauten Frei stimmen. In der Regel haben die Fraktionschefs der Union bei ihrer ersten Wahl mehr als 90 Prozent erhalten, soweit es sich nicht um Kampfabstimmungen handelte. Alles darunter wäre ein Dämpfer. Insgesamt hat Merz in den vergangenen eineinhalb Wochen seit Spahns Rücktritt acht Personalwechsel in Regierung, Partei und Fraktion vorgenommen. Auch drei Parlamentarische Staatssekretäre werden ausgetauscht und die bisherige CDU-Schatzmeisterin Franziska Hoppermann ist bereits am Montag zur neuen Generalsekretärin ihrer Partei gewählt worden. Ganz beendet wird die Personalrochade heute aber noch nicht. Der Kanzler sucht immer noch nach einer Sport-Staatsministerin für das Kanzleramt. Auch der Posten des Parlamentarischen Geschäftsführers der Fraktion muss noch besetzt werden. Und die Partei sucht noch einen Schatzmeister oder eine Schatzmeisterin. Nach der heutigen Fraktionssitzung macht der Kanzler aber erst einmal Urlaub. Am Mittag wird das Kabinett bei den CDU-Ministern kräftig umgebaut: Zunächst erhalten Thorsten Frei, Gesundheitsministerin Nina Warken und Verkehrsminister Patrick Schnieder ihre Entlassungsurkunden von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Anschließend überreicht Steinmeier die Ernennungsurkunden an die künftige Kanzleramtsministerin Warken sowie die designierten Minister Carsten Linnemann (Gesundheit) und Steffen Bilger (Verkehr). Die Zeremonie können Sie hier im Livestream verfolgen. Die neuen Minister müssen dann noch ihren Eid vor dem Bundestag leisten. Weil die Abgeordneten gerade in der Sommerpause sind, soll dies aber anders als üblich erst in der ersten Sitzungswoche danach geschehen, voraussichtlich am 9. September. Später treffen sich die Bundestagsabgeordneten von CDU und CSU um 14 Uhr zu einer Sondersitzung, um den bisherigen Kanzleramtsminister Frei zu ihrem neuen Fraktionsvorsitzenden zu wählen. Es gilt als sicher, dass Frei eine große Mehrheit bekommt, aber das genaue Wahlergebnis spielt eine große Rolle. Es könnte sein, dass einige Abgeordnete – oder einige mehr – ihrem Ärger über den Kanzler Luft machen, indem sie gegen seinen Vertrauten Frei stimmen. In der Regel haben die Fraktionschefs der Union bei ihrer ersten Wahl mehr als 90 Prozent erhalten, soweit es sich nicht um Kampfabstimmungen handelte. Alles darunter wäre ein Dämpfer. Insgesamt hat Merz in den vergangenen eineinhalb Wochen seit Spahns Rücktritt acht Personalwechsel in Regierung, Partei und Fraktion vorgenommen. Auch drei Parlamentarische Staatssekretäre werden ausgetauscht und die bisherige CDU-Schatzmeisterin Franziska Hoppermann ist bereits am Montag zur neuen Generalsekretärin ihrer Partei gewählt worden. Ganz beendet wird die Personalrochade heute aber noch nicht. Der Kanzler sucht immer noch nach einer Sport-Staatsministerin für das Kanzleramt. Auch der Posten des Parlamentarischen Geschäftsführers der Fraktion muss noch besetzt werden. Und die Partei sucht noch einen Schatzmeister oder eine Schatzmeisterin. Nach der heutigen Fraktionssitzung macht der Kanzler aber erst einmal Urlaub. Ökostrom: Schneider bestätigt Einigung mit Reiche Kurz vor der Sitzung des Bundeskabinetts hat sich Umweltminister Carsten Schneider (SPD) mit Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) auf die letzten Details der neuen Förderung für Ökostrom verständigt. Die Einigung beim Erneuerbare-Energien-Gesetz und einem Netzpaket bestätigte Schneider am Morgen. Es sei das gemeinsame Ziel, die erneuerbaren Energien jetzt schnell weiter auszubauen – mit mehr Kosteneffizienz und besserer regionaler Steuerung, sagte Schneider. „Mit der Einigung zum EEG und zum Netzanschlusspaket schaffen wir den verlässlichen Rahmen für eine neue Phase beim Ausbau der erneuerbaren Energien und der Stromnetze, um bis 2030 80 Prozent unseres Stroms mit Erneuerbaren zu decken.“ Erneuerbare Energien seien schon heute mit einem Anteil von fast 60 Prozent die wichtigste Stromquelle Deutschlands und das Rückgrat einer sicheren, unabhängigen und klimaneutralen Energieversorgung. „Die Einigung ist deshalb weit mehr als eine Novelle des Energierechts“, betonte Schneider. „Sie ist eine Investition in unsere Versorgungssicherheit, Wettbewerbsfähigkeit und die Zukunft unseres Landes.“ Es sei das gemeinsame Ziel, die erneuerbaren Energien jetzt schnell weiter auszubauen – mit mehr Kosteneffizienz und besserer regionaler Steuerung, sagte Schneider. „Mit der Einigung zum EEG und zum Netzanschlusspaket schaffen wir den verlässlichen Rahmen für eine neue Phase beim Ausbau der erneuerbaren Energien und der Stromnetze, um bis 2030 80 Prozent unseres Stroms mit Erneuerbaren zu decken.“ Erneuerbare Energien seien schon heute mit einem Anteil von fast 60 Prozent die wichtigste Stromquelle Deutschlands und das Rückgrat einer sicheren, unabhängigen und klimaneutralen Energieversorgung. „Die Einigung ist deshalb weit mehr als eine Novelle des Energierechts“, betonte Schneider. „Sie ist eine Investition in unsere Versorgungssicherheit, Wettbewerbsfähigkeit und die Zukunft unseres Landes.“ Wirtschafts- und Umweltministerium hatten bis zuletzt über Details des EEG und des Netzpakets gerungen. Reiches ursprüngliche Pläne waren umstritten. Kritiker warnten, die Energiewende werde ausgebremst. Die Wirtschaftsministerin hatte ihren Gesetzentwurf deshalb schon nachgebessert. Ein wichtiger Punkt ist, dass neue, kleine Solaranlagen auf dem Hausdach ab 2027 nicht mehr auf Dauer eine feste Einspeisevergütung bekommen sollen. Stattdessen sollen auch Privatleute den Strom nach einer Übergangsphase direkt vermarkten. Außerdem soll der Ausbau der erneuerbaren Energien mit dem Ausbau der Stromnetze synchronisiert werden. In sogenannten Netzengpass-Gebieten ist eine bessere Steuerung geplant. Ein wichtiger Punkt ist, dass neue, kleine Solaranlagen auf dem Hausdach ab 2027 nicht mehr auf Dauer eine feste Einspeisevergütung bekommen sollen. Stattdessen sollen auch Privatleute den Strom nach einer Übergangsphase direkt vermarkten. Außerdem soll der Ausbau der erneuerbaren Energien mit dem Ausbau der Stromnetze synchronisiert werden. In sogenannten Netzengpass-Gebieten ist eine bessere Steuerung geplant. Bremer CDU-Chef attackiert Merz erneut In der CDU wächst die Unzufriedenheit mit Bundeskanzler Friedrich Merz. „Ich will nicht sagen, dass wir eine katastrophale Stimmung haben. Aber es geht schon in diese Richtung“, sagte Bremens Landesparteichef Heiko Strohmann dem Tagesspiegel. „Viele Mitglieder sind unzufrieden mit dem Kanzler.“ „Er erklärt seine Politik zu wenig“, kritisierte der Bremer Politiker, dass Merz viele Parteimitglieder nicht mitnehme. „Ich wünsche mir, dass Friedrich Merz in seinem Urlaub in sich geht.“ Von einem Kanzlerwechsel halte er hingegen nichts. „Das ist Mumpitz.“ Erst am Montag hatte Strohmann den Kanzler in einer Sitzung des Bundesvorstands scharf kritisiert. „Sie leiten hier keine Firma, sondern eine Partei“, warf er Merz nach eigenen Angaben an den Kopf. Strohmann stellte sich mit seiner Aussage hinter den Parteikollegen Armin Schuster aus Sachsen, der die mangelnde Vertretung Ostdeutschlands im Bundeskabinett angekreidet hatte. „Er erklärt seine Politik zu wenig“, kritisierte der Bremer Politiker, dass Merz viele Parteimitglieder nicht mitnehme. „Ich wünsche mir, dass Friedrich Merz in seinem Urlaub in sich geht.“ Von einem Kanzlerwechsel halte er hingegen nichts. „Das ist Mumpitz.“ Erst am Montag hatte Strohmann den Kanzler in einer Sitzung des Bundesvorstands scharf kritisiert. „Sie leiten hier keine Firma, sondern eine Partei“, warf er Merz nach eigenen Angaben an den Kopf. Strohmann stellte sich mit seiner Aussage hinter den Parteikollegen Armin Schuster aus Sachsen, der die mangelnde Vertretung Ostdeutschlands im Bundeskabinett angekreidet hatte. Erstmals Nicht-Straftäter nach Afghanistan abgeschoben – heftige Kritik Die Menschenrechtsorganisation „Pro Asyl“ hat den Abschiebeflug, der am frühen Dienstagmorgen vom Flughafen Leipzig/Halle nach Afghanistan gestartet ist, als Ergebnis einer „fatalen Abschiebungspolitik“ kritisiert. Demnach habe sich erstmals ein nicht vorbestrafter Mann unter den abgeschobenen Menschen befunden. „Genau vor dieser Entwicklung haben wir von Beginn an gewarnt“, erklärte „Pro Asyl“-Geschäftsführerin Helen Rezene. Damit sei „die nächste Schranke“ gefallen. Gleichzeitig sei ein weiterer nicht vorbestrafter Betroffener „dank einer erfolgreichen rechtlichen Intervention“ nicht an Bord gewesen, teilte die Organisation mit. Rezene kritisierte zudem, dass dadurch eine Normalisierung des Taliban-Regimes in Kauf genommen werde. „Die fatale deutsche Kumpanei mit den Taliban ist ein moralischer Bankrott - und ein Bärendienst im Kampf gegen den Islamismus.“ „Pro Asyl“ verwies zudem auf eine von den Vereinten Nationen im Mai ausgesprochene Warnung vor unfreiwilligen Abschiebungen nach Afghanistan. Sachsens Innenminister Armin Schuster (CDU) sah die Aktion hingegen als Erfolg: „Mit der neuen Bundesregierung gelingt ein entscheidender Schritt zur Rückführung nach Afghanistan.“ Bisher hätten sich Bund und Länder „auf schwere Straftäter konzentriert“. Nun aber werde „aufgrund der Verstetigung der Kreis auf alle Straftäter ausgedehnt“, erklärte Schuster. Zudem sollen ausreisepflichtige Menschen, „die bisher keine Integrationsleistung gezeigt haben, im Sozialbezug stehen oder bei der Identitätsklärung nicht mitwirken“, abgeschoben werden. Sachsen stehe für weitere Rückführungsflüge aus Leipzig bereit, erklärte Schuster.

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29. Juli
Wirtschaftswoche

Kabinettsumbildung: Frei ist neuer Vorsitzender der Unionsfraktion

Kabinettsumbildung: Frei ist neuer Vorsitzender der Unionsfraktion Der bisherige Kanzleramtschef Thorsten Frei ist neuer Vorsitzender der Unionsfraktion im Bundestag. Die Abgeordneten von CDU und CSU wählten den 52-jährigen CDU-Politiker in einer Sondersitzung zum Nachfolger des vor eineinhalb Wochen zurückgetretenen Jens Spahn, wie die Deutsche Presse-Agentur aus der Sitzung erfuhr. Teilnehmer gaben das Ergebnis mit 91,9 Prozent an. Enthaltungen werden von der Union nicht mitgezählt, sondern nur Ja- und Nein-Stimmen. Frei bekommt keine Quittung für den Unmut Die Unzufriedenheit in der Union mit der Personalrochade von Kanzler Friedrich Merz spiegelt sich damit – anders als von einigen erwartet – nicht in dem Wahlergebnis wider. Mehr als 90 Prozent gelten als gutes Ergebnis, auch wenn eine so große Zustimmung bei der Union alles andere als ungewöhnlich ist. Bei den bisherigen Erstwahlen der Fraktionschefs der Union seit 1949 war das Überschreiten der 90-Prozent-Marke die Regel. Von den 13 Vorgängern Freis starteten fast alle mit einem solchen Ergebnis in ihre Amtszeiten, soweit sie sich nicht in Kampfabstimmungen durchsetzen mussten. Es gab nur eine Ausnahme: Friedrich Merz kam 2022 auf 89,5 Prozent. Spahn bekam bei seiner ersten Wahl im vergangenen Jahr 91,3 Prozent. Bei Wiederwahlen gab es dagegen häufiger Ergebnisse unter 90 Prozent. Kritik wegen Schnieder-Entlassung Schon vor der Wahl hatte es Spekulationen gegeben, der Unmut in der Union über die Personalrochade von Merz könnte sich im Wahlergebnis von Frei niederschlagen. Unzufriedenheit gibt es vor allem im Landesverband Rheinland-Pfalz wegen der Entlassung von Verkehrsminister Patrick Schnieder, aber auch in Ostdeutschland, weil die sächsische Sport-Staatsministerin Christiane Schenderlein aus dem Kanzleramt ins Gesundheitsministerium versetzt wurde. In den CDU-Gremiensitzungen am Montag hatte es heftige Kritik an Merz gegeben, die in der Äußerung von Bremens CDU-Landeschef Heiko Strohmann gipfelte: „Sie leiten hier keine Firma, sondern eine Partei.“ In einem aktuellen Interview des „Tagesspiegels“ legte Strohmann nach: „Ich will nicht sagen, dass wir eine katastrophale Stimmung haben. Aber es geht schon in diese Richtung.“ Rückkehr in die Fraktionsführung nach 15 Monaten Frei war schon nach der Bundestagswahl im vergangenen Jahr als Chef der CDU/CSU-Bundestagsfraktion im Gespräch, wurde dann aber von Merz ins Kanzleramt geholt. Dort stand er lange Zeit in der Kritik. Sowohl aus beiden Koalitionsparteien als auch aus den Ländern wurde ihm mangelnde Koordination der Zusammenarbeit vorgeworfen, auch wenn sich das in den vergangenen Monaten besserte. Nun kehrt Frei in gewohnte Gefilde zurück. Der Jurist gehört seit 2013 dem Bundestag an, wo er 2021 Parlamentarischer Geschäftsführer unter Fraktionschef und Oppositionsführer Merz wurde. Frei kennt die Fraktionsarbeit also gut und gilt gleichzeitig als Vertrauter von Merz. In seiner neuen Funktion muss er aber auch der Erwartung der Abgeordneten von CDU und CSU gerecht werden, dass die Fraktion ein selbstbewusstes Machtzentrum neben dem Kanzleramt ist. Sie erwarten von ihm, dass er dem Kanzler bei aller Loyalität auch klare Kante zeigen kann. Rücktritt von Spahn als Auslöser Auslöser der Personalrochade war, dass Jens Spahn Mitte Juli öffentlich machte, dass er und sein Ehemann Daniel Funke mit Hilfe einer Leihmutter in den USA ein Kind bekommen haben. Damit umgingen die beiden ein in Deutschland geltendes Verbot und einen Parteitagsbeschluss der CDU. Spahn trat nach scharfer Kritik aus der Union und einer Aufforderung des Kanzlers als Unionsfraktionschef zurück. Am Tag darauf deutete bereits an, dass Merz nicht nur einen Nachfolger für Spahn suchen, sondern ein größeres Rad drehen wollte. So kam es dann auch. Merz tauschte drei Minister aus, die Kabinettsumbildung wurde am Mittag von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit der Überreichung der Ernennungsurkunden vollzogen. Die bisherige Gesundheitsministerin Nina Warken löst Frei im Kanzleramt ab. An die Spitze des Gesundheitsministeriums tritt Linnemann, der bisher CDU-Generalsekretär war. Für den vom Kanzler entlassenen Schnieder kommt Steffen Bilger, der bisherige Erste Parlamentarische Geschäftsführer der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag war. Insgesamt hat Merz in den vergangenen eineinhalb Wochen seit Spahns Rücktritt acht Personalwechsel in Regierung, Partei und Fraktion verfügt. Auch drei Parlamentarische Staatssekretäre werden ausgetauscht und die bisherige CDU-Schatzmeisterin Franziska Hoppermann ist bereits am Montag zur neuen Generalsekretärin ihrer Partei gewählt worden. Personalrochade noch nicht beendet Der größte Teil des Personalpakets ist mit der Wahl Freis fertig geschnürt. Ganz beendet ist die Rochade aber auch jetzt noch nicht. Merz sucht noch nach einer neuen Staatsministerin für Sport im Kanzleramt. Wer es wird, gilt als offen. Bisher war dafür nur die Ex-Fußballerin Nadine Keßler im Gespräch. Die CDU muss nach der Beförderung von Franziska Hoppermann ihren bisherigen Schatzmeister-Posten neu besetzen. Die Fraktion benötigt nach dem Wechsel Bilgers ins Kabinett einen neuen Parlamentarischen Geschäftsführer. Auch für den neuen Gesundheitsminister Linnemann (bisher Fraktionsvize) und Johannes Steiniger (bisher Sprecher Landwirtschaft/künftig Parlamentarischer Staatssekretär im Wirtschaftsministerium) müssen Nachfolger gefunden werden. Merz hofft auf Ende des Unmuts Das von Merz erhoffte Aufbruchssignal geht von der Personalrochade angesichts des Unmuts in der Union jedenfalls nicht aus. Merz hofft, dass der Unmut sich mit der Ernennung der Minister und der Wahl in der Fraktion legt: „Ich gehe fest davon aus, dass nach der Fraktionssitzung am morgigen Tag dann auch alle Entscheidungen nicht nur getroffen sind, sondern auch akzeptiert“, sagte er bereits am Dienstag. Lesen Sie auch: Wann wird’s mal wieder richtig Sommer?

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29. Juli
Der Spiegel (Politik)

Thorsten Frei: Merz-Vertrauter als Unionsfraktionschef gewählt

Nachfolge von Spahn 91,9 Prozent – Merz-Vertrauter Thorsten Frei zum Unionsfraktionschef gewählt Die Nachfolge von Jens Spahn als Unionsfraktionschef ist offiziell: Die CDU/CSU-Fraktion hat in einer Sondersitzung für den Vertrauten von Bundeskanzler Friedrich Merz und bisherigen Kanzleramtschef, Thorsten Frei, votiert. Er erhielt 91,9 Prozent der Stimmen. Bei 185 abgegebenen Stimmen entfielen 170 auf Frei. Enthaltungen werden von der Union nicht mitgezählt, sondern nur Ja- und Neinstimmen. Frei bekommt keine Quittung für den Unmut Die Unzufriedenheit in der Union mit der Personalrochade vom Kanzler spiegelt sich damit – anders als von einigen erwartet – nicht in dem Wahlergebnis wider. Das Ergebnis war mit Spannung erwartet worden. In der Regel haben die Fraktionschefs der Union bei ihrer ersten Wahl mehr als 90 Prozent erhalten, soweit es sich nicht um Kampfabstimmungen handelte. Es gab nur eine Ausnahme: Friedrich Merz kam 2022 auf 89,5 Prozent. Spahn bekam bei seiner ersten Wahl im vergangenen Jahr 91,3 Prozent. Bei Wiederwahlen gab es dagegen häufiger Ergebnisse unter 90 Prozent. Das wäre in diesem Fall aber als Dämpfer betrachtet worden. Eine Aussprache der Abgeordneten mit Kanzler Merz soll zeitnah folgen – dabei dürfte es dann ungemütlich werden. Rückkehr in die Fraktionsführung nach 15 Monaten Der 52-jährige Frei war schon nach der Bundestagswahl im vergangenen Jahr als Chef der CDU/CSU-Bundestagsfraktion im Gespräch, wurde dann aber von Merz ins Kanzleramt geholt. Dort stand er lange Zeit in der Kritik. Sowohl aus beiden Koalitionsparteien als auch aus den Ländern wurde ihm mangelnde Koordination der Zusammenarbeit vorgeworfen, auch wenn sich das in den vergangenen Monaten besserte. Nun kehrt Frei in gewohnte Gefilde zurück. Der Jurist gehört seit 2013 dem Bundestag an, wo er 2021 Parlamentarischer Geschäftsführer unter Fraktionschef und Oppositionsführer Merz wurde. Frei kennt die Fraktionsarbeit also gut. In seiner neuen Funktion muss er aber auch der Erwartung der Abgeordneten von CDU und CSU gerecht werden, dass die Fraktion ein selbstbewusstes Machtzentrum neben dem Kanzleramt ist. Sie erwarten von ihm, dass er dem Kanzler bei aller Loyalität auch klare Kante zeigen kann. Der größte Teil des Personalpakets ist mit der Wahl von Frei fertig geschnürt. Zuvor hatte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die neuen CDU-Minister Steffen Bilger (Verkehr), Nina Warken (Kanzleramt) und Carsten Linnemann (Gesundheit) ernannt. Ganz beendet ist die Rochade aber auch jetzt noch nicht, Merz sucht unter anderem noch nach einer neuen Staatsministerin für Sport im Kanzleramt. Das Hin und Her sorgt in der CDU mittlerweile für reichlich Unmut, viele kritisieren Merz für seinen eher an einen Unternehmensleiter erinnernden Stil.

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29. Juli
Neues Deutschland

Thorsten Frei | Thorsten Frei: Ein Mann will nach oben

- Politik - Thorsten Frei Thorsten Frei: Ein Mann will nach oben Der neue CDU-Fraktionschef gewinnt mit dem Wechsel ins Parlament noch mehr Macht. Vielen Christdemokraten gilt er schon lange als der »kommende Mann«. In der ARD-Doku »Der Merz-Flüsterer – Wie Thorsten Frei die CDU an die Macht gelenkt hat« mag das eine Schlüsselszene zum Verständnis dieses Mannes sein: 39 Tage vor der Kanzlerwahl im Bundestag bekommt der direkt wiedergewählte Abgeordnete aus dem Schwarzwald skurrilen Besuch aus der Heimat. Die Steckenpferd-Polomannschaft aus Donaueschingen reitet in sein Büro ein: lauter erwachsene Männer, die ihre Freizeit mit einem hölzernen Steckenpferd zwischen den Beinen verbringen. Der Politiker freut sich über die Freunde aus seinem Wahlkreis, auch wenn gerade die Koalitionsverhandlungen mit der SPD stressen. Zeit für ein Käffchen oder Cappuccino ist immer. Man stelle sich vor, die Freunde des veganen Reitens hätten bei ihrem Berlin-Trip noch einen anderen Abgeordneten aus Baden-Württemberg aufgesucht. Luigi Pantisano zum Beispiel, nur ist der nicht gerade als ausgewiesener CDU-Freund bekannt. Wie hätte ein Linker auf einen solchen Besuch aus dem Wahlkreis reagiert? Den Pferden Wasser angeboten? Der bisherige Kanzleramtsminister und neue CDU-Fraktionschef hat seinen Beruf gelernt. Gehört es doch zum Handwerk eines jeden Politikers, den Leuten – selbst einem Mann auf einem Steckenpferd – das Gefühl zu vermitteln, man verstehe sie, stehe gar auf ihrer Seite. Aber die Politik ist eben sehr kompliziert, dieses ständige Aushandeln von Kompromissen. Thorsten Frei, Jahrgang 1973, Polizistensohn, verheiratet mit einer Lehrerin und Vater von drei Kindern, ist der Mann ohne Skandale an der Seite von Friedrich Merz. Er ist der Mann, der immer lächelt. Für manche ist er auch der Mann »ohne Gewissen«, wie der »Stern« im vergangenen Jahr Boris Pistorius aus einer internen Sitzung der SPD-Bundestagsfraktion im März 2025 zitierte. Der Bundesverteidigungsminister war demnach über Freis starre Haltung bei den Verhandlungen zu Asylrechtsverschärfungen erbost und soll auch noch gesagt haben: »Humanität und Verantwortung für andere Menschen? Null Komma null.« Der Niedergang des Sozialstaats, zumindest die Einführung der sogenannten Grundsicherung statt des ohnehin schon knapp bemessenen Bürgergeldes, ist eng verbunden mit dem Namen Thorsten Frei. Ebenso die Kettensägenreform im Gesundheitswesen und nicht zuletzt die geplante massive Einschränkung des Informationsfreiheitsgesetzes. Ohne das IFG wäre die Maskenaffäre eines Jens Spahn nie ans Licht gekommen. Investigative Journalisten könnten zum Beispiel der Frage nachgehen, ob Thorsten Frei im Rahmen der Dreharbeiten für die ARD-Doku die Steckenpferd-Polo-Mannschaft aus Donaueschingen etwa aus Geldern des Bundestages nach Berlin einreiten lassen hat. Jeder Abgeordnete darf zweimal im Jahr Menschen aus seinem Wahlkreis nach Berlin einladen; für die Fahrt- und Hotelkosten kommt der Staat auf. Das wäre doch mal eine Frage an den neuen Unionsfraktionschef: »Herr Frei, stimmt es, dass Sie eine größere Gruppe von Steckenpferd-Reitern auf Steuerzahlerkosten in die Bundeshauptstadt eingeladen haben? Was haben Sie sich davon versprochen?« Wahrscheinlich würde Frei dann auf die Kollegen der anderen Fraktionen verweisen, die schon mal die Sternsinger oder den eigenen Schachverein nach Berlin geholt haben; AfD-Abgeordnete sollen sogar Kampfsportgruppen in den Bundestag gelotst haben. Ungeachtet der zur Schau getragenen Eloquenz gehört der demokratische Diskurs offensichtlich nicht zu den Kernkompetenzen eines Thorsten Frei. In derselben ARD-Doku gibt es noch eine zweite Schlüsselszene, die sich im selben Zeitraum zugetragen hat: In der Migrationsdebatte wirft die Grünen-Politikerin der CDU im Plenum des Bundestages fehlende Dialogbereitschaft vor. Die Union, die für die Abstimmung zur Asylrechtsverschärfung die Brandmauer zur AfD eingerissen hatte, habe die Gespräche mit Vertretern der damals noch amtierenden Ampel-Koalition ohne Argumente vorzeitig verlassen, beklagt sie und wendet sich den damaligen Parlamentarischen Geschäftsführer der Unionsfraktion: »Herr Frei, Sie waren doch dabei!« Woraufhin Thorsten Frei die damalige Außenministerin der Lüge bezichtigt. Debatten ergeben nur Sinn, wenn von allen Seiten die Fakten akzeptiert werden. Wer so auftritt wie Frei an diesem Tag, rechnet nicht damit, mit den Grünen demnächst Sondierungsgespräche für eine neue Bundesregierung führen zu müssen. Der frühere Oberbürgermeister von Donaueschingen – dort 2012 mit einem an SED-Zeiten erinnernden Ergebnis von 99,2 Prozent gewählt – gilt vielen Christdemokraten schon seit Langem als der kommende Mann. Leute, die ihn länger kennen, dürfte das nicht weiter überraschen. Die 1993er Abiturzeitung des Scheffel-Gymnasiums Bad Säckingen zeigt den jungen Frei als Imperator im Cäsar-Kostüm. Unter der Überschrift »Black is beautiful« ist zu lesen, er sei der schwärzeste aller bisherigen Kreisvorsitzenden der Jungen Union, an konservativer Haltung kaum zu übertreffen und damit der »Lieblingsschüler aller rechtsgerichteten Kräfte unseres Lehrkörpers«. Sein unantastbarer heiliger schwarzer Koffer, sein lange aufrechterhaltener Ruf als Anti-Alkoholiker, der während der Klassenfahrt nach Berlin arg ins Wanken geraten sei, sein Geiz und nicht zuletzt seine fantastische Rhetorik charakterisierten ihn als »zukünftigen Bundeskanzler«. Bereits im zarten Alter von 16 Jahren habe Thorsten angekündigt: »Ich werde eines Tages der mächtigste Mann in diesem Land sein.« Mit seinem Wechsel vom Kanzleramt in die Fraktion, also von der Exekutive in die Legislative, als Nachfolger des gescheiterten Jens Spahn, ist Frei im Machtranking des Politbetriebs nicht abgestiegen, im Gegenteil: Zumindest formal kann ihm Friedrich Merz keine Anweisungen mehr geben. Und ohne sein Geschick wird keine Gesetzesinitiative der Bundesregierung das Parlament passieren. Sollten sich die Umfragewerte für die Union verbessern – in den letzten zwei Jahren haben CDU und CSU bundesweit ein Drittel ihrer Wähler verloren –, dann wird das auch der Erfolg der Bundestagsfraktion und ihres Vorsitzenden sein. Sollte der Misserfolg der Regierung aber anhalten, stünde Thorsten Frei nicht mehr in direkter Verantwortung. Merz wird nicht ewig Kanzler sein, der Kampf um die Nachfolge wird, zumindest was die Union betrifft, in der Bundestagsfraktion entschieden. Wir haben einen Preis. Aber keinen Gewinn. Die »nd.Genossenschaft« gehört den Menschen, die sie ermöglichen: unseren Leser*innen und Autor*innen. Sie sind es, die mit ihrem Beitrag linken Journalismus für alle sichern: ohne Gewinnmaximierung, Medienkonzern oder Tech-Milliardär. 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29. Juli
FAZ (Politik)

Neuer Unionsfraktionschef: Frei erlebt einen „Tsunami“ – und landet obenauf

Neuer Unionsfraktionschef : Frei erlebt einen „Tsunami“ – und landet obenauf Am Mittag soll Thorsten Frei Chef der Unionsfraktion werden – der Höhepunkt seiner Karriere. Gegenüber dem Kanzler selbstbewusst aufzutreten, gehört ab dann zum Jobprofil. Der große Tag von Thorsten Frei beginnt mit einer letzten Kabinettssitzung und einer Entlassung. Erst wird er am Mittwochmorgen als Kanzleramtsminister noch einmal an dem ovalen Tisch Platz nehmen in dem Haus, das er seit gut einem Jahr führt. Dann bekommt er um 12 Uhr die Entlassungsurkunde vom Bundespräsidenten. Danach geht es dem bisherigen Höhepunkt der Karriere des Thorsten Frei entgegen: der Wahl zum Fraktionsvorsitzenden der Unionsfraktion. Alles andere als ein gutes Ergebnis wäre eine Überraschung. Eine Enttäuschung. Viel zu beliebt ist er in der Fraktion. Trotz allem, was auch Unionsabgeordnete manchmal an ihrer Regierung nervt. Und gerade ganz besonders an den personellen Umbauten des Kanzlers. So kommt Frei schließlich da an, wo er sich schon nach der Bundestagswahl ganz gern gesehen hätte. Doch als enger Vertrauter des Kanzlers ging er mit ihm, er wurde gebraucht: Kanzleramtsminister. Eine Ehre, die einerseits stolz macht, aber eben auch eine Pflichtaufgabe. Viel Arbeit, viel Verantwortung, viel Einfluss, aber kaum Bewegungsfreiheit: alles im Dienste des Kanzlers, von morgens bis abends. Jetzt steigt Frei nach dem Rücktritt von Jens Spahn als Vorsitzender der Fraktion noch weiter auf in der Reihe der wichtigsten CDU-Politiker. Viel Arbeit, Verantwortung, Einfluss – und viel mehr Bewegungs- und Entscheidungsfreiheit. Viel mehr Frei. 52 Jahre alt, Jurist, verheiratet mit einer Lehrerin, drei Kinder. Frei tritt nun aus Merz’ Schatten Dabei ist Frei in den vergangenen Jahren vor allem aufgestiegen, weil er erst dem Oppositionsführer Friedrich Merz und dann dem Kanzler gedient hat, loyal, fleißig, verbindlich. Jetzt tritt der Politiker Frei aus diesem Schatten mit einer eigenen Machtbasis durch die Wahl der Abgeordneten. Die Aufgabe ist klar: Eine Regierungsfraktion muss am Ende Mehrheiten sicherstellen. Aber sie muss auch ihre eigene Stimme behalten. Aber kann Frei das? Wird das enge Verhältnis zum Kanzler hier zum Problem für ihn? Für den freundlichen Herrn Frei, wie manche ihn nennen? Jedenfalls muss er es schaffen, einer selbstbewussten Fraktion die Eigenständigkeit zu sichern – gegenüber dem Kanzler und dem Koalitionspartner. Am vergangenen Freitag lässt sich Frei mit der Dienstlimousine nach Stuttgart fahren. Die IHK Stuttgart hat ihn zu einem Diskussionsabend eingeladen. Frei wählt nicht das Flugzeug, weil er nach dieser hektischen Woche der Regierungsumbildung die Fahrzeit zum Telefonieren braucht. Bei der IHK äußert er sich zum ersten Mal öffentlich zu seinem künftigen Amt und den Vorgängen in Berlin, die er einen „Tsunami“ nennt, den er so noch nicht erlebt habe. Ansonsten schweigt Frei gerade in der Öffentlichkeit, keine Zitate, bis er auch wirklich ins neue Amt gewählt ist. Er sei in der Woche zuvor am Freitagabend von Berlin nach Zürich geflogen, erzählt Frei, und schon in dieser einen Stunde Flugzeit sei so viel passiert, dass klar gewesen sei: Es geht ums Ganze für den bisherigen Fraktionsvorsitzenden Jens Spahn nach seiner Mitteilung, dass er durch eine Leihmutter in Amerika Vater geworden ist. In der Union und in den Whatsapp-Gruppen ist da eine Stimmung wahrnehmbar, die es unmöglich macht, Spahn im Amt zu halten. Die Partei lehnt Leihmutterschaften ab. Frei ebenso. Am Tag darauf tritt Spahn zurück. Frei fand den Fraktionsvorsitz schon lange reizvoll Frei macht in dem Gespräch vor 322 Zuhörern – Vertreter der Landes-CDU sind rar gesät – nicht den Eindruck, dass er sein Amt im Kanzleramt mit allzu viel Wehmut aufgibt. „Es gibt ein paar Dinge, die habe ich schon immer sehr gerne gemacht, und dazu bin ich leider in diesem Amt nicht gekommen. Ich bin ein leidenschaftlicher Debattenredner“, sagt er. Das neue Amt, in das er gewählt werden will, habe er schon immer als reizvoll empfunden. Wenn man für den Bundeskanzler als Kanzleramtsminister die Arbeit koordiniere, arbeite man über die gesamte Woche die Akten von 16 Fachministerien ab. „Der Radius geht dann in der ganzen Woche über zwei Kilometer nicht hinaus, das ist für einen Menschen wie mich mit einem Bewegungsdrang sehr wenig.“ Als Frei zwischen 2004 und 2013 Oberbürgermeister von Donaueschingen ist, hat er nicht nur Aktenberge vor sich, sondern auch viele öffentliche Auftritte, Termine mit Bürgern, und eine erstaunliche Popularität: Als Oberbürgermeister gewinnt er nach den ersten acht Jahren die Wiederwahl mit 99,2 Prozent. Als Frei dann kurz danach erfolgreich für den Wahlkreis 286 „Schwarzwald-Baar“ in den Bundestag gewählt wird, sollen die Bürger bei seiner Verabschiedung 45 Minuten lang applaudiert haben. „Ob es genau 45 Minuten waren, weiß ich nicht mehr“, sagt Frei am Freitagabend. Sticheleien gegen Frei gibt es dann vor allem, als Frei Kanzleramtsminister ist und, trotz aller Aktenberge, gelegentlich die Öffentlichkeit sucht, in Wahlkreisen und Fernsehstudios. Zumindest im Schutz der Anonymität kritisieren das manche in der Koalition. Hatten andere Kanzleramtsminister ihre Rolle nicht anders verstanden, waren sie nicht völlig verschwunden hinter diesen Aktenbergen? Und immer wieder: Die Suche nach Schuldigen Jedes Mal, wenn es in der Regierung hakt, es Missmut gibt über die Abstimmungen zwischen den Koalitionspartnern, mit der Fraktion oder zu den Ländern, gehen die Blicke automatisch auf die Regierungszentrale und damit eben auch: auf den Kanzleramtsminister. Gleich am Anfang der Legislaturperiode etwa, als Frei mal – abgesprochen mit dem Kanzler und lange zugesagt – zu einer Veranstaltung in den Wahlkreis fährt und bei einem Koalitionsausschuss fehlt. Oder als es in den eigenen Reihen Irritationen gibt, weil die Bürger bei der Senkung der Stromsteuer leer ausgehen. Beides fällt in die Anfangszeit der Regierung, Startschwierigkeiten. Aber auch als die Koalitionsspitzen im April in der Villa Borsig den erhofften Durchbruch bei den Reformen nicht hinbekommen, werden Schuldige gesucht. Hatte man die Vorlagen etwa nicht gut genug vorbereitet und ausverhandelt? Frei gehört zu einem Dreierteam der Unterhändler von CDU, CSU und SPD. Nachdem die Sitzung in der Villa Borsig frustrierend endet, kommen die drei Spitzen der Koalitionsfraktionen zu dieser Runde hinzu: Der Koalitionsgipfel Anfang Juli wird dann in dieser Sechser-Sherpa-Runde schon deutlich konkreter vorbereitet, vieles vorher geklärt. Es wird ein Erfolg. Für Spahn, der plötzlich als eine Stütze der Koalition gilt. Aber auch für Frei. Ob die Kritik an Vorbereitung, Abstimmung oder Kommunikation berechtigt ist oder nicht, ob es bei den Kritikern überhaupt genug Einblick in die Abläufe gibt oder die Kritik eigentlich nur auf den Kanzler selbst zielt: Es ist das erste Mal in seiner Karriere, dass Frei sich solcher Kritik ausgesetzt sieht. Das Problem ist dabei für Frei: als Kanzleramtsminister kann er sich kaum verteidigen. Kritik am Koalitionspartner ist nicht möglich, er muss ja die Arbeit der Regierung zusammenhalten. Und kein Wort aus seinem Mund darf auch nur den kleinsten Verdacht auf Illoyalität gegenüber dem Kanzler erwecken. Daran hält er sich. Er bleibt freundlich und loyal. Die Akten werden abgearbeitet. Die Frage ist aber, ob Frei mit seiner stets gleichbleibenden Verbindlichkeit und Ausgeglichenheit in diesen schwierigen Zeiten auch die 208 Abgeordneten der CDU und CSU führen kann. Ein Gemeinderat in einem Schwarzwaldstädtchen lässt sich einfacher anleiten als eine Bundestagsfraktion, die in den nächsten Monaten mit der SPD Reformen auf den Weg bringen muss und die unter dem nie da gewesenen Druck einer AfD steht, die im September in Sachsen-Anhalt und in Mecklenburg-Vorpommern große Wahlsiege feiern könnte. Schon Spahn musste seine Arbeitsabläufe und Abstimmungsrunden in der Fraktion anpassen, weil er im Fall der Verfassungsrichterwahl die Mehrheit mit seinen Abgeordneten nicht sichern konnte. Ja, lange nicht einmal verstanden hatte, wie groß der Unmut in der Fraktion ist. Immer wieder wird im Bundestag erzählt, dass die Fraktion sich verändert habe. Dass Abgeordnete schneller selbstbewusster aufträten. Auch weil viele nicht sicher sein könnten, ob sie beim nächsten Mal wieder in den Bundestag einziehen. Weil sie sich beweisen müssten. In vielen Wahlkreisen droht die AfD, im Osten dominiert sie längst. Das macht es nicht leicht, den Zusammenhalt zu organisieren. Oder zu erzwingen. Allerdings: Abweichler gab es auch früher. Aber wenn die Koalition nur zwölf Abgeordnete mehr hat als nötig, wird eben jeder Einzelne wichtiger. Es gibt Abgeordnete, die Zweifel haben, ob Frei die machtpolitische Härte hat, die Reihen zusammenzuhalten. Oder im Namen der Fraktion dem Kanzler entgegenzutreten. Oder in Verhandlungen der SPD Zugeständnisse abzuringen. Als Alexander Dobrindt von manchen von ihnen vorgeschlagen wird als Spahn-Nachfolger, ist wohl auch das der Subtext: lieber den als stark und unabhängig geltenden Innenminister als Chef, selbst wenn er von der CSU ist. Man kann in diese Forderung einen Zweifel an Frei hineinlesen. Ernsthaft erwarten, dass es Dobrindt wird, konnte man schließlich kaum. Zudem: Frei war einst der „Architekt der Migrationswende“, nicht Dobrindt, der sie nun als Minister umsetzt. Im Auftrag von Merz entwickelte Frei mit Bastian Schneider, einem heutigen Landtagsabgeordneten, ein Papier, in dem er vorschlug, das Individualrecht auf Asyl durch eine Kontingentlösung zu ersetzen. Frei verficht eine harte Linie, auch wenn er damit öffentlich nicht zündelt. Bloß kein falscher Ton Bei der IHK in Stuttgart bemüht sich Frei, nicht einen falschen Ton zu intonieren, der ihn am Ende ein paar Stimmen kosten könnte. Das wird deutlich, als es um die AfD und die Wahl in Sachsen-Anhalt geht. Denn dazu sagt Frei einerseits, man dürfe das Narrativ der AfD, dass sie „die anderen“ und die Ausgegrenzten seien, nicht stärken. Andererseits habe seine Partei aber mit der Linkspartei gar keine Gemeinsamkeiten. Was das nun für den Fall bedeuten könnte, falls in Magdeburg eine Allparteienkoalition gegen die AfD gebildet werden muss, bleibt unklar. Freis Karriere verläuft von Anfang geradezu idealtypisch – streng nach dem Sozialisationsmodell der alten Volkspartei CDU, wie es sie heute wohl nicht mehr gibt: Lehrzeit im Gemeinderat von Bad Säckingen, Referent in der Villa Reitzenstein im Umfeld eines CDU-Ministerpräsidenten, Erprobung der Massentauglichkeit im Bürgermeister- oder Oberbürgermeisteramt, dann Abgeordneter und schließlich Minister im Land oder im Bund. Als Freis innerparteilicher Aufstieg beginnt, ist die baden-württembergische CDU in zwei Lager gespalten: Frei gehörte zum wertkonservativen Flügel. Frei sei, sagen Weggefährten heute, damals schon eine „freundlich-angenehme Ich-AG“ gewesen, keiner also, der seine Zeit nur mit dem Aufbau und der Pflege eines innerparteilichen Netzwerks aus JU-Zeiten verbringe und der aus Selbstzweck Seilschaften pflege. Bis heute sei Frei niemand, der in Whatsapp-Gruppen Unnötiges mitteile. Erwin Teufel, die Ministerpräsidenten-Legende im Südwesten, hat mal über Frei gesagt: „Den kann man auf jeden Platz stellen, fachlich, inhaltlich, charakterlich ist er top.“ Frei gehe auf die Bühne, er wird von Sympathie getragen, sagt ein CDUler, der ihn seit Jahren beobachtet. „Er hat sich Autorität verschafft, ohne kämpferisch zu sein, er hat das erreicht, weil er verbindlich, gebildet und nicht verletzend auftritt.“ Das alles sind Dinge, die man so oder so ähnlich auch in Berlin über Frei hört. Bei allen über ihn verbreiteten Freundlichkeiten sollte man sich über Freis Machtbewusstsein und Zielstrebigkeit nicht täuschen: Als er sich 2013 für den Bundestagswahlkreis Schwarzwald-Baar aufstellen lässt, liegt sein triumphaler Wahlsieg in Donaueschingen gerade zwei Monate hinter ihm, er hätte also bequem Kommunalpolitiker bleiben können. Nach der Entscheidung von Thomas Strobl, 2016 nach Stuttgart zu wechseln, braucht die Bundestagsfraktion einen neuen stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden. Frei tritt in der Landesgruppe gegen Armin Schuster an und wird nominiert. Man kann sich also auch freundlich durchsetzen. Und an die Spitze kommen. Als Kanzleramtsminister hält Frei engen Kontakt zur Fraktion. Das gehört zur Jobbeschreibung. In Sitzungswochen besucht er dienstagvormittags Arbeitsgruppen und lädt immer wieder Gruppen von Abgeordneten zu sich ins Kanzleramt ein, die Sozialpolitiker etwa oder die Kommunalpolitiker. Man kennt sich gut, nur nicht in der neuen Rolle. Um 14 Uhr sollen sich die Unionsabgeordneten an diesem Mittwoch im Bundestagsplenum unter der großen Glaskuppel treffen, der Fraktionssaal wird gerade umgebaut. Friedrich Merz wird ein paar Worte zu seinem Vorschlag sagen: also für Frei werben. Dann wird gewählt und es gilt: Je besser sein Ergebnis wird, umso stärker wird Thorsten Frei sein, um auch dem Kanzler entgegenzutreten.

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29. Juli
FAZ (Politik)

CDU/CSU-Fraktionsvorsitz: Fegefeuer und Sprungbrett ins Kanzleramt

CDU/CSU-Fraktionsvorsitz : Fegefeuer und Sprungbrett ins Kanzleramt Der Fraktionsvorsitzende der Union ist ein natürlicher Anwärter auf die Kanzlerschaft. Ein Blick auf die Vorgänger von Thorsten Frei. Aus Thorsten Frei kann noch viel werden – und aus Jens Spahn hätte viel werden können. Das Amt des Vorsitzenden der Unionsfraktion im Bundestag ist das erfolgversprechendste Sprungbrett ins Kanzleramt. Von den insgesamt zwölf Vorgängern Spahns seit 1949 wurden vier später Bundeskanzler: Konrad Adenauer, Helmut Kohl, Angela Merkel und Friedrich Merz. Rainer Barzels Einzug ins Kanzleramt scheiterte im April 1972 nur knapp am Ministerium für Staatssicherheit, das die Stimmen von zwei Unionsabgeordneten kaufte und damit das konstruktive Misstrauensvotum gegen Bundeskanzler Willy Brandt zum Scheitern brachte. Ein anderer Fraktionsvorsitzender, Karl Carstens, brachte es 1979 bis zum Bundespräsidenten. Nach einer vierwöchigen Startphase unter Konrad Adenauer kürten die Abgeordneten nach dessen Wahl zum Bundeskanzler im Herbst 1949 Heinrich von Brentano zum Fraktionsvorsitzenden (1949 bis 1955). Der Rechtsanwalt aus Offenbach hatte im Hessischen Landtag parlamentarische Erfahrungen gesammelt und gehörte als Mitglied des Parlamentarischen Rates zu den Vätern des Grundgesetzes. Brentano ließ sich von Adenauer keineswegs die Butter vom Brot nehmen und vertrat selbstbewusst die Interessen der Fraktion. Adenauers Ausspruch, für ihn sei es „das Fegefeuer“, wenn er in die Fraktion müsse, darf allerdings als Übertreibung gelten. Fraktionsvorsitzender ohne Stimmrecht im Bundestag Brentano nahm aus heutiger Sicht erstaunlich direkt Einfluss auf die Außenpolitik. So handelte er 1952 persönlich mit dem amerikanischen Außenminister Dean Acheson eine Kompromissformel für eine Klausel des Deutschlandvertrags aus. Der Spross eines Adelsgeschlechts fiel durch weltmännisches Auftreten und geschliffene Umgangsformen auf. Die „New York Times“ würdigte ihn in einem Nachruf als „gentleman in politics“. Als Brentano 1955 das lang ersehnte Amt des Außenministers antrat, folgte ihm mit Heinrich Krone (1955 bis 1961) ein ehemaliger Zentrumsabgeordneter. Krone ist ein Kuriosum in der Reihe der Fraktionsvorsitzenden: Er war Berliner Abgeordneter und besaß daher kein Stimmrecht. Mehr als der Außenpolitiker Brentano war Krone ein effizienter Organisator hinter den Kulissen. Als Krone 1961 auf Wunsch Adenauers als Minister für besondere Angelegenheiten wechselte, kehrte Brentano zurück (1961 bis 1964). Auf seine uneingeschränkte Loyalität konnte Adenauer jedoch nun nicht mehr zählen. Brentano verübelte ihm, dass er das Amt des Außenministers nach Rücktrittsforderungen der FDP abgeben musste. Brentano warf sich nicht für Adenauer in die Bresche, als die Fraktion 1961 von ihm eine Festlegung seines Rücktrittsdatums forderte. Kohl markierte eine Zäsur Mit Rainer Barzel (1964 bis 1973) kam ein Fraktionsvorsitzender ins Amt, der maßgeblich dazu beitrug, ein vorzeitiges Scheitern der großen Koalition von SPD und Union zu verhindern. Angesichts des zerrütteten Verhältnisses zwischen Kanzler Kurt Georg Kiesinger (CDU) und seinem Vizekanzler Willy Brandt (SPD) war sein gutes Verhältnis zu seinem sozialdemokratischen Pendant Helmut Schmidt entscheidend für den Fortbestand der Koalition. Nach dem gescheiterten Misstrauensvotum und der verlorenen Bundestagswahl im November 1972 trat Barzel 1973 zurück, Karl Carstens wird für drei Jahre Fraktionsvorsitzender. Dann beginnt die Ära Kohl (1976 bis 1982). Nach einigem Zögern entschied sich Kohl nach der knapp verlorenen Bundestagswahl 1976, sein Amt als Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz aufzugeben, um als Fraktionsvorsitzender im Bundestag die Opposition zu führen. Damit verlieh er dem Amt zusätzliches Gewicht. Seine Zeit an der Fraktionsspitze war geprägt von Konflikten mit der CSU, die im November 1976 die Fraktionsgemeinschaft aufkündigte und dies im Dezember wieder rückgängig machte. Es folgte das Tauziehen um die Kanzlerkandidatur 1980, Kohl selbst verzichtete und scheiterte in der Fraktion mit dem Versuch, den niedersächsischen Ministerpräsidenten Ernst Albrecht als Kanzlerkandidaten gegen Franz Josef Strauß durchzusetzen. Nach Kohls Wahl und Einzug ins Kanzleramt übernahm Alfred Dregger 1982 den Vorsitz der Union. Dregger war deutlich konservativer als Kohl, stand aber loyal zu ihm, selbst wenn er anderer Meinung war, wie etwa im Fall des von Strauß eingefädelten Kredits für die DDR, den Dregger ablehnte, Kohl aber befürwortete. Viel mitzubestimmen hatte die Fraktion während Kohls Kanzlerschaft in der Regel nicht, aber sie blieb ein Machtfaktor. Nachdem Dregger 1991 zum Abschied gedrängt worden war, rückte Wolfgang Schäuble (1991 bis 2000) nach, der zum wohl einflussreichsten Fraktionsvorsitzenden in der Geschichte der Union wurde. Schon als Parlamentarischer Geschäftsführer fungierte er als Verbindungsmann zwischen Kohl und Dregger. Zwischen ihm und Kohl herrschte eine klare Aufgabenteilung, der Kanzler machte die Außenpolitik, und Schäuble hielt ihm weitgehend das innenpolitische Klein-Klein vom Leib. Zwischen der Parteivorsitzenden Merkel und Friedrich Merz, der nach dem Rücktritt Schäubles infolge der CDU-Spendenaffäre 2000 als Fraktionsvorsitzender folgte, funktionierte die Aufgabenteilung nicht. Nach zwei Jahren wurde Merz von Merkel aus dem Amt gedrängt, die danach zunächst selbst für drei Jahre den Fraktionsvorsitz übernahm. Auf ihren Vorschlag hin wählten die Abgeordneten 2005 Volker Kauder an ihre Spitze. Kauder amtierte mit 13 Jahren so lange wie kein anderer Fraktionsvorsitzender. Er war abgesehen von ihrer Büroleiterin Beate Baumann die wichtigste Stütze für Merkel. Kauders Sturz und die Wahl von Ralph Brinkhaus zu seinem Nachfolger waren daher 2018 vor allem auch eine Rebellion gegen Merkel. Das erste Mal seit 1973 hatte es wieder mehr als einen Kandidaten für den Fraktionsvorsitz gegeben. Thorsten Frei braucht an diesem Mittwoch keine Konkurrenz zu fürchten.

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29. Juli
Handelsblatt

Personalumbau in der Union: Thorsten Frei: Auf Umwegen an die Fraktionsspitze

Personalumbau in der Union: Thorsten Frei: Auf Umwegen an die Fraktionsspitze Berlin. Schon nach der Bundestagswahl im vergangenen Jahr war Thorsten Frei als Chef der CDU/CSU-Bundestagsfraktion im Gespräch. Jetzt wird er – wenn heute in der Fraktionssitzung alles glattläuft – nach einem holprigen Umweg über das Kanzleramt auf diesem Posten ankommen. Der 52-jährige Vater von drei Kindern kommt aus der südwestlichen Ecke Deutschlands, aus Säckingen im Schwarzwald an der Grenze zur Schweiz. Er studierte Rechtswissenschaften, arbeitete dann als Rechtsanwalt und Regierungsrat, bevor er 2004 Oberbürgermeister der Kreisstadt Donaueschingen wurde. Seit 2013 gehört er dem Bundestag an, wo er 2021 Parlamentarischer Geschäftsführer unter Fraktionschef und Oppositionsführer Friedrich Merz wurde. Frei kennt die Fraktionsarbeit also gut und gilt gleichzeitig als Vertrauter von Merz. Der entschied sich nach der gewonnenen Bundestagswahl, ihn lieber zum Chef des Kanzleramts zu machen, als ihn an der Spitze der Fraktion zu installieren. Den Posten bekam der deutlich unbequemere Jens Spahn – für viele eine Überraschung. Holprige Zeit im Kanzleramt Freis Zeit im Kanzleramt stand von Anfang an unter keinem guten Stern. Die erste Sitzung des Koalitionsausschusses, für dessen Vorbereitung ein Kanzleramtschef eigentlich zuständig ist, ließ er zugunsten einer Veranstaltung in seinem Wahlkreis Donaueschingen sausen. Später wurde ihm aus und Union und SPD, aber auch aus den Ländern, unter der Hand teils chaotische Amtsführung vorgeworfen. Bei der Erarbeitung des Reformpakets nahmen die Fraktionsspitzen das Heft des Handelns in die Hand. Dass die Einigung geräuschlos zustande kam, ist vor allem ihnen anzurechnen. Zuletzt verbesserte sich sein Standing als Kanzleramtschef allerdings und Zweifel des Kanzlers an ihm gab es ohnehin nicht. Wäre Jens Spahn nicht zurückgetreten, hätte Frei seinen Posten wohl weiter sicher gehabt. Rückkehr in gewohnte Gefilde Nun kehrt Frei in gewohnte Gefilde zurück. Sein Vorteil: Er muss sich nicht einarbeiten, kann durchstarten, steckt in allen Themen und kennt alle wichtigen Akteure bestens. Für die Koalitionsarbeit, die mit dem Reformpaket nach knapp 15 Monaten gerade in geregelte Bahnen gelenkt wurde, ist das von großem Vorteil. Sein guter Draht zum Kanzler wird hilfreich sein. In seiner neuen Rolle wird er ihm gegenüber aber anders auftreten müssen. Denn Unmut über den Führungsstil des Kanzlers gibt es in der Fraktion nicht erst seit dem Ärger über die Personalrochade. Spahn hat die Fraktion zu einem selbstbewussten Machtzentrum neben dem Kanzleramt gemacht. Das werden sich die Abgeordneten auch mit dem neuen Fraktionschef nicht mehr nehmen lassen wollen. Frei wird also bei aller notwendigen Loyalität zum Kanzler beweisen müssen, dass er auch diesem Anspruch gerecht werden kann.

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29. Juli
ZDF heute

Muss Thorsten Frei für Friedrich Merz büßen?

Union wählt neuen Fraktionschef:Muss Thorsten Frei für Friedrich Merz büßen? von Mathis Feldhoff Mit Spannung wird in der Unionsfraktion das Ergebnis der Wahl von Thorsten Frei erwartet. Wird er für das Personalchaos der letzten Tage abgestraft? Und erfüllt er die Erwartungen? Thorsten Frei wird in der Unionsfraktion geachtet und geschätzt, einer "von uns", wie in diesen Tagen immer wieder gesagt wird. Und tatsächlich hat der designierte Fraktionschef bisher überwiegend in der Fraktion gearbeitet. Im Bundeskabinett wird rotiert: Carsten Linnemann wird neuer Gesundheitsminister und ersetzt Nina Warken, die Kanzleramtsministerin wird. Thorsten Frei soll Nachfolger von Jens Spahn werden. 29.07.2026 | 0:30 minAußer im vergangenen Jahr. In den vergangenen 14 Monaten ist Frei Kanzleramtsminister, die rechte Hand des Bundeskanzlers und zuständig für den Ablauf der Regierungsgeschäfte. Nach dem verstolperten Kabinettsumbau der vergangenen Tage gibt es jetzt in der Bundestagsfraktion der Union die Befürchtung, dass Freis Wahl auch zum Testfall für Friedrich Merz wird. Der bisherige Kanzleramtschef Thorsten Frei soll neuer Fraktionsvorsitzender der Union im Bundestag werden. 22.07.2026 | 1:18 minRächen sich die Verlierer? Schließlich wäre es nicht das erste Mal in der Geschichte, dass dem Regierungschef indirekt ein Denkzettel verpasst wird. Merz hat in den vergangenen Tagen nicht nur die Partei massiv verstört, sondern auch einzelne Abgeordnete ganz persönlich vor den Kopf gestoßen. Dass diese sich jetzt mit ihrem Abstimmungsverhalten rächen, ist zumindest nicht ausgeschlossen. Doch wer sind die, die jetzt aus politischen oder persönlichen Motiven Thorsten Frei ihre Stimme verweigern könnten? Die Neubesetzung des Verkehrsministerpostens sorgt für Diskussionen. Nach dem Rücktritt von Patrick Schnieder soll nun Steffen Bilger sein Amt übernehmen. 27.07.2026 | 1:56 minSchnieder-Lager könnte sich rächen Zunächst sind da diejenigen, die meinen, sie gehörten jetzt zu den Verlierern im Kabinetts-Stühlerücken, weil sie entlassen oder nicht berücksichtigt wurden. Tino Sorge zum Beispiel, der sich am Montag lautstark über seine Abberufung aus dem Gesundheitsministerium beklagt hat. Oder die CDU-Abgeordneten aus Rheinland-Pfalz, die finden könnten, dass man mit ihrem ehemaligen Kabinettsmitglied Patrick Schnieder ziemlich unfair umgegangen ist. Aber ob diese Verlierer und Enttäuschten tatsächlich mit Nein votieren und ihren Frust über Merz an Frei stillen, kann man nur schwer vorhersagen. Am Ende ist es eine geheime Wahl. Der Wechsel an der Spitze des Verkehrsministeriums sorgt für viel Wirbel – besonders wegen des Umgangs mit dem bisherigen Ressortleiter Patrick Schnieder. Diana Zimmermann mit einer Einordnung. 27.07.2026 | 2:07 minFraktionschef von Kanzlers Gnaden? Und dann ist da jene Gruppe, die Thorsten Frei den Rollenwechsel nicht zutraut. 14 Monate war Frei im Kanzleramt und seine Bilanz in der Machtzentrale der Regierung ist nicht makellos. Zu oft gibt es Streit in der Koalition, Absprachen passen nicht, vieles davon wird Frei angelastet. Jetzt soll er im Auftrag von Merz die Regierungsmehrheit sichern und mancher scheint zu befürchten, dass er das vor allem aus der Brille des Kanzlers tun könnte. Bundeskanzler Merz nutzt den Rücktritt von Jens Spahn zu einem größeren Personalwechsel in seinem Kabinett. Auch Verkehrsminister Patrick Schnieder soll seinen Posten räumen. 24.07.2026 | 2:55 minDenn Frei ist ja nicht nur seit vielen Jahren auf das Engste mit Merz verbunden, sondern wird auch von ihm vorgeschlagen. Das hängt mit der Doppelrolle von Merz als Kanzler und Parteivorsitzender zusammen und könnte Frei jetzt als Menetekel angelastet werden. Nach dem großen Personalumbau der CDU hagelt es Kritik aus den eigenen Reihen an der Personalführung des Partei-Chefs und Bundeskanzlers Friedrich Merz. 28.07.2026 | 2:03 minKlare Kante gegen Kanzler und Regierung Schon bei der Verkündung der Kandidatur von Thorsten Frei gibt der amtierende Fraktionsvorsitzende ihm eine klare Erwartungshaltung mit auf den Weg. Deutlicher als CSU-Mann Alexander Hoffmann kann man es eigentlich nicht sagen: Die Fraktion hat den Anspruch, eine selbstbewusste Fraktion zu sein, auch gegenüber dem Kabinett, der Bundesregierung und auch gegenüber dem Bundeskanzler. Alexander Hoffmann, CSU-Landesgruppenchef Auch der bisherige Parlamentarische Geschäftsführer, Steffen Bilger, formuliert dem neuen Fraktionschef gegenüber einen Ratschlag, der mehr nach einer Vorgabe klingt: "Er weiß, worauf es ankommt, die Fraktion stark zu vertreten. Aber auch den Zusammenhalt in der Koalition in den Mittelpunkt zu stellen." Gerade den Punkt des Zusammenhalts nehmen beide Koalitionsfraktionen von Union und SPD für sich in Anspruch. Seit der Einbindung der Fraktionschefs, Matthias Miersch für die SPD, und dem bisherigen der Union, Jens Spahn, laufe es in der Koalition. Nach dem Rücktritt Jens Spahns als Unions-Fraktionsvorsitzender soll zunächst CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann dessen Aufgaben übernehmen. Shakuntala Banerjee hat mit ihm gesprochen. 18.07.2026 | 3:17 min Die dunkle Erinnerung an Volker Kauder Dass Fraktionsvorsitzende, die zu sehr an den Rockschößen des Regierungschefs hängen, auch scheitern können, ist in der Unionsfraktion Teil des kollektiven Gedächtnisses. Wie ein Trauma wirkt der 25. September 2018, als für viele überraschend der langjährige Vorsitzende Volker Kauder eine Kampfabstimmung gegen Ralph Brinkhaus verliert, weil Kauder zu sehr als Erfüllungsgehilfe von Kanzlerin Angela Merkel wahrgenommen wird. Das will man in der Unionsfraktion nicht noch mal erleben. Wohl auch deshalb gibt es neben dem klaren Erwartungsmanagement gegenüber Frei auch ein intensives Werben darum, die Personaldebatte, die insbesondere der Kanzler zu verantworten habe, und die Neubesetzung der Fraktionsspitze zu trennen. Wer Merz seine Missbilligung aussprechen wolle, dürfe sie nicht an Frei auslassen, so die Botschaft. Mathis Feldhoff ist Korrespondent im ZDF-Hauptstadtstudio. - AnalyseMerz' Kabinettsumbildung:Ist dem Kanzler der Personalumbau misslungen?von Mathis Feldhoff - Bundesverkehrsminister:Schnieder bittet Merz um Entlassung: "Unwürdiger Zustand"mit Video5:27 - "Ich wäre nicht erfolgreich gewesen":Frühere Aussage fällt Linnemann auf die Füßemit Video0:42 - Nach Leihmutter-Debatte:Jens Spahn tritt zurückmit Video2:37

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