Themen
lage

Sonntag, 12. Juli 2026
Zurück zur Übersicht

Krise bei Volkswagen: Es wird einsam um VW-Chef Blume

Medienspektrum

Links Mitte Rechts
11. Juli
Der Spiegel (Wirtschaft)

VW: Oliver Blume sieht »intelligentere Lösungen« als Werksschließungen

Autokonzern in der Krise Volkswagen-Chef sieht »intelligentere Lösungen« als Werksschließungen Im Ringen um die Zukunft Zehntausender Arbeitsplätze bei Volkswagen will Konzernchef Oliver Blume nach eigenen Angaben Fabrikschließungen vermeiden. »Es gibt intelligentere Lösungen, als Werke zu schließen«, sagte Blume der »Bild am Sonntag« laut Vorabmeldung. Als gefährdet gelten die Werke in Zwickau und Emden, das Audi-Werk in Neckarsulm und das Nutzfahrzeug-Werk in Hannover. Einsparungen an deutschen Produktionsstandorten zeigen laut Blume bereits Wirkung: »Unsere Fabrikkosten in Deutschland konnten wir allein im vergangenen Jahr um durchschnittlich 20 Prozent verbessern. Ein starker Fortschritt.« Das Unternehmen müsse weiter Kosten senken. Positiv äußerte sich Blume über die neue Elektroflotte: »Von unserer neuen Einstiegsfamilie um den ID. Polo haben wir über 50.000 Autos in den ersten vier Wochen verkauft. Wir sind klarer Marktführer in Europa – bei Verbrennern und vollelektrischen Fahrzeugen.« Sorgen bereitet dem VW-Chef die Weltlage: »Unser Umfeld war noch nie so anspruchsvoll und risikobehaftet wie heute. Geopolitische Spannungen, Handelsbarrieren, Regulatorik, Marktumbrüche und intensive Konkurrenz.« Blume hatte bereits angekündigt, die Produktionskapazität bis 2030 um eine Million auf neun Millionen Fahrzeuge pro Jahr zu senken. Die Zahl der Modelle soll bis 2035 halbiert werden, um kostengünstiger und effizienter produzieren zu können. Die Marken sollen sich weniger überlappen – Modelle von VW, Skoda und Seat etwa machen sich gegenseitig Konkurrenz. In den Werken in Zwickau, Emden, Neckarsulm und Hannover arbeiten 40.000 Menschen. VW überlegt nach früheren Angaben, dort Rüstungsfirmen anzusiedeln oder eigene, in China entwickelte Modelle zu bauen. Zudem sollen bis 2030 von weltweit 21.000 Management-Posten 5000 gestrichen werden. Wie viele der mehr als 650.000 Arbeitsplätze weltweit wegfallen könnten, ließ der Vorstand offen. Mehr zum Thema: Oliver Blume will Volkswagen mit einem drastischen Plan sanieren: In fünf Jahren soll in zwei großen VW-Fabriken das letzte Auto vom Band rollen. Doch die Stimmung im Unternehmen ist schon jetzt im Keller.

Artikel lesen
11. Juli
FAZ (Wirtschaft)

verstrichenes Ultimatum: VW-Betriebsrat sieht massiven Vertrauensverlust in Belegschaft gegenüber Konzernspitze

verstrichenes Ultimatum : VW-Betriebsrat sieht massiven Vertrauensverlust in Belegschaft gegenüber Konzernspitze Der VW-Konzern plant einen Großumbau – angeblich sollen Tausende Stellen weltweit wegfallen. Der Betriebsrat fordert mehr Transparenz vom Vorstand. Einen großen Vertrauensverlust in der Volkswagen-Belegschaft hat der Betriebsrat nach dem Verstreichen eines Ultimatums an die Konzernspitze ausgemacht. Man habe registrieren müssen, dass VW-Konzernchef Oliver Blume am Freitag das Management über Details zum wahrscheinlichen Aus für deutsche Fabriken als auch zu einem massiv ausgeweiteten Stellenabbauziel informiert habe. „Wir verurteilen scharf, dass er gleichzeitig den zehntausenden betroffenen Beschäftigten außerhalb des Managements diese Informationen weiterhin vorenthält“, hieß es am Samstag. Der Betriebsrat hatte Blume ein Ultimatum bis Freitag gestellt, Stellung gegenüber der Belegschaft zu beziehen. In der Konsequenz werde der Konzernchef nach der Sommerpause in Betriebsversammlungen direkt vor den Kolleginnen und Kollegen nicht nur im Stammwerk Rede und Antwort stehen müssen. „Dabei wird das Hauptaugenmerk der Belegschaft darauf liegen, ob der Vorstand diese Krise mit notwendigen Maßnahmen überhaupt gemeinsam mit den Beschäftigten meistern will oder gegen sie“, hieß es weiter. Schon am Donnerstag hatte es zahlreiche Protestaktionen gegeben. Massiver Stellenabbau im Gespräch Was konkret im nach einem Bericht zuletzt vom Aufsichtsrat abgelehnten Sparpaket steht, ist bisher nur aus Medienberichten bekannt. Laut „Manager Magazin“ könnten bis zu 100.000 Stellen weltweit wegfallen, doppelt so viele wie bisher geplant. Laut „Bild“ könnten es sogar 120.000 sein. Zudem sind vier Werke des VW-Konzerns in Deutschland sogar von Schließung bedroht: Hannover, Emden, Zwickau und das Audi-Werk in Neckarsulm. Wie die „Süddeutsche Zeitung“ unter Berufung auf Konzernkreise berichtet, stimmten die Vertreter der Arbeitnehmer und des Landes Niedersachsen gegen das Paket. Da derzeit ein Sitz der Kapitalseite unbesetzt ist, haben Arbeitnehmer und Niedersachsen zusammen eine Mehrheit von zwölf zu sieben Stimmen im Aufsichtsrat. Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) hatte bereits im Vorfeld angekündigt, dass das Land keiner Entwicklung zustimmen werde, „die auf Werksschließungen als vermeintlich einfache Lösung setzt“. VW äußerte sich am Freitag nicht zu einzelnen Abstimmungen im Aufsichtsrat.

Artikel lesen
11. Juli
Der Spiegel (Wirtschaft)

VW: Betriebsrat will Vorstandschef Oliver Blume vor die Belegschaft zitieren

Autobauer in der Krise VW-Betriebsrat will Vorstandschef Blume vor die Belegschaft zitieren Der Zwist zwischen der Volkswagen-Belegschaft und dem Boss des Autobauers, Oliver Blume, spitzt sich zu. Der VW-Chef solle den Beschäftigten endlich Details zu möglichen Werksschließungen in Deutschland sowie dem Stellenabbau im Konzern erläutern, heißt es in der VW-Betriebsratszeitung »Mitbestimmen«, die dem SPIEGEL vorliegt. Die Arbeitnehmervertreter beklagen, dass Blume »den betroffenen Beschäftigten außerhalb des Managements diese Informationen weiterhin vorenthält«. Nachdem er ein Gesprächsultimatum der Betriebsratschefin Daniela Cavallo verstreichen ließ, soll Blume »nach der Sommerpause in Betriebsversammlungen direkt vor den Kolleginnen und Kollegen nicht nur im Stammwerk Rede und Antwort stehen müssen«. Am Donnerstag hatte VW-Chef Blume dem Aufsichtsrat seinen drastischen Sparplan vorgestellt . Nach SPIEGEL-Informationen sollen unter anderem die Werke Zwickau und Emden ab 2031 keine Autos mehr produzieren, das Aus für Hannover plant Blume für 2032. Zusätzlich zu den bereits vereinbarten 50.000 Stellen, die im Konzern wegfallen, sollen 50.000 weitere Jobs weltweit bis 2030 gestrichen werden. (Mehr Informationen zu den Sanierungsplänen des VW-Chefs lesen Sie hier .) Laut Konzernkreisen wurde der Vorschlag mit Stimmen der IG Metall und des Landes Niedersachsen abgelehnt. Betriebsratschefin Cavallo, die im Aufsichtsrat sitzt, hatte Blume eine Frist für Freitag gesetzt, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über sein Vorhaben zu informieren und warf ihm »Respektlosigkeit« vor. Es sei »unverantwortlich, die Belegschaft im Unklaren zu lassen und so in den Urlaub zu schicken.« VW-Boss Blume im Mai 2026 in Berlin: Von den »Vorschusslorbeeren« in weiten Teilen der Belegschaft sei »inzwischen so gut wie nichts mehr übrig« Foto: Kay Nietfeld / dpaVW-Boss Blume hatte sich nach der Aufsichtsratssitzung öffentlich nicht zu den Details seines Plans geäußert. »Mit unserem Zukunftsplan stellen wir den Konzern auch in einem global massiv herausfordernden Umfeld noch robuster und wettbewerbsfähiger auf«, hieß es in einer Stellungnahme. Man »begrenze Risiken« und setze »ein klares Zeichen für Aufbruch am Wirtschaftsstandort Deutschland«. Zu Werksschließungen und Stellenabbau äußerte er sich nicht, das Ultimatum des Betriebsrats ließ er offenbar verstreichen. Nach dem Auftakt der Verhandlungen bei Volkswagen über den Plan für die Zukunft wird der Ton nun schon rauer. Blume habe sich in seiner Anfangszeit gern als »der Olli« und »Kind der Region« präsentiert, heißt es in der Zeitung des Betriebsrats. Doch von den »Vorschusslorbeeren« in weiten Teilen der Belegschaft sei »inzwischen so gut wie nichts mehr übrig«. Niedersachsens Wirtschaftsminister Grant Hendrik Tonne (SPD) bezeichnete den Umgang mit der Belegschaft als »unanständig«. Der gebürtige Braunschweiger Blume trat im September 2022 den Job an der Spitze des Konzerns an. Seither rutscht VW immer tiefer in die Krise: Vor der Coronapandemie wurden in Europa zwei Millionen Autos pro Jahr mehr verkauft als heute. Chinesische Wettbewerber wie BYD, Chery und andere setzen die Wolfsburger in China und mittlerweile auch in Europa unter Druck, indem sie den Preis für E-Autos drücken. Der operative Gewinn des Autobauers schrumpfte in zwei Jahren von 22,6 Milliarden auf 8,9 Milliarden Euro. 2030 könnte die Rendite negativ werden. Mit seinem Plan hofft Blume, die Rendite von aktuell 2,8 Prozent auf neun Prozent zu steigern. Für die Deutschen war Volkswagen immer »ihr« Unternehmen. Doch in der Krise kann der größte deutsche Autobauer nicht mehr jeder Erwartung gerecht werden. Und sollte es auch nicht, schreibt Alexander Demling im SPIEGEL-Leitartikel. Warum Deutschland sich vom Mythos Volkswagen verabschieden muss, lesen Sie hier .

Artikel lesen
© 2026 Themenlage