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Samstag, 15. August 2026
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Folgen der Hitze - Einbußen für Landwirte - Futtermangel auf Bauernhöfen - Tiere werden früher geschlachtet

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13. August
FAZ (Wirtschaft)

Landwirtschaft im Stress: Die Bauern brauchen neue Strategien gegen Dürre

Landwirtschaft im Stress : Die Bauern brauchen neue Strategien gegen Dürre Die Hitze setzt den Äckern zu. In einigen Regionen wird die Wasserentnahme rationiert. Vom Bund sind keine Hilfen geplant. Wie kommen die Landwirte damit zurecht? Der Hitzesommer 2026 verschärft die Lage der Landwirtschaft in Deutschland. Im Süden und Südwesten Deutschlands zeigt der Dürremonitor des Helmholtz-Zentrums vielerorten extreme Trockenheit. Auch die Grundwasserstände sind niedrig. Das Niedrigwasserinformationssystem des Bundes (NIWIS) maß in der Alpenregion neue Negativrekorde. Dort seien alle gemessenen Grundwasserstände „extrem niedrig“. Als Folge der fortgesetzten Trockenheit schränken viele Kommunen die Wasserentnahme ein. In Baden-Württemberg haben von 44 Land- und Stadtkreisen nur fünf keine Beschränkung für den Gemeingebrauch erhoben. In mehreren Bundesländern gelten derzeit ähnliche Verbote. Im Landkreis Ludwigsburg, nördlich von Stuttgart, werden zur Begründung der Naturschutz, das Allgemeinwohl und die Ordnung des Wasserhaushaltes genannt. Wer Wasser für den privaten Gebrauch abschöpft oder abpumpt, muss mit hohen Bußgeldern rechnen. In Stuttgart sind bei Verstößen etwa bis zu 100.000 Euro fällig. Wasserknappheit trifft die Landwirtschaft Viele Bauern befürchten nun, ihre Felder in ohnehin angespannten Zeiten nicht ausreichend bewässern zu können. Hohe Kosten für Energie, Dünger, diverse Dienstleistungen und niedrige Erzeugerpreise würden den Betrieben schon zusetzen, sagt Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV). „Die extremen Temperaturen werden vielerorts zu Ertragsverlusten führen“, sagt Guido Seedler, Getreidemarktexperte vom Deutschen Raiffeisenverband (DRV). Rund drei Millionen Tonnen Getreide und Raps seien seit Mitte Juni aufgrund der Hitze verloren gegangen. Erwartet wurden eigentlich 44,1 Millionen Tonnen, der Verband korrigiert seine Prognose nun auf 42,7 Millionen Tonnen. Den Bauern seien dadurch Einnahmeverluste in Höhe von 600 Millionen Euro entstanden. Laut Bauernpräsident Rukwied sähen die Ertragsaussichten für die Herbstkulturen Mais, Kartoffeln und Zuckerrüben nicht gut aus. Proberodungen von Zuckerrüben hätten in trockenen Regionen ein niedriges Gewicht ergeben, das rund 25 Prozent unterhalb des langjährigen Mittels liege. Agrarökonomin Mareike Söder vom Thünen-Institut schätzt die Situation etwas weniger pessimistisch ein. Zwar seien für Kartoffeln, Zuckerrüben und Mais im Südwesten Deutschlands Ertragseinbuße zu erwarten, das Wintergetreide sei in vielen Regionen jedoch vor Einsetzen der größten Trockenheits- und Hitzeeffekte geerntet worden. Folgen für die Qualität und Korngröße seien jedoch regional möglich. Auch seien noch nicht alle Ernten eingefahren, sodass sich die wirtschaftlichen Folgen für die Betriebe derzeit nicht abschließend beurteilen ließen. Bauernpräsident Rukwied rechne mit deutlich rückläufigen Betriebsergebnissen für die Landwirte im laufenden Wirtschaftsjahr. Neue Strategien gegen die Trockenheit Dem Umweltbundesamt zufolge müsse sich die Landwirtschaft auch in kommenden Jahren auf Sommer mit geringer Wasserversorgung einstellen. Für Brandenburg, eine der trockensten Regionen Deutschlands, fordert Björn Ellner einen naturverträglicheren Umgang mit Wasser in der Landwirtschaft. Ellner ist Vorsitzender des NABU in dem Bundesland. Wasser könne effizienter genutzt werden, etwa durch den Verzicht auf großflächige Beregnungsanlagen, eine Bewässerung in den Abend-, Nacht- und frühen Morgenstunden sowie den Einsatz von Tröpfchenbewässerung. Dabei wird das Wasser über Schläuche gezielt an die Wurzeln der Pflanzen geleitet. Laut Agrarökonomin Söder eigne sich das aber nicht für alle Kulturen. Betriebseigene Wasserspeicher könnten laut der Agrarwissenschaftlerin Nataliya Stupak eine weitere Rolle in der Landwirtschaft spielen. Sie speichern in niederschlagsreichen Zeiten Wasser und geben es in heißen Sommern wieder ab. Dadurch könnten zugleich Grund- und Oberflächenwasser entlastet werden. Untersuchungen zum landwirtschaftlichen Wassermanagement in Deutschland zufolge sind solche Speicher allerdings nicht immer wirtschaftlich rentabel. Für Söder sind widerstandsfähigere Kulturarten, eine angepasste Bodenbearbeitung mit dem Ziel des Humusaufbaus sowie eine vielfältige Sortenauswahl weitere wichtige Bausteine der Klimaanpassung. Bauernpräsident Rukwied sehe in Züchtungsverfahren wie CRISPR-Cas eine zusätzliche Möglichkeit, um schneller widerstandsfähigere Sorten zu erhalten. Mit der Methode kann das Erbgut von Pflanzen gezielt verändert werden, um sie beispielsweise gegen Trockenheit widerstandsfähiger zu machen. Vom Landwirtschaftsministerium waren Anfang August keine Hilfen geplant. Das teilte ein Sprecher des Ministeriums im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters mit. Für Rukwied könne die steuerliche Risikoausgleichsrücklage jedoch perspektivisch ein wirksames Instrument sein. Dadurch sollen mithilfe von Steuervergünstigungen finanzielle Rücklagen für außergewöhnliche Risiken und Verluste, etwa durch Dürren, ermöglicht werden. Wissenschaftler des Ifo-Instituts kritisieren in einer Untersuchung im Jahr 2018, die Risikoausgleichsrücklage würde die eigenverantwortliche Vorsorge der Betriebe gegen Einkommensschwankungen und Krisen schwächen. So viel Wasser verbraucht die Landwirtschaft tatsächlich Dem Umweltbundesamt zufolge wurden im Jahr 2022 insgesamt 17,9 Milliarden Kubikmeter Wasser aus Grund- und Oberflächengewässern entnommen. Auf die Landwirtschaft entfielen davon 0,48 Milliarden Kubikmeter Wasser und damit rund 2,5 Prozent. Die übrigen 17,4 Milliarden Kubikmeter Wasser wurden von der Energieversorgung, dem Bergbau und verarbeitenden Gewerbe sowie der öffentlichen Wasserversorgung genutzt. Sie machten damit 97,5 Prozent der Wasserentnahme aus. Die Anbaukulturen unterscheiden sich jedoch in ihrem Anteil an der bewässerten Fläche. Laut der Agrarstrukturerhebung 2023 entfiel mit rund 46 Prozent fast die Hälfte der bewässerten Flächen auf Getreide und Kartoffeln. Kleinere Anteile gehen auf Zuckerrüben, Mais und Gemüse zurück. Der Anteil der bewässerten Fläche sagt allerdings nichts darüber aus, wie viel Wasser je Hektar benötigt wird. Kulturen wie Gemüse und Obst, die auf vergleichsweise kleinen Flächen angebaut werden, benötigen häufig eine intensivere Bewässerung als großflächig angebaute Kulturen wie Getreide. Insgesamt wurden im Jahr 2022 im Freiland 431 Millionen Kubikmeter Wasser zur Bewässerung eingesetzt. 2009 waren es noch 293 Millionen Kubikmeter. Damit stieg der Wasserverbrauch innerhalb von 13 Jahren um 47 Prozent. Angesichts zunehmend trockener Sommer wird laut Wissenschaftlern des Thünen-Instituts der Verbrauch in der Landwirtschaft jedoch noch weiter steigen. Für eine dürregerechte Bewässerung seien daher zuverlässige Bewässerungsdaten entscheidend. Doch an diesen mangele es bisher. Es müsse klar sein, wer wie viel Wasser, aus welcher Quelle und zu welchem Zeitpunkt verbrauche, sagt Agrarökonomin Söder.

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13. August
Süddeutsche Zeitung (Wirtschaft)

Dürre: Bauern müssen wegen Futtermangel notschlachten

Die anhaltende Hitze und Trockenheit lassen in Baden-Württemberg die Futterbestände drastisch einbrechen und zwingen Landwirte zu ersten Notschlachtungen. Nach Angaben des Landesbauernverbands Baden-Württemberg steht den Landwirten aktuell 30 bis 40 Prozent weniger Futter zur Verfügung als sonst um diese Zeit. Auf den vertrockneten Wiesen wachse kaum neue Biomasse nach. Für Betriebe, die auf Gras und Heu angewiesen seien, fehlten damit wichtige Reserven für die kommenden Wochen. „In mehreren Regionen werden Tiere aufgrund der angespannten Futtersituation frühzeitig zur Schlachtung gegeben“, sagte Dominik Modrzejewski vom Bauernverband. In Schwäbisch Hall und Umgebung gibt es laut Verband bereits Wartelisten bei Schlachthöfen. Landwirt Harald Gronbach aus Crailsheim etwa hat nach eigenen Angaben ältere Kühe und Tiere, die sich weniger für die Zucht eigneten, bereits schlachten lassen. „Wir sehen ja, dass die Futtergrundlage nicht ausreicht. Bis Herbst muss es regnen, sonst ist die Existenz des Betriebs auch bedroht“, sagt der 59-Jährige, der insgesamt 130 Milchkühe besitzt. In Esslingen und im Kreis Reutlingen wurden zudem schon bis zu 15 Prozent der Tierbestände verkauft. „Die Futtersituation ist in weiten Teilen des Landes dramatisch“, sagte er. Bleibt der Regen aus, müssten die Bestände unter anderem in Rottweil, Tuttlingen, Tübingen und im Zollernalbkreis weiter abgebaut werden. Viele Bauern verfüttern bereits ihre Reserven für den Winter. Heu, Öhmd und Stroh sind kaum noch zu bekommen. Und wer fündig wird, muss mehr bezahlen: „Die Preise für verfügbare Ware haben sich bereits um etwa 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr erhöht“, teilt der Landesbauernverband Verband mit. Besonders hart trifft das Betriebe mit Vieh, weil sie zusätzlich Futter brauchen. Der wirtschaftliche Druck auf die Höfe steigt weiter Nachschub vom Feld ist nicht zu erwarten. Auf dem Grünland habe der zweite Schnitt in fast allen Regionen kaum noch nennenswerte Aufwüchse gehabt, sagte Modrzejewski. „Teilweise sind der dritte und vierte Schnitt vollständig ausgefallen.“ Aus dem Kreis Reutlingen würden Ertragseinbußen von im Durchschnitt rund 50 Prozent gemeldet. Die Trockenheit trifft nicht mehr nur das Grünland. Auch der Mais leidet unter den hohen Temperaturen. Im Raum Schwäbisch Hall, Hohenlohe und Rems würden teilweise 30 bis 50 Prozent weniger Menge erzielt, hieß es. Hinzu kommen regional erhebliche Schäden durch Hagel- und Unwetter. „Teilweise müssen Maisbestände vorzeitig gehäckselt werden, ohne dass ausreichende Futterqualität und -menge erreicht werden können“, teilte der Verband nach einer Umfrage bei seinen Mitgliedern mit. In einigen Regionen werde deshalb bereits Körnermais als Silomais genutzt. Die Lage verschärft den wirtschaftlichen Druck auf die Höfe. Hohe Betriebsmittelkosten treffen auf niedrige Erzeugerpreise, gleichzeitig fallen Ernten aus. Der Verband fordert deshalb schnelles und unbürokratisches Handeln von Bund und Land. „Wo Futter knapp ist, müssen vorhandene Flächen genutzt werden können“, heißt es vom Landesbauernverband. Stillgelegte Flächen aus den Öko-Regelungen sollten kurzfristig für die Futternutzung freigegeben werden. Auch Bracheflächen sollten für den Futteranbau genutzt werden dürfen. Ähnliche Entscheidungen will das Land nach eigenen Angaben in einem angekündigten Hilfspaket treffen. Zudem verlangt der Verband, die für Deutschland vorgesehenen EU-Hilfen wegen der hohen Düngemittelpreise von rund 60 auf 180 Millionen Euro aufzustocken. Bei den Energiekosten brauche es ebenfalls Entlastung wie etwa den Tankrabatt. Die Landwirtschaft sei von Maschinen über die Ernte bis zur Futterbergung in besonderem Maß auf Diesel angewiesen.

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13. August
Süddeutsche Zeitung (Wirtschaft)

Dürre: Bauern müssen wegen Futtermangels notschlachten

Die anhaltende Hitze und Trockenheit lassen in Baden-Württemberg die Futterbestände drastisch einbrechen und zwingen Landwirte zu ersten Notschlachtungen. Nach Angaben des Landesbauernverbands Baden-Württemberg steht den Landwirten aktuell 30 bis 40 Prozent weniger Futter zur Verfügung als sonst um diese Zeit. Auf den vertrockneten Wiesen wachse kaum neue Biomasse nach. Für Betriebe, die auf Gras und Heu angewiesen seien, fehlten damit wichtige Reserven für die kommenden Wochen. „In mehreren Regionen werden Tiere aufgrund der angespannten Futtersituation frühzeitig zur Schlachtung gegeben“, sagte Dominik Modrzejewski vom Bauernverband. In Schwäbisch Hall und Umgebung gibt es laut Verband bereits Wartelisten bei Schlachthöfen. Landwirt Harald Gronbach aus Crailsheim etwa hat nach eigenen Angaben ältere Kühe und Tiere, die sich weniger für die Zucht eigneten, bereits schlachten lassen. „Wir sehen ja, dass die Futtergrundlage nicht ausreicht. Bis Herbst muss es regnen, sonst ist die Existenz des Betriebs auch bedroht“, sagt der 59-Jährige, der insgesamt 130 Milchkühe besitzt. In Esslingen und im Kreis Reutlingen wurden zudem schon bis zu 15 Prozent der Tierbestände verkauft. „Die Futtersituation ist in weiten Teilen des Landes dramatisch“, sagte er. Bleibt der Regen aus, müssten die Bestände unter anderem in Rottweil, Tuttlingen, Tübingen und im Zollernalbkreis weiter abgebaut werden. Viele Bauern verfüttern bereits ihre Reserven für den Winter. Heu, Öhmd und Stroh sind kaum noch zu bekommen. Und wer fündig wird, muss mehr bezahlen: „Die Preise für verfügbare Ware haben sich bereits um etwa 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr erhöht“, teilt der Landesbauernverband mit. Besonders hart trifft das Betriebe mit Vieh, weil sie zusätzlich Futter brauchen. Der wirtschaftliche Druck auf die Höfe steigt weiter Nachschub vom Feld ist nicht zu erwarten. Auf dem Grünland habe der zweite Schnitt in fast allen Regionen kaum noch nennenswerte Aufwüchse gehabt, sagte Modrzejewski. „Teilweise sind der dritte und vierte Schnitt vollständig ausgefallen.“ Aus dem Kreis Reutlingen würden Ertragseinbußen von im Durchschnitt rund 50 Prozent gemeldet. Die Trockenheit trifft nicht mehr nur das Grünland. Auch der Mais leidet unter den hohen Temperaturen. Im Raum Schwäbisch Hall, Hohenlohe und Rems würden teilweise 30 bis 50 Prozent weniger Menge erzielt, hieß es. Hinzu kommen regional erhebliche Schäden durch Hagel- und Unwetter. „Teilweise müssen Maisbestände vorzeitig gehäckselt werden, ohne dass ausreichende Futterqualität und -menge erreicht werden können“, teilte der Verband nach einer Umfrage bei seinen Mitgliedern mit. In einigen Regionen werde deshalb bereits Körnermais als Silomais genutzt. Die Lage verschärft den wirtschaftlichen Druck auf die Höfe. Hohe Betriebsmittelkosten treffen auf niedrige Erzeugerpreise, gleichzeitig fallen Ernten aus. Der Verband fordert deshalb schnelles und unbürokratisches Handeln von Bund und Land. „Wo Futter knapp ist, müssen vorhandene Flächen genutzt werden können“, heißt es vom Landesbauernverband. Stillgelegte Flächen aus den Öko-Regelungen sollten kurzfristig für die Futternutzung freigegeben werden. Auch Brachflächen sollten für den Futteranbau genutzt werden dürfen. Ähnliche Entscheidungen will das Land nach eigenen Angaben in einem angekündigten Hilfspaket treffen. Zudem verlangt der Verband, die für Deutschland vorgesehenen EU-Hilfen wegen der hohen Düngemittelpreise von rund 60 auf 180 Millionen Euro aufzustocken. Bei den Energiekosten brauche es ebenfalls Entlastung wie etwa den Tankrabatt. Die Landwirtschaft sei von Maschinen über die Ernte bis zur Futterbergung in besonderem Maß auf Diesel angewiesen.

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11. August
taz (Öko & Co)

Hitze schlägt auf Ernährung durch: Dürre weicht Bio-Standards auf

Hitze schlägt auf Ernährung durch: Dürre weicht Bio-Standards auf Hitze und Trockenheit bedrohen die Existenz von Biobetrieben in Süddeutschland. Deshalb dürfen sie nun auch konventionelles Grünfutter für Tiere kaufen. Es ist eine Notfallverordnung: Baden-Württemberg und Bayern haben der Biolandwirtschaft erlaubt, auch Grünfutter einzukaufen, das konventionell angebaut ist. Grund ist ein erheblicher Mangel an Futtermitteln aufgrund der extremen Dürre. Manche Landwirte hätten vor einigen Wochen schon begonnen, ihre Reserven zu verfüttern, die eigentlich für den Winter gedacht waren, sagt die baden-württembergische Landwirtschaftsministerin Marion Gentges (CDU). Da nach Biostandards angebautes Futter nochmals schwerer zu bekommen ist als konventionelle Kost, wolle das Land den betroffenen Betrieben nun neuen Freiraum verschaffen, um sie zu entlasten. In Süddeutschland hat sich die Lage in den vergangenen Wochen nämlich dramatisch zugespitzt. Es gibt Höfe, die angesichts des Mangels an heimischem Futter bereits Luzerne aus der norditalienischen Poebene einkaufen. Andere haben begonnen, ihre Tierbestände „abzustocken“, also planmäßig zu verringern. Entsprechend ist die Zahl der Schlachtung von Kühen in den vergangenen Wochen angestiegen. Die Entscheidung der südlichen Bundesländer zur Lockerung der Biorichtlinien basiert auf dem europäischen Ökorecht, das bei außergewöhnlichen Situationen Ausnahmen von den Produktionsvorschriften ermöglicht. Die Länder sind allerdings nur für das EU-Ökosiegel zuständig. Wer strengere Siegel nutzen will, muss zusätzlich die privatrechtlichen Vorgaben der entsprechenden Verbände wie Bioland, Demeter oder Naturland erfüllen. Private schließen sich an In dieser Notsituation gehen die Verbände aber bei den Entscheidungen der Länder mit. Der Demeter-Verband bestätigte auf Anfrage, er schließe sich dem Vorgehen Bayerns und Baden-Württembergs an und habe für seine Biobetriebe die Vorgaben entsprechend gelockert. Ebenso äußerte sich Naturland. Auch die Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau Baden-Württemberg unterstützt angesichts der „existenzbedrohenden Lage“ die „formal-rechtlichen Freiräume“. Biolandwirtin Martina Braun Demeter betont, dass man trotzdem bemüht sei, durch verstärkte Vernetzung unter den Landwirten sicherzustellen, dass das vorhandene Demeter- und Biofutter bevorzugt verwendet wird. Generell ausgeschlossen für Demeter-Betriebe sei weiterhin der Zukauf von konventionellem Mais. Bei Naturland gilt diese Regel gleichermaßen. Eine gute Kennerin der Materie ist auch Martina Braun, Biolandwirtin im Schwarzwald und zugleich Abgeordnete der Grünen im Stuttgarter Landtag. Sie trägt die vorübergehende Freigabe von konventionellem Futter für Biobetriebe ebenfalls voll und ganz mit: „Für unseren Betrieb hat Biofutter natürlich weiterhin höchste Priorität, aber in dieser Notstandssituation musste das Land eine praktikable Lösung finden.“ In ihrem eigenen Familienbetrieb würde man, wenn es wirklich nicht mehr anders gehen sollte, das konventionelle Futter zuerst an jene Tiere verfüttern, die nicht unmittelbar der Lebensmittelproduktion dienen, wie etwa Jungtiere. Nachweis notwendig Ähnlich wie in Baden-Württemberg ist die Lage in Bayern. „Wo über Wochen der Regen fehlt, wächst irgendwann auch das beste Futter nicht mehr“, sagt die bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU). Gerade für die Biobetriebe werde das zum Problem, wenn die eigenen Vorräte knapp werden und auch am Markt nicht genügend Biogrundfutter wie Gras, Heu, Klee oder Silage verfügbar ist. „Deshalb ermöglichen wir betroffenen Betrieben, unter klaren Voraussetzungen auf konventionelles Grundfutter zurückzugreifen und so die Versorgung ihrer Tiere sicherzustellen“, sagt Kaniber. Jeder Betrieb muss dafür individuell nachweisen, dass gleichwertiges Futter nicht am Markt verfügbar ist. Die Ausnahmeregelung gilt ohne regionale Einschränkung, da die Versorgung der Betriebe mit Biogrundfutter flächendeckend gefährdet ist. Das bayerische Ministerium betont zugleich, dass die Ausnahmen nur für den Zukauf von Grundfutter gelten, nicht aber für Kraftfutter, das auch weiterhin aus ökologischer Produktion stammen muss. Die Ausnahmeregelungen gelten, bis sich die Versorgung wieder verbessert hat, maximal aber 12 Monate. Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen meistkommentiert

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