USS »Abraham Lincoln«: Matrosen klagen über Zustände auf US-Flugzeugträger
Katastrophale Bedingungen Matrosen auf US-Flugzeugträger leiden unter langer Einsatzzeit
Die psychische Verfassung der Matrosen an Bord der USS »Abraham Lincoln« scheint sich zunehmend zu verschlechtern. Die Besatzung befindet sich bereits im neunten Monat im Einsatz auf See – für den Flugzeugträger der USA ein Rekord, für die Matrosen eine mentale Herausforderung.
Das Kriegsschiff verließ San Diego am 21. November 2025 mit Ziel Pazifik. Es wurde jedoch noch vor den am 28. Februar begonnenen US-israelischen Angriffen auf Iran in die Krisenregion umgeleitet. Seither ist der Flugzeugträger im Arabischen Meer im Einsatz, um die US-Seeblockade gegen Schiffe durchzusetzen, die versuchen, iranische Häfen anzulaufen oder zu verlassen.
Matrosen wollten offenbar über Bord springen
Wegen der Zustände an Bord der »Lincoln« schlagen auch US-Politiker bereits Alarm. »Es gibt verschimmelte Duschen, kaputte Toiletten«, beschrieb Mike Levin, ein demokratischer Kongressabgeordneter, die Situation auf X . Es gebe »lange Phasen ohne warmes Wasser und eine Mahlzeit, die sich auf eine halbe Tasse Reis und zwei Tortillas beschränkt«, monierte Levin.
Matrosen an der Reling der USS »Abraham Lincoln« (Dezember 2024)
Foto:Kevin Carter / Getty Images
In seinem Post erinnerte der Abgeordnete auch an eine emotionale Bürgerversammlung am vergangenen Donnerstag in San Diego, in der Familien ihre Sorgen um Angehörige an Bord der »Lincoln« gegenüber der Marineführung äußerten. Anwesend waren unter anderem der amtierende Marine-Staatssekretär Hung Cao und weitere hochrangige Offiziere. Über die Versammlung berichteten auch die beiden führenden Militärfachzeitschriften »Navy Times« und »Stars and Stripes« .
Demnach habe eine der rund 200 anwesenden Ehefrauen erzählt, ihr Mann habe ihr an diesem Tag eine SMS geschickt, in der er schrieb: »Ich hoffe, dass ich morgen nicht mehr aufwache.« Eine weitere Frau berichtete von einem separaten Vorfall, in den ihr Ehemann verwickelt worden sei: Der Matrose habe einen Kameraden daran gehindert, über Bord zu springen, indem er ihn packte und zurück an Deck brachte.
Senatoren verlangen Aufklärung
Verteidigungsminister Pete Hegseth tat die Berichte als »weitere Fake News« ab , was der Kongressabgeordnete Levin scharf kritisierte: »Diese Männer und Frauen haben sich verpflichtet, ihrem Land zu dienen. Das Mindeste, was ihr Land ihnen schuldet, sind heißes Wasser, eine funktionierende Toilette und eine richtige Mahlzeit. Hegseth kann nicht einmal das gewährleisten und hat dann auch noch die Frechheit, ihren Familien in die Augen zu schauen und sie als Lügner zu bezeichnen.«
Mittlerweile fordern auch Mitglieder des US-Senats Aufklärung. Die Regierung von US-Präsident Donald Trump »muss erklären, was sie tut, um die Streitkräfte auf dem schwimmenden Luftwaffenstützpunkt zu unterstützen«, schrieb der Senator aus dem Bundesstaat Connecticut, Richard Blumenthal, auf X . Der Demokrat hat eine offizielle Anfrage als Mitglied des Senatskomitees für die US-Streitkräfte an Verteidigungsminister Hegseth und Marine-Staatssekretär Cao gerichtet. Sein demokratischer Senatskollege aus Arizona, Ruben Gallego, kündigte an , den Flugzeugträger mit einer parteiübergreifenden Delegation besuchen zu wollen, um die Lage in Augenschein zu nehmen.
Studie belegt Belastung der Matrosen
Dem »Guardian« sagte ein Vertreter der Marine, man sei sich bewusst, dass »längere Einsätze eine erhebliche Belastung für unsere Soldaten und ihre Familien darstellen, und wir sind dankbar für ihre Widerstandsfähigkeit und die Opfer, die sie bringen«. Der Sprecher fügte hinzu, dass die Gesundheit und das Wohlergehen jedes einzelnen Matrosen auf der »Lincoln« oberste Priorität hätten. Das Kommando habe bislang keinen Anstieg von Suizidgedanken oder -versuchen an Bord des Schiffes festgestellt.
Eine Studie im Auftrag der US-Regierung , erschienen im vergangenen Jahr, untersuchte die besonderen Stressfaktoren, denen Matrosen im Einsatz ausgesetzt sind. Sie kam zu dem Ergebnis, dass laute Geräusche, Schlafmangel sowie unzureichende psychische und physische Gesundheitsversorgung zu den häufigsten Stressfaktoren zählen.
Die Forscher führten eine Umfrage unter Matrosen im Einsatz durch und stellten fest, dass sich fast die Hälfte von ihnen darüber beklagte, keine angemessene Hilfe bei der Bewältigung von Stress auf See zu erhalten. »Angesichts der hohen Selbstmordraten im Militär, auch innerhalb der Marine, sind dringend Maßnahmen zur Verbesserung des Zugangs zur medizinischen Versorgung auf Schiffen erforderlich«, mahnte die Studie.