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Dienstag, 28. Juli 2026
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Bundesregierung - Österreichs Regierung will Wehrdienst verlängern und Social-Media-Verbot für unter 14-Jährige umsetzen

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28. Juli
taz (Öko & Co)

Wehrpflichtreform in Österreich: Mehr Wehrdienst, weniger Reform

Wehrpflichtreform in Österreich: Mehr Wehrdienst, weniger Reform In Österreich wird der Grundwehrdienst um drei Monate mit Wehrübungen verlängert. Der Kompromiss bleibt hinter den Empfehlungen der Expertenkommission zurück. Österreichs Wehrpflicht wird reformiert. Nach monatelangen Debatten hat sich die Dreierkoalition auf eine Verlängerung des Wehrdiensts geeinigt. Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP), Vizekanzler Andreas Babler (SPÖ) und Außenministerin Beate Meinl-Reisinger (Neos) präsentierten den Kompromiss am Montag in einer Salzburger Kaserne. Als Grund für die Reform nannten sie neue geopolitische Notwendigkeiten. Flankiert wurden sie von einem Vertreter der von der Regierung beauftragten Wehrdienstkommission, der seine gemischten Gefühle kaum verbarg: Der Kommissionsvorsitzende, Generalleutnant Erwin Hameseder, nannte den Kompromiss zwar „einen wesentlichen Fortschritt“, räumte aber ein, dass er nicht begeistert sei. Zunächst keine Änderungen beim Zivildienst Zu den bisherigen sechs Monaten beim Bundesheer kommen künftig drei Monate für Wehrübungen hinzu. Ein Teil folgt direkt danach, der Rest verteilt sich über zehn Jahre. Beschlossen wurde auch eine Erhöhung des monatlichen Solds von etwa 600 auf 1.000 Euro sowie zusätzliche Urlaubstage. Insgesamt rechnet die Regierung mit Kosten in Höhe eines „niedrigen dreistelligen Millionenbetrags“ pro Jahr. Nicht angetastet wird vorerst der Zivildienst. Er soll weiterhin neun Monate dauern, kann künftig jedoch freiwillig um zwei Monate verlängert werden. Erst wenn die Zahl der Grundwehrdiener unter einen festgelegten Schwellenwert sinkt, soll diese Verlängerung verpflichtend werden. Die beiden Zusatzmonate sollen laut Kanzler Stocker „im Sinne von Zivilschutzübungen“ gestaltet werden. Details bleibt die Regierung aber noch schuldig. Gegen den europäischen Trend Österreich bewegt sich mit der Reform gegen den europäischen Trend. Nur noch rund ein Drittel der EU-Staaten hält an einer echten Wehrpflicht fest, etwa die baltischen und skandinavischen Länder, Griechenland und Zypern. Bei einer Volksbefragung 2013 sprachen sich 59,7 Prozent der Österreicher für die Beibehaltung gegenüber einem Berufsheer aus. Kritiker sahen darin jedoch eine Entscheidung der Alten über die Jungen. Die Reform bleibt deutlich hinter der Empfehlung der eingesetzten Expertenkommission zurück, die acht Monate Grundwehrdienst und zwei Monate Milizübungen („8 + 2“) vorgesehen hätte. Die ÖVP wollte sich anschließen, scheiterte aber an ihren Koalitionspartnern. Auch bei der Verlängerung des Zivildiensts auf zwölf Monate musste die ÖVP zurückstecken. David Stögmüller, Grünen-Wehrsprecher Opposition fordert Nachbesserungen Für eine Umsetzung braucht die Regierung eine Zweidrittelmehrheit im Nationalrat. Die beiden Oppositionsparteien zeigen sich offen für Gespräche, fordern aber Nachbesserungen. „Eine gute Reform muss mehr sein als das Verschieben von Monatszahlen“, sagt Grünen-Wehrsprecher David Stögmüller. Nötig seien bessere Ausbildungsinhalte, zusätzliche Qualifikationen und eine faire finanzielle Anerkennung auch für Zivildiener. Einen „faulen Kompromiss“ sieht die rechtsradikale FPÖ. „Es ist fatal, wenn Politiker glauben, gescheiter zu sein als die Experten, und versuchen, sich aus Expertenmodellen nur Rosinen herauszupicken“, heißt es von FPÖ-Wehrsprecher Volker Reifenberger. Von einem „Anschlag auf unsere Sicherheit“ spricht gar FPÖ-Bundesparteichef Herbert Kickl. Neues Wehrpflichtmodell ab Anfang 2027 in Kraft Ein differenzierteres Urteil fällt der österreichische Militärexperte Franz-Stefan Gady in den sozialen Medien. Er hätte sich ein „8 + 2“-Modell gewünscht und erachtet Teile der Reform als „nicht vollständig durchdacht“. Er sei dennoch überzeugt, dass künftige Soldaten „besser ausgebildet in den Einsatz gehen“ würden. Gelten soll das neue Modell bereits ab Anfang 2027, sofern der Beschluss im Parlament rechtzeitig zustande kommt. Schon 2022 beschloss Österreich, seine Verteidigungsausgaben bis 2032 deutlich auf zwei Prozent des BIPs zu erhöhen. Eine Neubewertung vertrage längst auch die österreichische Neutralität. Ist sie wirklich die beste Lösung für die eigene Sicherheit? Wie würde sie in bestimmten Szenarien ausgelegt werden, etwa im Fall eines Angriffs auf einen befreundeten Staat? Diese unbequemen Fragen werden weiterhin gar nicht erst gestellt. Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. 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28. Juli
FAZ (Politik)

Wehrdienst: Österreich stärkt die Milizarmee

Wehrdienst : Österreich stärkt die Milizarmee Nach zähen Verhandlungen einigt sich Österreichs Regierung auf eine Wehrdienstreform. Auf die Grundausbildung folgen künftig drei Monate verpflichtender Übungen. Es war eine Einigung in letzter Minute. Termin und Ort für den „Sommerministerrat“, zu dem das österreichische Kabinett während der Ferienzeit zusammenkommt, standen schon seit Wochen fest. In der Salzburger Schwarzenbergkaserne, das war klar, sollte das Streitthema Wehrdienstreform endlich entschieden werden. Doch erst kurz vor der angekündigten Pressekonferenz am Montagnachmittag drang schließlich die Kunde nach außen, dass ein Kompromiss gefunden sei. Der Streit beschäftigt das Land seit Monaten. Noch im vergangenen Jahr hatte Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) eine Kommission eingesetzt, um Vorschläge für eine Zukunft des Wehrdienstes zu erarbeiten, der bislang sechs Monate dauert. Die Fachleute sprachen sich im Januar für ein Modell „Österreich Plus“ aus. Das sollte aus acht Monaten Grundwehrdienst und zwei Monaten verpflichtender Milizübungen bestehen, flankiert von einer Verlängerung des Zivildienstes von neun auf zwölf Monate. Doch vor allem die Koalitionspartner der konservativen ÖVP, die sozialdemokratische SPÖ und die liberalen NEOS, taten sich schwer mit dem Modell. Die SPÖ blieb inhaltlich zwar wage, wollte den Wehrdienst aber möglichst kurz halten. Die NEOS wiederum werben für eine Berufsarmee. Rückkehr zur Landstreitkraft wegen Russlands Krieg Verteidigungspolitik ist in Österreich schon immer ein spezielles Thema. Die „immerwährende Neutralität“, zu der sich das Land nach dem Zweiten Weltkrieg verpflichten musste, ist fester Bestandteil der nationalen Identität. Offiziell ist Österreich weiterhin bündnisfrei, auch wenn das Land inzwischen auf zahlreichen Ebenen mit der NATO kooperiert und an der EU-Verteidigungspolitik mitwirkt. Während die meisten Länder auf eine Berufsarmee umstellten, stimmten die Österreicher 2013 in einer Volksbefragung mit deutlicher Mehrheit für eine Beibehaltung der Wehrpflicht, wenngleich die damals schon auf ein Minimum reduziert war. Die Grundlinie der Verteidigungspolitik war seit dem Kalten Krieg das Modell einer Milizarmee, um im Krisenfall auch ohne großes Berufsheer möglichst viele „Bürger in Uniform“ aktivieren zu können. Schon damals folgten auf einen vergleichsweise kurzen Grundwehrdienst von sechs Monaten regelmäßige Milizübungen. Nach dem Ende des Ost-West-Konflikts in Europa wurden die Übungen aber auf ein Minimum reduziert und zuletzt nur noch auf Freiwilligenbasis abgehalten. Kaum jemand sah noch einen Zweck in einer breit aufgestellten Landstreitkraft, zumal die Kosten hoch waren – nicht nur für das Bundesheer, das Material und Strukturen bereitstellen musste, sondern auch für die Wirtschaft, die während der Milizübungen auf die Arbeitskräfte verzichten musste. Das änderte sich – wie vieles in Europa – mit dem russischen Überfall auf die Ukraine. Derzeit gehen Militärplaner davon aus, dass das Bundesheer zwei Monate für eine Mobilmachung brauchen würde, da die Soldaten während ihres Wehrdienstes zwar eine Grundausbildung bekommen, aber nicht ausreichend in Einheiten und Verbänden üben können. Vor allem deshalb hatte die Wehrdienstkommission für die wiederkehrenden Milizübungen geworben, um Handlungssicherheit und Überlebensfähigkeit der Soldaten in Einsatzsituationen zu erhöhen. Kanzler Stocker wollte weiter gehen als seine Partner Mit den Empfehlungen der Fachleute war der politische Streit allerdings nicht entschieden. Offenbar hatten Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) und seine Verteidigungsministerin die Koalitionspartner nicht früh genug ins Boot geholt. Stocker versuchte noch, den Druck zu erhöhen, indem er plötzlich für eine Volksabstimmung über die verschiedenen Modelle warb, neben dem favorisierten „8+2“ Modell ein Stufenmodell mit sechs Monaten Grundwehrdienst sowie ein „Schweizer Modell“ aus vier Monaten Grundwehrdienst und 140 Tagen Milizübungen. Doch Stocker lief mit seinem Vorstoß bei den Koalitionspartnern gegen eine Wand. Am Ende rangen die Regierungspartner bis zur letzten Minute. Heraus kam ein typischer Kompromiss: ein Stufenmodell von sechs Monaten Grundwehrdienst plus Milizübungen im Umfang von drei Monaten, wobei offen blieb, wie genau die drei Monate verteilt werden sollen. Stocker sprach von „sehr langen und intensiven Gesprächen“, die der Einigung vorausgegangen seien, zeigte sich aber mit der Lösung zufrieden. Das Leitprinzip, den Wehrdienst zu stärken, werde erfüllt. Vizekanzler und SPÖ-Chef Andreas Babler lobte wiederum, dass der Pflichtdienst künftig mit einem Sold von 1000 Euro im Monat und der Einführung von Urlaubstagen attraktiver gemacht werde. Auch Erwin Hameseder, der Vorsitzende der Wehrdienstkommission, nannte die Einigung zwar „nicht die optimale Lösung“, aber einen „Schritt, der das Bundesheer deutlich nach vorne bringen wird“. Nur von der rechten FPÖ, die in Umfragen deutlich führt, kam wie erwartet scharfe Kritik: Parteichef Herbert Kickl sprach von einem „Stückwerk des Versagens“ und dem „nächsten faulen Kompromiss dieser Verliererampel“. Eine parallel vereinbarte Verlängerung des Zivildienstes von neun auf elf Monate soll zunächst nur auf freiwilliger Basis erfolgen. Da hierfür eine Verfassungsänderung erforderlich ist, braucht die Koalition hierfür zumindest die Stimmen der Grünen. Stocker sprach aber davon, dass ab 2028 ein Mechanismus greifen solle, mit dem der elfmonatige Zivildienst verpflichtend werde, falls die jährliche Zahl von 15.000 Wehrdienstleistenden Grundwehrdiener um mehr als 7,5 Prozent unterschritten werde.

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27. Juli
Die Zeit (Politik)

Wehrdienst: Österreichs Regierung will Wehrdienst um drei Monate verlängern

Die österreichische Regierung will den Wehrdienst auf insgesamt neun Monate verlängern. Das kündigte die Koalition aus konservativer ÖVP, sozialdemokratischer SPÖ und liberalen Neos nach langen Verhandlungen an. Die Reform sieht nach der sechsmonatigen Grundausbildung neue verpflichtende Truppenübungen vor. Weitere Übungen in der Miliz können dann innerhalb von zehn Jahren absolviert werden. Mit diesem Stufenmodell folgt die Regierung größtenteils den Empfehlungen einer Experten-Kommission. Um den Wehrdienst attraktiver zu machen, sollen Urlaubstage eingeführt werden und die Vergütung soll auf 1.000 Euro monatlich steigen. Anlass ist veränderte Sicherheitslage Begründet wurde der Schritt mit der veränderten sicherheitspolitischen Lage seit Russlands Vollinvasion in der Ukraine sowie mit zunehmenden Bedrohungen durch Cyberangriffe und Risiken für kritische Infrastruktur. Der Traum vom dauerhaften Frieden in Europa sei spätestens mit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine zerplatzt, sagte Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP). Österreich müsse seine Fähigkeiten zur Landesverteidigung stärken. »Es ist zu wenig, neues Gerät anzuschaffen, wenn unsere Soldatinnen und Soldaten im Ernstfall zu wenig Übung im Umgang damit haben«, sagte er weiter. Auch Zivildienst könnte länger werden Für die Umsetzung benötigt die Regierung allerdings eine Zweidrittelmehrheit im Parlament. Dafür ist sie auf die Stimmen der rechten FPÖ oder der Grünen angewiesen. Die Neuregelung soll zum 1. Januar 2027 in Kraft treten. Die Reform könnte sich auch auf den neunmonatigen Zivildienst auswirken. Im kommenden Jahr könne er freiwillig um zwei Monate verlängert werden, hieß es. Ab 2028 werde der Zivildienst verpflichtend um diese Zeit verlängert, wenn bestimmte Kennzahlen bei der Rekrutierung von Grundwehrdienern verfehlt würden, teilte die Regierung weiter mit.

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27. Juli
Die Welt (Politik)

Österreich will Wehrdienst auf neun Monate verlängern, Milizübungen sollen Pflicht werden

Österreich will Wehrdienst auf neun Monate verlängern, Milizübungen sollen Pflicht werden Die österreichische Regierung hat eine umfassende Reform des Bundesheeres beschlossen. Neben einem längeren Grundwehrdienst sollen verpflichtende Milizübungen die Einsatzbereitschaft erhöhen. Nötig ist allerdings Zustimmung aus der Opposition. Österreich will den Wehrdienst verlängern und die Miliz stärken. Nach langen Verhandlungen beschloss die Regierung am Montag beim Sommerministerrat in einer Kaserne bei Salzburg eine Reform, die verpflichtende Milizübungen vorsieht und die Dienstzeit um drei Monate auf insgesamt neun Monate ausweitet. Begründet wurde der Schritt mit den veränderten sicherheitspolitischen Rahmenbedingungen seit dem russischen Angriff auf die Ukraine sowie mit zunehmenden Bedrohungen durch Cyberangriffe, hybride Attacken und Risiken für kritische Infrastruktur. Der Traum vom dauerhaften Frieden in Europa sei spätestens mit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine zerplatzt, sagte Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP). Österreich müsse seine Fähigkeiten zur Landesverteidigung stärken. „Es ist zu wenig, neues Gerät anzuschaffen, wenn unsere Soldatinnen und Soldaten im Ernstfall zu wenig Übung im Umgang damit haben“, betonte er. Für die Umsetzung benötigt die Drei-Parteien-Koalition aus konservativer ÖVP, sozialdemokratischer SPÖ und liberalen Neos allerdings eine Zweidrittelmehrheit im Parlament. Dafür ist sie auf die Stimmen der oppositionellen rechten FPÖ oder der Grünen angewiesen. Die Neuregelung soll zum 1. Januar 2027 in Kraft treten. Das österreichische Bundesheer wird im Inland regelmäßig für Katastrophenhilfe und Assistenzeinsätze etwa bei Hochwasser, Lawinen oder an der Grenze eingesetzt. Eine Beteiligung an Kriegen oder militärischen Bündniseinsätzen sieht die österreichische Neutralität grundsätzlich nicht vor. Konkret sollen nach dem Grundwehrdienst verpflichtende Truppenübungen stattfinden. Weitere Übungen in der Miliz – vergleichbar mit der deutschen Reserve – sind innerhalb von zehn Jahren zu absolvieren. Die Regierung folgt damit einem Stufenmodell, das von einer Wehrdienstkommission empfohlen worden war. Um den Dienst an der Waffe attraktiver zu machen, wird zugleich die Vergütung für Rekruten auf 1000 Euro monatlich erhöht. Zudem werden Urlaubstage eingeführt. Auch der zivile Ersatzdienst wird angepasst. Ab Januar 2027 soll dieser zunächst freiwillig um zwei Monate verlängert werden können. Ab 2028 greift eine sogenannte Wehrdienst-Garantie: Liegt die Zahl der Rekruten mehr als 7,5 Prozent unter dem Zielwert von 15.000 Personen pro Jahr, wird der Zivildienst ab dem Folgejahr dauerhaft um zwei Monate verlängert.

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