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Sonntag, 12. Juli 2026
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BTS in München: Die spektakuläre Show der glorreichen Sieben

Medienspektrum

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12. Juli
taz (Öko & Co)

BTS in München: Eine große Streicheleinheit

BTS in München: Eine große Streicheleinheit Die K-Pop-Band BTS auf Comeback-Tour in München: Beim ersten ihrer zwei einzigen Deutschlandkonzerten lieferte die Boygroup eine makellose Glanzperfomance. „Ich hab mich gefühlt wie eine Katze, der unendlich viele Menschen Futter reichen“, sagt eine von zwei Freundinnen, die gerade mit mir die Allianz-Arena verlassen, in jenem Nachkonzert-Schritttempo, das halb Erschöpfung ist und halb Weigerung, den Abend durch zügiges Gehen oder Drängeln zu beenden. Und die andere antwortet: „Ja, man wird richtig gestreichelt.“ Besser lässt es sich kaum sagen: Ein BTS-Konzert ist eine Streicheleinheit – zweieinhalb Stunden lang und von 70.000 Menschen simultan empfangen. Rätselhaft ist schon, dass etwas Derartiges überhaupt funktioniert. Denn da vorne liefert diese Band eine solch makellose Glanzperformance ab, dass die sieben Mitglieder eigentlich wahnwitzig unnahbar sein müssten, entrückt qua Perfektion. Und trotzdem fühlt man sich die ganze Zeit gesehen. „Die Arena ist so gut gebaut, ich sehe euch. Jeden Einzelnen von euch nehme ich heute mit nach Hause“, sagt Jungkook (übersetzt von einer freundlichen Frauenstimme, die ein klein wenig nach einem Anime-Charakter klingt), als sich die sieben, wie es sich für ein BTS-Konzert gehört, zum Schwatz mit dem Publikum niedergelassen haben. Ist das nicht hinreißend? Der Star erklärt sich zum Sammler seiner Fans. BTS – größtes Popphänomen des Jahrzehnts, ich erspare mir die ohnehin wohlbekannten Superlative – sind nach ihrem Militärdienst mit dem Comeback-Album „Arirang“ auf Tournee; die beiden Münchner Abende sind ihre einzigen Deutschland-Termine. Und die Streicheleinheit ist keinesfalls einseitig, sondern beruht auf Gegenseitigkeit. Die ARMY hatte sich monatelang vorbereitet – Fanchants einstudiert, Freebies gebastelt, die funkgesteuerten Lightsticks geladen, die das Stadion, wenn es dunkel wird, in eine atmende Lichtinstallation verwandeln. Fans auf der Leinwand Dass die Fans nicht Publikum sind, sondern Teil der Gesamtperformance, machte die Show selbst immer wieder zum Thema. In einer längeren Pause wurden, Kiss-Cam-mäßig, die selbstgebastelten Plakate der Fans auf die Leinwände geholt; in einem Song wurden Band und ARMY nebeneinander gezeigt. Es gibt hier keine zwei Parteien, nur ein Ensemble, von dem sieben Mitglieder zufällig Mikrofone tragen. Wobei die Lightsticks formal eigentlich auch an Mikrofone erinnern, und man (oder nur ich?) sie manchmal intuitiv beim Mitsingen oder Jubeln vor dem Mund hält. Zum Kochen brachte dieses Ensemble neben „Baepsae“ vor allem der Überraschungssong „Pied Piper“, jene selten gespielte, halb ironische Selbstanklage, in der BTS sich als Rattenfänger inszenieren, die ihre Fans etwas zu sehr verlocken. Und ja, Jungkook sang tatsächlich „Gut genug“, den viralen deutschen Sommerhit, den er neulich erst in einem Livestream angestimmt hatte. Ein superperfektionistischster Popstar singt 70.000 Menschen den Satz „Du bist gut genug“ vor. Streichel, streichel. Das Bühnensetting war auf eigensinnige Weise schlicht und pompös zugleich. Am kunstvollsten waren die Auf- und Abtritte der Band, meist inmitten der Tänzer, oft verhüllt und umspielt von wogenden Stoffbahnen. Der wehende Stoff ist eine typische Komponente im koreanischen Tanz, man denke nur an den Hansam, den langen Ärmeln des Seungmu – auf einer Tour, die nach dem koreanischen Volkslied schlechthin benannt ist, kann man das wohl guten Gewissens als Programm lesen. Nicht zuletzt, da Bühne und Displays immer wieder mit Referenzen auf die koreanische Kultur aufwartete. Aber es ist auch einfach ein schönes Bild. Eine Band, die nach Jahren der Trennung zurückkehrt, lässt sich allabendlich neu von ihrem Ensemble enthüllen. Es hat auch etwas von einer Verwandlungsszene. Inoffizielle Hymne Koreas Ein weiterer Gänsehautmoment war „Body to Body“, jener Song, in den BTS das „Arirang“ eingewoben haben. „Arirang“, in unzähligen Varianten überliefert, immaterielles UNESCO-Kulturerbe, so etwas wie die inoffizielle Hymne Koreas, die von Generationen gesungen wurde, unter Besatzung, in Teilung und Diaspora. Diese Hymne wird nun von 70.000 Menschen in Europa angestimmt, die sie höchstwahrscheinlich nur phonetisch auswendig gelernt haben, aber mit vollem Ernst und ohne ein Fünkchen Ironie bei der Sache sind. In Großaufnahme wurden die Gesichter der sieben gezeigt, sichtlich gerührt, als wäre dies die Bestätigung, die ihrer Kultur so lange verwehrt blieb. Für einen Moment war nicht mehr zu sagen, wer hier eigentlich wen streichelt. Auf jeden Fall saßen in der U6 Richtung Innenstadt später 70.000 sehr satte Katzen. 50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. 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