Trotz Unsicherheit "Wirtschaft weniger pessimistisch"
Ifo-Index steigt Stimmung der deutschen Unternehmen verbessert
Die Stimmung unter deutschen Unternehmen hat sich weiter verbessert. Über alle Branchen hinweg stieg das ifo-Geschäftsklima, das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer - trotz der unsicheren Lage in Nahost.
Die Stimmung in den Chefetagen der deutschen Unternehmen hat sich erneut aufgehellt. Der ifo-Geschäftsklimaindex stieg im Juli auf 86,6 Punkte und damit das dritte Mal in Folge, wie das Münchner ifo Institut zu seiner Umfrage unter rund 9.000 Führungskräften mitteilte.
Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten nur mit 86,0 Punkten gerechnet. Im Juni hatte das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer noch bei 85,7 Zählern gestanden.
Analysten betonen allerdings, dass man den aktuellen Anstieg nicht überinterpretieren dürfe: "Der deutliche Anstieg des ifo-Geschäftsklimas ist nur bedingt aussagefähig, weil die meisten Unternehmen die Umfrage vor dem massiven Ölpreisanstieg der beiden letzten Wochen beantwortet haben", betont Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank.
Iran-Krieg drückt weiter auf die Stimmung
Im Nahen Osten waren die Kampfhandlungen zwischen den USA und dem Iran zwischenzeitlich wieder aufgeflammt und hatten für steigende Ölpreise gesorgt - ein Barrel der Referenzsorte Brent hatte zwischenzeitlich wieder mehr als 100 Dollar gekostet.
Auch der Transport von Öl, Gas und Rohstoffen durch die für die internationalen Lieferketten so wichtige Straße von Hormus läuft noch lange nicht wieder so wie vor dem Iran-Krieg. Eine tragfähige Öffnung der Schiffspassage gilt als wichtiger Impuls für die seit Monaten unter hohen Energiepreisen ächzende Wirtschaft.
Entsprechend betont auch Alexander Krüger, Chefvolkswirt bei Bethmann Hal: "Die Laune der Unternehmen dürfte erst dann besser werden, wenn die Energiepreise deutlich fallen. Solange das nicht geschieht, wird die Stimmung wohl einem Auf und Ab folgen." So wird denn auch die aktuelle Lage schlechter bewertet. Vor allem im Verarbeitenden Gewerbe und im Dienstleistungssektor fielen die Urteile zur aktuellen Lage etwas schlechter aus.
Mit Optimismus in die Zukunft
Deutlich besser fällt dagegen der Blick in die Zukunft aus, der Indikator wurde vor allem durch die verbesserten Erwartungen der Unternehmen gestützt. Die Stimmung verbesserte sich in allen Branchen: in der Industrie, bei den Dienstleistern, im Handel und am Bau.
Aufgehellt hat sich im Juli vor allem die Stimmung in den Chefetagen der deutschen Industrieunternehmen. "Die Betriebe berichten von einer verbesserten Nachfrage", sagte ifo-Umfragechef Klaus Wohlrabe. Das betreffe alle großen Branchen wie Auto- und Maschinenbauer, nicht jedoch die Chemieindustrie. Dort nahm der Pessimismus zu - "mutmaßlich getrieben von steigenden Ölpreisen", wie Wohlrabe betonte.
"Leichter Aufwärtstrend"
Diese lassen auch die Preiserwartungen in der Wirtschaft insgesamt steigen. "Viele Unternehmen sind auf Preiserhöhungen gewechselt", betonte der Experte Wohlrabe: "Auch hat die Unsicherheit wieder zugenommen, und zwar branchenübergreifend." Von Optimismus sei die deutsche Wirtschaft noch ein Stück weit entfernt.
"Aber zumindest zeigt der Anstieg, welches Erholungspotenzial vorhanden ist, falls sich die USA und der Iran einigten und die Straße von Hormus dauerhaft geöffnet würde", betont Commerzbank-Chefökonom Krämer. Ähnlich interpretiert auch Wohlrabe die Daten: "Die deutsche Wirtschaft ist bereit, Schwung aufzunehmen", so der ifo-Umfragechef: "Für die Gesamtwirtschaft zeichnet sich ein leichter Aufwärtstrend ab."