30. Juli Die Zeit (Politik)
Wahlrecht: Union lehnt Absenkung der Fünf-Prozent-Hürde ab
Wahlrecht: Union lehnt Absenkung der Fünf-Prozent-Hürde ab
Die Union im Bundestag weist den Vorschlag, die Sperrklausel für Bundes- und Landtagswahlen abzusenken, zurück. Unterstützung für die Idee kommt hingegen von der Linken.
An der Fünfprozenthürde will die Union nicht rütteln. Günter Krings, Vize der Unionsfraktion, blockt die Debatte mit dem Verweis auf das alte, aber im Berliner Politikbetrieb erstaunlich robuste Argument der Stabilität ab: Schon jetzt seien Regierungsbildungen ein zähes Format, mit niedrigerer Sperrklausel drohten noch mehr Splitterparteien, Abspaltungen und parlamentarisches Dauerrauschen. Ausgelöst wurde der Vorstoß von Sachsen-Anhalts SPD-Spitzenkandidat Armin Willingmann und Ex-Verfassungsgerichtspräsident Hans-Jürgen Papier, die mehr Repräsentation für bislang verpuffende Stimmen fordern, wobei auf Bundesebene dafür sogar eine Grundgesetzänderung samt Zweidrittelmehrheit nötig wäre. Die Linke sendet dafür On-Air sofort Zustimmung und argumentiert demokratietheoretisch, der Wählerwille werde durch die Hürde nicht sauber abgebildet, während ausgerechnet die FDP in Sachsen-Anhalt trotz eigener Wackelzone unter fünf Prozent ebenfalls auf Distanz geht. Hinter der technisch klingenden Wahlrechtsfrage steckt damit ein ziemlich politischer Plot: In Sachsen-Anhalt könnte die SPD selbst an der Hürde hängen bleiben, Grüne, FDP und BSW liegen laut Umfrage ebenfalls im roten Bereich – und die Sperrklausel wirkt plötzlich weniger wie ein nüchternes Regelwerk als wie ein Gatekeeper mit Macht über das ganze Parteiensystem.
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Der stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag, Günter Krings, weist Forderungen nach einer Senkung der Fünfprozenthürde bei Wahlen zurück. »Wir sollten die Finger davon lassen«, sagte er dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. Durch ein Absenken der Sperrklausel würden ohnehin schon
schwierige Regierungsbildungen noch schwerer werden, sagte Krings. Zudem warnte er vor einem Anreiz für Parteineugründungen und -abspaltungen. »Gerade in unseren Zeiten brauchen wir mehr und nicht weniger Stabilität in der parlamentarischen Arbeit.«
Sachsen-Anhalts SPD-Spitzenkandidat Armin Willingmann und der frühere Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Hans-Jürgen Papier, hatten sich für eine Senkung ausgesprochen. Auf Bundesebene wäre dafür eine Änderung des Grundgesetzes notwendig, und somit eine Zweidrittelmehrheit im Bundestag.
SPD könnte in Sachsen-Anhalt an Sperrklausel scheitern
Die Linke im Bundestag unterstützt den Vorschlag: »An uns würde eine Wahlrechtsänderung, die sich an seinem Vorschlag orientiert, nicht scheitern«, sagte die parlamentarische Geschäftsführerin Ina Latendorf der Rheinischen Post über Papiers Initiative. Durch die Fünfprozenthürde würden viele Wählerstimmen unberücksichtigt bleiben. »Der Wählerwille wird dadurch nicht bestmöglich repräsentiert, was in einer Demokratie aber das Ziel sein sollte«, sagte Latendorf.
Für Willingmanns SPD könnte es bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September knapp werden: Sie kam in einer Umfrage zuletzt auf 5 Prozent. Grüne, FDP und BSW liegen mit 4 Prozent knapp unter der Hürde für den Einzug ins Parlament. FDP-Spitzenkandidatin Lydia Hüskens sprach sich allerdings gegen eine Senkung der Hürde aus.