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Donnerstag, 10. September 2026
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„Die Realität über das, was im Land passiert, ist jetzt endlich in der Union angekommen“

Medienspektrum

Progressiv Mitte Konservativ
8. September
Die Zeit (Politik)

David Begrich: »Eine Enttabuisierung von rechtsextremen Politikangeboten«

DIE ZEIT: Herr Begrich, wie sind Sie am Montag nach der Wahl erwacht? David Begrich: Um es mal mit Kafka zu sagen: aus unruhigen Träumen, nach einer kurzen Nacht. Ich bin immer noch dabei, zu verstehen, was da am Sonntag passiert ist. Und ich bin ein bisschen überrascht davon, wie sehr mich das überrascht hat: 44 Prozent für die AfD, nicht 42. ZEIT: Das wäre unsere zweite Frage gewesen. Was ist am Sonntag passiert? Begrich: Offenkundig ist es Ulrich Siegmund gelungen, Menschen an die Wahlurne zu bringen, die zuvor lange nicht gewählt haben und für die Politik sonst ein weit entferntes Hintergrundrauschen ihres Alltags ist. Das hat die AfD sehr frühzeitig verstanden, lange, lange vor diesem Wahlkampf. Und sie hat es diesmal zur Perfektion getrieben: Komplexitätsreduktion, die Inszenierung von Nahbarkeit, die Inszenierung von Sozialräumlichkeit und so weiter. Das andere, was wieder aufgefallen ist, ist die Unschärfe der Umfrageinstitute bezogen auf Sachsen-Anhalt. Ja, es gibt da immer eine Fehlertoleranz von zwei bis drei Prozentpunkten. Aber wenn ich das richtig sehe, hat keines der Institute gesehen, dass die CDU unter 20 Prozent fallen würde. Und keines hat gesehen, dass die AfD wesentlich über 40 Prozent liegen könnte. Mich bestärkt das in der These, dass wir es mit einer Ausnahmesituation zu tun haben, was die Volatilität in Sachsen-Anhalt angeht. Die Wählerschaft ist enorm schwer zu taxieren. Automatische Zusammenfassung Diese Fragen beantwortet der Artikel: - Warum erzielte die AfD in Sachsen-Anhalt fast 44 Prozent? - Wie sollte Politik und Öffentlichkeit auf diesen Erfolg reagieren?

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8. September
Süddeutsche Zeitung (Politik)

Podcast: „Auf den Punkt“: Sachsen-Anhalt: Ein AfD-Innenminister wäre eine Gefahr für die nationale Sicherheit

Nach der Wahl in Sachsen-Anhalt und dem klaren Sieg der AfD sind jetzt Szenarien möglich, die vor der Wahl nur ferne Theorie zu sein schienen – zum Beispiel ein AfD-Innenminister. Warum das so gefährlich sein könnte, erklärt in dieser Folge von „Auf den Punkt“ Sebastian Erb aus dem SZ-Investigativteam. Er hat sich damit beschäftigt, wie viel Macht ein AfD-Innenminister in Sachsen-Anhalt hätte und welche Schutzmaßnahmen die übrigen Innenminister deshalb gerade diskutieren. Denn ein AfD-Innenminister ist „eine reale Gefahr für die nationale Sicherheit“, hat der thüringische Innenminister Georg Maier gesagt. Weitere Nachrichten: Ergebnisse der Pisa-Studie; Verdächtiger im Fall der Stromnetz-Anschläge festgenommen. Zum Weiterlesen: Den Text zum Film, in dem es um die Wiedervereinigung von Oasis geht, lesen Sie hier. Die neue SZ-Podcastserie „Weidelland“ hören Sie hier. Moderation, Redaktion: Johannes Korsche Redaktion: Ann-Marlen Hoolt, Lea Brüggemann Produktion: Justin Patchett Zitiertes und zusätzliches Audiomaterial über tagesschau. So können Sie unseren Nachrichtenpodcast abonnieren: „Auf den Punkt“ ist der tägliche Nachrichtenpodcast der Süddeutschen Zeitung zu den wichtigsten Themen des Tages. Sie finden alle Folgen auf sz.de/nachrichtenpodcast. Verpassen Sie keine Folge und abonnieren Sie unser Audio-Angebot in Ihrer Lieblings-Podcast-App oder bei iTunes und Spotify. Eine Übersicht über all unsere Podcasts finden Sie unter www.sz.de/podcast und hier erfahren Sie, wie Sie unsere Podcasts hören können. Sie haben Fragen oder Anregungen? Dann schreiben Sie uns: podcast@sz.de.

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4. September
Der Spiegel (Politik)

Sachsen-Anhalt - News zur Landtagswahl: Ulrich Siegmund 30 Minuten im Kinderkanal

Wahl am Sonntag Siegmund spricht im Interview mit dem Kinderkanal über Gräuel der Nazis »Wir können uns nicht immer nur für unsere Geschichte schämen«: Der Kinderkanal hat eine Schülerin 30 Minuten lang den AfD-Spitzenkandidaten für die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt interviewen lassen. Das News-Update. Dieser Artikel gehört zum Angebot von SPIEGEL+. Sie können ihn auch ohne Abonnement lesen, weil er Ihnen geschenkt wurde. Wichtige Updates Sortierung 📌Kinderkanal gewährt AfD-Spitzenkandidat halbstündiges Interview Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt wird medial umfangreich begleitet – auch vom öffentlich-rechtlichen Kindersender »KiKa«. Der steht nun allerdings für ein Sendeformat in der Kritik. Der AfD-Spitzenkandidat hat im »KiKa« umfangreich Sendezeit erhalten, im Rahmen eines Schülerinnen-Interviews.   Die Landesschülersprecherin von Sachsen-Anhalt durfte mit Siegmund reden. Eine halbe Stunde dauerte das Gespräch. Der AfD-Politiker nutzte die Plattform, um auch über seine Schulpläne zu reden. Indirekt empfahl er, im Geschichtsunterricht die Gräuel der Nationalsozialisten weniger genau zu behandeln. »Wir können uns nicht immer nur für unsere Geschichte schämen. Wir haben keine Schuld da dran«, so Siegmund.   In Sachen Bildungspolitik warb Siegmund dafür, Schülerinnen und Schüler auf ein »realistisches« statt ein »ideologisches Leben« vorzubereiten. Was er damit meinte, führte er nicht näher aus. Die Landesschülersprecherin von Sachsen-Anhalt durfte mit Siegmund reden. Eine halbe Stunde dauerte das Gespräch. Der AfD-Politiker nutzte die Plattform, um auch über seine Schulpläne zu reden. Indirekt empfahl er, im Geschichtsunterricht die Gräuel der Nationalsozialisten weniger genau zu behandeln. »Wir können uns nicht immer nur für unsere Geschichte schämen. Wir haben keine Schuld da dran«, so Siegmund. In Sachen Bildungspolitik warb Siegmund dafür, Schülerinnen und Schüler auf ein »realistisches« statt ein »ideologisches Leben« vorzubereiten. Was er damit meinte, führte er nicht näher aus. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Die Linke fährt zum Abschluss ihre Spitzen auf – vor kleinem Publikum Die AfD feiert auf einer Elbinsel – die Linke hingegen mitten im Stadtzentrum. Parallel in Magdeburg und Halle lädt die Partei zum Wahlkampfabschluss, das Spitzenpersonal soll pendeln. Los geht es in Magdeburg, neben Spitzenkandidatin Eva von Angern sind die Parteivorsitzenden Ines Schwerdtner und Luigi Pantisano, Fraktionschefin Heidi Reichinnek und die »Silberlocken« Gregor Gysi, Dietmar Bartsch und Bodo Ramelow vor Ort. Allerdings: Das Staraufgebot der Partei zieht am Freitagnachmittag keine 200 Interessierte zur Veranstaltung. Los geht es in Magdeburg, neben Spitzenkandidatin Eva von Angern sind die Parteivorsitzenden Ines Schwerdtner und Luigi Pantisano, Fraktionschefin Heidi Reichinnek und die »Silberlocken« Gregor Gysi, Dietmar Bartsch und Bodo Ramelow vor Ort. Allerdings: Das Staraufgebot der Partei zieht am Freitagnachmittag keine 200 Interessierte zur Veranstaltung. Einmal alle für die Linke: Landesvorsitzende, Bundesvorsitzende, Fraktionsvorsitzende, aktuelle wie ehemalige - und in der Mitte Spitzenkandidatin Eva von Angern. Foto: Marc Röhlig/DER SPIEGEL Der Kampf gegen rechts und für mehr soziale Gerechtigkeit sind ihre Hauptthemen. Von Angern erzählt, dass sie stolz ist, dem »Lügmund«, gemeint ist AfD-Kandidat Ulrich Siegmund, nicht die Hand gegeben zu haben. Das Publikum johlt. Sie wirbt für mehr Kinderschutz, Bildungsinvestitionen – und Heimatschutz: »Wir lassen uns die Heimat nicht wegnehmen«, sagt von Angern. »Eine rechtsextreme Landesregierung wird es jetzt nicht geben und auch nicht später.« Reichinnek sagt, die Linke bleibe an der Seite der Menschen und stehe für Demokratie, Toleranz, Vielfalt und Gerechtigkeit ein. Und sie betonte, wie wichtig es sei, endlich mal Frauen in den Fokus der Politik zu rücken – anders als andere Parteien. Reichinnek sagt, die Linke bleibe an der Seite der Menschen und stehe für Demokratie, Toleranz, Vielfalt und Gerechtigkeit ein. Und sie betonte, wie wichtig es sei, endlich mal Frauen in den Fokus der Politik zu rücken – anders als andere Parteien. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Nur mäßiger Andrang beim AfD-Fest Mit knapp 45 Minuten Verspätung beginnt die AfD ihr »Familienfest« in Magdeburg. Die Veranstalter hatten offenbar noch auf mehr Besucherinnen und Besucher warten wollen. Das angemietete Festgelände ist riesig, mit etwa 15.000 Interessierten hat die Partei kalkuliert. Tatsächlich vor Ort war bis Freitagnachmittag nur ein Drittel. Die AfD verkauft das dennoch als Erfolg – und versucht historische Vergleiche. »Das ist ein Bild wie zur Wendezeit 1989«, ruft Co-Landeschef Oliver Kirchner zur Begrüßung. Es seien 5000 Leute hier und das sei für einen Freitagnachmittag beachtlich. Im Publikum sieht man viele Fans mit rechtsextremen und menschenfeindlichen Anspielungen auf ihrer Kleidung, etwa mit Bezügen zur »Remigration« oder mit dem Spruch »Deutschland für Alles« als Anspielung auf die ähnlich lautende verfassungsfeindliche SS-Parole. Das AfD-„Familienfest“ in Magdeburg. Foto: Marc Röhlig / DER SPIEGEL Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Videoempfehlung: AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund sonnt sich in der Zuneigung seiner Fans. Mit seiner Simson mischt er die AfD-»Familienfeste« auf. Doch eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. Meine Kollegin Jessy Schrödter und mein Kollege Adrian Altmayer von SPIEGEL TV haben Siegmund über längere Zeit begleitet. In ihrem Film blicken sie auch hinter die Fassade des Populisten-Sunnyboys und fächern das völkische Netzwerk auf, das Siegmund steuert. Dass der seiner Wählerschaft Dinge verspricht, die er als möglicher Ministerpräsident gar nicht umsetzen kann, scheint da fast das kleinste Problem zu sein. Sehen Sie hier den ganzen Film: Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen In Magdeburg beginnt die AfD ihr letztes »Familienfest« – aber zunächst ist der Gegenprotest lauter Die AfD beginnt ihren Wahlkampfabschluss in Magdeburg mit einem Doppelevent: Am Freitag und Samstag lädt der rechtsextreme Landesverband ein, zunächst mit Parteichef Tino Chrupalla, am Samstag mit Co-Chefin Alice Weidel. Vor Ort sind aber zunächst linke Aktivisten, unter anderem vom »Zentrum für politische Schönheit«, lauter. Gut drei Dutzend Demonstrierende sind da. Mit lauter Musik versuchen sie, das »Familienfest« genannte Event der AfD zu stören. Vor Ort sind aber zunächst linke Aktivisten, unter anderem vom »Zentrum für politische Schönheit«, lauter. Gut drei Dutzend Demonstrierende sind da. Mit lauter Musik versuchen sie, das »Familienfest« genannte Event der AfD zu stören. Aktivistin Hannah: „Für mich ist Wegziehen gerade eine ernste Überlegung“. Foto: Marc Röhlig/DER SPIEGEL Eine der Demonstrantinnen ist Hannah. Sie wird am Samstag 18 Jahre alt und darf dann erstmals wählen. Viele ihrer Freundinnen noch nicht. »Ich mache mir Sorgen um Sachsen-Anhalt und bin echt froh, dass ich mit abstimmen kann«, sagt sie dem SPIEGEL. In ihrem Umfeld gebe es viele AfD-Fans, die Gespräche seien schwierig, viele Fronten verhärtet. Manche habe sie vom taktischen Wählen überzeugen können.  Hannah sorgt sich um die Lebensqualität im Land, ganz unabhängig davon, ob die AfD eine eigene Mehrheit bekomme. »Für queere Menschen, für jeden, den die AfD nicht für zugehörig hält, wird es schwerer.« Es sei ihre zweite Demo, an der sie sich beteilige. Das Engagement fühle sich gut an, aber Angst habe sie auch. Rechte YouTuber und Rechte im »Siegmund«-Shirt hätten bereits versucht, den Protest zu stören und sie bepöbelt. »Für mich ist Wegziehen gerade eine ernste Überlegung, sollte die AfD noch mehr Macht bekommen«, so Hannah. Hannah sorgt sich um die Lebensqualität im Land, ganz unabhängig davon, ob die AfD eine eigene Mehrheit bekomme. »Für queere Menschen, für jeden, den die AfD nicht für zugehörig hält, wird es schwerer.« Es sei ihre zweite Demo, an der sie sich beteilige. Das Engagement fühle sich gut an, aber Angst habe sie auch. Rechte YouTuber und Rechte im »Siegmund«-Shirt hätten bereits versucht, den Protest zu stören und sie bepöbelt. »Für mich ist Wegziehen gerade eine ernste Überlegung, sollte die AfD noch mehr Macht bekommen«, so Hannah. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Matthias Deuring Hauptstadtbüro Großes Interesse aus dem Ausland an Wahl in Sachsen-Anhalt Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt trifft auch im Ausland auf großes Interesse. Neben Journalistinnen und Journalisten deutscher Medien sind so zum Wahltag auch zahlreiche ausländische Medienschaffende vor Ort in Magdeburg. Laut der Pressestelle des Landtags sind derzeit insgesamt rund 800 Personen für die Berichterstattung am Wahlabend akkreditiert, 500 davon werden vor Ort in der Messe Magdeburg erwartet. Unter ihnen befinden sich rund 70 ausländische Medienvertreterinnen und Medienvertreter. Nach Angaben der Landtagsverwaltung berichten diese für Medien aus 14 verschiedenen Ländern, darunter europäische Nachbarn wie Frankreich, Dänemark, Österreich und die Schweiz. Aber auch Journalistinnen und Journalisten aus dem Vereinigten Königreich, den USA, Kanada, aus Taiwan und der Volksrepublik China seien vor Ort. Laut der Pressestelle des Landtags sind derzeit insgesamt rund 800 Personen für die Berichterstattung am Wahlabend akkreditiert, 500 davon werden vor Ort in der Messe Magdeburg erwartet. Unter ihnen befinden sich rund 70 ausländische Medienvertreterinnen und Medienvertreter. Nach Angaben der Landtagsverwaltung berichten diese für Medien aus 14 verschiedenen Ländern, darunter europäische Nachbarn wie Frankreich, Dänemark, Österreich und die Schweiz. Aber auch Journalistinnen und Journalisten aus dem Vereinigten Königreich, den USA, Kanada, aus Taiwan und der Volksrepublik China seien vor Ort. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen »Dann hat Siegmund einen Regierungsbildungsauftrag« – heißt es aus der CDU In der sachsen-anhaltischen CDU treibt der Bundestagsabgeordnete Sepp Müller die Debatte über den Umgang mit der Linkspartei nach der Wahl weiter voran. »Sollten die Umfrageergebnisse Wahlergebnisse werden, dann hat Ulrich Siegmund mit der AfD einen Regierungsbildungsauftrag«, sagte Müller dem Portal »Politico«. Müller, einer der energischsten Gegner der Linken innerhalb der Union, fällt damit seinem eigenen Parteifreund Sven Schulze auf den letzten Wahlkampfmetern in den Rücken. Schulze, seit Januar Ministerpräsident in Sachsen-Anhalt, könnte den Umfragen zufolge wohl nur mithilfe der Linken wiedergewählt werden – und auch nur, wenn die Rechtsextremen die absolute Mehrheit der Sitze im Landtag verpassen. Genau diese Option hält sich der 47-Jährige bislang offen: Er lehnt lediglich Koalitionen mit den Linken ab und beteuert immer wieder, sich »von niemandem abhängig zu machen«. Müller, einer der energischsten Gegner der Linken innerhalb der Union, fällt damit seinem eigenen Parteifreund Sven Schulze auf den letzten Wahlkampfmetern in den Rücken. Schulze, seit Januar Ministerpräsident in Sachsen-Anhalt, könnte den Umfragen zufolge wohl nur mithilfe der Linken wiedergewählt werden – und auch nur, wenn die Rechtsextremen die absolute Mehrheit der Sitze im Landtag verpassen. Genau diese Option hält sich der 47-Jährige bislang offen: Er lehnt lediglich Koalitionen mit den Linken ab und beteuert immer wieder, sich »von niemandem abhängig zu machen«. Müller bei einem Bürgerdialog Ende August. Foto: Björn Reinhardt / IMAGO Müller versucht nun offenbar, den Druck zu erhöhen. »Für uns ist ganz klar, dass wir aus der Mitte heraus die Mehrheit organisieren wollen«, sagte er weiter. Koalitionen mit Linken oder AfD seien ausgeschlossen. »Wenn das nicht möglich ist, dann liegt der Regierungsbildungsauftrag bei der stärksten Fraktion.« Was genau das bedeuten soll, ist unklar. Die AfD lehnt Beteiligungen an Koalitionen strikt ab, es will auch keine andere Partei gemeinsam mit den Rechtsextremen regieren. Abgesehen von Müller hat sich bislang nur ein bekannterer Christdemokrat aus Sachsen-Anhalt ähnlich geäußert: der Abgeordnete Alexander Räuscher, der dem neuen Landtag aber vermutlich gar nicht mehr angehören wird. Er lässt sich im »Tagesspiegel« so zitieren: »Siegmund muss seine Partei regierungsfähig machen.« Mehr über diese Debatte erfahren Sie hier. Was genau das bedeuten soll, ist unklar. Die AfD lehnt Beteiligungen an Koalitionen strikt ab, es will auch keine andere Partei gemeinsam mit den Rechtsextremen regieren. Abgesehen von Müller hat sich bislang nur ein bekannterer Christdemokrat aus Sachsen-Anhalt ähnlich geäußert: der Abgeordnete Alexander Räuscher, der dem neuen Landtag aber vermutlich gar nicht mehr angehören wird. Er lässt sich im »Tagesspiegel« so zitieren: »Siegmund muss seine Partei regierungsfähig machen.« Mehr über diese Debatte erfahren Sie hier. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Ex-SPD-Chef Sigmar Gabriel lästert über AfD-Programm: »Bisschen Alkohol hilft« Zur Abschlusskundgebung auf dem Marktplatz von Wernigerode setzt die SPD Sachsen-Anhalt am Donnerstag auf einen Redner, der schon länger nicht mehr auf einer Wahlkampfbühne gestanden hat: Sigmar Gabriel. Der frühere SPD-Chef und Vizekanzler ist ein Harzer Lokalmatador, er stammt aus dem 30 Autominuten entfernten Goslar, wo er bis heute mit seiner Familie lebt.  Gabriel hat sich in der Vergangenheit immer wieder auch kritisch über die SPD-Führung geäußert, mit Parteichef Lars Klingbeil verbindet ihn ein wechselvolles Verhältnis. Man könnte seine Einladung als Absetzbewegung Genossen in Sachsen-Anhalt von der Bundespartei interpretieren, aber Gabriel gilt eben auch als begnadeter Redner. Und bei seinem knapp 20-minütigen Auftritt zeigt der 66-Jährige, warum. Gabriel hat sich in der Vergangenheit immer wieder auch kritisch über die SPD-Führung geäußert, mit Parteichef Lars Klingbeil verbindet ihn ein wechselvolles Verhältnis. Man könnte seine Einladung als Absetzbewegung Genossen in Sachsen-Anhalt von der Bundespartei interpretieren, aber Gabriel gilt eben auch als begnadeter Redner. Und bei seinem knapp 20-minütigen Auftritt zeigt der 66-Jährige, warum. Ex-SPD-Chef Gabriel: »Was machen die da eigentlich?«. Foto: Matthias Bein/dpa »Ja, wir leben in schwierigen Zeiten«, sagt er. »Ich kann verstehen, dass viele sauer sind auf die Politik.« Die Steuereinnahmen seien hoch wie nie, viele Schulen sähen trotzdem schlimm aus und die Infrastruktur sei vielerorts nicht in Ordnung. »Da fragt man sich natürlich, was machen die da eigentlich?«, räumt Gabriel ein. »Aber bei all der Kritik, die man hat, kann man doch nicht ernsthaft auf die Idee kommen, aus Wut darüber das demokratische Element und die Grundlagen dieses Landes erschüttern zu wollen«, sagt er. »Was soll denn dadurch besser werden?« Er habe das Wahlprogramm der AfD gelesen, berichtet Gabriel. Anstrengend sei das gewesen, »bisschen Alkohol hilft«. Er habe nicht einen Satz gefunden, was die AfD besser machen wolle. »Nicht einen Satz!« Stattdessen habe er im Programm der Bundes-AfD die Forderung nach einer Abschaffung der Schulpflicht gelesen, empört sich der frühere Berufsschullehrer. »Ich habe gedacht, das ist ein Satire-Programm.« Den rund 150 Zuhörern gibt Gabriel einen Rat mit auf den Weg. »Wenn Sie auf einen Politiker treffen, der auf alles eine Antwort hat, wählen Sie ihn besser nicht«, so seine Empfehlung. »Halten sie zusammen und hören sie auf die Nachdenklichen.« Er habe das Wahlprogramm der AfD gelesen, berichtet Gabriel. Anstrengend sei das gewesen, »bisschen Alkohol hilft«. Er habe nicht einen Satz gefunden, was die AfD besser machen wolle. »Nicht einen Satz!« Stattdessen habe er im Programm der Bundes-AfD die Forderung nach einer Abschaffung der Schulpflicht gelesen, empört sich der frühere Berufsschullehrer. »Ich habe gedacht, das ist ein Satire-Programm.« Den rund 150 Zuhörern gibt Gabriel einen Rat mit auf den Weg. »Wenn Sie auf einen Politiker treffen, der auf alles eine Antwort hat, wählen Sie ihn besser nicht«, so seine Empfehlung. »Halten sie zusammen und hören sie auf die Nachdenklichen.« Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Mehrheit der Ostdeutschen hält Waffenhilfe für Ukraine für übertrieben Auch das könnte die Wahl am Sonntag prägen: Die Mehrheit der Ostdeutschen (54 Prozent) ist laut ARD-Deutschlandtrend der Ansicht, dass die deutsche Militärhilfe für die Ukraine zu weit geht. In Westdeutschland sind dies 39 Prozent. Umgekehrt äußern in der Infratest dimap-Umfrage 59 Prozent der Westdeutschen, dass sie sich durch Russland bedroht oder sehr stark bedroht fühlen. In Ostdeutschland sind dies 42 Prozent. 21 Prozent der Befragten im Osten sehen überhaupt keine Bedrohung. Ulrich Siegmund forderte im Wahlkampf wiederholt ein Ende der Ukraine-Hilfen. Im Wahlprogramm der AfD, das Regierungsprogramm genannt wird, heißt es: »Deutschland und insbesondere Sachsen-Anhalt haben sowohl in ökonomischer als auch in kultureller Hinsicht ein großes Interesse an guten Beziehungen zu Russland. Die aktuelle russlandfeindliche Politik der Altparteien wiederum liegt nicht in deutschem Interesse. Sie spaltet Europa in fremdem Interesse.« Ulrich Siegmund forderte im Wahlkampf wiederholt ein Ende der Ukraine-Hilfen. Im Wahlprogramm der AfD, das Regierungsprogramm genannt wird, heißt es: »Deutschland und insbesondere Sachsen-Anhalt haben sowohl in ökonomischer als auch in kultureller Hinsicht ein großes Interesse an guten Beziehungen zu Russland. Die aktuelle russlandfeindliche Politik der Altparteien wiederum liegt nicht in deutschem Interesse. Sie spaltet Europa in fremdem Interesse.« Im Wahlkampf setzt die AfD besonders auf die Energiekrise und verbindet diese mit ihrer Haltung zu Russland. Kaum eine Veranstaltung, in der AfD-Politiker nicht an irgendeiner Stelle neues »Gas aus Russland« fordern. Dass Russland selbst die Gaslieferungen nach Deutschland abgebrochen hatte, wird nicht erwähnt. Der Preis sei wichtiger als die Frage, woher das Gas komme, argumentiert Spitzenkandidat Ulrich Siegmund in Veranstaltungen. So zeigte Siegmund in einer Diskussionsrunde der Spitzenkandidaten seinen Tankzettel und beschwerte sich über den Preis. Der Preis sei wichtiger als die Frage, woher das Gas komme, argumentiert Spitzenkandidat Ulrich Siegmund in Veranstaltungen. So zeigte Siegmund in einer Diskussionsrunde der Spitzenkandidaten seinen Tankzettel und beschwerte sich über den Preis. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Jakob Hallmann Newsdesk Ein Viertel der Wählenden noch unentschlossen Eine neue Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen sieht die AfD in Sachsen-Anhalt weiterhin klar vorn. Mit ihrem Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund könnte die AfD demnach 41 Prozent holen, einen Punkt mehr als noch vergangene Woche. Die Christdemokraten von Ministerpräsident Sven Schulze liegen unverändert bei 23 Prozent. Allerdings weisen die Meinungsforschenden darauf hin, dass 26 Prozent der Befragten noch unentschlossen seien. Auf Platz drei folgt in der Umfrage die Linke mit 11,5 Prozent – 1,5 Punkte weniger als in der Vorwoche. Die SPD verliert 0,5 Punkte und kommt auf 8,5 Prozent, die Grünen stehen unverändert bei 6 Prozent. Das BSW mit 4 Prozent (plus 1 Punkt) und die FDP mit 3 Prozent würden nicht über die Fünfprozenthürde kommen. Die übrigen Parteien erreichen zusammen 3 Prozent. Der deutliche Vorsprung der AfD deckt sich mit den Erhebungen anderer Institute. Auf Platz drei folgt in der Umfrage die Linke mit 11,5 Prozent – 1,5 Punkte weniger als in der Vorwoche. Die SPD verliert 0,5 Punkte und kommt auf 8,5 Prozent, die Grünen stehen unverändert bei 6 Prozent. Das BSW mit 4 Prozent (plus 1 Punkt) und die FDP mit 3 Prozent würden nicht über die Fünfprozenthürde kommen. Die übrigen Parteien erreichen zusammen 3 Prozent. Der deutliche Vorsprung der AfD deckt sich mit den Erhebungen anderer Institute. Bei einem Wahlergebnis wie in dieser Umfrage würde die AfD laut dem Meinungsforschungsinstitut ihr Ziel verfehlen, allein zu regieren. Je mehr Parteien den Sprung ins Parlament in Magdeburg schaffen, desto unwahrscheinlicher wird eine absolute Mehrheit für die AfD, die in Sachsen-Anhalt vom Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft wird.   Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Hallervorden wirbt für die CDU – doch nennt Merz »so hilfreich wie eine Schnecke beim Hürdenlauf« In Halle warb der Kabarettist Dieter Hallervorden auf großer Bühne für das Wählen demokratischer Parteien – um die AfD kleinzuhalten. Erneut teilte er dabei aber auch scharf gegen Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) aus. Merz sie beim Lösen der Probleme im Land »so hilfreich wie eine Schnecke beim Hürdenlauf«, sagte Hallervorden. Auftritte des Kanzlers beim CDU-Wahlkampf sah er kritisch. Ministerpräsident Sven Schulze habe seinen Parteichef sicher nicht eingeladen, »er war nur zu höflich zu sagen: Bleib weg.« Der Kabarettist Dieter Hallervorden bei »Halle steht auf«. Foto: Marc Röhlig/DER SPIEGEL Hallervorden trat im Rahmen der Veranstaltung »Halle steht auf« auf dem Marktplatz auf, ein Konzert für Demokratie, Begegnung und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Neben Hallervorden gab es auch Auftritte von Fury in the Slaughterhouse, später tritt auch Peter Maffay auf.  Als Wahlempfehlung warb Hallervorden trotz Merz für die CDU, Schulze sei der »richtige Mann« für Sachsen-Anhalt. Aber auch SPD, Grüne oder Linke solle man stärken. Der CDU empfahl er, den Unvereinbarkeitsbeschluss gegen die Linke aufzuheben. Der sei großer Quatsch, da müsse die CDU den Merz überwinden. Aber das komme schon noch: »Wir sind alle noch hier, wenn der Merz irgendwann weg ist.« Als Wahlempfehlung warb Hallervorden trotz Merz für die CDU, Schulze sei der »richtige Mann« für Sachsen-Anhalt. Aber auch SPD, Grüne oder Linke solle man stärken. Der CDU empfahl er, den Unvereinbarkeitsbeschluss gegen die Linke aufzuheben. Der sei großer Quatsch, da müsse die CDU den Merz überwinden. Aber das komme schon noch: »Wir sind alle noch hier, wenn der Merz irgendwann weg ist.« Gegen die AfD fand der gebürtige Dessauer deutliche Worte. Wie die Partei spalte, »das passt doch überhaupt nicht zu der Art, wie wir hier in Sachsen-Anhalt leben«, so Hallervorden. »Wir werden ihnen zeigen: Wir sind die Mehrheit!« Auch auf Social Media hatte sich Hallervorden gegen die AfD ausgesprochen. Auch auf Social Media hatte sich Hallervorden gegen die AfD ausgesprochen. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen SPD-Spitzenkandidat Willingmann: »Wir sind der Deich gegen die blaue Flut« Der sachsen-anhaltische SPD-Spitzenkandidat Armin Willingmann stellte zum Wahlkampfabschluss der SPD in Sachsen-Anhalt ebenfalls den entschlossenen Kampf gegen rechts heraus. In Bezug auf die AfD sagte Willingmann, als eine blaue Flut drohte, habe man ihr das Bild eines Deichs entgegensetzen wollen. »Wenn er hält, hilft er allen. Bricht er, sind alle hinter dem Deich geschädigt«, so Willingmann, der in Sachsen-Anhalt Umweltminister ist. »Wir sind der Deich gegen die blaue Flut.« Zugleich betonte Willingmann die Erfolge in der schwarz-rot-gelben Koalition in Sachsen-Anhalt. Man habe die Schulsozialarbeit gesichert, sich um die Einkünfte von Grundschullehrern gekümmert und das Kita-System gesichert. Die SPD stehe für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, so der SPD-Politiker. Zugleich betonte Willingmann die Erfolge in der schwarz-rot-gelben Koalition in Sachsen-Anhalt. Man habe die Schulsozialarbeit gesichert, sich um die Einkünfte von Grundschullehrern gekümmert und das Kita-System gesichert. Die SPD stehe für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, so der SPD-Politiker. Foto: Annegret Hilse / Reuters Der ehemalige SPD-Chef Sigmar Gabriel hat der AfD bei der Wahlkampfveranstaltung in Wernigerode (Landkreis Harz) vorgeworfen, Hass in Deutschland zu schüren. »Das, finde ich, ist das Schlimmste an dieser Partei, dass sie Hass predigt, dass sie uns gegeneinander aufbringen will«, sagte Gabriel. Auch Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) betonte mit Blick auf die AfD, es sei wichtig, Hetzern und Demagogen ein klares Stoppsignal entgegenzusetzen. »Diese Partei darf niemals etwas zu sagen haben. Es wird im Chaos enden und in einem wirtschaftlichen Desaster«, sagte Woidke. Auch Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) betonte mit Blick auf die AfD, es sei wichtig, Hetzern und Demagogen ein klares Stoppsignal entgegenzusetzen. »Diese Partei darf niemals etwas zu sagen haben. Es wird im Chaos enden und in einem wirtschaftlichen Desaster«, sagte Woidke. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen BSW wirft Merz vor, »ewigen Krieg« gegen Russland begonnen zu haben Die meisten Parteien feiern ihren Wahlkampfabschluss am Freitag oder Samstag – das BSW hat schon am Donnerstag an den Rand der Hallenser Altstadt eingeladen. Die Stimmung war hitzig; nur gut 100 Interessierte waren vor Ort, zugleich aber auch etwa ein lautes Dutzend Aktivistinnen und Aktivisten. Lauthals warfen sie BSW-Chef Fabio De Masi vor, Antisemit und »Putinknecht« zu sein. Als BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht auftrat, übten sich die Störer mit lauten Buhrufen. Demonstrierende am Rande der BSW-Abschlusskundgebung in Halle. Foto: Marc Röhlig/DER SPIEGEL Auf der Bühne gab es derweil vom BSW-Spitzenpersonal Gewohntes: Die »Altparteien« müssten abgestraft werden, Bundeskanzler Friedrich Merz sei »wandelnde Arroganz«, die Medien würden eine »Schmierkampagne« gegen das BSW fahren. Gas aus Russland müsse wieder erlaubt werden, von Sachsen-Anhalt aus können Frieden geschaffen werden. Neu war: Deutschland habe nun Russland »den ewigen Krieg erklärt«. Gemeint ist die Schließung des Generalkonsulats in Bonn und des Russischen Hauses in Berlin als Reaktion auf die gescheiterte Drohnenattacke am Flughafen Halle/Leipzig.  Wer Veränderung wolle, so Wagenknecht am Ende ihrer Rede, der müsse das BSW in den Landtag wählen. Man würde dort nicht vor gemeinsamen Anträgen mit der AfD scheuen. Ob die Strategie aufgeht, muss der Wahlsonntag zeigen. Zuletzt war das BSW in den Umfragen wieder geschrumpft, der Sprung über die Fünfprozenthürde wird knapp. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Nach acht Minuten ist der Kanzler schon wieder weg Das war es also: Gerade einmal acht Minuten sind Sven Schulze und Friedrich Merz vor die Kameras getreten. Drei Tage vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt erreicht das Schauspiel »Die CDU versteckt ihren Kanzler im Wahlkampf« im Chemiepark Leuna damit seinen Höhepunkt. Foto: Jens Schlueter / AFP Schulze und Merz reden über die Bedeutung der Chemieindustrie, wie diese durch die internationalen Krisen unter Druck gerät – und warnen vor der AfD. Die extrem rechte Partei stelle die EU, den Binnenmarkt und Schengen infrage, sagte der Kanzler. Wer dagegen sei, also auch Milliardeninvestitionen wie in Leuna erhalten wolle, dürfe am Sonntag nicht AfD wählen. Doch glaubt die CDU überhaupt noch daran, einen Wahlsieg erreichen zu können? Angesichts der aufgeregten Debatte in Schulzes Landesverband über den Umgang mit der Linkspartei kann man daran Zweifel haben. Man hätte gern von Kanzler oder Ministerpräsident gewusst, wie sie das so sehen. Doch Nachfragen sind an diesem Abend in Leuna nicht gestattet. Doch glaubt die CDU überhaupt noch daran, einen Wahlsieg erreichen zu können? Angesichts der aufgeregten Debatte in Schulzes Landesverband über den Umgang mit der Linkspartei kann man daran Zweifel haben. Man hätte gern von Kanzler oder Ministerpräsident gewusst, wie sie das so sehen. Doch Nachfragen sind an diesem Abend in Leuna nicht gestattet. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Welche Regierungen sind in Sachsen-Anhalt möglich? Eine Alleinregierung der AfD ist laut aktuellen Umfragedaten nicht möglich. Mit dem SPIEGEL-Rechner können sie ausprobieren, wann welche Regierungsoption möglich wird. Sie finden das Tool hier. Foto: DER SPIEGEL; Kay Nietfeld / dpa Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Leseempfehlung: Muss man die AfD wirklich um jeden Preis von der Macht fernhalten? Kurz vor der Wahl in Sachsen-Anhalt stehen die Rechtsextremen bei über 40 Prozent. Trägt da noch die Strategie der Ausgrenzung? »Der Schaden einer »Frankenstein-Koalition« wäre für mich kleiner als der Schaden einer AfD-Regierung«, sagt Maria Fiedler, stellvertretende Leiterin des SPIEGEL-Hauptstadtbüros. Mathieu von Rohr, Leiter des SPIEGEL-Auslandsressorts entgegnet: »Eine AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt wäre ein gravierender Einschnitt, aber nicht automatisch der Anfang vom Ende der deutschen Demokratie.« Das Streitgespräch der beiden SPIEGEL-Kollegen lesen Sie hier. Das Streitgespräch der beiden SPIEGEL-Kollegen lesen Sie hier. Foto: David Baglietto / DER SPIEGEL Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen »Das waren oft sehr anstrengende Gespräche« Die beiden Freunde Björn-Michael Lange und Henry Lindemeier sind aus Berlin – aber seit zwei Wochen in Sachsen-Anhalt unterwegs. Zunächst mit der Idee, AfD-Interessierte über die vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestufte Partei aufzuklären. Dann mit dem Ansinnen, Wechselwählende vom »taktisch wählen« zu überzeugen; also der Idee, je den aussichtsreichsten Gegnern der AfD in einem Wahlkreis Stimmen zu geben. Im Videointerview spricht Lindemeier darüber, wie gut das geklappt hat – und wie es eigentlich auf die Bürgerinnen und Bürger im Land wirkt, wenn zwei »Wessis« zum Belehren aus Berlin anreisen. Im Videointerview spricht Lindemeier darüber, wie gut das geklappt hat – und wie es eigentlich auf die Bürgerinnen und Bürger im Land wirkt, wenn zwei »Wessis« zum Belehren aus Berlin anreisen. Video: Anna-Lena Schou/DER SPIEGEL Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Udo Lindenberg wirbt gegen die AfD Auf Instagram hat sich Musiker Udo Lindenberg zur Wahl in Sachsen-Anhalt gemeldet. Er ruft die Menschen auf, zu prüfen, für wen sie ihr Kreuz setzen. »Nimm die Sonnenbrille ab und schau dir genau an, was dir versprochen wird.« Weiter schreibt er: »Du darfst diese Regierung verfluchen, auf alle Parteien wütend sein, radikale Veränderung fordern, und du hast absolut recht damit!! Aber Wut ist noch kein Wahlprogramm!!« Mit der AfD werde nicht alles besser – »schon gar nicht für unser schönes Land und unsere hart erkämpfte Demokratie, unsere Verfassung, die unsere Würde und Freiheit sichert, auch die Pressefreiheit, Meinungsfreiheit und Kunstfreiheit.« »Wer Deutschland WIRKLICH liebt, wählt schwarz rot gold, gelb oder grün oder lila, aber definitiv NICHT blau«, so beendet Lindenberg seinen Aufruf. Weiter schreibt er: »Du darfst diese Regierung verfluchen, auf alle Parteien wütend sein, radikale Veränderung fordern, und du hast absolut recht damit!! Aber Wut ist noch kein Wahlprogramm!!« Mit der AfD werde nicht alles besser – »schon gar nicht für unser schönes Land und unsere hart erkämpfte Demokratie, unsere Verfassung, die unsere Würde und Freiheit sichert, auch die Pressefreiheit, Meinungsfreiheit und Kunstfreiheit.« »Wer Deutschland WIRKLICH liebt, wählt schwarz rot gold, gelb oder grün oder lila, aber definitiv NICHT blau«, so beendet Lindenberg seinen Aufruf. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen »Ich hörte, die AfD mag Menschen aus der Ukraine nicht« Xenia, 27, kam vor vier Jahren aus der Ukraine nach Deutschland. Wählen darf sie hier nicht, Sorgen macht sie sich umso mehr: »Ich bekomme mit, dass gerade viele über die Wahl reden. Auch mit meinen Freundinnen spreche ich darüber. Wir sind unsicher, wie es nach Sonntag weitergeht. Irgendwann, wenn der Krieg vorbei ist, will ich wieder in der Ukraine arbeiten. Aber jetzt suche ich hier einen Job, mache Weiterbildungen, verbessere mein Deutsch. Ich habe aber Sorge, dass das nicht mehr geht, wenn die AfD regiert. Ich hörte, sie mag Menschen aus der Ukraine nicht. Wir müssen jetzt einfach abwarten, wie gewählt wird – und dann weitersehen!« »Ich bekomme mit, dass gerade viele über die Wahl reden. Auch mit meinen Freundinnen spreche ich darüber. Wir sind unsicher, wie es nach Sonntag weitergeht. Irgendwann, wenn der Krieg vorbei ist, will ich wieder in der Ukraine arbeiten. Aber jetzt suche ich hier einen Job, mache Weiterbildungen, verbessere mein Deutsch. Ich habe aber Sorge, dass das nicht mehr geht, wenn die AfD regiert. Ich hörte, sie mag Menschen aus der Ukraine nicht. Wir müssen jetzt einfach abwarten, wie gewählt wird – und dann weitersehen!« Xenia möchte im Bild nicht identifiziert werden. Foto: Marc Röhlig/DER SPIEGEL Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Widerstand gegen mögliche CDU-Linke-Kooperation wächst Die Umfragen deuten darauf hin, dass der CDU eine Zerreißprobe bevorstehen könnte: Sollte die AfD am Sonntag die absolute Mehrheit verpassen, könnte Ministerpräsident Sven Schulze versuchen, auch mithilfe der Linken wieder ins Amt gewählt zu werden – was höchstwahrscheinlich vorherige Gespräche nötig machen würde. Genau gegen solche Absprachen regt sich jedoch Widerstand. Im besonders konservativen CDU-Kreisverband Harz kursiert ein Papier, an dem offenkundig der Landtagsabgeordnete Alexander Räuscher maßgeblich mitgewirkt hat. In der Beschlussvorlage für den Kreisvorstand heißt es, man lehne sämtliche Modelle ab, die darauf hinausliefen, sich in parlamentarischen Fragen vom »Wohlwollen, der Duldung oder der expliziten Zustimmung« der Linken abhängig zu machen. Genau gegen solche Absprachen regt sich jedoch Widerstand. Im besonders konservativen CDU-Kreisverband Harz kursiert ein Papier, an dem offenkundig der Landtagsabgeordnete Alexander Räuscher maßgeblich mitgewirkt hat. In der Beschlussvorlage für den Kreisvorstand heißt es, man lehne sämtliche Modelle ab, die darauf hinausliefen, sich in parlamentarischen Fragen vom »Wohlwollen, der Duldung oder der expliziten Zustimmung« der Linken abhängig zu machen. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert / dpa Eva von Angern (Linke), Sven Schulze (CDU)  Überraschend ist das nicht: Räuscher macht sich seit Langem dafür stark, sämtliche Brandmauern einzureißen – und der einflussreiche Vorsitzende seines Kreisverbandes, der Abgeordnete Ulrich Thomas, sinnierte schon vor Jahren darüber, »das Soziale mit dem Nationalen zu versöhnen«.  Nur: Thomas hat sich bislang nicht explizit hinter das aktuelle Papier gestellt, darüber soll nun erst nach der Landtagswahl gesprochen und abgestimmt werden. Und anders als Thomas wird Räuscher angesichts der Umfragen und der politischen Stimmung vermutlich nicht im neuen Landtag sitzen. Ministerpräsident Schulze sieht es dann auch so: »Das ist die Meinung eines einzelnen Parteimitglieds«, sagte er dem »Stern«. »Das wurde nicht beschlossen und ist auch keine Diskussionsgrundlage für die nächsten Tage.« Trotzdem dürfte die Debatte gerade erst so richtig losgehen, denn inzwischen gibt es ein zweites Papier: Der sachsen-anhaltische Bundestagsabgeordnete Sepp Müller und drei ostdeutsche Landesverbände der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft warnen in einem Wahlaufruf vor den »Gefahren von links« und vor einer Zusammenarbeit mit der SED-Nachfolgepartei. Wie diese Debatte ausgeht, ist unklar. Klar ist aber: Für Schulze kommt sie im Endspurt seines Wahlkampfes zur Unzeit. Nur: Thomas hat sich bislang nicht explizit hinter das aktuelle Papier gestellt, darüber soll nun erst nach der Landtagswahl gesprochen und abgestimmt werden. Und anders als Thomas wird Räuscher angesichts der Umfragen und der politischen Stimmung vermutlich nicht im neuen Landtag sitzen. Ministerpräsident Schulze sieht es dann auch so: »Das ist die Meinung eines einzelnen Parteimitglieds«, sagte er dem »Stern«. »Das wurde nicht beschlossen und ist auch keine Diskussionsgrundlage für die nächsten Tage.« Trotzdem dürfte die Debatte gerade erst so richtig losgehen, denn inzwischen gibt es ein zweites Papier: Der sachsen-anhaltische Bundestagsabgeordnete Sepp Müller und drei ostdeutsche Landesverbände der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft warnen in einem Wahlaufruf vor den »Gefahren von links« und vor einer Zusammenarbeit mit der SED-Nachfolgepartei. Wie diese Debatte ausgeht, ist unklar. Klar ist aber: Für Schulze kommt sie im Endspurt seines Wahlkampfes zur Unzeit. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen »Ich bin ehrlich: Vor allem wähle ich aus Frust« Herr Glinka – »wie der Sowjet« – ist 65 Jahre, gebürtig aus Thüringen, aber schon seit Längerem in Halle wohnhaft. Dem SPIEGEL erzählt er, wie er die Stimmung in Sachsen-Anhalt wahrnimmt: »Die letzten Wochen waren anstrengend. Ob auf Arbeit, ich bin Tischler, oder in der Nachbarschaft – die Leute sind nur noch im Streit. Alle schimpfen aufeinander, keiner kommt mehr zusammen. Und die Politiker ja auch. Na ja, es heißt nicht umsonst Wahl-Kampf! Ich glaube nicht, dass das wieder besser wird.« »Die letzten Wochen waren anstrengend. Ob auf Arbeit, ich bin Tischler, oder in der Nachbarschaft – die Leute sind nur noch im Streit. Alle schimpfen aufeinander, keiner kommt mehr zusammen. Und die Politiker ja auch. Na ja, es heißt nicht umsonst Wahl-Kampf! Ich glaube nicht, dass das wieder besser wird.« Herr Glinka aus Halle: „Alle schimpfen aufeinander, keiner kommt mehr zusammen“. Foto: Marc Röhlig/DER SPIEGEL Und weiter: »In die Politik habe ich schon lange kein Vertrauen mehr, wie sie immer ihre Krawatten zurecht fummeln und sonst nichts machen. Wenn ich mich informiere, dann im Fernsehen oder bei Wahlveranstaltungen, ein Handy habe ich nicht. Ich bin für die AfD, deren Programm habe ich mir durchgelesen. Ich mag, dass sie bei der Ausländerpolitik durchgreifen wollen. Ich möchte hier keine Gewalt haben. Ob dann Arbeitskräfte fehlen, das kann ich nicht beurteilen. Aber ich bin auch ehrlich: Vor allem wähle ich aus Frust. Ob die AfD nur redet oder dann auch macht, weiß ich nicht. Einfach mal gucken, was passiert.« Aber ich bin auch ehrlich: Vor allem wähle ich aus Frust. Ob die AfD nur redet oder dann auch macht, weiß ich nicht. Einfach mal gucken, was passiert.« Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Zwei Bischöfe warnen vor der AfD: »Die Liebe Gottes ist mit völkischem Nationalismus nicht vereinbar« Christinnen und Christen stehen für Nächstenliebe und Menschenwürde. Dies gelte insbesondere für die Schwächsten der Gesellschaft, sagt der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Heiner Wilmer, der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung«: »Dazu gibt es keine Alternative, weder in Deutschland noch anderswo«, sagte der Münsteraner Bischof. Die im Parteinamen formulierte Alternative für Deutschland sei »eine Gesellschaft, in der Freiheit, Menschenwürde und Demokratie eingeschränkt werden«. Der Berliner Erzbischof Heiner Koch wiederum nannte es die Rolle der Kirche, vor Fehlentwicklungen zu warnen und aktiv für die Demokratie einzustehen. Es gehe um Themen, die für Christen nicht verhandelbar seien, etwa die unveräußerliche Menschenwürde jedes Einzelnen, sagte er der Katholischen Nachrichten-Agentur. Über konkrete politische Maßnahmen könne man unterschiedlicher Meinung sein. »Doch die Grundoption ist nicht verhandelbar.« Koch zeigte sich überzeugt, dass das persönliche Gespräch entscheidend sei. »Die Menschen müssen spüren, dass sie in der Kirche über solche Themen sprechen können, und dass wir diese Themen sehr ernst nehmen.« Gleichzeitig sei er sich der Schwierigkeit bewusst, sich öffentlich gegen die AfD zu positionieren. Aber: Die Kirche müsse Haltung zeigen, auch wenn sich AfD-Wähler von ihr abwendeten. »Denn es geht um viel mehr als um Wahlergebnisse, es geht um Werte und inhaltliche Grundfragen«, sagte der Erzbischof. »Die Liebe Gottes ist mit völkischem Nationalismus nicht vereinbar, dabei bleibe ich!« Der Berliner Erzbischof Heiner Koch wiederum nannte es die Rolle der Kirche, vor Fehlentwicklungen zu warnen und aktiv für die Demokratie einzustehen. Es gehe um Themen, die für Christen nicht verhandelbar seien, etwa die unveräußerliche Menschenwürde jedes Einzelnen, sagte er der Katholischen Nachrichten-Agentur. Über konkrete politische Maßnahmen könne man unterschiedlicher Meinung sein. »Doch die Grundoption ist nicht verhandelbar.« Koch zeigte sich überzeugt, dass das persönliche Gespräch entscheidend sei. »Die Menschen müssen spüren, dass sie in der Kirche über solche Themen sprechen können, und dass wir diese Themen sehr ernst nehmen.« Gleichzeitig sei er sich der Schwierigkeit bewusst, sich öffentlich gegen die AfD zu positionieren. Aber: Die Kirche müsse Haltung zeigen, auch wenn sich AfD-Wähler von ihr abwendeten. »Denn es geht um viel mehr als um Wahlergebnisse, es geht um Werte und inhaltliche Grundfragen«, sagte der Erzbischof. »Die Liebe Gottes ist mit völkischem Nationalismus nicht vereinbar, dabei bleibe ich!« Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Kein Wahlkampfabschluss mit Ministerpräsident Schulze Das ist ungewöhnlich: Sven Schulze, Regierungs- und CDU-Chef in Sachsen-Anhalt, wird seinen Wahlkampf nicht mit einer zentralen Veranstaltung beenden. Genau genommen: Er wird ihn mit gar keiner Veranstaltung beenden. Das erfuhr der SPIEGEL aus der Landesparteizentrale in Magdeburg. Entsprechende Überlegungen habe man ad acta gelegt und sich stattdessen für zwei Termine mit dem Kanzler entschieden: Der erste war bereits am Montag, heute reisen beide zu einem Chemieunternehmen nach Leuna. So wie schon in Quedlinburg sind auch heute keine Begegnungen mit einer größeren Öffentlichkeit geplant – was den Eindruck nährt, die CDU wolle in Sachsen-Anhalt ihren eigenen Parteichef und Kanzler verstecken. Entsprechende Überlegungen habe man ad acta gelegt und sich stattdessen für zwei Termine mit dem Kanzler entschieden: Der erste war bereits am Montag, heute reisen beide zu einem Chemieunternehmen nach Leuna. So wie schon in Quedlinburg sind auch heute keine Begegnungen mit einer größeren Öffentlichkeit geplant – was den Eindruck nährt, die CDU wolle in Sachsen-Anhalt ihren eigenen Parteichef und Kanzler verstecken. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert / dpa Bemerkenswert ist, was Schulze zudem noch so plant: Am Samstag will er am großen Demokratiefest auf dem Magdeburger Domplatz teilnehmen, organisiert von einem bunten Bündnis, das eine AfD-Regierung verhindern will. Schulze werde dort nicht auftreten, sondern als Gast »ohne eigenen politischen Programmpunkt« auftauchen. »Ihm geht es darum, vor Ort zu sein und mit den Menschen ins Gespräch zu kommen.« Wer Schulze vorher noch treffen will, hat morgen in Magdeburg die Chance. Dann steht er mit dem hessischen CDU-Regierungschef Boris Rhein im Süden von Magdeburg – und verteilt Currywürste. Wer Schulze vorher noch treffen will, hat morgen in Magdeburg die Chance. Dann steht er mit dem hessischen CDU-Regierungschef Boris Rhein im Süden von Magdeburg – und verteilt Currywürste. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Leseempfehlung: Die Feindseligkeiten gegenüber Journalistinnen und Journalisten erreicht einen neuen Höhepunkt Das zeigt eine Auswertung der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) innerhalb der Gewerkschaft Ver.di, die dem SPIEGEL vorab vorliegt. Demnach wurden seit Mai über 30 Übergriffe und Behinderungen auf Medienschaffende bei AfD-Veranstaltungen registriert. Betroffen gewesen seien mindestens 43 Journalistinnen und Journalisten, TV-Teams und politische Influencer, so die dju. 25 der Vorfälle hätten sich allein in den vergangenen drei Wochen, also in der heißen Phase des Wahlkampfs ereignet. Das Spektrum der Einschüchterungen reiche von verbaler Diffamierung und gezielter Arbeitsbehinderung über Nachstellungen bis zu körperlichen Angriffen, die in fünf Fällen registriert worden seien. Auch von Doxing, also dem Veröffentlichen personenbezogener Daten im Internet, ist die Rede. Auch der Rempler eines rechtsextremen Streamers gegen einen SPIEGEL-Reporter bei einer AfD-Veranstaltung in Merseburg wurde in der Statistik erfasst. Warum der Vorfall der Auswertung zufolge kein Einzelfall ist, lesen Sie hier. 25 der Vorfälle hätten sich allein in den vergangenen drei Wochen, also in der heißen Phase des Wahlkampfs ereignet. Das Spektrum der Einschüchterungen reiche von verbaler Diffamierung und gezielter Arbeitsbehinderung über Nachstellungen bis zu körperlichen Angriffen, die in fünf Fällen registriert worden seien. Auch von Doxing, also dem Veröffentlichen personenbezogener Daten im Internet, ist die Rede. Auch der Rempler eines rechtsextremen Streamers gegen einen SPIEGEL-Reporter bei einer AfD-Veranstaltung in Merseburg wurde in der Statistik erfasst. Warum der Vorfall der Auswertung zufolge kein Einzelfall ist, lesen Sie hier. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Wirtschaft bangt um Sachsen-Anhalts Image – und Ökonom um Arbeitsplätze Eine womöglich migrationsfeindliche Politik nach den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt beunruhigt Wirtschaftsvertreter. So sorgt sich die Industrie- und Handelskammer (IHK) Halle-Dessau etwa um das internationale Ansehen Sachsen-Anhalts. »Weltoffenheit ist für Sachsen-Anhalt ein wichtiger Wirtschaftsfaktor«, sagte Hauptgeschäftsführer Thomas Brockmeier dem »Handelsblatt«. Das Land müsse ein Standort sein, »an dem internationale Investoren, Fachkräfte und Wissenschaftler gern investieren, arbeiten und leben«. Ministerpräsident Schulze bei einem Industriebetrieb in Ilsenburg. Foto: Frank Drechsler/IMAGO Der Ökonom Reint Gropp vom Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Halle (IWH) wiederum warnte vor dem Verlust Tausender Arbeitsplätze durch rechte Politik. Die Rede ist von einer Lücke von bis zu 46.000 Beschäftigten bis 2031 – 14.000 mehr als bei einer Fortsetzung der bisherigen Politik. »Eine fremdenfeindliche Politik würde die Arbeitskräfteknappheit in Sachsen-Anhalt deutlich verschärfen«, sagte er. Die Folge wäre demnach ein spürbarer Wohlstandsverlust. Bereits jetzt habe das Land eine der ältesten Beschäftigtenstrukturen Deutschlands. Gleichzeitig sei der Ausländeranteil bei sozialversicherungspflichtig Beschäftigten unter den bundesweit niedrigsten. »Doch zu einem erheblichen Teil hat in den vergangenen Jahren die Integration von Geflüchteten den Arbeitsmarkt stabilisiert.« »Eine fremdenfeindliche Politik würde die Arbeitskräfteknappheit in Sachsen-Anhalt deutlich verschärfen«, sagte er. Die Folge wäre demnach ein spürbarer Wohlstandsverlust. Bereits jetzt habe das Land eine der ältesten Beschäftigtenstrukturen Deutschlands. Gleichzeitig sei der Ausländeranteil bei sozialversicherungspflichtig Beschäftigten unter den bundesweit niedrigsten. »Doch zu einem erheblichen Teil hat in den vergangenen Jahren die Integration von Geflüchteten den Arbeitsmarkt stabilisiert.« Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Bereits 26 Demonstrationen für das Wahl-Wochenende angemeldet Das meldet die Volksstimme unter Berufung auf das Innenministerium in Sachsen-Anhalt. Mehrere Tausend Teilnehmer werden erwartet, auch aus anderen Bundesländern. Die größten Veranstaltungen werden wohl ein »Familienfest« der AfD am Freitag sowie ein Demokratiefestival am Samstag, das sich gegen die AfD richtet. Beide Veranstaltungen finden in Magdeburg statt. Eine Auswahl der sonstigen Veranstaltungen: Eine Auswahl der sonstigen Veranstaltungen: - Am Freitag ist ein Protestcamp angekündigt: »Schlechte Grüße aus Bitterfeld«. - Am Samstag startet am Magdeburger Hauptbahnhof eine Demonstration, die anschließend zum Domplatz und dem Demokratiefestival führt. Dazu sind kleinere Demonstrationen, Fahrraddemos und Autokorsos angemeldet, von der Antifa aber auch rechten Gruppen. - Am Sonntag sind ebenfalls mehrere Kundgebungen angemeldet, unter anderem eine unter dem Titel: »Sachsen-Anhalt bleibt weltoffen« in der Magdeburger Innenstadt. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Die Linke sucht die letzten Stimmen Gut zwei Stunden hat die Linke Interessierte in Merseburg in ein lokales Kino geladen. Und nach der richtigen Ansprache für die letzten Meter gesucht - denn in den Umfragen schafft die Partei seit Wochen kaum Wachstum. Schlimmer noch: Trotz Aufschwung der Linken im Bund, überträgt der sich nicht nach Sachsen-Anhalt. Hier liegt die Partei bei elf bis zwölf Prozent, also dem Wahlergebnis vor fünf Jahren. Linken-Spitzenkandidatin Eva von Angern mit Moderatorin Antonia Karloff (r) und den Silberlocken Dietmar Bartsch (l) und Gregor Gysi. Foto: Marc Röhlig/DER SPIEGEL Gut 75 Minuten mussten die »Silberlocken« Dietmar Bartsch und Gregor Gysi das Publikum allein unterhalten. Dann eilte Spitzenkandidatin Eva von Angern nach ihrem Auftritt beim TV-Duell im nahen Halle hinzu. Viel zu Wort kam sie aber nicht, um für ihre Inhalte zu werben; Gysi und Bartsch dominierten den Abend mit Bundestagsanekdoten. Wer der politische Feind ist, definierte dabei jede und jeder anders. Bartsch giftete gegen die Kampagne »Taktisch wählen«, die empfiehlt SPD und Grüne in den Landtag zu heben, um die Sitzmacht der AfD zu schrumpfen. Man solle stattdessen nach seiner Überzeugung wählen, so Bartsch. Gysi assistierte: »Die Grünen haben es nicht verdient, linke Stimmen zu bekommen.« Von Angern hingegen richtete sich direkt an AfD-Interessierte: »Nie wieder ist jetzt«, mahnte sie. Im Publikum verfängt das zwar, aber zugleich sitzen hier sowieso jene, die sich vor einem AfD-Gewinn sorgen. Eine Merseburgerin berichtet mir, ihr ganzes Umfeld wähle mittlerweile rechts. An Dialog, am Austausch sei da keiner mehr interessiert. »Ich finde gut, dass es die Linke gibt«, sagt sie, »aber wie will sie gewählt werden, wenn ihre Leute hier immer noch als ‚Mauermörder‘ beschimpft werden?« Im Publikum verfängt das zwar, aber zugleich sitzen hier sowieso jene, die sich vor einem AfD-Gewinn sorgen. Eine Merseburgerin berichtet mir, ihr ganzes Umfeld wähle mittlerweile rechts. An Dialog, am Austausch sei da keiner mehr interessiert. »Ich finde gut, dass es die Linke gibt«, sagt sie, »aber wie will sie gewählt werden, wenn ihre Leute hier immer noch als ‚Mauermörder‘ beschimpft werden?« Linken-Spitzenkandidatin Eva von Angern mit den Silberlocken Bartsch und Gysi und Fans beim Selfie-Machen. Foto: Marc Röhlig/DER SPIEGEL Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen So lief die letzte TV-Spitzenrunde vor der Wahl Die Spitzenkandidatinnen und -kandidaten haben sich zum letzten Mal vor der Wahl zum Streiten getroffen, es war eine meist lebhafte Debatte – allerdings nur dann, wenn es um die AfD und ihr Programm ging. Drei Erkenntnisse: 1. Ulrich Siegmund ist ein sehr talentierter Vermarkter – macht aber eine schlechte Figur, wenn er auf Widerspruch trifft. Vor allem Susan Sziborra-Seidlitz von den Grünen fiel dem AfD-Mann teils vehement in die Parade und legte sich mit ihm an, worauf Siegmund mitunter unsouverän reagierte. Er wirkte wie einer, der sich zu sehr daran gewöhnt hat, auf großen AfD-Fanfesten von seiner Anhängerschaft bejubelt und von rechten »Alternativmedien« unkritisch befragt zu werden. 2. Den anderen Parteien ist es dennoch gelungen, nicht als homogener Anti-AfD-Block zu erscheinen. Das ist auch der Moderation zu verdanken: Das Zweiergespann ließ die Debatte zwar zu oft aus dem Ruder laufen, sodass phasenweise kaum etwas zu verstehen war. Mit der Themenwahl aber ermöglichten sie es, dass zentrale Unterschiede deutlich wurden. 3. Es war die Runde der kleinen Parteien: CDU-Regierungschef Sven Schulze, der im Zweierduell mit Siegmund zuletzt zweimal gut aufgelegt war, blieb diesmal über weite Strecken eher blass. Vor allem die Grünen und das BSW nutzten die große Bühne hingegen effektiv für sich – was angesichts einer derart unübersichtlichen Runde mit neun Leuten durchaus eine Leistung ist. 1. Ulrich Siegmund ist ein sehr talentierter Vermarkter – macht aber eine schlechte Figur, wenn er auf Widerspruch trifft. Vor allem Susan Sziborra-Seidlitz von den Grünen fiel dem AfD-Mann teils vehement in die Parade und legte sich mit ihm an, worauf Siegmund mitunter unsouverän reagierte. Er wirkte wie einer, der sich zu sehr daran gewöhnt hat, auf großen AfD-Fanfesten von seiner Anhängerschaft bejubelt und von rechten »Alternativmedien« unkritisch befragt zu werden. 2. Den anderen Parteien ist es dennoch gelungen, nicht als homogener Anti-AfD-Block zu erscheinen. Das ist auch der Moderation zu verdanken: Das Zweiergespann ließ die Debatte zwar zu oft aus dem Ruder laufen, sodass phasenweise kaum etwas zu verstehen war. Mit der Themenwahl aber ermöglichten sie es, dass zentrale Unterschiede deutlich wurden. 3. Es war die Runde der kleinen Parteien: CDU-Regierungschef Sven Schulze, der im Zweierduell mit Siegmund zuletzt zweimal gut aufgelegt war, blieb diesmal über weite Strecken eher blass. Vor allem die Grünen und das BSW nutzten die große Bühne hingegen effektiv für sich – was angesichts einer derart unübersichtlichen Runde mit neun Leuten durchaus eine Leistung ist. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Dann werden die Spitzenkandidaten gebeten, per Handzeichen ihre Zustimmung zu verschiedenen Aussagen zu signalisieren. Die Vereinfachung der Fragestellungen scheint Siegmund (AfD) und Wittig (BSW) nicht zu stören. Bei Fragen zu einer kostenlosen Kita oder der Forderung, den Spritpreis auf 1,50 Euro zu begrenzen, weisen die anderen Spitzenkandidaten darauf hin, dass sich solche Vorhaben möglicherweise nicht ohne Weiteres umsetzen lassen. Alle reden durcheinander, und die Runde amüsiert sich über das Format. Ob sich die etwas überfordert wirkenden Moderatoren die Fragerunde so vorgestellt haben? Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Termindruck im Wahlkampf Hallo aus Merseburg! Hier lädt die Linke heute ins Domstadtkino zum Wahlkampfevent. Der Termin illustriert ganz gut, unter welchem Zeitdruck das Spitzenpersonal steht: Los gehen soll es 18 Uhr, Linken-Spitzenkandidatin Eva von Angern steht aber noch 15 Kilometer nördlich in Halle beim TV-Duell im Fernsehstudio. Bis sie hier ist, sollen die „Silberlocken“ Dietmar Bartsch und Gregor Gysi das Publikum unterhalten. Mehr als 200 Interessierte sind da, der Saal ist voll. Wie es zu den „Silberlocken“ passt, sind vor allem Ältere da. Und das Interesse war größer als es der Kinosaal hergibt. Jene, die die Linke wieder wegschicken muss, werden mit Goodie Bags getröstet. Mehr als 200 Interessierte sind da, der Saal ist voll. Wie es zu den „Silberlocken“ passt, sind vor allem Ältere da. Und das Interesse war größer als es der Kinosaal hergibt. Jene, die die Linke wieder wegschicken muss, werden mit Goodie Bags getröstet. Foto: Marc Röhlig / DER SPIEGEL Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Apropos »Ehre der Frau«: Im Anschluss holt Schulze gegen Siegmund aus. Das Frauenbild der AfD laufe mit Forderungen wie »mehr Kinder kriegen« und der Abschaffung der Schulpflicht im Kern darauf hinaus, Frauen »zurück an den Herd« zu schicken. Zudem zeigt sich Schulze fast schon mitleidig mit Siegmund: Denn alles, was Hans-Thomas Tillschneider ins Wahlprogramm schreibe, müsse Siegmund anschließend mühsam im Wahlkampf erklären. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Herr Siegmund und die »Kulturfremden« Wie schon im TV-Duell am frühen Nachmittag geht es um den Begriff der »kulturfremden Fachkräfte« aus dem Wahlprogramm der AfD. Siegmund versucht sich an einer Erklärung, die allerdings nichts erklärt, spricht über die »Ehre der Frau«, über Gewalt. »Wir haben überhaupt kein Problem mit ausländischen Ärzten, die hier einen guten Job machen«, behauptet der Spitzenkandidat einer gesichert rechtsextremen Partei. Und: »Was ist denn Kultur? Die Sprache zum Beispiel.« Am Ende fällt ihm erneut Grünenpolitikerin Sziborra-Seidlitz ins Wort, sichtlich entrüstet. Ihr Resümee: »Sie lügen es einfach weg«, was im Wahlprogramm stehe. Das mag man unterhaltsam finden, wirklich erkenntnisreich ist all das allerdings nicht. Am Ende fällt ihm erneut Grünenpolitikerin Sziborra-Seidlitz ins Wort, sichtlich entrüstet. Ihr Resümee: »Sie lügen es einfach weg«, was im Wahlprogramm stehe. Das mag man unterhaltsam finden, wirklich erkenntnisreich ist all das allerdings nicht. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Siegmund und Grünenpolitikerin Sziborra-Seidlitz rasseln aneinander Susan Sziborra-Seidlitz hat sich für diesen Nachmittag offenbar etwas vorgenommen, jedenfalls für den Umgang mit AfD-Mann Siegmund. Die Spitzenkandidatin der Grünen fällt ihm wiederholt ins Wort – zum Beispiel, als der Rechtsextremist über angeblich linksgrüne »Indoktrination« an Schulen redet. Schließlich blafft ein sichtlich genervter Siegmund die Grüne an:  »Sie sind nicht in der Lage, zuzuhören, das ist bedauerlich!«  »Ich will nur 'ne Nachfrage stellen.«  »Rufen Sie mich doch an, Frau Sziborra-Seidlitz.«  »Wir sehen uns regelmäßig im Landtag, das reicht mir.« Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Dann geht es um das Thema Bildung. Wie soll dem Lehrermangel entgegengewirkt werden? Die SPD möchte das duale Lehramtssystem ausbauen. Die Linke fordert, weniger Geld für die Bundeswehr und mehr Geld für Bildung auszugeben. Die FDP will Lehrerinnen und Lehrer von unterrichtsfernen Aufgaben entlasten. Moderator Nikolaus Blome konfrontiert Siegmund mit den bildungspolitischen Vorschlägen der AfD: »Frontalunterricht«, »Deutschlandflaggen« und eine »Beschwerdestelle beim Bildungsministerium«. Schließlich erklärt Siegmund, Schülerinnen und Schüler würden sich bei ihm über Indoktrination an den Schulen beschweren. »Wir möchten, dass Neutralität herrscht.« Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Jetzt geht es rund Plötzlich ist kaum noch ein Wort zu verstehen, alle reden durcheinander, einige brüllen sich regelrecht an, es ist ein wildes Durcheinander. Anlass ist der erste längere Redebeitrag von Rechtsextremist Siegmund, es geht um das Schuldenpaket des Bundes, das Siegmunds Parteifreund Hans-Thomas Tilllschneider mal als »Geld der Schande« bezeichnet hat.  Die anderen wollen Siegmund seine Halbwahrheiten und Relativierungen nicht durchgehen lassen, zwischendurch sagt Linkenpolitikerin Eva von Angern, man könne mit Siegmund gar nicht reden: »Das bringt nix.« Daraufhin reden mehrere Spitzenpolitikerinnen und -politiker gleichzeitig auf den AfD-Mann ein, der sich schließlich beleidigt zeigt und seinen Vortrag abbricht: »Sie sind nicht mal in der Lage, zuzuhören!« Die anderen wollen Siegmund seine Halbwahrheiten und Relativierungen nicht durchgehen lassen, zwischendurch sagt Linkenpolitikerin Eva von Angern, man könne mit Siegmund gar nicht reden: »Das bringt nix.« Daraufhin reden mehrere Spitzenpolitikerinnen und -politiker gleichzeitig auf den AfD-Mann ein, der sich schließlich beleidigt zeigt und seinen Vortrag abbricht: »Sie sind nicht mal in der Lage, zuzuhören!« Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Nun hat Siegmund das Wort. Wie möchte er dem Fachkräftemangel entgegenwirken und verhindern, dass das Bundesland immer männlicher wird? Siegmund erklärt, dies sei ein generelles Problem Deutschlands. Die Moderatoren versuchen daraufhin, ihn zurück nach Sachsen-Anhalt zu lenken, doch Siegmund bleibt allgemein. Die junge Generation sehe in Deutschland keine Zukunft. Er wolle ihr Zukunftsperspektiven bieten und eine Kultur der Freiheit und des Aufbruchs schaffen. Konkreter wird er nicht. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Unübersichtliche Debatte – ohne große Emotionen Die TV-Debatte in dieser großen Runde hat so gar nichts gemein mit dem hitzigen Schlagabtausch vorhin zwischen Ministerpräsident Schulze und Rechtsextremist Siegmund. Der AfD-Mann sitzt fast die ganze Zeit unbeteiligt am Rande und kommt kaum zu Wort, der Christdemokrat doziert minutenlang über die Entwicklung heimischer Unternehmen, die außerhalb Sachsen-Anhalts kaum jemand kennen dürfte. Die Liberalen werben für Steuererleichterungen, die Grünen für Klimaschutz, alles ziemlich erwartbar. Das ist ein gesitteter und informativer Meinungsaustausch – aber auch ziemlich zähe Kost, selbst für politisch Interessierte in Ostdeutschland.   Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Die erste Frage richtet sich an Sven Schulze. Es geht um die Maßnahmen der Bundesregierung nach dem versuchten Anschlag Russlands auf den Flughafen in Leipzig. »Es ist richtig, dass die Bundesregierung hier agiert«, sagt Schulze. Claudia Wittig vom BSW bezeichnet die Schließung des Russischen Hauses als falsche Reaktion. Es gehe darum, Gesprächskanäle offenzuhalten. Die AfD habe vor einer solchen Entwicklung gewarnt, wenn man sich an »fremden Konflikten« beteilige, so Ulrich Siegmund. Es gebe immer eine Vorgeschichte; auch der russische Angriffskrieg habe eine Vorgeschichte. Was er damit meint, führt Siegmund nicht weiter aus.  Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen TV-Runde mit sieben Spitzenkandidaten startet Auf das Duell von Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) und Ulrich Siegmund von der AfD folgt der nächste politische Schlagabtausch, allerdings in größerer Runde: Die Spitzenkandidaten der Parteien diskutieren ab jetzt in der Wahlkampfarena von RTL/ntv und Radio Brocken. Mit dabei sind neben Schulz und Siegmund Armin Willingmann (SPD), Lydia Hüskens (FDP), Eva von Angern (Die Linke), Susan Sziborra-Seidlitz (Bündnis 90/Die Grünen) und Claudia Wittig (BSW). Moderiert wird die Wahlkampfarena von Dorothée Oster (Radio Brocken) und Nikolaus Blome (RTL/ntv).  Foto: Hendrik Schmidt / dpa Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Das sind Spitzenkandidaten der Parteien in Sachsen-Anhalt Um 17 Uhr treffen die Spitzenkandidaten der Parteien für die Landtagswahl in einer TV-Debatte aufeinander. Bei der Wahl am Sonntag steuert die AfD in Sachsen-Anhalt auf einen Wahlerfolg zu. Die CDU folgt erst mit großem Abstand. Die Grünen, FDP, BSW und womöglich sogar SPD müssen bangen. Diese Spitzenkandidaten treten bei der Wahl an: Diese Spitzenkandidaten treten bei der Wahl an: Sven Schulze (CDU) Der 47-Jährige übernahm im Januar das Ministerpräsidentenamt von seinem Vorgänger Reiner Haseloff (CDU). In den Umfragen ist die AfD der CDU allerdings enteilt. Schulze konnte zwar seinen Bekanntheitsgrad steigern. Allerdings ist nicht einmal ein Drittel der Wahlberechtigten mit seiner Arbeit zufrieden. Zudem macht ihm die große Unbeliebtheit der Bundesregierung unter Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) zu schaffen. Der 47-Jährige übernahm im Januar das Ministerpräsidentenamt von seinem Vorgänger Reiner Haseloff (CDU). In den Umfragen ist die AfD der CDU allerdings enteilt. Schulze konnte zwar seinen Bekanntheitsgrad steigern. Allerdings ist nicht einmal ein Drittel der Wahlberechtigten mit seiner Arbeit zufrieden. Zudem macht ihm die große Unbeliebtheit der Bundesregierung unter Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) zu schaffen. Schulze will eine Machtübernahme der AfD in seinem Bundesland verhindern. Er will sich zwar »nicht abhängig machen von den Linken oder der AfD«, aber an der Linkspartei käme er dann wohl kaum vorbei. Ulrich Siegmund (AfD) Siegmunds Ziel ist die bundesweit erste AfD-Regierung. Damit die Partei allein regieren kann, gab der 35-Jährige als Wahlziel »45 Prozent plus X« aus. Aktuelle Umfragen sehen die AfD bei 40 Prozent und mehr. Mit dem dauerlächelnden Siegmund an der Spitze, der sich volksnah gibt und dem in den sozialen Medien Hunderttausende Menschen folgen, will die AfD Sachsen-Anhalt umkrempeln. Sie plant unter anderem eine härtere Migrationspolitik, die Abschaffung der Schulpflicht und die Kündigung der Rundfunkstaatsverträge. Siegmunds Ziel ist die bundesweit erste AfD-Regierung. Damit die Partei allein regieren kann, gab der 35-Jährige als Wahlziel »45 Prozent plus X« aus. Aktuelle Umfragen sehen die AfD bei 40 Prozent und mehr. Mit dem dauerlächelnden Siegmund an der Spitze, der sich volksnah gibt und dem in den sozialen Medien Hunderttausende Menschen folgen, will die AfD Sachsen-Anhalt umkrempeln. Sie plant unter anderem eine härtere Migrationspolitik, die Abschaffung der Schulpflicht und die Kündigung der Rundfunkstaatsverträge. Siegmund präsentiert sich als das freundliche Gesicht der vom Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuften Partei. Doch er hat einen radikalen Kern. Unter anderem nahm Siegmund an dem Potsdamer Treffen von AfD-Politikern, Neonazis und Unternehmern teil, bei dem der rechtsextreme Aktivist Martin Sellner sein »Remigrationskonzept« zur Vertreibung von Millionen Menschen mit Migrationshintergrund aus Deutschland vorstellte. Armin Willingmann (SPD) Der amtierende Landesumweltminister kämpft für die SPD gegen den Absturz in die weitere Bedeutungslosigkeit. Nach ihrem historisch schlechten Wahlergebnis von 8,4 Prozent vor fünf Jahren sieht es für die Sozialdemokraten weiter düster aus – in Umfragen lagen sie zuletzt bei ähnlichen Werten. Der 63-jährige Jurist und Hochschullehrer Willingmann gehört seit 2016 der Landesregierung an, zunächst als Wirtschaftsminister, seit 2021 als Wissenschafts- und Umweltminister. Fachlich versiert, gelingt es Willingmann im Wahlkampf nur schwer, sich zu profilieren und potenzielle Wähler mitzureißen.   Eva von Angern (Linke) Die 49-jährige Juristin zog 2002 in den Landtag ein. Seit 2020 führt die dreifache Mutter die Linksfraktion. Bereits vor fünf Jahren war von Angern Spitzenkandidatin ihrer Partei. Im aktuellen Wahlkampf holte sie unter anderem die Fraktionschefin im Bundestag, Heidi Reichinnek, und die sogenannten Silberlocken, also altgediente Linkspolitiker wie Gregor Gysi und Bodo Ramelow, an ihre Seite. Der amtierende Landesumweltminister kämpft für die SPD gegen den Absturz in die weitere Bedeutungslosigkeit. Nach ihrem historisch schlechten Wahlergebnis von 8,4 Prozent vor fünf Jahren sieht es für die Sozialdemokraten weiter düster aus – in Umfragen lagen sie zuletzt bei ähnlichen Werten. Der 63-jährige Jurist und Hochschullehrer Willingmann gehört seit 2016 der Landesregierung an, zunächst als Wirtschaftsminister, seit 2021 als Wissenschafts- und Umweltminister. Fachlich versiert, gelingt es Willingmann im Wahlkampf nur schwer, sich zu profilieren und potenzielle Wähler mitzureißen. Eva von Angern (Linke) Die 49-jährige Juristin zog 2002 in den Landtag ein. Seit 2020 führt die dreifache Mutter die Linksfraktion. Bereits vor fünf Jahren war von Angern Spitzenkandidatin ihrer Partei. Im aktuellen Wahlkampf holte sie unter anderem die Fraktionschefin im Bundestag, Heidi Reichinnek, und die sogenannten Silberlocken, also altgediente Linkspolitiker wie Gregor Gysi und Bodo Ramelow, an ihre Seite. Umfragen sehen die Linke bei elf bis 13 Prozent. Die Partei will von Angern zufolge »alles dafür tun, um die AfD von den Hebeln der Macht fernzuhalten.« Sie steht daher Gesprächen mit der CDU über eine Zusammenarbeit aufgeschlossen gegenüber. Lydia Hüskens (FDP) Hüskens kämpft darum, dass die FDP nach fünf Jahren nicht wieder aus dem Landtag fliegt. Das dürfte schwer werden, die Umfragen sehen die Liberalen unter der Fünfprozenthürde. Hüskens saß für die Liberalen schon von 2002 bis 2011 im Magdeburger Landtag, dessen Mitglied sie seit fünf Jahren wieder ist. Seit 2021 steht die 62-Jährige, die im rheinischen Geldern aufwuchs, zudem an der Spitze der Landespartei. Wenige Jahre nach dem Fall der Mauer zog es Hüskens beruflich nach Magdeburg, wo sie zunächst im Umweltministerium arbeitete. Von 2015 an war die Geschichtswissenschaftlerin Geschäftsführerin des Studentenwerks Halle. Im Kabinett von Sven Schulze ist sie Digital- und Infrastrukturministerin. »Ich bin noch lange nicht fertig«, sagte sie vor der Wahl. Susan Sziborra-Seidlitz (Grüne) Auch für die Grünen geht es ums parlamentarische Überleben. Sziborra-Seidlitz weiß, dass es mit Umfragewerten von zuletzt sechs Prozent »extrem eng« wird. »Wenn wir Grüne wieder in den Landtag einziehen, kann die AfD nicht regieren«, argumentiert die 48-Jährige mit Blick auf die Sitzverteilung. Die gebürtige Berlinerin, die 2008 der Liebe wegen nach Quedlinburg im Harz zog, sitzt seit fünf Jahren im Landtag. Die Themen Soziales und Pflege liegen der gelernten Krankenpflegerin besonders am Herzen. Nachdem sie von 2016 bis 2021 bereits Landesvorsitzende war, steht sie seit 2025 erneut an der Spitze der Grünen in Sachsen-Anhalt. Thomas Schulze und Claudia Wittig (BSW) Der 62-Jährige ist ein politischer Neueinsteiger und seit 2024 im BSW aktiv. In Merseburg geboren, startete Schulze seine berufliche Laufbahn als Koch und Restaurantleiter in der DDR. Nach einem abgebrochenen Studium der Betriebswirtschaftslehre arbeitete er im Hotel- und Gaststättengewerbe, bevor er in Rheinland-Pfalz eine Ausbildung zum Justizvollzugsbeamten absolvierte. Nach seinem Umzug nach Sachsen-Anhalt arbeitete er in verschiedenen Verwaltungsfunktionen. Seit 2024 ist Schulze, der auch Kovorsitzender des BWS-Landesverbands ist, in der Landesaufnahmeeinrichtung für Asylsuchende in Stendal tätig.  Er tritt wie seine Ko-Kandidatin Claudia Wittig für einen Politikwechsel an. Die Mittelalter-Forscherin Wittig von der Universität Halle ist 42 Jahre alt und steht auf Platz zwei der Landesliste. Das BSW steht bei drei bis vier Prozent. Mit einem Ministerpräsidenten Schulze »werden wir nicht zusammenarbeiten«, sagt er. Das BSW unter ihrer Gründerin Sahra Wagenknecht wirbt für einen »überparteilichen Ministerpräsidenten« unter Einbindung der AfD und stellt sich gegen die sogenannte Brandmauer. Er tritt wie seine Ko-Kandidatin Claudia Wittig für einen Politikwechsel an. Die Mittelalter-Forscherin Wittig von der Universität Halle ist 42 Jahre alt und steht auf Platz zwei der Landesliste. Das BSW steht bei drei bis vier Prozent. Mit einem Ministerpräsidenten Schulze »werden wir nicht zusammenarbeiten«, sagt er. Das BSW unter ihrer Gründerin Sahra Wagenknecht wirbt für einen »überparteilichen Ministerpräsidenten« unter Einbindung der AfD und stellt sich gegen die sogenannte Brandmauer. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Kubickis Bewährungsprobe Die ständige Sorge vor der Fünfprozenthürde prägt die Geschichte der FDP. Die Wahl am Sonntag in Sachsen-Anhalt ist hier nur das nächste Kapitel. Der kantige neue Parteichef Wolfgang Kubicki beschert der FDP immerhin wieder etwas Sichtbarkeit. Sachsen-Anhalt ist seine erste Bewährungsprobe – und sie könnte schiefgehen. »Die Chancen liegen bei null«, sagt Politikprofessor Wolfgang Schroeder von der Universität Kassel der Nachrichtenagentur AFP. »Den Kubicki kennt da kaum jemand.« Auch der Parteienforscher Marc Debus von der Universität Mannheim ist skeptisch: »In Sachsen-Anhalt wäre es schon ein Erfolg, wenn die FDP nah an die Fünfprozenthürde kommen würde.« »Die Chancen liegen bei null«, sagt Politikprofessor Wolfgang Schroeder von der Universität Kassel der Nachrichtenagentur AFP. »Den Kubicki kennt da kaum jemand.« Auch der Parteienforscher Marc Debus von der Universität Mannheim ist skeptisch: »In Sachsen-Anhalt wäre es schon ein Erfolg, wenn die FDP nah an die Fünfprozenthürde kommen würde.« Foto: Matthias Bein / dpa FDP-Generalsekretär Martin Hagen ist sich bewusst, dass es bei den Landtagswahlen im Osten schwierig wird für seine Partei. »Wir wissen, dass das Comeback der FDP ein Marathon ist und sich auf der Langstrecke entscheidet«, sagt Hagen AFP. Die Wahl in Sachsen-Anhalt sei hier nur »eine erste Etappe«. Was es für den selbst ernannten FDP-Wunderheiler Kubicki bedeutet, wenn diese schiefgeht, erörtert mein Kollege Florian Gathmann. Er hat ihn auf einen Wahlkampftermin nach Sachsen-Anhalt begleitet. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen 90 Minuten sind vorbei – was sind die wichtigsten Erkenntnisse? Die Debatte zwischen Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) und seinem Herausforderer Ulrich Siegmund von der rechtsextremen AfD ist vorbei. Sie verlief phasenweise hektisch, manchmal sogar ruppig. In Stil und Inhalt konnte auch diesmal fast ausschließlich CDU-Mann Schulze punkten. Er wirkte souverän und ruhig, bisweilen fast staatsmännisch – obwohl er weder ein großer Charismatiker noch ein begnadeter Redner ist. Aber Rechtsextremist Siegmund, eigentlich ein talentierter Vermarkter, hat es ihm auch leicht gemacht: Meist servierte er dem Publikum altbekannte Plattitüden und Wahlkampfparolen, auf die vielen Zwischenrufe und Nachfragen war er oft schlecht vorbereitet. Zudem ließ er sich von Schulze erstaunlich häufig den Schneid abkaufen: Er ließ ihm mal kleinlaut den Vortritt, fiel ihm an anderer Stelle aber ungelenk ins Wort. Ob all das Auswirkungen auf diejenigen hat, die noch nicht ihre Stimme abgegeben haben, ist dennoch offen. Die CDU leidet unter der Unbeliebtheit des Kanzlers und seiner Bundesregierung. Und die meisten AfD-Fans stehen ohnehin unverbrüchlich hinter Siegmund. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Jetzt kommt auch noch das BSW zu Wort – indirekt Auf den letzten Metern des TV-Duells geht es nun um ein Thema, das in Sachsen-Anhalt stark polarisiert: Ein israelischer Rüstungskonzern plant den Bau einer Rüstungsfabrik in Sangerhausen, im strukturschwachen Südwesten des Landes. Diese Debatte befeuert vor allem das BSW, die dieses Projekt strikt ablehnt, nun sollen sich Siegmund und Schulze positionieren. Der Christdemokrat sagt, es sei wichtig, die Bundeswehr auszustatten, viel mehr kommt da nicht. Noch schwächer ist die Antwort des Rechtsextremisten: »Wir müssen das im individuellen Fall prüfen«, sagt er. »Ich weiß jetzt nicht genau, was mit den Gütern passiert. Gehen die in die Ukraine?« Der Christdemokrat sagt, es sei wichtig, die Bundeswehr auszustatten, viel mehr kommt da nicht. Noch schwächer ist die Antwort des Rechtsextremisten: »Wir müssen das im individuellen Fall prüfen«, sagt er. »Ich weiß jetzt nicht genau, was mit den Gütern passiert. Gehen die in die Ukraine?« Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen »Ich brauche eine stabile Mehrheit«, sagt Siegmund – die knifflige Machtfrage Interessant wird es nun gegen Ende des TV-Duells, das sich Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) und sein Herausforderer Ulrich Siegmund von der rechtsextremen AfD liefern. Es geht um die konkreten Regierungs- und Koalitionsoptionen. Schulze, der laut Umfragen selbst gemeinsam mit SPD, FDP und Grünen keine Mehrheit im Landtag hätte, eiert herum. Die Regierung bilde man mit einer Mehrheit im Landtag, sagt der Regierungschef, und: »Wir werden es erst Sonntagnacht wissen.« Damit lassen sich die Moderatoren zum Glück nicht abspeisen und fragen nach: Würde die CDU mit der Linken kooperieren? Schulze sagt das, was er schon etliche Male gesagt hat – dass er sich von niemandem abhängig mache, dass weder Linke noch AfD bei ihm am Kabinettstisch säßen. Und: »Klare Aussage: Wir wissen nicht, wie das Ergebnis ist.« Das ist alles, nur keine klare Aussage. Siegmund hat es da leichter. Er bekräftigt erneut, dass er ohne Koalitionspartner regieren wolle – lässt dann aber durchblicken, dass er sich selbst bei einer absoluten Mehrheit womöglich nicht zur Wahl stellen würde: »Ich brauche eine stabile Mehrheit«, tönt er. »Eine Stimme wäre mir ein bisschen zu wacklig.« Es geht um die konkreten Regierungs- und Koalitionsoptionen. Schulze, der laut Umfragen selbst gemeinsam mit SPD, FDP und Grünen keine Mehrheit im Landtag hätte, eiert herum. Die Regierung bilde man mit einer Mehrheit im Landtag, sagt der Regierungschef, und: »Wir werden es erst Sonntagnacht wissen.« Damit lassen sich die Moderatoren zum Glück nicht abspeisen und fragen nach: Würde die CDU mit der Linken kooperieren? Schulze sagt das, was er schon etliche Male gesagt hat – dass er sich von niemandem abhängig mache, dass weder Linke noch AfD bei ihm am Kabinettstisch säßen. Und: »Klare Aussage: Wir wissen nicht, wie das Ergebnis ist.« Das ist alles, nur keine klare Aussage. Siegmund hat es da leichter. Er bekräftigt erneut, dass er ohne Koalitionspartner regieren wolle – lässt dann aber durchblicken, dass er sich selbst bei einer absoluten Mehrheit womöglich nicht zur Wahl stellen würde: »Ich brauche eine stabile Mehrheit«, tönt er. »Eine Stimme wäre mir ein bisschen zu wacklig.« Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Siegmund kommt ins Straucheln Der AfD-Kandidat macht in diesem TV-Duell einen phasenweise katastrophalen Eindruck, etwa in der Debatte über Bildungspolitik. Erst monologisiert Schulze minutenlang über schulpolitische Details, es scheint ruhiger zu werden – aber dann fragen die Moderatoren Siegmund: Wolle auch er das, was sein Parteifreund Hans-Thomas Tillschneider neulich gefordert hatte, nämlich schwarz gekleidete, martialisch aussehende Wachmänner mit Tränengas auf Schulhöfen? Siegmund tut das, was er besonders gut kann, er lächelt, dann sagt er: »Man muss auch mal manche Sachen mit Humor nehmen.« Er sei Tillschneider sehr dankbar, dass er komplexe Sachverhalte so zugespitzt darstelle. »Natürlich war das eine satirische Überspitzung!« An anderer Stelle geht es um das Schulsystem. Siegmund fordert, zum dreigliedrigen Schulsystem zurückkehren, woraufhin ihn die Moderatoren korrigieren: Sachsen-Anhalt hatte noch nie ein dreigliedriges Schulsystem, sondern ein zweigliedriges. Siegmund wirkt kurz blamiert, redet aber schnell weiter: Jetzt sei halt ein dreigliedriges nötig. An anderer Stelle geht es um das Schulsystem. Siegmund fordert, zum dreigliedrigen Schulsystem zurückkehren, woraufhin ihn die Moderatoren korrigieren: Sachsen-Anhalt hatte noch nie ein dreigliedriges Schulsystem, sondern ein zweigliedriges. Siegmund wirkt kurz blamiert, redet aber schnell weiter: Jetzt sei halt ein dreigliedriges nötig. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Siegmund windet sich, Schulze gibt den Quälgeist Jetzt geht es um die Behauptung des brandenburgischen AfD-Landtagsabgeordneten Dennis Hohloch, Deutschland könne auch mit 60 statt 80 Millionen Einwohnern leben. Die Moderatoren wollen wissen, ob Siegmund das auch so sieht. Er könnte »ja« oder »nein« sagen, aber Siegmund sagt: »Ich höre mir unterschiedliche Perspektiven in der AfD an.« Er teile nicht jede Meinung – dann fällt ihm Schulze ins Wort: »Aber antworten Sie doch mal auf die Frage!«  Siegmund windet sich erneut, wieder fällt ihm Schulze ins Wort: »Herr Siegmund, ich hätte jetzt gern die Antwort dazu.« Da verliert der AfD-Mann die Geduld: »Wurden Sie dazu befragt?« Nein, sagt Schulze, »aber ich bin auch Bürger dieses Landes.« Falls Sie sich fragen, ob die Moderatoren auch mal zu Wort kommen: Die beiden haben jedenfalls eine sehr herausfordernde Aufgabe. Siegmund windet sich erneut, wieder fällt ihm Schulze ins Wort: »Herr Siegmund, ich hätte jetzt gern die Antwort dazu.« Da verliert der AfD-Mann die Geduld: »Wurden Sie dazu befragt?« Nein, sagt Schulze, »aber ich bin auch Bürger dieses Landes.« Falls Sie sich fragen, ob die Moderatoren auch mal zu Wort kommen: Die beiden haben jedenfalls eine sehr herausfordernde Aufgabe. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Ein wildes Hin-und-Her Siegmund: »Sie spinnen sich was zurecht, weil sie inhaltlich blank sind, Herr Schulze!«  Schulze: »Ich höre ihnen nur zu.« So geht das gerade immerzu. Immer wieder fällt Schulze seinem AfD-Herausforderer ins Wort, der zusehend gereizt reagiert. »Och Herr Schulze! Wenn das hier jetzt so läuft… geht das so weiter?«, sagt Siegmund, und: »Bleiben Sie doch mal ganz entspannt und unterbrechen nicht die ganze Zeit, Herr Schulze.« Ein paar Augenblicke später fordert auch Schulze vom aufgebrachten Siegmund ein, ausreden zu dürfen. Siegmund, plötzlich kleinlaut: »Na schön, hammse recht.« Schulze: »Ich höre ihnen nur zu.« So geht das gerade immerzu. Immer wieder fällt Schulze seinem AfD-Herausforderer ins Wort, der zusehend gereizt reagiert. »Och Herr Schulze! Wenn das hier jetzt so läuft… geht das so weiter?«, sagt Siegmund, und: »Bleiben Sie doch mal ganz entspannt und unterbrechen nicht die ganze Zeit, Herr Schulze.« Ein paar Augenblicke später fordert auch Schulze vom aufgebrachten Siegmund ein, ausreden zu dürfen. Siegmund, plötzlich kleinlaut: »Na schön, hammse recht.« Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Siegmund wird laut, Schulze bleibt langsam AfD-Mann Siegmund beantwortet die Eingangsfrage, warum er Regierungschef werden wolle, so: weil »ich die Sprache des Volkes spreche«, weil er eine »Politik für unser eigenes Volk, unsere eigenen Leute« wolle. Schulze hingegen sagt: »weil ich nicht nur labere, sondern auch liefere.«  Was zu Beginn der TV-Debatte auffällt: Siegmund ist offenbar bemüht, diesmal einen besseren Eindruck zu machen. Der AfD-Mann wird auch mal laut, redet über die Nachfragen der Moderatoren hinweg, wirkt dabei schon nach wenigen Minuten aggressiv. Schulze hingegen redet langsam und ruhig, auch dann noch, wenn Siegmund ihm ins Wort fällt. Er scheint sich einen staatsmännischen Auftritt vorgenommen zu haben. Was zu Beginn der TV-Debatte auffällt: Siegmund ist offenbar bemüht, diesmal einen besseren Eindruck zu machen. Der AfD-Mann wird auch mal laut, redet über die Nachfragen der Moderatoren hinweg, wirkt dabei schon nach wenigen Minuten aggressiv. Schulze hingegen redet langsam und ruhig, auch dann noch, wenn Siegmund ihm ins Wort fällt. Er scheint sich einen staatsmännischen Auftritt vorgenommen zu haben. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Das letzte Duell In Halle läuft das letzte direkte Aufeinandertreffen jener Männer, die um das Amt des Ministerpräsidenten kämpfen: CDU-Amtsinhaber Sven Schulze trifft im Live-Duell auf seinen Herausforderer Ulrich Siegmund von der rechtsextremen AfD. Übertragen wird die Debatte im Stream der »Mitteldeutschen Zeitung« und der »Magdeburger Volksstimme«. Die Uhrzeit ist für ein Duell ungewöhnlich, wie so vieles rund um diese Landtagswahl. Aber es geht um viel: Christdemokrat Schulze liegt in den Umfragen mit seiner CDU nahezu 20 Prozentpunkte hinter der AfD. Für ihn geht es daher um alles: Er wird versuchen, möglichst viele Menschen auf seine Seite zu ziehen – und da er bei den beiden einzigen großen Regionalzeitungen des ganzen Bundeslandes zu Gast ist, handelt es sich um die perfekte Bühne. Bühnen allerdings weiß in der Regel auch Siegmund für sich zu nutzen, er ist ein begabter Redner und Selbstdarsteller. Er mobilisiert die Massen und ist gut darin, die radikalen An- und Absichten seiner Partei zu kaschieren und zu verharmlosen. Das vorherige Aufeinandertreffen der beiden war dennoch ein klarer Punktsieg für den oft eher nüchtern auftretenden Schulze: Siegmund wirkte über weite Strecken defensiv und fast überfordert. Die Uhrzeit ist für ein Duell ungewöhnlich, wie so vieles rund um diese Landtagswahl. Aber es geht um viel: Christdemokrat Schulze liegt in den Umfragen mit seiner CDU nahezu 20 Prozentpunkte hinter der AfD. Für ihn geht es daher um alles: Er wird versuchen, möglichst viele Menschen auf seine Seite zu ziehen – und da er bei den beiden einzigen großen Regionalzeitungen des ganzen Bundeslandes zu Gast ist, handelt es sich um die perfekte Bühne. Bühnen allerdings weiß in der Regel auch Siegmund für sich zu nutzen, er ist ein begabter Redner und Selbstdarsteller. Er mobilisiert die Massen und ist gut darin, die radikalen An- und Absichten seiner Partei zu kaschieren und zu verharmlosen. Das vorherige Aufeinandertreffen der beiden war dennoch ein klarer Punktsieg für den oft eher nüchtern auftretenden Schulze: Siegmund wirkte über weite Strecken defensiv und fast überfordert. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Wer mit wem? In der sachsen-anhaltischen CDU nimmt die Debatte über Optionen nach der Wahl an Fahrt auf. Drei Lager scheinen sich gebildet zu haben: Viele würden auch Gespräche mit den Linken in Kauf nehmen, um mit deren Hilfe eine Minderheitsregierung unter Ministerpräsident Sven Schulze zu bilden. Andere plädieren für ein Modell mit wechselnden Mehrheiten – was die AfD, die in Umfragen seit einem Jahr bei etwa 40 Prozent liegt, zwangsläufig einschlösse. Wieder andere hoffen auch deshalb heimlich, dass die Rechtsextremisten die absolute Mehrheit erlangen, um die Christdemokraten vor einer Zerreißprobe und heftigen Lagerkämpfen zu bewahren. Der Abgeordnete Tobias Krull, der höchstwahrscheinlich auf im neuen Landtag sitzen wird, sieht es so: »Wir kämpfen für eine eigene Mehrheit, müssen am Ende womöglich aber gesprächsbereit sein«, sagt er dem SPIEGEL. Eine Koalition mit den Linken sei »selbstverständlich ausgeschlossen, eine Minderheitsregierung aber nicht.« Der Abgeordnete Tobias Krull, der höchstwahrscheinlich auf im neuen Landtag sitzen wird, sieht es so: »Wir kämpfen für eine eigene Mehrheit, müssen am Ende womöglich aber gesprächsbereit sein«, sagt er dem SPIEGEL. Eine Koalition mit den Linken sei »selbstverständlich ausgeschlossen, eine Minderheitsregierung aber nicht.« Vor einem Pakt mit den Rechtsextremen warnt er seine eigenen Leute eindringlich: »Sollte meine Partei mit der AfD zusammenarbeiten, womit niemand rechnet, wäre das eine folgenschwere Zäsur. Ich müsste dann in Ruhe überlegen und mit meiner Familie beraten, ob die CDU dann noch meine Partei wäre.« Mehr über diese Debatte, die eine ernste Gefahr für die Union werden könnte, erfahren Sie hier. Mehr über diese Debatte, die eine ernste Gefahr für die Union werden könnte, erfahren Sie hier. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen DIW-Analyse: AfD-Positionen liegen im Vergleich deutlich abseits Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat die politischen Positionen der AfD in Sachsen-Anhalt zu denen ihrer Mitbewerber ins Verhältnis gesetzt. Dafür hat das Institut von Präsident Marcel Fratzscher die Angaben der Parteien aus dem Wahl-o-mat nach Themenkomplexen kategorisiert und mit Zahlenwerten versehen. Die Auswertung liegt dem SPIEGEL vorab vor. Sozialinvestive, offene, demokratische, ökologische und progressive Parteipositionen erhielten ein positives Vorzeichen (+1), dem entgegengesetzte Thesen ein negatives (-1). Mit der Methode sollen die unterschiedlichen Haltungen der Parteien möglichst objektiv statistisch vergleichbar gemacht werden. Das Ergebnis: In allen sechs analysierten Kategorien (Steuern/Wirtschaft, Klima, Soziales, Gesellschaft, Innenpolitik und Europa/International) weichen die Positionen der AfD stark von denen der anderen Parteien ab.   Besonders deutlich werden die Differenzen der AfD zum übrigen Parteienspektrum demnach im Bereich der Gesellschafts- und Klimapolitik. So lehne die AfD etwa eine gesonderte statistische Erfassung von Femiziden ebenso ab wie den Windkraftausbau. Stattdessen fordere die Partei, den Kohleausstieg rückgängig zu machen. Auch die Ablehnung der Masern-Impfpflicht durch die AfD stelle einen deutlichen Unterschied zu den anderen Parteien dar. DIW-Präsident Marcel Fratzscher. Foto: Annette Riedl/dpa Etwas schwächer ausgeprägt, aber immer noch deutlich seien die Differenzen im Bereich der Sozialpolitik. Hier unterstütze die AfD zwar »einzelne populäre und gut sichtbare Entlastungen« wie das kostenfreie Deutschlandticket für Schüler, Elternbeiträge für Kitas lehne sie ab. Andererseits stelle sich die AfD auch dagegen, ausländische Fachkräfte anzuwerben. Eine landeseigene Wohnungsbaugesellschaft und eine Vermögensteuer lehne sie ebenfalls ab.   »Als Ganzes« sei die AfD damit »nicht sozialstaatlich positioniert«, so die DIW-Analyse. Der Befund sei wichtig, »weil sich die AfD politisch als Partei der Arbeiterinnen und Arbeiter, der kleinen Leute darstellt«, heißt es. Studienautor Fratzscher sieht die AfD in einer programmatischen Sonderrolle und spricht von einem »AfD-Paradox«. Das liege darin, »dass die Partei reale soziale Unsicherheit thematisiert, ihre Politik aber viele Ursachen dieser Unsicherheit verschärfen würde.« Ein Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt wäre nach Ansicht vieler Deutscher eine Gefahr für die Demokratie. Laut dem neuen SPIEGEL-Ipsos-Politikmonitor befürchtet eine deutliche Mehrheit auch negative Folgen für Menschen mit Migrationsgeschichte. Ein Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt wäre nach Ansicht vieler Deutscher eine Gefahr für die Demokratie. Laut dem neuen SPIEGEL-Ipsos-Politikmonitor befürchtet eine deutliche Mehrheit auch negative Folgen für Menschen mit Migrationsgeschichte. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Leseempfehlung: Vorbild Trump und Orbán – wie die AfD den Staatsapparat in Sachsen-Anhalt übernehmen will Die AfD plant, nach einem Wahlsieg in Sachsen-Anhalt den Staatsapparat radikal umzubauen. Doch es gibt Möglichkeiten, das zu verhindern, schreiben die Professoren Tom Mannowitz und Tom Thieme in ihrem Gastbeitrag. Wieso man dafür nach Ungarn und in die USA schauen sollte, lesen Sie hier.  Kongress der AfD-Nachwuchsorganisation »Generation Deutschland«. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert / dpa Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Starker Mitgliederzuwachs bei AfD in Sachsen-Anhalt Die Mitgliederzahl der AfD in Sachsen-Anhalt ist seit 2023 jährlich um 30 bis 40 Prozent gewachsen, das berichtet die Nachrichtenagentur AFP und beruft sich auf Zahlen des Verfassungsschutzes. Ende 2025 hatte die Partei nach eigenen Angaben in Sachsen-Anhalt rund 3500 Mitglieder, und damit fast Tausend mehr als das Jahr zuvor. Mit der Landtagswahl 2016 zog die AfD erstmals in den Magdeburger Landtag ein. Seit den Kommunalwahlen 2019 ist sie in allen Kreistagen sowie in der überwiegenden Zahl der Stadt- und Gemeinderäte des Bundeslands in Fraktionsstärke vertreten. Bei der Landtagswahl 2021 kam die AfD auf 20,8 Prozent und blieb damit stärkste Oppositionsfraktion im Parlament.  Ideologisch ordnet der Verfassungsschutz den Landesverband der sogenannten Neuen Rechten zu. Wie extrem die Landtags-Kandidaten der AfD in Sachsen-Anhalt sind, lesen Sie hier.   Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Leseempfehlung: An der Uni Magdeburg bereiten sie den Widerstand gegen die AfD vor Eine AfD-geführte Landesregierung könnte in Sachsen-Anhalt in die Forschung, Lehre und Hochschulautonomie eingreifen. Wie Lehrende und Studierende das verhindern wollen – und welche Hilfe sie bekommen, lesen Sie hier. Historikerin Sonja Dolinsek: »Ich bleibe, solange ich kann«. Foto: Iona Dutz / DER SPIEGEL Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen SPIEGEL-Debatte: Wäre ein Wahlsieg der AfD eine Gefahr für die Demokratie in Deutschland?  Was denken Sie? Wäre ein Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt eine Gefahr für die Demokratie in Deutschland? Schreiben Sie ihre Meinung hier bei SPIEGEL-Debatte. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Deutsche-Bank-Chef warnt vor populistischen Parteien Der Chef der Deutschen Bank, Christian Sewing, warnt wenige Tage vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt vor dem Aufstieg populistischer Parteien. »Populistische Parteien geben vor, einfache Antworten zu haben«, sagte Sewing zum Auftakt des »Handelsblatt-Bankengipfels« in Frankfurt. »Tatsächlich propagieren sie Konzepte, die den Grundlagen unseres Erfolgs entgegenstehen: Offenheit, Vielfalt, ein starkes Europa, verlässliche Institutionen und internationale Zusammenarbeit.« »Abschottung, Nationalismus und das Schüren von Misstrauen lösen kein einziges unserer Probleme«, warnte Sewing. »Vielmehr schwächt all das den Standort, schreckt Investitionen und Fachkräfte ab und gefährdet das Wichtigste, was wir jetzt brauchen, nämlich Wachstum.« Wachstum sichere Wohlstand, ermögliche Aufstieg und stärke den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Ohne dieses würden Verteilungskonflikte härter, staatliche Spielräume enger und das Vertrauen in die Handlungsfähigkeit der Demokratie schwächer. »Abschottung, Nationalismus und das Schüren von Misstrauen lösen kein einziges unserer Probleme«, warnte Sewing. »Vielmehr schwächt all das den Standort, schreckt Investitionen und Fachkräfte ab und gefährdet das Wichtigste, was wir jetzt brauchen, nämlich Wachstum.« Wachstum sichere Wohlstand, ermögliche Aufstieg und stärke den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Ohne dieses würden Verteilungskonflikte härter, staatliche Spielräume enger und das Vertrauen in die Handlungsfähigkeit der Demokratie schwächer. Foto: HANNES P. ALBERT / AFP »Die Wahlen treffen auf eine polarisierte Gesellschaft und eine politische Mitte unter Druck«, sagte Sewing. »Das Ergebnis kann die politischen Verhältnisse in Ländern, Parteien und Bundesregierung weiter verkomplizieren.«  Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Leseempfehlung: Mehrheit der Deutschen macht sich Sorgen wegen möglicher AfD-Regierung Ein Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt wäre nach Ansicht vieler Deutscher eine Gefahr für die Demokratie. Laut dem neuen SPIEGEL-Ipsos-Politikmonitor befürchtet eine deutliche Mehrheit auch negative Folgen für Menschen mit Migrationsgeschichte. Lesen Sie hier die Analyse. Foto: Jens Schlueter / Getty Images Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Merz erneut in Sachsen-Anhalt – und erneut ohne Öffentlichkeit Das Versteckspiel geht weiter: Bundeskanzler Friedrich Merz reist morgen nach Sachsen-Anhalt, erst zum zweiten Mal in der heißen Wahlkampfphase. Und wie schon am Montag in Quedlinburg soll der CDU-Chef erneut nicht mit einer breiten Öffentlichkeit in Kontakt kommen. In Leuna, ganz im Süden des Landes, ist am späten Nachmittag ein Rundgang bei der Firma UPM Biochemicals vorgesehen, anschließend soll es zusammen mit Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) lediglich eine Stellungnahme vor der Presse geben. Spontane Kontakte mit Bürgerinnen und Bürgern: nicht vorgesehen. Anschließend treffen Kanzler und Ministerpräsident in Braunsbedra am Geiseltalsee Vertreterinnen und Vertretern der Kommunen, der Wirtschaft und der Landwirtschaft aus der Region. Was dort genau passiert, könnte ein Geheimnis bleiben – bei diesem Termin sind nicht einmal Medien eingeladen. Schulze betreibt seit Monaten einen Wahlkampf, der auf Tausende Einzelgespräche statt auf Großveranstaltungen setzt – und auf maximale Distanz zum unpopulären Parteichef und Kanzler (mehr dazu hier). In Leuna, ganz im Süden des Landes, ist am späten Nachmittag ein Rundgang bei der Firma UPM Biochemicals vorgesehen, anschließend soll es zusammen mit Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) lediglich eine Stellungnahme vor der Presse geben. Spontane Kontakte mit Bürgerinnen und Bürgern: nicht vorgesehen. Anschließend treffen Kanzler und Ministerpräsident in Braunsbedra am Geiseltalsee Vertreterinnen und Vertretern der Kommunen, der Wirtschaft und der Landwirtschaft aus der Region. Was dort genau passiert, könnte ein Geheimnis bleiben – bei diesem Termin sind nicht einmal Medien eingeladen. Schulze betreibt seit Monaten einen Wahlkampf, der auf Tausende Einzelgespräche statt auf Großveranstaltungen setzt – und auf maximale Distanz zum unpopulären Parteichef und Kanzler (mehr dazu hier). Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Rund 20 Prozent wollen per Brief wählen Etwa 1,69 Millionen Menschen sind in Sachsen-Anhalt wahlberechtigt, viele von ihnen wollen per Briefwahl abstimmen. Bis zum 25. August wurden schon an rund 335.000 Wahlberechtigte Unterlagen dazu ausgegeben – das entspricht einem Anteil von rund 20 Prozent. Das teilte das Statistische Landesamt in Halle (an der Saale) mit. Demnach steigt das Interesse: Vor fünf Jahren haben knapp 315.567 Menschen bei der Landtagswahl per Brief abgestimmt. Die Frist für die Briefwahl endet am Freitag: »Ein Wahlschein kann bis spätestens 4. September 2026, 15.00 Uhr, beantragt werden«, erklärt die Landeswahlleitung. In besonderen Ausnahmefällen wie einer plötzlichen Erkrankung sei das aber auch am Wahltag noch bis 15.00 Uhr möglich. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Merz schließt Koalition mit der Linken in Sachsen-Anhalt aus CDU-Chef und Bundeskanzler Friedrich Merz hat ein gemeinsames Regierungsprogramm mit der Linken nach der Wahl in Sachsen-Anhalt ausgeschlossen. »Sowohl bei AfD als auch bei der Linkspartei gibt es derart fundamentale Unterschiede zur Union, dass eine Zusammenarbeit ausgeschlossen ist«, sagte Merz der »Mitteldeutschen Zeitung« und der »Magdeburger Volksstimme« in einem Interview. Auf die Frage, ob eine CDU-geführte Minderheitsregierung auf wechselnde Mehrheiten setzen sollte, sagte Merz in dem Interview: »Wir sehen, wie in Thüringen und Sachsen regiert werden kann. Aber es muss auch klar sein, dass es Grenzen gibt.« Eine Zusammenarbeit mit AfD oder Linken sei ausgeschlossen. »Der Kern einer Zusammenarbeit ist eine Regierungsbeteiligung und die Erarbeitung eines Regierungsprogramms. Das sehe ich weder mit der AfD noch mit der Linkspartei.« Auf die Frage, ob eine CDU-geführte Minderheitsregierung auf wechselnde Mehrheiten setzen sollte, sagte Merz in dem Interview: »Wir sehen, wie in Thüringen und Sachsen regiert werden kann. Aber es muss auch klar sein, dass es Grenzen gibt.« Eine Zusammenarbeit mit AfD oder Linken sei ausgeschlossen. »Der Kern einer Zusammenarbeit ist eine Regierungsbeteiligung und die Erarbeitung eines Regierungsprogramms. Das sehe ich weder mit der AfD noch mit der Linkspartei.« Für die CDU gilt ein Bundesparteitagsbeschluss aus dem Jahr 2018, der »Koalitionen und ähnliche Formen der Zusammenarbeit« mit der AfD oder der Linkspartei ablehnt. In Thüringen und in Sachsen stützen sich die dortigen Landesregierungen von Ministerpräsident Mario Voigt und Michael Kretschmer (beide CDU) jedoch auf Modelle, in denen regelmäßig Mehrheiten im Parlament mithilfe der Linken gebildet werden. Linkenpolitiker sitzen aber nicht in den Kabinetten.  Die Linke hat sich mit Blick auf Sachsen-Anhalt offen gezeigt für ein ähnliches Modell – Bundestagsfraktionschef Sören Pellmann hatte aber etwa verlangt, dass die Partei im Gegenzug inhaltlich mitreden kann. Die Linke hat sich mit Blick auf Sachsen-Anhalt offen gezeigt für ein ähnliches Modell – Bundestagsfraktionschef Sören Pellmann hatte aber etwa verlangt, dass die Partei im Gegenzug inhaltlich mitreden kann. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Video-Analyse: Der Kanzler macht Wahlkampf in Sachsen-Anhalt – hinter verschlossenen Türen Video: Marina Kormbaki / DER SPIEGEL Quedlinburg, Sachsen-Anhalt: Merz mit Ministerpräsident Sven Schulze in der Stiftskirche. Foto: Kay Nietfeld; / dts Nachrichtenagentur / IMAGO Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Brief mit verdächtiger Substanz in AfD-Parteibüro in Magdeburg – Spezialkräfte geben Entwarnung In einem Parteibüro der AfD in Magdeburg ist ein Brief mit einer verdächtigen Substanz eingegangen. Zudem habe er ein Drohschreiben enthalten, teilte die Polizei laut Nachrichtenagentur dpa mit. Die Feuerwehr sei mit einer spezialisierten Einheit, einem sogenannten ABC-Trupp und einem speziellen Messfahrzeug angerückt. Die Spezialkräfte gaben letztlich Entwarnung und schlossen eine Gefährdung aus, hieß es. Die Polizei ermittelt nun zu den Hintergründen und dem Verfasser des Briefes.  Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Anna-Lena Schou Kühlungsborn Ein skurriler Kanzler-Auftritt in Kühlungsborn Bereits eine Stunde warten einige der Besucher vor dem CDU-Stand an der Strandpromenade in Kühlungsborn, als Bundeskanzler Friedrich Merz ankommt. Am Ende spaziert Merz einen Teil zu Fuß über die Promenade bis zum CDU-Stand. Bereits auf seinem Weg wagte Merz den Schritt raus aus der Traube und spricht kurz mit einer Frau. Die Leute vor Ort sind unterschiedlich gestimmt. Ein paar Menschen klatschen, die Buhrufe werden jedoch lauter, je näher er dem Stand kommt. Das kleine AfD-Lager war auch schon vor 15 Uhr bereit. Und nun?  Keine Rede. Merz geht ins Gespräch mit einzelnen Bürgern, die in den ersten Reihen stehen. Für die umstehenden Bürger wird nicht ersichtlich, mit wem Merz spricht und mit wem nicht.  Selbst aus der dritten Reihe ist kaum ein Wort von dem zu verstehen, was der Kanzler mit ihnen redet. Mitunter liegt das auch an den lauten Gegenrufen, von denen sich der Kanzler nicht beirren lässt. Immer wieder wird er als »Pinocchio« und »Kriegstreiber« bezeichnet. Doch anstelle des Kanzlers treten andere Besucher für ihn ein und leisten Gegenrede.  Foto: Anna-Lena Schou / DER SPIEGEL Dann folgt der Auftritt von einem Mann, der diesen schon angekündigt hat, bevor Merz vor Ort war. Er hat sich selbst als kritisches CDU-Mitglied bezeichnet und fordert nun das, was er schon angekündigt hatte: »Die Mauer muss weg.« Die Brandmauer, präzisiert er und setzt nach: »Wenn Sie die Mauer nicht wegräumen, werden Sie weggeräumt. Dann wird Sie das Volk wegräumen. Können Sie machen, was Sie wollen. Das ist das Ende der CDU.« Mit diesem Mann führt Merz kein ausführliches Gespräch. Am Ende steht seine Antwort: Nein. Er wendet sich dem nächsten Gespräch in der vordersten Reihe zu.  Merz wechselt noch mal die Position. Eine Kühlungsbornerin konfrontiert ihn. Sie arbeitet bei einer Krankenkasse und ist unzufrieden mit der Gesundheitsreform, erzählt sie im Nachgang. Darauf habe sie ihn angesprochen. Von dem direkten Gespräch mit Merz ist sie enttäuscht. Ihr fehle es an konkreten Handlungen. Für sie steht fest: »Merz ist in Kühlungsborn, um die Wähler zu gewinnen.« Dabei kommt er in eine Touristenstadt. Nach knapp 15 Minuten verlässt Merz den abgetrennten Bereich wieder. Als er geht, kommt Enttäuschung auf: »Er hat nicht ein Wort gesagt«, hört man aus den Reihen. Für Merz geht es noch weiter nach Rostock. Er spricht bei AIDA mit Unternehmern. Danach wird er noch in Quedlinburg erwartet. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Leseempfehlung: Die Möchtegern-Kaderschmiede der AfD Unter neuem Namen sollte sich die AfD-Jugend professionalisieren. Doch beim ersten Parteitag scheitert der Vorstand in der einzigen inhaltlichen Debatte – und Gastredner Ulrich Siegmund zeigt sich weniger siegesgewiss. Lesen Sie den ganzen Bericht von Ann-Katrin Müller hier. »GD«-Vorsitzender Jean-Pascal Hohm (l.) mit dem AfD-Spitzenkandidaten für Sachsen-Anhalt, Ulrich Siegmund. Foto: Jens Schluter / AFP Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Schulze nennt AfD-Kandidaten Siegmund »Marionette« Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) hat den AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund scharf attackiert und ihn als »Marionette« von AfD-Chefin Alice Weidel bezeichnet. Im SPIEGEL-Spitzengespräch sagte der CDU-Politiker: »Am Ende ist doch Herr Siegmund nichts anderes als eine Marionette für ganz andere Menschen, vor allen Dingen für Frau Weidel, die aus Sachsen-Anhalt heraus Einfluss in Berlin bekommen will. Ich will aber eins nicht, ich will nicht, dass meine Heimat, dass unsere Heimat aus der Schweiz regiert wird, sondern aus der Staatskanzlei Magdeburg.« Schulze erklärte, nicht allein Siegmund, sondern besonders die Menschen um ihn herum machten die Partei aus seiner Sicht so gefährlich: »Der Herr Siegmund, der macht das ganz geschickt, der schlängelt immer drumherum, aber es sind die Menschen um Herrn Siegmund herum.« Als Beispiel nannte Schulze den AfD-Politiker Hans-Thomas Tillschneider, der maßgeblich am Wahlprogramm der Partei gearbeitet habe. In dessen Wahlkreisbüro in Querfurt steht eine schwarze Tasse mit rotem Stern und der kyrillischen Aufschrift »Armee Russlands«. Dazu sagte Schulze: »Also ich sage ganz offen, ich möchte die russische Armee nicht wieder bei uns zu Hause auf unserem Boden stehen haben. Und ich war wie Millionen von Menschen in der ehemaligen DDR froh, als die russische Armee hier abgezogen ist. Und ich kann es einfach nicht verstehen, warum ein führender Vertreter einer Partei, die jetzt in Umfragen vorn liegt, die hier den Ministerpräsidenten stellen will, genau das quasi glorifiziert, finde ich überhaupt wirklich sehr, sehr fragwürdig. Natürlich wollen die ein ganz anderes Deutschland, und zwar in ihrem Sinne. Und das ist nicht das Deutschland, was die Mehrheit der Bevölkerung möchte«. Das ganze Spitzengespräch ist Montagabend bei SPIEGEL.de verfügbar. Schulze erklärte, nicht allein Siegmund, sondern besonders die Menschen um ihn herum machten die Partei aus seiner Sicht so gefährlich: »Der Herr Siegmund, der macht das ganz geschickt, der schlängelt immer drumherum, aber es sind die Menschen um Herrn Siegmund herum.« Als Beispiel nannte Schulze den AfD-Politiker Hans-Thomas Tillschneider, der maßgeblich am Wahlprogramm der Partei gearbeitet habe. In dessen Wahlkreisbüro in Querfurt steht eine schwarze Tasse mit rotem Stern und der kyrillischen Aufschrift »Armee Russlands«. Dazu sagte Schulze: »Also ich sage ganz offen, ich möchte die russische Armee nicht wieder bei uns zu Hause auf unserem Boden stehen haben. Und ich war wie Millionen von Menschen in der ehemaligen DDR froh, als die russische Armee hier abgezogen ist. Und ich kann es einfach nicht verstehen, warum ein führender Vertreter einer Partei, die jetzt in Umfragen vorn liegt, die hier den Ministerpräsidenten stellen will, genau das quasi glorifiziert, finde ich überhaupt wirklich sehr, sehr fragwürdig. Natürlich wollen die ein ganz anderes Deutschland, und zwar in ihrem Sinne. Und das ist nicht das Deutschland, was die Mehrheit der Bevölkerung möchte«. Das ganze Spitzengespräch ist Montagabend bei SPIEGEL.de verfügbar. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Leseempfehlung: »Ich werde diesen Typen nicht die Hand schütteln« Wie bereiten sich Sachsen-Anhalts Kulturinstitutionen auf einen möglichen rechtsextremen Ministerpräsidenten vor? Stimmen aus einem verunsicherten, ratlosen, kämpferischen Land. Den ganzen Artikel lesen Sie hier. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Schulze hält an Rente mit 63 fest Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) hat sich erneut gegen Bundeskanzler Friedrich Merz gestellt und am Erhalt der sogenannten Rente mit 63 festgehalten. Im SPIEGEL-Spitzengespräch mit Markus Feldenkirchen verteidigte Schulze die Möglichkeit, nach 45 Beitragsjahren abschlagsfrei in Rente zu gehen. Die Alterssicherungskommission hatte vorgeschlagen, diese Regelung abzuschaffen. Das ganze Spitzengespräch ist Montagabend bei SPIEGEL.de verfügbar. Ende Juni hatte Schulze die Vorschläge der Rentenkommission noch ausdrücklich gelobt und auf Instagram erklärt, mit ihnen werde die Rente »zukunftsfest«. Wenige Wochen später stellte er sich jedoch gegen einen zentralen Bestandteil des Pakets: die Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren. Im SPIEGEL-Spitzengespräch sagte Schulze: »Es geht um 45 eingezahlte Beitragsjahre, dass man da auch mal wirklich ein Verständnis dafür hat, dass die Situation bei uns in Ostdeutschland grundlegend anders ist als in Westdeutschland.« Viele Menschen hätten körperlich belastende Berufe ausgeübt und könnten nicht länger arbeiten. Schulze betonte zugleich: »Ich möchte nicht das ganze Thema torpedieren«, doch an seiner Position werde er festhalten: »Ich bin immer kompromissbereit, aber ich werde eines nicht machen, ich werde mich da nicht irgendwie verbiegen.« Ende Juni hatte Schulze die Vorschläge der Rentenkommission noch ausdrücklich gelobt und auf Instagram erklärt, mit ihnen werde die Rente »zukunftsfest«. Wenige Wochen später stellte er sich jedoch gegen einen zentralen Bestandteil des Pakets: die Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren. Im SPIEGEL-Spitzengespräch sagte Schulze: »Es geht um 45 eingezahlte Beitragsjahre, dass man da auch mal wirklich ein Verständnis dafür hat, dass die Situation bei uns in Ostdeutschland grundlegend anders ist als in Westdeutschland.« Viele Menschen hätten körperlich belastende Berufe ausgeübt und könnten nicht länger arbeiten. Schulze betonte zugleich: »Ich möchte nicht das ganze Thema torpedieren«, doch an seiner Position werde er festhalten: »Ich bin immer kompromissbereit, aber ich werde eines nicht machen, ich werde mich da nicht irgendwie verbiegen.« Schulze beim Spitzengespräch. Foto: DER SPIEGEL Zugleich kritisierte Schulze Personaldebatten in der Bundesregierung, die den CDU-Wahlkampf in Sachsen-Anhalt kurz vor der Landtagswahl überschattet hätten. »Die Herausforderung für uns, und die ist echt riesig in jedem Landtagswahlkampf und die war bei uns sehr, sehr groß, ist, dass diese bundespolitischen Themen unsere Themen überlagert haben«, sagte Schulze. Wenige Wochen vor dem Wahltermin seien an den Wahlkampfständen Personaldebatten geführt worden, »für die wir überhaupt nichts können, wo wir auch keinen Einfluss drauf haben«. Schulze bezeichnete abweichende Positionen gegenüber dem Bundeskanzler als Teil seiner Aufgabe als Ministerpräsident. »Es ist doch nicht meine Aufgabe, dass sich die Themen aus Berlin in Sachsen-Anhalt durchsetzen, sondern meine Aufgabe ist es, die Themen in Sachsen-Anhalt in Berlin anzusprechen und möglichst auch durchzusetzen.« Schulze bezeichnete abweichende Positionen gegenüber dem Bundeskanzler als Teil seiner Aufgabe als Ministerpräsident. »Es ist doch nicht meine Aufgabe, dass sich die Themen aus Berlin in Sachsen-Anhalt durchsetzen, sondern meine Aufgabe ist es, die Themen in Sachsen-Anhalt in Berlin anzusprechen und möglichst auch durchzusetzen.« Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Grüne über rechtsextreme Vergangenheit von Ehemann: Menschen ändern sich Der Ehemann der sachsen-anhaltischen Grünen-Spitzenkandidatin Susan Sziborra-Seidlitz hat eine rechtsextreme Vergangenheit. Darüber wird aktuell erneut diskutiert. Doch Sziborra-Seidlitz betonte bei einer Wahlkampfveranstaltung in Wernigerode, dass Menschen sich verändern können. »Wir müssen daran glauben, dass Menschen für die Demokratie zurückzugewinnen sind. Wir müssen daran glauben, dass nicht 40 Prozent der Menschen in unserem Land Rechtsextreme sind, nur weil 40 Prozent der Menschen in unserem Land Rechtsextreme wählen.« Mehrere Medien hatten zuvor darüber berichtet, dass der Ehemann von Sziborra-Seidlitz in den Neunzigerjahren Teil der rechtsextremen Szene im Harz gewesen sein soll. Das Thema ist allerdings nicht neu, es spielte bereits im Mai 2022 in einer Debatte im Landtag von Sachsen-Anhalt eine Rolle. Sziborra-Seidlitz bestätigte, dass ihr Ehemann in den Neunzigerjahren mit Rechtsextremen »rumgehangen« habe. »Ich will das nicht kleinreden, er war Teil der rechtsextremen Szene in Quedlinburg. Aber das ist 30 Jahre her.« Heute sei er Demokrat und Antifaschist. Der Ehemann von Sziborra-Seidlitz wollte sich auf Anfrage nicht dazu äußern. Die Grünenpolitikerin sprach von einer »stümperhaften Schmutzkampagne«. Foto: Matthias Bein / dpa »Dass diese seit Jahren bekannte Geschichte wenige Tage vor der Wahl neu aufgewärmt wird, ist ein durchsichtiges Wahlkampfmanöver aus dem rechtsextremen Umfeld der AfD«, sagte ein Sprecher der Grünen am Montag auf Anfrage. »Es zeigt vor allem die Nervosität angesichts der absehbaren Verfehlung der Wahlziele der AfD.« Sziborra-Seidlitz sagte bei dem Termin Wernigerode, dass es vielleicht ein gutes Timing sei, dass das jetzt noch einmal Thema sei. Es gebe ihr die Gelegenheit, darüber zu sprechen, was nach der Landtagswahl am 6. September los sei. »Es lassen sich auch Rechtsextreme für die Demokratie zurückgewinnen, weil die Demokratie das überzeugendere Argument ist«, so Sziborra-Seidlitz, die auch Co-Landeschefin der Grünen in Sachsen-Anhalt ist. Sziborra-Seidlitz sagte bei dem Termin Wernigerode, dass es vielleicht ein gutes Timing sei, dass das jetzt noch einmal Thema sei. Es gebe ihr die Gelegenheit, darüber zu sprechen, was nach der Landtagswahl am 6. September los sei. »Es lassen sich auch Rechtsextreme für die Demokratie zurückgewinnen, weil die Demokratie das überzeugendere Argument ist«, so Sziborra-Seidlitz, die auch Co-Landeschefin der Grünen in Sachsen-Anhalt ist. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Charlotte Lüder Nachrichtenressort Wahlexperte: »AfD findet Unterstützung in allen Bevölkerungsgruppen« »Eine Partei, die in Umfragen auf um die 40 Prozent kommt, die kann sich eben nicht mehr nur auf eine bestimmte Bevölkerungsgruppe stützen«, sagte Stefan Merz vom Meinungsforschungsinstitut Infratest dimap im Deutschlandfunk. Dem Wahlexperten zufolge findet die AfD inzwischen in allen Bevölkerungsgruppen Unterstützung. Die vom Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestufte Partei liegt in den Umfragen deutlich vor der CDU, die derzeit mit SPD und FDP regiert. »Mittlerweile, muss man sagen, findet die AfD Unterstützung in allen Bevölkerungsgruppen«, sagte Merz. Es gebe Unterschiede, die seien aber graduell. »Männer wählen deutlich häufiger AfD als Frauen. Junge und mittlere Altersgruppen machen es häufiger als ältere, Berufstätige wählen häufiger AfD als Rentner und unter den Berufstätigen wiederum sind es Arbeiter, die es häufiger tun als Angestellte und Beamte«, so der Wahlexperte. Menschen ohne Abitur stimmten öfter für die AfD als Menschen mit Abitur und auf dem Land und in Kleinstädten werde häufiger AfD gewählt als in Großstädten. Das bedeute aber im Umkehrschluss nicht, dass die Partei in den anderen Bevölkerungsgruppen nicht gewählt werde. Frauen stimmten für die AfD zwar seltener, aber auch unter ihnen sei die Partei in Sachsen-Anhalt nach den Umfragen derzeit die stärkste Partei.  Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen BSW lädt zum Festival gegen »Cancel Culture« – und organisiert bereits Zusammenarbeit mit AfD Das wird man ja wohl noch mitregieren dürfen: In Magdeburg hat das BSW zu seinem größten Wahlkampfevent geladen, einem Festival für Meinungsfreiheit. Gut neun Stunden lang wurde auf verschiedenen Panels beleuchtet, wie es um die freie Rede in Deutschland steht. Zugleich wurde der Weg bereitet, künftig mit den extremen Rechten der AfD näher zu kooperieren.  Ich habe mir das Event angeschaut, geladen waren unter anderem die ehemalige ARD-Moskau-Korrespondentin Gabriele Krone-Schmalz und die nach Plagiatsvorwürfen geschasste Professorin Ulrike Guérot. BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht war selbstverständlich ebenfalls in Magdeburg. Das Publikum: eher älter, in einer Mischung aus gut situiert, friedensbewegt und alternativ. Viele einte das Gefühl, in Deutschland nicht mehr frei reden zu können – und hier endlich unter sich zu sein. Gut 2000 waren nach BSW-Angaben gekommen. Ich habe mir das Event angeschaut, geladen waren unter anderem die ehemalige ARD-Moskau-Korrespondentin Gabriele Krone-Schmalz und die nach Plagiatsvorwürfen geschasste Professorin Ulrike Guérot. BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht war selbstverständlich ebenfalls in Magdeburg. Das Publikum: eher älter, in einer Mischung aus gut situiert, friedensbewegt und alternativ. Viele einte das Gefühl, in Deutschland nicht mehr frei reden zu können – und hier endlich unter sich zu sein. Gut 2000 waren nach BSW-Angaben gekommen. BSW-Event »Festival der Meinungsfreiheit« in der Festung Mark in Magdeburg. Foto: Marc Röhlig/DER SPIEGEL BSW-Akteure beklagen offen, dass es eine »Schmutzkampagne« gegen ihre Partei, sehen aber keinen Widerspruch, zugleich scharf gegen Politikerinnen und Politiker anderer Parteien auszuteilen. Deutschland sei kurz davor ein »Regime wie aus dem ehemaligen Ostblock« zu agieren, die Wahl in Sachsen-Anhalt werde daher zur »Wende«. Man merkt: Viele hier haben keine Berührungsängste mehr zur AfD, hoffen auf eine klare Zusammenarbeit, sollte das BSW in den Landtag einziehen. Tatsächlich bereitet die Partei genau das vor, wie ich am Rande der Veranstaltung erfuhr. Ein internes Strategiepapier hat erste Anträge vorbereitet, die man im neuen Landtag einbringen will – und auf Stimmen der AfD hofft, diese durchzubringen. Worum es in den Anträgen geht und warum das Credo »Wir reden mit allen« dem BSW noch Argumentationsprobleme bereiten könnte, lesen Sie hier: Tatsächlich bereitet die Partei genau das vor, wie ich am Rande der Veranstaltung erfuhr. Ein internes Strategiepapier hat erste Anträge vorbereitet, die man im neuen Landtag einbringen will – und auf Stimmen der AfD hofft, diese durchzubringen. Worum es in den Anträgen geht und warum das Credo »Wir reden mit allen« dem BSW noch Argumentationsprobleme bereiten könnte, lesen Sie hier: Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen AfD in Umfragen klar vorn Das Interesse an der Wahl ist auch deshalb so groß, weil die AfD danach erstmals womöglich einen Ministerpräsidenten stellen könnte. In einer Umfrage von Infratest dimap für die ARD lag die Partei 20 Prozentpunkte vor der CDU. Wegen der Werte für die anderen Parteien wäre eine Alleinregierung der AfD in diesem Szenario nicht möglich. Wahlumfragen sind generell mit Unsicherheiten behaftet. Unter anderem erschweren nachlassende Parteibindungen und immer kurzfristigere Wahlentscheidungen den Meinungsforschungsinstituten die Gewichtung der erhobenen Daten. Grundsätzlich spiegeln Umfragen nur das Meinungsbild zum Zeitpunkt der Befragung wider und sind keine Prognosen für den Wahlausgang. Hinzu kommt: Bei der Landtagswahl 2021 in Sachsen-Anhalt lagen Demoskopen deutlich daneben. Lesen Sie hier dazu die SPIEGEL-Datenanalyse. Wahlumfragen sind generell mit Unsicherheiten behaftet. Unter anderem erschweren nachlassende Parteibindungen und immer kurzfristigere Wahlentscheidungen den Meinungsforschungsinstituten die Gewichtung der erhobenen Daten. Grundsätzlich spiegeln Umfragen nur das Meinungsbild zum Zeitpunkt der Befragung wider und sind keine Prognosen für den Wahlausgang. Hinzu kommt: Bei der Landtagswahl 2021 in Sachsen-Anhalt lagen Demoskopen deutlich daneben. Lesen Sie hier dazu die SPIEGEL-Datenanalyse. Foto: DER SPIEGEL; Hendrik Schmidt / dpa Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Merz steigt in den Wahlkampf ein In Sachsen-Anhalt grenzt sich CDU-Spitzenkandidat Sven Schulze vom Kanzler ab. Zum Besuch kommt Friedrich Merz nun trotzdem. An diesem Montag absolviert der Kanzler seinen ersten Wahlkampftermin in dem ostdeutschen Bundesland. In Quedlinburg im Harz nimmt er am ab 18.15 Uhr an einer Gesprächsrunde mit Kandidaten für den Landtag teil, wird von Ministerpräsident Schulze durch den Schlossgarten geführt und äußert sich dann gemeinsam mit dem CDU-Spitzenkandidaten vor Kameras.  Zuvor warnte Merz vor einem Sieg der AfD. Im ARD-Sommerinterview am Sonntagabend sagte er, dass ausländische Investoren im Falle einer AfD-Regierung vermutlich um Sachsen-Anhalt künftig einen Bogen machen würden. »Wenn das so kommt, wie das in den Umfragen möglich erscheint, dann wird dieses Bundesland erhebliche Probleme bekommen«, sagte der Kanzler. Er könne sich nicht vorstellen, dass noch internationale Investoren mit einem AfD-Ministerpräsidenten zu einem Spatenstich kommen würden, um dort ein neues Unternehmen anzusiedeln.  »Das ist aber eine Entscheidung, die die Wählerinnen und Wähler in Sachsen-Anhalt zu treffen haben«, fügte er hinzu. Merz sagte: »Das Land wird erheblichen Schaden nehmen, wenn es so kommt, wie wir das jetzt befürchten müssen.« Auch deshalb werde die CDU in den nächsten Tagen noch aktiv Wahlkampf machen. Ein Teil der Wählerschaft sei noch unentschieden.  Ursprünglich waren in Sachsen-Anhalt mal größere Auftritte in Ilsenburg und am Geiseltalsee im Gespräch. Ein klassischer öffentlicher Wahlkampfauftritt vor größerem Publikum soll der Besuch in Quedlinburg nicht werden: Berichten zufolge soll der Kanzler nur auf einen kleinen Kreis von rund 30 ausgewählten CDU-Mitgliedern treffen – unter weitgehendem Ausschluss der breiten Öffentlichkeit.  Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Hintergründe zur Wahl Welche Themen bestimmen den Wahlkampf – und wie ist er bislang verlaufen? Hier finden Sie ausgewählte Artikel. - AfD oder Linke: Die Christdemokraten suchen nach dem kleineren Übel - Porträt des derzeitigen Regierungschefs: Sven Schulze will eine AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt verhindern. Hat er eine Chance? - Wie die AfD Hochschulen umbauen will – und was Studierenden dann droht - FDP in Sachsen-Anhalt: Ist der Kubicki-Hype nach der Wahl schon wieder vorbei? - TV-Duell mit CDU-Ministerpräsident Sven Schulze: Nach einer halben Stunde sagt AfD-Kandidat Siegmund den einen entlarvenden Satz - Schule als Wahlkampfthema: Kann die AfD in Sachsen-Anhalt die Schulpflicht abschaffen? - Schwieriger Wahlkampf für die SPD: »Wenn ihr bei mir klingelt, hau ich euch auf die Fresse« – ein Ortsbesuch in Sangerhausen - Wahlversprechen: Wie sich die AfD als neue Arbeiterpartei inszeniert – ihre Versprechen wird aber kaum einlösen können Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Liebe Leserinnen und Leser, am kommenden Sonntag wird in Sachsen-Anhalt ein neuer Landtag gewählt. Wir halten Sie hier über den Wahlkampfendspurt und die politischen Entwicklungen auf dem Laufenden – mit Nachrichten, Hintergründen, Eindrücken aus dem Bundesland.  Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Mit Material der Agenturen

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4. September
Neues Deutschland

Eva von Angern | Die Gesprächsbereite

- Politik - Eva von Angern Die Gesprächsbereite Die 49-Jährige führt Sachsen-Anhalts Linke zum zweiten Mal in einem Wahlkampf. Sie hat einen guten Draht zu anderen Parteien – auch zur CDU Beim Aufhängen der Plakate geraten die drei älteren Herren ins Reminiszieren. An einem Nachmittag gegen Ende des Wahlkampfs in Sachsen-Anhalt wollen die »Silberlocken« Gregor Gysi, Bodo Ramelow und Dietmar Bartsch vor dem Rathaus von Bitterfeld noch einmal um Stimmen für Die Linke werben. Als Aufwärmübung soll das Trio einige Wahlplakate an der Bühne anbringen. Er selbst habe 1990 sein Porträt gar nicht auf solchen Pappen sehen wollen, sagt der 78-jährige Gysi. Das habe ihn zu sehr an die in der DDR allgegenwärtigen Bilder von SED-Chef Erich Honecker erinnert. Dietmar Bartsch, lange Zeit Wahlkampfleiter der Partei und inzwischen 68, erzählt, wie er für seine Genossen ein Lehrvideo zum Plakatieren anfertigte: »Wir kannten das anfangs ja gar nicht.« Bodo Ramelow, 70-jähriger Ex-Ministerpräsident von Thüringen, erinnert sich an Hände, die mit Leim verschmiert waren, und an die Angst, ob die Plakate den nächsten Regen überstehen würden. Inzwischen setze man ja zum Glück »auf Plaste und Elaste«, sagt er und verbindet zwei Plakate mit Kabelbindern, deren überstehende Enden gekappt werden: »Eva, gib mal den Seitenschneider!« Die so Angesprochene hat in den Nachwendejahren noch keine Wahlwerbung für die PDS angebracht. Eva von Angern ist 49. Als Gysis Konterfei erstmals auf Plakate gedruckt wurde, war sie im Jugendweihealter. Ein paar Jahre später immerhin stand sie dem PDS-Star erstmals auf einem Marktplatz gegenüber: dem Olven 1 im Magdeburger Stadtteil Olvenstedt, aus dem sie stammt. Ein Video aus dem Jahr 1994, das von Angern dieser Tage auf ihrem Instagram-Kanal postete, zeigt sie als Gymnasiastin bei einem Interview mit Gysi für die Schülerzeitung. »Also, wie is’n das«, fragte sie, aufgeregt Kaugummi kauend, in schönstem Magdeburgisch. Bei einem Landtagsbesuch hätten sich CDU-Leute »andauernd lustig gemacht« über die Kollegen von der PDS: »Wie so’n Spielplatz kam mir das vor.« Gysi erwiderte, seine Partei müsse stärker werden: »Dann nehmen sie uns auch anders ernst.« 32 Jahre später hat von Angern den Magdeburgischen Zungenschlag abgelegt. »Der kommt nur noch durch, wenn ich wütend bin«, sagt sie. Das Interview aber sei eine Initialzündung gewesen. »Manches«, kommentiert sie das historische Video, »beginnt mit einem einzigen Gespräch.« In ihrem Fall begann damit eine politische Karriere in PDS und Linkspartei, die auf dem Bitterfelder Markt dazu führt, dass Gysi, Bartsch und Ramelow gewissermaßen bei ihr zu Besuch sind. Zwar stellt von Angern als Moderatorin wieder die Fragen. Inzwischen aber ist sie nicht mehr Schülerreporterin, sondern Spitzenkandidatin ihrer Partei für eine Wahl, die als historisch apostrophiert wird und nach der CDU-Leute sie womöglich als Verhandlungspartnerin ernst nehmen müssen. Es ist schließlich nicht ausgeschlossen, dass sich nur durch ein Zusammengehen von CDU und Linkspartei eine AfD-Regierung verhindern lässt. Parteimitglied wurde von Angern zwei Jahre, nachdem das Video entstanden war. Politisch trat sie zunächst durch ihr Engagement im Magdeburger Bündnis gegen rechts in Erscheinung, das sich angesichts regelmäßiger Naziaufmärsche in Sachsen-Anhalts Landeshauptstadt gegründet hatte. Im Jahr 2000 wurde sie Stadtvorsitzende der Partei, zwei Jahre später zog sie in den Landtag ein und wurde dort Sprecherin für Kinder-, Jugend- und Familienpolitik. Wie flächendeckend sie damals gute Kontakte knüpfte, zeigt sich daran, dass sie noch mehr als zwei Jahrzehnte später in Jugendhilfe-Einrichtungen des Landes wie eine alte Bekannte begrüßt wird. Dabei kümmerte sie sich seither auch um andere Politikfelder. Als studierte Juristin, die 2005 ihre zweite Staatsprüfung absolvierte und danach lange Zeit neben dem Mandat als Anwältin tätig war, arbeitete sie im Ausschuss des Landtags für Recht und Verfassung, in Untersuchungsausschüssen und Enquetekommissionen. Mittlerweile ist sie quasi Generalistin: 2020 wurde sie Chefin der damals noch 16-köpfigen Linksfraktion. Ihre Karriere geriet immer mal wieder ins Stocken. 2011 scheiterte sie, obwohl maßgebliche Mitautorin eines Quasi-Regierungsprogramms ihrer Partei, bei der Aufstellung als Direktkandidatin in Magdeburg. Mutmaßlicher Grund war ihre Äußerung in einer Debatte über die DDR, »natürlich« sei diese ein Unrechtsstaat gewesen. Das stieß bei Genossen mit SED-Vergangenheit teils auf Empörung. Der Generationenkonflikt dürfte auch Auslöser dafür gewesen sein, dass sie 2014 bei der Wahl zum Fraktionsvorstand komplett durchfiel. Die Zeiten haben sich geändert; spätestens in der nächsten Landtagsfraktion wird es von Angern sein, die gemeinsam mit dem zwei Jahre älteren derzeitigen parlamentarischen Geschäftsführer Stefan Gebhardt zu den alten Hasen gehören wird. Dort und in der Partei gilt ihre Position als unangefochten. Sie blieb auch Frontfrau, nachdem die Landespartei mit ihr als Spitzenkandidatin bei der Wahl 2021 eine Schlappe hatte einstecken müssen und von 16,3 auf elf Prozent abgesackt war, was nur noch für zwölf Mandate reichte. Debatten darüber, dass von Angern für die diesjährige Wahl erneut als Nummer eins aufgestellt wurde, gab es nicht. Angesichts der möglichen politischen Konstellation nach der Wahl darf das als eine vorausschauende Entscheidung gelten. Womöglich müssen sich dann CDU, Linke, SPD und Grüne zusammenraufen, um die AfD von der Macht fernzuhalten. Von Angern wäre in einer solchen Situation die richtige Frau am richtigen Ort. Sie ist stets freundlich im Ton, kann aber sehr hart in der Sache sein. Das erlebten im Juni auch die Delegierten eines Bundesparteitags der Linken in Potsdam. Dort gab es Anträge, die eine Zusammenarbeit mit der CDU von vornherein ausschließen wollten. Von Angern trat diesen in einer energischen Rede entgegen und forderte Beinfreiheit für ihren Landesverband in der Frage, wie das Land vor der AfD gerettet werden kann. In absehbar schwierigen Gesprächen könnte von Angern eine ihrer markanten Eigenschaften ausspielen. Gelobt wird, dass sie über Parteigrenzen hinweg die Zusammenarbeit sucht. Das war schon im Magdeburger Bündnis gegen rechts der Fall und setzte sich im Landtag sowie bei ihrer Arbeit als langjährige Vorsitzende des Landesfrauenrats oder im Landesnetzwerk gegen Kinderarmut fort. Beide Ämter sorgen dafür, dass sie bestens in Vereinen und Verbänden vernetzt ist, die alles andere als Vorfeldorganisationen der Linken sind. Der kollegiale Umgang schließt ausdrücklich auch CDU-Politiker ein. Zwar bestreitet von Angern nicht die grundsätzlichen Differenzen. »Linke und CDU gehören programmatisch nicht zueinander«, betont sie. Doch wo Kooperation möglich ist, sucht sie diese. Das Netzwerk gegen Kinderarmut führt sie gemeinsam mit dem CDU-Sozialpolitiker Tobias Krull. Gute Kontakte zu Rechtspolitikern in der CDU ebneten den Weg für eine im Frühsommer im Landtag beschlossene Verfassungsreform. Von Angern vertritt dabei dezidiert linke Positionen, etwa, wenn es um eine Kindergrundsicherung oder einen humaneren Strafvollzug geht. Die Politikerin sucht dafür auch Verbündete jenseits des eigenen Lagers. Das könnte sich als wichtig erweisen, wenn es darum geht, »das Land vor der AfD zu schützen«, wie sie formuliert. Ob das gelingt, hängt vom Wahlergebnis der CDU genauso ab wie von dem der Linken. Leider, sagt von Angern beim Auftritt der »Silberlocken« in Bitterfeld, dürften in Sachsen-Anhalt die 14- oder 16-Jährigen noch nicht wählen. Dann läge das Ergebnis der Linken am Sonntag womöglich etwas näher an dem der U-18-Wahl, das diese Woche veröffentlicht wurde und die Linke mit 31 Prozent als stärkste Kraft sah, neun Punkte vor der AfD. »Das müssen wir jetzt mal ein wenig zelebrieren«, sagte die strahlende Spitzenkandidatin. Ein Grund für das gute Ergebnis unter jungen Leuten dürfte ihre eigene starke Präsenz in den sozialen Netzwerken sein, wo von Angern inzwischen zu den präsentesten Landespolitikern gehört. Der Aufwand, den sie dafür betreibt, ist enorm und hatte unter anderem zur Folge, dass die Anwältin nicht mehr wie bis 2023 wöchentlich vier Stunden für Beratungsgespräche bei der Verbraucherzentrale erübrigen kann. Das sei »gut für die Bekanntheit« gewesen, sagt von Angern, was freilich für die Präsenz auf Instagram und in anderen sozialen Medien ebenfalls gilt. Auch bei der Frage nach der Direktwahl des Ministerpräsidenten lag von Angern bei den Unter-18-Jährigen vor AfD-Frontmann Ulrich Siegmund. Wie ihre Partei am Sonntag abschneidet, hängt auch davon ab, wie viele Sachsen-Anhalter den Appellen zum taktischen Wählen folgen. Entsprechende Initiativen sollen SPD und Grünen sicher über die Fünfprozent-Hürde verhelfen, weil das die Chancen der AfD auf eine Alleinregierung verringert. Das könnte auf Kosten der Linken gehen, die in Umfragen lange stabil bei 13 Prozent gelegen hatte, zuletzt aber etwas an Zuspruch zu verlieren schien. Die Initiative »Taktisch wählen«, sagte Linke-Landeschefin Janina Böttger zu »nd«, führe Haustürgespräche »gezielt in unseren Hochburgen«. Die Organisation Campact investiere in ihre Kampagne für das strategische Wählen »mehr Geld, als wir für unseren gesamten Wahlkampf ausgeben«, fügte sie hinzu. Die »Silberlocken« raten in Bitterfeld dringend davon ab, taktisch zu wählen. Das sei »eine dieser Berliner Ideen«, die von außen ins Land getragen und von der AfD argumentativ ausgeschlachtet würden, sagt Dietmar Bartsch und spricht von einer »Unverschämtheit sondergleichen« gegenüber seiner Partei. Gregor Gysi erklärt, wer taktisch wähle, »ärgert sich anschließend fünf Jahre lang, weil die Partei, die er angekreuzt hat, dann eine Politik macht, die er nicht wollte«. Das letzte Wort auf der Bühne vorm Bitterfelder Rathaus haben freilich nicht die älteren Herren; es gehört der Spitzenkandidatin. »Ich bitte darum, taktisch zu wählen«, sagt Eva von Angern mit einem verschmitzten Lächeln: »Geben sie Erst- und Zweitstimme der Linken!« Wir haben einen Preis. Aber keinen Gewinn. Die »nd.Genossenschaft« gehört den Menschen, die sie ermöglichen: unseren Leser*innen und Autor*innen. Sie sind es, die mit ihrem Beitrag linken Journalismus für alle sichern: ohne Gewinnmaximierung, Medienkonzern oder Tech-Milliardär. Dank Ihrer Unterstützung können wir: → unabhängig und kritisch berichten → Themen sichtbar machen, die sonst untergehen → Stimmen Gehör verschaffen, die oft überhört werden → Desinformation Fakten entgegensetzen → linke Debatten anstoßen und vertiefen Jetzt »Freiwillig zahlen« und die Finanzierung unserer solidarischen Zeitung unterstützen. Damit nd.bleibt.

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4. September
Neues Deutschland

Landtagswahl | Eva von Angern: Die Gesprächsbereite

- Politik - Landtagswahl Eva von Angern: Die Gesprächsbereite Die 49-Jährige führt Sachsen-Anhalts Linke zum zweiten Mal in einem Wahlkampf. Sie hat einen guten Draht zu anderen Parteien – auch zur CDU Beim Aufhängen der Plakate geraten die drei älteren Herren ins Reminiszieren. An einem Nachmittag gegen Ende des Wahlkampfs in Sachsen-Anhalt wollen die »Silberlocken« Gregor Gysi, Bodo Ramelow und Dietmar Bartsch vor dem Rathaus von Bitterfeld noch einmal um Stimmen für Die Linke werben. Als Aufwärmübung soll das Trio einige Wahlplakate an der Bühne anbringen. Er selbst habe 1990 sein Porträt gar nicht auf solchen Pappen sehen wollen, sagt der 78-jährige Gysi. Das habe ihn zu sehr an die in der DDR allgegenwärtigen Bilder von SED-Chef Erich Honecker erinnert. Dietmar Bartsch, lange Zeit Wahlkampfleiter der Partei und inzwischen 68, erzählt, wie er für seine Genossen ein Lehrvideo zum Plakatieren anfertigte: »Wir kannten das anfangs ja gar nicht.« Bodo Ramelow, 70-jähriger Ex-Ministerpräsident von Thüringen, erinnert sich an Hände, die mit Leim verschmiert waren, und an die Angst, ob die Plakate den nächsten Regen überstehen würden. Inzwischen setze man ja zum Glück »auf Plaste und Elaste«, sagt er und verbindet zwei Plakate mit Kabelbindern, deren überstehende Enden gekappt werden: »Eva, gib mal den Seitenschneider!« Die so Angesprochene hat in den Nachwendejahren noch keine Wahlwerbung für die PDS angebracht. Eva von Angern ist 49. Als Gysis Konterfei erstmals auf Plakate gedruckt wurde, war sie im Jugendweihealter. Ein paar Jahre später immerhin stand sie dem PDS-Star erstmals auf einem Marktplatz gegenüber: dem Olven 1 im Magdeburger Stadtteil Olvenstedt, aus dem sie stammt. Ein Video aus dem Jahr 1994, das von Angern dieser Tage auf ihrem Instagram-Kanal postete, zeigt sie als Gymnasiastin bei einem Interview mit Gysi für die Schülerzeitung. »Also, wie is’n das«, fragte sie, aufgeregt Kaugummi kauend, in schönstem Magdeburgisch. Bei einem Landtagsbesuch hätten sich CDU-Leute »andauernd lustig gemacht« über die Kollegen von der PDS: »Wie so’n Spielplatz kam mir das vor.« Gysi erwiderte, seine Partei müsse stärker werden: »Dann nehmen sie uns auch anders ernst.« 32 Jahre später hat von Angern den Magdeburgischen Zungenschlag abgelegt. »Der kommt nur noch durch, wenn ich wütend bin«, sagt sie. Das Interview aber sei eine Initialzündung gewesen. »Manches«, kommentiert sie das historische Video, »beginnt mit einem einzigen Gespräch.« In ihrem Fall begann damit eine politische Karriere in PDS und Linkspartei, die auf dem Bitterfelder Markt dazu führt, dass Gysi, Bartsch und Ramelow gewissermaßen bei ihr zu Besuch sind. Zwar stellt von Angern als Moderatorin wieder die Fragen. Inzwischen aber ist sie nicht mehr Schülerreporterin, sondern Spitzenkandidatin ihrer Partei für eine Wahl, die als historisch apostrophiert wird und nach der CDU-Leute sie womöglich als Verhandlungspartnerin ernst nehmen müssen. Es ist schließlich nicht ausgeschlossen, dass sich nur durch ein Zusammengehen von CDU und Linkspartei eine AfD-Regierung verhindern lässt. Parteimitglied wurde von Angern zwei Jahre, nachdem das Video entstanden war. Politisch trat sie zunächst durch ihr Engagement im Magdeburger Bündnis gegen rechts in Erscheinung, das sich angesichts regelmäßiger Naziaufmärsche in Sachsen-Anhalts Landeshauptstadt gegründet hatte. Im Jahr 2000 wurde sie Stadtvorsitzende der Partei, zwei Jahre später zog sie in den Landtag ein und wurde dort Sprecherin für Kinder-, Jugend- und Familienpolitik. Wie flächendeckend sie damals gute Kontakte knüpfte, zeigt sich daran, dass sie noch mehr als zwei Jahrzehnte später in Jugendhilfe-Einrichtungen des Landes wie eine alte Bekannte begrüßt wird. Dabei kümmerte sie sich seither auch um andere Politikfelder. Als studierte Juristin, die 2005 ihre zweite Staatsprüfung absolvierte und danach lange Zeit neben dem Mandat als Anwältin tätig war, arbeitete sie im Ausschuss des Landtags für Recht und Verfassung, in Untersuchungsausschüssen und Enquetekommissionen. Mittlerweile ist sie quasi Generalistin: 2020 wurde sie Chefin der damals noch 16-köpfigen Linksfraktion. Ihre Karriere geriet immer mal wieder ins Stocken. 2011 scheiterte sie, obwohl maßgebliche Mitautorin eines Quasi-Regierungsprogramms ihrer Partei, bei der Aufstellung als Direktkandidatin in Magdeburg. Mutmaßlicher Grund war ihre Äußerung in einer Debatte über die DDR, »natürlich« sei diese ein Unrechtsstaat gewesen. Das stieß bei Genossen mit SED-Vergangenheit teils auf Empörung. Der Generationenkonflikt dürfte auch Auslöser dafür gewesen sein, dass sie 2014 bei der Wahl zum Fraktionsvorstand komplett durchfiel. Die Zeiten haben sich geändert; spätestens in der nächsten Landtagsfraktion wird es von Angern sein, die gemeinsam mit dem zwei Jahre älteren derzeitigen parlamentarischen Geschäftsführer Stefan Gebhardt zu den alten Hasen gehören wird. Dort und in der Partei gilt ihre Position als unangefochten. Sie blieb auch Frontfrau, nachdem die Landespartei mit ihr als Spitzenkandidatin bei der Wahl 2021 eine Schlappe hatte einstecken müssen und von 16,3 auf elf Prozent abgesackt war, was nur noch für zwölf Mandate reichte. Debatten darüber, dass von Angern für die diesjährige Wahl erneut als Nummer eins aufgestellt wurde, gab es nicht. Angesichts der möglichen politischen Konstellation nach der Wahl darf das als eine vorausschauende Entscheidung gelten. Womöglich müssen sich dann CDU, Linke, SPD und Grüne zusammenraufen, um die AfD von der Macht fernzuhalten. Von Angern wäre in einer solchen Situation die richtige Frau am richtigen Ort. Sie ist stets freundlich im Ton, kann aber sehr hart in der Sache sein. Das erlebten im Juni auch die Delegierten eines Bundesparteitags der Linken in Potsdam. Dort gab es Anträge, die eine Zusammenarbeit mit der CDU von vornherein ausschließen wollten. Von Angern trat diesen in einer energischen Rede entgegen und forderte Beinfreiheit für ihren Landesverband in der Frage, wie das Land vor der AfD gerettet werden kann. In absehbar schwierigen Gesprächen könnte von Angern eine ihrer markanten Eigenschaften ausspielen. Gelobt wird, dass sie über Parteigrenzen hinweg die Zusammenarbeit sucht. Das war schon im Magdeburger Bündnis gegen rechts der Fall und setzte sich im Landtag sowie bei ihrer Arbeit als langjährige Vorsitzende des Landesfrauenrats oder im Landesnetzwerk gegen Kinderarmut fort. Beide Ämter sorgen dafür, dass sie bestens in Vereinen und Verbänden vernetzt ist, die alles andere als Vorfeldorganisationen der Linken sind. Der kollegiale Umgang schließt ausdrücklich auch CDU-Politiker ein. Zwar bestreitet von Angern nicht die grundsätzlichen Differenzen. »Linke und CDU gehören programmatisch nicht zueinander«, betont sie. Doch wo Kooperation möglich ist, sucht sie diese. Das Netzwerk gegen Kinderarmut führt sie gemeinsam mit dem CDU-Sozialpolitiker Tobias Krull. Gute Kontakte zu Rechtspolitikern in der CDU ebneten den Weg für eine im Frühsommer im Landtag beschlossene Verfassungsreform. Von Angern vertritt dabei dezidiert linke Positionen, etwa, wenn es um eine Kindergrundsicherung oder einen humaneren Strafvollzug geht. Die Politikerin sucht dafür auch Verbündete jenseits des eigenen Lagers. Das könnte sich als wichtig erweisen, wenn es darum geht, »das Land vor der AfD zu schützen«, wie sie formuliert. Ob das gelingt, hängt vom Wahlergebnis der CDU genauso ab wie von dem der Linken. Leider, sagt von Angern beim Auftritt der »Silberlocken« in Bitterfeld, dürften in Sachsen-Anhalt die 14- oder 16-Jährigen noch nicht wählen. Dann läge das Ergebnis der Linken am Sonntag womöglich etwas näher an dem der U-18-Wahl, das diese Woche veröffentlicht wurde und die Linke mit 31 Prozent als stärkste Kraft sah, neun Punkte vor der AfD. »Das müssen wir jetzt mal ein wenig zelebrieren«, sagte die strahlende Spitzenkandidatin. Ein Grund für das gute Ergebnis unter jungen Leuten dürfte ihre eigene starke Präsenz in den sozialen Netzwerken sein, wo von Angern inzwischen zu den präsentesten Landespolitikern gehört. Der Aufwand, den sie dafür betreibt, ist enorm und hatte unter anderem zur Folge, dass die Anwältin nicht mehr wie bis 2023 wöchentlich vier Stunden für Beratungsgespräche bei der Verbraucherzentrale erübrigen kann. Das sei »gut für die Bekanntheit« gewesen, sagt von Angern, was freilich für die Präsenz auf Instagram und in anderen sozialen Medien ebenfalls gilt. Auch bei der Frage nach der Direktwahl des Ministerpräsidenten lag von Angern bei den Unter-18-Jährigen vor AfD-Frontmann Ulrich Siegmund. Wie ihre Partei am Sonntag abschneidet, hängt auch davon ab, wie viele Sachsen-Anhalter den Appellen zum taktischen Wählen folgen. Entsprechende Initiativen sollen SPD und Grünen sicher über die Fünfprozent-Hürde verhelfen, weil das die Chancen der AfD auf eine Alleinregierung verringert. Das könnte auf Kosten der Linken gehen, die in Umfragen lange stabil bei 13 Prozent gelegen hatte, zuletzt aber etwas an Zuspruch zu verlieren schien. Die Initiative »Taktisch wählen«, sagte Linke-Landeschefin Janina Böttger zu »nd«, führe Haustürgespräche »gezielt in unseren Hochburgen«. Die Organisation Campact investiere in ihre Kampagne für das strategische Wählen »mehr Geld, als wir für unseren gesamten Wahlkampf ausgeben«, fügte sie hinzu. Die »Silberlocken« raten in Bitterfeld dringend davon ab, taktisch zu wählen. Das sei »eine dieser Berliner Ideen«, die von außen ins Land getragen und von der AfD argumentativ ausgeschlachtet würden, sagt Dietmar Bartsch und spricht von einer »Unverschämtheit sondergleichen« gegenüber seiner Partei. Gregor Gysi erklärt, wer taktisch wähle, »ärgert sich anschließend fünf Jahre lang, weil die Partei, die er angekreuzt hat, dann eine Politik macht, die er nicht wollte«. Das letzte Wort auf der Bühne vorm Bitterfelder Rathaus haben freilich nicht die älteren Herren; es gehört der Spitzenkandidatin. »Ich bitte darum, taktisch zu wählen«, sagt Eva von Angern mit einem verschmitzten Lächeln: »Geben sie Erst- und Zweitstimme der Linken!« Wir haben einen Preis. Aber keinen Gewinn. Die »nd.Genossenschaft« gehört den Menschen, die sie ermöglichen: unseren Leser*innen und Autor*innen. Sie sind es, die mit ihrem Beitrag linken Journalismus für alle sichern: ohne Gewinnmaximierung, Medienkonzern oder Tech-Milliardär. Dank Ihrer Unterstützung können wir: → unabhängig und kritisch berichten → Themen sichtbar machen, die sonst untergehen → Stimmen Gehör verschaffen, die oft überhört werden → Desinformation Fakten entgegensetzen → linke Debatten anstoßen und vertiefen Jetzt »Freiwillig zahlen« und die Finanzierung unserer solidarischen Zeitung unterstützen. Damit nd.bleibt.

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4. September
ZDF heute

Es wird ernst in Sachsen-Anhalt

Update am Morgen:Es wird ernst in Sachsen-Anhalt von Johannes Lieber Guten Morgen, noch zweimal schlafen, dann ist endlich wieder Wahl. Haben Sie es schon vermisst? Wahlabende sind zumindest mein Guilty Pleasure - und so werde ich auch diesen Sonntag um 18 Uhr auf den Gong und die Ergebnisse aus Sachsen-Anhalt warten. Bis es so weit ist, kämpfen die Parteien im ehemaligen Land der Frühaufsteher noch um die letzten Stimmen. Heute versuchen beispielsweise die Grünen mit ihrem "Wahlkampfhöhepunkt" die Menschen in Halle an der Saale von sich zu begeistern. In der Studentenstadt wird auch Cem Özdemir auftreten, der in der eigenen Partei wegen seines bürgerlichen Kurses umstritten, aber bei den Wählern erfolgreich ist. Anfang des Jahres konnte er nach einer durchaus beeindruckenden Aufholjagd noch die Wahl in Baden-Württemberg gewinnen. Ihm half damals vermeintlich die maximale Distanz zu seiner eigenen Partei. Auch die CDU in Sachsen-Anhalt hat das bis zuletzt so versucht. Doch scheinbar haben die Bürger dem CDU-Spitzenkandidaten Sven Schulze diese Distanz nie wirklich abgekauft. Bundeskanzler Friedrich Merz durfte dennoch gestern zur Unterstützung anreisen. Allerdings unter Ausschluss der Öffentlichkeit - so viel Distanz muss sein. Projektion zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt Quelle: ZDFIn einem Chemiepark bei Leuna, in dem Holz in Kunststoff verwandelt wird, sprachen beide knapp zehn Minuten über diese "beeindruckende" Technologie. Fragen waren nicht zugelassen, die Bevölkerung gar nicht erst eingeladen. Nur einen kurzen Anflug von Wahlkampf hatte der Besuch, als Merz am Ende seines Presse-Statements vor der AfD warnte und für Schulze warb. Dass ausgerechnet die Grünen in Ostdeutschland auf Bühnen stehen, während er sich selbst in einem Chemieunternehmen verstecken muss, das hätte sich Friedrich Merz bestimmt anders vorgestellt. Herzliche Grüße aus Berlin, Johannes Lieber, Redakteur im ZDF-Hauptstadtstudio Wir begleiten die Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt im Liveblog. Hier finden Sie alle News, Hintergründe und Reaktionen. ZDFheute Update am Morgen:Der schnelle Nachrichtenüberblick zum Start in den Tag Kein Nachrichtenstress, keine Informationslücken: Die wichtigsten Themen des Tages, sorgfältig ausgewählt und verständlich erklärt – als Newsletter.Was heute noch wichtig ist heute journal update, 04.09.2026, 00:30 Uhr 04.09.2026 | 0:52 minIFA startet: Privatbesucher können ab heute die Elektronikmesse IFA in Berlin besuchen. Etwa 2.000 Aussteller präsentieren dieses Jahr ihre Produkte auf der Messe. Während in den Hallen technische Neuheiten, viele KI-Anwendungen und humanoide Roboter gezeigt werden, findet auf dem Außengelände unter anderem ein Konzert der Rapperin Ikkimel statt. Bürgerfest beim Bundespräsidenten: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier lädt heute zum traditionellen Bürgerfest in den Park der Villa Hammerschmidt ein. Mit der Einladung werden unter anderem rund 2.500 Ehrenamtliche aus ganz Deutschland gewürdigt. Ausführlich informiert Putin kündigt "vernichtende" Reaktion an: Nach dem Anschlag auf den Leipziger Flughafen hat Deutschland ein härteres Vorgehen gegen die russische Schattenflotte angekündigt. Droht eine Konfrontation in der Ostsee? ZDFheute live, 03.09.2026, 19:30 Uhr 03.09.2026 | 35:08 minWeitere News-Updates zur Lage und zu Reaktionen erhalten Sie jederzeit auch in unserem Liveblog zu Russlands Angriff auf die Ukraine. Sportlich in den Tag Diamond-League-Finale: Robert Farken hat sich in diesem Sommer in der Weltspitze der 1.500 Meter festgesetzt. Im Diamond-League-Finale von Brüssel will er nun beweisen, dass sein langer Atem auch gegen die Besten reicht. Grafik des Tages Quelle: Grafik: August: Super E10 und Diesel deutlich verteuert Zahl des Tages 1.413 Ciao, Berlusconi! Ab heute ist Ministerpräsidentin Giorgia Meloni die am längsten amtierende Regierungschefin Italiens seit dem Zweiten Weltkrieg. Mit 1.413 aufeinanderfolgenden Tagen im Amt übertrifft sie die bisherige Bestmarke von Silvio Berlusconi aus dem Jahr 2005. Meloni hatte im Oktober 2022 die Regierung übernommen. ZDF Auslandsjournal, 03.09.2026, 00:45 Uhr 03.09.2026 | 29:18 minEin Lichtblick "Keep it Wool": Ein Schweizer Forschungsprojekt versucht, das sommerliche Abschmelzen des Glacier 3.000 mit Schafswolle zu bremsen. Erste Ergebnisse zeigen bereits Erfolge der bizarren Mützen. ZDF heute in europa, 03.09.2026, 16:00 Uhr 03.09.2026 | 0:22 minGesagt Torsten Sträter wird heute 60 Jahre alt. Der in Dortmund geborene Comedian zählt zu den erfolgreichsten Kabarettisten Deutschlands. 2022 erhielt er zusammen mit Kurt Krömer einen Grimme-Preis in der Kategorie Unterhaltung für ein TV-Gespräch über Depressionen. Anfang des Jahres machte er eine Tumordiagnose bekannt, steht aber inzwischen wieder auf der Bühne. Scheiße drauf sein ist wie ein Tatort mit den Muppets - nicht das Gelbe vom Ei, geht aber vorbei. Depressionen hingegen sind wie alle drei Teile "Herr der Ringe". In Zeitlupe, mit Jean-Claude van Damme als Gandalf und Musik von Andrea Berg. Torsten Sträter bei 3sat Quelle: dpa/Christian Charisius Weitere Schlagzeilen - Verdächtiger Gegenstand gefunden: Mögliche Sabotage an Umspannwerk in Dormagen - Vor den US-Zwischenwahlen: Trump zieht im Streit um Briefwahl erneut vor Supreme Court - Debatte im "heute journal"-Podcast: Wird die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt eine Zeitenwende? - Thüringer CDU-Abgeordnete bei "Markus Lanz": Brandmauer wird nicht gelebt - Volkswagen: Aufsichtsrat stimmt Sanierungsplan zu - Zukunft von VW-Werken offen Die Nachrichten im Video Kurznachrichten im ZDF - immer auf dem Laufenden 04.09.2026 | 2:39 minWenn Sie unser ZDFheute Update abonnieren möchten, können Sie das hier tun oder in Ihrer ZDFheute-App unter Meine News / Einstellungen / ZDFheute-Update-Abo. So wird das Wetter heute Am Freitag zieht eine Kaltfront durch, dabei gibt es teilweise anhaltenden Regen und auch starke Gewitter, Unwetter möglich. Im Süden bleibt es trocken, mit viel Sonnenschein. Die Temperaturen steigen auf 18 bis 32 Grad. Den aktuellen Wetterbericht der ZDF-Meteorologen finden Sie jederzeit auf unserer Übersichtsseite. Zusammengestellt von Nicola Frowein Alles gut? Danke, dass Sie unser ZDFheute Update lesen! Empfehlen Sie das Briefing gerne Ihren Freunden und Bekannten - hier ist der Anmeldungs-Link. Außerdem freuen wir uns weiterhin über Ihr Feedback, was Ihnen besonders gut gefällt und was wir noch besser machen sollten, an zdfheute-feedback@zdf.de. Vielen Dank für Ihre Unterstützung!

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2. September
ZDF heute

Das Netzwerk hinter Ulrich Siegmund

AfD in Sachsen-Anhalt:Das Netzwerk hinter Ulrich Siegmund von Hagen Mikulas Ulrich Siegmund gibt sich als freundliches Gesicht der AfD. Gleichzeitig sind in Partei und Fraktion an wichtigen Stellen Personen mit rechtsextremer Vergangenheit tätig. Bei Bürgerdialogen, Familienfesten und Ausfahrten gibt sich die AfD volksnah. Ulrich Siegmund, Spitzenkandidat der Partei in Sachsen-Anhalt, wird von Anhängern als "authentisch" und "nahbar" beschrieben. Dass der Landesverfassungsschutz die AfD Sachsen-Anhalt seit 2023 als rechtsextrem einstuft, spielt für viele Besucher kaum eine Rolle. "Die normalen Meinungen der Bürger" vertrete Siegmund, so ein Teilnehmer eines Bürgerdialogs. Hinter dem Spitzenkandidaten stehen jedoch Funktionäre und Mitarbeiter mit rechtsextremer Vergangenheit oder Kontakten in das aktive rechtsextreme Milieu. David Begrich, Leiter der Arbeitsstelle Rechtsextremismus bei Miteinander e.V. in Magdeburg, sagt: Das sind Menschen, die eine politische Sozialisation im Kontext des Rechtsextremismus haben. David Begrich Sie hätten "strategisch gestaltenden Einfluss auf die Politik". Kurz vor der Landtagswahl stellten sich AfD-Kandidat Siegmund und Ministerpräsident Schulze dem TV-Duell. Gesprochen wurde vor allem über Migration, Bildung und die Wirtschaft. 27.08.2026 | 1:48 minGeschäftsführer der AfD-Landtagsfraktion Harr: Ehemaliges Mitglied der HDJ Eine Schlüsselfigur ist Patrick Harr. Er ist Geschäftsführer und Pressesprecher der AfD-Landtagsfraktion, außerdem Pressesprecher des Landesverbandes und seit 2025 Wahlkampfleiter. Siegmund würdigte ihn öffentlich als einen Mann, ohne den "das alles nicht möglich" wäre. Harr war Mitglied der inzwischen verbotenen Heimattreuen Deutschen Jugend, kurz HDJ. Die neonazistisch geprägte Organisation veranstaltete Lager mit Fahnenappellen, Geländemärschen und sogenannten Rassenkundeschulungen. 2009 verbot der damalige Bundesinnenminister die HDJ wegen ihrer dem Nationalsozialismus "wesensverwandten Ideologie". Eine Ausgabe der HDJ-Zeitschrift "Funkenflug" aus dem Jahr 2002 weist Harr die "Abteilung Beschaffung" zu. Auf schriftliche Fragen zu seiner früheren Mitgliedschaft antwortete er nicht. Wenn die AfD bei den Wahlen in Sachsen-Anhalt eine Mehrheit bekommt, will sie im Bundesland vieles umkrempeln. Was würde das für das Bundesland bedeuten? 28.08.2026 | 18:57 minNach Recherchen von CORRECTIV begleitete Harr Siegmund zu dem bundesweit bekannt gewordenen Treffen nahe Potsdam im Jahr 2023. Dort kamen unter anderem Politiker von CDU und AfD, Unternehmer sowie Vertreter der Identitären Bewegung zusammen. CORRECTIV zufolge soll Siegmund bei dem Treffen um Spenden für Wahlwerbung geworben haben. Laurens Nothdurft und Eric Kaden: Weitere frühere HDJler Auch Laurens Nothdurft hatte eine leitende Funktion in der HDJ. Er war ab 1999 zweiter Bundesführer und 2002 zeitweise Leiter der Organisation. Zudem verantwortete er deren Mitgliederzeitung. In einem Beitrag von 2003 forderte er die Leser auf, in Schule, Ausbildung, Studium und Beruf "entscheidende Positionen zu besetzen". Heute gehört Nothdurft dem Schiedsgericht der AfD an, arbeitet als Justiziar der Landtagsfraktion und ist seit 2024 AfD-Bürgermeister in Roßlau. Schriftliche Fragen zu seiner Vergangenheit in der HDJ beantwortete er nicht. Bei der Vergabe von Posten setzten manche AfD-Vertreter offenbar auf Familie, Verwandte und Bekannte. Darüber berichtete frontal bereits Anfang des Jahres. Hat sich seitdem etwas geändert? 09.06.2026 | 10:44 minEin weiteres ehemaliges HDJ-Mitglied ist Eric Kaden, Referent für Bildung, Kultur und Wissenschaft der AfD-Fraktion. Kaden promovierte über den "Blut-und-Boden"-Ideologen Richard Walther Darré. Eine von Kaden verfasste Biografie über den Waffen-SS-Obersturmführer Kurt Eggers wurde 2009 indiziert. In der Entscheidung der Bundesprüfstelle wurde das Buch als "Huldigung an den Nationalsozialismus in all seinen Facetten" bewertet. Auch Kaden beantwortete die Fragen zu seiner HDJ-Vergangenheit nicht. Identitäre sorgen im Wahlkampf für Bilder und Werbung Verbindungen in das aktuelle rechtsextreme Milieu zeigen sich auch bei der Medienarbeit. Beim AfD-Parteitag in Magdeburg verkaufte Torsten Görke unter anderem T-Shirts mit dem Konterfei Siegmunds. Görke wird im Beitrag als Aktivist der Identitären Bewegung bezeichnet, die der Verfassungsschutz als rechtsextrem einstuft. Er betreibt zudem den Onlineshop der Wahlkampagne Siegmunds. Görke gehört außerdem dem Vorstand des Vereins "Filmkunstkollektiv" an. Dahinter stecken weitere Aktivisten der rechtsextremen Identitären Bewegung, welche die Medienarbeit für Partei und Fraktion übernehmen. Das Team produziert im Wahlkampf die Bilder und Videos des Spitzenkandidaten für die sozialen Netzwerke. Seit Monaten polarisiert das sogenannte Regierungsprogramm der AfD für Sachsen-Anhalt. Kurz vor der Landtagswahl überprüft "frontal" besonders umstrittene Vorhaben: Pflege, Kultur und Bildung. 25.08.2026 | 13:22 minRechtsextremismus-Experte: Ulrich Siegmund fährt Doppelstrategie Ulrich Siegmund lobt das "Filmkunstkollektiv" als "hervorragende Mannschaft", die einen "maßgeblichen Anteil" am potenziellen Wahlerfolg habe. Fragen dazu, ob Partei oder Fraktion das Medienteam bezahlt, weicht Siegmund gegenüber dem ZDF aus. Auch weitere Interview-Bitten sowie Fragen zu ehemaligen HDJ-Mitgliedern und Rechtsextremen im Umfeld der Partei blieben unbeantwortet. Siegmund selbst erklärt, seine Grenze sei die freiheitlich-demokratische Grundordnung. David Begrich sieht darin einen Rückzug auf das Strafrecht: Alles, was nicht strafbar sei, werde ausgeblendet. Diese fehlende Abgrenzung sei Teil einer Doppelstrategie aus radikalem Programm und Personal auf der einen sowie einem freundlich auftretenden Spitzenkandidaten auf der anderen Seite. Hagen Mikulas berichtet aus dem ZDF-Landesstudio in Sachsen-Anhalt. Mehr zur Wahl in Sachsen-Anhalt - AnalyseLandtagswahl in Sachsen-Anhalt:Drei Szenarien: Wie es nach der Wahl weitergehen könntevon Luisa Houbenmit Video1:49 - FAQWeg vom Euro, raus aus Schengen:Welche Folgen die "Dexit"-Forderung der AfD hättevon Klaus Webermit Video14:04 - Vor Landtagswahl in Sachsen-Anhalt:Bürgerwacht-Plan der AfD: Experte sieht rechtliche Bedenkenmit Video2:59 - InterviewEx-SPD-Chef Gabriel über die AfD:Man kann eine "40-Prozent-Partei nicht mal eben verbieten"mit Video4:06

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2. September
Die Zeit (Politik)

Sachsen-Anhalt: So lief das Duell zwischen Siegmund und Schulze

- Wenige Tage vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt sind die Spitzenkandidaten von CDU und AfD, Ministerpräsident Sven Schulze und Ulrich Siegmund, in einem letzten Wahlduell aufeinander getroffen. - In der von der Mitteldeutschen Zeitung und der Madgeburger Volksstimme organisierten Debatte haben die beiden wahrscheinlichsten Anwärter auf das Amt des Ministerpräsidenten ihre wichtigsten Positionen dargelegt und Fragen von Lesern beantwortet. - Die 1.788.930 Wahlberechtigten in Sachsen-Anhalt stimmen am 6. September über die künftige Zusammensetzung des Landtags ab. - Weil mit der AfD erstmals eine Partei an der Regierungsbildung beteiligt sein könnte, die vom Verfassungsschutz als »gesichert rechtsextrem« eingestuft wird, wird die Wahl mit besonderer Aufmerksamkeit beobachtet. - Alle Artikel zum Thema finden Sie auf unserer Themenseite zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. - Neben eigenen Recherchen verwenden wir auch Material der Nachrichtenagenturen AP, AFP, epd, dpa, KNA und Reuters Filter Katharina James Hitziger Austausch ohne klaren Sieger 90 Minuten lang stritten Siegmund und Schulze zu den Themenbereichen Wirtschaft, Migration, Bildung, Finanzen und Regierungsbildung.  Ulrich Siegmund inszenierte sich erneut als verträgliches Gesicht der AfD. Zugleich machte er deutlich, dass er eine Alleinregierung seiner Partei anstrebt. Er wolle eine Regierung mit den politischen Kräften bilden, die Sachsen-Anhalt aus seiner Sicht seit Jahrzehnten prägten. Fragestellungen zu kontroversen Persönlichkeiten, Forderungen und Äußerungen innerhalb seiner Partei wich er aus.  Der amtierende Ministerpräsident Sven Schulze stellte sich hingegen als vernünftigen Macher dar, der unrealistische Versprechen der AfD entzaubert. Der CDU-Politiker hob insbesondere problematische Forderungen und Personalien der AfD hervor. Er warb um Stimmen für die CDU, um eine absolute Mehrheit einer Partei zu verhindern. Ministerposten für AfD und Linke schloss er aus.  Damit beenden wir unser Liveblog zur Wahlarena von Mitteldeutscher Zeitung und Magdeburger Volksstimme.  Sarah Kohler Schulze kritisiert Frauenbild der AfD Angesprochen auf das Wahlprogramm der AfD zeigt sich Schulze unter anderem vom »Frauenbild« der Partei erschreckt. Die AfD schreibe, »Frauen sollen jetzt gefälligst erst mal wieder Kinder kriegen«, kritisiert Schulze, und sollten mit ihren Kindern im besten Fall auch noch zu Hause bleiben anstatt zu arbeiten. Das sei nicht sein Standpunkt. Menschen sagten ihm, das Programm mache ihnen Angst, erzählt Schulze. Zudem schließt er erneut aus, »Juniorpartner« der AfD in einer Regierung zu werden. Zudem schließt er erneut aus, »Juniorpartner« der AfD in einer Regierung zu werden. Katharina James Siegmund will Ende der Sanktionen gegen Russland Eine Frage über die mögliche Ansiedlung einer Firma für Rüstungsgüter in dem Bundesland nutzt Siegmund als Anlass, die Forderung der AfD zu wiederholen, »nicht weiter in fremde Kriege reingezogen« zu werden. Entsprechend will er mit Blick auf Russland »zurückkommen zur Diplomatie« und die Sanktionen gegen das Land beenden, obwohl dessen Angriff auf die Ukraine »natürlich ein Kriegsverbrechen« sei.  Eine Steilvorlage für Schulze, über Hans-Thomas Tillschneider zu sprechen, Siegmunds Vize in Sachsen-Anhalt. Dieser hebt in seinem Büro eine Tasse mit dem Symbol der russischen Armee auf. »Ist das ein Zeichen Richtung Russland? Ist das das, was Sie wollen?« Eine Steilvorlage für Schulze, über Hans-Thomas Tillschneider zu sprechen, Siegmunds Vize in Sachsen-Anhalt. Dieser hebt in seinem Büro eine Tasse mit dem Symbol der russischen Armee auf. »Ist das ein Zeichen Richtung Russland? Ist das das, was Sie wollen?« Sarah Kohler Streit um die Briefwahl Siegmund unterstützt die Kritik einer Leserin an der Briefwahl. »Wie ist es möglich, dass in Magdeburg und Halle mehrere Hundert Briefwahlunterlagen doppelt ausgestellt wurden? Was ist damit? Wie will man das rückabwickeln?«, fragt er mit Blick auf eine Wahlpanne in Magdeburg. Die AfD wolle die allgemeine Briefwahl wegen möglichen Wahlbetrugs außer in Ausnahmefällen abschaffen. Schulze verteidigt die Briefwahl. Es gebe einzelne Fälle, in denen es Pannen oder gar Betrug gebe, doch die Briefwahl sei im Allgemeinen ein zentraler Weg der Wahlbeteiligung. »Wir haben aktuell circa 350.000 Menschen, die sich jetzt schon für die Briefwahl entschieden haben. Und denen allen zu unterstellen, die würden wir betrügen, das finde ich schon starken Tobak«, sagt er. »Wir sehen jetzt schon über die Briefwahl, dass diese Wahl in Sachsen-Anhalt eine Riesenbeteiligung bekommt, weil sich die Menschen auch sehr für diese Wahl nicht nur interessieren, sondern weil sie mitentscheiden wollen, wie dieses Land zukünftig regiert wird.« Die Wahlleitung in Sachsen-Anhalt hatte die Betrugsvorwürfe der AfD zurückgewiesen. Schulze verteidigt die Briefwahl. Es gebe einzelne Fälle, in denen es Pannen oder gar Betrug gebe, doch die Briefwahl sei im Allgemeinen ein zentraler Weg der Wahlbeteiligung. »Wir haben aktuell circa 350.000 Menschen, die sich jetzt schon für die Briefwahl entschieden haben. Und denen allen zu unterstellen, die würden wir betrügen, das finde ich schon starken Tobak«, sagt er. »Wir sehen jetzt schon über die Briefwahl, dass diese Wahl in Sachsen-Anhalt eine Riesenbeteiligung bekommt, weil sich die Menschen auch sehr für diese Wahl nicht nur interessieren, sondern weil sie mitentscheiden wollen, wie dieses Land zukünftig regiert wird.« Die Wahlleitung in Sachsen-Anhalt hatte die Betrugsvorwürfe der AfD zurückgewiesen. Katharina James Siegmund verteidigt Vorschlag der »Bürgerwacht« Eine Leserin hat eine Frage zum Wahlprogramm der AfD, das eine »Bürgerwacht« vorsieht. »Warum wollen Sie nicht lieber die Polizei stärken?« Siegmund verweist auf »Erfolge aus anderen Ländern«, macht aber nicht deutlich, welche Aufgaben diese übernehmen sollte. Schulze versteht den Ansatz als Zeichen des Misstrauens der AfD gegenüber der Polizei: »Ob sie das Bürgerwacht oder Bürgerwehr nennen, das ist eine Sache, die hatten wir schon mal vor vielen, vielen Jahrzehnten. Das will ich ja nicht.« Schulze versteht den Ansatz als Zeichen des Misstrauens der AfD gegenüber der Polizei: »Ob sie das Bürgerwacht oder Bürgerwehr nennen, das ist eine Sache, die hatten wir schon mal vor vielen, vielen Jahrzehnten. Das will ich ja nicht.« Sarah Kohler Schulze will Polizei ausbauen Die Moderatoren bringen jetzt noch Leserfragen mit ein. Auf eine Frage, wie die Zahl der Polizeibeamten auf 8.000 steigen soll, sagt Schulze, das Land sei bereits auf einem guten Weg. Die Zahl der 7.000 Polizeibeamten sei bereits bald erreicht. Ziel des Ausbaus der Polizeikräfte sei zum einen die Entlastung der einzelnen Angestellten, die sehr straffe Dienstpläne hätten. Zum anderen gehe es darum, dass die Menschen im ländlichen Raum Ansprechpartner hätten. Eine »Bürgerwacht«, wie sie die AfD vorschlage, lehnt er ab. Ziel des Ausbaus der Polizeikräfte sei zum einen die Entlastung der einzelnen Angestellten, die sehr straffe Dienstpläne hätten. Zum anderen gehe es darum, dass die Menschen im ländlichen Raum Ansprechpartner hätten. Eine »Bürgerwacht«, wie sie die AfD vorschlage, lehnt er ab. Faktencheck Yannick von Eisenhart Faktencheck: Stimmt Siegmunds Aussage zu Messerdelikten mit Tätern aus Syrien? Der AfD-Kandidat Ulrich Siegmund hat im Duell behauptet, bei Messerdelikten in Sachsen-Anhalt seien »30 Prozent syrischer Herkunft«. Er führte nicht aus, ob er von Verdächtigen oder verurteilten Tätern spricht. Den aktuellsten Zahlen zufolge stimmt das nicht. In der Polizeilichen Kriminalstatistik Sachsen-Anhalts für das Jahr 2025 sind 876 Messerangriffe verzeichnet. 60,1 Prozent der Tatverdächtigen sind demnach deutsche Staatsbürger, 39,9 Prozent nicht. Von diesen 39,9 Prozent der ausländischen Tatverdächtigen sind 29,6 Prozent syrischer Herkunft, nicht von den gesamten Taten. Auf die Gesamtheit der Messerangriffe bezogen sind also rund 11,8 Prozent der Tatverdächtigen Syrer. Den aktuellsten Zahlen zufolge stimmt das nicht. In der Polizeilichen Kriminalstatistik Sachsen-Anhalts für das Jahr 2025 sind 876 Messerangriffe verzeichnet. 60,1 Prozent der Tatverdächtigen sind demnach deutsche Staatsbürger, 39,9 Prozent nicht. Von diesen 39,9 Prozent der ausländischen Tatverdächtigen sind 29,6 Prozent syrischer Herkunft, nicht von den gesamten Taten. Auf die Gesamtheit der Messerangriffe bezogen sind also rund 11,8 Prozent der Tatverdächtigen Syrer. Sarah Kohler Schulze und Siegmund vorsichtig mit Blick auf Regierungsbildung Angesichts eines möglichen Regierungsauftrags nach der Landtagswahl räumt Schulze ein, dass normalerweise die Partei mit den meisten Stimmen den Ministerpräsidenten stelle. Diese Partei müsse aber eine Mehrheit organisieren, und danach sehe es in der AfD nicht aus. Man müsse aber die Ergebnisse abwarten, um Aussagen zu Regierungsbildungen zu machen, sagt Schulze. Zu einer Zusammenarbeit mit der Linken sagt Schulze, dass es in seinem Kabinett weder einen Minister von der AfD noch von der Linken geben werde. Eine mögliche Tolerierung einer von ihm geführten Regierung durch eine der Parteien schließt er damit aber nicht explizit aus. Siegmund räumt ebenfalls ein, dass die AfD für eine Regierungsbildung eine Mehrheit bräuchte. Sollte er diese nicht haben, würde er sich nicht zur Wahl stellen. Zu einer Zusammenarbeit mit der Linken sagt Schulze, dass es in seinem Kabinett weder einen Minister von der AfD noch von der Linken geben werde. Eine mögliche Tolerierung einer von ihm geführten Regierung durch eine der Parteien schließt er damit aber nicht explizit aus. Siegmund räumt ebenfalls ein, dass die AfD für eine Regierungsbildung eine Mehrheit bräuchte. Sollte er diese nicht haben, würde er sich nicht zur Wahl stellen. Hendrik Schmidt/dpa Katharina James Siegmund bezeichnet AfD-Regierung als Wirtschaftsvorteil Bei der Haushalts- und Finanzpolitik spricht Siegmund von großem Einsparpotenzial »in den Bereichen Asyl, Migration, Förderung und übrigens auch in der Verwaltung«. Eine Regierung unter AfD-Führung sei ein Anreiz für die Neuansiedlung von Betrieben, sagt er, ohne konkret zu werden. Zugleich fordert er »auf Bundesebene einen anderen Mittelzufluss in die Länder« und kritisiert die Hilfen des Bundes für andere Länder. In dem Zusammenhang wirbt er für eine Bundesregierung unter AfD-Führung. Er spekuliert, ob Friedrich Merz (CDU) sich nach der Wahl in Sachsen-Anhalt als Bundeskanzler werde halten können. Zugleich fordert er »auf Bundesebene einen anderen Mittelzufluss in die Länder« und kritisiert die Hilfen des Bundes für andere Länder. In dem Zusammenhang wirbt er für eine Bundesregierung unter AfD-Führung. Er spekuliert, ob Friedrich Merz (CDU) sich nach der Wahl in Sachsen-Anhalt als Bundeskanzler werde halten können. Sarah Kohler Schulze will an Personalkosten sparen Der CDU-Kandidat Sven Schulze greift die haushalts- und finanzpolitischen Ideen der AfD als »völlig unseriös« an. Die Kommunen bräuchten noch in diesem Jahr Sicherheit für ihre Haushaltsplanung im kommenden Jahr.  „Sie versprechen Dinge, die Sie definitiv nicht einhalten können.“Sven Schulze zum AfD-Programm Er schlage deshalb Einsparungen beim Personal vor. Es gehe nicht darum, dass es gar keine Neueinstellungen mehr geben dürfe, denn das Land müsse weiterhin gut geführt werden. Aber es solle nur jede dritte bis fünfte Stelle nachbesetzt werden, um Personalkosten zu drücken. Die hohe Verschuldungsquote Sachsen-Anhalts verteidigt er. Das Land habe eine der höchsten Investitionsquoten, sagt er. Zudem verweist er auf die Tariferhöhungen im öffentlichen Dienst, die viel Geld geschluckt hätten. Trotzdem dürfe man »keine Luftschlösser« versprechen. Die hohe Verschuldungsquote Sachsen-Anhalts verteidigt er. Das Land habe eine der höchsten Investitionsquoten, sagt er. Zudem verweist er auf die Tariferhöhungen im öffentlichen Dienst, die viel Geld geschluckt hätten. Trotzdem dürfe man »keine Luftschlösser« versprechen. Katharina James Siegmund will sich nicht zu Remigrationsforderung positionieren Moderator Eichler konfrontiert Siegmund mit der Äußerung seines Parteifreunds Dennis Hohloch, der gesagt hatte, statt 80 sollten in Deutschland lieber 60 Millionen Menschen leben. »Teilen Sie diese Einschätzung, dass jeder Vierte in diesem Land eigentlich besser raus sollte?« Siegmund bleibt vage, es gebe »unterschiedliche Perspektiven«, lobt aber prinzipiell Hohloch und dreht das Gespräch auf Geburtenzahlen und seine Kritik an der Familienpolitik. Dabei kommt ein »kurzfristiger Übergangszeitraum« zur Sprache, in dem Deutschland weniger Einwohner haben sollte. Schulze greift in das Gespräch ein: »Wenn der sagt: 20 Millionen weniger, und wenn wir schauen, in Sachsen-Anhalt haben wir neun Prozent Migrationshintergrund. Dann müssten sie alle rausschmeißen, die Migrationshintergrund haben. (…) Sehen Sie das auch so? Ja oder Nein?« Siegmund lehnt es ab, zu dem Begriff der Remigration Stellung zu nehmen. Schulze greift in das Gespräch ein: »Wenn der sagt: 20 Millionen weniger, und wenn wir schauen, in Sachsen-Anhalt haben wir neun Prozent Migrationshintergrund. Dann müssten sie alle rausschmeißen, die Migrationshintergrund haben. (…) Sehen Sie das auch so? Ja oder Nein?« Siegmund lehnt es ab, zu dem Begriff der Remigration Stellung zu nehmen. Sarah Kohler Schulze lehnt Sicherheitsvorgaben für Schulhöfe ab Die Ideen der AfD, Sicherheit auf Schulhöfen zu schaffen, stoßen bei Schulze auf Ablehnung. »Mein Ältester hat nach der zehnten Klasse die Schule verlassen, und meine anderen beiden sind noch in der Schule. Und ich möchte nicht, dass aus der Staatskanzlei heraus die Anweisung kommt, dass auf jedem Schulhof jemand mit Tränengas steht und dann einschreitet, wenn Schüler in irgendeiner Form einen Konflikt miteinander haben. Das möchte ich definitiv nicht«, sagt er. Sarah Kohler Schulze nennt Lehrermangel als Problem Bei der Bildung verweist Schulze darauf, dass der Lehrermangel stark an der Demografie hänge. Die Generation der sogenannten Boomer gehe aktuell in Rente und hinterlasse Lücken. Das Land habe bereits Tausende Lehrer neu eingestellt und werde damit weitermachen. »Wir haben in diesem Jahr schon 1.200 neue Lehrer eingestellt. Es wird auch weitergehen und genau diesen Weg«, sagt er. »Wir werden das in den Grundschulen und in Gymnasien und jetzt demnächst auch in den Sekundarschulen hinbekommen. Noch nicht im nächsten Schuljahr, das sage ich auch ganz ehrlich und offen«, sagt er, aber es werde sich bemüht. Zudem verweist Schulze auf die hohe Zahl an Förderschulen im Land, welche aber weiter unterstützt werden sollten. Auch der Wechsel von Kindern aus der achten oder neunten Klasse heraus in eine Ausbildung solle unterstützt werden. »Wir haben in diesem Jahr schon 1.200 neue Lehrer eingestellt. Es wird auch weitergehen und genau diesen Weg«, sagt er. »Wir werden das in den Grundschulen und in Gymnasien und jetzt demnächst auch in den Sekundarschulen hinbekommen. Noch nicht im nächsten Schuljahr, das sage ich auch ganz ehrlich und offen«, sagt er, aber es werde sich bemüht. Zudem verweist Schulze auf die hohe Zahl an Förderschulen im Land, welche aber weiter unterstützt werden sollten. Auch der Wechsel von Kindern aus der achten oder neunten Klasse heraus in eine Ausbildung solle unterstützt werden. Faktencheck Yannick von Eisenhart Faktencheck: Stimmen Siegmunds Aussagen zur hohen Abwanderung Deutscher? AfD-Kandidat Ulrich Siegmund will als Antwort auf den Arbeitskräftemangel ausgewanderte Deutsche aus dem Ausland zurückholen. Ungefähr drei bis vier Millionen Deutsche hätten Deutschland in »den letzten 10, 15 Jahren verlassen, davon 20 bis 30 Prozent aufgrund politischer, steuerrechtlicher Umstände«. Wenn man davon »wenige Prozente« zurückholen könnte, wäre das für Sachsen-Anhalt eine nennenswerte Größenordnung. Die Aussage zu den 20 bis 30 Prozent der Abgewanderten, die das aufgrund »politischer, steuerrechtlicher Umstände« getan hätten, lässt sich schwer belegen. Untersucht wurde die Frage nach Gründen für die Abwanderung Deutscher etwa 2018 und 2019 von der German Emigration and Remigration Panel Study des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung. Dort war mit rund 58 Prozent der meistgenannte Grund für die Abwanderung »berufliche Gründe«, gefolgt von »Gründen des persönlichen Lebenstils (besseres Klima, neue Erfahrungen machen usw.)«. Die Unzufriedenheit mit dem Leben in Deutschland folgt erst auf Platz fünf mit 17 Prozent, also zumindest für diesen Zeitraum deutlich weniger als von Siegmund behauptet. Nach Zahlen von Destatis sind von 2010 bis 2024 insgesamt rund 3,2 Millionen deutsche Staatsbürger aus Deutschland weggezogen. Siegmund spricht nicht über den Zuzug deutscher Staatsbürger im gleichen Zeitraum. Das waren im selben Zeitraum rund 2,4 Millionen. Netto ergibt sich zwischen 2010 und 2024 also lediglich eine Abwanderung von etwa 800.000 Deutschen. Nach Zahlen von Destatis sind von 2010 bis 2024 insgesamt rund 3,2 Millionen deutsche Staatsbürger aus Deutschland weggezogen. Siegmund spricht nicht über den Zuzug deutscher Staatsbürger im gleichen Zeitraum. Das waren im selben Zeitraum rund 2,4 Millionen. Netto ergibt sich zwischen 2010 und 2024 also lediglich eine Abwanderung von etwa 800.000 Deutschen. Hendrik Schmidt/dpa Katharina James Streit um Ukrainer in Sachsen-Anhalt Ulrich Siegmund hält Schulze erneut vor, Geflüchtete in Deutschland hätten es zu gut. »Wissen Sie, wie viele Ukrainer in Sachsen-Anhalt arbeiten?«, will er von Schulze wissen. Es sind 35 Prozent, weniger als in den Nachbarländern, räumt Schulze ein und verweist auf die Anstrengungen auf Bundesebene, dies zu ändern, »unter Druck auch aus Sachsen-Anhalt«.

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2. September
Süddeutsche Zeitung (Politik)

Wahl in Sachsen-Anhalt: Siegmund will Änderungen bei Verfassungsschutz

Für unseren Liveblog verwenden wir neben eigenen Recherchen Material der Nachrichtenagenturen dpa, Reuters, epd, KNA und Bloomberg. Wichtige Updates Schulze: „Keine Luftschlösser bauen“ Von „ausländischen Ärzten“, die kein Deutsch sprechen Kandidaten setzen ihre Themen - Siegmund will Verfassungsschutz neu ausrichten Weiteres Duell zwischen Spitzenkandidaten Schulze und Siegmund Ökonomen warnen vor negativen Folgen einer migrationsfeindlichen Politik Wie könnte eine Regierung aussehen? Am Ende der Themenblocks diskutieren die vier Männer die Machtfrage. Mit welchen Mehrheitsverhältnissen würden die beiden Spitzenkandidaten eine Regierung bilden? Weder Schulze noch Siegmund möchte den Wahlergebnissen vorgreifen. Siegmund hätte gerne eine Mehrheit von mehr als zwei Sitzen im Parlament für seine Partei, um „Geschichte zu schreiben“. Schulze, deutlich bescheidener, will weder mit AfD noch mit Linken eine Regierung bilden, aber ist nach eigenen Aussagen dennoch für Koalitionen mit allen anderen offen. Wie das mit den aktuellen Umfrageergebnissen gelingen sollte, fragen die Moderatoren leider nicht. Schulze: „Keine Luftschlösser bauen“ Weiter geht es in Halle mit den Themen Bildung und Haushalt. Schulze nennt viele der Aussagen Siegmunds „unseriös“ und „unrealistisch“ – besonders die teuren Versprechen, die die AfD macht, ohne zu sagen, wie sie etwa kostenlose Kitaplätze oder Schulessen finanzieren will. Das Land Sachsen-Anhalt ist verschuldet, wie auch die Moderatoren mehrfach betonen. Schulze weist bei der Verschuldung auf äußere Faktoren hin und sagt: „Wir dürfen im Wahlkampf keine Luftschlösser bauen“. Da stimmt ihm der Herausforderer sogar zu, vermisst aber einen „langfristigen Plan für dieses Land“. Schulze zeigt Grenzen der Landespolitik auf Was kann ein Ministerpräsident Sachsen-Anhalts überhaupt entscheiden, ist eine wiederkehrende Frage des Wahlkampfs. Die AfD hält sich gerne an Themen, die eigentlich in den Zuständigkeitsbereich des Bundes gehören und suggeriert aber eine Untätigkeit der Landesregierung. So möchte Siegmund die Spritpreise senken, in dem er Steuerabgaben senkt und hält symbolisch eine Tankquittung in die Kamera. Schulze bleibt nicht viel, außer dem Mitbewerber erneut zu erklären, dass er sich für das Amt des Ministerpräsidenten bewirbt – und was das für die Umsetzung seiner politischen Agenda bedeutet. Siegmund will mehr Abschiebungen „Alles ist möglich“, wenn es um das Thema Abschiebung geht, sagt Siegmund, und greift dazu auch gern die unter seinen Parteikollegen beliebte Aussage auf, „bis die Landebahnen glühen“. CDU-Ministerpräsident Schulze hält dagegen, dass das kein Thema der Landespolitik sei und die Bundesregierung ohnehin schon eine Reihe verschärfter Maßnahmen erlassen habe. Der Frage, wie Siegmund Staaten in aller Welt dazu bringen will, abgeschobene Asylsuchende aus Deutschland überhaupt wieder aufzunehmen, weicht er allerdings aus.  Von „ausländischen Ärzten“, die kein Deutsch sprechen Lange hat es nicht gedauert, bis die Moderatoren die Diskussion zum AfD-Lieblingsthema, der Zuwanderung, lenken. Zwischen Schulze und Siegmund entspinnt sich eine Diskussion, was „kulturfremd“ – ein Wort aus dem Wahlprogramm der AfD – bedeuten soll und wie die „ausländischen Ärzte und Pflegekräfte“ in das AfD-Konzept passen. Siegmund wirft wiederholt die Frage auf, wie ein Arzt, der kein Deutsch spricht, denn einen Patienten behandeln solle. Hier wäre vielleicht der direkte Faktencheck der Moderatoren gut gewesen, ob es davon in Magdeburg oder Halle an der Saale tatsächlich eine nennenswerte Anzahl gibt. Was tun gegen den Fachkräftemangel? Der erste Themenblock ist die Wirtschaftslage des Bundeslandes und vor allem der von Wirtschaftsverbänden beklagte Arbeitskräftemangel. AfD-Kandidat Siegmund will die Verwaltung abbauen, damit wieder mehr Mitarbeiter der freien Wirtschaft zur Verfügung stehen. Außerdem will er ins Ausland ausgewanderte Deutsche nach Sachsen-Anhalt holen – und gleich noch prophylaktisch verhindern, dass all jene, die es ebenfalls in die Ferne zieht, ihren Plan umsetzen. CDU-Mann Schulze setzt klassisch auf die Zuwanderung in den Arbeitsmarkt, egal woher. Und bewirbt noch einmal die Leistung seiner Partei: eine ohnehin schon deutlich gesenkte Arbeitslosenquote.  Kandidaten setzen ihre Themen - Siegmund will Verfassungsschutz neu ausrichten Das Duell der Spitzenkandidaten Sven Schulze (CDU) und Ulrich Siegmund (AfD) beginnen die Moderatoren Michael Bock, stellvertretender Chefredakteur der Volksstimme, und Hagen Eichler, Landtagskorrespondent der Mitteldeutschen Zeitung, mit einer kleinen Vorstellung der Kandidaten und der Aufgabe für diese, drei von den Moderatoren angeführte Sätze zu vollenden. Keine leichte Aufgabe für Politiker, die einen Satz gewohnheitsmäßig lieber mit einem kleinen Monolog abschließen. Aber es fallen schon mal wichtige Stichwörter. AfD-Mann Siegmund möchte die „Sprache des Volkes wieder sprechen“ und den „Verfassungsschutz von Sachsen-Anhalt auf seine eigentliche Grundaufgabe zurückführen, Straftäter, Terroristen und Gewalttäter aus dem Verkehr zu holen, beispielsweise bevor sie in Weihnachtsmärkte fahren, und nicht mehr die Opposition zu bekämpfen.“ Seine Partei wird vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft, was die AfD immer wieder als ungerechtfertigt anprangert. CDU-Ministerpräsident Schulze will die Rente mit 63 trotz Bundestagsbeschluss erhalten und außerdem „liefern statt labern“. Anna Schimpp Weiteres Duell zwischen Spitzenkandidaten Schulze und Siegmund Um 13.30 Uhr stehen sich die Spitzenkandidaten Sven Schulze (CDU) und Ulrich Siegmund (AfD) erneut im Wahlkampf gegenüber. Das Duell wird von der Mitteldeutschen Zeitung (MZ) und der Volksstimme veranstaltet und kann dort online im Livestream verfolgt werden. Vorab konnten Leser von MZ und Volksstimme Fragen an die Spitzenkandidaten einsenden.  Bereits vergangenen Mittwoch trafen der CDU-Ministerpräsident Schulze und sein Herausforderer Siegmund in einer TV-Debatte in der MDR-Sendung „Fakt ist!“ aufeinander. Zu Beginn des Duells stellte der Moderator Gunnar Breske fest, dass der Ton „sehr rau“ sei. Bereits vergangenen Mittwoch trafen der CDU-Ministerpräsident Schulze und sein Herausforderer Siegmund in einer TV-Debatte in der MDR-Sendung „Fakt ist!“ aufeinander. Zu Beginn des Duells stellte der Moderator Gunnar Breske fest, dass der Ton „sehr rau“ sei. „Die Menschen, mit denen Sie sich umgeben, sind sehr gefährliche, sehr extreme Menschen.“Sven Schulze (CDU) Schulzes Aussage, dass sich der AfD-Mann Siegmund mit „sehr gefährlichen“ Menschen umgebe, folgte auf die Diskussion um die Bezeichnung von Politkern als „Flachzangen“. AfD-Vorsitzende Alice Weidel hatte die Mitglieder der Bundesregierung so bezeichnet. Die Bundeschefs der Parteien blieben auch weiterhin Thema der Diskussion. So bezeichnete Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Schulze seinem Kontrahenten Siegmund als Marionette von Weidel. Doch auch der Herausforderer Siegmund traf womöglichen einen wunden Punkt, als er sein Gegenüber auf den unbeliebten Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) ansprach. Die Debatte bewegte sich vor allem in der zweiten Hälfte zu inhaltlich sachlicheren Themen hin. Neben Wirtschaft und Bildung wurde auch das umstrittene Thema Migration diskutiert. So lief das vergangene TV-Duell zwischen Schulze und Siegmund im MDR: So bezeichnete Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Schulze seinem Kontrahenten Siegmund als Marionette von Weidel. Doch auch der Herausforderer Siegmund traf womöglichen einen wunden Punkt, als er sein Gegenüber auf den unbeliebten Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) ansprach. Die Debatte bewegte sich vor allem in der zweiten Hälfte zu inhaltlich sachlicheren Themen hin. Neben Wirtschaft und Bildung wurde auch das umstrittene Thema Migration diskutiert. So lief das vergangene TV-Duell zwischen Schulze und Siegmund im MDR: Anna Schimpp SPD-Innenminister Maier: AfD-Innenminister wäre „eklatantes Sicherheitsrisiko“ Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD) warnt vor negativen Folgen eines möglichen AfD-Innenministers im Nachbarland Sachsen-Anhalt. Gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) sagte Maier:  „Sollte in Sachsen-Anhalt ein Innenminister der AfD ins Amt kommen, wäre das aus meiner Sicht ein eklatantes Sicherheitsrisiko für die Bundesrepublik.“Georg Maier (SPD) Ein Innenminister der in einigen ostdeutschen Bundesländern als gesichert rechtsextrem eingestuften Partei hätte dann Zugang zu hochgeheimen Informationen, „zum Beispiel im Bereich Spionageabwehr, aber auch Rechtsextremismus“. Deshalb sollte in Erwägung gezogen werden, bestimmte Informationen für diese Bereiche im Rahmen des Verfassungsschutzverbunds von Bund und Ländern nicht mehr dem Landesamt für Verfassungsschutz in Sachsen-Anhalt zur Verfügung zu stellen.  Lesen Sie mehr zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: Lesen Sie mehr zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: Ökonomen warnen vor negativen Folgen einer migrationsfeindlichen Politik Eine ausländerfeindliche Politik nach der Landtagswahl könnte die Wirtschaft des Bundeslandes einer Studie zufolge teuer zu stehen kommen. Tausende Arbeitsplätze und eine Wertschöpfung von bis zu 3,2 Milliarden Euro könnten verloren gehen, wie das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) nach einer Studie mitteilte. „Eine fremdenfeindliche Politik würde die Arbeitskräfteknappheit in Sachsen-Anhalt deutlich verschärfen“, sagte IWH-Präsident Reint Gropp. „Wenn die Politik Stimmung gegen Zuwanderung macht, werden Tausende zusätzliche Stellen unbesetzt bleiben. Das Land würde spürbar an Wohlstand verlieren.“ Meinungsumfragen sehen die AfD als stärkste Partei, die einen drastischen Kurswechsel in der Migrations- und Asylpolitik anstrebt. Den Berechnungen der Forscher zufolge würden dem Bundesland bis zum Ende der nächsten Legislaturperiode 2031 bei einer Fortführung der aktuellen Politik bereits 32 000 Beschäftigte fehlen. Bei einer migrationsfeindlichen Politik würde diese Lücke auf 46 000 anwachsen. Besonders betroffen wären Branchen, in denen bereits heute ein hoher Ausländeranteil und ein bundesweiter Fachkräftemangel zusammenkommen. Dazu zählen die Lebensmittelzubereitung, die Gastronomie, der Tiefbau, die Logistik sowie die Human- und Zahnmedizin. Die Forscher heben hervor, dass in Sachsen-Anhalt bereits heute jeder fünfte Arzt keinen deutschen Pass hat. Lesen Sie dazu das SZ-Interview mit Reint Gropp, in dem er eindringlich vor einer AfD-Regierung warnt: „Eine fremdenfeindliche Politik würde die Arbeitskräfteknappheit in Sachsen-Anhalt deutlich verschärfen“, sagte IWH-Präsident Reint Gropp. „Wenn die Politik Stimmung gegen Zuwanderung macht, werden Tausende zusätzliche Stellen unbesetzt bleiben. Das Land würde spürbar an Wohlstand verlieren.“ Meinungsumfragen sehen die AfD als stärkste Partei, die einen drastischen Kurswechsel in der Migrations- und Asylpolitik anstrebt. Den Berechnungen der Forscher zufolge würden dem Bundesland bis zum Ende der nächsten Legislaturperiode 2031 bei einer Fortführung der aktuellen Politik bereits 32 000 Beschäftigte fehlen. Bei einer migrationsfeindlichen Politik würde diese Lücke auf 46 000 anwachsen. Besonders betroffen wären Branchen, in denen bereits heute ein hoher Ausländeranteil und ein bundesweiter Fachkräftemangel zusammenkommen. Dazu zählen die Lebensmittelzubereitung, die Gastronomie, der Tiefbau, die Logistik sowie die Human- und Zahnmedizin. Die Forscher heben hervor, dass in Sachsen-Anhalt bereits heute jeder fünfte Arzt keinen deutschen Pass hat. Lesen Sie dazu das SZ-Interview mit Reint Gropp, in dem er eindringlich vor einer AfD-Regierung warnt: Merz beklagt Spaltungsversuch Bundeskanzler Friedrich Merz hat Spekulationen zurückgewiesen, dass er bei einem Debakel für die CDU bei den bevorstehenden Landtagswahlen von der eigenen Partei aus dem Amt gedrängt werden könnte. In einem Interview der Mitteldeutschen Zeitung und der Magdeburger Volksstimme wertete der CDU-Vorsitzende solche Äußerungen als Spaltungsversuch von außen. „Das Ergebnis einer Landtagswahl gefährdet nicht die Stabilität der Bundesregierung. “Bundeskanzler Friedrich Merz Auf die Frage, ob er angesichts der Spekulationen um sein Amt fürchte, sagte Merz: „Nein. Da wird von außen versucht, einen Keil in die Union zu treiben. Das Ergebnis einer Landtagswahl gefährdet nicht die Stabilität der Bundesregierung.“  Viel Interesse an Briefwahl in Sachsen-Anhalt Vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt an diesem Sonntag gibt es viel Interesse an der Briefwahl. Bis zum 25. August wurden schon an rund 335 000 der rund 1,69 Millionen Wahlberechtigten Unterlagen dazu ausgegeben – das entspricht einem Anteil von rund 20 Prozent. Das sind mehr als die knapp 315 567 Menschen, die bei der Landtagswahl vor fünf Jahren per Brief abgestimmt haben, wie das Statistische Landesamt in Halle mitteilte. Vergangene Woche hatte der AfD-Vorsitzende Tino Chrupalla gemutmaßt, bei der Briefwahl könnte nicht alles mit rechten Dingen zugehen. Daraufhin hatte Landeswahlleiterin Christa Dieckmann Spekulationen zurückgewiesen, die Briefwahl sei unsicher und leicht manipulierbar. Diese Behauptungen, egal von wem erhoben, seien nicht neu. Vergangene Woche hatte der AfD-Vorsitzende Tino Chrupalla gemutmaßt, bei der Briefwahl könnte nicht alles mit rechten Dingen zugehen. Daraufhin hatte Landeswahlleiterin Christa Dieckmann Spekulationen zurückgewiesen, die Briefwahl sei unsicher und leicht manipulierbar. Diese Behauptungen, egal von wem erhoben, seien nicht neu. Willkommen im SZ-Liveblog Am kommenden Sonntag wird in Sachsen-Anhalt ein neues Parlament gewählt. Was die Wahl bundesweit hochrelevant macht: Die AfD steht aktuell bei mehr als 40 Prozent – und ist somit einer möglichen Regierungsverantwortung in einem deutschen Bundesland so nah wie noch nie. In den kommenden Tagen finden Sie, liebe Leserinnen und Leser, hier alle wichtigen Nachrichten rund um die Landtagswahl und am Sonntag werden wir Sie an dieser Stelle mit Hochrechnungen, Auszählungen und ersten Erkenntnissen zu den Ergebnissen versorgt.

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2. September
Handelsblatt

Vor der Wahl in Sachsen-Anhalt: Duell Schulze vs. Siegmund – AfD will Geheimdienst umbauen

Vor der Wahl in Sachsen-Anhalt: Duell Schulze vs. Siegmund – AfD will Geheimdienst umbauen Halle. Vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am Sonntag hat AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund im Fall eines Wahlsiegs einen Umbau der Sicherheitsbehörden angekündigt. Den Landesverfassungsschutz werde er „auf seine eigentliche Grundaufgabe zurückführen, Straftäter, Terroristen und Gewalttäter aus dem Verkehr zu holen, beispielsweise bevor sie in Weihnachtsmärkte fahren, und nicht mehr die Opposition zu bekämpfen“, sagte er in einem von „Volksstimme“ und „Mitteldeutscher Zeitung“ veranstalteten Duell. Seine Partei wird vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft, was die AfD immer wieder als ungerechtfertigt anprangert. Schulze: „Ich habe ein gutes Rückgrat“ Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) kündigte an, sich weiter dafür einzusetzen, dass die abschlagsfreie Frührente nach 45 Beitragsjahren erhalten bleibt – trotz eines Machtworts von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) in der Debatte. Die sogenannte Rente mit 63 müsse deshalb bleiben, „weil wir hier gerade in Ostdeutschland andere Biografien haben als in Westdeutschland. Und ich weiß, das findet nicht jeder gut, dass ich mich da sehr stark für einsetze, aber ich habe ein gutes Rückgrat, ein starkes Rückgrat. Und ich werde das genau auch weiter zu meinem Thema in Berlin machen.“ Aktuell regiert in Sachsen-Anhalt eine Koalition aus CDU, SPD und FDP. Das Bündnis wird aber allen Umfragen zufolge seine Mehrheit verlieren. Mit Abstand stärkste Kraft dürfte die AfD werden. Die vom Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestufte Partei strebt eine Alleinregierung an. Wenn sich eine von der CDU angeführte Minderheitsregierung bildet, könnte sie auch auf Stimmen der Linken angewiesen sein – ähnlich wie in Sachsen und Thüringen. Das politische Problem: Die CDU lehnt für sich in einem Parteitagsbeschluss eine Koalition oder ähnliche Formen der Zusammenarbeit mit den Linken ebenso ab wie mit der AfD.

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2. September
taz (Öko & Co)

Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: Der Wohlfühlwahlkampf der AfD

Landtagswahl in Sachsen-Anhalt : Der Wohlfühlwahlkampf der AfD Die AfD weiß, wie man Wähler gewinnt: mit Positivismus. Sie verkauft ihre radikale Agenda ohne Radikalität und schafft so eine emotionale Bindung. U lrich Siegmund ist ein Geschenk für die AfD. Lange Zeit fehlte der Partei eine charismatische Person. Weidel ist zu wütend, Chrupalla zu blass, Höcke zu böse. Insgesamt war die Parteikommunikation vergangener Jahre von düsteren Botschaften und Untergangsrhetorik geprägt. Die Wahlkampagnen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern sind anders. Eine positive Tonalität und hell-warme Ästhetik überstrahlt die menschenverachtende Ideologie. Dieser strategische Kurswechsel deutete sich schon 2024 im Thüringer Wahlkampf an. Der damalige Claim „Der Osten machts“ sollte eine gemeinsame Gewinneridentität schaffen, Höcke inszenierte sich damals schon mit Simson-Ausfahrten. Aber Höcke ist eben Höcke – zu viele Menschen wollten ihn nicht als Ministerpräsidenten haben. Siegmund ist deutlich populärer, anschlussfähig bis tief in die Mitte. Es muss auf sein neonazistische Umfeld verwiesen werden, weil man den Typ Schwiegersohn mit Dauergrinsen selbst nicht zu fassen bekommt. Sein Kampagnenslogan lautet „Alles ist möglich“, die Plakate sind mit einem KI-generierten Sonnenaufgang als Hintergrund gestaltet, darauf Botschaften wie „Wieder normal leben“, „Wieder sagen, was man denkt“, „Das Land retten“ oder „Die besten Schulen der Welt“. Wobei man gleichzeitig die Abschaffung der Schulpflicht (genannt „Schulzwang“) fordert. Das Wahlprogramm beschreibt nichts weniger als den Umbau Sachsen-Anhalts hin zu einer illiberalen Enklave innerhalb Deutschlands: Moderne Familienmodelle werden abgelehnt, Bürger mit Behinderung abgewertet und „kulturfremde“ Mitmenschen weitestgehend verbannt. ist Kommunikationswissenschaftler, Politikberater und Autor zahlreicher Bücher. Siegmund vertritt diese radikale Agenda, aber tritt nicht radikal auf. Im Gegenteil, er hüllt die radikalen Positionen in persönliche Geschmeidigkeit, demonstrative Freundlichkeit und geübte Relativierung – alles sei nur „gesunder Menschenverstand“. Inhalte spielen bei seinen Auftritten eh kaum eine Rolle, die Verpackung macht das Produkt. Sie lässt sich längst nicht mehr als Selbstverharmlosung abtun, sie ist völkischer Visionismus. Siegmund ist damit der Prototyp des Feel-Good-Rechtsradikalen. Seine Auftritte sind dynamisch, seine gute ist Laune ansteckend und seine Worte sind motivierend. Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten linken Meinungsspektrums. In Mecklenburg-Vorpommern hat Leif-Erik Holm nicht dieselbe Strahlkraft, ist aber als ehemaliger Radiomoderator in der Region bekannt und beliebter als der durchschnittliche AfD-Kandidat. Mit Siegmunds Social-Media-Reichweite kann Holm nicht mithalten. Die Clips auf Siegmunds Kanälen, produziert von der rechtsextremen Propagandaagentur Filmkunstkollektiv, schaffen eine moderne Bewegungsästhetik, vermitteln Gemeinschaft, Stärke und Aufbruch. Die positive Bildsprache ist nur ein Element des AfD-Wohlfühlwahlkampfes. Nach den Wahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern droht erstmals eine AfD-Regierung. Die taz berichtet, was auf dem Spiel steht – und wer jetzt die Demokratie verteidigt. Alle Texte zur Serie finden Sie hier. Hinzu kommt die Eventisierung. Die Veranstaltungen heißen „Familien-“, „Bürger-“ oder „Sommerfest“, neuerdings auch „Heimatrausch“. Meist gibt es Musik, Bratwurst, Bier, manchmal Popcorn. Und natürlich den Motivator Siegmund, der sich mit Selfies in den Smartphones unzähliger Anhänger einnistet. Die selbstermächtigende Botschaft lautet nicht mehr nur, dass man „unser Land retten“ werde, sondern Vorhut einer vermeintlichen Demokratiebewegung sei, ausgehend von Ostdeutschland die gesamte Bundesrepublik quasi redemokratisieren werde. Durch Remigrieren und Redemokratisieren in die gute alte Zeit zurück. Siegmund und Holm versprechen beide: „Wir werden Geschichte schreiben.“ Damit gelingt es der AfD, ihre demokratiefeindliche Ideologie zu euphorisieren, ästhetisieren und eventisieren. Doch die AfD präsentiert eben nicht nur sich selbst in einem positiven Licht, sondern macht auch ihre Wählerinnen und Wähler zum Teil dieser Gemeinschaft von Stolz und Zuversicht. Was in Sachsen-Anhalt derzeit erprobt wird, soll perspektivisch im ganzen Land ausgerollt werden: Laut einem internen Strategiepapier der Bundestagsfraktion will sie mit Blick auf ihre Kernwähler „ein positives Bild dieser Gruppe entwerfen, beispielsweise Arbeiterschaft als eigentliche Leistungsträger, Ostdeutsche als Avantgarde von Demokratie und Freiheit, Landbevölkerung als Träger guter traditioneller Werte, junge Deutsche als Hoffnungsträger einer besseren Zukunft“. Ziel: „Daraus soll ein gemeinsames Zielimage der AfD als freiheitlich-konservative Volkspartei entwickelt werden, das eine Klammer um ihre Wählerkoalition legt.“ Strategie der Partei ist das eine, Wirkung bei der Zielgruppe etwas anderes. Daten der Konrad-Adenauer-Stiftung zeigen, dass die Wählerinnen und Wähler der AfD tatsächlich Hoffnung mit der Partei verbinden. Interessant ist dabei die intensive Ausprägung der AfD-Hoffnung: Bei Vergleichen von Hoffnungswerten kommt die AfD auf den höchsten Wert. Sie ist Hoffnungsträgerin für ihre Anhängerschaft, Gegenentwurf zur Ohnmacht der anderen, kurz: Sehnsuchtsort. Diese emotionale Bindung ist so kraftvoll, dass sie materielle Interessen locker übertrumpfen kann. Es gibt reihenweise Studien, die für die Steuer-, Sozial-, Klima- und Wirtschaftspolitik centgenau nachrechnen, wie viel die AfD-Wählenden weniger im Geldbeutel haben, sollte das Programm ihrer Partei umgesetzt werden. Subtext solcher Studien: „Wie dumm kann man eigentlich sein?“ Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung nannte eine solche Studie „Das AfD-Paradox“. Paradox wäre das Wahlverhalten allerdings nur, wenn die AfD-Wählenden nach rein ökonomischem Nutzen wählen und vollständig informiert sind. Beides muss bezweifelt werden. Denn so verhalten sich die Wählerinnen und Wähler anderer Parteien auch nicht. Kulturelle Themen sind den AfD-Anhängern ohnehin wichtiger als die ökonomischen, und die AfD verwebt in ihrem Kulturkampf beide Felder miteinander. Am Ende dürfte sie vor allem die emotionale Aufwertung anlocken. Das Identitätsangebot ist die Rationalisierungsvorlage für eine Wahlentscheidung, die nach anderen Kriterien irrational sein mag. Demnächst erscheint zum Thema im Dietz-Verlag die komplett überarbeitete Neuausgabe des Buchs von Johannes Hillje „Propaganda 4.0 – Wie rechte Populisten Brandmauern einreißen“. Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? 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1. September
taz (Öko & Co)

Radikales AfD-Netzwerk: Der Sunnyboy des Rechtsextremismus

Radikales AfD-Netzwerk: Der Sunnyboy des Rechtsextremismus Ulrich Siegmund will in Sachsen-Anhalt AfD-Ministerpräsident werden. Wie radikal würde er regieren? Sein Werdegang und sein Umfeld geben Aufschluss. M artin Reichardt steht für seine Grußrede bei der AfD-Jugend zwischen ein paar Eichenbäumen aus Plastik und Deutschlandfahnen auf der Bühne des Alten Theaters in Magdeburg. Nur noch wenige Tage sind es bis zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt und der 57-jährige Landeschef wird in seiner Partei als Teil einer möglichen AfD-Regierung gehandelt, unter einem Ministerpräsidenten Ulrich Siegmund. Besonders ministrabel wirkt er an diesem Samstag allerdings nicht. Mit weit aufgerissenem Mund brüllt Reichardt regelrecht: Vater Staat sei heute leider ein „nach Dope stinkender fauler Assi“. Er bekomme sein Geld von der Friedrich-Ebert-Stiftung, „um regelmäßig mit seinen Freunden vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu saufen und die Internationale zu lallen!“ Die stramm gescheitelte AfD-Jugend brüllt vor Lachen. Reichardt schraubt das Niveau noch weiter nach unten: Die Muttersprache sei „ein aufgedunsenes intersektional-feministisches Flittchen“, deren grüne Haare stets zerzaust seien, „weil Vater Staat sie dreimal täglich durchgendert!“. Die AfD wolle der „verlotterten Linken“ das „Sorgerecht für Deutschland entziehen“, ruft Reichardt. Die AfD-Jugend johlt. Der Parteinachwuchs will der AfD Sachsen-Anhalt mit ihrem Bundeskongress in Magdeburg noch einmal Rückenwind im Landtagswahlkampf verschaffen. Als Höhepunkt des Tages hat sie dafür natürlich auch den Spitzenkandidaten Siegmund eingeladen. Als dieser nach Reichardt die Bühne betritt, gibt es Standing Ovations – und von Siegmund erst mal ein demonstratives Lob für den ausfälligen Auftritt seines Landeschefs. „Ich höre, Martin Reichardt hat sehr klare und notwendige Worte gefunden!“, sagt er grinsend und erntet frenetischen Jubel. Noch lauter wird es, als Siegmund gegen die „Fake News“ vom Leder zieht und verspricht, als erste Amtshandlung den Rundfunkstaatsvertrag zu kündigen. Nach seiner kurzen Rede kann er sich vor Selfies kaum retten und signiert reihenweise Spiegel-Cover mit seinem Foto drauf, zusammen mit der Überschrift: „Der gefährlichste Mann Deutschlands“. Verfassungsfeindliche Parolen Siegmunds Heimspiel bei der Parteijugend ist ein Schulterschluss mit einem der radikalsten Teile der Partei: Neben Reichardts Tiraden wurde auf dem Jugendkongress bejubelt, dass Deutschland auch mit 60 Millionen Menschen gut leben könne, die EU „antiweiß“ besetzt sei und dass es mehr brauche als den Besitz der Staatsangehörigkeit, um Europäer zu sein. Siegmund geht nicht auf Distanz zu diesen verfassungsfeindlichen Parolen. Er betont, dass er selbst in der Jungen Alternative gewesen sei, die schon vor Jahren als gesichert rechtsextrem eingestuft war und deswegen aufgelöst wurde. Und mit dabei in Magdeburg ist auch Simon Kaupert, der hinter den Kulissen Teil der Kongressregie ist. Sonst ist er fester Teil von Siegmunds Wahlkampfteam – zuständig mit seinem Filmkunstkollektiv für Fotos und aufwändige Wahlkampfvideos, reicht zur Not Siegmund auch mal ein Taschentuch, falls der ins Schwitzen kommt. Auch Kauperts Vita ist einschlägig: Er ist ein früherer Aktivist der Identitären, der Vordenker des „Remigrations“-Konzepts, wie sie die massenhafte Ausweisung von Migranten nennen. Sein Filmkunstkollektiv, eine Medienagentur von Rechtsextremen für Rechtsextreme, ist auf dem Kongress auch mit einem Stand präsent. Im Saal sitzt zudem Götz Kubitschek, der rechtsextreme Vordenker aus Schnellroda, den Siegmund zuletzt beim AfD-Bundesparteitag in Erfurt breit strahlend begrüßte, ihm auf den Rücken klopfte. Und der der taz erzählt, dass er im Austausch mit der Arbeitsgruppe gestanden habe, die das Wahlprogramm für Siegmunds AfD-Verband verfasst hat. Die Radikalen, mit denen sich Siegmund unbeschwert im Magdeburger Theater umgibt, sie passen eigentlich nicht zu der Kampagne, mit der er gerade durchs Land zieht. Allein steht er da auf Bühnen, bei Großkundgebungen oder bei Simson-Fahrten, immer bestens gelaunt, siegesgewiss, Typ harmloser Schwiegersohn. Nur wenige Tage noch, dann will Siegmund mit der AfD hier die absolute Mehrheit erringen. Gelingt das, wäre es ein Novum in der Bundesrepublik: Erstmals seit 1945 würde wieder eine rechtsextreme Partei in einem deutschen Bundesland regieren. Noch ist es nicht so weit – und mit zuletzt steigenden Umfragewerten von Grünen und SPD könnte das Wahlergebnis auch schlechter ausfallen. Aber um zu verstehen, was mit einem AfD-Ministerpräsidenten Siegmund droht und wie radikal der vermeintliche Sunnyboy auftreten würde, muss man auf seinen Werdegang und sein Umfeld schauen. Und dann ist die Antwort eindeutig. Es scheint wie ein weiter Weg, den Siegmund bis in dieses Umfeld gegangen ist. Aber vielleicht war der Weg auch gar nicht so weit. Geboren wurde Siegmund 1990 in Havelberg, wenige Wochen nach der Wende. Er wuchs in Tangermünde auf, einer 10.000-Einwohnenden-Stadt im Norden Sachsen-Anhalts. Nach der Ausbildung zum Handelskaufmann und Fernstudium geht er nach Berlin, gründet dort eine Firma, die Innenräume beduftet, auch „gendersensitiv“, um die dortige Stimmung zu verbessern. Mit 19 Jahren tritt Siegmund in die CDU ein, wird Mitglied der Jungen Union. Siegmund sei im lokalen CDU-Verband lange nicht aufgefallen, heißt es dort. Dann sei er plötzlich aufgetaucht und habe in den Vorstand gewollt. So laufe das aber nicht, wenn man gerade erst anfange, da müsse man sich erst Verdienste erarbeiten. Siegmund wurde letztlich nicht gewählt. Danach, so heißt es in der CDU, sei er „einfach weg“ gewesen. Stattdessen taucht Siegmund 2014, nun 24 Jahre alt, bei der AfD auf. Der Landesverband Sachsen-Anhalt war erst ein Jahr zuvor gegründet worden. Wo dieser politisch steht, macht schon ihr damaliger Anführer klar: André Poggenburg. Der verbrüdert sich früh mit Björn Höcke, dem Thüringer Parteirechtsaußen. Beide gründen den völkischen „Flügel“ in der Partei, der eine „grundsätzliche politische Wende in Deutschland“ fordert, weg vom „Verrat an den Interessen unseres Volkes“. Poggenburg beschimpft den früheren Vizechef des Zentralrats der Juden Michel Friedman als „schleimiges Etwas“, besucht schon damals Götz Kubitschek in Schnellroda und plädiert für dessen AfD-Eintritt. Mehrere AfD-Kreisvorsitzende treten damals aus Protest gegen diesen Kurs und wegen Poggenburgs Umgang mit Kritikern aus der Partei aus. Ulrich Siegmund aber stört all das nicht. Er legt jetzt erst richtig los. Er sei „grundlegend konservativ“, sagt Siegmund damals der Volksstimme. Bei der CDU sei er aber auf „eingefahrene Wege und Koryphäen gestoßen“, habe sein Kreuz schon bei der Bundestagswahl 2013 bei der AfD gemacht. Nach dem Einstieg bei der AfD hält Siegmund anfangs zum Parteivize Jörg Meuthen, nennt Höcke jemanden, der in der Partei „aus dem Durchschnitt schlägt“. Von rechtsextremen Kameradschaften, mit denen sein Landeschef Poggenburg damals schon auf die Straße geht, distanziert er sich anfangs noch. Zugleich aber tut Siegmund die AfD-Austritte ab: Nun herrsche eine „tiefere Einigkeit“ in der AfD. Und schon damals äußert auch er sich brachial. Merkel wirft Siegmund schon 2016 eine „diktatorische Politik“ und „Maulkorbpolitik“ vor. Auf seinem Facebookprofil kommentiert er die Nachricht über einen Mann, der seinen Hund aussetzte: „Erschießen wäre zu soft.“ Und in der AfD macht Siegmund die Karriere, die ihm in der CDU versagt blieb. Er wird Teil des Kreisvorstands in Stendal, zieht 2016 auch in den Landesvorstand und den Landtag ein. Dort wird Siegmund gesundheitspolitischer Sprecher der AfD-Fraktion und übernimmt den Vorsitz im Sozialausschuss. Und widmet sich auch einem anderen Thema: vermeintlich linken Vereinen. Schon 2018 stellt Siegmund mit der AfD-Fraktion eine Anfrage mit 236 Fragen zum Demokratieverein Miteinander und „angeschlossener Projekte“ und beantragt, ihnen alle Fördergelder zu entziehen, da sie Steuergeldverschwendung seien. Die Vorarbeit leistete der rechtsextreme Verein „Ein Prozent“, ein Verbund früherer Identitärer, der sich schon länger auf die Projekte eingeschossen hatte. Siegmund versteckt den Schulterschluss nicht, geht in deren Podcast und tönt dort, in Regierungsverantwortung würde die AfD „dem Spuk sofort ein Ende bereiten können, dann wär das kein Problem“. Später tut Siegmund kund, dem rechtsextremen Verein auch schon Geld gespendet zu haben. Der wiederum lobt Siegmund schon 2021 als „Freund und Unterstützer des patriotischen, außerparlamentarischen Vorfelds“. Einer der Protagonisten von „Ein Prozent“: Simon Kaupert, der Identitäre und heutige Fotograf von Siegmund. Das Netzwerk, es ist da schon geknüpft. In der breiten Öffentlichkeit aber bleibt Siegmund lange unbekannt. Bis zur Coronapandemie. In dieser Zeit erlangt Siegmund plötzlich breitere Aufmerksamkeit. Mit Kundgebungen reiht sich die AfD in Coronaproteste ein und Siegmund steht nun auf Bühnen. So wie im November 2021 auf dem Hallmarkt in Halle. Trotz Maskenpflicht tritt Siegmund ohne Mundschutz auf, ätzt über den „Merkelmaulkorb“, nennt die Schutzmaßnahmen „schwachsinnig“ und ein „Verbrechen an jedem Bürger“. Hier klingt Siegmund so gar nicht wie der gut gelaunte Sunnyboy. Tiraden gegen Coronapolitik Es ist die Zeit, in der Siegmund auch mit seinem Tiktok-Kanal loslegt. Innerhalb kürzester Zeit baut der AfD-Mann dort Tausende Follower*innen auf, allen voran mit seinen Tiraden gegen die Coronapolitik. Heute hat er dort mehr als 820.000 Follower, einen der größten Politikeraccounts. Zum Vergleich: CDU-Ministerpräsident Sven Schulze kommt auf 4.200. Es sind zwei Welten, in denen Siegmund ab jetzt unterwegs ist. Die digitale, in der er ein kleiner Star ist – und die vor Ort in Tangermünde, in der er kaum sichtbar bleibt. Siegmund ist in keinem Vereinen aktiv, tritt aus der Kirche aus, wegen ihrer „politischen Rolle“. Im Kreistag ist er laut Mitparlamentariern kaum aktiv, schickt seine Fraktionskollegen vor, die dort mit Anweisungen auftreten. „Siegmund macht nur seine Videos“, sagt ein örtlicher CDU-Mann, der namentlich ungenannt bleiben will. „Wenn keine Kamera da ist, ist er ein Nichts. Der spielt vor Ort keine Rolle.“ Der AfD-Landesverband aber merkt früh, dass ihr Nachwuchsmann auf Social Media ankommt. Mitte 2022 wird Siegmund zum Co-Fraktionschef im Landtag gewählt, mit 32 Jahren, wird als junges Aushängeschild präsentiert. Schon zuvor, Anfang 2021, hatte der Verfassungsschutz den AfD-Landesverband als rechtsextremen Verdachtsfall eingestuft, zwei Jahre später dann als „gesichert rechtsextrem“. Auch das ist für Siegmund kein Moment zum Innehalten. Er tut die Einstufung als „politisch motiviert“ ab. Der AfD-Verband hat sich da inzwischen mit seinem früheren Vorsitzenden Poggenburg überworfen, wird aber nun von einem anderen Radikalen geführt: Martin Reichardt. Der Mann, der gerade in Magdeburg vom Leder zog. Der frühere Republikaner und Bundeswehroffizier tritt mit diesem Ton schon seit Jahren auf, schmäht die Bundesregierung mal als „Corona-Mafia“, mal als „pädophile, grüne Clique“. Auch Reichardt gehörte zum AfD-„Flügel“, trat mit diesem schon 2020 in Schnellroda bei Kubitschek auf. Und er war damals einer der vehementesten Verteidiger des Brandenburger AfD-Chefs Andreas Kalbitz, als der aus der Partei flog. Weil Kalbitz auf Fotos der Heimattreuen Deutschen Jugend (HDJ) zu sehen war. Einer Gruppe, die Kinder in Zeltlagern völkisch indoktrinierte und 2009 vom Bundesinnenministerium verboten wurde, weil sie „rassistisches und nationalsozialistisches Gedankengut“ verbreitete, auch schon an Grundschulkinder. Und die sich selbst als elitärer Lebensbund sah, deren Mitglieder langfristig an die Schaltstellen der Macht wollen. HDJ-Männer im engen Umfeld Und auch Siegmund selbst sitzt damals mit Kalbitz auf einer Bühne in Salzwedel, ungeachtet der HDJ-Vorwürfe. Die AfD lädt damals zum „Bürgerdialog“. Wieder geht es um das Thema „Linksextreme Seilschaften“, die man „aufdecken und zerschlagen“ wolle, wieder wettert Siegmund gegen den Verein Miteinander als „staatlichen Kampfverein gegen alles Konservative“. Dass es dafür Steuergelder gebe, sei „eine Sauerei“. Mit dabei auch: Björn Höcke. Heute gehören auch einstige HDJ-Männer zu Siegmunds engstem Umfeld. Obwohl die HDJ, genau wie die Identitäre Bewegung, explizit auf der Unvereinbarkeitsliste der AfD steht, die eine Parteimitgliedschaft ausschließen soll. Dennoch ist einer von Siegmunds engsten Begleitern im Wahlkampf ein früherer HDJ-Mann: Patrick Harr. Der war dort einst Leiter „Beschaffung“, kümmerte sich um Material wie Zelte oder Uniformen. Nun ist Harr Sprecher des AfD-Landesverbands, einst unter Poggenburg herangeholt, jetzt stets an Siegmunds Seite. Auch am Wahlprogramm soll er mitgearbeitet haben. Oder Laurens Nothdurft, Anwalt von Siegmund und AfD-Ortsbürgermeister in Dessau-Roßlau, auch er ein einstiger HDJ-Aktivist. Er vertrat Siegmund vor Gericht, nachdem dieser im Landtag eine Linken-Abgeordnete beleidigt hatte, „geistig nicht mehr zurechnungsfähig“ zu sein. Nothdurft war einst gar Vorsitzender bei der HDJ. Und seine Familie knüpft daran an: Zuletzt tauchten Kinder von ihm bei einer möglichen Nachfolgegruppe der HDJ auf, den Jungadlern. Auch sein Bruder Felix W. war einst bei der HDJ, ist nun Referent in der AfD-Fraktion Sachsen-Anhalt, schrieb ebenso am Wahlprogramm mit. Nothdurft erklärte der taz zuletzt über seinen Anwalt, er distanziere sich von nationalsozialistischem Gedankengut – und seine Kinder würden sich nicht politisch betätigen. Harr ließ eine Anfrage zu seiner HDJ-Zeit unbeantwortet. Und es sind längst nicht nur die HDJ-Leute. Auch mehrere ehemalige Identitäre bewegen sich in Siegmunds Umfeld. Neben Filmemacher Simon Kaupert und seinem Filmkunstkollektiv ist das auch etwa Dorian S., der laut MDR die Homepage des AfD-Landesverbands betreibt. Oder Torsten G., der für den Onlineshop von Siegmunds Kampagne verantwortlich ist. Ulrich Siegmund lässt taz-Anfragen zu diesen Personalien unbeantwortet. An anderer Stelle aber erklärte er, die Geschichten seien lange her und er mache keine Gesinnungsprüfungen. Für ihn zähle nur das Eintreten für die demokratische Grundordnung heute. Nothdurft lobt er bei einem Wahlkampfauftritt in Dessau als „besondere lokale Persönlichkeit“, spendiert ihm einen Extraapplaus von der Bühne. Auch Simon Kaupert oder Patrick Harr attestierte er zuletzt „hervorragende Arbeit“. Doch die Radikalen holen Siegmund immer wieder ein. Erst am vergangenen Donnerstag durchsuchten Polizeibeamte die Häuser zweier AfD-Landtagskandidaten, Sebastian Koch und Simon Lansmann, in Gardelegen im Altmarkkreis – unweit von Siegmunds Heimat Tangermünde. Ihnen und 13 weiteren Personen wird vorgeworfen, die 2023 verbotene, rechtsextreme Artgemeinschaft, die sich als Hüter der „germanischen Rasse“ sah, fortgeführt zu haben. Sie sollen am 20. Juni an einer Sonnenwendfeier auf Lansmanns Hof teilgenommen haben, bei der völkisch-heidnische Rituale durchgeführt und ein Kampflied der Hitlerjugend gesungen worden sein soll. Lansmann ließ eine taz-Anfrage dazu unbeantwortet. Koch sagte, er lehne Anfragen der taz ab. Auch Siegmund lächelt in Magdeburg auf Pressenachfrage die Vorwürfe weg, wie er es zuletzt schon bei der Vetternwirtschaft tat: Er wolle die Ermittlungsergebnisse abwarten. „Und wenn es Ergebnisse gibt, machen wir das gemeinschaftlich als Landesvorstand, der zusammenhält hier in Sachsen-Anhalt.“ Auch direkt nach den Razzien bei Koch und Lansmann setzte Siegmund seinen Wahlkampf fort, als wäre nichts gewesen. Dabei ist schon lange klar, wo Sebastian Koch, einer der Beschuldigten, steht. Fotos, die der taz vorliegen, zeigen ihn schon vor zehn Jahren in einem Shirt der Freien Nationalisten Altmark West. Neben ihm ein Mann mit einem Shirt mit Aufschrift „Nazi“. In einem Onlineposting fabulierte Koch über einen „kulturellen Erbstrang“ von Migranten, der sie „schwerst frauenfeindlich“ handeln ließe. Siegmund machte dennoch zuletzt mit Koch und Lansmann fröhlich Wahlkampf, fuhr mit ihnen in einem Kremser, stand auf dem Marktplatz in Klötze und sprach danach von einem „ganz tollen Erlebnis“. Auch keine Distanzierung gibt es von Siegmund auf die Frage nach dem EU-Abgeordneten Arno Bausemer, der in Stendal einen 14-Jährigen mit einem Baseballschläger traktiert haben soll, weil dieser ein AfD-Plakat beschädigt habe. Der Junge verbrachte mit seinen Verletzungen eine Nacht im Krankenhaus. Ist das dieses bürgerliche, normale Deutschland, das Siegmund immer wieder beschwört? Auch hier ist seine Antwort: Ergebnisse abwarten, gemeinschaftliche Antwort des Landesverbands, Wagenburg. Muslimenhasser und Russlandfreunde In das Normalobild passt genauso wenig einer, der ebenso verbal austeilt und mit Siegmund seit Jahren im Parteivorstand sitzt: Hans-Thomas Tillschneider, ein weiterer Schnellroda-Freund und „Flügel“-Mitgründer. Sein Thema ist die „Umvolkung“, ein rechtsextremer Kampfbegriff eines angeblich gesteuerten Bevölkerungsaustauschs durch Migranten. Tillschneider teilt immer wieder gegen Muslime aus, deren Kultur für ihn nicht nach Deutschland passt. Er ist für den Nato-Austritt und schreit auf Kundgebungen Dinge wie: „Unsere Feinde sitzen nicht in Moskau, unsere Feinde sitzen in Magdeburg und Berlin!“ Wie nun durch den Bild-Journalisten Paul Ronzheimer breiter bekannt wurde, hortet er in seinem Büro neben mit Wodka gefüllten Glaskalaschnikows auch eine Tasse der russischen Armee. Außerdem schreibt er eine monatliche Kolumne für eine kremlnahe russische Tageszeitung und nahm in der russischen Botschaft 2025 an der Feier von Putins 73. Geburtstag teil. Als Mitarbeiter soll Tillschneider heute einen alten Bekannten beschäftigen: Andreas Kalbitz. Siegmund lobt auch Tillschneider dieser Tage bei einem Wahlkampfauftritt in Querfurt als „hervorragenden Direktkandidaten“, den er in den nächsten fünf Jahren brauche. Kein Wunder: Das Thema „Umvolkung“ vertritt auch Siegmund selbst. 2022 unterschreibt er mit anderen AfD-Fraktionschefs eine „Dresdner Protestnote“, in der sie gegen einen „Asylansturm“ und „die planmäßige Ersetzung der deutschen Bevölkerung durch Migranten“ protestieren. 2024 wettert Siegmund im Landtag über Geflüchtete, dass diese keine Menschen seien, die „Wertschöpfung betreiben“, sondern Straffällige und Vergewaltiger. Und im November 2023 besucht Siegmund auch ein Treffen, das bundesweit Schlagzeilen machen wird: das berüchtigte „Remigrations“-Treffen von Potsdam im November 2023 mit dem Rechtsextremen Martin Sellner. Um Pläne für eine massenhafte Ausweisung von Migrant*innen soll es dort gegangen sein, so berichtete es Correctiv. Siegmund wurde vom einstigen HDJ-Mann Patrick Harr begleitet, soll dort um Wahlkampfspenden geworben haben. Auch habe er erklärt, dass sich das Straßenbild ändern müsse, etwa mit Druck auf ausländische Restaurants. Es müsse für Migranten möglichst unattraktiv sein, dort zu leben. Und Siegmund erklärte laut Correctiv seine Masche: Er versuche erst Sympathie aufzubauen, als „ganz normaler Typ“. Die politischen Inhalte bringe er dann „zum Schluss durch die kalte Küche“. „Assimilationsdruck auf nichtintegrierte Ausländer erhöhen“ Das Treffen von Potsdam sorgte für bundesweite Anti-Rechts-Demonstrationen, die größten Proteste seit Jahren. Siegmund verharmlost es dagegen als „Potsdamer Kaffeekränzchen“. Und legte nach. In einer Erklärung mit anderen AfD-Fraktionschefs aus dem Osten unterstrich er das „Remigrations“-Konzept, nannte dieses „das Gebot der Stunde“. Es brauche eine „großangelegte Rückführungsinitiative“ und Maßnahmen, um „den Assimilationsdruck auf nichtintegrierte Ausländer zu erhöhen“. Damit werde man beginnen, „sobald wir in Regierungsverantwortung sind“. Heute klingt es ganz ähnlich, liest man das AfD-Wahlprogramm – das eine Gruppe um Hans-Thomas Tillschneider verfasst hat. Es ist das radikalste Programm, das je ein AfD-Landesverband in der mittlerweile 13-jährigen Parteigeschichte verfasst hat. Eine „Abschiebeoffensive“ und „Remigrationspolitik“ unter „staatlichem Zwang“ fordert dieses ein. Um den Islam in Sachsen-Anhalt zu „beschränken“, will man „alle Möglichkeiten ausschöpfen“. Vereinen, die eine „pervers-linke Agitation“ oder „antideutsche Kultur“ betrieben, werde jede Förderung entzogen. Explizit wird auch der Verein Miteinander genannt. Und Siegmund selbst kündigt an, genau diese Punkte als Erstes anzugehen, wäre er im Amt. Das Streichen von Geldern für linke Vereine, darauf „freue ich mich schon richtig“, sagte er zuletzt. Und drohte, im Falle einer AfD-Regierung müssten rund 4.800 ausreisepflichtige Migranten Sachsen-Anhalt verlassen – dabei haben laut Innenministerium 4.116 dieser Personen derzeit eine Duldung und dürfen gar nicht abgeschoben werden. Die „Remigrations“-Offensive, der Kampf gegen linke Vereine, gegen Migranten und Muslime, es sind genau die Punkte, die Siegmund, Tillschneider und Reichardt seit Jahren predigen, die nun Realität werden könnten. Und denen zuvor auch die Identitären oder „Ein Prozent“ ideologisch den Boden bereiteten. Kein Zufall: Ihr Vordenker Götz Kubitschek pries schon 2016 auf der AfD-Wahlparty beim ersten Landtagseinzug in Sachsen-Anhalt, dass die neuen AfD-Abgeordneten „sehr, sehr gerne den ein oder anderen Begriff, das ein oder andere Thema, die ein oder andere aufbereitete Expertise aus unseren Projekten übernehmen und politisch umsetzen werden“. Es sind nun diese Menschen aus Siegmunds Umfeld, die sich auch Hoffnung auf Posten machen können, sollte die AfD tatsächlich in Sachsen-Anhalt regieren. Siegmund schweigt bisher über sein mögliches Regierungspersonal – will dieses aber „zu 95 Prozent“ beisammen haben, rekrutiert vor allem aus Sachsen-Anhalt. Erzählt wird, dass Tillschneider dann Bildungsminister werden könnte, Reichardt Arbeitsminister, Patrick Haar Leiter der Staatskanzlei und Laurens Nothdurft Justiz-Staatssekretär. Ein Kabinett der Rechtsextremen. In Tangermünde, wo Siegmund für die AfD im Stadtrat sitzt, verfolgen sie dessen Weg mit Kopfschütteln. In der CDU und SPD sagen einige, er sei ein Getriebener seiner Partei, der sich immer weiter mitradikalisierte. Für andere war Siegmund schon immer radikaler, als er nach außen scheint. Unstrittig ist: Siegmund hat jeden Radikalisierungsschritt seiner Partei mitgetragen, jeden davon selbst nach außen vertreten, von Poggenburg bis Potsdam. Und auch vor Ort in Tangermünde nimmt die AfD bereits ihre Gegner ins Visier – und längst nicht mehr nur linke Vereine. In einem Video posierte Siegmund zuletzt vor der örtlichen evangelischen Kirche, machte sich über diese lustig, weil sie sich mit einem Banner „gegen Hass und Hetze“ positionierte. Und im Stadtrat beantragte seine AfD zuletzt, einem Verein 3.000 Euro zu streichen – nachdem dieser sich wiederholt gegen die AfD positioniert hatte. Siegmund selbst hatte dem Verband zuvor in der Volksstimme „Filz und Mauscheleien“ vorgeworfen und erklärt: „Nach einem Wahlsieg im September werden wir uns auch um diesen Sumpf kümmern und ihn einfach trockenlegen.“ Am Ende lehnte der Stadtrat den AfD-Antrag ab. Aber die Drohung war angekommen. Der Verein war: die Arbeiterwohlfahrt. Mitarbeit: David Muschenich Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. 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Landtagswahl am 6. September: Ulrich Siegmund – gefeiert wie ein Politik-Popstar

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Bewusst gewählte Worte Zum anderen ist der 35-Jährige rhetorisch beschlagen. Er kann im Parlament hart gegen die Konkurrenz austeilen und im nächsten Moment einer Seniorengruppe ein Kompliment machen, um ihnen zu schmeicheln – Siegmund wählt seine Worte stets bewusst. An den Infoständen auf Marktplätzen und bei Bürgerdialogen versucht er bei seinen Anhängern vor allem das Gefühl zu bestärken, dass man mit „gesundem Menschenverstand“ die vorherrschende Situation in Deutschland bei der Migration, bei der Energiepolitik oder im öffentlich-rechtlichen Rundfunk nur schlimm finden könne. Bei Simson-Ausfahrten werden zum Wir-Gefühl dann noch schöne Clips produziert. Das alles soll dabei helfen, dass er nach der Landtagswahl am 6. September eine Alleinregierung der AfD anführen kann. In den Umfragen liegt die Partei weit vor der CDU. Von der CDU zur AfD Als junger Erwachsener war Siegmund kurz CDU-Mitglied, danach setzte er auf die AfD. 2016 gelang ihm der Sprung in den Landtag, seit August 2022 führt er die Fraktion gemeinsam mit Oliver Kirchner als Co-Vorsitzender. Einige Monate später geriet Siegmund erstmals stärker in die Kritik. Er hatte im November 2023 an einem Treffen in Potsdam teilgenommen, bei dem der frühere Kopf der rechtsextremen Identitären Bewegung, Martin Sellner, über „Remigration“ sprach. Der Landtag von Sachsen-Anhalt berief Siegmund daraufhin als Vorsitzenden des Sozialausschusses ab. In der Vetternwirtschaftsaffäre mittendrin Auch bei der AfD-Vetternwirtschaftsaffäre vor ein paar Monaten war Siegmund mittendrin. Siegmunds Vater soll als Mitarbeiter im Bundestagsbüro eines AfD-Parteikollegen laut Medienberichten zeitweise mehr als 7.500 Euro monatlich erhalten haben. Die aufgekommene Kritik, auch an anderen Überkreuzbeschäftigungen in der AfD, versuchte er damit zu entkräften, dass man auf Leute setze, denen man vertrauen könne. Doch weder das Potsdamer Treffen noch die Vetternwirtschaftsaffäre spielen im Wahlkampf eine größere Rolle. Auch die Tatsache, dass die AfD in Sachsen-Anhalt im November 2023 als gesichert rechtsextremistisch eingestuft worden ist, scheint für viele Wähler irrelevant. Und Siegmund stellt den Verfassungsschutz als politische Behörde dar, die angeblich die Opposition gängelt. Erst Außenhandelskaufmann, dann Verkauf von Raumdüften Im Parlament spricht der Fraktionschef besonders gerne über die Folgen der Migration. Drei seiner vier Großeltern gehörten nach dem Zweiten Weltkrieg laut Siegmund zu den Vertriebenen aus dem Osten. Das seien „wirkliche Flüchtlinge“ gewesen, sagt er. Siegmund, Jahrgang 1990, hat keinen klassischen Bildungsweg genommen. Als Jugendlicher hat er nach eigenen Angaben nebenbei etwas als Kellner und Helfer auf dem Bau verdient. Nach der 11. Klasse ist er von der Schule abgegangen und hat eine Ausbildung als Außenhandelskaufmann begonnen. Es folgten weitere Stationen im Vertrieb und ein Bachelor-Studium der Wirtschaftspsychologie und Betriebswirtschaftslehre an einer Hamburger Fern-Hochschule. Danach hat er Raumdüfte verkauft. Siegmund sei ein „Duftkerzenverkäufer“, stichelte der CDU-Politiker Philipp Amthor kürzlich. Hobbys: Fitnessstudio und Sondeln Mit seiner Ehefrau Julia hat Siegmund eine kleine Tochter, sie leben in der Kleinstadt Tangermünde (Landkreis Stendal). Aus der katholischen Kirche ist er ausgetreten. In seiner Freizeit geht er ins Fitnessstudio, wenn er die Zeit dafür findet. Früher hat er häufiger Bücher von Wilhelm Busch gelesen, außerdem zählte das Sondeln zu seinen Hobbys – dabei sucht man mit einem Metalldetektor nach Gegenständen im Boden. 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Landtagswahl am 6. September: Wer sind die führenden Köpfe der AfD in Sachsen-Anhalt? Magdeburg. Sollte die AfD in Sachsen-Anhalt eine absolute Mehrheit erreichen und eine Alleinregierung stellen, braucht sie dafür Personal. Zwar hält Spitzenkandidat Ulrich Siegmund sein mögliches Kabinett noch geheim – bei einigen Personen aber ist schon jetzt klar, dass sie in der Landesregierung Schlüsselpositionen übernehmen könnten. ULRICH SIEGMUND Große Reichweite im Netz, lange Schlangen an Infoständen im Wahlkampf: Ulrich Siegmund erreicht tausende Menschen. Er will Deutschlands jüngster Ministerpräsident werden. Seit 2016 sitzt Siegmund im Landtag von Sachsen-Anhalt, seit August 2022 führt er die Fraktion gemeinsam mit Oliver Kirchner als Co-Vorsitzender. Weder das Potsdamer Treffen, an dem Rechtsextreme teilnahmen, noch seine Verwicklung in die Vetternwirtschaftsaffäre der AfD haben ihm bisher geschadet. In der AfD ist Siegmund beliebt wie kaum ein anderer, aus innerparteilichen Konflikten hält er sich weitgehend raus. Im Landesvorstand hat er keine Führungsposition, seine Spezialität sind Zuspitzungen – im Parlament genauso wie in Videos. Der 35-Jährige gibt sich oft moderater als das Programm seiner Partei. Siegmund hat eine Ausbildung zum Kaufmann im Groß- und Außenhandel absolviert, danach studiert und später Raumdüfte verkauft. MARTIN REICHARDT Martin Reichardt ist seit 2018 Landesvorsitzender der AfD Sachsen-Anhalt und hat es geschafft, die von Dauerkonflikten belastete Landespartei zu befrieden. Der 57-Jährige könnte aus dem Bundestag, dem er seit 2017 angehört, in die Landesregierung wechseln – etwa als Sozialminister oder Staatskanzleichef. Möglicherweise dient Reichardt aber auch weiterhin als Verbindungsmann zur Bundespartei in Berlin. Vor seiner Zeit in der AfD war er Mitglied in der SPD, der FDP und bei den Republikanern. Reichardt ist die Abteilung Attacke der AfD. Die Wortwahl des ehemaligen Offiziers ist oft martialisch, er setzt auf scharfe Rhetorik mit militärischen Bezügen. „Wir sind der Rammbock des Volkes“, sagt er etwa. Journalisten hält er etwa für „linke Lohnknechte“. Zuletzt geriet Reichardt durch einen Hitlergruß-Vorwurf in die Schlagzeilen, wurde aber im Juli 2026 mit großer Mehrheit als Landeschef wiedergewählt. OLIVER KIRCHNER Oliver Kirchner führt gemeinsam mit Siegmund die Landtagsfraktion. Der gelernte Kfz-Mechaniker war bei der Landtagswahl vor fünf Jahren Spitzenkandidat der AfD. Im Parlament teilt er insbesondere bei der Migrationspolitik gegen die politische Konkurrenz aus, was ihm regelmäßig Ordnungsrufe einbringt. Auch wegen mancher DDR-Vergleiche steht er immer wieder in der Kritik. Es mag sein, dass Siegmund ihn weiter als Fraktionschef braucht. Möglicherweise strebt Kirchner selbst aber nach einem Ministeramt. Der 60-Jährige ist seit 2016 Mitglied des Landtags von Sachsen-Anhalt. HANS-THOMAS TILLSCHNEIDER Hans-Thomas Tillschneider ist einer der führenden Köpfe, wenn es um die Inhalte der AfD geht. Der 48-Jährige hat federführend das Wahlprogramm vorbereitet, in dem viele radikale Positionen enthalten sind. Tillschneider ist von Beruf Islamwissenschaftler, zu seinen politischen Schwerpunkten zählen Bildung und Kultur. Möglicherweise könnte er diese Ressorts in einer Landesregierung übernehmen. Verwandte Themen Tillschneider ist stellvertretender Landesvorsitzender und stellvertretender Fraktionsvorsitzender der AfD im Landtag. Sein Verhältnis zu Russland hat in der Vergangenheit immer wieder eine Rolle gespielt. Im September 2022 war er einer von drei AfD-Politikern, die nach Russland reisten und auch einen Besuch in der besetzten Ostukraine geplant hatten. Die AfD-Spitze distanzierte sich damals, die Politiker brachen ihre Reise ab. In seinem Wahlkreisbüro in Querfurt stand zuletzt eine Tasse der russischen Armee, was ebenfalls für Wirbel sorgte. PATRICK HARR Er hält sich meist im Hintergrund, doch in der sachsen-anhaltischen AfD laufen viele Fäden bei Patrick Harr zusammen. Er ist nicht nur Geschäftsführer und Pressesprecher der Landtagsfraktion, sondern auch Sprecher der Landespartei. Harr wurde damit auch ohne Mandat zu einem engen Vertrauten Siegmunds. Harr gilt als akribisch, er denkt strategisch. Möglicherweise könnte Harr in der Staatskanzlei wichtige Aufgaben übernehmen, etwa als Staatsminister, Staatssekretär oder Regierungssprecher.

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31. August
FAZ (Politik)

AfD-Spitzenkandidat: Ulrich Siegmund, eine der cleversten Ideen der AfD

AfD-Spitzenkandidat : Ulrich Siegmund, eine der cleversten Ideen der AfD Andere Parteien machen bloßen Wahlkampf, die AfD erzählt eine Heilsgeschichte rund um ihren Spitzenkandidaten. Und Scharen von Menschen suchen seine Nähe. Diese Landtagswahl werde zum „Wendepunkt in der Geschichte Sachsen-Anhalts, in der Geschichte Deutschlands und der Geschichte Europas“, schallt es von der Bühne in Quedlinburg. Und die Bilder aus der kleinen Stadt am Nordrand des Harzes gehen später tatsächlich hinaus in die Welt. Fernsehteams aus dem Ausland sind angereist. Sogar Kirill Dmitriev verbreitet später über die sozialen Medien das Video, wie sich der sachsen-anhaltische AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund auf seiner blauen Simson den Weg durch die Menge bahnt. „Deutschland erwacht am 6. September“, schreibt Putins Unterhändler für die Ukraine darüber. Diese Formulierung ist historisch belastet, mit dem englischen Begriff des „Erwachens“ oder der „Erweckung“ trifft Dmitriev aber durchaus den Kern der „Simson-Ausfahrt“ der AfD. Eine solche politische Veranstaltung wie in Quedlinburg Ende August hat Deutschland schon lange nicht mehr gesehen. Bereits frühmorgens sind, mehr als 200 Kilometer von Quedlinburg entfernt, auf einer Autobahn ausrangierte Feuerwehrautos mit großen Siegmund-Plakaten und der Aufschrift „Brandmauerlöschwagen“ zu sehen. Die AfD karrt in den letzten Tagen vor der Landtagswahl Unterstützer von überall nach Sachsen-Anhalt. Doch die große Mehrzahl der Besucher – die AfD beziffert ihre Zahl auf 5000 – kommt aus der Region. Sie sind mit ihren Simson-Mopeds über die Landstraßen des Vorharzes herangeknattert oder kommen direkt aus Quedlinburg. Am Rande der Festwiese machen zwei Männer ihre blauen Mopeds bereit. Der eine trägt ein Ulrich-Siegmund-T-Shirt und einen Helm in Wehrmachts-Optik. Beim zweiten steht „Ostdeutschland“ in Frakturschrift auf der Kopfbedeckung. „Wir“ und „sie“, „gegen“ und „für“ Das ist der neue, hybride Symbolkosmos der AfD in diesem Landtagswahlkampf. Der erste, nationale Strang besteht aus unzähligen Deutschland-Fahnen über die bekannten schwarz-rot-goldenen Anglerhüte bis hin zu den Codes der rechtsextremen Szene, die sich muskelbepackte Männer auf ihre Shirts drucken und auf ihre Arme oder Unterschenkel tätowieren lassen. Daneben steht der ostalgische Strang: Etliche Trabis und noch mehr Simsons, DDR- und FDJ-Fahnen, Hammer-und-Sichel-Pullover. Und immer wieder die Aufschrift „Ostdeutschland“ in Frakturschrift, mal als Mütze, mal als Shirt mit Bundesadler und der Unterzeile „Das ist der dunkle Osten“. Auf einem anderen Pullover sitzt ein schwarz-rot-goldener Bundesadler auf einem Bären in russischen Nationalfarben. „Alte Freunde“ steht darunter. Solche Statements fügen sich ein in eine allgegenwärtige Masse einer scheinbar unpolitischen Ornamentik auf Haut und Kleidung: Drachen, Teufelsfiguren, Mittelfinger. Für das leibliche Wohl sei gesorgt, hat die AfD auf die Einladung geschrieben. Es gibt Wurst, Steaks, Eis, eine Tombola sowie eine Hüpfburg für die Kinder. Und zahllose Videostreamer, die das Geschehen festhalten. Sie bilden das mediale Vorfeld der AfD. „Die Menschen haben die Faxen dicke!“, schnaubt ein Besucher in eine der kleinen Kameras, kurz bevor das Bühnenprogramm beginnt. Es folgt das übliche, arbeitsteilige Vorgehen im AfD-Wahlkampf: Hans-Thomas Tillschneider ist zuständig für den metapolitischen Überbau: „Wir sind für Euch. Und sie sind gegen uns, weil wir für Euch sind“, ruft der promovierte Islamwissenschaftler in beinahe johanneischer Diktion. Der Landesvorsitzende Martin Reichardt gibt hingegen den Einheizer und Scharfmacher. Er beschimpft die Grünen-Spitzenkandidatin als adipös und stachelt die Menge auch gegen die Sozialdemokraten auf: „Wir rufen: Willingmann, geh nach Hause!“ Der SPD-Spitzenkandidat Armin Willingmann, der seit mehr als einem Vierteljahrhundert in Sachsen-Anhalt lebt und arbeitet, stammt gebürtig aus Dinslaken. Dann kommt der Moment des Mannes, für den die 5000 Besucher heute auf die Festwiese gekommen sind: Ulrich Siegmund, der 35 Jahre alte Spitzenkandidat der AfD. „Wir als Sachsen-Anhalt dürfen stolz darauf sein, dass wir als Landesverband diesen Mann hervorgebracht haben“, ruft Reichardt kurz vor Siegmunds Auftritt von der Bühne und steigt auf der Leiter der Ergriffenheit immer weiter empor: „Viele Menschen an den Infoständen, die sagen zu uns: Ihr seid unsere Hoffnung. Manche sagen sogar: Ihr seid unsere letzte Hoffnung“, erklärt Reichardt mit bebender Stimme. „Und ich sage Euch, wie groß ist das, wenn man als Mensch überhaupt nur eines einzigen Menschen Hoffnung ist. Wir aber, mit unserem Ulrich Siegmund, sind die Hoffnung für Hunderttausende in Sachsen-Anhalt und für Millionen in Deutschland.“ Die Konsequenz aus der Landtagswahl 2021 Die Personalie Siegmund war tatsächlich einer der cleversten Einfälle der Partei seit ihrer Gründung. Siegmund gehörte zu einer Riege extrem junger Abgeordneten, die im Jahr 2016 in den Magdeburger Landtag gespült wurden, als die AfD dort mit 24,3 Prozent ihren Durchbruch feierte. Der Tangermünder, der zwei Jahre zuvor eine Firma für Raumbeduftungen gegründet hatte und Düfte wie „Smooth Harmony“ oder „Fresh Office“ vertrieb, hatte zuvor der CDU angehört, schaffte es dort aber nicht in den Vorstand der Ortsgruppe. Nach seinem Einzug in den Magdeburger Landtag fiel Siegmund zunächst nicht weiter auf. Ins Rampenlicht trat er erst im Jahr 2022, als er zum Ko-Vorsitzenden der Fraktion aufstieg. Seither ahnte jeder in Magdeburg: Das ist der kommende Mann der AfD. Die Partei zog damals die Konsequenz aus der Landtagswahl 2021, bei der die Partei vom damaligen Ministerpräsidenten Reiner Haseloff regelrecht überrollt wurde und abgeschlagen hinter der CDU landete. Der damalige AfD-Spitzenkandidat Oliver Kirchner entwickelte im Wahlkampf keine Präsenz. Die strategischen Köpfe im Landesverband orientierten sich deshalb frühzeitig um und setzen auf Siegmund: Der war jung und immer sportlich-schick gekleidet. Als ausgebildeter Wirtschaftspsychologe beherrscht Siegmund zudem die Kunst eines guten Verkäufers, selbst bei kürzesten Begegnungen ein gutes Gefühl zu hinterlassen. Der politische Wert solcher Eigenschaften blitzte erstmals während der Pandemie auf: Siegmund, damals gesundheitspolitischer Sprecher seiner Fraktion, erreichte im Internet plötzlich enorme Reichweite mit Videos, in denen er die Corona-Maßnahmen scharf anging. Damals wurde klar: Dieser junge Mann kann das künftige Gesicht der Partei werden, wenn man ihn geschickt aufbaut. Diese Aufgabe fällt in der sachsen-anhaltischen AfD anderen Männern zu, die teils aus der identitären, teils aus der neonazistischen Szene stammen. Siegmund gehörte, soweit bisher bekannt, selbst nie zu einer solchen Szene. Spätestens mit seinem internen Aufstieg 2022 war er jedoch auf die Zuarbeit von Leuten angewiesen, die früher in der mittlerweile verbotenen Heimattreuen Deutschen Jugend (HDJ) tätig waren und heute Schlüsselpositionen in der sachsen-anhaltischen AfD innehaben. Auch Siegmunds Sprecher gehörte dieser Neonazi-Organisation an. Die Professionalität dieser eingeschworenen Kader sollte man nicht unterschätzen. Anders als die Glücksritter, die es in der AfD ebenfalls in großer Zahl gibt, schielen sie nicht auf schnelle Karrieren. Sie denken in ideellen Kategorien und arbeiten planvoll jenem Moment entgegen, in dem ihre Chance kommt. Mit Geduld und Akribie wurde ein eigenes, mediales Vorfeld aufgebaut – Streamer, Agenturen und Influencer, die für vergleichsweise geringes Geld Content für die affektgetriebenen sozialen Medien produzieren, in denen die AfD die etablierten Parteien bereits vor Jahren hinter sich ließ. Weshalb Siegmund seinen Ton geändert hat Seine Reden im Magdeburger Landtag hält Ulrich Siegmund in erster Linie, um später kurze Videos für Instagram, Facebook und Tiktok auszukoppeln, wo Siegmund zusammengerechnet weit mehr als eine Million Follower hat. Das nötige Timing für seine kurzen Clips hat Siegmund über die Zeit perfektioniert. Mittlerweile braucht der AfD-Politiker das Rednerpult im Landtag auch nicht mehr. Viel nahbarer und authentischer wirkt er, wenn er im Zip-Pullover am Steuer seines Autos oder beim Spaziergang über die Wiesen in sein Smartphone spricht. Siegmund ist dann zwar immer noch kein brillanter Redner, aber ein gewiefter Kommunikator, der besonders auf eher unpolitische Menschen sympathisch wirkt und sich selbst dabei unter Kontrolle hat. Siegmund macht selten Fehler, auch das zählt zu seinen Stärken. Bis vor einer Weile folgten die Reels von Siegmund der eher schlichten Logik, mit der man in den sozialen Medien rasch Aufmerksamkeit erntet: Es beginnt mit einem Satz wie „Sie wollen nicht, dass Du das erfährst!“ oder „Ich warne Euch vorab, es könnte einigen die Schuhe ausziehen ...“ und dann wird irgendein Vorgang skandalisiert, und sei er noch so sehr aus dem Zusammenhang gerissen oder verzerrt dargestellt. Aber dann, vor etwas mehr als einem Jahr, änderte Siegmund die Tonart. Während die CDU zu diesem Zeitpunkt nicht einmal wusste, mit welchem Spitzenkandidaten sie zur Landtagswahl antritt und entsprechend auch noch keine Wahlkampfstrategie besaß, begann die AfD bereits mit Phase zwei ihres Wahlkampfs: der „Vision 2026“. Siegmund sprach nun in wärmeren, helleren Tönen. Er sprach von Gemeinschaft, von Aufbruch, von Hoffnung. Seine Parteifreunde ätzten und hetzten unentwegt weiter auf den Marktplätzen und im Internet. Aber für Siegmund war die Phase der Polarisierung vorüber. Er sollte nun die Ernte der damit bereits erreichten Bekanntheit einfahren und zu einem Kandidaten auch für diejenigen Wähler werden, denen die schwarze Galle nicht schon morgens beim Aufstehen übergeht. Auch die Plakate der AfD sind auf diese Strategie abgestimmt. Zwar gibt es auch Plakate mit Sprüchen wie „Abschieben ab Minute eins“. Doch im Zentrum steht die beiden Sätze „Alles ist möglich“ und „Das Land retten“. Die Kampagne öffnet damit einen weiten Vorstellungsraum, ohne konkrete Inhalte zu nennen. Eine politische Heilsgeschichte nach klassischem Muster Die Strategie zielt darauf, die Wahlentscheidung am 6. September in einen fast schon heilsgeschichtlichen Zusammenhang zu rücken. Grundlage ist das klassische Muster creatio, lapsus, redemptio – nur eben national gewendet. Am Anfang war eine große Vergangenheit, „unser altes, sicheres Deutschland“, von dem Siegmund in fast allen seinen Reden spricht, ohne genauer zu sagen, wann das war. Die sogenannten Baseballschläger-Jahre der Neunziger mit Massenarbeitslosigkeit? Die verrottete DDR-Zeit oder ein noch dunkleres Kapitel der deutschen Geschichte? Oder geht es zurück bis zu Kaiser Otto, dem Großen? Oder dem anderen Otto, von Bismarck, den Siegmund gerne zitiert? Sicher ist lediglich, dass eine Zeit vor der Grenzöffnung durch Angela Merkel gemeint sein muss. Denn spätestens dann, so die Erzählung, begann die dunkelste Phase der deutschen Geschichte, in der das Altparteienkartell das deutsche Volk knebelt und knechtet. AfD-Landeschef Martin Reichardt spricht vor der Kulisse der durchsanierten Weltkulturerbestadt Quedlinburg sogar von einer „Erfahrung von Niedergang und Zerstörung“. Doch diese Zeit endet, so die AfD-Erzählung. Und der Beginn dieses Endes wird der 6. September 2026 sein. Dann wird ein 35 Jahre alter Duftvermarkter aus Tangermünde „das Land retten“. Sicherlich, dieser Weg wird kein leichter sein, auch das fügt Siegmund mittlerweile bei jeder seiner Reden dazu. Siegmund achtet auch strikt auf Wahrung seines politischen Messiasgeheimnisses: „Ich bin auch ein ganz normaler Typ“, ruft er in Quedlinburg von der Bühne. „Ich bin genau wie ihr aus dem Volk für das Volk.“ Und dann klingt er doch aggressiv Und das Volk sucht die Nähe von Ulrich Siegmund. Nach seinem Auftritt, es ist kurz nach 12 Uhr mittags, bildet sich eine lange Schlange von mehreren Hundert Menschen neben der Bühne. Der Mann mit dem Deutschland-Käppi am Ende der Schlange sagt, dass er ein Autogramm wolle. „Oder 'nen Foto“. Er wird es nicht bekommen. Denn hinter der Bühne steht schon die blaue Simson von Ulrich Siegmund bereit, eine KR 51/1 aus dem Jahr 1975, mit der er gemäß dem Programm um 13 Uhr zur großen Ausfahrt in den Harz starten muss. Die Familie, deren jüdische Vorfahren das Unternehmen Simson aufgebaut haben, aber von den Nazis aus ihrer Firma und aus dem Land gedrängt wurden, wehren sich dagegen, dass eine rechtsextreme Partei wie die sachsen-anhaltische AfD ihren Namen für sich nutzt. Siegmund greift diesen Vorgang in seinen Reden gerne auf und klingt an dieser Stelle plötzlich wieder aggressiv. „Was interessiert mich es denn, wenn irgendjemand, der seit Jahrzehnten überm Teich wohnt“ darüber urteilen wolle, „wie wir hier zu leben haben“, ruft er. „Ihr seid die Leute, die wir vertreten und keine Amerikaner, die uns vorschreiben wollen, wie wir zu leben haben, liebe Freunde.“ Applaus, zustimmende Pfiffe und Oho-Rufe. Die Stimmung auf der Festwiese schlägt indes zu keinem Zeitpunkt in Aggression um. Das große Wahlplakat von Sven Schulze und dem örtlichen CDU-Direktkandidaten Ulrich Thomas steht auch am Ende genauso makellos an seinem Platz wie zuvor. Und dann geht es los. Ulrich Siegmund schnallt sich seinen weißen Retro-Helm auf den Kopf. Auf der Festwiese beginnen die Motoren zu knattern. Rasch legt sich ein grauer Dunst über das Gelände mit diesem typisch süßlich-scharfen Geruch von Zweitakter-Motoren. Der AfD-Spitzenkandidat fährt der Menge vorweg. Zumindest scheint das so in dem mit hämmernden Beats unterlegten Videoclip, den Ulrich Siegmund später in den sozialen Medien veröffentlichen wird. Tatsächlich fahren ganz vorne zwei offene G-Klasse-Geländewagen in mattgrauer Farbe, von denen aus die AfD ihre Hochglanz-Bilder erzeugen lässt, auf denen – auch wenn bisher keine einzige Umfrage eine ausreichende Mehrheit für die AfD ergab – tatsächlich alles möglich scheint.

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29. August
FAZ (Politik)

„Generation Deutschland“: Die AfD-Jugend feiert ihren Star

„Generation Deutschland“ : Die AfD-Jugend feiert ihren Star Die „Generation Deutschland“ feiert den Spitzenkandidaten in Sachsen-Anhalt Ulrich Siegmund schon als Ministerpräsidenten. Ganz einig mit der Mutterpartei ist sich die Jugendorganisation aber nicht. Ulrich Siegmund war der Star des Tages. Als der Spitzenkandidat der AfD für die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am Samstag in Magdeburg die Bühne des „Alten Theater“ betrat, jubelten und klatschten alle, obwohl es schon Nachmittag war und die Luft in der Halle verbraucht. „Ulli, Ulli“, riefen die jungen AfD-Politiker, die dort den zweiten Bundeskongress der „Generation Deutschland“ (GD) veranstalteten. Und Siegmund lieferte: Er werde „jeden Winkel unseres wunderschönen Landes zurückholen“, nichts „diesen Chaoten überlassen“. Jubel. Da die Medien falsch informierten, werde seine erste Amtshandlung als Ministerpräsident in Sachsen-Anhalt die Kündigung des Medienstaatsvertrages sein. „Klar wird das juristisch kompliziert, aber wir sind Probleme gewöhnt.“ Auch dafür gab es lauten Applaus. Die Bühne war in schummerig-blaues Licht getaucht und mit Eichenbäumchen aus Plastik geschmückt, davor hatte die Jugendorganisation der AfD Deutschlandfahnen und die Flagge Sachsen-Anhalts drapiert. Siegmund gab sich überzeugt davon, dass er in die Position kommt, seine Versprechen auch umzusetzen: Entweder werde die AfD die absolute Mehrheit der Sitze bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt nächsten Sonntag knapp verfehlen. Dann gebe es die „erste Blutwurstkoalition“ von CDU bis Linke in Deutschland, die nicht halten werde. Oder: „Wir werden Geschichte schreiben und 45 Prozent holen!“ Für den Fall, dass er scheitert, baute Siegmund schon vor: „Egal, was nächste Woche passieren wird: Ich will euch mitgeben, dass wir die Zukunft sind.“ Der einzige Sachantrag wird abgeräumt Auf die Wahl verwiesen viel Redner an diesem Tag. Florian Ruß, Vorsitzender der GD in Sachsen-Anhalt, der seine Parteifreunde morgens mit den Worten „Willkommen im Osten, willkommen in Preußen“ begrüßte, sagte: „Nächste Woche wird die Ideologie der Beliebigkeit an den Wällen dieser Stadt zerschellen, und am Ende steht ein Mann: Ulrich Siegmund!“ Der frenetische Applaus gab da schon einen Vorgeschmack auf die Jubelstürme, mit denen Siegmund am Nachmittag dann empfangen wurde. Die GD kam eigentlich zusammen, um ein neues Vorstandsmitglied zu wählen und eine Resolution zu verabschieden. Am Morgen war es mit anderthalb Stunden Verspätung losgegangen. Das lag jedoch nicht daran, dass das Treffen blockiert worden war. Nur ein paar Dutzend Leute demonstrierten am Samstag, eine Woche vor den Landtagswahlen, in Magdeburg. Drinnen lief aber nicht alles geschmeidig. Der einzige Sachantrag, die Resolution „Für ein Europa der Völker“, die der F.A.Z. vorliegt, ging nicht durch. Sie bekennt sich „zur europäischen Idee“, die mehr sei als ein Wirtschaftsraum, ein Währungsverbund und die EU. Nur gemeinsam gelinge der Schutz der Außengrenzen – die Binnengrenzen sollen offen bleiben. Parteichefin Alice Weidel hatte zuletzt angesichts der Migrationskrise in der spanischen Exklave Ceuta geäußert, den Schengenraum verlassen zu wollen. Beim Euro gehen die Meinungen auseinander Der Leitantrag sprach sich für die Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit Europas zudem dafür aus, nicht aus der Eurozone auszusteigen. In der Resolution heißt es: „Der Euro hat den Binnenmarkt gestärkt, weist jedoch erhebliche Konstruktionsmängel auf“ – deshalb stehe man „Reformvorschlägen offen gegenüber“. Ein klarer Schritt weg von der bisherigen Position der AfD: Sie forderte in ihren Wahlprogrammen stets den Austritt Deutschlands aus der EU und der Eurozone. Zuletzt hatte auch Weidel dies noch einmal bekräftigt. Der GD-Bundesvorsitzende Jean-Pascal Hohm war sich sicher, dass sein Antrag durchgehen würde – und musste ihn schließlich zurückziehen, um sich nicht der Gefahr auszusetzen, eine Niederlage zu erleben. Zuvor hatten Delegierte einen Änderungsantrag eingebracht: „Wir fordern daher die Abwicklung des zentralistischen, umverteilenden und identitätszerstörenden Euros“, hieß es darin. Man wolle sich außerdem nicht gegen Weidel positionieren. Viele im Saal applaudierten dafür deutlich. Hohm, der der F.A.Z. zuvor gesagt hatte, dass es im Bundesvorstand der GD große Einigkeit gebe, zog zurück. Immerhin die Wahl des neuen Vorstandsmitglieds verlief ohne Pannen. Ohne Gegenkandidaten trat Tim Demuth für den Vorstand an und erhielt 87,8 Prozent. Er folgt Kevin Dorow nach. Dieser musste zurücktreten – hat in der GD aber nach wie vor einen guten Ruf. Als sein Name zum ersten Mal genannt wurde, applaudierten die Delegierten lang. Dorow wurde mit einer Ämtersperre für zwei Jahre belegt, nachdem er auf dem Gründungstreffen der GD eine Losung, die auch die Hitlerjugend verwendet hatte, zum „Leitstern“ der neuen Jugendorganisation der AfD erhoben hatte. Gegen ihn wird auch ermittelt. „Keinesfalls Mäßigung in Wort und Schrift“ Demuth nahm in seiner Bewerbungsrede dann deutlich Bezug auf seinen Vorgänger Dorow: Der sei einer „unserer herausragendsten Vertreter“, in dessen „große Fußstapfen“ er treten wolle. Tim Demuth war schon in der aufgelösten „Jungen Alternative“ im baden-württembergischen Landesvorstand. Medienberichten zufolge ist er mit internationalen rechtsextremen Gruppen vernetzt. In einem Instagram-Beitrag zu seiner Bewerbung für den GD-Landesvorstandsposten schrieb Demuth im Mai 2026, Professionalisierung bedeute „keinesfalls eine Mäßigung in Wort und Schrift oder gar Denkverbote, sondern vielmehr Disziplinierung, also das Einhalten von Etikette und das Wahren von Stil“. Demuth war der Wunschkandidat von GD-Chef Hohm. Auch er steht für die Professionalisierung der Jugendorganisation. Diese sei „Innovationsmotor der Partei“, aber dies bedeute nicht, „rhetorisch immer zu überdrehen“. Professionell zeigte sich die Jugendorganisation auf dem Bundeskongress weitgehend auch nach außen: Die Technik lief, die jungen Besucher trugen nahezu alle Anzug mit Krawatte, und die Haare akkurat gestutzt – Frauen waren weniger zu sehen. Vulgäre Rede des Landesvorsitzenden Reichardt Martin Reichardt, der AfD-Landesvorsitzende Sachsen-Anhalts, wählte in seinem Grußwort äußert vulgäre Worte – und fand damit großen Anklang. „Vater Staat“ sei inzwischen ein „nach Dope stinkender fauler Assi, der sein Geld von der Friedrich-Ebert-Stiftung bekommt und regelmäßig säuft“ und „die Internationale lallt“, brüllte er durch die Halle. Die tobte, jubelte, applaudierte. „Muttersprache ist längst keine liebe, treusorgende Frau mehr“, sondern „ein aufgedunsenes intersektionales Flittchen“, das sich selbst als „fotzig“ beschreibe und dessen Lippenstift verschmiert sei, „weil Vater Staat sie dreimal täglich durchgendert“. Mit Blick auf die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am kommenden Wochenende sagte Reichardt: „Wir werden der verlotterten Linken das Sorgerecht für Deutschland entziehen“ und „unser Deutschland“ zurückholen. Hohm selbst trat im Ton weit gemäßigter auf. Er lobte die „harte Arbeit“ der GD. Im September werde sie die Marke von 3000 Mitgliedern erreichen. Doch es komme immer wieder zu Angriffen, etwa beim „Tag der Deutschen Jugend“ in Schwerin Anfang August. Da wurde er etwas lauter: „Ich erwarte von keinem, dass er sich für seine politische Überzeugung von der Antifa durch die Stadt prügeln lässt“, rief Hohm durch den Saal. „Wer sich und seine Mitstreiter schützt, wird immer den Rückhalt der GD haben!“ Hohm setzte nach: „Wir sind keine Opfer, und wir lassen uns auch nicht zu Opfern machen.“ Inhaltlich legte Hohm den Fokus auf die Migration. „Deutschland muss das Land der Deutschen bleiben, dieser Grundsatz ist nicht verhandelbar“, sagte er. „Millionen sind gegen unseren Willen, gegen Recht und Gesetz, in dieses Land gekommen, Millionen müssen dieses Land wieder verlassen!“ In diesem Punkt sind sich Vertreter der AfD und ihrer Jugendorganisation weitgehend einig. Hohm positionierte sich jedoch teils auch anders als manche in der Mutterpartei. So forderte er die Wiedereinsetzung der Wehrpflicht und eine starke deutsche Rüstungsindustrie – wenn auch nicht, „um Material an die Ukraine zu verschenken“. Deutschland solle wieder Verantwortung für Europa übernehmen, so Hohm. Das Land habe Europa geprägt, „meist im positiven Sinn“. Nun solle Europa nicht zum Spielball von Großmächten werden. „Es wird nie wieder werden, wie es einst war, aber dass es besser wird, als es jetzt ist, und dass die ethnokulturelle Identität unseres Volkes erhalten bleibt, dafür werden wir kämpfen.“ „Deutschland braucht keine 80 Millionen“ Mit seiner Rede stimmte Hohm schon auf die Abstimmung über die Resolution ein, zu der es dann nicht kam. Zuspruch für den Vorstoß hatte es zuvor von anderer Seite gegeben: So lobte der Brandenburger Landtagsabgeordnete Dennis Hohloch in seinem Grußwort die Arbeit der neuen Jugendorganisation als „zukünftige Avantgarde der Partei“, die ihren eigenen Weg gehe, „auch wenn viele aus der Mutterpartei das vielleicht zunächst anders sehen“. Er machte aber auch klar, dass es gemeinsame Nenner gibt: „Wir als AfD sagen ganz klar: Deutschland braucht keine 80 Millionen, es kann auch mit 60 Millionen leben“ – da brandete in der Halle so lauter Applaus auf, dass Hohloch nicht mehr zu verstehen war. Die GD fühlt sich mit diesen Positionen auch in Europa nicht allein und zeigte auf ihrem Kongress, wie gut sie international vernetzt ist. Redner aus Österreich, den Niederlanden, der Slowakei, Ungarn, Frankreich, der Tschechischen Republik und vielen weiteren Ländern sprachen zu den 266 Delegierten. Zu Popmusik liefen sie in den Saal, im Hintergrund flatterte die jeweilige Flagge als Projektion auf der Leinwand. Ihre Beiträge beendeten sie mit „Gott schütze das christliche Europa“ oder „Es lebe Südtirol“. Die Teilnehmer applaudierten ihnen kräftig zu. Wenn auch nicht ganz so enthusiastisch wie für Spitzenkandidat Siegmund.

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29. August
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Deutschland-Liveblog: Siegmund: Entweder „Blutwurstkoalition“ oder ein AfD-Ministerpräsident

Deutschland-Liveblog : Siegmund: Entweder „Blutwurstkoalition“ oder ein AfD-Ministerpräsident Lesezeit: Ulrich Siegmund, Spitzenkandidat der AfD in Sachsen- Anhalt, und Jean Pascal HohmDaniel Pilar AfD-Spitzenkandidat in Sachsen-Anhalt tritt auf Bundeskongress der Parteijugend auf +++ Tim Demuth in Bundesvorstand der „Generation Deutschland“ gewählt +++ alle Entwicklungen im Liveblog AfD-Spitzenkandidat Siegmund: „Blutwurstkoalition“ oder ein AfD-Ministerpräsident Spitzenkandidat Ulrich Siegmund tritt in Magdeburg bei dem Bundeskongress der „Generation Deutschland“ auf. Alle jubeln und klatschen, obwohl es schon Nachmittag und die Luft in der Halle verbraucht ist. Doch die Delegierten und Besucher sind extra für den Einzug Siegmunds noch mal in die Halle gebeten worden. „Ulli, Ulli“, rufen die jungen AfD-Politiker, die Fäuste in die Luft gereckt. Als Siegmund es auf die Bühne geschafft hat, dauert es lange, bis der Jubel abklingt. Siegmunds erste Worte gehen darin fast unter. „Ulli, ich will ein Kind von dir!", ruft einer – „Das regeln wir später“, gibt Siegmund zurück. Siegmund sagt, er sei „auch nur ein ganz normaler Mensch“ und bedankt sich für den Rückenwind. Die vulgäre Rede des Landesvorsitzenden Reichardt lobt er als „klare Worte“. Die „Generation Deutschland“, so Siegmund, sei die Zukunft. „Wir sind eine Mannschaft.“ Siegmund bekräftigt, dass seine erste Amtshandlung als Ministerpräsident in Sachsen-Anhalt die Kündigung des Medienstaatsvertrages sei. „Klar wird das juristisch kompliziert, aber wir sind Probleme gewöhnt.“ Er glaubt nach eigener Aussage fest daran, dass er in das Amt gewählt wird. Es gebe zwei mögliche Szenarien für die Landtagswahl am nächsten Sonntag: Erstens: „Wir werden diese Wahl knapp nicht schaffen – dann gibt es die erste Blutwurstkoalition“ von CDU bis Linke in Deutschland, die nicht halten werde. Zweitens: „Wir werden Geschichte schreiben und 45 Prozent holen!“ – Siegmund sagt, er ziehe die Gewissheit, dass das klappen werde, aus dem Wahlkampf, in dem Menschen stundenlang anstünden für ein Foto mit ihm. Siegmund sagt, er sei „auch nur ein ganz normaler Mensch“ und bedankt sich für den Rückenwind. Die vulgäre Rede des Landesvorsitzenden Reichardt lobt er als „klare Worte“. Die „Generation Deutschland“, so Siegmund, sei die Zukunft. „Wir sind eine Mannschaft.“ Siegmund bekräftigt, dass seine erste Amtshandlung als Ministerpräsident in Sachsen-Anhalt die Kündigung des Medienstaatsvertrages sei. „Klar wird das juristisch kompliziert, aber wir sind Probleme gewöhnt.“ Er glaubt nach eigener Aussage fest daran, dass er in das Amt gewählt wird. Es gebe zwei mögliche Szenarien für die Landtagswahl am nächsten Sonntag: Erstens: „Wir werden diese Wahl knapp nicht schaffen – dann gibt es die erste Blutwurstkoalition“ von CDU bis Linke in Deutschland, die nicht halten werde. Zweitens: „Wir werden Geschichte schreiben und 45 Prozent holen!“ – Siegmund sagt, er ziehe die Gewissheit, dass das klappen werde, aus dem Wahlkampf, in dem Menschen stundenlang anstünden für ein Foto mit ihm. „Egal, was nächste Woche passieren wird: Ich will euch mitgeben, dass wir die Zukunft sind. “Ulrich Siegmund Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen GD-Chef Hohm zieht einzigen Sachantrag zurück Der Vorsitzende der „Generation Deutschland“ Jean Pascal Hohm hat den einzigen Sachantrag des Bundeskongresses zurückgezogen. Die Resolution, die einen Europa-freundlicheren Ton anschlägt und sich für eine Reformierung des Euros statt seiner Abschaffung ausspricht, hätte offenbar keine Mehrheit bei den Delegierten gefunden. Einen auf dem Kongress eingebrachte Änderungsantrag forderte stattdessen eine Abschaffung des „identitätszerstörenden Euros“.  Bevor es zu einer Abstimmung kam, zog Hohm den Antrag zurück. Er sagte in seinem entsprechenden Antrag zur Geschäftsordnung, er wolle den Bundeskongress nicht mit einer knappen Abstimmung beenden. Bevor es zu einer Abstimmung kam, zog Hohm den Antrag zurück. Er sagte in seinem entsprechenden Antrag zur Geschäftsordnung, er wolle den Bundeskongress nicht mit einer knappen Abstimmung beenden. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Tim Demuth ist neues Vorstandsmitglied der „Generation Deutschland“ Tim Demuth ist neues Mitglied des Bundesvorstands der „Generation Deutschland“ (GD). Ohne Gegenkandidaten erhielt er 87,7 Prozent. Er wurde zum Beisitzer der Jugendorganisation der AfD gewählt. Demuth folgt Kevin Dorow nach. Dieser musste zurücktreten – in der GD hat er jedoch einen guten Ruf. Als sein Name auf dem Bundeskongress zum ersten Mal genannt wird, applaudieren die Delegierten in Magdeburg lange, bis er aufsteht und sich verbeugt. Dorow wurde mit einer Ämtersperre für zwei Jahre belegt, nachdem er auf dem Gründungstreffen der GD eine Losung, die auch die Hitlerjugend verwendet hatte, zum „Leitstern“ der neuen Jugendorganisation der AfD erhoben hatte. Gegen ihn wird auch staatsanwaltlich ermittelt.  Demuth nimmt in seiner Bewerbungsrede dann auch deutlich Bezug auf seinen Vorgänger Dorow: Der sei einer „unserer herausragendsten Vertreter“. „Anstatt echte Straftäter abzuschieben“ konzentrierten die Strafverfolgungsbehörden sich auf die „Sprachpolizei“, meint Demuth. Er ruft: „Wir lassen und doch nicht von irgendwelchen BRD-Apparatschicks aus ihren Amtsstuben erzählen, was wir zu denken haben.“ Er wolle in Dorows „große Fußstapfen“ treten und weist auch nach Europa. Gemeinsam mit internationalen Partnern müsse man gegen die „antiweiße Gesinnung“ in Brüssel vorgehen.  Tim Demuth war schon in der aufgelösten „Jungen Alternative“ im baden-württembergischen Landesvorstand. Medienberichten zufolge ist er vernetzt mit internationalen rechtsextremen Gruppen. In einem Instagram-Beitrag zu seiner Bewerbung für den GD-Landesvorstandsposten schrieb Demuth am 5. Mai 2026: „Wir sollten uns professionalisieren – doch was bedeutet das überhaupt? Es bedeutet keinesfalls eine Mäßigung in Wort und Schrift oder gar Denkverbote, sondern vielmehr Disziplinierung, also das Einhalten von Etikette und das Wahren von Stil.“ Mehr Informationen zu den Ermittlungen gegen Dorow lesen Sie hier. Mehr Informationen zu den Ermittlungen gegen Dorow lesen Sie hier. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen GD-Vorsitzender Hohm für Wehrpflicht und starke Rüstungsindustrie Der Vorsitzende der „Generation Deutschland“ (GD), Jean Pascal Hohm, spricht auf dem Bundeskongress die Landtagswahl an. In Sachsen-Anhalt werde die AfD „Geschichte schreiben“, weil sie „zum ersten Mal Regierungsverantwortung übernehmen“ könnte.  Hohm lobt nicht nur den Wahlkampf, sondern auch die „harte Arbeit“ der GD. Im September werde sie die Marke von 3000 Mitgliedern erreichen. Doch es komme immer wieder zu Angriffen, etwa beim „Tag der Deutschen Jugend“ in Schwerin Anfang August. „Ich erwarte von keinem, dass er sich für seine politische Überzeugung von der Antifa durch die Stadt prügeln lässt“, ruft Hohm durch den Saal. „Wer sich und seine Mitstreiter schützt, wird immer den Rückhalt der GD haben!“ Die Besucher applaudieren tosend. „Wir vermeiden, wo es möglich ist, die körperliche Auseinandersetzung“, setzt Hohm nach. „Aber eines ist auch klar: Wir sind keine Opfer, und wir lassen und auch nicht zu Opfern machen.“  Inhaltlich legt Hohm den Fokus auf die Migration. „Deutschland muss das Land der Deutschen bleiben, dieser Grundsatz ist nicht verhandelbar“, sagt er. „Millionen sind gegen unseren Willen, gegen Recht und Gesetz, in dieses Land gekommen, Millionen müssen dieses Land wieder verlassen!“ Wieder jubelt der Saal. Hohm positioniert sich jedoch teils auch anders, als manche in der Mutterpartei es bisher tun. So fordert er die Wiedereinsetzung der Wehrpflicht und eine starke deutsche Rüstungsindustrie – wenn auch nicht, „um Material an die Ukraine zu verschenken“.  Deutschland solle wieder Verantwortung für Europa übernehmen. Das Land habe Europa geprägt, „meist im positiven Sinn“. Nun solle Europa nicht zum Spielball von Großmächten werden.  „Es wird nie wieder werden wie es einst war, aber dass es besser wird, als es jetzt ist, und dass die ethnokulturelle Identität unseres Volkes erhalten bleibt, dafür werden wir kämpfen.“Jean Pascal Hohm Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Sachsen-Anhalts AfD-Chef Reichardt eröffnet Bundeskongress mit vulgären Worten Der Bundeskongress beginnt. Martin Reichardt, der AfD-Landesvorsitzende Sachsen-Anhalts, begrüßt die „Generation Deutschland" (GD). Er bedankt sich dafür, dass der Bundeskongress in Magdeburg stattfindet und so den Wahlkampf im Land unterstütze. Dann wird er laut und vulgär: „Vater Staat“ sei inzwischen ein „nach Dope stinkender fauler Assi, der sein Geld von der Friedrich-Ebert-Stiftung bekommt und regelmäßig säuft“ und „die Internationale lallt“, brüllt er. „Muttersprache ist längst keine liebe, treusorgende Frau mehr“, sondern „ein aufgedunsenes intersektionales Flittchen“, das sich selbst als „fotzig“ beschreibe und dessen Lippenstift verschmiert sei, „weil Vater Staat sie dreimal täglich durchgendert“. Reichardt verspricht: „Wir werden der verlotterten Linken das Sorgerecht für Deutschland entziehen.“ Mit Blick auf das nächste Wochenende, an dem gewählt wird, ruft er: „Am 6.9. holen wir uns unser Deutschland zurück!“ Die Delegierten im Saal jubeln frenetisch. „Muttersprache ist längst keine liebe, treusorgende Frau mehr“, sondern „ein aufgedunsenes intersektionales Flittchen“, das sich selbst als „fotzig“ beschreibe und dessen Lippenstift verschmiert sei, „weil Vater Staat sie dreimal täglich durchgendert“. Reichardt verspricht: „Wir werden der verlotterten Linken das Sorgerecht für Deutschland entziehen.“ Mit Blick auf das nächste Wochenende, an dem gewählt wird, ruft er: „Am 6.9. holen wir uns unser Deutschland zurück!“ Die Delegierten im Saal jubeln frenetisch. Martin Reichardt. Daniel Pilar Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Maier unterstützt Vorstoß für AfD-Verbot Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD) stellt sich hinter die Forderung nach einem Verbotsverfahren gegen die AfD, auch wenn dies am Ende womöglich nur einige Landesverbände treffen könnte. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) und Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) wiesen zu Recht darauf hin, „dass zumindest der völkische Teil der AfD gegen Artikel 1 Grundgesetz verstößt“, sagte Maier dem „Handelsblatt“. „Deshalb plädiere auch ich seit geraumer Zeit für ein Verbotsverfahren gegen die besonders radikalen Landesverbände“. Gut eine Woche vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt plädierten Özdemir und Pistorius in einem Gastbeitrag für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung für „eine baldmöglichste Einleitung eines Verbotsverfahrens, mit einem Fokus auf die eindeutig völkischen Landesverbände der AfD in Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg." Gut eine Woche vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt plädierten Özdemir und Pistorius in einem Gastbeitrag für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung für „eine baldmöglichste Einleitung eines Verbotsverfahrens, mit einem Fokus auf die eindeutig völkischen Landesverbände der AfD in Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg." Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Die „Generation Deutschland“ fokussiert sich auf Europa Nicht nur auf der Tagesordnung des Bundeskongresses geht es um Europa. Am Rande stellen auch Organisationen aus dem Vorfeld der AfD aus, etwa der rechte Verlag Antaios. Die „Generation Deutschland“ (GD) selbst produziert dort Videos für ihren Auftritt in den sozialen Medien – inklusive Eichenlaub aus Plastik. Julia Gehrckens aus dem Vorstand wirbt für den „Safe Europe Act“. Für die Initiative sollen eine Million Unterschriften gesammelt werden, damit sich die Europäische Kommission damit befassen muss. Das Papier fordert, dass „die politische Elite die Ersetzungsmigration stoppt, unsere Grenzen sichert und die ethno-kulturelle Kontinuität der europäischen Nationen schützt“. Für die Initiative sollen eine Million Unterschriften gesammelt werden, damit sich die Europäische Kommission damit befassen muss. Das Papier fordert, dass „die politische Elite die Ersetzungsmigration stoppt, unsere Grenzen sichert und die ethno-kulturelle Kontinuität der europäischen Nationen schützt“. Nafiur Rahman aus dem Vorstand der GD filmt eine Sequenz für den Social Media Auftritt . Theresa Weiß Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Kommt Tim Demuth in den Vorstand der „Generation Deutschland“? Bevor der zweite Bundeskongress der „Generation Deutschland“ beginnt, stehen viele Mitglieder der Jugendorganisation der AfD vor dem Veranstaltungssaal in Magdeburg. Der Vorsitzende Jean Pascal Hohm bekräftigt im Gespräch mit der F.A.Z. noch einmal, dass er für einen Verbleib Deutschlands in der EU ist, den Schengenraum befürwortet und auch den Euro nicht abschaffen will. Der entsprechende Antrag soll im Tagesverlauf zur Abstimmung kommen. Die AfD hat bisher offiziell eine andere Position.  Doch zuerst steht die Neuwahl für den Vorstand an. Für den vakanten Posten ist Tim Demuth der Wunschkandidat. Der sei ein „fleißiger Mensch“, der „den Anspruch vertritt, dass wir regierungsfähig werden müssen“, sagt Hohm vor Beginn des Bundeskongresses. Demuth selbst steht vor Beginn an einem Stehtisch und raucht, sein Redemanuskript für die Bewerbung liegt vor ihm. Er will sich vor der Wahl nicht äußern.  Ob er zittern muss, dass er das Amt bekommt? Im vergangenen Jahr war der gesetzte Kandidat aus Baden-Württemberg überraschend von Julia Gehrckens aus Niedersachsen in einer Kampfkandidatur herausgefordert und geschlagen worden. Auch Demuth kommt aus dem Landesverband Baden-Württemberg.  Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Friedlicher Protest gegen Bundeskongress der „Generation Deutschland“ Vor dem zweiten Bundeskongress der Jugendorganisation der AfD protestieren etwa 50 Menschen friedlich. Aus den Boxen des vom „Zentrum für politische Schönheit“ umgebauten alten Polizeibusses tönt die Internationale. Einige Hundert Besucher des Kongresses warten unterdessen auf Einlass ins Alte Theater Magdeburg.  Die „Generation Deutschland“ trifft sich an diesem Samstag in Sachsen-Anhalts Hauptstadt, um ein neues Vorstandsmitglied zu wählen. Es braucht Ersatz für Kevin Dorow. Er war auf der Gründungsveranstaltung in Gießen im vergangenen Jahr in den Vorstand gewählt worden, musste diesen aber nach einem Eklat verlassen. Dorow hatte in einer Rede den Satz „Jugend muss durch Jugend geführt werden“ zum „Leitstern“ der AfD-Jugendorganisation erhoben. Dieser Satz galt auch als Leitmotiv der Hitlerjugend. Gegen Dorow wird ermittelt. Die AfD verhängte eine zweijährige Ämtersperre gegen ihn. Außerdem soll ein Antrag verabschiedet werden, der sich moderater als die Mutterpartei gegenüber der Europäischen Union positioniert. In diesem Antrag, der der F.A.Z. vorliegt, spricht die „Generation Deutschland" sich unter anderem für offene Innengrenzen in der EU aus. Parteichefin Alice Weidel hatte zuletzt angesichts der Krise in Ceuta geäußert, den Schengenraum verlassen zu wollen. Die „Generation Deutschland“ trifft sich an diesem Samstag in Sachsen-Anhalts Hauptstadt, um ein neues Vorstandsmitglied zu wählen. Es braucht Ersatz für Kevin Dorow. Er war auf der Gründungsveranstaltung in Gießen im vergangenen Jahr in den Vorstand gewählt worden, musste diesen aber nach einem Eklat verlassen. Dorow hatte in einer Rede den Satz „Jugend muss durch Jugend geführt werden“ zum „Leitstern“ der AfD-Jugendorganisation erhoben. Dieser Satz galt auch als Leitmotiv der Hitlerjugend. Gegen Dorow wird ermittelt. Die AfD verhängte eine zweijährige Ämtersperre gegen ihn. Außerdem soll ein Antrag verabschiedet werden, der sich moderater als die Mutterpartei gegenüber der Europäischen Union positioniert. In diesem Antrag, der der F.A.Z. vorliegt, spricht die „Generation Deutschland" sich unter anderem für offene Innengrenzen in der EU aus. Parteichefin Alice Weidel hatte zuletzt angesichts der Krise in Ceuta geäußert, den Schengenraum verlassen zu wollen. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Umweltminister Schneider will Wiedervernässung von Mooren beschleunigen Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) will die Wiedervernässung von Mooren vorantreiben und das Gesetz zur natürlichen Infrastruktur schnellstmöglich umsetzen. „Das klingt für einige vielleicht etwas romantisch, es ist aber überlebenswichtig: Im Hohen Venn haben entwässerte Moore auch im Inneren gebrannt“, sagte Schneider der „Rheinischen Post“ vom Samstag. Dort hatte sich Mitte des Monates ein schwerer Brand ausgebreitet. „Ist Torf einmal ausgetrocknet, kann das zu Schwelbränden führen, die kaum zu löschen sind und Monate andauern können“, fuhr der SPD-Politiker fort. Für das Wiedervernässungsprogramm stünden in den nächsten Jahren 1,7 Milliarden Euro bereit. „Wir wollen es gemeinsam mit den Landwirten umsetzen. Mit dem Gesetz zur natürlichen Infrastruktur möchte ich solchen Vorhaben zudem ein überragendes öffentliches Interesse geben, damit sie schneller vorankommen.“ Auf die Frage nach dem Zeitplan für dieses Gesetz sagte Schneider: „So schnell wie möglich. Denn dieser Sommer hat gezeigt, dass wir groß denken müssen, um unser Land zu wappnen gegen den Klimawandel.“ „Ist Torf einmal ausgetrocknet, kann das zu Schwelbränden führen, die kaum zu löschen sind und Monate andauern können“, fuhr der SPD-Politiker fort. Für das Wiedervernässungsprogramm stünden in den nächsten Jahren 1,7 Milliarden Euro bereit. „Wir wollen es gemeinsam mit den Landwirten umsetzen. Mit dem Gesetz zur natürlichen Infrastruktur möchte ich solchen Vorhaben zudem ein überragendes öffentliches Interesse geben, damit sie schneller vorankommen.“ Auf die Frage nach dem Zeitplan für dieses Gesetz sagte Schneider: „So schnell wie möglich. Denn dieser Sommer hat gezeigt, dass wir groß denken müssen, um unser Land zu wappnen gegen den Klimawandel.“ Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Vanessa Angermann Ende der „Rente mit 63“: Bas offen für fünf Jahre Übergang In der Debatte um die Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren zeigt sich Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas offen für eine Übergangsfrist von etwa fünf Jahren. Nötig seien „ausreichende Übergangsfristen und Vertrauensschutz, damit die Menschen ihre Lebensplanung anpassen können“, sagte die SPD-Vorsitzende der Funke Mediengruppe. Die Vorsitzende der Rentenkommission, Constanze Janda, habe einen Zeitraum von fünf Jahren genannt. „Das gibt Orientierung“, sagte Bas. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Vanessa Angermann Bas erwartet bei schlechtem Ergebnis in Sachsen-Anhalt Diskussion über SPD-Spitze Die SPD-Chefin Bärbel Bas erwartet bei einem schlechten Abschneiden bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt Diskussionen über die Zukunft der Parteispitze. „Die Wahlen im September sind richtungsweisend, auch für uns als Vorsitzende“, sagte Bas den Zeitungen der Funke Mediengruppe auch mit Blick auf Ko-Chef Lars Klingbeil. „Da bin ich realistisch, es ist wie beim Fußball: Wenn es nicht läuft, wird über den Trainer diskutiert.“ Entscheidend für das Ausmaß der Personaldebatte wird nach Einschätzung von Bas das Ergebnis ihrer Partei bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September. „Wenn wir in Sachsen-Anhalt erstmals aus einem Landtag fliegen würden, wäre das katastrophal“, sagte die SPD-Chefin. „Dann würde es ungemütlich in der SPD.“ Bas fügte jedoch hinzu: „Aber davon gehe ich im Moment nicht aus.“ Bas räumte ein, dass die Stimmung in der Partei schlecht ist. „Niemand in der SPD ist mit der Lage der Partei zufrieden, auch Lars Klingbeil und ich nicht“, sagte die Bundesarbeitsministerin. „Seit der Bundestagswahl hängen wir in den Umfragen fest.“ Entscheidend für das Ausmaß der Personaldebatte wird nach Einschätzung von Bas das Ergebnis ihrer Partei bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September. „Wenn wir in Sachsen-Anhalt erstmals aus einem Landtag fliegen würden, wäre das katastrophal“, sagte die SPD-Chefin. „Dann würde es ungemütlich in der SPD.“ Bas fügte jedoch hinzu: „Aber davon gehe ich im Moment nicht aus.“ Bas räumte ein, dass die Stimmung in der Partei schlecht ist. „Niemand in der SPD ist mit der Lage der Partei zufrieden, auch Lars Klingbeil und ich nicht“, sagte die Bundesarbeitsministerin. „Seit der Bundestagswahl hängen wir in den Umfragen fest.“ Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Vanessa Angermann Bas stellt Krankschreibung ab erstem Tag infrage Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas stellt die Pläne der schwarz-roten Koalition zur Einführung einer verpflichtenden Krankschreibung ab dem ersten Tag infrage. „Ich bin koalitionstreu, aber wir sollten uns schon nochmal fragen, ob das sinnvoll ist“, sagte die SPD-Vorsitzende der Funke Mediengruppe. „Es soll etwa eine Ausnahme für tarifgebundene Unternehmen geben, die andere Regelungen haben. Wenn ich eine Pflicht einführe und anschließend 95 Ausnahmen reinschreibe, stellt sich die Frage, ob man das überhaupt noch braucht.“ Bas betonte, die Pflicht zur Krankschreibung ab dem ersten Tag sei mit einer Termingarantie bei Ärzten und der Schlaganfallvorsorge gekoppelt. „Das ist der Kompromiss, der ein Gesamtpaket ist.“ Auf den Hinweis, das Primärversorgungskonzept des Gesundheitsministers, das für die Termingarantie nötig wäre, werde aber noch dauern, antwortete die Arbeitsministerin, das liege nicht in ihrer Hand. „Wir wollten keine Karenztage und keine Kürzung der Lohnfortzahlung. Beides wollte die Union. Im Gegenzug haben wir zähneknirschend der Pflicht zur Krankschreibung ab dem ersten Tag zugestimmt, obwohl wir sie inhaltlich für falsch halten“, sagte Bas. „Meine Sorge ist, dass dann Menschen mit einem leichten Infekt am ersten Tag zum Arzt gehen und aus einem kurzen Ausfall am Ende eine ganze Woche Krankschreibung wird.“ Bas betonte, die Pflicht zur Krankschreibung ab dem ersten Tag sei mit einer Termingarantie bei Ärzten und der Schlaganfallvorsorge gekoppelt. „Das ist der Kompromiss, der ein Gesamtpaket ist.“ Auf den Hinweis, das Primärversorgungskonzept des Gesundheitsministers, das für die Termingarantie nötig wäre, werde aber noch dauern, antwortete die Arbeitsministerin, das liege nicht in ihrer Hand. „Wir wollten keine Karenztage und keine Kürzung der Lohnfortzahlung. Beides wollte die Union. Im Gegenzug haben wir zähneknirschend der Pflicht zur Krankschreibung ab dem ersten Tag zugestimmt, obwohl wir sie inhaltlich für falsch halten“, sagte Bas. „Meine Sorge ist, dass dann Menschen mit einem leichten Infekt am ersten Tag zum Arzt gehen und aus einem kurzen Ausfall am Ende eine ganze Woche Krankschreibung wird.“ Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen BSW-Länderchefs fordern, den Sonderparteitag am Tag der Landtagswahl zu verschieben Das Thüringer BSW hat für den 6. September einen Sonderparteitag anberaumt – doch der Termin sorgt für Unmut bei den anderen 15 Landesverbänden der Partei. Grund ist die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am selben Tag. In einem Brief fordern die Landesvorsitzenden, den Sonderparteitag in Thüringen zu verschieben.  Dass dieser am Tag der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt geplant sei, „haben wir mit Irritation zur Kenntnis genommen“, heißt es in dem Schreiben, das der dpa vorliegt. Darüber hatte zuvor die Zeitung „Welt“ berichtet. „Es ist damit zu rechnen, dass es auf dem Parteitag zu kontroversen Diskussionen kommt“, appellieren die Landesvorsitzenden in dem Brief an ihre Thüringer Parteikollegen.  „Wer ein solches Ereignis parallel zu einer wichtigen Wahl abhält, nimmt in Kauf, dass das BSW ausgerechnet am Wahltag mit innerparteilichen Auseinandersetzungen Schlagzeilen macht. Niemand, der den Einzug des BSW in die Landtage unterstützen möchte, kann das wollen." Hintergrund des geplanten Parteitags des Landesverbandes ist ein Streit mit dem BSW-Bundesvorstand. Dieser hat verlangt, dass die Thüringer BSW-Fraktion Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) die Unterstützung entzieht und die Koalition mit CDU und SPD verlässt. Auslöser ist die Aberkennung von Voigts Doktortitel durch die Technische Universität Chemnitz. Dagegen geht er juristisch vor.  Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Mihalic zu AfD-Verbotsantrag: Sollten nicht zwischen Landesverbänden unterscheiden Die Erste Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen-Bundestagsfraktion, Irene Mihalic, hat zurückhaltend auf die Forderung von Cem Özdemir (Grüne) und Boris Pistorius (SPD) in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (F.A.S.) reagiert, Verbotsanträge für die als völkisch eingestuften AfD-Landesverbände zu stellen. Mihalic warnte davor, zwischen Strömungen oder Landesverbänden zu unterscheiden. „Generell kann ich die Initiative von Cem Özdemir und Boris Pistorius gut nachvollziehen und weiß, dass sie von tiefer Sorge um die Entwicklung unserer Demokratie getragen ist“, sagte sie dem „Handelsblatt“. „Allerdings sehe ich die Gefahr, dass sich am Ende festsetzt, es gebe einen verfassungsfeindlichen und einen verfassungsgemäßen Teil der AfD.“ Das sei vielleicht zur Zeit der Parteigründung noch so gewesen. „Mittlerweile ist aus meiner Sicht klar, dass die ganze AfD auf Kriegsfuß mit unserer demokratischen Verfassung steht“, sagte Mihalic. „Die AfD ist eine reale Gefahr für Menschen mit Migrationshintergrund, Menschen, die nicht heterosexuell sind, und politische Gegner, die, ginge es nach der AfD, mit Verfolgung und Strafen rechnen müssten.“ Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir und Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius hatten sich zuvor in einem Gastbeitrag für die F.A.S. dafür ausgesprochen, für manche AfD-Landesverbände beim Bundesverfassungsgericht einen Verbotsantrag zu stellen. „Wir plädieren aufgrund unserer persönlichen Überzeugung noch einmal eindringlich für eine baldmöglichste Einleitung eines Verbotsverfahrens, mit einem Fokus auf die eindeutig völkischen Landesverbände der AfD in Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg. Das ist rechtlich möglich, durch Belege gedeckt, von der Verfassung geboten“, schreiben die beiden Politiker.  Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen

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29. August
ZDF heute

Ulrich Siegmund: Posterboy eines radikalen Programms

Landtagswahl in Sachsen-Anhalt:Ulrich Siegmund: Posterboy eines radikalen Programms von David Gebhard und Julia Theres Held Kurz vor der Wahl in Sachsen-Anhalt sehen Umfragen die AfD klar vorn. Spitzenkandidat Siegmund schafft es, sich mit wohlfühlweicher Unklarheit durch den Wahlkampf zu lächeln. Sein Dauerstrahlen und die gute Laune - es gibt wohl kaum ein Porträt, das ohne diese Attribute auskommt: Ulrich Siegmund, Spitzenkandidat der AfD in Sachsen-Anhalt, hat das Bild der Partei verändert. Und ihren Wahlkampf. Die alte Wutpartei, deren Erfolgsrezept es schien, die Unzufriedenheit der Bürger mit einem möglichst düsteren Deutschlandbild zum Kochen zu bringen, setzt neuerdings demonstrativ auf Positiv-Botschaften. "Alles wird gut" steht auf den Wahlplakaten. Und Ulrich Siegmund erscheint als der Heilsbringer dieses Versprechens. AfD-Wahlkampfstände: Schlange stehen für Selfies mit Siegmund An den Wahlkampfständen lange Selfie-Schlangen und ein Spitzenkandidat, der sich höchstens dafür rechtfertigen muss, beim Autogrammeschreiben nicht schnell genug zu sein. Politikwissenschaftler sprechen von "Wohlfühl-Gemeinschaften". Den politischen Mitbewerbern, die froh sein können, wenn ihnen die Flyer nicht noch am Wahlkampfstand vor die Füße geknüllt werden, dürfte das Lachen vergangen sein. Wenn die AfD bei den Wahlen in Sachsen-Anhalt eine Mehrheit bekommt, will sie im Bundesland vieles umkrempeln. Was würde das für das Bundesland bedeuten? 28.08.2026 | 18:57 minDass der Verfassungsschutz den Landesverband Sachsen-Anhalt 2023 als gesichert rechtsextremistisch einstufte, spielt beim Wähler offenbar kaum eine Rolle. Das Wahlprogramm, das von pervers-linken Fanatikern spricht, "die die Seelen unserer Kinder ins Visier nehmen", die Adressen von Sexualstraftätern nach Strafverbüßung veröffentlichen will und behauptet, "echten Rassismus" gebe es kaum noch, wird vom Charme des Mannes überstrahlt, der es umsetzen will. Ulrich Siegmund zu Treffen mit Sellner: "Potsdamer Kaffeekränzchen" Dubiose Anstellungsverhältnisse von Angehörigen bei Parteifreunden, denen selbst Parteichef Tino Chrupalla ein "Geschmäckle" attestiert, bezeichnet Siegmund als "Kampagne". Keinen Bürger da draußen würde das interessieren. Bei der Vergabe von Posten setzten manche AfD-Vertreter offenbar auf Familie, Verwandte und Bekannte. Darüber berichtete frontal bereits Anfang des Jahres. Hat sich seitdem etwas geändert? 09.06.2026 | 10:44 minSeine Teilnahme am umstrittenen Treffen mit dem rechtsextremen Remigrations-Fetischisten Martin Sellner nennt Siegmund "Potsdamer Kaffeekränzchen." Nach dem Motto: Bitte weitergehen, hier gibt es nichts zu sehen. Welches Verhältnis hat der AfD-Spitzenkandidat zu Rechtsextremen? Sein Verhältnis zu Rechtsextremen - insgesamt unklar. In seinem Umfeld finden sich Vertraute, die in der inzwischen wegen "Wesensverwandtschaft mit dem Nationalsozialismus" verbotenen HDJ aktiv waren. Für Siegmund: "Jugendsünden", "längst verjährt". Den YouTuber Matthäus Westfal alias "Aktivist-Mann" lobt Siegmund in einem Podcast: "Es gibt viele Gute, die berichten." Dass der Streamer beim Sturm auf den Reichstag 2020 ganz vorne mit dabei war und bekannt ist für seine Kontakte zu Holocaustleugnern, scheint ihn nicht zu stören. Erst als Westfal vergangene Woche einen Spiegel-Reporter anrempelt und brüllt: "Ihr habt mit dem deutschen Volk nichts zu tun! Ihr seid Antideutsche!", fordert die Partei Mäßigung. Siegmund und der Ex-Vize der NPD Und dann ist da noch Sebastian Schmidtke, ehemaliger Vize-Bundesvorsitzender der NPD bzw. "Die Heimat", inzwischen auch als Streamer unterwegs und auf dem Bundesparteitag der AfD akkreditiert. Siegmund wirkt vertraut mit dem verurteilten Neonazi, legt ihm kumpelhaft die Hand auf die Schulter, lobt seine Arbeit: "Mach weiter so!" Gefragt, wie er selbst Nationalsozialismus und Holocaust bewertet, ob auch er die Jahre 33 bis 45 als "schlimmstes Menschheitsverbrechen" bezeichnen würde, antwortet Siegmund ausweichend: "Das maße ich mir nicht an, zu bewerten. Weil ich die gesamte Menschheit nicht aufarbeiten kann." Am 6. September wird in Sachsen-Anhalt ein neuer Landtag gewählt. Dazu veranstaltete das MDR gestern ein TV-Duell zwischen Ulrich Siegmund (AfD) und Ministerpräsident Sven Schulze (CDU). 27.08.2026 | 1:54 minSiegmunds Position auch für manche in der AfD unklar Selbst unter Parteifreunden stellen sich einige die Frage, wo Siegmund wirklich steht. Und manche haben eine Art Spiel etabliert: Phrasen-Bingo und der Versuch, aus den immergleichen Worthülsen "vom gesunden Menschenverstand", der Politik, die man "vom Kopf auf die Füße" stellen werde und seiner "positiven Vision fürs Land", irgendwelche echten Positionen herauszufiltern. Was also mit einem möglichen Wahlsieger Ulrich Siegmund auf Sachsen-Anhalt und den Rest der Republik zukommen würde, bleibt unklar. Wird er die Erwartungen vieler im Land erfüllen? Oder ist er, wie andere fürchten, die personifizierte Selbstverharmlosung einer rechtsradikalen Partei, die in der Beschäftigung mit der NS-Zeit die Verewigung eines Schuldkomplexes sieht und die inzwischen - laut Parteichefin Weidel - davon spricht, tatsächlich alle Syrer aus Deutschland zurückzuführen? Eine Marionette gar der Parteiführung in Berlin, wie es CDU-Ministerpräsident Schulze formuliert hat? "Alles ist möglich" heißt es auf den AfD-Wahlplakaten. Und tatsächlich: Klarheit werden wohl erst die nächsten Monate bringen. David Gebhard und Julia Theres Held arbeiten in der Redaktion frontal. Lassen Sie sich Beiträge von ZDFheute bevorzugt bei Google anzeigen. → Hier ZDFheute als bevorzugte Quelle einstellen. Mehr zu AfD in Sachsen-Anhalt - ExklusivZDF-Politbarometer Extra:Sachsen-Anhalt: AfD klar stärkste Partei vor CDUmit Video0:29 - FAQManipulationsgerüchte vor Landtagswahlen:Briefwahl: Wie die AfD Sorgen vor Wahlbetrug befeuertvon Katja Belousova und Nils Metzgermit Video13:22 - AfD will mehr Abschiebungen:Fachkräftemangel: Wer hält Sachsen-Anhalt am Laufen?von Andreas Weisemit Video1:58 - Kündigung von Rundfunk-Staatsverträgen:Wie eine AfD-Regierung die Medienlandschaft verändern könntevon Samuel Kirschmit Video0:41

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28. August
Tagesschau

AfD-Spitzenkandidat Siegmund: Der charismatische Verkäufer der AfD

AfD-Spitzenkandidat Siegmund Der charismatische Verkäufer der AfD Ulrich Siegmund will AfD-Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt werden. Er punktet mit Inszenierung und einfachen Botschaften. Dabei will er charismatisch wirken - und nicht wie ein strategischer Hardliner. Seit 2016 sitzt Ulrich Siegmund (AfD) im Landtag von Sachsen-Anhalt. Nun will der Mann, der einen vom dortigen Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuften Landesverband im Wahlkampf anführt, der erste AfD-Ministerpräsident Deutschlands werden. Die Umfragen sehen seine Partei in dem Bundesland weit vorn. Er ist das klare Gegenmodell zum amtierenden CDU-Ministerpräsidenten Sven Schulze: Während dieser sich gern bodenständig gibt, tritt Siegmund als perfekt inszenierter Verkäufer auf. In Interviews sitzt jede Formulierung, sein Stil ist präzise, seine Botschaften sind wiederholt und eingängig. Aufwachsen in der "heilen Welt" Siegmunds Heimat ist Tangermünde, eine Kleinstadt an der Elbe im Norden Sachsen-Anhalts. Diese ländlich geprägte Region in der Altmark ist für ihn politisches Programm: Er beschreibt in einem Interview mit dem mdr Sachsen-Anhalt die Kleinstadt als "heile Welt", in der man sich helfe und zusammenstehe. Genau so, sagt er, solle es bald überall im Land aussehen. Seine Kindheit schildert er als behütet und voller Freiheit, so sagt er, "eine Zeit, in der man abends noch unbeschwert auf den Straßen spielen konnte", lässt er sich in Interviews zitieren. Er präsentiert seinen Wählern einen Verlust an Sicherheit, die er zurückholen will. Wie er diesen Zustand wiederherstellen will, verrät das Programm seiner Partei. Die AfD Sachsen-Anhalt fordert darin unter anderem eine" unverkrampfte" und "auf gesunde Weise selbstbewusste deutsche Identität" und schreibt wörtlich, die "Einleitung einer Abschiebe- und Remigrationsoffensive" sei "zwingend notwendig", dafür sind allein 100 Millionen Euro im eigenen Alternativhaushalt vorgesehen. Zwei Migrationsrechtler der Universität Halle-Wittenberg kommen in einer Einordnung des Programms auf dem Fachportal Verfassungsblog zu dem Schluss, dass zentrale Vorhaben rechtswidrig wären, darunter die geplante Abschiebehaft in regulären Gefängnissen, die angestrebten Rückführungsabkommen mit anderen Staaten, die durch das Lindauer Abkommen untersagt sind, sowie die vorgesehenen Leistungskürzungen für Asylbewerber, die Gerichte schon jetzt als verfassungswidrig einstufen. - CDU: Wer ist Sven Schulze - der Mann, der die AfD stoppen soll? - Linke: Eva von Angern – In Magdeburg gegen Schulze, im Land mit der CDU - SPD: Vom Professor zum SPD-Spitzenkandidaten: Wer ist Armin Willingmann? - Grüne: Zwischen Krankenhaus und Landtag: Wer ist Grünen-Spitzenkandidatin Susan Sziborra-Seidlitz? Keine klassische Parteikader-Karriere Familie wird bei Siegmund großgeschrieben, auch politisch: Sein älterer Bruder sitzt parteilos im Tangermünder Stadtrat, der Vater arbeitet heute für einen AfD-Bundestagsabgeordneten. Letzteres unter medialem Aufsehen, als Teil der sogenannten Vetternwirtschaftsaffäre der AfD. Siegmunds Weg in die Politik verlief nicht über die klassischen Parteikader, sondern über die Wirtschaft. Das Gymnasium verließ er nach der 11. Klasse mit der Fachhochschulreife. Er wollte arbeiten, "Wertschöpfung betreiben", und schloss eine verkürzte kaufmännische Ausbildung in einem Elektrogroßhandel ab. Es folgten Jahre im Außendienst quer durchs Bundesland. Später landete er in einer Berliner Augenklinik und wurde dort vom Chef bei einer Behandlung angeworben. Neben dem Vollzeitjob ein Studium: Ein Fernstudium in BWL und Wirtschaftspsychologie. Die Bachelorarbeit schrieb er 2016, im direkten Übergang zu seinem ersten Landtagsmandat. Doch auf Wahlkampfbühnen beruft sich Siegmund heute weitaus lieber auf das "Lagerfegen" und den direkten Kundenkontakt als auf seine theoretischen Abschlüsse. Von der CDU nach rechts Siegmunds politische Reise begann bürgerlich: Mit 18 trat er in die CDU ein, um kommunalpolitisch einen Beitrag für die Region zu leisten. Heute bezeichnet er diesen Schritt als Irrtum, aus dem man lernen müsse. Der Impuls zum Parteiaustritt kam mit der Euro-Rettungspolitik; 2013/2014 wechselte er schließlich zur AfD. Auch mit anderen Institutionen bricht er konsequent: 2017 verließ er die katholische Kirche, deren Werte er zwar weiter "im Herzen" trage, deren deutsche Institution er aber ablehne. Seinen politischen Kompass illustriert ein Bismarck-Porträt in seinem Büro - versehen mit dem Leitsatz, dass ein richtiger Gedanke auf Dauer nicht niedergelogen werden könne. Privat zieht Siegmund klare Grenzen. Politik bleibt am Esstisch tabu, sagt er in einem Gespräch mit dem mdr Sachsen-Anhalt, schließlich gebe es genug andere Themen. Seine Frau lernte er kennen, als er bereits Abgeordneter war; zur jungen Familie gehört auch eine Stieftochter. Über sein Wirtschaftspsychologie-Studium fand er zudem zur Raumbeduftung und vertrieb zeitweise Düfte, die beispielsweise im Nahverkehr das "Aggressionspotenzial" senken sollten. Der smarte Verkäufer der Ideologie In der Partei nimmt Siegmund eine klar definierte Rolle ein: Er ist der charismatische Verkäufer der Ideologie, weniger der Hardliner, der sie im Hintergrund intellektuell ausarbeitet. Das zeigt sich im starken Kontrast zu Personen wie Hans-Thomas Tillschneider, dem stellvertretenden Landesvorsitzenden und Hauptautor des sogenannten Regierungsprogramms. Dessen lauter, herrischer Umgangston, der oft auch Landtagsdebatten hochkochen lässt, ist nicht der Ton, den Siegmund vertritt. Dieser versucht, die Massen mit guter Laune und einfachen Parolen an sich zu binden. "Das Land wieder vom Kopf auf die Füße stellen" oder "Wir schreiben Geschichte" sind eingängige Slogans, die verfangen sollen, damit Siegmund auch schwer Verdauliches aus dem Programm beim Wähler verkaufen kann. Weniger schwer fällt ihm der Umgang mit Personen, die die eigene Partei selbst als unvereinbar erklärt hat. Patrick Harr ist Pressesprecher von Fraktion und Landespartei. Er war als Funktionär in der 2009 verbotenen rechtsextremen Heimattreuen Deutschen Jugend, kurz HDJ, aktiv. Ebenso Laurens Nothdurft: Der Mitarbeiter der Fraktion und Justiziar des Verbandes war in der verbotenen HDJ ebenfalls Funktionär. Totaler Machtanspruch für seine Partei Bei seinen über 700.000 TikTok-Followern und bei öffentlichen Auftritten gibt sich Siegmund nahbar. Doch der smarte Auftritt schützt nicht vor medialen Skandalen in einem Landesverband, der vom dortigen Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft wird. Am sogenannten Potsdamer Treffen im November 2023 nahm er aktiv teil und hielt einen Vortrag zur "Vision 2026", was er bis heute verharmlosend als "Kaffeekränzchen" abtut. Auch die Berichterstattung über familiäre Vetternwirtschaft in der Fraktion prallt an ihm ab. Der Machtanspruch des Spitzenkandidaten ist total: Regieren will er am liebsten völlig ohne Partner. Seine Zielmarke ist "45 Prozent plus X". Eine Koalition mit der CDU oder anderen Parteien schließt er kategorisch aus.

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27. August
Handelsblatt

Sachsen-Anhalt: Sie feiern ihn wie den Messias – wie die CDU gegen AfD-Kandidat Siegmund ankämpft

Der Kampf um das politische Versuchslabor Sachsen-Anhalt Wernigerode, Merseburg, Halle (Saale), Zorbau, Berlin. Es läuft nicht nach Plan für Sven Schulze. An diesem Montagabend in Wernigerode ist das ausnahmsweise eine gute Nachricht für den CDU-Spitzenkandidaten in Sachsen-Anhalt. Eigentlich sollte er um 18 Uhr im Saal des „Harzer Kultur- und Kongresshotels“ auf der Bühne stehen, zusammen mit CSU-Chef Markus Söder, der seinen Unionskollegen unterstützen will. Doch der Auftritt verzögert sich um eine halbe Stunde. Der Grund: großer Andrang. „So voll? Wohl eine AfD‑Veranstaltung“, spöttelt jemand in der Schar der CDU-Anhänger. Die Marktplätze und Säle füllt in diesem Wahlkampf AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund, den seine Anhänger bei vielen Auftritten wie einen Messias feiern. CDU-Kandidat Schulze tut sich hingegen schwer. Voll wird es bei den Veranstaltungen des Ministerpräsidenten, wenn er Prominenz mitbringt – ob den Kabarettisten Dieter Hallervorden oder eben seinen bayerischen Amtskollegen. Schulze rackert sich ab, kann aber bisher weder Stimmung noch Umfragen drehen. Siegmund führt unangefochten, es könnte ausweislich der jüngsten Umfragen sogar mit mehr als 40 Prozent für die absolute Mehrheit reichen. Die CDU steht bei 22 Prozent. Die SPD kommt auf acht Prozent. Liberale und Grüne müssen bangen, wieder in den Landtag einzuziehen – auch davon hängt ab, ob die AfD die absolute Mehrheit holt.

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27. August
Tagesschau

Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: Sven Schulzes Bewährungsprobe

CDU-Spitzenkandidat Schulze Mit Bodenständigkeit gegen die AfD Kurz vor der Wahl in Sachsen-Anhalt führt die AfD die Umfragen klar an. CDU-Spitzenkandidat und Ministerpräsident Schulze versucht, dagegenzuhalten - vor allem mit seinem Image: bodenständig und nahbar. Seit Januar 2026 ist Sven Schulze (CDU) der jüngste Ministerpräsident Deutschlands. Der 47-Jährige aus dem Harzrand-Dorf Heteborn soll am 6. September gegen die stärkste AfD-Fraktion in einem deutschen Landtag bestehen. Keine acht Monate hat er Zeit gehabt, um sich als Ministerpräsident zu bewähren. Sven Schulzes Weg in die Politik ist ein Lehrstück in Parteikarriere: Junge Union, Gemeinderat, Kreistag, Landesvorsitz der Jungen Union, 2014 der Sprung ins Europaparlament. 2021 holt Reiner Haseloff den studierten Wirtschaftsingenieur zurück nach Magdeburg und baut ihm ein Superministerium aus Wirtschaft, Landwirtschaft, Tourismus und Forsten - im selben Jahr übernimmt Schulze auch den CDU-Landesvorsitz. Was er in fast drei Jahrzehnten Parteiarbeit aufgebaut hat, ist ein Netzwerk. 5.000 Telefonnummern von Brüssel über Berlin bis in die Dörfer des Landes seien ihm zehnmal wichtiger als eine halbe Million Follower, sagte Schulze bei der Amtsübernahme. Mittlerweile setzt aber auch er auf die Sozialen Medien, weil der Wahlkampf dort stattfindet. Denn was ihm noch fehlt: Bekanntheit. Ein Vierteljahr vor der Wahl kannte ihn nicht einmal die Hälfte der Sachsen-Anhalter. Haseloff kennen 94 Prozent. Jetzt holt Schulze auf - mit Terminen vor Ort und einer Stimme in und manchmal gegen Berlin. Mit Hallervorden auf Wahlkampftour Schulze muss sich emanzipieren. Von Berlin, das ihm nicht immer wohlgesonnen ist und immer wieder Probleme vor die Tür legt, die im eigenen Land gar nicht zu lösen sind, und von der AfD, die ihn treibt und die Themen allein durch ihre Präsenz in den Sozialen Medien setzt. Und Schulze versucht den Befreiungsschlag - mit ungewöhnlichen Mitteln: Der Kabarettist und Schauspieler Dieter Hallervorden wird zum Wahlhelfer der CDU. Zum Unmut der Bundespartei und einiger Westverbände, weil der 90-Jährige, gebürtige Dessauer, in seinem Programm auch Bundeskanzler Friedrich Merz und Verteidigungsminister Boris Pistorius als "Kriegsminister" scharf kritisierte. Schulze sieht es als Eintreten für die Kunst und Meinungsfreiheit, während außerhalb von Sachsen-Anhalt die Partei auf Distanz geht. Befreiungsschlag ist nötig Der Befreiungsschlag ist jedoch nötig. Die Themen des Bundes, gerade nach der Reform der Rente und des Gesundheitswesens, treffen in Sachsen-Anhalt nicht auf Gegenliebe. Schulze kämpft zusammen mit den mitteldeutschen Ministerpräsidenten gegen die geplante Rentenreform, gerade weil er um den demografischen Schnitt seines Landes von 48,3 Jahren weiß. Die Kernwählerschaft der CDU ist älter und verzeiht der Partei weitere Einschnitte nicht. Nicht zuletzt deswegen sehen sich die Wahlkämpfer im Land bestärkt, den Wahlkampf aus eigener Kraft zu bestreiten. Kommt politische Prominenz, dann ist es eher Markus Söder zu einem Wirtschaftsdialog in den Harz als Friedrich Merz auf einem Marktplatz. Letzterer wird Sachsen-Anhalt auch besuchen, aber dann zu sehr ausgewählten Terminen, am Rande des Wahlkampfes. - AfD: Wer ist Ulrich Siegmund – der Mann, der für die AfD die Staatskanzlei erobern soll? - Linke: Eva von Angern – In Magdeburg gegen Schulze, im Land mit der CDU - SPD: Vom Professor zum SPD-Spitzenkandidaten: Wer ist Armin Willingmann? - Grüne: Zwischen Krankenhaus und Landtag: Wer ist Grünen-Spitzenkandidatin Susan Sziborra-Seidlitz? Ein Kind der Wende Schulze ist kein geschliffener Verkäufertyp wie sein Herausforderer aus dem AfD-Lager, eher bodenständig. Die Wende erlebte er als Zehnjähriger - mit Westfernsehen, heimlich unterm Dach, anschließend Ärger in der Schule, weil er davon erzählte. Die erste Westreise nach Schöppenstedt, für 100 Westmark Begrüßungsgeld, inklusive Besuch im Spielzeugladen. Weil die Mutter als Lehrerin in Aschersleben arbeitete, musste auch der Sohn dort zur Schule gehen. Und Schulze kennt das typische Landleben: "Meine Großeltern, die hatten immer Schweine. Die musste ich jeden Tag ausmisten", sagte er im Frühjahr am Theater Magdeburg. Direkt nach der Wende wollten er und seine Freunde einen Fußballklub gründen. Die Älteren sagten: unmöglich, viel zu wenige Einwohner im 350-Seelen-Dorf. Sie gründeten trotzdem eine Großfeldmannschaft - der Bürgermeister war so beeindruckt, dass er den Teenager fragte, ob er nicht in den Gemeinderat wolle. Mit 19 Jahren saß Schulze drin, für die CDU. Vom Rasenmäher zum EU-Abgeordneten Schulze entschied sich für den Zivildienst auf dem Bauhof im benachbarten Hedersleben. "Montags die Müllkübel im ganzen Dorf leeren, freitags den Rasen auf dem Sportplatz mähen." Damit begründet er auch seine Forderung, dass Menschen, die Leistungen vom Staat bekommen, dafür etwas zurückgeben sollen, sagte er gegenüber mdr Sachsen-Anhalt mit Blick auf die Diskussion ums Bürgergeld. Nach dem Abitur studierte er Wirtschaftsingenieurwesen in Clausthal-Zellerfeld und arbeitete sieben Jahre als Ingenieur und Vertriebsleiter bei Maschinenbauunternehmen im Harz - klassischen Automobilzulieferern. Er verweist später immer wieder darauf: Erfahrung genau dort, wo heute die Probleme des Landes zu lösen sind. 2014 zog er ins Europaparlament ein. Oder besser: Er holte sich selbst hinein - gegen den alteingesessenen Mandatsträger. Als der ihm in der Kampfkandidatur mangelnde Erfahrung vorwarf, konterte Schulze: "Ich stehe mitten im Leben." Schulze sucht den Konflikt Schon 2009 forderte Schulze als Chef der Jungen Union seine Partei heraus: Die CDU im Land solle ihr "wirtschaftsliberales und wertekonservatives Profil schärfen". 2014 gehörte er zur Gruppe "CDU 2017" um Jens Spahn, die Parteichefin Angela Merkel zu einer Kursänderung drängte. Sie forderten eine wirtschaftsfreundlichere "Agenda 2020", Reformen und ein transparentes Einwanderungsgesetz. Später wurde Schulze Generalsekretär der Landes-CDU und übernahm nach dem Rauswurf von Innenminister Holger Stahlknecht aus dem Kabinett Haseloff auch dessen Landesvorsitz - schon damals mit der Option im Blick, eines Tages auf Haseloffs Stuhl zu sitzen. Familie, Kinder, Karriere Der bekennende Fußballfan ist auch leidenschaftlicher Radfahrer; schon als Wirtschaftsminister bereiste er das Land auf Sommertouren und behauptet, jede Straße zu kennen. Er ist Vater von drei Kindern. Der älteste Sohn aus einer früheren Beziehung macht derzeit eine Ausbildung. Mit seiner Frau Kati hat er zwei weitere, schulpflichtige Kinder, die während der Brüsseler Zeit mit dabei waren und als Kleinkinder fließend Französisch sprachen. Koalition: Klare Worte - mit einer Lücke Politisch betont Schulze immer wieder seinen klaren Kompass - der ihn im September vor Herausforderungen stellen wird. Eine Koalition mit AfD und Linkspartei schließt er aus: "In meinem Kabinett wird kein Minister der AfD und keine Ministerin der Linkspartei sitzen." Seine Aussage bei Markus Lanz zur Ministerpräsidentenwahl sorgte für Kontroversen: "Ich bin ziemlich sicher, wenn es zu einer solchen Situation kommen würde, dass es aus der Mitte keine Mehrheit gibt, dann wird es wahrscheinlich über den längeren Zeitraum erstmal keine Wahl des Ministerpräsidenten in Sachsen-Anhalt geben." Am 6. September treffen zunächst die Wähler ihre Entscheidung. Danach zeigt sich, wie hoch die Wählergunst für Schulze ist - und was er aus der Summe seiner Erfahrungen für das Land macht.

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27. August
Die Welt (Politik)

„Von der AfD kam am Ende nichts“ – Schulze zeigt sich zufrieden nach TV-Duell mit Siegmund

„Von der AfD kam am Ende nichts“ – Schulze zeigt sich zufrieden nach TV-Duell mit Siegmund „Wenn es um Inhalte geht, dann ist die AfD schwach auf der Brust“, sagt Ministerpräsident Schulze nach seinem Gespräch mit AfD-Spitzenkandidat Siegmund. Ein Politikwissenschaftler sieht hingegen keinen eindeutigen Gewinner. Klicken Sie hier, um sich Artikel von WELT in der Google-Suche bevorzugt anzeigen zu lassen. Nach dem TV-Duell mit Ulrich Siegmund sieht Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) seinen Auftritt als gelungen an. Im Gespräch mit WELT TV sagte er: „Ich war insgesamt sehr zufrieden mit diesem Fernsehduell, weil ich zeigen konnte, wenn es um Inhalte geht, dann ist die AfD schwach auf der Brust. Und es ging gestern um Inhalte.“ Er habe konkret zeigen können, wo die Unterschiede beider Kandidaten lägen. Als Beispiel nannte er etwa die Innere Sicherheit. „Dass wir hier keine Bürgerwehr haben wollen, so wie die AfD, sondern dass wir auf unsere Polizei setzen und die weiter unterstützen“, sagte Schulze. Die AfD kündigt in ihrem Wahlprogramm für Sachsen-Anhalt an, eine freiwillige Bürgerwacht einführen zu wollen. Auch im Hinblick auf das Schulsystem habe er klargemacht, dass mehr Praxis an Schulen gelehrt werden solle. „All das sind gestern Aussagen von uns gewesen, auch klar unterlegt inhaltlich. Und von der AfD kam am Ende nichts. Und das kriege ich auch heute ganz viel zurückgespiegelt von den Menschen hier“, sagte Schulze. Der Vorsitzende der CSU‑Landesgruppe, Alexander Hoffmann, bewertete das Gespräch zwischen Schulze und Siegmund bei WELT TV als „sehr spannendes Duell, ein sehr offensives Duell“. Aus Sicht des Politikwissenschaftlers Benjamin Höhne von der TU Chemnitz hat es beim Aufeinandertreffen der beiden Politiker keinen eindeutigen Gewinner gegeben. Der Ministerpräsident habe versucht, „sehr staatsmännisch aufzutreten, ausgewogen zu argumentieren“ und aufzuzeigen, „dass viele Punkte, die Siegmund angesprochen hat, etwa der Migrationspolitik, gar nicht Angelegenheit der Landesebene sind“, sagte er. AfD-Kandidat Siegmund ist aus Sicht des Experten insbesondere auf Nachfrage selten konkret geworden und habe stattdessen eher Plattitüden geäußert. „Also zurück in die guten alten Zeiten, die politische Klasse, die gegen das Land arbeitet. Das sind natürlich sozusagen populistische Problembeschreibungen, aber keine Konzepte.“

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27. August
taz (Öko & Co)

Vor der Wahl in Sachsen-Anhalt: Siegmund bezeichnet Schulze als „Flachzange“

Vor der Wahl in Sachsen-Anhalt: Siegmund bezeichnet Schulze als „Flachzange“ In der MDR-Wahlarena duellieren sich der Ministerpräsident und der AfD-Spitzenkandidat. Welche Botschaften sie setzen und wie sie sich geschlagen haben. dpa | Rund eineinhalb Wochen vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt haben sich die Spitzenkandidaten der Parteien in der MDR-Wahlarena einen Schlagabtausch geliefert: um die Migration, die Zukunft der Wirtschaft – und manche AfD-Aussage. Zunächst trafen CDU-Spitzenkandidat Sven Schulze und sein umfragestärkster Konkurrent Ulrich Siegmund von der AfD zu einem Duell aufeinander, der Ton war teils rau. Danach wurde die Runde um die Spitzenkandidaten anderer Parteien erweitert. Schulze setzte mit der Wirtschaft auf eines seiner Kernthemen. Siegmund habe kein Konzept für die Zukunft, etwa wenn es um Jobs gehe, betonte der frühere Wirtschaftsminister. Schulze wies auf Millionen-Investitionen im Landkreis Wittenberg am Chemiestandort Piesteritz hin, wo er im zuvor Gespräche geführt hat. „Ich labere nicht nur, ich liefere.“ Siegmund wiederum warf Schulze eine „abgehobene Perspektive“ vor. Die CDU regiere seit 24 Jahren in Sachsen-Anhalt und habe es nicht hinbekommen, dass die Kita kostenlos sei. „Wir sind auf dem richtigen Weg“, sagte Siegmund mit Blick auf seine Pläne und die AfD-Umfragewerte. Einstecktuch und Sachsen-Anhalt-Wappen Optisch setzte Siegmund auf einen schwarzen Anzug mit gepunkteter Krawatte und Einstecktuch. Schulze kam in Blau, mit Sachsen-Anhalt-Wappen am Revers. Teilweise redeten beide durcheinander, der Ton wurde zwischenzeitlich rau. Siegmund bezeichnete Schulze etwa als „Flachzange“, wollte das aber politisch, nicht menschlich verstanden wissen. Der Ministerpräsident kritisierte die Wortwahl: „Mir würde es nie einfallen, Sie als Flachzange zu bezeichnen.“ Auf die Frage, ob Siegmund ein Rechtsextremist sei, legte sich Schulze nicht fest. „Ich will das nicht beurteilen, was ihn als Person angeht. Das kann ich auch nicht. Aber ich weiß, mit wem er sich umgibt“, sagte der CDU-Politiker. Die Menschen in Siegmunds Umfeld seien „sehr gefährliche, sehr extreme Menschen“. Was ist möglich? Schulze warf seinem Konkurrenten falsche Versprechungen vor. „Er schafft ein Gefühl, er sagt, alles ist möglich“, sagte der Regierungschef über Siegmund. Das sei eine Aussage, „die würde ich nie auf meine Plakate schreiben, weil: Es ist nicht alles möglich.“ Man müsse realistisch mit den Menschen sprechen, betonte der Regierungschef. Als Siegmund nach seinen wichtigsten Punkten gefragt wurde, wurde er nicht sehr konkret. Er sagte, er wolle das tun, was richtig für das eigene Land und das eigene Volk sei. Zudem möchte er weniger Migration. Gemeinsam sorgen sich Siegmund und Schulze um den Zusammenhalt. Egal wie diese Wahl ausgehe, man werde ein gespaltenes Land haben, so der AfD-Mann. Der CDU-Politiker gab sich hingegen staatstragend und betonte, die Menschen könnten sich darauf verlassen, dass sie einen Ministerpräsidenten hätten, der nicht spalte, sondern zusammenführe. So ist die Ausgangslage Die AfD hat ihren Vorsprung auf die CDU ausgebaut. In einer neuen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Infratest dimap im Auftrag der ARD kommt die im Land als gesichert rechtsextrem eingestufte Partei auf 42 Prozent – das ist ein Prozentpunkt mehr als im Juli. Die CDU liegt bei 22 Prozent, sie verliert im Vergleich zur letzten Befragung zwei Punkte. Es folgen die Linke mit 11 Prozent (minus zwei), die SPD mit 8 Prozent (plus eins) und die Grünen mit 6 Prozent (plus eins). Das BSW würde mit 4 Prozent ebenso wie die FDP mit 3 Prozent an der Fünfprozenthürde scheitern. Alle übrigen Parteien kämen zusammen auf 4 Prozent. Etwa jeder zehnte Wahlberechtigte (11 Prozent) gab an, dass sich die Parteipräferenz bis zum Wahltag noch ändern könnte. Bei einem solchen Wahlausgang würde die AfD ihr Ziel einer Alleinregierung nicht erreichen. Eine CDU-geführte Minderheitsregierung mit SPD und Grünen wäre gegebenenfalls auf Unterstützung der Linken angewiesen. Laut der Umfrage sind die Anhänger der Union geteilter Meinung (jeweils 47 Prozent), ob eine CDU-geführte Landesregierung von der Linken unterstützt werden sollte. Was passiert nach der Wahl? In der MDR-Wahlarena bekräftigte Siegmund sein Ziel einer AfD-Alleinregierung. Eine Regierung der CDU mit den Linken wäre dagegen „der Untergang für Sachsen-Anhalt“, sagte Siegmund. Schulze blieb bei der Frage nach den Koalitionsoptionen vage und betonte, er werde sich nicht von jemandem abhängig machen. Es gehe darum, das Land am Laufen zu halten, so der Ministerpräsident. Grünen-Spitzenkandidatin Susan Sziborra-Seidlitz sagte, man werde alles dafür tun, dass es eine demokratische Mehrheit und eine handlungsfähige Regierung gebe. FDP-Landeschefin Lydia Hüskens betonte, die Liberalen stünden für Bündnisse in der Mitte zur Verfügung, eine Zusammenarbeit mit ganz rechts und links lehne man ab. SPD-Spitzenkandidat Armin Willingmann sagte, dass Land habe sich unter Koalitionsregierungen gut entwickelt. „Da werden nämlich Interessen ausgeglichen.“ Kompromisslosigkeit sei dagegen der Weg in ein autoritäres System. Er warb für einen Austausch innerhalb „des demokratischen Spektrums“. Linken-Fraktionsvorsitzende Eva von Angern verwies darauf, dass die schwarz-rot-gelbe Regierung nach der Wahl am 6. September keine Mehrheit mehr haben werde. „Aber die gute Nachricht ist doch, es gibt eine demokratische Mehrheit“, so von Angern. Man stehe da gemeinsam in der Verantwortung. BSW-Spitzenkandidat Thomas Schulze sagte, es wäre schade, wenn die „Brandmauer-Parteien“ weiter regierten. Seine Partei plädiert für einen überparteilichen Ministerpräsidenten. Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen meistkommentiert

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27. August
FAZ (Politik)

Schulze gegen Siegmund: Attacke, Attacke, Attacke – das ist jetzt die CDU-Strategie

Schulze gegen Siegmund : Attacke, Attacke, Attacke – das ist jetzt die CDU-Strategie Im MDR-Duell geht Ministerpräsident Sven Schulze die AfD offensiv an. Deren Spitzenkandidat Ulrich Siegmund bleibt lieber grundsätzlich – und denkt längst über Sachsen-Anhalt hinaus. Der sachsen-anhaltische Ministerpräsident Sven Schulze schaltet sofort in den Angriffsmodus, als er am Mittwochabend im MDR im direkten Duell auf den AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund trifft. Der CDU-Politiker greift das „Frauenbild der AfD“ auf und wirft Siegmund vor, dass seine Partei „Frauen zurück am Herd“ sehen wolle. „So ein Schwachsinn“, weist Siegmund das zurück und spricht von „Fake News“. Und in dieser Pauschalität lässt sich der Vorwurf von Schulze tatsächlich nicht belegen. Auch die Aussage, der AfD-Landesvorsitzende Martin Reichardt sei auf einem Foto beim Hitlergruß zu sehen, hängt etwas in der Luft, denn besagte Fotografie belegt dies nicht eindeutig. Der Vorwurf des Rechtsextremismus gegen die AfD hätte an anderer Stelle auf festeren Füßen gestanden, doch Schulze bringt ihn hier. Doch mit seinen Attacken zeigt der Amtsinhaber sogleich, dass er die harte Konfrontation nicht scheut. Und Siegmund braucht einige Zeit, sich zu sortieren. Die ersten Minuten verbringt er vor allem mit Phrasen wie „Die Zukunft ist die AfD in Deutschland“ und „Wir werden Geschichte schreiben, so oder so“. Siegmund punktet beim Thema Merz, Schulze beim Spritpreis Und die nächste Attacke von CDU-Spitzenkandidat Schulze, dessen Partei in einer am Mittwochabend veröffentlichten Umfrage nur noch auf 22 Prozent kommt, folgt sogleich. Eine AfD-geführte Landesregierung unter Siegmund werde bloß eine „Marionette von Frau Weidel“ sein, warnt er. Er hingegen bringe die „Themen von Sachsen-Anhalt in Berlin“ ein. Berlin – das ist genau das richtige Stichwort für Siegmund, der nun spitz fragt, „wo Herr Merz aktuell in ihrem Wahlkampf ist“? Der Kanzler ist im CDU-Wahlkampf kaum zu sehen. Es wirkt fast so, als müsse er versteckt werden. Punkt für Siegmund. Später greift Siegmund beim Thema Spritpreise an, doch den Treffer bei dem Thema setzt Schulze: Es sei doch die AfD gewesen, „die monatelang dem Herrn Trump hinterhergelaufen“ sei. Und der trage schließlich maßgebliche Verantwortung für die hohen Preise, erklärt Schulze. Die AfD sei „weder kritisch bei Putin noch bei Trump“. Dann macht Schulze es gezielt kleinteilig, lenkt den Blick auf Praktikumsgutscheine für Schüler, ein Lieblingsprojekt des CDU-Politikers. Siegmund wirkt an dem Punkt nicht sattelfest und sagt, er müsse dazu erst „mit den Kollegen im Ausschuss reden“. Der Amtsinhaber will bei der Rente mit 63 hart bleiben Hart zeigt sich der Amtsinhaber beim Thema Rente. Der Rentenstreit mit der CDU-geführten Bundesregierung sei ein „Thema, wo ich sehr hart kämpfe“. Schulze kündigt an, dass er der Reform, die ein Ende der abschlagsfreien Rente mit 63 vorsieht, ohne Nachbesserungen im Bundesrat nicht zustimmen werde. Siegmund geht weniger gerne ins Detail und erklärt, mit der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt werde eine grundsätzliche Politikwende für ganz Deutschland eingeleitet. „Das große Rad muss in Berlin gedreht werden“, denn Sachsen-Anhalt sei nun einmal abhängig „von den völlig verrückten Entscheidungen“ dort. Eine AfD-geführte Landesregierung werde da nicht länger mitspielen. „Damit ist jetzt Schluss“, kündigt Siegmund an, triumphierend fügt der AfD-Kandidat, dessen Partei nach der neuen Umfrage auf 42 Prozent kommt, hinzu: „Herr Merz wollte uns halbieren und wenn ich das jetzt sehe, wurden Sie halbiert.“ Die von der Moderatorin formulierte Erwartung, dass „unsere Zuschauer am Ende klüger und nicht verwirrter aus der Sendung gehen“, hat das direkte Duell zwischen Siegmund und Schulze im MDR nur in Ansätzen erfüllt. Dafür war eine halbe Stunde zu kurz, bevor die Runde um die Spitzenkandidaten der anderen Parteien erweitert wurde, was man allerdings schon öfters im Wahlkampf sehen konnte.

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27. August
FAZ (Politik)

Schulze gegen Siegmund: Attacke, Attacke, Attacke – das ist jetzt die CDU-Strategie

Schulze gegen Siegmund : Attacke, Attacke, Attacke – das ist jetzt die CDU-Strategie Im MDR-Duell geht Ministerpräsident Sven Schulze die AfD offensiv an. Deren Spitzenkandidat Ulrich Siegmund bleibt lieber grundsätzlich – und denkt längst über Sachsen-Anhalt hinaus. Der sachsen-anhaltische Ministerpräsident Sven Schulze schaltet sofort in den Angriffsmodus, als er am Mittwochabend im MDR im direkten Duell auf den AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund trifft. Der CDU-Politiker greift das „Frauenbild der AfD“ auf und wirft Siegmund vor, dass seine Partei „Frauen zurück am Herd“ sehen wolle. „So ein Schwachsinn“, weist Siegmund das zurück und spricht von „Fake News“. Und in dieser Pauschalität lässt sich der Vorwurf von Schulze tatsächlich nicht belegen. Auch die Aussage, der AfD-Landesvorsitzende Martin Reichardt sei auf einem Foto beim Hitlergruß zu sehen, hängt etwas in der Luft, denn besagte Fotografie belegt dies nicht eindeutig. Der Vorwurf des Rechtsextremismus gegen die AfD hätte an anderer Stelle auf festeren Füßen gestanden, doch Schulze bringt ihn hier. Doch mit seinen Attacken zeigt der Amtsinhaber sogleich, dass er die harte Konfrontation nicht scheut. Und Siegmund braucht einige Zeit, sich zu sortieren. Die ersten Minuten verbringt er vor allem mit Phrasen wie „Die Zukunft ist die AfD in Deutschland“ und „Wir werden Geschichte schreiben, so oder so“. Siegmund punktet beim Thema Merz, Schulze beim Spritpreis Und die nächste Attacke von CDU-Spitzenkandidat Schulze, dessen Partei in einer am Mittwochabend veröffentlichten Umfrage nur noch auf 22 Prozent kommt, folgt sogleich. Eine AfD-geführte Landesregierung unter Siegmund werde bloß eine „Marionette von Frau Weidel“ sein, warnt er. Er hingegen bringe die „Themen von Sachsen-Anhalt in Berlin“ ein. Berlin – das ist genau das richtige Stichwort für Siegmund, der nun spitz fragt, „wo Herr Merz aktuell in ihrem Wahlkampf ist“? Der Kanzler ist im CDU-Wahlkampf kaum zu sehen. Es wirkt fast so, als müsse er versteckt werden. Punkt für Siegmund. Später greift Siegmund beim Thema Spritpreise an, doch den Treffer bei dem Thema setzt Schulze: Es sei doch die AfD gewesen, „die monatelang dem Herrn Trump hinterhergelaufen“ sei. Und der trage schließlich maßgebliche Verantwortung für die hohen Preise, erklärt Schulze. Die AfD sei „weder kritisch bei Putin noch bei Trump“. Dann macht Schulze es gezielt kleinteilig, lenkt den Blick auf Praktikumsgutscheine für Schüler, ein Lieblingsprojekt des CDU-Politikers. Siegmund wirkt an dem Punkt nicht sattelfest und sagt, er müsse dazu erst „mit den Kollegen im Ausschuss reden“. Der Amtsinhaber will bei der Rente mit 63 hart bleiben Hart zeigt sich der Amtsinhaber beim Thema Rente. Der Rentenstreit mit der CDU-geführten Bundesregierung sei ein „Thema, wo ich sehr hart kämpfe“. Schulze kündigt an, dass er der Reform, die ein Ende der abschlagsfreien Rente mit 63 vorsieht, ohne Nachbesserungen im Bundesrat nicht zustimmen werde. Siegmund geht weniger gerne ins Detail und erklärt, mit der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt werde eine grundsätzliche Politikwende für ganz Deutschland eingeleitet. „Das große Rad muss in Berlin gedreht werden“, denn Sachsen-Anhalt sei nun einmal abhängig „von den völlig verrückten Entscheidungen“ dort. Eine AfD-geführte Landesregierung werde da nicht länger mitspielen. „Damit ist jetzt Schluss“, kündigt Siegmund an, triumphierend fügt der AfD-Kandidat, dessen Partei nach der neuen Umfrage auf 42 Prozent kommt, hinzu: „Herr Merz wollte uns halbieren und wenn ich das jetzt sehe, wurden Sie halbiert.“ Die von der Moderatorin formulierte Erwartung, dass „unsere Zuschauer am Ende klüger und nicht verwirrter aus der Sendung gehen“, hat das direkte Duell zwischen Siegmund und Schulze im MDR nur in Ansätzen erfüllt. Dafür war eine halbe Stunde zu kurz, bevor die Runde um die Spitzenkandidaten der anderen Parteien erweitert wurde, was man allerdings schon öfters im Wahlkampf sehen konnte.

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27. August
Die Zeit (Politik)

Wahlarena in Sachsen-Anhalt: Und auf einmal ist Ulrich Siegmund blank

Wahlarena in Sachsen-Anhalt: Und auf einmal ist Ulrich Siegmund blank Das TV-Duell in Sachsen-Anhalt gerät zu einer hitzigen und überraschenden Debatte zwischen CDU und AfD, die zeigt: Schulze kann kämpfen, und Siegmund gerät ins Schwimmen. Die MDR-Wahlarena machte aus dem Endspurt des Landtagswahlkampfs ein politisches Prizefight-Format mit überraschender Pointe: Der bedrängte Ministerpräsident Sven Schulze wirkte plötzlich wie ein Fighter mit Timing, während AfD-Mann Ulrich Siegmund ausgerechnet unter Live-Druck inhaltlich auf Glatteis geriet. Zuvor hatte die AfD mit einem hochprofessionellen Campaigning aus Saalpublikum, Social-Media-Bildern und Siegerpose eine fast hegemoniale Erzählung aufgebaut, während die CDU defensiv, fahrig und in der Mitte ausblutend wirkte. Im TV-Duell drehte sich das Skript dann kurz: Schulze setzte konkrete Beispiele, harte Treffer und präsidiale Kontrolle, Siegmund blieb bei Buzzwords, Andeutungen und dem ewigen Raunen über „Grundprobleme“ hängen, besonders peinlich sichtbar bei der mehrfach gestellten Frage nach Lösungen für Schulen und Schulsozialarbeit. In der erweiterten Runde versuchten Grüne, SPD, Linke, FDP und BSW daraus jeweils ihr eigenes Spin-off zu bauen – mal als Bollwerk gegen die AfD, mal als Stabilitätsgarant, mal als ökonomische Nischenmarke, wobei das BSW besonders unverblümt als möglicher Machtbeschaffer aufblinkte. Am Ende bleibt Sachsen-Anhalt eine politische Wundertüte mit toxischem Cliffhanger: Schulzes stärkster Auftritt könnte zu spät kommen, Siegmunds Schwächen könnten folgenlos bleiben, und nach der Wahl droht ein Koalitionspoker, bei dem fast alles möglich scheint. Diese Zusammenfassung wurde mithilfe von Künstlicher Intelligenz erstellt. Vereinzelt kann es dabei zu Fehlern kommen. Fanden Sie die Zusammenfassung hilfreich? Es geht an diesem Fernsehabend ziemlich unmittelbar zur Sache, Sven Schulze in der schwarzen Ecke, Ulrich Siegmund in der blauen, und dann let’s get ready to rumble beim politischen Preisboxen im Landesfunkhaus. Und weil ebenso schnell Sätze und Fetzen fliegen, soll auch das Vorgeplänkel in dieser Nachbetrachtung auf das Nötige begrenzt bleiben. Eineinhalb Wochen vor den offenbar gefürchtetsten Landtagswahlen der bundesdeutschen Geschichte erscheint am Mittwoch zunächst eine letzte große Umfrage. Die AfD von Spitzenkandidat Ulrich Siegmundsteht darin bei 42, die CDU von Ministerpräsident Sven Schulze bei 22 Prozent. In den persönlichen Werten liegt Schulze zwar vor seinem aussichtsreichen Herausforderer, das ändert allerdings nichts an der klaren Zwischenbilanz bis dahin. Der AfD ist es in einem höchst professionellen Wahlkampf gelungen, auf der Basis sehr gut besuchter realer Veranstaltungen eine digitale Übermacht von Bildern zu erzeugen, die die Botschaft ausbringen: Wir sind viele, wir werden immer mehr, wir werden siegen. Und danach? »Alles ist möglich«, verspricht die AfD mit ihrer Kampagne.

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27. August
ZDF heute

Schulze gegen Siegmund - so lief das Duell

TV-Debatte vor Landtagswahl:Schulze gegen Siegmund - so lief das Duell von Andreas Postel, Magdeburg Bei der TV-Debatte im MDR lieferten sich die Kandidierenden in Sachsen-Anhalt einen Schlagabtausch. Der Ton wurde dabei zwischenzeitlich rauer. Es war ein zum Teil heftiger Schlagabtausch zwischen den Spitzenkandidaten von CDU und AfD bei der TV-Debatte rund eineinhalb Wochen vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Die Nervosität ist groß und der Versuch offensichtlich, ein eigenes Profil zu schärfen und unentschlossene Wähler anzusprechen. Sven Schulze setzt am Abend mit der Wirtschaft auf eines seiner Kernthemen: Siegmund habe kein Konzept für die Zukunft - etwa, wenn es um Jobs gehe, betonte der frühere Wirtschaftsminister. Schulze wies auf Millionen-Investitionen am Chemiestandort Piesteritz hin, wo er zuvor Gespräche geführt habe. Siegmund wiederum warf Schulze eine "abgehobene Perspektive" vor - die CDU regiere seit 24 Jahren in Sachsen-Anhalt und habe es nicht hinbekommen, dass die Kita kostenlos sei. "Wir sind auf dem richtigen Weg", sagte Siegmund mit Blick auf seine Pläne und die AfD-Umfragewerte. Vor der Wahl in Sachsen-Anhalt wird der Ton rau Teilweise redeten beide durcheinander, der Ton wurde zwischenzeitlich rau. Siegmund bezeichnete Schulze etwa als "Flachzange", wollte das aber politisch, nicht menschlich verstanden wissen. Der Ministerpräsident kritisierte die Wortwahl: "Mir würde es nie einfallen, Sie als Flachzange zu bezeichnen." Auf die Frage, ob Siegmund ein Rechtsextremist sei, legte sich Schulze nicht fest: Ich will das nicht beurteilen, was ihn als Person angeht. Das kann ich auch nicht. Sven Schulze (CDU), Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt Aber die Menschen in Siegmunds Umfeld seien "sehr gefährliche, sehr extreme Menschen". Brandmauer zur AfD nach rechts und nach links der Unvereinbarkeitsbeschluss mit der Linkspartei – kurz vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt sind die Koalitionsmöglichkeiten der CDU begrenzt. 25.08.2026 | 11:33 minSiegmund wenig konkret, Schulze mit Vorwürfen Schulze warf seinem Konkurrenten falsche Versprechungen vor. "Er schafft ein Gefühl, er sagt, alles ist möglich", so der Regierungschef über Siegmund. Das sei eine Aussage, "die würde ich nie auf meine Plakate schreiben, weil: Es ist nicht alles möglich." Man müsse realistisch mit den Menschen sprechen, betonte Schulze. Als Siegmund nach seinen wichtigsten Punkten gefragt wurde, wurde er nicht sehr konkret. Er sagte, er wolle das tun, was richtig für das eigene Land und das eigene Volk sei. Zudem wolle er weniger Migration. Ein weiteres Thema in dem Schlagabtausch war die Inklusion - die der AfD-Kandidat zum gescheiterten Experiment erklärte. Nach seinen Worten müssten die Menschen individuell betrachtet werden. Ministerpräsident Schulze zeigte sich bestürzt darüber: Kinder dürften nicht danach beurteilt werden, wie sie geboren werden. In knapp zwei Wochen wählt Sachsen-Anhalt einen neuen Landtag – Umfragen sehen die AfD weit vorne. In Sangerhausen im Südharz versucht auch die Linkspartei, noch Wähler für sich zu gewinnen. 24.08.2026 | 1:37 minKandidierende in Magdeburg diskutieren Migration Als die Kandidatinnen und Kandidaten der anderen Parteien zur Runde dazustießen, flammte erneut die Diskussion über Migration auf. Armin Willingmann (SPD) verwies auf sinkende Zuwanderungszahlen - Ulrich Siegmund (AfD) kritisierte dagegen die hohe Zahl der Einbürgerungen und forderte die konsequente Abschiebung straffälliger Einwanderer. Ministerpräsident Schulze nannte die Bürgerarbeit, bei der Geflüchtete gemeinnützige Tätigkeiten übernehmen, als positives Beispiel. In dem Zusammenhang äußerte sich Schulze auch zum Thema der inneren Sicherheit. Er sagte, die Zahl der Straftaten in Sachsen-Anhalt habe sich seit 1995 fast halbiert. Susan Sziborra-Seidlitz (Grüne) betonte, Zuwanderung sei notwendig, um die Folgen des demographischen Wandels abzumildern. Eva von Angern (Linke) sagte, es gehe bei Straftaten nicht um die Herkunft der Täter, sondern um die Täter an sich. Man müsse in die Justiz vertrauen und vor allem auf die positiven Beispiele der Migration schauen. BSW-Kandidat Thomas Schulze sprach in der Diskussion davon, dass die Menschen in Sachsen-Anhalt nicht gut integriert seien. Nach seinen Worten kämen Migranten auf ihn zu und sagten: 'Wir sind zwar gut für die Arbeit, aber eine Integration, die soll überhaupt nicht stattfinden.' Vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt liegt die AfD weit vorne. Ladeninhaber mit Migrationshintergrund reagierten darauf mit einem Streik und schlossen ihre Läden. 27.08.2026 | 2:00 minWelche Machtoptionen ergeben sich nach der Wahl? Die Wirtschaft in Sachsen-Anhalt wurde ebenfalls in der erweiterten Runde nochmals umfangreich debattiert. Die Grünen-Spitzenkandidatin Susan Sziborra-Seidlitz sagte, es brauche günstigere Preise für erneuerbare Energien. Lydia Hüskens (FDP) sprach sich dafür aus, die nationale CO2-Abgabe abzuschaffen und bürokratische Hürden abzubauen. Armin Willingmann (SPD) hingegen will Unternehmen und Wissenschaft enger vernetzen. Angesprochen auf die politischen Optionen nach der Wahl sagte Grünen-Spitzenkandidatin Susan Sziborra-Seidlitz, man werde alles dafür tun, dass es eine demokratische Mehrheit und eine handlungsfähige Regierung gebe. FDP-Landeschefin Lydia Hüskens betonte, die Liberalen stünden für Bündnisse in der Mitte zur Verfügung, eine Zusammenarbeit mit ganz Rechts und Links lehne man ab. SPD-Spitzenkandidat Armin Willingmann sagte, das Land habe sich unter Koalitionsregierungen gut entwickelt. "Da werden nämlich Interessen ausgeglichen." Kompromisslosigkeit sei dagegen der Weg in ein autoritäres System. Er warb für einen Austausch innerhalb "des demokratischen Spektrums". AfD-Chefin Weidel zeigt sich im ZDF-Sommerinterview mit Blick auf die Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt siegessicher. Die AfD werde regieren, auch im Bund, sagte Weidel. 23.08.2026 | 3:01 minSiegmund bekräftigt Ziel der Alleinregierung Linken-Fraktionsvorsitzende Eva von Angern verwies darauf, dass die schwarz-rot-gelbe Regierung nach der Wahl am 6. September keine Mehrheit mehr haben werde. "Aber die gute Nachricht ist doch, es gibt eine demokratische Mehrheit", so von Angern. Man stehe da gemeinsam in der Verantwortung. Siegmund bekräftigte sein Ziel einer AfD-Alleinregierung. Angesprochen auf Koalitionsoptionen und den Unvereinbarkeitsbeschluss Richtung AfD und Linke betonte Schulze, er werde sich nicht von jemandem abhängig machen. Es gehe darum, das Land am Laufen zu halten, so der Ministerpräsident. BSW-Spitzenkandidat Thomas Schulze sagte, es wäre schade, wenn die "Brandmauer-Parteien" weiter regierten. Seine Partei plädiert für einen überparteilichen Ministerpräsidenten. Die Zuschauer konnten sich beim MDR vor der Wahl einen umfangreichen Eindruck verschaffen - am 6. September haben dann die Wähler in Sachsen-Anhalt das Wort. Andreas Postel ist Studioleiter im ZDF-Landesstudio Magdeburg. Lassen Sie sich Beiträge von ZDFheute bevorzugt bei Google anzeigen. → Hier ZDFheute als bevorzugte Quelle einstellen. Mehr zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt - Gegen Rassismus und für Demokratie:"Migrations-Streik": Geschäfte in Magdeburg geschlossenmit Video1:36 - Wahl-O-Mat zur Landtagswahl:Wahl in Sachsen-Anhalt: Welche Partei passt zu mir?von Katrin Meyermit Video1:45 - Probleme in der Partei:Trotz hoher Umfragewerte: AfD-Chefin Weidel unter Druckvon Nicole Diekmannmit Video3:01 - Landtagswahlen im September:Umgang mit der AfD: Zerreißprobe für das BSW?von Hassan Rascho und Bernd Mosebachmit Video1:55

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26. August
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Sachsen-Anhalt vor der Wahl - Ratlosigkeit nach TV-Duell

Sachsen-Anhalt vor der Wahl: Ratlosigkeit nach TV-Duell Sie fetzten sich 2 Stunden! Aber wer regiert am Ende mit wem? Magdeburg – Fast zwei Stunden lieferten sie sich einen hitzigen Schlagabtausch in der MDR-Wahlsendung „Fakt ist! Das Duell“. Aber am Ende ließen Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze (47, CDU), AfD-Herausforderer Ulrich Siegmund (35) und fünf weitere Kandidaten die Zuschauer eher ratlos zurück. Denn nach wie vor ist völlig unklar, wer nach der Landtagswahl am 6. September regiert – und vor allem, mit wem. Die AfD kommt in der aktuellen Umfrage von Infratest dimap zwar auf 42 Prozent. Für eine Alleinregierung in Sachsen-Anhalt reicht das aber nicht. Unterstützung durch andere Parteien strebe Siegmund nicht an – obwohl ihm BSW-Mann Thomas Schulze (61) indirekt sogar ein Angebot machte: „Es wäre doch schade, wenn 40 Prozent der Wähler wieder in die Opposition kommen. Wir stehen bereit.“ Aber Siegmund betonte, sich nicht verbiegen zu wollen. Auch Schulze betonte: „Ich werde mich niemals von jemandem abhängig machen.“ Dabei wäre die CDU mit derzeit 22 Prozent auf SPD, Grüne UND Linke angewiesen, um eine Mehrheit zu haben. FDP und BSW wären nach aktuellem Stand nicht im nächsten Landtag vertreten. Schulze: „Ich labere nicht nur, ich liefere“ Migration, Wirtschaft, Bildung, Sicherheit – lautstark und emotional wurde über viele Themen gestritten. Dabei setzte der frühere CDU-Wirtschaftsminister Schulze vor allem auf sein Kernthema. Er wies auf Millionen-Investitionen im Landkreis Wittenberg am Chemiestandort Piesteritz hin, wo er zuvor Gespräche geführt habe: „Ich labere nicht nur, ich liefere.“ Seinem AfD-Konkurrenten warf er falsche Versprechungen vor: „Er schafft ein Gefühl, er sagt, alles ist möglich.“ Das sei eine Aussage, „die würde ich nie auf meine Plakate schreiben, weil: Es ist nicht alles möglich.“ Siegmund hingegen konterte, die AfD habe einen „klaren Plan“ für das Land. Seine Partei wolle unter anderem die Migration „neu ordnen“, um Mittel für Schulen und Krankenhäuser freizumachen. Ministerpräsident Schulze warf er eine „abgehobene Perspektive“ vor und bezeichnete ihn zwischendurch als „Flachzange“. Das sei allerdings politisch gemeint, nicht persönlich. Vorwurf: „Sehr gefährliche Menschen“ in Siegmunds Umfeld Auf die Frage, ob Siegmund ein Rechtsextremist sei, antwortete Schulze: „Ich will das nicht beurteilen, was ihn als Person angeht. Das kann ich auch nicht. Aber ich weiß, mit wem er sich umgibt.“ In Siegmunds Umfeld seien „sehr gefährliche, sehr extreme Menschen“. Haben Sie eine Meinung zu diesem Artikel? Hier können Sie uns schreiben. Haben Sie Fehler entdeckt? Dann weisen Sie uns gern darauf hin.

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26. August
Die Zeit (Politik)

Sachsen-Anhalt: Sven Schulze und Ulrich Siegmund liefern sich kontroverses TV-Duell

Der sachsen-anhaltische Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) und AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund haben sich im Mitteldeutschen Rundfunk ein kontroverses TV-Duell geliefert. In der MDR-Sendung Fakt ist! drehte sich die Diskussion um die Umfragewerte vor der Landtagswahl, bundespolitische Themen, den Umgang mit der AfD und die Frage, ob die Partei bereits regierungsfähig ist. Zu Beginn des Duells kritisierte der Ministerpräsident die AfD und verwies auf aus seiner Sicht fehlende Antworten der Partei auf aktuelle Probleme sowie auf ihr Frauenbild. »Er schafft ein Gefühl, er sagt, alles ist möglich«, sagte der Regierungschef über Siegmund. Das sei eine Aussage, »die würde ich nie auf meine Plakate schreiben, weil: Es ist nicht alles möglich.« Zudem warnte Schulze vor dem Einfluss der Bundesparteivorsitzenden Alice Weidel auf den sachsen-anhaltischen Landesverband. »Ich möchte nicht, dass Sachsen-Anhalt aus der Schweiz regiert wird!«, sagte Schulze. Siegmund entgegnete, die AfD habe einen »klaren Plan« für das Land, und warf Schulze eine »abgehobene Perspektive« vor. Die Umfragewerte vor der Wahl wertete der 35-Jährige als Rückenwind für seine Partei. »Wir sind auf dem richtigen Weg«, sagte Siegmund. Die Menschen hätten genug davon, »bevormundet zu werden«, sagte er. Seine Partei wolle unter anderem die Migration »neu ordnen«, sagte er. Dadurch würden Mittel für andere Investitionen, etwa in Krankenhäuser, frei. Minderheitsregierung könnte auf Linke angewiesen sein Die Debatte verlief konfrontativ. Schulze und Siegmund fielen sich gegenseitig ins Wort und stritten sowohl über die Korrektheit einzelner Argumente als auch über den Umgang miteinander. Viel Raum nahm zudem die Bundespolitik unter Kanzler Friedrich Merz (CDU) ein. Schulze sprach sich dafür aus, die Interessen Sachsen-Anhalts im Bund stärker zu vertreten. Thema war außerdem die Einschätzung des Verfassungsschutzes, wonach die AfD in Sachsen-Anhalt als gesichert rechtsextrem gilt. Auf die Frage, ob er Siegmund rechtsextrem nennen würde, wich Schulze aus. Er wolle nicht beurteilen, was Siegmund als Person angehe. Zugleich kritisierte er, dass sich Siegmund nicht klar von einem Foto des Vorsitzenden des AfD-Landesverbandes in Sachsen-Anhalt, Martin Reichardt, distanziert habe, auf dem dieser den Hitlergruß gezeigt haben soll. Siegmund bezeichnete den Vorwurf als Floskel. Auf die Frage, ob die CDU den bisherigen Ausschluss einer Zusammenarbeit mit der Linken aufgeben würde, wich Schulze aus. »Ich werde mich niemals von irgendjemandem abhängig machen«, sagte Schulze. Laut der jüngsten Umfrage von Infratest dimap im Auftrag der ARD kommt die AfD auf 42 Prozent, die CDU auf 22 Prozent, die Linke auf elf Prozent, die SPD auf acht Prozent und die Grünen auf sechs Prozent. Eine CDU-geführte Minderheitsregierung mit SPD und Grünen könnte auf Unterstützung der Linken angewiesen sein. Grüne, SPD und FDP fordern Bündnis der Mitte Für Diskussion sorgte eine Äußerung Siegmunds über Schulze. Der AfD-Spitzenkandidat bezeichnete den Ministerpräsidenten als »Flachzange«, unterschied aber zwischen Person und Politik. Menschlich würde er Schulze nicht so nennen, politisch schon. Hintergrund war eine Äußerung Alice Weidels, die am Wochenende alle Regierenden in Deutschland pauschal als »Flachzangen« bezeichnet hatte. Schulze kritisierte die Wortwahl. Es gebe »ein gewisses Niveau«, das eingehalten werden solle. Bei der anschließenden Diskussion mit mehreren Spitzenkandidatinnen und -kandidaten sagte die Grünenpolitikerin Susan Sziborra-Seidlitz, man werde alles dafür tun, dass es eine demokratische Mehrheit und eine handlungsfähige Regierung gebe. FDP-Landeschefin Lydia Hüskens betonte, die Liberalen stünden für Bündnisse in der Mitte zur Verfügung. Eine Zusammenarbeit mit ganz Rechts und Links lehne man ab. BSW-Spitzenkandidat Thomas Schulze sagte, es wäre schade, wenn die »Brandmauerparteien« weiter regierten. SPD-Spitzenkandidat Armin Willingmann sagte, das Land habe sich unter Koalitionsregierungen gut entwickelt. Er warb für einen Austausch innerhalb »des demokratischen Spektrums«. Linken-Fraktionsvorsitzende Eva von Angern verwies darauf, dass die schwarz-rot-gelbe Regierung nach der Wahl am 6. September keine Mehrheit mehr haben werde. »Aber die gute Nachricht ist doch, es gibt eine demokratische Mehrheit«, sagte von Angern. Man stehe gemeinsam in der Verantwortung.

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26. August
Handelsblatt

Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: Schulze, Siegmund und die Frage: Wer ist eine „Flachzange“?

Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: Schulze, Siegmund und die Frage: Wer ist eine „Flachzange“? Magdeburg. Rund eineinhalb Wochen vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt haben sich die Spitzenkandidaten der Parteien in der MDR-Wahlarena einen Schlagabtausch geliefert: um die Migration, die Zukunft der Wirtschaft - und manche AfD-Aussage. Zunächst trafen CDU-Spitzenkandidat Sven Schulze und sein umfragestärkster Konkurrent Ulrich Siegmund von der AfD zu einem Duell aufeinander, der Ton war teils rau. Danach wurde die Runde um die Spitzenkandidaten anderer Parteien erweitert. Siegmund bezeichnet Schulze als „Flachzange“ Schulze setzte mit der Wirtschaft auf eines seiner Kernthemen. Siegmund habe kein Konzept für die Zukunft, etwa wenn es um Jobs gehe, betonte der frühere Wirtschaftsminister. Schulze wies auf Millionen-Investitionen im Landkreis Wittenberg am Chemiestandort Piesteritz hin, wo er im zuvor Gespräche geführt hat. „Ich labere nicht nur, ich liefere.“ Siegmund wiederum warf Schulze eine „abgehobene Perspektive“ vor. Die CDU regiere seit 24 Jahren in Sachsen-Anhalt und habe es nicht hinbekommen, dass die Kita kostenlos sei. „Wir sind auf dem richtigen Weg“, sagte Siegmund mit Blick auf seine Pläne und die AfD-Umfragewerte. Einstecktuch und Sachsen-Anhalt-Wappen Optisch setzte Siegmund auf einen schwarzen Anzug mit gepunkteter Krawatte und Einstecktuch. Schulze kam in Blau, mit Sachsen-Anhalt-Wappen am Revers. Teilweise redeten beide durcheinander, der Ton wurde zwischenzeitlich rau. Siegmund bezeichnete Schulze etwa als „Flachzange“, wollte das aber politisch, nicht menschlich verstanden wissen. Der Ministerpräsident kritisierte die Wortwahl: „Mir würde es nie einfallen, Sie als Flachzange zu bezeichnen.“ Auf die Frage, ob Siegmund ein Rechtsextremist sei, legte sich Schulze nicht fest. „Ich will das nicht beurteilen, was ihn als Person angeht. Das kann ich auch nicht. Aber ich weiß, mit wem er sich umgibt“, sagte der CDU-Politiker. Die Menschen in Siegmunds Umfeld seien „sehr gefährliche, sehr extreme Menschen“. Was ist möglich? Schulze warf seinem Konkurrenten falsche Versprechungen vor. „Er schafft ein Gefühl, er sagt, alles ist möglich“, sagte der Regierungschef über Siegmund. Das sei eine Aussage, „die würde ich nie auf meine Plakate schreiben, weil: Es ist nicht alles möglich.“ Man müsse realistisch mit den Menschen sprechen, betonte der Regierungschef. Als Siegmund nach seinen wichtigsten Punkten gefragt wurde, wurde er nicht sehr konkret. Er sagte, er wolle das tun, was richtig für das eigene Land und das eigene Volk sei. Zudem möchte er weniger Migration. Gemeinsam sorgen sich Siegmund und Schulze um den Zusammenhalt. Egal, wie diese Wahl ausgehe, man werde ein gespaltenes Land haben, so der AfD-Mann. Der CDU-Politiker gab sich hingegen staatstragend und betonte, die Menschen könnten sich darauf verlassen, dass sie einen Ministerpräsidenten hätten, der nicht spalte, sondern zusammenführe. So ist die Ausgangslage Die AfD hat ihren Vorsprung auf die CDU ausgebaut. In einer neuen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Infratest dimap im Auftrag der ARD kommt die im Land als gesichert rechtsextrem eingestufte Partei auf 42 Prozent - das ist ein Prozentpunkt mehr als im Juli. Die CDU liegt bei 22 Prozent, sie verliert im Vergleich zur letzten Befragung zwei Punkte. Es folgen die Linke mit 11 Prozent (minus zwei), die SPD mit 8 Prozent (plus eins) und die Grünen mit 6 Prozent (plus eins). Das BSW würde mit 4 Prozent ebenso wie die FDP mit 3 Prozent an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern. Alle übrigen Parteien kämen zusammen auf 4 Prozent. Etwa jeder zehnte Wahlberechtigte (11 Prozent) gab an, dass sich die Parteipräferenz bis zum Wahltag noch ändern könnte. Bei einem solchen Wahlausgang würde die AfD ihr Ziel einer Alleinregierung nicht erreichen. Eine CDU-geführte Minderheitsregierung mit SPD und Grünen wäre gegebenenfalls auf Unterstützung der Linken angewiesen. Laut der Umfrage sind die Anhänger der Union geteilter Meinung (jeweils 47 Prozent), ob eine CDU-geführte Landesregierung von der Linken unterstützt werden sollte. Was passiert nach der Wahl? In der MDR-Wahlarena bekräftigte Siegmund sein Ziel einer AfD-Alleinregierung. Eine Regierung der CDU mit den Linken wäre dagegen „der Untergang für Sachsen-Anhalt“, sagte Siegmund. Schulze blieb bei der Frage nach den Koalitionsoptionen vage und betonte, er werde sich nicht von jemandem abhängig machen. Es gehe darum, das Land am Laufen zu halten, so der Ministerpräsident. Verwandte Themen Grünen-Spitzenkandidatin Susan Sziborra-Seidlitz sagte, man werde alles dafür tun, dass es eine demokratische Mehrheit und eine handlungsfähige Regierung gebe. FDP-Landeschefin Lydia Hüskens betonte, die Liberalen stünden für Bündnisse in der Mitte zur Verfügung, eine Zusammenarbeit mit ganz Rechts und Links lehne man ab. SPD-Spitzenkandidat Armin Willingmann sagte, dass Land habe sich unter Koalitionsregierungen gut entwickelt. „Da werden nämlich Interessen ausgeglichen.“ Kompromisslosigkeit sei dagegen der Weg in ein autoritäres System. Er warb für einen Austausch innerhalb „des demokratischen Spektrums“. Linken-Fraktionsvorsitzende Eva von Angern verwies darauf, dass die schwarz-rot-gelbe Regierung nach der Wahl am 6. September keine Mehrheit mehr haben werde. „Aber die gute Nachricht ist doch, es gibt eine demokratische Mehrheit“, so von Angern. Man stehe da gemeinsam in der Verantwortung. BSW-Spitzenkandidat Thomas Schulze sagte, es wäre schade, wenn die „Brandmauer-Parteien“ weiter regierten. Seine Partei plädiert für einen überparteilichen Ministerpräsidenten.

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26. August
Die Welt (Politik)

Siegmund bezeichnet Schulze als politische „Flachzange“ – der beklagt fehlendes Niveau

Siegmund bezeichnet Schulze als politische „Flachzange“ – der beklagt fehlendes Niveau Abermals treffen die Spitzenkandidaten von AfD und CDU vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt aufeinander. Der Ton ist rau – der AfD-Kandidat greift etwa eine Beleidigung seiner Parteichefin auf. Klicken Sie hier, um sich Artikel von WELT in der Google-Suche bevorzugt anzeigen zu lassen. Rund eineinhalb Wochen vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt haben sich die Spitzenkandidaten der Parteien in der MDR-Wahlarena einen Schlagabtausch geliefert: um die Migration, die Zukunft der Wirtschaft – und manche AfD-Aussage. Zunächst trafen CDU-Spitzenkandidat Sven Schulze und sein umfragestärkster Konkurrent Ulrich Siegmund von der AfD in einem Duell aufeinander, der Ton war teils rau. Danach wurde die Runde um die Spitzenkandidaten anderer Parteien erweitert. Schulze setzte mit der Wirtschaft auf eines seiner Kernthemen. Siegmund habe kein Konzept für die Zukunft, etwa wenn es um Jobs gehe, betonte der frühere Wirtschaftsminister. Er wies auf Millionen-Investitionen im Landkreis Wittenberg am Chemiestandort Piesteritz hin, wo er zuvor Gespräche geführt hat. „Ich labere nicht nur, ich liefere.“ Siegmund wiederum warf Schulze eine „abgehobene Perspektive“ vor. Die CDU regiere seit 24 Jahren in Sachsen-Anhalt und habe es nicht hinbekommen, dass die Kita kostenlos sei. „Wir sind auf dem richtigen Weg“, sagte Siegmund mit Blick auf seine Pläne und die AfD-Umfragewerte. Teilweise redeten beide durcheinander, der Ton wurde zwischenzeitlich rau. Siegmund bezeichnete Schulze auf Nachfrage der Moderation etwa als „Flachzange“, wollte das aber politisch, nicht menschlich verstanden wissen. Der Ministerpräsident kritisierte die Wortwahl: „Mir würde es nie einfallen, Sie als Flachzange zu bezeichnen.“ Er fügte an, es gäbe doch „ein gewisses Niveau“. Auf die Frage, ob Siegmund ein Rechtsextremist sei, legte sich Schulze nicht fest. „Ich will das nicht beurteilen, was ihn als Person angeht. Das kann ich auch nicht. Aber ich weiß, mit wem er sich umgibt“, sagte der CDU-Politiker. Die Menschen in Siegmunds Umfeld seien „sehr gefährliche, sehr extreme Menschen“. Schulze warf seinem Konkurrenten falsche Versprechungen vor. „Er schafft ein Gefühl, er sagt, alles ist möglich“, sagte der Regierungschef über Siegmund. Das sei eine Aussage, „die würde ich nie auf meine Plakate schreiben, weil: Es ist nicht alles möglich.“ Man müsse realistisch mit den Menschen sprechen, betonte der Regierungschef. Als Siegmund nach seinen wichtigsten Punkten gefragt wurde, wurde er nicht sehr konkret. Er sagte, er wolle das tun, was richtig für das eigene Land und das eigene Volk sei. Zudem möchte er weniger Migration. Gemeinsam sorgen sich Siegmund und Schulze um den Zusammenhalt. Egal, wie diese Wahl ausgehe, man werde ein gespaltenes Land haben, so der AfD-Mann. Der CDU-Politiker gab sich hingegen staatstragend und betonte, die Menschen könnten sich darauf verlassen, dass sie einen Ministerpräsidenten hätten, der nicht spalte, sondern zusammenführe. So ist die Ausgangslage Laut einer neuen Umfrage von Infratest dimap hat die AfD den Abstand zur Union noch weiter vergrößert. Für eine Alleinregierung würde es allerdings derzeit nicht reichen. SPD und Grüne würden es demnach in den Landtag schaffen. Die Umfragewerte im Überblick: - AfD: 42 Prozent (+1 Prozentpunkt) - CDU: 22 Prozent (-2 Prozentpunkte) - Linke: 11 Prozent (-2 Prozentpunkte) - SPD: 8 Prozent (+ 1 Prozentpunkt) - Grüne: 6 Prozent (+1 Prozentpunkt) - BSW: 4 Prozent (unverändert) - Sonstige: 7 Prozent (+ 1 Prozentpunkt)

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