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Dienstag, 21. Juli 2026
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Auswertung - Viele Restaurants und Hotels löschen Google-Bewertungen

Medienspektrum

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20. Juli
Der Spiegel

Onlinebewertungen gelöscht: Was sind Google-Sterne wert?

Löschen von Onlinebewertungen Was sind Googles Sterne wert? Auf der Suche nach einem Restaurant oder Hotel schauen viele Menschen zuerst auf die Onlinebewertungen bei Google Maps. Wie viele Sterne geben Gäste dem Betrieb? Seit April dieses Jahres blendet Google einen Hinweis ein, wenn Bewertungen »aufgrund von Beschwerden wegen Diffamierung« gelöscht wurden. Die Information steht bei Google im Unternehmensprofil, direkt unter der Rezensionsübersicht. Wie eine Stichprobe der Deutschen Presse-Agentur (dpa) ergab, wurden bei zahlreichen Hotels, Pensionen, Cafés und Restaurants in Hessen Google-Bewertungen nach Beschwerden entfernt. Der Auswertung zufolge haben von mehr als 850 Interneteinträgen rund 17 Prozent der Gastbetriebe bereits Rezensionen tilgen lassen. Dabei variiert die Anzahl von einer bis zu mehr als 200 gelöschten Bewertungen. Der dpa-Stichprobe zufolge achten Häuser in Metropolen besonders auf ihre Reputation – mutmaßlich wegen der Konkurrenzsituation. Demnach haben rund 30 Prozent der mehr als 200 ausgewerteten Einträge von Gastbetrieben in Frankfurt bereits Bewertungen gelöscht. Im Odenwald wiesen rund neun Prozent der 87 ausgewerteten Betriebe gelöschte Einträge auf, in Fulda waren es nur acht Prozent von 125. Der Trend bestätigte sich auch im Rest des Bundesgebiets. In Großstädten wie Berlin und Köln zeigte sich, dass dort fast jeder dritte Betrieb Bewertungen entfernt bekam. In München und Nürnberg war es etwa jedes vierte Haus, in Leipzig und Hamburg etwa jedes fünfte. Verband warnt vor Generalverdacht Trotz Anfragen bei mehr als einem Dutzend Betrieben in Hessen wollte sich kein Gastgeber zu dem Thema äußern. Der Hauptgeschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga in Hessen, Gisbert Kern, sagt für die Branche: »Grundsätzlich begrüßen wir mehr Transparenz auf Bewertungsplattformen.« Onlinebewertungen seien für viele Gäste ein wichtiges Entscheidungskriterium und für Betriebe ein wesentlicher Wettbewerbsfaktor. Deshalb sei es richtig, »wenn Plattformen nachvollziehbar machen, wie sie mit Bewertungen umgehen« . Gleichzeitig dürfe Transparenz nicht dazu führen, dass Betriebe unter einen Generalverdacht geraten. »Gelöschte Bewertungen bedeuten nicht automatisch, dass ein Unternehmen berechtigte Kritik unterdrücken wollte«, gibt Kern zu Bedenken. Häufig würden Bewertungen entfernt, »weil sie gegen die Richtlinien der Plattform verstoßen oder weil sie nachweislich von Personen stammen, die gar keine Gäste waren«. Darauf weise auch Google hin. Ungerechtfertigte Bewertungen belasten Betriebe Den Verband erreichten seit Jahren viele Rückmeldungen zum Umgang mit Onlinebewertungen, sagt Kern. »Betriebe berichten immer wieder von Rezensionen, die offensichtlich nicht auf einem tatsächlichen Besuch beruhen oder sachlich falsche Behauptungen enthalten.« Insbesondere kleine, familiengeführte Betriebe empfinden ungerechtfertigte Ein-Stern-Bewertungen demnach als besonders belastend. Sie könnten sich unmittelbar auf die Durchschnittsbewertung und damit auf die Wahrnehmung durch potenzielle Gäste auswirken. Wenn Rezensionen zum »Druckmittel« werden »Die große Mehrheit der Gäste bewertet fair und ehrlich. Gleichzeitig reichen bereits wenige unzulässige oder manipulierte Bewertungen aus, um den Ruf eines Betriebs spürbar zu beeinträchtigen«, ergänzt Kern. Besonders problematisch seien auch Rezensionen, die als Druckmittel eingesetzt werden. »Ebenso kritisch sehen wir gekaufte Positivbewertungen, weil sie den Wettbewerb verzerren und das Vertrauen der Verbraucherinnen und Verbraucher untergraben«, sagt Kern. »Deshalb ist es wichtig, dass Plattformen konsequent gegen Fake-Bewertungen vorgehen.« - 4 Min Kritik von Verbraucherschützern Nach den Worten des Rechtsanwalts Peter Lassek von der Verbraucherzentrale Hessen ist die neue Bewertungspraxis derzeit schwierig einzuschätzen. Er nennt es zweifelhaft, ob das Anzeigen gelöschter Bewertungen mehr Transparenz schafft und fair gegenüber den Unternehmen ist. Zudem würden Bewertungen, die nicht auf Basis von Diffamierung entfernt wurden, nicht berücksichtigt. Wer sich zu Recht gegen Fake-Bewertungen, Diffamierungen oder Beleidigungen gewehrt habe, erscheine für den Nutzer grundsätzlich in derselben Kategorie wie ein Unternehmen, das pauschal versucht, jede kritische Stimme entfernen zu lassen, gibt der Verbraucherschützer zu bedenken. Der erste Blick gilt der Sternebewertung »Die Bedeutung von Google-Bewertungen kann man kaum unterschätzen«, sagt Steffen Kroschwald, Direktor des Instituts für Verbraucherforschung und nachhaltigen Konsum an der Hochschule Pforzheim. »Oft ist der erste Blick die Sternebewertung, und die spielt bei Entscheidungen eine maßgebliche Rolle.« Für Unternehmen sei das ein ökonomischer Faktor, sagt Kroschwald. Wer unterwegs einen Betrieb sucht, stoße fast automatisch auf Bewertungen. Und die wirkten sich auf die Nachfrage aus. Verbraucherforscher gibt wenig auf Bewertungen »Eine hohe Zahl dokumentierter Löschungen kann bei Verbraucherinnen und Verbrauchern den Eindruck erwecken, ein Unternehmen habe etwas zu verheimlichen«, erläutert Kroschwald. Gleichzeitig könne sie auch schlicht Ausdruck davon sein, dass sich ein Betrieb regelmäßig berechtigterweise gegen Hasskommentare oder diffamierende Inhalte wehre. »Ich persönlich würde inzwischen recht wenig auf Sternebewertungen geben«, erklärt der Experte. »Das ist schade, weil Bewertungen eigentlich ein sinnvoller Mechanismus sein können.« Google-Sterne sind längst ein Geschäftsmodell geworden, Anwaltskanzleien und sogenannte Löschagenturen verdienen ihr Geld damit, unangenehme Rezensionen massenhaft anzufechten. Welche Folgen das hat, lesen Sie hier .

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20. Juli
Süddeutsche Zeitung (Wirtschaft)

Gastronomie: Viele Restaurants und Hotels löschen Online-Bewertungen

In immer mehr Google-Bewertungen von Restaurants und Hotels taucht der Hinweis auf: Bewertungen aufgrund von Beschwerden wegen Diffamierung entfernt. Eine Stichprobe der Deutschen Presse-Agentur bei mehr als 3700 Gastbetrieben in mehreren deutschen Städten zeigt, dass je nach Ort zwischen elf bis 30 Prozent der Gastbetriebe Online-Bewertungen gelöscht haben. Besonders hoch war in der Stichprobe der Anteil in Großstädten wie Frankfurt, Berlin oder Köln. „Online-Bewertungen sind für viele Betriebe ein wichtiger, heute oft entscheidender Bestandteil ihrer Außendarstellung“, sagt der Geschäftsführer des Dehoga-Bundesverbands, Jürgen Benad. „Sachliche Kritik sollte stehen bleiben – auch wenn sie für einen Betrieb unangenehm ist.“ Bei Beleidigungen, Fake-Bewertungen oder unwahren Tatsachenbehauptungen sei es dagegen nachvollziehbar, wenn Betriebe eine Prüfung und Entfernung anstoßen würden. Das Vertrauen in Bewertungsplattformen lebe davon, dass sorgfältig zwischen legitimer Kritik und missbräuchlichen Inhalten unterschieden werde. Viele Betriebe teilten auf Anfrage mit, sie meldeten nur Bewertungen, die sie für gefälscht, beleidigend oder schlicht erfunden hielten. Teilweise berichteten einige Gaststätten von vereinzelten Versuchen, mit angedrohten schlechten Bewertungen Druck auszuüben. Deutschland fällt bei der Löschung von Bewertungen auf Google Maps besonders auf. Laut einer EU-Transparenzdatenbank zum Digital Service Act, den EU-Regeln für digitale Plattformen wurden europaweit im ersten Halbjahr 2026 mehr als 756 500 Beiträge auf Google Maps wegen „illegalem Inhalt“ gelöscht: Fast 99,9 Prozent der Löschungen betraf dabei Deutschland.

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20. Juli
Handelsblatt

Gastronomie: Löschen von Online-Bewertungen: Was sind die Sterne wert?

Gastronomie: Löschen von Online-Bewertungen: Was sind die Sterne wert? Magdeburg/Berlin. Wer zum Beispiel in einer fremden Stadt ein Restaurant oder Hotel sucht, landet oft bei Google Maps - und orientiert sich dann an den Sternen der Online-Bewertung. Eine Stichprobenauswertung der Deutschen Presse-Agentur (dpa) von mehr als 3.700 Restaurants und Hotels zeigt: Bei vielen Profilen wurden nach Beschwerden Bewertungen entfernt. Google blendet dazu seit einigen Wochen einen Hinweis ein „Die Bedeutung von Google Bewertungen kann man kaum unterschätzen“, sagt Professor Steffen Kroschwald, Direktor des Instituts für Verbraucherforschung und nachhaltigen Konsum (vunk Warum sind Google-Bewertungen für Betriebe so wichtig? „Für Unternehmen ist das ein ökonomischer Faktor“, sagt Verbraucherforscher Kroschwald. Wer unterwegs einen Betrieb sucht, stoße fast automatisch auf Bewertungen. „Und die wirken sich auf die Nachfrage aus.“ Die Online-Reputation habe erheblichen Einfluss auf die Wahrnehmung – und damit auch auf Arbeitsplätze, sagt Eike Hoffmann von der Restaurantkette Mongo’s. Wie häufig taucht so ein Löschhinweis auf – und wo besonders? In der dpa-Stichprobe zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen Städten. In Großstädten wie Berlin, Köln oder Frankfurt (Main) fiel auf, dass dort fast jeder dritte Betrieb Bewertungen entfernt bekam. In München und Nürnberg war es etwa jedes vierte Haus, in Leipzig und Hamburg etwa jedes fünfte. In kleineren Städten lagen die Quoten teils deutlich darunter; Hinweise auf entfernte Bewertungen fanden sich etwa in Dresden oder Magdeburg in rund 15 Prozent der untersuchten Profile. „In Ballungsgebieten spielen Online-Bewertungen oft eine größere Rolle - etwa weil viele Menschen spontan entscheiden und sich schnell orientieren wollen“, sagt Jürgen Benad, Geschäftsführer des Dehoga-Bundesverbands. Wo sehe ich, wie viele Bewertungen gelöscht worden sind? Der Hinweis steht im Google-Unternehmensprofil direkt unter der Rezensionsübersicht. Google begründet die Einblendung als Transparenzmaßnahme: In Deutschland werde wegen einer hohen Zahl von Beschwerden „wegen Diffamierung nach deutschem Recht“ bei Profilen ein Hinweis angezeigt, wenn im vergangenen Jahr Rezensionen entfernt wurden. Als „Diffamierung“ fasst Google unter anderem unwahre Tatsachenbehauptungen oder sachlich nicht gerechtfertigte Meinungsäußerungen zusammen. Unternehmen könnten zudem geltend machen, der Verfasser sei gar kein Kunde gewesen. Auf einer Informationsseite betont Google, der Hinweis beeinflusse weder das Ranking noch die Platzierung in lokalen Suchergebnissen. Wie oft lassen Restaurants und Hotels Bewertungen löschen? Rund die Hälfte der betroffenen Betriebe fällt in die Spanne von einer bis maximal 20 entfernten Bewertungen. Weitere rund 20 Prozent liegen zwischen 21 und 50. Nur ein kleinerer Teil weist Spannen von 100 oder sogar bis zu 250 entfernten Bewertungen auf. Welche Gründe geben Unternehmen für die Löschungen an? Einige Restaurants und Hotels nennen für Löschanträge meist Gründe, die sie als Schutz vor Missbrauch verstehen. „Wir melden Bewertungen nur dann zur Entfernung, wenn sie gegen die Richtlinien von Google verstoßen“, sagt Thomas Lerike, Marketingchef des Hotel Palace Berlin. „Etwa bei Spam-, Bot- oder Fake-Bewertungen, nachweislich unwahren Behauptungen oder Bewertungen, die nicht auf einem tatsächlichen Aufenthalt basieren.“ Wenn es beleidigende Einträge unter anderem mit Hetze gebe, werde dies Google mitgeteilt und um Löschung gebeten, sagte Gastronom Michael Wiecker aus Wernigerode. „Das haben wir aber erst einmal vor eineinhalb Jahren gemacht.“ Verwandte Themen Viele Betriebe betonen zudem, dass sachliche Kritik grundsätzlich bleiben solle. Ehrliche und sachliche Kritik helfe dabei, den Service zu verbessern, teilten mehrere Gaststätten auf Anfrage mit. Immer häufiger werde auch direkt auf Bewertungen und Rezensionen geantwortet als Teil des Community-Managements. Schlechtere Bewertungen würden teils auch absichtlich stehen gelassen, um nicht den Eindruck zu vermitteln, etwas verbergen zu wollen. „Wir sind gut. Aber wir sind nicht perfekt“, sagt dazu etwa Stefan Schneck, Chef der Berliner Kette „Schnitzelei“. Welche Rolle spielen spezialisierte Dienstleister und Kanzleien? Verbraucherschutzexperte Kroschwald spricht inzwischen von einer regelrechten Löschindustrie. „Es gibt professionelle Dienstleister und Anwaltskanzleien, die Löschverfahren nicht als Fairness-Instrument verstehen, sondern als Geschäftsmodell.“ Verbraucher hätten zwar die Möglichkeit, gegen die Löschung einer Bewertung vorzugehen, häufig hätten sie aber nicht die Zeit und nicht die Belege parat, dies zu tun. „Das begünstigt Overblocking - also dass am Ende mehr gelöscht wird, als eigentlich gelöscht werden sollte.“ Kann man sich als Verbraucher auf Online-Bewertungen verlassen? Google-Bewertungen bleiben für viele Menschen eine wichtige Orientierung, verlässlich sind sie aber nur eingeschränkt. „Ob man ihnen im Einzelfall wirklich vertrauen sollte, ist eine andere Frage“, sagt Verbraucherexperte Kroschwald. Auch aus der Branche selbst kommt Skepsis: „Viele Gäste wissen, dass man negative Bewertungen löschen lassen kann und gute erstellen lassen kann, von daher ist es kein wertvoller Kompass“, sagt der Berliner Restaurantbesitzer David Canisius. Gleichzeitig betonen Betriebe, dass das System anfällig für Missbrauch sei – etwa für Fake-Profile oder Bewertungen ohne echten Besuch. Vor diesem Hintergrund raten viele Gastronomen, Sterne nicht isoliert zu lesen: Entscheidend seien der Inhalt der Rezensionen, wiederkehrende Muster und ob Betriebe nachvollziehbar auf Kritik reagieren.

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