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Sonntag, 26. Juli 2026
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Bayreuth - Richard-Wagner-Urenkelin und Festspielleiterin Katharina Wagner spricht sich gegen Rassismus und Verharmlosung der Geschichte aus

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25. Juli
Tagesschau

150. Jubiläum der Bayreuther Festspiele mit Polit-Prominenz gestartet

150. Jubiläum Bayreuther Festspiele starten mit Polit-Prominenz Zum 150. Mal wurden die Bayreuther Festspiele eröffnet. Zu dem Jubiläum kamen auch viele prominente Gäste, darunter Kanzler Merz und Bayerns Ministerpräsident Söder. Zum Auftakt gab es - anders als üblich - Beethoven statt Wagner. Die Bayreuther Festspiele haben begonnen und feiern in diesem Jahr nicht nur den Komponisten Richard Wagner, sondern auch ein wenig sich selbst. Denn vor 150 Jahren veranstaltete Wagner (1813–1883) hier zum ersten Mal sein heute weltbekanntes Opern-Festival. Aus diesem Anlass brechen die Festspiele auch mit ihrer eigenen Tradition: Statt mit einer Wagner-Oper beginnt das Programm ausnahmsweise mit Beethovens 9. Symphonie, unter der Leitung von Christian Thielemann. Das ist mehr als ein symbolischer Akt – Beethoven spielte im Leben Wagners eine zentrale Rolle. Die Neunte erklang bereits am 22. Mai 1872 zur Grundsteinlegung des Bayreuther Festspielhauses, damals unter der Leitung von Wagner selbst. Merz, Merkel, Söder, Dobrindt, Weimer, Bär und viele mehr Traditionell rollt die Stadt Bayreuth zum Festivalstart den roten Teppich für prominente Gäste aus. Mit Erfolg. Auch in diesem Jahr kamen überwiegend Gäste aus der Bundes- und Landespolitik. Unter ihnen Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU), die designierte Kanzleramtschefin Nina Warken (CDU), Forschungsministerin Dorothee Bär (CSU), Kulturstaatsminister Wolfram Weimar (CDU), Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU), Bayerns Kunstminister Markus Blume (CSU), sowie Schauspieler und Vertreter der Kulturszene. Den meisten Applaus bekamen Altkanzlerin Angela Merkel und Entertainer Florian Silbereisen. Festspiele erinnern an jüdische Künstlerinnen und Künstler Festspielchefin Katharina Wagner begrüßte gemeinsam mit dem jüdischen Publizisten Michel Friedman Seite an Seite alle Ehrengäste. Eine symbolträchtige Geste, denn morgen soll bei einer Gedenkveranstaltung an jüdische Künstler und Künstlerinnen am Grünen Hügel erinnert werden, deren Wirken durch das NS-Regime endete. Die Veranstaltung hatte für viel Aufsehen gesorgt – sie war wegen angeblicher Sicherheitsbedenken zunächst abgesagt und Michel Friedmann ausgeladen worden. Nach Protesten und einer Entschuldigung der Festspielleitung findet sie aber nun doch statt. Merz: "Canceln ist jedenfalls auch hier keine Lösung" Beim Jubiläums-Festakt stellte sich Festspiel-Leiterin Katharina Wagner entschieden gegen einen Rechtsruck in Politik und Gesellschaft. Es gehe darum, "hier Nein zu sagen" gegen Rassismus, Chauvinismus und eine Verharmlosung der Geschichte, sagte sie. Die gelte vor allem "wegen der sehr persönlichen Verknüpfung" ihrer Familie mit dem NS-Regime unter Adolf Hitler. Darum sei das Jubiläum "weit mehr als ein Anlass, zu feiern". Ziel müsse es sein, "die Tradition ernst zu nehmen, ohne sie zu verklären" – "damit die Zukunft nicht erneut in der Finsternis der Vergangenheit endet". Auch Friedrich Merz erinnerte in seinem Grußwort an die dunkle Seite der Festspielgeschichte und Wagners Antisemitismus. Er zitierte Thomas Mann und empfahl bei Wagners Musik: "genießen, aber nicht ohne Misstrauen". "Canceln ist jedenfalls auch hier keine Lösung", sagte Merz. Besser sei eine kritische Auseinandersetzung, wie sie bei den Bayreuther Festspielen geschehe: "Spät, aber es ist geschehen". Intendantin Wagner entschuldigte sich in ihrer Begrüßung noch einmal explizit bei Michel Friedman. Sie sprach von "Unstimmigkeiten und Fehlern im Vorfeld, die wir zu verantworten haben". Umstrittenes Novum: eine "Rienzi"-Premiere Am Sonntag dann feiert die erste Neuinszenierung der Saison Premiere. Das Wagner-Frühwerk "Rienzi" wird zum ersten Mal überhaupt im Festspielhaus aufgeführt. Dafür musste eigens die Zustimmung des Stiftungsrates der Festspiele eingeholt werden. Denn eigentlich wollte Komponist Wagner selbst seine 1842 uraufgeführte frühe Oper, die er "Ungethüm" und "Schreihals" nannte, nicht im Festspiel-Repertoire wissen. Die Entscheidung ist nicht unumstritten. "Rienzi" ist Wagners dritte Oper und war einst sein größter Erfolg. Sie erzählt von Aufstieg und Fall des römischen Volkstribuns Cola di Rienzo, der die Macht der herrschenden Klasse brechen will – und dann am eigenen Größenwahn zugrunde geht. Die Oper soll den jungen Adolf Hitler, der später als Wagner-Fan ein und aus ging in Bayreuth, inspiriert haben, als er sie als Teenager zum ersten Mal in Linz sah. "In jener Stunde begann es...", soll er damals gesagt haben. Die "Rienzi"-Ouvertüre eröffnete stets die Reichsparteitage der NSDAP. "Rienzi"-Regisseurinnen sehen im Werk ein "Mahnmal" "Gerade jetzt, da rechtspopulistische und faschistische Tendenzen wieder stärker wahrnehmbar werden, hat dieses Stück eine unheimliche Aktualität gewonnen", sagte die Regisseurin Alexandra Szemerédy, die das Werk nun gemeinsam mit ihrer Kollegin Magdolna Parditka in Bayreuth auf die Bühne bringt. Die beiden sehen in dem Werk ein "Mahnmal". Bildergalerie: Polit-Prominenz auf dem Grünen Hügel Mit Informationen von dpa Das ist die Europäische Perspektive bei BR24. "Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung! Quelle: BR24 Radio Nachrichten 25.07.2026 - 17:15 Uhr

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25. Juli
Süddeutsche Zeitung

150. Richard-Wagner-Festspiele in Bayreuth: Ein Hügel voller Leitmotive

Noch bevor die ersten Limousinen den Grünen Hügel hinauffahren, sind die Elstern da. 150 Stück, auf Pappkarton gemalt, eine für jedes Jahr der Festspielgeschichte. Manche sehen echten Elstern erstaunlich ähnlich. Andere zeigen, dass politische Kunst nicht zwingend vom ornithologischen Realismus lebt. Die Installation soll auf die ungleiche Verteilung von Vermögen in Deutschland aufmerksam machen. Der Ort ist günstig gewählt. Wenig später werden hier Politiker, Unternehmer und andere Festspielgäste in Abendgarderobe aus schwarzen Wagen steigen. Elstern haben den Ruf, sich für glänzende Dinge zu interessieren. Hier und heute steht neben der Musik, in diesem Jubiläumsjahr ist es Beethovens 9. Symphonie, Schillerndes im Mittelpunkt: Politprominenz, Stars, Sternchen – und jene, die gern zu einer dieser Gruppen gezählt würden. Und schon beginnt, was andernorts roter Teppich heißt und in Bayreuth standesgemäß als „Auffahrt“ bezeichnet wird. Das Ankommen als Teil der Vorstellung. Das Ritual ist weniger Filmglamour als höfisch-bayerisches Schaulaufen: Politiker, Künstler und andere Festspielgäste richten kurz Kleidung und Gesichtsausdruck, bevor sie sich den Kameras zuwenden. Hinter einem Zaun stehen Menschen auf Zehenspitzen und versuchen zu erkennen, wer gerade aus welchem Wagen gestiegen ist. Los geht’s also mit: Andreas Zippel (SPD). Es ist sein erster Festspielauftakt als Oberbürgermeister der Stadt Bayreuth, seit Mai ist er im Amt. Das erste Mal Auffahrt also. Trotzdem souverän und gelassen, so wirkt er zumindest. Aber ist er es auch? „Nee, also ich bin schon nervös.“ Besser wurde es, als er zum Festspielhaus fuhr, erzählt er. „Die Festspiele gibt’s ja jetzt schon seit 150 Jahren, das haben also auch schon Leute vor mir geschafft. Der Gedanke vertröstet.“ Michel Friedman gehört ebenfalls zu den ersten auf dem roten Teppich. In diesem Jahr lässt sich an der plötzlich entstehenden Hektik unter den Journalisten aber ablesen, dass an seiner Ankunft noch etwas anderes hängt: der Streit um seine zunächst abgesagte Gedenkrede, die Kritik an der Festspielleitung. Damit gemeint ist auch Katharina Wagner, Urenkelin von Richard Wagner und Geschäftsführerin der Veranstaltung, die sich nach den Turbulenzen bei Friedman entschuldigte. Friedman selbst hält sich auf dem Teppich nicht lange auf, verschwindet vorerst zügig im Festspielhaus. Später kommt er wieder heraus und steht gemeinsam mit Wagner am Königsportal, um weitere Ehrengäste zu begrüßen. Die beiden plaudern, lachen, wirken fast schon demonstrativ vertraut. Weiter geht’s, denn hier sind Politik und Inszenierung nahezu deckungsgleich. Ein Mann, der solche Termine liebt, ist Markus Söder. Der bayerische Ministerpräsident kommt gerne und geübt. Schnell will er auf die sonnige Seite des roten Teppichs mit seiner Frau Karin Baumüller-Söder. Die Presse ruft „Nein“, sorgt sich ums Bild. Söder hört. Er ist an diesem Abend nicht nur Festspielgast, sondern Programmpunkt, er wird ein Grußwort sprechen. Sogar ein kurzes Interview gibt es: Zunächst geht es noch um Wagner, den Festspielauftakt, die Freude über den hochkarätigen Besuch in Bayern. Doch es dauert nur wenige Sätze, bis die Berliner Regierungsfähigkeit verhandelt wird. Dann Ankunft Friedrich Merz: Auch der Bundeskanzler (CDU) wird später sprechen. Vor der Festrede wartet allerdings noch die demokratische Ouvertüre: aussteigen, winken, fotografiert werden, ein paar Buhrufe kassieren. Bei Söder gab es die nicht. Lange bleibt ohnehin niemand Mittelpunkt des roten Teppichs. Schon wartet das Publikum auf die nächste Ankunft. Alt-Kanzlerin Angela Merkel soll es sein. Und es gibt… Applaus. Dass Merkel kommt, überrascht in Bayreuth ungefähr so sehr wie das Erklingen eines Leitmotivs. Sie trägt einen ihrer zahlreichen Kanzlerinnenblazer, dazu den passenden langen Rock – jene festspielerprobte Kombination, in der sie seit Jahren erscheint und die inzwischen fast selbst zum Bayreuther Kanon gehört. Anders als bei manchem Gast beginnt der eigentliche Teil des Abends für die bekennende Wagnerianerin allerdings erst, wenn die Kameras verschwunden sind. Zur Ankunft Merkels kommt auch Wagner nochmal raus, schüttelt die Hand, sagt „Schön, dass du da bist.“ Wagners „Ring des Nibelungen“, dieser vierteilige Kampf um Gold und Macht, um gebrochene Verträge, verletzte Eitelkeiten und schwierige Familienverhältnisse, sei vom privaten bis zum politischen Leben auf die gesamte Menschheit anwendbar, hat Merkel einmal in einem Podcast gegenüber dem SWR gesagt. Bestimmte Motive habe sie auch in der Wirklichkeit wiedererkannt. Namen wollte sie damals nicht nennen. Einer, an den man bei Machtkämpfen, verletzten Eitelkeiten und schwierigen politischen Familienverhältnissen denken könnte, wartet da bereits im Haus: Friedrich Merz. Mit ihm, dem Jetzt-Kanzler, trifft Merkel an diesem Abend auf einen Parteifreund, mit dem sie einer jener politischen Familiengeschichten verbindet, die Wagner vermutlich nicht für völlig unergiebig gehalten hätte. Wer die Auffahrt hinter sich gebracht hat, tauscht den Komfort der Limousine gegen eine schon fast egalitäre Zumutung. Im nicht klimatisierten Festspielhaus sitzen alle mehrere Stunden auf ungepolsterten Holzstühlen. Die Abwesenheit von Polstern ist akustisch begründet, orthopädisch weniger. Und was kostet das Vergnügen für all jene, die keine Einladung bekommen haben? Beim Festakt selbst kostet ein Hörplatz ohne Sicht auf die Bühne elf Euro, der beste Platz 250. Wer „Rienzi“ oder einen einzelnen Abend des „Rings“ aus der besten Kategorie verfolgen möchte, zahlt bis zu 423 Euro; für den vollständigen „Ring“ werden 1692 Euro fällig. Gefeiert werden soll in diesem Jahr, und zwar noch etwas ausgiebiger, als es die Bayreuther Festspiele ohnehin gebieten. 150 Jahre alt ist inzwischen jene heute alljährliche Zusammenkunft von Wagner-Fans und/oder kameraliebenden Menschen. Im August 1876 gingen die ersten Festspiele mit der ersten vollständigen Aufführung des „Rings“ über die Bühne. Dass das Jubiläumsprogramm nun ausgerechnet mit Beethovens Neunter beginnt, ist kein Bruch mit der Tradition, sondern eher Bayreuths Form des historischen Reenactments: Wagner verehrte das Werk und dirigierte es 1872 im Markgräflichen Opernhaus, als der Grundstein für das Festspielhaus gelegt wurde. Auch die ersten Festspiele nach dem Zweiten Weltkrieg wurden 1951 mit der Neunten eröffnet. Damit beginnt der erklärungsbedürftigere Teil der Tradition. Die letzte Festspielsaison vor der Pause hatte 1944 stattgefunden – in einem Bayreuth, das unter Winifred Wagner eng mit Hitler und dem nationalsozialistischen Kulturbetrieb verbunden war. Als ihre Söhne Wieland und Wolfgang die Festspiele 1951 wieder aufnahmen, sollte daraus ein künstlerisch erneuertes „Neu-Bayreuth“ werden. Der Samstag erinnert mit Beethoven also nicht nur an die Grundsteinlegung, sondern auch an einen Neubeginn, dessen Verhältnis zum Vorherigen Bayreuth bis heute beschäftigt. Als zweite Tonspur läuft diese Geschichte natürlich mit. Denn wenn am Ende Beethovens „Alle Menschen werden Brüder“ durch das Festspielhaus klingt, dann an eben jenem Ort, der sich mit der Frage nach dem eigenen politischen Erbe bis heute beschäftigen muss. Die große Festrede hält an diesem Abend Nike Wagner. Sie ist Kulturwissenschaftlerin und darüber hinaus Urenkelin Richard Wagners und Cousine der Festspielleiterin Katharina Wagner. Und wenn in Bayreuth eine Wagner über Wagner spricht, ist das nie nur eine kulturhistorische Angelegenheit, sondern auch ein bisschen Familientherapie vor großem Publikum. Kurz vor Beginn sammeln sich Friedrich Merz, Alexander Dobrindt und Dorothee Bär (beide CSU) nochmal auf dem Balkon des Festspielhauses. Unter ihnen verstummt langsam der rote Teppich, vor dem Eingang stehen noch immer die 150 Elstern: jede mit dem Namen eines Milliardärs, zusammen ein kleiner schwarzer Schwarm gegen die „große Vermögensordnung“. Gleich wird Beethoven alle Menschen zu Brüdern erklären. Dass Brüder nicht zwangsläufig gleich viel erben, wusste man allerdings schon vor Wagner.

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25. Juli
Süddeutsche Zeitung

150. Richard-Wagner-Festspiele: Welcome dear Wagnerianers – this is a „Schienenersatzverkehr“!

Sie sind also Weltbürger, Abonnent der New York Times und haben dort im Januar gelesen, was dieses Jahr aber mal so richtig angesagt sein wird: 150 Jahre Richard-Wagner-Festspiele in diesem Dings, in diesem Bavaria. Okay, Wagner, das war Ihnen bislang immer irgendwie zu üppig. Aber irgendwann möchten die Bildungslücken ja mal angegangen werden. Also gut, ein Anlass. Großes Jubiläum am 25. Juli 2026 in diesem Alpenvorland. Soll ja ganz hübsch sein da in diesem Bavaria. Und technisch? Richtig weit vorn, was man so hört. Was sie so sagen. Und natürlich haben Sie sich eingelesen. Ist man am betreffenden Jubiläumswochenende in Barcelona, London, Paris, Rom oder Amsterdam, dann geht das per Direktflug. Wie heißt noch mal das Kaff mit diesen Prozessen? Genau, dieses Nuremberg. Soll bisschen alt sein da. Aber einen Flughafen haben sie, ist doch top. Und dann ist man ja praktisch da. In diesem, in diesem Bay-was-auch-immer. Vielleicht doch noch mal checken vor dem Abflug. Aber wie gesagt: Ist Bavaria. Die wissen doch da, was Weltbürger wünschen. Moment, ah, man kann das per App vorab checken. 25. Juli 2026, offizieller Beginn dieses Festivals, soll ja eines der wichtigsten sein weltweit. Einzigartig ohnehin. Warum würden sie es sonst empfehlen in der NYT? Also. Landung in Nuremberg, alles fluffig. Wie weit ist das entfernt von diesem Festspielhouse in Bayreuth? Ah, keine 100 Kilometer. Okay, läuft. Trotzdem noch mal schauen. Ah. Pardon? What the f*** is „Schienenersatzverkehr“?? Und damit schalten wir kurz direkt um zur Deutschen Bahn. „Reparatur an der Strecke, DB Regio Bayern, Dauer: Ab 18. September 2025. Technische Überprüfungen an mehreren Brücken im Pegnitztal erforderlich / Streckensperrung / Ersatzverkehr mit Bussen / Beeinträchtigungen.“ Und bitte noch mal ganz konkret, liebe DB. Was genau gilt für die Strecke zwischen Nuremberg and Bayreuth zur Eröffnung der 150. Richard-Wagner-Festspiele? „Der Infrastrukturbetreiber DB Infrago hat uns mitgeteilt, dass weiterhin, aufgrund technischer Überprüfungen und Schäden an mehreren Brücken im Pegnitztal, die Strecke zwischen Hersbruck und Neuhaus (Pegnitz) bis 14. September 2026 gesperrt bleibt.“ Gratulation also an alle einfliegenden Alt- und Neu-Wagnerianer aus Barcelona, London, Paris, Rom oder Amsterdam und selbstverständlich auch an unsere ICE-Gäste aus Hamburg und Berlin. Sie dürfen zur Jubiläumseröffnung – und übrigens während der gesamten Jubiläumsfestspiele – ausnahmsweise auf das Vergnügen verzichten, mit einem Regional-Ratterdiesel in die Weltfestspielstadt zu rumpeln. Stattdessen dürfen Sie, Trommelwirbel, diesmal zur Feier des Tages auf die Vorzüge eines original bavarian „Schienenersatzverkehrs“ zurückgreifen. Wenn das keine Geste ist aus Bavaria. Aus diesem Top-top-top-Freistaat. Kann Bayern aber, logisch, rein gar nichts dafür. Waren die anderen. Und noch ein SZ-Tipp: Falls Sie am lovely Bahnhof Pegnitz vom Bus in die Ratterbahn umsteigen in wildromantischer Umgebung – unbedingt in der einzigen Lokalität in näherer Umgebung vorbeischauen, bei der Metzgerei Schiller. Vorsicht aber: Am Wagner-Jubiläums-Eröffnungstag schließt die bereits um 12 Uhr mittags.

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25. Juli
Neues Deutschland

150 Jahre Bayreuther Festspiele | Richard Wagner und der Nationalsozialismus: Gesamtkunstwerk Faschismus

- Kultur - 150 Jahre Bayreuther Festspiele Richard Wagner und der Nationalsozialismus: Gesamtkunstwerk Faschismus Die Bayreuther Festspiele feiern Jubiläum. Derweil hat Anno Mungen mit seinem Buch »Von Bayreuth nach Auschwitz« den Finger tief in die Wunde gelegt. Ab diesem Sonnabend wird in Bayreuth das 150. Festspieljubiläum begangen. Man wartet auf mit Beethovens Neunter und in Folge mit einer »Rienzi«- sowie einer KI-»Ring«-Premiere und Wiederaufnahmen des nicht minder technologieverliebten VR-»Parsifal« und des hingegen gewohnt biederen »Fliegenden Holländers«. Pünktlich dazu hat sich die Stadt Bayreuth etwas Hübsches ausgedacht: Zwei Straßenschilder, benannt nach Richard und nach Cosima Wagner, wurden durch zwei Hinweise ergänzt, die zweifelsfrei klarmachen, dass es sich um »umstrittene Persönlichkeiten« aufgrund ihrer »antisemitischen Haltungen« handelt. So viel war allerdings den meisten auch bisher schon klar. Es ist ein pflichtschuldiges Zeichen – in kleiner Schrift –, das wohl keinen großen Unterschied machen wird. Die eigentlich interessante Frage wäre doch: Wie geht man um mit dem gefeierten Werk einer »umstrittenen Persönlichkeit«? Das wird selbstredend kein Stadtrat entscheiden können. Eine künstlerische Auseinandersetzung wäre angezeigt, etwa durch die Bayreuther Festspiele. Die haben im Freudentaumel allerdings Besseres zu tun. Anders ist der Spielplan nicht zu verstehen und auch nicht das unwürdige Lavieren um eine Ein-, Aus- und Wiedereinladung des jüdischen Publizisten Michel Friedman, der die Aufmerksamkeit auf die durch die Nazis zum Verstummen gebrachten Stimmen lenken soll. Der Hinweis auf den Antisemitismus – dieser Tage erstaunlicherweise wieder ein umkämpfter Begriff – der Eheleute Wagner jedenfalls lässt vieles im Unklaren. Da kommt das Sachbuch »Von Bayreuth nach Auschwitz« des Wissenschaftlers Anno Mungen gerade zur richtigen Zeit. Schnell wird bei der Lektüre klar, dass der Antisemitismus nur ein Teil des Problems ist. Deutschtümelei, Männlichkeitswahn und Schicksalsgläubigkeit fügen sich hinzu. Mungen sieht im Wagner’schen Gesamtkunstwerk die Blaupause für den deutschen Faschismus. Auch die Bestimmung zweier Einzelpersonen als Antisemiten lässt den ganzen Wahnsinn nur erahnen: Das Reaktionäre durchzieht das Werk des Meisters, hat Spuren hinterlassen bei seinen Jüngern und sich tief eingeschrieben in die Bayreuther Familien- und Festspielgeschichte. (Proto-)Faschisten gehörten über mehrere Generationen zur Wagner’schen Sippe. Die Art, wie diese hinterm Grünen Hügel Kunstpolitik gemacht hat, war zumindest über Jahrzehnte von tiefer Menschenverachtung geprägt. Mungen geht, wie der Untertitel »Oper – Politik – Gewalt« deutlich werden lässt, dem Verhältnis von Macht und Kunst am Beispiel Richard Wagner und der Faschismus nach. Dabei konzentriert er sich aber nicht auf das krude Weltbild des antimodernen Modernisten, wie es etwa in der kaum lesbaren Schrift »Das Judenthum in der Musik« zutage tritt, sondern beschreibt die Nachwirkungen. Beispielhaft wird die antisemitische Besetzungspolitik bei den Bayreuther Festspielen im frühen 20. Jahrhundert angeführt. Wagners Schwiegersohn, der von Hitler bewunderte Rassenideologe Houston Stewart Chamberlain, wird ebenso abgehandelt wie die bis ins hohe Alter wie ein verliebter Teenager vom einnehmenden »Auge des Führers« schwärmende Winifred Wagner. Aber stärker noch zeigt Mungen die Begeisterung führender nationalsozialistischer Funktionsträger für das Werk Wagners und dessen Inszenierung, für dessen herausgehobene Stellung in der faschistischen Kunstpolitik und ihre Vorbildrolle für die politische Selbstinszenierung. Sehr genau wird die Entwicklung der Bayreuther Festspiele in der Zeit des Nationalsozialismus nachgezeichnet und auch die Verbindung des Wagner-Clans in höchste Kreise der Gesellschaft dargestellt. Die bisweilen schwer erträgliche Vorstellung, dass es sich bei den Schlächtern in den Todeslagern und auf den Kriegsschauplätzen ebenso wie bei den massenmordenden Schreibtischtätern nicht nur in Ausnahmefällen um kunstbeflissene Personen handelte, wird in »Von Auschwitz nach Bayreuth« mit Beispiel um Beispiel illustriert. Der Nazi als Opernliebhaber. Die Beschreibung davon, wie die Bayreuther Festspiele in ein »KdF«-Vergnügungsareal umgebaut wurden. Der Einsatz an der Front und der Festspielbesuch waren mitunter zwei kaum zu trennende Seiten des Soldatenlebens. Der Autor selbst vergleicht seine Annäherung an das große, wahrscheinlich zu große, Thema mit einer Matrjoschka. Puppe für Puppe durchzieht das Prinzip Wagner den Nazi-Staat, wie dieser auch ein Abbild unter anderem beim Festspielgeschehen findet. Nimmt man es genau, gleicht Mungens Vorgehen eher einem Puzzle. Hier fügen sich allerhand Teile zu einem großen Bild zusammen. Es macht das Buch allerdings mitunter etwas schwerfällig, dass sich Anekdotisches zu Bedeutendem gesellt, Altbekanntes zu neu zu Bedenkendem. Ein wenig vermisst man das Systematische bei der Untersuchung, wenngleich das Buch als Beitrag zu einer niederdrückenden deutschen Geistesgeschichte sicher seinen Beitrag leistet. Und wie weiter? Wagner endlich abspielen? Oder kann es nach einer notwendigen Zertrümmerung eine geschichtsbewusste wie zukunftsweisende Interpretation seiner Werke geben? Darauf muss ein Musik- und Theaterhistoriker wie Anno Mungen keine Antwort geben, aber das von ihm gezeichnete Bild steht mahnend im Raum. Bei den Festspielen, die wie ehedem wie ein Familienunternehmen geführt werden, fehlt es nach wie vor an Gespür dafür. Erstmals wird Wagners »Rienzi« im Festspielhaus erklingen, der für Hitler nach eigenem Bekunden ein politisches Initiationserlebnis gewesen ist und der als Geschichte des »letzten der Tribunen« deutsche Historie hellsichtig vorwegnimmt. Man lässt es also dröhnen wie einst beim Reichsparteitag. Und wenn es zunächst mit Beethoven »O Freunde, nicht diese Töne! / Sondern laßt uns angenehmere / anstimmen und freudenvollere« heißen wird, weiß man genau, welche Töne auch die nächsten 150 Jahre nur ungern zu Gehör gebracht werden sollen. Anno Mungen: Von Bayreuth nach Auschwitz. Oper – Politik – Gewalt. Westend-Verlag, 384 S., geb., 32 €. Wir haben einen Preis. Aber keinen Gewinn. Die »nd.Genossenschaft« gehört den Menschen, die sie ermöglichen: unseren Leser*innen und Autor*innen. 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25. Juli
ZDF heute

Bayreuther Festspiele: Die unwahrscheinliche Erfolgsgeschichte

150 Jahre Wagner-Mythos:Bayreuther Festspiele: Die unwahrscheinliche Erfolgsgeschichte von Hannah Kristina Friedrich 150 Jahre Bayreuther Festspiele - die unwahrscheinliche Geschichte eines großen Welttheaters. Ein Jubiläum, aufgeladen mit allen Schrecken der Geschichte und Triumphen der Oper. Ein Mann fasst einen Plan. Er will eine neue Kunst erschaffen. Das Publikum soll dabei vollständig eintauchen in das Kunstwerk. Dafür lässt Richard Wagner ein Theater bauen. Ein Festspielhaus nur für seine Werke. König Ludwig II. bezahlt den Traum. 1876 eröffnet Bayreuth mit der Uraufführung des Weltendramas "Ring des Nibelungen" - 16 Stunden Musik an vier Abenden. Da gilt Wagner längst als größter deutscher Komponist. Europas Adel reist an: Kaiser, Könige, Industrielle, Schriftsteller, Komponisten und Philosophen. Mitten unter den Gästen: Friedrich Nietzsche. Den jungen Philosophen verbindet mit Wagner eine enge Freundschaft. Er glaubt, in Bayreuth Zeuge einer neuen, revolutionären Kunst zu werden. Stattdessen erlebt er einen Personenkult um Richard Wagner. Festspiele zum 150. Mal: Bayreuth ringt erneut mit seiner Geschichte. Nach der Kritik um den Umgang mit der NS-Vergangenheit spricht Michel Friedman nun doch. 24.07.2026 | 2:51 minDie ersten Festspiele enden im finanziellen Desaster. Bayreuth steht vor dem Aus. Sechs Jahre später wagt Wagner einen zweiten Anlauf. Mit seinem letzten Werk "Parsifal". Es geht um Mitleid, Glauben, Erlösung. Wagner will, dass es ausschließlich in Bayreuth aufgeführt werden darf. Die Festspiele werden einmal im Jahr zum Wallfahrtsort für Wagnerianer. Der Theaterbau thront auf dem Grünen Hügel, am Fuße der fränkischen Kleinstadt, schlicht und schön, ohne Pomp und Getöse, mit seiner einzigartigen Akustik. Das Orchester, unsichtbar im "mystischen Abgrund" verborgen, erzeugt den legendären Bayreuther Klang. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer nennt die Festspiele ein "Hochamt der klassischen Musik". Zugleich betont er die Verantwortung, auch die NS-Vergangenheit und Wagners Antisemitismus aufzuarbeiten. 24.07.2026 | 5:48 minMusik als Religionsersatz Auch nach Wagners Tod 1883 pilgern die Menschen auf den Grünen Hügel, um etwas zu erleben, das es nur dort gibt. Barrie Kosky, der erste jüdische Regisseur in Bayreuth, beschreibt es so: Bayreuth, das ist nicht einfach nur ein Theater, das ist ein Tempel, das ist Mekka, das ist Jerusalem für Wagnerianer. Barrie Kosky, Regisseur "Kinder! Macht Neues!", hatte Richard Wagner einmal geschrieben: Seine Nachfahren in Bayreuth tun nach seinem Tod lange das Gegenteil. Seine Witwe Cosima übernimmt die Festspiele und wacht mit eiserner Disziplin über jedes Detail. Keine Geste, kein Bühnenbild, keine musikalische Nuance soll von Wagners Vorstellungen abweichen. Statt Kunstwerkstatt der Zukunft - ein Ort der Bewahrung eines Werkes, das aus dem Geist der Erneuerung entstanden ist. Genau dieser Widerspruch macht Bayreuth bis heute aus. Die Richard-Wagner-Festspiele versetzen Bayreuth für ein paar Wochen in den Ausnahmezustand. Christiane Hastrich hat sich auf die Suche nach dem Geist von Wagner gemacht. 30.07.2025 | 6:11 minDie Festspiele unter dem Schutz Hitlers Dann legt sich der große Schatten über Bayreuth. Mit der Hetzschrift "Das Judenthum in der Musik" legt Richard Wagner 1850 den Grundstein für ein Denken, das weit über seinen Tod hinauswirkt. Im Umfeld der Familie wird es gepflegt und mit der völkischen Rassenideologie verbunden. Die Nähe zur Macht suchten die Wagners immer schon. Festspielleiterin Winifred Wagner ist eine glühende Verehrerin Adolf Hitlers und bleibt es bis weit in die Nachkriegszeit. Hitler ist ab 1923 schon regelmäßig Gast im Hause Wahnfried. Die Kinder nennen ihn Onkel Wolf. Die Festspiele stellt er unter seinen persönlichen Schutz. Bayreuth wird das kulturelle Schaufenster des Nationalsozialismus. 1944 sollen geschwächte Front-Soldaten sich bei den sogenannten Kriegsfestspielen bei Wagner-Aufführungen erholen. Danach verstummt der Grüne Hügel. Zum 150. Jubiläum der Wagner-Festspiele war Michel Friedman als Redner geplant. Doch die Festivalleitung zog die Einladung zurück. Warum die Entscheidung für Kritik sorgt und was dahintersteckt. 18.06.2026 | 2:22 minNeubeginn nach dem Krieg 1951 eröffnen die Brüder Wieland und Wolfgang Wagner mit "Neubayreuth" die Festspiele. Ein neuer Stil und ihr Rechtfertigungsnarrativ: "Hier gilt's der Kunst" - nicht der Politik - sollen helfen, Wagner und die Festspiele zu rehabilitieren. Eine Trennung von Politik und Kunst wirkt bei einem politischen Künstler wie Richard Wagner auf manchen Kritiker wie eine Verweigerung, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen Auf der Bühne räumt Wieland auf mit Hörnerhelmen, Pappfelsen und Germanenkitsch. Licht, Raum und Symbolik treten an ihre Stelle. Das Publikum spricht von der "Entrümpelung" Bayreuths. Die Bayreuther Wagner-Festspiele öffnen ihre Pforten mit viel Prominenz. Doch der Mythos Bayreuth wankt. Was unternehmen die Festspiele eigentlich, um jüngere Zuschauer zu gewinnen? 25.07.2025 | 2:36 minBayreuth erreicht den Höhepunkt seiner Erfolgsgeschichte Eine Zäsur auch 1976. Zum 100. Jubiläum inszeniert der 31-jährige Franzose Patrice Chéreau den "Ring des Nibelungen" völlig neu. Er verlegt Wagners Götter in das Zeitalter der Industrialisierung. Aus dem Mythos wird eine Geschichte über Kapital, Macht und Ausbeutung. Das Publikum ist schockiert. Heute gilt Chéreaus "Jahrhundert-Ring" als eine der einflussreichsten Operninszenierungen überhaupt. Fast jede Inszenierung, die heute als legendär gilt, wurde bei ihrer Premiere erst einmal bekämpft. Bayreuth ist wieder Maß aller Dinge, als Harry Kupfer 1988 den "Ring" inszeniert: 380.000 Kartenwünsche müssen abgelehnt werden. In Bayreuth beginnen die Wagner-Festspiele. Neben Promi-Auflauf gibt es künstlerische Experimente: „Die Meistersinger von Nürnberg“ gibt’s bunt und überraschend tanzbar. 25.07.2025 | 1:29 minNeue Regisseure, neue Perspektiven Mit Katharina Wagner beginnt die nächste Generation. Sie holt Regisseure auf den Grünen Hügel, die das Publikum herausfordern: Christoph Schlingensief, Hans Neuenfels, Frank Castorf, Barrie Kosky oder Tobias Kratzer. Manche Inszenierungen werden gefeiert, andere gnadenlos ausgebuht. Fast alle lösen heftige Debatten aus. Seit 150 Jahren macht genau das Bayreuth aus. Hier geht es nie nur um Oper. Sondern um die Frage, wie Kunst heute erzählt werden kann. Jede Generation widerspricht der vorherigen - und genau deshalb lebt der Grüne Hügel als Ort der Kunst bis heute. Hannah Kristina Friedrich ist ZDF-Redakteurin und Reporterin für 3sat Kulturzeit. Wichtiger Hinweis in eigener Sache Wer bei Google etwas sucht, bekommt neben den Suchergebnissen auch eine Box mit Schlagzeilen angezeigt. 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