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Sonntag, 12. Juli 2026
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Kassen-Spargesetz: Wieder blutet die Mittelschicht

Medienspektrum

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11. Juli
FAZ (Wirtschaft)

Kassen-Spargesetz: Wieder blutet die Mittelschicht

Kassen-Spargesetz : Wieder blutet die Mittelschicht Mit der GKV-Reform bleiben die Beitragssätze stabil. Die Beiträge selbst steigen aber, weil Warken nicht genug spart. Es zahlen wieder einmal die „Gutverdiener“. Das nennt man wohl „über die Ziellinie gezittert“. Der Bundestag hat das Spargesetz von Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) beschlossen, am Ende wurde es aber noch einmal knapp: Die Opposition zog vor das Bundesverfassungsgericht und scheiterte, die Länder wollten das Gesetz erst nach einem finanziellen Kuhhandel passieren lassen. Warken ist mit einem blauen Auge davongekommen und kann sich rühmen, das erste große Gesetz dieser Regierung zur Stabilisierung der Sozialversicherungen in halbwegs trockene Tücher gebracht zu haben. Die Finanzlücken in den Kranken- und Pflegekassen sind ähnlich riesig wie im Bundeshaushalt, zumindest die Löcher in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) werden jetzt gestopft. Das verdient Anerkennung. Auch zeitlich muss man vor Warkens Haus den Hut ziehen. Zwischen den klugen Sparempfehlungen ihrer Fachkommission Gesundheit und der Bundestagsentscheidung lagen weniger als vier Monate. Diese Eile ist nicht überstürzt, wie die Opposition mäkelt, sondern geboten, um rechtzeitig die Höhe der Beitragssätze zu den Krankenkassen im kommenden Jahr festlegen zu können. Beiträge an sich steigen trotzdem Das ist das Entscheidende: Der Satz für die Zusatzbeiträge soll auf dem jetzigen Niveau von durchschnittlich 2,9 Prozent eingefroren werden. Sofern das gelingt, erfüllt Warken eines der teuersten Versprechen der Regierung: dass die GKV-Sätze nicht noch weiter steigen. Zuletzt blieb das Niveau 2022 unverändert, damals betrug der Zusatzbeitragssatz allerdings erst 1,3 Prozent. Aber man sollte sich nichts vormachen: Die Sätze mögen auf – schon sehr hohem – Niveau verharren, die Beiträge an sich steigen aber trotzdem. Zum einen, weil sie, wie üblich, im Einklang mit den Löhnen klettern. Zum anderen, weil künftig auch Beiträge für Minijobber fällig werden. Diese zahlen die Arbeitgeber allein, was das Prinzip der hälftigen Teilung auf den Kopf stellt. Drittens müssen Krankenversicherte für ihre mitversicherten Lebenspartner in bestimmten Fällen jetzt auch Beiträge zahlen. Warkens Pläne für die Familienversicherung wurden leider zurechtgestutzt: Für immer mehr Gruppen gibt es Ausnahmen, und der Beitragsaufschlag fällt weniger hoch aus als geplant. Aber ein Anfang ist gemacht, um die Paare nicht völlig aus der Verantwortung zu nehmen und um Anreize zur Arbeitsaufnahme zu setzen. Mittelschicht hält das Land am Laufen Ein weiteres Feld, auf dem die GKV-Abgaben steigen, hat mit der Beitragsbemessungsgrenze zu tun. Das ist jene Schwelle im Arbeitseinkommen, bis zu welcher der allgemeine Satz von 14,6 Prozent und der Zusatzbeitrag von durchschnittlich 2,9 Prozent erhoben werden. Diese Grenze steigt ohnehin regelmäßig, 2027 wächst sie im Zuge von Warkens Reform aber außer der Reihe um weitere 3600 Euro im Jahr. Das betrifft keinesfalls nur „reiche“ Beschäftigte, wie Sozialdemokraten und Gewerkschaften gern behaupten. Die bisherige Hürde von 69.750 Euro im Jahr überspringen auch viele Facharbeiter, Angestellte und andere Leistungsträger. Mit Warkens Neuregelung greift die Regierung also Menschen zusätzlich in die Tasche, die als Besserverdiener gelten, in Wirklichkeit aber jene Mittelschicht bilden, die das Land am Laufen hält – auch finanziell in den Steuer- und Versicherungstöpfen. Einsparungen hätten viel tiefer gehen müssen Die Ministerin klopft sich auf die Schulter, weil sie noch weitergehende Wünsche der SPD abgewendet hat. Wenn man aber sieht, dass Warken selbst in der Pflegeversicherung eine noch viel höhere Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze beabsichtigt, wird klar: Auch die Union ist bereit, die Mittelschicht immer stärker zu belasten. Das gilt auch für den vermeintlichen Durchbruch in der Einigung, dass der Bund seine Zahlungen an die GKV weniger stark zurückfährt als zunächst beabsichtigt: Genau jene Einkommensschichten, die jenseits der Bemessungsgrenze verdienen, sind auch die größten Steuerzahler. Dass das Geld über Tabak- oder Zuckersteuern hereinkommt, ist alles andere als sicher. Insgesamt bleibt ein fader Beigeschmack. Die Einsparungen im Gesetz hätten viel tiefer gehen müssen, genau so, wie es die Fachkommission empfohlen hatte. Stattdessen hätte man all das vermeiden sollen, was Unternehmen und Beschäftigte stärker belastet und den Wirtschaftsstandort weiter verteuert. Nach dem Gesetz ist vor dem Gesetz: Hoffentlich führen die geplante Primärversorgung und die neuen Empfehlungen der Kommission zu einer wirklichen Stabilisierung. Diese wird nur über bessere Patientensteuerung und Eigenverantwortung zu erreichen sein, einschließlich privater Zusatzversicherungen und kapitalgedeckter Töpfe. Die Umverteilung stößt nicht an ihre Grenzen, sie hat sie längst überschritten.

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10. Juli
ZDF heute

Gesundheits-Sparpaket: Was steckt drin?

Krankenkassen sollen entlastet werden:Gesundheits-Sparpaket: Was steckt drin? Höhere Zuzahlungen, weniger Zahnersatz-Zuschuss, keine Homöopathie mehr auf Kassenkosten: Der Bundestag hat das Gesundheits-Sparpaket beschlossen. Was auf Versicherte zukommt. Der Name soll Programm sein: Das "Beitragssatzstabilisierungsgesetz" von Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hat nach langem Ringen in der schwarz-roten Koalition und heftigen Protesten aus dem Gesundheitswesen den Bundestag passiert. Das Sparpaket soll die Krankenkassen von stark steigenden Milliarden-Ausgaben entlasten und Millionen Versicherte vor höheren Beiträgen bewahren - allerdings auch um den Preis von Einschnitten. "Wenn die Koalitionäre Bergsteiger wären auf dem Weg zum Berg der Reformen, dann hätten sie das erste Basislager jetzt erreicht", schätzt moma-Politikexperte Theo Koll die Lage der Koalition ein. 10.07.2026 | 4:57 minWas ist das Ziel des Sparpakets? Warken machte klar, dass es um eine "gemeinsame Kraftanstrengung" geht. "Ja, es ist eine Zumutung", räumte sie auch ein. Die Reform sei aber notwendig, denn mit der jetzigen Ausgabendynamik liefe es sonst über kurz oder lang auf einen "Systemkollaps" hinaus. Die zentrale Stoßrichtung lautet nun, dass die Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen nur noch so stark steigen sollen, wie es die Einnahmenentwicklung hergibt. Und bezahlt werden soll prinzipiell nur noch, was die Versorgung nachweislich verbessert. Im Bundestag wurde trotz Eilanträgen der Opposition über die Reform der gesetzlichen Krankenversicherung abgestimmt. Auf die Beitragszahlenden kommen Einschnitte und höhere Kosten zu. 10.07.2026 | 2:29 minUm wie viele Milliarden geht es? Die Leistungsausgaben der Kassen stiegen im vergangenen Jahr schon auf gut 336 Milliarden Euro und legten im ersten Quartal 2026 mit plus acht Prozent noch rasanter zu als angenommen. Warken hatte das Sparziel für 2027 angesichts zuletzt rasanter steigender Ausgaben noch auf 18,8 Milliarden Euro heraufgesetzt. Die neue Lücke werde mit dem nun vorliegenden Entwurf geschlossen, sagte sie. Inwiefern auch noch ein etwas größerer Puffer für Unwägbarkeiten geschaffen wird, war zunächst unklar. Das Bundesverfassungsgericht hat zwei Eilanträge gegen die Bundestagsabstimmung über eine Krankenkassen-Reform abgelehnt. Kanzler Merz warb noch einmal für die Pläne. 09.07.2026 | 1:32 minWas kommt für Patientinnen und Patienten? Warken strebte ein "ausgeglichenes Paket" an, das alle Beteiligten einbeziehen soll - und damit eben auch die Versicherten. Konkret müssen sie sich auf Einschnitte bei Leistungen und mehr Zahlungen aus eigener Tasche einstellen. - Seit 22 Jahren geltende Zuzahlungen von mindestens 5 und höchstens 10 Euro etwa fürs Abholen verschriebener Medikamente in der Apotheke sollen auf 7,50 bis 15 Euro angehoben werden. Wieder gestrichen wurde, dass die Zuzahlungen dann auch noch jährlich angepasst werden sollen. - Homöopathische Leistungen soll es nicht mehr auf Kassenkosten geben. Die alle zwei Jahre mögliche Hautkrebsvorsorge für alle Erwachsenen ohne Symptome soll überprüft werden. Festzuschüsse für Zahnersatz sollen von 60 Prozent auf 50 Prozent der Kosten sinken, Härtefallregeln bleiben aber. - Für Gutverdiener soll die Beitragsbemessungsgrenze 2027 zusätzlich um 300 Euro angehoben werden. Aktuell liegt die Grenze, die ohnehin jährlich erhöht wird, bei 5.812,50 Euro. Bis zu dieser Schwelle des Monatsgehalts sind Beiträge fällig, vom darüber liegenden Gehalt nicht mehr. - Die kostenlose Mitversicherung von Ehegatten und Lebenspartnern soll beschränkt werden, nun aber mit größeren Ausnahmen. Bleiben soll sie für Eltern von Kindern unter zwölf statt unter sieben Jahren sowie für Eltern von Kindern mit Behinderungen, für Erwerbsgeminderte, für Menschen im Regel-Rentenalter und wenn pflegebedürftige Angehörige betreut werden. Für andere noch kostenlos mitversicherte Partner sollen Kassenmitglieder ab 2028 aber einen Beitragszuschlag von 2,5 Prozent zahlen. - Um unnötige Eingriffe zu vermeiden, soll etwa vor OPs für künstliche Kniegelenke erst eine zweite ärztliche Meinung eingeholt werden müssen. - Angesichts hoher Fehlzeiten im Job soll bei langwierigeren Erkrankungen eine Teilkrankschreibung ermöglicht werden, wenn Beschäftigte und Arbeitgeber es möchten - mit 25, 50 und 75 Prozent der Wochenstunden. Wo soll noch gespart werden? Vergütungsanstiege für alle Leistungserbringer wie Ärzte und Kliniken werden begrenzt. Bei den Praxen fallen Extra-Vergütungen weg. Für Apotheken und Pharmaindustrie sollen verstärkte Rabattregelungen gelten. Gekippt wurde ein "dynamischer" Preisabschlag für Arzneihersteller, der jährlich zu erhöhen wäre. Stattdessen soll ein erhöhter fester Extra-Abschlag kommen. Die Grünen wollen das Gesundheitspaket von Ministerin Warken stoppen. Sie kritisieren die kurze Prüfzeit für das mehrere Hundert Seiten lange Gesetz und drohen mit Klagen. 08.07.2026 | 3:40 minBei den Kassen werden Verwaltungs- und Werbeausgaben begrenzt. Sie müssen Versicherte auch nicht mehr eigens über Erhöhungen des Zusatzbeitrags informieren - zur Entbürokratisierung, wie es heißt. Die Verbraucherzentralen warnten, damit werde das dann bestehende Sonderkündigungsrecht faktisch ausgehöhlt. Was trägt der Bund selbst zum Sparpaket bei? Auch in Koalitionsreihen Kritik ausgelöst hatte, dass der Bund zunächst vor allem Geld für den eigenen Etat herausziehen wollte. Da wurde nachgebessert: Für die Krankenkosten von Grundsicherungsbeziehern, die generell gesetzlich versichert sind, soll es mehr Steuergeld geben - zunächst eine Milliarde Euro statt 250 Millionen Euro zusätzlich für 2027, die Summe soll dann noch steigen. Und der reguläre Bundeszuschuss an die Kassen von jährlich 14,5 Milliarden Euro soll 2027 nur auf 13,15 Milliarden statt auf 12,5 Milliarden Euro heruntergehen. Wichtiger Hinweis in eigener Sache Wer bei Google etwas sucht, bekommt neben den Suchergebnissen auch eine Box mit Schlagzeilen angezeigt. Mit ZDFheute als hinterlegter Quelle bekommen Sie unsere Inhalte häufiger in die Schlagzeilen-Box gespielt - geprüfte Inhalte, direkt in Ihrem Überblick. → Hier ZDFheute als bevorzugte Quelle einstellen.  Mehr zum Gesundheits-Sparpaket - Widerstand von Grünen, Linken und AfD:Warken will Krankenkassen-Sparpaket nicht verschiebenvon Johannes Liebermit Video1:31 - Sparpaket diese Woche im Bundestag:Kassen werden wohl mehr Steuermittel erhalten als geplantmit Video2:46 - LiveblogNach Einigung im Koalitionsausschuss:Wüst lobt Reformpaket: "Mitte ist handlungsfähig" - FAQKoalitionsausschuss im Kanzleramt:Diese Entscheidungen wollen Union und SPD jetzt fällenvon Andrea Maurer und Dominik Rzepkamit Video1:29

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9. Juli
Der Spiegel (Wirtschaft)

Gesundheitsreform: Hausärzte appellieren an Bundesrat – »Irrsinn stoppen«

Reform der Krankenversicherung Hausärzte appellieren an Bundesrat: »Irrsinn stoppen« Die Hausärzte appellieren an die Länder, das umstrittene Sparpaket für stabile Krankenkassenbeiträge zu stoppen. »Spätestens der Bundesrat muss diese Irrfahrt stoppen. Wenn das Spargesetz so kommt, ist das ein einziges Fiasko für die Hausarztpraxen und ihre Patientinnen und Patienten«, sagte die Vorsitzende des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes, Nicola Buhlinger-Göpfarth, der »Rheinischen Post«. Sie mahnte: »Wenn Bund und Länder auch weiterhin eine gute hausärztliche Versorgung für ihre Bürgerinnen und Bürger wollen, dann muss dieses Gesetz aufgehalten werden.« Zustimmung des Bundesrats offen Der Bundestag entscheidet am Freitag über das Sparpaket der schwarz-roten Koalition. Geplant ist, die gesetzlichen Krankenkassen 2027 von stark steigenden Ausgaben zu entlasten, um neue Beitragserhöhungen zu verhindern. Vorgesehen sind Ausgabenbremsen bei Praxen, Kliniken, Apotheken und Pharmabranche – aber etwa auch höhere Zuzahlungen für Medikamente und Einschränkungen der kostenlosen Mitversicherung von Ehepartnern. Viel kritisiert wurden auch die geplante Pflicht zur Vorlage einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung am ersten Krankheitstag (mehr hier ) und die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung. Die Grünenpolitikern Ricarda Lang bezeichnete die Neuregelung bei Krankschreibungen als »Schnapsidee«. Alle Betroffenen aus der Praxis sagten voraus, dass sie zu mehr Krankheitstagen führen werde – und nicht zu weniger. Offen ist noch, ob das Paket nach dem Votum des Bundestages auch zur abschließenden Beratung auf die Tagesordnung der Länderkammer kommt. Der Bundestag müsste einen Antrag auf Fristverkürzung stellen, ob die Länder dem zustimmen, ist unklar. Die Hausärztevertreterin Buhlinger-Göpfarth betonte, das Gesetz werde die »Versorgung der Patientinnen und Patienten spürbar verschlechtern«. Sie sprach von einem »Kahlschlag« und warnte, die Folge wäre, dass die Vor-Ort-Versorgung in immer weniger Regionen gewährleistet werde, Menschen immer länger auf Termine warten müssten und weniger Zeit für ihre Behandlung bleibe.

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