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Sonntag, 26. Juli 2026
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Waldsiedlung Zehlendorf jetzt Teil des Unesco-Welterbes

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26. Juli
ZDF heute

Waldsiedlung Zehlendorf jetzt Teil des Unesco-Welterbes

Berliner "Papageiensiedlung":Waldsiedlung Zehlendorf jetzt Teil des Unesco-Welterbes Bunte Häuser, viel Grün und Bauhaus-Stil: Die Waldsiedlung Zehlendorf ist nun Teil des Unesco-Welterbes. Wegen ihrer farbenfrohen Fassaden ist sie als "Papageiensiedlung" bekannt. Ein weiteres Kapitel deutscher Architekturgeschichte hat weltweite Anerkennung erhalten: Die Waldsiedlung Zehlendorf im Berliner Südwesten ist in die begehrte Unesco-Welterbeliste aufgenommen worden. Dies beschloss das Unesco-Komitee während seiner Sitzung im südkoreanischen Busan. Es handelt sich dabei um keinen neuen Eintrag in die Welterbeliste, sondern eine Erweiterung des bereits 2008 anerkannten Welterbestätte "Siedlungen der Berliner Moderne". Zu dieser zählen nun insgesamt sieben Siedlungen, darunter die bekannte Hufeisensiedlung im Bezirk Neukölln und die Weiße Siedlung in Reinickendorf. Über die Entscheidung sagte Unesco-Botschafterin Kerstin Pürschel: Mit ihrer einzigartigen Verbindung von Architektur, Waldlandschaft und urbaner Infrastruktur erweitert die Waldsiedlung Zehlendorf das bestehende Welterbe um eine ganz eigene Facette. Kerstin Pürschel, Unesco-Botschafterin Gelbe, blaue, grüne und bordeauxrote Fassaden prägen die Waldsiedlung Zehlendorf. Das als "Papageiensiedlung" bekannte Viertel gehört jetzt zum Unesco-Welterbe. Quelle: dpaGebäude im Bauhausstil erbaut Laut Maria Böhmer, Präsidentin der deutschen Unesco-Kommission, zeigen die Siedlungen der Berliner Moderne bis heute, worauf es bei gutem, bezahlbarem und gesundem Wohnen ankommt. Die Erweiterung um die Waldsiedlung Zehlendorf macht deutlich, wie visionär diese Wohnkonzepte vor hundert Jahren waren - und wie aktuell sie noch immer sind. Maria Böhmer, Präsidentin der deutschen Unesco-Kommission Erbaut wurde die Waldsiedlung Zehlendorf von 1926 bis 1932 unter der federführenden Planung von Architekt Bruno Taut gemeinsam mit Hugo Häring und Otto Rudolf Salvisberg. Die Gebäude im Bauhausstil lösten während ihrer Entstehung heftige Widerstände innerhalb politisch konservativer Kreise aus. Die künstlerisch revolutionäre Bauhaus-Schule geht in ihr großes Jubiläumsjahr: heute feiert sie ihren 100. Geburtstag. 29.03.2026 | 1:37 minLeitmotiv "Licht, Luft und Sonne" Heute gilt das Konzept allerdings als wegweisend: Unter dem Leitmotiv "Licht, Luft und Sonne" stellt die Waldsiedlung die Gesundheit und das Wohlbefinden der Menschen während einer Zeit in den Mittelpunkt, als dies noch kaum üblich war. Bruno Tauts Vision verband moderne, offene Architektur mit einem von Grünflächen und Bäumen geprägten Umfeld. Gleichzeitig sollte bezahlbarer Wohnraum für breite Bevölkerungsschichten geschaffen werden. Mit ihrer Fläche ist die Waldsiedlung die größte der Berliner Moderne-Siedlungen. Spitzname "Papageiensiedlung" Charakteristisch sind außerdem die farbenfrohen Fassaden: Gelbe, blaue, grüne und bordeauxrote Wände, dreifarbige Fensterrahmen sowie bunt gestaltete Eingangstüren brachten der Waldsiedlung im Volksmund den Spitznamen "Papageiensiedlung" ein. Von den rund 4.000 Menschen, die heute in der Waldsiedlung leben, freuen sich allerdings nicht alle über die Entscheidung des Unesco-Komitees. Einige Anwohner befürchten, dass der neue Welterbe-Status die Mieten weiter steigen lassen und die ohnehin strengen Denkmalschutzauflagen zusätzlich verschärfen könnte. Zum 100. Jubiläum des Umzugs nach Dessau feiert die Stiftung Bauhaus Dessau ein großes Festival. Historische Materialtänze und neue Klangkunst treffen auf Umzüge, Konzerte und Aktionen für Jung und Alt. 08.09.2025 | 1:48 minDas Unesco-Welterbekomitee tagt noch bis zum 29. Juli im südkoreanischen Busan. Insgesamt entscheidet das Gremium über rund 30 Nominierungen für die Welterbeliste. Darüber hinaus befasst es sich mit der Erhaltung bestehender Kultur- und Naturstätten, die durch Kriege, Naturkatastrophen und zunehmend auch durch die Folgen des Klimawandels bedroht sind. Weltweit gelten derzeit rund 60 Welterbestätten als gefährdet. In Deutschland gibt es insgesamt 55 Welterbestätten. Wichtiger Hinweis in eigener Sache Wer bei Google etwas sucht, bekommt neben den Suchergebnissen auch eine Box mit Schlagzeilen angezeigt. Mit ZDFheute als hinterlegter Quelle bekommen Sie unsere Inhalte häufiger in die Schlagzeilen-Box gespielt - geprüfte Inhalte, direkt in Ihrem Überblick. → Hier ZDFheute als bevorzugte Quelle einstellen.  Aktuelle Nachrichten - Reaktionen nach Attacke auf CSD:Merz: "Angriff auf unsere Gesellschaft"mit Video2:56 - Berliner "Papageiensiedlung":Waldsiedlung Zehlendorf jetzt Teil des Unesco-Welterbesmit Video0:22 - LiveblogAngriff auf CSD in Berlin:CSD-Angriff: Mutmaßlicher Täter erschossen - Bilanz zur Tour de France:Van der Poel gewinnt Sprint-Krimi, Pogacar Gesamtsiegervon Benno Kriegermit Video1:28

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26. Juli
Der Spiegel

Unesco: Diese Orte schafften es ebenfalls auf die Welterbeliste

Entscheidung in Busan Diese Orte schafften es auf die Unesco-Welterbeliste In der Berliner Kulturszene war die Freude groß: Die Waldsiedlung Zehlendorf im Südwesten der Hauptstadt ist in die begehrte Unesco-Welterbeliste aufgenommen worden. Dabei handelt es sich um keinen neuen Eintrag, sondern eine Erweiterung der bereits 2008 anerkannten Welterbestätte »Siedlungen der Berliner Moderne«. »Mit ihrer einzigartigen Verbindung von Architektur, Waldlandschaft und urbaner Infrastruktur erweitert die Waldsiedlung Zehlendorf das bestehende Welterbe um eine ganz eigene Facette«, sagte die deutsche Unesco-Botschafterin Kerstin Pürschel über die Entscheidung im südkoreanischen Busan. Mehr dazu lesen Sie hier. Neben der Waldsiedlung hat die Unesco ihrer langen Liste weitere Orte und Werke hinzugefügt (hier finden Sie die gesamte Liste ). Wir stellen ein paar von ihnen vor: D-Day-Landungsstrände (Frankreich) Am 6. Juni 1944 landeten in Omaha Beach Soldaten der Alliierten Foto: Stefan Schurr / imageBROKER / picture allianceAuch die D-Day-Landungsstrände in der französischen Normandie sind in die Unesco-Welterbeliste aufgenommen worden. Zur neuen Welterbestätte zählen die fünf historischen Landungsstrände Utah, Omaha (s. Bild), Gold, Juno und Sword Beach sowie weitere mit der alliierten Landung verbundene Erinnerungsorte. Am 6. Juni 1944 landeten dort Soldaten der Alliierten während des Zweiten Weltkriegs. Der D-Day markierte den Auftakt der Befreiung Europas von den Verheerungen des deutschen Nationalsozialismus von Westen her. Zur Streitmacht der Alliierten gehörten damals vor allem US-Amerikaner, Briten, Kanadier, Polen und Franzosen. Etwa 3100 Landungsboote mit mehr als 150.000 Soldaten machten sich auf den Weg nach Nordfrankreich. Tausende von ihnen starben während der folgenden Gefechte. In Frankreich liegen nach der Anerkennung der D-Day-Landungsstrände nun 55 Welterbestätten, gleich viele wie in Deutschland. Nur China (60) und Italien (60) haben weltweit noch mehr Unesco-Welterbestätten zu bieten. Königliche Festungen der Kapetinger im Languedoc (Frankreich) Die Burgen entstanden im 13. und 14. Jahrhundert Foto: Palau Paul / Only France / ABACAPRESS / picture allianceIn die Welterbeliste aufgenommen wurden auch mehrere Festungen des Languedoc im Süden Frankreichs in der Region Okzitanien. Die Burgen entstanden im 13. und 14. Jahrhundert und wurden unter anderem von Anhängern der Katharerbewegung bewohnt, einer christlichen Glaubensgemeinschaft. Während des Albigenserkreuzzugs zwischen 1209 und 1229 suchten sie Schutz in den Festungen, die auf steilen Berggipfeln beste Verteidigungsmöglichkeiten boten. In der Folge übernahm die französische Krone unter der Dynastie der Kapetinger die Kontrolle über das Languedoc. Es diente dem Schutz eroberter Gebiete, der Kontrolle von Verkehrswegen und der Durchsetzung königlicher Macht. Architektonische Werke von Alvar Aalto (Finnland) Von Aalto entworfenes Konzert- und Kongressgebäude in Helsinki Foto: Juan Jimenez / Zoonar / picture allianceAlvar Aalto gilt bis heute in vielen nordischen Ländern als »Vater des Modernismus«. Die Werke des 1976 gestorbenen Architekten umfassen dreizehn moderne Gebäude und Ensembles, die zwischen den späten Zwanziger- und Siebzigerjahren entstanden sind. Ihm gelang es, die Ideen der Moderne mit lokalen Traditionen zu verbinden. In der finnischen Hauptstadt Helsinki ist eine Universität nach ihm benannt. Condominio-Theater des 18. und 19. Jahrhunderts (Italien) Das Teatro dell'Aquila in Fermo Foto: ProCip / robertharding / picture allianceDie italienischen Condominio-Theater in Mittelitalien veranschaulichen bis heute den Wandel der Theaterkultur im 18. und 19. Jahrhundert. Während Theater zuvor vor allem der Unterhaltung des Adels diente, entwickelte es sich zunehmend zu kulturellen Einrichtungen des Bürgertums. Grundlage dafür war ein besonderes Eigentumsmodell: Der Bau und Betrieb der Theater wurde gemeinschaftlich von öffentlichen Institutionen und vermögenden Bürgerinnen und Bürgern finanziert. Dadurch konnten auch kleinere Städte eigene Theater errichten. Die Condominio-Theater wurden zu bedeutenden Orten des kulturellen Austauschs, der gesellschaftlichen Begegnung und architektonischer Entwicklung. Viele von ihnen prägen bis heute das kulturelle Leben ihrer Region. Sidi Bou Saïd (Tunesien) Sidi Bou Saïd ist heute ein beliebtes Touristenziel Foto: Leonid ANDRONOV / Dreamstime / IMAGOAuch die tunesische Küstenstadt Sidi Bou Saïd wurde zum Welterbe erklärt. Sie ist für ihre blau-weißen Häuser bekannt und ein beliebtes Touristenziel. Das im Felsen von Karthago liegende Dorf entstand rund um das Mausoleum des gleichnamigen Sufi-Heiligen, der sich im Jahr 1207 hier niederließ. Boma-Badingilo-Savannen (Südsudan) Das Boma-Badingilo umfasst weite Savannen Foto: Tony Karumba / AFPEs ist der erste Eintrag des Südsudan auf der Welterbeliste: Das Boma-Badingilo umfasst weite Savannen, Überschwemmungs- und Feuchtgebiete, es zählt zu den größten Sumpfgebieten weltweit. In der Region ereignet sich regelmäßig die weltgrößte Landtierwanderung. Rund sechs Millionen Antilopen machen sich auf den Weg, damit übertrifft sie sogar die bekannte Gnuwanderung, auch als »Great Migration« bekannt, im Osten Afrikas. Die Region bietet Lebensraum für Elefanten, Löwen, Leoparden, Wildhunde und andere Arten.

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26. Juli
Tagesschau

Waldsiedlung in Berlin-Zehlendorf gehört jetzt zum UNESCO-Welterbe

Berlin Waldsiedlung in Zehlendorf wird UNESCO-Welterbe Zu ihrer Entstehungszeit umstritten, heute als wegweisende Architektur anerkannt: Die Waldsiedlung in Berlin-Zehlendorf ist in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen worden - und erweitert nun die "Siedlungen der Berliner Moderne". Die Waldsiedlung in Berlin-Zehlendorf ist in die Unesco-Welterbeliste aufgenommen worden. Das teilte das Unesco-Welterbekomitee am Sonntag im südkoreanischen Busan mit. Bereits seit Mitte Juli berät das Komitee über Neuaufnahmen aus aller Welt in die Liste des Kultur- und Naturerbes. Jetzt hat es die einzige Nominierung aus Deutschland geschafft und erweitert die seit 2008 bestehende Welterbestätte "Siedlungen der Berliner Moderne". Früher umstritten, heute ein Vorbild Erbaut wurde die Waldsiedlung Zehlendorf von 1926 bis 1932 unter der federführenden Planung von Architekt Bruno Taut gemeinsam mit Hugo Häring und Otto Rudolf Salvisberg. Die Gebäude im Bauhaus-Stil lösten während ihrer Entstehung heftige Widerstände innerhalb politisch konservativer Kreise aus. Heute gilt das Konzept allerdings unbestritten als wegweisend: Unter dem Leitmotiv "Licht, Luft und Sonne" stellt die Waldsiedlung die Gesundheit und das Wohlbefinden der Menschen während einer Zeit in den Mittelpunkt, als dies noch kaum üblich war. Bruno Tauts Vision verbindet moderne, offene Architektur in einem von Grünflächen und Bäumen geprägten Umfeld. Eine Besonderheit der Waldsiedlung ist, dass sie flächenmäßig die größte aller Siedlungen der Berliner Moderne ist. Inmitten der Waldsiedlung befindet sich auch die Ladenstraße im U-Bahnhof Onkel Toms Hütte - das revolutionäre Konzept, ein Einkaufszentrum direkt an einen Bahnhof anzubinden, war damals weltweit einmalig. Hinzu kommen die bunten Wände - gelbe, blaue, grüne oder bordeauxrote Fassaden, dreifarbige Fensterrahmen, farbenfrohe Eingangstüren -, die der Waldsiedlung auch den Spitznamen Papageiensiedlung verliehen haben. Etliche Prominente haben einst in der Siedlung gewohnt, darunter der Schauspieler Theo Lingen und der SPD-Politiker und Nazi-Gegner Julius Leber. "Ganz eigene Facette" "Mit ihrer einzigartigen Verbindung von Architektur, Waldlandschaft und urbaner Infrastruktur erweitert die Waldsiedlung Zehlendorf das bestehende Welterbe um eine ganz eigene Facette", sagte die deutsche Unesco-Botschafterin Kerstin Pürschel über die Entscheidung in Busan. Es handelt sich um keinen neuen Eintrag in die Welterbeliste, sondern eine Erweiterung des bereits 2008 anerkannten Welterbestätte "Siedlungen der Berliner Moderne". Zu dieser zählen nun insgesamt sieden Siedlungen, darunter die bekannte Hufeisensiedlung im Bezirk Neukölln und die Weiße Siedlung in Reinickendorf. Erste Bewerbung scheiterte Bereits vor 18 Jahren hatte sich das Viertel nebst anderen Siedlungen in Berlin beworben, aber vergeblich. Wegen des schlechten Zustands vieler Fassaden erhielt die Waldsiedlung 2008 nicht mit den sechs anderen Berliner Siedlungen der Moderne Welterbestatus. Renovierungsarbeiten in der Folgezeit ermöglichten jedoch eine Nachnominierung. "Die Eintragung als Unesco-Welterbe ist eine Würdigung des langjährigen Engagements der Bewohnerinnen und Bewohner für ihre Siedlung", sagte der Berliner Landeskonservator Christoph Rauhut. Die Welterbeliste gibt es seit 1978. Für die Ausführung der Welterbekonvention ist das Welterbekomitee zuständig. Es kommt einmal jährlich zusammen und besteht aus Vertretern von 21 Vertragsstaaten, die rotieren. Sitz ist in Paris. Derzeit gibt es 55 Welterbestätten in Deutschland und mehr als 1.250 in über 170 Ländern weltweit. Sendung: rbb 88.8, 26.07.2026, 11:00 Uhr Audio: rbb 88.8, 26.07.2026, Swetlana Oheim

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26. Juli
taz (Öko & Co)

Unesco und Waldsiedlung Zehlendorf: Bunt wie ein Papagei zwischen Kiefern und Weltkulturerbe

Unesco und Waldsiedlung Zehlendorf: Bunt wie ein Papagei zwischen Kiefern und Weltkulturerbe Mit der Waldsiedlung in Berlin-Zehlendorf wollte man nach dem Ersten Weltkrieg sozialen Wohnraum schaffen. Heute genießt sie Kultstatus. Ein Spaziergang. Bei der Einfahrt mit der U3 Richtung Krumme Lanke breitet sich rechts und links der Haltestelle Onkel Toms Hütte die Waldsiedlung Zehlendorf aus. Nur wenige Schritte aus der Station heraus genügen, um sich in der Siedlung wiederzufinden, die nicht zur Freude aller Bewohner:innen auf der Unesco-Weltkulturerbe-Liste steht. Es ist ein regnerischer Tag und die Häuser wirken verlassen. Doch leuchten sie im Kontrast zum Grau des Himmels in bunten Farben. Diese Farbigkeit brachte ihr auch den einst spöttisch gemeinten Namen „Papageiensiedlung“ ein. Die Siedlung ist nach Flächen und Himmelsrichtungen konzipiert. So begegnen die Westfassaden dem Abendlicht in warmem Rotbraun, während die Ostseiten in sanftem Gelb und Grün leuchten. Erst die Details brechen die Monotonie. Dazu gehören dreifarbig abgesetzte Fensterrahmen, rot gefasste Türen oder etwa jenes kräftige Blau als Akzent dazwischen. Und jede Straße hat nochmal ein etwas eigenes Farbkonzept. Gemeinsam mit Otto Rudolf Salvisberg (südlicher Teil) und Hugo Häring (östlicher Teil) begann Bruno Taut (nördlicher Teil), trotz Widerstands aus dem Zehlendorfer Villenviertel, für die Wohnungsbaugenossenschaft Gehag mit der Planung der Siedlung. Sie entstand zwischen 1926 und 1932 im Zuge der massiven Wohnungsnot Berlins nach dem Ersten Weltkrieg. Taut verfolgte dabei ursprünglich die klare soziale Idee, Wohnraum für Menschen mit kleinem Einkommen zu schaffen. Mit rund 1.900 Wohneinheiten zählte sie zu den größten Siedlungen des damaligen Deutschlands. Bitte keine falsche Aufwertung Am 26. Juli entschied das Unesco-Welterbekomitee, die Waldsiedlung als Erweiterung der Unesco-Welterbestätte „Siedlungen der Berliner Moderne“ anzuerkennen. Doch nicht alle Bewohner:innen begrüßen die Entscheidung. Einige sprechen von „Etikettenschwindel“. Zwar schätzen sie ihr Zuhause, doch die heutige Bewirtschaftung durch den Konzern Vonovia sei rein profitorientiert und widerspreche den ursprünglichen sozialen Ideen Tauts. Es wird zudem befürchtet, dass der Welterbe-Status die Siedlung weiter als hochpreisiges Prestigeobjekt aufwertet, statt eine sozial und klimapolitisch zeitgemäße Entwicklung zu erleichtern. Von der U-Bahn-Station aus führt die Argentinische Allee gen Norden. In wenigen Gehminuten passiert man Wohnhäuser mit großzügigen Balkonen, viele sind mit Geranien bepflanzt. Dazwischen leuchten rote Sonnenschirme auf, die gleichfarbige Türumrahmungen ergänzen. Zunächst scheint niemand da zu sein: keine Bewegung auf den Balkonen, kein Verlassen oder Betreten der Häuser. Belebt wirkt heute nur der stetige Strom vorbeifahrender Autos. Doch dann biegt ein Mann mit seinem Hund um die Ecke, ein anderer trägt ein Fahrrad vor die Tür. Seine blaue Jacke ersetzt das hier fehlende blaue Element an der Fassade. Geht man links der Argentinischen Allee einen kleinen Pfad Richtung Westen ab, folgen ruhig gelegene Einfamilienhäuser. Auch hier finden sich farbige Fassaden und Details. In Kiefern gebettet Die Siedlung wurde in den Grunewald hineingebaut, wodurch die Nähe von Natur und Architektur (ähnlich dem Bauhaus) bewahrt wurde. Denn Wald, Licht, Luft, Sonne, all diese Elemente waren Taut wichtig. Ganz im Gegensatz zu den grauen Hinterhöfen und Mietskasernen des damaligen Berlins. Zwischen den Häuserzeilen wachsen heute noch Kiefern, deren Lichtspiel die Farbigkeit der Fassaden ergänzt und an Südfrankreich erinnern. Einordnen lässt sich die Siedlung in den Architekturstil des Neuen Bauens. Dieser zeichnet sich durch Klarheit und Einfachheit in der Gestaltung, durch Vorsprünge der Baukörper und hohe räumliche Differenzierung aus. Charakteristisch sind auch die Flachdächer. Konservative Gegner diffamierten diese einst als „architektonisches Verbrechen“ und stellten sie dem „deutschen“ Spitzdach gegenüber. Dieser damals ausgefochtene „Zehlendorfer Dächerkrieg“ stand symbolisch für den Widerstand der Konservativen gegen den sozialen Wandel im Allgemeinen. Trotz verlassener Häuser und Straßen: Allein ist man nicht. Aus der Ferne wummert ein Technobeat. Und hinter einer Fensterscheibe folgt ein Augenpaar den eigenen Schritten. Eine graue Katze sitzt im Fenster und beobachtet die wenigen Vorbeigehenden. Eine Ahnung von Sommer Wie es wohl sein mag, wenn der Sommer sein wahres Gesicht zeigt? Eine Kunsthistorikerin, die zur Miete in einem der Häuser wohnt und ihren Garten umgräbt, berichtet davon, wie belebt die Siedlung bei schönem Wetter sei, wenn die Kinder auf den Straßen umherspringen würden. Überhaupt würde man hier sehr gerne leben zwischen den bunten Fassaden und hohen Kiefern. Kurz vor Verlassen der Siedlung bricht doch noch die Sonne durch. Und so abrupt, wie die Siedlung aufgetaucht ist, so abrupt endet sie wieder, geht über in graue und braune Häuserzeilen, die neben den bunten Fassaden der Papageiensiedlung umso blasser erscheinen. Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? Werden Sie jetzt Teil der Community! Jetzt unterstützen meistkommentiert

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26. Juli
Der Spiegel

Berlin: Waldsiedlung Zehlendorf wird Unesco-Welterbe

»Papageiensiedlung« Waldsiedlung Zehlendorf in Berlin wird Unesco-Welterbe Ein weiteres Kapitel deutscher Architekturgeschichte erfährt weltweite Anerkennung: Die Waldsiedlung Zehlendorf im Berliner Südwesten ist in die begehrte Unesco-Welterbeliste aufgenommen worden. Dies beschloss das Unesco-Komitee während seiner Sitzung im südkoreanischen Busan. Es handelt sich dabei um keinen neuen Eintrag in die Welterbeliste, sondern eine Erweiterung der bereits 2008 anerkannten Welterbestätte »Siedlungen der Berliner Moderne«. Zu dieser zählen nun insgesamt sieben Siedlungen, darunter die bekannte Hufeisensiedlung im Bezirk Neukölln und die Weiße Siedlung in Reinickendorf. »Mit ihrer einzigartigen Verbindung von Architektur, Waldlandschaft und urbaner Infrastruktur erweitert die Waldsiedlung Zehlendorf das bestehende Welterbe um eine ganz eigene Facette«, sagte die deutsche Unesco-Botschafterin Kerstin Pürschel über die Entscheidung in Busan. Spitzname »Papageiensiedlung« Die etwa 1100 Mehrfamilienhäuser und verschiedenen Reihen- sowie Einfamilienhäuser wurden zwischen 1926 und 1932 nahe dem heutigen U-Bahnhof Onkel Toms Hütte errichtet. Unter der Planung der Architekten Bruno Taut, Hugo Häring und Otto Rudolf Salvisberg entstand ein Viertel, das seit 1995 unter Denkmalschutz steht. Berlinerinnen und Berlinern nennen das Viertel auch »Papageiensiedlung«, denn die Hausfassaden sind allesamt in verschiedenen Farben bemalt – Ostfassaden in Gelb und Grün, Westfassaden in Braun und Bordeauxrot. Reihenhäuser in der Waldsiedlung Zehlendorf Foto: Sebastian Gollnow / dpaIn den ersten Jahren nach dem Siedlungsbau sorgte das knallige Erscheinungsbild des Viertels auch immer wieder für Spott. »Zigarrenkistenkunst, die nach Südamerika gehört«, soll ein Bezirksbürgermeister die Bauten damals genannt haben. Heute gilt das Konzept allerdings unbestritten als wegweisend: Unter dem Leitmotiv »Licht, Luft und Sonne« stellte die Waldsiedlung die Gesundheit und das Wohlbefinden der Menschen während einer Zeit in den Mittelpunkt, als dies noch kaum üblich war. Zudem wollte man bezahlbaren Wohnraum für breite Schichten schaffen. Derzeit gibt es 55 Welterbestätten in Deutschland und mehr als 1250 in über 170 Ländern weltweit.

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