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Samstag, 1. August 2026
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Christopher Street Day: CSD in Hamburg startet unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen

Medienspektrum

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1. August
Die Zeit (Politik)

Christopher Street Day: CSD in Hamburg startet unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen

In Hamburg hat die Demonstration zum Christopher Street Day (CSD) begonnen. Die Kundgebung unter dem Motto »Solidarisch queer. Haltung zeigen – für eine Zukunft ohne Angst« findet eine Woche nach dem islamistischen Anschlag beim Berliner CSD statt. Die Veranstalter rechneten vorab mit rund 250.000 Besucherinnen und Besuchern. Die Polizei spricht von einem erhöhten Sicherheitsaufgebot. Die Polizei wollte nach dem Anschlag in Berlin rund doppelt so viele Sicherheitskräfte wie im Vorjahr einsetzen. Die Veranstaltenden riefen die »gesamte Stadt« zur Teilnahme auf. Der Berliner CSD-Verein nimmt mit einem eigenen Wagen an der Demonstration teil. Die Route der Demonstration führt durch die Hamburger Innenstadt, zudem gibt es unter anderem ein Straßenfest. Unter den Teilnehmenden waren auch Politikerinnen und Politiker aus Hamburg und dem Bund, darunter der SPD-Fraktionschef im Bundestag, Matthias Miersch, die frühere Grünen-Bundesvorsitzende Ricarda Lang und die Hamburger Umweltsenatorin Katharina Fegebank (Grüne). Schweigeminute bei CSD in Bonn Auf dem CSD in Bonn gedachten die Teilnehmenden der Opfer des Attentats in Berlin vor einer Woche. Das Bühnenprogramm auf dem Münsterplatz begann am frühen Samstagnachmittag mit einer Schweigeminute. »Ihr wisst alle, was in Berlin passiert ist. Das hat uns alle sehr geschockt«, sagte Vorstandsmitglied Claudia Brenig vom CSD-Veranstalter Rheinqueer. »Wir sind heute auch in Gedanken bei den Opfern, bei der verstorbenen Frau und bei allen, die verletzt wurden und in Berlin traumatisiert wurden.« »Dieser Anschlag war ein Angriff auf die queere Community, auf die Demokratie, auf die Freiheit«, sagte auf dem CSD in Bonn die ehrenamtliche Bürgermeisterin Nicole Unterseh (Grüne). »Er trifft nicht nur die queere Community, er trifft alle.« Die Politikerin rief zum Zusammenhalt auf. Niederländischer Ministerpräsident ruft zu Protest auf Bei der Pride-Parade auf den Amsterdamer Grachten hat der niederländische Ministerpräsident Rob Jetten junge LGBTIQ-Personen aufgerufen, sich offen zu bekennen. Ein Coming-out sei nicht einfach, »aber sobald man diesen Schritt gewagt hat, wird es nur noch besser«, sagte Jetten. Zugleich sei es wichtig, gegen Anfeindungen zu protestieren. »Das hat man beim Anschlag in Berlin letzte Woche gesehen«, sagte er. Die Akzeptanz der LGBTIQ-Gemeinschaft stehe weltweit unter Druck, sagte Jetten. »Und es ist wichtig, das heute zu zeigen.« Die CSD-Kundgebungen erinnern an den 28. Juni 1969, als die Polizei die Schwulenbar »Stonewall Inn« in der Christopher Street in New York stürmte. Das gilt als Geburtsstunde der modernen Lesben- und Schwulenbewegung.

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1. August
Die Welt (Politik)

Tausende feiern CSD trotz erhöhter Sicherheitslage in Hamburg

Tausende feiern CSD trotz erhöhter Sicherheitslage in Hamburg Nur eine Woche nach dem Anschlag auf den CSD in Berlin findet die Parade in Hamburg statt. Die Stadt füllt sich mit Menschen, die trotz erhöhter Sicherheitslage feiern, trauern und ein „Jetzt‑erst‑Recht“-Gefühl leben. Drei Stunden vor dem Startschuss der Christopher Street Day-Parade ist es noch recht ruhig in der Lübecker Straße in Hamburg. An den etwa 60 Trucks werden die letzten Verzierungsarbeiten vorgenommen. Getränkekisten werden verladen, Ballons angebracht. Über einem der Lkw tanzt ein Ballon in Herzform und in den Regenbogenfarben in der Luft. Ein besseres Symbol hätte es eine Woche nach dem Anschlag auf den CSD in Berlin mit einer Toten und 31 zum Teil schwer verletzten Menschen wohl kaum geben können. Allmählich füllt sich der Straßenzug, der zwischen dem Mühlendamm und der Güntherstraße von der Polizei abgesperrt ist. Die Sonne bricht durch die Wolken, blauer Himmel wird sichtbar. Immer mehr Menschen strömen aus der U-Bahn-Station und von den Zugangswegen. Bunte Kostüme, hohe Absätze, Leder, Latex, Seifenblasen und viel Glitter prägen das Bild. In den Cafés wird noch ein schnelles Frühstück genossen, ein Kiosk hat seine Ladenfläche kurzfristig auf den Gehweg verlegt. Die Stimmung ist positiv angespannt, aber nicht ängstlich. Das gilt auch für Florian, der einen halben Bart im Gesicht trägt, und sich dem dritten Geschlecht zugehörig fühlt. „Schlimm, was in Berlin passiert ist“, sagt der gebürtige Heidelberger, der vor eineinhalb Jahren wegen der toleranten und weltoffenen Stimmung im Stadtteil St. Pauli in die Hansestadt gezogen ist. „Die Frau war ja extra aus dem Ausland nach Berlin gereist.“ Die Teilnehmenden fühlen sich auch durch die starke Präsenz der Polizei geschützt. „Angst bringt uns alle nicht weiter“, sagt Thomas Jager, der zum Vorstand des CSD in Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern gehört. „Ich habe mich noch nie bei einem CSD unsicher gefühlt, und heute fühle ich mich sogar noch sicherer. Wir lassen uns nicht unterkriegen.“ „Niemand kann erklären, wen Liebe bedroht“ Die Vielfalt der Trucks ist ebenso groß wie die der Menschen. Der Verein Buntes Handwerk ist mit dem Slogan „Alle Hände fürs Handwerk – Alle Hände für Queerrechte“ ebenso dabei wie der Hamburger Dom, dessen Hänger von einem Hanomag-Traktor aus dem Jahr 1958 gezogen wird. Ein Engel, dessen Flügel in den Farben des Regenbogens gestaltet sind, steht neben den „Omas gegen Rechts“. Auf einem selbstgeschriebenen Pappschild ist zu lesen: „Leider konnte mir noch niemand erklären, wen Liebe bedroht“. Er spüre bei den Menschen und auch bei der Stimmung im Internet ein echtes „Jetzt-erst-Recht-Gefühl“, sagt Manuel Opitz, der Sprecher von Hamburg Pride, dem Organisator des Christopher Street Day in Hamburg. Eine treffende Zusammenfassung. Je dichter der Start rückt, desto elektrisierter wird die Stimmung. Die Leistungsfähigkeit der Musikboxen wird getestet. Rosa und weißes Konfetti fliegt durch die Luft, aus den Boxen klingt „Heal the world“ von Michael Jackson. „Heal the world, make it a better place. For you and for me and the entire human race“ heißt es in dem Song aus dem Jahr 1992. „Mach die Welt gesund, mach sie zu einem besseren Ort. Für Dich und für mich und für die ganz menschliche Rasse.“ Dann macht sich der Zug auf seinen Weg durch die Stadt. Mehrere Stunden soll die Parade gehen. Im Anschluss wird auf dem Rathausmarkt und an der Binnenalster noch bis zum Sonntag weitergefeiert. Alles unter dem Motto „Solidarisch queer. Haltung zeigen – für eine Zukunft ohne Angst!“

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1. August
FAZ (Politik)

Parade in Hamburg: „Mit Lebensfreude der Angst begegnen“

Parade in Hamburg : „Mit Lebensfreude der Angst begegnen“ Eine Woche nach dem Berliner Attentat findet an diesem Samstag der Hamburger CSD statt. Auf den Schock folgte ein Gefühl des Trotzes. Für die queere Gemeinschaft von Hamburg war es keine Option, den Christopher Street Day in ihrer Stadt von sich aus abzusagen. So schildert es CSD-Sprecher Manuel Opitz im Gespräch mit der F.A.Z. Auch die Polizei habe schnell klargestellt, dass sie alles dafür tun werde, dass der CSD stattfinden könne. An diesem Samstag soll darum der Demonstrationszug durch Hamburg ziehen – eine Woche nach dem islamistischen Anschlag auf den Berliner CSD. „Nur mit Lebensfreude und dem Bewusstsein, wofür wir einstehen, lässt sich Angst begegnen“, sagt Opitz. Das passt zu dem Motto, das schon vor einem Jahr festgelegt wurde: „Solidarisch queer – Haltung zeigen für eine Zukunft ohne Angst“. Opitz selbst erreichte die Nachricht vom Anschlag, als er am vergangenen Samstag auf der Hamburger Pride Night feierte. „Wir waren absolut fassungslos und konnten nicht glauben, was dort steht“, erinnert sich Opitz. Er beschreibt, wie sich die Stimmung der queeren Gemeinschaft in den Tagen nach dem Anschlag verändert hat. Die Bestürzung, die bei einem spontanen gemeinsamen Gedenken am Sonntag zu spüren gewesen sei, habe sich in den vergangenen Tagen zu Entschlossenheit gewandelt. Im „Pride House“, dem zentralen Veranstaltungsgebäude der laufenden „Pride Week“, legte der Verein „Hamburg Pride“ ein Kondolenzbuch aus. Der Ort wurde schnell zum informellen Treffpunkt, an dem Menschen zusammenkamen und ihre Gefühle teilten, wie Opitz sagt. Sich gegenseitig zu stärken, gehöre zum Grundcharakter queerer Netzwerke. Opitz macht deutlich, wie wichtig der CSD für viele in der Community ist. Diesen wolle man sich „nicht nehmen lassen“, gerade trotz des Anschlags in Berlin. Angriff auf CSD war „eine Frage der Zeit“ Dass es eines Tages so weit kommen würde, war für Andre Lehmann vom LSVD+-Bundesverband „eine Frage der Zeit“. Sein Verband ist nach eigenen Angaben eine der größten Bürgerrechts- und Selbsthilfeorganisationen der queeren Gemeinschaft in Deutschland. „Der Anschlag ist der vorläufige Höhepunkt einer langen Entwicklung“, sagt Lehmann. Dass die Bedrohungen für queere Personen zunehmen, zeigen Untersuchungen und Zahlen. Seit 2010 hat sich die Zahl der Straftaten in den Kategorien „Sexuelle Orientierung“ und „Geschlechtsbezogene Diversität“, womöglich auch durch die steigende Präsenz queerer Menschen im Alltag, nahezu verzehnfacht, heißt es im Lagebericht des Bundeskriminalamts. 2025 registrierte die Polizei bundesweit durchschnittlich sechs sogenannte queerfeindliche Gewalttaten je Tag. Fachstellen gehen wegen eines großen Dunkelfelds von deutlich höheren Zahlen aus. In Hamburg haben die erfassten Straftaten gegen „geschlechtsbezogene Diversität“ und sexuelle Orientierung zugenommen. Im Jahr 2023 waren es nach Angaben der Polizei noch 98, im folgenden Jahr 149 und im vergangenen Jahr 166. Betroffene können sich in Hamburg an das Magnus-Hirschfeld-Centrum wenden, ein Beratungs- und Jugendzentrum der queeren Community in Hamburg-Winterhude. Dort berichten Betroffene nach Angaben des Zentrums von Beleidigungen im öffentlichen Raum, Bedrohungen, körperlichen Übergriffen. Viele Ratsuchende änderten ihr Verhalten, teilt das Zentrum mit. Sie hielten weniger Händchen, überlegten zweimal, wo sie hingingen. „Wenn Menschen ihre Sichtbarkeit aus Angst einschränken, zeigt das, wie sehr Queerfeindlichkeit in den Alltag hineinwirkt“, teilen die Fachleute mit. Ein queeres Outfit kann in der Regionalbahn riskant sein CSD-Sprecher Opitz berichtet von ähnlichen Fällen in Hamburg. Besonders ein Angriff auf St. Pauli in der Nacht zum 17. Mai habe viele getroffen, sagt Opitz: Zwei junge Männer, die sich küssten, wurden gefilmt und anschließend angegriffen. Zudem habe sich ein „beängstigendes“ Muster verfestigt: Man verabredet sich über eine Dating-App – und wird am Treffpunkt angegriffen. Die Lage in Hamburg sei allerdings nicht zu vergleichen mit denen in ländlicheren Regionen, sagt Opitz. Er berichtet von einem CSD in Stendal, wo es Umkleidekabinen gibt: Wer mit einem Regenbogen-Outfit in der Regionalbahn zur Parade fahre, riskiere zu viel. „Die Polarisierung der Gesellschaft zeigt sich auch im Umgang mit queeren Menschen“, sagt Opitz. Trotz solcher Entwicklungen gab es noch nie so viele CSD-Veranstaltungen in Deutschland wie im vergangenen Jahr, 245 waren es insgesamt. Und auch in diesem Jahr stehen bis zum Herbst noch etliche an. Die queere Gemeinschaft ist angesichts der Sicherheitslage mehr noch als früher auf die Polizei angewiesen. Der Hamburger Polizeipräsident Falk Schnabel kündigte in dieser Woche an, rund doppelt so viele Einsatzkräfte wie im Vorjahr einzusetzen – uniformierte und zivile, dazu eine Luftkomponente. Eine „absolute Sicherheit, gerade im Innenstadtbereich“, werde „auch von uns nicht leistbar sein“, sagte er am Mittwoch im Deutschlandfunk. In Berlin hatte der Anschlag nicht die Parade selbst getroffen, sondern deren Umfeld im Tiergarten. Wie sollen solche Randbereiche in Hamburg geschützt werden? Ein Polizeisprecher teilte der F.A.Z. mit, man könne keine detaillierten Angaben zu den Schutzmaßnahmen und möglichen Anpassungen machen. Schon heute könne gesagt werden, dass die Zahl der Einsatzkräfte gerade für die große Demonstration am Samstag noch einmal erhöht werde. Die Polizei werde für die Teilnehmer „sehr präsent und ansprechbar“ sein. Der Hamburger CSD-Sprecher ist dankbar für die Arbeit der Polizei. Der Anschlag in Berlin habe gezeigt, wie notwendig es ist, die „volle Unterstützung der Polizei zu haben“, sagt Opitz. Als Veranstalter befinde man sich in enger Absprache mit der Polizei und der Stadt. „Die Polizei an unserer Seite zu wissen, ist für uns ungemein wertvoll“, sagt er. Doch es gibt in der Szene auch Stimmen, denen ein Lob der Polizei schwerer über die Lippen kommt. So nennt das Hirschfeld-Centrum die Beziehung zwischen Polizei und queerer Szene ein „reales Spannungsverhältnis“. Vertrauen sei trotz aller Dankbarkeit für den Schutz nicht selbstverständlich: Queere Menschen hätten „über Jahrzehnte staatliche Verfolgung und Diskriminierung erlebt“. Auch heute berichteten „trans*, inter* oder queere Menschen teilweise weiterhin von Vorbehalten oder negativen Erlebnissen“. Man erlebe gleichzeitig den „Wunsch nach Schutz und den Wunsch nach einer Polizei, die diskriminierungssensibel handelt und Vertrauen langfristig durch Dialog und Zusammenarbeit aufbaut“. Skepsis in Teilen der queeren Community In Teilen der queeren Community wird auch die Aufrichtigkeit der Anteilnahme mancher Politiker nach dem Anschlag in Zweifel gezogen. Andre Lehmann vom LSVD+-Verband sagt zwar, gespielt sei sie nicht, aber sie wirke „aufgrund der fehlenden Konsequenz unehrlich“. Er verweist auf Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), der beim Gedenkgottesdienst vor Hass gewarnt habe. „Das ist eine spannende Erkenntnis für einen Kanzler, der im letzten Jahr die Regenbogenfahne noch als Zirkusplane bezeichnet hat“, sagt Lehmann. Er spielt damit auf eine Debatte aus dem vorigen Sommer an. Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) hatte entschieden, die Regenbogenfahne nicht zum Berliner CSD auf dem Reichstag zu hissen, sondern nur am 17. Mai, dem Internationalen Tag gegen queerfeindliche Hasskriminalität. Merz unterstützte Klöckner damals und sagte, der Bundestag sei „ja nun kein Zirkuszelt“, auf dem man beliebig Fahnen hisse. Auch mit Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) geht Lehmann hart ins Gericht. Auch sie bekunde Anteilnahme, obwohl sie „die Förderung wichtiger Aufklärungsprojekte“ in der Vergangenheit infrage gestellt habe. Die öffentliche Debatte insgesamt geht Lehmann gegen den Strich. „Es wird nur über die Täter geredet, anstatt über die Opfer. Die queere Community war das explizite Ziel des Anschlags“, sagt er. An Kontroversen mangelt es also nicht. Der CSD werde politischer, sagt CSD-Sprecher Opitz, er dürfe aber nicht seinen „Grundcharakter“ als freudiger Demonstrationszug verlieren. Wie viele Menschen an diesem Samstag kommen werden, vermag er nicht zu schätzen. Im vergangenen Jahr strömten zum CSD 250.000 Menschen auf Hamburgs Straßen. Mehr als die Teilnehmerzahl beschäftigt Opitz die Frage, wie viele Menschen aus der nicht queeren Community mitlaufen. „Haufenweise“ Nachrichten erreichten die Veranstalter von Leuten, die ihr Kommen angekündigt hätten. Der Tenor: ein „Jetzt-erst-recht-Gefühl“.

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1. August
ZDF heute

Hamburg vor CSD: "Angst ist ein schlechter Ratgeber"

Sicherheitskonzept überarbeitet:Hamburg vor CSD: "Angst ist ein schlechter Ratgeber" von Sven Rieken Nach dem Anschlag auf den CSD in Berlin hat Hamburg das Sicherheitskonzept für die Parade überarbeitet. Rund 250.000 Menschen werden beim CSD in Hamburg erwartet. Der rote SightSeeing Bus biegt in die Lange Reihe ein. "Hier beginnt Hamburgs Schwulen- und Lesbenviertel", ertönt die Stimme des Touristen-Guides aus dem offenen Dach des Cabrio-Busses. Tatsächlich ist mitten im Stadtteil St. Georg über Jahrzehnte eine große Regenbogen-Community gewachsen. Das zeigt sich nicht zuletzt an der Markise vom Café Uhrlaub. Die leuchtet immer in den Farben des Regenbogens, nicht nur zur Hamburger Pride-Week. Die Fenster darüber und einige Tische sind auch in Regenbogenfarben bemalt. In Berlin wird die Zahl der Verletzten nach oben korrigiert. Viele Fragen zur Tat sind noch offen. Politik und Behörden bemühen sich um Antworten. 28.07.2026 | 3:07 minDrohanrufe und offene Anfeindungen Jens Weber hat sich für dieses dauerhafte Bekenntnis zur queeren Community schon viel anhören müssen. "Gerade in den vergangenen Jahren", erzählt der 47-Jährige, sinke die Akzeptanz der queeren Gemeinde immer mehr. Drohanrufe gebe es ständig, auch offene Anfeindungen im Café. Der Angriff auf die Pride-Parade in Berlin zeige ihm, dass sich "da eine Entwicklung zuspitzt". Angst dürfe aber nicht ihr Leben bestimmen, fügt Weber noch hinzu. Daher sei die CSD-Parade in Hamburg so wichtig. "Liebe ist größer als der Hass", sagt er. "Queerfeindlichkeit ist kein Randphänomen im Islamismus, das Problem reicht bis tief in diese Gesellschaft hinein." - so Andre Lehmann, Bundesvorstand LSVD⁺. 27.07.2026 | 4:48 minHamburg zieht Lehre aus Berlin Hamburgs Innenbehörde und die Polizei kennen die Schwierigkeiten der Szene. Nach dem Anschlag in Berlin hat Hamburg das Sicherheitskonzept angepasst. Allerdings wird Christian Schäfer, Sprecher der Innenbehörde, nicht konkret. Das ist ja auch eine Lehre aus Berlin, dass wir dieses Umfeld verstärkt im Blick haben, mit uniformierten, aber auch mit zivilen Kräften und anderen Komponenten, beispielsweise aus der Luft. Christian Schäfer, Sprecher der Innenbehörde Die Anzahl der Beamten wolle man "verdoppeln", so Innenbehörde und Polizei unisono. Allerdings benennen beide Behörden keine Zahl. "Einsatztaktik", wie es heißt. Der Tatverdächtige Abdul B. war bereits früher straffällig geworden. Obwohl er als islamistischer Gefährder eingestuft war, kam er wieder frei. Eine Reform des Jugendstrafrechts wird diskutiert. 27.07.2026 | 2:35 minHamburg: Mehrere Gefährder im Fokus Konkreter wird es bei der Zahl der in Hamburg als "Gefährder" geführten Personen. Fünf beobachte man, sagt Christian Schäfer. Sie kämen aus dem Umfeld islamistischer Ideologie. Für Terrorismusexperte Martin Kahl ist das aber nicht gleichbedeutend mit einer Gefahr für die Hamburger CSD-Parade. "In einer Studie haben wir 90 Fälle von Anschlägen und Anschlagsversuchen in Deutschland seit 2001 gezählt", erzählt Kahl. Weniger als zehn Prozent der Täter seien seiner Studie nach als Gefährder eingestuft gewesen. Da sieht man also, wenn man nur auf die Gefährder guckt und nur den Fokus darauf richtet, dann entgeht einem ein ganz großer Bereich des Personenpotenzials, was infrage kommt. Martin Kahl, Terrorismusexperte Nach dem Anschlag in Berlin rüstet sich Hamburg für den anstehenden CSD am kommenden Samstag. Vorsichtshalber verstärkt die Polizei ihre Schutzmaßnahmen. 28.07.2026 | 2:05 minIslamische Gemeinde besucht Trauerveranstaltung in Hamburg Der Blick richtet sich dabei schnell auf die islamische Gemeinde in Hamburg. Die zeigte Flagge und nahm am Sonntag an der Hamburger Gedenkveranstaltung für den Anschlag von Berlin teil. Es seien Menschen gewesen, die dort waren, weil sie feiern und am CSD teilnehmen wollten und dann so eine Gewalterfahrung gemacht hätten, erklärt Fatih Yildiz vom Rat der Islamischen Gemeinschaften Hamburg. Das sei schrecklich, man habe signalisieren wollen, "dass wir das verstehen und auch mitfühlen". Islamismusexperte Ahmad Mansour versucht eine Erklärung, warum radikalisierte Islamisten so reagieren. "Islamisten wollen die Sexualität kontrollieren und sie so ausleben, wie sie das für richtig und moralisch halten." So sei zu erklären, dass Terroristen dort zuschlagen wollten, wo aus ihrer Sicht viele "Feinde" zusammenkämen. Abdul B., der mutmaßliche Täter des Anschlags auf den CSD in Berlin, bewegte sich wohl in islamistischen Kreisen. Islamwissenschaftler Steinberg erklärt, wie der IS junge Menschen radikalisiert. 27.07.2026 | 27:23 minTruck aus Berlin ist in Hamburg dabei Terrorismusexperte Kahl blickt trotz seiner Analyse verhalten gelassen auf Samstag. Nachahmungstaten kurz nach einem Anschlag habe es bei Islamisten bislang nicht gegeben, eher würden Tatmittel kopiert als der Zeitpunkt. "Deshalb sehe ich das relativ entspannt", so Kahl. Auch Jens Weber aus dem Regenbogen-Café Uhrlaub wird sich nicht einschüchtern lassen. "Angst ist natürlich ein ganz, ganz schlechter Ratgeber", sagt e. Und wir dürfen uns von der Angst nicht überwältigen lassen. Jens Weber, Café Uhrlaub Auch die queere Gemeinde aus Berlin wird bei der CSD-Parade in Hamburg mit einem Truck dabei sein. So setzen beide Städte ein deutliches Zeichen, unter schwierigen Vorzeichen. Sven Rieken ist Korrespondent im ZDF-Studio in Hamburg. Wichtiger Hinweis in eigener Sache Wer bei Google etwas sucht, bekommt neben den Suchergebnissen auch eine Box mit Schlagzeilen angezeigt. Mit ZDFheute als hinterlegter Quelle bekommen Sie unsere Inhalte häufiger in die Schlagzeilen-Box gespielt - geprüfte Inhalte, direkt in Ihrem Überblick. → Hier ZDFheute als bevorzugte Quelle einstellen.  Mehr zum Thema Queerfeindlichkeit - "SARAH TACKE" über Anschlag auf CSD:Queer-Aktivist Sarac: Brauchen Brandmauer zum Islamismusvon Torben Schrödermit Video60:47 - CSD unter Druck:Wenn Vielfalt zur Zielscheibe wirdmit Video37:10 - Sicherheit von CSDs:"Wir haben Angst um Leib und Leben"von Dominik Rzepka - Film "Olivia" im ZDF-Streaming-Portal:Olivia Jones: Der schwierige Weg zum IchAnnette Yang, Hamburgmit Video89:00

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31. Juli
Der Spiegel

CSD in Hamburg: Viertelmillion Besucher – mehr Polizei nach Berlin-Anschlag

Eine Woche nach Anschlag in Berlin Hamburg erwartet 250.000 Menschen bei Pride-Parade Der Andrang bei der Pride-Parade in Hamburg wird voraussichtlich groß: Rund 250.000 Menschen werden am Samstag zu einer Demonstration zum Christopher Street Day erwartet. Nach dem islamistischen Anschlag auf eine ähnliche Veranstaltung in Berlin vor einer Woche hat die Hamburger Polizei angekündigt, die Demonstration mit doppelt so vielen Beamten wie im vergangenen Jahr zu schützen. Der Verein Pride Week, der die Demonstration in Hamburg veranstaltet, erklärte, man wolle sich durch den Anschlag nicht einschüchtern lassen. Die queere Community wolle einander Kraft geben, sagte Vereinssprecher Manuel Opitz. Prominente Unterstützung bekommen die Veranstalter von SPD und Grünen. Ihre Teilnahme angekündigt haben der Bundestagsfraktionschef Matthias Miersch, SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf und die frühere Grünen-Chefin Ricarda Lang. Auch der Berliner CSD-Verein will mit einem eigenen Wagen dabei sein, auf dem die Teilnehmer dunkle Kleidung tragen. Im Demonstrationszug, der durch den Stadtteil St. Georg zur Innenstadt führt, sollen mehr als 40 Lastwagen von Vereinen, Parteien, Unternehmen und Kirchengemeinden unterwegs sein. Das Motto lautet: »Solidarisch queer. Haltung zeigen – für eine Zukunft ohne Angst!« In Berlin hatte der islamistische Attentäter Abdul Ballout mit einem Auto mehrere Menschen angefahren und weitere vermutlich mit einer Machete attackiert. Eine Frau starb, 31 Menschen wurden verletzt. Der 21-Jährige wurde am Sonntagabend von Polizisten erschossen, nachdem sie ihn in einer Kleingartenanlage gestellt hatten. Ballout war der Polizei und Justiz bekannt, er hatte Verbindungen zum islamistischen Terror. Noch am Tag des Anschlags überwachten ihn nach SPIEGEL-Informationen Sicherheitsbehörden. Demnach filmte eine heimlich vom Berliner Landeskriminalamt (LKA) angebrachte Kamera, wie B. das Haus in Berlin-Tiergarten verließ, in dem er lebte. Schock, Trauer, Wut: So reagiert die queere Community nach dem Anschlag auf den Berliner CSD. Aber was ist jetzt zu tun? Darüber gehen die Meinungen auseinander. Den ganzen Text lesen Sie hier .

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31. Juli
FAZ (Politik)

Deutschland-Liveblog: 250.000 Menschen bei CSD in Hamburg erwartet

Deutschland-Liveblog : 250.000 Menschen bei CSD in Hamburg erwartet Lesezeit: Am 26. Juli 2026 haben sich Menschen zu einer Trauerkundgebung nach der Attacke beim Berliner CSD in Hamburg zusammengefunden.dpa Verschärfte Sicherheitsbedingungen nach Anschlag in Berlin +++ Hallervorden singt auf CDU-Veranstaltung gegen Merz und dessen „Kriegsminister“ +++ alle Entwicklungen im Liveblog Nach CSD-Anschlag in Berlin: Mehr als eine Viertelmillion Menschen in Hamburg erwartet Eine Woche nach dem islamistischen Terroranschlag in Berlin versammeln sich am Samstag in mehreren Städten in Deutschland wieder Tausende Menschen zum Christopher Street Day (CSD). Die größte Veranstaltung findet in Hamburg statt, wo 250.000 Menschen erwartet werden.  Nach dem Anschlag am Rande des CSD in Berlin, bei dem eine Frau ums Leben kam und 31 Menschen verletzt wurden, hat die Hamburger Polizei angekündigt, die Demonstration mit doppelt so vielen Beamten wie im vergangenen Jahr zu schützen. In der Hansestadt wird auch ein Wagen des Berliner CSD-Vereins erwartet, auf dem die Teilnehmer dunkle Kleidung tragen sollen.  Auch in anderen europäischen Städten wie Amsterdam oder Brighton finden am Samstag Pride-Veranstaltungen statt. In Nordrhein-Westfalen sind CSDs in Bonn, Ahaus und Moers geplant. In Sachsen-Anhalt findet ein CSD in Naumburg (Burgenlandkreis) statt. Auch in anderen europäischen Städten wie Amsterdam oder Brighton finden am Samstag Pride-Veranstaltungen statt. In Nordrhein-Westfalen sind CSDs in Bonn, Ahaus und Moers geplant. In Sachsen-Anhalt findet ein CSD in Naumburg (Burgenlandkreis) statt. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Dobrindt bekräftigt Verlängerung von Grenzkontrollen Angesichts des Ansturms von Migranten auf die spanische Exklave Ceuta in Nordafrika hat Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) bekräftigt, dass er die deutschen Grenzkontrollen zu den Nachbarländern beibehalten will. „Wir werden die Möglichkeit der Binnengrenzkontrollen über den September hinaus verlängern“, erklärte Dobrindt am Freitag. „Unsere Erfolge beim Zurückdrängen der illegalen Migration müssen erhalten und weiter ausgebaut werden.“ Flexible und angepasste Binnengrenzkontrollen müssten dazu weiterhin aufrechterhalten werden. „Der Migrationsdruck auf Europa ist weiterhin hoch, das zeigt aktuell der massive Ansturm von Migranten auf Spanien“, betonte der Minister. Er forderte Spanien auf, umgehend dafür zu sorgen, „dass der europäische Außengrenzschutz gewährleistet ist und die illegalen Migranten umgehend nach Marokko zurückgebracht werden“. Die Situation in Ceuta verdeutliche „die volatile Lage bei der illegalen Migration“. In Deutschland finden seit September 2024 Kontrollen an allen Grenzen zu den Nachbarländern statt. Schon seit 2015 hatte Deutschland an mehreren Landesgrenzen mit wechselnder Intensität praktisch durchgehend Kontrollen vorgenommen.  Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Ramelow spricht sich für Abschaffung der Fünf-Prozent-Hürde aus In die Diskussion um die Fünf-Prozent-Hürde hat sich auch Bundestagsvizepräsident Bodo Ramelow (Linke) eingeschaltet und sich für die Abschaffung dieser Hürde ausgesprochen. „Die Debatte über die Senkung der Fünf-Prozent-Hürde ist notwendig“, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. „Wenn immer mehr Wähler ihre Stimmen nicht mehr repräsentiert sehen, dann gefährdet das die Demokratie.“ Ramelow verwies in diesem Zusammenhang unter anderem auf Erfahrungen in Ostdeutschland. So sei der CDU-Politiker Dieter Althaus bereits 2004 mit 43 Prozent der Wählerstimmen zum thüringischen Ministerpräsidenten gewählt geworden.  Der Linken-Politiker warnte: „Bei einer weiteren Atomisierung des Parteiensystems könnten wie in Sachsen-Anhalt demnächst sogar 40 Prozent für das Ministerpräsidentenamt reichen.“ Der AfD helfe eine hohe Hürde, „weil sie ihr lästige Kleinparteien vom Hals hält“. Der frühere Verfassungsgerichtspräsident Hans-Jürgen Papier hatte die Debatte angestoßen. Er bezeichnete die Fünf-Prozent-Hürde Anfang der Woche im „Tagesspiegel“ als „nicht mehr zeitgemäß“. Millionen Wählerstimmen würden dadurch unter den Tisch fallen. Der Jurist plädiert deshalb dafür, die Sperrklausel bei Bundestagswahlen von fünf auf drei Prozent abzusenken. Zustimmung dafür bekam er vor allem von Linken und AfD, aber auch vom sachsen-anhaltischen SPD-Spitzenkandidaten Armin Willingmann. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Türmer und Schweitzer kritisieren SPD-Spitze Nach Kritik aus der Basis in Nordrhein-Westfalen an der SPD-Führung hat auch der Juso-Vorsitzende Philipp Türmer sich kritisch gegenüber der Parteiführung geäußert. Der versprochene Aufbruch sei ein Jahr nach der Bundestagswahl ausgeblieben, sagte er dem Nachrichtenportal „Politico“. Die Partei stehe heute „noch desaströser da“ als nach der historischen Wahlniederlage 2025, so Türmer. Die Bedenken gegen die Doppelrolle von Bärbel Bas und Lars Klingbeil, die sowohl Bundesminister als auch Parteivorsitzende sind, seien „eher gewachsen“. Türmer sagte: „Revolutionen sind nicht vorhersehbar.“ Das könne ein schlechtes Ergebnis bei einer Landtagswahl sein oder eine weitere Kürzungsdebatte nach der Sommerpause. „Wie schnell die Stimmung in der SPD wieder anfangen kann zu brodeln“, hätten die Reformbeschlüsse gezeigt, so der Juso-Chef. Laut ihm verliert die Partei nicht nur die Arbeiter, sondern Stimmen in allen Berufsgruppen. Die Partei mache seit mehr als 20 Jahren „immer und immer wieder die gleichen Fehler“, sagte Türmer. Türmer sagte: „Revolutionen sind nicht vorhersehbar.“ Das könne ein schlechtes Ergebnis bei einer Landtagswahl sein oder eine weitere Kürzungsdebatte nach der Sommerpause. „Wie schnell die Stimmung in der SPD wieder anfangen kann zu brodeln“, hätten die Reformbeschlüsse gezeigt, so der Juso-Chef. Laut ihm verliert die Partei nicht nur die Arbeiter, sondern Stimmen in allen Berufsgruppen. Die Partei mache seit mehr als 20 Jahren „immer und immer wieder die gleichen Fehler“, sagte Türmer. Bas und Klingbeil im März im Willy-Brandt-Haus. dpa Eine inhaltliche Erneuerung der SPD forderte auch der rheinland-pfälzische SPD-Fraktionschef und ehemalige Ministerpräsident Alexander Schweitzer. Die Partei müsse wieder „spürbar machen, für wen sie Politik macht“. Schweitzer, dem Ambitionen auf den Parteivorsitz nachgesagt werden, sagte zudem, es reiche nicht aus, Regierungserfolge aufzuzählen. Menschen wählten die Sozialdemokraten nicht, „weil man ihnen vorrechnet, dass es sich lohnt“, erklärte er – sondern weil sie sich in der Partei wiedererkennen und „ihr zutrauen, für ihre Lebensrealität einzustehen“. Das Gegenteil dessen, was gebraucht werde, seien Streitereien in Regierungsparteien. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Sebastian Gubernator Hallervorden kritisiert bei CDU-Veranstaltung Merz und dessen „Kriegsminister“ Kanzler Friedrich Merz ist gerade nicht besonders beliebt, und so wundert es nicht, dass er in Bundesländern, in denen Wahlen anstehen, keine allzu große Bühne bekommt. Bemerkenswert ist aber, was am Mittwoch in Magdeburg geschah: Dort hat der Schauspieler und Kabarettist Dieter Hallervorden auf Einladung von Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) bei einer Wahlkampfveranstaltung ein Lied gesungen, in dem er die Verteidigungspolitik der Bundesregierung angriff – und den Kanzler. Ein Video von dem Auftritt kursiert jetzt in sozialen Netzwerken. In dem Lied wendet sich Hallervorden zunächst an Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD), den er „Kriegsminister“ nennt: „Sie haben meinen Sohn gebeten, im Krieg für Sie zu töten – marschieren Sie eigentlich selber mit?“ Später fügt Hallervorden an: „Am Ende geht’s um Kohle, das ist der größte Treiber.“ Im Hintergrund werden Aufnahmen von Merz und Pistorius vor Soldaten sowie von fallenden Bomben eingeblendet, außerdem ein Video einer Kundgebungsbühne, auf deren Banner steht: „Stoppt den Völkermord in Gaza!“ Zum Schluss macht Hallervorden den beiden Politikern eine Ansage: „Herr Pistorius, Herr Merz, wenn ihr glaubt, dass Krieg sich lohnt, kämpft doch da, wo keiner wohnt – kämpft gefälligst auf dem Mond!“ In dem Lied wendet sich Hallervorden zunächst an Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD), den er „Kriegsminister“ nennt: „Sie haben meinen Sohn gebeten, im Krieg für Sie zu töten – marschieren Sie eigentlich selber mit?“ Später fügt Hallervorden an: „Am Ende geht’s um Kohle, das ist der größte Treiber.“ Im Hintergrund werden Aufnahmen von Merz und Pistorius vor Soldaten sowie von fallenden Bomben eingeblendet, außerdem ein Video einer Kundgebungsbühne, auf deren Banner steht: „Stoppt den Völkermord in Gaza!“ Zum Schluss macht Hallervorden den beiden Politikern eine Ansage: „Herr Pistorius, Herr Merz, wenn ihr glaubt, dass Krieg sich lohnt, kämpft doch da, wo keiner wohnt – kämpft gefälligst auf dem Mond!“ „Focus Online“ zufolge stellte die Moderatorin der Veranstaltung, die CDU-Influencerin Clara von Nathusius, nach dem Lied auf der Bühne klar: „Das ist nicht die Parteilinie.“ Ministerpräsident Schulze sagte dem Magazin mit Blick auf Hallervorden: „Natürlich sind wir nicht bei jedem Thema einer Meinung.“ Er habe Hallervorden aber „nicht reinreden“ wollen. Einiges an dem Abend sei „schon ein bisschen an der Grenze dessen, was man in der CDU wahrscheinlich erwarten könnte auf so einer Bühne“, so Schulze. Die Veranstaltung stand unter dem Titel „Kunst braucht Freiheit“. Die CDU Sachsen-Anhalt teilte auf F.A.Z.-Anfrage mit, der Termin sei „bewusst als Gesprächsformat angelegt“ gewesen. Schulze habe „mehrfach sehr deutlich gemacht, dass er in einzelnen Fragen andere Positionen vertritt“.  Die CDU-Politikerin Serap Güler teilte das Video von Hallervordens Auftritt auf der Plattform X und kommentierte: „Es ist nur ein Ausschnitt – ein extrem verstörender. Als ,Wessi‘ will ich keine Ratschläge geben, wie man im Osten Wahlkampf in einer extrem schwierigen Lage macht. Als Christdemokratin bin ich allerdings der Überzeugung, dass diese Art in jeder Himmelsrichtung die falsche ist.“ Die CDU-Politikerin Serap Güler teilte das Video von Hallervordens Auftritt auf der Plattform X und kommentierte: „Es ist nur ein Ausschnitt – ein extrem verstörender. Als ,Wessi‘ will ich keine Ratschläge geben, wie man im Osten Wahlkampf in einer extrem schwierigen Lage macht. Als Christdemokratin bin ich allerdings der Überzeugung, dass diese Art in jeder Himmelsrichtung die falsche ist.“ Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Unionsfraktion weist Vorschlag ostdeutscher Ministerpräsidenten zurück Die Forderung der ostdeutschen CDU-Ministerpräsidenten nach einer Beibehaltung des früheren Renteneintritts für langjährig Versicherte stößt auf Widerspruch in der Bundes-CDU. „Am Grundsatz der Abschaffung der Rente nach 45 Beitragsjahren darf nicht gerüttelt werden“, sagte Unionsfraktionsvize Sepp Müller (CDU) der „Rheinischen Post“ nach Angaben vom Freitag. Die Forderung nach Abschaffung sei Teil des „sehr ausgewogenen Gesamtpakets“ der Rentenkommission, das in Gänze umgesetzt werden müsse.  Was die Ministerpräsidenten fordern lesen Sie hier: Was die Ministerpräsidenten fordern lesen Sie hier: Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Zahl der Abschiebungen gesunken In der ersten Hälfte des laufenden Jahres sind weniger Migranten in ihre Heimatländer abgeschoben worden als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Das Bundesinnenministerium bezifferte die Zahl der Abschiebungen von Jahresbeginn bis Ende Juni auf insgesamt 9663; im ersten Halbjahr 2025 waren es noch 11.807 gewesen. Das CSU-geführte Ministerium nannte die Zahlen in der Antwort auf eine Anfrage des AfD-Bundestagsabgeordneten Leif-Erik Holm, die der Nachrichtenagentur AFP am Freitag vorlag. In den vergangenen Jahren war die Zahl der Abschiebungen gestiegen. 2025 wurden laut Innenministerium knapp 22.800 Menschen abgeschoben – dies war ein Höchststand. Im Jahr 2024 waren es knapp 20.100 Menschen, im Jahr davor rund 16.400, und 2022 knapp 13.000 Menschen. Beim Amtsantritt im vergangenen Jahr hatte die Bundesregierung eine Rückführungs-Offensive sowie mehr Abschiebungen angekündigt. In den vergangenen Jahren war die Zahl der Abschiebungen gestiegen. 2025 wurden laut Innenministerium knapp 22.800 Menschen abgeschoben – dies war ein Höchststand. Im Jahr 2024 waren es knapp 20.100 Menschen, im Jahr davor rund 16.400, und 2022 knapp 13.000 Menschen. Beim Amtsantritt im vergangenen Jahr hatte die Bundesregierung eine Rückführungs-Offensive sowie mehr Abschiebungen angekündigt. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Reul: Möglichkeiten abwägen, Gefährder abzuschieben Nach dem islamistisch motivierten Anschlag auf den Christopher Street Day in Berlin fordert Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul mehr Durchgriff im Umgang mit sogenannten Gefährdern. „Das kann so nicht weitergehen“, sagte der CDU-Politiker im Deutschlandfunk. Wenn Anklage gegen einen Gefährder erhoben werde, „kann man sich eigentlich nicht erlauben, ihn auf freien Fuß zu setzen“, betonte Reul. Auch die Abläufe in solchen Verfahren müssten beschleunigt werden. Man müsse auch Möglichkeiten abwägen, Gefährder abzuschieben, bevor sie Straftaten begehen, sagte Reul. „Wenn einer wirklich zu gefährlich für unsere Gesellschaft ist, muss man nachdenken, ob man da auch nicht einen Weg findet zu sagen: Dann geh doch dahin, wo du deinen Krieg führen willst.“ Was ist die aktuelle Rechtslage zu Gefährdern? Das lesen Sie hier. Reul äußerte sich auch zu der Kritik an der Kommunikation von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU): „Ich kann es schwer ertragen, wie wir miteinander reden.“ Es sei kein guter Zeitpunkt für Streitereien, während die AfD an Zustimmung gewinne und sich Menschen von der Politik abwendeten. „Wir müssen liefern und nicht streiten.“ Was ist die aktuelle Rechtslage zu Gefährdern? Das lesen Sie hier. Reul äußerte sich auch zu der Kritik an der Kommunikation von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU): „Ich kann es schwer ertragen, wie wir miteinander reden.“ Es sei kein guter Zeitpunkt für Streitereien, während die AfD an Zustimmung gewinne und sich Menschen von der Politik abwendeten. „Wir müssen liefern und nicht streiten.“ Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Forderungen an die Bundesregierung für besseren Hitzeschutz Die hohen Temperaturen lassen Forderungen nach einem besseren Hitzeschutz für die Menschen in Deutschland lauter werden. Der Deutsche Städtetag lenkte den Fokus auf die Finanzierung und eine Beteiligung des Bundes daran. Für den notwendigen Umbau der Städte brauche es viele Milliarden Euro, die die Kommunen allein nicht aufbringen könnten, sagte der Hauptgeschäftsführer des Städtetages, Christian Schuchardt, am Freitag im „Morgenmagazin“ der ARD. Die Klima-Allianz Deutschland erklärte, die Bundesregierung müsse jetzt handeln und auf einem Hitzegipfel konkrete Maßnahmen auf den Weg bringen.  Hitzeschutz und Klimaanpassung müssten als sogenannte Gemeinschaftsaufgabe eingestuft werden, wie es beispielsweise beim Küstenschutz der Fall sei, forderte Schuchardt. Eine Gemeinschaftsaufgabe in den Beziehungen von Bund, Ländern und Kommunen zeichnet sich durch eine gemischte Finanzierung aus, da sich der Bund an einem Teil der Kosten beteiligt für Maßnahmen, die eigentlich in den Zuständigkeitsbereich der Länder und Gemeinden fallen. Hitzeschutz und Klimaanpassung müssten als sogenannte Gemeinschaftsaufgabe eingestuft werden, wie es beispielsweise beim Küstenschutz der Fall sei, forderte Schuchardt. Eine Gemeinschaftsaufgabe in den Beziehungen von Bund, Ländern und Kommunen zeichnet sich durch eine gemischte Finanzierung aus, da sich der Bund an einem Teil der Kosten beteiligt für Maßnahmen, die eigentlich in den Zuständigkeitsbereich der Länder und Gemeinden fallen. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Neue CDU-Generalsekretärin verteidigt Merz Die neue CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann sieht keine Gefahr für die Kanzlerschaft von Friedrich Merz im Fall eines schlechten Abschneidens der CDU bei den Landtagswahlen im Herbst. Auf die Frage, ob sich Merz als Parteichef und Kanzler in einem solchen Fall halten könne, entgegnete Hoppermann im Interview mit den Funke-Zeitungen vom Freitag: „Das steht überhaupt nicht zur Debatte. Das sind auch völlig unterschiedlich gelagerte Wahlen.“ Merz sei in der Regierungsverantwortung für Gesamtdeutschland. „Daran ändert sich durch die Landtagswahlen nichts“, sagte Hoppermann. Die Generalsekretärin verwies auf die landesspezifischen Besonderheiten der drei Urnengänge im September. In Sachsen-Anhalt gehe es darum, eine gesichert rechtsextreme Partei von der Regierung abzuhalten. In Berlin gehe es darum, eine linksgeführte Landesregierung zu verhindern. Und in Mecklenburg-Vorpommern sei das Ziel der CDU, die Partei der Mitte zu bleiben. Die Generalsekretärin verteidigte den in Teilen der Partei umstrittenen Stil von Bundeskanzler Merz. „Friedrich Merz kommuniziert direkt und authentisch – all das, was man bei seinem Vorgänger immer vermisst hat“, sagte sie. „Gleichzeitig ist er im persönlichen Kontakt sehr aufmerksam, hört intensiv zu und interessiert sich für sein Gegenüber." Die Generalsekretärin verwies auf die landesspezifischen Besonderheiten der drei Urnengänge im September. In Sachsen-Anhalt gehe es darum, eine gesichert rechtsextreme Partei von der Regierung abzuhalten. In Berlin gehe es darum, eine linksgeführte Landesregierung zu verhindern. Und in Mecklenburg-Vorpommern sei das Ziel der CDU, die Partei der Mitte zu bleiben. Die Generalsekretärin verteidigte den in Teilen der Partei umstrittenen Stil von Bundeskanzler Merz. „Friedrich Merz kommuniziert direkt und authentisch – all das, was man bei seinem Vorgänger immer vermisst hat“, sagte sie. „Gleichzeitig ist er im persönlichen Kontakt sehr aufmerksam, hört intensiv zu und interessiert sich für sein Gegenüber." Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Klaus Bardenhagen Kretschmer droht mit Stopp von Renten- und Pflegereform im Bundesrat Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hat mit einem Stopp der von der Bundesregierung geplanten Renten- und Pflegereform im Bundesrat gedroht. „Ohne Veränderungen werden wir bei der Renten- und der Pflegereform im Bundesrat nicht zustimmen können“, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. „Und wenn andere Länder auch nicht zustimmen, dann gibt es diese Renten- und Pflegereform nicht.“ Insbesondere die Rentenreform gilt als Schlüsselvorhaben der CDU-geführten Bundesregierung. Regierungsmitglieder von Union und SPD haben bereits zugesagt, die von einer Expertenkommission ausgearbeitete Reform vollständig umzusetzen. Die parlamentarische Beratung und Verabschiedung soll nach der Sommerpause starten. In den CDU-regierten Ländern in Ostdeutschland baut sich der Widerstand auf. Mehr dazu lesen Sie hier. Insbesondere die Rentenreform gilt als Schlüsselvorhaben der CDU-geführten Bundesregierung. Regierungsmitglieder von Union und SPD haben bereits zugesagt, die von einer Expertenkommission ausgearbeitete Reform vollständig umzusetzen. Die parlamentarische Beratung und Verabschiedung soll nach der Sommerpause starten. In den CDU-regierten Ländern in Ostdeutschland baut sich der Widerstand auf. Mehr dazu lesen Sie hier. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Klaus Bardenhagen Weiterer Widerstand in CDU gegen Kernpunkt der Rentenreform In der CDU wächst der Widerstand gegen die geplante Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren. „Wer 45 Jahre gearbeitet, Verantwortung übernommen und seinen Beitrag geleistet hat, verdient Respekt und Verlässlichkeit“, sagte der Chef des CDU-Sozialflügels, Dennis Radtke, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Niemand dürfe das Gefühl haben, dass seine Lebensleistung unter die Räder kommt.  Radtke stellte sich damit hinter die drei CDU-Ministerpräsidenten Sven Schulze aus Sachsen-Anhalt, Michael Kretschmer aus Sachsen und Mario Voigt aus Thüringen. Diese begründeten ihre Forderung, an der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren festzuhalten, mit der besonderen Situation der Menschen in Ostdeutschland. „Die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren hat in unseren Ländern besonderes Gewicht, weil verhältnismäßig viele Menschen diese Anzahl an Beitragsjahren tatsächlich erreichen“, erklärten sie. Radtke stellte sich damit hinter die drei CDU-Ministerpräsidenten Sven Schulze aus Sachsen-Anhalt, Michael Kretschmer aus Sachsen und Mario Voigt aus Thüringen. Diese begründeten ihre Forderung, an der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren festzuhalten, mit der besonderen Situation der Menschen in Ostdeutschland. „Die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren hat in unseren Ländern besonderes Gewicht, weil verhältnismäßig viele Menschen diese Anzahl an Beitragsjahren tatsächlich erreichen“, erklärten sie. Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Klaus Bardenhagen Kretschmer bekräftigt: keine Zusammenarbeit mit der AfD Nach Kritik an seiner Äußerung zur Brandmauer hat Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer seine grundsätzliche Ablehnung der AfD bekräftigt. Der CDU-Politiker sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. „Es wird und kann mit der AfD als gesichert rechtsextremer Partei keine Koalition oder Zusammenarbeit geben. Aber natürlich haben AfD-Abgeordnete parlamentarische Rechte.“ Sie könnten Anträge stellen und einige stünden Ausschüssen im Landtag vor. „Es wird jeden Tag mit ihnen gesprochen und gerungen.“ Kretschmer hatte jüngst mit einer Interview-Äußerung im „Handelsblatt“ eine Debatte ausgelöst. „Wer noch über Brandmauern redet, hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt. Wir müssen mit jedem reden, der reden will“, sagte er der Zeitung. Der Begriff Brandmauer steht für die Haltung, nicht mit der AfD zu kooperieren. Der Begriff nutze der AfD mehr, als er ihr schade, bekräftigte Kretschmer nun. „Das wollte ich mit diesem Satz verdeutlichen.“ Er kritisierte: Es werde viel mehr über den Umgang mit der AfD gesprochen statt darüber, warum sie gewählt wird. Kretschmer hatte jüngst mit einer Interview-Äußerung im „Handelsblatt“ eine Debatte ausgelöst. „Wer noch über Brandmauern redet, hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt. Wir müssen mit jedem reden, der reden will“, sagte er der Zeitung. Der Begriff Brandmauer steht für die Haltung, nicht mit der AfD zu kooperieren. Der Begriff nutze der AfD mehr, als er ihr schade, bekräftigte Kretschmer nun. „Das wollte ich mit diesem Satz verdeutlichen.“ Er kritisierte: Es werde viel mehr über den Umgang mit der AfD gesprochen statt darüber, warum sie gewählt wird. „Ich erlebe eine naive Hoffnung, dass diese Entwicklung einfach so wieder verschwindet. Gerade in den westdeutschen Bundesländern glauben viele, das sei nicht ihr Problem. Dabei ist die Realität doch längst auch dort angekommen.“ Es brauche ein gemeinsames Verständnis dafür, was die Gründe für die Frustration sind.    Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Weidel für Streichung der Fünf-Prozent-Hürde Die AfD-Vorsitzende Alice Weidel befürwortet eine Streichung der Fünf-Prozent-Hürde bei Bundestags- und Landtagswahlen. „Grundsätzlich ist es ein gravierender Mangel und eine Verzerrung des demokratischen Wettbewerbs, wenn große Anteile der Wählerstimmen durch eine Sperrklausel faktisch entwertet werden und das Prinzip der Wahlrechtsgleichheit dadurch ausgehebelt wird“, sagte Weidel dem „Tagesspiegel“.  Auch eine Absenkung auf eine Drei-Prozent-Hürde hält Weidel nicht für zielführend. „Ehrlicher“ wäre es, die Sperrklausel „gleich ganz abzuschaffen“, sagte sie. Sachsen-Anhalts SPD-Spitzenkandidat Armin Willingmann und der frühere Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Hans-Jürgen Papier, hatten sich für eine Senkung der Hürde ausgesprochen. Auch eine Absenkung auf eine Drei-Prozent-Hürde hält Weidel nicht für zielführend. „Ehrlicher“ wäre es, die Sperrklausel „gleich ganz abzuschaffen“, sagte sie. Sachsen-Anhalts SPD-Spitzenkandidat Armin Willingmann und der frühere Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Hans-Jürgen Papier, hatten sich für eine Senkung der Hürde ausgesprochen. Alice Weidel Anfang Juli im Bundestag. Reuters Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen Union gegen Anpassungen bei der Fünf-Prozent-Hürde Der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Günter Krings, weist Forderungen nach einer Senkung der Fünf-Prozent-Hürde bei Wahlen zurück. „Wir sollten die Finger davon lassen“, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). „Gerade in unseren Zeiten brauchen wir mehr und nicht weniger Stabilität in der parlamentarischen Arbeit. Durch ein Absenken der bewährten Fünf-Prozent-Hürde würden ohnehin schon schwierige Regierungsbildungen noch schwerer werden. Außerdem könnte das ein Anreiz für Parteiabspaltungen und Parteineugründungen sein.“ Sachsen-Anhalts SPD-Spitzenkandidat Armin Willingmann und der frühere Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Hans-Jürgen Papier, hatten sich für eine Senkung ausgesprochen. Eine Senkung der Hürde bedürfte im Bund einer Änderung des Grundgesetzes, wofür im Bundestag eine Zweidrittelmehrheit nötig wäre.  Link kopieren Auf Facebook teilen Auf X teilen Per E-Mail teilen

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29. Juli
FAZ (Politik)

Attentat auf Berliner CSD: Erst Wut, dann Wahlkampf

Attentat auf Berliner CSD : Erst Wut, dann Wahlkampf In Berlin streiten die Parteien darüber, wie es zum Anschlag auf den CSD kommen konnte. Kurz vor der Wahl dort wird die Debatte hitzig. Eine Frau getötet und 31 Menschen verletzt, darunter sieben schwer – das ist die gegenwärtige Bilanz einer Mordfahrt, die der mutmaßliche Islamist Abdul Ballout am Samstagabend am Rande des Christopher Street Day (CSD) mit einem Auto unternahm. Bis zu diesem Abend war von Wahlkampf in Berlin noch wenig zu spüren. Gewählt wird Ende September, derzeit sind Schulferien. Die CDU hat kürzlich ihren Spitzenkandidaten verloren, weil Kai Wegner nach einem Anschlag auf das Stromnetz im Januar zum Tennisplatz gefahren war statt zu den betroffenen Berlinern. Danach hatte er Unklarheiten und Halbwahrheiten darüber verbreitet. Trotz des Rücktritts von der Spitzenkandidatur ist Wegner aber Regierender Bürgermeister geblieben. Also war nun bei allen öffentlichen Auftritten auch Wegner gefragt, sofern man ihn fragte, etwa beim Auftritt mit Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) am Sonntag. Linke: Konservative bereiteten den Boden für den Anschlag Der Streit um das, was geschehen ist, und wie es hätte verhindert werden können, begann zu glimmen, als klar wurde, dass Ballout ein bekanntes Gesicht der Berliner Gefährderszene war. Er wurde beobachtet und begleitet von Polizei und Staatsschutz, aber eben nicht gestoppt. Die Tat geschah wenige hundert Meter von seinem Wohnort und nur drei Kilometer vom Amtsgericht Tiergarten entfernt. Das hatte den polizeibekannten Straftäter und religiösen Fanatiker im Mai zwar wegen Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat verurteilt, allerdings zu einer Jugendstrafe mit möglicher Bewährung und sofortiger Freilassung. Teile der Berliner Linken meldeten sich am Sonntag zu Wort und bezichtigten indirekt die CDU, ein Klima zu fördern, das den Anschlag provoziert habe. Auf Instagram hieß es dazu von der Linkspartei aus Neukölln: „Die gezielte Verbreitung queer- und transfeindlicher Ideologie durch rechte und konservative Akteure bereitet den Boden für Angriffe wie den gestrigen.“ Erst später fügte man hinzu, auch der „Islamische Staat“ (IS) – dem Ballout offenbar anhing – sei eine „reaktionäre islamistisch-fundamentalistische Gruppe“, deren „frauen-, queer- und transfeindliches“ Weltbild man ablehne und bekämpfe. Da hatte CDU-Spitzenkandidat Stefan Evers den Linken bei Welt TV schon „Realitätsverweigerung“ vorgehalten. Deren Umgang mit dem politischen Islam und mit Islamismus sei „Teil des Problems“. Die Linke sei eine Partei, „bei der wir es ja ganz ausdrücklich auch mit zunehmendem Judenhass zu tun haben“, so Evers – eine Bewertung, die auch bei der SPD geteilt wird. Evers weiter: „Diese Partei will ich in Berlin nicht an der Regierung sehen. Ich werde alles tun, das zu verhindern.“ Die Grünen verteidigen die Linke Diese Äußerung wiederum rief den Grünen-Hauptspitzenkandidaten Werner Graf auf den Plan, der selbst nur mit den Linken Bürgermeister werden kann, nicht gegen sie. Graf nannte Evers‘ Äußerung „unwürdig“. Und er äußerte sich „enttäuscht“ darüber, dass Evers und die CDU kaum anderthalb Tage nach dem Anschlag „in den Wahlkampfmodus schalten“. Statt „den Zusammenhalt weiter zu stärken und gemeinsam den Terroristen die Stirn zu bieten“, so Graf weiter, verfalle Evers „in billigen Angriffsmodus gegen seine politischen Mitbewerber“. Aber war es nicht umgekehrt gewesen? Jedenfalls beeilten sich nun Union und SPD mit politischen Forderungen, die allesamt schon in den vergangenen Jahren hätten wirksam werden können, etwa nach dem Anschlag vom ebenfalls polizeibekannten Anis Amri auf den Weihnachtsmarkt 2016. So jedenfalls sah es die AfD, die bereits kurz nach dem Anschlag von „Staatsversagen“ sprach. Spitzenkandidatin Kristin Brinker sagte: „Dass ein vorbestrafter islamistischer Gefährder der höchsten Gefahrenstufe sich frei und ungehindert in unserer Stadt bewegen konnte, zumal am Tag des CSD, ist mit gesundem Menschenverstand nicht nachzuvollziehen. Dieser lasche Umgang mit Tätern und Gefährdern muss endlich aufhören.“ Ihr Fraktionskollege Thorsten Weiß sprach in einer Erklärung von „weltfremder Kuscheljustiz“ und forderte das, was auch Innenminister Dobrindt verlangt hat, etwa elektronische Fußfesseln für Gefährder und den Ausschluss heranwachsender islamistischer Gefährder vom Jugendstrafrecht. Alles in allem, so die Berliner AfD an die Adresse von Union, SPD, Linke und Grünen, sei das CSD-Attentat nach dem Terroranschlag vom Breitscheidtplatz 2016 „die verheerende Bilanz einer verlorenen Dekade der Berliner Sicherheitspolitik im Angesicht des islamistischen Terrors“. Forderungen nach raschen Konsequenzen trat am Mittwoch die Linke-Spitzenkandidatin Elif Eralp entgegen. Sie sagte: „Es hilft jetzt nicht der schnelle Ruf nach Gesetzesverschärfungen, sondern wir müssen uns ganz genau angucken, was dort passiert ist. Als Erstes muss die Tat umfassend aufgeklärt werden.“ Es gebe zahlreiche offene Fragen. Das schätzt auch Grünen-Spitzenkandidat Graf so ein, er verlangte nach einer Sondersitzung des Innenausschusses einen Untersuchungsausschuss des Parlaments. Viele Abgeordnete äußerten bei dieser Sondersitzung Fragen. Eralp etwa fragte, warum die Untersuchungshaft gegen „den wegen IS-Propaganda verurteilten Täter aufgehoben“ worden sei. Nur in einem schienen im Wahlkampfgegeneinander alle einig: dem Unverständnis über das Urteil des Amtsgerichts. Die Berliner Justiz ist inzwischen selbst zum Wahlkampf-Player geworden. Sie verschickt täglich Selbstverteidigungen in immer schärferer Tonart. Am Mittwoch verwahrten sich die Präsidentin des Kammergerichts Andrea Diekmann und Generalstaatsanwältin Margarete Koppers in einer weiteren Erklärung gegen politische Angriffe. Die Kritik sei „vielfach pauschal oder von wenig Fachkenntnis geprägt“. Man suche häufig „nahezu reflexhaft nach vermeintlich Verantwortlichen“. Dagegen verwahre man sich, so Diekmann und Koppers in ihrer Erklärung, denn das stelle „die Unabhängigkeit der Justiz und damit eine Säule des Rechtsstaats infrage“.

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