20. Juli Die Zeit (Politik)
Huthi-Miliz im Jemen: Huthis verhängen Seeblockade gegen Saudi-Arabien
Die mit dem Iran verbündete Huthi-Miliz im Jemen hat eine Seeblockade gegen Saudi-Arabien verkündet. Jahja Sari, ein Sprecher der Huthis, teilte per Video mit, die Blockade trete mit sofortiger Wirkung in Kraft. Sie richte sich »gegen den kriminellen saudi-arabischen Feind« und basiere auf dem Prinzip »Auge um Auge«.
Auch über das »Verbot der Schifffahrt« für Saudi-Arabien hinaus seien die Huthis »vollständig bereit für alle Optionen«, sagte Sari. Der Schritt sei eine Reaktion auf die seit fast zwölf Jahren andauernde »ungerechte und unterdrückende Belagerung« des jemenitischen Volkes durch Saudi-Arabien, durch die Ressourcen im Jemen geplündert sowie Häfen und Flughäfen blockiert würden.
Zwei der wichtigsten Seewege der Welt
Noch ist unklar, wie die Seeblockade gegen Saudi-Arabien genau aussehen soll. Vor der Küste des Jemen liegt der Zugang zum Roten Meer – die Meerenge Bab al-Mandeb. Diese ist für die internationale Schifffahrt ähnlich wichtig wie der Persische Golf, der durch die Straße von Hormus erreicht wird.
Am Roten Meer liegen neben dem Jemen unter anderem Ägypten, der Sudan, Saudi-Arabien, Jordanien sowie Israel. Saudi-Arabien grenzt im Westen an das Rote Meer, im Osten an den Persischen Golf. Seit die Schifffahrt durch die Straße von Hormus eingeschränkt ist – und damit der saudi-arabische Ölexport –, befördert das Königreich einen Teil seines Öls über eine Pipeline ans Rote Meer und verschifft es von dort aus.
Neue Aggressionen nach vier Jahren Waffenruhe
Vergangene Woche hatten sich die Huthis und die von Saudi-Arabien angeführte Koalition, die im Bürgerkrieg im Jemen die international anerkannte Regierung des Landes unterstützt, ein heftiges Feuergefecht geliefert. Saudi-Arabien beschoss den internationalen Flughafen von Sanaa, die Huthis attackierten daraufhin den internationalen Flughafen Abha in Saudi-Arabien.
Die Miliz drohte Saudi-Arabien mit Angriffen auf Ölanlagen, sollte sich das Nachbarland an einer »umfassenden Aggression« gegen den Jemen beteiligen. Zudem gab es Berichte, wonach die iranische Führung die Miliz gebeten hatte, sich auf eine Sperrung des Seeweges für Öltransporte im Roten Meer vorzubereiten.
Seit 2022 gilt im Krieg zwischen den schiitischen Huthi und dem sunnitischen Königreich Saudi-Arabien eine informelle Waffenruhe, die durch die jüngste Eskalation in Gefahr ist.
Saudi-Arabien verhängte 2015 Blockade gegen Jemen
Die Huthi-Rebellen hatten Ende 2014 den von Saudi-Arabien unterstützten Präsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi gestürzt. 2015 schaltete sich das Königreich an der Spitze einer Allianz sunnitischer Länder in den Konflikt ein. Nach Eintritt in den Bürgerkrieg verhängte Saudi-Arabien eine Luft-, See- und Landblockade mit dem erklärten Ziel, den Waffenschmuggel zu den Huthis zu unterbinden. Die Blockade ist faktisch aber auch Mittel für einen Wirtschaftskrieg, um Druck auf die Miliz auszuüben und zu kontrollieren, welche Güter ins Land kommen.
Während des Krieges im Jemen wurden Zehntausende Menschen getötet, die Wirtschaft ist zusammengebrochen. Große Teile der Bevölkerung leiden Hunger, rund 22 Millionen Menschen sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. Die Huthis kontrollieren die Region um Sanaa im Westen des Landes, die international anerkannte Regierung sitzt in Aden im Süden.