22. Juli Wirtschaftswoche
Schließung droht: Diese 33 Galeria-Warenhäuser stehen jetzt auf der Kippe
Schließung droht: Diese 33 Galeria-Warenhäuser stehen jetzt auf der Kippe
Nach monatelangen Verhandlungen meldete Galeria Ende Juni Vollzug: Die angeschlagene Warenhauskette bekam einen neuen Millionenkredit. Das Geld war zwar von Anfang an knapp bemessen und dürfte inzwischen bereits zu einem großen Teil für Altschulden und akute Verbindlichkeiten verwendet worden sein.
Dennoch will das Management mit der Finanzierung im Rücken nun ein Sanierungsprogramm starten. Geplant sind im Zuge dessen auch weitere Schließungen von unrentablen Filialen. Galeria verfügt noch über 83 Warenhäuser in 70 Städten.
Galeria will mit den Vermietern zunächst über Mietkonditionen und Flächenanpassungen verhandeln. Sollten keine tragfähigen Lösungen erarbeitet werden, sei die Fortführung der jeweiligen Filiale gefährdet.
Bereits seit März zeichnet sich ab, dass es eng wird für die Standorte München Rotkreuzplatz, Berlin Alexanderplatz, Kurfürstendamm und Hermannplatz, Mannheim, Braunschweig, Aschaffenburg sowie Köln Breite Straße und Köln Hohe Straße. „Sollte es nicht gelingen, eine für beide Seiten tragfähige Lösung zu erreichen, die allen Parteien eine langfristige Zukunft eröffnet, besteht auch die Möglichkeit von Schließungen“, hatte Galeria damals mitgeteilt. Vorsorglich würden bereits Verhandlungen über einen Interessenausgleich und einen Sozialplan für die betroffenen Filialen aufgenommen.
Wie erfolgreich die Verhandlungen mit den Vermietern verlaufen, ist fraglich. Intern wurde vermutet, dass die Aktion ohnehin nur dem Zweck dienen würde, die Schuld für geplante Filialschließungen später auf die Vermieter abwälzen zu können. Diese neun Häuser gelten als sogenannte Kurzläufer, bei denen die Mietverträge schon bald enden. Schließungen wären daher wohl ohne große Entschädigungszahlungen an Vermieter möglich.
Galeria-Filialen: Die Liste der Wackelkandidaten
Nun kommen weitere 24 Galeria-Filialen als Wackelkandidaten dazu. Konkret stehen damit die folgenden Standorte zur Disposition:
- Baden-Württemberg: Freiburg (Europaplatz), Heilbronn, Mannheim, Offenburg, Singen
- Bayern: Aschaffenburg, Bayreuth, Memmingen, München (Rotkreuzplatz), Würzburg
- Berlin: Alexanderplatz, Hermannplatz, Kurfürstendamm, Spandau
- Brandenburg: Potsdam
- Hamburg: Eimsbüttel
- Hessen: Bad Homburg, Limburg an der Lahn
- Mecklenburg-Vorpommern: Wismar
- Niedersachsen: Braunschweig, Oldenburg
- Nordrhein-Westfalen: Euskirchen, Kleve, Köln (Breite Straße, Hohe Straße, Nippes), Mülheim (Rhein-Ruhr-Zentrum), Münster (Salzstraße)
- Rheinland-Pfalz: Bad Kreuznach, Koblenz, Mainz, Speyer
- Sachsen-Anhalt: Magdeburg
Kriterien für die Auswahl waren laut Galeria unter anderem die Mietbelastung und die Ertragskraft. „Wir werden jeden Standort einzeln und ergebnisoffen betrachten“, sagte Geschäftsführer Tilo Hellenbock. Wann Entscheidungen fallen, ließ eine Sprecherin von Galeria offen.
Alle Warenhäuser müssten nachhaltig profitabel wirtschaften, teilte das Unternehmen mit. Da alle Filialen diesbezüglich Optimierungspotenzial hätten, sollen auch an den übrigen 50 Standorten Gespräche mit Vermietern geführt werden. Parallel prüft Galeria auch den Umzug in geeignetere Immobilien und – nach eigenen Angaben – auch Neueröffnungen.
Die Bereitschaft der Vermieter zu weiteren Zugeständnissen dürfte allerdings enge Grenzen haben. Schließlich wurden sie bereits in drei Insolvenzverfahren, die Galeria seit 2020 durchlaufen hat, zur Kasse gebeten. Zudem können sie auf die Erfüllung bestehender Verträge pochen. Ein Vermieter, der insgesamt sieben Standorte an Galeria vermietet, hatte bereits im Juni gegenüber der WirtschaftsWoche angekündigt, beim Mietzins hart bleiben zu wollen. Man komme der Warenhauskette aber an anderen Stellen entgegen.
Klar ist, dass weitere Filialschließungen erhebliche zusätzliche Kosten verursachen dürften, etwa für Sozialpläne und Abfindungen für Beschäftigte sowie Entschädigungszahlungen an Vermieter. Das Galeria-Management geht dem Vernehmen nach zwar davon aus, dass zusätzliche Erlöse durch den Leerverkauf von Schließungsfilialen diese Kosten weitgehend kompensieren können, doch ob diese Rechnung aufgeht, scheint fraglich. Zumal in einzelnen Häusern wohl zusätzlich teure Rückbauverpflichtungen eingehalten werden müssen.
Könnte Galeria zusätzliche Belastungen stemmen?
Zwar hatte Galeria Ende Juni bekannt gegeben, mit dem US-Unternehmen Gordon Brothers „eine besicherte Kreditlinie über bis zu 160 Millionen Euro“ vereinbart zu haben. Entscheidend ist dabei aber die Formulierung „bis zu“. Tatsächlich wurde bislang wohl weniger ausgezahlt. Mit dem frischen Geld sollte zunächst ein Kredit des Minderheitsgesellschafters Bain Capital abgelöst werden. Dem Vernehmen nach geht es dabei um etwa 80 Millionen Euro.
Hinzu kamen ausstehende Mietzahlungen, die beglichen werden mussten. Mehrere Vermieter hatten im Vorfeld beklagt, dass Mieten von Galeria gar nicht oder nur teilweise gezahlt wurden. Das Unternehmen begründete dies mit Liquiditätsschwankungen und räumte ein, die Vermieter um eine Stundung gebeten zu haben.
Zudem wird Geld benötigt, um Ware für die Herbst- und Wintersaison zu bestellen. Zuletzt bemühte sich Galeria mit großen Rabattaktionen darum, die Umsätze anzukurbeln. Entsprechend ausgedünnt ist vielerorts der Warenbestand. Insbesondere für das wichtige Weihnachtsgeschäft müsste bei Lieferanten nun rasch und im großen Stil bestellt werden. Eine Galeria-Sprecherin teilt dazu mit: „Wir ordern selbstverständlich ausreichend Ware für das Weihnachtsgeschäft.“
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