24. März Wirtschaftswoche
BörsenTag: Der geplatzte Traum von der hohen und schwankungsarmen Rendite
BörsenTag: Der geplatzte Traum von der hohen und schwankungsarmen Rendite
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In diesen Tagen, da die Finanzmärkte wegen des Irankriegs verrücktspielen, der Dax
Anlagebetrüger am grauen Kapitalmarkt werben gern mit dem Argument, ihre obskuren Papiere seien nicht an der Börse, deshalb drohten auch keine Kursverluste. Das ist Unsinn, so manches Produkt ging von 100 auf null, nur dass die Anleger das erst merkten, als es zu spät war.
Auch seriöse Anbieter von Unternehmensbeteiligungen behaupten, Private Equity schwanke weniger stark als Aktien. Einleuchtend ist das nicht. Investments verlieren auch dann an Wert, wenn Anleger nicht jede Sekunde einen Preis sehen. Das gilt für Fonds mit Unternehmensanteilen und auch für solche mit Unternehmenskrediten. Beide haben Probleme, die sind aber in den Hintergrund getreten, dank Iran-Krieg und Trump-Posts. Sie sind aber nicht verschwunden.
Angst vor den faulen Krediten
Ein Manager von Goldman Sachs
Private Credit, das sind Darlehen, die nicht von Banken vergeben werden, sondern zum Beispiel von Fonds. Viele gingen an Softwareunternehmen, zudem werden viele KI-Rechenzentren durch private Kreditfonds finanziert – auch, weil klassische Banken hier zurückzuckten.
Viele Kredite scheinen leichtfertig vergeben worden zu sein. US-Anleger werden nervös, zogen Milliarden aus Fonds von BlackRock, Blackstone oder Blue Owl ab. Zu Wochenbeginn verlor die Aktie von Apollo Global Management, nachdem Apollo die Auszahlungen aus einem seiner größten Kreditfonds für US-Privatanleger hart eingeschränkt hatte.
Die Schweizer Partners Group
Stärker als in Private Credit investiert sind Normalanleger bei Private Equity, also jenen Fonds, die sich an Unternehmen (an deren Kapital, Equity) beteiligen. Die wurden zuletzt stark beworben.
Auf einmal offen für alle: warum?
Die Anbieter sind oft die selben wie auf der Credit-Seite, das Geschäft ist aber älter und bekannter, und wird jetzt eben von Neobrokern und anderen an Privatanleger herangetragen. Warum lässt Private Equity plötzlich Kleinanleger an die Fleischtöpfe?
Private-Equity-Investoren rühmen sich nicht nur der niedrigeren Schwankungen, sondern auch hervorragender Renditen von 15 Prozent und mehr. Als sich Private-Equity-Fonds auch für normale Privatanleger öffneten, gab das Anlass zu Misstrauen: „Der Teufel ist ein Egoist, und tut nicht leicht um Gottes Willen, was einem Andern nützlich ist“, sagt Goethes Faust zutreffend. Finanzinvestoren sind keine Teufel, aber auch keine Engel.
Soll heißen: Meist sind die Renditen nicht so traumhaft, wie oft angegeben. Das liegt an der Berechnungsmethode. In den hohen Renditen wird unterstellt, dass Anleger Erträge der Fonds zu denselben Renditen reinvestieren können. Das aber ist nur theoretisch möglich, in der Praxis müssen Anleger auf die Auflage des nächsten Fonds warten. Die Gebühren, die Private an die Fondsmanager überweisen, sind zudem sehr hoch: Fondsanbieter Apollo etwa verlangt von Privaten durchgerechnet 6,8 Prozent Gebühren. Bei 15 Prozent Rendite kämen nach zehn Jahren bei 10.000 Euro Startkapital nach Gebühren statt gut 40.000 nur 22.000 Euro heraus.
Es stört auch, dass Private Equity zunehmend Probleme hat, aus Investments wieder herauszukommen. War es früher schon üblich, dass ein Finanzinvestor ein Unternehmen an einen anderen verkaufte, zum Beispiel KKR
Das Softwareproblem von Private Equity
Generell hält Private Equity nicht allzu viel von Transparenz: Anleger wissen meist nicht, welche Unternehmensbeteiligungen und anderen Finanzprodukte in den Fonds stecken. Apollo etwa sagt laut Fondsunterlagen nur, in welche Branchen der für Privatanleger offene Fonds investiert.
Die bessere Alternative waren lange Zeit die Aktien von KKR, Blackstone, Apollo und anderen. Deren Kurse hängen an den Einnahmen und damit an der Performance der Fonds – aber aller Fonds, auch derer mit dem Zugang zu den besten Managern, und nicht nur von den womöglich schlechteren, in die Privatanleger hineingelassen werden.
Über Jahre liefen die Aktien phänomenal, bei in der Spitze 2500 Prozent Plus von KKR blieb für beide Seiten genug übrig, für Finanzinvestoren und Aktionäre. Seit dem vergangenen Jahr aber läuft es nicht mehr:
Das hat viel mit Private Credit und Software zu tun. Mit Einführung von ChatGPT 2022 gingen Umsatzwachstum und Bewertungen von Softwareunternehmen rapide zurück. Investoren fürchten, dass KI Software ersetzt.
Der Median (Zentralwert, bei dem die Hälfte der Unternehmen darunter und die Hälfte darüber liegt) der Bewertungen von Softwarefirmen fiel seither stark: Wurden sie 2022 noch mit dem 19-fachen Umsatz bewertet, liegt der Faktor heute bei 3,4. „Technologie, insbesondere Unternehmenssoftware, nimmt seit mehr als zehn Jahren mit deutlichem Vorsprung den Spitzenplatz im Private-Equity-Bereich ein“, konstatiert Andrea Auerbach, Head of Private Investments beim Berater Cambridge Associates.
Am stärksten gefährdet seien Fonds, die vor Mitte 2022 viel zu teuer in Softwareunternehmen investiert haben. Ein Problem, das an der Börse wieder auftauchen wird, spätestens dann, wenn sich im Iran-Krieg eine Lösung abzeichnet.
Dieser Text stammt aus dem WirtschaftsWoche-Newsletter BörsenTag – Ihr täglicher Filter für das Börsenrauschen. Von Montag bis Freitag bringt die Redaktion immer nachmittags das Marktgeschehen auf den Punkt – mit einer Beobachtung, die den Unterschied macht. Hier können Sie den Newsletter bestellen: wiwo.de/boersentag