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Samstag, 15. August 2026
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Nigel Farage: Nach Wahlsieg gegen Count Binface droht Neuwahl

Medienspektrum

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14. August
Neues Deutschland

Nachwahl in Großbritannien | Großbritannien: Farage trotz Sieg im Tief

- Politik - Nachwahl in Großbritannien Großbritannien: Farage trotz Sieg im Tief Der Chef der rechtspopulistischen Partei Reform UK hat die Nachwahl gewonnen. Mehr als ein Viertel aller Stimmen ging an einen Scherzkandidaten. Verkündungen von Wahlergebnissen fallen in Großbritannien immer wieder ein wenig skurril aus. Vor allem prominente Politiker stehen dann, meist mitten in der Nacht, in einer Reihe mit Scherz- und Protestkandidaten, die nicht selten verkleidet auftauchen. Es ist eine exzentrische Eigenheit des britischen Politikbetriebs, die selbst amtierende Premierminister über sich ergehen lassen. Für Nigel Farage, den Chef der rechtspopulistischen Partei Reform UK, war das offenbar zu viel. Er erklärte in der Nacht auf Freitag vor seinen Anhängern, dass er der Verkündung der Ergebnisse der Nachwahl in seinem bisherigen Wahlkreis Clacton fernbleiben werde. »Ich werde doch nicht auf einer Bühne stehen – nach einem überwältigenden Sieg, einer klaren Bestätigung all dessen, wofür ich zu kämpfen versucht habe und wofür auch Sie gekämpft haben – und mich von irgendwelchen Nobodys herabwürdigen und demütigen lassen.« Die Polizei habe ihn über ein »Komplott« informiert, um ihn bei der Verkündung bloßzustellen, fügte Farage hinzu. Die zuständige Polizei von Essex bestreitet das. Untersuchung gegen Farage eingeleitet Farage setzte die Nachwahl Anfang Juli selbst in Gang, indem er von seinem Abgeordnetenmandat zurücktrat und umgehend erklärte, dass er erneut antreten werde. Sie solle zu einem Duell »Volk gegen Establishment« werden. Mit diesem ungewöhnlichen Schritt wollte er offenbar einen sich ausweitenden Skandal um eine Fünf-Millionen-Pfund-Zuwendung abschütteln, die er in den Monaten vor seinem Einzug ins Parlament erhalten hatte. Die Regeln des Unterhauses verlangen, dass neu gewählte Abgeordnete alle meldepflichtigen Zuwendungen aus den zwölf Monaten vor ihrer Wahl offenlegen. Der parlamentarische Beauftragte für Verhaltensstandards des Parlaments hat bereits im Mai eine Untersuchung eingeleitet, die klären soll, ob Farage gegen diese Regeln verstoßen hat, weil er die Zahlung nicht deklariert hat. Traditionelle Opposition boykottiert Nachwahl Doch der Schuss ging nach hinten los. Alle anderen großen Parteien boykottierten die Nachwahl, die sie als »Medienzirkus« und »Selbstinszenierung« Farages bezeichneten. Und so wurde in dem Feld von 34 Kandidaten »Count Binface« zum stärksten Herausforderer, auf Deutsch »Graf Mülltonnengesicht«, ein selbsternannter Weltraumkrieger, der eine Mülltonne als Helm trägt. Dabei stand Farages Sieg nie infrage. Nach sieben gescheiterten Versuchen, ins Parlament gewählt zu werden, suchte er sich 2024 gezielt den Wahlkreis Clacton aus, rund 100 Kilometer nordöstlich von London: 96 Prozent der Einwohner sind weiß, der Anteil der Über-65-Jährigen liegt bei 37 Prozent, das Bildungsniveau ist niedrig, es herrscht eine in Teilen große Armut. Beim EU-Referendum 2016 entfielen rund drei Viertel der Stimmen für den EU-Austritt. 2024 gewann Farage den Sitz mit 21 225 Stimmen, was damals 46,2 Prozent entsprach. »Count Binface« schlägt sich wacker Und so lag Farage nicht falsch, als er in der Nacht auf Freitag bereits Stunden vor der Verkündung seinen Sieg feierte. Dabei erklärte er: »Ich habe diese Nachwahl ausgerufen, weil ich wollte, dass die Menschen in Clacton über mich urteilen und nicht die Mainstream-Medien in Großbritannien.« Reform-Politiker wiesen umgehend darauf hin, dass Farage etwa 1000 Stimmen mehr erhalten habe als 2024, und das bei geringerer Wahlbeteiligung. Dass auf »Count Binface« immerhin 9455 Stimmen entfielen, verschwiegen sie. Farage hielt seine Rede auf einer kirmesartigen Veranstaltung am Rand des Wahlkreises, die seine Partei ausgerichtet hatte und zu der nur geladene Gäste Zutritt hatten. Auf dem rechten Sender GB News, der exklusiven Zugang hatte, waren ein Riesenrad, Feuerstellen mit Marshmallows, eine große Zeltstadt und eine Bühne mit Liveband zu sehen. Besucher erhielten Freibier in Bechern mit dem Schriftzug »Farage Fest«. Was fehlte, waren die Menschenmassen, um das weitläufige Areal zu füllen. »Das ist keine normale Veranstaltung«, urteilte selbst der sichtlich verblüffte GB-News-Moderator. »Das ist vollkommen irre.« Farages Popularität im Sinkflug Dabei ist es unwahrscheinlich, dass Farage mit der Nachwahl der erhoffte Befreiungsschlag gelungen ist. Seit dem Bekanntwerden der Zahlungen hat er erheblich an Popularität verloren. Die Labour-Partei liegt unter ihrem neuen Chef Andy Burnham in Umfragen seit Kurzem wieder vor Reform UK. Und nicht nur das: Daniel Greenberg, der Standards-Kommissar des Parlaments, hat nach Farages Sieg die pausierten Ermittlungen wieder aufgenommen. Kommt er zu dem Schluss, dass Farage gegen die Regeln verstoßen hat, und wird dieser für mindestens zehn Sitzungstage suspendiert, droht ihm unter Umständen eine erneute Nachwahl. Und bei der dürften die traditionellen Parteien ihre Kandidaten ziemlich sicher ins Rennen schicken. Andere Zeitungen gehören Millionären. 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14. August
Wirtschaftswoche

Nachwahl in Clacton: Rechtspopulist Nigel Farage nach Wahlsieg weiter unter Druck

Nachwahl in Clacton: Rechtspopulist Nigel Farage nach Wahlsieg weiter unter Druck Es war der ungewöhnliche Abschluss einer ohnehin kuriosen Wahl: Der britische Rechtspopulist Nigel Farage gewann mit deutlichem Vorsprung einen Parlamentssitz, den er erst wenige Wochen zuvor in einem politischen Manöver aufgegeben hatte – und blieb dann der offiziellen Verkündung seines Sieges fern. Während sich seine Gegenkandidaten – darunter auch Hauptkonkurrent und Spaßkandidat Count Binface („Graf Mülltonnengesicht“) – wie bei Wahlen gewöhnlich zur Ergebnisverkündung versammelten, erklärte sich der Chef der Partei Reform UK schon vorzeitig zum Sieger. „Das Ergebnis in Clacton spricht für sich“, schrieb er später lediglich knapp auf X. Kaum zu Ende gegangen, rückt die kuriose Nachwahl zugleich jene Angelegenheit wieder in den Mittelpunkt, mit der sie überhaupt erst begonnen hatte: Nach Farages Wahlerfolg ist eine parlamentarische Untersuchung wegen eines umstrittenen Geldgeschenks offiziell wieder aufgenommen worden. Das mit seinem Rücktritt ausgesetzte Verfahren gegen Farage wird auf der Webseite des Beauftragten für parlamentarische Standards wieder als aktiv geführt. Geldgeschenk im Fokus Vor seinem Rücktritt im Juli war Farage wegen umstrittener Spenden und Zuwendungen in die Schlagzeilen und in den Fokus des Beauftragten für parlamentarische Standards geraten. Wie etwa der „Guardian“ zuletzt enthüllte, erhielt Farage kurz vor seiner Wahl zum Abgeordneten im Jahr 2024 ein Geldgeschenk in Höhe von fünf Millionen Pfund (rund 5,9 Mio. Euro), das er nicht als Spende deklariert hatte. Seinen Angaben nach handelte es sich um ein persönliches Geschenk ohne Bedingungen. Die Wählerinnen und Wähler sollten über sein Handeln entscheiden, sagte Farage vor wenigen Wochen bei seinem Abgang. Und die entschieden nun zu seinen Gunsten: Mehr als 60 Prozent der abgegebenen Stimmen entfielen auf ihn, allerdings standen keine Kandidaten der etablierten Parteien als Gegner zur Wahl. Mit dem Wahlsieg kann er dennoch seine Erzählung untermauern, den Wählerwillen in Clacton hinter sich zu haben. Einen Schlussstrich kann Farage dennoch nicht ziehen: Britische Medien und auch die etablierten Parteien beschäftigt nun vor allem die wieder angelaufene parlamentarische Untersuchung gegen ihn. Sollte ein Vergehen des Reform-Politikers festgestellt werden, droht ihm im schlimmsten Fall ein Ausschluss aus dem Unterhaus – und die nächste Nachwahl mit ungewissem Ausgang. „Beim zweiten Mal könnten die Wähler von Clacton der Farage-Saga überdrüssig werden“, heißt es etwa beim „Independent“. Farce nimmt auch in Wahlnacht kein Ende Die Nachwahl in Clacton hatte sich in den letzten Wochen zu einer regelrechten Farce entwickelt, die auch in der Wahlnacht kein Ende nahm. Alle großen Parteien verzichteten aus Protest darauf, einen Kandidaten oder eine Kandidatin aufzustellen, und sprachen von einem Ablenkungsmanöver. Als größter Konkurrent galt damit ausgerechnet Satiriker Count Binface, der mit dem zweiten Platz einen Achtungserfolg für sich verbuchen konnte. Dass der Brexit-Vorkämpfer auch noch der offiziellen Veranstaltung, bei der das Ergebnis verkündet wurde, fernblieb, sorgte für verwunderte Gesichter. Beim Sender Sky war von einem „dramatischen, sehr ungewöhnlichen Vorgang“ die Rede. Farages Angaben zufolge informierte ihn die örtliche Polizei über eine geplante Kampagne gegen ihn, ein Reform-Sprecher sprach laut BBC gar von einer „glaubwürdigen Drohung“. Die Polizei von Essex hatte jedoch Berichten zufolge keinem Kandidaten von der Teilnahme an der Auszählung abgeraten. Auch eine geplante Rede von Farage in Clacton wurde von der Partei abgesagt. Noch vor der Ergebnisverkündung sprach Farage beim Sender GB News von einer „überwältigenden Bestätigung“. „Ich habe es satt, von den Mainstream-Medien verurteilt, als Krimineller bezeichnet zu werden.“ Unter anderem die regierende Labour-Partei von Premierminister Andy Burnham machte ihre Haltung zu der Wahl in Clacton deutlich. „Um es klar zu sagen: Das ist kein Sieg für Nigel Farage“, erklärte die Parteivorsitzende Bridget Phillipson nach PA-Angaben am Morgen. „Der Berg an Filz und Skandalen, in dem er und die Reform-Partei mittlerweile versinken, ist gewachsen und gewachsen, während er versucht hat, die Öffentlichkeit mit einer Nachwahl gegen eine Mülltonne abzulenken“, sagte sie. Nicht der erste taktische Abgang Taktische Abgänge haben bei Farage praktisch Tradition. Kurz nach dem Brexit-Referendum 2016 trat Farage als Chef der Ukip-Partei ab – nur um später an der Spitze der neu gegründeten Brexit-Partei wieder ins Rampenlicht zurückzukehren. Die Partei wurde später in Reform UK umbenannt. Auch deren Vorsitz legte Farage nach dem EU-Austritt im Frühjahr 2021 nieder. Kurz vor der Parlamentswahl im Juli 2024 kehrte er dann an die Parteispitze zurück. Reform UK lag in den vergangenen Monaten in Umfragen teils deutlich vorn und fuhr auch bei Wahlen Siege ein. Der Erfolg wird vor allem Farage selbst zugeschrieben. Nach der Ernennung von Andy Burnham zum neuen Premierminister lag die regierende Labour-Partei zuletzt jedoch teils wieder vor Reform UK. Wie lange Burnhams Flitterwochen – wie es in britischen Medien oft heißt – anhalten, bleibt im politisch oft wechselhaften Großbritannien allerdings abzuwarten. Lesen Sie auch: Großbritanniens neuer Premier? Wird wohl „soft links“

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14. August
Handelsblatt

Nachwahl in Clacton: Rechtspopulist Nigel Farage nach Wahlsieg weiter unter Druck

Nachwahl in Clacton: Rechtspopulist Nigel Farage nach Wahlsieg weiter unter Druck Clacton-on-Sea. Es war der ungewöhnliche Abschluss einer ohnehin kuriosen Wahl: Der britische Rechtspopulist Nigel Farage gewann mit deutlichem Vorsprung einen Parlamentssitz, den er erst wenige Wochen zuvor in einem politischen Manöver aufgegeben hatte - und blieb dann der offiziellen Verkündung seines Sieges fern. Während sich seine Gegenkandidaten - darunter auch Hauptkonkurrent und Spaßkandidat Count Binface („Graf Mülltonnengesicht“) - wie bei Wahlen gewöhnlich zur Ergebnisverkündung versammelten, erklärte sich der Chef der Partei Reform UK schon vorzeitig zum Sieger. „Das Ergebnis in Clacton spricht für sich“, schrieb er später lediglich knapp auf X. Kaum zu Ende gegangen, rückt die kuriose Nachwahl zugleich jene Angelegenheit wieder in den Mittelpunkt, mit der sie überhaupt erst begonnen hatte: Nach Farages Wahlerfolg ist eine parlamentarische Untersuchung wegen eines umstrittenen Geldgeschenks offiziell wieder aufgenommen worden. Das mit seinem Rücktritt ausgesetzte Verfahren gegen Farage wird auf der Webseite des Beauftragten für parlamentarische Standards wieder als aktiv geführt. Geldgeschenk im Fokus Vor seinem Rücktritt im Juli war Farage wegen umstrittener Spenden und Zuwendungen in die Schlagzeilen und in den Fokus des Beauftragten für parlamentarische Standards geraten. Wie etwa der „Guardian“ zuletzt enthüllte, erhielt Farage kurz vor seiner Wahl zum Abgeordneten im Jahr 2024 ein Geldgeschenk in Höhe von fünf Millionen Pfund (rund 5,9 Mio. Euro), das er nicht als Spende deklariert hatte. Seinen Angaben nach handelte es sich um ein persönliches Geschenk ohne Bedingungen. Die Wählerinnen und Wähler sollten über sein Handeln entscheiden, sagte Farage vor wenigen Wochen bei seinem Abgang. Und die entschieden nun zu seinen Gunsten: Mehr als 60 Prozent der abgegebenen Stimmen entfielen auf ihn, allerdings standen keine Kandidaten der etablierten Parteien als Gegner zur Wahl. Mit dem Wahlsieg kann er dennoch seine Erzählung untermauern, den Wählerwillen in Clacton hinter sich zu haben. Einen Schlussstrich kann Farage dennoch nicht ziehen: Britische Medien und auch die etablierten Parteien beschäftigt nun vor allem die wieder angelaufene parlamentarische Untersuchung gegen ihn. Sollte ein Vergehen des Reform-Politikers festgestellt werden, droht ihm im schlimmsten Fall ein Ausschluss aus dem Unterhaus - und die nächste Nachwahl mit ungewissem Ausgang. „Beim zweiten Mal könnten die Wähler von Clacton der Farage-Saga überdrüssig werden“, heißt es etwa beim „Independent“. Farce nimmt auch in Wahlnacht kein Ende Die Nachwahl in Clacton hatte sich in den letzten Wochen zu einer regelrechten Farce entwickelt, die auch in der Wahlnacht kein Ende nahm. Alle großen Parteien verzichteten aus Protest darauf, einen Kandidaten oder eine Kandidatin aufzustellen, und sprachen von einem Ablenkungsmanöver. Als größter Konkurrent galt damit ausgerechnet Satiriker Count Binface, der mit dem zweiten Platz einen Achtungserfolg für sich verbuchen konnte. Dass der Brexit-Vorkämpfer auch noch der offiziellen Veranstaltung, bei der das Ergebnis verkündet wurde, fernblieb, sorgte für verwunderte Gesichter. Beim Sender Sky war von einem „dramatischen, sehr ungewöhnlichen Vorgang“ die Rede. Farages Angaben zufolge informierte ihn die örtliche Polizei über eine geplante Kampagne gegen ihn, ein Reform-Sprecher sprach laut BBC gar von einer „glaubwürdigen Drohung“. Die Polizei von Essex hatte jedoch Berichten zufolge keinem Kandidaten von der Teilnahme an der Auszählung abgeraten. Auch eine geplante Rede von Farage in Clacton wurde von der Partei abgesagt. Noch vor der Ergebnisverkündung sprach Farage beim Sender GB News von einer „überwältigenden Bestätigung“. „Ich habe es satt, von den Mainstream-Medien verurteilt, als Krimineller bezeichnet zu werden.“ Verwandte Themen Unter anderem die regierende Labour-Partei von Premierminister Andy Burnham machte ihre Haltung zu der Wahl in Clacton deutlich. „Um es klar zu sagen: Das ist kein Sieg für Nigel Farage“, erklärte die Parteivorsitzende Bridget Phillipson nach PA-Angaben am Morgen. „Der Berg an Filz und Skandalen, in dem er und die Reform-Partei mittlerweile versinken, ist gewachsen und gewachsen, während er versucht hat, die Öffentlichkeit mit einer Nachwahl gegen eine Mülltonne abzulenken“, sagte sie. Nicht der erste taktische Abgang Taktische Abgänge haben bei Farage praktisch Tradition. Kurz nach dem Brexit-Referendum 2016 trat Farage als Chef der Ukip-Partei ab - nur um später an der Spitze der neu gegründeten Brexit-Partei wieder ins Rampenlicht zurückzukehren. Die Partei wurde später in Reform UK umbenannt. Auch deren Vorsitz legte Farage nach dem EU-Austritt im Frühjahr 2021 nieder. Kurz vor der Parlamentswahl im Juli 2024 kehrte er dann an die Parteispitze zurück. Reform UK lag in den vergangenen Monaten in Umfragen teils deutlich vorn und fuhr auch bei Wahlen Siege ein. Der Erfolg wird vor allem Farage selbst zugeschrieben. Nach der Ernennung von Andy Burnham zum neuen Premierminister lag die regierende Labour-Partei zuletzt jedoch teils wieder vor Reform UK. Wie lange Burnhams Flitterwochen - wie es in britischen Medien oft heißt - anhalten, bleibt im politisch oft wechselhaften Großbritannien allerdings abzuwarten.

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14. August
Der Spiegel

Großbritannien: Nigel Farage gewinnt Nachwahl in Clacton gegen Count Binface

Das ist Count Binface und er war gerade der größte Herausforderer von ihm: Nigel Farage, dem Chef der rechtspopulistischen Partei »Reform UK«. Am Donnerstag fand im ostenglischen Clacton eine Nachwahl statt. Ausgelöst von Farage selbst. Der als »Mr.Brexit« bekannte Politiker war zuvor wegen Schlagzeilen über ein umstrittenes Geldgeschenk als Abgeordneter des Wahlkreises zurückgetreten. Nur um dann in einer Wahl »des Volkes gegen das Establishment« – wie er es nannte – erneut für das britische Unterhaus zu kandidieren. Nigel Farrage, Reform UK: »Ich habe diese Nachwahl angesetzt, weil ich wollte, dass die Menschen in Clacton und die Wähler dieses Wahlkreises über mich urteilen. Nicht die britischen Mainstream-Medien und das politische Establishment, das uns jeden Tag als Kriminelle und schlechte Menschen darstellt.« Die etablierten Parteien kritisierten Farages Manöver als politischen Stunt, um von den Vorwürfen abzulenken – und weigerten sich, eigene Kandidaten ins Rennen zu schicken. Dadurch fanden sich auf dem Stimmzettel neben Farage 33 deutlich unkonventionellere Mitbewerber. Am aussichtsreichsten: Count Binface. Der selbst ernannte »intergalaktische Weltraumkrieger« landete am Ende mit 9455 Stimmen auf dem zweiten Platz. Farage erhielt 22.239 Stimmen und wurde somit zurück ins britische Unterhaus gewählt. Seine politischen Probleme hat diese Wahl dennoch nicht gelöst. Das Spektakel wurde zum Gespött und öffentlich als »Zirkus« bezeichnet. Farage weigerte sich, an der offiziellen Veranstaltung teilzunehmen, bei der das Wahlergebnis verkündet wurde. Als Grund nannte er eine Kampagne gegen ihn. Count Binface ist übrigens eine satirische Figur des Komikers Jon Harvey. »Graf Mülleimergesicht« hat seit 2017 bereits an zahlreichen Wahlen teilgenommen. Die Nachwahl in Clacton war jedoch sein bisher bestes Ergebnis – mit Abstand. Count Binface, Satiriker: »Ich habe über 9000 Stimmen bekommen, Leute. Vor acht Wochen in Makerfield habe ich 95 Stimmen erhalten. Gegenüber Nigel Farage bin ich also – im Vergleich zu Andy Burnham – 1000 Mal beliebter. Hat das vielleicht etwas damit zu tun, warum er heute Abend nicht hier ist? Das überlasse ich euch.«

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14. August
taz (Öko & Co)

Nachwahl in England: Nigel Farage kehrt ins Parlament zurück

Nachwahl in England: Nigel Farage kehrt ins Parlament zurück Der Chef der rechten Partei Reform UK gewinnt die Nachwahl in Clacton-on-Sea. Doch das beste Ergebnis aller Zeiten erzielt ein anderer Kandidat. Die Stimmauszählung dauerte ungewöhnlich lange, gab es doch 34 Kandidat:innen auf einem 90 cm langen Wahlzettel, darunter der Chef der rechtspopulistischen Partei Reform UK und der Scherzkandidat Count Binface (Graf Mülleimer). Doch gegen sechs Uhr morgens britischer Zeit stand der 62-jährige Farage als erwarteter Sieger der Nachwahl des südostenglischen Wahlkreises Clacton-on-Sea fest. Farage holte 62,8 Prozent, insgesamt 22.239 Stimmen. Im Juli 2024 lag er noch bei 46,2 Prozent. Für Farage ist das eine Bestätigung seiner Position. Der Chef der Partei Reform UK hatte bereits Stunden vor der offiziellen Verkündung seines Wahlsieges eine Rede gehalten. „Ich habe am heißesten Tag des Jahres, mitten im August in der Urlaubszeit, mit mehr Stimmen als bei der Nationalwahl 2024 gewonnen“, sagte er vor jubelnden Unterstützer:innen. Bei der Verkündung der Wahlergebnisse werde er jedoch nicht dabei sein, da die Polizei vor organisierten Störaktionen gewarnt habe, so Farage. Wahlleiter Ian Davidson widersprach dem jedoch: Die Veranstaltung sei geschützt und sicher. Auch die BBC, welche die Wahlnacht übertrug, konnte keine polizeilichen Warnungen bestätigen. Dennoch wurde auch eine von Farage geplante Ansprache am Vormittag von Reform UK abgesagt. Farage hatte schon häufig von einer Gefährdung seiner Sicherheit gesprochen. Im Hinterkopf hatte er dabei wohl auch die Ermordung der Reform UK-Politikerin Ann Widdecombe in ihrem Haus in Devon im Juli. Scherzkandidat als Hauptkonkurrent Farages Hauptkontrahent war der Scherzkandidat Count Binface, (Graf Mülleimer), der mit eben diesem Mülleimer als Helm über dem Kopf und im Motorradanzug auftritt und sich als Wesen vom Planeten Sigma IX ausgibt. Er kam mit 9.455 Stimmen auf 26,93 Prozent, mehr als bei den fünf vorherigen Wahlen, bei denen er angetreten war. Damit hat Binface, hinter dem der britische Comedian Jonathan Harvey steht, das höchste Scherzkandidaten-Ergebnis in der britischen Geschichte erzielt. Geldgeschenk als Rücktrittsgrund Zur Nachwahl in Clacton-on-Sea war es gekommen, weil Nigel Farage am 8. Juli von seinem Posten als Parlamentarier aus diesem Wahlkreis zurückgetreten war. Zuvor hatte die Prüfstelle für parlamentarische Standards eine Geldzuwendung des Milliardärs Christopher Harborne in Höhe von 5 Millionen Pfund (rund 5,85 Millionen Euro) überprüft, die Farage drei Monate vor seinem Eintritt ins Unterhaus erhalten hatte. Farage hatte behauptet, es habe sich um ein persönliches Geschenk gehandelt, das er zum Schutz und zur Sicherheit seiner Person genutzt habe. Medienberichten zufolge hatte es Farage womöglich versäumt, diese Summe offenzulegen, obwohl die parlamentarischen Richtlinien eindeutig verlangen, dass alle größeren Geldspenden und finanziellen Transaktionen in dem Jahr vor dem Einzug ins Parlament öffentlich gemacht werden müssen. Um eine mögliche parlamentarische Suspendierung und damit eventuell verbundene Neuwahlen zu vermeiden, trat Farage proaktiv zurück. Die Untersuchung an sich bezeichnete er als Ergebnis einer medial gesteuerten Hexenjagd. Doch diese Nachwahl, die die britischen Steuerzahler:innen jetzt umgerechnet 300 Millionen Euro gekostet haben könnte, beendet die Untersuchungen der Prüfstelle für parlamentarische Standards gar nicht. Nach Farages Rücktritt waren sie zwar auf Eis gelegt worden, doch werden sie mit seiner jetzigen Wiederwahl wieder aufgenommen. Untersuchungen werden mit Neuwahl wieder aufgenommen Farage könnte demnach doch noch parlamentarisch suspendiert werden, wodurch es zu einer zweiten Nachwahl kommen könnte. Gerade deshalb hatten sich sämtliche größeren Parteien – Labour, Konservative, Liberaldemokrat:innen und Grüne – nicht an der Wahl beteiligt, die sie als Inszenierung Farages bezeichneten. Nur deshalb war Count Binface überhaupt zum Hauptgegenkandidaten geworden. Insgesamt traten schlussendlich noch 32 andere zur Wahl an, darunter vor allem unabhängige Kandidat:innen. Sie kamen insgesamt auf 3.375 Stimmen. Neben der ausstehenden parlamentarischen Untersuchung zu seinen Geldangelegenheiten sind die Probleme für Farage und seine Partei noch nicht beendet. Seitdem die Labour-Partei Andy Burnham zum Nachfolger Keir Starmers als Premierminister ernannt hat, sind die Umfragewerte der rechtspopulistischen Reform UK rückläufig. Am Montag lag Labour in einer Meinungsumfrage von Yougov mit 24 Punkten zum ersten Mal zwei Punkte vor Reform UK und auch die Tories holten stark auf. Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen Starten Sie jetzt eine spannende Diskussion!

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14. August
Deutschlandfunk

Großbritannien - Farage gewinnt durch Nachwahl in Clacton Sitz im Parlament zurück

Farage bekam den Angaben zufolge 22.239 Stimmen. Als größter Konkurrent des früheren Brexit-Vorkämpfers galt ein Comedian. Die satirische Figur Count Binface ("Graf Mülltonnengesicht") erzielte 9.455 Stimmen und übertraf damit die Erwartungen. Count Binface tritt regelmäßig bei britischen Wahlen an. Er erinnert an eine Art Weltraumkrieger in einem vage an den Star-Wars-Bösewicht Darth Vader angelehnten Kostüm mit Umhang und Mülltonne als Helm. Nachwahl durch Farages Rücktritt ausgelöst An der offiziellen Veranstaltung zur Bekanntgabe der Ergebnisse nahm Farage nach eigener Aussage aus Sicherheitsgründen nicht teil. Die Polizei habe vor einer Störkampagne gewarnt. Ausgelöst wurde die Nachwahl von Farage selbst. Erst vor wenigen Wochen gab der auch als "Mr. Brexit" bekannte Politiker seinen Parlamentssitz im Rahmen eines politischen Manövers auf. Zuvor war er unter anderem wegen eines umstrittenen Geldgeschenks in die Schlagzeilen und schließlich in den Fokus einer parlamentarischen Untersuchung geraten. Erst vor wenigen Wochen gab der auch als "Mr. Brexit" bekannte Politiker seinen Parlamentssitz im Rahmen eines politischen Manövers auf. Zuvor war er unter anderem wegen eines umstrittenen Geldgeschenks in die Schlagzeilen und schließlich in den Fokus einer parlamentarischen Untersuchung geraten. Millionen-Geschenk sorgt für politische Kontroverse Wie der "Guardian" zuletzt enthüllte, erhielt Farage kurz vor seiner Wahl zum Abgeordneten im Jahr 2024 ein Geldgeschenk in Höhe von fünf Millionen Pfund (umgerechnet rund 5,9 Millionen Euro), das er nicht als Spende deklariert hatte. Seinen Angaben nach handelte es sich um ein persönliches Geschenk ohne Bedingungen. Der Vorgang wurde vom Beauftragten für parlamentarische Standards untersucht. Nach Farages Abgang wurde die Untersuchung jedoch ausgesetzt. Die Wählerinnen und Wähler sollten über sein Handeln entscheiden, sagte er vor wenigen Wochen bei seinem Rücktritt. Alle großen Parteien verzichteten aus Protest darauf, einen Kandidaten oder eine Kandidatin aufzustellen, und warfen Farage ein Ablenkungsmanöver vor. Parlamentarische Untersuchung könnte weitergehen Die Untersuchung gegen Farage wird britischen Medienberichten zufolge mit seinem Einzug ins Unterhaus aller Voraussicht nach wieder aufgenommen. Sollte dabei ein Vergehen des Reform-Politikers festgestellt werden, droht ihm im schlimmsten Fall ein Ausschluss aus dem Unterhaus - und die nächste Nachwahl mit ungewissem Ausgang. Aus dem Deutschlandfunk-Programm Diese Nachricht wurde am 14.08.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.

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14. August
Handelsblatt

Nachwahl in Clacton: Rechtspopulist Farage wieder ins britische Parlament gewählt

Nachwahl in Clacton: Rechtspopulist Farage wieder ins britische Parlament gewählt Clacton-on-Sea. Mit einem Sieg bei einer kuriosen Wahl hat sich der britische Rechtspopulist Nigel Farage erneut einen Sitz im Parlament gesichert. Der Chef der Partei Reform UK gewann die Nachwahl im Wahlkreis Clacton in der englischen Grafschaft Essex mit 22.239 Stimmen, wie bei der Auszählung verkündet wurde. Als größter Konkurrent des früheren Brexit-Vorkämpfers galt ausgerechnet Spaßkandidat Count Binface („Graf Mülltonnengesicht“). Er kam auf 9.455 Stimmen. Schon vor der Verkündung seines Sieges erklärte sich Farage zum klaren Gewinner. Der offiziellen Veranstaltung, bei der das Ergebnis verkündet wurde, blieb er allerdings fern. Seinen Angaben zufolge informierte ihn die örtliche Polizei über eine geplante Kampagne gegen ihn, ein Reform-Sprecher sprach laut BBC gar von einer „glaubwürdigen Drohung“. Nach Informationen der Nachrichtenagentur PA hatte die Polizei von Essex allerdings keinem Kandidaten von der Teilnahme an der Auszählung abgeraten. „Das Ergebnis in Clacton spricht für sich“, schrieb Farage nach der Bekanntgabe knapp auf X. Eine für den Vormittag geplante Rede in Clacton wurde abgesagt, wie mehrere britische Medien unter Berufung auf ein Statement von Reform UK berichteten. Ausgelöst wurde die Nachwahl von Farage selbst. Erst vor wenigen Wochen gab der auch als „Mr. Brexit“ bekannte Politiker seinen Parlamentssitz in einem politischen Stunt ab. Zuvor war er unter anderem wegen eines umstrittenen Geldgeschenks in die Schlagzeilen und schließlich in den Fokus einer parlamentarischen Untersuchung geraten. Demokratische Wahl als Farce Wie der „Guardian“ zuletzt enthüllte, erhielt Farage kurz vor seiner Wahl zum Abgeordneten im Jahr 2024 ein Geldgeschenk in Höhe von fünf Millionen Pfund (rund 5,9 Mio. Euro), das er nicht als Spende deklariert hatte. Seinen Angaben nach handelte es sich um ein persönliches Geschenk ohne Bedingungen. Der Vorgang wurde vom Beauftragten für parlamentarische Standards untersucht. Nach Farages Abgang wurde die Untersuchung jedoch ausgesetzt. Die Wählerinnen und Wähler sollten über sein Handeln entscheiden, sagte er vor wenigen Wochen bei seinem Rücktritt. Farage hatte die Nachwahl als Duell zwischen den Wählern und dem politischen Establishment zu inszenieren versucht. Entwickelt hatte sich der Wahlkampf jedoch zu einer regelrechten Farce. Alle großen Parteien verzichteten aus Protest darauf, einen Kandidaten oder eine Kandidatin aufzustellen. PA sprach im Vorfeld von „einer der seltsamsten Nachwahlen der jüngeren Geschichte“. Die Untersuchung gegen Farage wird britischen Medienberichten zufolge mit seinem Einzug ins Unterhaus aller Voraussicht nach wieder aufgenommen. Sollte dabei ein Vergehen des Reform-Politikers festgestellt werden, droht ihm im schlimmsten Fall ein Ausschluss aus dem Unterhaus - und die nächste Nachwahl mit ungewissem Ausgang. Eine Untersuchung konnte er also nur kurzfristig zum Erliegen bringen. Mit dem Wahlsieg kann er nun jedoch seine Erzählung untermauern, den Wählerwillen in Clacton hinter sich zu haben. Labour: Farage muss endlich reinen Tisch machen Die regierende Labour-Partei von Premierminister Andy Burnham bezeichnete die Nachwahl als Ablenkungsmanöver. „Um es klar zu sagen: Das ist kein Sieg für Nigel Farage“, erklärte die Parteivorsitzende Bridget Phillipson nach PA-Angaben am Morgen. „Der Berg an Filz und Skandalen, in dem er und die Reform-Partei mittlerweile versinken, ist gewachsen und gewachsen, während er versucht hat, die Öffentlichkeit mit einer Nachwahl gegen eine Mülltonne abzulenken.“ Farage müsse reinen Tisch machen und alle Fakten zu dem Fünf-Millionen-Pfund-Geschenk und weiteren Skandalen seiner Partei auf den Tisch legen. Ein Ritter mit Mülleimer-Helm als größter Gegner Trotz der vielfachen Kritik an den Umständen der Nachwahl fanden sich auf dem Wahlzettel neben Farage 33 weitere Kandidaten. Durch die Absage etablierter Parteien galt als Hauptkonkurrent ausgerechnet der Spaßkandidat Count Binface alias Jon Harvey. Count Binface tritt regelmäßig bei britischen Wahlen an. Er erinnert an eine Art Weltraumkrieger in einem vage an den Star-Wars-Bösewicht Darth Vader angelehnten Kostüm mit Umhang und Mülltonne als Helm. Britische Medien munkelten zuletzt, ob der in Großbritannien bekannte Komiker nicht doch für eine Überraschung sorgen könnte - denn Proteststimmen gegen Farages Manöver galten als möglich. Eine Umfrage im Kreis Clacton prophezeite jedoch bereits den deutlichen Sieg von Farage. Quatschkandidaten wie Count Binface haben in Großbritannien Tradition. Als der frühere Premier Boris Johnson 2019 seinen Sieg bei der Parlamentswahl feierte, tummelten sich neben dem Weltraumkrieger unter anderem noch ein Kandidat im Kostüm der Sesamstraßenfigur Elmo und ein Lord Buckethead (Lord Eimerkopf) gemeinsam auf der Bühne mit dem siegreichen Kandidaten. Farage als nächster Premierminister? Taktische Abgänge haben bei Farage praktisch Tradition. Kurz nach dem Brexit-Referendum 2016 trat Farage als Chef der Ukip-Partei ab - nur um später an der Spitze der neu gegründeten Brexit-Partei wieder ins Rampenlicht zurückzukehren. Die Partei wurde später in Reform UK umbenannt. Auch deren Vorsitz legte Farage nach dem EU-Austritt im Frühjahr 2021 nieder. Kurz vor der Parlamentswahl im Juli 2024 kehrte er dann an die Parteispitze zurück. Verwandte Themen Reform UK lag in den vergangenen Monaten in Umfragen teils deutlich vorn und fuhr auch bei Wahlen Siege ein. Der Erfolg der Partei wird vor allem Farage persönlich zugeschrieben. Bei den Kommunal- und Regionalwahlen in England, Schottland und Wales im Mai gewannen die Rechtspopulisten Hunderte Mandate in weiten Teilen des Landes und stürzten so die Labour-Partei und Ex-Premier Keir Starmer in die Krise. Nach der Ernennung von Andy Burnham zum neuen Premierminister hofft Labour deshalb auf einen Umschwung. Aktuelle Umfragen zeigen, dass sich das Stimmungsbild zumindest ein wenig gebessert haben dürfte: Teils liegt die Partei wieder vor Reform UK. Wie lange Burnhams Flitterwochen, wie es in britischen Medien oft heißt, anhalten, bleibt im politisch oft wechselhaften Großbritannien allerdings abzuwarten. Die nächste reguläre Parlamentswahl im Vereinigten Königreich ist spätestens für 2029 angesetzt. Farage und seine Partei fordern seit dem Rücktritt von Ex-Premier Starmer immer wieder Neuwahlen.

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14. August
Neues Deutschland

Nachwahl im UK | Rechtspopulist Farage wieder ins britische Parlament gewählt

- Politik - Nachwahl im UK Rechtspopulist Farage wieder ins britische Parlament gewählt In einem ungewöhnlichen Vorgang sichert sich Nigel Farage erneut einen Sitz im Parlament. Eine brisante Altlast wird er dennoch nicht los. Clacton-on-Sea, Großbritannien Mit einem Sieg in einer kuriosen Wahl hat sich der britische Rechtspopulist Nigel Farage erneut einen Sitz im Parlament gesichert. Der Chef der Partei Reform UK gewann die Nachwahl im Wahlkreis Clacton in der englischen Grafschaft Essex mit 22.239 Stimmen, wie bei der Auszählung verkündet wurde. Als größter Konkurrent des früheren Brexit-Vorkämpfers galt ausgerechnet Spaßkandidat Count Binface (»Graf Mülltonnengesicht«). Er kam auf 9.455 Stimmen. Schon vor der Verkündung seines Sieges erklärte sich Farage zum klaren Gewinner. Der offiziellen Veranstaltung, bei der das Ergebnis verkündet wurde, blieb er allerdings fern. Seinen Angaben zufolge informierte ihn die örtliche Polizei über eine geplante Kampagne gegen ihn, ein Reform-Sprecher sprach laut BBC gar von einer »glaubwürdigen Drohung«. Nach Informationen der Nachrichtenagentur PA hatte die Polizei von Essex allerdings keinem Kandidaten von der Teilnahme an der Auszählung abgeraten. »Das Ergebnis in Clacton spricht für sich«, schrieb Farage nach der Bekanntgabe knapp auf X. Eine für den Vormittag geplante Rede in Clacton wurde abgesagt, wie mehrere britische Medien unter Berufung auf ein Statement von Reform UK berichten. Ausgelöst wurde die Nachwahl von Farage selbst. Erst vor wenigen Wochen gab der auch als »Mr. Brexit« bekannte Politiker seinen Parlamentssitz in einem politischen Stunt ab. Zuvor war er unter anderem wegen eines umstrittenen Geldgeschenks in die Schlagzeilen und schließlich in den Fokus einer parlamentarischen Untersuchung geraten. Demokratische Wahl als Farce Wie der »Guardian« zuletzt enthüllte, erhielt Farage kurz vor seiner Wahl zum Abgeordneten im Jahr 2024 ein Geldgeschenk in Höhe von fünf Millionen Pfund (rund 5,9 Mio. Euro), das er nicht als Spende deklariert hatte. Seinen Angaben nach handelte es sich um ein persönliches Geschenk ohne Bedingungen. Der Vorgang wurde vom Beauftragten für parlamentarische Standards untersucht. Nach Farages Abgang wurde die Untersuchung jedoch ausgesetzt. Die Wählerinnen und Wähler sollten über sein Handeln entscheiden, sagte er vor wenigen Wochen bei seinem Rücktritt. Farage hatte die Nachwahl als Duell zwischen den Wählern und dem politischen Establishment zu inszenieren versucht. Entwickelt hatte sich der Wahlkampf jedoch zu einer regelrechten Farce. Alle großen Parteien verzichteten aus Protest darauf, einen Kandidaten oder eine Kandidatin aufzustellen, und warfen ihm ein Ablenkungsmanöver vor. Die Nachrichtenagentur PA sprach im Vorfeld von »einer der seltsamsten Nachwahlen der jüngeren Geschichte«. Die Untersuchung gegen Farage wird britischen Medienberichten zufolge mit seinem Einzug ins Unterhaus aller Voraussicht nach wieder aufgenommen. Sollte dabei ein Vergehen des Reform-Politikers festgestellt werden, droht ihm im schlimmsten Fall ein Ausschluss aus dem Unterhaus – und die nächste Nachwahl mit ungewissem Ausgang. Eine Untersuchung konnte er also nur kurzfristig zum Erliegen bringen. Mit dem Wahlsieg kann er nun jedoch seine Erzählung untermauern, den Wählerwillen in Clacton hinter sich zu haben. Ein Ritter mit Mülleimer-Helm als größter Gegner Trotz der vielfachen Kritik an den Umständen der Nachwahl fanden sich auf dem Wahlzettel neben Farage 33 weitere Kandidaten. Durch die Absage etablierter Parteien galt als Hauptkonkurrent ausgerechnet der Spaßkandidat Count Binface alias Jon Harvey. Count Binface tritt regelmäßig bei britischen Wahlen an. Er erinnert an eine Art Weltraumkrieger in einem vage an den Star-Wars-Bösewicht Darth Vader angelehnten Kostüm mit Umhang und Mülltonne als Helm. Britische Medien munkelten zuletzt, ob der in Großbritannien bekannte Komiker nicht doch für eine Überraschung sorgen könnte – denn Proteststimmen gegen Farages Manöver galten als möglich. Eine Umfrage im Kreis Clacton prophezeite jedoch bereits den deutlichen Sieg von Farage. Quatschkandidaten wie Count Binface haben in Großbritannien Tradition. Als der frühere Premier Boris Johnson 2019 seinen Sieg bei der Parlamentswahl feierte, tummelten sich neben dem Weltraumkrieger unter anderem noch ein Kandidat im Kostüm der Sesamstraßenfigur Elmo und ein Lord Buckethead (Lord Eimerkopf) gemeinsam auf der Bühne mit dem siegreichen Kandidaten. Farage als nächster Premierminister? Taktische Abgänge haben bei Farage praktisch Tradition. Kurz nach dem Brexit-Referendum 2016 trat Farage als Chef der Ukip-Partei ab – nur um später an der Spitze der neu gegründeten Brexit-Partei wieder ins Rampenlicht zurückzukehren. Die Partei wurde später in Reform UK umbenannt. Auch deren Vorsitz legte Farage nach dem EU-Austritt im Frühjahr 2021 nieder. Kurz vor der Parlamentswahl im Juli 2024 kehrte er dann an die Parteispitze zurück. Reform UK lag in den vergangenen Monaten in Umfragen teils deutlich vorn und fuhr auch bei Wahlen Siege ein. Der Erfolg der Partei wird vor allem Farage persönlich zugeschrieben. Bei den Kommunal- und Regionalwahlen in England, Schottland und Wales im Mai gewannen die Rechtspopulisten Hunderte Mandate in weiten Teilen des Landes und stürzten so die Labour-Partei und Ex-Premier Keir Starmer in die Krise. Nach der Ernennung von Andy Burnham zum neuen Premierminister hofft Labour deshalb auf einen Umschwung. Aktuelle Umfragen zeigen, dass sich das Stimmungsbild zumindest ein wenig gebessert haben dürfte: Teils liegt die Partei wieder vor Reform UK. Wie lange Burnhams Flitterwochen, wie es in britischen Medien oft heißt, anhalten, bleibt im politisch oft wechselhaften Großbritannien allerdings abzuwarten. Die nächste reguläre Parlamentswahl im Vereinigten Königreich ist spätestens für 2029 angesetzt. Farage und seine Partei fordern seit dem Rücktritt von Ex-Premier Starmer immer wieder Neuwahlen. dpa/nd Wir sind käuflich. Aber nur für unsere Leser*innen. Die »nd.Genossenschaft« gehört ihren Leser*innen und Autor*innen. Sie sind es, die durch ihren Beitrag unseren Journalismus für alle zugänglich machen: Hinter uns steht kein Medienkonzern, kein großer Anzeigenkunde und auch kein Milliardär. 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14. August
Süddeutsche Zeitung (Politik)

Großbritannien: Farage wieder ins Parlament gewählt

Mit einem Sieg in einer kuriosen Wahl hat sich der britische Rechtspopulist Nigel Farage erneut einen Sitz im Parlament gesichert. Der Chef der Partei Reform UK gewann die Nachwahl im Wahlkreis Clacton in der englischen Grafschaft Essex mit 22 239 Stimmen, wie bei der Auszählung verkündet wurde. Als größter Konkurrent des früheren Brexit-Vorkämpfers galt Spaßkandidat Count Binface („Graf Mülltonnengesicht“). Er kam auf 9455 Stimmen. Schon vor der Verkündung seines Sieges erklärte sich Farage zum klaren Gewinner. Der offiziellen Veranstaltung, bei der das Ergebnis verkündet wurde, blieb er allerdings fern. Seinen Angaben zufolge informierte ihn die örtliche Polizei über eine geplante Kampagne gegen ihn, ein Reform-Sprecher sprach laut BBC gar von einer „glaubwürdigen Drohung“. Nach Informationen der Nachrichtenagentur PA hatte die Polizei von Essex allerdings keinem Kandidaten von der Teilnahme an der Auszählung abgeraten. „Das Ergebnis in Clacton spricht für sich“, schrieb Farage nach der Bekanntgabe knapp auf X. Eine für den Vormittag geplante Rede in Clacton wurde abgesagt, wie mehrere britische Medien unter Berufung auf ein Statement von Reform UK berichten. Ausgelöst wurde die Nachwahl von Farage selbst. Erst vor wenigen Wochen gab er seinen Parlamentssitz ab. Zuvor war er unter anderem wegen eines umstrittenen Geldgeschenks in die Schlagzeilen und schließlich in den Fokus einer parlamentarischen Untersuchung geraten. Wie der Guardian zuletzt enthüllte, erhielt Farage kurz vor seiner Wahl zum Abgeordneten im Jahr 2024 ein Geldgeschenk in Höhe von fünf Millionen Pfund (etwa 5,9 Millionen Euro), das er nicht als Spende deklariert hatte. Seinen Angaben nach handelte es sich um ein persönliches Geschenk ohne Bedingungen. Der Vorgang wurde vom Beauftragten für parlamentarische Standards untersucht. Nach Farages Abgang wurde die Untersuchung jedoch ausgesetzt. Die Wählerinnen und Wähler sollten über sein Handeln entscheiden, sagte er vor wenigen Wochen bei seinem Rücktritt. Die anderen großen Parteien warfen Farage ein Ablenkungsmanöver vor und verzichteten aus Protest darauf, einen Kandidaten oder eine Kandidatin aufzustellen. Die Nachrichtenagentur PA sprach im Vorfeld von „einer der seltsamsten Nachwahlen der jüngeren Geschichte“. Die Untersuchung gegen Farage wird britischen Medienberichten zufolge mit seinem Einzug ins Unterhaus aller Voraussicht nach wiederaufgenommen. Sollte dabei ein Vergehen des Politikers festgestellt werden, droht ihm im schlimmsten Fall ein Ausschluss aus dem Unterhaus – und die nächste Nachwahl mit ungewissem Ausgang. Eine Untersuchung konnte er also nur kurzfristig zum Erliegen bringen. Mit dem Wahlsieg kann er nun jedoch seine Erzählung untermauern, den Wählerwillen in Clacton hinter sich zu haben. Ein Ritter mit Mülleimer-Helm als größter Gegner Trotz der vielfachen Kritik an den Umständen der Nachwahl fanden sich auf dem Wahlzettel neben Farage 33 weitere Kandidaten. Durch die Absage etablierter Parteien galt als Hauptkonkurrent der Spaßkandidat Count Binface alias Jon Harvey. Binface tritt regelmäßig bei britischen Wahlen an. Er erinnert an eine Art Weltraumkrieger in einem vage an den „Star Wars“-Bösewicht Darth Vader angelehnten Kostüm mit Umhang und Mülltonne als Helm. Britische Medien munkelten zuletzt, ob der in Großbritannien bekannte Komiker nicht doch für eine Überraschung sorgen könnte – denn Proteststimmen gegen Farages Manöver galten als möglich. Eine Umfrage im Wahlkreis Clacton prophezeite jedoch bereits den deutlichen Sieg von Farage. Farages Partei Reform UK lag in den vergangenen Monaten in Umfragen teils deutlich vorn und fuhr auch bei anderen Wahlen Siege ein. Der Erfolg der Partei wird vor allem Farage persönlich zugeschrieben. Bei den Kommunal- und Regionalwahlen in England, Schottland und Wales im Mai gewannen die Rechtspopulisten Hunderte Mandate in weiten Teilen des Landes und stürzten so die Labour-Partei und Ex-Premier Keir Starmer in die Krise. Nach der Ernennung von Andy Burnham zum neuen Premierminister hofft Labour deshalb auf einen Umschwung. Aktuelle Umfragen zeigen, dass sich das Stimmungsbild zumindest ein wenig gebessert haben dürfte: Teils liegt die Partei wieder vor Reform UK. Wie lange Burnhams „Flitterwochen“, wie es in britischen Medien oft heißt, anhalten, bleibt im politisch oft wechselhaften Großbritannien allerdings abzuwarten. Die nächste reguläre Parlamentswahl im Vereinigten Königreich ist spätestens für 2029 angesetzt. Farage und seine Partei fordern seit dem Rücktritt von Ex-Premier Starmer immer wieder Neuwahlen.

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14. August
Tagesschau

Farage gewinnt Nachwahl im britischen Clacton

Nachwahl im britischen Clacton Farage zieht wieder ins Parlament ein Der britische Rechtspopulist Farage zieht nach der von ihm selbst initiierten Nachwahl erneut ins Parlament ein. Die großen Parteien hatten die Abstimmung boykottiert, Farage selbst blieb der Auszählung fern. Mit einem Sieg in einer von ihm selbst ausgelösten Nachwahl hat sich der britische Rechtspopulist Nigel Farage erneut einen Sitz im Parlament gesichert. Der Chef der Partei Reform UK gewann die Abstimmung im Wahlkreis Clacton in der englischen Grafschaft Essex mit 22.239 Stimmen. Als größter Konkurrent des früheren Brexit-Vorkämpfers galt Spaßkandidat Count Binface ("Graf Mülltonnengesicht"). Er kam auf 9.455 Stimmen. Die großen Parteien des Landes werteten das Manöver als politischen Farce und stellten keine Gegenkandidaten auf. Farage blieb Verkündung fern Schon vor der Verkündung seines Sieges erklärte sich Farage zum klaren Gewinner. Der offiziellen Veranstaltung, bei der das Ergebnis verkündet wurde, blieb er allerdings fern. Seinen Angaben zufolge informierte ihn die örtliche Polizei über eine geplante Kampagne gegen ihn, ein Reform-Sprecher sprach laut BBC gar von einer "glaubwürdigen Drohung". Ausgelöst wurde die Nachwahl von Farage selbst, der seinen Parlamentssitz abgegeben hatte. Zuvor war er unter anderem wegen eines umstrittenen Geldgeschenks in die Schlagzeilen geraten. Fünf Millionen Pfund als Geschenk Wie der Guardian zuletzt enthüllte, erhielt Farage kurz vor seiner Wahl zum Abgeordneten im Jahr 2024 ein Geldgeschenk in Höhe von fünf Millionen Pfund (umgerechnet rund 5,9 Millionen Euro), das er nicht als Spende deklariert hatte. Seinen Angaben nach handelte es sich um ein persönliches Geschenk ohne Bedingungen. Der Vorgang wurde vom Beauftragten für parlamentarische Standards untersucht. Nach Farages Abgang wurde die Untersuchung jedoch ausgesetzt. Die Wählerinnen und Wähler sollten über sein Handeln entscheiden, sagte er vor wenigen Wochen bei seinem Rücktritt. Untersuchung dürfte weitergehen Die Untersuchung gegen Farage wird britischen Medienberichten zufolge mit seinem Einzug ins Unterhaus aller Voraussicht nach wieder aufgenommen. Sollte dabei ein Vergehen des Reform-Politikers festgestellt werden, droht ihm im schlimmsten Fall ein Ausschluss aus dem Unterhaus - und die nächste Nachwahl mit ungewissem Ausgang. Eine Untersuchung konnte er also nur kurzfristig zum Erliegen bringen. Mit dem Wahlsieg kann er nun jedoch seine Erzählung untermauern, den Wählerwillen in Clacton hinter sich zu haben.

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14. August
Wirtschaftswoche

Nigel Farage: Rechtspopulist Farage wieder ins britische Parlament gewählt

Nigel Farage: Rechtspopulist Farage wieder ins britische Parlament gewählt Mit einem Sieg in einer kuriosen Wahl hat sich der britische Rechtspopulist Nigel Farage erneut einen Sitz im Parlament gesichert. Der Chef der Partei Reform UK gewann die Nachwahl im Wahlkreis Clacton in der englischen Grafschaft Essex mit 22.239 Stimmen, wie bei der Auszählung verkündet wurde. Als größter Konkurrent des früheren Brexit-Vorkämpfers galt ausgerechnet Spaßkandidat Count Binface („Graf Mülltonnengesicht“). Er kam auf 9.455 Stimmen. Schon vor der Verkündung seines Sieges erklärte sich Farage zum klaren Gewinner. Der offiziellen Veranstaltung, bei der das Ergebnis verkündet wurde, blieb er allerdings fern. Seinen Angaben zufolge informierte ihn die örtliche Polizei über eine geplante Kampagne gegen ihn, ein Reform-Sprecher sprach laut BBC gar von einer „glaubwürdigen Drohung“. Nach Informationen der Nachrichtenagentur PA hatte die Polizei von Essex allerdings keinem Kandidaten von der Teilnahme an der Auszählung abgeraten. „Das Ergebnis in Clacton spricht für sich“, schrieb Farage nach der Bekanntgabe knapp auf X. Eine für den Vormittag geplante Rede in Clacton wurde abgesagt, wie mehrere britische Medien unter Berufung auf ein Statement von Reform UK berichten. Ausgelöst wurde die Nachwahl von Farage selbst. Erst vor wenigen Wochen gab der auch als „Mr. Brexit“ bekannte Politiker seinen Parlamentssitz in einem politischen Stunt ab. Zuvor war er unter anderem wegen eines umstrittenen Geldgeschenks in die Schlagzeilen und schließlich in den Fokus einer parlamentarischen Untersuchung geraten. Demokratische Wahl als Farce Wie der "Guardian" zuletzt enthüllte, erhielt Farage kurz vor seiner Wahl zum Abgeordneten im Jahr 2024 ein Geldgeschenk in Höhe von fünf Millionen Pfund (rund 5,9 Mio. Euro), das er nicht als Spende deklariert hatte. Seinen Angaben nach handelte es sich um ein persönliches Geschenk ohne Bedingungen. Der Vorgang wurde vom Beauftragten für parlamentarische Standards untersucht. Nach Farages Abgang wurde die Untersuchung jedoch ausgesetzt. Die Wählerinnen und Wähler sollten über sein Handeln entscheiden, sagte er vor wenigen Wochen bei seinem Rücktritt. Farage hatte die Nachwahl als Duell zwischen den Wählern und dem politischen Establishment zu inszenieren versucht. Entwickelt hatte sich der Wahlkampf jedoch zu einer regelrechten Farce. Alle großen Parteien verzichteten aus Protest darauf, einen Kandidaten oder eine Kandidatin aufzustellen, und warfen ihm ein Ablenkungsmanöver vor. Die Nachrichtenagentur PA sprach im Vorfeld von „einer der seltsamsten Nachwahlen der jüngeren Geschichte“. Die Untersuchung gegen Farage wird britischen Medienberichten zufolge mit seinem Einzug ins Unterhaus aller Voraussicht nach wieder aufgenommen. Sollte dabei ein Vergehen des Reform-Politikers festgestellt werden, droht ihm im schlimmsten Fall ein Ausschluss aus dem Unterhaus - und die nächste Nachwahl mit ungewissem Ausgang. Eine Untersuchung konnte er also nur kurzfristig zum Erliegen bringen. Mit dem Wahlsieg kann er nun jedoch seine Erzählung untermauern, den Wählerwillen in Clacton hinter sich zu haben. Ein Ritter mit Mülleimer-Helm als größter Gegner Trotz der vielfachen Kritik an den Umständen der Nachwahl fanden sich auf dem Wahlzettel neben Farage 33 weitere Kandidaten. Durch die Absage etablierter Parteien galt als Hauptkonkurrent ausgerechnet der Spaßkandidat Count Binface alias Jon Harvey. Count Binface tritt regelmäßig bei britischen Wahlen an. Er erinnert an eine Art Weltraumkrieger in einem vage an den Star-Wars-Bösewicht Darth Vader angelehnten Kostüm mit Umhang und Mülltonne als Helm. Britische Medien munkelten zuletzt, ob der in Großbritannien bekannte Komiker nicht doch für eine Überraschung sorgen könnte - denn Proteststimmen gegen Farages Manöver galten als möglich. Eine Umfrage im Kreis Clacton prophezeite jedoch bereits den deutlichen Sieg von Farage. Quatschkandidaten wie Count Binface haben in Großbritannien Tradition. Als der frühere Premier Boris Johnson 2019 seinen Sieg bei der Parlamentswahl feierte, tummelten sich neben dem Weltraumkrieger unter anderem noch ein Kandidat im Kostüm der Sesamstraßenfigur Elmo und ein Lord Buckethead (Lord Eimerkopf) gemeinsam auf der Bühne mit dem siegreichen Kandidaten. Farage als nächster Premierminister? Taktische Abgänge haben bei Farage praktisch Tradition. Kurz nach dem Brexit-Referendum 2016 trat Farage als Chef der Ukip-Partei ab - nur um später an der Spitze der neu gegründeten Brexit-Partei wieder ins Rampenlicht zurückzukehren. Die Partei wurde später in Reform UK umbenannt. Auch deren Vorsitz legte Farage nach dem EU-Austritt im Frühjahr 2021 nieder. Kurz vor der Parlamentswahl im Juli 2024 kehrte er dann an die Parteispitze zurück. Reform UK lag in den vergangenen Monaten in Umfragen teils deutlich vorn und fuhr auch bei Wahlen Siege ein. Der Erfolg der Partei wird vor allem Farage persönlich zugeschrieben. Bei den Kommunal- und Regionalwahlen in England, Schottland und Wales im Mai gewannen die Rechtspopulisten Hunderte Mandate in weiten Teilen des Landes und stürzten so die Labour-Partei und Ex-Premier Keir Starmer in die Krise. Nach der Ernennung von Andy Burnham zum neuen Premierminister hofft Labour deshalb auf einen Umschwung. Aktuelle Umfragen zeigen, dass sich das Stimmungsbild zumindest ein wenig gebessert haben dürfte: Teils liegt die Partei wieder vor Reform UK. Wie lange Burnhams Flitterwochen, wie es in britischen Medien oft heißt, anhalten, bleibt im politisch oft wechselhaften Großbritannien allerdings abzuwarten. Die nächste reguläre Parlamentswahl im Vereinigten Königreich ist spätestens für 2029 angesetzt. Farage und seine Partei fordern seit dem Rücktritt von Ex-Premier Starmer immer wieder Neuwahlen. Lesen Sie auch: Großbritanniens neuer Premier? Wird wohl „soft links“

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14. August
Die Zeit (Politik)

Nachwahl im Wahlkreis Clacton: Rechtspopulist Nigel Farage wieder ins britische Parlament gewählt

Nachwahl im Wahlkreis Clacton: Rechtspopulist Nigel Farage wieder ins britische Parlament gewählt Trotz Spendenaffäre ist der Chef der rechten Partei Reform UK, Nigel Farage, wieder ins britische Parlament eingezogen. Er gewann eine von ihm initiierte Nachwahl. Nigel Farage ist zurück im Unterhaus. Der Reform-UK-Chef provozierte die Nachwahl in Clacton selbst, nachdem Vorwürfe um ein nicht deklariertes Fünf-Millionen-Pfund-Geschenk wie ein toxischer Soundteppich über seiner Karriere lagen, und gewann dann mit 22.239 Stimmen gegen Count Binface, jene satirische Kunstfigur, die in dieser politischen Groteske fast schon wie der ehrlichere Sidekick wirkte. Weil Labour, Tories und Co. den Urnengang boykottierten, geriet Farages angekündigter Showdown mit dem Establishment zur bizarren One-Man-Inszenierung – ein Spin, der mehr nach Campaign-Stunt als nach demokratischer Sternstunde klang. Inhaltlich bleibt der eigentliche Plot jedoch die Compliance-Frage: Farage hatte die Millionen laut Guardian nicht als Parteispende angegeben, sprach von einem privaten Geschenk ohne Strings attached, doch die parlamentarische Standardsaufsicht hatte den Fall bereits auf dem Schirm, bis sein Rückzug das Verfahren stoppte. Mit seinem Comeback dürfte die Untersuchung nun wieder anlaufen, und falls ein Verstoß festgestellt wird, könnte aus dem Clacton-Comeback schneller als gedacht die nächste politische Endlosschleife samt weiterer Nachwahl werden. Diese Zusammenfassung wurde mithilfe von Künstlicher Intelligenz erstellt. Vereinzelt kann es dabei zu Fehlern kommen. Fanden Sie die Zusammenfassung hilfreich? Diese Audioversion wurde künstlich erzeugt. Die Audioversion dieses Artikels wurde künstlich erzeugt. Wir entwickeln dieses Angebot stetig weiter und freuen uns über Ihr Feedback. Der britische Rechtspopulist Nigel Farage kehrt als Abgeordneter ins britische Unterhaus zurück. Der Chef der Partei Reform UK gewann nach Vorwürfen über eine nicht deklarierte Millionenspende an seine Partei eine Nachwahl im Wahlkreis Clacton in der englischen Grafschaft Essex. Farage holte 22.239 Stimmen. Auf seinen Hauptkonkurrenten Count Binface, eine satirische Figur eines Komikers, entfielen 9.455 Stimmen. Die großen Parteien hatten die Abstimmung boykottiert. Die Nachwahl hatte Farage selbst ausgelöst. Erst wenige Wochen zuvor hatte der als Mr. Brexit bekannte Politiker seinen Parlamentssitz aufgegeben. Zuvor war er unter anderem wegen eines umstrittenen Geldgeschenks in die Schlagzeilen geraten und schließlich ins Visier einer parlamentarischen Untersuchung gekommen. Wie der Guardian berichtete, erhielt Farage kurz vor seiner Wahl zum Abgeordneten im Jahr 2024 ein Geldgeschenk in Höhe von fünf Millionen Pfund – umgerechnet rund 5,9 Millionen Euro. Er hatte die Zuwendung nicht als Spende deklariert. Seinen Angaben zufolge handelte es sich um ein persönliches Geschenk ohne Bedingungen. Der Vorgang wurde vom Beauftragten für parlamentarische Standards untersucht. Nach Farages Ausscheiden aus dem Parlament wurde die Untersuchung jedoch ausgesetzt. Bei seinem Rücktritt hatte Farage gesagt, die Wählerinnen und Wähler sollten über sein Verhalten entscheiden. Die Nachwahl versuchte er als Duell zwischen der Bevölkerung und dem politischen Establishment zu inszenieren. Der Wahlkampf entwickelte sich jedoch zu einer regelrechten Farce: Alle großen Parteien verzichteten aus Protest darauf, Kandidatinnen oder Kandidaten aufzustellen, und warfen Farage ein Ablenkungsmanöver vor. Die Nachrichtenagentur PA sprach im Vorfeld von »einer der seltsamsten Nachwahlen der jüngeren Geschichte«. Die Untersuchungen gegen den Rechtspopulisten werden britischen Medienberichten zufolge mit seinem Einzug ins Unterhaus aller Voraussicht nach wieder aufgenommen. Sollte dabei ein Vergehen von Farage festgestellt werden, droht ihm im schlimmsten Fall ein Ausschluss aus dem Unterhaus – und damit die nächste Nachwahl.

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14. August
Der Spiegel

Großbritannien: Nigel Farage gewinnt Nachwahl im englischen Clacton gegen sprechenden Mülleimer

Britischer Rechtspopulist Farage gewinnt Nachwahl gegen sprechenden Mülleimer Der britische Rechtspopulist Nigel Farage wurde wieder ins britische Unterhaus gewählt. Der Chef der Partei Reform UK gewann die Nachwahl im Wahlkreis Clacton in der englischen Grafschaft Essex mit 22.239 Stimmen. Als größter Konkurrent des früheren Brexit-Vorkämpfers galt ausgerechnet Spaßkandidat Count Binface, Graf Mülltonnengesicht. Er kam auf 9455 Stimmen. Schon vor der Verkündung seines Sieges erklärte sich Farage zum klaren Gewinner. Der offiziellen Veranstaltung, bei der das Ergebnis verkündet wurde, blieb er allerdings fern. Seinen Angaben zufolge informierte ihn die örtliche Polizei über eine geplante Kampagne gegen ihn, ein Reform-Sprecher sprach laut BBC gar von einer »glaubwürdigen Drohung«. Umstrittenes Geldgeschenk erhalten Ausgelöst wurde die Nachwahl von Farage selbst. Erst vor wenigen Wochen gab der auch als »Mr Brexit« bekannte Politiker seinen Parlamentssitz in einem politischen Stunt ab. Zuvor war er unter anderem wegen eines umstrittenen Geldgeschenks in die Schlagzeilen und schließlich in den Fokus einer parlamentarischen Untersuchung geraten. Wie der »Guardian« zuletzt enthüllte, erhielt Farage kurz vor seiner Wahl zum Abgeordneten im Jahr 2024 ein Geldgeschenk in Höhe von fünf Millionen Pfund (rund 5,9 Millionen Euro), das er nicht als Spende deklariert hatte. Seinen Angaben nach handelte es sich um ein persönliches Geschenk ohne Bedingungen. Der Vorgang wurde vom Beauftragten für parlamentarische Standards untersucht. Nach Farages Abgang wurde die Untersuchung jedoch ausgesetzt. Die Wählerinnen und Wähler sollten über sein Handeln entscheiden, sagte er vor wenigen Wochen bei seinem Rücktritt. Wahlkampf hatte sich zur Farce entwickelt Farage hatte die Nachwahl als Duell zwischen den Wählern und dem politischen Establishment zu inszenieren versucht. Entwickelt hatte sich der Wahlkampf jedoch zu einer regelrechten Farce. Alle großen Parteien verzichteten aus Protest darauf, einen Kandidaten oder eine Kandidatin aufzustellen, und warfen ihm ein Ablenkungsmanöver vor. Die Untersuchung gegen Farage wird britischen Medienberichten zufolge mit seinem Einzug ins Unterhaus aller Voraussicht nach wieder aufgenommen. Spaßkandidat Count Binface gemeinsam mit anderen Farage-Herausforderern: Alle großen Parteien verzichteten aus Protest darauf, einen Kandidaten ins Rennen zu schicken Foto: Jack Taylor / REUTERSTrotz der vielfachen Kritik an den Umständen der Nachwahl fanden sich auf dem Wahlzettel neben Farage 33 weitere Kandidaten. Durch die Absage etablierter Parteien galt Spaßkandidat Count Binface alias Jon Harvey als größer Konkurrent. Count Binface tritt regelmäßig bei britischen Wahlen an. Er erinnert an eine Art Weltraumkrieger in einem vage an den »Star Wars«-Bösewicht Darth Vader angelehnten Kostüm mit Umhang und Mülltonne als Helm.

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14. August
FAZ (Politik)

Reform UK: Rechtspopulist Farage wieder ins britische Parlament gewählt

Reform UK : Rechtspopulist Farage wieder ins britische Parlament gewählt Nigel Farage kehrt nach einer ungewöhnlichen Nachwahl ins britische Parlament zurück. Sein Herausforderer „Graf Mülleimergesicht“ könnte schon bald wieder gegen ihn antreten. Der britische Rechtspopulist Nigel Farage zieht wieder ins Parlament in Westminster ein. Der Vorsitzende der Reform-Partei gewann die Nachwahl am Donnerstag im Wahlkreis Clacton-on-Sea mit 62,6 Prozent der abgegebenen Stimmen deutlich. Noch vor der offiziellen Bekanntgabe der Ergebnisse am Freitagmorgen erklärte er sich zum Sieger, sagte jedoch eine für den Vormittag geplante Rede vor Ort ab. Ein Parteisprecher begründete dies gegenüber der BBC mit einer „glaubwürdigen Bedrohung“ gegen den Vorsitzenden. Die Polizei teilte mit, sie habe Farage nicht zu der Absage geraten. Sie könne für die Sicherheit aller Kandidaten sorgen. Seit Farage Anfang Juli als Abgeordneter für Clacton-on-Sea zurückgetreten war und damit die Nachwahl ausgelöst hatte, bestand kaum Zweifel daran, dass er das Mandat zurückgewinnen würde. Umfragen sagten ihm konstant einen deutlichen Sieg voraus. Bereits 2024 hatte Farage in dem Wahlkreis mehr als 46 Prozent der Stimmen erhalten. Als einer der bekanntesten Brexit-Befürworter verfügt er in Clacton seit dem Referendum von 2016 über eine loyale Anhängerschaft. Damals stimmten im Distrikt Tendring, zu dem die Küstenstadt Clacton gehört, 70 Prozent der Wähler für den Austritt aus der EU – eines der höchsten Ergebnisse im Vereinigten Königreich. Parteien boykottierten Nachwahl Im Gegensatz zum Brexit-Referendum und zur Wahl von 2024 war die Wahlbeteiligung am Donnerstag jedoch äußerst gering: Nur 44,4 Prozent der Wahlberechtigten gaben ihre Stimme ab. Damit folgten viele offenbar nicht Farages Aufruf, die Wahl zu einer Abstimmung des Volkes gegen „das politische Establishment“ zu machen. Die im Parlament in Westminster vertretenen Parteien boykottierten die Wahl; Labour, die Konservativen, die Liberaldemokraten und Grüne hatten keinen Kandidaten in Clacton aufgestellt. Sie bezeichneten Farages Rücktritt als „Trick“, um von seinen jüngsten Skandalen abzulenken. Zuvor waren Medienberichte über nicht deklarierte Spenden und Geschenke an den Vorsitzenden der Reform-Partei öffentlich geworden. Dazu zählt unter anderem eine Spende in Höhe von 5,75 Millionen Euro, die er vor zwei Jahren von einem in Thailand lebenden britischen Kryptofinanzier erhalten hatte. Damals hatte er sich erstmals um das Unterhausmandat im Wahlkreis Clacton beworben. Die Vorsitzende der regierenden Labour-Partei, Bridget Phillipson, sagte am Freitagmorgen nach der Verkündung der Wahlergebnisse: „Das ist kein Sieg für Nigel Farage. Der Berg aus Korruption und Skandalen, in dem er und die Partei Reform mittlerweile versinken, ist immer weiter angewachsen. Indem er bei einer Nachwahl gegen eine Mülltonne angetreten ist, versucht er die Öffentlichkeit abzulenken.“ „Graf Mülleimergesicht“ forderte ihn heraus Die Kandidatenliste bei der Nachwahl am Donnerstag war lang: Neben Farage traten 33 weitere Personen an – so viele wie nie zuvor bei einer Abgeordnetenwahl für das britische Parlament. Sein aussichtsreichster Herausforderer war der Comedian Jon Harvey, der unter dem Künstlernamen „Count Binface“ – auf Deutsch etwa „Graf Mülleimergesicht“ – auftrat. Dieser ist bereits bei mehreren Wahlen gegen bekannte Politiker angetreten, etwa gegen die ehemaligen Premierminister Rishi Sunak und Boris Johnson. Jüngst kandidierte er bei der Nachwahl in Makerfield gegen den jetzigen Regierungschef Andy Burnham. Doch nirgendwo war „Graf Mülleimergesicht“ bislang so erfolgreich wie nun in Clacton. Er erhielt 26,9 Prozent der Stimmen – damit fast halb so viele wie Farage. Das Ergebnis lag zudem deutlich über seinen Umfragewerten der vergangenen Wochen. Die von der Wahlkommission und dem Parlament eingeleiteten Untersuchungen gegen Farage wegen der Spenden und Geschenke wurden derweil lediglich verzögert und dauern an. Dem Rechtspopulisten droht ein vorübergehender Ausschluss von den Parlamentssitzungen. Je nach Dauer der Suspendierung wäre möglicherweise innerhalb weniger Monate eine weitere Nachwahl in Clacton-on-Sea erforderlich. „Graf Mülleimergesicht“ kündigte am Freitag im Gespräch mit dem Sender Sky News bereits seine Rückkehr an: „Wir werden doch in ein paar Wochen wieder da sein, oder? Mal sehen, was dann passiert.“

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14. August
Die Welt (Politik)

Nigel Farage gewinnt Nachwahl gegen „Graf Mülltonnengesicht“

Nigel Farage gewinnt Nachwahl gegen „Graf Mülltonnengesicht“ Nigel Farage kehrt ins britische Unterhaus zurück. Zu seinen Rivalen zählte auch ein Spaßkandidat im Mülltonnen-Kostüm. Der offiziellen Veranstaltung zur Verkündung der Ergebnisse bleibt Farage aus Sicherheitsgründen fern. Mit einem Sieg in einer kuriosen Wahl hat sich der britische Rechtspopulist Nigel Farage erneut einen Sitz im Parlament gesichert. Der Chef der Partei Reform UK gewann die Nachwahl im Wahlkreis Clacton in der englischen Grafschaft Essex mit 22.239 Stimmen. Als größter Konkurrent des früheren Brexit-Vorkämpfers galt ausgerechnet Spaßkandidat Count Binface („Graf Mülltonnengesicht“). Er kam auf 9455 Stimmen. Schon vor der Verkündung seines Sieges erklärte sich Farage zum klaren Gewinner. Der offiziellen Veranstaltung, bei der das Ergebnis verkündet wurde, blieb er allerdings fern. Seinen Angaben zufolge informierte ihn die örtliche Polizei über eine geplante Kampagne gegen ihn, ein Reform-Sprecher sprach laut BBC von einer „glaubwürdigen Drohung“. Ausgelöst wurde die Nachwahl von Farage selbst. Erst vor wenigen Wochen gab der auch als „Mr. Brexit“ bekannte Politiker seinen Parlamentssitz in einem politischen Stunt ab. Zuvor war er unter anderem wegen eines umstrittenen Geldgeschenks in die Schlagzeilen und schließlich in den Fokus einer parlamentarischen Untersuchung geraten. Wie der „Guardian“ zuletzt enthüllte, erhielt Farage kurz vor seiner Wahl zum Abgeordneten im Jahr 2024 ein Geldgeschenk in Höhe von fünf Millionen Pfund (rund 5,9 Mio. Euro), das er nicht als Spende deklariert hatte. Seinen Angaben nach handelte es sich um ein persönliches Geschenk ohne Bedingungen. Der Vorgang wurde vom Beauftragten für parlamentarische Standards untersucht. Nach Farages Abgang wurde die Untersuchung jedoch ausgesetzt. Die Wähler sollten über sein Handeln entscheiden, sagte er vor wenigen Wochen bei seinem Rücktritt. Farage hatte die Nachwahl als Duell zwischen den Wählern und dem politischen Establishment zu inszenieren versucht. Entwickelt hatte sich der Wahlkampf jedoch zu einer regelrechten Farce. Alle großen Parteien verzichteten aus Protest darauf, einen Kandidaten oder eine Kandidatin aufzustellen, und warfen ihm ein Ablenkungsmanöver vor. Die Nachrichtenagentur PA sprach im Vorfeld von „einer der seltsamsten Nachwahlen der jüngeren Geschichte“. Die Untersuchung gegen Farage wird britischen Medienberichten zufolge mit seinem Einzug ins Unterhaus aller Voraussicht nach wieder aufgenommen. Sollte dabei ein Vergehen des Reform-Politikers festgestellt werden, droht ihm im schlimmsten Fall ein Ausschluss aus dem Unterhaus – und die nächste Nachwahl mit ungewissem Ausgang. Eine Untersuchung konnte er also nur kurzfristig zum Erliegen bringen. Mit dem Wahlsieg kann er nun untermauern, den Wählerwillen in Clacton hinter sich zu haben. Ein Ritter mit Mülleimer-Helm als größter Gegner Trotz der vielfachen Kritik an den Umständen der Nachwahl fanden sich auf dem Wahlzettel neben Farage 33 weitere Kandidaten. Durch die Absage etablierter Parteien galt als Hauptkonkurrent ausgerechnet der Spaßkandidat Count Binface alias Jon Harvey. Count Binface tritt regelmäßig bei britischen Wahlen an. Er erinnert an eine Art Weltraumkrieger in einem vage an den Star-Wars-Bösewicht Darth Vader angelehnten Kostüm mit Umhang und Mülltonne als Helm. Britische Medien munkelten zuletzt, ob der in Großbritannien bekannte Komiker nicht doch für eine Überraschung sorgen könnte – denn Proteststimmen gegen Farages Manöver galten als möglich. Eine Umfrage im Kreis Clacton prophezeite jedoch bereits den deutlichen Sieg von Farage. Quatschkandidaten wie Count Binface haben in Großbritannien Tradition. Als der frühere Premier Boris Johnson 2019 seinen Sieg bei der Parlamentswahl feierte, tummelten sich neben dem Weltraumkrieger unter anderem noch ein Kandidat im Kostüm der Sesamstraßenfigur Elmo und ein Lord Buckethead (Lord Eimerkopf) gemeinsam auf der Bühne mit dem siegreichen Kandidaten.

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13. August
Süddeutsche Zeitung (Politik)

Podcast: „Auf den Punkt“: Rechtspopulist Farage vs. Mülleimer: Worum es bei Großbritanniens kuriosester Nachwahl geht

Eigentlich ist so eine Nachwahl um einen Sitz im britischen Unterhaus keine große Sache. In diesem Fall ist das aber anders – und das liegt an den Protagonisten. Erster Kandidat: Nigel Farage, der Chef der Partei Reform UK. Der Mann, der 2015 mit seiner Brexit-Kampagne entscheidend für den EU-Austritt Großbritanniens war. Und der in Zukunft noch Premierminister werden will. Und – zweiter Kandidat: Count Binface, ein Satirepolitiker, der sich selbst als intergalaktischer Krieger bezeichnet, der 5900 Jahre alt ist. Über den Kopf trägt er einen Mülleimer. Die Nachwahl im Wahlkreis Clacton ist nötig, weil Farage Anfang Juli seinen Sitz im Parlament abgegeben hat. Dort gab es Ermittlungen gegen ihn, weil er umgerechnet 5,8 Millionen Euro von einem Krypto-Investor bekommen haben soll. Als persönliches Geschenk. Diesen Ermittlungen wollte er durch seinen Rücktritt entgehen. Nach seinem Rücktritt hat Farage allerdings sofort gesagt, dass er wieder kandidieren wolle. Er ist also zurückgetreten, um sich wiederwählen zu lassen. Die anderen Parteien in Großbritannien, die sozialdemokratische Labour-Partei und die konservativen Tories werfen Farage deswegen jetzt vor, aus den Wahlen einen politischen Stunt zu machen. Eigene Kandidaten haben sie aus diesem Grund nicht aufgestellt. Diese besondere Nachwahl und welchen Schaden Farage dabei nehmen könnte, analysiert in dieser Folge von „Auf den Punkt“ Michael Neudecker, der bis vor Kurzem für die SZ aus Großbritannien berichtete. Weitere Nachrichten: Höcke geht auf BSW zu; Trump-Sprecherin geht. Zum Weiterlesen: Hier lesen Sie den „Showdown der Clowns“ von A.L. Kennedy. Moderation, Redaktion: Leopold Zaak Redaktion: Lea Brüggemann, Pauline Claßen, Johannes Korsche Produktion: Laura Sagebiel Zitiertes und zusätzliches Audiomaterial über @realcountbinface via Youtube. So können Sie unseren Nachrichtenpodcast abonnieren: „Auf den Punkt“ ist der tägliche Nachrichtenpodcast der Süddeutschen Zeitung zu den wichtigsten Themen des Tages. Sie finden alle Folgen auf sz.de/nachrichtenpodcast. Verpassen Sie keine Folge und abonnieren Sie unser Audio-Angebot in Ihrer Lieblings-Podcast-App oder bei iTunes und Spotify. Eine Übersicht über all unsere Podcasts finden Sie unter www.sz.de/podcast und hier erfahren Sie, wie Sie unsere Podcasts hören können. Sie haben Fragen oder Anregungen? Dann schreiben Sie uns: podcast@sz.de.

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13. August
ZDF heute

Scheitert "Mr. Brexit" an "Graf Mülleimergesicht"?

Entscheidende Wahl für Nigel Farage:Scheitert "Mr. Brexit" an "Graf Mülleimergesicht"? von Julia Schulze, London Anfang Juli legte der Vorsitzende der Partei Reform UK, Nigel Farage, sein Parlamentsmandat nieder. Nach einer Spendenaffäre war er in die Kritik geraten. Nun tritt er erneut an. Nachdem die Zeitung "The Guardian" im April eine Zuwendung des Krypto-Milliardärs Christopher Harborne in Höhe von fünf Millionen Pfund an den britischen Rechtspopulisten offengelegt hatte, sah Nigel Farage sich mit Vorwürfen konfrontiert. Rücktritt nach Berichten über Millionenspende Harborne unterstützte auch die rechtspopulistische Reform UK mit rund 25 Millionen Pfund (29,24 Millionen Euro). Die umgerechnet 5,86 Millionen Euro wiederum hatte Farage kurz vor seiner Wahl zum Abgeordneten erhalten und nicht als Spende deklariert. Er selbst sieht sich zwar als Opfer einer Hetzkampagne, die von Medien und politischen Gegnern ausgehe. Dennoch verkündete er, dass er sein Mandat niederlege, wohl auch, weil der Druck in den eigenen Reihen gewachsen ist. Wie Farage das Geld verwendete, dazu will er sich nicht rechtfertigen. In einem Interview mit der BBC sagte er: Das geht Sie gar nichts an! Nigel Farage, Vorsitzender von Reform UK Unverzüglich nach dem Rücktritt kündigte Farage dann an, bei der Nachwahl erneut anzutreten, um sein Mandat wiederzugewinnen. Anfang Juli legte der Vorsitzende der Partei Reform UK, Nigel Farage, sein Parlamentsmandat nieder. Nach einer Spendenaffäre war er in die Kritik geraten. Nun tritt er erneut an. 13.08.2026 | 2:37 minClacton als idealer Schauplatz? 2024 konnte die rechtspopulistische Partei Reform UK bei den landesweiten Parlamentswahlen zum ersten Mal ins Parlament einziehen. Damals gewann sie fünf Sitze, einen davon erhielt ihr Vorsitzender Nigel Farage. Nun erhofft er sich in seinem Wahlkreis Clacton im Südosten Englands erneut Rückenwind. Rund 80.000 Menschen sind wahlberechtigt. Ich habe entschieden, dass die Menschen in Clacton-on-Sea die Richter meines Handelns sein sollen. Nigel Farage, Vorsitzender von Reform UK Siebenmal hatte er sich im Laufe seiner Karriere erfolglos als Abgeordneter aufstellen lassen. Erst die Wähler Clactons brachten ihm bei den Parlamentswahlen 2024 die nötigen Stimmen. Auch dieses Mal soll die Stadt ihm Rückendeckung bieten. Clacton gilt als Hochburg EU-skeptischer Wähler. Etwa 70 Prozent stimmten vor zehn Jahren beim Brexit-Referendum für den Austritt aus der EU. Nigel Farage stand schon auf dem Abstellgleis, war Gast im Dschungel-Camp, ein politischer Außenseiter. Heute rechnet er sich sogar Chancen aus, Regierungschef zu werden. Was ist passiert? 07.11.2025 | 14:59 minNachwahl ohne große Parteien Der wegen seines langjährigen Einsatzes für den Brexit oft als "Mr. Brexit" bezeichnete Politiker kann sich gute Chancen auf einen Wahlsieg ausrechnen. Zwar treten insgesamt 34 Kandidaten an. Die großen Parteien aber, unter anderem auch die Regierungspartei Labour, verzichten darauf, einen Kandidaten aufzustellen. Sie sehen die Nachwahl als politischen Stunt - also als Trick - an. Oppositionsführerin Kemi Badenoch von der Konservativen Partei erklärte, die Tories würden sich nicht an "der Scheinnachwahl, die Nigel Farage inszeniert, um die Menschen davon abzulenken, was gerade passiert", beteiligen. Die laufenden Ermittlungen der Parlamentskommission gegen Farage sind durch seinen Rücktritt vorläufig auf Eis gelegt. Fortgesetzt würden sie jedoch, sollte Farage erneut ins Parlament einziehen. Im extremsten Fall könnten sie zu seinem Ausschluss aus dem Unterhaus führen. Der Chef der britischen Rechtspopulisten, Nigel Farage, legte sein Parlamentsmandat aufgrund eines umstrittenen Geldgeschenks nieder. 07.07.2026 | 0:35 minKurioser Konkurrent für Farage Es scheint, als sei der in England bekannte Comedian "Graf Mülleimergesicht" (Count Binface) Farages größter Gegner. Der Name dieser politischen Kunstfigur ist wörtlich zu verstehen, verkörpert wird sie vom Londoner Komiker Jon Harvey. Einige der zwanzig Vorschläge von Count Binface sind ein Referendum über die Wiedereinstufung Plutos als Planet oder die Finanzierung von Solarzellen für alle durch Öl- und Gasfirmen. Andy Burnham, mittlerweile britischer Premier, sagte am Rande einer Veranstaltung Anfang Juli: Count Binface, Sie tragen die Hoffnungen der Nation. Enttäuschen Sie uns nicht. Andy Burnham, Premierminister von Großbritannien Mit Lügen, Feindbildern und radikalen Ideen haben die Populisten die Briten vom Brexit überzeugt. Die Bilanz: düster. 30.01.2024 | 12:33 minPolitische Bewährungsprobe Diesen Donnerstag dürften sich im Vereinigten Königreich alle Augen auf Nigel Farage richten. Die Nachwahl wird zeigen, ob die Wähler ihm erneut das Vertrauen aussprechen. Es könnten sich auch sämtliche Kritiker gegen ihn stellen - und etwa geschlossen für Count Binface stimmen. Für Nigel Farage, den Politiker, der sich Chancen auf das Amt des britischen Premierministers ausrechnet, steht dabei viel auf dem Spiel. Lassen Sie sich Beiträge von ZDFheute bevorzugt bei Google anzeigen. → Hier ZDFheute als bevorzugte Quelle einstellen. Weitere Nachrichten aus Großbritannien - Mutmaßlicher Mord an Brexit-Politikerin:Fall Ann Widdecombe: Erneut Verdächtiger festgenommenmit Video0:46 - Debatte um Labour-Führung:Hat Andy Burnham eine neue Vision für Großbritannien?von Sonja Dawsonmit Video1:38 - Zehn Jahre nach der Abstimmung:Wie Großbritannien mit dem Brexit lebt - und leidetSonja Dawson, Londonmit Video1:39 - Gemeinsame Reserven geplant:Seltene Erden: Großbritannien und Deutschland kooperierenmit Video0:42

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13. August
Tagesschau

Großbritannien: Farages Pokerspiel mit der Nachwahl

Großbritannien Farages Pokerspiel mit der Nachwahl Eine Nachwahl soll dem britischen Rechtspopulisten Farage den Rücken stärken. Nach dubiosen Millionen-Spenden hat er sein Mandat niedergelegt - will aber heute durch die Nachwahl zurück ins Parlament. Geht sein Kalkül auf? Die besten Tage von Clacton-on-Sea sind längst vorbei. Von den 1930er- bis in die 1950er-Jahre war der Badeort an der Ostküste Englands ein beliebtes Ausflugsziel. Doch die Jahre des Booms sind vorbei. In der Region gibt es heute keine Industrie, die Arbeitslosigkeit ist höher als in anderen Landesteilen. Direkt am Strand gibt es ein Riesenrad, Eiscreme-Geschäfte, Glücksspiel. Dies ist eine Hochburg der Rechtspopulisten von Reform UK. Es ist der Wahlkreis des Parteivorsitzenden Nigel Farage. Hier wurde er 2024 nach vielen Anläufen erstmals ins Parlament gewählt, hier möchte er wiedergewählt werden - in einer Nachwahl, auf die das ganze Land schaut. Anthea Chapman sitzt vor einem Café. Sie hat 2024 Farage gewählt und will ihn diesmal wieder wählen. In Clacton wohnten viele ältere Menschen, die nicht an erster Stelle stünden, sagt sie. Man bekomme keine Arzttermine - und das habe "mit der Zahl der Migranten zu tun, die hierherkommen", glaubt sie. Clacton-on-Sea hat schon bessere Tage gesehen. Das weit verbreitete Gefühl, vergessen worden zu sein, war einer der Gründe für den Wahlerfolg Farages hier vor zwei Jahren. Dubiose Zahlungen Zu der Wahl in Clacton kam es, weil Farage als Abgeordneter zurücktrat - mitten in einer Spendenaffäre. Er soll fünf Millionen Pfund erhalten haben, die er der Parlamentsverwaltung nicht gemeldet hat. Außerdem hat die Partei zwei Zahlungen erhalten, die die Polizei derzeit prüft. Farage steht unter Druck und verteidigt die Zuwendungen mit wechselnden Begründungen, trat aber am 7. Juli zurück, um eine Neuwahl auszulösen: "Ich habe entschieden, dass die Menschen von Clacton die Richter meines Verhaltens sein sollen", verkündete er mit viel Pathos. "Dies wird eine Wahl: das Volk gegen das Establishment." Nebeneffekt dieser Entscheidung: Eine parlamentarische Untersuchung der Zahlungen, die am Ende zu einer Suspendierung des Abgeordneten führen könnte, ist vorerst gestoppt. Ein "Mülleimergesicht" als Konkurrenz Die anderen großen Parteien kritisierten den Schritt als Trickserei und Ablenkungsmanöver und haben erst gar keine Kandidaten aufgestellt. Auf dem Wahlzettel stehen so zahlreiche Parteilose, darunter Count Binface. Diese Kunstfigur trägt eine Ritterrüstung mit Umhang, über dem Kopf ein Mülleimer. Die Gestalt weckt Erinnerungen an die Monty-Python-Filme der 1970er-Jahre und stellt sich so vor: Er sei ein außergalaktischer Krieger vom Planeten Sigma 9. Dahinter steckt der Comedian Jon Harvey, der in den vergangenen Wochen mit Interview-Anfragen überschüttet wurde. In der Vergangenheit war er schon in anderen Wahlkreisen angetreten, aber diesmal ist seine Kandidatur ernster als sonst: Immerhin liegt er in den Umfragen nach Farage auf Platz 2. Sein Programm: Eiscreme soll wieder billig sein, Schlaglöcher will er mit Parteiprogrammen von Labour zustopfen und er verspricht, öfter in Clacton zu sein als in Washington DC - was eine Anspielung auf Farage ist, dem vorgeworfen worden war, sehr oft im Umfeld der MAGA-Bewegung von Präsident Donald Trump in den USA unterwegs zu sein, aber kaum in Clacton-on-Sea. Count Binface dürfte am Ende die Nachwahl verlieren - wie schon bei vorherigen Versuchen in anderen Orten. Und doch ist er in den Umfragen der größte Konkurrent von Farage. Neuauflage der Untersuchung? Auch Fiona McDonald ist gerade auf der Strandpromenade unterwegs. Sie will Count Binface wählen - gegen den Hass, wie sie sagt. Sie kritisiert den Schritt von Farage, die Menschen darüber abstimmen zu lassen, wie die Spendenaffäre von Reform UK und ihrem Kandidaten in Clacton zu bewerten sei. Es seien längst nicht alle Fakten bekannt. Dafür gebe es Parlamentsausschüsse, die sich mit solchen Sachverhalten beschäftigen. Farages Schritt, die Neuwahl auszulösen, nennt sie "lächerlich". Farage braucht dringend einen deutlichen Sieg. In den landesweiten Umfragen hat Reform UK zuletzt deutlich verloren. Die Labour-Partei konnte nach dem Rücktritt des unbeliebten Keir Starmer und mit dem Amtsantritt des neuen Premiers Andy Burnham deutlich zulegen. Doch wenn Farage gewinnen sollte und wieder ins Unterhaus einzieht, dürfte das Parlament auch wieder die Untersuchung aufnehmen, die nach seinem Rücktritt als Abgeordneter gestoppt worden war.

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13. August
Handelsblatt

Nachwahl in Großbritannien: Komiker im Mülleimer-Kostüm fordert Farage heraus

Nachwahl in Großbritannien: Komiker im Mülleimer-Kostüm fordert Farage heraus London. Bei der Nachwahl im englischen Küstenort Clacton will der Rechtspopulist Nigel Farage am Donnerstag seinen Rückhalt bei der Wählerschaft demonstrieren und sich als Kämpfer gegen das Establishment positionieren. Er trifft auf einen ungewöhnlichen Gegner: „Count Binface“ – eine vom Komiker Jonathan Harvey geschaffene Kunstfigur, die in einem Mülleimer-Kostüm steckt. Die großen Parteien boykottieren die Abstimmung. Sie sehen darin einen politischen Schachzug, mit dem der Chef der Partei Reform UK von Fragen zu Spenden und Offenlegungspflichten ablenken wolle. Farage tritt gegen mehr als 30 Konkurrenten an. Count Binface dürfte sein schärfster Herausforderer sein. Wegen der vielen unabhängigen Bewerber und Spaßkandidaten kommt bei der Wahl der längste Stimmzettel in der britischen Politikgeschichte zusammen. Farage hatte sein Parlamentsmandat im vergangenen Monat überraschend niedergelegt, um sich eine neue Legitimation durch die Wähler zu sichern. Dem Schritt waren Vorwürfe vorausgegangen, er habe eine Spende eines Milliardärs in Höhe von fünf Millionen Pfund nicht ordnungsgemäß deklariert. Farage wies die Anschuldigungen zurück und erklärte, es habe sich um ein persönliches Geschenk gehandelt, für das keine Meldepflicht bestehe. Der zuständige Parlamentsausschuss untersucht den Fall derzeit. Sollte Farage gegen die Regeln verstoßen haben, könnten Sanktionen folgen, die eine weitere Wahl in dem Bezirk auslösen würden. Abgeordnete müssen Spenden aus dem Jahr vor einer Wahl normalerweise innerhalb eines Monats nach Amtsantritt melden.

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13. August
taz (Öko & Co)

Nachwahl in Großbritannien: Nigel Farage gegen Graf Mülleimer

Nachwahl in Großbritannien: Nigel Farage gegen Graf Mülleimer Der britische Rechtspopulist Farage hat sein Parlamentsmandat niedergelegt, damit seine Stammwähler ihn neu wählen. Zu Besuch in Südenglands Armenhaus. D ie türkisfarbenen runden Schilder sind in Jaywick allgegenwärtig. Auf einer Seite sieht man Nigel Farage, der vor dem Hintergrund eines Riesenrads auf der Strandpromenade mit dem Finger in die Kamera zeigt, dazu die Parole „I Am With Nigel“. Auf der anderen Seite steht in großen Buchstaben: „I Am Voting Reform UK“. Einige Schilder sind sogar von Farage handsigniert. Es geht an diesem Donnerstag um alles oder nichts für Nigel Farage, einen der bekanntesten britischen Politiker und Anführer der rechtspopulistischen Partei Reform UK. 2024 wurde er für den Wahlkreis Clacton an der südostenglischen Nordseeküste rund 100 Kilometer von London entfernt ins Parlament gewählt. Fast genau zwei Jahre später, am 8. Juli 2026, trat er als Abgeordneter zurück und löste damit eine Nachwahl aus, zu der er selbst wieder kandidiert. Angesichts von immer neuen Presseenthüllungen über Geldgeschenke von dubiosen Geschäftsfreunden, die möglicherweise nicht korrekt deklariert worden sind, drohte ihm nämlich eine parlamentarische Untersuchung, die zu einer parlamentarischen Suspendierung und einer erzwungenen Nachwahl hätten führen können. Um das abzuwenden, suchte Farage die Flucht nach vorn und legte seinen Sitz von sich aus nieder: Seine Wähler sollen bestätigen, dass sie weiter von ihm vertreten werden wollen. Die ärmste Gemeinde Englands Jaywick, das im Wahlkreis Clacton am Rande des Hauptorts Clacton-on-Sea liegt, gilt als die ärmste Gemeinde Englands. Vom Flutwall und der 1 Kilometer langen Brooklands Road führen knapp 20 enge Sackgassen parallel zueinander landeinwärts, mit kleinen Einfamilienhäusern, teils aus den 1930er Jahren und größtenteils aus Fertigbauteilen hergestellt. Damals wurden Jaywick und Clacton-on-Sea als Urlaubsorte am Strand für Londons Arbeiterklasse angepriesen. Diese Zeiten sind lange vorbei, inzwischen steigt hier der Meeresspiegel wie überall an der britischen Nordseeküste, und weder staatliche noch private Investoren stecken noch Geld in Infrastruktur oder Wohnobjekte. Manche Häuschen sind in gutem Zustand, mit gepflegten Vorgärten. Bei anderen sind die Mauern marode, die Zäune kaputt und die Vorgärten voller Gerümpel. Manche Häuser stehen verlassen und verwaist dazwischen, eines hatte beim Besuch der taz sogar eine Polizeiabsperrung. Während hinter einigen Zäunen Hunde beim Vorbeigehen bellen und knurren, steht bei anderen die Gartentür und die Haustür offen. Viele Menschen auf der Straße sind offensichtlich stark übergewichtig, und auffällig viele sind stark tätowiert. Suchtkrankheiten, Diabetes und psychische Leiden sind hier neben genereller Armut keine Seltenheit. Auch die Kriminalität ist hier statistisch höher als vielerorts. Arm und arbeitslos – das ist Farages Wählerbasis Jarwick dominiert seit 2011 immer wieder die britischen Armutsstatistiken. Bis zu zwei Drittel der Erwachsenen stehen in keinem Arbeitsverhältnis, 62 Prozent aller Menschen im arbeitsfähigen Alter sind auf Sozialhilfe angewiesen. Die Lebenserwartung in Jaywick liegt erschreckende 18 Jahre niedriger als in wohlhabenden Gegenden Südenglands. Das ist die treue Wählerbasis von Nigel Farage. Für Ben, einen 65-jährigen ehemaligen Lkw-Fahrer, der in Jaywick vor seinem Haus unter der britischen Flagge in seinem Vorgarten in der Abendsonne sitzt, hat Farage alles richtig gemacht. „Statt ein Urteil von denen im Parlament abzuwarten, gibt er uns, den Menschen, die in gewählt haben, die Möglichkeit zu urteilen, ob wir sein Verhalten falsch finden.“ Das sei demokratisch. Und das Parlament habe sich gegen Farage verschworen, weil es Angst vor ihm habe. Genauso argumentiert Nigel Farage selbst auch. Keine andere größere Partei, also weder Labour noch die Konservativen, Liberaldemokraten oder Grünen, beteiligen sich an der Nachwahl. Nicht dass Ben eine davon wählen würde: „Die sind seit jeher an den Hebeln der Macht, aber nichts hat sich für uns verändert.“ Außerdem will er nicht, dass Geld an Asylsuchende geht. Er liebt England, erläutert er, und erzählt, dass er früher im Militär war. Was bedeutet Liebe zu England für ihn? „Dies ist ein christliches Land und kein muslimisches!“, kommt zurück wie aus der Pistole geschossen. Auch Jaywick sei ein guter Ort. Zum Abschied warnt er vor Nachbarn am Ende der Sackgasse. „Gehen Sie nicht da runter, das ist gefährlich.“ Weshalb, will er nicht sagen. Ein Sessel für den Hund Das verrät dann ein anderer Nachbar eine Straße weiter: Da werde oft nachts mit lauter Musik durchgefeiert, berichtet der 47 Jahre alte Jack. Er lebt mit einem Hund, für den ein alter Sessel im Hof steht. Die Tür weit offen, begrüßt Jack die taz in Sporthose und nacktem Oberkörper. Dass er hier wohnen kann, sei ein Glücksfall. „Ich suchte nach einer Bleibe, und das Haus gehörte meinem Boss, für den ich Bauarbeiten mache. Er wusste von meiner Not und bot mir das Haus an.“ Seitdem hat er das Haus vollkommen saniert, erzählt er. Die Gegend sei in Ordnung, man helfe sich hier gegenseitig. Außerdem habe jede Straße einen anderen Charakter. Von der Politik hält Jack nicht viel. „Nichts im Leben der Politiker ist wie unser Leben hier. Die leben in einer anderen Welt.“ Auch von den Farage-Schildern hält er nichts. „Die schieben alles auf Flüchtlinge. Ich glaube, dass ich mehr mit Flüchtlingen aus einem Land im Krieg gemeinsam habe als mit vielen anderen. Die haben das Leben von der untersten Seite gesehen und versuchen, ihr Leben zu verbessern.“ Jack geht kurz in sein Haus und kommt mit einem Flugblatt wieder heraus. Es ist von Count Binface. „Ich habe das extra aufgehoben“, sagt er. Der Konkurrent: Graf Mülleimergesicht Hinter der fiktiven Gestalt „Count Binface“ – Graf Mülleimergesicht – steht der Komödiant Jonathan Harvey. Er tritt mit einem Spaßprogramm bei jeder Wahl in England an, bei der sich die Gelegenheit ergibt, und stellt sich mit seinem großen Blecheimer auf dem Kopf, der sein Gesicht verbirgt, zwischen die anderen Kandidaten. In Clacton hat Count Binface jetzt eine unerwartet prominente Rolle bekommen: als bekanntester Gegenkandidat von Nigel Farage, weil alle etablierten Parteien die Wahl boykottieren. Für Jack hat die Kampagne des Mannes im Blecheimer einen symbolischen Wert. Er kann sich sogar vorstellen, ihn zu wählen, denn seine irrsinnigen politischen Pläne ergebe mehr Sinn als die Versprechen der anderen, findet er. „Hier“, sagt er, und zeigt auf eine Stelle auf dem Flugblatt, „er verspricht, mindestens eine Sozialwohnung zu bauen, und er wird dieses Versprechen sicherlich halten können.“ Count Binface fordert unter anderem auch einen Preisdeckel auf Eis, bessere Gewinnchancen an Spielautomaten an der Strandpromenade und höhere Steuern auf Krimis von Ghostwritern, und er schlägt vor, alle Schlaglöcher auf den Straßen mit den Restbeständen des Labour-Wahlprogramms von 2024 zu füllen. Zeitweise trauten manche Beobachter Count Binface sogar einen Wahlsieg gegen Nigel Farage zu. Aktuelle Umfragen bescheinigen ihm immerhin einen möglichen Achtungserfolg. Denn auch in Clacton gibt es viele Leute, die mit Farage nichts am Hut haben. Mark Parham, ein ehemaliger Universitätsdozent und Autor, hat an seinem Fenster eine Pride-Flagge und einen Flyer für Count Binface angebracht. „Ich will damit Farage provozieren“, sagt Parham, der seit einigen Jahren erblindet ist und nur noch Schatten sieht, als er die taz zum Gespräch in sein Haus lässt. Die Katze Sophie Scholl Politisch glaubt Parham, noch klare Sicht zu haben. Als Jugendlicher in Ostlondon in den 1980er Jahren legte er sich mit Nazis an. Er erinnert sich, wie ihm im Bus einst ein Holocaust-Überlebender für seinen antifaschistischen Aufnäher an der Jacke dankte. Seine Katzen heißen Sophie Scholl, George Orwell, Betty Alan und Elkenn van Faden. „Reform UK und Farage sind zweifellos faschistisch“, findet Parham. „Sie schaffen Sündenböcke, wollen die Presse kontrollieren und dämonisieren Menschen. Das ist alles aus den Spielregeln Hitlers.“ Dass die Rechten die britische Flagge für sich beanspruchen, empört ihn – der Union Jack sei für ihn ein anderes Symbol, ein Symbol gegen den Faschismus. „Meine Urgroßväter bekämpften ihn und ein Großonkel kam bei einem deutschen V2-Raketeneinschlag im Ostlondoner Viertel Hackney ums Leben.“ Nun lebt er in Clacton und ist frustriert. „Ich habe aufgegeben, auch wenn es hier eine Minderheit von Progressiven gibt. Viele leben in Ignoranz und sind stolz darauf, dass sie noch nie ein Buch gelesen haben.“ Hier lebt „die Arbeiterklasse der Arbeiterklasse“, so beschreibt er es: Boomer, die in der Thatcher-Ära ihre Sozialwohnungen kaufen durften, sie dann gewinnbringend weiterverkauften und jetzt ihre Position gegen die nachfolgenden Generationen verteidigten, die mit Menschen unterschiedlicher Hintergründe weniger Probleme haben. Der Moderator klärt auf Während Parham die Hoffnung aufgegeben hat, kommt Filmregisseur und Moderator Adam Brichto, 52, jeden Tag ins Stadtzentrum, um zu versuchen, Menschen über Farage aufzuklären. Dafür trägt er einen Union-Jack-Anzug, um aufzufallen. Die Videos seiner verfilmten Begegnungen, nicht nur in Clacton, sondern auch bei vorherigen Wahlen, kann man in den sozialen Medien verfolgen, finanziert von der unabhängigen linken Onlinezeitung The Canary. Er erklärt: „Ich will Wahrheiten über Farage enthüllen, etwa dass er sich ein Haus für 1,4 Millionen Pfund hier gekauft hat, wo sich Menschen hier kaum etwas leisten können. Wieso hat er kein Geld an Clacton gespendet? Wissen Sie, ich will einfach, dass die Menchen hier nicht gegen ihre eigenen Interessen stimmen.“ Aber diese Stimmen sind in der Minderheit. Im Pub The Three Jays in einem einfachen Flachbau in Jaywick hat die 39-jährige Wirtin Poster von Farage und Reform UK an der Wand anbringen lassen. Er sei ein netter Mann und sehr zugänglich, beschreibt sie den Politiker, der bei ihr auch schon öfter ein Bierchen getrunken habe. „Anfangs wollte ich nicht auf ihn zugehen, weil ich viel zu viel zu tun hatte, da kam er einfach auf mich zu.“ Farage verspricht Hilfe Stammgast Nicholas Donegan, 50 und selbstständiger Elektriker, ist auch für Farage. „Ich bin in Osnabrück in Deutschland in einer britischen Armeefamilie auf die Welt gekommen und habe irische Vorfahren, und ich stehe voll hinter Farage“, sagt er und bestätigt, ihn hier auch schon getroffen zu haben. „Er hilft Leuten und hat einem Freund, der in der Patsche sitzt, versprochen, sein Anliegen im Parlament anzusprechen. Ich würde Farage in mein Haus lassen, aber keine anderen Politiker“, sagt er. Und er hat noch weitere Gründe. „Wir müssen die Grenzen kontrollieren und sie schließen.“ Er erwähnt einen Fall dreier Asylsuchender, die vor Kurzem für eine von ihnen selbst verfilmte Gruppenvergewaltigung im Badeort Brighton verurteilt worden sind. „Ich bin kein Rassist, ich verstehe, dass das ein paar wenige Leute unter vielen waren. Aber diese Menschen kommen hier auf Booten völlig ohne Hintergrundchecks herein.“ Außerdem: Dass dieser Clown, er meint Count Binface, sich hier aufstellen lasse, sei eine Beleidigung für die Gegend. Neben Nigel Farage und Count Binface gibt es noch 32 weitere Kandidaten bei dieser Nachwahl. Immerhin 14 davon drängeln sich bei einer abendlichen Wahlveranstaltung auf der Bühne des neoklassisch verzierten Theatersaals des Rathauses von Clacton-on Sea. Knapp 100 Gäste sind gekommen, viele davon Presse oder Wahlkampfaktivist:innen einzelner Kandidat:innen, normales Publikum gibt es wenig. Farage und Count Binface sind nicht da. Die Kandidatenriege ist ein Mischmasch aus rüstigen Rentnern, Wichtigtuern, Rechtsextremisten, Ultralinken, Religiösen und Ortsansässigen. Die meisten haben noch nie Politik gemacht, manche vergessen bei der Ansprache, ihren Namen zu sagen. Einer betont, er habe mal für Barack Obama gearbeitet. „Ich habe für alles einen Plan“, sagt er. Viele fordern den radikalen Umbau Einer sagt, er sei ein KI-Experte aus Australien. Viele wollen radikale Systemveränderungen, von der Abschaffung aller Berufspolitiker:innen bis zur Remigration aller Einwanderer. Gefordert werden aber auch eine Regenerierung des Stadtzentrums, mehr Arbeitsplätze, eine bessere Gesundheitsversorgung, ein besserer Nahverkehr – derzeit gibt es nur einen Zug pro Stunde nach Clacton-on-Sea – und ein besseres und vor allem ganzjähriges Kulturangebot und Nachtleben, damit die jungen Menschen nicht alle wegziehen, sobald sie können. Der 67-jährige Michael O’Keeff kandidiert, weil ihn stört, dass die Menschen hier zwischen einem Rechtspopulisten und einem Komödianten wählen sollen. Diese Nachwahl koste die Steuerzahler 200.000 Pfund, ärgert er sich. „Farage spricht von einem kaputten Land und spricht stets über die schlimmen Bootsflüchtlinge, von denen aber die meisten laut Innenministerium echte Flüchtlinge sind. Er verspricht, sich für die Leute einzusetzen, war aber nur bei etwa 30 Prozent aller Abstimmungen im Unterhaus anwesend.“ Zuhörer Peter, um die 60, mit langen Haaren und Biker-Jeansjacke, wiederum ist frustriert, dass es zwar 34 Kandidaten gibt, aber niemanden Seriösen. Von Farage ist er enttäuscht. „Ich habe Nigel vollkommen unterstützt und mich für ihn eingesetzt“, erzählt er. Dann kam die Affäre um die Millionenspenden – angeblich für Farages persönliche Sicherheit, aber das sei ja wohl ein Witz: „Farage läuft hier im Wahlkampf unter den Leuten herum, man könnte ihn blind aus einem Kilometer Entfernung angreifen, während er gleichzeitig keine Sprechstunden anbietet, aber behauptet, er sei unserer Gegend treu, weil wir ihn ins Unterhaus gewählt haben.“ Ein Anwohner über Nigel Farage Es bröckelt langsam für Farage und Reform UK. In den Meinungsumfragen ist der Höhenflug vorbei, vor allem weil Labours neuer Premierminister Andy Burnham besser ankommt als Keir Starmer. Für eine Wahlniederlage in Clacton wird es wohl nicht reichen, dafür fehlen die überzeugenden Alternativen. Aber so oder so dürfte der Rechtspopulist aus dieser Nachwahl geschwächt hervorgehen, findet der linke Ex-Dozent Mark Parham. „Gewinnt er, dann hat er gegen einen Mülleimer gewonnen – verliert er gegen den Mülleimer, ist er ruiniert.“ Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen meistkommentiert

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11. August
FAZ (Politik)

Nachwahl in England: Farage tritt gegen „Graf Mülleimergesicht“ an

Nachwahl in England : Farage tritt gegen „Graf Mülleimergesicht“ an Nigel Farage will die Nachwahl in Clacton zur Abstimmung über Großbritanniens „Establishment“ machen und eine Spendenaffäre in den Hintergrund drängen. Ein Herausforderer sticht optisch heraus. Das Sommervergnügen setzt sich in Clacton-on-Sea aus Riesenrad, Achterbahn, Spielhallen und Strand zusammen. Die Anlagen sind sichtlich in die Jahre gekommen. Nun bringt ausgerechnet ein Wahlkampf neue Farbe in das Seebad. Der Rechtspopulist Nigel Farage, der hier seinen Wahlkreis hat, will die Bürger von Clacton zu einem demonstrativen Unterstützungsakt aufstacheln: Vor fünf Wochen gab er sein Unterhausmandat zurück, nur um sich in der Nachwahl an diesem Donnerstag wieder um den Sitz zu bewerben. Farage zieht unter der Maxime „Angriff ist die beste Verteidigung“ in den Wahlkampf an der Küste von Essex. Seine Partei Reform UK hatte bis vor Kurzem unangefochten den Spitzenplatz in britischen Meinungsumfragen inne. Nun scheint die regierende Labour-Partei unter dem neuen Premierminister Andrew Burnham wieder Terrain zurückzugewinnen. Farages Flucht nach vorn unmittelbar ausgelöst haben diverse Spenden an ihn selbst und an Reform UK. Der Beauftragte, der über die Einhaltung der parlamentarischen Verhaltensregeln wacht, auch die staatliche Wahlkommission ermitteln deswegen gegen ihn. Eine Botschaft nach London Farage fasst diese Institutionen lieber unter dem Begriff „das Establishment“ zusammen. Die Bürger von Clacton und den umliegenden Orten nördlich der Themsemündung sollen nach dem Willen des Anführers der erfolgreichen Brexit-Kampagne vor zehn Jahren „denen in London“ eine „deutliche Botschaft“ senden. Und diese Mitteilung, die Farage selbst in seinen Flugblättern formuliert, lautet: „Dass es ja doch die Leute von Clacton sind, nicht die alten Westminster-Parteien und ihre Pressesprachrohre, die unseren Wahlkreisabgeordneten aussuchen.“ Die „alten Westminster-Parteien“ haben gleich nach Farages kombinierter Rücktritts- und Kandidaturankündigung im Juli beschlossen, dass sie an dessen Robin-Hood-Inszenierung nicht mitwirken. Deshalb haben sie keine eigenen Kandidaten nominiert. Dass die Stimmzettel, auf denen die Einwohner am nächsten Donnerstag ihr Kreuz vermerken sollen, trotzdem eine Rekordlänge erreichen, liegt an der immensen Zahl unabhängiger Kandidaten. 33 Bewerber haben sich entschlossen, gegen die Zahlung der für alle Kandidaten obligatorischen Kaution von umgerechnet knapp 600 Euro gegen den Rechtspopulisten anzutreten. Farage macht sich rar Der bekannteste unter den Herausforderern Farages tritt unter dem Künstlernamen „Count Binface“ auf. Das heißt in wortgetreuer Übersetzung „Graf Mülleimergesicht“. Es ist ein Titel, der nur dann plausibler wird, wenn man auch seine Erscheinung in Betracht zieht: Der Graf trägt eine Art Rüstung aus verchromtem Plastik und auf dem Kopf einen geschlossenen Helm in der typischen Form eines blechernen Ascheneimers. Die Montur wirkt wie eine Mischung aus Star Wars und Ritter Rost. Der blecherne Graf hat Erfahrung mit Wahlkämpfen. Er ist in bisher sechs Kampagnen auch schon gegen Boris Johnson, Rishi Sunak – und erst im Juni gegen den aktuellen Premierminister Burnham – angetreten. Das Wahlprogramm der Figur, hinter der sich der Komödientexter Jon Harvey verbirgt, enthält das Versprechen, die Schlaglöcher am Ort mit den Druckausgaben des jüngsten Labour-Wahlprogramms zu stopfen und „mehr Zeit in Clacton-on-Sea als in Washington D.C.“ zu verbringen. Letzteres spielt auf Farages Nähe zum amerikanischen Präsidenten Donald Trump und seine häufigen Abstecher nach Amerika an. Binface spricht sich außerdem für ein Gesetz aus, das es Abgeordneten, die schon nach zwei Jahren ihren Wahlkreis aufgeben, künftig verbieten soll, bei der dann fälligen Nachwahl gleich wieder anzutreten. In dieser Forderung zeigt sich das doppelte Paradox des Clactoner Sommerwahlkampfs. Am Ende geht es dem vermeintlich komischen Mülleimer-Ritter doch um ernste Anliegen, während Farage, der sich zum Kreuzritter gegen das Londoner Establishment stilisiert, sich vor Ort selten blicken lässt. Vor zwei Jahren hatte der Anführer von Reform UK in dem verarmten Küstenlandstrich der Grafschaft Essex tatsächlich Hoffnungen erzeugt, er werde die Anliegen der dortigen Bürger in London vehement vertreten. Doch schon bald war es damit wieder vorbei. Farage ließ verlauten, er werde keine regelmäßigen Sprechstunden für Bürgeranliegen abhalten. „Aus Sicherheitsgründen“, lautete die Erklärung dafür. Ein Kandidat schläft im Auto Mittlerweile sind die angebliche Dankbarkeit und Begeisterung seiner Wahlkreisbürger vor allem auf den von Reform UK produzierten Videoclips im Internet zu finden. Sie zeigen Farage bei den Obstbauern, Farage an einem Strandübergang, dessen Instandsetzung er für sich in Anspruch nimmt, Farage im örtlichen Pub – und immer wieder Farage vor dem stattlichen Clacton Pier, dem Wahrzeichen des Seebads, mit seinen Achterbahnen obendrauf. Der hellblaue Doppeldeckerbus von Reform UK fährt meistens aber ohne Wahlkampfteam auf der Strandpromenade Reklame. Als Wahlkampfquartier hat sich die Partei dieses Mal einen abgelegenen Bauernhof ausgesucht, wo in einer Halle Flugzettel, Bierdeckel mit Parteilogo und die Einsatzpläne für den Haustürwahlkampf lagern. Im Wahlkampf 2024 hatte Reform noch ein Ladenlokal mitten in Clacton gemietet. Da gab es hinterher Streit um die vorzeitige Auflösung des Mietvertrages, ausstehende Summen und darum, dass das Geschäft bei seiner Aufgabe ganz in Hellblau getaucht war. Selbst wenn Farage und Binface sich rarmachen, herrscht kein Kandidatenmangel. In der Mittagshitze stehen gleich vier Bewerber in der Einkaufsstraße, strecken die Hände mit ihren Broschüren aus oder halten ihr selbst gebasteltes Werbeplakat über den Kopf. Michael O’Keeffe, früher Lehrer, jetzt Rentner, ist aus Lincolnshire angereist. Sein Werbebanner steckt auf einem Schrubberstiel. Er kenne sich aus mit den Problemen der verarmten Küstenorte, sagt er: „Viele sozial Schwache, viele mit psychischen Belastungen, auch mit Behinderungen.“ Es genügt ein Blick in die Runde, um den Eindruck zu bestätigen. Viele stark Übergewichtige, viele chronisch Kranke, ließe sich hinzufügen. Auf den Ruhebänken im Baumschatten kreisen mittags schon Dosen mit Bier und Cider, gelegentlich bricht lautstarker Streit aus. O’Keeffe sagt, er komme vier bis fünf Tage in der Woche her, ein Zimmer könne er sich nicht leisten, meist übernachte er im Auto. Er wolle aufmerksam machen darauf, „was für einen erbärmlichen Job Farage hier gemacht hat“. Der Stimmzettel misst 90 Zentimeter Zwei Meter weiter verteilt Gerry Smith ihre Handzettel. Auch sie kandidiert als Unabhängige. Ihr geht es um die jungen Leute, die keine Ausbildung und keine Zukunft hätten. Und um alle diejenigen, die in Kinderheimen aufwachsen mussten wie sie selbst. Dann steht da noch Nick Pelas. Seine Eltern kamen vor 40 Jahren aus Ägypten nach England, er hat zuletzt eineinhalb Jahrzehnte ein Altersheim in Clacton geleitet. Pelas sagt, man müsse sich doch um die von Farage enttäuschten Wähler kümmern. Als er gehört habe, dass niemand außer Count Binface den Anführer von Reform UK herausfordere, habe er sich entschlossen, selbst zu kandidieren. Die Kommunalverwaltung des Kreises Tendring, zu dem Clacton gehört, hat sich nach eigenem Bekunden sorgfältig auf die „unüblichen Umstände“ eingestellt, unter denen diese Nachwahl stattfindet. Da 34 Kandidaten zur Wahl zugelassen worden seien, habe der Stimmzettel die stattliche Länge von 90 Zentimetern erreicht. Daraus hätten sich allerlei Herausforderungen ergeben: „Wir mussten sorgfältig überlegen, wie das Dokument gedruckt, gefaltet, mit der Post verschickt und im Wahllokal gehandhabt werden soll“, teilt der Chef der Kreisverwaltung mit. Allein die Druckkosten hätten rund das Vierfache des Üblichen betragen. Einer der Vorwürfe, die Farage entgegengehalten werden, lautet: dass er sich mit seinem Versuch, sich jenseits parlamentarischer Verhaltensregeln per Plebiszit eine Legitimationsbasis zu schaffen, den Steuerzahlern seines Wahlkreises eine sechsstellige Rechnung aufbürdet. Ein zweiter Vorwurf lautet, dass sich Farage womöglich im Herbst nochmals einer Nachwahl in Clacton stellen müsse, falls er wegen seiner nicht gemeldeten Spenden – die größte hatte einen Umfang von umgerechnet fast sechs Millionen Euro – mit einer hohen parlamentarischen Sanktion belegt wird. Dann könnte ein Absetzungsmechanismus in Gang kommen, auf den dann wieder ein neuer Wahlgang in Clacton folgt. Farage entgegnet diesen Vorhaltungen, dann zahle halt Reform UK die Kosten der ganzen Wahlveranstaltung. Dem hat wiederum die Kreisverwaltung pikiert entgegengehalten, das sei aus grundsätzlichen Erwägungen unmöglich. Es gefährde die Unabhängigkeit einer Wahl, wenn Parteien damit anfingen, sie selbst zu finanzieren.

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