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Dienstag, 4. August 2026
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Wer vom Krieg profitiert: Ölkonzern BP verdoppelt Gewinn

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4. August
taz (Öko & Co)

Wer vom Krieg profitiert: Ölkonzern BP verdoppelt Gewinn

Wer vom Krieg profitiert: Ölkonzern BP verdoppelt Gewinn Der britische Konzern macht genauso wie andere Ölgiganten extrem hohe Profite. Eine Übergewinnsteuer müssen sie in Deutschland bisher nicht fürchten. Ein weiterer Kriegsprofiteur meldet einen Riesenprofit: Der britische Ölkonzern BP hat im zweiten Quartal 2026 seinen Gewinn mehr als verdoppelt. Das teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Andere Ölkonzerne haben bereits ähnlich hohe Profite bekannt gegeben, die auf hohe Energiepreise aufgrund des Irankriegs zurückgehen. Eine Übergewinnsteuer, mit der auf europäischer Ebene oder in Deutschland exorbitante Gewinne abgeschöpft würden, ist jedoch nicht in Sicht. Nach den Angriffen der USA hat der Iran den Seeweg Straße von Hormus gesperrt, durch den große Teile des weltweiten Öl- und Flüssiggasbedarfs transportiert werden. Eine Folge sind stark gestiegene Preise unter anderem für Sprit. Das spült viel Geld auf die Konten der Ölkonzerne. Der um Sondereffekte bereinigte Nettogewinn von BP stieg im Vergleich zum 2. Quartal 2025 um 144 Prozent auf gewaltige 5,73 Milliarden US-Dollar (knapp 5 Milliarden Euro). Der saudi-arabische Konzern Aramco, der zu den wertvollsten Unternehmen der Welt gehört, hat seinen Gewinn im zweiten Quartal um 44 Prozent auf 32,7 Milliarden US-Dollar gesteigert. Aramco kann die Sperrung der Straße von Hormus teils umgehen, weil es Öl über eine Pipeline ans Rote Meer transportiert. Shell hatte bereits vergangene Woche die Verdreifachung seines Gewinns im zweiten Quartal auf 10,8 Milliarden US-Dollar bekannt gegeben. ExxonMobil hat seinen Gewinn mit 14,5 Milliarden Dollar mehr als verdoppelt. Die Gewinne der Ölkonzerne spiegeln sich in höheren Spritpreisen, die die gesamte Wirtschaft belasten und die Inflation anheizen. Vielfach sind die Ölpreise auf dem Weltmarkt niedriger als die Tarife an den Zapfsäulen. Deshalb gehen NGOs wie Oxfam oder Greenpeace davon aus, dass die Konzerne entlang der Lieferkette Gewinne aufschlagen. Sie fordern ebenso wie die SPD, die Grünen und die Linkspartei eine Übergewinnsteuer, um übermäßige Profite abzuschöpfen. Keine Übergewinnsteuer Zwar signalisiert Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) von Zeit zu Zeit, dass er für die Einführung so einer Abgabe ist. „Bundesfinanzminister Klingbeil hat deutlich gemacht, dass es in der aktuellen Krise, die viele Menschen hart trifft, keine Abzocke durch Energiekonzerne geben darf“, heißt es auch jetzt auf Nachfrage aus seinem Ministerium. „Übermäßige Krisenprofite müssen an die Verbraucherinnen und Verbraucher zurückgegeben werden.“ Unklar ist aber, was der Minister tatsächlich für die Einführung einer Übergewinnsteuer unternimmt. Er setze sich auf europäischer Ebene dafür ein, sagt ein Sprecher seines Ministeriums. „Weitere EU-Mitgliedstaaten wie Spanien und Italien unterstützen dieses Anliegen.“ Dazu finde ein steter Austausch statt. Mehr will das Ministerium dazu nicht sagen. Auch in den vergangenen Monaten konnte es keine Angaben dazu machen, was Klingbeil konkret für eine Übergewinnsteuer tut. Auf europäischer Ebene kommt die Einführung nicht voran. Die EU hatte in der Energiepreiskrise 2022 nach dem russischen Angriff auf die Ukraine eine vorübergehende Abgabe von 33 Prozent auf Gewinne eingeführt, die 20 Prozent über dem Vorjahresschnitt lagen. Jetzt lehnt die EU-Kommission Vergleichbares ab. Weil sich hier nichts bewegt, bringen einzelne EU-Länder wie Portugal selbst eine Übergewinnsteuer auf den Weg. Nach Erkenntnissen des Bundeskartellamts steigt der Abstand zwischen Rohöl- und Großhandelspreis aktuell weiter, insbesondere bei Diesel. Die Bundesregierung hatte im Frühjahr als Reaktion auf den Preisanstieg die Rechte der Wettbewerbshüter gestärkt. „Wir haben Verfahren gegen sämtliche Raffineriebetreiber in Deutschland eingeleitet“, sagte Kartellamtspräsident Andreas Mundt am Dienstag. Die Behörde prüft, ob die Preise gerechtfertigt sind. Markteingriffe sind aber nicht zu erwarten. Das Kartellrecht sei kein Instrument staatlicher Preisregulierung und könne Kraftstoffpreise nicht unmittelbar senken, so die Behörde. Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen meistkommentiert

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4. August
Wirtschaftswoche

Energiekonzern: BP verdient kräftig an deutlich höheren Ölpreisen – Aktie unter Druck

Energiekonzern: BP verdient kräftig an deutlich höheren Ölpreisen – Aktie unter Druck Die hohen Ölpreise haben BP Die Aktie gab am Nachmittag nach einem festen Start um knapp fünf Prozent nach. Die anfängliche Freude über das Zahlenwerk habe angesichts sinkender Ölpreise nicht lange angehalten, sagten Händler. Umbau, Produktion, Raffinerien: Wo BP operativ schwächelt Derweil macht BP laut Unternehmenschefin Meg O'Neill Fortschritte beim Umbau und der Stärkung der Bilanz. Das Unternehmen habe Maßnahmen ergriffen, um den Konzern zu straffen und zu stärken, sagte die Managerin, die Anfang April das Ruder beim Ölkonzern übernommen hat. In den vergangenen Wochen habe BP die Raffinerie in Gelsenkirchen veräußert, den Verkauf des Einzelhandelsgeschäfts in Österreich vereinbart und angekündigt, das Nordsee-Geschäft in Großbritannien zu verkaufen. Zudem plane das Unternehmen, sein Biogasgeschäft in den USA abzustoßen. Allerdings seien die drei Monate bis Ende Juni operativ nicht so gut gelaufen wie ein Quartal zuvor, mahnte die BP-Chefin. So seien die Förderanlagen weniger zuverlässig gewesen, die Produktion sei zurückgegangen und die Raffinerien hätten weniger Rohöl verarbeitet. O'Neill führte dies nur zum Teil auf geplante Wartungsarbeiten und den Konflikt im Nahen Osten zurück. Lesen Sie auch: Anleger sollten Ölaktien trotz Rekordgewinnen verkaufen

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4. August
Tagesschau

Ölkonzerne jubeln über Riesengewinne

Folgen des Iran-Kriegs Ölkonzerne jubeln über Riesengewinne Teures Rohöl und hohe Spritpreise bringen den internationalen Ölkonzernen enorme Extragewinne ein. So hat der britische BP seinen Nettogewinn verdoppelt. Das erfreut Investoren - während Autofahrer und Verbraucher leiden. Die Gewinne verdoppelt, verdreifacht, verfünffacht: Bei den Ölkonzernen klingeln die Kassen. Heute stellte der britische Mineralölkonzern BP seine Bilanz für das zweite Quartal vor. Die hohen Ölpreise infolge des Iran-Kriegs haben BP einen Gewinnsprung beschert. Der um Sondereffekte bereinigte Nettogewinn stieg auf rund 5,7 Milliarden Dollar. Der Umsatz kletterte um 47 Prozent auf 70,1 Milliarden Dollar. Die hohen Gewinne haben Folgen: Die neue BP-Konzernchefin Meg O'Neill ist seit April im Amt - und hat neue Prioritäten. Die Managerin plant eine weitere Abkehr von der bisherigen Erneuerbare-Energien-Strategie. So habe BP den Verkauf seines US-Biogas-Geschäfts Archaea eingeleitet, das erst 2022 für 4,1 Milliarden Dollar erworben worden war. Unternehmen vervielfachen Gewinne Die fossile Branche streicht derzeit enorme Gewinne ein. Die Konzerne profitieren von den Marktturbulenzen und der Verknappung des Ölangebots durch die Blockaden der Straße von Hormus. Nicht nur der Ölpreis steigt massiv an, auch die Preise für Raffinerieprodukte wie Diesel und Kerosin legen kräftig zu. Deshalb verdreifachte der BP-Konkurrent Shell seinen Gewinn auf 10,8 Milliarden Dollar. Die US-Konzerne ExxonMobil und Chevron überzeugten die Investoren ebenfalls. ExxonMobil verdoppelte den Gewinn auf 14,5 Milliarden Dollar. Chevron gelang es sogar, den Gewinn auf 12,1 Milliarden Dollar zu verfünffachen. Selbst US-Präsident Donald Trump äußerte sich kritisch zu den Gewinnen. Die Ölkonzerne machten "zuviel Geld". Das gefalle ihm nicht. Denn der in den USA eher unbeliebte Iran-Krieg zeigt auch für ihn unerwünschte Nebenfolgen. Die Spritpreise stiegen dort um mehr als 37 Prozent. Vor den Kongresswahlen im November sind unzufriedene Verbraucher nicht das, was sich Trump und die republikanische Partei wünschen. Spritpreise "drastisch" gestiegen Die Spritpreise sind auch hierzulande ein Problem für die Verbraucher. Sie sind in Deutschland nach Auswertung des ADAC im Laufe des Juli "drastisch" angestiegen. Der ADAC verwies darauf, dass der Rohölpreis pro Barrel nach einem erneuten Anstieg über die 100-Dollar-Marke zum 23. Juli zum Ende des Monats hin wieder deutlich unter 90 Dollar gesunken sei. Das habe sich aber nicht in den Spritpreisen niedergeschlagen, sie gaben "nicht entsprechend nach oder stiegen sogar weiter", erklärte der Automobilclub. Derzeit ist das Bundeskartellamt mit dem Thema befasst. Die Behörde macht bei der Prüfung der von Raffinerien verlangten Spritpreise nach eigener Aussage Fortschritte. Schnelle Erfolge stellt das Kartellamt allerdings nicht in Aussicht: Es sei "kein Instrument staatlicher Preisregulierung und kann Kraftstoffpreise nicht unmittelbar senken", teilte es mit. Verbraucherpreise legen wieder zu Wie lange die Serie hoher Gewinne der Ölkonzerne anhält, hängt wesentlich vom Fortgang der Krise im Nahen Osten ab. Die Lage bleibe dynamisch, urteilen die Analysten der Investmentgesellschaft PIMCO. Langfristig sei eine Normalisierung der Energieversorgung aus einer Region, auf die rund 20 Prozent der weltweiten Ölproduktion entfielen, unerlässlich. "Andernfalls wird sich die Weltwirtschaft auf anhaltende Versorgungsrisiken und deren wirtschaftliche Folgen einstellen müssen." Und die ökonomischen Folgen sind gravierend: Die Verbraucher bekommen die hohen Energiepreise nicht nur an der Zapfsäule zu spüren. Sie sorgen auch insgesamt für einen Anstieg der Inflation. Denn Transport- und Produktionskosten steigen ebenfalls und machen viele Produkte kostspieliger. Deshalb legt die Teuerung in Deutschland zu, zuletzt war sie auf 2,8 Prozent geklettert. Die Sorgen der Verbraucher spiegeln sich am Aktienmarkt derzeit nicht wider. Der DAX erreichte heute ein weiteres Rekordhoch bei 26.266 Punkten und liegt mehr als ein halbes Prozent im Plus.

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4. August
Süddeutsche Zeitung (Wirtschaft)

Hohe Öl- und Gaspreise: BP verdoppelt Gewinn

Der britische BP-Konzern reiht sich ein in die Riege von Ölriesen, die dank der hohen Öl- und Gaspreise horrende Gewinnsprünge verzeichnen. Der bereinigte Gewinn stieg im zweiten Quartal auf 5,73 Milliarden Dollar, ein Plus von 144 Prozent, und übertraf damit die von Analysten erwarteten 5,11 Milliarden Dollar, wie der Konzern am Dienstag mitteilte. Die Aktionäre sollen mit einer um vier Prozent erhöhten Dividende von 8,66 Cent je Aktie am Erfolg beteiligt werden. Die großen Ölkonzerne profitieren seit Monaten von den Marktturbulenzen, die durch den Konflikt zwischen den USA und dem Iran ausgelöst wurden und zu einer Verknappung des weltweiten Angebots geführt haben. Das ließ den Ölpreis steigen und die Gewinne bei Konzernen wie Shell, Exxon Mobil oder Aramco sprudeln. Der saudiarabische Branchenprimus verzeichnete im zweiten Quartal einen Gewinnsprung von 44 Prozent auf 32,69 Milliarden Dollar. Wegen der Kämpfe musste Aramco seine Exporte umleiten, um die vom Iran blockierte Straße von Hormus zu umgehen. Zusätzlichen Auftrieb erhielten die Ölpreise zuletzt durch die Ankündigung der vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen, nun auch die Lieferrouten im Roten Meer zu blockieren. Die neue BP-Konzernchefin Meg O'Neill, die seit April im Amt ist, schlug selbstkritische Töne an und stellte eine Neuausrichtung in Aussicht. „Wir schöpfen unser Potenzial nicht aus“, sagte sie. „Unsere Leistung in den vergangenen Jahren hat unsere eigenen Erwartungen nicht erfüllt, geschweige denn die unserer Aktionäre.“ Sie legte fünf Prioritäten für BP fest, die unter anderem eine Stärkung der Bilanz, eine Vereinfachung des Portfolios und eine höhere Investitionsdisziplin umfassen, um die Ertragskraft des Konzerns zu verbessern. Teil des neuen Kurses sei eine weitere Abkehr von der bisherigen Erneuerbare-Energien-Strategie. So habe BP den Verkauf seines US-Biogas-Geschäfts Archaea eingeleitet, das erst 2022 für 4,1 Milliarden Dollar erworben worden war. Am Freitag hatten die Briten den Rückzug aus der Öl- und Gasförderung in der heimischen Nordsee angekündigt. Für das laufende Jahr rechnet BP nun mit Investitionen in Höhe von 13,5 bis 14 Milliarden Dollar, was über den bisherigen Planungen liegt.

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3. August
FAZ (Wirtschaft)

Gestiegene Öl- und Spritpreise: „In Deutschland ist der Effekt besonders groß“

Gestiegene Öl- und Spritpreise : „In Deutschland ist der Effekt besonders groß“ Die jüngsten Quartalsergebnisse der Ölkonzerne zeigen, wie gut sie am hohen Ölpreis verdienen. Die Politik will reagieren, ist jedoch meist hilflos. Die Menschen stöhnen an den Zapfsäulen über die hohen Spritpreise – und die Ölkonzerne fahren Rekordgewinne ein. Dass dieses Spannungsverhältnis die Öffentlichkeit und die Politik bewegt, ist kein Wunder. Die jüngsten Quartalsergebnisse der Multis zeigen, wie ihnen der seit März gestiegene Ölpreis viel Geld in die Kassen spült. Shell, Europas größter Öl- und Gaskonzern, zum Beispiel hat seinen bereinigten Nettogewinn im zweiten Quartal auf 9,8 Milliarden Dollar mehr als verdoppelt. Auch der kleinere Wettbewerber BP, dem in Deutschland die Aral-Tankstellen gehören, wird nach den Erwartungen der Analysten am morgigen Dienstag eine Steigerung in ähnlichem Maße verkünden. Eine Verdoppelung der Gewinne melden zudem Totalenergies aus Frankreich und Eni aus Italien. Die Reaktionen der Regierungen bewegen sich zwischen hektischem Interventionismus und Hilflosigkeit. Übergewinnsteuern, Tankrabatte, Preisdeckel oder 12-Uhr-Regel werden diskutiert und teilweise angewandt. Die italienische Regierung hat den Tankrabatt gerade zum fünften Mal verlängert und befeuert damit die Nachfrage, welche die Preise hochhält. Zudem fühlen sich die Wettbewerbshüter auf den Plan gerufen. Sie bezweifeln nicht zum ersten Mal, dass im herrschenden Oligopol mit wenigen großen Anbietern der Wettbewerb richtig funktioniert. Spritpreise schnell erhöhen, später langsam senken Empirisch belegbar ist, dass die Spritpreise rasch steigen, nachdem dies der Ölpreis getan hat, im umgekehrten Fall geht es dagegen nur langsam runter.„Die Asymmetrie bestätigt sich“, sagt der Volkswirtschaftsprofessor Ferdinand Fichtner von der HTW Berlin, der in einer noch unveröffentlichten Studie diesen Effekt für 26 EU-Länder untersucht hat. „Und in Deutschland ist der Effekt besonders groß.“ Steige der Weltmarktpreis für Öl um zehn Euro, steige der Dieselpreis hierzulande um zehn Cent. „Sinkt der Ölpreis hingegen um zehn Euro, dann geht der Tankstellenpreis nur um 7,5 Cent runter.“ Für Benzin sei Ähnliches nachweisbar, nur in etwas geringerem Ausmaß. „Dass die Konzerne bloß ihre Kosten weitergeben, trägt als Erklärung für das Phänomen nicht“, sagt der Ökonom, zumal sich nicht nur die Höhe des Anstiegs und des Rückgangs unterscheide, sondern auch die Geschwindigkeit. Ob hinter dem Mechanismus Wettbewerbsprobleme stecken, lasse sich aus seinen Analysen nicht direkt herleiten, sagt der Forscher. Für ihn ist klar, dass die Ölunternehmen in einem Oligopolmarkt mit wenigen Spielern unterwegs sind, doch innerhalb dieses Oligopolmarktes könne durchaus auch Wettbewerb herrschen. Ölkonzerne klagen gegen Anfragen des Kartellamts Die Ölmultis decken die ganze Wertschöpfungskette ab: von der Förderung über die Raffinerien bis zu den Tankstellen. Dabei lassen sie sich nicht gern in die Karten schauen. Das Bundeskartellamt untersucht gerade zwölf Eigner deutscher Raffinerien und befragt Tankstellen. „Zwei der Unternehmen haben jetzt gegen unsere Auskunftsbeschlüsse Beschwerde vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf eingelegt“, bestätigt ein Kartellamtssprecher einen entsprechenden Bericht der „Bild“-Zeitung. Schon im April erlitt das Kartellamt eine Niederlage vor Gericht, gegen die es Berufung eingelegt hat: Es darf vorerst keine Auskünfte eines Preisinformationsdienstes einholen. Diese Informationsdienste ermöglichen es den Ölkonzernen, schnell auf die Wettbewerber zu reagieren – was ein Zeichen für Wettbewerb sein kann. Doch es könnte die Konzerne auch vom Stillhalten überzeugen. Denn einen für die Verbraucher wünschenswerten Preiskrieg anzuzetteln, lohnt sich im Oligopol meist weniger als eine ruhige Koexistenz bei hohen Preisen. Kartellamtschef Andreas Mundt stellt dabei klar, dass das Kartellrecht „kein Instrument staatlicher Preisregulierung ist und Kraftstoffpreise nicht unmittelbar senken kann“. Wenn man das wolle, müsse man andere Instrumente außerhalb des Kartellrechts diskutieren. Ein Vorstoß aus dem vergangenen April, in dem Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) zusammen mit den Finanzressortchefs aus Österreich, Italien, Spanien und Portugal verlangte, auf EU-Ebene eine Übergewinnsteuer für Mineralölkonzerne zu prüfen, schlug fehl. Eine politische Mehrheit scheiterte. Konzerne: Auch Aktionäre wollen zufriedengestellt werden Die Debatten sind damit nicht verstummt, auch nicht im Ausland: In Frankreich sorgt für Unmut, dass der französische Konzern Totalenergies die Gewinne überwiegend dort erzielt, wo Öl und Gas gefördert werden – sodass in Frankreich kaum Körperschaftsteuer anfällt. Wenn der Konzern dann auch noch, wie jetzt, die Zwischendividende auf 90 Cent je Aktie erhöht und Aktien im Wert von 1,5 Milliarden Dollar zurückkaufen will, ist ihm Empörung gewiss. Doch man müsse eben die Aktionäre als Kapitalgeber mit Dividenden und Aktienrückkäufen immer wieder zufriedenstellen, heißt es. Mit rund 170 Milliarden Euro liegt der Börsenwert derzeit auf Rekordniveau. Da ist es schon fast ein Volkssport, über Totalenergies zu schimpfen. Der frühere Konzernchef Christophe de Margerie brachte deshalb „Total-Fußmatten“ ins Gespräch, an denen sich die Franzosen abreagieren könnten. In bürgerlichen Kreisen ist man dagegen stolz auf einen Öl- und Gaschampion von Weltrang. Zu sehr sprudelnde Gewinne sieht man aber auch dort kritisch. Umweltschützer wiederum fordern die Abkehr von fossiler Energie – das Geschäft mit erneuerbaren Energien, Batterien und Ladesäulen wächst zwar, doch rund drei Viertel seiner Investitionen pumpt Totalenergies weiter in Öl und Gas. Klagen über hohe Steuerlast Kritik an angeblichen „Supergewinnen“ weist Totalenergies zurück: Die Steuerlast in Förderstaaten steige automatisch mit hohen Öl- und Gaspreisen. Man gehöre zu den global am stärksten besteuerten Unternehmen mit einem durchschnittlichen Steuersatz von 43 Prozent seit 2022. 100 Milliarden Dollar Steuern und Abgaben habe man seither entrichtet. Bei Shell sind es neben den höheren Preisen für Rohöl und Erdgas vor allem sprunghaft gestiegene Gewinne im Handel mit den Energieträgern, die zum jüngsten Rekordergebnis beitragen. Der Irankrieg führte zu enormer Volatilität an den Energiemärkten. Öl- und Gashändler können bei schwankenden Preisen tendenziell höhere Margen herausschlagen. Außerdem verdienen sie an Absicherungsgeschäften zusätzlich. Da konnte es der Londoner Konzern auch verschmerzen, dass er durch iranische Raketen direkte Treffer in Qatar abbekam. Aus früheren Gewinnen aufgebaute Reserven halfen dabei. Die Raketen zerstörten Shells Gas-to-Liquids-Anlage in Pearl erheblich. Unterm Strich bleibt dennoch ein Rekordgewinn. Seit Jahresanfang hat die Shell-Aktie mehr als 21 Prozent an Wert gewonnen. Bei Shell wie bei BP sind die Bereiche Förderung und Großhandel die Gewinntreiber, weniger das Geschäft mit den Endkunden. Anders als der Shell-Konzern, der seit Jahren die Investoren mit Aktienrückkäufen von mindestens drei Milliarden Dollar im Vierteljahr erfreut, hat der hochverschuldete BP-Konzern seine Aktienrückkäufe vorerst gestoppt. Die britische Öffentlichkeit nimmt die Rekordgewinne der Ölkonzerne inzwischen fast lakonisch hin. Während der Energiepreiskrise zu Beginn des Ukrainekriegs 2022 gab es noch einen Aufschrei. Damals führte die Regierung eine Extrasteuer auf die sogenannten Zufallsgewinne ein. Bei Nordseeöl fließen deshalb 78 Prozent des Gewinns an den Staat. Doch die Nordsee macht für Shell und BP nur noch einen verschwindend kleinen Teil der Förderaktivitäten aus. BP will die dortigen Beteiligungen nun komplett loswerden. Nach Ansicht von Branchenkennern hat die hohe Besteuerung vor allem dazu geführt, dass in der Nordsee kaum noch investiert werde und die Förderung dort beschleunigt sinkt. In den USA fachen die kommenden Kongresswahlen die Diskussionen zusätzlich an. Exxon Mobil meldete für das zweite Quartal mehr als eine Verdoppelung des Gewinns auf das höchste Niveau seit 2022 – 14,5 Milliarden Dollar. Chevron schaffte sogar einen Rekordgewinn von 12,1 Milliarden Dollar. Donald Trump hat den Ölkonzernen vorgeworfen, Verbraucher „abzuzocken“. Das Justizministerium solle Untersuchungen einleiten. Zwei Senatoren der Demokratischen Partei warfen den Vorstandschefs großer Ölkonzerne unlängst in einem Brief vor, „dank des Krieges der Trump-Regierung in Iran“ enorme Gewinne zu erwirtschaften, während die Familien „unerhört hohe Preise“ zahlen. In der breiten Öffentlichkeit sind Ölkonzerne zwar nicht sonderlich beliebt, doch in einer Umfrage gaben 51 Prozent hauptsächlich Trump die Schuld und nur zwölf Prozent den Unternehmen.

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