Selbstfahrende Rasenmäher: Städtetag fordert Nachtfahrverbot für Mähroboter
Schutz für Igel und Co. Städtetag fordert Nachtfahrverbot für Rasenmähroboter
Selbstmähende Roboter sind ein prima Spielzeug für finanzstarke Vorstädter, die Verkaufszahlen steigen (mehr dazu hier). Und sie helfen tatsächlich bei der Rasenpflege. Für viele Tiere jedoch können die Hightech-Schneider gefährlich werden. Daher finden sich immer mehr Unterstützer, die ein Nachtfahrverbot verlangen.
Dieser Forderung schließt sich auch der Deutsche Städtetag an. »Gerade in den Abendstunden sind in den Gärten viele Tiere aktiv. Sie sind auch auf diese Grünflächen im unmittelbaren Wohnumfeld angewiesen«, sagte die Vizepräsidentin Claudia Kalisch den Zeitungen der Funke Mediengruppe.
Städte seien inzwischen Ersatzlebensräume für viele Tiere, da Lebensräume in der freien Natur verloren gehen. »Deshalb ist ein bundesweites Nachtfahrverbot ein konsequenter Schutz«, so die Grünenpolitikerin und Oberbürgermeisterin von Lüneburg.
Der Städtetag will zudem die Hersteller der Geräte in die Pflicht nehmen. »Wir appellieren außerdem an die Hersteller, Lösungen zu finden, damit Kleintiere durch Mähroboter nicht weiter gefährdet werden«, sagte Kalisch. »Auch die Bürgerinnen und Bürger können dazu beitragen, indem sie ihre bereits vorhandenen Geräte entsprechend einstellen. Das ist ein wichtiger Baustein, um die Tiere zu schützen und die Lebensqualität in der Stadt durch Artenvielfalt zu bereichern.«
Igel rollen sich ein – und der Roboter ist ratlos
Seit Oktober 2024 gilt der westeuropäische Igel erstmals laut der internationalen Roten Liste als »potenziell gefährdet«. Die Bestände sind in mehr als der Hälfte der Länder, in denen die Tiere leben, zurückgegangen – darunter auch Deutschland. Neben Mährobotern schaden auch Laubbläser den Tieren, zudem finden sie in immer weniger Gärten, aber auch Parkanlagen geeignete Verstecke und Nahrung. Die meisten Igel – bis zu einer Million pro Jahr – sterben jedoch weiterhin im Straßenverkehr.
Forschende des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) hatten in einer Untersuchung belegt, dass der Einsatz von Mährobotern ein ernstes Tier- und Artenschutzproblem für Igel darstellt. Speziell kleinere Igel sind gefährdet. Hinzu kommt, dass die Tiere bei Gefahr nicht flüchten, sondern sich einrollen. Die Mähroboter selbst sind in den allermeisten Fällen nicht in der Lage, die Tiere zu erkennen.
Rund zwei Dutzend Petitionsaufrufe finden sich derzeit im Netz, die einen besseren Schutz der bedrohten Igel in Deutschland zum Ziel haben, wobei einige im Betreff auch nur ein kommunales Verbot für nächtliches Mähen fordern.
Bisher gibt es in Deutschland kein generelles Verbot für Nachtfahrten von Mährobotern. Einzelne Kommunen, etwa Köln, Leipzig, Mainz, Göttingen und München, haben bereits einzelne Regelungen erlassen – dadurch ist deutschlandweit ein Flickenteppich entstanden. In Bayern war kürzlich ein Antrag der Grünen gescheitert, ein landesweites Verbot durchzusetzen.