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Samstag, 1. August 2026
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Nach Andrang in Ceuta: Spanien verteidigt seine Migrationspolitik

Medienspektrum

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1. August
Tagesschau

Nach Andrang in Ceuta: Spanien verteidigt seine Migrationspolitik

Nach Andrang in Ceuta Unverständnis - auf allen Seiten In Ceuta sind die Menschen verärgert - sowohl Bewohner als auch Migranten. Unklar ist, warum Marokko den Ansturm überhaupt zugelassen hat. Spanien verteidigt unterdessen seine Migrationspolitik gegen Kritik aus der EU. Eine rote, schwimmende Barriere durchzieht jetzt das Gewässer vor Ceuta an der Grenze zu Marokko. Sie soll verhindern, dass Menschen weiterhin nach Spanien schwimmen. An Land - oberhalb des Strands - kehren unterdessen Tausende von Ceuta nach Marokko zurück. Es sind die Nachzügler der 50.000, die nach Angaben des Innenministeriums in den vergangenen Tagen in die Stadt gekommen sind. Die meisten haben Ceuta schon am Freitag wieder verlassen. Auch dieses junge marokkanische Paar ist auf dem Weg zur Grenze. "Da gibt es für uns nichts zu tun. Alles ist geschlossen", sagt die Frau mit einem Neoprenrucksack. Und ihr Freund erklärt, die Spanier in Ceuta hätten die Geschäfte absichtlich geschlossen. "Obwohl wir Geld haben", sagt er, "damit wir nichts zu essen kaufen können, nicht mal Brot." Vor der Küste wurde eine schwimmende Barriere errichtet. Marokkanische Polizei verhindert Grenzübertritte Aus Richtung Marokko kommt hingegen niemand mehr. Die marokkanische Polizei verhindere, dass man sich von dieser Seite der Grenze nähere, berichten spanische Medien. In den wieder geöffneten Straßencafés von Ceuta sind die Menschen dennoch verunsichert. Eine Cafébesitzerin erzählt: "Wir hatten seit zwei Tagen geschlossen. Unsere Mitarbeiter aus Marokko konnten nicht mehr kommen." Heute sei es ruhiger, berichtet sie - aber Ceuta braucht in ihren Augen mehr Polizei und Militär. "Das hier war eine Warnung: Wenn die wollen, können die jederzeit wieder hier einfallen." Ein Spanier fragt sich, wie der Andrang von Zehntausenden Marokkanern Spaniens Regierung derart überraschen konnte: "Wo ist der spanische Geheimdienst? Als Bürger Ceutas und Spaniens bin ich empört." Polizeitaucher suchen noch nach Leichen Auch der spanische Innenminister Fernando Grande-Marlaska hatte darauf keine Antwort. Er konzentrierte sich auf das humanitäre Drama in den spanischen Gewässern. Immer noch suchen spanische Polizeitaucher das Meer nach Leichen ab. Der Kampf gegen illegale Einwanderung bedeute auch, Leben zu retten, sagte Grande-Marlaska. "Unser Land nimmt gerne Menschen auf. Die Menschenrechte stehen hier nicht in Frage, schon gar nicht die der Ärmsten der Armen." Aber Spanien sei auch den Gesetzen verpflichtet. "Wer die Gesetze verletzt, kann nicht auf unsere Unterstützung zählen. Wer hier in den letzten Tagen illegal eingereist ist, hat keine Aussichten darauf, dass seine Situation legalisiert wird", betonte der Innenminister. Darum seien die Leute innerhalb von nur 24 Stunden auch wieder nach Hause gegangen. Spanien weist Kritik zurück Die Kritik einiger Regierungen in der Europäischen Union an der spanischen Einwanderungspolitik wies der Innenminister zurück. Ganz im Gegenteil - dank der Zusammenarbeit mit Herkunfts- und Transitländern sei Spanien besonders erfolgreich bei der Bekämpfung der illegalen Einwanderung. "Zwischen 2021 und 2026 hatten wir nur halb so viele illegale Grenzübertritte wie Italien und auch weniger als Griechenland", so Grande-Marlaska. Die EU-Grenzschutzagentur Frontex stufe Spaniens Außengrenze als eine der sichersten Europas ein, betonte der Innenminister. "Und das, obwohl wir mit Ceuta und Melilla eine Landgrenze in Afrika haben, die kein anderes Land hat." Vorwürfe in Richtung Italien Die italienische Forderung, Europa solle Spanien aus dem Schengen-Raum ausschließen, sei parteitaktisches Kalkül, sagte Grande-Marlaska. Schließlich werde jeder in Ceuta vor der Ausreise aufs spanische Festland kontrolliert - selbst Spanier. Die Frage, warum Marokko in den letzten Tagen den massiven Andrang an die spanische Grenze zugelassen hat, ließ er hingegen unbeantwortet. Marokko habe an der Lösung des Problems mitgearbeitet - anders als andere Staaten der Europäischen Union, erklärte der Minister sichtlich verärgert. Spanien bittet darum um eine Dringlichkeitssitzung der EU-Innenminister.

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1. August
Neues Deutschland

Migrationswelle nach Ceuta | Ceuta: Migranten zur Rückkehr gezwungen

- Politik - Migrationswelle nach Ceuta Ceuta: Migranten zur Rückkehr gezwungen Fast 49 000 Menschen, die von Marokko in die spanische Exklave geschwommen waren, sind wieder ausgereist. EU mahnt und veranstaltet Krisensitzung. Junge Männer, unbegleitete Minderjährige, aber auch ganze Familien mit kleinen Kindern waren in den letzten Tagen zu Tausenden von marokkanischem Territorium in die spanische Exklave Ceuta geschwommen. In der 83 000-Einwohner-Stadt sorgte die Ankunft der nach Angaben der Zentralregierung in Madrid 50 000 Menschen innerhalb weniger Tage für einen Ausnahmezustand. Zugleich löste der Massenaufbruch auf EU-Territorium, das gleichwohl nicht Teil des sogenannten Schengen-Raums mit freiem Grenzverkehr ist, eine Welle von Alarmismus in der EU aus. Von Seiten der Vertreter*innen mehrerer Mitgliedstaaten ergingen Ermahnungen an Spanien, die Lage unter Kontrolle zu bringen. Von einer die neuen »Migrationskrise« war die Rede. Allerdings war die große Mehrheit der aus mehreren nordafrikanischen Ländern kommenden Menschen bereits bis Samstagmorgen »freiwillig« nach Marokko zurückgehrt – laut der spanischen Regierung 48 700. Demnach dürften sich aktuell nur noch wenige Hundert Neuankömmlinge auf dem 18,5 Quadratkilometer großen spanischen Landzipfel befinden, der im Westen an Marokko grenzt. Die Menschen wurden von spanischen Soldaten an Grenztoren wieder aus der Enklave eskortiert. Dass sie den Aufforderungen zur Umkehr folgten, dürfte einerseits daran liegen, dass spanische Behördenvertreter ihnen klargemacht hatten, dass es für sie kaum Aussichten auf eine Weiterreise nach Spanien gibt. Zudem »verhinderten« laut Agenturberichten spanische Soldaten »den Zugang vom Meer zum Strand«. Im Klartext bedeutet das, dass sie Menschen aufs Meer zurück zwangen, die am Freitag noch versuchten, in die Enklave zu gelangen. ARD-Korrespondentin Kristina Böker sagte am Samstagvormittag in einem Beitrag von tagesschau.de, nur die minderjährigen Ankömmlinge würden nicht nach Marokko zurückgeschickt. Laut Medienberichten waren ab Freitag auch alle Lebensmittelgeschäfte und Supermärkte in Ceuta geschlossen – aus Angst vor Plünderungen, wie es hieß. Die Menschen, die sich mit Hilfe von Auto- und Schwimmreifen vom marokkanischen Urlauberort Fnideq südlich von Ceuta auf den lebensgefährlichen Weg gemacht hatten, kamen so nicht einmal an Trinkwasser heran. Unterkünfte gab es für sie erst recht nicht, sie übernachteten auf Bürgersteigen und Stränden. Die Zahl der beim Migrationsversuch Ertrunkenen stieg derweil auf mindestens 67. Einsatzkräfte suchten am Samstag weiter das Meer ab, wie die die spanische Nachrichtenagentur Europa Press unter Berufung auf die Vertretung des spanischen Innenministeriums in Ceuta berichtete. EU »unter Schock« Am Samstag schalteten sich Experten der EU-Mitgliedstaaten in einer Krisensitzung über die Entwicklungen in Ceuta austauschen, wie ein Sprecher der irischen Ratspräsidentschaft mitteilte. Die Öffentlichkeit sollte nicht über die Inhalte der Beratung informiert werden. Am Montag wollen die Botschafter der EU-Staaten zusammenkommen, um die Vorgänge zu bewerten und »die weitere Koordinierung zu erleichtern«, wie es hieß. Der Sprecher der Ratspräsidentschaft sagte, es werde bei dem Austausch am Samstag auch um die Unterstützung der EU für Spanien und um diplomatische Bemühungen gegenüber Marokko gehen. EU-Migrationskommissar Magnus Brunner erklärte nach einem Telefonat mit Spaniens Außenminister José Manuel Albares: »Keine einzige Person hat die Grenze zum EU-Festland überschritten.« Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez, der auch von Demonstrierenden im eigenen Land als »Verräter« beschimpft wurde, konterte die Kritik einiger EU-Mitgliedstaaten an der spanischen Migrationspolitik. Er rief dazu auf, an einem starken und geeinten Europa weiterzubauen – und es nicht zu spalten. »Solidarität und Mitgefühl sind freiwillig«, schrieb er auf der Plattform X. Die Achtung der europäischen Verträge sei es jedoch nicht. Er spielte damit auf die Mitteilung von Italiens Premierministerin Giorgia Meloni an, die das Schengen-Abkommen über den freien Personenverkehr in der EU am Freitag gegenüber Spanien ausgesetzt hatte. Bei Reisen mit dem Flugzeug oder Schiff sollen wieder Grenzkontrollen durchgeführt werden. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bekundete Solidarität mit Spanien. Zugleich kündigte der französische Innenminister Laurent Nuñez an, die Zahl der Sicherheitskräfte an der Grenze zu Spanien zu verfünffachen. Die sozialdemokratische Ministerpräsidentin Dänemarks, Mette Frederiksen, für ihren harten Kurs in der Asylpolitik bekannt, rief die EU zur Prüfung aller Optionen auf, »einschließlich einer Aussetzung der Schengen-Zusammenarbeit« mit Spanien. Spaniens Regierungschef hatte die Ereignisse als »Angriff« auf sein Land gewertet. Bei einem Besuch in Ceuta sprach er von Gerüchten, die von der »Schleusermafia« infolge eines Gerichtsurteils in Spanien zur Einwanderung verbreitet worden seien. Sánchez bezog sich auf ein Urteil des spanischen Obersten Gerichtshofs von Anfang Juli, wonach die sofortige Rückführung von Migranten, welche die Grenze illegal überqueren, nicht für diejenigen gilt, die auf dem Seeweg ankommen. Deutsche Aufregung Derweil sorgen die Vorgänge in Ceuta auch in der Bundesrepublik wieder für eine intensive Debatte über Migration und Grenzkontrollen. Bundeskanzler Friedrich Merz forderte die spanische Regierung auf, die Situation »schnellstmöglich wieder in den Griff« zu bekommen. »Der Schutz der Außengrenzen der Europäischen Union ist entscheidend für die Bekämpfung illegaler Migration«, betonte der CDU-Politiker. Er begrüßte zugleich »die spanische Absicht, die illegalen Migranten nicht auf den europäischen Kontinent zu lassen.« Ähnlich äußerten sich Bundesinnenminister Alesxander Dobrindt (CSU) und Außenminister Johann Wadephul (CDU). Der CDU-Bundestagsabgeordnete Detlef Seif sagte am Samstag im Deutschlandfunk, die Ereignisse in Ceuta bestätigen die »Dringlichkeit der Migrationswende« weg von individueller Prüfung von Asylanträgen hin zur pauschalen Deklaration sicherer Herkunftsstaaten und beschleunigter Verfahren in der EU. Sie zeigten auch, dass das europäische Asylsystem auch nach der Reform »dysfunktional« sei. Die EU ziehe vor allem Menschen an, die »keinen erkennbaren Schutzanspruch hätten«, so Seif. Das derzeitige Migrationssystem sei inhuman, da viele tatsächlich Schutzbedürftige oft keine Chance hätten, nach Europa zu kommen. Die von ihm geforderten humanitären Aufnahmekontingente für vulnerable Gruppen hat aber auch die Bundesregierung gestoppt. Dobrindt bekräftigte angesichts der Geschehnisse, er wolle die deutschen Kontrollen an den Grenzen zu den Nachbarländern über den September hinaus beibehalten. »Unsere Erfolge beim Zurückdrängen der illegalen Migration müssen erhalten und weiter ausgebaut werden«, erklärte er. EU-Innenkommissar Brunner hatte im Juli ein Ende der Grenzkontrollen im Schengen-Raum gefordert. Die stellvertretende Vorsitzende der Linken im Bundestag, Clara Bünger, wandte sich indes gegen »noch mehr Abschottung« aus und forderte, Deutschland müsse Migranten aus Ceuta aufnehmen. Daraufhin habe sie so viele Hass- und Drohmails wie noch nie an einem Tag bekommen, berichtete Bünger gegenüber »nd«. Der FDP-Vorsitzende Wolfgang Kubicki kommentierte Büngers Forderungen im Sender Welt TV als »komplett irre«. Bünger kritisierte indes auch die Rolle Marokkos. Seit Jahren nutze das Land »die Abhängigkeit der EU von seiner Migrationskontrolle, um seine Besitzansprüche auf die Westsahara aufrecht zu erhalten«, schrieb sie auf der Plattform Bluesky. Sobald sich eine Annäherung Spaniens und der EU an die Unabhängigkeitsbewegung abzeichne, »spielt Marokko mit Menschenleben«, so Bünger. Wer angesichts dessen den Ausschluss Spaniens aus dem Schengen-Raum fordere, gehe Marokkos Erpressung auf dem Leim und mache sich darüber hinaus »zum Steigbügelhalter der Rechten in Europa«. Zuvor hatte Bünger erklärt, dass Menschen »vor Krieg, Armut und Klimakrise« fliehen. »Höhere Mauern halten sie nicht auf, sie machen die Flucht nur tödlicher. Jetzt zählt zuerst, dass niemand mehr stirbt.« Die Menschen müssten medizinisch, mit Wasser und einem sicheren Ort versorgt werden. Deutschland und die EU stünden in der Pflicht, Spanien dabei zu helfen »und Schutzsuchende aufzunehmen«. Derweil gab es auch in Melilla, der anderen nordafrikanischen Exklave Spaniens, einige Hundert versuchte Grenzübertritte. In der knapp 400 Kilometer östlich von Ceuta gelegenen Stadt kontrollierten in der Nacht zahlreiche Streifenwagen der Guardia Civil die Grenze zu Marokko. Am Abend war es dort zu Auseinandersetzungen mit Beamten gekommen. Mehrere Menschen hätten Steine auf die Sicherheitskräfte geschleudert, während diese Tränengas eingesetzt hätten. Ähnliche Szenen sollen sich auch in Fnideq, dem Startpunkt der Schwimmer*innen nach Ceuta, abgespielt haben. 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1. August
Handelsblatt

Spanische Nordafrika-Exklave: Wie kam es zur Ceuta-Krise?

Spanische Nordafrika-Exklave: Wie kam es zur Ceuta-Krise? Madrid/Ceuta/Kairo. Binnen Stunden strömen Zehntausende Menschen in die spanische Nordafrika-Exklave. Bewohner verbarrikadieren sich in ihren Häusern. Andere bedrohen und attackieren die oft sehr jungen Ankömmlinge. Diese irren zunächst ziellos und halb nackt durch die Straßen - und kehren wenig später nach Marokko zurück. Inzwischen hat sich die Lage in der Exklave deutlich entspannt. Doch die Chaos-Bilder dürften den politischen Streit über Migration in Europa noch lange bestimmen. Wie konnte es dazu kommen? Eine eindeutige Antwort gibt es bisher nicht - aber eine Menge Theorien. Über einen Punkt herrscht in Spanien ungewöhnliche Einigkeit: Der beispiellose Ansturm wäre nach Ansicht nahezu aller Beobachter ohne das zumindest zeitweilige Wegschauen der marokkanischen Behörden kaum möglich gewesen. Die normalerweise streng bewachte Grenze gilt als so sensibel und kontrollierbar, dass Zehntausende Menschen sie nach Einschätzung der Zeitung „El País“ nicht ohne „Billigung oder Mitwirkung“ der Verantwortlichen in Rabat hätten überwinden können. Die in zahlreichen Videos dokumentierte Untätigkeit marokkanischer Sicherheitskräfte lasse „keinen Zweifel“ daran. Die Spur führt nach Rabat Auch in Marokko merken einige Beobachter an, dass ein Vorfall wie der in Ceuta nur möglich sei, wenn die Behörden dort sie duldeten. Denn König Mohammed VI. regiert das Land autoritär und hat den Sicherheitsapparat und die digitale Überwachung mit Überwachungskameras massiv ausbauen lassen. Mehrere Migranten schildern spanischen Medien unabhängig voneinander, dass sie nicht gestoppt, sondern zum Grenzübertritt ermuntert worden seien. Doch welches Interesse könnte Rabat an den chaotischen Szenen gehabt haben? Klar ist, dass Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez trotz enger wirtschaftlicher Verflechtungen der Länder für Rabat zum Ärgernis geworden ist. Der hatte die Beziehungen zu Algerien - Marokkos Nachbar und größter Feind in der Region - vergangene Woche bei einem Besuch gestärkt. Neben dem Streit der beiden afrikanischen Nachbarn über die frühere spanische Kolonie Westsahara betrachtet Marokko zudem die beiden spanischen Exklaven als „besetzte marokkanische Städte“. Unmut könnte in Rabat auch die jüngste Zustimmung des Justizausschusses des spanischen Parlaments zu einem Gesetzentwurf ausgelöst haben. Er soll vielen Sahrauis – den indigenen Bewohnern der Westsahara – und ihren Nachkommen den Erwerb der spanischen Staatsbürgerschaft erleichtern. In spanischen Medien wird spekuliert, dass Marokko darin auch deshalb eine Provokation sieht, weil Angehörige der von Algerien unterstützten Unabhängigkeitsbewegung Polisario mit einem EU-Pass schwerer verfolgt oder strafrechtlich belangt werden könnten. Die Bewegung Polisario besteht weitgehend aus Sahrauis. Es ist möglich, dass Rabat Madrid mit einer Lockerung der Grenzkontrollen ein Signal senden wollte. Belege dafür gibt es zwar nicht. Der Verdacht kommt jedoch nicht von ungefähr: 2021 warf Spanien Marokko zuletzt vor, im Streit um die Westsahara Migration und Menschen als Druckmittel eingesetzt zu haben. Damals hatte Madrid den Chef der von Algerien unterstützten Polisario in einem Krankenhaus aufgenommen. Kurz darauf gelangten mehr als 8.000 Menschen nach Ceuta. Madrid sprach von „Erpressung“, Rabat entgegnete: „Handlungen haben Konsequenzen.“ Eine weitere Vermutung ist in der jetzigen Krise: Rabat habe zeigen wollen, dass seine Rolle als ein Grenzpolizist für Europa nicht selbstverständlich ist. Das Land erhält für Maßnahmen zur Eindämmung der Migration EU-Gelder in Millionenhöhe. Der Blick nach Washington und Jerusalem Diskutiert werden zudem mögliche Signale, die die spanische Migrationspolitik gesendet haben könnte. Dazu zählen die Legalisierung bereits im Land lebender irregulärer Migranten und ein Gerichtsurteil, das Zurückweisungen nach einer Einreise über das Meer erschwert. Die erste Maßnahme gilt zwar nicht für Neuankömmlinge, aber es heißt, sie könnten bei Migranten falsche Hoffnungen genährt haben. Noch weiter gehen andere Spekulationen. Spanien hat sowohl Israels Vorgehen im Gazastreifen als auch die US-Angriffe auf den Iran scharf kritisiert und sich zudem dem Druck von Präsident Donald Trump widersetzt, die Ausgaben für Verteidigung schneller zu erhöhen. Daraus leiten manche Beobachter die Vermutung ab, Marokko könne im Interesse seiner engen Verbündeten USA und Israel gehandelt haben, um die linke Regierung in Madrid zu destabilisieren und gleichzeitig die Migrations- und andere Debatten in Europa anzuheizen. Ein Israel-naher Analyst forderte deshalb vor einigen Monaten unumwunden, Israel solle Marokko helfen, Ceuta und Melilla „zurückzuerlangen“, um Spanien zu „bestrafen“. Belastbare Hinweise auf eine Beteiligung der USA oder Israels an den Ereignissen in Ceuta gibt es allerdings nicht. Die marokkanische Regierung kommentiert die Vorfälle auch am Samstag mit keinem Wort. Aus einer politischen Partei mit Nähe zum Königshof heißt es nur, ein „nationaler Dialog“ zu Problemen der Jugend sei nötig. Einige werfen der Regierung vor, die Jugend vernachlässigt zu haben. Autor Abdelhamid Bajouki schreibt, für die Betroffenen sei „das Meer weniger furchteinflößend als das Zuhause“. Jugend ohne Perspektive in Marokko Marokkos Wirtschaft wächst so schnell wie seit Jahren nicht, trotzdem ist die Arbeitslosigkeit vor allem bei jungen Menschen hoch. Laut einer Studie der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) hat jeder Dritte zwischen 15 und 29 Jahren keinen Job, kein Studium und keine Ausbildung. Besonders hart trifft es Frauen. In urbanen Zentren wie Casablanca, Rabat oder Fès wie auch im ländlichen Raum haben Menschen oft keine Perspektive - sie denken an ein Leben in Europa. Viele fassen Spanien und Frankreich ins Auge, wegen der geografischen Nähe und historischer Verbindungen dorthin. Beide EU-Länder beheimaten große marokkanische Gemeinden. Ausgenutzt wird die Lage von Schmugglern. Zwar versucht die Regierung seit Jahren, Menschenhandel einzudämmen. Die kriminellen Netzwerke bestehen aber weiter, in denen auch Migranten aus Ländern südlich der Sahara nach Europa geschleust werden. 2025 meldeten Marokkos Behörden 73.000 irreguläre Einreisen ins Land, vor allem aus der Sub-Sahara. Verwandte Themen Die Rolle von Handys und Social Media Eine wichtige Rolle spielten in der Ceuta-Krise offenbar auch die sozialen Netzwerke. Zahlreiche Migranten berichten, sie seien durch Videos und Nachrichten auf Plattformen wie TikTok auf die angeblich offene Grenze aufmerksam geworden. Dort habe sich rasch die Hoffnung verbreitet, in Ceuta würden Unterkünfte bereitstehen und die Weiterreise aufs spanische Festland winken. Vor Ort wich die Euphorie jedoch schnell der Ernüchterung. „Man hatte uns gesagt, wir bekämen eine Unterkunft und ein Visum für Algeciras. Aber das war alles gelogen“, erzählte etwa der 18-jährige Mohamed einem „El País“-Reporter. Eine junge Mutter klagte: „Ich habe nicht einmal Milch für mein Baby bekommen.“ Dass die meisten der 50.000 bis 60.000 Ankömmlinge auch unter dem Druck der spanischen Sicherheitskräfte schnell wieder „freiwillig“ nach Marokko zurückgingen, ist alles andere als verwunderlich.

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1. August
Neues Deutschland

Spanische Exklave in Nordafrika | Ceuta: Die Bedrohung, die keine war

- Kommentare - Spanische Exklave in Nordafrika Ceuta: Die Bedrohung, die keine war Mittlerweile ist ein Großteil der marokkanischen Migranten aus der Exklave in ihr Land zurückgegangen. Einige konnten die Heimreise nicht mehr antreten. Er wurde als »Angriff« und »Invasion« bezeichnet: der Übertritt Zehntausender Marokkaner in die spanische Exklave Ceuta in Nordafrika. Ganz Schlaue sahen durch ihn bereits den Untergang des Abendlandes oder den nächsten islamistischen Terroranschlag in Deutschland heraufziehen. Am Ende aber hat sich all das als Panikmache herausgestellt. Im Gegenteil: Es waren vor allem Fieberfantasien einer sich im Wahn befindenden politischen Rechten. Denn mittlerweile ist ein Großteil der marokkanischen Zuwanderer wieder ins Heimatland zurückgekehrt. Was bleibt also nach der Aufregung der vergangenen Tage? Vor allem drei Dinge. Erstens: Der Weg nach Ceuta hat mehr als 67 Migranten das Leben gekostet. Menschen, über die aktuell bei uns kaum jemand spricht, die aber nicht vergessen werden dürfen. Zeigen sie doch, was Europa für viele Zuwanderer ist: ein Sehnsuchtsort, der ein besseres Leben verspricht, dieses Versprechen aber oft nicht einhalten kann. Und schon der Weg dahin ist gefährlich. Die Ereignisse von Ceuta machen – zweitens – deutlich, wie vergiftet die Debatte über Zuwanderung bei uns ist, seit die AfD und ihre Sympathisanten den Takt darin vorgeben. Mittlerweile wird jeder Araber oder Afrikaner in Trump’scher Manier von der Öffentlichkeit entweder zu einem Sozialschmarotzer gemacht oder zu einem Wiedergänger von Osama bin Laden. Der Angriff auf den Berliner Christopher Street Day hat das Debattenklima in Deutschland auf ein Allzeittief gebracht. Drittens: Wir haben in Ceuta gesehen, dass Migration auch ein Druckmittel sein kann. Marokko hat nicht zum ersten Mal die Schleusen in die Exklave geöffnet. Rabat wird es auch weiter tun, solange der Konflikt um die von Marokko besetzte Westsahara nicht in seinem Sinne geklärt ist. Der Streit um das phosphat- und fischreiche Territorium schwelt genauso im Hintergrund wie wirtschaftliche Beziehungen Spaniens zum marokkanischen Erzfeind Algerien. Dabei ist diese »instrumentalisierte Migration« nicht neu. Beobachter werfen der belorussischen Regierung ein solches Vorgehen seit Jahren vor, um grenznahe EU-Staaten wie Polen unter Druck zu setzen. Ein Vorgehen, das perfider kaum sein könnte. Ceuta ist mehr als 2300 Kilometer Luftlinie von Berlin entfernt. Und dennoch hat fast jeder Handybesitzer in Deutschland die Bilder von schwimmenden Marokkanern über Social Media miterleben können. Die meisten von ihnen haben dabei vor allem Ablehnung und Abscheu in sich gespürt. Das ist wahrscheinlich die wichtigste Erkenntnis aus den Ereignissen der vergangenen Tage: Wir sind eine Gesellschaft geworden, in der alles Fremde irgendwie negativ konnotiert wird. Andere Zeitungen gehören Millionären. Wir gehören Menschen wie Ihnen. Die »nd.Genossenschaft« gehört ihren Leser*innen und Autor*innen. Sie sind es, die durch ihren Beitrag unseren Journalismus für alle zugänglich machen: Hinter uns steht kein Medienkonzern, kein großer Anzeigenkunde und auch kein Milliardär. Dank der Unterstützung unserer Community können wir: → unabhängig und kritisch berichten → Themen ins Licht rücken, die sonst im Schatten bleiben → Stimmen Raum geben, die oft zum Schweigen gebracht werden → Desinformation mit Fakten begegnen → linke Perspektiven stärken und vertiefen Mit »Freiwillig zahlen« tragen Sie solidarisch zur Finanzierung unserer Zeitung bei. Damit nd.bleibt.

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31. Juli
Die Zeit (Politik)

Spanische Exklave Ceuta: Rund 48.000 Migranten sind laut Behörden nach Marokko zurückgekehrt

Mehr als 48.000 der Migranten, die seit Donnerstag in die spanische Nordafrika-Exklave Ceuta gelangt waren, sind nach Marokko zurückgekehrt. Das teilte das spanische Innenministerium mit. Laut der Regionalregierung von Ceuta hatten etwa 60.000 Menschen die Exklave erreicht. Spaniens Zentralregierung sprach von 50.000 Menschen. »Nahezu alle, die in Ceuta angekommen waren, sind inzwischen wieder nach Marokko zurückgekehrt«, bestätigte der spanische Außenminister José Manuel Albares am Abend auf X. Nach Angaben der Regierung kehrten Zehntausende Migranten freiwillig über den Grenzdamm nach Marokko zurück. Hunderte weitere seien noch auf dem Rückweg. Experten der EU-Mitgliedstaaten planen für Samstag ein Treffen zur Lage. Für Montag ist nach Angaben der irischen EU-Ratspräsidentschaft eine Sitzung auf Botschafterebene angesetzt. Auch in Melilla sind Grenzschützer im Einsatz In der zweiten spanischen Nordafrika-Exklave Melilla versuchten Migranten Berichten zufolge ebenfalls, irregulär einzureisen. Rund 500 Menschen hätten am Freitagabend in Melilla versucht, die Grenze von Marokko aus zu überqueren, berichtete der staatliche Fernsehsender RTVE. Sicherheitskräfte seien im Einsatz gewesen. Zwei Stunden später, um 21 Uhr, habe es einen weiteren Versuch gegeben, den Grenzzaun zu überwinden. Mehrere Menschen schleuderten dem Bericht zufolge Steine auf die Beamten, während Sicherheitskräfte Tränengas eingesetzt hätten. Zunächst war unklar, ob einige der Migranten nach Melilla gelangt waren. Der Grenzübergang Beni Ansar ist seit Donnerstagabend geschlossen. Der spanische Außenminister verwehrte sich auch gegen Kritik anderer EU-Staaten nach mangelnder Grenzsicherung. Die Integrität des Schengenraums sei gewährleistet, sagte er. Es sei nicht möglich, von der Exklave Ceuta auf das spanische Festland zu gelangen, ohne sich auszuweisen. Albares kritisierte die »interessengeleitete Verwirrung« rund um die Krise. Italien hatte zuvor angekündigt, das Schengenabkommen zum freien Personenverkehr innerhalb der EU vorübergehend auszusetzen. Regierung meldet 57 Tote Nach Angaben der spanischen Regierung starben mindestens 57 Menschen beim Versuch, Ceuta zu erreichen. Viele Menschen sollen ertrunken sein. Zudem soll es eine Massenpanik gegeben haben. Ceuta hat weniger als 85.000 Einwohner und ist mit einer Fläche von nur 18,5 Quadratkilometern etwas kleiner als der Frankfurter Flughafen. Die kleine Exklave hatte nach dem Andrang der Migranten die spanische Zentralregierung gebeten, den Notstand auszurufen. Tausende Migranten, darunter unbegleitete Minderjährige, schliefen in Parks oder auf Bürgersteigen. Die aktuellsten Entwicklungen zur Lage in Ceuta und Melilla lesen Sie hier.

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31. Juli
FAZ (Politik)

Spanische Exklave Ceuta: Fast alle Migranten kehren freiwillig zurück

Spanische Exklave Ceuta : Fast alle Migranten kehren freiwillig zurück Richtungswechsel am Grenzzaun von Ceuta. Fast alle Migranten, die am Donnerstag gekommen waren, machten sich auf den Rückweg. Für sie gab es dort nicht einmal Wasser. 48.300 Menschen, die irregulär in die spanische Exklave Ceuta in Nordafrika gekommen sind, haben das Gebiet wieder Richtung Marokko verlassen. Das teilte das Innenministerium in Madrid am frühen Freitagabend mit. Das würde bedeuten, dass fast alle der geschätzten 50.000 Menschen, die nach Regierungsangaben seit Donnerstagmorgen in die Exklave an der Meerenge von Gibraltar gelangt waren, nicht mehr dort sind. Am Mittag hatte das Büro von Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez mitgeteilt, dass 150 Menschen in der Minute Ceuta verließen. Die Regionalregierung Ceutas hatte die Zahl der Ankömmlinge auf mehr als 60.000 geschätzt. Unabhängig überprüfen ließen sich die Angaben nicht. Medienberichten zufolge hielten sich am Nachmittag weiter Tausende Migranten in der Exklave auf. Die meisten waren den offiziellen Angaben zufolge schwimmend angekommen. Am Freitag wechselte an der Grenze der spanischen Nordafrika-Exklave Ceuta auf einmal die Richtung des Menschenstroms aus Marokko. Gruppen junger Marokkaner begannen, durch ein Loch im Zaun am Strand zu klettern, an dem die meisten von ihnen am Donnerstag schwimmend angekommen waren. Sie machten sich auf den Nachhauseweg. Gegen 18 Uhr hatte das Büro des spanischen Ministerpräsidenten gemeldet, dass mehr als 48.000 von 50.000 Migranten Ceuta wieder freiwillig verlassen hatten. „Fast alle, die eingereist sind, sind nach Marokko zurückgekehrt“, teilte der spanische Außenminister José Manuel Albares am Abend mit. Kein Trinkwasser Niemand kümmerte sich in Ceuta um die jungen Marokkaner. Praktisch alle Läden, Bars und Restaurants hatten geschlossen. Nicht einmal Trinkwasser gab es an Tankstellen zu kaufen. Vergeblich versuchten sie, marokkanische Dirham in Euro zu tauschen. Die meisten von ihnen hatten die Nacht im Freien verbracht, weil das einzige Aufnahmelager schon seit Tagen überfüllt war. Am Abend aber liefen immer noch zahlreiche Migranten durch die Straßen der spanischen Stadt mit knapp 84.000 Einwohnern. Schon bevor der Massenansturm begonnen hatte, waren mehr als 1200 Migranten nach Ceuta geschwommen. Junge Marokkaner sagten dem spanischen Sender RTVE, sie hätten in den sozialen Medien oder telefonisch von Bekannten gehört, dass die Grenze geöffnet sei und man ohne Einschränkungen in das Nachbarland einreisen könne. 57 Migranten ertranken auf dem Weg in die spanische Stadt Am Freitag wurden die spanischen Sicherheitskräfte an der Grenze verstärkt, auch die Armee wurde dabei eingesetzt. Wie die Nachrichtenagentur Efe berichtete, verhinderten Polizisten und Soldaten die Landung von Dutzenden Migranten, die versuchten, schwimmend nach Ceuta zu gelangen. Fast stündlich mussten die Rettungskräfte die Zahl der Ertrunkenen nach oben korrigieren. 57 Leichen fanden sie laut Presseberichten bis zum Freitagabend. Damit kamen in diesem Jahr schon 89 Migranten auf dem Weg nach Ceuta ums Leben. Im gesamten Vorjahr waren es 46. Italien führte am Abend für Nicht-EU-Bürger, die per Flugzeug oder Schiff aus Spanien einreisen, wieder Grenzkontrollen ein. Angesichts der schockierenden Bilder aus Ceuta werde Italien „nicht tatenlos zusehen“, hatte zuvor die italienische Regierungschefin Georgia Meloni gesagt und eine Aussetzung des Schengen-Abkommens angekündigt. Der spanische Außenminister Albares entgegnete, die Integrität des Schengen-Raums sei gewährleistet: „Schluss mit dieser absichtlichen Verwirrung“, teilte er mit. Es sei gar nicht möglich, auf das spanische Festland zu gelangen, ohne sich auszuweisen. Niemand sei aus Ceuta auf das spanische Festland und damit in den Schengen-Raum gelangt.

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31. Juli
FAZ (Politik)

Zurück in Marokko: Fast 50.000 Migranten sollen Ceuta schon wieder verlassen haben

Zurück in Marokko : Fast 50.000 Migranten sollen Ceuta schon wieder verlassen haben Zehntausende Menschen sind in die spanische Exklave Ceuta geschwommen. Fast alle sollen schon wieder nach Marokko zurückgekehrt sein. 48.300 Menschen, die irregulär in die spanische Exklave Ceuta in Nordafrika gekommen sind, haben das Gebiet wieder Richtung Marokko verlassen. Das teilte das Innenministerium in Madrid am frühen Freitagabend mit. Das würde bedeuten, dass fast alle der geschätzten 50.000 Menschen, die nach Regierungsangaben seit Donnerstagmorgen in die Exklave an der Meerenge von Gibraltar gelangt waren, nicht mehr dort sind. Am Mittag hatte das Büro von Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez mitgeteilt, dass 150 Menschen in der Minute Ceuta verließen. Die Regionalregierung Ceutas hatte die Zahl der Ankömmlinge auf mehr als 60.000 geschätzt. Unabhängig überprüfen ließen sich die Angaben nicht. Medienberichten zufolge hielten sich am Nachmittag weiter Tausende Migranten in der Exklave auf. Die meisten waren den offiziellen Angaben zufolge schwimmend angekommen. Bei dem Versuch, Ceuta über das Meer zu erreichen, sind wohl auch Dutzende Menschen ums Leben gekommen. Medienberichten zufolge wurden bis zum Freitagnachmittag 57 Ertrunkene geborgen. Migrationsdebatte in Europa Die Nachrichten aus Nordafrika fachten in Europa die Migrationsdebatte in Spanien und in Europa weiter an. „Die Bilder, die aus Ceuta kommen, sind inakzeptabel“, schrieb Ursula von der Leyen am Freitag auf der Plattform X. „Wir können niemandem erlauben, in unsere Union zu kommen, ohne sich an unsere Regeln zu halten“, so die EU-Kommissionspräsidentin weiter. Während die EU Madrid die Unterstützung der Grenzschutzagentur Frontex anbot, hat Italien das Schengenabkommen mit Spanien ausgesetzt. „Das Innenministerium hat die Schließung der See- und Luftgrenzen zu Spanien angeordnet“, hieß es am Freitagabend aus Rom. Zuvor hatte die italienische Regierungschefin Giorgia Meloni genau das gefordert. Angesichts der schockierenden Bilder aus Ceuta werde Italien „nicht tatenlos zusehen“, kündigte sie auf X an. Ähnlich äußerte sich die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen. Sie riet der EU, einen Ausschluss Spaniens aus dem Schengen-Raum in Betracht zu ziehen. „Es versteht sich von selbst, dass die EU umgehend alle erforderlichen Maßnahmen ergreifen und alle Optionen prüfen muss, einschließlich einer Aussetzung der Schengen-Zusammenarbeit“, äußerte sie. „Unkontrollierte Einwanderung stellt eine Bedrohung für Europa und für Dänemark dar“, fügte die sozialdemokratische Regierungschefin hinzu, die für ihren harten Kurs in der Ausländerpolitik bekannt ist. Angesichts der „schockierenden Bilder“ aus Ceuta wollten sie und die italienische Regierungschefin Giorgia Meloni die europäischen Staats- und Regierungschefs zusammenbringen, um über die Situation zu diskutieren. Bundeskanzler Friedrich Merz rief die spanische Regierung dazu auf, die Situation schnellstmöglich wieder in den Griff zu bekommen. „Der Schutz der Außengrenzen der Europäischen Union ist entscheidend für die Bekämpfung illegaler Migration“, betonte der CDU-Politiker. „Von Marokko erwarten wir, dass sie die illegalen Migranten unverzüglich wieder zurücknehmen.“

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