14. Juli Wirtschaftswoche
Iran-Krieg: Deutsche Reeder fürchten Trumps Schutzgebühr-Pläne
Deutsche Reeder fürchten Trumps Schutzgebühr-Pläne
Die deutschen Reeder schlagen Alarm. Nach der erneuten Blockade der Straße von Hormus sehen sie die freie Schifffahrt gefährdet – und warnen vor den fatalen Folgen von Donald Trumps Gebührenplänen.
„Die erneute Eskalation ist äußerst besorgniserregend“, sagt Martin Kröger, Hauptgeschäftsführer des Verbands Deutscher Reeder (VDR): „Nach den Hoffnungen auf eine schrittweise Normalisierung erleben wir nun einen deutlichen Rückschlag“.
US-Präsident Donald Trump hatte am Montag die Wiederaufnahme einer Seeblockade gegen den Iran angekündigt und erklärt, künftig eine Art Schutzgebühr in Höhe von 20 Prozent des Frachtwerts von allen Schiffen verlangen zu wollen, die die Meerenge passieren.
Reeder warnen vor Rechtsverstoß
Es sei nur „fair“, eine solche Gebühr zu erheben, schrieb der US-Präsident auf seiner Plattform Truth Social. Damit wolle er die Kosten ausgleichen, die für die Sicherung der Passage anfallen würden.
Fair? Die deutschen Reeder sehen darin einen erheblichen Verstoß gegen ein grundlegendes Prinzip des Seerechts.
„Kein einzelner Staat sollte den freien Zugang zu einer internationalen Wasserstraße einseitig von Gebühren abhängig machen“, warnt Verbandschef Kröger: „Das wäre rechtlich auch nicht zulässig.“
Wer Gebühren erhebt, würde das gesamte System der freien Schifffahrt infrage stellen. „Heute geht es um die Straße von Hormus, morgen um die Straße von Malakka, übermorgen um die nächste internationale Meerenge“, mahnt Kröger: „Wo soll das enden?“
Ein solches Gebührensystem hätte auch erhebliche wirtschaftliche Konsequenzen. „Die Folgen wären höhere Transportkosten, steigende Verbraucherpreise und ein weiterer Verlust an Verlässlichkeit für den Welthandel“, erklärt der Chef des VDR, dem Spitzenverband der deutschen Seeschifffahrt mit rund 150 Mitgliedsunternehmen: „Die zivile Handelsschifffahrt darf nicht zum Spielball geopolitischer Auseinandersetzungen werden.“
Genau das ist in der Straße von Hormus längst passiert. Der Iran hält die Weltwirtschaft im Würgegriff, indem er die Meerenge seit Beginn des Kriegs mit den USA am 28. Februar 2026 immer wieder blockiert. Zuvor wurden über die Straße von Hormus rund 20 Prozent weltweiten Ölbedarfs sowie ein Fünftel des weltweiten Flüssiggasangebots (LNG) transportiert.
Iraner machen sich über Trumps Gebühren lustig
Dabei hatten sich der Iran und die USA Mitte Juni eigentlich auf eine 60-tägige Waffenruhe geeinigt – festgehalten in einem Memorandum of Understanding (MoU), von Trump unterzeichnet im Schloss Versailles. Doch kurz darauf folgten Angriffe durch den Iran und Gegenangriffe der USA, bis Trump dann beim Nato-Gipfel in Ankara vergangene Woche die Waffenruhe für „beendet“ erklärte. Und das Mullah-Regime weiter eskalierte.
Die Straße von Hormus sei wieder geschlossen, erklärte der Iran am Wochenende. Wer über eine nicht zuvor genehmigte Route fahre, müsse es mit Beschuss rechnen. Daraufhin reagierte Trump am Montag wiederum mit seiner Blockade und den Gebührenplänen – über die sich wiederum die Iraner lustig machen.
Trump habe in einem Punkt „absolut recht“, schrieb Irans Außenminister Abbas Araghchi am Montagabend auf der Plattform X: Wer die sichere Passage von Handelsschiffen durch die Straße von Hormus gewährleiste, verdiene dafür eine Vergütung: „20 Prozent sind allerdings viel zu hoch“, so Araghchi: „Wir werden fair sein“.
Die deutschen Reeder finden das alles andere als lustig – denn für sie geht es bei der Eskalation am Golf nicht nur um die wirtschaftlichen Folgen, sondern auch um die Sicherheit der Crews.
Neue Blockade trifft 20 deutsche Schiffe
Rund 20 Schiffe, die sich in deutschem Eigentum befinden oder unter deutschem Management fahren, sind nach Angaben des Verbands derzeit in der Region unterwegs und von der neuen Blockade betroffen. Insgesamt hätten sie etwa 400 Seeleute an Bord.
Ursprünglich saßen nach Angaben des VDR rund 50 Schiffe mit etwa 1000 Seeleuten im Persischen Golf fest – drei dieser Schiffe seien im Zuge des Kriegs angegriffen worden. Immerhin hätten inzwischen mehr als die Hälfte der betroffenen Schiffe die Region verlassen können. Doch mit jeder neuen Eskalation wächst auch die Gefahr, erneut unter Beschuss zu geraten.
Erst in der Nacht zu Dienstag meldeten die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), dass der Iran zwei Tanker in der Straße von Hormus beschossen habe, die eine Route über omanische Hoheitsgewässer nehmen wollten. Ein indisches Besatzungsmitglied sei dabei getötet, acht Crewmitglieder verletzt worden, vier davon schwer, so das Verteidigungsministerium der VAE auf X
„Seit Ende Februar – also seit fast einem halben Jahr – ist eine sichere Schifffahrt in der Straße von Hormus nicht gewährleistet“, erklärt Kröger: „Das ist tragisch für die Seeleute und zugleich eine Katastrophe für die Planungssicherheit der Schifffahrtsunternehmen, auf die der internationale Handel angewiesen ist.“
Allein die Drohung, die Schiffe unter Beschuss zu nehmen, „reicht aus, um den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus nahezu zum Erliegen zu bringen“, sagt Kröger. Hinzu kämen Berichte über mögliche Minen und zahlreiche weitere Unwägbarkeiten.
Allerdings: Eine vollständige militärische Abriegelung der Wasserstraße bestehe derzeit nicht. „Unter hohem Sicherheitsaufwand und in enger Abstimmung mit den Marinen vor Ort finden weiterhin einzelne Passagen statt – allerdings auf deutlich reduziertem Niveau und unter erheblich erhöhtem Risiko“, erklärt Kröger. Die Sicherheit der Besatzungen habe uneingeschränkt Vorrang. „Viele Reedereien warten deshalb die weitere Entwicklung ab“, sagt Kröger.
Wo immer möglich, würden Risiken vermieden, Fahrten angepasst oder verschoben. „Sollte eine Passage notwendig sein, erfolgt sie nur nach sorgfältiger Sicherheitsbewertung und unter enger Abstimmung mit den zuständigen Behörden und den maritimen Sicherheitszentren“, erläutert Kröger.
Die internationale Staatengemeinschaft müsse jetzt alles daransetzen, die Freiheit der Schifffahrt wiederherzustellen und Handelsschiffe sowie ihre Besatzungen wirksam vor militärischen Auseinandersetzungen schützen, denn: „Freie Schifffahrt ist kein Selbstzweck“, betont Kröger.
Über See würden Energie, Rohstoffe, Lebensmittel, Medikamente und unzählige Güter transportiert, auf die Menschen und Unternehmen weltweit täglich angewiesen seien. „Deshalb müssen internationale Handelsrouten – ob in der Straße von Hormus, im Roten Meer oder in anderen strategisch wichtigen Seegebieten – jederzeit sicher und frei passierbar bleiben“, erklärt Kröger: „Nur so bleiben Lieferketten stabil, die Energieversorgung gesichert und die Versorgung von Millionen Menschen – auch hier in Deutschland – zuverlässig gewährleistet.“
Die Märkte reagierten am Montagabend prompt auf die Eskalation. Ein Fass der Nordsee-Sorte Brent stieg um 9,3 Prozent auf 83,05 US-Dollar.
Zuverlässig? Ist die Versorgung über die Straße von Hormus wohl noch lange nicht.
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