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Samstag, 1. August 2026
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Wochentaz-Podcast: Wie steht's mit der Solidarität nach dem CSD-Anschlag?

Medienspektrum

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1. August
taz (Öko & Co)

Wochentaz-Podcast: Wie steht's mit der Solidarität nach dem CSD-Anschlag?

Wochentaz-Podcast : Wie steht's mit der Solidarität nach dem CSD-Anschlag? Empfohlener externer Inhalt Der Terroranschlag auf den Berliner CSD traf queere Menschen. Doch unser Autor vermisst Solidarität und findet stattdessen Häme. Als beim Christopher Street Day im Berliner Tiergarten das Wort „Evakuierung“ auf den Bildschirmen aufleuchtete, stand taz-Redakteur Stefan Hunglinger in der Menge. Abdul B. hatte am Rande des Tiergartens ein Auto in die Menschenmenge gesteuert. Eine Frau starb, 29 Menschen wurden zum Teil schwer verletzt. Statt Solidarität hat Stefan Hunglinger nach dem Attentat viel Häme gegenüber der queren Community wahrgenommen. Darüber spricht er in dieser Folge von Reingehen mit Sophie Fichtner. Im zweiten Teil blicken wir nach Argentinien. Das Land hatte im Vergleich zu anderen südamerikanischen Ländern eine eigene Industrie. Seit zweieinhalb Jahren ist Javier Milei an der Macht, der mit seinen anarchokapitalistischen Vorstellungen die Wirtschaft in Argentinien umbaut. Was das für die Menschen im Land bedeutet, erzählt Sophia Boddenberg, Korrespondentin der taz und freie Autorin in Südamerika. Reingehen erscheint immer samstags und erzählt von den bewegendsten Geschichten aus der wochentaz. Ihr erreicht uns unter reingehen@taz.de Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? Werden Sie jetzt Teil der Community! Jetzt unterstützen meistkommentiert

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31. Juli
Süddeutsche Zeitung (Politik)

Podcast: „Auf den Punkt“: Wie die queere Community mit dem Anschlag auf den CSD umgeht

Eine knappe Woche ist der Anschlag auf den CSD in Berlin jetzt her. Eine Frau wurde getötet, 29 Menschen wurden teils schwer verletzt. Was hat dieser Anschlag in der queeren Community ausgelöst? Und was müsste sich jetzt politisch und gesellschaftlich ändern, damit queere Menschen in Sicherheit und Freiheit offen leben können? Darüber spricht in dieser Folge von „Auf den Punkt“ der politische Sprecher des CSD München, Bernd Müller. Er ist auch Stadtrat in München für die Rosa Liste. Er sagt: „Wenn die Politik ihre Worte der Trauer ernst meint, dann muss sie auch etwas dafür tun, dass diese Gesellschaft befähigt wird, queere Menschen als etwas Selbstverständliches anzunehmen. Und das beginnt zuallererst in der Bildung, in der Aufklärung in der Schule, aber geht natürlich weiter darüber hinaus.“ Die von Bundesministerin Karin Prien (CDU) angekündigten Kürzungen im Bundesförderprogramm „Demokratie leben!“, das aufgesetzt wurde, um Demokratie und Vielfalt zu fördern, sieht er dementsprechend kritisch. „Wer an der Vielfalt rüttelt, der macht sich wirklich auf den Weg in einen AfD-freundlichen Staat.“ Weitere Nachrichten: Uefa stellt sich gegen die Investorenpläne der Fifa; circa 60 000 Menschen sind von Marokko aus in die spanische Enklave Ceuta gelangt. Zum Weiterlesen: Den Text zum „Dann-doch-nicht-Minister“ Fritz Güntzler lesen Sie hier. Moderation, Redaktion: Johannes Korsche Redaktion: Nadja Schlüter Produktion: Juno Graner Zitiertes und zusätzliches Audiomaterial über „Jüdisches Forum – JFDA“. So können Sie unseren Nachrichtenpodcast abonnieren: „Auf den Punkt“ ist der tägliche Nachrichtenpodcast der Süddeutschen Zeitung zu den wichtigsten Themen des Tages. Sie finden alle Folgen auf sz.de/nachrichtenpodcast. Verpassen Sie keine Folge und abonnieren Sie unser Audio-Angebot in Ihrer Lieblings-Podcast-App oder bei iTunes und Spotify. Eine Übersicht über all unsere Podcasts finden Sie unter www.sz.de/podcast, und hier erfahren Sie, wie Sie unsere Podcasts hören können. Sie haben Fragen oder Anregungen? Dann schreiben Sie uns: podcast@sz.de.

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30. Juli
Neues Deutschland

CSD-Anschlag in Berlin | Solidarität statt Repression

- Politik - CSD-Anschlag in Berlin Solidarität statt Repression Der Terrorangriff auf den Berliner CSD steht für eine Queer-Feindlichkeit, die fundamentalistische Gruppen mit der extremen Rechten verbindet. Für queeres, migrantisches und nicht weißes Leben in Deutschland gibt es eine Zeit vor und eine nach dem Anschlag beim Berliner Christopher Street Day. Queere Communitys in Deutschland stehen unter Schock und trauern um das Terroropfer. Dazwischen mischt sich die Angst vor den Folgen der rassistisch aufgeladenen Debatte um vermeintlich importierte Queerfeindlichkeit. Was den Anschlag neben seiner Brutalität von anderen Fällen queerfeindlicher Hasskriminalität auszeichnet, ist das mutmaßliche Motiv: Islamismus. Unter dem Vorwand der Verteidigung queeren Lebens überschlagen sich Politiker*innen bürgerlicher bis rechter Parteien mit Vorschlägen für repressive Maßnahmen. Sogar Friedrich Merz scheint kurzerhand Sympathien für die queere Sache zu entwickeln: »Wir werden die Freiheit, die Offenheit, die Liberalität unseres Lebens und unserer Gesellschaft mit allem, was wir tun können, verteidigen.« Law and Order, mehr Überwachung, elektronische Fußfesseln und die Hochrüstung von Polizei und mehr Abschiebungen sind das schwarz-rote Tauschangebot zur Sicherung queeren Lebens, nachdem mit den massiven Kürzungen von Bundes- und Landesmitteln für Kultur und Soziales in den letzten Monaten Raubbau an der Zivilgesellschaft betrieben wurde. Vielfach sind es gerade antirassistische und queere Initiativen, die ihre Arbeit einstellen mussten. Die Behauptung, dass »Law and Order« wirklich hilft, wird in Anbetracht des Vorgehens der Polizei am Tag des Anschlags jedenfalls fraglich. Die Beamten waren mit ihren repressiven Maßnahmen und roher Gewalt gegen die parallel stattfindende palästinasolidarische »Internationalist Queer Pride« auch in diesem Jahr ausgelastet. Als Maßnahme der Terrorbekämpfung erschossen sie schließlich den 21-jährigen Tatverdächtigen – anstelle einer Festnahme mit Verhör. Die Sicherheit queerer Menschen wird als Frage nationaler Grenzen instrumentell verhandelt: hier der vermeintlich liberale Westen, in dem queere Menschen von Teilhabemöglichkeiten und Diskriminierungsschutz profitieren, dort der angeblich queerfeindliche Globale Süden, der den liberalen Freiheitsanspruch westlicher Demokratien und damit Frauen und queere Menschen durch Zuwanderung bedroht. Angesichts der sich von rechts in die Mitte ausbreitenden Queerfeindlichkeit spiegelt das die Lebenssituation von LSBTIQ++ in Deutschland kaum wider. Und auch die Behauptung von der durch Migration importierten Queerfeindlichkeit verschiebt den Blick von tatsächlichen Bedrohungen queeren Lebens hin zu einer migrationspolitischen Erzählung, die rassistische Ausgrenzung legitimiert, statt Sicherheit zu schaffen. Nicht nur werden vulnerable Gruppen gegeneinander ausgespielt. Die falsche Gegenüberstellung von queerer Sicherheit und migrantischen Teilhabe- und Aufenthaltsrechten führt an den gesellschaftlichen Problemen, die solche Gewalt erst ermöglichen, völlig vorbei. Der Anschlag macht sichtbar, wie lebensbedrohlich der globale Vormarsch rechter, rechtsextremer, religiös-fundamentalistischer und maskulinistischer Akteure für queeres und nicht weißes Leben, für marginalisierte und ökonomisch prekär lebende Communitys ist. Queerfeindlicher Terror richtet sich gegen das kollektive queere politische Subjekt, das bei CSDs öffentlichen Raum einnimmt, Sichtbarkeit und Teilhabe einfordert und dabei Erprobungsräume für selbstbestimmtes Leben schafft. Die kollektive Besetzung von öffentlichen Orten, die im Alltag für queere und von Rassismus betroffene Menschen unsicher sind, schafft ein Fenster zu einer Zukunft, in der alle Menschen ohne Angst verschieden sein können. Es ist dieses utopische Moment, das durch queerfeindlichen Terror wie beim Berliner CSD 2026, die Tötung von Malte C. beim CSD Münster 2022 oder rechtsextreme Angriffe auf CSDs in Kleinstädten wie Döbeln, Zwiesel, Köthen und anderswo gebrochen werden soll. Tarek Shukrallah ist Organizer*in und aktivistische*r Forscher*in. Shukrallah veröffentlichte zuletzt das Buch »Nicht die Ersten. Bewegungsgeschichten von Queers of Color in Deutschland« (Assoziation A). Andere Zeitungen gehören Millionären. Wir gehören Menschen wie Ihnen. Die »nd.Genossenschaft« gehört ihren Leser*innen und Autor*innen. Sie sind es, die durch ihren Beitrag unseren Journalismus für alle zugänglich machen: Hinter uns steht kein Medienkonzern, kein großer Anzeigenkunde und auch kein Milliardär. Dank der Unterstützung unserer Community können wir: → unabhängig und kritisch berichten → Themen ins Licht rücken, die sonst im Schatten bleiben → Stimmen Raum geben, die oft zum Schweigen gebracht werden → Desinformation mit Fakten begegnen → linke Perspektiven stärken und vertiefen Mit »Freiwillig zahlen« tragen Sie solidarisch zur Finanzierung unserer Zeitung bei. Damit nd.bleibt.

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30. Juli
taz (Öko & Co)

Christopher Street Day: Strafrecht verhindert keine Anschläge

Christopher Street Day : Strafrecht verhindert keine Anschläge Sobald ein Attentat verübt wird, folgen die Rufe nach Law-&-Order-Maßnahmen. Nur gibt es für deren Wirksamkeit zur Terrorprävention keine Evidenz. D er Anschlag auf den Berliner Christopher Street Day traf die LGBTQ+-Community an einem Ort, an dem sie ohne Angst sichtbar sein wollte. Die Gewalt richtet sich also direkt gegen die Botschaft des CSD, dass niemand wegen sexueller Orientierung oder geschlechtlicher Identität um seine Sicherheit besorgt sein muss. Diese Tat begründet berechtigte Angst. Wer also über politische Konsequenzen spricht, muss diese Angst ernst nehmen und bei Reaktionen bedenken, was tatsächlich mehr Sicherheit schafft. Das dafür erforderliche Innehalten fällt in polarisierten Zeiten schwer. Schnell folgt der Ruf nach härteren Sanktionen, häufig verbunden mit verstärktem Grenzschutz und sofortigen Abschiebungen. Der Terrorismusexperte Peter Neumann verlangte ein schärferes Terrorstrafrecht, der Vorsitzende der Jungen Union, Johannes Winkel, Erwachsenenstrafrecht für sämtliche „Gefährder“. Diskutiert werden außerdem höhere Strafen für unter 21-Jährige, die generelle Überprüfung des Jugendstrafrechts, mehr Sicherungsverwahrung und Abschiebehaft, strengere Einbürgerungsregeln sowie erweiterte Überwachung. ist Professorin für Strafrecht, Strafprozessrecht, Digitalisierung und Grundlagen des Rechts an der BSP Business & Law School Berlin. Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehört auch das Jugendstrafrecht. Keine empirische Grundlage Nur gibt es etwa für eine erheblich höhere Abschreckungswirkung härterer Strafen schlicht keine tragfähige empirische Grundlage. Ideologisch motivierte Täter werden kaum rational mit der drohenden Strafe kalkulieren: Wer bereit ist, für eine „Mission“ zu sterben, lässt sich nicht davon beeindrucken, ob Vorbereitungshandlungen mit 22 Monaten oder 4 Jahren Freiheitsstrafe geahndet werden. Tatsächlich kann eine längere Haft vielmehr die für die Rückfallvermeidung wichtige Wiedereingliederung erschweren. Davon zu unterscheiden ist die Sicherungswirkung der Haft. Wäre der mutmaßliche Täter in Haft geblieben, hätte er diesen Anschlag nicht begehen können. Es gibt bei der Untersuchungshaft die Möglichkeit, sie bei bestimmten Delikten zum Schutz vor Wiederholungstaten anzuordnen; warum dies im konkreten Fall nicht angenommen wurde, wird zu untersuchen sein. Dabei ist jedoch zu berücksichtigen: Untersuchungshaft ist wie die zwangsweise Unterbringung vermeintlich gefährlicher Personen nur unter strengen Bedingungen möglich. Das ist unter den Nachwirkungen derart schrecklicher Taten nur schwer zu ertragen. Dennoch: Diese Begrenzung schützt uns alle vor unbestimmter Haft aufgrund behördlicher Prognosen. Die Forderung, bei derartige Radikalisierung solle generell keine Reifeverzögerung mehr angenommen, also für Heranwachsende immer Erwachsenenstrafrecht angewandt werden, klingt zunächst einmal nach entschlossenem Handeln für die Sicherheit unserer Gesellschaft. Sie läuft jedoch Erfahrung und wissenschaftlicher Erkenntnis zuwider. Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten linken Meinungsspektrums. Rückfälle können verhindert werden Junge Menschen, die sich noch in der Entwicklung und auf Identitätssuche befinden, sind durch extremistische Ideologien und simplifizierende Weltanschauungen leicht und schnell beeinflussbar. Gerade in solchen Fällen kann die erzieherische Einwirkung und soziale Stabilisierung des Jugendstrafrechts einen Rückfall im Regelfall wirksamer verhindern. Der Fall wirft dennoch schwerwiegende Fragen auf. Der mutmaßliche Täter soll seit seinem 16. Lebensjahr bekannt und als radikalisiert sowie gewaltbereit eingestuft worden sein. Nach seiner Entlassung wurde er observiert, sein Telefon überwacht; zudem sollte er an einem Deradikalisierungsprogramm teilnehmen. Dem Staat fehlten offenbar weder Informationen noch Instrumente. Eine unabhängige Fallanalyse muss nun klären, was Polizei, Verfassungsschutz, Staatsanwaltschaft, Gericht und der Träger des Programms wussten und ob diese Erkenntnisse angemessen zusammengeführt wurden. Erst dann zeigt sich, ob Befugnisse fehlten oder vorhandene Möglichkeiten unzureichend genutzt wurden. Nötig sind ganz generell verbindliches Fallmanagement und langfristige, evaluierte Deradikalisierungsprogramme. Bei akut gewaltbereiten Personen brauchen sie engmaschige sicherheitsbehördliche Begleitung und ausreichende Ressourcen. Eine effektive Antiterrorismuspolitik und eine nachhaltige Deradikalisierung verlangen aber auch Strategien der Resozialisierung und der Wiedereingliederung. Haftstrafen allein verhindern den Rückfall nicht. Der Fall Kujtim F. Als Beispiel dient der Fall von Kujtim F., der wegen Beteiligung an einer terroristischen Vereinigung zu einer Freiheitsstrafe von 22 Monaten verurteilt worden war. Er trat die Haft tatsächlich an und verübte nach seiner Entlassung am 2. November 2020 in der Wiener Altstadt einen Terroranschlag. Zur Untersuchung des Falls wurde in Österreich eine Kommission eingerichtet und hier letztlich die Deradikalisierungsarbeit während und nach dem Strafvollzug als defizitär betrachtet. Derart genau müssen auch im Fall von Abdul B. die Entscheidungen der Behörden untersucht und anschließend konkrete, sich aus der Untersuchung und wissenschaftlicher Erkenntnis ergebende Konsequenzen gezogen werden. Die Tat von Berlin darf allerdings nicht nur als Problem eines Einzeltäters behandelt werden. Islamistische Queerfeindlichkeit muss klar benannt und bekämpft, der extremistische Islamismus dabei aber auch vom Islam unterschieden werden. Prävention verlangt Schutzkonzepte für queere Veranstaltungen, vertrauenswürdige Meldestrukturen und eine Auseinandersetzung mit realen und digitalen Radikalisierungsräumen. Plattformen dürfen nicht weiter an der Verbreitung menschenfeindlicher Inhalte verdienen. Und vor allem: Präventive, als wirksam eingestufte Programme gegen Radikalisierung jeder Art müssen zuverlässig und langfristig unterstützt und ausgeweitet werden. Vorgetäuschte Handlungsfähigkeit Ein starker Rechtsstaat beweist sich nach einer solchen Tat nicht durch die Geschwindigkeit, mit der er Strafgesetze verschärft. Seine Stärke zeigt sich darin, dass er Fehler aufklärt, vorhandenes Wissen wirksam und reflektiert nutzt und Freiheit auch im Angesicht berechtigter Angst schützt – so schmerzhaft die Erkenntnis ist, dass eine freiheitsorientierte Gesellschaft umfassende Sicherheit nicht garantieren kann. Härtere Strafen täuschen Handlungsfähigkeit nur vor. Besseres Gefahrenmanagement, ernsthafte, evidenzbasierte Prävention und intensiver Schutz queeren Lebens würden sie tatsächlich herstellen. Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? Werden Sie jetzt Teil der Community! Jetzt unterstützen meistkommentiert

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29. Juli
Neues Deutschland

Attentat auf den CSD | CSD-Attentat in Berlin: Unsere Antwort heißt Solidarität

- Berlin - Attentat auf den CSD CSD-Attentat in Berlin: Unsere Antwort heißt Solidarität Der Anschlag auf den Christopher Street Day verlangt Konsequenzen – aber keine Politik der Angst oder Spaltung. Als wir von »einer schwierigen Situation« hörten, die sich später als Anschlag herausstellen sollte, waren wir im Backstage des Berliner Christopher Street Day (CSD) und nur etwa hundert Meter vom Tatort entfernt. Wir wussten sofort, die Lage ist ernst. Die Evakuierung und die Anspannung haben wir unmittelbar miterlebt. Auch Tage später sitzen Schock und Trauer tief. Viele Menschen aus unserer queeren Community fragen sich, wie sicher unsere Orte noch sind und welche Konsequenzen folgen müssen. Unsere Gedanken sind bei den Angehörigen der verstorbenen polnischen Mutter, bei den Verletzten, ihren Angehörigen und allen, die diesen Tag miterleben mussten. Unser Dank gilt dem Team des Berliner CSD, dessen Krisenmanagement professionell und umsichtig war. Der Berliner CSD hat in einer Extremsituation Haltung bewiesen und die richtigen Worte gefunden. Doch kaum war der Anschlag bekannt, begann die politische Deutung: Die einen fordern schärfere Gesetze und mehr Überwachung. Die anderen nutzen die Tat für pauschale Schuldzuweisungen. Wieder andere tun sich schwer, den Tathintergrund zu benennen. Wer unsere Gesellschaft verteidigen will, darf sich aber weder von Angst noch von Reflexen leiten lassen. Unsere Antwort darf nicht in autoritären Scheingewissheiten liegen, sondern in Solidarität und dem Schutz derjenigen, die angegriffen werden. Die Behauptung, die queere Community habe islamistisch begründete Queerfeindlichkeit über Jahre verdrängt oder ignoriert, ist falsch. Wer die Berliner Queerpolitik kennt, weiß, dass das nicht der Realität entspricht. Der Berliner CSD ist heute professioneller organisiert und besser geschützt als jemals zuvor. Die enge Zusammenarbeit mit der Polizei, weiterentwickelte Sicherheitskonzepte, Zufahrtssperren und professionelle Einsatzplanung zeigen, dass man vorbereitet war, gerade weil die Gefahr eines möglichen Attentats stets präsent war. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 und weiteren islamistischen Anschlägen in Deutschland und Europa wurde auch im Vorstand des Berliner CSD darüber diskutiert, ob die Veranstaltung eines Tages selbst Ziel eines terroristischen Angriffs werden könnte. Damals erschien diese Vorstellung vielen noch weit entfernt. Heute wissen wir, dass diese Gefahr real ist. Trotzdem darf die Antwort darauf nicht lauten, öffentliche Räume der Freiheit in Festungen zu verwandeln. Der CSD lebt von Sichtbarkeit, Offenheit und Begegnung. Genau diese Werte sollen durch Terror zerstört werden, deshalb dürfen wir sie nicht aufgeben. Berlin hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten gezeigt, dass Sicherheit immer auch mit Prävention, Bildung und gesellschaftlichem Dialog beginnt. Mit der Initiative »Berlin tritt ein für Selbstbestimmung und Akzeptanz geschlechtlicher und sexueller Vielfalt« (IGSV) hat das Land vor 17 Jahren unter der damaligen rot-roten Landesregierung, maßgeblich von der Linken initiiert und gemeinsam mit der Community entwickelt, früh einen Weg eingeschlagen, der bundesweit Maßstäbe setzte und später von allen Bundesländern übernommen wurde. Die IGSV hat wesentlich dazu beigetragen, dass Berlin heute als eine der offensten und queerfreundlichsten Metropolen Europas gilt – als Regenbogenhauptstadt. Die IGSV hat sexuelle und geschlechtliche Vielfalt dauerhaft in Schulen, Kitas, Verwaltung, Polizei, Staatsanwaltschaft und vielen weiteren gesellschaftlichen Bereichen verankert. Sie stärkte queere Sichtbarkeit und machte Vielfalt selbstverständlicher, es war kein repressiver Ansatz. Ihr Ansatz richtete sich nie nur an eine bestimmte Gruppe. Vielmehr zielte er darauf, Vorurteile überall abzubauen, in Stadtteilen mit eher rechten Einstellungen ebenso wie dort, wo Menschen aus Herkunftskontexten leben, in denen queere Menschen bis heute gesellschaftlicher oder staatlicher Verfolgung ausgesetzt sind. Diese und viele weitere Maßnahmen, getragen von einer starken und lebendigen, queeren Community, haben in den vergangenen Jahren wichtige Akzente gesetzt. Nach diesem Anschlag müssen wir dennoch prüfen, wie erfolgreiche Konzepte weiterentwickelt werden können. Dazu gehört auch die Frage, wie Präventions- und Bildungsangebote noch stärker dort wirken können, wo patriarchale Rollenbilder, autoritäres Denken oder religiös begründete Queerfeindlichkeit fortbestehen. Das gelingt nicht durch pauschale Ausgrenzung oder das von den Rechten gezeichnete Feindbild Islam, sondern durch konsequente Aufklärung, verlässliche soziale Infrastruktur und einen intensiven Dialog, auch mit muslimischen Gemeinden, Verbänden und den vielen Menschen in diesen Communitys, die sich selbst für Demokratie, Menschenrechte und Vielfalt einsetzen. Die Behauptung, die Berliner Queerpolitik sei auf dem Auge des Islamismus blind gewesen, weisen wir entschieden zurück. Religiös begründete Queerfeindlichkeit war uns nicht unbekannt. Wir kannten sie aus unserer politischen Arbeit ebenso wie aus den Analysen der Sicherheitsbehörden. Die eigentliche Herausforderung war und ist, darauf die richtigen demokratischen Antworten zu finden. Gleichzeitig gilt: Der Kampf gegen Rechtsextremismus und Islamismus darf nicht gegeneinander ausgespielt werden. Diese Ideologien richten sich gegen Demokratie, gegen die Gleichberechtigung von Frauen, gegen kollektive Rechte und gegen die Freiheit sexueller und geschlechtlicher Vielfalt. Islamismus und Rechtsextremismus nutzen Ängste, soziale Unsicherheit und das Gefühl, nicht dazuzugehören, um Menschen gegeneinander auszuspielen und Hass auf diejenigen zu lenken, die ohnehin schon verletzlich sind. Die demokratischen Antworten bleiben deshalb dieselben: Prävention, Bildung, konsequente Strafverfolgung und der Schutz derjenigen, die bedroht werden. Genauso klar muss aber sein: Radikalisierung entsteht nicht im luftleeren Raum. Armut, prekäres Leben, mangelnde gesellschaftliche Teilhabe, rassistische Ausgrenzung und andere Erfahrungen des Abgehängtseins sind niemals eine Entschuldigung für Gewalt. Aber sie können dazu beitragen, dass Menschen für islamistische, autoritäre und menschenfeindliche Ideologien ansprechbar werden. Wer das ignoriert, wird Radikalisierung nicht wirksam bekämpfen. Deshalb müssen Präventionsstrategien passgenau sein und soziale Fragen mit einbeziehen. Gerade eine gut ausgestattete Jugend- und Sozialarbeit, eine Schulsozialarbeit und eine aufsuchende Sozialarbeit sind zu stärken. Doch gute Bildungsprogramme oder eine gute Sozialarbeit werden einen fanatisierten Einzeltäter, der bereit ist, sein Leben zu opfern, nie vollständig verhindern können. Deshalb brauchen wir beides: einen handlungsfähigen Rechtsstaat, der bekannte Gefährder mit den Mitteln des geltenden Rechts konsequent im Blick behält und Straftaten verhindert und zugleich eine langfristige Präventionsarbeit, die Radikalisierung frühzeitig entgegenwirkt. Wer Freiheit verteidigen will, muss sie schützen, ohne sie selbst abzubauen. Nach diesem Anschlag braucht die queere Community mehr Unterstützung. Dabei geht es nicht nur um einzelne Maßnahmen, sondern um eine politische Richtung: um eine solidarische, organisierende und emanzipatorische Antwort auf Terror, Hass und Spaltung. Die Politik darf sich nicht auf Symbole beschränken. Sie muss materielle Sicherheit, Schutz und demokratische Teilhabe für unsere Community stärken, insbesondere für arme Queers, Sexarbeiter*innen, migrantisierte Queers, jüdische Queers, muslimische Queers, Queers mit einer Behinderung und geflüchtete Queers. Bundespolitisch brauchen wir jetzt keine Lippenbekenntnisse. Der Schutz der sexuellen und geschlechtlichen Identität muss endlich ausdrücklich in Artikel 3 Absatz 3 des Grundgesetzes verankert werden. Das Bundesprogramm »Queer Leben« muss wieder aufgelegt und dauerhaft verlässlich ausgestattet werden. Gleichzeitig dürfen die angekündigten Kürzungen queerer Projekte im Bundesprogramm »Demokratie leben!« nicht umgesetzt werden; das betrifft insbesondere das Jugendprojekt Lambda. Bildungs-, Beratungs- und Jugendprojekte leisten einen unverzichtbaren Beitrag zur Prävention von Menschenfeindlichkeit und zur Stärkung unserer Demokratie. Und natürlich müssen Deradikalisierungsprogramme gegen religös und politisch begründeten Fundamentalismus gestärkt werden. Landespolitisch sollte Berlin die Kürzungen bei der queeren Bildung und der queeren Wohnungslosenunterstützung sofort zurücknehmen. Die erfolgreiche IGSV muss weiterentwickelt und finanziell gestärkt werden. Queere Beratungsstellen, Jugendangebote, psychologische Betreuung, Schutzräume, Kulturorte und Clubs brauchen langfristige Planungssicherheit. Queere Orte sind nicht bloß Ausgehorte; sie sind Schutzräume, Infrastrukturen von Solidarität und Orte der Selbstbehauptung. Berlin braucht nicht weniger, sondern mehr solche Orte. Dies muss der kommende Senat stärken und finanziell absichern. Ein soziales Berlin ist zugleich ein queeres Berlin. Der wirksamste Schutz gegen Hass ist nicht Angst. Es sind starke demokratische Institutionen, gute Bildung, soziale Sicherheit und Menschen, die füreinander einstehen. Wer nun queeres Leben besser schützen will, muss zugleich die Demokratie und den Sozialstaat stärken. Dies kommt allen Menschen zugute. Und genau deshalb waren die Worte, die Marcel Voges, der hauptamtliche Vorstand des Berliner CSD e.V., kurz nach dem Attentat fand, so zutreffend: »Wir lassen uns nicht spalten.« Bodo Niendel, Referent für Queerpolitik der Bundestagsfraktion der Linken und Vorsitzender von Helle Panke e.V./Rosa-Luxemburg-Stiftung Berlin, und Luca Renner, Mitglied des Parteivorstands der Linken sowie Landessprecher*in von Die Linke Queer Brandenburg, engagieren sich seit vielen Jahren in der Queerpolitik und setzen sich für soziale Teilhabe und gesellschaftliche Vielfalt ein. Wir haben einen Preis. Aber keinen Gewinn. Die »nd.Genossenschaft« gehört den Menschen, die sie ermöglichen: unseren Leser*innen und Autor*innen. Sie sind es, die mit ihrem Beitrag linken Journalismus für alle sichern: ohne Gewinnmaximierung, Medienkonzern oder Tech-Milliardär. 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27. Juli
Neues Deutschland

CSD-Attentat | »Die Angst darf nicht gewinnen«

- Berlin - CSD-Attentat »Die Angst darf nicht gewinnen« Nach dem Anschlag auf den CSD trauert die queere Community. Ben Miller, Vorstand beim Schwulen Museum, warnt im nd-Interview vor der Instrumentalisierung. Wie hat der Anschlag auf den Christopher Street Day die queere Community in Berlin getroffen? Es ist schrecklich, und wir sind erschüttert. Meine Gedanken sind bei der Frau, die am Samstag auf dem CSD feiern wollte und dann nie nach Hause gekommen ist, und bei allen ihren Liebsten, bei den Menschen, die gerade noch um ihr Leben kämpfen, bei den vielen Menschen, die geholfen haben, den Sanitätern und den Ärzten in den Krankenhäusern. Jeder von uns kennt Freunde, die dort waren. Wir brauchen dringend Klarheit darüber, wie sich ein solcher Vorfall bei einer Veranstaltung ereignen konnte, die angesichts des Klimas des Hasses gegen queere und trans Menschen eigentlich gut gesichert sein sollte – zumal der mutmaßliche Täter der Polizei bereits bekannt war. Es gibt aber auch eine ganz klare Stimmung: Die Angst darf nicht gewinnen. Wir werden nicht weniger sichtbar sein. Deshalb haben wir als Schwules Museum beschlossen, am Sonntag zur gewohnten Zeit zu öffnen, um sicherzustellen, dass es Orte gibt, an denen sich Menschen treffen können. Ben Miller gehört zum Vorstand des Vereins, der das Schwule Museum in Berlin-Tiergarten trägt. Seine geschichtswissenschaftliche Dissertation zu kulturellen Identitäten in der schwulen Befreiungsbewegung gewann den Tibertius-Preis. Gemeinsam mit Huw Lemmey moderiert er den Podcast »Bad Gays«. Sie haben an anderer Stelle gesagt, dass der Angriff Sie nicht überrascht hat. Warum? Es gibt einen rasanten Anstieg von queerfeindlichen Übergriffen. Da geht es nicht nur um Parolen, sondern immer wieder auch um Gewalt. Und das aus jeder gesellschaftlichen Ecke. Es gibt keinen queeren oder trans Menschen, der nicht schon mal mit Bedrohungen auf der Straße oder im Netz konfrontiert war. Die Reaktion der Politik darauf ist, queere Infrastruktur kaputt zu sparen. Wenn man an Präventionsmaßnahmen, am Kampf gegen Homo- und Transphobie oder an den sozialen Strukturen der queeren Community spart, steigt die Wahrscheinlichkeit von Gewalt. Welche Bedrohung stellt Islamismus für queere Communitys dar? Gewalt gegen queere und trans Menschen hat ihren Ursprung in Homo- und Transphobie. Mir fehlt die Auseinandersetzung mit diesen Ideologien im aktuellen Mediendiskurs. Was die meisten dieser Angriffe gemeinsam haben, ist, dass sie von jungen Männern mit patriarchalischen Weltanschauungen ausgehen. Manchmal rechtfertigen sie ihre Taten mit religiösem Fanatismus, manchmal mit Antifeminismus, manchmal mit der Sorge um den Fortbestand des vermeintlichen Volkes. Wir wissen, dass laut Kriminalstatistik rechtsextreme Gewalt andere genannte Ursachen für Angriffe auf queere und trans Personen bei Weitem übertrifft. Die Bedrohung kommt nicht von außen, sondern aus dem Inneren »unserer« Gesellschaft. Schon vor dem Anschlag gab es eine vom CDU-Spitzenkandidaten Stefan Evers angestoßene Diskussion über Homophobie in migrantisch geprägten Teilen der Stadt. Ich fühle mich als queere Person in Neukölln nicht unsicherer als in anderen Berliner Kiezen. Ich nehme diese Debatte als zunehmend realitätsfern wahr. In Neukölln gibt es eine große queere Szene, viel queeres Nachtleben findet dort statt. Und dann wird so getan, als ob das eine No-Go-Zone wäre. In diesen diversen Kiezen gibt es zudem viele queere Menschen, die selbst einen Migrationshintergrund haben. Die bleiben bei diesen Diskussionen stets außen vor. Anstatt darauf zu hören, was die Menschen brauchen, die tatsächlich in diesen Stadtvierteln leben, scheint es einfacher zu sein, Ängste zu schüren. Wie kann die queere Community jetzt besser geschützt werden? Wir brauchen eine sicher finanzierte Infrastruktur. Wir müssen queere Bildungsarbeit, queere Jugendarbeit und den Kampf gegen Homo- und Transphobie vernünftig umsetzen. Gerade erst hat der Senat in Berlin bei queeren Bildungsprojekten gekürzt. Auf Bundesebene wurden bei Lambda, dem queeren Jugendnetzwerk, die Mittel weggenommen. Der Aktionsplan queeres Leben, den diese Bundesregierung aufgegeben hat, muss umgesetzt werden. Die Angriffe auf die geschlechtliche Selbstidentifikation für trans Menschen müssen ein Ende haben – auch seitens der demokratischen Mitte. Die Unionsparteien müssen aufhören, von Zusammenarbeit mit einer AfD zu träumen, die strukturell queer- und transfeindlich ist und offen Gewalt gegen uns plant, sollte sie an die Macht kommen. Wir brauchen jetzt keine Solidaritätsbekundungen von Leuten, die bei uns wie Bundeskanzler Merz an ein »Zirkuszelt« denken oder die wie Bundestagspräsidentin Klöckner das Hissen der Regenbogenfahne verbieten. Und wir brauchen eine Untersuchung der Sicherheitsmängel, die diesen schrecklichen Anschlag ermöglicht haben und dazu geführt haben, dass der mutmaßliche Täter so lange auf freiem Fuß bleiben konnte. Wir brauchen jetzt Taten statt Worte. Andere Zeitungen gehören Millionären. Wir gehören Menschen wie Ihnen. Die »nd.Genossenschaft« gehört ihren Leser*innen und Autor*innen. Sie sind es, die durch ihren Beitrag unseren Journalismus für alle zugänglich machen: Hinter uns steht kein Medienkonzern, kein großer Anzeigenkunde und auch kein Milliardär. Dank der Unterstützung unserer Community können wir: → unabhängig und kritisch berichten → Themen ins Licht rücken, die sonst im Schatten bleiben → Stimmen Raum geben, die oft zum Schweigen gebracht werden → Desinformation mit Fakten begegnen → linke Perspektiven stärken und vertiefen Mit »Freiwillig zahlen« tragen Sie solidarisch zur Finanzierung unserer Zeitung bei. Damit nd.bleibt.

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27. Juli
Neues Deutschland

Anschlag auf den CSD Berlin | Queeres Leben schützt man nicht mit law and order

- Kommentare - Anschlag auf den CSD Berlin Queeres Leben schützt man nicht mit law and order Der Anschlag auf den Berliner CSD trifft eine Community, die sowieso mit Angriffen, Hetze und Sparpolitik kämpft. Ein Kommentar. Der Anschlag auf den Berliner Christopher Street Day (CSD) am Samstag war ein Angriff auf das queere Leben in Deutschland und Berlin. So viel steht, bei allen sonstigen Unklarheiten, fest. Der mutmaßliche islamistische Attentäter ist mit einem Auto gezielt in eine Menschengruppe am Tiergarten gefahren und hat danach mit einer Machete weitere angegriffen. Eine Person ist gestorben, Dutzende wurden verletzt, mindestens eine Person ist noch auf der Intensivstation. Dabei war der diesjährige CSD eigentlich ein besonderer, der das wachsende Selbstbewusstsein der queeren Community unterstrich. Nicht einen, sondern zwei Tage lang wurde queeres Leben gefeiert und gegen zunehmende Queerfeindlichkeit demonstriert. Denn das ist die andere Seite der Medaille: Mit mehr Sichtbarkeit steigt die Zahl LGBTQI-feindlicher Angriffe, auch in der weltoffenen Metropole Berlin. Laut Polizei gab es in Berlin im vergangenen Jahr 587 queerfeindliche Fälle. Schwule Paare werden angegriffen, weil sie ihre Liebe öffentlich zeigen; trans Personen werden verprügelt, weil sie sind, wie sie sind; und Neonazis machen in Parks Jagd auf Homosexuelle. Aus all diesen Angriffen spricht der Wille der Täter, queeres Leben unmöglich und unsichtbar zu machen. Aber gerade was die Sichtbarkeit betrifft, müssen Queers nicht nur mit der Angst vor fanatischen Reaktionären kämpfen, sondern auch mit konservativer Politik. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), der jetzt den Anschlag als »Angriff auf unsere Gesellschaft« bezeichnet, sagte noch im vergangenen Jahr, der Bundestag sei kein Zirkuszelt, als gefordert wurde, zum CSD vor dem Parlament die Regenbogenfahne zu hissen. Von den Krokodilstränen aus den Reihen der rechtsradikalen AfD, aus denen sonst allenthalben von »Genderwahn« gefaselt wird, muss man gar nicht weiter sprechen. Zu diesen offenen Angriffen kommt noch der allumfassende sozialpolitische Kahlschlag hinzu, auf Bundes- wie auch auf Landesebene. Von diesem sind marginalisierte Gruppen, wie eben die queere Community, in besonderem Maße getroffen. Wenn die queere Community wirklich Teil »unserer Gesellschaft« sein soll, wäre es eigentlich gerade nach dem verachtenswerten Anschlag vom Samstag auf der politischen Tagesordnung, ihr mit echter Förderung zu mehr Sichtbarkeit und mehr eigenen Räumen zu verhelfen. Leider zeichnet sich aber schon jetzt ab, dass das in Zeiten von Austerität und Zeitenwende nicht der Weg ist, der eingeschlagen wird. Vielmehr wird der Anschlag instrumentalisiert. Von ganz rechts, um in Kommentarspalten und Pressemitteilungen gegen Migrant*innen und Muslime im Allgemeinen zu hetzen. Von CDU-Spitzenkandidat für die Berliner Abgeordnetenhauswahl Stefan Evers, um gegen die Linkspartei zu schießen, der er »Realitätsverweigerung« vorwirft, weil sie angeblich das Problem mit Islamismus in Berlin nicht beim Namen nenne. Und von weiteren Konservativen, um sicherheitspolitische Forderungen zu lancieren, die sowieso schon in der Schublade liegen – etwa Berlins Justizsenatorin Felor Badenberg (CDU), die keinen Tag nach dem Anschlag eine Verschärfung des Jugendstrafrechts forderte. Aber genauso klar, wie dass sich der Anschlag gegen queeres Leben gerichtet hat, ist, dass weder rassistische Hetze noch law and order dieses queere Leben schützen. Wir stehen zum Verkauf. Aber nur an unsere Leser*innen. Die »nd.Genossenschaft« gehört denen, die sie lesen und schreiben. Sie sichern mit ihrem Beitrag, dass unser Journalismus für alle zugänglich bleibt – ganz ohne Medienkonzern, Milliardär oder Paywall. Dank Ihrer Unterstützung können wir: → unabhängig und kritisch berichten → übersehene Themen in den Fokus rücken → marginalisierten Stimmen eine Plattform geben → Falschinformationen etwas entgegensetzen → linke Debatten anstoßen und weiterentwickeln Mit »Freiwillig zahlen« oder einem Genossenschaftsanteil machen Sie den Unterschied. Sie helfen, diese Zeitung am Leben zu halten. Damit nd.bleibt.

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