Themen
lage

Samstag, 15. August 2026
Zurück zur Übersicht

Erdbeben in Kolumbien: Kritik an Präsident de la Espriella wächst

Medienspektrum

Links Mitte Rechts
14. August
Tagesschau

Erdbeben in Kolumbien: Kritik an Präsident de la Espriella wächst

Nach Erdbeben in Kolumbien Die Kritik an Präsident de la Espriella wächst Nach dem Erdbeben in Kolumbien leisten Freiwillige das, was an staatlicher Hilfe fehlt. Präsident de la Espriella lässt nur ausgewählte ausländische Helfer ins Land - wenn die politische Richtung stimmt. Mit bloßen Händen gräbt Paula Campos in einem Trümmerberg, der einst ein achtstöckiges Hotel war. Zusammen mit Dutzenden weiteren Freiwilligen sucht sie seit Stunden unermüdlich nach Überlebenden. 13 Menschen sollen in dem Gebäude gewesen sein, als das Erdbeben am Montagmorgen Ortszeit hier im westkolumbianischen Pereira zuschlug. "Wir bilden Menschenketten, um die Trümmer so schnell wie möglich zu beseitigen. Je mehr wir sind, desto besser - und desto eher können wir die darunter Verschütteten erreichen", berichtet Campos. "Wir glauben, dass sich noch Menschen lebend unter den Trümmern befinden. Wir werden die Hoffnung nicht aufgeben." Deshalb seien die Helfer bereit, rund um die Uhr durchzuarbeiten. Egal, wie lange es dauern würde. De la Espriella lehnt Hilfe aus dem Ausland ab Private Initiativen und Hilfsorganisationen organisieren in den betroffenen Erdbebengebieten - so gut es geht - Unterstützung. Liefern Medikamente, bieten Schlafsäcke. Ein Dach über dem Kopf. Helfen, wo der Staat versagt - die Kritik an Präsident Abelardo de la Espriella wird lauter. An vielen Orte sind lange Zeit nach dem Erdbeben keine Rettungsteams zu sehen. China, Brasilien, El Salvador, Spanien, Mexiko - sie alle bieten offenbar Hilfe an. Und die Regierung? Lehnt Unterstützung aus dem Ausland in Form von zusätzlichen Rettungskräften zunächst ab, will nur Geld und Hilfsgüter annehmen. Es gebe genug Hilfstrupps, heißt es. "Unsere Rettungsteams stehen bereit", sagt Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum. Aber sie wurden nicht zugelassen. Rettungskräfte in Kolumbien unternahmen Tage nach dem verheerenden Beben letzte verzweifelte Versuche, Überlebende des Erdbebens aufzufinden. Das entscheidende 72-Stunden-Fenster für Rettungsmaßnahmen nähert sich dem Ende. Politische Ausrichtung steht der Hilfe im Weg De la Espriella ist noch nicht einmal eine Woche im Amt - ein rechtskonservativer Populist und Politikneuling, der gern auch gegen internationale Organisationen wettert -, als das schlimmste Erdbeben seit Jahrzehnten Kolumbien heimsucht. Nach massiver Kritik lenkt die Regierung teilweise ein, einige Rettungskräfte dürfen kommen. Auffällig dabei: Nur Trupps aus politisch nahestehenden Ländern wie den USA haben bisher eine Genehmigung bekommen. "Ich glaube, es gibt keine humanitäre Hilfe, die ganz unpolitisch ist", sagt Anna-Lena Dießelmann. Sie lebt seit 14 Jahren in Cali - einer der Städte, die heftig vom Erdbeben getroffen worden sind. Dießelmann arbeitet im Institut für Sozialforschung und koordiniert die humanitäre Hilfe vor Ort mit. Dem Präsidenten gehe es um Abgrenzung zur Vorgängerregierung, sagt sie: "Das war ja auch schon im Wahlkampf der Ton, dass viele der Probleme, mit denen sich Kolumbien konfrontiert sieht, mit der letzten Regierung zu tun haben. Dass quasi die letzten vier Jahre dieser progressiven Regierung dafür gesorgt haben, dass viele Institutionen nicht funktionieren." Und er versuche sich ein bisschen zu profilieren als der Retter, der jetzt das Land wieder auf Vordermann bringen könne. Das am besten im Alleingang und unter seiner Kontrolle. Unklare Strukturen sorgen für Probleme Kolumbien gilt als tief gespalten - auch eine geordnete Amtsübergabe gab es nicht. Das Ergebnis: Der neue Präsident kennt die Strukturen nicht, teils sind in den Katastrophenschutzbehörden noch Menschen aus der Vorgängerregierung verantwortlich. Eine chaotische und politisch aufgeladene Situation - auf Kosten derer, die jetzt dringend Hilfe benötigen.

Artikel lesen
14. August
taz (Öko & Co)

Erdbeben in Kolumbien: Keine Ruhe nach dem Beben

Erdbeben in Kolumbien: Keine Ruhe nach dem Beben In Pereira hat das verheerende Erdbeben die meisten Leben gekostet. Immer noch suchen Menschen ihre Lieben dort im Schutt. Offizielle Helfer*innen sind rar. S ilencio! Ruhe!“ Ein Arm geht nach oben. Diese Geste sagt: Jetzt kann nur Stille helfen. Stille, damit der Mann mit den riesigen weißen Kopfhörern und dem Gerät mit dem audiosensiblen Sensor in die Tiefe lauschen kann. Stille, in der der Rettungshund schnüffeln kann, ob irgendwo unter dem Schuttberg noch Leben ist. Keine Bewegung, kein Wort. Nur: „Silencio total!“ Doch wie bekommt man Hunderte Menschen zum Schweigen, die auf einem Schuttberg herumklettern, parat stehen, um zu arbeiten, zu helfen. Kolumbianer*innen, die generell gesprächig sind – und jetzt in der Not, wenn das Herz überquillt, erst recht. Die im Park gegenüber um Hilfsgüter anstehen, ein Notlager aufgeschlagen haben. Die ihrem Leben nachgehen, um zu überleben. Es ist Mittwoch, Tag drei – und ein Wettlauf gegen die Zeit. Nach den ersten 72 Stunden nach einem Erdbeben, so wissen Expert*innen, sinken die Chancen, Opfer lebendig zu finden, auf 2,5 Prozent. Am Montag um 7.34 Uhr bebte in Kolumbien die Erde mit Stärke 7,4. Das Epizentrum in San José del Palmar, Departamento Chocó. Es war das schwerste Beben seit Jahrzehnten. Mehr als 53.000 Menschen seien betroffen, 140 Gebäude komplett eingestürzt und Zehntausende Wohnungen beschädigt worden. Präsident Abelardo de la Espriella kündigte die Ausrufung eines „wirtschaftlichen Notstands“ an, um schneller über Mittel für den Wiederaufbau verfügen zu können. Dieser Artikel wurde möglich durch die finanzielle Unterstützung des Recherchefonds Ausland e. V. Sie können den Recherchefonds durch eine Spende oder Mitgliedschaft fördern. Am heftigsten waren die Folgen in Quibdó, Cali, Pereira, Manizales, also im Westen, in der Pazifikregion des an zwei Ozeane grenzenden Landes. Um die 4.200 Menschen gelten laut Hilfsorganisationen als vermisst. Von den rund 250 Todesopfern stammen die meisten aus der Großstadt Pereira. Am schlimmsten hat es das Zentrum getroffen. Ein Babybett in hellblau Am Parque La Libertad stand noch bis Montag ein vierstöckiges Eckhaus. Im Erdgeschoss waren eine Bäckerei namens La Yonni und eine Drogerie. Darüber ein Hotel, für Menschen, die kein eigenes Zuhause haben: Obdachlose, Müllsammler*innen und fliegende Händler*innen. Eins ihrer Ziele bestand darin, jeden Tag irgendwie das Geld für ein Bett zusammenzukratzen. Der Parque La Libertad ist ein Ort, den man nachts lieber meidet, wenn man kann, sagen Einheimische. Jetzt ist das Gebäude weg, an seiner Stelle ist ein gigantischer grauer Schuttberg, ungefähr zwei Stockwerke hoch. Betonteile, Wände, Ziegel in verschiedenen Größen, verbogene Metallstangen, die aus Zement ragen, Schaumstoff. Ganz oben steht noch ein Bett. Dahinter wird die relativ intakte Ziegelwand eines Lagerhauses sichtbar. Rechts davon stehen die Reste eines Gebäudes, auf das offensichtlich die oberste Etage nachträglich aufgesetzt wurde. Trockenbauplatten, ein Dach, das auf schmalen Metallleisten ruhte. Aluleisten, die wohl die Wände hielten, klappern jetzt frei im Spiel des Windes. Die drei Stockwerke darunter sind in die Schräge gerutscht, als hätte sie das Gebäude nebenan vorher gestützt. Es ist ein einziges Gebrülle, Gemurmel. Anweisungen und Bitten werden herumgeschrien, Geröll kracht, Glas knirscht, Metall klappert. Jemand reicht ein hellblaues Babybettchen aus Stoff vorsichtig weiter, das er aus dem Schutthaufen gezogen hat. Ein anderer blättert kurz in einem Heft mit Kinderschrift und Zeichnungen, das er gefunden hat. Mit Fahrradhelm und Sonnenbrille Manche haben Bauhelme, andere Fahrrad- oder Motorradhelme, viele tragen Mundschutz oder ein Tuch vor dem Gesicht, einige schützen sich mit Handschuhen, Sonnen- oder Schutzbrillen. Es sind viele junge Menschen darunter. Dazwischen sieht man ein paar wenige Uniformierte wie Nadeln im Heuhaufen. Die „Rescatistas“ – Retter von der Armee, Feuerwehrleute aus anderen Landesteilen, Polizei. Später tauchen ein paar vom Roten Kreuz in hellblauen Schutzanzügen auf. Ein Bagger steht am Rand des Schuttbergs. Ein riesiger Kran mit Kette und Haken gegenüber. Die meiste Zeit stehen sie still. Zu gefährlich. Am Vortag, so berichtet es die Korrespondentin der spanischen Zeitung El País, waren es nur ein paar Feuerwehrmänner unter Hunderten Freiwilligen. Keine Polizei, keine Armee. Mit den Händen gruben Freiwillige und räumten Schutt weg, die ganze Nacht hindurch. Vielleicht brüllen deswegen auch die Männer Anweisungen durch die Gegend, die keine Uniformen tragen. Am Rande eines kleineren Schuttbergs stehen Sara Loaiza, 16, und ihre Mutter Viviana. Über Kopf und Schultern hat Sara ein gelbes T-Shirt verknotet. Wie ihre Mutter Viviana hat sie bislang hier um den Park als Straßenhändlerin gearbeitet, Brot, Kaffee und Zigaretten verkauft. Doch nun verteilt sie Gratiswasser an die Helfer*innen mit der Routine der Verkäuferin. Sie vermuten, dass unter dem Berg ihr Cousin liegt. Pablo heißt er, ist 29 Jahre alt, auch er ein Straßenverkäufer. Mülltüten, Bananen, Bonbons, solche Sachen. Am Montag ging er in die Bäckerei und kam nicht wieder. Für sie sei Pablo wie ein Bruder, sagt Sara, sie seien zusammen aufgewachsen. „Wir haben die Hoffnung, dass er lebt.“ Schließlich seien mehrere Menschen lebend hier geborgen worden. Viviana Loaiza, Straßenverkäuferin Zwischen Scherzen und Tränen „Wir haben alles verloren“, sagt Mutter Viviana Loaiza. Ihr Hotel gibt es nicht mehr, in dem sie zu siebt in einem Zimmer schliefen. „Aber Gott sei Dank sind wir am Leben und gesund. Wir hoffen, dass wir ihn da herausholen und dann fangen wir von vorne an.“Seit Montag seien sie ununterbrochen auf den Beinen, erzählt sie. Schutt schleppen, anpacken, wo es geht. Heute sind beide tief erschöpft und warten einfach. An ihren blanken Beinen sind notdürftig überklebte Schrammen. Ihre Haut rötet sich bereits von der Sonne. Seit Montag ist der Park nebenan ihr Zuhause. Sara sitzt in der prallen Sonne, zwischen Scherzen mit den Helfern und glänzenden Augen, die Tränen zurückhalten. Es hält sie hier, wie ein Magnet. Es gibt Szenen, die sich wiederholen. Wenn die Helfer*innen sich zurückziehen müssen, damit die Rettungshunde arbeiten können, und nur die Uniformierten dort bleiben. Die Rufe nach doppelten Menschenketten, um leere Eimer vor- und volle zurückzureichen. Einer schreit „Ruhe!“ – und obwohl das Handzeichen dazu erläutert wurde, meinen doch immer ein paar, es zusätzlich erklären zu müssen. Die Drohne, immer wieder die Drohne, die die Stille zerstört.Ein Lastwagenfahrer, der typisch kolumbianisch per Hupe kommuniziert am Rande der Rettungszone. Röhrende Motorräder in der Ferne. Ein „Silencio“, das von einer anderen Ausgrabungsstätte herüberschallt. Handys, die klingeln. Ein Alkoholisierter, der in die Stille irgendwas schreit. Ruhe – dann Krach – einmal, zweimal, dreimal Ein alter, verwirrter Mann, der mit heraushängendem Hemd über die Trümmer wankt. „Wenn sie jetzt jemanden finden, fange ich an zu weinen“, sagt ein junger, bärtiger Mann mit Helm, der aus einer anderen Stadt angereist ist, um zu helfen. „Wir brauchen eure Mitarbeit!“, ruft ein Soldat der Rettungseinheit immer wieder. Es dauert. Aber dann ist Ruhe. Zumindest für wenige Minuten. Stunde um Stunde vergehen. Wird der Schuttberg kleiner? Immer wenn es ernst wird, wird der Berg geräumt. Viviana Loaiza ist auf den Berg geklettert, auf dem die Presse, Kamerateams und Journalist*innen stehen und sagt kein Wort. Eine Frau, die ihr sichtbar nahe steht, legt tröstend den Arm um ihre Schultern. Loaiza beißt stumm in ihre Faust, hält die Hand vor den Mund, starrt starr auf den Berg, unter dem Pablo liegen soll. Tränen laufen über ihre Wangen. „Ruhe!“, brüllt ein Feuerwehrmann wieder. Und dann in Richtung eines Spaltes im Schutt, gedämpft, aber deutlich: „Wenn uns jemand hört, macht Krach!“ Warten. Dann: „Macht einmal Krach.“ Warten. „Macht zweimal Krach.“ Warten. „Macht dreimal Krach.“ Ein Hund, eine Katze können kratzen, aber nicht zählen. Die Stimmung ist so fragil wie die Betonplatten. „Unter Ihnen ist ein Wasserrohr gebrochen, Sie könnten abrutschen“, ruft ein Uniformierter der Menge zu. Jede Erschütterung könnte sich in eine Todesfalle verwandeln für die beiden Feuerwehrleute, die nun langsam nach unten in den Berg steigen. Wut liegt in der Luft Die Menschen haben ihre eigene Dynamik. Immer wieder kommt es zu Wortgefechten. Die eingesessenen lokalen Häuptlinge gegen die Uniformierten, so scheint es. Und dann kippt die Stimmung tatsächlich. Ein dünner schwarzer Mann im lila Shirt und ein Kleiner beschimpfen einander. Der eine fängt zu schubsen an, der andere fällt nach hinten in ein Grüppchen. Wut liegt in der Luft. Der Mann im lila Shirt rennt übers Geröll davon, flink wie ein Hase – und eine zornige, brüllende Menge ihm hinterher, ein Mann hat einen Spaten in der Hand. „Dich hol ich mir.“ Er hatte Geld genommen, das zwischen den Trümmern lag, heißt es später. Sein Glück, dass ihn gleich die Polizei erwischte, sonst wäre die aufgebrachte Menge vielleicht über ihn hergefallen. „Wir sind gekommen, um zu arbeiten, nicht um zu stehlen!“, ruft ein Soldat mahnend, als sich der Tumult beruhigt hat. Nach vielen Stunden ertönt in die Stille hinein ein Ruf: „Hay vida!“ Hier gibt es Leben. Der Ruf wird noch an zwei anderen Stellen ertönen. An der einer Stelle ist es sicher, dass dort eine Person am Leben ist. An zwei weiteren habe es „Antworten“ gegeben, sagt Polizistin Paola Mora. Drei Tage Tragödie Es ist das zweite schwere Erdbeben, das Pereira erschüttert. Das von 1999 hinterließ insgesamt mehr als 1.000 Tote im Land. Die jungen Helfer*innen, darunter viele Studierende, haben das nicht miterlebt. Aber ihre Eltern hätten ihnen davon erzählt, berichten mehrere der taz. Im Parque La Libertad türmt sich der Müll von drei Tagen Tragödie auf dem Boden, in Rinnen an der Bushaltestelle und inmitten des Schutts: leere Plastikflaschen, Plastikfolien, Styroporteller und Essschalen für die Helfer*innen und die Menschen, die obdachlos geworden sind. Menschen haben für sich als notdürftige Bleibe Zelte aufgeschlagen, über gespannte Schnüre Planen gehängt – oder liegen auf Decken auf der Erde. Festgebundene Hunde verteidigen ihr neues Zuhause aufs Lauteste. Es ist kaum ein Flecken auf dem Rasen frei. In einem blauen Zelt verteilen Helfer*innen Medikamente und Eintopf. An der Polizeistation in Mitte des Platzes wächst der Spendenberg. Alle paar Minuten kommen Bürger*innen mit Wasser, Windeln, Feuchttüchern, Keksen. Noch höher ist die Taktung derer, die etwas abholen möchten. Eine Toilette oder gar Dusche gibt es weit und breit nicht. Spenden bewachen Sozialmanagerin Alejandra Gomez, dunkles glattes Haar, müde Augen, ist die Herrin über den Spendenberg. In der vergangenen Nacht hat sie zwei Stunden geschlafen. Die Stadt hat Notunterkünfte eingerichtet, in denen für die Grundbedürfnisse der Menschen gesorgt wird, sagt sie. Viele bleiben aber lieber hier im Park, weil hier mehr Spenden zusammenkommen. Es sei schon vorgekommen, dass Spenden verkauft wurden. Das will sie verhindern. Am Rande des Parks fischt Santiago Rodriguez, 27 Jahre alt, Reis, Möhren und Rindfleischstücke, die in Brühe schwimmen, mit einem Plastiklöffel aus einer Styroporschüssel. Er ist seit dem Morgen hier. Der bärtige Mann mit Helm und Mundschutz stammt aus Pereira, wohnt nebenan im Ort Dosquebradas, das das Erdbeben in manchen Teilen ebenfalls schwer verwüstete. „Ich hatte Glück“, sagt Santiago, „meine Familie und meine Verwandten sind alle in Sicherheit. Jetzt sind wir hier, um den Leuten zu helfen, die noch gefangen sind“. Fast hätte es seinen Vater erwischt. Der fuhr mit dem Auto zu einem Arzttermin, parkte an einem Einkaufszentrum. Zehn Minuten retteten womöglich sein Leben. Das Auto ist Schrott. „Das Materielle lässt sich immer ersetzen.“ Seitdem macht er, was anfällt: Trümmer und Schutt schleppen, Eimer mit Schutt weitergeben, Helme, Handschuhe und Schutzbrillen verteilen. „Da, wo Personen eingeschlossen sind, ist es sehr schwierig. Deshalb sind dort nur Feuerwehr, Polizei und Rotes Kreuz. Sie haben das Werkzeug.“ Er hat Verständnis dafür, dass es so wenige sind: „Sie werden an so vielen Stellen in der Stadt gebraucht.“ Hilfe aus allen Ländern Übers Wochenende war er mit seiner Mutter bei Verwandten, drei Stunden von Pereira entfernt, erzählt er. Er war gerade aufgestanden, als es bebte – und rief erst einmal alle Verwandten in Pereira an. Sie erzählten ihm von dem Hochhaus neben dem Rathaus, das eingestürzt ist, von anderen Gebäuden, die komplett zerstört sind. „Ich bin sehr traurig. Die ganze Stadt ist zerstört.“ Er liebt seine Stadt. Schön sei sie, die Kultur „una chimba“, einfach geil. „Pereira wird dich immer mit offenen Türen empfangen, die Menschen sind sehr liebevoll und einfühlsam, versuchen, dir weiterzuhelfen. Wir halten hier zusammen. Deshalb sind hier auch so viele, die weder Feuerwehr noch Polizei noch Rettungsbrigade sind. Sie wollen einfach helfen.“ Die Stadt habe vor Kurzem erst das Pflaster erneuert. In ein paar Tagen hätte das Stadtfest begonnen – das wurde inzwischen natürlich abgesagt. Als er die Schadensbilanz verkündete, brach Pereiras Bürgermeister Mauricio Salazar in Tränen aus. Präsident Abelardo de la Espriella, erst wenige Tage im Amt, ist zu Stippvisiten an Katastrophenorte unterwegs. Er war auch in Pereira. Nach Kritik an seinem Krisenmanagement hat De las Espriella einen neuen Leiter der Katastrophenschutzbehörde eingesetzt. Der bisherige Verantwortliche war von der linken Vorgängerregierung ernannt worden. Der neue Leiter, David Tamayo, sagte, dass Such- und Rettungsteams aus den USA, Israel, Ecuador und El Salvador die Bergungsarbeiten unterstützen würden. Die Teams würden die örtlichen Einsatzkräfte nach mehrtägigem Dauereinsatz ablösen, damit diese sich erholen könnten. Laut Außenminister Omar Bula sind humanitäre Hilfsgüter aus verschiedenen Staaten unterwegs – nicht nur aus Ländern, die der Regierung ideologisch verbunden sind. Unter anderem kündigte die linksgerichtete Regierung Mexikos Hilfslieferungen an. Und dann kommt die Dunkelheit Es ist wohl gegen sechs, als ein breiter Streifen geräumt wird, alle Helfer*innen zurückweichen müssen. Ein Presslufthammer dröhnt, Bagger und Kran brauchen Platz, um die instabilen Platten wegzuheben, zerborstene Bauelemente durch die Luft zu hieven. Es dämmert, hier am Äquator wird es rasend schnell dunkel. Und dann bleibt es erst mal dunkel, denn in weiten Teilen der Stadt gibt es immer noch keinen Strom, kein funktionierendes Telefonnetz. Dort erleuchten bestenfalls einzelne Laternen die Straßen, in denen sonst neonprallbuntes Leben ist. Bis zum Redaktionsschluss hat der Schuttberg noch keinen Menschen zurückgegeben. Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen Starten Sie jetzt eine spannende Diskussion!

Artikel lesen
13. August
Neues Deutschland

Erdbeben in Kolumbien | Kolumbien: Nicht jeder Helfer ist willkommen

- Politik - Erdbeben in Kolumbien Kolumbien: Nicht jeder Helfer ist willkommen Nach dem schweren Erdbeben in Kolumbien stehen die Rettungskräfte bei der Suche nach Überlebenden vor kritischen Stunden. Nach dem schweren Erdbeben in Kolumbien stehen die Rettungskräfte bei der Suche nach Überlebenden vor kritischen Stunden: Das entscheidende 72-Stunden-Zeitfenster, um unter Trümmern eingeschlossene Menschen noch lebend bergen zu können, schließt sich am Donnerstag. Danach sinken die Erfolgschancen deutlich. Bei dem Beben der Stärke 7,4 im Westen des Landes vom Montag sind mindestens 265 Menschen ums Leben gekommen und rund 3500 weitere verletzt worden. Wie der ultrarechte Präsident Abelardo de la Espriella mitteilte, gelten offiziell 496 Menschen als vermisst. Deren Zahl könnte jedoch deutlich höher sein: Angehörige suchen laut einer inoffiziellen Datenbank nach rund 4200 Menschen. »Das ist zweifellos eine Tragödie großen Ausmaßes«, sagte der Präsident in einer Ansprache. Mehr als 53 000 Menschen seien betroffen, 140 Gebäude seien komplett eingestürzt und Zehntausende Wohnungen beschädigt worden. De la Espriella kündigte die Ausrufung eines »wirtschaftlichen Notstands« an, um schneller über Mittel für den Wiederaufbau verfügen zu können. Nach Kritik an seinem Krisenmanagement hat de la Espriella einen neuen Leiter der Katastrophenschutzbehörde (UNGRD) eingesetzt. Der Staatschef ist erst seit 7. August im Amt. Der bisherige Verantwortliche war von der linken Vorgängerregierung unter Gustavo Petro ernannt worden. Der neue Leiter, David Tamayo, sagte, dass Such- und Rettungsteams aus den USA, Israel, Ecuador und El Salvador die Bergungsarbeiten unterstützen würden. Die Teams würden die örtlichen Einsatzkräfte nach mehrtägigem Dauereinsatz ablösen, damit diese sich erholen könnten, sagte er. Freiwillige Rettungskräfte aus anderen Ländern sind auf eigene Initiative gekommen. So trafen in Cali die »Topos Aztecas« ein, eine Gruppe mexikanischer Freiwilliger, die auch nach den jüngsten Erdbeben in Venezuela bei den Sucharbeiten geholfen hatte. Laut Außenminister Omar Bula sind humanitäre Hilfsgüter aus verschiedenen Staaten unterwegs – und nicht nur aus Ländern, die der Regierung ideologisch verbunden sind wie jene vier, aus denen Suchteams entsendet werden. »Wir arbeiten mit anderen Ländern zusammen, ohne dabei ideologische oder politische Erwägungen anzustellen und nehmen ihre Hilfe dankbar an«, sagte Bula. Unter anderem kündigte die linksgerichtete Regierung Mexikos Hilfslieferungen an. Das Beben ereignete sich am Montagmorgen um 7.34 Uhr Ortszeit nahe San José del Palmar im Westen des Landes in einer Tiefe von rund 103 Kilometern. Im Anschluss wurden zahlreiche Nachbeben registriert. In Cali ist Fernando Acosta seit dem Beben vom Montag im Einsatz. Eigentlich arbeitet er in einer Firma für Klimaanlagen. Doch als die Erdstöße kamen, meldete er sich bei der Zivilverteidigung. Seitdem arbeitet er an wechselnden Einsatzstellen, schläft wenig und versucht, Verschüttete zu finden. »Die letzten Stunden sind die wichtigsten, die kritischsten«, sagt er. Acosta hat selbst erlebt, dass Rettung möglich ist. Zwei Menschen konnten nach dem Beben aus einem der Einsatzbereiche lebend geborgen werden. Jetzt hofft er, dass weitere folgen. »Es gibt Fälle, in denen Menschen viel länger überlebt haben«, sagt er. »Es sind Dinge wie Wunder.« Während weiter nach Überlebenden gesucht wird, kümmern sich andere Helfer um diejenigen, die hier ausharren und mit anpacken. Diego Rivera gehört dazu. Seine Gemeinde und die Hilfsorganisation ADRA verteilen Essen und Trinken an die Menschen vor Ort – an Helfer, Einsatzkräfte und Anwohner gleichermaßen. Doch Rivera sagt, es gehe nicht nur um Nahrung. Manche Menschen kommen völlig aufgelöst zu ihnen, nachdem sie Tote oder Schwerverletzte gesehen hätten. »Die Menschen kommen mit dieser Erschütterung, mit diesem Schmerz, mit dieser Angst«, sagt Rivera. »Wir versuchen, ihnen etwas Ruhe zu geben.« Mit Agenturen Wir stehen zum Verkauf. Aber nur an unsere Leser*innen. Die »nd.Genossenschaft« gehört denen, die sie lesen und schreiben. Sie sichern mit ihrem Beitrag, dass unser Journalismus für alle zugänglich bleibt – ganz ohne Medienkonzern, Milliardär oder Paywall. Dank Ihrer Unterstützung können wir: → unabhängig und kritisch berichten → übersehene Themen in den Fokus rücken → marginalisierten Stimmen eine Plattform geben → Falschinformationen etwas entgegensetzen → linke Debatten anstoßen und weiterentwickeln Mit »Freiwillig zahlen« oder einem Genossenschaftsanteil machen Sie den Unterschied. Sie helfen, diese Zeitung am Leben zu halten. Damit nd.bleibt.

Artikel lesen
13. August
taz (Öko & Co)

Erdbeben mit 265 Toten: Kolumbien vor kritischen Stunden

Erdbeben mit 265 Toten: Kolumbien vor kritischen Stunden Angehörige suchen in den Trümmern verzweifelt nach Vermissten. Den Rettern bleibt nicht mehr viel Zeit. Kolumbiens Präsident ernennt einen neuen Krisenmanager. dpa | Nach dem schweren Erdbeben in Kolumbien stehen die Rettungskräfte bei der Suche nach Überlebenden vor kritischen Stunden: Das entscheidende 72-Stunden-Zeitfenster, um unter Trümmern eingeschlossene Menschen noch lebend bergen zu können, schließt sich heute. Danach sinken die Erfolgschancen deutlich. Die Regierung des südamerikanischen Landes hat angekündigt, den Einsatz mit Bergungsteams aus den USA und drei weiteren Ländern zu verstärken. Bei dem Beben der Stärke 7,4 im Westen des Landes vom Montag sind mindestens 265 Menschen ums Leben gekommen und rund 3.500 weitere verletzt worden. Wie Präsident Abelardo de la Espriella mitteilte, gelten offiziell 496 Menschen als vermisst. Deren Zahl könnte jedoch deutlich höher sein: Angehörige suchen laut einer inoffiziellen Datenbank nach rund 4.200 Menschen. „Das ist zweifellos eine Tragödie großen Ausmaßes“, sagte der Präsident in einer Ansprache. Mehr als 53.000 Menschen seien betroffen, 140 Gebäude seien komplett eingestürzt und Zehntausende Wohnungen beschädigt worden. De la Espriella kündigte die Ausrufung eines „wirtschaftlichen Notstands“ an, um schneller über Mittel für den Wiederaufbau verfügen zu können. Präsident ernennt einen neuen Katastrophenmanager Nach Kritik an seinem Krisenmanagement hat der rechtsgerichtete Präsident zudem einen neuen Leiter der Katastrophenschutzbehörde (UNGRD) eingesetzt. Der Staatschef ist erst seit wenigen Tagen im Amt. Der bisherige Verantwortliche war von der linken Vorgängerregierung ernannt worden. Der neue Leiter, David Tamayo, sagte, dass Such- und Rettungsteams aus den USA, Israel, Ecuador und El Salvador die Bergungsarbeiten unterstützen würden. Die Teams würden die örtlichen Einsatzkräfte nach mehrtägigem Dauereinsatz ablösen, damit diese sich erholen könnten, sagte er. Auslandshilfe ist „ohne politische Erwägungen“ willkommen Laut Außenminister Omar Bula sind humanitäre Hilfsgüter aus verschiedenen Staaten unterwegs – und nicht nur aus Ländern, die der Regierung ideologisch verbunden sind wie jene vier, aus denen Suchteams entsendet werden. „Wir arbeiten mit anderen Ländern zusammen, ohne dabei ideologische oder politische Erwägungen anzustellen, und nehmen ihre Hilfe dankbar an“, sagte Bula. Unter anderem kündigte die linksgerichtete Regierung Mexikos Hilfslieferungen an. Das Beben ereignete sich am Montagmorgen um 7.34 Uhr Ortszeit nahe San José del Palmar im Westen des Landes in einer Tiefe von rund 103 Kilometern. Im Anschluss wurden zahlreiche Nachbeben registriert. Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen meistkommentiert

Artikel lesen
13. August
ZDF heute

Kolumbien: "Die nächsten 20 Stunden sind entscheidend"

Zahl der Toten steigt:Kolumbien: "Die nächsten 20 Stunden sind entscheidend" Nach dem schweren Erdbeben in Kolumbien ist die Zahl der Todesopfer auf 265 gestiegen. Rettungskräfte arbeiteten mit Hochdruck in den Trümmern, um noch Menschen lebend zu bergen. Die Zahl der Todesopfer des schweren Erdbebens in Kolumbien ist auf 265 gestiegen. Das teilte Präsident Abelardo de la Espriella am Mittwochabend (Ortszeit) mit. Nach seinen Angaben wurden fast 500 Menschen als vermisst gemeldet. Von Zivilisten betriebene Datenbanken gehen dagegen von mehr als 4.100 Vermissten aus. Insgesamt seien mehr als 25.800 Familien von dem Unglück betroffen, sagte de la Espriella. Unsere Anstrengungen konzentrieren sich auf die Vermissten. Abelardo de la Espriella, Präsident von Kolumbien Nach dem Erdbeben in Kolumbien beginne der "Kampf gegen die Zeit", um unter den Verschütteten noch Lebende zu finden, sagt ZDF-Korrespondent Timm Kröger. 13.08.2026 | 1:57 minPräsident ernennt einen neuen Katastrophenmanager Nach Kritik an seinem Krisenmanagement setzte der rechtsgerichtete Präsident einen neuen Leiter der Katastrophenschutzbehörde (UNGRD) ein. Staatschef de la Espriella ist erst seit wenigen Tagen im Amt. Der bisherige Verantwortliche war von der linken Vorgängerregierung ernannt worden. Der neue Leiter, David Tamayo, sagte, dass Such- und Rettungsteams aus den USA, Israel, Ecuador und El Salvador die Bergungsarbeiten unterstützen würden. Die Teams würden die örtlichen Einsatzkräfte nach mehrtägigem Dauereinsatz ablösen, damit diese sich erholen könnten, sagte er. Laut Außenminister Omar Bula sind humanitäre Hilfsgüter aus verschiedenen Staaten unterwegs - und nicht nur aus Ländern, die der Regierung ideologisch verbunden sind wie jene vier, aus denen Suchteams entsendet werden. "Wir arbeiten mit anderen Ländern zusammen, ohne dabei ideologische oder politische Erwägungen anzustellen, und nehmen ihre Hilfe dankbar an", sagte Bula. Unter anderem kündigte die linksgerichtete Regierung Mexikos Hilfslieferungen an. Ein schweres Erdbeben hat in Kolumbien mehr als 200 Menschen das Leben gekostet. Viele Anwohner werden weiterhin vermisst – die Suche nach Verschütteten ist ein Kampf gegen die Zeit. 12.08.2026 | 2:26 minRettungskräfte arbeiteten mit Hochdruck Die ersten 48 bis 72 Stunden nach einem Erdbeben gelten als entscheidend für die Rettung Verschütteter. Der Bürgermeister von Cali, Alejandro Eder, sagte am Mittwoch, Rettungskräfte fänden weiterhin Hinweise auf Menschen, die unter den Trümmern am Leben seien. Die nächsten 20 Stunden sind entscheidend, um Menschen lebend zu finden und zu retten. Jede Minute ist wichtig. Alejandro Eder, Bürgermeister von Cali Das Beben der Stärke 7,4 hatte am Montag den Westen Kolumbiens erschüttert. Besonders betroffen sind Cali, Pereira, Manizales und Quibdo. Internationale Hilfe ist inzwischen angelaufen. Die USA stellten mehr als 15 Millionen Dollar bereit. Lassen Sie sich Beiträge von ZDFheute bevorzugt bei Google anzeigen. → Hier ZDFheute als bevorzugte Quelle einstellen. Mehr zum Thema Erdbeben - Mehr als 200 Tote, etliche Vermisste:Erdbeben in Kolumbien: Happy End bei Bergungsaktionmit Video0:58 - Landesweiter Notstand ausgerufen:Erdbeben erschüttert Kolumbien - mehr als 180 Totemit Video1:40 - Zwischen Trümmern und Machtkampf:Wie es in Venezuela nach den Erdbeben weitergehtvon Eva Riedmannmit Video2:13 - Dunkelziffer deutlich höher:Venezuela: Zahl der Opfer steigt auf mehr als 6.000mit Video0:22

Artikel lesen
12. August
taz (Öko & Co)

Nach Erdbeben in Kolumbien: „Sie werden die Situation ausnutzen“

Nach Erdbeben in Kolumbien: „Sie werden die Situation ausnutzen“ Die vom Erdbeben in Kolumbien schwer getroffene Region Chocó leidet unter bewaffneten Gruppen. Das könnte sich nun verschärfen, sagt Menschenrechtsaktivistin Juana Corral. taz: Frau Corral, das Erdbeben vom 10. 8. hat vor allem das Departement Chocó getroffen. Warum ist diese Region im Nordwesten Kolumbiens so besonders? Juana Corral: Es ist eine Region mit sehr prekären Lebensbedingungen, die seit vielen Jahren vom Staat vergessen wurde. Ich hatte im April die Gelegenheit, dorthin zu fahren: Es gibt kein Trinkwasser, der Strom fällt andauernd aus, viele Schulen standen kurz vor dem Einsturz. Es gibt kein Krankenhaus der ersten Versorgungsstufe. Jetzt, nach dem Erdbeben, werden die Verletzten nach Medellín gebracht, weil es kein angemessenes Gesundheitssystem für die Region gibt, und das war schon vorher so. Es handelt sich also um eine Region, die unter der Vernachlässigung durch den Staat und auch unter Rassismus gelitten hat, der diese Region ja schon seit Jahren betrifft. taz: Die Region ist durch den bewaffneten Konflikt ziemlich stark betroffen. Was bedeutet für den Chocó die Ankündigung des neuen Präsidenten, dass der gesamte Friedensprozess beendet ist? Juana Corral ist Politologin. Sie ist in Bogotá geboren, lebt seit Anfang der 2000er-Jahre in Deutschland und ist Koordinatorin von Kolko – Menschenrechte in Kolumbien e. V. Corral: Die vom Konflikt betroffenen Gemeinden fordern humanitäre Vereinbarungen, sie wollen nicht weiter unter dem Krieg leiden, unter den Ausgangssperren und Vertreibungen und für sie ist es wichtig, dass die humanitären Vereinbarungen eingehalten werden. Und wenn nun der Präsident de la Espriella sagt, dass er mit keiner Gruppe eine Vereinbarung treffen wird, bedeutet das, dass diese Forderungen der Gemeinden im Sande verlaufen. taz: Es mag zynisch klingen, aber kann es sein, dass das Erdbeben eine Chance für die Region darstellt, mehr Aufmerksamkeit und mehr Unterstützung zu erhalten – vom Staat oder durch internationale Hilfe? Corral: Das könnte dann sein, wenn die Situation dazu führt, nachhaltige Strukturen zu schaffen – und nicht nur Dinge zu schicken, die nur für den Moment des Erdbebens gedacht sind. Aber: Die internationale Gemeinschaft war seit langer Zeit in Chocó präsent. Das Ende von USAID und die Kürzungen bei der Entwicklungszusammenarbeit in der Europäischen Union haben dazu geführt, dass die internationalen Organisationen keine Leute mehr vor Ort entsenden konnten. Das hat direkte Konsequenzen: je weniger Zusammenarbeit vor Ort, desto stärker die Präsenz bewaffneter Gruppen. Das ist besorgniserregend. taz: Wenn wir uns in drei Monaten wieder treffen und über die Auswirkungen sprechen, die das Erdbeben auf die Entwicklung und die Perspektiven der Region Chocó gehabt hat – was, glauben Sie, werden Sie mir sagen? Corral: Ich bin keine Hellseherin, aber ich glaube, dass vier Dinge passieren könnten, die mit dem bewaffneten Konflikt zu tun haben. Zum einen gibt es eine ernste humanitäre Lage. Das Interethnische Solidaritätsforum berichtet, dass es im Jahr 2026 in Chocó 26.578 Menschen in abgeriegelten Gebieten und 1.680 Vertreibungen gab. taz: Was heißt „abgeriegelte Gebiete“? Corral: Eine bewaffnete Gruppe kommt. Sie legen Tretminen rund um die Siedlung, die Menschen können nicht hinaus. Sie haben keinen Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung, es gibt mehr Gewalt gegen Frauen und es wird soziale Kontrolle über die Bevölkerung ausgeübt. Ich denke, dass diese Abriegelungen zunehmen, weil durch das Erdbeben viele Straßen abgeschnitten sind. Zweitens werden die bewaffneten Gruppen wahrscheinlich die Lage ausnutzen, um Zwangsrekrutierungen durchzuführen. Drittens, wie vorhin schon erwähnt: Je weniger internationale Helfer vor Ort sind, desto stärker sind die bewaffneten Gruppen. Und viertens: Ich denke, dass sich die sozioökonomische Lage verschärfen könnte. taz: Was sollte die internationale Gemeinschaft tun, abgesehen von der Bereitstellung sofortiger Nothilfe? Corral: Die Gemeinschaften weiterhin politisch unterstützen. Man muss auch von der deutschen Regierung verlangen, dass sie weiterhin für den Frieden in Kolumbien eintritt und sich für diejenigen einsetzt, die sich in einer prekären Lage befinden. Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen meistkommentiert

Artikel lesen
12. August
Der Spiegel

Erdbeben in Kolumbien: Verschütteter Vater rettete Baby in seinen Armen

Erdbeben in Kolumbien Verschütteter Vater rettete Baby in seinen Armen In Kolumbien suchen Rettungskräfte weiter nach Überlebenden nach dem schweren Erdbeben im Westen des Landes: Nun sind ein Baby und dessen Vater lebend aus einem eingestürzten Haus in der Stadt Cali gerettet worden. Der Mann schützte das etwa zwei Monate alte Kind mit seinem Körper, als das fünfstöckige Gebäude kollabierte, wie kolumbianische Medien berichten. Zwei Polizisten, die gerade in der Gegend waren, seien auf den Trümmerberg geklettert, berichtete der Sender Caracol. »Wir hörten Weinen und Stöhnen«, erzählte demnach einer der Einsatzkräfte, Ronald García. Es habe auch stark nach Gas gerochen. »Ich bin selbst Vater und habe eine vierjährige Tochter. Ohne groß nachzudenken, haben wir angefangen, zu graben.« Anwohner hätten dabei geholfen. Sie hätten schließlich zu dem Vater und seinem Sohn namens Salomón vordringen können. Der noch halb vergrabene Mann hielt das Baby fest in seinen Armen, um es zu schützen, wie der Polizist weiter berichtete. »Er bat uns nur, sein Kind nicht sterben zu lassen.« Schließlich konnten beide in ein Krankenhaus gebracht werden. Nachdem beide in ein Krankenhaus gebracht und operiert worden, sei ihr Zustand stabil, berichtet »Caracol «. Die Mutter und deren Bruder seien aber noch unter den Trümmern. »Möge Gott dafür sorgen, dass sie am Leben sind«, sagte der Polizist. Die Suche geht weiter. Die Bergungsarbeiten in Cali gehen weiter Foto: Raquel Cunha / REUTERSBei dem Beben sind nach jüngsten Zahlen der Regierung mindestens 216 Menschen getötet und mehr als 2500 verletzt worden. Es gibt jedoch aufgrund der sich entwickelnden Lage teils unterschiedliche Angaben aus unterschiedlichen Quellen. Allein in Cali, der Hauptstadt des Departments Valle del Cauca, gab es 95 Tote, mehr als 180 Menschen gelten noch als vermisst. Die Stadt hat rund 2,3 Millionen Einwohner. Das Erdbeben der Stärke 7,4 hatte sich am Montag ereignet. Das Epizentrum lag nahe der westkolumbianischen Gemeinde San José del Palmar im Departamento Chocó, einer relativ armen Region an der Pazifikküste. Mehr als hundert Wohn- und Bürogebäude in mehreren Städten und Orten stürzten in sich zusammen. Sehen Sie auch: Ein verheerendes Erdbeben erschüttert Kolumbien. Menschen haben die dramatischen Momente unmittelbar nach dem Beben mit dem Handy gefilmt.

Artikel lesen
12. August
Tagesschau

Erdbeben in Kolumbien: Suche nach Verschütteten unter Zeitdruck

Erdbeben in Kolumbien Die Zeit für die Rettungskräfte rennt Nach dem schweren Erdbeben in Kolumbien suchen Helfer weiter nach Verschütteten. Für den neuen Präsidenten de la Espriella wird die Katastrophe zugleich zur ersten großen Bewährungsprobe. Mitten in der Nacht feiern Rettungskräfte, Helfer und Angehörige in Calí. Sie heben die Arme, jubeln, rufen: "Ja, wir schaffen das“. Gerade haben sie in der Zwei-Millionen-Einwohner-Stadt eine Person aus einem mehrstöckigen Gebäude gerettet. Ein Moment der Freude in düsteren Zeiten. Gerade in Calí hat das Erdbeben schwere Schäden angerichtet. Sogar Krankenhäuser sind dort zusammengebrochen. Auch Alvaro Trancoso ist sichtlich überwältigt. Die Feuerwehr hat seine 31-jährige Tochter aus den Trümmern gerettet. Nach fast 30 Stunden. Die ersten 72 Stunden sind besonders entscheidend "Ich bin so dankbar! Gott sei dank lebt sie", ruft der Vater. Sie sei zwischen einer Tür und einer Wand eingeklemmt gewesen. Sie habe eine leichte Verletzung, aber ihr gehe es gut. Die Zeit rennt für die Rettungskräfte. Die ersten 72 Stunden nach einem Erdbeben gelten als besonders entscheidend, um noch Überlebende zu bergen. Präsident de la Espriella zeigt sich als Macher Das Erdbeben ist auch eine Bewährungsprobe für den neuen Präsidenten Kolumbiens. Abelardo de la Espriella ist erst seit Ende letzter Woche im Amt. Verwaltungserfahrung hat er nicht, er ist als politischer Quereinsteiger gewählt worden. Der Regierungschef reiste schnell nach dem Erdbeben von Montagmorgen in die betroffenen Gebiete und versuchte, sich als Macher zu zeigen, mit heroischen Videos auf seinen Social-Media-Kanälen. "Wir tun, was wir tun müssen", sagt de la Espriella. US-Regierung kündigt Soforthilfen an Dem ultrarechten Präsidenten war die Regierung des linken Vorgängers Gustavo Petro verhasst. Das wird ihm jetzt im Krisenmanagement zum Verhängnis. Ihm fehlen eingeweihte Vertraute an den Spitzen wichtiger Katastrophenschutzbehörden. Immerhin de la Espriellas Verbündeter, US-Präsident Donald Trump und dessen Regierung, haben Kolumbien bereits Hilfe versprochen: 15,5 Millionen Dollar soll es an Soforthilfe geben. Auch andere Länder, unter anderem Brasilien, Mexiko und El Salvador, haben schon Unterstützung angeboten. Für Kinder und Frauen ist die Situation besonders schwierig María Torres ist UN-Koordinatorin für Kolumbien. Neben der Bergung von Überlebenden brauche es jetzt vor allem auch Notunterkünfte: "Viele Menschen haben ihr Zuhause verloren", sagt Torres. Bei den Vereinten Nationen befassen sie sich intensiv mit der Lage von Kindern und Frauen, die sich insbesondere in extrem gefährdeten Gebieten befänden. Genau diese Gebiete sind laut Torres am stärksten von den Erdbeben betroffen. "Darauf werden wir uns also jetzt konzentrieren", sagt sie. Knapp 4.000 Menschen werden vermisst Die Katastrophe in Kolumbien mag an die zerstörerischen Erdbeben in Venezuela erinnern. Ende Juni sind dabei mehr als 6.300 Menschen ums Leben gekommen. In Kolumbien läuft der Katastrophenschutz allerdings geregelter. Und zumindest in städtischen Gebiete sind die Häuser relativ stabil gebaut. Auch aus geologischer Sicht gibt es keinen Zusammenhang zwischen den beiden Katastrophen. Gemeinsam haben sie aber das Leid, das sie über die Menschen gebracht haben. In Kolumbien werden nach Angaben einer informellen Datenbank aktuell knapp 4.000 Menschen vermisst.

Artikel lesen
11. August
ZDF heute

Frau 30 Stunden eingeklemmt - Happy End nach Bergungsaktion

Erdbeben in Kolumbien:Frau 30 Stunden eingeklemmt - Happy End nach Bergungsaktion Nach einem 16-stündigen Rettungseinsatz kann in Kolumbien eine Frau aus den Erdbebentrümmern gerettet werden. Doch die Zahl der Vermissten nach dem schweren Beben bleibt hoch. Bewegende Rettung nach dem schweren Erdbeben in Kolumbien: Fast 30 Stunden lang war Diana Troncoso eingeklemmt zwischen den Trümmern eines Gebäudes in der Stadt Cali, ehe die Feuerwehr die 31-Jährige unter dem Applaus und den Freudenrufen der Bevölkerung retten konnte. "Wir haben hart gearbeitet in einem ziemlich komplexen Szenario", erläuterte Feuerwehrmann Santiago Sánchez gegenüber dem TV-Sender Caracol nach dem insgesamt rund 16-stündigen Rettungseinsatz. Dabei habe sich das Bergungsteam "sieben oder acht Meter" von oben nach unten vorarbeiten müssen, um Troncoso zu befreien. Sie war im zweiten Stock des einstmals fünfstöckigen Gebäudes eingeklemmt. Kolumbien: Suche nach Vermissten geht weiter Am Montagabend (Ortszeit) hatte die Feuerwehr erstmals Kontakt zu der Frau herstellen können, der dann nicht mehr abriss. Troncosos Zustand sei "den Umständen entsprechend gut", informierte Sánchez. Sie wurde nach der Rettung medizinisch behandelt. Dianas Eltern konnten während der Rettung Kontakt zu ihrer Tochter herstellen und ihr Mut zusprechen. Es ist etwas Wunderschönes. Ich werde immer dankbar sein. Álvaro Troncoso, Vater der Geretteten Der Kampf der Feuerwehrleute um Menschenleben geht jedoch weiter. Man gehe von 24 Personen aus, die allein in diesem einstigen Haus von den Trümmern begraben worden seien, sagte Feuerwehrmann Sánchez. Zahlreiche Menschen gelten nach dem Erdbeben in den betroffenen Regionen als vermisst. Nach dem schweren Erdbeben in Kolumbien steigt die Anzahl der Toten auf mindestens 180 Menschen. Über 2.000 Menschen werden vermisst. 11.08.2026 | 1:32 minMindestens 181 Tote nach Erdbeben am Montag Präsident Abelardo de la Espriella sprach am Dienstag von mindestens 181 Toten, 2.595 Verletzten und mindestens 195 Vermissten. Von Zivilisten betriebene Datenbanken legten dagegen nahe, dass die Zahl der Vermissten bei bis zu 4.000 liegen könnte. De la Espriella erklärte weiter, es seien mindestens 1.136 Häuser zerstört worden. Das Epizentrum des Bebens der Stärke 7,4 am Montagmorgen lag in der Region Chocó, die als eine der ärmsten Kolumbiens gilt. Soldaten, Rettungskräfte und Angehörige suchten in Trümmern nach Verschütteten und bildeten Menschenketten, um Mauerteile wegzuschaffen, wie Reporter der Nachrichtenagentur AP beobachteten. Lassen Sie sich Beiträge von ZDFheute bevorzugt bei Google anzeigen. → Hier ZDFheute als bevorzugte Quelle einstellen. Mehr zum Thema Erdbeben - Landesweiter Notstand ausgerufen:Erdbeben erschüttert Kolumbien - mehr als 180 Totemit Video1:40 - InterviewHumanitäre Hilfe in Venezuela:Helferin: Die Not reicht weit über die Trümmer hinausmit Video1:40 - Zwischen Trümmern und Machtkampf:Wie es in Venezuela nach den Erdbeben weitergehtvon Eva Riedmannmit Video2:13 - Dunkelziffer deutlich höher:Venezuela: Zahl der Opfer steigt auf mehr als 6.000mit Video0:22

Artikel lesen
11. August
Der Spiegel

Erdbeben in Kolumbien: Mindestens 169 Tote, Tausende Vermisste

Schweres Erdbeben Mindestens 169 Tote, Tausende Vermisste in Kolumbien Die Bilanz ist verheerend – und sie könnte noch schlimmer werden: Nach einem schweren Erdbeben laufen die Rettungsmaßnahmen in Kolumbien weiter. Wie der kolumbianische Städteverband Asocapitales in einer vorläufigen Bilanz mitteilte, kamen mindestens 169 Menschen ums Leben, 668 wurden verletzt. Doch klar ist: Die Zahlen dürften weiter steigen. Besonders schwer getroffen sind Städte rund um das Epizentrum nahe San José del Palmar im Westen des Landes. Dort brachte das Beben zahlreiche Gebäude zum Einsturz oder beschädigte sie. Es werden viele Menschen unter Trümmern vermutet. Allein in der Millionenstadt Cali, die südlich des Epizentrums liegt, würden 188 Menschen vermisst, sagte Präsident Abelardo de la Espriella bei einer Pressekonferenz. »Darauf werden sich jetzt all unsere Kräfte konzentrieren.« Laut Asocapitales wurden dort bisher 85 Tote gemeldet, die Stadtverwaltung in Cali sprach von 95 Toten. Ohnehin: Es gibt verschiedene Quellen, die von unterschiedlichen Opferzahlen berichten. Die Bürgermeister von Cali, Pereira, Choco und Manizales sprachen laut der Nachrichtenagentur AP am Dienstag von insgesamt 179 Todesopfern. 3000 Menschen sollen noch vermisst sein. Auch der Flughafen der Stadt am Rande des großen Kaffeeanbaugebietes Eje Cafetero sei nur noch eingeschränkt betriebsbereit. Cali selbst ist für die vielen Salsa-Schulen bekannt und ein beliebtes Reiseziel auch für Touristen aus Europa. Regierung und lokale Behörden mobilisierten alle Ressourcen und arbeiteten ungeachtet politischer Differenzen zusammen, sagte Präsident De la Espriella. Für den rechten Politiker, der vor seiner Wahl auf die Unterstützung von US-Präsident Donald Trump zählen konnte , ist die Naturkatastrophe die erste große Bewährungsprobe. Seine Regierung rief den landesweiten Notstand aus. Hilfsangebote auch aus Deutschland Die Stromversorgung sowie Telefon- und andere Kommunikationsverbindungen sind beeinträchtigt. Sechs Flughäfen sollen wegen Schäden an ihrer Infrastruktur derzeit für den kommerziellen Flugverkehr außer Betrieb sein. In Manizales wurde die Kathedrale schwer beschädigt. Mehrere Länder haben ihre Unterstützung angeboten, auch aus Deutschland und der EU kamen Hilfsangebote. Das Auswärtige Amt erklärte, das gesamte Ausmaß der Katastrophe sei noch nicht absehbar und es müsse mit vielen weiteren Todesopfern gerechnet werden. Das Beben ereignete sich am Montagmorgen um 7.34 Uhr Ortszeit nahe San José del Palmar im Departamento Chocó im Westen des Landes. Der geologische Dienst Kolumbiens sprach von einer Tiefe von rund 103 Kilometern. Es war bis nach Ecuador, Panama und auch Venezuela zu spüren. In Venezuela hatte ein schweres Beben im Juni Tausende Menschen getötet. Mehr dazu lesen Sie hier.

Artikel lesen
11. August
Handelsblatt

Naturkatastrophe: Erdbeben in Kolumbien – 164 Tote und Suche nach Überlebenden

Naturkatastrophe: Erdbeben in Kolumbien – 164 Tote und Suche nach Überlebenden Bogota. Nach dem schwersten Erdbeben in Kolumbien seit Jahrzehnten haben Rettungskräfte am Dienstag die Suche nach Überlebenden fortgesetzt. Bei dem Beben der Stärke 7,4 im Kaffeedreieck im Westen des Landes kamen am Montag mindestens 164 Menschen ums Leben. Es wird befürchtet, dass die Zahl der Opfer weiter steigt. Einsatzkräfte, Soldaten und Freiwillige suchten die ganze Nacht hindurch in den Trümmern eingestürzter Häuser nach Verschütteten. In den besonders betroffenen Städten Cali und Pereira wurden nächtliche Ausgangssperren verhängt. In der 2,2-Millionen-Metropole Cali starben nach offiziellen Angaben mindestens 85 Menschen. Auch Teile eines Krankenhauses waren eingestürzt. Rund 600 Patienten mussten auf der Straße behandelt werden, wie der Krankenhausdirektor Irne Torres Castro dem Fernsehsender Caracol erklärte. Die 43-jährige freiwillige Helferin Carmen Yasmin Garcia sagte, ihre Gruppe habe sieben Menschen aus einem eingestürzten Gebäude gerettet. Vier weitere Verschüttete und ein Hund seien jedoch noch vermisst. In Pereira, der Hauptstadt der Provinz Risaralda, meldeten die Behörden 66 Tote. Ein von der Nachrichtenagentur Reuters verifiziertes Video in den sozialen Netzwerken zeigte, wie das Terminal des dortigen Flughafens während des Bebens heftig schwankte und Deckenteile herabstürzten. In der ländlichen Provinz Chocó nahe dem Epizentrum waren 13 Todesopfer zu beklagen.

Artikel lesen
11. August
Neues Deutschland

Erdbeben in Kolumbien | Kolumbien: Helfer suchen nach Verschütteten

- Politik - Erdbeben in Kolumbien Kolumbien: Helfer suchen nach Verschütteten Kolumbien ist vom stärksten Erdbeben seit einem Jahrzehnt erschüttert worden – mehr als hundert Menschen wurden getötet. Bogotá. Nach dem stärksten Erdbeben seit einem Jahrzehnt läuft in Kolumbien die intensive Suche nach Überlebenden. Teils nur mit bloßen Händen und erschwert durch Stromausfälle gruben Einsatzkräfte und Freiwillige am Dienstag weiter nach Verschütteten. Laut dem Kommunalverband Asocapitales wurden seit dem Unglück vom Montag 169 Todesopfer und mehr als 600 Verletzte gezählt. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Papst Leo XIV. äußerten ihr Mitgefühl. Asocapitales, eine Vereinigung zur Koordination von Maßnahmen in den wichtigsten Städten des südamerikanischen Landes, teilte mit, mindestens 169 Menschen seien durch das Beben ums Leben gekommen und mehr als 600 weitere verletzt worden. 165 Gebäude stürzten demnach ein. Der erst seit Freitag amtierende Staatschef Abelardo de la Espriella rief den Katastrophenfall aus. Kaffee-Region besonders betroffen Das Beben ereignete sich um 07.34 Uhr (Ortszeit, 14.34 Uhr MESZ). Das Epizentrum lag nahe der westkolumbianischen Gemeinde San José del Palmar im Departamento Chocó, einer relativ armen Region an der Pazifikküste. Gouverneurin Nubia Carolina Córdoba-Curi erklärte im Kurzbotschaftendienst X, in der Regionalhauptstadt Quibdó habe es »Verletzte und schwere Schäden an Häusern« gegeben. »Die Menschen rannten nackt nach draußen, sie sprangen aus dem zweiten Stock ihrer Häuser«, berichtete der Jurastudent Wilmer Cuesta in Quibdó der Nachrichtenagentur AFP. Auch nahegelegene Städte im Westen des Landes wurden erschüttert, in ihnen brach teilweise Panik aus. Besonders betroffen war das für den Kaffee-Anbau bekannte Departamento Risaralda mit der Regionalhauptstadt Pereira im Westen des Landes, das auch bei Touristen beliebt ist. Dort gab es den Behörden zufolge Dutzende Tote. Viele Todesopfer gab es auch im Departamento Valle del Cauca mit der Regionalhauptstadt Cali, der drittgrößten Stadt des Landes. Aus der ebenfalls in der Kaffee-Region gelegenen Stadt Manizales wurden ebenfalls Tote gemeldet. »Das hier wirkt echt wie eine Zombie-Stadt«, sagte der Einwohner Juan David Gaitan AFP. Der Tätowierer Andrés Hernández sagte, er werde sich nicht schlafen legen, weil die Bauten um ihn herum »kurz vor dem Einsturz« stünden. Kein Strom und kein Handynetz Viele Todesopfer gab es auch im Departamento Valle del Cauca mit der Regionalhauptstadt Cali, der drittgrößten Stadt des Landes. Dort verhängten die Behörden eine nächtliche Ausgangssperre. Aus der ebenfalls in der Kaffee-Region gelegenen Stadt Manizales wurden ebenfalls Tote gemeldet. Dort stürzte unter anderem einer der Türme der bekannten Kathedrale ein. In Cali gruben Helfer nach Angaben eines AFP-Korrespondenten teils mit bloßen Händen nach Überlebenden. Sie bildeten Menschenketten, um Trümmerteile fortzuschaffen, und hielten alle paar Minute inne, um auf Rufe unter den Trümmern zu achten. Unter den hunderten Freiwilligen war Nelson Moreno, der nach einer Freundin suchte, die unter den Trümmern von zwei fünfstöckigen Gebäuden eingeschlossen wurde. »Jetzt brauchen wir Taschenlampen und Schutzbrillen gegen den Staub«, um die Arbeiten in der Nacht fortzusetzen, sagte er. Fachleuten zufolge sind nach einem Erdbeben die ersten 72 Stunden entscheidend, um noch Verschüttete zu retten. An den kleineren Flughäfen in Pereira, Manizales, Quibdó, Armenia, Cartago und Buenaventura wurde der Flugverkehr nach Angaben der Luftfahrtbehörde »aus Sicherheitsgründen« ausgesetzt. In Bogotá wurden Gebäude evakuiert, die Schäden in der kolumbianischen Hauptstadt beschränkten sich nach Worten von Bürgermeister Carlos Galán aber auf Risse in Gebäuden. Viele Menschen liefen in Panik auf die Straßen, als die Alarmsirenen ertönten. Die 29 Jahre alte Valeria Polo in Bogotá sagte, das Beben sei »sehr, sehr stark« gewesen. Internationale Hilfe in Aussicht Zahlreiche Länder, darunter Frankreich, Israel und Mexiko, boten Kolumbien nach dem Beben Hilfe an. Die USA gaben nach Angaben des Außenministeriums 15,5 Millionen Dollar (13,4 Millionen Euro) frei. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erklärte, die EU sei bereit, Unterstützung zu leisten. »Wir haben bereits unseren Satellitendienst Copernicus mobilisiert, um bei den Rettungseinsätzen zu helfen«, schrieb sie auf X. Bundeskanzler Merz erklärte, er verfolge die Nachrichten aus Kolumbien mit »Bestürzung«. Er sprach den Opfern und ihren Angehörigen auf X sein Mitgefühl aus und wünschte den Helfern vor Ort »viel Kraft in den nächsten Stunden und Tage«. Auch Papst Leo XIV. äußerte sein Mitgefühl. Das Oberhaupt der katholischen Kirche sei »zutiefst betroffen von der traurigen Nachricht des Erdbebens«, schrieb die Nummer zwei im Vatikan, Kardinal Pietro Parolin, in einem Telegramm an die kolumbianische Bischofskonferenz. Emotionale Unterstützung kam außerdem von Kolumbiens Superstar Shakira. Die Sängerin sandte via X »meine ganze Kraft und meine ganze Liebe an meine Heimat«. Journalisten der Nachrichtenagentur AFP zufolge waren die Erdstöße auch in der ecuadorianischen Hauptstadt Quito sowie in Panama und Venezuela zu spüren gewesen. Die Behörden in Panama erklärten, mögliche Schäden in der schwer zugänglichen Grenzregion Darién zu prüfen. Zuletzt hatten im Juni zwei Erdbeben der Stärke 7,2 und 7,5 Kolumbiens Nachbarland Venezuela erschüttert. Dort stieg die Opferzahl inzwischen auf mehr als 6300, wie Parlamentspräsident Jorge Rodríguez am Montag mitteilte. Beide Länder liegen in einer Region, in der drei tektonische Erdplatten aufeinander stoßen. AFP/nd Wir haben einen Preis. Aber keinen Gewinn. Die »nd.Genossenschaft« gehört den Menschen, die sie ermöglichen: unseren Leser*innen und Autor*innen. Sie sind es, die mit ihrem Beitrag linken Journalismus für alle sichern: ohne Gewinnmaximierung, Medienkonzern oder Tech-Milliardär. Dank Ihrer Unterstützung können wir: → unabhängig und kritisch berichten → Themen sichtbar machen, die sonst untergehen → Stimmen Gehör verschaffen, die oft überhört werden → Desinformation Fakten entgegensetzen → linke Debatten anstoßen und vertiefen Jetzt »Freiwillig zahlen« und die Finanzierung unserer solidarischen Zeitung unterstützen. Damit nd.bleibt.

Artikel lesen
11. August
Deutschlandfunk

Südamerika - Kolumbien ruft nach Erdbeben landesweiten Notstand aus

Priorität habe die Rettung der Menschen, die unter den Trümmern begraben seien, betonte der Staatschef. De la Espriella war erst vor wenigen Tagen vereidigt worden. Durch das Erdbeben wurden Behördenangaben zufolge mindestens 1.600 Wohnhäuser beschädigt, etwa 60 Gebäude stürzten vollständig ein. Die Zahl der Todesopfer wird derzeit mit 111 angegeben. Zahlreiche Menschen gelten als vermisst. Schwerstes Beben seit Jahren Der US-Erdbebenwarte USGS zufolge hatte das Beben die Stärke 7,4. Das Epizentrum lag im Westen des Landes an der Pazifikküste. Der Kolumbianische Geologische Dienst (SGC) bezeichnete das Beben als das stärkste in Kolumbien seit mindestens zehn Jahren. Besonders betroffen war das für den Kaffee-Anbau bekannte Departamento Risaralda mit der Regionalhauptstadt Pereira im Westen des Landes. Viele Todesopfer gab es auch im Departamento Valle del Cauca mit der Regionalhauptstadt Cali, der drittgrößten Stadt des Landes. Aus der ebenfalls in der Kaffee-Region gelegenen Stadt Manizales wurden ebenfalls Tote gemeldet. Strom- und Telefonnetze gestört, Flughäfen gesperrt Die Stromversorgung, Telefon- und andere Kommunikationsverbindungen waren beeinträchtigt. Sechs Flughäfen sind dem Präsidenten zufolge wegen Schäden an ihrer Infrastruktur derzeit für den kommerziellen Flugverkehr außer Betrieb. In Bogotá wurden Gebäude evakuiert, die Schäden in der kolumbianischen Hauptstadt beschränkten sich nach Worten von Bürgermeister Galán aber auf Risse in Gebäuden. Internationale Hilfe für Kolumbien Die USA kündigten Hilfe an. Das Außenministerium stellte 15,5 Millionen Dollar für Notunterkünfte, Lebensmittel und weitere Hilfsmaßnahmen bereit. Auch El Salvador, Mexiko und Chile boten Kolumbien Unterstützung an. El Salvadors Präsident Bukele erklärte, sein Land sei bereit, Rettungskräfte, medizinisches Personal und Hilfsgüter zu schicken. EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen schrieb im Onlinedienst X: "Wir haben bereits unseren Satellitendienst Copernicus mobilisiert, um bei den Rettungseinsätzen zu helfen." Zuletzt hatten im Juni zwei Erdbeben der Stärke 7,2 und 7,5 Venezuela erschüttert. Im Nachbarland Kolumbiens stieg die Opferzahl inzwischen auf über 6.300, wie Parlamentspräsident Rodríguez mitteilte.  Weitere Informationen: Diese Nachricht wurde am 11.08.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.

Artikel lesen
11. August
taz (Öko & Co)

Nach dem Erdbeben in Kolumbien: Die Zahl der Toten dürfte weiter steigen

Nach dem Erdbeben in Kolumbien: Die Zahl der Toten dürfte weiter steigen Noch gibt es nicht aus allen Regionen verlässliche Schadensmeldungen nach dem Erdbeben vom Montag. Der neue Präsident hat den Notstand ausgerufen. Der Turm der Kathedrale in Manizales, das Wahrzeichen der Stadt, ist umgeknickt, als sei er weggeschmolzen. Es war eins der ersten einprägenden Bilder nach dem verheerenden Erdbeben in Kolumbien. In Pereira zeigten Videos, wie Menschen um ihr Leben rennen. In Cali graben Helfer im Schutt von zusammengestürzten Gebäuden teils mit bloßen Händen nach Überlebenden. Es war mit Stärke 7,4 das schwerste registrierte Erdbeben dieses Jahrzehnts, meldet der Kolumbianische Geologische Dienst. Es war bis Venezuela, Panama und Ecuador zu spüren. Mindestens 110 Menschen sind dabei nach Regierungsangaben gestorben. 87 wurden verletzt. Mehr als 2.000 Menschen galten am Montagabend (Ortszeit) als vermisst. Mindestens 1.500 Häuser sind unbewohnbar. Rund 60 stürzten komplett ein. Laut dem Innenministerium waren mehr als 20 Gemeinden betroffen. Die Zahlen dürften weiter steigen – auch weil einige Gegenden schwer zu erreichen oder von der Kommunikation großteils abgeschnitten sind. Sogar in der Hauptstadt Bogotá schwankten mehrere Minuten die Gebäude und Menschen eilten in Schlafanzügen und Arbeitskluft ins Freie. Am heftigsten traf das Beben, soweit bislang bekannt, die drittgrößte Stadt Cali sowie Manizales und Pereira, die beide in der unter Tourist*innen bekannten Kaffeezone liegen. Mehrere Flughäfen wurden geschlossen – und viele davon waren es am Abend immer noch. Erdrutsche machten Straßen unpassierbar, Krankenhäuser und Schulen wurden beschädigt. Pereira hat mit bisher mindestens 55 die meisten Todesopfer zu verzeichnen. Der Strom blieb dort über weite Teile des Tages weg, auch Internet und Telefon. Die Suche nach Überlebenden geht weiter. Rettungskräfte und freiwillige Helfer suchen teils mit bloßen Händen. Es sind Notunterkünfte eingerichtet, damit Menschen nicht unter freiem Himmel schlafen müssen. Die Sammlung von Hilfsgütern und Blutspenden ist angelaufen. Besonders betroffen: die abgehängte Region Chocó Präsident Abelardo de la Espriella traf das Erdbeben am dritten Tag im Amt. Er rief den nationalen Notstand aus, um Hilfsmittel zu mobilisieren. Am Montag reiste er zu mehreren Städten, die besonders getroffen wurden. Er hatte im Wahlkampf dem Zentralismus den Kampf angesagt. In Quibdó sagte er: „Das soll die Chance sein, dem Land zu sagen: Chocó wird nie mehr vergessenes Land sein.“ Regierung und lokale Behörden mobilisierten alle Ressourcen und arbeiteten ungeachtet politischer Differenzen zusammen, sagte er in Cali. Auch hunderte Soldat*innen wurden geschickt, um bei Such- und Bergungsarbeiten zu helfen. In Cali wurde das gigantische Petronio-Festival abgebrochen, das der afrokolumbianischen Musik der Pazifikregion gewidmet ist. Viele der Beteiligten stammen aus der Region Chocó oder haben dort Verwandtschaft. Behörden und Expert*innen warnten vor Panik und versuchten, Falschmeldungen zu entkräften, die vor allem in den sozialen Medien und Whatsapp kursierten. Darunter vor allem die, dass Erdbeben vorhersehbar seien – und zu einer gewissen Uhrzeit Nachbeben kommen würden. Das ist falsch: Es gibt kein Warnsystem für Erdbeben – weder Auftreten, Stärke noch Ort sind vorhersehbar. Das Beben ereignete sich um 7.34 Uhr Ortszeit. Das Epizentrum lag in der Gemeinde San José Del Palmar im Pazifik-Departamento Chocó, nur 103 Meter unter der Erde. Chocó ist eine der ärmsten Regionen des Landes, überwiegend von Afrokolumbianer*innen bevölkert und historisch vernachlässigt. Große Teile werden von bewaffneten Gruppen kontrolliert. Die Verbindung zum Rest des Landes ist auch ohne Erdbeben problematisch. Weite Teile des Chocó sind nur per Flugzeug oder Boot zu erreichen. Die Region kommt auch in den kolumbianischen Medien selten vor. Während am Montag relativ schnell aus den anderen Katastrophengebieten Nachrichten und Daten eintrafen, fielen selbst in Quibdó, der Hauptstadt des Chocó, Strom und Telefonverbindung aus. Sogar das sonst praktisch unverwüstliche Whatsapp scheiterte. Im Laufe des Nachmittags meldeten sich immer mehr afrokolumbianische Stimmen zu Wort, die mehr Berichterstattung über die Lage dort forderten – und in der kargen Nachrichtenlage und den schweren Auswirkungen des Bebens Symptome des strukturellen Rassismus sahen, den auch die Vereinten Nationen Kolumbien attestiert haben. Häufige Erdbeben und eine Baunorm Kolumbien befindet sich in einer seismisch aktiven Zone. Mehrere tektonische Platten treffen aufeinander. Im Fall des aktuellen Bebens hat das mit der Nazca-Platte zu tun, die in der Pazifikzone unter die südamerikanische Platte taucht. Nach Schätzungen gibt es in Kolumbien monatlich rund 2.500 Erdbeben – ein Großteil passiert für die Bevölkerung unbemerkt. Kolumbien verfügt seit 1984 über eine Erdbeben-Baunorm, die mehrfach aktualisiert wurde und laut Expert*innen Menschenleben schützt – wenn sie denn umgesetzt wird. Allein in Bogotá sind rund 60 Prozent der Gebäude selbstgebaut, ohne fachliche Überwachung, erklärt Daniel Ruiz, Professor an der Fakultät für Ingenieurswissenschaften an der Universität Javeriana. Das hat damit zu tun, dass die Stadt ungeplant wuchs. Es ist davon auszugehen, dass sie die Norm nicht erfüllen. Ebenso sei wohl ein großer Teil der Bauten von vor 1984 nie nachgerüstet wurden. Denn das wurde nur bei öffentlichen Gebäuden wie Schulen, Krankenhäusern und Unis überprüft. Für die anderen sei es keine Pflicht –und die Eigentümer*innen schreckten vor den Kosten zurück. Und die eigentlich sinnvolle Norm habe einen Haken: Bauherren müssen zwar entsprechende Pläne für eine Baugenehmigung absegnen lassen. Ob das fertige Gebäude dem aber entspricht, werde nicht nachgeprüft. Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen meistkommentiert

Artikel lesen
11. August
taz (Öko & Co)

Erdbeben in Kolumbien: Retter suchen nach Überlebenden des Erdbebens

Erdbeben in Kolumbien: Retter suchen nach Überlebenden des Erdbebens Nach dem Erdbeben ruft der neue Präsident den Notstand aus. Mehr als 110 Menschen sind getötet worden. De la Espriella verspricht schnelle Hilfe. dpa | Das ganze Ausmaß der Erdbeben-Katastrophe in Kolumbien mit mindestens 111 Toten zeigt sich erst langsam. Die Regierung des südamerikanischen Landes rief den Notstand aus. Rettungskräfte suchen in eingestürzten Gebäuden nach Überlebenden. Befürchtet wird, dass die Zahl der Todesopfer noch deutlich steigt. Das Epizentrum des Bebens der Stärke 7,4 lag nahe San José del Palmar im Westen des Landes. Alleine in der Millionenstadt Cali, die südlich des Epizentrums liegt, würden 188 Menschen vermisst, sagte der kürzlich vereidigte Präsident Abelardo de la Espriella auf einer Pressekonferenz vor Ort. „Darauf werden sich jetzt all unsere Kräfte konzentrieren.“ Regierung und lokale Behörden mobilisierten alle Ressourcen und arbeiteten ungeachtet politischer Differenzen zusammen, sagte er weiter. Zu den bereits 600 Soldaten vor Ort sollen demnach 400 weitere hinzukommen und bei den Such- und Bergungsarbeiten helfen. Die Zahl der Opfer in Cali bezifferte er mit 35 Toten und etwa 700 Verletzten. Drei Krankenhäuser und etwa 40 Gebäude stürzten völlig ein. Auch der Flughafen der Stadt am Rande des großen Kaffeeanbaugebietes Eje Cafetero sei nur noch eingeschränkt betriebsbereit. Cali selbst ist für die vielen Salsa-Schulen bekannt und ein beliebtes Reiseziel auch für Touristen aus Europa. Beben auch in Nachbarländern zu spüren Das Beben ereignete sich am Montagmorgen um 7.34 Uhr Ortszeit im Westen des Landes in einer Tiefe von rund 103 Kilometern, wie Kolumbiens Geologischer Dienst mitteilte. Im Anschluss wurden zahlreiche Nachbeben registriert. Die Erschütterungen waren ebenfalls in Kolumbiens Hauptstadt Bogotá sowie in den Städten Medellín, Popayán und Armenia zu spüren. Auch in Ecuador, Venezuela und Panama wurde das Beben Berichten zufolge wahrgenommen. Tausende Wohnhäuser wurden offiziellen Angaben zufolge in mehreren Städten im Umkreis des Epizentrums schwer beschädigt, neben Cali unter anderem auch in Pereira und Manizales. Allein in Pereira starben nach jüngsten Angaben der Stadtverwaltung 60 Menschen, wie es in einem Post auf der Plattform X hieß. Elf weitere würden vermisst. 58 Gebäude seien komplett eingestürzt. Anwohner helfen bei der Suche nach Überlebenden „Wir haben hier ein vierstöckiges Gebäude, das vollständig eingestürzt ist. Wir haben bereits drei Personen lebend bergen können“, sagte in Cali der diensthabende Feuerwehrchef im Viertel La Alameda gegenüber dem Sender Caracol. Zahlreiche Anwohner helfen demnach bei der Suche nach Erdbebenopfern in den Trümmern. Die Stromversorgung sowie Telefon- und andere Kommunikationsverbindungen sind beeinträchtigt. Sechs Flughäfen sind dem Präsidenten zufolge wegen Schäden an ihrer Infrastruktur derzeit für den kommerziellen Flugverkehr außer Betrieb. In Manizales wurde auch die Kathedrale schwer beschädigt. „So ein Erdbeben habe ich hier noch nicht erlebt“ In den Straßen schwankten Autos, Fensterscheiben klirrten und Menschen verließen panisch ihre Häuser. „Zuerst dachte ich, es wäre etwas Leichtes. Aber als es dann immer stärker wurde und nicht aufhörte, dachte ich, wir würden sterben“, schilderte eine Frau aus Manizales dem Sender La FM den Moment des Bebens. „Ein Teil meines Hausdachs ist eingestürzt und die Wände sind rissig“, erzählt Juan Bernal aus der Stadt Armenia. Selbst im mehrere Hundert Kilometer vom Epizentrum entfernten Bogotá war die Erschütterung noch deutlich zu spüren: „Die ganze Wohnung, das ganze Gebäude hat geschwankt. So ein Erdbeben habe ich hier noch nicht erlebt“, berichtete Kristin Wesemann von der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS). Experten: Kein Zusammenhang mit starken Beben in Venezuela Das Beben in Kolumbien erinnerte an die schweren Erdstöße im Nachbarland Venezuela vor wenigen Wochen. Dort erschütterten am 24. Juni innerhalb von wenigen Sekunden zwei Beben der Stärke 7,2 und 7,5 den Norden des Landes. Tausende Menschen kamen ums Leben. Einen Zusammenhang sieht der Kolumbianische Geologische Dienst (SGC) indes nicht. Die beiden Beben wurden demnach durch Bewegungen unterschiedlicher Erdplatten ausgelöst: In Venezuela war die Karibische Platte beteiligt, in Kolumbien die vor der Pazifikküste liegende Nazca-Platte. Frühere Erdbeben in Kolumbien Das zuvor heftigste Erdbeben ereignete sich 1958 vor der Küste zwischen Ecuador und Kolumbien mit einer Stärke von 7,6. Dabei kamen laut Geologischem Dienst nur 15 Menschen ums Leben. Im Jahr 1999 wiederum waren in der Stadt Armenia und nahe gelegenen Gemeinden bei einem Erdbeben der Stärke 6,1 mehr als Tausend Menschen ums Leben gekommen. Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen meistkommentiert

Artikel lesen
11. August
Tagesschau

Erdbeben mit mehr als 100 Toten: Notstand in Kolumbien

Mehr als 100 Tote Kolumbien ruft nach Erdbeben Notstand aus Mehr als 2.000 Menschen gelten nach dem schweren Erdbeben in Kolumbien als vermisst, mehr als 100 sind ums Leben gekommen. Der Präsident hat den Notstand ausgerufen, während Rettungskräfte in den Trümmern nach Verschütteten suchen. Nachdem Kolumbien vom schwersten Erdbeben seit Jahrzehnten erschüttert wurde, ist das ganze Ausmaß der Katastrophe noch nicht absehbar. Rettungskräfte suchen in eingestürzten Gebäuden weiter nach Überlebenden. Bei dem Beben der Stärke 7,4 kamen nach offiziellen Angaben mindestens 111 Menschen ums Leben. Die Regierung rief den Notstand aus. "An erster Stelle steht die Rettung der Menschen, die unter den Trümmern begraben sind", sagte Präsident Abelardo de la Espriella. Die Regierung mobilisiere alle Ressourcen, sagte der erst seit wenigen Tagen amtierende Staatschef. Unklare Anzahl an Verletzten In einer digitalen Datenbank waren am Montag (Ortszeit) bereits mehr als 2.000 Menschen als vermisst registriert, vor allem in den besonders stark betroffenen Städten Cali und Pereira. Zur Anzahl der Verletzten gibt es noch keine genauen Angaben. Der Präsident sprach zunächst von 87 Verletzten. Die Gouverneurin von Valle del Cauca, Dilian Franco, wiederum nannte in einem Interview die Zahl von mehr als 550 Verletzten allein in ihrer Region im Südwesten. In Chocó wurden laut Gouverneurin Nubia Córdoba-Curi 119 Menschen verletzt. Es wird erwartet, dass die Zahlen noch steigen. Rettungskräfte heben ihre Hände, um für Ruhe zu sorgen, während sie in Cali nach Vermissten suchen. Das Epizentrum des Bebens lag nahe San José del Palmar im Westen Kolumbiens. Es ereignete sich am Montagmorgen um 7.34 Uhr Ortszeit in einer Tiefe von rund 103 Kilometern, wie Kolumbiens Geologischer Dienst mitteilte. Im Anschluss wurden zahlreiche Nachbeben registriert. Schäden an Häusern, Schulen und Krankenhäusern Mehr als 1.500 Wohnhäuser wurden offiziellen Angaben zufolge in mehreren Städten schwer beschädigt, darunter in Pereira, Cali und Manizales. Etwa 60 Gebäude stürzten vollständig ein, so Präsident De la Espriella. Beschädigt wurden demnach ebenfalls 18 Krankenhäuser und 52 Schulen. Die Stromversorgung sowie Telefon- und andere Kommunikationsverbindungen sind beeinträchtigt. Sechs Flughäfen sind dem Präsidenten zufolge wegen Schäden an ihrer Infrastruktur derzeit für den kommerziellen Flugverkehr außer Betrieb. Eingestürzte Kathedrale in Manizales Der Bürgermeister der Großstadt Cali, Alejandro Eder, berichtete von Dutzenden eingestürzten Häusern, unter deren Trümmern noch Menschen vermutet würden. Das genaue Ausmaß der Schäden würde nun mit Hilfe von Drohnen aus der Luft ermittelt. Er bat die Bürgermeister von Bogotá und Medellín um Unterstützung. In Manizales stürzte ein Turm der neugotischen Kathedrale ein und fiel auf das Kirchenschiff. Bürgermeister Jorge Eduardo Rojas warnte die Einwohner der Stadt vor möglichen Nachbeben. In Bogotá wurden Gebäude evakuiert, die Schäden in der kolumbianischen Hauptstadt beschränkten sich dem Bürgermeister zufolge aber auf Risse in Gebäuden. Teile der höchsten Kathedrale Kolumbiens stürzten bei dem Beben ein. Internationale Hilfe angekündigt Die USA kündigten derweil Unterstützung für Kolumbien an. Das Außenministerium stellt demnach 15,5 Millionen Dollar für Notunterkünfte, Lebensmittel und weitere Hilfsmaßnahmen bereit. Auch El Salvador, Mexiko und Chile boten Kolumbien Unterstützung an. El Salvadors Präsident Nayib Bukele erklärte, sein Land sei bereit, Rettungskräfte, medizinisches Personal und Hilfsgüter zu schicken. Chiles Präsident José Antonio Kast erklärte, Chile, eines der erdbebenanfälligsten Länder der Region, "kennt den Schmerz und die Herausforderungen, die Erdbeben hinterlassen".

Artikel lesen
11. August
Der Spiegel

Kolumbien ruft nach Erdbeben landesweiten Notstand aus

Zahlreiche Tote und Verletzte Kolumbien ruft nach schwerem Erdbeben landesweiten Notstand aus In Kolumbien hat sich das schwerste Erdbeben seit Jahrzehnten ereignet, und das ganze Ausmaß der Katastrophe ist bislang nicht absehbar. Die Regierung des südamerikanischen Landes rief nun den Notstand aus. »An erster Stelle steht die Rettung der Menschen, die unter den Trümmern begraben sind«, sagte Präsident Abelardo de la Espriella. Die Regierung mobilisiere alle Ressourcen, sagte der erst seit wenigen Tagen amtierende Staatschef (mehr zu ihm hier ). Bei dem Beben der Stärke 7,4 kamen nach Angaben von Montag mindestens 111 Menschen ums Leben. Die Behörden befürchten, dass die Zahl der Todesopfer weiter steigen könnte. Zahlreiche Menschen werden unter Trümmern vermutet. Auch die offizielle Zahl der Verletzten dürfte weiter steigen. Der Präsident sprach zunächst von 87 Verletzten. Die Gouverneurin von Valle del Cauca, Dilian Franco, wiederum nannte in einem Interview mit Blu Radio die Zahl von mehr als 550 Verletzten allein in ihrer Region im Südwesten. In Chocó wurden laut Gouverneurin Nubia Córdoba-Curi 119 Menschen verletzt. Das Epizentrum lag nahe San José del Palmar im Westen des Landes. Es ereignete sich am Montagmorgen um 7.34 Uhr Ortszeit in einer Tiefe von rund 103 Kilometern, wie der Kolumbianische Geologische Dienst mitteilte. Im Anschluss wurden zahlreiche Nachbeben registriert. Mehr als 1500 Wohnhäuser wurden offiziellen Angaben zufolge in mehreren Städten schwer beschädigt, darunter in Pereira, Cali und Manizales. Rund 60 Gebäude stürzten vollständig ein, wie De la Espriella sagte. Allein in der Stadt Pereira starben nach Angaben des Bürgermeisters Mauricio Salazar mindestens 55 Menschen. Dort seien 18 Gebäude eingestürzt und 60 weitere Häuser beschädigt worden. Laut dem Präsidenten wurden zudem 18 Krankenhäuser und 52 Schulen beschädigt. Die Stromversorgung sowie Telefon- und andere Kommunikationsverbindungen sind beeinträchtigt. Sechs Flughäfen sind dem Präsidenten zufolge wegen Schäden an ihrer Infrastruktur derzeit für den kommerziellen Flugverkehr außer Betrieb. In Manizales wurde auch die Kathedrale schwer beschädigt. Die Erschütterungen waren ebenfalls in den Städten Bogotá, Medellín, Popayán und Armenia zu spüren. Auch in den Nachbarländern Ecuador, Venezuela und Panama wurde das Beben Berichten zufolge wahrgenommen. Das Beben in Kolumbien erinnerte an die schweren Erdstöße in Venezuela vor wenigen Wochen. Dort erschütterten am 24. Juni binnen weniger Sekunden zwei Beben der Stärke 7,2 und 7,5 den Norden des Landes. Tausende Menschen kamen ums Leben (mehr dazu, warum diese Beben so verheerende Folgen hatten, erfahren Sie hier ). Einen Zusammenhang sieht der Kolumbianische Geologische Dienst indes nicht. Die beiden Beben wurden demnach durch Bewegungen unterschiedlicher Erdplatten ausgelöst: In Venezuela war die Karibische Platte beteiligt, in Kolumbien die vor der Pazifikküste liegende Nazca-Platte.

Artikel lesen
10. August
ZDF heute

Erdbeben erschüttert Kolumbien - mehr als 100 Tote

Opferzahlen steigen:Erdbeben erschüttert Kolumbien - mehr als 100 Tote Nach einem schweren Erdbeben in Kolumbien melden die Behörden mittlerweile über 100 Todesopfer. Häuser sind eingestürzt, Rettungskräfte und Einwohner suchen nach Überlebenden. Die Zahl der Toten bei einem schweren Erdbeben im Westen Kolumbiens steigt weiter an. Nach den jüngsten Behördenangaben kamen bei dem Erdbeben der Stärke 7,4 mindestens 111 Menschen ums Leben, mindestens 87 Verletzte wurden gemeldet. Weitere Personen sollen noch unter den Trümmern eingestürzter Gebäude eingeschlossen sein. Allein in dem für den Kaffeeanbau bekannten Departamento Risaralda starben mindestens 47 Menschen. Auch aus anderen Landesteilen wurden zahlreiche Opfer registriert. Kolumbiens Präsident Abelardo de la Espriella, der erst am Freitag sein Amt angetreten hatte, rief den Katastrophenfall aus. Nach Angaben des Staatschefs wurden Schäden an mehr als 1.500 Wohnhäusern und 61 eingestürzte Gebäude gemeldet. Der Kolumbianische Geologische Dienst bezeichnete das Beben als das stärkste in Kolumbien seit mindestens zehn Jahren. Menschen sollen noch eingeschlossen sein Aus der Millionenstadt Cali hatte der Bürgermeister zuvor mehr als 20 eingestürzte Gebäude gemeldet, in denen Menschen eingeschlossen sein sollen. In Manizales sollen laut dem dortigen Bürgermeister mehr als zehn Gebäude eingestürzt sein, weitere Häuser seien schwer beschädigt worden. Auch ein Turm der dortigen Kathedrale sei betroffen. In der Hauptstadt des westkolumbianischen Departamentos Chocó, Quibdó, herrschte nach dem Beben und mehreren Nachbeben zeitweilig Panik. Die Gouverneurin Nubia Carolina Córdoba berichtete von Verletzten und schweren Gebäudeschäden. Epizentrum im Westen - Erschütterungen auch in Bogota Das Beben ereignete sich um 7:34 Uhr Ortszeit. Das Epizentrum lag nahe San José del Palmar im Departamento Chocó in einer Tiefe von 96 Kilometern, wie der Kolumbianische Geologische Dienst mitteilte. Der US-amerikanische Geologische Dienst verortete es etwas tiefer. Die Momenten-Magnituden-Skala misst, wie stark ein Erdbeben war. Die Erschütterungen waren unter anderem in Bogotá, Medellín, Cali, Popayán, Armenia, Pereira und Manizales zu spüren. Videos in den sozialen Netzwerken zeigten zerstörte Gebäude und Menschen, die vor Panik auf die Straße liefen. Auch mehrere Flughäfen waren betroffen. In den Nachbarländern Venezuela, Ecuador und Panama wurde das Beben Berichten zufolge wahrgenommen. Erst vor sechs Wochen hatte ein schweres Doppel-Erdbeben Venezuela erschüttert. Mehr als 6.000 Menschen starben. Präsident reist in Krisengebiet De la Espriella kündigte an, persönlich nach Pereira zu reisen. Kurz nach dem Hauptbeben registrierte der Kolumbianische Geologische Dienst zudem ein Nachbeben der Stärke 4,6 in dem ebenfalls im Departamento Chocó gelegenen Nóvita. Wichtiger Hinweis in eigener Sache Wer bei Google etwas sucht, bekommt neben den Suchergebnissen auch eine Box mit Schlagzeilen angezeigt. Mit ZDFheute als hinterlegter Quelle bekommen Sie unsere Inhalte häufiger in die Schlagzeilen-Box gespielt - geprüfte Inhalte, direkt in Ihrem Überblick. → Hier ZDFheute als bevorzugte Quelle einstellen.  Mehr Nachrichten aus Kolumbien - Nach Präsidentenwahl:USA fordern geordneten Regierungswechsel in Kolumbienmit Video0:23 - Rechter Hardliner und Trump-Freund:Rechter De la Espriella bei Stichwahl in Kolumbien vornemit Video0:27 - Vertrauter von Nicolás Maduro:Venezuelas Regierung liefert Ex-Minister an die USA ausmit Video0:21 - Gewaltserie vor Wahl:Bombenanschlag in Kolumbien: Mehrere Tote und Verletzte

Artikel lesen
10. August
Tagesschau

Mindestens 20 Tote bei Erdbeben in Kolumbien

Erdstöße der Stärke 7,4 Mindestens 20 Tote bei Erdbeben in Kolumbien Bei dem schweren Erdbeben der Stärke 7,4 in Kolumbien sind mindestens 20 Menschen ums Leben gekommen. Allein in der Stadt Pereira westlich der Hauptstadt Bogotá gab es mindestens 18 Tote und Dutzende Verletzte. Ein schweres Erdbeben im Westen Kolumbiens hat nach ersten Erkenntnissen mindestens 20 Menschen das Leben gekostet. Örtliche Behördenvertreter bestätigten zunächst 18 Todesopfer in der Stadt Pereira. Der Bürgermeister der westkolumbianischen Stadt, Mauricio Salazar, nannte die Situation im Radiosender Caracol "kritisch". Zwei weitere Tote gab es in der rund 50 Kilometer von Pereira entfernten Stadt Manizales. In Dutzenden Städten stürzten Gebäude ein. Einwohner wurden verletzt und teils unter Trümmern eingeschlossen. Beben hatte Stärke 7,4 Die US-Erdbebenwarte USGS bezifferte die Stärke des Bebens, das bis ins angrenzende Ecuador zu spüren war, mit 7,4. Es ereignete sich in einer Tiefe von 107 Kilometern. Das Epizentrum des Bebens lag laut USGS und der kolumbianischen Erdbebenwarte rund 400 Kilometer westlich der Hauptstadt Bogotá in San José Del Palmar in der Region Chocó. Auch in Cali, der mit rund zwei Millionen Einwohnern drittgrößten Stadt Kolumbiens, stürzten Gebäude ein. Bürgermeister Alejandro Eder sagte, in mindestens 19 eingestürzten Häusern seien Menschen eingeschlossen. In Manizales stürzte ein Turm der neugotischen Kathedrale ein und fiel auf das Kirchenschiff. Bürgermeister Jorge Eduardo Rojas warnte die Einwohner der Stadt vor möglichen Nachbeben.

Artikel lesen
10. August
taz (Öko & Co)

Erdbeben in Kolumbien: Behörden sprechen von mindestens 20 Toten

Erdbeben in Kolumbien: Behörden sprechen von mindestens 20 Toten Ein schweres Erdbeben hat den Westen Kolumbiens erschüttert, Behörden bestätigen mindestens 20 Todesopfer. Auch in Venezuela was das Beben zu spühren. ap/rtr | Ein schweres Erdbeben im Westen Kolumbiens hat nach ersten Erkenntnissen mindestens 20 Menschen das Leben gekostet. Besonders schwer getroffen wurde die Stadt Pereira in der Kaffeeregion des Landes. Dort starben mindestens 18 Menschen, wie Bürgermeister Mauricio Salazar dem Sender Caracol Radio sagte. Zudem seien Menschen in eingestürzten Gebäuden eingeschlossen. In Manizales kamen zwei Menschen ums Leben, wie Bürgermeister Jorge Eduardo Rojas in einem Interview mit dem Sender Blu Radio sagte. In der Großstadt Cali stürzten mindestens 20 Gebäude ein. Zudem befürchtete man dort weitere Verschüttete, wie Bürgermeister Alejandro Eder erklärte. Die Stadt forderte Rettungsteams aus Bogota und Medellin an. Die US-Erdbebenwarte USGS bezifferte die Stärke des Bebens, das bis ins angrenzende Ecuador zu spüren war, mit 7,4. Es ereignete sich in einer Tiefe von 107 Kilometern. Das Epizentrum des Bebens lag laut USGS und der kolumbianischen Erdbebenwarte rund 400 Kilometer westlich der Hauptstadt Bogotá in San José Del Palmar in der Region Chocó. Auch in Cali, der mit rund zwei Millionen Einwohnern drittgrößten Stadt Kolumbiens, stürzten Gebäude ein. Bürgermeister Alejandro Eder sagte, in mindestens 19 eingestürzten Häusern seien Menschen eingeschlossen. Der 64 Jahre alte Taxifahrer Jorge Moncayo berichtete, er habe von seinem Haus in den Bergen aus Staubwolken über der Stadt aufsteigen sehen, als Gebäude zusammenbrachen. „Mein ganzes Haus hat gewackelt“, sagte er. Ein so starkes Erdbeben habe er noch nie erlebt. In Manizales stürzte ein Turm der neugotischen Kathedrale ein und fiel auf das Kirchenschiff. Bürgermeister Jorge Eduardo Rojas warnte die Einwohner der Stadt vor möglichen Nachbeben. Flugbetrieb vorübergehend eingestellt Die kolumbianische Luftfahrtbehörde teilte mit, dass der Flugbetrieb an den Flughäfen in Pereira, Manizales, Quibdo, Armenia, Cartago und Buenaventura vorübergehend eingestellt worden sei, um die Bausubstanz der Terminals zu überprüfen. Die nationale Katastrophenschutzbehörde UNGRD erhielt Berichte aus neun Provinzen. Das Beben war in allen 32 Provinzhauptstädten zu spüren und löste Evakuierungen aus. Der kolumbianische geologische Dienst gab die Stärke des Bebens mit 7,4 und die Tiefe mit 96 Kilometern an. Augenzeugen berichteten der Nachrichtenagentur Reuters, dass die Erdstöße auch im venezolanischen Grenzstaat Tachira sowie in der Stadt Barquisimeto im Westen des Nachbarlandes zu spüren waren. Venezuela war im Juni von zwei verheerenden Erdbeben erschüttert worden, bei denen mehr als 6.000 Menschen starben. Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen meistkommentiert

Artikel lesen
10. August
Handelsblatt

Naturkatastrophe: Schweres Erdbeben erschüttert Kolumbien

Naturkatastrophe: Schweres Erdbeben erschüttert Kolumbien Bogota. Bei dem schweren Erdbeben der Stärke 7,4 in Kolumbien sind mindestens 20 Menschen ums Leben gekommen. Das teilten mehrere Bürgermeister des südamerikanischen Landes mit. Allein in der Stadt Pereira westlich der Hauptstadt Bogotá gab es demnach mindestens 18 Tote und Dutzende Verletzte. In Cali stürzten nach Angaben von Bürgermeister Alejandro Eder mindestens 20 Gebäude ein. Menschen seien darin eingeschlossen, erklärte er. Die Stadt habe Rettungsteams aus Bogota und Medellin angefordert, um bei den Bergungsarbeiten zu helfen. Schwere Schäden wurden auch aus anderen Regionen gemeldet. Besonders betroffen war die Provinz Choco an der Pazifikküste, wo das Epizentrum nahe der Gemeinde San Jose del Palmar lag. In der Provinzhauptstadt Quibdo gebe es Verletzte und erhebliche Schäden an Gebäuden, erklärte Gouverneurin Nubia Carolina Cordoba-Curi auf der Plattform X. Das Beben ereignete sich um 7.34 Uhr Ortszeit. Der kolumbianische geologische Dienst UNGRD korrigierte die Stärke des Bebens nachträglich auf 7,4. Zuvor war die Stärke mit 6,6 angegeben worden. Der Herd des Bebens lag demnach in einer Tiefe von 96 Kilometern. In Bogota gab es nach Angaben von Bürgermeister Carlos Galan keine größeren Schäden. Die UNGRD stand mit den Stellen vor Ort in Kontakt, um das Ausmaß der Zerstörung zu ermitteln.

Artikel lesen
10. August
Der Spiegel

Kolumbien: Schweres Erdbeben – Berichte über Tote, Verletzte und Schäden

Epizentrum westlich von Bogotá Schweres Erdbeben in Kolumbien – Berichte über Tote, Verletzte und Schäden Ein Erdbeben der Stärke 7,4 hat Kolumbien erschüttert. Es gab Verletzte und teils schwere Gebäudeschäden, auch Tote wurden gemeldet. Der Bürgermeister von Pereira, Mauricio Salazar, sprach von mindestens 18 Todesopfern. »Die Situation ist kritisch«, mahnte er. Weitere Menschen seien in eingestürzten Gebäuden verschüttet. Der Bürgermeister von Manizales, Jorge Eduardo Rojas, meldete zwei Todesopfer. Das Epizentrum lag nahe San José del Palmar im westkolumbianischen Departamento Chocó, wie der Kolumbianische Geologische Dienst (SGC) mitteilte. Das Beben ereignete sich demnach in einer Tiefe von 96 Kilometern. Das Beben ereignete sich um 7.34 Uhr Ortszeit. In der Hauptstadt des Departamento Chocó, Quibdó, wurden nach Angaben der Gouverneurin Nubia Carolina Córdoba mehrere Menschen verletzt und Gebäude schwer beschädigt. »Uns bereiten die Nachbeben Sorgen«, schrieb Córdoba auf der Plattform X. Acabamos de pasar un grave evento sísmico en el departamento del Chocó. Nos preocupan las réplicas. Aunque el epicentro fue San José del Palmar, en la capital Quibdó hay heridos y graves daños en las edificaciones. Ya estamos haciendo la evaluación de daños para emitir el primer… https://t.co/tqfFPcdVx7 — Nubia Carolina Córdoba-Curi (@NubiaCarolinaCC) August 10, 2026 Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung. Die nationale Katastrophenschutzbehörde UNGRD erhielt Berichte aus neun Provinzen. Das Beben war in allen 32 Provinzhauptstädten zu spüren und löste Evakuierungen aus. So waren die Erschütterungen unter anderem in Städten und Gemeinden wie Bogotá, Medellín, Cali, Pereira und Manizales zu spüren, wie mehrere Medien berichteten . In der Millionenstadt Cali seien Teile von Gebäudefassaden beschädigt worden, Bürgermeister Alejandro Eder meldete mindestens 20 eingestürzte Gebäude. Unter den Trümmern würden noch mehrere Menschen vermutet. Die genauen Schäden würden nun mithilfe von Drohnen ermittelt. Kathedrale in Manizales Foto: John Jairo Bonilla / AP / dpaIn Manizales habe ein Turm der Kathedrale Schäden erlitten. Auch aus Pereira seien Gebäudeschäden gemeldet worden. In Bogotá wurden Gebäude evakuiert, die Schäden in der kolumbianischen Hauptstadt beschränkten sich dem Bürgermeister zufolge aber auf Risse in Gebäuden. An den kleineren Flughäfen in Pereira, Manizales, Quibdó, Armenia, Cartago und Buenaventura wurde der Flugverkehr »aus Sicherheitsgründen« eingestellt, wie die Luftfahrtbehörde mitteilte. Ein Tsunami sei nicht zu befürchten, erklärten Behördenvertreter. Augenzeugen sagten der Nachrichtenagentur Reuters, dass das Beben auch im venezolanischen Grenzstaat Táchira sowie in der Stadt Barquisimeto im Westen des Landes zu spüren war. Venezuela war im Juni von zwei verheerenden Erdbeben erschüttert worden. Dabei kamen mehr als 6000 Menschen ums Leben, die meisten davon an der Küste nahe der Hauptstadt Caracas. Journalisten der Nachrichtenagentur AFP zufolge waren die aktuellen Erdstöße auch in der ecuadorianischen Hauptstadt Quito sowie in Panama zu spüren. Regierung aktiviert Krisenstab Der erst kürzlich vereidigte Präsident Abelardo de la Espriella ordnete die Einrichtung eines Krisenstabs in San José del Palmar an. Dieser soll die Maßnahmen zur Bewältigung der Schäden und die Hilfe für Betroffene koordinieren. De la Espriella kündigte an , persönlich nach Pereira zu reisen. Kurz nach dem Hauptbeben registrierte der Kolumbianische Geologische Dienst zudem ein Nachbeben der Stärke 4,6 im ebenfalls im Departamento Chocó gelegenen Nóvita.

Artikel lesen
© 2026 Themenlage