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Mittwoch, 22. Juli 2026
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Gedenken an Anschlag in München - Steinmeier fordert mehr Einsatz gegen Rassismus

Medienspektrum

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22. Juli
Tagesschau

Gedenken an Attentat im Olympia-Einkaufszentrum

Attentat aufs OEZ in München "Deutschland ist ein Land mit Migrationshintergrund" In München ist an die neun Todesopfer des Attentats im Olympia-Einkaufszentrum vor zehn Jahren erinnert worden. Bundespräsident Steinmeier rief dazu auf, Rassismus und Antisemitismus entschieden zu bekämpfen. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat an die neun Todesopfer des rassistischen OEZ-Attentats vor zehn Jahren in München erinnert. In seiner Rede wandte er sich entschieden gegen Rassismus und Antisemitismus - und gegen jede Einteilung von Menschen nur nach ihrer Herkunft. "Begreifen wir es endlich: Zuwanderungsgeschichte haben nicht nur einzelne Menschen - unser ganzes Land hat sie. Deutschland ist ein Land mit Migrationshintergrund. Das macht uns aus", sagte Steinmeier und betonte: "Die Toten von München, sie bleiben in unserem Gedächtnis." An der Gedenkveranstaltung nahmen neben Hinterbliebenen und Überlebenden unter anderem auch die bayerische Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) und Münchens Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) teil. Steinmeier mahnt zu Geschichtsbewusstsein Der Hass und die Vernichtungsabsicht des Täters hätten sich gegen Menschen gerichtet, die er als minderwertig angesehen habe, denen er das Recht zu leben abgesprochen habe, sagte Steinmeier. "Diese Ideologie kennen wir. In der Geschichte haben Deutsche mit dieser Ideologie millionenfach gemordet." Der Bundespräsident mahnte: "Niemals dürfen wir uns damit abfinden, dass solches Denken in unserem Land wieder Raum gewinnt. Nicht bei denen, die seit Generationen hier leben, nicht bei denen, die später zugewandert sind." Antisemitismus und Rassismus dürften keinen Platz in der Gesellschaft haben. "Dafür zu sorgen, das ist unser aller Pflicht", sagte Steinmeier. Niemand stehe aufgrund seiner Herkunft über jemand anderem. "Bekämpfen müssen wir alle, jede und jeder auf seine Weise und an ihrem Ort, bekämpfen müssen wir ein Klima, das feindlich gegenüber Menschen mit Zuwanderungsgeschichte ist", sagte Steinmeier. Steinmeier erinnerte an weitere tödliche rechtsextreme Anschläge wie die Attentate von Halle und Hanau, die Mordserie des NSU, die Tötung des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke oder das Münchner Oktoberfestattentat von 1980. Oft seien es Einzeltäter, bei denen "ideologische Verblendung, Amokfantasien, irrationale Weltbilder und psychische Störungen ein mitunter unentwirrbares Motivationsgeflecht" bildeten. Es gebe aber trotzdem einen "harten ideologischen Kern". Neun Menschen wurden getötet Am 22. Juli 2016 hatte der 18-jährige David S. aus rassistischen Motiven am Olympia-Einkaufszentrum (OEZ) acht Jugendliche und eine Erwachsene erschossen und sich später selbst getötet. Einige der Opfer hatten türkische, griechische oder albanische Wurzeln, andere gehörten der Gruppe der Sinti und Roma an. Die Tat war von den Behörden zunächst als Amoklauf aus persönlicher Rache eingestuft und erst 2019 durch das bayerische Landeskriminalamt als rassistisch motiviert bewertet worden. Die Angehörigen der Opfer fordern einen Untersuchungsausschuss im Landtag, um alle Hintergründe aufzuklären. Dabei deutete schon das Datum auf seine rechte, rassistische Überzeugung hin: Fünf Jahre zuvor, am 22. Juli 2011, wurden bei einem rassistischen Anschlag in Norwegen 77 überwiegend junge Menschen getötet.

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22. Juli
FAZ (Politik)

OEZ-anschlag von 2016: Steinmeier fordert „mehr klare Kante“ gegen Rassismus

OEZ-anschlag von 2016 : Steinmeier fordert „mehr klare Kante“ gegen Rassismus In München haben Politiker und Hinterbliebene der Opfer des Anschlags auf das Olympia-Einkaufszentrum gedacht. Während einer Schweigeminute am Abend sollen Busse und Bahnen stillstehen. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat bei einer Gedenkveranstaltung zum 10. Jahrestag des rechtsextremistisch motivierten Attentats am Münchener Olympia-Einkaufszentrum (OEZ) „mehr klare Kante“ im Kampf gegen Rassismus gefordert. Die rassistische Tat betreffe nicht nur die Opfer und ihre Angehörigen oder die Stadt München, sondern „unser ganzes Land“, sagte Steinmeier in München. Das gelte auch für das Leid der Angehörigen: „Sie sind nicht allein.“ Am 22. Juli 2016 hatte ein 18 Jahre alter Deutsch-Iraner an und in dem Einkaufszentrum in München neun Personen getötet. Nach der Tat tötete der Attentäter sich selbst. Die Opfer hatten türkische, griechische oder albanische Wurzeln oder gehörten der Gruppe der Sinti und Roma an. Staat und Gesellschaft dürften über die Ursachen und Konsequenzen solcher rechtsterroristischen Verbrechen nicht schweigen, sagte Steinmeier. Zwar seien es oft einzelne Täter, bei denen „Amok-Phantasien, irrationale Weltbilder und psychische Störungen ein mitunter unentwirrbares Motivationsgeflecht“ ergäben, sagte er. „Das darf nicht dazu führen, den harten ideologischen Kern von rechtsextremistischen Attacken wie der am und im OEZ nicht wahrhaben zu wollen.“ Die Spur solcher Taten ziehe sich durch die Geschichte der Bundesrepublik, sagte der Bundespräsident. Jede Spur von „volksverhetzendem, rassistischem Sprechen, Handeln und Posten politisch bekämpfen, aber auch verfolgen und sanktionieren“, nannte Steinmeier als Konsequenz für die Reihe an rechtsterroristischen Anschlägen. Angehörige der Opfer fordern einen Untersuchungsausschuss Ursprünglich bewerteten die Behörden den Anschlag als unpolitischen Amoklauf, der vor allem durch persönliche Rachemotive des Täters erklärt wurde. Nach einer Reihe von Gutachten und Ermittlungsergebnissen erkannte das Bundesjustizministerium die Tat 2018 als rechtsextremistisch motiviert an. 2019 stuften die bayerischen Behörden sie als „politisch motivierte Gewaltkriminalität rechts“ und damit als rassistisch und rechtsextremistisch motivierte Tat ein. „Gerade für die Hinterbliebenen und Angehörigen hat es wohl allzu lange gedauert, bis eindeutig und öffentlich der rechtsterroristische Anschlag im OEZ auch als solcher anerkannt worden ist“, sagte Steinmeier. Nicht nur einzelne Menschen hätten eine Zuwanderungsgeschichte, sondern „unser ganzes Land“, sagte Steinmeier. Während seiner Rede verlas er die Namen der neun Opfer. Bei der Gedenkveranstaltung sprachen neben Münchens Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) und Bayerns Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) auch Angehörige der Opferfamilien. Zum Tatzeitpunkt um 17.51 Uhr wird der Opfer mit einer Schweigeminute gedacht. Zudem stehen um diese Uhrzeit die Busse und Bahnen für eine Minute still.

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22. Juli
Die Welt (Politik)

„Deutschland ist ein Land mit Migrationshintergrund“, sagt Steinmeier beim Anschlags-Gedenken

„Deutschland ist ein Land mit Migrationshintergrund“, sagt Steinmeier beim Anschlags-Gedenken Vor zehn Jahren tötete ein 18-Jähriger aus rassistischen Motiven in München acht Jugendliche und eine Erwachsene. Bundespräsident Steinmeier nutzt das Gedenken für eine Positionierung in der Debatte um Zuwanderung. Zum zehnten Jahrestag des Anschlags beim Münchner Olympia-Einkaufszentrum (OEZ) hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier „mehr klare Kante“ im Kampf gegen Rassismus gefordert. Über Ursachen und Konsequenzen solcher Verbrechen dürfe nicht geschwiegen werden, sagte Steinmeier laut Redemanuskript bei der Gedenkveranstaltung am Mittwoch in München. Auch Bayerns Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) und Münchens Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) sprachen bei dem Gedenkakt. „Gerade für die Hinterbliebenen und Angehörigen hat es wohl allzu lange gedauert, bis eindeutig und öffentlich der rechtsterroristische Anschlag im OEZ auch als solcher anerkannt worden ist“, sagte Steinmeier. Diese rassistische Tat „geht uns alle in diesem Land an“, ebenso wie das Leid der Angehörigen: „Sie sind nicht allein.“ Steinmeier verlas, ebenso wie nach ihm Aigner und Krause, die Namen der neun Ermordeten. Der Täter habe keines seiner Opfer gekannt, wollte aber gezielt bestimmte Menschen töten. „Diese Ideologie kennen wir“, sagte Steinmeier. „Niemals dürfen wir uns damit abfinden, dass solches Denken in unserem Land wieder Raum gewinnt.“ Jedes totalitäre Denken beginne mit der Verneinung von Individualität. Die Menschenwürde gelte jedoch „für uns alle“. „Zuwanderungsgeschichte haben nicht nur einzelne Menschen – unser ganzes Land hat sie“, sagte er. „Deutschland ist ein Land mit Migrationshintergrund. Das macht uns aus.“ Und weiter: „Wer die Menschenfreundlichkeit unseres Gemeinwesens bewahren und schützen will, muss gegen jede Spur von Menschenfeindlichkeit eintreten.“ Landtagspräsidentin Aigner sprach den Hinterbliebenen ihr Mitgefühl aus: „Es tut mir fürchterlich leid“, sagte sie laut Redemanuskript. „Wir können Ihr Leid nicht heilen. Aber wir können versprechen, die Opfer – ihre Namen, ihre Geschichten – nie zu vergessen.“ Sie wisse um ihren Schmerz, sagte Aigner: „Wir sind hier, um als Gemeinschaft mit Ihnen zu trauern.“ Sie wisse auch um ihre Wut und Enttäuschung sowie ihr „Gefühl von Ungerechtigkeit, weil Sie zu schwer kämpfen mussten – für die Wahrheit, für Respekt, für Anerkennung“. OEZ-Anschlag in einer Reihe mit Taten in Utøya und Christchurch Aigner nannte es wichtig, jeden Tag aufzustehen gegen „Menschenverachtung aller Art“. Der OEZ-Anschlag stehe in einer Reihe etwa mit jenen in Oslo, Utøya und Christchurch, den NSU-Morden, Halle und Hanau. Oberbürgermeister Krause machte „eine rechtsextreme, rassistische, antisemitische Ideologie“ für die Taten verantwortlich. Er erinnerte an die fünf Menschen, die durch Schüsse des Attentäters schwer verletzt wurden und ebenfalls bis heute litten. Das Gedenken solle zugleich – auch auf Wunsch der Familien – eine Mahnung sein, „dass wir tagtäglich eintreten müssen für eine humane und offene Gesellschaft“. Die in München neu geschaffenen Orte des Erinnerns seien Teil eines Versprechens der Stadt, zu lernen: „auch aus Versäumnissen und Fehlern der staatlichen Institutionen“, inklusive der Landeshauptstadt München. Krause fragte: „Warum fällt es unserer Gesellschaft immer wieder so schwer, rechtsextremen Terror als das zu benennen, was er ist?“ Diese Frage „müssen wir uns stellen, wenn wir strukturell etwas verändern wollen“. Er dankte den Angehörigen der Opfer für ihr Engagement. Am 22. Juli 2016 hatte der 18-jährige David S. aus rassistischen Motiven am OEZ acht Jugendliche und eine Erwachsene erschossen und sich später selbst getötet. Einige der Opfer hatten türkische, griechische oder albanische Wurzeln, andere gehörten der Gruppe der Sinti und Roma an. Die Tat war von den Behörden zunächst als Amoklauf aus persönlicher Rache eingestuft und erst 2019 durch das bayerische Landeskriminalamt als rassistisch motiviert bewertet worden. Die Angehörigen der Opfer fordern einen Untersuchungsausschuss im Landtag, um alle Hintergründe aufzuklären. Beim Gedenkakt sprachen neben den Politikern auch Angehörige der Opferfamilien. Zuvor hatte der Landtag seine Plenarsitzung für einen Gedenkakt unterbrochen. Zum Tatzeitpunkt um 17.51 Uhr wurde in München der Opfer mit einer Schweigeminute gedacht. Auch der öffentliche Nahverkehr stand für eine Minute still.

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22. Juli
Süddeutsche Zeitung

Anschlag vor zehn Jahren: München erinnert an die neun OEZ-Opfer – das Gedenken im Livestream

Trauerbeflaggung, ein Gedenken mit dem Bundespräsidenten und eine Schweigeminute zum Zeitpunkt der Tat: München erinnert an den zehnten Jahrestag des rassistisch motivierten Anschlags am Olympia-Einkaufszentrum (OEZ) mit neun Todesopfern. Am Denkmal am damaligen Tatort wird Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) sprechen. Außerdem sind Reden von Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU), Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) sowie Hinterbliebenen der Opfer angekündigt. Die Gedenkveranstaltung findet am Denkmal „Für Euch“ an der Hanauer Straße vor dem OEZ statt – live im Stream von BR24 des Bayerischen Rundfunks. Zum Tatzeitpunkt um 17.51 Uhr wird der Opfer mit einer Schweigeminute gedacht. Dann werden auch U-Bahnen, Trams und Busse für eine Minute stillstehen. Ministerpräsident Markus Söder hat für alle staatlichen Dienstgebäude in Bayern für den Jahrestag Trauerbeflaggung angeordnet. Am 22. Juli 2016 hatte ein 18-Jähriger am Olympia-Einkaufszentrum acht Jugendliche und eine erwachsene Frau erschossen, ehe er sich selbst tötete. Weitere Menschen wurden verletzt. Die Ermittlungsbehörden sprachen schnell vom Amoklauf eines Einzeltäters. Dabei deutete schon das Datum auf seine rechte Überzeugung hin: Fünf Jahre zuvor, am 22. Juli 2011, hatte der Rassist Anders Behring Breivik in Norwegen 77 überwiegend junge Menschen getötet. Erst im Oktober 2019 stuften die Ermittler die Tat am OEZ als rechtsextremistisch motiviert ein. Dieses Motiv sei lange ignoriert oder bagatellisiert worden, kritisiert die Initiative München erinnern, die Angehörige der Opfer und Überlebende mit weiteren Unterstützern gegründet haben. Zum Jahrestag fordern Hinterbliebene einen Untersuchungsausschuss. Sie wollen wissen, ob die Tat hätte verhindert werden können, wenn Hinweise aus dem Umfeld des 18-Jährigen ernst genommen worden wären – und ob erneut ermittelt werden müsste, um mögliche Hintermänner zu finden und rechte Netzwerke aufzudecken. Größter Wunsch der Angehörigen sei es dabei, dass sich eine solche Tat nicht wiederhole, hieß es von der Initiative München erinnern. Niemand solle erleben, was sie erlebt hätten. Stillstand im Nahverkehr Die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) beteiligt sich am Gedenken und unterbricht dafür den Betrieb. Um 17.51 Uhr stehen alle öffentlichen Verkehrsmittel der MVG – U-Bahnen, Trambahnen und Busse – für eine Minute still. Um den Aufenthalt auf freier Strecke beziehungsweise im Tunnel zu vermeiden, bleiben die Fahrzeuge in Einzelfällen bereits kurze Zeit vorher an der nächstgelegenen Haltestelle oder einer anderen passenden Stelle stehen. Die Fahrgäste werden sowohl in den Fahrzeugen als auch an den Haltestellen über digitale Anzeigen und Durchsagen darauf hingewiesen. Rund um das OEZ werden die Expressbuslinien X35 und X36 umgeleitet sowie die Linien 50, 60, 163 und 175. Die Haltestellen Olympia-Einkaufszentrum West und Olympia-Einkaufszentrum entfallen. Beim Bus 51 entfällt von circa 7 bis 17 Uhr die Endhaltestelle Moosach Bahnhof.

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22. Juli
Neues Deutschland

München / Zehn Jahre nach rechtem Anschlag | Zehn Jahre OEZ-Anschlag: Wie viele Einzeltäter sind ein Netzwerk?

- Politik - München / Zehn Jahre nach rechtem Anschlag Zehn Jahre OEZ-Anschlag: Wie viele Einzeltäter sind ein Netzwerk? Rassistischer Neunfachmord im Münchner Olympia-Einkaufszentrum 2016: Warum Opferfamilien jetzt einen Untersuchungsausschuss fordern Sicherheitsbehörden sprachen noch lange von einem unpolitischen »Amoklauf« – dabei gab es von Anfang an auch Hinweise auf einen rechtsextremen Hintergrund: Der Attentäter vom Münchner Olympia-Einkaufszentrum (OEZ) hatte seine jungen Opfer via Facebook unter dem Mädchennamen »Selina« in die dortige McDonald’s-Filiale gelockt und versprochen, ihnen beim »Meggi« etwas auszugeben. Die meisten der neun Menschen, die dort am 22. Juli 2016 ihr Leben verloren, wären heute, am zehnten Jahrestag des Anschlags, erst Mitte 20 bis 30 Jahre alt. Alle hatten einen Migrationshintergrund oder wurden zumindest so gelesen: Armela Segashi und Sabina Sulaj, zwei 14-Jährige, und der 20-jährige Dijamant Zabërgja – ihre Familien stammten aus dem Kosovo. Can Leyla und Selçuk Kılıç – zwei türkischstämmige Jungen im Alter von 14 und 15 Jahren. Hüseyin Dayıcık – ein 17-Jähriger mit griechisch-türkischem Hintergrund – und Janos Roberto Rafael, ein aus Ungarn stammender Rom (15). Ein weiteres Opfer – der 19-jährige Giuliano Kollmann – gehörte als deutscher Sinto zu einer seit 1995 anerkannten nationalen Minderheit, die während des Nazi-Regimes als »fremdrassig« verfolgt wurde. Die 45-jährige Sevda Dağ passte zwar nicht ins Muster der auf Jugendliche zugeschnittenen Facebook-Falle, war aber eine seit ihrer Kindheit in Deutschland lebende türkische Staatsbürgerin. Sie wollte vor dem Familienurlaub noch Einkäufe im OEZ erledigen. Täter verehrte Hitler und Breivik Es war der fünfte Jahrestag des Massenmordes, den der Norweger Anders Behring Breivik 2011 an links-sozialdemokratischen Jugendlichen auf der Ferieninsel Utøya begangen hatte. Am frühen Abend des 22. Juli 2016 überschlugen sich nicht nur in der bayerischen Landeshauptstadt die Meldungen und Gerüchte: Wurde an mehreren Orten in München geschossen oder nur im OEZ – und war es ein islamistischer Anschlag? Letzteres war auch eine der ersten Vermutungen, die fünf Jahre zuvor nach dem Breivik-Massaker in Norwegen international die Runde gemacht hatten. Wenig später stand fest, dass sich der 18-jährige Täter vom OEZ am Ende selbst erschossen hatte und keine weiteren Terroristen in der Stadt unterwegs waren. Daher war bald von einem Amoklauf die Rede. Zeugenaussagen aus seinem Umfeld legten später nahe, David Sonboly habe seine Opfer nach ihrer Ähnlichkeit zu »ausländischen« Mitschülern ausgewählt, die ihn gemobbt hätten. Er galt als psychisch labil. Er selbst sah sich als »Arier« und empfand es als Auszeichnung, an Hitlers Geburtstag, am 20. April, geboren worden zu sein – das ergab die Auswertung digitaler Spuren. Schon kurz nach der Tat kursierte ein Handy-Video, auf dem ein Wortgefecht des Täters mit einem Anwohner des OEZ zu hören ist, der ihn von einem Balkon aus beschimpfte. Dabei legte Sonboly Wert darauf, Deutscher zu sein. Seine Eltern stammten aus dem Iran. Somit könnte er selbst von Rassismus in Deutschland betroffen gewesen sein; er hasste jedoch Türken. Laut Ermittlungsakten hatte er noch am Tag der Tat eine Datei mit dem Namen »Ich werde jetzt jeden Deutschen Türken auslöschen egal wer.docx« angelegt. Dies gab später das bayerische Innenministerium in einer Antwort auf die Anfrage der Grünen im Landtag bekannt. Rechter Waffendealer vor Gericht Geschossen hatte Sonboly mit einer wieder scharf gemachten Theaterwaffe. Juristisch belangt wurde später der zur Tatzeit 31-jährige Waffenverkäufer Philipp K., der dem Täter die Pistole vom Typ Glock 17, Kaliber neun Millimeter, sowie mehrere Hundert Schuss Munition im Darknet angeboten hatte. Ihm konnten ebenfalls stramm neonazistische Äußerungen aus E-Mails und Chat-Verläufen zugeordnet werden, die er vor Gericht teilweise als scherzhaft abzutun versuchte. Angeklagt und verurteilt wurde K. nicht wegen Beihilfe zum Mord, sondern wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung und Verstößen gegen das Waffengesetz. Dabei gab es während der Verhandlung Hinweise auf Mitwisserschaft – nicht nur des Angeklagten, sondern mindestens einer weiteren Person. Laut einem Prozessbericht der »Süddeutschen Zeitung« vom 22. September 2017 hatte eine Zeugin erklärt, ihre extrem rechts orientierte Schwägerin Elke F. habe am Tatabend damit geprahlt, über Umwege von Philipp K. in Darknet-Chats schon im Vorfeld von den Anschlagsplänen erfahren zu haben. Ein Ermittlungsverfahren gegen die Frau schien im Sand zu verlaufen. Nebenklageanwalt Yavuz Narin, der parallel im Münchner NSU-Prozess Opferangehörige vertrat, erkannte hier ein Muster und äußerte den Verdacht, dass auch im Fall des OEZ-Anschlags V-Leute von Sicherheitsbehörden eine Rolle gespielt und möglicherweise vom Tatplan gewusst hatten. Verdacht auf Mitwisserschaft von V-Leuten Narin stellte in diesem Zusammenhang mehrere Beweisanträge, in denen er die Frage aufwarf, ob Elke F. als V-Person tätig gewesen sei und ob es Absprachen zwischen Staatsanwaltschaft und Zollfahndung gegeben hatte. Im OEZ-Prozess warnten die Nebenklagevertreter eindringlich davor, dass Philipp K. mit der Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung »ein Strafklageverbrauch geschenkt« werde: Nach deutschem Recht kann ein rechtskräftig Verurteilter nicht noch einmal wegen derselben Tat angeklagt werden – und das Strafmaß für fahrlässige Tötung beträgt maximal fünf Jahre Haft, während Beihilfe zum Mord mit bis zu 15 Jahren bestraft werden kann. K. wurde wegen fahrlässiger Tötung in neun Fällen sowie fahrlässiger Körperverletzung in fünf Fällen und wegen Verstößen gegen das Waffengesetz zu sieben Jahren Haft verurteilt. Das Urteil wurde 2019 rechtskräftig, nachdem beide Seiten erfolglos in Revision gegangen waren. Der Bundesgerichtshof zeigte sich überzeugt, dass Sonboly in die Planung der Tat »niemanden einbezogen« hatte. Der sogenannte Strafklageverbrauch ist somit für Philipp K. eingetreten. Opferangehörige wollen es darauf aber nicht beruhen lassen. Sie kritisieren das Behördenhandeln rund um den Anschlag und fordern mit Unterstützung der Grünen einen Untersuchungsausschuss im bayerischen Landtag, der dies aufarbeiten soll. Dies befürwortet auch Die Linke, die im bayerischen Landesparlament nicht vertreten ist. »Obwohl es ein eindeutiges Bekennerschreiben des Täters gab, haben sich die bayerischen Behörden jahrelang geweigert, den Anschlag als rechtsextremistisch und rassistisch einzustufen«, erklärte Linkspartei-Vize Ateş Gürpınar zum Jahrestag des Anschlags. Stattdessen immer wieder von Amoklauf zu sprechen, sei kein Versehen gewesen, »sondern eine gezielte Verharmlosung von rechtem Terror«. Die Initiative »München erinnern!« hat zum zehnten Jahrestag eine Kampagne gestartet und fragt auf ihrer Homepage muenchen-erinnern.de unter anderem: »Wie viele Einzeltäter sind ein Netzwerk?« Wir sind käuflich. Aber nur für unsere Leser*innen. Die »nd.Genossenschaft« gehört ihren Leser*innen und Autor*innen. Sie sind es, die durch ihren Beitrag unseren Journalismus für alle zugänglich machen: Hinter uns steht kein Medienkonzern, kein großer Anzeigenkunde und auch kein Milliardär. 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22. Juli
Süddeutsche Zeitung

Anschlag vor zehn Jahren: München gedenkt der OEZ-Opfer mit Schweigeminute und Rede des Bundespräsidenten

Trauerbeflaggung, ein Gedenken mit dem Bundespräsidenten und eine Schweigeminute zum Zeitpunkt der Tat: München erinnert an den zehnten Jahrestag des rassistisch motivierten Anschlags am Olympia-Einkaufszentrum (OEZ) mit neun Todesopfern. Am Denkmal am damaligen Tatort wird Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) sprechen. Außerdem sind Reden von Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU), Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) sowie Hinterbliebenen der Opfer angekündigt. Die Gedenkveranstaltung beginnt um 16 Uhr (Einlass 15 Uhr) am Denkmal „Für Euch“ an der Hanauer Straße vor dem OEZ. Zum Tatzeitpunkt um 17.51 Uhr wird der Opfer mit einer Schweigeminute gedacht. Dann werden auch U-Bahnen, Trams und Busse für eine Minute stillstehen. Ministerpräsident Markus Söder hat für alle staatlichen Dienstgebäude in Bayern für den Jahrestag Trauerbeflaggung angeordnet. Am 22. Juli 2016 hatte ein 18-Jähriger am Olympia-Einkaufszentrum acht Jugendliche und eine erwachsene Frau erschossen, ehe er sich selbst tötete. Weitere Menschen wurden verletzt. Die Ermittlungsbehörden sprachen schnell vom Amoklauf eines Einzeltäters. Dabei deutete schon das Datum auf seine rechte Überzeugung hin: Fünf Jahre zuvor, am 22. Juli 2011, hatte der Rassist Anders Behring Breivik in Norwegen 77 überwiegend junge Menschen getötet. Erst im Oktober 2019 stuften die Ermittler die Tat am OEZ als rechtsextremistisch motiviert ein. Dieses Motiv sei lange ignoriert oder bagatellisiert worden, kritisiert die Initiative München erinnern, die Angehörige der Opfer und Überlebende mit weiteren Unterstützern gegründet haben. Zum Jahrestag fordern Hinterbliebene einen Untersuchungsausschuss. Sie wollen wissen, ob die Tat hätte verhindert werden können, wenn Hinweise aus dem Umfeld des 18-Jährigen ernst genommen worden wären – und ob erneut ermittelt werden müsste, um mögliche Hintermänner zu finden und rechte Netzwerke aufzudecken. Größter Wunsch der Angehörigen sei es dabei, dass sich eine solche Tat nicht wiederhole, hieß es von der Initiative München erinnern. Niemand solle erleben, was sie erlebt hätten. Stillstand im Nahverkehr Die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) beteiligt sich am Gedenken und unterbricht dafür den Betrieb. Um 17.51 Uhr stehen alle öffentlichen Verkehrsmittel der MVG – U-Bahnen, Trambahnen und Busse – für eine Minute still. Um den Aufenthalt auf freier Strecke beziehungsweise im Tunnel zu vermeiden, bleiben die Fahrzeuge in Einzelfällen bereits kurze Zeit vorher an der nächstgelegenen Haltestelle oder einer anderen passenden Stelle stehen. Die Fahrgäste werden sowohl in den Fahrzeugen als auch an den Haltestellen über digitale Anzeigen und Durchsagen darauf hingewiesen. Rund um das OEZ werden die Expressbuslinien X35 und X36 umgeleitet sowie die Linien 50, 60, 163 und 175. Die Haltestellen Olympia-Einkaufszentrum West und Olympia-Einkaufszentrum entfallen. Beim Bus 51 entfällt von circa 7 bis 17 Uhr die Endhaltestelle Moosach Bahnhof.

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22. Juli
Tagesschau

Zehn Jahre nach OEZ-Anschlag: Hinterbliebene fühlen sich im Stich gelassen

Hinterbliebene des OEZ-Anschlags "Sie haben uns im Stich gelassen" Vor zehn Jahren tötete ein rechtsextremer Attentäter neun Menschen am Olympia-Einkaufszentrum in München. Behörden werteten die Tat lange als unpolitischen Amoklauf - mit Folgen für die Betroffenen. Wenn Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier heute bei der Gedenkfeier zum 10. Jahrestag des Attentats am Münchner Olympia-Einkaufszentrum (OEZ) das Wort ergreifen wird, werden ihm die Überlebenden des Anschlags und die Hinterbliebenen der Opfer genau zuhören. Denn bei ihnen sind nicht nur Trauer und Schmerz immer noch groß, sondern auch die Enttäuschung über das Verhalten des Staates nach dem Attentat. Die Initiative "München erinnern!", in der sich Hinterbliebene der Mordopfer zusammengeschlossen haben, fordert anlässlich des Jahrestages eine Entschuldigung des Staates. Acht Jugendliche und eine 45-jährige Mutter wurden am 22. Juli 2016 ermordet. Alle Opfer stammten aus Familien mit Migrationsgeschichte oder der Minderheit der Sinti. Kein Zufall, der 18-jährige Täter David S. nahm sie bewusst ins Visier. Auf seinem Computer fand sich eine Art Abschiedsbrief, den er am Tag des Attentats verfasst hatte - unter dem Dateinamen (Zitat in Originalschreibweise): "Ich werde jetzt jeden Deutschen Türken auslöschen egal wer". Norwegischer Massenmörder Breivik als Vorbild Auch der Zeitpunkt des Anschlags war ein klares Zeichen: Der fünfte Jahrestag des Massakers, das der norwegische Rechtsextremist Anders Breivik 2011 in Oslo und auf der Insel Utøya verübt hatte. Dass der OEZ-Attentäter Rassist und Rechtsextremist war, wurde von den Ermittlern nie bezweifelt. Dennoch beharrten bayerische Staatsregierung und Staatsanwaltschaft jahrelang darauf, David S. habe einen Amoklauf verübt, ausgelöst durch Mobbing in der Schule. Diese Festlegung hatte Folgen: Betroffene hatten dadurch zunächst keinen Anspruch auf Entschädigung aus einem Fonds, den die Bundesregierung für Opfer rechtsextremer Gewalt eingerichtet hat. Das OEZ-Attentat wurde auch nicht in die offiziellen Statistiken zu extremistischer Gewalt aufgenommen. Staatsregierung und Justiz beharrten auf Mobbing als Tatmotiv Indem die Behörden Mobbing zum maßgeblichen Tatmotiv erklärten, attestierten sie David S. zudem eine Art Opferrolle - so empfanden es jedenfalls die Familien der Ermordeten. Zumal die Ermittler immer wieder versucht hätten, Verbindungen zwischen David S. und seinen Opfern zu finden, kritisiert etwa Yasemin Kılıç, deren 15-jähriger Sohn Selçuk im OEZ erschossen wurde: "Mein Mann wurde mehrmals zum LKA zur Aussage vorgeladen. Sie wollten irgendwie einen Zusammenhang finden zwischen dem Täter und unseren Kindern, aber keiner hatte irgendeine Verbindung zu ihm." Familien der Opfer fordern Untersuchungsausschuss Hinterbliebene wie Yasemin Kılıç, die sich in der Initiative "München erinnern!" zusammengeschlossen haben, prangern zudem an, dass die internationalen Verbindungen von David S. kaum oder viel zu spät untersucht worden seien. So war S. über eine Online-Plattform in Kontakt mit einem jungen Mann in den USA, der anderthalb Jahre nach dem OEZ-Attentat an einer Highschool in Aztec (New Mexico) zwei Schüler hispanoamerikanischer Herkunft ermordete. Hätte diese Tat verhindert werden können, wenn die deutsche Polizei konsequent ermittelt und US-Behörden informiert hätte? Eine von vielen Fragen, die die Hinterbliebenen von einem Untersuchungsausschuss des bayerischen Landtages geklärt haben wollen. Mit Unterstützung der Grünen im Landtag soll demnächst ein entsprechender Ausschuss beantragt werden. Darin soll es auch um die aus Sicht der Betroffenen schlechte Informationspolitik der Behörden gehen. Nach der Tat habe man Angehörige stundenlang im Unklaren gelassen über das Schicksal ihrer Kinder und Enkel, wodurch sie zusätzlich traumatisiert worden seien. Es habe auch keine professionelle Betreuung der Angehörigen und Überlebenden gegeben. "Sie haben uns im Stich gelassen", sagt Yasemin Kılıç. Der 15-jährige Selçuk wurde von David S. erschossen. Hinterbliebene erwarten Entschuldigung des Staates Besonders schmerzt die Hinterbliebenen, dass sich staatlicherseits niemand bei den Angehörigen entschuldigt habe - insbesondere für die jahrelange Einstufung des rassistischen Attentats als Amoklauf. Im bayerischen Innenministerium sieht man dafür keinen Anlass: "Letztlich konnte die entsprechende Einstufung der Tat dann auch erst auf Basis der durch die Ermittlungen geschaffenen Faktenbasis erfolgen", heißt es auf tagesschau-Anfrage. Dass die Tat erst nach drei Jahren als rechtsextremer Anschlag eingestuft worden sei, sei "ein Indiz für die Sorgfalt" der bayerischen Polizei. Ganz anders beurteilt das die Münchner Opferberatungsstelle BEFORE, die mehrere Betroffene des OEZ-Attentats betreut: "Wird das Tatmotiv nicht er- oder anerkannt, kann kein anderer Schluss daraus gezogen werden, als dass der Wille, umfassend und tiefgehend zu ermitteln, fehlt." Die Neubewertung sei viel zu spät erfolgt. Zudem kam die Kehrtwende der Staatsregierung erst, als der öffentliche Druck immer massiver wurde. Die Amok-These wurde schon früh von Opferanwälten, Landtagsopposition, Medien und Wissenschaft infrage gestellt. Drei wissenschaftliche Gutachten, die die Stadt München in Auftrag gegeben hatte, kamen zu dem Ergebnis: Mobbing sei für die Tat nicht ausschlaggebend gewesen, es gebe klare Hinweise auf einen extrem rechten Hintergrund der Tat. "Amok oder Attentat?" - keine rein akademische Frage Die Frage "Amok oder Attentat?" ist keine rein akademische. Amok bedeutet ursprünglich, dass ein Täter in einem psychischen Ausnahmezustand quasi willkürlich mordet. So wird Amok auch von den meisten Menschen verstanden. In den Ermittlungsbehörden wird der Begriff jedoch teils anders verwendet. So werden in der Bayerischen Zentralstelle zur Bekämpfung von Extremismus und Terrorismus (ZET) rechtsextreme Attentäter unter dem Begriff Amok zusammengefasst - selbst wenn sie ihre Taten monatelang geplant haben. In den bundesweit geltenden Polizeidienstvorschriften ist zudem die sogenannte polizeiliche Amoklage verankert. Sie wird ausgerufen, wenn ein Täter anscheinend wahllos oder auch gezielt Menschen tötet oder gefährdet. So geschehen etwa Anfang Juli im oberbayerischen Schongau, als ein 16-Jähriger mit Schusswaffe und Messern ins dortige Gymnasium stürmte und zwei 13-jährige Mädchen schwer verletzte. Die Polizei rief die Amoklage aus, Medien übernahmen den Begriff. Tage später stellte sich heraus, dass der Täter offenbar ein sogenanntes Manifest verfasst hatte, worin er seine rechtsextreme Ideologie ausbreitet. Auch hier liegt also der Verdacht nahe, dass es sich um einen gezielten Anschlag gehandelt hat. "Es war kein Ermittlungsfehler, sondern politisches Kalkül" Yasemin Kılıç, deren Sohn Selçuk vor zehn Jahren im OEZ ermordet wurde, hofft, dass in den Behörden ein Umdenken stattfindet: "Sie müssen aus den Fehlern lernen." Sie vermutet aber, dass das Verhalten der Behörden kein reines Versehen war: "Es wurde jahrelang das Märchen erzählt von einem unpolitischen Amoklauf. Das war politisches Kalkül, um die Augen vor dem Problem des Rechtsextremismus zu schließen."

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